Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

Das gemĂ€ĂŸigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umkĂ€mpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urvölker Asamuras, wĂ€hrend die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.

Das Herzland
Das gemĂ€ĂŸigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umkĂ€mpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urvölker Asamuras, wĂ€hrend die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.
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Alaryah Schattenwind
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Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#1

Beitragvon Alaryah Schattenwind » Do 4. Mai 2017, 15:41

<Wie wunderbar doch der Duft des Sommers ist.>, dachte Alaryah und atmete tief durch. Die Sonne bahnte sich ihren Weg durch das BlĂ€tterdach des Waldes und ein leichter Wind wehte. Die Schatten der BlĂ€tter zauberten allerhand Muster auf den weichen Waldboden, der das GerĂ€usch von Alaryahs Schritten fast vollstĂ€ndig verschluckte. Lautlos schlenderte die Albin ihrer Wege, dabei jedoch immer ein wachsames Auge fĂŒr ihre Umgebung habend. <Eigentlich hĂ€tte ich Sonnenstrahl auch mitnehmen können.>, ĂŒberlegte sie und dachte an ihr Pferd, welches daheim wohl schon auf sie wartete. NĂ€chstes Mal vielleicht dann.
Es war eigentlich eine Patrouille wie immer...eigentlich. An einer Weggabelung war etwas anders als sonst. Da waren...FußabdrĂŒcke?! <Wen haben wir denn hier?>. Alaryah ging in die Hocke und folgte mit ihrem Blick den Spuren. <Da schien jemand im Unterholz unterwegs gewesen zu sein und hat dann hier den Weg gekreuzt.> So wie es aussah musste es sich hierbei sogar um eine ganze Gruppe von Personen gehandelt haben. <Wie kamen die unbemerkt bis hier hin?!>. So verharrte sie regungslos in ihrer Position und lauschte. Nach kurzer Konzentration atmete die Albin sanft aus und spĂŒrte, wie sich ihre Sinne schĂ€rften. Da waren die GerĂ€usche des Waldes mit den Tieren und Pflanzen...und... Alaryah schlug die Augen auf. Da war noch mehr! Lautlos verschwand die Albin im Unterholz und machte sich in die Richtung auf, in welcher sie die fremden GerĂ€usche vernommen hatte.

Kurze Zeit spĂ€ter waren die Personen, die die Spuren hinterlassen hatten, deutlicher zu hören. Jemand lachte rau und hier und da hob jemand anderes die Stimme. Vorsichtig rĂŒckte Alaryah vor, keinen Laut von sich gebend. Dort in der Ferne, auf der kleinen Lichtung mit dem Bach! Eine ungewohnte Situation spielte sich dort ab. Alaryah erkannte eine Gruppe, die teilweise ihre Waffen gezogen hatten. Sie waren in einer Art von Kampf mit einem jungen Alben in hellen GewĂ€ndern verwickelt. Eigentlich, so schĂ€tzte Alaryah, hĂ€tten die Kerle ihn mit Leichtigkeit ĂŒberwĂ€ltigen können. Nach einem Trainingskampf sah es aber auch nicht wirklich aus. Machten sich die MĂ€nner einen Spaß daraus den Alben zu piesacken? Die rauen Stimmen, die Kleidung und AusrĂŒstung der Gruppe machten jedenfalls keinen freundlichen Eindruck. Sonderbar fand Alaryah weiterhin, dass dort eine weitere, in gewisser Weise unbeteiligte Person einfach daneben stand. Diese Person griff nicht ein, lief aber auch nicht davon . Es war, als wĂŒrde sie kaum mitbekommen, was ĂŒberhaupt um sie herum passierte. Viele TĂ€towierungen ĂŒberzogen Gesicht und HĂ€nde der weiblichen, scheinbar menschlichen Person und bildeten Symbole und SchriftzĂŒge ab. AuffĂ€llig war noch der Stab in ihrer Hand. Es handelte sich um eine Art Wanderstock, an dessen oberen Ende mehrere kleine Phiolen hingen. <Wer bist du?>, fragte Alaryah die Frau gedanklich und versuchte sie einzuschĂ€tzen. Da plötzlich hörte Alaryah ein dumpfes GerĂ€usch aus Richtung der Gruppe. Ihr Blick flog herĂŒber und sie konnte eben noch sehen, wie der Alb taumelte. Einer der MĂ€nner hatte ihm anscheinend einen saftigen Haken und somit auch eine blutige Lippe verpasst. Eigentlich hĂ€tte Alaryah nun gern etwas VerstĂ€rkung bei sich gehabt, aber die jetzt zu holen wĂŒrde wahrscheinlich zu lange dauern... <Was solls.>. Alaryah erhob sich. "Hedort.", sagte sie mit leicht erhobener Stimme. "Was fĂŒhrt Euch zu uns und...wer seid ihr ĂŒberhaupt, wenn die Frage gestattet ist?". Sie machte gelassen ein paar Schritte auf die Gruppe zu, blieb jedoch abrupt stehen als sie merkte, dass die Frau mit dem Wanderstock sie nun direkt aus kalten Augen fixierte. <Seien wir lieber vorsichtig.>, riet sich Alaryah selbst und wartete die Reaktionen ab. Ganz geheuer war ihr das alles zumindest nicht.
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#2

Beitragvon Jaro BallivĂČr » Fr 5. Mai 2017, 12:06

Jaro hatte bereits einige Zeit unentschlossen im GebĂŒsch gesessen. Sie waren zu viert und mindestens zwei waren bewaffnet. Der junge Alb dachte nach. Er beobachtete die Truppe bereits seit ein paar Tagen, sah mit Wut im Bauch zu, wie sie die Lichtungen, an denen sie pausierten verwundet und beschmutzt zurĂŒckließen und wie sie die tĂ€towierte Frau behandelten, die scheinbar ihre Gefangene war. Er hatte gewartet, ob ihr WĂŒten von anderen Waldbewohnern oder Reisenden bemerkt wĂŒrde, doch niemand war vorbeigekommen. Er musste etwas tun. So war er leise von seinem Ausguck abgestiegen und hatte sich in ein GebĂŒsch verkrochen, in dessen NĂ€he die Gefangene zusammengekauert auf dem Boden saß. Wie immer, wenn sie Halt machten, waren ihre HĂ€nde hinter dem RĂŒcken gefesselt und sie ließ den Kopf so hĂ€ngen, dass ihr die verfilzten Haare ins Gesicht fielen. Neben ihr lehnte der eigenartige Stock an einem Baum, auf den sie sich immer stĂŒtze, wenn die Gruppe in Bewegung war. Jaro hatte beobachtet, wie die MĂ€nner sie tagsĂŒber in ihrer Mitte laufen ließen, bei Rast aber stets festbanden und ihr die Reste ihrer Mahlzeit in den Schoß warfen. Irgendetwas stimmte nicht mit ihr. Jaro hatte ihre Augen gesehen und sie waren entrĂŒckt und kalt. Letztlich war sie es gewesen, die ihn zum Handeln bewegt hatte.
Vorsichtig hob er nun zwei faustgroße Steine auf und schleuderte einen davon nach rechts in den Bach, in den sich die Kerle zu seinem Leidwesen in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden erleichterten. Ein lautes, dumpfes Platschen ertönte und die Köpfe der Truppe fuhren herum.
„Was war das?“, rief der BĂ€rtige, der eine Art AnfĂŒhrer zu sein schien mit seiner tiefen, krĂ€ftige Stimme und sprang auf. „Da ist etwas am Fluss. Kelchior, geh nachsehen!“
Der Mann namens Kelchior war hager und erinnerte Jaro ein bisschen an eine Ratte. Kaum war er in Richtung des platschenden GerĂ€uschs verschwunden, schlich Jaro aus seinem Versteck. Er wollte die Gefangene befreien und hoffte, dass sie stark genug wĂ€re, ihm gegen ihre Peiniger zu helfen. Lautlos sprang er nach vorne, nĂ€herte sich ihr von hinten und durchtrennte mit einem Schnitt ihre Fesseln. Es war keine Zeit, um ihr Instruktionen zu geben. Er musste handeln, bevor sie ihn entdeckten und bevor der vierte zurĂŒckkam. Jaro musste darauf vertrauen, dass sie von alleine verstand. Er schlich sich geduckt nĂ€her an das Feuer und holte den zweiten Stein aus der Tasche. Nun war der Moment gekommen, in dem er seine Deckung aufgeben musste. Er machte zwei schnelle Schritte nach vorne und warf dem BĂ€rtigen mit voller Wucht den Stein an den Kopf. Der Mann schrie auf und ging zu Boden, verlor aber nicht wie erhofft das Bewusstsein. Trotzdem achtete Jaro nicht auf ihn. Er musste seinen Plan weiter verfolgen. Mit dem Stilett in der einen und dem kleinen Hohlspiegel in der anderen Hand, ging er auf den glatzköpfigen Mann zur Linken zu, der im Licht einiger eindringender Sonnenstrahlen saß. Mit einer schnellen Bewegung griff er an und gleichzeitig richtete er den Hohlspiegel auf den dritten Kerl, der aufgesprungen war und um das Feuer herum auf ihn zukam. Ein Aufschrei verriet ihm, dass er irgendeine empfindliche Stelle mit dem Brennstrahl getroffen hatte. Sein GegenĂŒber hatte unterdessen seinen Messerhieb pariert und trieb ihm die Faust in den Magen. Jaro keuchte auf. Aus dem Augenwinkel sah er, wie der BĂ€rtige, sich noch immer den blutenden Kopf haltend, auf die Knie kam und nach seinem Schwert suchte. Fast im selben Augenblick kam der Kerl namens Kelchior wieder zurĂŒck. Jaros Zuversicht begann zu schwinden.
„Was bist du doch fĂŒr ein garstiges dummes Kerlchen?“, brummte der AnfĂŒhrer. „Du bist doch ein Alb, oder?“
„Na klar ist das ein Alb! Wer sonst wĂŒrde sich selbst so ĂŒberschĂ€tzen, es mit vier stattlichen Kerlen aufzunehmen?“, höhnte Kelchior.
Jaro blickte verzweifelt zu der Gefangenen. Sie war aufgestanden und hatte ihren Stab gegriffen, doch sie rĂŒhrte sich nicht, sondern blickte weiter mit ihren leeren Augen ins nichts.
Der kleinere Mann mit dem kahlen Kopf folgte Jaros Blick.
„Bist du wegen der gekommen? Bist du ein Weiberheld?“ Er lachte kehlig.
„Lasst uns den Bastard endlich kalt machen!“ Der Mann, den Jaro mit dem Hohlspiegel attackiert hatte, hatte mittlerweile ein langes, dĂŒnnes Schwert gezĂŒckt und richtete es mit schmerzverzerrtem Gesicht auf Jaros Brust. Jaro hatte ihn genau am Auge erwischt.
„Nein“, sagte der BĂ€rtige bestimmt. „Erst soll er uns sagen, was er hier zu suchen hat. Was treibst du hier, Lichtalb?“
„Genau! Wer schickt dich? Was hast du hier zu suchen?“
Jaro schwieg. Was sollte er antworten? Schließlich fragte er stattdessen: „Wer ist sie?“ Er musste Zeit gewinnen.
Der BĂ€rtige blickte zu der Frau hinĂŒber, dann zu dem Kahlkopf und nickte langsam mit dem Kopf in Jaros Richtung. Jaro hatte keine Zeit zurĂŒckzuweichen; die Faust traf ihn voll im Gesicht.
„Ich habe dir eine Frage gest-
“ Weiter kam er nicht, da eine neue Stimme ertönte. Es war die Stimme einer Frau, doch sie kam nicht von der Gefangenen, sondern von hinten. Jaro begann wieder zu atmen. Nach dem festen Schlag des kleinen Kahlkopfes war er zunĂ€chst gebeugt geblieben und hatte sich nicht getraut auch nur einen Mucks zu machen. Blut tropfte vor ihm auf den Boden.
Jetzt gestattete er sich einen Blick ĂŒber die Schulter. Sie war eine Frau des Waldes, da sah er sofort. Sie war schlank und zu seiner Erleichterung bewaffnet.
„Da bleibt man so lange unbehelligt und dann trifft man einem Tag gleich auf zwei von euch.“
Der AnfĂŒhrer grinste und ging ein paar Schritte auf die Waldalbin zu. Jaro bemerkte, dass sie hin und wieder einen Seitenblick auf die tĂ€towierte Frau warf. Offensichtlich hatte sie auch gemerkt, dass etwas mit ihr nicht stimmte.
„Wir sind nur auf der Durchreise und eskortieren eine Lady. Sagt mir Euren Namen, dann sage ich Euch vielleicht meinen.“
Die Sonne drang nun stĂ€rker durch das Blattwerk. Jaro begann zu schwitzen. Er musste möglichst schnell in den Schatten. Andererseits konnte er das Sonnenlicht auch nutzen. Er griff den Spiegel fester und begann langsam sich aufzurichten. WĂŒrde die Waldalbin ihm helfen, wenn er einen neuen Angriff startete? Er bezweifelte, dass die MĂ€nner ihn einfach gehen ließen. Das Risiko, er könne anderswo Alarm schlagen, wĂŒrden sie nicht eingehen. Sie wĂŒrden ihn entweder mitschleppen oder 
 Die andere Möglichkeit wollte er sich gar nicht ausmalen.
<Ein erneuter Überraschungsangriff ist bestimmt besser, als ihnen das Ruder zu ĂŒberlassen. Immerhin sind sie in der Überzahl>, dachte Jaro. Wenn er doch nur Blickkontakt aufnehmen könnte.
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#3

Beitragvon Alaryah Schattenwind » Sa 6. Mai 2017, 11:35

"Ihr...eskortiert sie?", fragte Alaryah und schaute die Frau an, die sie immer noch anstarrte. Diese Augen waren wirklich irgendwie unheimlich...und sie schien auch gar nicht zu blinzeln, jedenfalls nicht im Moment? "Ist mit der Dame alles in Ordnung? Sie wirkt...", "Keine Sorge, sie erfreut sich bester Gesundheit.", unterbrach der AnfĂŒhrer die Albin. "Verzeiht, Alaryah Schattenwind ist mein Name.", stellte sich Alaryah anschließend vor. Sie löste den Blick von der Frau und sah nun wieder den AnfĂŒhrer an. Er machte eine ĂŒbertriebene Verbeugung, so als wollte er Alaryah verhöhnen. "Seid mir gegrĂŒĂŸt, meine Liebe. Doch erlaubt nun mir eine Frage: Was macht solch ein hĂŒbsches Ding alleine im Wald?". Alaryah bemerkte das kleine Funkeln im Auge des Mannes nicht. "Ich bin auf Patrouille.", erklĂ€rte die Albin selbstsicher. "Da habe ich euch gefunden, ihr wart ja nicht zu ĂŒberhören. Was habt ihr mit dem Alben dort zu schaffen? Wieso richtet ihr ihn so zu?", fragte Alaryah mit einem Kopfnicken in Richtung Jaro. "Das? Aaaach das ist nur eine Meinungsverschiedenheit. Wir wurden von ihm angegriffen und, nunja, wir mussten uns verteidigen, ihr versteht? Vielleicht können wir dieses MissverstĂ€ndnis ja aufklĂ€ren. Gehört er zu Eurer Patrouille? So mancher Jungspund handelt ja gerne mal unĂŒberlegt.". Alaryah schĂŒttelte den Kopf. "Er ist, genau wie ihr, neu im Wald. Solltet ihr also keine friedlichen Absichten hegen, so muss ich euch bitten wieder zu verschwinden. Dies werde ich auch nur einmal tun. So oder so, sagt mir das Ziel eurer Reise. Ihr solltet nicht einfach so durch den Wald poltern.". "Weisst du, es trifft sich gut, dass wir uns begegnet sind. vielleicht kannst du uns sogar helfen auf unserer Weiterreise..". Der Mann nĂ€herte sich Alaryah, die unsicher einen Schritt zurĂŒck machte. "Wie meint ihr das genau?". "Ich werde mich mit der Dame hier kurz unterhalten, passt auf, dass der andere nicht stiften geht, wir sind da noch nicht fertig.", rief der Kerl seinen Leuten ĂŒber die Schulter zu. Dann packte er plötzlich Alaryah, die ihm körperlich kaum gewachsen war, und zerrte sie in das nĂ€chste GebĂŒsch. Die wartenden MĂ€nner grinsten und warfen sich schelmische Blicke zu, waren trotzdem jedoch darauf bedacht, dass Jaro nicht entfliehen konnte. Das GebĂŒsch raschelte eine Zeit enorm, doch war dann plötzlich still. "Schon fertig?", gröhlte Kelchior und schĂŒttelte lachend den Kopf. Er verstummte, als Alaryah allein aus dem GebĂŒsch hervortrat. Ihre Haare waren zerzaust und der Köcher auf ihrem RĂŒcken verrutscht. Die Gruppe schaute erstaunt an der Albin vorbei, jederzeit mit der RĂŒckkehr ihres AnfĂŒhrers rechnend. Doch er kam nicht wieder. Alaryah hob die linke Hand, in der sie einen edlen, leicht geschwungenen Langdolch hielt. Blut rann von der Klinge hinab und tröpfelte auf die saftig grĂŒne Wiese. Ihr Gesicht war wie versteinert, ohne jede Freundlichkeit, die sie zu Beginn der Begegnung noch ausgestrahlt hatte. Das nach unten gerichtete, blaue Dreieck, welches sich die Albin unter das Auge geschminkt hatte, war verschmiert. "Ihr seid hier nicht mehr willkommen.", brummte die Albin und zeigte mit dem Dolch auf die GefĂ€hrten des Mannes, der sie ins GebĂŒsch gezogen hatte. "Was zur...Dich kauf ich mir!", brĂŒllte Kelchior und ging mit erhobener Waffe auf Alaryah zu. Diese jedoch verschwand im Unterholz. Er blieb am Rand der Lichtung stehen. "Wir sollten weiter.", meinte er und drehte sich zum Rest der Gruppe um. "Machen wir den anderen Alben da kalt und ziehen dann weiter. Jetzt ist diese Albenbande wohl aufgescheucht...zum GlĂŒck ist der Weg nicht mehr weit.".
Bewegung kam in die Gruppe. Die Frau mit den TĂ€towierungen schaute mittlerweile zu Boden, wurde dann grob von einem der Kerle von der Lichtung weg in Richtung Wald gestoßen. Sie kam ins Straucheln und stĂŒrzte, wurde aber direkt wieder hochgezogen. "Bin ich froh, wenn wir dich los sind.", brummte der Kerl vor sich hin. Niemand sah daraufhin den Pfeil kommen, der sich von der anderen Seite des kleinen Baches von der Sehne gelöst hatte. Ein Zischen zerschnitt die Luft und dann folgte der Aufschlag. Treffer. Der Kahlkopf, dem nun ein Pfeil aus dem Hals ragte, ging röchelnd zu Boden. Dabei schaute er mit großen Augen auf den Pfeilschaft, so als wolle er nicht glauben was er sah. Leicht geduckt stand Alaryah da, keine Miene regte sich in ihrem Gesicht als sie in einer fließenden Bewegung einen weiteren Pfeil auflegte. Einen Augenblick lang traf ihr Blick den von Jaro. Ihre Lippen formten Worte, dies konnte er deutlich sehen. "Hinter dir.".
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#4

Beitragvon Jaro BallivĂČr » Sa 6. Mai 2017, 18:35

Der sonst so reservierte Jaro durchlebte wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben ein richtiges Auf- und Ab der GefĂŒhle. ZunĂ€chst fĂŒrchtete er, seine Hoffnung in Person der grĂŒnhaarigen Waldalbin so schnell wieder zu verlieren, wie er sie gewonnen hatte, als der stĂ€mmige AnfĂŒhrer sie grob in das GebĂŒsch zerrte. Die hĂ€mische Freude der anderen MĂ€nner machte ihn wĂŒtend. WĂ€hrend er noch mit sich rang, ob es nicht richtig wĂ€re, der Frau zur Hilfe zu eilen, koste es was es wolle, da schritt diese zwar etwas zerzaust, doch unversehrt aus dem GebĂŒsch. Als er ihren entschlossenen Gesichtsausdruck sah, fragte er sich, wie er je daran hatte zweifeln können, dass sie ohne Probleme mit dem Kerl fertig werden wĂŒrde. Plötzlich kam er sich fast nutzlos vor, doch auch dieses GefĂŒhl wurde schnell abgelöst, als sie behĂ€nde und lautlos im Unterholz verschwand. War sie gegangen, um VerstĂ€rkung zu holen? Vielleicht war er in ihren Augen ebenso ein Eindringling, fĂŒr den sich in Gefahr zu bringen nicht lohnte. Stattdessen wĂŒrde sie mit mehr Leuten zurĂŒckkehren und den Rest der Gruppe ausschalten. <Und ich werde dann tot sein>, dachte er. Der Kahlkopf schubste die Gefangene grob, um sie zum Gehen zu bewegen und Kelchior drehte sich zu Jaro.
„So du Abschaum“, knurrte er. Jaro spannte sich an und griff sowohl das Stilett als auch den Spiegel fest. Schweiß lief ihm den RĂŒcken hinunter und das nicht mehr nur der WĂ€rme wegen. Gerade als der hagere Kerl zum Angriff ansetzen wollte, hörte Jaro ein Zischen und kurz darauf das Röcheln eines Mannes. Der Kahlkopf schlug tot auf dem Boden auf.
WĂ€hrend die ĂŒbrigen beiden MĂ€nner noch in einer Art Schockstarre verharrten, blickte Jaro in die Richtung, aus der der Pfeil gekommen war. FĂŒr das menschliche Auge nicht zu erkennen stand Alaryah auf der anderen Seite des Baches und legte bereits nach. Ihre Blicke trafen sich und er las die Warnung von ihren Lippen.
„Hinter dir.“
Sofort ließ er sich in die Hocke fallen und spĂŒrte noch den Windhauch, den das lange Schwert ĂŒber seinem Scheitel verursachte, als es in einer halbkreisförmigen Bewegung dort entlang schnellte, wo gerade noch sein Hals gewesen war. Fast zeitgleich bohrte sich der Pfeil durch das Herz des Mannes und er stĂŒrzte nach hinten. Jaro wartete nicht, bis er den Boden berĂŒhrte. Er machte einen Satz nach vorne und rammte Kelchior das Stilett durch den Hals. Es ging so leicht hindurch, dass Jaro erst ein paar AtemzĂŒge spĂ€ter realisierte, dass er zum ersten Mal ein Leben genommen hatte. Er sank auf die Knie und versuchte seinen Puls zu kontrollieren. Dann sĂ€uberte er das Stilett am grĂŒnen Wams des Mannes und blickte auf. Alaryah war nicht mehr dort am Bach. Er drehte sich um und erblickte die tĂ€towierte Frau, die auf dieselbe apathische Weise auf ihren Stock gestĂŒtzt dastand wie zuvor. Jaro stand auf und ging auf sie zu.
„Wer bist du?“ fragte er – keine Reaktion. Vorsichtig streckte er den Arm aus und berĂŒhrte sie an der Schulter. Auch Alaryah hatte mittlerweile wieder lautlos die Lichtung betreten. Jaro konnte sie im Augenwinkel sehen. Gerade als er seine Hand zurĂŒck ziehen und sich zu seine Retterin umdrehen wollte, da verĂ€nderte sich die Frau. Ihre Augen drehten sich komplett auf weiß und sie atmete schwer und laut ein, als kriege sie keine Luft. Dann, urplötzlich, schossen die Augen zurĂŒck, aber verĂ€ndert – klarer.
Sie sah hektisch von Seite zu Seite. „Wo – wo bin ich?“ Ihre Stimme war panisch. Dann schien sich ein Schatten ĂŒber ihren Blick zu legen und Jaro spĂŒrte, wie sich ihre Muskeln wieder entspannten. Sie blickte ihn an und ihre Augen hatten wieder denselben entrĂŒckten und leeren Ausdruck angenommen wie zuvor.
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#5

Beitragvon Alaryah Schattenwind » Mo 8. Mai 2017, 18:25

Der Alb hatte verstanden. <Zum GlĂŒck.>, dachte Alaryah noch. Der Kampf war schnell entschieden. Gut so.

Sie kehrte zur Lichtung zurĂŒck. Der Alb stand vor der Frau, die kurz eine Reaktion zeigte, dann aber wieder verstummte. Alaryah verstaute ihren Bogen und ging schnellen Schrittes an Alb und Frau vorbei. "Lasst mich kurz...", begann sie, fĂŒhrte ihren Satz jedoch nicht zuende. Sie ging die Leichen ab, sammelte ihre Pfeile wieder ein. Dann schlenderte sie zu Jaro. Die KĂ€lte in ihrem Gesicht war nun wieder der Freundlichkeit gewichen, die sie zu Beginn dieser...Situation...ausstrahlte. "Seid ihr in Ordnung?", fragte sie den Alb und musterte die Verletzung. Es war nur ein Kratzer. "Halt still.", sagte Alaryah und legte zwei Finger auf die blutige Stelle noch bevor Jaro reagieren konnte. Mit der anderen Hand fixierte sie Jaros Kopf. Erst brannte die BerĂŒhrung ihrer kalten Fingerspitzen, doch schon bald schien sich eine wohltuende WĂ€rme an genau dieser Stelle auszubreiten. "Erledigt.", sagte Alaryah und nickte. Dann trat sie einen Schritt von dem Alben zurĂŒck. "So, nun sagt mir, wer seid ihr? Meinen Namen habt ihr bestimmt schon gehört? Falls nicht, ich bin Alaryah. Alaryah Schattenwind.". Ihr blick fiel auf die herumliegenden Leichen. "Kanntet ihr die Kerle? Ich muss so viel wie möglich ĂŒber sie wissen.". Dann wandte sich Alaryah der Frau zu. "Und warum seid ihr mit denen unterwegs? Was fĂŒhrt Euch zu uns?". Keine Reaktion. Alaryah trat nĂ€her zu der Frau und hob die Hand. Sie wedelte damit vor den Augen der apathisch dastehenden Frau herum, doch die Augen blieben starr. Über die Schulter hinweg fragte Alaryah "Was ist mit ihr geschehen? Ist sie blind? Taub?".

Alaryah dachte einen Moment lang nach. Hatte sie in der Vergangenheit schon einmal jemanden in solch einem Zustand gesehen? Nein, nicht wirklich. Wer könnte helfen? War es ĂŒberhaupt eine gute Idee, dieser Frau zu "helfen"? Was, wenn eine Gefahr von ihr ausgeht? Außerdem waren da noch diese Kerle gewesen. Wie konnten solche Grobiane eine Dame eskortieren? Fragen ĂŒber Fragen.


"Wir lassen sie hier liegen.", sagte Alaryah schließlich und nickte in Richtung der Toten. "Um sie wird sich gekĂŒmmert, keine Sorge.", fĂŒgte sie hinzu. "Falls du sie durchsuchen und ihnen etwas abnehmen möchtest, nur zu.". Nach einer kurzen Pause schaute Alaryah Jaro fragend an. "Wie soll es nun weitergehen? Wir können sie hier nicht stehen lassen.". Alaryah ging nĂ€her zu der Frau. "Ich werde mich nun bei Euch einhaken.", erklĂ€rte sie und berĂŒhrte sachte den Unterarm. Dann zog sie die Frau sanft nach Links. Sie folgte, machte einen Schritt, etwas wackelig aber sie wĂŒrde nicht hinfallen. "Zumindest kann sie den UmstĂ€nden entsprechend normal laufen.", meinte Alaryah und nickte in Richtung Waldweg. "Bringen wir sie erst mal weg von hier.".
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#6

Beitragvon Jaro BallivĂČr » Di 9. Mai 2017, 22:23

"Ja, ich
 danke”, brachte Jaro hervor, dann hatte Alaryah die kurze Distanz zwischen ihnen auch schon ĂŒberbrĂŒckt und irgendetwas mit seiner Blessur angestellt. Jaro strich sich ĂŒber das Gesicht: der Schmerz war fort. In seinen Augen spiegelte sich Erstaunen wieder.
„Ich heiße Jaro BallivĂČr.“
Er sah zu den Leichen und schĂŒttelte den Kopf. „Ich bin erst vor ein paar Tagen auf sie gestoßen. Die Überreste eines Rehs haben mich auf ihre FĂ€hrte gebracht.“ Jaro versuchte sich an die GesprĂ€chsfetzen der MĂ€nner zu erinnern, die er aufgeschnappt hatte. Er hatte das GefĂŒhl etwas Wichtiges zu ĂŒbersehen. Er war nicht immer in Hörweite gewesen und meistens hatte einer der Kerle geklagt: zu wenig zu essen, zu wenig Frauen, zu wenig Bier 
 und schmerzende FĂŒĂŸe. Die Gruppe war auf jeden Fall schon lĂ€nger unterwegs gewesen.
Alaryahs Frage holte ihn aus seinen Gedanken. Die Waldalbin stand nun direkt bei der rĂ€tselhaften Frau. „Sie war schon in diesem Zustand, als ich sie das erste Mal sah. Ich glaube, sie kann zumindest hören. Manchmal schreckt sie bei lauten GerĂ€uschen hoch. Meint Ihr sie ist krank?“

Jaro wollte sich schon von den toten MĂ€nnern abwenden, doch dann drehte er sich doch noch zögernd um. Er ging zu dem Beutel des AnfĂŒhrers und öffnete ihn. Er fand die Geldbörse und nahm sie an sich, auch wenn er dabei noch einmal schuldbewusst in Alaryahs Richtung sah. Andererseits hatte Jaro gelernt, dass in fremden Gebieten der ein oder andere Groschen manchmal ĂŒberlebenswichtig sein konnte. Plötzlich fiel Jaro etwas ein. Er leerte den ganzen Beutel aus, doch er enthielt nur eine Feldflasche, zwei kleine Dolche und etwas Nahrung. Jaro eilte zum GepĂ€ck Kelchiors und kramte in dessen Tasche. Dort befand sich das Pergament. Jaro entfaltete es: Es war eine Landkarte mit einigen handschriftlichen Anmerkungen. Er legte sie wieder zusammen und packte sie mit der Geldbörse in seinen Beutel. Genau studieren konnte er sie spĂ€ter, an einem angenehmeren Ort. Er merkte, dass Alaryah ihn ansah und blickte hinĂŒber zu der tĂ€towierten Frau. <Sie wird so stehen bleiben, bis sie vor Erschöpfung zu Boden geht>, dachte er. Alaryah hatte Recht: sie konnten sie nicht hier lassen.

Langsam gingen sie zu dritt den Waldweg entlang. Jaro ging hinter den beiden Frauen und ĂŒberließ Alaryah die FĂŒhrung. Er war froh, dass die Waldalbin da war. Sie strahlte Sicherheit und StĂ€rke aus und Jaro bezweifelte nicht, dass sie sich hier gut auskannte. Er nahm sich vor, sich noch angemessen bei ihr zu bedanken. Schließlich hatte sie sein Leben gerettet.

Nach einer Weile ĂŒberkam ihn die Neugierde und er zog die Landkarte wieder aus der Tasche. Sie zeigte ein Waldgebiet, doch Jaro konnte es nicht lokalisieren, da die Karte nicht weit genug reichte, um gegebenenfalls bekannte Landstriche zu enthĂŒllen. Er konnte nicht lesen, was auf die Karte geschrieben war. Die Schrift war klein und krakelig und Jaros LesekĂŒnste beschrĂ€nkten sich ohnehin auf ein Minimum.
„Ich habe gesehen, wie die MĂ€nner an einem Abend ĂŒber diesem Pergament gebrĂŒtet haben“, erklĂ€rte er. „Es ist eine Karte. Vielleicht können wir RĂŒckschlĂŒsse auf ihre Herkunft oder ihr Ziel ziehen.“
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#7

Beitragvon Alaryah Schattenwind » Sa 13. Mai 2017, 11:17

"Schön zu sehen, dass es dir wieder besser geht und die Kerle dir nicht schlimmeres angetan haben, Jaro.", sagte Alaryah freundlich. Dann nickte die zierliche Albin stumm, als Jaro von den nun toten MÀnnern berichtete. Als es dann um den Zustand der Frau ging wurde sie nachdenklich. "Krank. Das könnte sein, doch glaube ich das selbst nicht wirklich. Irgendetwas anderes ist mit ihr...". WÀhrend Jaro die Leichen durchsuchte und dieses und jenes fand, versuchte Alaryah weiterhin der Frau eine Reaktion zu entlocken. Erfolglos.

Die kleine Gruppe folgte dem Waldweg, erst schweigend, dann ĂŒber belangloses plaudernd. Schließlich brach Jaro erneut die Stille und als Alaryah ihn ansah hielt er ein Pergament in den HĂ€nden. "Eine Karte?", fragte Alaryah erstaunt und ging zu Jaro hinĂŒber. NatĂŒrlich vergewisserte sie sich vorher, dass die Frau nicht umkippte oder dergleichen. "Lass mal sehen...", murmelte die Albin und schon zuckten ihre Blicke ĂŒber die Karte, die ihr Jaro hinhielt. "Das könnte doch...oder hier, das mĂŒsste...", dachte Alaryah laut nach. Dann sah sie Jaro an. "Verstaue die Karte gut, Jaro.", entgegnete sie trocken. "Ich kenne da jemanden, der sie sehen sollte. Es ist zwar ein kleiner Umweg, aber den sollten wir in Kauf nehmen.".

Irgendwann entschieden Jaro und Alaryah eine kurze Rast einzulegen. Nur einen Moment hinsetzen, etwas trinken. "Wir werden die Karte gleich einem der HauptmĂ€nner zeigen. Er wird uns bestimmt auch mit ihr weiterhelfen können.", meinte Alaryah schließlich und nickte in Richtung der Frau. "Ich versuche mal was.", erklĂ€rte Alaryah und erhob sich aus dem Schneidersitz. Sie ging zu der Frau hinĂŒber, die an einem Baum stand. Dann hielt Alaryah ihr die Feldflasche hin. "Trinkt etwas.", sagte sie mit fester Stimme. "Trinkt.", wiederholte Alaryah etwas lauter, als wieder mal keine Reaktion kam. Dann nahm Alaryah die Hand der Frau und schloss ihre Finger um die Feldflasche. Vorsichtig ließ sie los und tatsĂ€chlich hielt die Frau die Flasche fest. Alaryah fĂŒhrte ihr die Flasche zum Mund und dann trank die Frau! Sie hörte auch von allein wieder auf! Mit großen Augen schaute Alaryah zu Jaro hinĂŒber. "Das ist doch schon mal etwas, meinst du nicht?", fragte die Albin hoffnungsvoll.
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#8

Beitragvon Jaro BallivĂČr » Di 16. Mai 2017, 22:07

Es war die erste Reaktion seit der panisch ausgesprochenen Frage auf der Lichtung. Jaro hatte es noch ein paar Mal probiert, doch es war wohl ein Zufall gewesen. Die Frau hatte nicht wieder auf seine BerĂŒhrung reagiert. Nun aber trank sie. Hatte sie die Aufforderung Alaryahs verstanden oder nur eine bekannte Bewegung wiederholt? Es war schwer zu sagen. Jaro nickte der Waldalbin zu und lĂ€chelte. Endlich hatte die merkwĂŒrdige Frau ein Lebenszeichen gezeigt.
Es war seltsam, mit ihr unterwegs zu sein. Sie schien ihre Umgebung nicht wahrzunehmen und ging einfach mit etwas unbeholfenen Schritten mit ihnen mit, machte weder den Eindruck eine Pause zu benötigen, noch krĂ€ftig genug fĂŒr weitere Wegstunden zu sein. Sie schien weder Hunger noch Durst zu haben, noch auf die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht zu reagieren. Jaro fragte sich, ob sie schlief. Er hatte versucht sie zu beobachten, doch stets waren seine Augen zuerst zugefallen.

Er war dankbar fĂŒr die Rast. Er trank einen Schluck Wasser und fĂŒllte die Flasche in einem der vielen kleinen FlusslĂ€ufe, die diesen Wald durchzogen, wieder auf. Dann aß er etwas von den Pittas, die er noch immer bei sich trug und dazu ein wenig von den Beeren, die Alaryah gefunden hatte.
Jaro verspĂŒrte die ĂŒbliche NervositĂ€t, die ihm immer den RĂŒcken hochkroch, wenn ein Treffen mit einem Fremden anstand. Bald wĂŒrden sie einen Hauptmann aufsuchen, von dem Alaryah hoffte, dass er die rĂ€tselhafte Karte besser deuten konnte. WĂŒrde dieser Hauptmann ebenso freundlich und aufgeschlossen zu ihm sein wie Alaryah? Jaro ermahnte sich zur Ruhe. <Du machst dich immer umsonst verrĂŒckt! Wie viele dieser Treffen hast du bereits gefĂŒrchtet und wie viele waren wirklich schlimm?> Er atmete tief durch und versuchte nicht weiter darĂŒber nachzudenken. Stattdessen holte er die Geldbörse hervor, die er dem bĂ€rtigen AnfĂŒhrer gestohlen hatte und beschloss deren Inhalt einmal genauer zu studieren. Jaro hatte sich den Kopf zermartert, ob er irgendetwas ĂŒbersah, ob die MĂ€nner in den spĂ€rlichen GesprĂ€chen, die er belauscht hatte, zufĂ€llig den ein oder anderen Anhaltspunkt preisgegeben hatten, doch er bekam nichts zu fassen.
Er fand eine Handvoll Kupferlinge und fĂŒnf Handelstaler in der Geldbörse
 und einen kleinen Zettel. Es war eine Adresse. Namen und Straße konnte er kaum entziffern, doch der Ort
 das war ein ‚A‘ und dann ein ‚t‘, nein, es war ein ‚l‘
 Alessa, es hieß Alessa. Plötzlich erinnerte sich Jaro an etwas, das der Kahlkopf gesagt hatte:
„Erst schickt man uns den ganzen Weg bis nach Alessa und dann die halbe Strecke wieder zurĂŒck. HĂ€tte er uns nicht etwas entgegen kommen können? Dann hĂ€tte ich jetzt vielleicht nicht schon genug von der Lauferei.“

Er sah zu Alaryah hinĂŒber. „Die MĂ€nner waren in einem Ort namens Alessa, bevor sie sich hier her begeben haben. Ich habe mich erinnert, dass der eine darĂŒber gesprochen hat.“ Jaro kannte diesen Ort nicht, aber vielleicht tat es die Waldalbin und auch wenn nicht, jedes Bisschen Information konnte am Ende hilfreich sein.
„Und – Alaryah – ich wollte noch sagen: danke“, schĂŒchtern sah Jaro zu Boden, „dass du mich gerettet hast, meine ich.“
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#9

Beitragvon Alaryah Schattenwind » Do 20. Jul 2017, 12:48

"Alessa...", murlmelte Alaryah und kramte in den Tiefen ihrer Erinnerungen. <Bin ich schon mal dort gewesen?>. Sie war sich nicht so wirklich sicher. Dann schaute sie wieder auf und drehte den Kopf in Jaros Richtung. Der eine Mundwinkel wanderte nach oben. "Schon gut, Jaro.", entgegnete die Albin sanft, kam zu Jaro herĂŒber, legte ihm die Hand auf die Schulter und nickte. "Nun komm.".

Die kleine Gruppe trottete ĂŒber den weichen Waldboden und kam gut voran. Ob Alaryah absichtlich den Wegen teilweise auswich oder ihre Route tatsĂ€chlich hier und da durchs Unterholz fĂŒhrte konnte Jaro nicht mit Sicherheit sagen. Ihre Begleiterin machte sich diese Gedanken wahrscheinlich nicht, sondern schritt erstaunlich sicher ĂŒber den unebenen Untergrund.
"Schattenwind!", ertönte plötzlich eine Stimme hinter dem Trio. Alaryah blieb stehen, drehte sich jedoch nicht um. Der Blick der Waldalbin zuckte nicht wirklich merkbar umher, was Jaro tat vermochte sie nicht zu sagen. Sie lauschte. Sekunden vergingen und schließlich wich die Spannung aus Alaryahs Körper. Langsam drehte sie sich um. "Ich grĂŒĂŸe Euch, Hauptmann.". Ohne ein GerĂ€usch zu verursachen drehte sich eine Person hinter einem Baum am Wegesrand hervor. Ein Waldalb in elegant verarbeiteter LederrĂŒstung trat auf den Weg. Seine langen, hellen Haare waren ordentlich zu einem Zopf zusammengebunden, hier und da lugten Efeuranken hervor. Über den verzierten Schulterpanzern floss ein moosgrĂŒner Umhang bis zu den Knien des Mannes hinunter, ein eleganter Bogen mit Köcher, sowie ein schlankes Schwert zĂ€hlten zu seiner AusrĂŒstung. "Wer sind Eure Begleiter, Schattenwind?", verlangte der Hauptmann zu wissen und sein doch recht kĂŒhler Blick sprang zwischen Alaryahs begleitern hin und her.
Alaryah legte ihre rechte Hand an die HĂŒfte. "ZunĂ€chst einmal...", begann die kleine Albin und schaute nach rechts, dann wieder zu dem Hauptmann. "Von ihnen geht keine Bedrohung aus. Ihr könnt die Bögen wieder wegstecken.". Der Hauptmann machte eine kaum merkbare Handbewegung, etwas schien zu rascheln und kurz darauf fuhr Alaryah fort. "Das ist Jaro.", stellte sie ihn vor. "Eindringlinge setzten ihm zu, als ich ihn fand. Sie hatten eine Gefangene dabei, von der wir noch nicht wissen was genau mit ihr los ist.". Alaryah verwies auf die abstinent dastehende Frau. "Jaro, du sagtest du hĂ€ttest gehört, wie sie ĂŒber einen Ort redeten? Alessa?". Fragend schaute Alaryah zu Jaro hinĂŒber. "Was haben wir noch fĂŒr Hinweise?". Langsam schritt sie zu Jaro und gab ihm einen sanften Stubs in Richtung Hauptmann. "Keine Angst.", flĂŒsterte sie ihm zu.
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#10

Beitragvon Jaro BallivĂČr » Mi 9. Aug 2017, 18:40

Irgendwann hatte Jaro die Orientierung verloren. Das dichte BlĂ€tterwerk verwehrte ihm den Blick auf den Himmel und der Wald schien kein Ende zu haben, im Gegenteil, immer undurchdringlicher und bewachsener zu werden. Des Öfteren hielt Jaro Ausschau nach anderen Waldbewohnern, doch er vermochte nichts zu erspĂ€hen, obwohl ihm gelegentliche GerĂ€usche im Unterholz verrieten, dass sie nicht alleine waren. Zu der Aufregung ob des bevorstehenden Treffens gesellte sich bald eine leichte Unruhe. Jaro war es nicht gewohnt, sich nicht auf seine Augen verlassen zu können und fĂŒhlte sich mit seinen hellen Kleidern entblĂ¶ĂŸt und angreifbar. So zuckte er deutlich zusammen, als plötzlich eine Stimme Alaryahs Namen rief. Sie blieben stehen und Jaro wagte nicht sich umzudrehen. Wieso zögerte Alaryah? Waren sie in Gefahr? Dann war der spannungsgeladene Moment vorbei und Jaro traute sich weiter zu atmen. Er wandte sich um und erblickte einen stattlichen Mann, der Eleganz und StĂ€rke ausstrahlte.
Und er war offensichtlich nicht alleine. Doch so sehr Jaro auch dieses Mal seinen Blick bemĂŒhte, er sah nichts als StrĂ€ucher und BĂ€ume. Zum ersten Mal wurde ihm seine Torheit bewusst, die Gruppe Eindringlinge alleine angegriffen zu haben. Dieser Wald war alles andere als unbewaffnet. Wie hatte er nur glauben können, dass die MĂ€nner unbehelligt zu ihrem Ziel gekommen wĂ€ren? FrĂŒher oder spĂ€ter hĂ€tten die Waldalben die MĂ€nner entdeckt und ĂŒberwĂ€ltigt und er hĂ€tte sich seinen klĂ€glichen Angriff sparen können. WĂ€re Alaryah nicht zufĂ€llig vorbei gekommen

Die Waldalbin riss ihn aus seinen Gedanken und ermutigte ihm, dem Hauptmann zu sagen, was er wusste. Der Krieger betrachtete Jaro, doch sein Blick war unergrĂŒndlich. Jaro konnte unmöglich sagen, ob er ihm misstraute oder nicht.
„Sie mĂŒssen unmittelbar vor ihrer Reise hierher in dieser Stadt Alessa gewesen sein. Ich weiß nicht, ob uns das weiterhilft, ich kenne diese Stadt nicht.“ Der Hauptmann hörte Jaro aufmerksam zu.
„Und wir haben eine Karte bei ihnen gefunden.“ Er reichte dem Waldalb das Papier.
„Alessa ist eine Stadt der Handelsallianz“, sagte der Hauptmann mit seiner melodischen Stimme. „Das kann alles bedeuten
 und nichts. Unmittelbar zuvor sagt Ihr?“
„Genau. Es klang, als gehörte es zum Auftrag.“
„Sie hatten also auf jeden Fall einen Auftrag? Es kommt nicht selten vor, dass sich RĂ€uberbanden auch nur des schnellen Profits wegen hierher begeben.“ Ein Ausdruck der Missbilligung trat auf die schönen GesichtszĂŒge des Mannes.
„Alessa ist Sitz des Lehrinstituts fĂŒr GeisteskĂŒnste“, fuhr er fort. Mittlerweile hatte er die Karte entfaltet und ließ den Blick darĂŒber streifen, wĂ€hrend er sprach. „Ich kann unmöglich mit Gewissheit sagen, ob das zusammenhĂ€ngt, aber lasst uns hoffen, dass es das nicht tut.“ Er sog zischend Luft ein und drehte die Karte so in den HĂ€nden, dass Alaryah und Jaro sie ebenfalls sehen konnten. „Eine solche Karte sollte niemand besitzen, der nicht zu unserem Volk gehört.“ Er blickte Alaryah an. „Ich hoffe sehr, sie ist gestohlen. Wenn nicht, weiß ich nicht, wie sie in die HĂ€nde dieser Gauner gekommen ist und ich weiß auch gar nicht, ob ich das wissen will.“
Er zeigte mit dem Finger auf eine Stelle, die sich nur durch ihre symmetrische Struktur von den umliegenden Bereichen abgrenzte. „Das ist der Ort Silberdorn und hier sieht man verschiedenste geheime Wege, die mit dem bloßen Auge nicht zu finden sind, es sei denn, man kennt sie bereits. Alle Karten diesen Typs zeigen nur kleine Ausschnitte, sodass nicht jeder sie benutzen kann. Fremde können sich damit normalerweise nicht orientieren.“ Er schĂŒttelte den Kopf. „Aber diese Anmerkungen
 jemand hat ihnen erklĂ€rt, wie man die Karte benutzt. Hier steht – puh, das ist kaum zu lesen – ‚zwei TagesmĂ€rsche, durch Dornen‘. Es sind definitiv ErlĂ€uterungen.“ Er dreht die Karte ein StĂŒck und hob sie nĂ€her an die Augen heran, dann nickte er und krĂ€uselte die Lippen. „Ja; dieser Ausschnitt zeigt den Weg zu einem heiligen Hain Ardemias. Wenn das ihr Ziel war, sollten wir uns fragen, wer sie geschickt hat und nicht wer sie waren. Ihr Tod wĂ€re dann nĂ€mlich bereits beschlossene Sache.“
Jaro sah zu Alaryah, die ernst nickte. „Niemand kann diesen Ort ohne Erlaubnis betreten“, erklĂ€rte sie. „Eindringlinge wĂŒrden sofort niedergestreckt werden.“
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