Seite 4 von 6

Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

Verfasst: Sa 3. Feb 2018, 00:32
von Alaryah Schattenwind
Man hatte Alaryah einfach so stehen gelassen. Einen Moment lang schaute die Albin auf die Tür, die sich hinter Jaro und dem Soldaten geschlossen hatte. Dann schließlich sammelte sie sich. Ihr Blick flog zu dem von dem jungen Alben bereitgestellten Tisch und sie eilte hinüber. Dort angekommen trank Alaryah gierig aus einem Krug mit kühlem Wasser, was schließlich einige Lebensgeister in ihr wieder erweckte. Mit ein paar Äpfeln, einem Kanten Brot und zwei Karotten im Gepäck raste Alaryah nun zurück in Richtung ihrer Behausung. Kirona. Sie hoffte, dass sie die Frau unversehrt vorfinden würde...

Als Alaryah hastig die Behausung der Waldläufer betrat fand sie Kirona vor, die zusammen mit ein paar Alben gerade beim Frühstück war. "Schattenwind!", rief einer der Waldläufer und machte eine einladende Geste. "Wo seid ihr gewesen? Setzt Euch doch, wir speisen gerade.". Alaryah überging die Einladung mit erhobener Hand und stampfte schon fast auf Kirona zu. "Kirona, wir reisen ab. Pack deine Sachen.". Kirona sah die Albin mit großen Augen an. "Alaryah, was...". "Ich erzähle dir alles unterwegs.", gab diese nur kühl zurück. "Pack auch Jaros Habe ein.". "Schattenwind, was ist passiert? Was ist der Grund für eure plötzliche Abreise?", fragte einer der Waldläufer, der aufgestanden war und sich nun Alaryah näherte. Gerade, als er ihre Schulter berühren wollte, wirbelte die Albin herum. "Wir. Reisen. Ab.", zischte sie. "Verzeiht.", fügte sie an und schüttelte den Kopf. "Wir haben noch einiges zu erledigen.". Der Waldläufer wich etwas zurück, nickte dann jedoch. "Ich denke ich spreche im Namen von uns allen, wenn ich sage, dass ich Euch und Euren Gefährten alles Gute für...die Mission...wünsche.". Alaryah nahm dies stumm zur Kenntnis.
Gemeinsam mit Kirona und dem Gepäck der Gruppe verließ die Albin wenig später die Unterkunft. Natürlich hatten sie sich für ihre Bleibe bedankt, doch verlief der Abschied wenig herzlich. Die Waldläufer schienen zu verstehen, dass irgendwas vorgefallen war und hatten Alaryah in Ruhe gelassen. "Alaryah, warte doch mal!", sagte Kirona mit erhobener Stimme und versuchte mit der Albin Schritt zu halten. "Was ist passiert? Wo seid ihr gewesen?". Alaryah antwortete erst nicht, gab dann doch ein "Gleich..." über die Schulter zurück. Zu allem Überfluss kreuzte Linor ihren Weg. "Oh, da seid ihr ja wieder. Ich...". "Nicht jetzt.", entgegnete Alaryah knapp und rauschte an dem Alben vorbei. Kirona folgte, zuckte nur kurz mit den Schultern und auch Linor blieb leicht verwirrt zurück.

Vor den Toren der Stadt kam Alaryah endlich zum Stehen. Sie legte ihr Gepäck ab und setzte sich auf einen großen Stein am Wegesrand. Kirona, leicht außer Atem, tat es ihr gleich. "Was ist denn nun eigentlich vorgefallen?!", fragte die Frau und wollte endlich Antworten haben. Alaryah schaute zurück, sah die Wachen vor dem Tor. "Warte einen Moment.". Sie ging zu den Wächtern herüber, sprach mit ihnen und schließlich marschierte einer von ihnen davon. Alaryah kehrte zu Kirona zurück. Bevor diese erneut etwas fragen konnte ergriff Alaryah das Wort. "Jaro und ich wurden abgeholt und...befragt.". "Ist...ist es wegen mir?", fragte Kirona unsicher und fühlte sich sichtlich unwohl. Die Albin nickte, fügte dann jedoch an:"Aber nicht nur das. Es ging um all das, was wir bisher erlebt haben. Zumindest war es bei mir so.". Alaryah brachte Kirona auf den aktuellen Stand der Ereignisse. Die Frau hatte scheinbar ein schlechtes Gewissen, schließlich hatte sie nie gewollt, dass Jaro und Alaryah wegen ihr etwas zustößt. "Und nun müssen wir hier warten. Ich habe einen der Wächter geschickt, sodass er Jaro sagen kann, dass wir hier auf ihn warten.". Unangenehmes Schweigen erfüllte die Situation. "Jaro kommt doch zu uns, oder?", fragte Kirona schon fast unsicher. Alaryah dachte kurz über die Frage nach, doch war sich dann sicher. "Ja. Er wird herkommen.". Die nächste Zeit verging quälend langsam. Immer wieder schaute Alaryah in Richtung Tor in der Hoffnung, dass schon bald der Lichtalb hindurchlaufen würde. In Gedanken legte sich Alaryah schon die nächsten Punkte ihrer Reise zurecht. "Wir werden nach Westen ziehen.", erklärte Alaryah Kirona irgendwann. Gerade, als Alaryah in ihre Umhängetasche griff um einen Apfel hervorzuholen, fiel ihr eine kleine Pergamentrolle auf, die sie zuvor gar nicht bemerkt hatte. Das Pergament war mit einem roten Band umwickelt, welches die Albin schnell entknotet hatte. Sie las die geschriebenen Worte, knüllte das Pergament zusammen und schaute zu Kirona hinüber. "Norden.", sagte sie knapp. "Unser Weg wird uns nach Norden führen.". Kirona wollte nachfragen, doch Alaryahs entschlossener Blick schien keine Rückfragen zuzulassen.

Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

Verfasst: Mo 19. Feb 2018, 22:46
von Jaro Ballivòr
Jaro Ballivòr
Jaro konnte dem ergrauenden Alben nicht ganz folgen, doch er traute sich nicht nachzufragen, denn sein Gegenüber schien tief in Gedanken versunken. Irgendwann riss er sich los und schaute Jaro so plötzlich an, dass der Junge zusammenzuckte. "Seid wachsam, behaltet die Frau im Auge und legt weiter größten Wert auf ihre Genesung. Und nun geht. Ich habe zu tun." Jaro spürte Emurs Hand an der Schulter, doch Foranirs Stimme ertönte erneut. "Du nicht, Emur. Du bleibst, bis die Leiche hier eintrifft. Es ist dringend und darf nicht weiter aufgeschoben werden. Filmir wird unseren Freund hinaus geleiten." Wie aus dem Nichts erschien ein kurzhaariger Alb mit einem freundlichen Lächeln und verbeugte sich wortlos. Jaro wusste nicht recht, was er sagen sollte, also verabschiedete er sich nur knapp und bedankte sich. Sein Kopf schwirrte schon wieder und er zweifelte, dass er alle Erlebnisse so schnell würde verarbeiten können. "Folg mir, Jaro", sagte Filmir mit weicher Stimme und Jaro hatte den Eindruck, die Worte entstünden direkt in seinem Kopf. "Ich war sehr gespannt, dich zu sehen. Du hast Spuren hinterlassen." Verwirrt sah Jaro zum dem neben ihm schreitenden Alben hinüber. "Bei der Frau. Und auch bei unserer Waldläuferin. Beide brauchen dich, wie du sie brauchst, denk immer daran." Das gleißende Sonnenlicht ließ Jaro die Augen zusammenkneifen und obwohl die Worte des anderen ihm sehr rätselhaft erschienen, fragte er nicht nach. Irgendwie wusste er, dass er keine zufriedenstellende Antwort erhalten würde. "Ich habe Grund zu der Annahme, dass deine Gefährten dort", er zeigte eine Straße entlang, "vor Rankenfels Toren auf dich warten." Er zwinkerte. "Äh, danke", sagte Jaro nur und folgte dem Fingerzeig. "Einfach nur gerade a-", er stockte. Von Filmir war nichts mehr zu sehen. Kurzerhand zuckte Jaro mit den Schultern und ging die Straße entlang. Was blieb ihm sonst schon übrig? Wenn er Alaryah und Kirona dort nicht finden würde, könnte er immernoch in die Unterkunft zurück kehren.

Alaryah Schattenwind
Schweigend hockten Alaryah und Kirona vor den Toren herum. Alaryah konnte im Augenwinkel deutlich sehen, dass Kirona immer wieder den Entschluss fasste etwas zu sagen, doch schien sie diese Entscheidung dann doch wieder zu verwerfen. Irgendwann kam Bewegung in die Wächter vor dem Tor. Einer der Soldaten trat auf die wartenden Frauen zu und hatte...Jaro im Schlepptau!
"Endlich.", flüsterte Alaryah, erhob sich von ihrem Sitzplatz und kurze Zeit später waren die drei Gefährten endlich wieder vereint. Gemeinsam brachten sie sich nun auf den aktuellen Stand der Dinge, es gab viel zu erzählen und das Gepäck musste verteilt werden. Gerade, als sie die Stadt fast hinter sich gelassen hatten, sprang plötzlich einer der Waldläufer auf den schmalen Waldweg. Elegant landete der Alb vor ihnen und grüßte freundlich. Er war wie aus dem Nichts gekommen. "Wir haben hier noch eine Kleinigkeit für euch.", sagte er knapp, nachdem er die Aufmerksamkeit der Gefährten recht schnell erhascht hatte. Schweigend legte der Alb mehrere Bündel auf den Weg, nickte den dreien noch einmal zu und zog eine Augenbraue hoch. "Viel Glück auf Euren Reisen, möget ihr stets sicheren Fußes gehen.". Er salutierte nach Waldläuferart, Alaryah reagierte entsprechend. Dann verschwand der Waldläufer wieder im dichten Unterholz. "Was hat er uns dagelassen?", fragte Kirona und traute sich nicht wirklich näher an die Bündel heran. Alaryah hob schließlich eins der Bündel auf und öffnete es. "Proviant!", sagte sie und zeigte den Inhalt ihren Gefährten. "Sie haben tatsächlich für jeden von uns ein Bündel geschnürrt!". Alaryah lächelte. Der Zusammenhalt der Waldläufer war einfach wunderbar. Sie hatten sich sogar die Mühe gemacht und für jeden ein individuelles Bündel zusammengestellt. Die kleine Albin gab die beschrifteten Beutel an ihre Gefährten weiter und war sich sicher, dass sie den Waldläufern auf jeden Fall ihre Dankbarkeit für diese Geste zeigen würde!
So zog die kleine Reisegruppe durch den friedlichen, dichten Wald. Mal wanderten sie über weiches Moos, welches ihre Schritte fast verschluckte, dann wieder über steinernde Trampelpfade. Einmal polterte sogar ein Rudel Rehe an ihnen vorbei! Jaro und Kirona schienen die Eindrücke des Waldes in sich aufzusaugen, Alaryah hingegen war erstaunlich schweigsam. Auf Fragen antwortete sie irgendwann nur noch knapp, an Gesprächen beteiligte sie sich bald gar nicht mehr. Langsam verschwand die Sonne am Horizont und im Wald wurde es düster. "Wir sollten rasten. Unser nächstes Ziel ist nicht mehr allzuweit, doch sollten wir nicht versuchen uns einen Weg hier durchzuschlagen, bei diesen Lichtverhältnissen.". Endlich kamen ein paar mehr Worte aus der kleinen Albin heraus. Alaryah wäre sicherlich mit einer gewissen Leichtigkeit weiter vorangekommen, doch nahm sie lieber Rücksicht auf Kirona und Jaro. "Ich denke dort vorn ist ein guter Platz.". Sie deutete auf eine große Weide, unter welcher man hervorragend ein Lager aufschlagen konnte. Kurze Zeit später fanden sich die drei an einer kleinen Kochstelle wieder und bereiteten das Abendessen vor. Alaryah ertappte sich immer wieder, wie sie in die sanft flackernden Flammen starrte...

Jaro Ballivòr
Obwohl Jaro noch immer in höchstem Maße verwirrt war, hob das Zusammentreffen mit Alaryah und Kirona seine Laune ebenso, wie die unerwartete großzügige Gabe der Waldläufer und die Stille des Waldes. So sehr es Jaro in der Stadt gefallen hatte, so froh war er nun über den Frieden, den die Bäume ausstrahlten, nachdem sich die Ereignisse einmal wieder überschlagen hatten. Er wusste nun im Detail Bescheid, was Alaryah zugestoßen war und er bemerkte durchaus, dass es sie noch sehr mitnahm. Tief in seinem Innern fühlte Jaro, dass er irgendetwas tun sollte, doch er traute sich nicht und wusste auch nicht so recht was. Auch Kirona schien Alaryahs Stimmung zu bemerken, doch sie hatte wohl für sich beschlossen, die Waldalbin am besten ein wenig in Ruhe zu lassen und sprach stattdessen viel mit Jaro über den Wald und besondere Pflanzen und Tiere auf ihrem Weg. Zudem interessierte sie sich sehr für Thormin. "Du bist sicher, dass die Tätowierungen meinen glichen?", fragte sie einmal leise und Jaro nickte zur Antwort. "Ja, sie waren auch so geschwungen und so dicht wie bei dir. Ob sie genau gleich waren, kann ich aber nicht sagen." Kirona schüttelte den Kopf. "Nein. Niemals gleicht eine der anderen." Sie wollte auch wissen, wie der Mann ausgesehen hatte, doch nichts, was Jaro ihr schilderte, gab ihr genug Anhaltspunkte. "Der Einfluss muss stark in ihm gewesen sein und ihm zu schaffen gemacht haben", sagte Kirona dann nach einer kurzen Sprechpause. "Sonst wäre er nicht so schnell aus der Haut gefahren. Du hast Glück, dass der Soldat bei dir war, Jaro. Nichts außer der Tod hätte den Mann noch gebändigt." Jaro schluckte und blickte zu Alaryah. Er hatte wieder so viel Glück gehabt, dass die Situation sich im Nachhinein gar nicht mehr so gefährlich anfühlte und er sicher war, Alaryah hatte viel Schlimmeres durchgemacht.
Endlich ertönte ihre Stimme einmal wieder, auch wenn ihre Worte nur organisatorischer Natur waren. Jaro lächelte sie aufmunternd an und Kirona teilte ihre Zustimmung ebenfalls freudig mit. In der Tat war der Ort wieder wundervoll. Die tief hängenden Äste der Weide wirkten wie eine Umarmung und automatisch fühlte Jaro sich geschützt. Sie nahmen etwas der Verpflegungspakete und aßen eine Weile schweigend. Hie und da spähte Jaro zu Alaryah, die mit ihren Gedanken weit entfernt war und schließlich fasste er sich ein Herz und ging zu ihr hinüber. Erst blieb er etwas betröppelt neben ihr stehen, dann setzte er sich endlich und legte einen Arm um die überraschend schlanken Schultern der Albin, wie seine Mutter es immer bei ihm getan hatte, um ihn zu trösten. "Alaryah", setzte er an. "Es tut mir leid, was du durchmachen musstest. Wenn ich, - wir - irgendentwas tun können, um zu helfen..." Hilfesuchend blickte er zu Kirona, die in ihren Bemühungen Tee zu kochen innegehalten hatte und hinüber sah. "Ja, unbedingt Alaryah... du hast so viel für uns getan, da möchte auch ich gerne etwas zurück geben, wenn ich kann..." Jaro spürte, wie Alaryah tief einatmete und seufzte.

Alaryah Schattenwind
Alaryah wurde durch Jaros Berührung aus ihren Gedanken gerissen. Erst wollte sie seinen Arm abstreifen, entschied sich dann letztendlich doch dagegen. Stattdessen ließ die kleine Albin dumpf ihren Kopf auf Jaros Schulter fallen. Sie schloss die Augen, bleib einen Moment lang einfach nur so sitzen. Schließlich atmete sie tief durch. "Wie schon gesagt.", begann sie leise, fast schon flüsternd. "Die ganze Sache mit diesem...Verhör...", nur schwer schienen ihr diese Worte über die Lippen zu kommen. "Das hat mich einfach mitgenommen. Da war einfach jemand in meinem Kopf, glaubt mir, das ist wirklich kein schönes Gefühl.". Kurz drifteten Alaryahs Gedanken wieder zurück zu dem Moment, diesem einen Moment, der ihr so überaus fremd gewesen war. "Ich habe so etwas noch nie erlebt und möchte es auch nie wieder erleben.". Sie schlug die Augen wieder auf. "Verzeiht, ich wollte euch keine Sorgen bereiten oder dergleichen.". Ihre Worte machten den Anschein, als wolle Alaryah am liebsten aufstehen und verschwinden, doch blieb sie einfach dort, wo sie gerade war. "Ich glaube fast, dass ihr nicht wirklich etwas tun könnt.", sprach Alaryah weiter und eine Prise der Verbitterung klebte an diesen Worten. Alaryah wusste, dass Jaro und Kirona wirklich gerne helfen wollten, doch was hätten sie tun können? Dieser Moment, diese Wehrlosigkeit, dieses schutzlos ausgeliefert sein...es war einfach ein Gefühl, welches die Albin noch nie zuvor gehabt hatte. Sie versuchte es Jaro und Kirona zu erklären, doch auch wenn sie durchaus Verständnis zeigten konnten sie einfach nicht das fühlen, was Alaryah gefühlt hatte. Irgendwann entschied sich Alaryah, dass es so einfach nicht weitergehen konnte. Sie lachte viel zu gern, alsdass sie sich von den Schatten der letzten Tage beeinflussen lassen wollte, zu groß war ihre Lebensfreude, die nach und nach zurückkehrte. Außerdem hatten sie eine Mission zu erfüllen! Woran mochte all diese plötzliche positive Energie liegen? War es die Gesellschaft von Jaro, der sich einfach um sie kümmern wollte? War es Kirona, zu der sich Alaryah irgendwie verbunden fühlte? Sie konnte es einfach nicht definieren. Langsam wurden die Gesichtszüge der Albin wieder weicher, entspannter. "Das schlimmste ist glaube ich erst mal überstanden. Gebt mir einfach noch ein paar Momente, das wird schon wieder.", sagte sie schließlich etwas optimistischer. Im schein des Feuers wirkte die gesamte Szenerie bald fast wie gemalt. "Kirona, sag, hast du noch einen Becher übrig?", unterbrach Alaryah die sich herabsenkende Stille und hielt der Frau ihren Tonkrug hin. Der Tee, so schätzte Alaryah, müsste bald fertig sein und irgendwie glaubte sie, dass so ein Becher bestimmt gut tun würde.
Alaryah machte sich bald noch einmal auf um das umliegende Gelände abzugehen. Kirona und Jaro hatten ihr zwar angeboten diese Aufgabe zu übernehmen, sodass sie sich ausruhen könnte, doch mochten die Augen der Albin und eine gewisse Ortskenntnis den kleinen, aber feinen Unterschied ausmachen. Alaryah kehrte bald von ihrem glücklicherweise ereignislosen Wachgang zurück und hockte sich wieder ans Feuer. Jaro war zwar gerade im Gespräch mit Kirona, doch hielt dies Alaryah nicht davon ab seinen Arm zu greifen und ihn wieder um sich zu legen. Bald schon flackerten die Augen der Albin vor Müdigkeit und sie war einfach froh nach all diesen Erlebnissen nicht allein zu sein. Gähnend rollte sie sich wie eine Katze ein und verfiel in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

Jaro Ballivòr
Die Worte fielen Alaryah nicht leicht oder viel mehr, das Erlebte in Worte zu fassen. Und wie Jaro schon befürchtet hatte, gab es nichts, dass sie tun konnten, um ihr zu helfen. Zumindest nichts Sichtbares. "Vielleicht hilft ihr einfach unsere Nähe", hoffte Jaro im Stillen. Er dachte an die Worte Filmirs und blieb einfach sitzen und ließ die Waldalbin sprechen. Irgendwann meldete sich aber Kirona zu Wort. "Es ist leider so. Den Kampf gegen das Gefühl des Eindringens muss man selber führen und gewinnen. Da können wir nicht viel machen." Beinahe hätte Jaro vergessen, dass Kirona selbst lange unter fremder Kontrolle gestanden hatte. "Aber es ist wichtig, dass du weißt, dass wir da sind." Sie lächelte sanft. Alaryah schien auch selbst ein bisschen ruhiger zu werden. Jaro kannte niemanden, der so taff war. Er musste einfach hoffen, dass sie mit den schrecklichen Bildern zurecht kam. Ihre kleinen Routinen würden ihr dabei mit Sicherheit helfen, deshalb willigten Jaro und Kirona schnell ein, als Alaryah wie üblich die Nachtpatrouille antreten wollte. Unterdessen sprach er mit Kirona über das Bogenschießen. Er hatte den kleinen Anhänger gezückt und ließ ihn zwischen den Fingern rotieren, während er die Frau nach verschiedenen Bögen fragte und wie lange sie gebraucht hatte, das Schießen zu lernen. Noch immer konnte Kirona nicht alle seine Fragen beantworten, doch Jaro hatte das Gefühl, dass ihr immer mehr Erinnerungen zuströmten. Alaryah hatte seinen Arm ergriffen und er lächelte zu ihr hinab. Es war schön, das Gefühl zu haben, eine Hilfe zu sein und als Alaryah bald einschlief, schloss er, dass sie ihre Gedanken zumindest ein wenig beruhigen hatte können. Noch eine Weile unterhielt er sich leise mit Kirona, dann kroch auch ihm die Müdigkeit eines langen Tages in die Glieder. Mehrfach fielen ihm die Augen zu, bis Kirona lachend vorschlug, sie sollten wohl auch ein wenig schlafen.

Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

Verfasst: Fr 23. Feb 2018, 15:55
von Alaryah Schattenwind
Am nächsten Morgen passierte Alaryah etwas, was ihr seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr passiert war. Sie hatte verschlafen! Als die Albin die Augen öffnete, sich von ihrer Schlafstätte aufrichtete und herzhaft gähnte stellte sie fest, dass Jaro und Kirona bereits auf den Beinen waren. Noch während sie sich streckte hielt sie erstaunt inne und warf einen Blick gen Himmel. "Ja.", bestätigte Kirona, die gerade dabei war ihr Gepäck zu schultern, "Wir haben dich schlafen lassen.". "Du hast geschlafen wie ein Stein.", bestätigte Jaro von weiter hinten. Alaryah war die ganze Sache etwas unangenehm und schon fast unbeholfen krabbelte sie unter ihrer Decke hervor. Jaro und Kirona hatten bereits sämtliches Gepäck abreisefertig gemacht und alles schien nur auf die Albin zu warten. "Das...also...ich wollte nicht...", stammelte Alaryah etwas verlegen, doch wurde sie von Kirona unterbrochen. "Alles in Ordnung. Dir scheint der Schlaf gut getan zu haben. Du siehst direkt frischer aus!". Alaryah nickte nur stumm und bekam schließlich einen Kanten Brot in die Hand gedrückt. Kurze Zeit später konnte die Reise dann weitergehen.
"Wir sollten unser erstes Ziel bald erreichen.", meinte Alaryah schließlich und schwirrte wie eine Biene um Jaro und Kirona herum. Sie verschwand erst hier im Unterholz, tauchte dann dort aus einem Gebüsch wieder auf. Im Wald wirkte sie fast wie ein Fisch im Wasser. Alaryahs neu gewonnene Lebensfreude hatte etwas erfreuliches und schon bald machte sich gute Laune unter den Reisenden breit.
Allerdings sollte diese gute Laune nicht lange anhalten. Während Jaro und Kirona munter plauderten blieb Alaryah plötzlich abrupt stehen. Da lag ein sonderbarer Geruch in der Luft. Was mochte es nur sein? Alaryah versuchte sich zu konzentrieren, doch wollte es ihr aufgrund von Jaros und Kironas Gespräch nicht so ganz gelingen. "Alaryah, was ist los? Alles in Ordnung?", fragte Kirona als sie Alaryahs so dastehen sah zwischen zwei Sätzen. "Riecht ihr das nicht?", fragte die Albin leise über die Schulter zum Rest ihrer Reisegruppe. Die beiden schüttelten erst den Kopf, doch dann machte Kirona einen Schritt vor Alaryah. "Doch...warte...irgendwie riecht es...verbrannt?". Fragend schaute sie zu den Alben, auch Jaro schien nun etwas bemerkt zu haben. "Das ist kein kleines Lagerfeuer, da bin ich mir sicher. Große Feuer im Wald sind nie gut! Wir müssen nachsehen, schnell!". Alaryah ging voran, beschleunigte schließlich nach und nach ihre Schritte, immer weiter in die Richtung, in der sie das Feuer vermutete. <Bitte lass es kein Waldbrand sein.>, dachte sie nur.

Alaryah drückte einen großen Zweig beiseite und kam als erstes am Ort des Geschehens an. Was sich ihr zeigte lies die Albin erstarren. Mitten auf dem Weg lag ein umgestürzter Karren auf der Seite, Glut leuchtete schwach an einigen Stellen und feine Rauchfäden stiegen zum Himmel hinauf. Der Fahrer des Karrens war ähnlich zugerichtet, das Feuer hatte einen Teil von ihm verschlungen. "Was...". Als Alaryah nach links schaute musste sie sich erst einmal an einem nahestehenden Baum abstützen. Ihre Knie wurden weich, sie kniete ab. Dort lagen ungefähr zwanzig Leichen von Albensoldaten. Sie schienen in einen Kampf verwickelt gewesen zu sein, doch lag kein einziger Feind zwischen den Toten. Alaryahs Blick wanderte umher. Sie sah den Offizier, mit einem Speer an einen umgestürzten Baumstamm geheftet. Sie sah Leichen mit aufgebrochenen Rüstungen und zerfetztem Fleisch, dort drüben lag ein einzelner Kopf, der Helm wenige Meter entfernt. Was für eine Macht hatte die Soldaten so zugerichtet? Zerschmetterte Körper, geborstene Schilde und gesprungene Klingen. Blut, welches den Boden dunkelrot verfärbt hatte. Diese tödlichen Verletzungen und all der Schaden konnten einfach nicht alle von normalen Waffen stammen...
"Alaryah, hast du schon etwas gef...". Kirona beendete ihren Satz schlagartig, als sie auch aus dem Unterholz hervortrat. Alaryah vernahm Kironas Stimme dumpf in ihrem Kopf, Jaro war scheinbar ebenfalls angekommen, doch seine Worte drangen nicht zu ihr durch. Aus der Ferne starrte die kleine Albin nur in die toten, leeren Augen des Offiziers, tastete dabei nach hinten, wo sie ihre Gefährten vermutete.

Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

Verfasst: Mo 26. Feb 2018, 22:32
von Jaro Ballivòr
Jaro Ballivòr
"Was bei Oril..." Mehr brachte Jaro nicht heraus. Er erstarrte regelrecht. Irgendwie hatte er sich mittlerweile schon daran gewöhnt, dass unbeschwerte und freudige Momente recht flüchtig waren und hinter jeder Wegbiegung die nächste unschöne Überraschung lauerte, doch was er hier sah, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Etwas Vergleichbares hatte er noch nicht gesehen. Es war schlicht grausam. Schockierend. Brutal. Der Anblick raubte Jaro den Atem. Er wollte wegsehen, doch er konnte nicht. Eine unsichtbare Macht zwang seinen Blick auf das entsetzliche Bild, das sich schon jetzt, nach nur wenigen Sekunden, auf ewig in sein Gedächtnis gebrannt hatte. Der bissige Rauch war beinahe eine Wohltat, denn zumindest überdeckte er den Geruch des Todes, etwas, dass Jaros Magen vermutlich nicht verkraftet hätte. Mechanisch nahm er Alaryahs Hand, die unstet nach hinten tastete, als brauche sie Bestätigung, dass sie wach war und nicht in einem grausamen Albtraum gefangen.
Eine gefühlte Ewigkeit standen sie so da, dann war es Kirona, die die Sprache wieder fand. "Wir... wir sollten nachsehen, ob noch jemand lebt." Jaro schluckte bitter. Das konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen. "Und nach Indizien... für die Angreifer. Wer weiß, ob sie nicht noch in der Nähe sind. Wir müssen wissen, womit wir es zu tun haben." Ihre Blicke trafen sich und Jaro staunte über ihre Gefasstheit. Alaryah stand weiter da wie vom Donner gerührt, doch wer konnte es ihr verdenken. Für sie musste es noch tausendfach schlimmer sein, denn vielleicht hatte sie sogar den ein oder anderen gekannt. "Also gut", willigte Jaro ein und ging los, obwohl alles in ihm dem Gedanken widerstrebte. Jedes Geräusch, dass seine eigenen Füße verursachten ließ ihn zusammenfahren, kalter Schweiß lief ihm den Rücken hinab und sämtliche Flüssigkeit war aus seinem Mund und Rachen gewichen, sodass er kaum schlucken könnte. Kirona suchte den Boden ab und kniete neben dem ersten Gefallenen nieder. Unschlüssig nach was er Ausschau halten sollte, hielt Jaro auf den Karren zu. Er wusste nicht, welche Waffe oder welches Tier welche Wunde hinterlassen konnte, doch vielleicht konnte er herausfinden, was die Truppe transportiert hatte.

Alaryah Schattenwind
Langsam schritt Alaryah zwischen den gefallenen Soldaten umher. Immer wieder landete ihr Blick jedoch bei dem Offizier. Irgendwas hatte dort eine gewisse Anziehungskraft auf die kleine Albin, doch konnte sie sich selbst nicht wirklich beantworten was genau es war. Bei jedem Leichnam, den sie umdrehte hoffte sie, dass sie kein bekanntes Gesicht sehen würde. Teilweise konnte Alaryah jedoch nicht einmal das sicher für sich bestätigen. Zu entstellt waren die Leichen einfach zurückgelassen worden. Irgendwann gab sie es auf und erhob sich. Wie angetrunken trat sie auf der Stelle umher, hielt gerade so das Gleichgewicht. Sie sah Kirona, wie diese nach Hinweisen suchte, dann Jaro, wie er den Karren inspizierte. Was mochte Jaro wohl gerade denken? Alaryah war sich sicher, dass ihn dieses Erlebnis nicht unberührt lassen würde. Doch war gerade einfach nicht der richtige Zeitpunkt für solche Gedanken. Leicht stolpernd ging Alaryah zu dem toten Offizier herüber und kam kurz vor dem toten Alben zum stehen. Ihr Blick wurde verschwommen, als langsam aber sicher Tränen in ihre Augen schossen. Alaryah kniete sich hin, sah erneut in die leeren Augen des Alben. Die Zeit schien still zu stehen. "Wer hat euch das angetan?", flüsterte Alaryah und biss sich auf die Unterlippe. An dem Abzeichen auf der Schulter des Alben konnte sie erkennen, dass es nicht einfach rekrutierte Bürger waren. Hier hatten erfahrene Soldaten ihr Leben lassen müssen. Alaryah biss die Zähne zusammen und erhob sich. "Grraaaaahhh!", schrie sie, packte den Schaft des Speeres und riss diesen mit aller Kraft aus der Brust des Offiziers. Der Leichnam kippte zur Seite weg als Alaryah den Speer zu Boden fallen ließ. Ein kurzes Gebet murmelnd schloss Alaryah die Augen des Offiziers, wischte sich dann die Tränen weg während ihr Blick die anderen Leichen traf. Erst als Alaryah ihren Blick abwandte fiel ihr auf, dass der Speer, der den Alben an den Baum geheftet hatte, ein Albenspeer war. Plötzlich überkamen die Albin die verrücktesten Gedanken. Sie überlegte, ob die Alben sich plötzlich gegenseitig bekämpft haben könnten? Nein, das war völlig absurd. Aber warum lagen keine Feinde dort auf dem Boden? Waren die Soldaten schon tot und hatte man die Leichen im Nachhinein so zugerichtet? Nein, dafür waren die Wunden zu eindeutig. Alaryah wusste nicht weiter, ließ ratlos die Schultern hängen. "Kirona...", sagte sie leise und suchte die junge Frau. Sie stand dort drüben, direkt neben einem toten Bogenschützen, welcher zusammengekrümmt in einer Mischung aus seinem eigenen Blut, Gedärmen und Rüstungsteilen lag. "Kirona.". Sie reagierte nicht. Alaryah ging auf die Frau zu, fasste ihr sanft an die Schulter. Kirona wirbelte herum, schlug Alaryahs Arm zur Seite. "Kirona!? Was hast...". Erschrocken trat Alaryah mehrere Schritte zurück, stolperte dabei fast über die Leiche eines Schwertkämpfers. "Jaro....JARO!!!", schrie die Albin, während sie in Kironas leere, weiße Augen blickte.

Jaro Ballivòr
Hier gab es nichts. Das wusste Jaro schon seit einigen Augenblicken, doch er scheute sich davor, die Toten zu untersuchen, wie Alaryah und Kirona es taten. Deshalb prüfte er nun zum dritten Mal die Überreste des Karrens, versuchte zu erraten, was sein Inhalt wohl vor dem Feuer einmal gewesen sein war. Verpflegung? Stoffe? Es war unerheblich. Er seufzte schwer und wandte sich von dem kokelnden Holzgefährt ab, um woanders weiter zu machen und zuckte zusammen. Alaryah schrie seinen Namen und es klang höchst alarmiert. Jaro fuhr herum. Waren die Angreifer zurück? War Alaryah etwas zugestoßen? Hatte sie einen Fund gemacht? Fragend sah er zu ihr hinüber. Sie stand schräg hinter Kirona und rief nach ihm, während ihre Augen auf die Frau gerichtet waren, panisch geweitet. "Ist alles in Ordnung?", rief er und ging vorsichtig zwischen ein paar Toten hindurch auf seine Freundinnen zu. "Alaryah so sag doch", er brach ab, als Kironas Profil in sein Blickfeld kam. "Nein!", stieß er hervor. "Wie ist das? Was ist?", mehr als Gestammel wollten seine Lippen nicht preisgeben und auch Alaryah war der erneute Schock tief in die Glieder gefahren. Vorsichtig streckte Jaro eine Hand nach Kirona aus. "K-Kirona?", fragte er schüchtern. Er berührte sie und fuhr zusammen. Exakt in dem Moment, in dem seine Finger in Kontakt mit dem Stoff ihres Hemds kamen, schnellte der Kopf der Frau herum und ihre leeren Augen fixierte ihn. "Es ist alles gut", sagte er, mehr zu sich als zu ihr und ging einen weitere halben Schritt auf sie zu, legte vorsichtig die ganze Handfläche auf ihre Schulter. Was dann passierte konnte Jaro im Nachgang nicht mehr sagen. Alles, was er wusste war, dass er rüttlings in das klebrige Gras geschleudert wurde.

Alaryah Schattenwind
Alaryah war sich sicher, dass Jaro eben noch bei ihnen gestanden hatte. Er hatte Kirona berührt, dann ging alles selbst für die Albin zu schnell. Kirona hatte ihn von sich fortgestoßen. Dumpf prallte Jaro etwas weiter hinten auf dem Boden auf. "Kirona!", rief Alaryah und hob die Arme. "Kirona! Was ist los?!". Es schien, als keime plötzlich Panik in der Albin auf. Kirona hingegen reagierte nicht auf die Rufe, beachtete auch Jaro nicht mehr. Sie drehte sich von den beiden weg und es schien, als wolle sie sich von dem Ort der vielen Toten entfernen. Ihren Stab fest in der Hand marschierte Kirona los, keine Miene verziehend. "Kirona, warte doch!". Alaryahs Blick flog zwischen dem am Boden liegenden Jaro und der loslaufenden Kirona hilflos hin und her. "Nein! Das darf nicht...". Was sollte sie tun? "Jaro, was sollen wir tun?!". Ohne auf eine Antwort zu warten ging Alaryah Kirona hinterher."Nein, so warte doch!", brachte Alaryah schon fast verzweifelt hervor und packte Kironas Oberarm. Mit rasendschneller Bewegung packte Kirona Alaryah mit überaus festem Griff und schleuderte sie an sich vorbei in die gegenüberliegende Richtung. Ein erschrockenes Fiepen entfuhr der Albin, als sie plötzlich den Boden unter ihren Füßen verlor und unsanft etwas weiter entfernt auf dem Weg aufschlug. Sie kullerte noch ein paar Schritte, kam dann in der Nähe einer weiteren Leiche zu liegen. Sämtliche Luft entwich Alaryahs Lungen und es dauerte ein paar Augenblicke, bis sie sich wieder aufrichten konnte. "Jaro, wir müssen doch irgendwas tun?!", presste sie dumpf hervor, während sie wieder zu Atem kam. Sinnlos. Auch Jaro schien keinen guten Einfall zu haben. Beide redeten auf Kirona ein, die einfach weiter in eine Richtung stapfte. Keiner der beiden wagte es nun noch in die Nähe der jungen Frau zu kommen. "Woher hat sie plötzlich diese Kraft?", fragte Alaryah verloren. "Jaro, sollen wir ihr folgen? Was, wenn sie uns plötzlich umbringen will? Verdammt, wir müssen doch irgendwas tun können?!". Alaryahs Gedanken überschlugen sich. Sie dachte an die Verfolger, die es einst auf sie abgesehen hatten und an die damit verbundenen Kämpfe. Eine Sache schien jedoch anders zu sein. Kironas Tätowierungen leuchteten nicht, wie sie es damals taten. Doch was mochte das schon heißen?

Jaro Ballivòr
Zunächst war Jaro perplex, brauchte gar einen Moment, bis er sich orientiert hatte, dann traf ihn das blanke Entsetzen. Er hatte zur Seite getastet und plötzlich hatte das Gras aufgehört und... sein Atem ging schnell, beinahe hyperventilierte er, er wollte schreien, doch kein Ton kam aus seiner Kehle. Er hatte direkt in die aufgerissene Brust eines Kriegers gegriffen... Ungeschickt und ewig langsam rappelte er sich hoch und stolperte rittlings von dem Mann weg, stieß dabei aber gegen die nächste Leiche und wäre fast wieder gefallen, tat einen großen Ausfallschritt zur Seite auf etwas Festes und sprang sogleich wieder hoch, als er sah, dass es ein Arm war. Es schüttelte ihn, er hatte das Gefühl überall voller Blut zu sein und nirgends mehr hintreten zu können, ihm schwindelte. Erst Alaryahs Worte rissen ihn aus seiner Panik und als er endlich den Blick von den Alben am Boden lösen konnte, sah er die kleine Frau gerade noch in hohem Bogen durch die Luft fliegen, während Kirona einfach los marschierte. Jaro eilte in ihre Richtung und Alaryah stieß zu ihm, doch was sie auch taten, es half nichts. Kirona ging immer weiter. "Ich fürchte uns bleibt nichts, als ihr zu folgen", sagte Jaro außer Atem. "Wir müssen. Sie braucht uns." Vorsichtig gingen sie der Frau hinterher und nach ein paar Augenblicken vernahm Jaro seltsames Gemurmel. Auch Alaryah hörte es und sie wagten sich näher heran, um die Worte verstehen zu können. "Erde. Wasser. Holz. Feuer. Asche. Erde. Wasser. Holz. Feuer. Asche..." In monotonem Singsang wiederholte Kirona die Worte immer und immer wieder. Sie ging festen Schrittes und schnell. Zweige peitschten ihr Gesicht und Gestrüpp zerriss ihr die Hose, doch all das schien sie überhaupt nicht zu interessieren. "Kirona", flüsterte Jaro, so dass nur Alaryah es hören konnte und drückte ihre geteilte Sorge um die Frau damit aus.
Dann blieb Kirona so urplötzlich stehen, dass sie beinahe in sie hinein gerannt wären. Die Frau war verstummt und schnupperte nun wie ein Tier, das eine Witterung aufgenommen hatte. Jaro konnte nichts erkennen. Sie waren umringt von Grün. Die Bäume waren hier dicht bewachsen, es gab allerlei Kletter- und Schlingpflanzen. Dumpf klopfte Kironas Stock auf den Boden. Dodock, Dodock, Dododock. Dann noch einmal. Sie ging zwei Schritte nach vorne, drehte im rechten Winkel ab, ging drei Schritte und wiederholte das Klopfen. Jaro sah zu Alaryah, doch die Albin sah so verwirrt drein, wie er sich fühlte. Nach zwei weiteren Richtung kam Kirona schließlich zum Stehen, ungefähr in der Mitte ihrer Schrittfolge, und kniete ab. Sie strich mit einer Hand über den Boden, fegte ein paar Blätter zur Seite und hob schließlich eine kräftige Liane an. Auf allen vieren folgte sie der Pflanze, bis sie an eine besonders dichte Baumreihe kam. Langsam erhob sie sich, ließ den Stab fallen und begann mit beiden Händen die grünen Pflanzen hinunter zu reißen. Jaro und Alaryah japsten nach Luft. Dies war mitnichten eine Baumreihe. Hinter dem dichten Bewuchs kam eine steinerne Wand zum Vorschein über und über verziert mit sonderbaren Zeichen.

Alaryah Schattenwind
Alaryahs Herz schien wie dumpfer Trommelschlag in ihrem Kopf zu poltern. Während Kirona die steinernde Wand freilegte fiel der Albin erst auf, mit welch einer Kraft sie die Griffe ihrer Langdolche gepackt hatte. Die Fingerknöchel der Albin färbten sich bereits weiß, langsam und sich dabei selbst überwindend ließ sie ihre Waffen los. Kirona hatte bald die gesamte Wand freigelegt und fuhr nun mit den Händen die Schriftzeichen entlang. Alaryah konnte nicht sagen, was dort geschrieben stand und begegnete Jaros fragendem Blick nur mit einem hilflosen Kopfschütteln. Kirona murmelte weiterhin Worte vor sich hin, irgendwann hielt sie plötzlich inne. "Erde.". Sie wischte über ein Schriftzeichen. "Wasser.". Dann stieß sie einen stillen Schrei aus. Schon fast unnatürlich riss die Frau den Kopf nach hinten, den Mund weit aufgerissen. Jaro und Alaryah schreckten zusammen, machten sogar einen Satz zurück. Die Frau wankte hin und her, berührte mehrere Schriftzeichen und dann begann ein tiefes Rumoren. Die Erde bebte sanft und die massive Steinplatte vor Kirona senkte sich hinab, offenbarte einen tiefen, dunklen Schacht. Ohne auch nur auf eine Reaktion ihrer Gefährten zu warten griff Kirona ihren Stab und wurde nur wenige Augenblicke später von der Dunkelheit verschluckt. "Wir...wir müssen hinterher.", stellte Alaryah trocken fest. Sämtliche Emotionen waren aus ihrem Gesicht verschwunden, doch musste sie schlucken bevor sie den ersten Schritt in Richtung Schacht machte. "Bleib bei mir.", hauchte sie Jaro zu und versuchte dabei so selbstsicher wie nur eben möglich zu wirken. "Wir dürfen uns nicht verlieren, Jaro.".

Das leise Klacken des Stabes zeigte Kironas Weg auf. Erst schien sie den Stab wie eine Art Blindenstock zu nutzen, doch viel mehr tastete sie nach etwas. "Holz. Feuer", brummte die Frau plötzlich in der tiefen Dunkelheit und Alaryah fuhr zusammen, als Jaro ihren Oberarm griff. Dann rief Kirona ein Wort, welches Alaryah nicht verstand und schlagartig schoss ein Lichtblitz durch den engen Schacht, in dem die Gefährten gerade mal aufrecht stehen konnten. Nach und nach entfachten sich Fackeln in gusseisernen Fackelhaltern, welche in den massiven Stein eingearbeitet waren. Es waren keine normalen Fackeln, so viel war klar. Kühles, blaues Licht flackerte nun umher und ließ die Schatten der Reisenden gespenstisch umhertanzen. Es schien, als würden sie immer wieder nach den Lebenden greifen. Alaryah sah sich noch einmal um, doch konnte sie den Eingang und das Licht des Tages schon nicht mehr hinter sich sehen. Es wurde kühler. Kirona ging weiterhin festen Schrittes voran, als würde sie den Weg genau kennen. Dabei murmelte sie erneut "Erde. Wasser. Holz. Feuer. Asche.". Sie passierten mehrere Abzweigungen und Räume. Hier und da standen Schwerter und Speere, umhüllt von dicken Spinnenweben, jedoch fein aufgereiht in massiven Waffenständern. Einige Wände waren vor langer Zeit mit Bannern geschmückt, jedoch war davon nichts weiter als traurige Fetzen übrig. Ein moderiger Geruch stieg Jaro und Alaryah in die Nase und irgendwie hatte Alaryah das Gefühl hinter jeder Ecke und Biegung auf einen Feind zu stoßen. So leise sie konnte zog sie einen ihrer Langdolche. Hatte Kirona gerade den Kopf wenige Zentimeter in die Richtung der Albin gedreht? Alaryah schob den Gedanken beiseite. Schließlich betraten sie einen großen Raum. Der Boden war mit großen Steinplatten gefliest, Holzreste lagen herum. "Dies sieht aus wie ein...", Alaryah dachte laut nach. "Hier haben Soldaten trainiert. Wir müssen in einer Art...Kaserne oder Befestigung sein?". Sie hätte sich gern noch etwas umgesehen um ihre Vermutungen zu bestätigen, doch zog Jaro die Albin weiter. Kirona hatte ihren Weg fortgesetzt.

Jaro Ballivòr
Es war wie ein Geisterschloss. Das einzige, was fehlte, war das Rasseln von Ketten, das Heulen verlorener Seelen und Rüstungen, die sich bewegten, dachte Jaro bitter und versuchte so ein wenig seine Angst im Zaum zu halten. Er war sehr froh, dass Alaryah bei ihm war und er ließ sie nicht einen Schritt weichen. Alaryahs Vermutung, dass dies eine Festung gewesen sein könnte, erschien Jaro von Minute zu Minute wahrscheinlicher. Nie hätte er geglaubt, dass sich eine derart riesige Anlage unter dem Waldboden befinden konnte. Wie alt sie sein mochte? Ihm fielen wiederkehrende Strukturen an den Wänden auf. Sie erinnerten ihn an... Fenster! Doch das konnte nicht sein, oder? Konnte eine massive Festung komplett vom Erdboden verschluckt werden? Jaro schluckte. Sie konnte. Wenn ihn die Reise etwas gelehrt hatte, dann, dass alles möglich war. Kirona ging stur geradeaus, durch große und kleine Gewölbe, gerade und verwinkelte Gänge und noch immer schien der Komplex kein Ende zu nehmen. Weitere Gänge zweigten zu allen Seiten ab und aus manchen wehte kalter, feuchter Wind, der furchtbar nach Verwesung roch. Jaros Unbehagen wuchs. Immer häufiger drehte er sich um, aus Furcht sie würden verfolgt. In seinem Nacken kribbelte es und seine Hände waren schwitzig. Beinahe hätte er geschrien, als ein Schwarm Fledermäuse aus einer dunklen Nische stob und mehrfach versuchte er hektisch Spinnweben aus seinem Gesicht zu wischen. Dann hörte er die Stimmen. Zuerst hielt er es für das Jaulen des Windes, der ab und an zwischen zwei Gängen entstand, doch es war etwas anderes. Jaro prüfte einige Minuten lang, ob er es sich nur einbildete, doch es gab keine Zweifel. "Hörst du das?", flüsterte er Alaryah zu, doch die Albin schüttelte misstrauisch den Kopf. Ihr Gehör war feiner als seines und das konnte nur eines bedeuten: die Stimmen waren in seinem Kopf. Ihr Jammern wurde lauter. Wer auch immer nach ihm rief, er hatte große Qual. Erinnerungen blitzten vor Jaros Geist auf, die nicht seine eigenen waren. Er sah Männer und Frauen - Alben, doch sie waren anders. Sie waren vielfältig. Es gab große und kleine, helle und dunnkle und auch solche, die beiderlei Merkmale trugen. Es waren fröhliche Momente. Man tanzte, man lachte, man sang... Die Bilder verzerrten sich. Wütende Gesichter nahmen ihren Platz ein. Es gab Streit. Es gab Tote. In einer dunklen Festung wurden Pläne geschmiedet, es gab Experimente, es gab Kämpfe... wieder verwischten die Bilder. Zurück blieben die Stimmen. Sie wimmerten lauter als zuvor und Jaro presste sich verzweifelt die Hände auf die Ohren.

Alaryah Schattenwind
Erst merkte die Albin nicht wirklich, dass Jaro nach und nach den Anschluss verlor. Irgendwann jedoch hörte Alaryah hinter sich ein leises Stöhnen. Im schwachen Licht der unnatürlichen Fackeln sah sie Jaro, wie er auf dem Boden kniete, die Hände fest auf die Ohren gepresst. "Jaro...", flüsterte sie, wagte es nicht laut zu sprechen. "Jarooo", zischte sie dann etwas lauter und sah wieder in Richtung Kirona, die die beiden nicht weiter beachtete. "Komm schon, steh auf, wir müssen weiter!", flehte sie schon fast und zog Jaro wieder auf die Beine. Es dauerte, bis der Alb wieder etwas Halt hatte. Er hielt sich weiterhin die Ohren zu, schüttelte den Kopf und hatte die Augen fest zusammengekniffen. "Verdammt noch mal, Jaro, was ist los?!". Alaryah hatte Kirona schon fast aus den Augen verloren, nur das Klacken ihres Stabes lies noch die Richtung erahnen, in die sie gegangen war. "Wir müssen weiter. Bitte.". So gut sie konnte zog Alaryah Jaro nun mit sich mit. Er schien gerade mit etwas zu kämpfen und Alaryah hoffte, dass nicht auch Jaro bald unter dem Einfluss von einer anderen Macht stand. Zumindest konnte der Alb sich fortbewegen, auch wenn es viel mehr eine Art Stolpern war. "Jaro bitte...bitte sprich mit mir.". Wieder und wieder redete Alaryah ihrem Gefährten gut zu, fühlte auch, ob seine Stirn heiß wurde oder wie sehr sein Puls raste. Einen Moment lang dachte sie sogar darüber nach mit Jaro im Schlepptau einfach umzukehren. Nein. Das war keine Option.
Wenig später trieb Kirona die Gruppe tiefer in die Gemäuer hinab. Sie mussten sich keine Gedanken um verschlossene Türen machen denn das, was an Türen übrig war, hing entweder lose in den Angeln oder lag verstreut auf dem Boden herum. Schließlich wurden die Wege enger und die Fackeln weniger. Große Räume wichen kleinen Verschlägen, hier und da warfen Gitterstäbe bizarre Muster auf den kalten Steinboden. Da blieb Kirona plötzlich stehen.
Alaryah nutzte die Gunst der Stunde, setzte Jaro an eine nahegelegene Säule. Er hatte sich mittlerweile beruhigt, schien jedoch mitgenommen und leicht angeschlagen. "Trink erst mal etwas.", schlug Alaryah vor und nahm ihre Feldflasche von ihrem Gürtel, hielt sie Jaro hin. Dabei beobachtete sie Kirona. Diese schien auf etwas zu warten...oder dachte sie nach? Hatten sie sich verlaufen? Kirona schaute langsam nach oben, legte dann den Kopf schief. Alaryah folgte dem Blick. Da plötzlich sprang etwas aus der Dunkelheit von der Decke herab auf sie zu. Alaryah riss ihren Langdolch hoch, ließ sich instinktiv nach hinten fallen und rollte sich zur Seite ab. Während sie aufstand zog sie ihre zweite Waffe. "Was war das?!", fragte sie und warf ihren Kopf hin und her. Abwartend drehte die Albin die Klingen in ihren Händen, jederzeit mit einem Angriff rechnend. Etwas rumorte schräg hinter ihr, sie fuhr herum. Es war, als würde gerade ein Schatten hinter einer weiteren Säule verschwinden. "Zeigt Euch!", rief Alaryah und versuchte ihren Blick in der Düsternis zu fixieren. Ein leises Zischen ertönte nun von der anderen Seite des Raumes. Alaryah drehte sich auf dem Absatz herum und teilte die Luft vor sich mit ihren Klingen. Nichts. Und doch...hatte sie da gerade ein Gesicht hinter einer Zellenwand verschwinden sehen? "Versteckt Euch nicht! Kommt heraus!". Ein kurzer Blick über die Schulter bestätigte Alaryah, dass Kirona weiterhin da stand. Diese schaute nun jedoch nicht mehr nach oben, sondern ebenfalls über die Schulter hinweg an Alaryah vorbei. Als die Albin wieder nach vorn schaute schrie sie auf und schlug schon fast panisch um sich. Nur wenige Zentimeter vo ihr war das Gesicht einer Albenfrau aufgetaucht, die Haare zerzaust und mit tiefschwarzen Rändern unter den Augen. Sogleich war es auch wieder verschwunden. Alaryah versuchte sich zu beruhigen. Als sie eine Berührung spührte raste ihre Klinge herum und blieb kurz vor Jaros Hals stehen. Die nächsten Sekunden vergingen quälend langsam. Dann zitterte Alaryahs Waffenhand, die Jaro bedrohte und schließlich liß die Albin den Arm sinken. <Wir sind nicht allein.>. Alaryah wagte es nicht, diesen Gedanken auszusprechen. Sie steckte eine Waffe weg und griff Jaros Hand, drückte sie fest und nickte nur. Eigentlich hatte Alaryah etwas sagen wollen, was Mut machen sollte, doch wollten ihr keine Worte über die Lippen kommen. Dann plötzlich hörten die beiden es wieder...das Klack Klack Klack von Kironas Stab. Sie schien sich nun für einen Weg entschieden zu haben. "Wir müssen wachsam sein.", hörte Alaryah sich selbst sagen und wusste selbst nicht so recht, wie genau sie dies anstellen sollten.

Jaro Ballivòr
Er war einer von ihnen. Blass sah Jaro seine eigene dürre Hand inmitten von unzähligen anderen mit gespreizten Fingern nach oben gestreckt, einem weißen Licht entgegen, das Erlösung versprach. Hier unten gab es nur Dunkelheit. Dunkelheit, Kälte und Mord. Der Hunger machte einen nach dem anderen verrückt, bis sie schließlich... Nein. Er wollte nicht daran denken. Er streckte seine Hand noch höher nach oben. Es war seine letzte Hoffnung. Erschöpfung drohte ihn zu übermannen. Bald würde er nachgeben und einfach einschlafen. Die Engel riefen ihn schon. Ganz deutlich hörte er ihre schönen Stimmen, wie sie seinen Namen riefen, ihn anflehten mit ihnen zu kommen. Bedeutete das, dass er starb? Er wollte noch nicht sterben, noch nicht. Die Engel riefen weiter, lauter. Die Engel... hatten Alaryahs Stimme. Wie Nebel in der wärmer werdenden Sonne lösten sich die Trugbilder auf und Jaro sah seine Füße sich unter ihm bewegen, erkannte, dass jemand an seinem Arm zog, zu ihm sprach. Alaryah... was war das für ein schauriger Traum gewesen? Seine Knie waren weich, er fühlte sich ausgelaugt und schwach, doch immerhin hatte die Waldalbin ihn befreit. Dankbar nahm er das Wasser entgegen und trank gierig, spürte wie es ihm kalt die Kehle hinab rann. Er ließ den Kopf hängen. Was war hier passiert? Was war mit den armen Seelen geschehen, die eingesperrt in der Dunkelheit gezwungen waren, das Fleisch ihrer eigenen Kameraden zu verspeisen oder zu sterben... Jaro schluckte. Eine Klinge hatte kurz vor seiner Schlagader gestoppt und er sah nach oben. Alaryah? Was zum? Voller Furcht sah er seine Freundin an, die in einen inneren Kampf verstrickt zu sein schien und er wagte erst wieder zu atmen, als die Klinge sich entfernte. "Dies ist ein verfluchter Ort", sagte Jaro zu Alaryah. "Ich glaube, hier sind viele Alben ums Leben gekommen." Furcht, dass die Stimmen zurückkämen, steckte ihm tief in den Gliedern, doch er versuchte stark zu sein. Er musste einfach. Stoisch konzentrierte er sich auf das Pochen von Kironas Stock, um sich selbst abzulenken. Ihm entging nicht, dass Alaryahs Blick wachsam die Umgebung prüfte. Hatte sie in dem Raum zuvor etwas gesehen? Kirona verschwand um eine Biegung und schnell huschten die beiden hinterher und sogen hörbar Luft ein. Vor ihnen tat sich ein kreisrunder Raum auf, in dessen Mitte eine Art Sockel aus dem Fels gehauen war. Die Wände waren über und über mit Zeichen versehen und hie und da gab es finstere Nischen, kleine Vorsprünge und steinerne Skulpturen. Jaros Blick wurde aber von etwas anderem gebannt. Über dem schlanken Sockel in der Mitte schwebte ein roter Stein, etwa faustgroß, schätzte Jaro, der alles herum in rotes Licht tauchte. "Feuer", sagte Kirona. "Feuer und Asche."

Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

Verfasst: Mo 26. Mär 2018, 17:41
von Alaryah Schattenwind
Alaryah Schattenwind
Auch Alaryah hatte den Stein bemerkt. Erst hatte sie sich weiterhin mit einer guten Portion Nervosität immer wieder umgesehen, fürchtete weitere Begegnungen hinter jeder Ecke und wagte manchmal kaum auch nur zu blinzeln, doch dann war die Albin wie gebannt. Sie stand einfach nur da, fixierte den roten Stein. Er schwebte sanft auf und ab, Wellen von warmen Licht schienen sich in pulsierendem Rhytmus von ihm zu entfernen. Alaryah machte schließlich einen Schritt auf den Stein zu, starrte ihn mit großen Augen an. Kirona stand etwas weiter links, musterte nun mit leicht schief gelegtem Kopf die nähere Umgebung, weiterhin Worte murmelnd. Jaro sagte noch etwas, doch waren es nur dumpfe Laute in Alaryahs Ohren. Dieser Stein. Dieses Gefühl, wenn man sich ihm näherte. Alaryah ging weiter. Es war, als hätte jemand ein Seil um sie gewickelt und zog sie nun langsam zu sich. Die Albin stolperte über einen am Boden liegenden Stein, fing sich jedoch und ging weiter. Nicht einen Moment war ihr Blick von dem Stein gelöst. Sie näherte sich, streckte schließlich den Arm aus. Dann zuckte die Hand der Albin und schlagartig umfassten ihre Finger den Stein. Das pulsierende Licht um den Stein erlosch. Dunkelheit griff nun um sich. Urplötzlich flackerte der Stein jedoch wie ein hell prasselndes Feuer, nein, eher wie ein Waldbrand! Alaryah stand weiterhin vor dem Sockel, die Hand fest um den Stein geschlossen. Sie riss den Kopf zurück, ihre Augen wie in Panik weit aufgerissen und leer und leblos grau.

Es war, als würde ein ganzer Kosmos in Sekunden an der Albin vorbeirauschen. Dann wurde alles von Feuer verschlungen. Schlachtreihen brandeten in einem Meer aus blutigen Wellen aneinander, Städte zerfielen zu Asche, Ruinen krönten Hügel oder lagen wie das Gerippe eines Monsters im Sand. Hitze brannte in Alaryahs rechter Hand, wanderte ihren Arm entlang bis zur Schulter. Sie schrie. Sie schrie so laut sie konnte, wenn nicht sogar noch lauter. Dann gab es einen Knall, lauter als jede Explosion hämmerte er auf die Albin ein.

Als nächstes sah Alaryah den Stein vor sich, ebenso den Sockel. Beides wurde kleiner...und dann schlug sie auf dem Boden auf. Zuckend lag sie dort und es schien, als würden dünne, kaum sichtbare Rauchschwaden von der Albin aus aufsteigen. Der Stein hatte Alaryah von sich gestoßen. Kirona schien all das mitbekommen zu haben, sah mit düsterem Trance-Blick auf die am Boden liegende Albin.

Jaro Ballivòr
"Sieh nicht hin!", sagte Jaro zu Alaryah, so laut er sich traute, aus Furcht eine neue Teufelei in den tiefen dieses Ortes aufzuschrecken. Die Warnung kam zu spät. In dem Moment, in dem Jaro den Sog des Artefakts verspürt hatte, hatte er mühsam selbst den Blick abgewandt, denn er fühlte sich an die grausigen Visionen von zuvor erinnert, doch voll Entsetzen sah er, dass Alaryah weiterhin in Richtung des Sockels starrte und sogar begann sich darauf zu zu bewegen. "Alaryah, nicht!", rief er und wollte ihr nach, doch jeder Schritt bereitete ihm große Mühe, als stecke er bis zu den Knien in zähem Morast. Das Atmen fiel ihm schwer und alles verlangsamte sich auf eine unangenehme, bedrückende Art und Weise. Dann wurde es schlagartig dunkel und Jaro erkannte verzweifelt, dass Alaryah den Stein an sich genommen hatte. "Nein", hauchte er und kämpfte gegen die Starre, die durch die Düsternis nur noch verstärkt wurde. So schnell wie es verschwunden war, kam das Licht schließlich zurück, heller als zuvor und auf seltsame Weise angriffslustig. Hilfesuchend blickte Jaro zu Kirona, doch die Frau musterte weiter scheinbar unbeteiligt die Umgebung. Dann schrie Alaryah. Es war ein markerschütternder Schrei und Jaro riss automatisch beide Hände hoch, um sich die Ohren zuzuhalten. Er musste ihr helfen, doch seine Beine wollten sich nicht rühren und so sah er voll Panik, wie seine Freundin zu Boden fiel. Endlich gehorchte ihm sein Körper wieder und er eilte auf die Albin zu, sah dünne Rauchfäden von ihr aufsteigen. Kirona starrte Alaryah nun ebenfalls kalt an, fast ein wenig feindselig. "Nein! Alaryah!" Jaro war den Tränen nah, warf sich neben der kleinen Frau auf die Knie und nahm ihren Kopf in seine Hände. "Bitte, bleib bei mir", flehte er und sah erneut zu Kirona. "Kirona!", Verzweiflung ließ seine Stimme zittern. "Bitte komm zu dir! Ich brauche deine Hilfe." Angestrengt lauschte er nach Alaryahs Atem. Oril sei Dank. Sie lebte noch. "Alaryah", flüsterte er erneut und strich ihr über die Wange. Was sollte er nur tun? Im Augenwinkel sah er eine Bewegung. Kirona ging nun ihrerseits auf den Sockel zu. "Kirona, nicht!", brachte Jaro hervor, doch scheinbar wollte hier niemand auf ihn hören. Die Finger der Frau schlossen sich um das merkwürdige Artefakt und Jaro spannte alles an, um sich auf ein erneutes Inferno gefasst zu machen. Nichts geschah. Kirona studierte den Stein in aller Ruhe, gab ihn von einer Hand in die andere und der rote Schimmer waberte fast schon sanft um sie herum.

Alaryah Schattenwind
Flimmernd erhellte sich Alaryahs Blickfeld. "Was...was ist passiert?", hauchte sie und musste sich erst einmal orientieren. "Jaro.". Er half ihr auf, dann erinnerte sich die Albin an die vergangenen Momente. Sie war gerade dabei Jaro von den Visionen, Erinnerungen und Bildern in ihrem Kopf zu erzählen, da bemerkte auch Alaryah, dass Kirona nun den Stein in den Händen hielt. Sie schien keinerlei Probleme zu haben, konnte die Kraft darin anscheinend kontrollieren? Alaryah fühlte sich, als hätte man sie verprügelt. Mehrfach. Aber sie mussten weiter! Zumindest schien Kirona der Meinung zu sein, denn sie setzte sich wieder in Bewegung. "Jaro, ich habe kein gutes Gefühl.", flüsterte Alaryah schließlich, während sie weiter ihren Weg durch die Dunkelheit bestritten. "Es wäre keine Zeit gewesen um Hilfe zu holen. Wir hatten keine andere Wahl, wir hätten Kirona doch nicht einfach so allein hier runtergehen lassen können?". Jeder von Alaryahs Gedankengängen endete damit, dass sie durch diesen Ort hier zogen. "Wer weiss, was wir hier noch finden?". Die Albin wollte das ohnehin schon bedrückende Gefühl nicht noch weiter verstärken, daher beschloss sie erst einmal etwas zu schweigen. Es war bestimmt sowieso besser wachsam zu sein! Und doch war es der Albin nicht immer möglich sich zu konzentrieren. Immer wieder griffen Gedankenfetzen von Zerstörung, Leid und dem Tod nach ihr. Es fühlte sich an, als würde man auf einer schmalen Mauer balancieren und wieder und wieder versuchte der Wind einen hinunterzuwehen. Hinunter in die Finsternis. Dort gab es nichts, außer... Alaryah schüttelte den Kopf, schob auch diese Gedanken beiseite. Beinahe wäre es wieder passiert.
Sie folgten Kirona, die wie eine Laterne mit dumpfen und schummerigen Lichtschein voranging.
Die Gruppe durchquerte eine große Halle, die allem Anschein nach eine Werkstatt gewesen war. Riesige Schmiedeöfen reihten sich aneinander, hier und da lagen Überreste alter Werkbänke. Staubschichten und dicke Spinnennetze hatten sich über dem Werkzeug breitgemacht, welches überall verstreut war. Hier hielt Kirona nicht an, sondern bog hinter der Halle um die Ecke in ein Treppenhaus. Alaryah wäre lieber dem großen, breiten Gang geradeaus gefolgt, auch Jaro schien nicht sonderlich begeistert tiefer in den Untergrund zu steigen. Die schmale Wendeltreppe war direkt in den Stein gehauen worden und endete in einem Lagerraum. In diesem Kellerraum konnten die drei Gefährten gerade so nebeneinander stehen, überall stapelten sich alte Kisten und verstaubte Truhen. Kirona blieb schließlich stehen und deutete auf einen der Stapel. "Meinst du, wir sollen die Kisten öffnen?", fragte Alaryah Jaro so leise sie konnte und sah unsicher hinter sich. Da war nur die steinernde Treppe. "Puh...".

Jaro Ballivòr
Jaro war hin und hergerissen, worauf er sich konzentrieren sollte. Ein riesen Stein fiel ihm vom Herzen, als Alaryah zu sich kam und was sie berichtete, war ebenso ungeheuerlich wie faszinierend. Was hatten sie hier nur für einen Ort gefunden? Erneut kochte das Gefühl in ihm hoch, dass dies der Schauplatz etwas Großen und Grausamen gewesen war, dessen Geist noch immer durch die steinernen Hallen strömte. Gleichzeitig drängte seine Aufmerksamkeit aber auch zu Kirona und dem rätselhaften Stein. "Geht es dir gut?", brachte er schließlich hervor, doch auch Alaryahs Blick heftete sich nun an Kirona, die sich wieder in Bewegung gesetzt hatte. Es blieb ihnen nichts, als ihr zu folgen und Jaro konnte Alaryah nur zustimmen. Sie hatten keine Wahl gehabt. "Zum Glück bist du bei mir", gestand er seine Furcht und drückte ihre Hand. Obwohl Alaryahs Gegenwart ihm etwas Sicherheit gab, spürte er, dass auch ihr nicht wohl war. Kein Wunder, nach dem, was sie gerade erlebt hatte. "Gemeinsam schaffen wir das", fügte er an, um zu zeigen, dass er auch für sie da war.
Jeder neue Raum offenbarte, dass diese Festung einmal ein wahres Bollwerk gewesen sein musste. Nie zuvor hatte Jaro Derartiges gesehen, in keiner Stadt, die er je besucht hatte. So überraschte es ihn kaum, als sie eine Treppe erreichten, die noch weiter hinab führte, wenngleich er ebenso wie Alaryah ihr lieber nicht in die Tiefe gefolgt wäre.
Unnatürlich laut klangen Alaryahs Worte in dem engen Raum und er zuckte unsicher mit den Schultern. Kironas Fingerzeig wurde vehementer und so griff Jaro zögerlich nach der ersten Kiste und fummelte an deren Riegel herum. Staub rieselte und die Scharniere quietschten, doch der Deckel ließ sich erstaunlich leicht anheben. Der Inhalt war unspektakulär und Jaro hatte ganz umsonst den Atem angehalten und den Kopf möglichst weit nach hinten gestreckt. Mehrere Pergamentrollen teilten sich den Raum mit alten Kerzen, einigen flachen Schalen und löchrigem Stoff. Vorsichtig griff Jaro hinein. Das Papier knisterte und die Linien darauf waren mit dicker schwarzer Tinte gezogen. Es waren keine Buchstaben, viel mehr Symbole und Schriftzeichen, wie Jaro sie nicht kannte und auch Alaryah nicht, die nur mit den Schultern zuckte. Kirona stieß mit dem Fuß gegen eine andere Kiste und wies mit der Hand weiter in Richtung des Stapels. "Was meint sie nur?", flüsterte Jaro. Gemeinsam mit Alaryah zog er die geöffnete Box zur Seite, sodass sie näher an die Wand gelangten. Mit Blick zu Kirona griffen sie an mehrere Kisten, öffneten die ein oder andere, doch nichts davon schien sie zufrieden zu stellen. Das Licht des Steins veränderte sich mit ihrem Fortschreiten. Der Farbton wurde dunkler und die Wellen, in denen es in die Düsternis strömte, gleichmäßger. Kirona trat vor, während Alaryah und Jaro weitere Kisten hin und her hievten und ein lautes Klick-Geräusch ließ sie innehalten. Der Stein fügte sich nahtlos in eine Öffnung in der Wand, die zuvor nicht da gewesen war. Das Licht färbte sich weiß und ausgehend von dort wanderten Linien zu allen Seiten, bis sich die Konturen einer Tür abzeichneten. Immer greller fraß es sich in den Stein und voller böser Vorahnung sah Jaro zu Alaryah, als ein Knarzen ertönte. Die Tür öffnete sich schwerfällig wie von Geisterhand und ein merkwürdiger Geruch drang ihnen entgegen.

Alaryah Schattenwind
Einen Moment lang standen die drei einfach so da. Alaryah ertappte sich, wie sie die Zähne fest aufeinandergebissen und die Augen zugekniffen hatte, den Kopf leicht abgewandt. Kirona ging schließlich, wie auch die letzten Male, voran und schon hatte die Dunkelheit sie verschluckt. Alaryah blieb mit Jaro zurück. "Wie war das mit dieser Tür nur möglich?", staunte Alaryah schließlich. Erst fragte sich die Albin noch, woher Kirona nur von der Existenz dieser Tür wusste, doch dann seufzte sie nur. Es gab so vieles, was noch ungeklärt war, da würde die ein oder andere Frage auch keinen Unterschied mehr machen. Dann nickte Alaryah Jaro so gut sie konnte aufmunternd zu. Sie war froh, dass sie nicht mit Kirona allein war...auch wenn sie etwas Angst um Jaros Wohl hatte. Aber sie würden das alles schon überstehen. Hoffentlich. Die Albin nahm schließlich ihren Mut zusammen, folgte Kirona und zog Jaro sanft hinter sich her.
"Riechst du das auch?", fragte Alaryah, nachdem sie zu Kirona aufgeschlossen hatten. Der schmale Gang schlängelte sich tiefer ins Erdreich, in unregelmäßigen Abständen waren Gitter im Boden und am unteren Ende der Wände eingelassen. Hier schien es auch eine Art Abflusssystem zu geben, wieder und wieder stießen die Reisenden auf Ablaufrinnen und erkannten hier und da Zisternen und Schächte. Je weiter sie gingen, desto stärker wurde der Geruch. Dann blieb Kirona an einer Kreuzung stehen, schaute nach links, dann nach rechts. Wieder nach links. Dann bog sie nach rechts um, Alaryah und Jaro folgten. Alaryah war sich nicht sicher, doch meinte sie diesen Geruch schon einmal wahrgenommen zu haben...sie konnte sich aber auch irren. "Wieder so ein Moment wir wir besser auf unsere Schritte achten sollten.", murmelte die Albin, als sich zu den Ablaufrinnen und Gittern auch noch Fackelhalter gesellten. Keine drei Schritte weiter knackte es plötzlich unter Alaryahs Fuß. Abrupt blieb sie stehen, stieß Jaro von sich und ging in die Knie. Alaryah rechnete mit einem Angriff, einer Falle oder einer ihr noch nicht bekannten, unangenehmen Überraschung. Sie wollte Jaro nicht mit in eine Fallgrube reißen oder ihn sonstwie mit in ihr Unglück ziehen. Doch nichts passierte, alles blieb ruhig. "Verzeih, Jaro. Ich wollte nicht, dass wir beide hier...naja...du weisst schon. Ich habe mit einer Falle gerechnet.". Gerade, als sich die Albin wieder aufrichten wollte, fiel ihr Blick zu Boden. Der Stein in Kironas Hand leuchtete gerade noch hell genug in der Ferne, dass Alaryah das breite Grinsen des Schädels neben ihrem anderen Fuß erkennen konnte. Erschrocken fuhr die Albin zusammen, stolperte weg von dem Skelett in Richtung Jaro. Sie konnten gerade noch erkennen, dass die Person vor ihrem Ableben wohl versucht haben musste durch das Gitter zu gelangen, doch hatte jemand diesem Vorhaben scheinbar mit einem stumpfen Gegenstand ein Ende bereitet. Dies ließ zumindest das Loch in der linken Schädelseite vermuten. Als Kirona sich weiter entfernte verschwanden auch die alten Knochen wieder in der Dunkelheit. "Los....los weg hier.", sagte Alaryah mit zittriger Stimme und tastete nach Jaro. Gemeinsam eilten sie, jedoch weiterhin vorsichtig, hinter Kirona her und hatten diese bald wieder eingeholt. "Das ist kein Abwassersystem.", mutmaßte Alaryah schließlich. Sie mochte sich gar nicht ausmalen, worauf sie hier gestoßen waren...

Jaro Ballivòr
Es war schwer zu sagen, was unheimlicher war, Licht oder Finsternis. Einerseits war Jaro froh gewesen, als das grausame Bild der Gebeine im Zwielicht verschwand und er die eingefrorene Qual nicht länger sehen musste, andererseits machte sich Erleichterung in ihm breit, als sie sich Kirona näherten und mit ihr der Helligkeit. Vermutlich war es besser zu sehen, was einen von allen Seiten anstarrte und erwartete. Eine Gänsehaut lief Jaro bei der Vorstellung, plötzlich einen Griff an der Schulter zu spüren, den Rücken hinunter. Hinzu gesellte ich Übelkeit, als Alaryah aussprach, was auch Jaro widerwillig schon befürchtet hatte. "Ein Gefängnis... ein Grab", flüsterte er und mit brutaler Gewalt kamen die Bilder zurück, wie er selbst Teil des Leids gewesen war und seine Hand nur eine von vielen, die sich flehend und mit letzter Kraft noch oben reckte. "Was treibt Kirona an diesen Ort?", murmelte er, denn der Klang der eigenen Stimme half ihm, die Visionen zu verdrängen. "Meinst du, dies könnte der Ort sein, an den sie ursprünglich hat gelangen sollen? Als sie noch... unter Kontrolle stand?" Ängstlich blickte er zu Alaryah.

Alaryah Schattenwind
Über die Fragen musste Alaryah etwas nachdenken. Eigentlich wollte sie es gar nicht, doch ging es nicht anders. "Möglich.", gab sie schließlich zu und es klang, als wünschte die Albin es wäre alles irgendwie anders. "Vielleicht haben die toten Soldaten etwas in Kirona ausgelöst? Vielleicht war sie in diesem Moment irgendwie...schwach?". Noch während Alaryah sprach ärgerte sie sich. Hätte sie doch einfach den Mund gehalten! Jetzt rechnete sie jeden Moment damit, dass sich Kirona zu ihnen umdrehte und sie angriff. "Wer auch immer hinter diesem Angriff steckt muss allerdings nicht unbedingt mit Kirona oder ihrem Zustand zu tun haben.", rätselte die Albin weiter. Sie gab einfach ein paar Gedanken preis, wollte von einer möglichen Übernahme von Kirona Abstand nehmen. Doch war das wirklich so ratsam? Alaryah mochte sich gar nicht vorstellen dass sie, neben all den möglichen Gefahren um sie herum, direkt mit einer weiteren Gefahrenquelle unterwegs waren. "Wir sollten eine Sache nicht vergessen.". So sorgfältig wie es eben in dieser Situation ging versuchte sich Alaryah ihre Worte zurechtzulegen. "Wir müssen hier auch irgendwie wieder raus. Ob mit oder ohne Kirona.". Vielleicht würden sie auch hier unten sterben? Alaryah sprach diesen Gedanken nicht aus. "Erinnerst du dich an den Teich bei dem Fest? Mit den Seerosen?". Alaryah sprach leise, versuchte gelassen zu wirken und wollte die düsteren Schatten, die in den Köpfen umherspukten, vertreiben. Sie wusste, dass sie Jaro seine Angst nicht wirklich nehmen konnte...denn auch sie selbst hatte nicht gerade wenig...

Jaro Ballivòr
Eifrig nickte Jaro. "Ja! Zuletzt war sie immerhin glücklich und losgelöst, das hat ihre innere Abwehr vielleicht gestärkt und nun...", er schluckte. "Vielleicht hat sie Ähnliches schon erlebt." Jaro entging nicht, dass Alaryah misstrauische Blicke zu der vor ihnen schreitenden Frau warf. Irgendwie wollte der Gedanke, sie könnte gefährlich sein, nicht in seinen Kopf hinein, doch die Waldalbin hatte natürlich Recht. Kannten sie diese Kirona denn wirklich? Erneut schluckte Jaro. Die Vorstellung, Kirona hier zurück zu lassen schmeckte bitter, doch was, wenn sie letztlich keine Wahl hatten? Jaro war froh, als Alaryah das Gespräch in eine angenehmere Richtung lenkte. "Ja", flüsterte er und merkte, wie fern ihm dieser Augenblick schon vorkam. "Das war sehr schön..." Ein schwaches Lächeln kämpfte sich auf sein Gesicht und er sah Alaryah an, merkte dabei nicht, dass Kirona stehen geblieben war und wäre beinahe in sie hinein geknallt. Woher das Gefühl kam, war unmöglich zu sagen, doch Jaro wusste plötzlich, dass sie ihr Ziel nun erreicht hatten. Steinerne Wasserspeier mit toten Augen flankierten den Eingang in einen auf den ersten Blick recht unscheinbaren Raum, an dem der gespenstische Gang endete. Über der Pforte war eine Inschrift eingeritzt, erstaunlicherweise in normaler Sprache:
Weisheit und Wissenschaft sind gottgegeben. Wer sie weise und gewissenhaft nutzt, wird Göttliches erschaffen.
Die Worte schienen nicht an diesen Ort voll Tod und Grauen zu passen und Jaros Inneres zog sich zusammen, als Kirona den Raum betrat. Es gab nichts, was er weniger wollte, doch er spürte, wie seine Füße der Frau ins Ungewisse folgten, Alaryah an seiner Seite.

Alaryah Schattenwind
Sie betraten die Räumlichkeiten und sahen sich vorsichtig um. Überall standen Phiolen und Glasbehälter in allen möglichen Größen und Formen auf schweren Tischen, die an der Wand aufgereiht waren. Jeder Schritt hallte leise von einem glatten und fein gemauerten Steinboden wieder und die Lichtreflexionen von Kironas Stein warfen grausig aussehende Schatten umher. In der Mitte des Raumes stand ein massiver Steinblock, an dessen Ecken schwere Ketten genietet worden waren. Alaryah musste schlucken und trat unsicher ein paar Schritte zurück. Es klirrte hell, als sie beim Tasten nach der Wand ein Gefäß umstieß und dieses zu Boden fiel. Die Albin zuckte zusammen, Kirona schien unbeeindruckt, doch Jaros Blick war zu Alaryah geschossen. Diese hob die Hände und wollte gerade etwas sagen, als ein kleiner Lichtball aus den Scherben emporstieg. Er blieb auf Alaryahs Kopfhöhe stehen, tanzte dann mehrmals um die kleine Albin herum und surrte dabei leise. Dann flog das kleine Licht, nicht größer als ein Apfel, in Zickzacklinien von Alaryah weg und hüpfte dann etwas weiter hinten im Raum auf und ab. Vorsichtig folgte Alaryah der Erscheinung, die nun in kreisenden Bewegungen hinter einem Lesepult zu landen schien. Als Alaryah sich dem Pult näherte fuhr erneut der Schreck durch ihren Körper. Da lag jemand! Schnell zeigte sich, dass sie auf eine weitere Leiche gestoßen waren...doch war diese noch nicht ganz skelettiert. Schritte näherten sich und plötzlich stand Kirona neben Alaryah, würdigte die Albin jedoch keines Blickes. Die Lichterscheinung war verschwunden und Kirona kniete sich neben den leblosen Körper. Sie schien genau dort irgendetwas zu suchen. Alaryah drehte sich zu Jaro um...

Jaro Ballivòr
Sein Herz setzte einen Moment aus, als das Glas zerbarst und er blickte so schnell zu Alaryah hinüber, dass er sich schmerzhaft den Nacken verriss. Reflexartig fuhr seine Hand zu der Stelle, blieb aber auf halbem Weg stehen, während seine Augen wie hypnotisiert dem Licht folgten.
Auch Kirona reagierte darauf, allerdings seltsam unaufgeregt, ganz so, als hätte sie genau danach gesucht. Erst als Alaryah in ansah und ihr Blick erneut von Entsetzen erfüllt war, ging auch Jaro zu den Frauen hinüber und musste augenblicklich würgen. Diese Leiche sah noch recht frisch aus und wirkte auf Jaro deshalb viel abstoßender als die Skelette zuvor. Dass Kirona an und in dem Körper herum suchte, trug nicht zu Milderung der Übelkeit bei. Weil er nicht wusste, was er sonst tun sollte, nahm Jaro den Körper genauer in Augenschein, soweit es das Licht von Kironas Stein erlaubte. Er erstarrte und griff Alaryahs Arm, nickte mit dem Kopf in Richtung des linken Armes. Wo eine normale Hand hätte sein sollen, endete das Glied in einer riesigen grünlichen Klaue mit messerscharfen Krallen. Nun fiel ihm auch auf, dass das Gesicht keineswegs normale Züge hatte. Augen und Mund waren geschlossen und Jaro mochte sich kaum ausmalen, was sich dort verbarg.

Alaryah Schattenwind
Der Albin wurde übel, als Kirona, scheinbar ohne Probleme, zu Werke ging. Schmatzende Geräusche und ekelerregende Flüssigkeiten brachten Alaryah dazu sich wegzudrehen, doch wies Jaro sie auf auf den Arm der Leiche hin. Diese riesige Klaue... Kirona tastete gerade das Gesicht der Person, besser gesagt der Kreatur, ab und starrte dabei einfach ins Leere. Jedoch saß jeder Handgriff, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Zwei Reißzähne kamen zum Vorschein, als Kirona in den Mund der Kreatur griff. Der Kiefer ließ sich weiter öffnen als es einem Menschen oder Alben auch nur entfernt möglich gewesen wäre. "Glaubst...glaubst du, dass das...", begann Alaryah und konnte ihren Blick nicht abwenden. "Naja, dass dieses Wesen die Soldaten getötet hat?". In Alaryahs Kopf flogen Bilder umher, wie sich dieses Wesen eine blutige Schneise durch die Reihen der Soldaten pflügte. "Aber wir hätten Spuren finden müssen.", widersprach sie sich direkt. "Und warum ist dieses Wesen nun tot?". Alaryah schaute nun hilfesuchend zu Jaro in der Hoffnung, dass er Antworten geben konnte, die sie beruhigen möchten.

Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

Verfasst: Di 27. Mär 2018, 14:37
von Jaro Ballivòr
Jaro Ballivòr
Das Bild, das sich ihnen darbot war entsetzlich. Jede neue Stelle, die ihm schwachen Lichtschein erhellt wurde, zeigte, wie absonderlich diese Kreatur war. Etwas Derartiges hatte Jaro noch nie gesehen. Nichts schien wirklich zusammen zu passen. Hier fand das Wort "entstellt" wirklich Bedeutung und man konnte meinen, die einzelnen Körperteile versuchten sich gegenseitig abzustoßen und als bereite die Verbindung dem Wesen furchtbare Schmerzen, selbst im Tode. Als Kirona mit gespenstischer Routine den Kiefer weit aufriss, breitete sich ein Schwall übel riechenden Gestanks um sie herum aus. Mit der Hand vor Mund und Nase erwiderte Jaro Alaryahs Blick verzweifelt. Er hatte nicht den blassesten Schimmer was er sagen sollte. Alaryahs Geistesblitz hatte auch ihn ins Grübeln gebracht. Die Verletzungen, die sie an den armen Seelen auf dem Waldboden entdeckt hatten, hatten sie vor ein Rätsel gestellt. Nichts konnte so etwas anrichten... es sei denn, es verfügte über scharfe Krallen und kräftige Reißzähne... Der Gedanke trieb Jaro eine Gänsehaut den Rücken hinunter. "Ich weiß es nicht", sagte er niedergeschlagen zu Alaryah und weil ihm nichts Besseres einfiel, ließ er den Blick durch den schummrig erhellten Raum schweifen. Da fiel ihm plötzlich etwas auf. "Alaryah, flüsterte er. "Dieser Raum... ist anders." Jetzt, da er aktiv nach Anzeichen suchte, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. "Alles ist noch intakt. Die Staubschicht ist wesentlich dünner als in den Räumen zuvor, es gibt kaum Spinnweben..." Furchtsam sah er zurück zu seiner Freundin. "Das heißt dort oben ist seit Jahren niemand zugange gewesen, doch hier", seine Stimme verkam nach und nach zu einem Flüstern. "Dieser Raum wurde bis vor kurzem noch genutzt." Fast automatisch sah er wieder zu der grausigen Kreatur und erschrak fürchterlich, als er Kironas milchigen Blick auf sich ruhen fand.

Alaryah Schattenwind
"Anders?", fragte die Albin und sah sich ebenfalls um, nachdem sie den Blick von Kirona und ihrem Tun abwenden konnte. Jaro wies auf Details hin, die auch ihr bisher nicht aufgefallen waren. "Das bedeutet...", Alaryah drehte sich langsam zum Eingang um, erwartete schon fast, dass dort jemand stand und sie angreifen würde. Nichts. Niemand.
Schließlich hatte sich Alaryah wieder zusammengenommen. Hier gab es Informationen zu suchen! Also suchte sie. Zuerst ging die Albin zu einem kleinen Schrank hinüber, kramte vorsichtig darin herum, fand jedoch nichts außer vertrockneten Zutaten. Dann erst fiel ihr der Stapel Pergament auf, dessen eine Hälfte säuberlich zusammengelegt auf einem Wandregal lag. Die andere Hälfte lag etwas verstreut darunter auf dem kalten Steinboden. Alaryah kniete sich hin, sammelte die einzelnen Zettel zusammen und versuchte eine Art Ordnung hineinzubringen. Die Notizen darauf waren in der Sprache der Alben geschrieben, es handelte sich um eine Art Tagebuch. Sie überflog Zeile um Zeile, merkte dann jedoch schnell, dass das Schriftbild sich veränderte. Nach und nach wurden die Buchstaben und Worte verwackelter, krakeliger und verschmierter. Auch der Wortlaut änderte sich. Hatte der Verfasser zuerst wortgewandt und eloquent geschrieben, so wurden die Sätze mit der Zeit rauer und grober. Teilweise waren Worte irgendwann gar nicht mehr zu lesen. "Heute waren die Anfälle wieder etwas schlimmer.", las Alaryah leise vor. "Ich vermute, dass die Dosis noch nicht ganz korrekt gewesen ist. Anmerkung: Sternensand möglicherweise durch Waldblatt ersetzen, Wirkung könnte enorm gesteigert werden.". Sie verstand nicht ganz, blätterte erst einmal weiter. So brummelte Alaryah Wörter vor sich hin, bis sie irgendwann aufstand. "Schwarze Wut greift...greift...", Alaryah versuchte die weiteren Worte zu entziffern. "Irgendwas mit Seele...", mutmaßte sie. Dieses Blatt Pergament war verknickt, eine Ecke fehlte komplett, jemand hatte sie abgerissen...und dabei Tropfen dunklen Blutes auf den Seiten hinterlassen? Alaryah kam die ganze Sache komisch vor, also wollte sie Jaro nach seiner Meinung fragen. Die Albin griff sich ein paar Seiten und drehte sich zu ihrem Gefährten um...

Jaro Ballivòr
Es dauerte einen Augenblick, bis Jaro schaffte, sich von Kironas starrendem Blick loszueisen. Als er schließlich einen Schritt zur Seite machte, folgte sie ihm nicht etwa mit den Augen, sondern wandte sich wieder der Leiche auf dem Boden zu, als wäre nichts geschehen. Alaryah hatte unterdessen begonnen, den Raum genau in Augenschein zu nehmen und da beschloss Jaro es ihr gleich zu tun. Er begann auf der anderen Seite und kniff angestrengt die Augen zusammen, um erkennen zu können, was in all den Gläsern und Phiolen lauerte, ohne zu nahe heran gehen zu müssen. Auf den ersten Blick war alles unspektakulär, Flüssigkeiten in verschiedenen Farben, Pulver, Kräuter und andere längst getrocknete und abgestorbene Pflanzen. Es gab keine schwimmenden Augen, Gehirne oder abgetrennte Hände, all das, was Jaro sich an einem Ort wie diesem gut vorstellen hätte können. Alaryahs Stimme schwang leise zu ihm hinüber und er drehte sich um. Er konnte kaum verstehen was sie sagte, sie schien eher mit sich selbst zu sprechen, doch trotzdem beendete Jaro seine Suche und sah sie still an. Eindeutig hörte er das Rascheln von Papier. Hatte sie Aufzeichnungen gefunden? Gerade, als er zu ihr hinüber gehen wollte, tat sie es und beantwortete seine stumme Frage. "Sieh dir das einmal an, Jaro", sagte sie und er ließ angestrengt seinen Blick über die unsteten Zeilen schweifen. Noch immer fiel ihm das Lesen nicht leicht, doch Einiges konnte er entziffern. "Das klingt wie ein Rezept", sagte er leise und fühlte sich an die alte Brerin zu Hause erinnert. "Oder der Versuch, ein Rezept zu erstellen... zu verbessern..." Alaryah nickte. "Dort drüben habe ich allerlei mögliche Zutaten für Rezepturen gefunden. Pulver, Flüssigkeiten. Da muss doch ein Zusammenhang bestehen." Sie sahen sich an und Jaro erkannte in Alaryahs Augen, dass sie das gleich dachte: sie hatten hier eine Art Versuchslabor gefunden. Nur für was? Alaryah wies nun mit dem Finger auf eine Seite, auf der der Text fast gänzlich unleserlich war. Jemand hatte voll Hast geschrieben oder unter furchtbaren Schmerzen. Jaro schluckte. Dann drehten sie fast zeitgleich die Köpfe in Richtung der leblosen Kreatur.

Alaryah Schattenwind
Kirona hatte ihre doch recht grausige Arbeit fortgesetzt. Die Geräusche aus dem hinteren Bereich des Raumes waren nun tief schmatzend. Erst wagte sich keiner der beiden näher heran, doch dann fasste sich Alaryah schließlich ein Herz. "Warte hier.", flüsterte sie Jaro zu und ging mit zittrigen Knien in Richtung Kirona. Schon aus der Entfernung konnte Alaryah die Schatten erkennen, die von der Frau ausgingen. Es schien, als würde sie in der Erde scharren...doch war es nicht der Boden, in dem die Frau herumwühlte. Alaryah würgte, hielt sich die Hand vor den Mund und hatte die Augen vor Schreck weit aufgerissen. Kirona schaute von den Resten der Kreatur auf. Sie schien wieder enorme Kräfte gehabt zu haben, denn anders konnte sich Alaryah den Zustand der Leiche nicht erklären. Kirona hockte nun einfach so da, die Hände in den Schoß gelegt und starrte geradeaus. Alaryah hörte leise Schritte hinter sich. "Jaro, bleib da.", zischte die Albin und hielt warnend eine Hand nach hinten. Unsicher trat Alaryah nun auch ein paar Schritte zurück, als sich Kirona langsam erhob. Ihre Kleidung, sowie ihre Hände und Unterarme waren über und über mit Blut und anderen Flüssigkeiten beschmiert, selbst Kironas Haare hatten etwas abbgekommen. Im düsteren Lichtschein drehte Kirona nun den Kopf in Richtung Jaro und Alaryah. Die Albin zog erneut einen Dolch, rechnete mit dem Schlimmsten. "Was auch passiert, wir laufen weiter, verstanden?". Alaryah meinte ihr Herz in ihrem Kopf schlagen zu hören. Was mochte nur in Kirona gerade jetzt vorgehen? Die Frau hob langsam ihre linke Hand, hielt darin eine kleine Kugel. Dicke Flüssigkeit triefte in langen Fäden davon hinab und Kirona begann die Kugel mit ihren Fingern zu bearbeiten. Von weitem konnten Jaro und Alaryah erkennen, dass es sich um ein zusammengeknülltes Stück Pergament handelte. "Es ist gefunden.", raunte Kirona mit ungewöhnlich tiefer Stimme. Dann zuckte der Kopf der Frau mehrmals unkontrolliert nach rechts. Als sie sich wieder ihren Gefährten zuwandte war der düstere und milchige Schleier aus ihrem Blick verschwunden. "Ich bin mir nicht ganz sicher aber...hier ist noch jemand...", flüsterte Kirona, stützte sich plötzlich geschwächt auf ihren Stab und streckte ihren Gefährten mit zitterndem Arm das Stück Pergament entgegen.

Jaro Ballivòr
Wenn Jaro zuvor gedacht hatte, ihm sei übel, wurde er nun eines Besseren belehrt. Jetzt war ihm übel. Reflexartig nahm er die Hand vor den Mund, als er aufstieß. Der Anblick Kironas, triefend vor Blut und anderem, dessen Herkunft Jaro gar nicht wissen wollte, war zu viel für ihn. Einzig die Furcht hielt ihn auf den Beinen. Sie mussten hier weg, er durfte hier nicht zusammenbrechen und zur Last für Alaryah werden. Kironas plötzlich aufhallende Stimme ließ ihn zusammenfahren. Jede Faser seines Körpers war aufs Äußerste angespannt, jedes Geräusch, jede Bewegung, jeder Windhauch fühlte sich an wie tausendfach verstärkt, all seine Sinne waren in Alarmbereitschaft. Angestrengt versuchte Jaro noch aus den Worten schlau zu werden, da folgten schon die nächsten, dieses Mal im Klang der Stimme, die sie die letzten glücklichen Stunden in Rankenfels begleitet hatte. Kirona kam zu sich. Doch ihre Botschaft bot wenig Potential für Freude. Jaro fuhr herum. Der niedrige Eingang war noch immer leer, nicht viel mehr als ein schwarzes Viereck, das sich noch dunkler von einem ohnehin schon finsteren Hintergrund abhob. Sich dort im Schatten zu verstecken würde ein leichtes sein. "Wo?", flüsterte er ängstlich, mehr zu sich, als als wirkliche Frage. Kaum wagte er sich wieder zurückzudrehen, aus Angst, exakt in diesem Moment würde ihn die unsichtbare Gefahr von hinten anfallen, doch schmerzerfülltes Stöhnen von Kirona zwang ihn langsam herum. Alaryah hatte mittlerweile mit angewidertem Gesichtsausdruck das Pergament entgegen genommen und es vorsichtig auf dem Steinsockel gelegt, um es zu entfalten. Ihr Blick schwirrte durch den Raum, wahrscheinlich auf der Suche nach etwas, um das gröbste Übel abzuwischen. "Keine Zeit... müssen weg", stöhnte Kirona und schnell griff Jaro nach einem leeren Glas in einem nahen Regal. "Wir können es hier hinein tun", schlug er vor und Alaryah nickte eilig. Dann griffen sie beide die verschmierte Kirona um sie zu stützen. Fragen mussten warten. Sie gingen in Richtung Tür und alles kam Jaro so furchtbar langsam vor. Dann hörten sie es und Staub rieselte von der Decke. Über ihnen war jemand.

Alaryah Schattenwind
"Kein Wort.", presste Alaryah zwischen ihren Zähnen hervor. So schnell wie möglich und so vorsichtig wie nötig bewegten sich die drei Reisenden voran. Bald hatten sie es zu dem Teil der unterirdischen Anlage geschafft, ander sie die Geheimtür hinter den Kisten gefunden hatten. Gerade, als sie die Treppen emporsteigen wollten, hielt Alaryah Jaro und Kirona zurück. Kirona stöhnte vor Erschöpfung und Jaro wollte gerade etwas fragen, als Alaryah nur den Finger an die Lippen legte. Sie horchten, standen starr in der Dunkelheit, wagten kaum zu atmen. Da in der Ferne war nun das, was sie schon die ganze Zeit erwartet hatten. Jemand näherte sich ihnen. Jetzt gab es keine Zweifel mehr. Wo sollten sie hin? Das Labor war eine Sackgasse, die Treppe hinauf, direkt in die Arme des Neuankömmlings war ebenfalls keine Option. Alaryah nickte mit dem Kopf in Richtung der Kisten, die sie vorher beiseite gestellt hatten. Vorsichtig luden Jaro und Alaryah die besudelte Kirona ab, kauerten sich anschließend ebenfalls hinter die herumstehenden Kisten. Alaryahs Herz hämmerte wie ein Dampfhammer in ihrer Brust. Sie konnte unmöglich sagen, wie es ihren Gefährten ging, zu sehr war sie mit sich selbst beschäftigt. Die Schritte kamen näher. Schwere Stiefel schlurften kratzend über den Steinboden, blieben dann vor der noch geöffneten Geheimtür stehen. Alaryah biss sich auf die Unterlippe und kniff ihre Augen fest zu. Ihr ganzer Körper war angespannt, die Muskeln verkrampften sich schon fast. Was, wenn ihr Verfolger sie hier finden würde? Wer mochte es sein? Gab es vielleicht noch mehr Kreaturen wie die, die dort unten lag? Stand eine vielleicht gerade genau hinter ihnen und schaute zu ihrem Versteck hinüber? Von der Person ging ein schon fast rasselnder Atem aus. Es schien, als würde sie die Geheimtür untersuchen. Solange die Aufmerksamkeit nicht auf den Gefährten lag mochte vielleicht alles noch einmal gut gehen. Dann endlich setzte sich der Neuankömmling wieder in Bewegung, murmelte dabei etwas mit tiefer, schon fast grollender Stimme. Alaryah wagte nicht, sich zu bewegen geschweige denn die Augen zu öffnen. Die Schritte entfernten sich, wurden leiser und verstummten dann fast komplett. Die kleine Albin schlug die Augen auf, atmete keuchend durch. Am liebsten hätte sie sich übergeben, doch wehrte sich jede Faser ihres Körpers. Weiter. Sie mussten weiter. Ein neuer Schwung Energie durchfuhr die Albin. Jetzt war die Gelegenheit! Sie zog Jaro zu sich hoch und gemeinsam halfen sie Kirona. Gerade als sie die ersten Treppenstufen erklommen hatten riss sich Kirona los. "Der Stein...", flüsterte sie und stolperte in Richtung Geheimtür zurück. "Kirona nein! Komm schon!". Panik kroch in Alaryah hoch, auch Jaro stand der Schweiß auf der Stirn. Kirona schaffte es irgendwie sich des Steins zu Bemächtigen und Jaro und Alaryah kamen der Frau entgegen, halfen ihr die Stufen hinauf. Dann rumpelte es laut hinter ihnen. "Die Tür schließt sich wieder.", vermutete Jaro, doch bekam er keine Antwort. Mit der eingehakten Kirona gingen die Gefährten so schnell sie konnten voran. Irgendwie schafften sie es genau den Weg zu nehmen, den sie gekommen waren. Alaryahs Blick verengte sich zu einem schmalen Tunnel, der sich immer weiter zuzuziehen schien. Sie keuchte, ihre Lungen brannten wie heiße Kohlen. Die Belastung war einfach zu groß. Sie wollte anhalten, nur ganz kurz, durchatmen, nur für einen Moment Pause machen. "Unmöglich.", knurrte Alaryah zu sich selbst und biss sich erneut auf die Lippen, dieses Mal wollte sie einfach nur Schmerz empfinden. Irgendwie musste sie sich daran erinnern, dass sie noch am Leben war, dass sie ihre Freunde irgendwie aus diesem Keller bringen musste. Sie durfte nicht schwach machen. Ein metallischer Geschmack breitete sich in dem Mund der Albin aus, als Blut aus ihrer Unterlippe hervorquoll. "Weiter...wir dürfen nicht stehenbleiben.", hörte sich die Albin rufen. Es klang in ihrem Kopf überaus verzweifelt. Nein. Sie musste stark bleiben. Stark bleiben für ihre Gefährten! Dann endlich, da vorn! Ein schwacher Lichtschein war am Ende eines Ganges zu erkennen! Draußen! Da ging es nach draußen! "Da lang!", rief nun auch Jaro und sie schlugen die entsprechende Richtung ein. Die Luft wurde mit jedem Schritt nach oben besser. Das Brennen in den Beinen aufgrund der Steigung merkten die drei schon länger nicht mehr, zu groß war der Wille zu entkommen, zu groß die Furcht vor dem, was sie womöglich gerade verfolgte. Endlich spuckte die unterirdische Festungsanlage die Reisenden aus und sie taumelten über die Schwelle ins Freie...

Jaro Ballivòr
Aus der Düsternis der Festung hatte das Licht wie am hellsten Tage gewirkt, doch als sie endlich aus dem Schlund entkamen, mussten sie feststellen, dass es bereits dämmerte. Die milde Waldluft war eine Wohltat, der Duft von Laub und jungem Holz, das Sirren von Insekten und die ersten Rufe der Vögel der Nacht. Trotzdem wagten sie nicht stehen zu bleiben, sondern hetzten weiter. Unter ihnen knackten Zweige und nicht wenige Male stolperten sie und hatten Mühe, die vollkommen erschöpfte Kirona auf den Beinen zu halten. Jaro rannte blindwütig immer weiter, angetrieben vom Trommelschlag des eigenen Herzens. Der Schreck darüber, fast entdeckt worden zu sein, ohne Möglichkeit zu fliehen, steckte ihm noch so tief in den Gliedern, dass er sich nicht traute auch nur an eine Pause zu denken und Alaryah schien es ähnlich zu gehen. Er hoffte, dass sie bewusst eine Richtung gewählt hatte, doch sicher war er sich nicht. Blut rauschte in seinen Ohren und die schrecklichen Bilder der leblosen Kreatur, die Geräusche von Schritten im Dunkel und der fürchterliche Gestank nahmen seinen Geist in Besitz. Ob er sie je wieder los werden konnte? Auf einmal japste er nach Luft und erst nach einigen schwerfälligen Atemzügen bemerkte er, dass er weinte. Die Anspannung ließ nach und mit ihrem Schwinden brachen die Emotionen aus ihn heraus. Kraft und Wille verließen ihn. Wie lange waren sie schon gerannt? Eine Ewigkeit. Es war fast dunkel und er hatte jegliches Zeit- und Raumgefühl verloren. "Alaryah... ich", presste er hervor, dann wurden seine Schritte langsamer und er sank auf die Knie, stütze sich mit den Händen auf dem unsteten Waldboden auf und rang nach Atem. "Ich kann nicht mehr." Seine Stimme war dünn und schwach und er fühlte sich so furchtbar ausgeliefert.

Alaryah Schattenwind
Jaros Schritte verlangsamten sich. Irgendwann stützte Alaryah Kirona alleine und die Albin sah sich nach Jaro um. "Ich kann nicht mehr.". Er war am Ende. <Verdammt.>, dachte Alaryah noch und war hin und hergerissen. Sie selbst war unmöglich in der Lage Kirona und Jaro gleichzeitig zu halten. Es schien, als würden sie nun doch hier verweilen müssen, tatsächlich konnte sie auch keine zehn Meter mehr laufen. Mitten in der Wildnis, in der Finsternis des Waldes kam die kleine Gruppe nach gefühlt endloser Flucht zum Stehen. Das Rauschen der Blätter und die Tierlaute brausten wie ein Bach um Alaryah herum und dann wurde ihr schwindelig. "Kirona, ruh dich etwas aus.", hauchte Alaryah noch, bevor sie wie ein gefällter Baum umkippte. Die Albin sah, wie sich der weiche Waldboden rasend schnell näherte, dann presste der Aufprall sämtliche noch verbliebende Luft aus ihren Lungen. Ein paar Sekunden blieb sie einfach dort liegen, fühlte sich, als wären ihre Arme und Beine schwer wie riesige Felsbrocken. Kirona hatte sich auf den Rücken gelegt, versuchte ihre Atmung in den Griff zu bekommen und Jaro vergoss nicht weit bittere Tränen. Hatten sie es geschafft? Waren sie entkommen? Schwerfällig kroch Alaryah zu Jaro herüber, griff zitternd nach seiner Hand. Er reagierte kaum. "Jaro es ist gut.", flüsterte sie und schaffte es schließlich irgendwie sich aufzusetzen. Dann zog sie den wimmernden Jaro zu sich und hielt ihn fest im Arm. Nun brachen bei ihm alle Dämme. Alaryah versuchte den jungen Alben zu beruhigen, doch das Schluchzen wurde lauter. Er begrub sein Gesicht nun tief in ihrer Schulter und schon bald spürte Alaryah, wie sich die Tränen ihren Weg durch ihre Kleidung suchten. "Sei unbesorgt.", brachte Alaryah endlich hervor und streckte ein Bein aus um besser sitzen zu können. Ihr Knie knackte leise. "Wir sind fort von diesem grausigen Ort, Jaro.". Behutsam strich sie dem Alben durchs Haar, redete ihm so gut zu wie sie nur konnte. Immer wieder schaute Alaryah auch zu Kirona. Diese schien völlig am Ende ihrer Kräfte, jedoch regulierte sich langsam aber sicher ihre Atmung. Alaryah wippte nun sanft hin und her, als wolle sie ein Kleinkind in den Schlaf wiegen. Ihr fiel gerade nichts besseres ein und hoffte, dass Jaro sich beruhigen würde. Leise summte sie ein Lied vor sich hin, kämpfte dabei selbst mit den Tränen. Irgendwann schob die Albin sanft Jaros Kopf von ihrer Schulter weg und sah ihm tief in die Augen. "Du warst sehr tapfer, Jaro.", flüsterte sie und wischte ihm mit den Daumen die Tränen aus dem Gesicht.

Jaro Ballivòr
Er ließ alles geschehen. Unfähig sich zu rühren oder die Flut der Tränen zu stoppen, sank Jaro in Alaryahs Arme und zog sich einen Moment zurück aus der Welt. Alle Vorsätze stark zu sein waren hinfällig. Doch für Scham oder Ärger darüber war kein Platz. Nicht jetzt. Dankend nahm er die Nähe der Waldalbin an. Er konnte sich nicht erinnern, jemals so viel geweint zu haben. Schließlich ließ es nach und als ihre Blicke sich trafen, versuchte Jaro all seine Dankbarkeit hinein zu packen. "Wir haben es geschafft", flüsterte er, ganz so, als käme ihm diese Erkenntnis erst jetzt. Kirona hatte die Augen geschlossen. Auch ihr Atem ging ruhiger. "Ist bei dir alles ok?", fragte Jaro Alaryah schüchtern. Müdigkeit machte sich bleiern in seinen Gliedern breit, doch er fürchtete sich zu davor zu schlafen. Zögerlich blickte er sich um. Das fahle Mondlicht erhellte die Luft gerade soweit, dass einige Baumstämme schemenhaft hervor traten. Ansonsten war nichts zu erkennen. "Ist es hier sicher? Können wir ein wenig ruhen?" Er wusste, dass die alle dringend Erholung brauchten.

Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

Verfasst: So 1. Apr 2018, 09:51
von Alaryah Schattenwind
Alaryah Schattenwind
"Sei unbesorgt. Wir bleiben erst einmal hier und ruhen uns aus. Versuch etwas zu schlafen.". Alaryah war sich nicht sicher, ob ihnen hier tatsächlich nichts geschehen konnte. Doch hatten sie eine andere Wahl? Was hätte sie sonst sagen sollen? Die Albin hoffte, dass ihnen niemand gefolgt war und nur auf einen schwachen, unachtsamen Moment lauerte...
Leise vor Erschöpfung stöhnend drehte sich Kirona auf die Seite. Sie hatte ihre Hände unter ihren Kopf gelegt und war als erstes eingeschlafen. Irgendwann hatte es dann auch die beiden Alben gepackt und die Müdigkeit siegte über die Furcht und die gerade überstandenen Erlebnisse.
Wieder und wieder wurde Alaryah wach, ihr Schlaf war unruhig und somit nicht wirklich erholsam. Einmal musste sie etwas schlechtes geträumt haben, denn sie war von kaltem Schweiß überströmt. Sie mahnte sich zur Ruhe, sprach sich selbst Mut zu als sie zu ihren sich nicht rührenden Gefährten sah. Dann plötzlich raschelte es recht laut in der Ferne und Alaryah fuhr zusammen, gerade dann, als sie fast wieder eingeschlafen war. "Jaro. Kirona.", zischte sie und stubste die beiden nacheinander an. Keine Regung. "Wacht auf, da ist etwas...", sagte sie nun etwas lauter. Wieder nichts. Dann war da eine Stimme. Es schien, als würde sie jemanden rufen? Dann Schritte, auf der anderen Seite ihres improvisierten Nachtlagers! Alaryah versuchte aufzustehen, doch machten ihr Kreislauf und strapazierte Muskeln einen Strich durch die Rechnung. So humpelte die Albin eher taumelnd herum, schaffte es gerade so einen Dolch hochzuhalten. Der andere entglitt ihren Fingern und fiel dumpf auf den weichen Waldboden. "Verdammt.", fluchte die Albin nun und mühte sich ab eine Verteidigungsstellung einzunehmen. Gerade wollte sie erneut nach ihren Gefährten rufen, als das Unterholz vor ihr laut knackend zur Seite geschoben wurde. Ein kleines Albenmädchen trat hervor. "Ich bin hie...", rief sie und unterbrach sich, als sie die zittrige Alaryah plötzlich vor sich stehen sah. Die Augen des Mädchens wurden größer und sie stieß einen spitzen, erschrockenen Schrei aus. Auch Alaryah bekam einen Schreck und trat ein paar Schritte von dem Mädchen weg. "Tinriel! Da bist du ja!", ertönte laut eine Männerstimme von der anderen Seite und Alaryah wirbelte herum, stolperte dabei über Jaros Bein. "Papa!", rief das Mädchen und spurtete an Alaryah vorbei, versteckte sich hinter dem Mann der mit einem Stapel Holz auf dem Arm die kleine Reisegruppe musterte. "Verzeiht, Wer...seid ihr?", fragte er und strich seiner kleinen Tochter über den Kopf. Alaryah kam erneut auf die Beine, kämpfte dabei gegen den Schmerz eines üblen Wadenkrampfes an. Mittlerweile waren auch Jaro und Kirona aufgewacht.

Jaro Ballivòr
Wirre Träume suchten Jaro heim. Er rannte und rannte und obwohl sich die Umgebung ständig veränderte, schien er nicht voran zu kommen. Schwer wie Blei zog es ihn nach unten und bald würden sie ihn einholen. Er hörte ihre Stimmen, ihre Schritte auf dem Boden, jemand schrie... die Geräusche folgten seinem Bewusstsein in den Wachzustand, während ein Teil von ihm sich noch an den Traum klammerte. Widerwillig stemmte er die Lider nach oben und blinzelte ein paar Mal, bis er scharf sehen konnte. Ruckartig setzte er sich auf und rutschte ein Stück zurück. Hilfesuchend sah er zu Alaryah, dann zu Kirona, bis sein Verstand sich endlich ganz geklärt hatte. Das ist ein Kind, sagte er sich und der Mann trägt Holz und keine Waffen... Das sind keine Angreifer, alles ist gut. Ein unangenehmes Schweigen war ausgebrochen und Jaro bemerkte das leichte Stirnrunzeln des Vaters. Der Alb begann misstrauisch zu werden. "Ich bin Jaro", hörte er sich sagen. "Das ist Kirona und das ist Alaryah." Aus dem Augenwinkel sah er, wie das Zittern der Waldalbin langsam nachließ. Trotzdem hatte er das Gefühl, dass sie dankbar war, dass er das Wort für sie ergriffen hatte. "Wir haben uns verirrt und hier eine Rast eingelegt, da wir vor Erschöpfung beinahe zusammen gebrochen sind." Instinktiv war ihm diese Halblüge in den Sinn gekommen. Wenigstens erklärte sie ihren miserablen Zustand einigermaßen. Wenn auch nicht das Blut auf Kironas Kleidern... erst als des Mannes Blick an ihr haften blieb, fiel Jaro wieder ein, wie die Frau auf einen Fremden wirken musste. Doch der Alb war höflich genug, nicht danach zu fragen. "Ich bin Morond." Noch immer klammerte sich die kleine an sein Bein. "Ihr seid unweit eines breiten Pfades, der nach Rankenfels führt. Wir kommen von dort. Schon gut, Tinriel, ich glaube nicht, dass diese Leute gefährlich sind", flüsterte er dem Mädchen zu, die ihn mit großen Augen ansah. "So etwas sieht Papa sehr schnell." Jaro glaubte ihm aufs Wort. Morond wirkte freundlich und offen, aber er strahlte auch einer Sicherheit und Stärke aus, die nur jemand inne hat, der Erfahrung hat und sich zu verteidigen weiß. "Warum schließt ihr euch uns nicht an? Wir sammeln gerade Holz zum Kochen und Sinyah macht immer viel zu viel." Er lächelte und griff die Holzscheite neu. "Und nach einer kleinen Stärkung könnt ihr dann berichten, wieso ihr wirklich hier seid." Wieder blieb sein Blick an Kirona hängen.

Alaryah Schattenwind
Die Gemüter hatten sich zum Glück schnell wieder beruhigt und als die Sonne langsam am Himmel emporstieg fanden sich die drei Gefährten mitten im Lager der kleinen Albenfamilie wieder. Auf dem Weg dorthin hatten sie kaum geredet, nur hier und da ein paar Worte gewechselt. Die Familie hatten# einen stabilen Karren bei sich, unweit entfernt war das Pferd angebunden. Kirona konnte sich in einem schmalen Bachlauf zumindest etwas waschen, doch würde sie wohl ein dampfendes Bad brauchen um wieder komplett sauber zu sein. Morond hatte ihnen seine Frau Sinyah vorgestellt, bei ihr war der ältere Sohn Foranor. Während Sinyah die Gefährten freundlich begrüßt und sie nach dem Kochen mit einer Mahlzeit versorgt hatte, war Foranor den Neuankömmlingen gegenüber weniger aufgeschlossen. Er saß nicht mit dem Rest der Familie um die kleine Kochstelle herum, hockte auf dem Bock des Karrens und starrte Alaryah wieder und wieder über den Rand seiner Schale hinweg an. Sie bemerkte seine recht düsteren und abschätzenden Blicke, wollte sich aber nichts anmerken lassen. "Habt vielen Dank für das Essen.", sagte Alaryah schließlich, um sich selbst etwas abzulenken. "Ihr sagtet, dass ihr aus Rankenfels gekommen seid?", fragte Alaryah und sah zuerst Morond, dann seine Frau an. "Ja.", bestätigte er und deutete auf seinen Karren. "Wir haben dort ein paar Güter tauschen können und sind nun auf der Reise zurück in unseren Hain. Man kann sagen, dass wir eine kleine, aber dennoch erfolgreiche Händlerfamilie sind.". Er grinste, während Sinyah lächelnd die Augen verdrehte und abwinkte. "Wir haben ganz tolle Sachen bekommen! Die musst du dir ansehen!", platzte es aus Tinriel heraus, die daraufhin aufsprang und zu Alaryah herübereilte. "Looooos. Komm schon!". Sie zog am Ärmel der Albin und wippte aufgeregt hin und her. "Tinriel!", mahnte Morond, doch Alaryah lenkte schnell ein. "Schon gut, schon gut. Ich sehe mir deine Schätze gern an.". Langsam erhob sich Alaryah und stellte ihre Schale auf den Boden. Anschließend folgte sie der kichernden Tinriel, die bereits zum Heck des Karrens hüpfte.

Jaro Ballivòr
Nach all der Zeit, die Jaro nun schon im Waldreich verbracht hatte, versetzte ihn die Freundlichkeit der Alben aufs Neue in Staunen. Ohne weitere Fragen wurden sie zum Essen eingeladen und Moronds Frau hatte eine derart warme und großherzige Aura, dass Jaro sich augenblicklich besser fühlte. Das Mahl glich einem Festessen für seinen entkräfteten Körper und er zwang sich, nicht zu gierig zuzulangen, zum einen aus Höflichkeit, zum anderen, um nicht zu schnell wieder vor einem leeren Teller zu sitzen. Während ihn schließlich wohlige Ermattung ereilte, taute die kleine Tinriel so richtig auf. Besonders Alaryah hatte es ihr angetan und Jaro konnte nicht anders als zu lächeln über die aufgeregte Freude des kleinen Mädchens. Während die beiden zum Karren eilten, wandte sich Sinya an Jaro. "Du bist ein Lichtalb, nicht wahr? Oder gar ein Frostalb? Nein... da wäre es dir hier vermutlich zu warm..." Sie kicherte verlegen und sprach direkt weiter, sodass Jaro gar nicht dazu kam zu antworten. "Ich habe schon immer zu Morond gesagt, eines Tages müssen wir auch mal andere Alben besuchen. Immerhin sind wir doch alle fast die selben, oder? Du bist ja auch hier bei uns, das ist doch einfach wunderbar."
"Liebling", mahnte Morond. "Quassel den armen Jungen doch nicht so zu, er hat ja kaum Zeit Luft zu holen." Gespielt mitleidig sah er Jaro an und zwinkerte. "Frauen..."
"Schon gut", sagte Jaro und tatsächlich war es angenehm einer unbeschwerten Stimme zu lauschen nach allem, was sie zuletzt erlebt hatten. "Ich bin aus Avinar und ich habe auch Alaryah und Kirona schon angeboten, mich einmal zu besuchen. Es ist ganz anders als hier, aber doch auch sehr schön." Sinyahs aufmerksame Augen fixierten ihn eindringlich. "Oh, erzähl uns davon! Unbedingt. Und du auch, Kirona, von wo stammst du?" Jaro und Kirona blickten sich an, um zu entscheiden, wer zuerst sprechen sollte, doch plötzlich unterbrach Tinriels helle Stimme das noch nicht gestartete Gespräch. Sie klang nun nicht länger freudig, sondern ärgerlich und blitzschnell fuhren die Köpfe der beiden Eltern herum.

Alaryah Schattenwind
Tinriel zog die schwere Plane etwas zur Seite und schlüpfte in das Innere des Karrens. Alaryah wartete davor, während Tinriel munter weiterplappernd herumpolterte. Gerade, als Alaryah ebenfalls die Plane etwas zur Seite schieben wollte um nach der kleinen zu sehen stellte sich ihr plötzlich Foranor in den Weg. Er verschränkte die Arme vor der Brust und sah auf die kleine Albin hinab. Foranor war zwar jünger als Alaryah, dennoch fast einen Kopf größer. "Was habt ihr wirklich getrieben?", fragte er erstaunlich kalt. Alaryah zog eine Augenbraue hoch und begegnete den Blicken des Alben nun mit fester Entschlossenheit. "Ihr habt euch also verirrt, ja?". Morond hatte dieses Detail bei der Vorstellung erwähnt, so nickte Alaryah nur. "Ich glaube euch kein Wort.". "Nun, dann ist das wohl einfach so?". Alaryah, die gerade noch gut gelaunt und dankbar ob der Ablenkung durch Tinriel war, hatte nun einfach keine Lust sich mit diesem Jüngling auseinanderzusetzen. Tinriel steckte den Kopf unter der Plane hervor und kletterte anschließend mit mehreren kleinen Gegenständen wieder von dem Karren herunter. "Hier, sieh doch nur!". Voller Stolz reckte sie Alaryah eine Puppe entgegen. "Die habe ich gestern von Mama bekommen. Oder war es vorgestern?". "Ihr seid doch ein Waldläufer. Einfache Wanderer haben nicht solch eine Ausrüstung wie ihr. Waldläufer verirren sich niemals.". Alaryah sah zwischen Tinriel und ihrem Bruder hin und her. "Ich bin hier niemandem Rechenschaft schuldig?". Alaryah schüttelte den Kopf und kniete sich zu Tinriel hinunter. "Sie ist wirklich wunderschön. Fast so eine Prinzessin wie du, hm?", sagte Alaryah zu Tinriel, die ihr die Puppe in die Hand gedrückt hatte und nun verlegen kicherte. Alaryah hatte sich vorgenommen Foranor nicht weiter zu beachten. "Ihr zieht mit Fremden durch das Waldreich. Eine Frau voller Blut ist bei Euch? Wer sind die in Wirklichkeit?". Alaryah bemühte sich nicht weiter auf den Alben zu hören, zog immer wieder Tinriels Aufmerksamkeit auf sich und lenkte sie von ihrem Bruder ab. "Ich würde aber sagen, dass du gut auf die kleine Prinzessin aufpassen musst, oder? Ich meine sieh nur, sie ist ja noch kleiner als du und braucht vielleicht Hilfe in der Welt von uns großen, was meinst du?". Tinriel nickte eifrig. "Jaaah!", bestätigte sie, nahm die Puppe wieder an sich und drückte sie fest. "Wir können ja beide auf sie aufpassen!", schlug sie Alaryah daraufhin vor, diese lächelte nur und stubste Tinriel leicht in den Bauch. Gerade, als sie noch etwas sagen wollte, schoss ein Satz von Foranor durch ihren Kopf. Hatte er da gerade wirklich "Beschützen? Wahrscheinlich konntet ihr nicht einmal eure Sippe beschützen und wurdet deshalb verstoßen und zieht jetzt mit seltsamen Gestalten umher." gesagt? Alaryah sprang auf, Tinriel wich erschrocken zurück. Die kleine Albin drehte sich zu Foranor um, ging auf ihn zu. Er versuchte selbstsicher zu wirken und wollte Stärke ausstrahlen, doch es gelang ihm eher mittelprächtig. "Wagt es nicht solche Worte erneut auszusprechen.", zischte Alaryah zwischen ihren Zähnen hindurch und funkelte den Alben von unten her an. Sie hätte ihm am liebsten eine Lektion erteilt, doch war da immer noch Tinriel. Diese jedoch drängte sich zwischen die beiden und stellte sich vor Alaryah. "Sei nicht immer so gemein!", schrie die kleine nun und verzog grimmig den Mund. "Alaryah hat dir gar nichts getan! Immer bist du nur frech!". Wütend pustete sich Tinriel eine Haarsträhne aus dem Gesicht, während sie ihre kleinen Hände zu Fäusten geballt hatte. "Tinriel, lass uns zurück zu den anderen gehen.", meinte Alaryah beruhigend und schob die kleine von ihrem Bruder weg. "Aber er hat doch angefangen!", protestierte sie noch, folgte dann aber brav. "Das nächste Mal kommst du mir nicht einfach so davon.", flüsterte Alaryah Foranor noch einmal zu, den sie dann beim Karren stehenließen.

Jaro Ballivòr
"Tinriel! Foranir!", rief Morond bestimmt. "Was soll das? Verhält man sich so vor Gästen?"
"Er war gemein zu Alaryah!", beharrte Tinriel trotzig. Foranir folgte den beiden zur Essstelle und Jaro nahm ihn überhaupt das erste Mal wahr.
"Ich finde es eben nicht gut, wenn wir merkwürdige Fremde mit offenen Armen in unserer Mitte willkommen heißen. Eine bewaffnet, eine voll Blut und ein arroganter Weißling..."
"Foranir!" Morond hob den Zeigefinger. "Noch ein Wort und du kannst den restlichen Weg zu Fuß gehen! Wo sind deine Manieren?"
"Jeder weiß doch, dass sie sich für etwas Besseres halten", sein zorniger Blick blieb an Jaro hängen, der automatisch die Schultern anspannte. "Und die da erdrosselt uns wahrscheinlich im Schlaf." Kirona schluckte betreten. "Und du", erneut wandte er sich an Alaryah, doch was auch immer er sagen wollte, kam nicht über seine Lippen. Morond war aufgestanden und hatte ihm eine schallende Ohrfreige verpasst. "Junge, reiß dich am Riemen, ehe ich mich vergesse. Kein Wunder, dass Lasyr meinte, du bist nicht bereit für die Waldläuferausbildung."
"Aber Vater, interessiert es dich denn gar nicht, wer sie sind und was sie hier machen?" Röte stieg ihm ins Gesicht. Seines Vaters Worte waren ihm offenbar peinlich.
"Natürlich tut es das, doch das werden sie uns schon sagen, wenn sie der Meinung sind, dass wir es wissen sollten."
"Und uns zuvor nicht umgebracht haben."
"Wieso musst du deiner Schwester unnötig Angst machen? Glaub mir, ich erkenne einen kaltblütigen Mörder, wenn ich ihn vor mir habe und diese drei sind keine." Jaro entging nicht, dass seinen Worten zum Trotz sein Blick wieder kurz zu Kirona blitzte.
"Und was, wenn du dich täuscht?"
"Ich täusche mich nie. Und jetzt entschuldige dich!" Er ließ seinen Sohn los und sah ihn erwartungsvoll an, doch Foranir spuckte nur auf den Boden, machte auf dem Absatz kehrt und rannte in den Wald.
"Ach... was machen wir nur mit ihm?", seufzte Sinyah. "Es tut mir furchtbar leid, ihr Lieben."
"Er ist in einem schwierigen Alter. Noch dazu die Absage für die Ausbildung... es ist sein Traum, wisst ihr. Ein Waldläufer zu werden." Mit einem schwachen Lächeln sah er Alaryah an.

Alaryah Schattenwind
Alaryah mischte sich nicht weiter in das Gespräch ein. Die Standpauke hatte gesessen. Tinriel verstand nicht ganz, was geredet wurde und verfolgte eingeschüchtert die Szenerie. Kurz erhaschte Alaryah die Aufmerksamkeit der kleinen und zeigte, kaum für die anderen sichtbar, auf die Puppe in Tinriels Arm. Diese erinnerte sich an das Versprechen aufzupassen, drückte die Puppe wieder fest an sich und tätschelte ihren Kopf.
Als Alaryah mitbekam, dass Foranir Waldläufer werden wollte, wurde sie hellhörig.
"Schon gut, Sinyah, wirklich. Es ist ja nichts passiert.". <Was auch sein Glück war.>, dachte Alaryah den Satz in Gedanken weiter. "Verzeiht, ihr hättet das nicht sehen sollen.", meinte nun auch Morond und schüttelte ratlos den Kopf. "Ich denke die Situation ist nun erst einmal geklärt, oder?". Alaryah sah sich nach ihren Gefährten um, die scheinbar allgemeine Zustimmung bekundeten. "Wollen wir uns nicht weiter damit befassen und diesen Streit einfach vergessen.", stimmte Kirona schließlich zu. Sie schien durch die Worte doch etwas verletzt, verbarg es aber erstaunlich gut. "Wir sollten euch auch nicht zu lang zur Last fallen.", meinte Alaryah schließlich. "Wir müssen bald weiterziehen, es geht Richtung Norden.". Morond nickte verständnisvoll. "Keine Sorge, ihr seid keine Last für uns.", widersprach Sinyah. "Ich denke es ist leichter, wenn ihr ein Stück weit mit uns reist.", stellte Morond fest. "Natürlich könnt ihr euch durch das Unterholz schlagen, doch mit dem Karren sind wir schneller. Die Straßen hier sind gut und obwohl es ein kleiner Umweg ist solltet ihr schneller auf dem Pfad nach Norden ankommen. Ihr wollt doch bestimmt die alte Reiseroute nehmen, vorbei an den Güldenen Lichtungen? Dann weiter über die Kieferbrücke?". Jaro und Kirona hatten keine Antwort auf diese Fragen, doch Alaryah nickte. "Genau das ist unser Weg. Aber Morond, ich würde gern noch ein paar Worte mit meinen Gefährten wechseln.". Der Alb nickte. "Nehmt euch alle Zeit die ihr braucht, wir reisen nicht so schnell ab.". Während er mit Hilfe seiner Frau begann das Lager abzubrechen nahm Alaryah Jaro und Kirona ein paar Schritte mit sich. Tinriel wollte folgen, doch Moronds "Tinriel?!" ließ sie etwas abseits anhalten.
"Wie geht es euch, habt ihr euch etwas erholen können?", fragte Alaryah in die Runde als sie allein waren. Vorher hatte sie sich nicht wirklich nach dem Wohlergehen ihrer Gefährten erkundigt, das musste schleunigst nachgeholt werden. "Ich wollte das Angebot nicht einfach annehmen ohne mit euch gesprochen zu haben. Wir sollten vielleicht eine Tagesreise bei ihnen bleiben, doch dann auf eigene Faust weiterziehen.". Alaryah machte eine kurze Pause. "Falls uns weiterhin Gefahr droht dürfen wir sie da nicht mit hineinziehen.", erklärte sie. Das wünschte sich wohl niemand. "Also, wie seht ihr das? Ich glaube eine Reise per Karren tut uns ganz gut und Morond hat Recht. Wir kommen so wirklich schneller voran..."

Jaro Ballivòr
Jaro und Kirona nickten. Das Mahl hatte ihre Lebensgeister erweckt. Außerdem fühlte sich Jaro merkwürdig wohl in Gegenwart der Familie, von dem trotzigen Sohn vielleicht einmal abgesehen. Als Alaryah vorschlug, einen Tag zu bleiben, war er deshalb auch schon versucht, um eine längere Dauer zu bitten, doch die Waldalbin kam ihm zuvor und natürlich hatte sie Recht. Sie durften der kleinen Familie keine Feinde auf den Hals hetzen. "Ja, das ist gut", sagte Jaro leise. "Noch ist unsere Spur vielleicht verwischt und ein weiterer Tag Erholung kann nicht schaden." Kirona nickte. "Sollten wir Morond beichten, dass wir verfolgt werden?", fragte Jaro, doch sie entschieden, dass das im Augenblick nur unnötige Unruhe hinein bringen würde. "Manchmal reist man sicherer, wenn man nicht weiß, das man in Gefahr schwebt", murmelte Kirona und Jaro sah sie erstaunt an. Nachdem sie so lange in Trance gewesen war, kam es ihm merkwürdig vor, sie wieder normal sprechen zu hören. Bislang hatte sie noch kein Wort über die Zeit verloren, die sie nicht Herrin über sich selbst gewesen war und Jaro traute sich auch nicht zu fragen. Ob sie sich erinnerte?
Im Hintergrund sah Jaro Tinriel ungeduldig von einem Fuß auf den anderen wippen, im Versuch den Hals so hoch zu recken, wie es nur ging. Morond beobachtete seine Tochter streng, aber mit Liebe im Blick.
"Ich glaube, da hat jemand einen Narren an dir gefressen, Alaryah", sagte Kirona schmunzelnd und als die Waldlabin sich umdrehte, kicherte das kleine Kind verschüchtert und hob die Puppe vor ihr Gesicht.

Alaryah Schattenwind
Es war also beschlossene Sache. Sie würden ein kurzes Stück weg mit der Familie gemeinsam reisen. Kirona wies Alaryah auf Klein-Tinriel hin, die immer noch dort vorn wartete. "Los, lasst uns beim Abbau des Lagers helfen.", schlug Alaryah vor und machte sich mit ihren Gefährten auf den Weg zurück zum Lagerplatz, natürlich mit Tinriel im Schlepptau. Die Details waren schnell geklärt und sowohl Morond, als auch Sinyah freuten sich über den Entschluss der kleinen Reisegruppe, Tiniriels Reaktion war natürlich überaus vorhersehbar.
Gemeinsam hatten sie bald alles Gepäck verstaut und waren bereit zur Weiterreise. "Morond, wollt ihr nicht noch auf euren Sohn warten?", fragte Kirona während Jaro und Alaryah auf dem Karren Platz nahmen. "Ach, er wird uns schon finden.", winkte der Alb ab und nahm die Zügel in die Hand. "Wahrscheinlich beobachtet er uns gerade aus irgendeinem Gebüsch heraus oder so.". Der Alb schnalzte mit der Zunge und der Karren setzte sich polternd in Bewegung.
Die Fahrt tat den Gefährten gut. Es war die richtige Entscheidung gewesen das Angebot anzunehmen, denn so konnten sie ihre müden Knochen noch etwas weiter schonen. Die allgemeine Stimmung während der Reise war gut, doch gefiel es Alaryah nicht wirklich Foranir zurückgelassen zu haben. Die kleine Albin konnte sich jedoch nicht wirklich lange auf diesen Gedanken konzentrieren, viel zu oft musste sie sich mit Tinriel beschäftigen. Diese fing nun langsam auch an Jaro und Kirona mit in ihre kleine Welt einzubeziehen. Während Morond den Karren weiter die Straße entlang lenkte schaute er immer wieder auf die Ladefläche, lächelte dann Sinyah an. Alaryah war sich sicher, dass auch die beiden die Gesellschaft der Gefährten genossen...und sie erfreuten sich daran, dass ihre Tochter so viel Spaß mit ihnen hatte.
Bald wurde es Nachmittag und ein Rastplatz war recht schnell gefunden. Der Karren wurde neben einer großen, majestätischen Weide abgestellt und bald schon knisterte erneut ein kleines Kochfeuer unter einem Kessel, in den Sinyah die ersten Zutaten für eine Mahlzeit warf. "Habe ich es nicht geasgt?!", fragte Morond laut und stand auf. "Da bist du ja wieder!". Die Gruppe sah in die Richtung, in die der Alb gesprochen hatte. Tatsächlich trat Foranier aus dem Unterholz hervor. "Ich wusste doch, dass du uns findest.", fügte Morond hinzu. Foranir nickte nur.

Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

Verfasst: Di 17. Apr 2018, 10:41
von Jaro Ballivòr
Jaro Ballivòr
Ohne ein Wort zu sagen, ließ sich Foranir in ihrem lockeren Kreis neben seiner Mutter nieder. Sinyah strich ihm kurz durch das Haar und er ließ es geschehen. Mit Sicherheit gab es solche Situationen öfter, dachte Jaro, ein bockiger heranwachsender und geduldige Eltern, die ihm den nötigen Freiraum ließen, Dampf abzulassen und selber zu entscheiden, wann die Zeit für eine Wiedervereinigung gekommen war. Ganz so, wie es bei ihm gewesen war, wenn auch ohne heftige Streits wie diesen. "Junger Mann", fuhr Morond fort, "ich glaube, du wolltest dich noch bei unseren Gästen entschuldigen." Foranir blickte nach unten auf seine Hände. "Schuldigung", murmelte er halbherzig und rupfte einzelne Grashalme aus der Erde. "Das geht aber besser, mein Freund", beharrte Morond, doch ein Lächeln nahm die Schärfe aus seinen Worten. "Es tut mir leid." Noch immer sah Foranir nicht auf, doch seine Worte waren lauter. Obwohl Jaro zweifelte, dass er es auch so meinte und sicher war, dass Morond dies ebenfalls wusste, gab sich der Alb damit zufrieden. Die Stimmung war trotz allem weiter angespannt, was vor allem daran lag, dass Tinriel ihren Bruder finster anstarrte. Sie saß im Schneidersitz vor Alaryah, mit der sie zuvor gespielt hatte und war sofort zu Eis erstarrt, als Foranir das Geschehen betreten hatte. Eine Weile wagte niemand etwas zu sagen und alle schauten Sinyah leicht abwesend beim Kochen zu, jeder offenbar in seine eigenen Gedanken vertieft. "So", setzte Morond schließlich an, "morgen verlasst ihr uns dann also. Habt ihr im Norden schon ein schönes Ziel vor Augen, wenn ich Fragen darf?"

Alaryah Schattenwind
Alaryah hatte die halbherzige Entschuldigung mit einem knappen Nicken entgegen genommen. Sie hatte mit Tinriel noch etwas gespielt, doch dieser Moment hatte einen Dämpfer bekommen. Die kleine Albin schaute Foranir grimmig an und krabbelte schließlich ein Stück weg, ließ Alaryah einfach sitzen. Die anschließende, bedrückende Stille gefiel Alaryah überhaupt nicht. Sie rang eine Zeit lang mit sich, war nicht sicher, ob sie etwas sagen sollte. Was hätte sie auch zur allgemeinen Aufheiterung beitragen können? Langsam drifteten ihre Gedanken wieder zurück zu den unterirdischen Hallen...Da unterbrach Morond plötzlich das Schweigen und Alaryah war darüber äußerst dankbar.
"Ein Ziel? Oh, ja, natürlich.", begann Alaryah und beschrieb kurz ihre weiteren Wegpunkte. "Zumindest ist das die grobe Route.". Die Albin machte eine kurze Pause. "Natürlich kann sich unser Weg noch ändern.", fügte sie an. Sinyah hatte noch ein paar Zutaten von dem Karren geholt, kam nun aber wieder zur Gruppe zurück. Alaryah warf Tinriel einen aufmunternden Blick zu, doch diese schien weiterhin grummelig zu sein. "Werdet ihr auf euren Reisen länger bei den Waldläuferposten bleiben?", fragte Morond schließlich weiter. "Bei den Posten?", gab Alaryah zurück und sammelte ihre Gedanken wieder. Tatsächlich hatte sie, wahrscheinlich eher unbewusst, zwei oder drei Posten auf ihrer weiteren Reise erwähnt und hervorgehoben. "Nun, je nachdem zu welcher Tageszeit wir dort ankommen wird unser Aufenthalt sich möglicherweise über die Nacht ziehen. In der Dunkelheit kommt man nicht immer schnell voran und eine Rast tut immer wieder gut.". Morond nickte. "Vor allem hinter den sicheren Grenzen der Waldläufer, nicht wahr? Sagt, wie schafft ihr es eigentlich nicht in der Dunkelheit von ihnen niedergestreckt zu werden?". Ohne den Kopf zu bewegen schaute Alaryah nun Morond direkt an. Sie zog eine Augenbraue hoch, war etwas verwundert über diese Frage. "Morond...", meldete sich Sinyah zu Wort und legte mit einem sanften Lächeln den Kopf schief, deutete dabei kaum merkbar auf Tinriel. "Das ist doch kein Gesprächsthema für ein Essen.". Alaryah zuckte etwas zusammen, als Kirona sie mit einer Schale anstubste. Dankend nahm die Albin die Schale mit dem dampfenden Eintopf entgegen und probierte. Irgendwie fühlte sie sich, als hätte sie zu viel geplappert, aber wahrscheinlich kamen diese Gedanken nur von der Zeit unter der Erde. Sie war sich sicher, dass ihnen allen eine ruhige Auszeit nicht schaden würde...

Jaro Ballivòr
Jaro teilte Moronds Interesse an den Wachposten. Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit, dass sie an dem letzten Stützpunkt gewesen waren und doch erinnerte er sich noch genau an die schwebenden Holzhütten und das magische Spiel der Lichter bei Nacht. Auch Kirona schien sich daran zu erinnern, jedoch weniger positiv, denn sie zuckte ein wenig zusammen. Jaro hielt in Gedanken inne. Konnte sie sich wirklich erinnern, war es eine instinktive Reaktion oder bildete er sich alles nur ein? Er verwarf den Gedanken und sah wieder zu Alaryah. Die Freude darüber, vielleicht noch einmal einen solchen Posten aufzusuchen, überwog. Möglicherweise konnte ihm dann auch jemand zeigen, wie man richtig mit Pfeil und Bogen umging... diesen Wunsch hatte er trotz der aufwühlenden Erlebnisse nicht vergessen. Sinyah hatte das Gespräch mittlerweile unterbrochen und begonnen, dampfende Schüsseln zu verteilen. Es duftete wunderbar. Umso verwunderlicher erschien es Jaro, dass die Albin selber nichts aß. Sie hatte ihre eigene Schüssel zwar ebenfalls gefüllt, doch diese stand nun unberührt neben ihr auf dem Boden. Zögerlich nahm Jaro ein, zwei Löffel. Er blickte sich um. Morond und Foranir aßen mit gesundem Appetit. Es war wohl in Ordnung trotzdem zu beginnen. Ebenso wie Alaryah, sah er trotzdem hin und wieder zu der schmollenden Tinriel, doch er sagte nichts, wollte sich nicht in die Familienangelegenheiten einmischen. In diesem Moment erhob sich Sinyah ruckartig, sodass sie alle ein wenig zusammen zuckten. "Tinriel Baby, jetzt ist es aber Zeit! Auch du musst etwas essen." Jaro bemerkte einen schärferen Ton in der Stimme. Offenbar hatte das Mädchen eine Schwelle des Gehorsams überschritten. "Nein!", brüllte die Kleine laut und nun erschrak Jaro endgültig. "Will nicht!" Wenn sie zuvor schon zornig war, schäumte sie nun vor Wut. "Madame, keine Widerrede." Sinyah überbrückte die kurze Distanz und hob das widerspenstige Mädchen hoch. "Wenn du hier nicht essen willst, gehen wir zum Karren!" Tinriel tobte noch immer, doch Sinyah schien einen eisernen Griff zu haben. Leicht beschämt sah Jaro weg. Das war nun schon der zweite Streit, den sie bezeugten und der sie nichts anging. Schließlich wurde das Geschrei leiser. "Entschuldigt die Frauen", sagte Morond. "So sind sie manchmal, nicht Foranir?" Der Junge hatte nur Augen für seine Schüssel. "Sooo", fuhr Morond unbeirrt fort. "Nun aber zurück. Die Waldläufer... sie interessieren mich schon so lange und vor allem seit", er blickte kurz zu seinem Sohn und flüsterte dann: "seit Foranir sich um eine Ausbildung bemüht. Wie macht ihr das auf der Wache? Ich meine, nachts ist doch alles finster! Wie soll man da Freund von Feind unterscheiden?" Er lachte auf.

Alaryah Schattenwind
Einen Moment lang starrte Alaryah Sinyah hinterher. Tinriel strampelte und zeterte mit leicht rotem Kopf, doch konnte sie sich natürlich nicht dem festen und sicheren Griff ihrer Mutter entziehen. Die Proteste wurden leiser.
Alaryah war etwas erstaunt, dass Morond so schnell wieder auf das eigentliche Gespräch zurückkam. "Naja, wie ihr sicherlich schon gehört habt, so haben wir allesamt enorm gute Augen, besser gesagt äußerst geschärfte Sinne.", erklärte Alaryah weiter. "Das liegt alles nur an eurem Training?", fragte Morond und lehnte sich interessiert nach vorn. "Wie sieht denn solch ein Training aus?". Noch bevor Alaryah etwas sagen konnte blickte Morond zu seinem Sohn hinüber. "Was glaubst du, Foranir, das kann doch nicht einfach nur Training sein?". Foranir unterbrach sein Mahl, hob langsam den Kopf von seiner Schüssel empor und schaute Alaryah direkt in die Augen. Ganz sachte schüttelte er den Kopf. "Nein.", murmelte er. "Nicht einfach nur Training.". Alaryah löste ihren Blick von Foranir, der irgendwann endlich wieder den Kopf senkte und sein Mahl fortsetzte. "Was...ehm...was denkt ihr denn, was wir sonst noch tun?", fragte Alaryah schließlich und sah sich hilfesuchend nach ihren Gefährten um. Sie mochte diese Aufmerksamkeit, die gerade auf ihr zu ruhen schien, ebensowenig wie die vorangegangene Stille. Unsicher rutschte die Albin auf ihrem Platz hin und her. "Jedenfalls kann ich euch nicht alle Einzelheiten über die Trainingseinheiten sagen.", fuhr Alaryah schließlich fort. "Das würde einfach zu lange dauern.", erklärte sie und dachte kurz nach. "Es ist ein langer Weg, bis man mit der Ausbildung fertig ist. Ein Punkt ist eben, dass man sich in der Finsternis auf alle seine Sinne verlässt und...". Morond seufzte. "Ich verstehe schon.", unterbrach er Alaryah. "Ihr könnt es nicht sagen, verzeiht.". "Morond, so versteht doch, ich..." Alaryah verstummte, als der Alb einfach nur die Hand hob. "Schon gut.". "Nein, Vater. Lasst sie weitersprechen.", mischte sich nun plötzlich Foranir ein. Langsam verlor Alaryah den Anschluss. "Ich ehm...". Sie wusste nicht so recht weiter. "Bitte, fahrt doch fort.", sagte Foranir mit schon fast blumiger Stimme. Alaryahs Kiefermuskeln begannen sich zu spannen, sie biss die Zähne aufeinander. Wollte der junge Alb sie verhöhnen? "Lasst...lasst uns doch über etwas anderes reden.", hörte Alaryah sich selbst sagen und hoffte, dass ihre Worte Anklang fanden.

Jaro Ballivòr
Kirona und Jaro wechselten einen Blick, während Alaryah regelrecht ins Verhör genommen wurde. Bislang hatte sich Jaro nichts dabei gedacht, immerhin fand er das Thema ebenso interessant wie Morond und sein Sohn, doch etwas in Kironas Augen stimmte ihn nachdenklich. Die Situation war merkwürdig und nun suchte auch Alaryah Blickkontakt. Jaro schluckte. Er wusste nicht, was er beitragen sollte. Morond beendete seine Fragerei und glich wieder dem höflichen Alben, der er zuvor gewesen war, doch nun löste Foranir ihn ab. Kirona rettete sie alle aus der misslichen Lage, denn urplötzlich ergriff sie das Wort. Nicht zum ersten Mal staunte Jaro darüber. "Wie lange möchstest du denn schon Waldläufer werden?" Sie lächelte dem Jungen aufmunternd zu, doch als dessen Blick herumfuhr, sah Jaro kurz Wut darin. Sie verschwand ebenso schnell wie sie gekommen war und wurde durch das Lächeln ersetzt, das, wenn Jaro ehrlich war, noch viel weniger zu ihm passte. "Seit ich gehört habe, dass es Eindringlinge im Waldreich gibt." Er sprach weiter sanft, doch sein Blick lag starr auf Kirona. "Foranir", meldete sich nun wieder Morond zu Wort und vollführte eine beschwichtigende Geste mit der Hand. "Nein, ich meine keine Besucher wie euch. Ich meine Räuber und Bösewichte, die dem Wald schaden und unsere Schätze rauben wollen. Habt ihr nichts davon gehört?" Er sah von Kirona zu Alaryah und auch zu Jaro. Was sollte er antworten? Der Junge erschien ihm merkwürdig. Gestern Abend war er noch furchtbar feindselig gewesen und nun hatte die Begeisterung für dieses Thema ihn in seiner Gewalt und warf ihn zwischen den Emotionen hin und her. "Doch, schon", sagte Jaro schließlich, denn er wollte auch etwas beitragen und nicht die gesamte Last auf Alaryahs Schultern abladen. "In Rankenfels sprachen manche davon, dass hie und da Bäume gefällt und das Erdreich umgegraben worden ist." Eine schwache Lüge und er wusste es... aber wie viel durfte er diesen Leuten anvertrauen? Zu viel Wissen konnte die junge Familie unnötig in Gefahr bringen. "Bitte sagt es mir. Es ist so aufregend." Foranir hatte die Lüge natürlich sofort entlarvt, doch wie er darauf reagierte, ließ Jaro misstrauisch die Augen zusammen kneifen. "Ich meine, immerhin wart ihr doch nicht umsonst, in einem derart miserablen Zustand, als wir euch gestern fanden, oder?" Morond grinste breit. "Flieht ihr vor etwas? Oder jagt ihr es? Möglicherweise können wir helfen!" Foranirs Augen weiteten sich. "Oh ja! Wir können helfen!" Von hinten drang plötzlich Sinyahs Stimme heran, so sanft, wie vor ihrer Zurechtweisung der kleinen Tinriel. "Das können wir wirklich. Wir haben einen schnellen Karren, kennen diesen Teil des Waldes. Vielleicht haben wir gar etwas gesehen, das euch hilft?" Kirona, Alaryah und Jaro sahen von einem zum andern, suchten dann wieder gegenseitig die Blicke, höchst verwirrt.

Alaryah Schattenwind
Dieses hin und her der Emotionen brachte Alaryah etwas durcheinander. Sie hatte schon befürchtet, dass ihre vergangene Reise irgendwann zum Thema werden könnte. Die plötzlichen Hilfsangebote der Familie stimmten Alaryah misstrauisch. "Ihr habt Recht.", begann die Albin und behielt sicherheitshalber alle Familienmitglieder im Blick. "Wir sind nicht zufällig so erschöpft und aufgerieben gewesen.". Wieder hafteten die Blicke auf ihr. "Ich bin auf einem Botengang.", begann Alaryah und versuchte dabei so selbstsicher zu sein wie es gerade nur ging. Wirklich gelogen hatte sie noch nicht einmal. "Wir haben uns eher zufällig getroffen, Jaro und ich.", sprach Alaryah weiter und sah dabei nicht einmal zu ihren Gefährten herüber. "Kirona hat sich auf ihrer Durchreise verirrt. Bevor wir uns trafen...", Alaryah deutete in die Runde, "...habe auch ich uns auf eine falsche Fährte geführt. Zu lang war die Reise durch das Unterholz, zu knapp der Proviant und die eingeplante Zeit.". Alaryah fühlte, wie sie sich gerade um Kopf und Kragen reden mochte. "Wir sind euch dankbar für all die Hilfe, die ihr uns bisher habt zukommen lassen. Gerne nehmen wir auch das Angebot an, dass ihr uns auf der Weiterreise ein Stück mitnehmt. Ich muss Richtung Norden, werde Jaro dort in die Obhut der Waldläufer geben. Kirona geleite ich, nach der Überbringung meiner Botschaft, wieder hinaus aus dem Waldreich.". Schweigen. "Natürlich werde ich ein gutes Wort für Euch...naja, euren Sohn einlegen.". Alaryah hoffte, dass ihr recht spontan aufgebautes Konstrukt aus Geschichte und gestreckter Wirklichkeit gut genug war. Scheinbar reichte es um weiteren Fragen zu entgehen. "Nundenn!", sagte Morond schließlich mit fester Stimme, klopfte sich auf die Oberschenkel und stand auf. "Dann sollten wir keine Zeit mehr vergeuden!". Bewegung kam in die Familie. "So lasst uns weiterziehen. Wir werden eins eurer Ziele auf jeden Fall vor Einbruch der Nacht erreichen.". Sinyah nickte eifrig. "Ja, werden wir. Foranir, spann schon mal den Karren an!". Ohne auch nur ein Wort zu erwidern stand der junge Alb auf und eilte in Richtung Karren. "Was ist hier plötzlich los?", fragte Alaryah, als man sie mit ihren Gefährten allein gelassen hatte. "Findet ihr das Verhalten von ihnen nicht auch etwas...nunja, sonderbar?". Alaryah beobachtete das Geschehen für ein paar sekunden. "Ich hoffe, dass die Geschichte sie zumindest etwas überzeugen konnte..."

Jaro Ballivòr
"Ja", flüsterte Kirona. "Sie sind so... eifrig. Überdreht. Findest du nicht auch, Jaro?" Er nickte. "Das stimmt und auch etwas hektisch. Ich habe schon überlegt, ob sie versuchen, ihr Gestreite zu überspielen, ihr wisst schon, als wäre es ihnen peinlich?" Kurz wägten Alaryah und Kirona seine Worte ab. "Hm", machte Alaryah und Kirona flüsterte: "Mir kommt es eher vor, als wären sie berauscht." Im Hintergrund werkelte die Familie am Karren herum und auch Tinriel hatte ihren Ärger vergessen und spielte friedlich mit der Puppe. "Aber wir hätten doch gemerkt, wenn sie etwas genommen hätten." Jaro blickte zu dem Kessel. "Oder wir würden es ebenfalls spüren." Kirona zuckte mit den Schultern. Wenn sie noch weitere Gedanken dazu hatte, ließ sie sie nicht teilhaben. Kurz darauf näherte sich Tinriel. "Ihr bleibt noch?" Ihre Worte waren freudig, doch sie lächelte nicht und Jaro fiel auf, dass sie ihre Puppe am Kopf festhielt. Er wusste nicht warum, doch irgendwie erschien ihm das merkwürdig. "Das ist super! Ich möchte Alaryah doch noch mein anderes Kleid zeigen!" Die Waldalbin lächelte, doch Jaro sah, dass es hinter ihrer Stirn arbeitete. "Gerne, meine Kleine", sagte sie leise. Morond und Foranir brachten derweil ein paar Ketten, bauten den Kessel ab und trugen ihn mit deren Hilfe zum Wagen. "Gleich sind wir so weit!", rief Morond zu ihnen hinüber. "Wenn ihr möchtet, steigt gerne schon auf!" "Wir können auch noch bei etwas helfen!", schlug Jaro vor, doch der Alb schüttelte nur den Kopf. "Wir wollen doch unseren Teil beitragen, dass eure Reise den gewünschten Ausgang nimmt. Das gehört dazu." Und so saßen die drei etwas betreten da, bis endlich alles verstaut und verschnürt war und sie allesamt die dunkler werdende Straße entlang ratterten. Morond saß mit Foranir vorne und wieß ihn offenbar an, wie der Karren zu steuern sei und wie er sich in der Nacht orientieren konnte. Tinriel lag schon recht schläfrig in eine Decke eingehüllt bei ihnen, den Kopf auf Alaryahs Schoß gebettet. Von Zeit zu Zeit vielen ihr die Augen zu, doch sie kämpfte beharrlich gegen den Schlaf, wie aus Furcht sie könnte etwas verpassen. Noch war es mild und sie hatten die Planen geöffnet, um die laue Abendluft zu genießen. Deshalb sah Jaro ihn mit seinen scharfen Augen schon von weitem. Er stupste Kirona an, die ihm an nähesten saß. Alaryah hatte ihn ebenfalls bereits erspäht. Jemand kam ihnen entgegen. Sie tauschten fragende Blicke. Falls Sinyah dies merkte, so war sie höflich genug nichts zu sagen. Stück für Stück näherten sie sich einander und schließlich erkannte ihn Jaro. Linor. Nervös blickte er zu Alaryah. Das letzte Aufeinandertreffen der beiden war heikel ausgegangen, doch falls die Waldalbin dies noch beschäftigte, ließ sie sich nichts anmerken. Der Sänger war stehen geblieben. Als sie ihn passierten, breitete sich das strahlende und einnehmende Lächeln auf seinem Gesicht aus, mit dem er all die Frauen im Publikum schon verzaubert hatte. Er sagte nichts, doch er vollführte die Verbeugung eines Gentlemans und zwinkerte Alaryah zu. Quälend langsam stotterte der Wagen an ihm vorbei und er folgte ihnen mit den Augen, noch immer grinsend. Erst, als er sogar für Jaros Augen fast zu fern war, um Genaueres zu erkennen, setzte er seinen Weg fort.

Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

Verfasst: Mo 23. Apr 2018, 23:28
von Alaryah Schattenwind
Irgendwann merkte Alaryah schon gar nicht mehr, dass sie sanft Tinriels Kopf streichelte. Das Albenkind döste dabei immer wieder weg, zuckte dann jedoch ständig mit einem schwachen Aufflackern von letzter Energie zusammen. Allerdings konnte Tinriel schließlich nicht mehr gegen die Müdigkeit ankämpfen und letztendlich fielen ihr die Äuglein zu. Alaryahs Blick wanderte nun recht ziellos umher, ihr kam das Verhalten der Familie weiterhin seltsam vor. Sie sagte aber nichts weiter dazu...vorerst. Vielleicht würde sich ja sogar alles von selbst klären oder sie reagierten alle nur etwas zu empfindlich?
Dann erblickte die Albin eine Gestalt, auch Jaro und Kirona hatten sie bemerkt. Instinktiv hatte Alaryah das Bedürfnis sich zu verteidigen, doch behielt sie die Kontrolle über ihren Körper und blieb einfach sitzen. Es war auch nur eine Person, was könnte von dieser schon für eine Bedrohung ausgehen? Und doch...was, wenn es einer der Schergen war? Einer, der ebenso wie Kirona und die anderen Angreifer tätowiert waren? Was, wenn es die Magierin war? Alaryah biss die Zähne aufeinander. Niemand schien die ihnen entgegenkommende Person als Gefahr anzusehen, also zwang sich die Albin nun auch zur Ruhe. <Du drehst noch durch.>, sagte Alaryah zu sich selbst. <Das müssen die Nachwirkungen dieser Ruine sein...>.
Alaryah hätte nicht genau beschreiben können, was sie in dem Moment fühlte, als sie den Alben erkannte. Linor machte Platz, hatte wieder sein Lächeln aufgesetzt und schwieg. <Das kann doch nicht wahr sein!?>, hörte sich Alaryah in Gedanken schreien. <Was macht ausgerechnet ER hier? Von allen Wanderern, die wir unterwegs treffen können, warum ausgerechnet IHN?!>. Alaryah atmete tief durch, versuchte jeglichen Blickkontakt zu meiden. Es gelang ihr nicht. Irgendwann trafen sich die Blicke der beiden und Linor zwinkerte Alaryah zu. <Was soll denn das jetzt?!>. Alaryahs Herz raste, als sie den Blick abwandte. Sie schaute sich unsicher zu Jaro und Kirona um, die jedoch weiterhin Linor im Auge behielten. Es kam Alaryah schon fast so vor, als müssten alle ihren Herzschlag hören! Was war nur los? Warum löste dieser Kerl nur wieder solche Gefühle in ihr aus? Es war eine Mischung aus Wut, Schwärmerei, Gleichgültigkeit und noch viel mehr. Die kleine Albin war mit der Situation überfordert und hoffte, dass das niemand merken würde. Dieses Zwinkern. Dieser Blick. Der Sänger hatte irgendwie etwas Düsteres und Mysteriöses an sich gehabt. Alaryah war sich sicher, dass sie mit jemandem über diesen für sie übernatürlichen Wust an Gefühlen reden musste.
Endlich hatten sie Linor hinter sich gelassen. Er machte keinerlei Anstalten ihnen zu folgen, stattdessen setzte er wohl seinen Weg fort. Alaryah merkte, wie die Anspannung langsam aber sicher aus ihrem Körper wich. Noch während sich Alaryah auf etwaige Fragen ihrer Gefährten einzustellen versuchte fiel ihr plötzlich eine Ungereimtheit auf...Sie waren vor Linor aus Rankenfels aufgebrochen. Wie war es nun möglich, dass er ihnen entgegenkam? Selbst wenn er etwas in Rankenfels vergessen hatte, so hätte er die Reisegruppe überholen müssen? Oder kannte der Musiker etwa andere Wege? Alaryah schloss die Augen, als immer mehr Fragen in ihrem Kopf auf sie einprasselten. Sie versuchte Ordnung in dieses Gedankenchaos zu bringen. Dann spürte die Albin plötzlich ein leichtes Zwicken am Oberschenkel. Sie schlug die Augen wieder auf und sah, dass Tinriel aufgewacht war. "Geht es dir gut?", fragte Tinriel mit für sie recht nüchterner Stimme, legte den Kopf schief und starrte Alaryah mit großen Augen an. "Ja...ja ich war nur...abgelenkt. Alles gut.", würgte Alaryah das Gespräch mit der kleinen ab. "Gut.", gab diese jedoch unbeeindruckt zurück. "Weisst du, ich möchte nicht, dass du dir Sorgen machst oder so.", redete Tinriel unbeirrt weiter. Noch bevor Alaryah etwas antworten konnte hatte sich das Albenkind schon wieder umgedreht und die Augen geschlossen...

Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

Verfasst: Di 24. Apr 2018, 22:58
von Alaryah Schattenwind
Jaro Ballivòr
Sie brauchten sich nicht anzusehen, um zu wissen, dass der jeweils andere ebenfalls aufhorchte. Die Worte kamen aus Tinriels Mund, doch sie klangen wie die, eines Erwachsenen. Zögerlich blickte Jaro zu Sinyah, doch die Mutter der Kleinen hatte von irgendwo Stickzeug herausgefischt und arbeitete in aller Seelenruhe daran. Allmählich kam Jaro sich vor wie in einem Traum. Die Sprunghaftigkeit der Familie, die stumme Begegnung mit Linor... Oder konnte es wirklich sein, dass sie durch die schrecklichen Erlebnisse in der versunkenen Festung übersensibel waren? Jaro überlegte, was er sagen konnte, um die angespannte Stille zu durchbrechen, doch er wollte Tinriel nicht wieder wecken und eigentlich wusste er auch gar nicht, welches Thema er beginnen sollte. So war eine Zeit lang das Rattern der hölzernen Räder auf dem Waldweg, das Scheppern und Klirren der Wagenladung und die gepämpften Stimmen von Foranir und Morond das einzige, das sich von der abendlichen Idylle des Waldes abhob, in der Grillen ihr Lied sangen und der laue Wind in den Blättern raschelte. Ein paar Wortfetzen der beiden Alben drang bis zur Ladefläche vor. Sie sprachen erneut von den Waldläufern, von Kampftechniken und Täuschungsmanövern, aber auch von Magie. Foranir schien der Auffassung zu sein, dass die anderen Anwärter ihm gegenüber Vorteile besessen hatten, da sie über besondere Fähigkeiten verfügt hätten. Jaro sah zu Alaryah und es erstaunte ihn nicht, dass sie ebenfalls angestrengt lauschte. Morond beschwichtigte seinen Sohn derweil. "Was soll das denn für eine Art von Magie sein, mein Sohn? Meinst du, sie haben eine Art Zaubertrank getrunken, der sie besonders stark macht?" Er lachte überraschend laut auf und Tinriel regte sich auf Alaryahs Schoß, worauf Sinyah aufblickte und mit der Zunge schnalzte. "Entschuldigung", flüsterte Morond schuldbewusst. "Aber ich muss unserem Jungen solche Märchen aus dem Kopf treiben, oder nicht? Jeder weiß doch, dass es so etwas nicht gibt, irgendwelche Wundermittel, durch die man zum Unbesiegbaren wird... alles Fleiß und Disziplin sage ich!" Jaro schluckte. Drehte er nun vollkommen durch oder dachten sie alle gerade an das kleine Schriftstück, das sie aus der Ruine geborgen hatten? "Was ist? Hat es euch die Sprache verschlagen? Ihr seid ja kreidebleich!", rief Morond mit gleichbleibender Fröhligkeit aus und beantwortete Jaro damit die stumme Frage.

Alaryah Schattenwind
Es hatte etwas gedauert, bis sich Alaryah wieder aufmerksam am Geschehen beiteiligen konnte. Viel zu sehr nagten diese elendigen Gedanken an diesen Musiker an ihr. Und all diese Unstimmigkeiten. Wieder und wieder zwang sie sich zur Ruhe, war dabei am Ende sogar recht erfolgreich. Foranir und sein Vater sprachen weiter über die Ausbildung und die Kampftechniken der Waldläufer und auch wenn das ein oder andere einfach nicht stimmte mischte sich Alaryah nicht in das Gespräch ein. Erst, als es plötzlich um Magie und Wundermittel ging steigerte sich Alaryahs Aufmerksamkeit. Anfangs musste sich die Albin noch etwas konzentrieren um die genauen Worte aus dem Gespräch mitzubekommen, doch dann ging es. Wundermittel. <Wie kommen die jetzt gerade auf so etwas?>. Alaryah schaute hoch. Kirona starrte auf den Boden des Karrens, kaute dabei kaum merklich auf ihrer Unterlippe herum. Jaro schien nervös, was von Morond nicht unbemerkt blieb. Er sprach ihn zu allem Überfluss auch noch darauf an!? Jaro wurde blass. <Was soll ich tun?>, fragte Alaryah Jaro gedanklich und zuckte sachte mit den Schultern. "Nun, ich denke...", begann Alaryah mit gedämpfter Stimme und beendete ihren Satz abrupt, als sie eine Berührung auf ihrer Schulter spürte. Sinyah schaute ihr fest in die Augen, als Alaryah den Kopf drehte. Beinahe hätte sie sich sogar erschrocken! "Lasst euren Freund doch selbst ein paar Worte sprechen. Ihn scheint etwas zu...belasten.". Alaryah zog eine Augenbraue nach oben. "Ich wollte nur...". "Liebes, gebt ihm doch etwas Freiraum.". Verwirrung zog sich durch Alaryahs Blick. <Was zum...?>. Wollte Sinyah sie etwa veralbern? Alaryah hatte doch nicht sämtliche Gespräche an sich gerissen? Oder war sie etwa so unfreundlich gewesen? Sie konnte es sich beim besten Willen nicht vorstellen. Auch Kirona hatte nun den Kopf gehoben und schaute Sinyah verständnislos an. "Gut dann...". Alaryah beendete ihren Satz dieses Mal selbst, lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. Aus den Augenwinkeln heraus beobachtete die Albin weiterhin Moronds Frau, die nun langsam in Jaros Richtung schaute. "Falls Euch nicht wohl ist, so können wir bestimmt auch eine kurze Pause einlegen?". Alaryah deutete mit einer knappen Kopfbewegung ein "Nein" in Jaros Richtung an, sagte aber nichts. Erst jetzt fiel ihr auf, dass Foranir sich ebenfalls zu Jaro gedreht hatte und ihn mit leicht verengten Augen ansah. Tinriel schlief derweil. Wobei...konnte man sich da mittlerweile wirklich sicher sein? Alaryah schloss die Augen und atmete nun flacher. Sie spürte, wie sich ihre Sinne ein weiteres Mal schärften...irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht...

Jaro Ballivòr
Wohl war Jaro in der Tat nicht, doch das lag keinesfalls an der Fahrt. Im Gegensatz: das Vorankommen war das einzige, das ihn daran erinnerte, dass er nicht schon wieder in einem Albtraum gefangen war. Der Drang in Sinyahs Stimme irritierte ihn. Noch nie war voll der Worte gewesen und da half es auch nicht, wenn ihn mehrere Augenpaare anstarrten. "Ich", krächzte er und räusperte sich. "Es geht mir gut. Ich bin immer recht bleich." Er versuchte zu Grinsen, doch befürchtete es glich eher einer Grimasse. Offenbar kam der Scherz auch nicht an, denn Sinyah und Foranir starrten ihn weiter regungslos an. "Und ich denke Morond hat Recht", fügte er daraufhin lauter an. "Hartes Training und viel Übung sind entscheidend." "Ich glaube du lügst", sagte Foranir kalt. War er nun wieder ganz der alte, voller Gift und aus auf Stunk? Hilfesuchend wollte Jaro zu Alaryah blicken. Es war fast schon zum Automatismus geworden, doch Sinyahs Hand schoss blitzschnell an seine Wange und hinderte seinen Kopf an der Drehung. "Na, na...", sagte sie, "du musst dich nicht fürchten. Foranir meint es nicht böse, er ist nur etwas... direkt. Gibt es nichts, dass du erstaunlich fandest, als du unter den Waldläufern weiltest? So etwas hast du doch bestimmt auch noch nie zuvor gesehen, nicht wahr, mein Lieber?" Sie lächelte ihn an, doch Jaro vermisste die Wärme, die zuvor von ihr ausgegangen war. "Es ist nur... Es ist sein großer Traum. Jedes kleine Detail könnte ihm helfen oder zumindest seine Fantasie anregen. Du würdest uns einen großen Gefallen tun." Was erwarteten sie, dass er als Fremder wusste, was ihnen als Einheimischen nicht bekannt war? Lebten die Waldläufer wirklich so isoliert? "Ich habe noch nie eine vergleichbare Symbiose zwischen Alb und Natur gesehen", griff er das erstbeste heraus, das ihm einfiel. "Die Umgebung ist ihr Verbündeter, deshalb haben sie überall Augen und Ohren und sind nie allein." Gerne hätte er Alaryahs Gesichtsausdruck gesehen, um zu prüfen, ob er zu viel verriet. "Oh ja, das kann ich nur bestätigen", warf da plötzlich Kirona ein. "Nicht du! Er!", zischte Foranir. Jaro wurde zusehends mulmiger zumute. "Es muss doch etwas geben, dass sie von uns unterscheidet!" Der junge Alb war aufgestanden und ging auf Jaro zu, die Fäuste geballt. "Jetzt ist gut, Sohn." Moronds tiefe Stimme entschärfte die Situation. "Er hat uns doch schon gesagt, was ihm aufgefallen ist. Alles Weitere ist vermutlich Betriebsgeheimnis." Er drehte sich kurz um und sah zwinkernd Alaryah an.

Alaryah Schattenwind
"Ich wüsste nicht, warum etwaiges Wissen der Waldläufer einfach ausgeplaudert werden sollte.", hörte Alaryah ihre eigene Stimme in ihrem Kopf. Langsam kehrte die Farbe wieder in ihre Augen zurück, als sich die sanften Schleier der Magie wieder von ihr entfernten. "Lasst den armen Jaro in Frieden.", fügte sie an und begegnete Moronds Zwinkern nur mit kühlem Blick. "Aber, aber.", sagte dieser dann und von Foranir war nur ein leises "Tz, tz,tz..." zu hören. Alaryah ging nicht weiter darauf ein. "Seit unserer Weiterreise habt ihr euch verändert, was ist in euch gefahren?", fragte Alaryah und verzog skeptisch den Mund. "Haben wir etwas getan, was euch irgendwie verletzt oder beleidigt hat?", verlangte die Albin anschließend zu wissen. Keine Antwort. Foranir und Sinyah wechselten einen kurzen Blick miteinander, dann schauten sie beide wieder zu Alaryah. Sie zuckten mit ihren Köpfen und Blicken umher, fast schon wie Raubtiere, die eine Witterung aufzunehmen versuchten. "Was ist los?!", verlangte Alaryah nun erneut und mit etwas mehr Nachdruck zu wissen. "Jaro, Kirona, nehmt eure Sachen. Morond. Halte den Karren an. Wir reisen von nun an allein weiter.". Morond schien unbeeindruckt von Alaryahs kurzer Ansprache und so holperte der Karren weiter seiner Wege. "Dann springt doch ab.", zischte Foranir zwischen den Zähnen hindurch und ein schon fast aggressives Grinsen umspielte seine Lippen. "Tu besser nichts Unüberlegtes.", mahnte Alaryah und hob den Finger. Sie war von sich selbst überrascht und auch von dem Schwall an Gefühlen, die für sie immer noch ungewohnt waren. Wut und Zorn mischten sich mit Unsicherheit, Unbehagen und Wehrlosigkeit. Alaryah konnte jedoch gerade nicht anders. Die anderen mochten vielleicht etwas eingeschüchtert sein, doch jemand musste doch einfach mal ein Machtwort sprechen?
"Verzeiht.", hauchte Sinyah plötzlich und senkte den Blick. Foranir drehte sich wieder nach vorn um und starrte stumpf den Weg entlang. "Ich möchte mich im Namen von uns allen entschuldigen. Wir müssen einen furchtbaren Eindruck hinterlassen.". Es war mehr als deutlich zu erkennen, dass Alaryah die Zähne fest aufeinandergebissen hatte. Ihre Hände hatte sie, bewusst oder unbewusst, zu Fäusten geballt und der Blick sprach Bände. Da half es auch nicht, dass Sinyah plötzlich eine Träne über die Wange kullerte. Die Albenfrau wandte dann den Blick ab, schüttelte nur den Kopf als Morond erneut Luft holte. Er blieb stumm.
"Das war nicht nett von dir.", hörte Alaryah plötzlich Tinriels Stimme. "Oh...". Alaryah schaute zu dem Albenkind hinab und musste schlucken, als sie in die weit aufgerissenen Augen von Tinriel blickte. "Du hast meine Mama zum Weinen gebracht.", stellte Tinriel fest und es schien, als würde es eine halbe Ewigkeit dauern bis sie wieder blinzelte. "Ich...nein...weisst du Tinriel...", stammelte Alaryah, doch Tinriel unterbrach die Albin. "Du darfst nicht so gemein zu ihr sein. Wir wollen euch nichts tun, wir wollten nur helfen.". Für einen kurzen Augenblick wich die Dunkelheit aus Tinriels Blick. "Helft uns.", fiepte die Kleine, doch dann schaute sie wieder finster drein. "Ihr müsst einfach bleiben, geht nicht.", sprach sie weiter, wieder in dem nüchternen Tonfall wie zuvor. Dieser kurze Aussetzer, dieser eine Moment, bestätigte nur erneut Alaryahs Gedanken, dass hier etwas faul war. Kirona fühlte sich sichtlich unwohl, umklammerte ihren Stab fester. Alaryah versuchte Ruhe auszustrahlen, vielleicht half es auch Jaro sich besser zu fühlen. "Seid wachsam.", formten Alaryahs Lippen und sie hoffte, dass es unbemerkt geblieben war.