Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

Das gemĂ€ĂŸigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umkĂ€mpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urvölker Asamuras, wĂ€hrend die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.

Das Herzland
Das gemĂ€ĂŸigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umkĂ€mpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urvölker Asamuras, wĂ€hrend die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.
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Alaryah Schattenwind
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#11

Beitragvon Alaryah Schattenwind » Do 24. Aug 2017, 15:25

Die Dinge entwickelten sich anders, als Alaryah es sich gewĂŒnscht hatte.
"Nun, Hauptmann, was sollen wir tun? Wir haben außerdem noch diese Frau hier bei uns, vielleicht kann sie weitere AuskĂŒnfte geben? Schließlich war sie anscheinend eine lange Zeit bei den Eindringlingen.". Der Hauptmann nickte knapp. "Wir sollten sie erst einmal zu unserem nĂ€chsten StĂŒtzpunkt bringen.", beschloss er. "Das wird wohl das beste sein, denke ich.", stimmte Alaryah zu. "Jaro wird mit uns kommen, er soll mein Gast sein.". Der Hauptmann hielt inne, wollte anscheinend etwas dazu sagen, aber tat es nicht. Dann nickte er schließlich kaum merkbar und ging voran. "Es sei denn, du möchtest lieber unter freiem Himmel ĂŒbernachten, Jaro?". Zwar hatte sie etwas ĂŒber Jaros Kopf hinweg entschieden, jedoch schien Alaryah dies wirklich nur als ein nettes Angebot zu meinen.

Die Strecke zu dem StĂŒtzpunkt war recht schnell zurĂŒckgelegt. Wieder ging es ĂŒber versteckte Wege, einmal passierte die kleine Gruppe eine schlanke, fein ausgearbeitete HolzbrĂŒcke, welche sich ĂŒber einen plĂ€tschernden Bach spannte. Schließlich erreichten sie ihr Ziel.
Der StĂŒtzpunkt bot Platz und Unterkunft fĂŒr eine Besatzung von ungefĂ€hr dreißig Mann, jedoch war er nicht voll besetzt. In den umliegenden Baumkronen trohnten BaumhĂ€user auf massiven Holzbalken, allesamt mit BrĂŒcken und Seilen verbunden. Leichter Wind und das durch das Blattwerk fallende Sonnenlicht sorgten dafĂŒr, dass diese Konstruktionen teilweise im Blattwerk zu verschwinden schienen. Anstatt breiten Mauern war eine Palisade um das Lager gezogen worden, hier und dort mit TreppenaufgĂ€ngen, Plattformen und kleinen Toren.
Der Hauptmann fĂŒhrte die Gruppe zu einem Baum an dem eine Art Aufzug heruntergelassen wurde, sodass sie die oberen Ebenen erreichen konnten. Dort angekommen bekam jeder ein Quartier zugewiesen. NatĂŒrlich wurde darauf geachtet, dass die tĂ€towierte Frau unter Beobachtung blieb, daher gesellten sich bald zwei WĂ€chter dazu. "Reine Vorsichtsmaßnahme.", erklĂ€rte der Hauptmann und Alaryah nickte verstĂ€ndnisvoll. So wirklich geheuer war ihr die Frau mittlerweile auch nicht mehr...



Der Tag neigte sich dem Ende zu und nach und nach wurden kleine Laternen entzĂŒndet. Alaryah mochte diese abendliche AtmosphĂ€re sehr und so verließ sie bald ihr Quartier. Sie lehnte sich an die BrĂŒstung und ihr Blick wanderte gelassen umher, das ein oder andere GlĂŒhwĂŒrmchen verfolgend. Viel Zeit war vergangen, seitdem sie das letzte Mal diesen StĂŒtzpunkt besucht hatte, viel verĂ€ndert hatte sich hingegen nicht. Schließlich wandte sie sich ab und schlenderte zu Jaros Quartier hinĂŒber.
"Hey, Jaro.", begrĂŒĂŸte sie ihren ReisegefĂ€hten. "Wie fĂŒhlst du dich hier im Waldreich, ist alles in Ordnung? Wie war das Abendessen? ". Ein kurzer Blick wanderte durch den Raum. "Meinst du, du wirst hier gut ĂŒbernachten können? Falls du etwas brauchst oder dergleichen, frag oder ruf mich einfach.". Es kam nicht oft vor, dass Außenstehende hier zu Gast waren, daher fragte Alaryah lieber genauer nach. Sie streckte sich ausgiebig und setzte sich auf den Boden. "Morgen werden wir das weitere Vorgehen planen. Ich denke es ist erst einmal wichtig, dass wir zu der Frau durchdringen. Ich hoffe nur, dass sie keine Gefahr darstellt.". In Alaryahs Gedanken flogen noch einmal die Puzzleteile umher. "Alessa...GeisteskĂŒnste...und dann diese Karte.", murmelte Alaryah vor sich hin. Der Hauptmann hatte die Karte zur sicheren Verwahrung einbehalten, wollte andere Alben von hohem Rang danach fragen um bis zum nĂ€chsten Morgen mehr herauszukriegen. Wahrscheinlich, so schĂ€tzte Alaryah, wurden nun auch die Wachtposten aufgestockt...vor allem auf den Waldwegen zu den heiligen StĂ€tten.
Plötzlich hob Alaryah den Kopf und schaute Jaro besorgt an. "Was, wenn wir die Gefahr gerade mit hier hingebracht haben?", flĂŒsterte die Albin schon fast.

Die sich langsam wĂ€hrend der GesprĂ€che entfaltende GemĂŒtlichkeit wurde plötzlich von einem lauten, spitzen Schrei unterbrochen. Alaryah sah Jaro mehrere Sekunden lang an, sprang dann auf und huschte hinaus.
"Was ist passiert?!", fragte die Albin den WĂ€chter vor dem Quartier der tĂ€towierten Frau, welches nicht einmal einen Steinwurf entfernt war. Noch bevor der Alb antworten konnte hatte Alaryah jedoch schon die besagte Frau erspĂ€ht, die scheinbar leicht panisch vor dem zweiten WĂ€chter davonrannte. Alaryahs Augen verengten sich. "Das lassen wir mal schön bleiben.", hauchte sie und nahm die Verfolgung auf. Wie eine Katze sprang Alaryah umher und holte langsam aber sicher zu der FlĂŒchtigen auf. "Schneid' ihr von dort aus den Weg ab!", rief Alaryah in die Richtung, in der sie Jaro vermutete und gab ein Handzeichen. "Sie darf uns nicht entkommen.". Ihr Blick wurde finster. Jagen.

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Jaro BallivĂČr
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#12

Beitragvon Jaro BallivĂČr » So 27. Aug 2017, 12:23

Jaro legte sein GepĂ€ck neben das weiche Flechtwerk, das heute Nacht sein Bett sein wĂŒrde. Sein Quartier befand sich gut 20 Meter ĂŒber der Erde, ein hölzerner Raum, der trotz seiner wenigen Fenster vom goldenen Licht des scheidenden Tages durchflutet wurde. Eine SchiebetĂŒr trennte den Raum von dem Holzsteg, der ihn mit dem schwebenden HĂ€usernetz verband. ZunĂ€chst hatte Jaro sich gefragt, wie weit sie zu dem StĂŒtzpunkt wohl gehen mussten, denn der Wald war ĂŒberall stark bewachsen und unberĂŒhrt gewesen. Nichts hatte auf albische Spuren hingedeutet, geschweige denn, einen ganzen StĂŒtzpunkt. Selbst als sie eine hölzerne BrĂŒcke erreicht hatten, hatte sich das Erscheinungsbild des Waldes nicht geĂ€ndert und so hatte Jaro nicht schlecht gestaunt, als die Gruppe auf einmal vor dem StĂŒtzpunkt stand, der sich derart zwischen die BĂ€ume schmiegte, als gehöre er selbst zur Natur. GlĂŒcklicherweise waren nicht allzu viele Waldalben vor Ort, sodass Jaro sich trotz seines fremdartigen Aussehens nicht zu sehr beobachtet fĂŒhlte. Die normale NervositĂ€t unter Leuten
 wenn auch eher unbegrĂŒndet, denn er hatte ohnehin das GefĂŒhl, dass der tĂ€towierten Frau ein weitaus grĂ¶ĂŸeres Interesse galt, als ihm.
Er konnte es nicht verdenken. Sie ging noch immer stumm mit der Gruppe mit, fast wie ferngesteuert und ohne ihre Umgebung wirklich wahrzunehmen. Sie war nicht weit entfernt untergebracht und vor ihrer TĂŒr waren Wachen postiert. Fast hatte Jaro damit gerechnet, dass auch bei ihm jemand abgestellt wĂŒrde. Ihm war die Skepsis des Hauptmanns nicht entgangen. Und doch konnte er ihn verstehen. Oft genug hatte seine Mutter ihm geraten, auf seine Körpersprache und seine Mimik zu achten, um keine so abweisende Wirkung zu erzeugen. Besonders gut war er darin nie geworden und da war es ja nur logisch, dass ihm auch andere mit einem gewissen Misstrauen begegneten, vor allem wenn es darum ging, ihn durch behĂŒtete Gegenden der eigenen Heimat zu fĂŒhren. Jaro war froh, dass Alaryah da war, die ihn von Anfang an sehr warmherzig aufgenommen und ihm nun auch einen bequemen Schlafplatz fĂŒr die Nacht ermöglicht hatte. Er musste zugeben, dass er sich auf das weiche Bett freute, nachdem er so lange in der Wildnis geschlafen hatte, auch wenn er sich gleichzeitig etwas unwohl fĂŒhlte, die Gastfreundschaft der Waldalben zu strapazieren.
Ein freundlicher Alb brachte ihm zu Essen und zu Trinken und Jaros knurrender Magen dankte ihm lautstark. Nach dem Essen schob er die TĂŒr einen Spalt auf und blickte sich um. Unten im StĂŒtzpunkt herrschte reges Treiben. Einige Waldalben arbeiteten an der Befestigung, andere kamen gerade von StreifzĂŒgen zurĂŒck oder brachen zu solchen auf. Jaro erspĂ€hte den Hauptmann, der gerade mit einer jungen Albin sprach, die soeben erst den StĂŒtzpunkt betreten hatte. Als spĂŒrte er seinen Blick, sah er nach oben, Jaro direkt in die erschrockenen Augen. Sie musterten sich einen Moment, Jaro unschlĂŒssig, ob er wegsehen sollte, und schließlich nickte der Mann leicht mit dem Kopf – es war eine freundliche Geste.



SpÀter kam Alaryah bei Jaro vorbei.
„Danke, es ist wunderbar hier“, versicherte er ihr und klopfte etwas unbeholfen mit der Hand auf das Bett, um glaubwĂŒrdiger zu wirken. „Die Höhe macht mir nichts aus, ich schlafe oft auf BĂ€umen. Ich hoffe nur, ich bin keine Last?“
Sie kamen schließlich auf die Frau zu sprechen und als Alaryah ihre Bedenken Ă€ußerte, beschlich auch Jaro ein merkwĂŒrdiges GefĂŒhl. Vor der Reise waren die Halunken auf einen Befehl hin in Alessa gewesen und die Worte des Kahlkopfes ließen keinen Zweifel daran, dass dieser Besuch mit der Exkursion ins Waldalbenreich zusammenhing. Es konnte also gut und gerne sein, dass diese Stadt auch etwas mit der geheimnisvollen Frau zu tun hatte und Alaryah hatte Recht: konnte es ein Zufall sein, dass Alessa eine Hochburg des GeisteskĂŒnste war und diese Frau ein derart merkwĂŒrdiges Verhalten zeigte? Ja, die MĂ€nner hatten sie behandelt, wie eine Gefangene, doch was, wenn das nur zum eigenen Schutz geschehen war? Sollte Alaryahs BefĂŒrchtung gar zutreffen, hatten sie dem Feind erst ermöglicht, in innere Kreise des Landes zu gelangen?
„Aber wir waren so lange mit ihr alleine. HĂ€tte sie diese Chance nicht ergreifen können, uns zu ĂŒberwĂ€ltigen oder zu benutzen?“, sagte Jaro, auch wenn er nicht wusste, ob er sich damit nicht eher selbst beruhigen wollte. „Wahrscheinlich hat ihr wirklich nur jemand etwas Schreckliches angetan.“ Jemand, der ĂŒber ausreichend Informationen und Einfluss verfĂŒgte, an eine scheinbar streng geheime Karte und deren Bedeutung heran zu kommen? Sie konnten es nicht lösen und mussten sich darauf verlassen, dass der Hauptmann Genaueres in Erfahrung bringen konnte. Immerhin wussten die Waldalben nun ĂŒber die Eindringlinge Bescheid und konnten Maßnahmen ergreifen. <Wenn hier alle solche FĂ€higkeiten besitzen wie Alaryah und der Hauptmann, braucht man sich eigentlich keine Sorgen um die Sicherheit des Reiches machen>, dachte Jaro und ihr GesprĂ€ch entwickelte sich in eine andere Richtung.
Alaryah erzĂ€hlte von Orten, die noch viel grĂ¶ĂŸer und faszinierender waren, als dieser StĂŒtzpunkt, mit ganzen StĂ€dten hoch oben in den BĂ€umen. Jaro hoffte, einmal einen solchen zu Gesicht zu bekommen und begann der Waldalbin dann von Avinar und seiner Heimat zu erzĂ€hlen. Es war ein angenehmes GesprĂ€ch und Jaro zweifelte, schon jemals so viel mit jemandem gesprochen zu haben. Er lehnte sich an die Wand und wollte gerade von dem köstlichen KrĂ€utertee trinken, der ihm in einer Karaffe mit dem Essen gebracht worden war, als ein markdurchdringender Schrei die Luft zerschnitt.

Jaro wusste nicht, ob es Furcht war, die ihn antrieb, oder einfach Instinkt, aber auch er eilte hinter der FlĂŒchtigen her. Die tĂ€towierte Frau war schnell und behĂ€nde und als er schon meinte sie in der Falle zu wissen, traute Jaro seinen Augen kaum. In Windeseile kletterte sie einen der BĂ€ume hinab, bestieg die Palisadenbefestigung und verschwand auf der anderen Seite im Dunkeln. Alaryah hatte fast zeitgleich eines der starken Seile ergriffen und schwang sich elegant nach unten, um der Frau hinterherzujagen. Jaro war auf einer parallel gelegenen BrĂŒcke entlang gerannt und hatte GlĂŒck, dass sich in seiner unmittelbaren NĂ€he ein Aufzug befand, der ihn nach unten brachte. Zwar konnte er klettern, doch niemals schnell genug. Wie hatte die Frau das gemacht? So schnell er konnte, hetzte er hinaus in den dunklen Wald. Er hatte die Frau und Alaryah bald aus dem Blick verloren, doch er konnte dank seiner guten Augen die Spuren im Unterholz erkennen. Zwei Mal wĂ€re er auf dem unebenen und bewachsenen Untergrund beinahe gestĂŒrzt, doch dann öffneten sich die BĂ€ume zu einer kleinen Lichtung auf der die beiden Frauen standen. Jaro verlangsamte sein Tempo und ging vorsichtig auf die beiden zu, aus Angst, die TĂ€towierte erneut aufzuscheuchen. Alaryah hatte beide HĂ€nde auf die Schultern der Frau gelegt, um sie festzuhalten oder zu beruhigen und diese hatte Alaryahs Oberarme gepackt und blickte nicht wie sonst nach unten, sondern mit weit aufgerissenen Augen in ihr Gesicht. „Wo bin ich?“, sagte sie laut und Jaro hatte das GefĂŒhl, dass sie diese Frage schon öfter gestellt hatte. „Warum werde ich bewacht?“ Sie reihte ihre Fragen so schnell aneinander, dass kaum Zeit fĂŒr eine Antwort blieb. Jaro trat auf einen kleinen Ast und das Knacken ließ den Kopf der Frau zu ihm herum schnellen. Sie sah ihn an und ihre grauen Augen verengten sich. „Was tust du hier?“, knurrte sie und löste ihre HĂ€nde von Alaryahs Armen, die sie weiterhin festhielt. Jaro stand da wie versteinert, unfĂ€hig ihr zu antworten. „Verschwinde!“, schrie sie plötzlich und hielt sich den Kopf, begann sich in Alaryahs starkem Griff zu winden. „Ich weiß nicht, was sie meint!“, sagte Jaro Ă€ngstlich zu Alaryah gewandt.
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Alaryah Schattenwind
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#13

Beitragvon Alaryah Schattenwind » So 27. Aug 2017, 14:56

Es freute Alaryah sichtlich, dass Jaro sich gut fĂŒhlte. "Keine Sorge, auch wenn die anderen hier etwas reservierter sind...naja, GĂ€ste sind nicht so oft hier.".
Jaro versuchte etwas gegen ihre Bedenken zu sagen. Alaryah nickte. "Du magst Recht haben. Allerdings...was, wenn wir gar nicht ihr Ziel sind? Was, wenn sie auf ein bestimmtes Ziel fixiert ist, welches sie nun weiterhin erreichen kann?". Nach und nach wurde jedoch klar, dass die beiden zumindest an diesem Abend nicht nĂ€her an des RĂ€tsels Lösung kommen wĂŒrden. Also ging das GesprĂ€ch nach und nach in eine andere Richtung. Alaryah hörte Jaros AusfĂŒhrungen genau zu, versuchte sich alles genau vorzustellen. Solche Geschichten und ErzĂ€hlungen konnten wirklich entspannend sein...doch dann dieser Schrei...

Alaryahs Blickfeld Ă€hnelte einem Tunnel. Sie verfluchte sich innerlich, dass es der Frau gelungen war so weit vom StĂŒtzpunkt wegzukommen. Wo Jaro wohl stecken mochte? Keine Zeit darĂŒber nachzudenken. Sie war das Ziel. Sie durfte nicht entkommen. Alaryah war sich sicher, dass sie die Frau finden wĂŒrde, egal, wie lange es dauern könnte. Aus dem Wald wĂŒrde sie nicht entkommen, dafĂŒr kannte sich Alaryah zu gut aus, konnte den Fluchtweg schon fast vor sich sehen. Ihr Herz pochte, das HĂ€mmern drang ihr bis in den Kopf. Wie ein Schatten huschte Alaryah durch den Wald, bis sie schließlich am Rande einer kleinen Lichtung ankam. Eigentlich hĂ€tte die Frau direkt hier irgendwo sein mĂŒssen? Alaryah kniete sich ab, ihre Sinne wurden schĂ€rfer. "Hab ich dich.", hauchte sie und ihr Blick schoss in die Richtung, in der sie eine Gestalt ausmachen konnte. Sie stand fast mittig auf der Lichtung. Alaryah schlĂ€ngelte sich zwischen den BĂ€umen umher, schlich lautlos auf die Frau zu. Es war nicht mehr weit. Schon gleich wĂŒrde sie...
Die Frau wirbelte urplötzlich herum, es kam zu einem kurzen Handgemenge. "Ganz. Ruhig.", zischte Alaryah, gewann langsam die Oberhand und bekam die Frau an den Schultern zu packen. "Beruhige dich!". Die Frau griff nach Alaryahs Oberarmen, ihre Augen waren weit aufgerissen. "Wo bin ich?", verlangte sie zu wissen. "Warum werde ich bewacht?!", fragte sie weiter, ohne Alaryah auch nur die Chance einer Antwort zu geben. Nach und nach schossen die Fragen aus der Frau heraus, Alaryah kam kaum hinterher. Einen kurzen Moment ĂŒberlegte sie, ob sie die Frau nicht lieber bewusstlos schlagen sollte, nahm von dieser Idee jedoch recht schnell Abstand. <Erst, wenn es wirklich sein muss.>, beschloss sie fĂŒr sich. "Es gibt keinen Grund zur Furcht, wir können das alles erklĂ€ren. Du kannst einfa...".
Etwas knackte. Jaro kam dazu. Sowohl Alaryah, als auch die Frau fixierten nun den Neuankömmling. "Was tust du hier?", knurrte die Frau und löste den Griff von Alaryah. "Verschwinde!", schrie sie und hielt sich den Kopf, wollte den Griff lösen. Alaryah packte fester zu wĂ€hrend Jaro etwas sagte. "Ich habe gesagt du sollst dich beruhigen!". Alaryah fixierte nun die Arme der Frau, nahm sie in eine Art Schwitzkasten. Dann zog sie einen ihrer Langdolche. "Du!", fauchte Alaryah in Jaros Richtung. "Woher kennt ihr euch?!". Verzweifelt versuchte sich die Frau aus Alaryahs Griff zu befreien. Keine Chance. "Versuch nicht abzuhauen, das wird dir nicht gelingen, du wirst nicht weit kommen.". Es war unklar, ob Alaryah dies zu Jaro oder der Frau sagte. "Jaro! Was ist hier los?!". Alaryahs Blick war wie versteinert. "Komm sofort her und erklĂ€r das!". "Lasst mich gehen!", protestierte die Frau, riss sich schließlich los und versuchte erneut zu fliehen. Alaryah fluchte und ließ den Dolch fallen, spurtete los und machte einen Hechtsprung. TatsĂ€chlich gelang es ihr die Frau am Bein zu fassen zu kriegen, sodass diese stĂŒrzte. Direkt auf einen Baumstamm. "Ouf!" war das letzte, was man von ihr hörte, bevor sie in die Bewusstlosigkeit hinĂŒberglitt. Alaryah rappelte sich auf, ihre Lippe war aufgeplatzt und langsam beruhigte sie ihren Atem. Wieder flog ihr Blick zu Jaro. "Ich warte. Warum hat sie Angst vor dir?!". Wie ein Raubtier zog Alaryah nun ihre Kreise um Jaro, den zweiten Langdolch gezogen. Was war nur los? Hatte sie einen Fehler gemacht? Doch warum hatte Jaro die Karte ausgehĂ€ndigt wenn er irgendwie von all dem wusste? Fehlinformationen? Wem konnte man hier eigentlich trauen? "Ich verlange Antworten!". Jaro schien...verĂ€ngstigt? "Du sagst besser, was du weisst.". Wusste er ĂŒberhaupt etwas? Ohne Jaro und die Frau aus den Augen zu lassen sammelte Alaryah ihren fallengelassenen Dolch ein. "Setzen wir uns doch, reden wir.", sagte Alaryah schließlich, setzte sich auf den Baumstamm neben dem die bewusstlose Frau lag und tippte mit dem Dolch auf die Wiese vor sich. Anschließend steckte sie auch diese Waffe weg. "Es liegt jetzt an dir. Ich will die Wahrheit hören.". Wahrscheinlich waren der Hauptmann und ein paar seiner Leute nicht mehr weit...

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Jaro BallivĂČr
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#14

Beitragvon Jaro BallivĂČr » Mo 28. Aug 2017, 10:05

Jaro verstand nicht recht, was hier geschah. In einem Moment noch erschrocken von den Worten der mysteriösen Frau, war er im nĂ€chsten regelrecht geschockt von Alaryahs Reaktion. Er merkte, wie seine Knie zittrig wurden und suchte verzweifelt nach Worten. <Du musst etwas sagen! Sag ihr einfach irgendetwas, um zu beweisen, dass du keine Ahnung hast, wovon sie spricht!> Doch trotz dem DrĂ€ngen seiner Vernunft, brachte er nicht mehr als undefinierbares Gestammel hervor, wĂ€hrend die Waldalbin noch immer mit der Frau rang, offensichtlich höchst alarmiert. Konnte sie wirklich glauben, dass er etwas im Schilde fĂŒhrte, etwas vor ihr verbarg? Jaro wusste es nicht und ihm wurde klar, dass sie sich eigentlich gar nicht gut kannten, auch wenn es sich durch das angenehme Beisammensein so angefĂŒhlt hatte. Die Frau wand sich und versuchte verzweifelt, fast panisch zu fliehen. Die Furcht schien ihr besondere Kraft zu verleihen, denn schließlich riss sie sich los. Sie kam nicht weit und Alaryah wandte ihre gesamte Aufmerksamkeit Jaro zu. Er sah sie an, noch immer nicht in der Lage zu sprechen und ließ die Schultern hĂ€ngen. Er fĂŒrchtete sich. Er hatte gesehen, was Alaryah mit den Kerlen angestellt hatte und bald wĂŒrde sicherlich VerstĂ€rkung nachrĂŒcken, da ihre Hetzjagd aus dem StĂŒtzpunkt alles andere als unauffĂ€llig gewesen war. Er musste sich erklĂ€ren! Erstaunt bemerkte Jaro, dass er sich weniger davor fĂŒrchtete, was sie wohl mit ihm anstellen wĂŒrden, wenn sie ihn fĂŒr schuldig befanden, als davor, was Alaryah von ihm dachte und wie sie wohl dastehen wĂŒrde, nachdem sie alle davon ĂŒberzeugt hatte, er sei in Ordnung. Die Waldalbin schien seine Furcht zu bemerken, denn sie packte ihre Dolche ein und bat Jaro nochmals viel ruhiger, mit ihr zu sprechen. Nervös trat er von einem Fuß auf den anderen.
„Du musst mir glauben, Alaryah! Ich habe diese Frau noch nie zuvor gesehen.“ Er biss sich auf die Unterlippe. „Ich war zuvor in Almanien! In der Souvagne, ich kann es dir beweisen“, fĂŒgte er hektisch an. Doch wie sollte er es beweisen? Sie wĂŒrden wohl kaum Boten dorthin senden können.
„Wieso fĂŒrchtet sie sich dann vor dir? Sie hat dich erkannt!“, sagte Alaryah und Jaro meinte Bedauern in ihrem Blick zu erkennen.
„Ich weiß es nicht“, sagte Jaro kleinlaut, „ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht hat sie mich einmal gesehen, als ich der Gruppe gefolgt bin.“ Doch das erklĂ€rte nicht, warum sie ihn so fĂŒrchtete und sowohl Jaro als auch Alaryah wussten das. Wieso konnte er sich nicht besser verteidigen? Alaryah bot ihm reichlich Gelegenheit dazu und er versaute es. Die Waldalbin schien ebenfalls mit sich zu ringen. <Einen anderen hĂ€tte sie wahrscheinlich schon in Gewahrsam genommen>, dachte Jaro. „Ich habe dir alles gesagt, was ich weiß“, setzte er noch einmal an, als Alaryahs Blick zur Seite flackerte.
„Was ist hier los?“, ertönte da schon die Stimme des Hauptmannes, dessen Umrisse fast mit dem dunklen Dickicht verschmolzen. Sein Blick glitt ĂŒber die bewusstlose Frau am Boden zu Jaro und schließlich zu Alaryah. Seine rechte Hand vollfĂŒhrte eine Bewegung nach unten und Jaro vermutete, dass eine Menge Pfeile um die Lichtung herum nun nicht mehr auf ihn zielten. „Wie konnte sie meinen MĂ€nnern entwischen? Schattenwind?“
„Das weiß ich nicht“, sagte Alaryah mit fester Stimme und stand auf. „Es gibt Einiges, was ich nicht weiß.“ Sie blickte zu Jaro – traurig.
„Ich weiß dafĂŒr jetzt umso mehr. Ich konnte vorhin schon mit Thalumir Eddor sprechen, denn der heilige Ort auf der Karte liegt in seinem Bereich und ich habe wichtige Informationen von ihm erfahren. Der HĂŒter der Karte ist vor einigen Wochen abgereist und zwar völlig ĂŒberstĂŒrzt.“ Der Hauptmann hielt kurz inne, sah Alaryah eindringlich an und dann zu Jaro. „Was verschweigt ihr mir?“
Alaryah seufzte und setzte zu einer Antwort an, doch Jaro kam ihr zuvor. „Die Frau“, Jaro zeigte auf den Boden, „war irgendwie bei Bewusstsein. Sie hat gesprochen und als sie mich erblickte, schien sie mich zu erkennen, doch das kann nicht sein!“ Er sprach schneller. „Sie muss mich verwechseln, mit jemandem, den sie fĂŒrchtet und Alaryah-„, er sah sie an, „Alaryah wollte der Sache auf den Grund gehen und prĂŒfen, ob sie mir trauen kann“, fĂŒgte er schließlich an.
Der Hauptmann nickte. „Vorbildlich, Schattenwind, vorbildlich“, sagte er. „Auch wenn es vielleicht schon hĂ€tte zu spĂ€t sein können. Dein Ruf, manchmal zu naiv und hilfsbereit zu sein, eilt dir ja voraus.“ Er zwinkerte, wurde aber direkt wieder ernst. „Wie dem auch sei, ich glaube, ich habe genug Informationen, um unseren Freund hier zu entlasten, weshalb er auch ruhig mit anhören kann, was ich zu sagen habe.“
Alaryah nickte und brachte sogar ein LĂ€cheln zustande, was Jaro dankbar bemerkte.
„Der HĂŒter der Karte ist jedenfalls abgereist und als Thalumir feststellte, dass er die Karte mitgenommen hat, hat er ihm sofort einen Stoßtrupp hinterher geschickt. Die MĂ€nner und Frauen sind erst kĂŒrzlich zurĂŒck, denn ein zusĂ€tzliches GepĂ€ckstĂŒck hat ihre Reise erschwert.“
„Der HĂŒter ist tot“, vollendete Alaryah den Gedanken und der Hauptmann nickte.
„Sie fanden ihn aus den Ohren blutend im Umland von Alessa; ohne die Karte.“ Er begann auf und ab zu gehen.
„NatĂŒrlich wurde er von Schamanen untersucht und alles deutet auf einen starken geistigen Eingriff hin, auf gewaltsame Entnahme von Informationen. Wahrscheinlich ist er nur deshalb ĂŒberhaupt so abrupt abgereist, wir wissen es nicht genau. Er könnte durchaus im Schlaf heimgesucht worden sein.
Thalumir hat sich jedenfalls bis ins kleinste Detail von seinem Stoßtrupp berichten lassen und es passt alles zusammen.“
Er blieb stehen und blickte erst Alaryah, dann Jaro an. „Sie berichteten, der Dieb sei ein lichtalbischer Magier, ein Mann so weiß wie Schnee und mit strahlend blauen Augen – wie du mein Freund“, sagte er an Jaro gewandt.
„Ich bin kein Magier“, stieß Jaro hervor und bereute es als gleich. „NatĂŒrlich nicht“, lachte nĂ€mlich der Hauptmann, „wie könntest du auch er sein, wo der Stoßtrupp ihn doch vor einigen Tagen erst in Alessa gesehen hat? Du solltest lernen, dich nicht so verdĂ€chtig aufzufĂŒhren, wenn du gar nichts zu verbergen hast.“
„Das erklĂ€rt trotzdem noch nicht, warum sich diese Frau hier vor Jaro fĂŒrchtet“, sagte Alaryah.
„Er hat sie abgerichtet. Wenn die Entdeckungen der RĂŒckkehrer stimmen, war sie sein Spielzeug und seine Sklavin. Die einfachen Leute auf den Straßen Alessas kannten sie und berichteten, dass sie sich vor allem und jedem fĂŒrchtet, das sie auch nur entfernt an ihren Meister erinnert.“
„Und was will er? Wieso ist diese Frau jetzt hier?“, fragte Alaryah.
„Das wissen wir leider nicht. Thalumirs Leute mussten ihre Nachforschungen vorsichtig und im Untergrund betreiben, um keinen politischen Konflikt vom Zaun zu brechen.“
Sie schwiegen einen Moment.
„Aber es ist doch trotzdem komisch, dass ausgerechnet ein Lichtalb diese Gruppe um die Frau entdeckt hat, wenn er nichts damit zu tun hat, nichts von der Sache weiß.“ Alaryah wirkte hin und her gerissen, als sei ihr gutherziges Vertrauen erschĂŒttert.
„Was sagt dir dein GefĂŒhl?“, fragte der Hauptmann.
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Alaryah Schattenwind
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#15

Beitragvon Alaryah Schattenwind » Mo 11. Sep 2017, 23:20

Was fĂŒr ein Abend. Alaryah wurde das ganze langsam zu viel. Es war ein auf und ab der GefĂŒhle, mittlerweile war es einfach nur noch anstrengend. Der Hauptmann hatte sie dann auch noch nach ihrer EinschĂ€tzung zu der Situation gefragt. Die Albin brauchte einen Moment um sich zu sammeln. "Es ist in Ordnung.", murmelte sie die recht leere Phrase hervor. Den Blicken des Hauptmanns wich Alaryah etwas unbeholfen aus, ging schweigend ein paar Schritte. "Sobald sie wieder aufwacht wĂŒrde ich ihr gern einige Fragen stellen.", fĂŒgte sie an, dabei in Richtung der immer noch bewusstlosen und herumliegende Frau nickend. Der Hauptmann bestĂ€tigte kaum merkbar, dann verschmolz Alaryah mit dem nahegelegenen Waldrand.

Sie wartete in der Dunkelheit, nahm sich einfach ihre Zeit und ging die Informationen von dem Hauptmann noch einmal gedanklich durch. Auch Jaros Reaktionen liefen wieder und wieder in Alaryahs Kopf ab, zum Beispiel wie er sie vor dem Hauptmann in gewisser Weise verteidigt hatte. Stille. Nur Wald. Es tat gut. Was war da nur gerade losgewesen? In der Ferne hatte sie die kleine Kolonne ausmachen können, die wieder zurĂŒck in Richtung StĂŒtzpunkt marschierte. Die Frau wurde auf einer improvisierten Trage möglichst sicher transportiert. Alaryah hoffte, dass die Frau bald wieder aufwachen wĂŒrde. Die Albin atmete tief durch, dann huschte sie elegant zwischen den BĂ€umen umher, schloss zu der Kolonne auf. Schon bald hatte sie Jaro in der Gruppe ausgemacht, der etwas zu erschrecken schien, als Alaryah plötzlich neben ihm auftauchte. "Auf ein Wort.", sagte sie nĂŒchtern und legte ihm sanft die Hand auf die Schulter als Zeichen stehen zu bleiben. Einer der Soldaten drehte sich noch wĂ€hrend des Marschierens zu ihnen um, doch der Hauptmann flĂŒsterte etwas, die Gruppe marschierte weiter und schon bald waren Jaro und Alaryah alleine. Eine fast unertrĂ€gliche Stille schien sich in die LĂ€nge zu ziehen wie Äonen, dann brach Alaryah das Schweigen. Sie hatte vorher einfach nur dagestanden und Jaro tief in die Augen gesehen. Ihr sanfter Griff wurde bestimmender und fester, als Jaro den Bruchteil einer Sekunde versuchte ihre Hand abzuschĂŒtteln. Kurz huschte die Angst ĂŒber das Gesicht von Jaro, doch verschwand wieder als Alaryahs ernster Blick etwas weicher wurde. "Viel ist passiert.", flĂŒsterte sie und legte den Kopf leicht schief. "Recht viel fĂŒr so eine kurze Zeit.". Ihre Augen verengten sich etwas. "Ich weiss nicht, was und wer genau wirklich hinter all diesen Ereignissen steckt...aber ich werde es herausfinden. So wie es scheint geraten wir, auch du, Jaro, hier in etwas großes hinein. Wir werden langsam voran kommen und wahrscheinlich wird es ein gefĂ€hrlicher Weg werden, den wir einschlagen.". Es machte den Anschein als wĂŒrde Alaryah diesen Gefahren mit einer gewissen Leichtigkeit entgegensehen. Sie schien gelassen und strahlte plötzlich eine Ruhe aus...selbst der Gedanke in den Tod zu gehen schien die Albin nicht aus dieser Ruhe bringen zu können. "Ich habe mich zu sehr von den Ereignissen und dem Wirbel vieler GefĂŒhle leiten lassen.", setzte sie fort und nahm nun erst die Hand von Jaros Schulter. "Du sagtest die Wahrheit. Ich war...nunja...geblendet, hĂ€tte dir vielleicht etwas angetan oder dich einfach getötet. Gut, dass es nicht so kam. Ich weiss nicht, was ich sagen soll, Jaro, bitte verzeih mir. Ich wollte dich nicht erschrecken, doch wenn du eine Bedrohung gewesen wĂ€rst...". Zum ersten Mal, seit Alaryah Jaro begegnet war, fand sie keine Worte fĂŒr das Ende eines Satzes. "Was auch die nĂ€chsten Tage bringen mögen, ich werde dich nicht wieder mit der Klinge bedrohen.". Alaryah senkte den Kopf. "Sollte es hart auf hart kommen werde ich dich stattdessen mit eben diesen Klingen schĂŒtzen.". Ihre HĂ€nde wanderten zu den Waffen am GĂŒrtel und Alaryah hoffte, dass nun wieder alles gut zwischen ihnen war. Schließlich war noch viel zu tun...


SpĂ€ter fand sich Alaryah in ihrer Unterkunft wieder. Sie wollte gerade etwas ruhen, da kĂŒndigte sich ein WĂ€chter an. Er informierte die Albin, wie gewĂŒnscht, dass die tĂ€towierte Frau aufgewacht und bei Verstand sei. Alaryah spĂŒrte plötzlich neue KrĂ€fte erwachen und folgte dem Soldaten.
Es dauerte nicht lang, da kamen sie an einer bewachten HĂŒtte mehrere BĂ€ume weiter an. Die Wachen waren verdoppelt worden. Alaryah betrat den leicht dĂŒsteren Raum, nur fahles Mondlicht fiel in Strahlen hinein. Ob Jaro in der NĂ€he war? Alaryah vermochte es nicht zu sagen. HĂ€tte sie ihn vielleicht ebenfalls dazuholen sollen? Wahrscheinlich war es klĂŒger erst mal mit der Frau alleine zu reden...schließlich schien sie vor Jaro Angst zu haben. Alaryah schob ihre Gedanken zur Seite und fand die auf dem Boden kauernde Frau vor, die sie mit einer Mischung aus Angst und Wut anfunkelte. Die Albin blieb stehen. "Hallo.", sagte sie ruhig, ging in die Hocke. "Bitte, hab keine Angst. Ich wĂŒrde dir gern ein paar Fragen stellen und im Gegenzug einige von deinen Fragen beantworten.". Keine wirkliche Reaktion. Die Frau wich Alaryah aus, als diese nĂ€her kam. "In Ordnung.", sagte die Albin und ließ den Abstand zwischen ihnen bestehen. "Mein Name ist Alaryah Schattenwind. Die WĂ€chter dort sind zu deinem Schutz hier. Es besteht keinerlei Gefahr fĂŒr dich. Wie ist dein Name?". Einige Sekunden vergingen und Alaryah hatte schon fast nicht mehr mit einer Antwort gerechnet...da plötzlich... "Kirona. Ich bin Kirona. Was ist hier nur los?". Alaryah lĂ€chelte freundlich. "Hallo Kirona. Genau das fragen wir uns auch. Wir fanden dich im Wald und zwar in nicht ganz so guter Gesellschaft. Jemand wurde angegriffen. Jaro. Erinnerst du dich an ihn?". Kirona ĂŒberlegte einen Moment. "Diesen Namen habe ich noch nie gehört.", meinte sie schließlich. "Wir mĂŒssen einiges gemeinsam aufklĂ€ren, Kirona.". Alaryah sah sich um, erhob sich und nahm einen kleinen Becher, der zu ihrer Rechten auf einem kleinen Tisch stand. "Kann ich dir einen Tee anbieten?", fragte sie die Frau. Diese nickte verunsichert und so wurde Tee zubereitet. Langsam aber sicher legte sich endlich die Scheu in Kirona und sie berichtete Alaryah von ihrer letzten Vergangenheit. Alaryah hocktesich wieder vor Kirona hin und hörte aufmerksam zu. "Meine Eltern wollten immer nur das beste fĂŒr mich, eine gute Ausbildung. Sie selbst waren nicht mit einer gewissen...Gabe...ausgestattet. Angeblich sei ich etwas besonderes. Ich wollte es jedoch nie sein. Schließlich wurde ich in meiner frĂŒhen Kindheit nach Alessa in die Lehre geschickt. Ich wollte immer nur den Leuten helfen, nie etwas böses tun. So wurde ich ausgebildet. Ich habe nie den Namen meines Meisters erfahren. Er wurde immer nur mit seinem Titel angesprochen.", erklĂ€rte Kirona. "Nach und nach verĂ€nderte sich jedoch alles. Angeblich sei ich nur vergesslich, doch das bin ich nicht. Das war ich nie. Mir kommt es manchmal vor, als seien mir absichtlich Erinnerungen genommen worden. Vielleicht auch der Name des Meisters.". Die Frau war den TrĂ€nen nahe. Ich wollte doch niemals hier sein, mitten im Nirgendwo. Ich weiss nichtmal, was all diese TĂ€towierungen bedeuten sollen. Manche kenne ich zwar, doch wiederum andere... Plötzlich verstummte Kirona. Ihre Augen weiteten sich und der Blick flog an Alaryah vorbei. Alaryah sah ĂŒber die Schulter. Hatte sie da gerade Jaro von dem kleinen Fenster hinforthuschen sehen? "Sorge dich nicht, Kirona.", beruhigte Alaryah die Frau. "Das ist Jaro. Glaub mir, da liegt eine Verwechslung vor. Auch das ist etwas, was wir nun gemeinsam aufklĂ€ren sollten.". Sie rutschte auf Knien nĂ€her zu Kirona, die noch immer Ă€ngstlich an der Albin vorbei und zum Eingang der HĂŒtte starrte. Alaryah nahm Kironas HĂ€nde und hielt sie fest. "Jaro, komm ruhig rein.", sagte die Albin dann mit leicht erhobener Stimme, sodass Jaro sie hören konnte. "Du bist sicher.", flĂŒsterte sie anschließend Kirona zu, die noch immer nervös, jedoch weniger Ă€ngstlich war. Jaro trat ein.

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Jaro BallivĂČr
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#16

Beitragvon Jaro BallivĂČr » Fr 15. Sep 2017, 22:11

Jaro zuckte zusammen, als ihn der Blick Kironas striff. Er war schon ein paar Augenblicke vor dem Zimmer umher geschlichen, unschlĂŒssig, ob er anklopfen sollte oder nicht. Endlich sprach die Frau, das wollte er nicht direkt wieder zunichte machen. Genauso unsicher waren wohl die Wachleute gewesen, die ihn zwar etwas skeptisch gemustert hatten, jedoch still an Ort und Stelle verharrt waren. Letztlich war er wieder unvorsichtig gewesen und die Frau hatte ihn gesehen. Zum GlĂŒck hatten Alaryah und er das MissverstĂ€ndnis zwischen einander beiseite rĂ€umen können. Nicht nur, dass sie ihn nun freundlich hereinbat, sie strahlte auch wieder die angenehme Leichtigkeit und StĂ€rke aus wie zu Beginn, wenn nicht gar mehr und Jaro spĂŒrte, wie nicht nur er sondern auch Kirona an Anspannung verloren. Als er zuvor Alaryahs Unsicherheit erlebt hatte, war Jaro selbst ganz flattrig zumute gewesen.
Er hatte bis dato auch nicht ganz umrissen gehabt, was all die Ereignisse fĂŒr die Waldalben bedeuten konnten. Alaryah hatte es ihm verdeutlicht: sie waren hier in eine Sache mit Tragweite geraten. SelbstverstĂ€ndlich hatte er ihre Entschuldigung angenommen und hatte gar ein bisschen Stolz verspĂŒrt, dass die Albin von „wir“ gesprochen hatte, ihn weiter dabei haben wollte.

Vorsichtig ging er nun an der Wand entlang in den Raum hinein und warf Alaryah einen entschuldigenden Blick zu. Es war faszinierend. Die Waldalbin hatte es geschafft, das Vertrauen der Frau namens Kirona zu gewinnen, zumindest soweit, dass diese richtig ins ErzĂ€hlen gekommen war. Sie saß dort, ganz normal und sprach in zusammenhĂ€ngenden SĂ€tzen und mit klarem Blick. Noch vor ein paar Tagen wĂ€re so etwas absolut undenkbar erschienen. Ob es damit zusammenhing, dass die Frau zuletzt in ihrer Gesellschaft gewesen war? Zuvor war sie immerhin auch nicht alleine gewesen sondern umringt von diesen Kerlen und auch diese hatten sie hin und wieder kontaktiert, wenn auch ohne Erfolg. Oder lag es daran, dass sie sich immer tiefer in den Wald begeben hatten? Hier oben in den Quartieren hatte Jaro ein paar Blicke auf den Nachthimmel erhaschen können und darauf geschlossen, dass der momentane Standort deutlich tiefer im Waldreich lag, als jener, an dem alles begonnen hatte. Jaro wusste, dass WĂ€lder mehr waren als eine Ansammlung von Pflanzen. Sie lebten und sie wirkten auf andere Wesen. Was, wenn der Wald an sich zu der VerĂ€nderung Kironas beigetragen hatte? Jedenfalls sprach sie nun und was Jaro mit bekommen hatte, hatte sie wahrlich kein schönes Leben gehabt. Die Frage war nur: warum? Über welche Gabe (das Wort meinte Jaro verstanden zu haben) verfĂŒgte Kirona, die so interessant fĂŒr ihren Meister gewesen war?
Er blieb ein StĂŒck hinter Alaryah stehen, darauf bedacht, genug Abstand zu Kirona zu halten, die ihn trotz Alaryahs beruhigender Worte weiterhin aufmerksam beobachtete.
„Hallo“, sagte er schließlich. „Alaryah hat Recht, du musst keine Angst vor mir haben. Ich bin dir und deiner Gruppe gefolgt, weißt du noch? Alaryah und ich haben dich gerettet.“ Sie starrte weiter und Jaro wurde unsicher. „I-ich wollte nicht stören. Fahrt nur fort.“
MĂŒhsam, als bereite es ihr große Anstrengung, löste Kirona den Blick von Jaro und ließ ihn zu Alaryah gleiten, die ihr zunickte.
„Auch an diese Gruppe, von der ihr sprecht, kann ich mich nicht erinnern. Höchstens vielleicht“, sie hielt kurz inne, blickte auf ihren Schoß und drĂŒckte mit einer Hand die Lippen zusammen, offensichtlich grĂŒbelnd. „höchstens vielleicht an Stimmen. Meine letzte Erinnerung sind MĂ€nnerstimmen
 und der Duft von Erde, ich muss also schon aus der Stadt fort gewesen sein.“ Hilfesuchend sah sie wieder Alaryah an, die sie ermutigte, einfach weiter zu machen und Jaro merkte, wie auch er ganz unbewusst, mit dem Kopf nickte.
"Erinnerst du dich daran, was sie sagten?" fragte Alaryah.
„Nein
 das heißt, es ist alles irgendwie verzerrt, als hörte ich GerĂ€usche unter Wasser, ganz undeutlich und dumpf.“ Sie verstummte.
„Die TĂ€towierungen“, warf Jaro ein. „Ich hörte, du kennst manche davon. Haben sie eine Bedeutung?“
Kirona zuckte wieder etwas zusammen, als sie Jaros Stimme mit den Augen folgte und er fragte sich, ob das nun immer so sein wĂŒrde.
„Sie waren eigentlich immer Zeugnis der Ausbildung. Es gab Rituale, fĂŒr jede Stufe ein eigenes und man wurde gemĂ€ĂŸ seines Standes und seiner Funktion gezeichnet. Doch viele kenne ich nicht, habe sie noch nie gesehen, auch bei keinem anderen.“
„Andere? Es gab mehrere von euch?“ fragte Alaryah und Kirona nickte.
„Und was seid ihr? Wozu solltet ihr ausgebildet werden?“
Kirona sah auf. Trotz all ihrer Verwirrung war ihr Blick klar und ihre Stimme fest.
„Zu Waffen“, antwortete sie.
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#17

Beitragvon Alaryah Schattenwind » Mo 18. Sep 2017, 22:50

Einen Moment lang verharrte Alaryah in ihrer Position. Dann zuckte eine ihrer Augenbrauen hinauf. "Zu...Waffen...", wiederholte die Albin fast lautlos. "Ja.", bestĂ€tigte Kirona deutlich. Alaryahs Blick flog zu Jaro hinĂŒber, dann wieder zu Kirona zurĂŒck. "Was...was ist eure Aufgabe gewesen?", fragte Alaryah aufgeregt. Dann hielt sie erneut inne und ließ langsam aber sicher Kironas HĂ€nde los. Alaryah war plötzlich unsicher. Hatte Kirona KrĂ€fte, die eine Gefahr darstellten? War ihre Aufgabe ĂŒberhaupt erfĂŒllt? Was, wenn Kirona..."angreifen" wĂŒrde? Vorsichtig wich Alaryah zurĂŒck. Kirona bemerkte den plötzlichen Wandel und das Misstrauen in Alaryah, welches dieser wiederum recht neu vorkam. Kirona wollte aufstehen und die Situation aufklĂ€ren. In einer fließenden Bewegung richtete sich Alaryah auf und brachte somit gut drei Schritte Abstand zwischen sich und die tĂ€towierte Frau. Anschließend zog Alaryah Jaro mit einer gewissen HĂ€rte hinter sich. "Vorsicht.", flĂŒsterte Alaryah Jaro zu, Kirona dabei nicht aus den Augen lassend. "Es ist nicht so wie ihr...". Weiter kam Kirona nicht. Sie machte einen Schritt auf die beiden GefĂ€hrten zu, stolperte und landete unsanft auf dem hölzernen Boden. Alaryah und Jaro sahen sich an, dann fasste sich Alaryah ein Herz und ging auf die am Boden liegende Frau zu. "Jaro, sollte gleich etwas passieren, dann renn. Ruf nach den Wachen, versuch den Hauptmann zu finden.". Alaryahs Stimme klang hohl. Wieder lernte Jaro eine neue Seite von Alaryah kennen. Zuerst war es die gutherzige, freundliche Person gewesen, dann die jagende und unerbittliche Albin, die bereit war bis zum Tod zu kĂ€mpfen und nun...Ja, nun eine Alaryah, die damit rechnete mit dem nĂ€chsten Wimpernschlag tot am Boden zu liegen.
Die Zeit schien quĂ€lend langsam zu vergehen und Alaryahs Herzschlag pochte mehr als laut in ihrem Kopf. Die kleine Waldalbin konnte sich letztendlich doch ĂŒberwinden und drehte die am Boden liegende Kirona um. Leere Augen starrten ihr entgegen. "Nicht schon wieder.", flĂŒsterte Alaryah und wandte traurig den Blick ab.

Drei Tage waren seit dem GesprĂ€ch mit Kirona vergangen. Seitdem war diese wieder in ihrer Trance gefangen, reagierte nur sporadisch auf Anweisungen. Zum GlĂŒck hatte der Hauptmann eine weitere Idee. WĂ€hrend er Boten zu den umliegenden StĂŒtzpunkten und Dörfern aussandte, schickte er Alaryah mit Jaro und Kirona im Schlepptau zu einer Schamanin. Alaryah kannte besagte Albin selbst nicht, doch wusste in etwa, wo sie sich aufhielt. Sie hatten eine Wegbeschreibung bekommen, mit der allerdings nur Alaryah wirklich etwas anzufangen wusste. Das Ziel schien eine Art Brunnen zu sein, so viel konnte Jaro durch bloßes Zuhören herausbekommen.

So bahnten sich die drei ihren Weg durch das Unterholz, passierten plĂ€tschernde BĂ€che, riesige BĂ€ume und prĂ€chtige Lichtungen. Bald schon war es wieder Zeit fĂŒr eine Rast. Die Sonne verabschiedete sich langsam aber sicher und es wurde kĂŒhler. Bald hatte die kleine Reisegruppe einen geeigneten Lagerplatz gefunden. Es handelte sich um eine Steinformation, die, wie Alaryah erklĂ€rte, vor langer Zeit als Treffpunkt fĂŒr die unterschiedlichsten Amtsinhaber diente.
Ein kleines Kochfeuer war schnell entzĂŒndet und ein Abendessen zubereitet. Auch Kirona aß, wenn auch nur mit Hilfe von Jaro und Alaryah. Dann trat Ruhe in dem kleinen Lager ein.
WĂ€hrend das Feuer noch schwach knisterte fixierte Alaryah plötzlich Jaro und durchbrach die Stille. "Jaro.", sagte sie leise und setzte dann mit gedĂ€mpfter Stimme fort:"Was meinst du...Was fĂŒr eine Bedrohung geht von Kirona aus? Ob die Schamanin mehr herausfinden kann?". Alaryah richtete sich noch einmal von ihrem Nachtlager auf und wischte sich dann die blaue "Kriegsbemalung" aus dem Gesicht.
"Was sind das fĂŒr Leute, die anderen so etwas...", sie deutete halbherzig auf die vor einem der Steine kauernde Kirona "Nunja, die jemandem so etwas antun?". Alaryah und Jaro hatten tatsĂ€chlich kaum miteinander geredet, seitdem sie den StĂŒtzpunkt verlassen hatten. Zu sehr schienen sie in Gedanken vertieft. "Wie ist sowas ĂŒberhaupt möglich?". Alaryah schaute Kirona einen Moment lang schweigend an, stand dann auf und ging zu der regungslos dasitzenden Frau hinĂŒber. Dann legte Alaryah eine weitere Decke um Kirona. "Was muss das fĂŒr eine Magie sein, die so weit reicht, dass sie Kontrolle ĂŒber jemanden hat der so weit entfernt ist?". Alaryah wurde mulmig zumute. Wer weiss, was Kirona noch anzustellen vermochte, wenn sie sich selbst als Waffe bezeichnete? Dann plötzlich wurde die Albin aus ihren Gedanken gerissen. Sie kniete ab, ihr Blick zuckte umher. Sie waren nicht allein.
"Jaro, ich werde mich noch einmal umsehen.", meinte Alaryah und machte sich auf in Richtung Waldrand. "Bleib du hier, hab ein Auge auf Kirona.". Bevor sie verschwand, drehte sich Alaryah noch einmal zu Jaro um. "Hab keine Angst, ich bin in Rufweite. Sei jedoch bereit, dich zu verteidigen.". Dann huschte sie davon.

Die Zeit verging und nichts passierte. Alaryah war die Umgebung bereits mehrmals abgeschritten, hatte sich wieder und wieder bei Jaro gemeldet. Dieser schien auch langsam aber sicher von MĂŒdigkeit ĂŒbemannt zu werden. Alaryah machte sich gerade auf den Weg zurĂŒck zum Lager, da meinte sie plötzlich eine Gestalt am Rande des Lagers wahrzunehmen. TatsĂ€chlich nĂ€herte sich ein Schatten Jaro und Kirona. "Niemals.", hauchte Alaryah und zog lautlos einen ihrer Langdolche. Gerade wollte sie losspurten, da verließen ihre FĂŒĂŸe den weichen Waldboden. Jemand hatte die Albin von hinten gepackt, drĂŒckte ihr die Luft ab. Sie strampelte verzweifelt, wollte Jaro warnen doch brachte nur ein leises Röcheln hervor. Dumpf fiel Alaryahs Dolch hinunter und Jaro entfernte sich mehr und mehr aus ihrem Blickfeld. Die kleine Albin schlug wild um sich, doch dann verließen sie die KrĂ€fte. Ihr Herz pochte. Langsam. Laut. Langsamer. Leiser.

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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#18

Beitragvon Jaro BallivĂČr » Di 26. Sep 2017, 17:38

Das Gehen tat Jaro gut. Es gab ihm BeschĂ€ftigung und verdrĂ€ngte das aufkeimende GefĂŒhl, eher ein Hindernis als eine Hilfe fĂŒr Alaryah zu sein. Außerdem war er gerne in der Natur und hĂ€tte er tief in sich hinein gehorcht, hĂ€tte er gefunden, dass es vor allem die Einsamkeit war, die ihm WohlgefĂŒhl bereitete, nachdem er im StĂŒtzpunkt trotz des privaten Quartiers stĂ€ndig andere Alben um sich gehabt hatte.
Sie schwiegen auch meist und nutzten die Zeit, ihren eigenen Gedanken zu lauschen, gebettet in die beruhigenden EigengerÀusche des Waldes und seiner Bewohner.
Die Umgebung vermochte Jaro auch weiterhin in Staunen zu versetzen. Nach jeder Wegbiegung konnte einen ein neuer Anblick verzĂŒcken. Auch der Ort, den Alaryah eines Abends als Lagerplatz auswĂ€hlte, und seine Geschichte faszinierten Jaro.
Dann aber war die Zeit gekommen, dass sie sich wieder mit all den Unsicherheiten und Fragen beschĂ€ftigen mussten, die Kironas Worte und ihr erneuter RĂŒckfall aufgeworfen hatten.

Jaro konnte als Antwort auf Alaryahs Frage nicht mehr als mit den Schultern zucken. Auch er hatte sich schon gefragt, welche Gefahr Kirona darstellen könnte. Eine Ausbildung einzig zu einem solchen Zweck musste ernst genommen werden. Aber Kirona
 konnte von jemandem, der entweder kaum bei Bewusstsein war oder sich in wachem Zustand derart fĂŒrchtete, eine reale Gefahr ausgehen?
„Ich hoffe, die Schamanin kann helfen“, entgegnete er der Waldalbin. TatsĂ€chlich war Jaro sehr gespannt auf den Ort, an den sie zu gehen beabsichtigten. Das konnte kein Ort sein, den ein jeder Besucher zu Gesicht bekam.
Alaryah verspĂŒrte Mitleid mit Kirona und auch etwas Fassungslosigkeit. Jaro wĂŒnschte, er hĂ€tte das auch gekonnt, doch die NĂŒchternheit hatte ihn wieder stĂ€rker in Beschlag genommen. „Ich habe schon davon gehört, dass mĂ€chtige Magier Unvorstellbares anrichten können“, sagte Jaro. „Bei mir zu Hause gibt es auch welche und manchmal hat Mutter mir Geschichten erzĂ€hlt, doch nichts, das nur annĂ€hernd vergleichbar mit Kironas Zustand wĂ€re.“ Er aß noch einen Bissen. „Wenn sie uns doch nur mehr ĂŒber diesen Meister hĂ€tte erzĂ€hlen können
“, setzte Jaro an, als Alaryah urplötzlich auf die Knie ging und aufmerksam in den Wald spĂ€hte.
"Jaro, ich werde mich noch einmal umsehen.", sagte sie und machte sich auf in Richtung Waldrand. "Bleib du hier, hab ein Auge auf Kirona." Jaro nickte, wenn auch zögerlich.

Welche neue Teufelei mochte nun auf sie warten?
Der Alb wich weiter in die Mitte der Steinformation zurĂŒck, nĂ€her an die leblose Kirona heran. Ein paar Mal kam Alaryah zurĂŒck und Jaro war um jedes Mal dankbar. Angestrengt suchte er mit Augen und Ohren die Umgebung ab, doch er konnte nichts sehen oder hören und schließlich blieb auch Alaryah fort, ohne jede Spur. Die Ungewissheit begann an ihm zu nagen, die Zeit zog sich hin, zĂ€h wie Pittateig und er kam sich schutzlos und beobachtet vor. <Bleib bei Kirona>, sagte er sich immer und immer wieder in Gedanken und doch staute sich nach und nach mehr der Drang in ihm auf, nach Alaryah zu sehen. Sollte er sie rufen? Was aber, wenn sie sich gerade an einen Eindringling heran pirschte? Der Rest des Kochfeuers, zu einer kleinen Glut zusammengeschrumpft, war die einzige Lichtquelle und machte es noch schwerer in der dahinterliegenden Dunkelheit des Waldes etwas zu erkennen. Jaro fĂŒhlte sich mĂŒde, das Denken fiel so schwer. Er blickte sich erneut um, ging ein wenig aus der Mitte hinaus, um besser sehen zu können, doch nichts, nicht links, nicht rechts
 dann: ein Schemen. Ganz deutlich hatte er etwas zur Seite huschen sehen. Er ging nĂ€her an den Waldesrand. Da – schon wieder! Alaryah
 das war Alaryah! Sie schien vor irgendetwas zurĂŒck zu weichen. „Alaryah“, rief Jaro und seine eigene Stimme klang so fern. Sie reagierte nicht auf ihn. Stattdessen rannte sie tiefer in den Wald. Etwas stimmte nicht. Jaro eilte ihr nach. Schnell hatten sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt und er kam gut voran. Ab und an hörte er ein Knacken, als trete jemand auf einen Ast und dann sah er sie weiter vorne. Sie taumelte und fiel. „Nein!“, stöhnte Jaro und beschleunigte nochmals seine Schritte. Er erreichte den Ort, an dem sie gefallen sein musste und sah - nichts. Das konnte nicht
 er war sich sicher, dass sie hier zu Boden gegangen war. „Alaryah!“, rief er erneut, doch erfolglos. Verwirrt stand der Alb einige Momente an Ort und Stelle. Mit einem Male verspĂŒrte er starke Kopfschmerzen, merkte aber zeitgleich, wie sich seine Sinne klĂ€rten. Kirona
 er hatte sie alleine auf der Lichtung gelassen.

Als Jaro die Felsformation erreichte, fehlte von der Frau jede Spur. <Nein>, dachte er verzweifelt und begann hektisch den Boden nach Spuren abzusuchen. Er ging den Bereich am Waldrand ab, wo der Boden erdigere Struktur hatte und da entdeckte er die AbdrĂŒcke zweier Paar FĂŒĂŸe neben den kleinen Kreisen eines Gehstocks
 sie fĂŒhrten in den Wald hinein.
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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#19

Beitragvon Alaryah Schattenwind » Mo 16. Okt 2017, 22:46

Alaryah konnte nicht genau sagen, wie lang sie bewusstlos gewesen war. Sie lag auf der Seite, ihr Kopf dröhnte. Gerade wollte sich die Albin bewegen, da hielt sie jedoch inne. Wo auch immer derjenige war, der sie angegriffen hatte...vielleicht war er nicht weit. Warum hatte er sie ĂŒberhaupt am Leben gelassen? Alaryahs Gedanken, sowie ihr Blickfeld, drehten sich noch einige Augenblicke, doch sie meinte in der Ferne Teile ihrer AusrĂŒstung liegen zu sehen. Da hörte die Albin plötzlich Schritte im Unterholz. Jemand nĂ€herte sich. Es konnte kein Alb sein. Die Schritte kamen nĂ€her und Alaryah wartete angspannt, bis die Person fast bei ihr war. Dann rollte sie sich herum und landete schließlich in einer knienden Position. Der Unbekannte stand nicht weit von der Albin entfernt, in eine dĂŒstere Robe gehĂŒllt, welche ihn zumindest in der DĂ€mmerung und der Nacht etwas tarnte. "Wer seid Ihr und was tut Ihr hier?", zischte Alaryah und fixierte die Person. Es war ein Mann mittleren Alters mit breitem Kreuz und muskulösen Armen. Das Gesicht lag im Schatten einer Kaputze verborgen. Alaryahs Hand wanderte an ihren Hals. "Ihr wart das!", fauchte sie und griff an ihren GĂŒrtel. <Verdammt.>. Der Kerl hatte ihr tatsĂ€chlich die Waffen abgenommen...und machte plötzlich einen Satz in Richtung der Albin. Reflexartig sprang Alaryah zur Seite, rollte sich ĂŒber die Schulter ab und hatte endlich wieder einen festen Stand. Der Mann achtete eine Sekunde lang nicht auf die Albin, schaute fĂŒr einen Moment zu den nicht weit entfernt liegenden Waffen. <Oh, das hĂ€ttest du wohl gern.>. Sowohl der Mann, als auch Alaryah eilten nun in Richtung der AusrĂŒstung. Alaryah spĂŒrte bereits den Knauf eines ihrer Langdolche an den Fingerspitzen, als der Mann sie am Bein packte und von der Waffe wegzog. Die kleine Albin hatte der Kraft des Mannes nichts entgegenzusetzen, versuchte sich am Waldboden festzuhalten und trat dabei in Richtung des Angreifers. Vergeblich. Dann raste die Faust des Mannes hinab, Alaryah wandte sich gerade noch so zur Seite. Dumpf schlug die Faust des Kerls auf den weichen Boden, er grunzte wĂ€hrend ein leises Knacken der Finger zu hören war. Der Griff um Alaryahs Bein lockerte sich kein StĂŒck. Erst, als die Albin dies nutzte und ihr anderer Fuß den Unterkiefer des Kerls traf, ließ er sie los. Wieder robbte Alaryah in Richtung ihrer Waffen. Sie versuchte so schnell wie möglich Abstand zwischen sich und den Angreifer zu bekommen. Dieser jedoch wollte es gar nicht erst soweit kommen lassen. Er zog ein schartiges Kurzschwert hervor und stampfte wĂŒtend und mit blutiger Lippe der Albin hinterher. <Nicht mehr weit...gleich...>. Alaryah warf sich, von purem Überlebenswillen gesteuert, nach vorne. Sie keuchte, bekam jedoch tatsĂ€chlich einen der Langdolche zu packen. Nun mobilisierte die Albin einen Teil ihrer letzten Kraftreserven. Wieder wirbelte sie herum, wĂ€hrend das Schwert des Mannes mehrmals auf sie hernieder fuhr...aber jedes Mal verfehlte. Alaryahs Blick funkelte zu dem Mann herĂŒber, ihr Gesicht starr und ausdruckslos. "Na komm. Hol mich.", hauchte die Albin und raste in Richtung Unterholz. Obwohl ihre Gliedmaßen immer stĂ€rker vor Schmerz brannten hielt Alaryah nicht an. Sie schlug Haken, wĂŒhlte sich durch GebĂŒsche und schlĂ€ngelte sich zwischen den BĂ€umen umher. Bald hatte Alaryah einen Baum erreicht, an welchem sie hochklettern konnte. So verbarg sie sich in dem recht dichten Astwerk und zwang sich selbst die Atmung zu regulieren. Erst jetzt bemerkte sie ihre von Ästen und Dornen aufgerissenen Arme und HĂ€nde. Auch ihr Gesicht fĂŒhlte sich warm an...wahrscheinlich hatte es auch die ein oder andere Schramme durch die Flucht davongetragen. Lange konnte sich Alaryah nicht mit diesen Gedanken beschĂ€ftigen, ihr Verfolger rauschte heran. Angespannt hockte die Albin zwischen den Ästen, wagte es kaum zu atmen. Der Mann blieb unweit von Alaryahs Versteck stehen, sah sich um, konnte sein Ziel jedoch nicht finden. Alaryah sah eine Chance. Sie hatte nur diese eine. Wenn der Kerl noch etwas nĂ€her kommen wĂŒrde... Dieser jedoch dachte gar nicht daran, kniete nieder und ballte die Faust. Er murmelte etwas und ein schwaches Leuchten umspielte die Finger des Mannes. Alaryahs Augen wurden grĂ¶ĂŸer. Wollte er tatsĂ€chlich gerade Magie wirken? Die Finger der Albin umfassten den Griff des Langdolches fester. Alaryah merkte nicht, wie Blut aus einem grĂ¶ĂŸeren Kratzer hervorquoll...und einen Tropfen bildete. Erst als es zu spĂ€t war und der Tropfen unterwegs in Richtung Waldboden war nahm Alaryah Notiz davon. Der Kopf des Mannes raste herum. Hatte er tatsĂ€chlich gehört, wie der Tropfen ihres Blutes auf dem Boden aufkam? Langsam stand der Mann auf, immer noch die Stelle unter Alaryah fixiert. Alaryahs Augen verengten sich, wĂ€hrend der Mann langsam nĂ€her kam. Mochte er auch seine Sinne geschĂ€rft haben oder dergleichen? <Jetzt...>. Alaryah ließ sich zur Seite fallen und stĂŒrzte kopfĂŒber aus dem Astwerk in Richtung des Mannes in der dunklen Robe. Dieser reagierte erst gar nicht, dann jedoch mit grausamer Geschwindigkeit. Er fing Alaryah aus der Luft ab, wuchtete sie herum und hĂ€mmerte ihren zierlichen Körper auf den Boden. SĂ€mtliche Atemluft entweichte aus Alaryah, als sie stöhnend auf dem RĂŒcken aufprallte. Wie war das nur möglich gewesen?! Mit zittriger Hand reckte sie dem Mann den Dolch entgegen. Er schlug diesen jedoch mĂŒhelos mit dem Schwert aus Alaryahs Hand. Panisch tastete Alaryah nach ihrer Waffe. Der Mann grinste finster und nĂ€herte sich siegessicher. Alaryah bekam einen spitzen Stein zu greifen und machte sich bereit fĂŒr einen letzten Angriff.

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Re: Unter BĂ€umen - Nichts bleibt verborgen

#20

Beitragvon Jaro BallivĂČr » So 22. Okt 2017, 16:56

Jaro hetzte erneut in die Dunkelheit des Waldes hinein. Wie hatte er Kirona nur alleine auf der Lichtung lassen können? Zum GlĂŒck war das Unterholz hier so dicht, dass er den Spuren des Eindringlings und der tĂ€towierten Frau mĂŒhelos folgen konnte. Er entdeckte einen Stock, der eine gute GrĂ¶ĂŸe hatte und hob ihn auf. Wo war nur Alaryah? War mit ihr alles in Ordnung? Jaro verdrĂ€ngte den Gedanken fĂŒr den Augenblick und eilte weiter. Er musste als erstes Kirona finden

Da! Endlich sah er sie. Sie stolperten und wankten, gingen dafĂŒr aber erstaunlich schnell. Er musste jetzt ganz leise sein, wusste nicht, was ihn erwartete. Die Person an Kironas Seite trug einen dunklen Umhang mit Kapuze, sodass er kaum RĂŒckschlĂŒsse auf Statur und AusrĂŒstung ziehen konnte. Er wĂŒrde ein Risiko eingehen mĂŒssen, immerhin war es seiner Dummheit geschuldet, dass Kirona ĂŒberhaupt entfĂŒhrt worden war. Jaro war ziemlich nahe dran. Bald wĂŒrde der Eindringling ihn hören und die Zeit zum Handeln war gekommen. Er nahm den Stock in beide HĂ€nde und sprintete ĂŒber den knackenden und knirschenden Untergrund die letzten Meter nach vorne. Mit voller Wucht schlug er auf den Gegner ein, der sich aber bereits umgedreht hatte und das StĂŒck Holz mit einem kurzen Schwert zerteilte. Jaro fackelte nicht lange und rammte dem Kerl das Ende des gekĂŒrzten Stocks in den Bauch. Ein Stöhnen ertönte und ein Fluch. Die Stimme war warm und melodisch. Es war die Stimme einer Frau.
Jaro sprang zurĂŒck, um aus der Reichweite des Kurzschwertes zu sein. Die Frau richtete sich auf und streifte die Kapuze vom Kopf. Langes weißblondes Haar fiel in einem geflochtenen Zopf ĂŒber die linke Schulter und zu beiden Seiten spitzten die typischen langen Ohren der Alben hervor. Sie grinste, hatte Jaros Erstaunen bemerkt. Er schluckte, griff den Stock neu und ging etwas in die Knie. Kirona stand teilnahmslos daneben und starrte blind in den dunklen Wald. Seine Gegnerin machte sich ebenfalls bereit und wĂ€hrend Jaro noch ĂŒberlegte, wie er sie am besten ĂŒberlisten konnte, hatte sie die kurze Distanz zwischen ihnen bereits zurĂŒckgelegt und nur mit grĂ¶ĂŸter MĂŒhe konnte er dem Schwert ausweichen. Sie war schnell
 aber irgendwie schien sie geschwĂ€cht zu sein, denn sie atmete schon schwer.
„War nett bei dir“, sagte sie plötzlich. „Danke, dass du mich so freundlich aufgenommen hast.“ Jaro verstand gar nichts. „Aber ich muss dich enttĂ€uschen. Unsere Bekanntschaft nimmt schon wieder ein Ende. Denn du wirst bald tot sein und sie“, sie deutete auf Kirona, „dort wo sie hingehört, um endlich ihren Zweck zu erfĂŒllen.“ LĂ€ssig wechselte sie ihr Schwert zwischen den HĂ€nden und schlenderte um Jaro herum. „Und deine grĂŒne Freundin ist bestimmt auch schon lange verreckt.“
Jaro knirschte mit den ZĂ€hnen und sprang wĂŒtend in ihre Richtung. Erneut versuchte er sie mit dem Stock zu schlagen, doch auch dieses Mal wehrte sie ihn ab und verkĂŒrzte Jaros klĂ€gliche Waffe noch weiter. Ein Fußtritt traf ihn unsanft in der Magengegend und er sank nach Luft ringend zu Boden. „Hattest du Angst so allein im Wald?“, fragte sie mit gekĂŒnstelter Stimme. „Es war so erstaunlich leicht, dich in die Irre zu fĂŒhren, vielleicht hĂ€tte ich mir die MĂŒhe, die Haare aufzusammeln, gar nicht machen brauchen.“
Endlich verstand Jaro. Diese Frau war in seinen Geist eingedrungen und hatte seine Sinne getĂ€uscht. Sie hatte ihn von der Lichtung gelockt und sich dann schnell Kirona geschnappt bevor er zurĂŒckkam. <Und jetzt will sie noch ein wenig mit mir spielen>, dachte er bitter. Er hievte sich zurĂŒck auf die Beine und wieder blockte sie einen seiner SchlĂ€ge ab. Obwohl sie schwer atmete, war sie deutlich schneller als er. Er spĂŒrte die KĂ€lte der Klinge an seinem Hals und versuchte ihrem Blick standzuhalten, unfĂ€hig etwas zu tun. „Jetzt, kleiner Alb, wirst du sterben“, sagte sie mit einem fiesen Grinsen im Gesicht, dass noch nicht ganz verflogen war, als sie plötzlich mit voller Kraft seitlich am Kopf getroffen wurde und bewusstlos zu Boden ging. Jaro traute sich wieder zu atmen und blickte erstaunt zur Seite. Kirona stand dort, in den HĂ€nden ihren Gehstock, von dessen Ende dunkle FlĂŒssigkeit auf den Waldboden tropfte. Fassungslos sah er sie an. Sie hatte ihn gerettet
 warum? Kirona drehte den Kopf zu Jaro, dann begann sie von einer Sekunde auf die andere furchtbar zu schreien. Es war ein markdurchdringender Schrei. Kirona ließ den Stock los und wand sich als hĂ€tte sie schreckliche Schmerzen, riss sich an Haaren und Kleidern und war durch nichts zu beruhigen.
~ Die grĂ¶ĂŸte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse