Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie√üen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf√§ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W√§hrend die Urv√∂lker auf Altbew√§hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb√ľnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

Das gemäßigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umkämpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urvölker Asamuras, während die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.
Das Herzland
Das gemäßigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umkämpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urvölker Asamuras, während die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.
Benutzeravatar
Jaro Ballivòr
Volkslegende
Beiträge: 161
Registriert: Do 2. Mär 2017, 12:13
Auszeichnungen: 4
Volk: Lichtalben
Steckbrief: [ externes Bild ]

Die Ordnung Chronist in Bronze Die flei√üige Feder in Bronze Schl√ľsselloch

Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#51

Beitrag von Jaro Balliv√≤r » Mo 8. Okt 2018, 08:19

Jaro Ballivòr
Wie angewurzelt stand Jaro da und schluckte schwer, während er Alaryah und Kirona nachblickte. Als sie komplett aus seinem Blickfeld entschwunden waren, drehte er langsam den Kopf zu Wibalt. Noch immer kauerte der Soldat auf dem Boden, seine Augen auf Jaro gerichtet.
"Macht sie das mit euch auch?", stammelte er. Furcht zeichnete sein Gesicht. "Diese Aura... so etwas habe ich noch nie erlebt."
Jaro r√§usperte sich auf der Suche nach Worten. Fiebernd √ľberlegte er, was Alaryah in so einer Situation tun w√ľrde. "Du wirst das richtige tun", hatte sie ihm gesagt. Er kannte die Waldalbin nun schon lange genug. Sie w√ľrde den Mann nicht umbringen, nicht, wenn es sich vermeiden lie√ü.
"Sie kann sehr einnehmend sein...", entgegnete er schließlich kleinlaut, was nicht einmal kompett gelogen war.
"Worauf habe ich mich da nur eingelassen?" Wibalt schien komplett ver√§ngstigt zu sein. Von seiner fr√ľheren Kampfelust war nichts mehr zu erkennen. "Was sind das nur f√ľr Leute? Ich habe schon von den Gezeichneten geh√∂rt, aber noch nie einen zu Gesicht bekommen."
"Gezeichnet?" Jaro legte den Kopf schief und ging vorsichtig ein paar Schritte auf den Mann zu.
"Die T√§towierungen." Wibalt hob die gefesselten Arme. "Man nennt sie die Gezeichneten und es gibt wenige, die einen davon von Angesicht zu Angesicht gegen√ľberstanden und das √ľberlebten. Ein Wunder, dass ihr noch lebt."
Jaro beeilte sich, eine plausible Erkl√§rung zu erfinden, um kein erneutes Misstrauen in Wibalt zu sch√ľren. Wenn der W√§chter dachte, sie st√ľnden auf der selben Seite, brauchte er vielleicht nichts von ihm zu bef√ľrchten. Zwar war der Mann weiter gefesselt, doch Jaro war ihm k√∂rperlich weit unterlegen und was, wenn er nach Hilfe rief? "Sie braucht uns als F√ľhrer. Im Wald kann man sich schnell verirren und die Waldl√§ufer lauern √ľberall... wenn man hier fremd ist, geht man ihnen sofort in die Falle."
"Du bist hier ebenfalls fremd oder nicht? Du siehst so anders aus, als sie." Er nickte mit dem Kopf in die Richtung, in der Alaryah verschwunden war. Jaro entschied sich f√ľr die Wahrheit... oder zumindest einen Teil davon. "Nein, ich bin eigentlich nur auf Reisen. Sie hat mich gerettet... vor einer Baumkatze. Nur, dass wir dann der n√§chsten Bestie in die Arme gelaufen sind."
"Eine Bestie wahrlich..." Plötzlich weiteten sich Wibalts Augen. "Die Männer! Sie sind ahnungslos!"
Verdattert blickte Jaro Wibalt an.
"Oben in der Festung! Die wissen ja gar nicht, was da auf sie zukommt! Ich muss sie warnen. Lass mich gehen." Mit beinahe flehentlicher Stimme streckte er Jaro die gefesselten Hände entgegen.

Alaryah Schattenwind
Es dauerte nicht lange, da hatte Alaryah Kirona auch schon eingeholt. Die Frau stampfte schon fast in Richtung Turmh√ľgel, somit war es f√ľr Alaryah ein leichtes Spiel gewesen ihrer Spur zu folgen. Gerade, als Kirona um eine Ecke biegen wollte, bekam Alaryah ihre Schulter zu packen. "Kirona, warte.", zischte die Albin und zog Kirona wieder zur√ľck. Diese wirbelte herum, griff nach Alaryahs Handgelenk und dr√ľckte fest zu. Ein d√ľsterer Blick traf die Albin, die leicht in die Knie gegangen war. "Kirona, was ist denn los?", fl√ľsterte Alaryah und versuchte den Griff zu l√∂sen. "Du tust mir weh.", f√ľgte sie leise hinzu. Kirona wandte den Blick ab und lie√ü Alaryah kurze Zeit sp√§ter los. "Verzeih, es kam einfach so √ľber mich. Ich...". Sie verstummte nach diesem recht ton- und emotionslosen Erkl√§rungsversuch. Alaryah wollte einen Schritt n√§her an Kirona herantreten, doch wagte sie es nicht. "Wir haben eine Mission.", meinte Kirona dann und schaute noch einmal zu der kleinen Albin. "Gehen wir.". Sie nickten sich erneut zu und machten dann weiteren Boden gut. Dieses Mal huschten sie vorsichtig und mit Bedacht durch die umliegenden Ruinen und das Unterholz. Dann kamen sie endlich beim ersten Posten an. Ein breitschultriger Kerl stand dort unter den Resten eines Torbogens, hatte sich auf seinen in Mitleidenschaft gezogenen Schild gelehnt und kaute auf irgendetwas herum. Schwert und Speer hatte der Mann einfach an die nahestehende Wand gelehnt. Alaryah war erstaunt, dass sich die M√§nner so sehr in Sicherheit w√§hnten. Dann kam der Wachwechsel. Ein hagerer Kerl mit lichtem Haar schlurfte heran, hatte seinen Helm am G√ľrtel befestigt und gr√ľ√üte seinen Kameraden schon aus der ferne. Dieser nickte ihm grunzend zu, sammelte seine Ausr√ľstung zusammen und machte sich auf den R√ľckweg. Keine Posten√ľbergabe, keinerlei Bericht, keine Absprachen. Moral und Pflichtbewusstsein waren hier wohl mittlerweile ein ganz d√ľrres Pfl√§nzchen, sch√§tzte Alaryah. Die Schritte des abgel√∂sten Posten waren in der Ferne verstummt und der hagere Kerl machte einen kurzen Rundgang. Er gab sich dabei keinerlei M√ľhe seine Lustlosigkeit zu verstecken. "Was sind das nur f√ľr Krieger?", fragte Alaryah leise, nur um festzustellen, dass Kirona nicht mehr neben ihr im Versteck war. "Kirona? Kironaaa?", fragte sie so laut sie sich traute und sah sich nach der Frau um. Dann ersp√§hte sie sie. Kirona hatte sich schr√§g gegen√ľber an die Mauer gepresst und n√§herte sich leise dem Posten, der sich der Gefahr in keinster Weise bewusst war. "Kirona, nein.", formten Alaryahs Lippen die Worte, doch es war schon zu sp√§t. Ein zischendes Ger√§usch durchschnitt die Luft und der Posten sank bewusstlos zu Boden. Kirona hatte ihn direkt von hinten mit ihrem Stab getroffen. Alaryah sah sich um, horchte. Niemand schien diesen Angriff mitbekommen zu haben. Aus ihrem Versteck heraus sah Alaryah, wie Kirona den Mann von dem Torbogen wegzog und scheinbar fesselte. Sie wartete noch ein paar Sekunden, huschte dann in Richtung der Frau. "Kirona, wir m√ľssen vorsichtiger sein, wenn wir...". Sie hielt inne. Kirona hockte neben dem Posten, der tot in seinem eigenen Blut lag. Hatte Kirona ihn einfach abgestochen? "Wir d√ľrfen kein Risiko eingehen.", sagte Kirona dumpf. Keinerlei Reue oder Mitgef√ľhl war in ihrer Stimme zu h√∂ren. Alaryah klammerte sich mehr und mehr an die Hoffnung, dass ihr Eingreifen hier m√∂glichst unblutig von statten gehen w√ľrde. Doch vielleicht war diese Flamme der Hoffnung bereits schon fast erloschen...

Jaro Ballivòr
Unsicher blickte Jaro √ľber seine Schulter, wie als erwarte er Alaryah oder Kirona dort zu sehen und um deren Einsch√§tzung bitten zu k√∂nnen.
"Bitte! Mach mich los! Dir wird nichts geschehen, ich verspreche es!" Etwas Flehentliches lag in seiner Stimme. Konnte Jaro dem trauen oder war es nur eine List? Nerv√∂s kaute er auf seiner Lippe herum. Was w√ľrde Alaryah tun?
"Junge!", durchbrach der Posten abermals seine Gedanken. "Hier, ich habe noch einen zweiten Dolch bei mir. Nimm ihn, wenn du mir sonst nicht glaubst" Mit dem Ellebogen wies er auf seinen G√ľrtel.
Noch immer zweifelte Jaro, doch er konnte keinerlei L√ľge in Wibalts Gesicht erkennen. "In Ordnung." Langsam und vorsichtig n√§herte er sich dem Mann und griff mit zitternder Hand nach dem Dolch. Umst√§ndlich zog er ihn heraus. "Wenn ich dich los mache...", setzte er an. "Werde ich auf dem direkten Weg nach oben gehen und so viele M√§nner wie m√∂glich da raus holen. Seh du zu, dass du die Gezeichnete aufh√§ltst."
Einen weiteren Moment z√∂gerte Jaro, dann schnitt er die Fesseln durch. Nach einem letzten Blick auf Wibalt, drehte er sich um und rannte los. Ein merkw√ľrdiges Kribbeln schoss ihm in den Bauch und er f√ľrchtete verfolgt zu werden. Als er sich aber umsah, war von Wibalt schon keine Spur mehr zu sehen.
Je n√§her Jaro der Ruine kam, desto gebeugter ging er. Er hatte keine Ahnung, wo genau Alaryah und Kirona lang gegangen waren. An der Mauer angekommen, sp√§hte er vorsichtig in den Innenbereich. Er sah einen Posten zu seiner Rechten, der irgendetwas a√ü, Schild und Speer neben sich aufgestellt. Ein St√ľck hinter ihm waren die n√§chsten beiden M√§nner. Dann eher nach links. Darauf bedacht kein Ger√§usch zu machen, folgte Jaro der Mauer und schlie√ülich entdeckte er die beiden Frauen, zu deren F√ľ√üen einer der W√§chter.
"Alaryah", fl√ľsterte er und kletterte √ľber das niedrige Mauerst√ľck. "Alaryah, alles in Ordnung? Oh..." Seine Augen fielen auf die blutige Wunde des Mannes. Hatte es einen Kampf gegeben? Schnell blickte er sich um, doch ihr Eindringen war wohl unentdeckt geblieben. "Ich habe Wibalt los gemacht, er will die M√§nner von hier fortlocken." Jaro schluckte schwer und f√ľrchtete gleich einem Donnerwetter ausgesetzt zu sein.

Alaryah Schattenwind
"Du hast WAS getan?!", presste Kirona hervor und weitete die Augen. Sie rieb sich die Stirn, rang mit nun pl√∂tzlich wieder aufkommenden Emotionen. Alaryah schluckte einen Klos im Hals herunter, hoffte sie doch, dass die ganze Situation nicht aus den Fugen geriet. "Lasst uns ruhig bleiben.", meinte Alaryah schlie√ülich. "Wir sollten darauf achten, dass sowas hier...", sie deutete auf die Leiche, "...nicht noch √∂fters vorkommt. Wir k√∂nnen die ganze Sache bestimmt anders l√∂sen.". Kirona schaute wirklich finster drein, fixierte Jaro, der sich sichtlich unwohl f√ľhlte. Alaryah schob sich in Kironas Sichtlinie, versuchte Jaro vor den Blicken abzuschirmen. "Weiter jetzt. Denkt dran, der Wachwechsel wird nicht ewig dauern, sie sind zwar unaufmerksam, aber immer noch viele.". Kirona drehte sich weg, schaute nun wieder in Richtung Ziel. "Zur Not machen wir es auf meine Weise.". Ihre Stimme klang sonderbar fremd. Gemeinsam machten sie die n√§chsten Schritte aus und schon bald stand die Route fest. Kirona machte, wenn auch ungefragt, den Anfang und hastete zu der ersten Etappe. Es war ein Ger√∂llhaufen, hinter welchen sich die t√§towierte Frau auf den Boden presste. Ein Posten schritt seinen Weg ab, bemerkte Kirona nicht. Kurz bevor er seinen R√ľckweg antrat, huschte Kirona in Richtung des n√§chsten Ziels. Bald schon war sie verschwunden. "Sorge dich nicht, Jaro. Ich bin dir nicht b√∂se. Du hast eine Entscheidung getroffen, die in deinen Augen richtig war. Ich sage dir, sie war nicht ganz falsch.". Aufmunternd nickte sie ihrem Gef√§hrten zu, erhob sich leise und hastete, mehrere Haken schlagend, in Richtung des Ger√∂llhaufens.
Dort angekommen zwang sich Alaryah zur Ruhe. Dieser leichte Anflug von Aufregung...
Dann pl√∂tzlich kam Bewegung in die Wachmannschaft. Hier und da ert√∂nten Rufe, M√§nner hasteten umher. Noch war sie unentdeckt geblieben, doch wie sah es mit Kirona aus? Von ihrem Versteck aus konnte Alaryah Jaro sehen, der gerade um die Ecke lugte. Vorsichtig sch√ľttelte sie den Kopf um ihm zu zeigen, dass ein weiteres Vorr√ľcken gerade nicht m√∂glich war. Dann eilten mehrere bewaffnete M√§nner an ihnen vorbei. Wibalt war unter ihnen, trieb sie an. "Dort vorne war es!", "Seid wachsam, M√§nner." und "Wir h√§tten hier nicht herkommen sollen." waren nur ein paar der Worte, die die M√§nner untereinander wechselten. Scheinbar hatte so mancher Zweifel an dieser Mission?
Alaryah wechselte ihre Position. Ein Blick √ľber die Schulter verriet ihr, dass Jaro gerade das gleiche tat und sicher hinter dem Ger√∂llhaufen ankam. Die Albin sprang um die Ecke und stie√ü mit einem der Soldaten zusammen. Wo kam der pl√∂tzlich her?! Ungl√§ubig schaute Alaryah den Mann vor sich an. Er war ebenso √ľberrascht wie die junge Albin. Diese hingegen errang ihre Fassung als erstes zur√ľck und zog ihre Waffen. "Niemand muss hier heute sterben.", sagte sie und nahm eine abwehrende Haltung ein. Hastig fummelte der Kerl die Axt aus seinem G√ľrtel hervor. "Ergebt euch einfach, weg mit der Waffe.", sagte Alaryah erneut, doch es war zu sp√§t. Der Mann ging zum Angriff √ľber, preschte nach vorne und hieb nach dem Kopf der Albin. Sie wich seinem Angriff aus. Dann dem n√§chsten und dem n√§chsten. "Ich mach dich kalt!", rief der Kerl. "Was ist da los?!". Alaryah schreckte zusammen. Zwei weitere Schergen kamen um die Ecke gebogen, beide mit gezogenen Waffen. "Los doch! Helft mir gef√§lligst!", polterte Alaryahs Gegner mit der Axt und schon bald hatten die drei M√§nner die Albin eingekreist. Das Blatt wendete sich langsam aber sicher und schon bald kam die Albin an das Ende ihrer Kr√§fte. Sie musste irgendwie entkommen, sonst w√§re alles umsonst gewesen. Hoffentlich ging es den anderen gut. Lange konnte Alaryah diese Gedanken nicht verfolgen, denn schon raste der n√§chste Feind heran.

Jaro Ballivòr
Zweifel und Furcht lagen Jaro schwer im Magen. Es war falsch gewesen! Oder nicht? Wieso hatte er Wibalt nicht einfach an Ort und Stelle zur√ľck lassen k√∂nnen? Zwar hatte Alaryah versucht, ihn aufzumuntern, doch Kironas Blick hatte B√§nde gesprochen und wahrscheinlich hatte sie Recht... es w√§re ein Leichtes f√ľr Wibalt, Alarm zu schlagen und selbst, wenn er wahr gesprochen hatte und er sie nur vor Kirona warnen wollte, wie sollten Alaryah und er Kirona dann zur Hilfe eilen? Und wer garantierte denn, dass die √ľbrigen M√§nner ihn und Alaryah nicht ebenfalls zum Feind erkl√§rten? Fragen √ľber Fragen wurmten Jaro. Hinzu kam die furchtsame Aufregung ihres Eindringens. Mit zitternden Knien folgte er Alaryah und war dankbar f√ľr ihre Gesten. Kirona war lange schon aus seinem Blickfeld verschwunden. Mit klopfendem Herzen kauerte er sich in seinem Versteck zusammen, als M√§nner vorbei patroullierten. Wibalt... w√ľrde er nun die M√§nner fortf√ľhren? Schnell flizte Jaro hinter den Ger√∂llhaufen, nachdem die Luft rein war. Einen Moment atmete er einfach mit geschlossenen Augen tief durch. Da! Stimmen! Alaryahs Stimme... er h√∂rte Metall klirren und schob sich ein St√ľck den H√ľgel hinauf, um sehen zu k√∂nnen, was von Statten ging. "Alaryah", fl√ľsterte er. Sie war umzingelt. Er musste ihr helfen. Mit allem Mut, den er aufbringen konnte, den Dolch fest gepackt, machte er sich daran, ihr zu Hilfe zu eilen, da packte ihn jemand am Kragen und mit rudernden Armen fiel er r√ľckw√§rts das Ger√∂ll hinab.
"Wen haben wir denn da?" Mit schmerzverzerrtem Gesicht blickte Jaro nach oben in die Augen eines bärtigen Kriegers. "He! Rick! Hier ist noch einer." Ein weiterer Mann näherte sich.
"Was is'n das f√ľr einer? Der sieht nicht aus wie die da vorne." Mit seinem Schwert wies er in Alaryahs Richtung.
Jaro wollte auf die F√ľ√üe springen, doch einer der Kerle trat ihm auf den Arm und refelxartig lie√ü er den Dolch los und schrie auf.
"Wehr dich nicht, dann wird's nicht so schlimm. Wir m√ľssen wissen, wer ihr seid... und warum ihr hierher gekommen seid. Vorher stirbst du nicht - keine Angst." Er entbl√∂√üte eine Reihe verfaulter Z√§hne und zerrte Jaro am Kragen nach oben. Er machte sich nicht die M√ľhe sich zu wehren. Was h√§tte es f√ľr einen Sinn gehabt? Er war ein Nichtsnutz. Erst hatte er sie verraten, nun konnte er nicht einmal sich selbst verteidigen, geschweige denn, Alaryah zur Hilfe zu eilen.

Alaryah Schattenwind
In der Ferne erklang ein Schrei. "Jaro.", hauchte Alaryah erschrocken. Auch ihre drei Feinde waren kurz abgelenkt. Die Albin versuchte die Gunst des Momentes zu nutzen und machte einen Ausfallschritt zur Seite. Einer der Angreifer hatte jedoch aufgepasst und schleuderte seinen Streitkolben in Richtung Alaryahs Beine. Tatsächlich landete er mit dem Wurf einen Treffer, die Albin stolperte und schlug keuchend auf dem Boden auf. Direkt rollte sie herum, bereit einen weiteren Angriff abzuwehren. Die drei Schergen setzten nach. Einer schlug auf die Albin ein, die kaum noch im Stande war sich zu wehren. Irgendwie schaffte es Alaryah auf die Knie. Dann traf sie eine Schildkante am Kopf. Die Wucht des Schlags warf Alaryahs Kopf zur Seite. Bevor sie erneut zu Boden sank kam von der anderen Seite ein Tritt. Erneut schwer getroffen sank die Albin zu Boden. Zitternd, all ihre letzten Kräfte auffahrend, hob sie den Dolch. "Lächerlich.", höhnte der erste Angreifer und schlug der Albin mit der flachen Seite der Axt die Waffe aus der Hand. "Los, fesselt diesen kleinen Teufel. Wir bringen sie...". Alaryah verlor das Bewusstsein, bevor sie den Satz zuende gehört hatte.

Langsam √∂ffnete die Albin die Augen. Ihr Kopf dr√∂hnte und so gut wie jeder Muskel in ihrem K√∂rper rebellierte bei schon der kleinsten Bewegung. Es dauerte einige Momente, bis sie sich orientiert hatte. Alaryah schmeckte Blut, die Schl√§ge und Tritte hatten Spuren hinterlassen. Sie lag auf der Seite. Mit dem R√ľcken an einer Wand. Es war duster um sie herum. Nur hier und da fielen Lichtstrahlen in den Raum. In den Raum? Sie war nicht drau√üen? Wo hatte man sie hingebracht? Vorsichtig hob die kleine Albin den Kopf. Sie schaffte es tats√§chlich nach einiger Zeit einen √úberblick zu bekommen. Man hatte sie gefesselt und in einen Raum gelegt, scheinbar befand sie sich nun in dem Turm, den sie versucht hatten unbemerkt zu erreichen. Etwas weiter entfernt kauerte Jaro an Treppenstufen gelehnt, ebenfalls gefesselt. Er schien in tiefen Gedanken versunken zu sein. Kirona hatte man in Ketten gelegt geknebelt und die Augen verbunden. Sie lag einfach nur da. War sie noch am Leben? Ja. Alaryah konnte eine schwache Atmung bei Kirona feststellen, so gut war ihr Blick dann doch noch und das trotz einer dicken Schwellung am linken Auge. "Jaro.", fl√ľsterte sie. Keine Reaktion. "Jaro!", dieses Mal lauter. Er hob den Kopf, sah sich um. "Jaro, hier dr√ľben.", sagte Alaryah schwach und versuchte zu l√§cheln. Sie war froh, dass sie alle noch am Leben waren. Unbeholfen versuchte sich Alaryah das Blut vom Mund mit dem Oberarm abzuwischen, doch gab sie es aufgrund stechender Schmerzen auf. "Jaro, was tun wir jetzt nur?", fragte sie so leise wie m√∂glich √ľber die Entfernung zwischen den beiden hinweg. "Was ist passiert? Wie kamen wir hier her? Bist du verletzt?". Wie sollte es nur weitergehen?

Jaro Ballivòr
Obwohl ihm bewusst war, dass er im Selbstmitleid versank, wehrte sich Jaro nicht dagegen. Er starrte mit gesenktem Kopf gerade aus, ohne etwas zu fixieren. Bis Alaryahs Stimme in sein Bewusstsein drang. "E... es tut mir leid", fl√ľsterte er, doch es war viel zu leise, als dass sie es h√§tte h√∂ren k√∂nnen. "Mir geht es gut", sagte er lauter. "ich hoffe dir auch?" Er konnte ihre Blessuren deutlich erkennen und ebenso, wie aufwendig Kirona fixiert war. Vermutlich hatte die Frau sich gewehrt wie der Teufel. "Der eine Kerl hat mir gesagt, dass sie uns ausfragen wollen. Sie m√ľssen wissen, wer wir sind und was wir hier wollen." Er verstummte einen Augenblick. "Tut mir leid, dass ich uns in die Falle geritten habe." Dieses Mal brachte er den Mut auf, seine Entschuldigung lauter auszusprechen. "Aber immerhin sind wir jetzt drin, oder?" Ein schwaches L√§cheln kroch auf seine Lippen. "Wir sind ganz unten", fuhr er dann fort, als ihm einfiel, dass Alaryah bewusstlos gewesen war, als sie sie brachten. "Und ich glaube wir sind allein, alle M√§nner sind drau√üen und beratschlagen irgendetwas."
Tats√§chlich hatte er schon dar√ľber nachgedacht, die Treppe hoch zu kriechen, doch er f√ľhlte sich durch die Furcht, alles nur noch schlimmer zu machen, seltsam gel√§hmt. "Ich denke uns bleibt nichts, als abzuwarten. Vielleicht k√∂nnen wir die M√§nner irgendwie √ľberzeugen, dass sie uns laufen lassen und wir kommen wann anders wieder..."

Alaryah Schattenwind
"Wir m√ľssen uns irgendwie befreien.", meinte Alaryah und pr√ľfte ihre Fesseln. Da war ohne Hilfsmittel nichts zu machen. Sie waren doch schon so nah an ihrem Ziel. Sie konnten doch nun nicht auf den letzten Metern scheitern? Alaryah schaute sich noch einmal in dem Raum um. "Kannst du dich bewegen?", fragte die Albin Jaro, der schlie√ülich nickte. "Irgendetwas stimmt mit meiner Hand nicht.", murmelte Alaryah und erinnerte sich dann an den Schlag, den sie mit dem Axtblatt abbekommen hatte. Hoffentlich war nichts gebrochen. "Unsere Ausr√ľstung ist nicht hier.", stellte Jaro fest. "Wir m√ľssen unsere Fesseln loswerden. Wir haben nicht viel Zeit.". Alaryah schaute zu Kirona. Wie um alles in der Welt sollten sie die Ketten l√∂sen? "Wir werden es nicht rechtzeitig schaffen.", stellte die Albin fest. "Jaro, wir m√ľssen Kirona zur√ľcklassen und zu zweit auf die Turmspitze. Sie werden ihr nichts tun, solange sie nach uns suchen.". Zumindest hoffte Alaryah dies. "Mir gef√§llt das auch nicht, doch anders werden wir den Eingang nicht versiegeln k√∂nnen. Zumindest nicht, bevor die Kerle dahinterkommen was sie hier genau bewachen.". Dann traf Alaryah eine Erkenntnis. Wo war der Stein?! Vor Schmerzen die Z√§hne aufeinanderbei√üend tastete die Albin nun nach ihrer G√ľrteltasche. Tats√§chlich waren ihre H√§scher unachtsam gewesen und hatten ihr diese Tasche gelassen. Ein Gl√ľck, der Stein war noch da! "Ich habe den Stein noch.", fl√ľsterte die Albin und ein hauch Optimismus schwang in ihrer Stimme mit und das trotz ihrer Blessuren und der Situation, in der sie sich befanden. "Jaro, sag, siehst du hier irgendwas, womit wir die Seile durchtrennen k√∂nnen? Eine Scherbe, ein Stein, irgendwas?".

Jaro Ballivòr
Jaros Blick huschte √ľber den Boden. Nichts. Er kniff die Augen zusammen und sp√§te in die Nischen am Rand. Es gab dort einen Tisch, ein paar St√ľhle, eine Feuerstelle. Leise kroch er ein St√ľck darauf zu. "Dort gibt es Kr√ľge... vielleicht gibt es auch Messer." Er kroch weiter auf den Essplatz zu und hievte sich an einem Stuhl nach oben. Tats√§chlich. Jemand hatte Wurst und Brot zur√ľck gelassen und ein St√ľck K√§se, in dem ein Messer steckte. Besonders gr√ľndlich schienen ihm diese M√§nner nicht zu sein... Mit samt dem K√§se hob er es an und machte sich an den beschwerlichen R√ľckweg. "Sieh nur!" Neben Alaryah angekommen, hielt er stolz das Messer hoch. Er sch√ľttelte es ein, zwei Mal, doch der K√§se wollte sich einfach nicht l√∂sen. Schlie√ülich musste er ihn unter der Treppe einhaken, um die Klinge zu befreien. "Hier." Er dr√ľckte Alaryah den Griff in die Hand, um seine Fesseln zu l√∂sen. Bei ihm hatten sie offenbar die wenigsten Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Das Messer war stumpf und tats√§chlich nur zum Essen zu gebrauchen, doch Jaro rieb und rieb, bis der Strick endlich nachgab. Hektisch striff er losen Enden ab und machte sich an denen, an seinen F√ľ√üen zu schaffen. Dann begann er Alaryah zu befreien. "Ok", seufzte er. Schwei√ü rann ihm den R√ľcken hinab. "Dann hoch."

Alaryah Schattenwind
Jaro half ihr auf die Beine. Zittrig hielt sich die Albin. "Warte...warte bitte einen Moment.". Dann hatte sich Alaryah endlich gefangen. "Gut, dann los.". Gemeinsam traten die beiden ihren Weg nach oben an, warfen dennoch einen Blick auf Kirona, die sie zur√ľcklassen mussten. Der Weg die Treppen hinauf war beschwerlich. Alaryah stie√ü zuerst an ihre Grenzen und Jaro musste sie st√ľtzen, damit sie √ľberhaupt noch weiterhin vorankamen. Weiter und weiter schleppten sich die beiden die Stufen hinauf, doch die Wendeltreppe schien kein Ende zu nehmen. Zwischendurch kamen sie an einem Fenster vorbei und erkannten nur so, wie weit sie sich schon vom Boden entfernt hatten. Dann endlich...eine T√ľr. Sie hielten inne. "Wir haben keine Wahl.", meinte Alaryah und legte ihre Hand auf die Klinke. Sie atmete tief durch. Ein leises Klicken ert√∂nte, als Alaryah die Klinke herunterdr√ľckte und knarrend √∂ffnete sie die T√ľr. Sie waren im oberen Turmzimmer angekommen. Niemand war dort. Mehrere Kisten standen an den W√§nden, scheinbar hatte man diesen Raum als Lagerplatz genutzt. Weiter nach oben ging es nicht. "Was...was nun?", fragte Jaro und Alaryah war ratlos. Sie zog den Stein aus ihrer Tasche hervor. Nirgendwo gab es so etwas wie eine T√ľr oder ein Schloss, wo man den Stein h√§tte einlegen k√∂nnen. "Vielleicht finden wir hier wenigstens irgendetwas, was uns helfen kann.", sagte Alaryah schlie√ülich und so durchsuchten die beiden schnell und leise den Raum. Sie fanden etwas Verbandszeug, diverse Ausr√ľstungsgegenst√§nde und Haushaltswaren. "Jaro, ich glaube wir...". Es polterte hinter Alaryah und sie fuhr erschrocken herum. Jaro war √ľber einen Teppich gestolpert und kam gerade wieder auf die Beine. "Ist alles in Ordnung?", fragte Alaryah und ging zu Jaro hin√ľber, dann hielt sie schlagartig inne. "Jaro, sieh nur!". Sie deutete auf eine Bodenluke, die vorher unter dem Teppich verborgen geblieben war. "Vielleicht ist genau DAS der Eingang?", fragte sie und l√§chelte. "Wom√∂glich hast du unser n√§chstes Ziel gefunden, Jaro.". Gemeinsam √∂ffneten sie die Luke. Darunter war nur endloses Schwarz. Scheinbar bohrte sich dieser Schacht komplett durch die Mitte des Turms bis unter den H√ľgel. "Der gesamte Treppenaufgang...die Mitte des Turms...ist also hohl?!", stellte Alaryah fest und schaute Jaro erstaunt an. "Wir m√ľssen irgendwie da runter.", murmelte die Albin und versuchte in der tiefen Dunkelheit etwas zu erkennen. Sie meinte sogar Ger√§usche von unten zu h√∂ren, doch scheinbar spielten ihr ihre Gedanken und die vorherigen Schl√§ge gegen den Kopf einen Streich.
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

https://nanowrimo.org/widget/LiveSupporter/Jaro-Balliv%C3%B2r.png

Benutzeravatar
Alaryah Schattenwind
Zweitcharakter
Beiträge: 36
Registriert: So 23. Apr 2017, 08:04
Volk: Waldalben

Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#52

Beitrag von Alaryah Schattenwind » So 21. Okt 2018, 16:24

Jaro Ballivòr
Selbst Jaros Augen erkannten nichts als Schw√§rze. Er kniff die Augen zusammen, doch es war sinnlos. Schon nach wenigen Metern konnte er nicht einmal mehr das runde Gem√§uer des Schachts ausmachen. Der Gedanke dort hinab zu steigen, schauderte ihn. Die Luft roch feucht und war kalt. Eines stand fest: dieses Loch war verdammt tief... Tief genug, um zu einer unterirdischen Festung zu f√ľhren? Er schluckte und sah Alaryah an, die schon √ľber den Weg hinab zu gr√ľbeln schien.
"Wenn die Soldaten hier abgestellt sind, um den Eingang zu bewachen", √ľberlegte Jaro laut, "dann kennt ihr Auftraggeber diesen Schacht und will ihn vielleicht auch einmal benutzen... Vielleicht haben wir Gl√ľck, und er hat die Ausr√ľstung daf√ľr schon hierher gebracht!" Gemeinsam machten sie sich erneut daran, das kleine Turmzimmer zu durchsuchen. Alaryah ging zielstrebig zu den Ausr√ľstungsgegenst√§nden, die sie zuvor schon entdeckt und relativ ungesehen zur Seite geschoben hatte. Tats√§chlich mussten sie nicht lange suchen. In einer Kiste lag ordentlich aufgerollt ein langes Seil, das locker so dick wie zwei von Jaros Fingern war. Direkt darunter befand sich eine Art Geschirr, das Jaro an Halfter f√ľr Pferde erinnerte. Alaryah schien zu wissen, wof√ľr es gedacht war, denn sie nahm es sofort heraus und stieg mit beiden Beinen hinein. "Das ist genau f√ľr diesen Zweck hier", murmelte sie. Unterdessen arbeitete Jaro sich durch benachbarte Boxen und fand schnell ein paar kleine Fackeln.
"So weit, so gut", sagte er aufgeregt. "Aber wie sollen wir das Seil befestigen?" Der Gedanke, er m√ľsse Alaryah halten, die entschlossen schien, selbst hinab zu steigen, jagte ihm Angst ein. Wenn er sie fallen lie√ü... Nerv√∂s blickte er sich um, ob es irgendwo Befestigungsm√∂glichkeiten gab.

Alaryah Schattenwind
Kurze Zeit sp√§ter hatte Alaryah die Kletterausr√ľstung auch schon angelegt. So stand sie erst ein paar Augenblicke da, starrte wieder in die Tiefe. "Meinst du, der hier h√§lt?", h√∂rte Alaryah Jaro schlie√ülich fragen. Sie schaute hin√ľber. Jaro deutete zu einem in der Wand eingelassenen Metallring. Scheinbar hatte man dort in der Vergangenheit ebenfalls Gefangene gehalten. Alaryah nickte und gemeinsam befestigten sie das eine Ende des Seils mit einem dicken Knoten an dem Ring, das andere Ende band Jaro an die daf√ľr vorgesehen √Ėse an der R√ľckseite von Alaryahs Klettergeschirr. "Du musst mich nach und nach runterlassen.", stellte Alaryah fest und bemerkte schnell, dass Jaro leicht das Gesicht verzog. "Keine Sorge, ich bin nicht so schwer.". Sie entz√ľndete eine der Fackeln und umfasste noch einmal den kleinen Stein in ihrer Tasche. Er war immer noch dort. "Dann mal los.", sagte Jaro, nachdem er einmal tief durchgeatmet hatte. Alaryah setzte sich auf die Kante, sodass ihre Beine √ľber der Leere baumelten. Auch ihr war nicht ganz wohl bei der Sache. "Oh Jaro, warte! Du solltest die Handschuhe anziehen! Falls ich abrutsche hast du besseren Halt und reisst dir nicht die H√§nde am Seil auf!". Ein guter Hinweis. Dann ging es endlich los. Die kleine Albin schloss die Augen, holte tief Luft und schwang sich hinab in die Dunkelheit. Noch hatte Jaro keine Probleme das Seil sicher zu halten. In kontrollierten, fast gleichen Abst√§nden lie√ü er etwas locker, sodass die Albin vorankam. "Lass mich bitte nicht fallen.", hatte sie noch gesagt und seltsam gel√§chelt. Erneut schaute Jaro √ľber die Kante. Der Fackelschein war erschreckend geschrumpft, doch immer noch zu sehen. Manchmal, wenn Alaryah da so baumelte, warf sie schaurige und lange Schatten an die W√§nde. Es war, als w√ľrden dunkle Gestalten nach ihr greifen... Jaro sch√ľttelte den Kopf und konzentrierte sich wieder. Wann mochte sie dort unten ankommen? Und vor allem...Was, wenn dort schon jemand oder etwas auf sie wartete?!

Jaro Ballivòr
Immer wieder sp√§hte Jaro hinab, dabei wusste er gar nicht, was zu sehen hoffte. Vielleicht wollte er einfach nur sicher gehen, dass die Fackel noch brannte. Pausenlos hielt er die Muskeln angespannt und stemmte sich mit seinen F√ľ√üen gegen den Rand des Schachts. Alaryah wog tats√§chlich nicht viel, doch die Furcht, sie fallen zu lassen, sa√ü tief in Jaros Knochen. Auch wollte er bereit sein, falls sie in Gefahr geriet und er sie schnell wieder hochziehen musste. Er merkte nicht einmal, dass er viel fester zupackte, als n√∂tig gewesen w√§re und bald begannen seine H√§nde vor Anstrengung zu zittern. Schwei√ü trat Jaro auf die Stirn. Hinzu kam, dass er st√§ndig f√ľrchtete, jemand k√∂nnte ihr Verschwinden bemerkt haben und die Treppe hinauf eilen. Was sollte er dann machen? Er konnte ja schlecht einfach loslassen... In Gedanken versunken und von der Ersch√∂pfung schon ein wenig eingelullt, geschah es dann. Jaro verlor den Halt mit seinem rechten Fu√ü und kippte zur√ľck. Vor Schreck entglitt ihm fast das Seil und als er wieder zupackte, ruckte es ihn regelrecht nach vorn, sodass er einen Moment lang f√ľrchtete, in die Tiefe zu st√ľrzen. Das Herz schlug ihm bis zum Hals und Schwindel nahm ihm die Sicht. Aus der Tiefe h√∂rte er Alaryah schreien oder fluchen, er konnte ihre Worte nicht verstehen. Wild atmend stemmte Jaro sich wieder so fest er konnte gegen das Seil und brauchte einen Augenblick, bis er Alaryah das n√§chste St√ľck ablassen konnte. Er wollte ihr zurufen, ob alles in Ordnung sei, doch seine Stimme versagte ihm., w√§hrend ihm weiter der eigene Herzschlag in den Ohren dr√∂hnte.

Alaryah Schattenwind
Die Eint√∂nigkeit der kargen W√§nde und das Gef√ľhl schon wieder viel zu weit unter der Erde zu sein bedr√ľckten Alaryah. Ihre Fackel spendete weiterhin Licht, doch wie lange mochte dies noch so bleiben? Wieder und wieder hielt sie die Fackel so weit unter sich, wie es nur ging. Vor Alaryahs innerem Auge krochen schon wieder Gestalten aus der Dunkelheit...doch zwang sie sich zur Ruhe. Pl√∂tzlich gab das Seil, gerade als Alaryah den n√§chsten Teil der Strecke hinter sich brachte, abrupt nach und die Albin raste hinab. Sie schrie erschrocken auf, versuchte sich festzuhalten, doch vergeblich. Panik hatte von Alaryah Besitz ergriffen. Durch den Fall w√§re beinahe die Fackel erloschen, doch dann schien das Seil wieder einzurasten. Unsanft prallte die Albin gegen eine der Seitenw√§nde, s√§mtliche Luft wurde aus ihrer Lunge gepresst. War Jaro einfach nur abgerutscht, oder schwebte er in Gefahr? Alaryah konnte es nicht mit Sicherheit sagen. Sie schnaufte mehrmals um wieder zu Atem zu kommen, doch auch ihre Rufe blieben unbeantwortet. Dann lie√ü man ihr wieder Seil und die Reise nach unten konnte weitergehen. Erst jetzt merkte die Albin die Schmerzen, die sie durch den "gl√ľcklichen" Halt erlitten hatte. Bluterg√ľsse und Sch√ľrfwunden w√ľrde es geben, so viel war sicher. Dann riss sie die Augen auf. War der Stein noch da?! Hastig tastete Alaryah nach ihrer G√ľrteltasche. Der Stein befand sich weiterhin an seinem Ort, war jedoch erstaunlich k√ľhl geworden. Es machte sogar den Anschein, dass ein schwaches Licht in ihm verglomm.
Jaro bekam von all dem gerade nichts mit. Mit M√ľhe und Not hatte er den Sturz gebremst, verfluchte sich innerlich. Er hoffte, dass Alaryah nichts passiert war...
Alaryah bemerkte plötzlich mehrere Steine in der Wand, die auffälliger waren als andere. Seltsame Schriftzeichen waren dort eingraviert und je tiefer sie kam, desto mehr wurden es. Dann offenbarte der Fackelschein Alaryah etwas, was sie nicht in diesen Tiefen erwartet hatte...

Jaro Ballivòr
Irgendwann viel sp√§ter brachte Jaro es dann doch √ľber sich, zu rufen. "Alaryah?", sagte er gerade in Zimmerlautst√§rke. Er wusste nicht, wie laut er sein durfte, ohne durch das ganze Treppenhaus geh√∂rt zu werden. Vielleicht hatte er Gl√ľck und der Ton hallte im Schacht so laut nach, dass Alaryah ihn h√∂rte? "A... Alaryah?" Er versuchte es etwas lauter. Hoffentlich hatte sie sich nichts getan! Er hatte sie einfach weiter hinab gelassen wie vereinbart und erst jetzt, da der Schock endlich nachlie√ü, wurde ihm bewusst, dass sie sich ernsthaft verletzt haben k√∂nnte. Immerhin hing sie noch am Seil, das sp√ľrte er, doch was, wenn sie bewusstlos war? "Alar-" Ein pl√∂tzlicher Zug am Seil lie√ü Jaro inne halten. Wieder - dieses Mal fester. Und dann noch einmal und noch einmal in k√ľrzeren Abst√§nden. Das war ihr vereinbartes Zeichen. Er musste sie hochziehen. Langsam und konzentriert gab Jaro das Seil von Hand zu Hand. Auf keinen Fall wollte er sich einen weiteren Lapsus erlauben. Doch sein Stand war fest und die Aussicht, Alaryah dort wieder hinaus zu kriegen, gab ihm zus√§tzlich Kraft. St√ľck f√ľr St√ľck zog er, obwohl seine Arme bereits brannten und als er vorsichtig √ľber den Rand sp√§hte sah er erleichtert, wie nahe das Licht schon war. Er wagte, die Geschwindigkeit zu erh√∂hen und schlie√ülich zog sich Alaryah selbst √ľber den Rand. Sie √∂ffnete den Mund, um etwas zu sagen, da polterte es weiter unten im Turm. Rufe ert√∂nten, Fu√ügetrappel, klirrendes Metall. Jaro und Alaryah sahen sich an. Ihr Verschwinden war bemerkt worden und schon jetzt eilten M√§nner die Treppe hinauf.

Alaryah Schattenwind
"Verdammt.", fluchte die Albin und verzog grimmig das Gesicht. "Was machen wir denn jetzt?!". Sie sah sich um. "Wir m√ľssen die T√ľr verbarrikadieren!". Die beiden hasteten umher, schoben ein paar Kisten vor die T√ľr. Es w√ľrde nicht sonderlich lang helfen, so viel war sicher. "Wir d√ľrfen nicht zulassen, dass dieser Eingang offen bleibt.", sagte Alaryah schlie√ülich und atmete schwer. Sie trug immer noch ihre Kletterausr√ľstung, weiterhin das Seil hinter sich herschleifend. "Ich weiss allerdings nicht, WIE wir diesen hier versiegeln sollen.". Mit der Faust schlug Alaryah dumpf auf eine der Kisten. "Der Stein hat einmal schwach geleuchtet, glaube ich zumindest.". Die Ger√§usche hinter der T√ľr kamen n√§her. "Was hast du denn dort unten gesehen? Eine T√ľr? Eine Luke? Irgendwas?", versuchte Jaro zu helfen. Alaryah sch√ľttelte den Kopf. "Ich kam hinterher an gravierten Steinen vorbei und...". Weiter kam sie nicht. Jemand trat von au√üen gegen die T√ľr. "Ihr k√∂nnt euch nicht verstecken!", dr√∂hnte es von dort. "Wir kommen jetzt rein und stechen euch ab!". Alaryah und Jaro warfen sich gegen die provisorisch aufgeschichtete Barrikade, wurden von dem w√ľsten Ansturm jedoch mehrmals zur√ľckgeworfen. "Jaro, was sollen wir tun?!". Zum ersten Mal seit ihrer ersten Begegnung erkannte Jaro Panik und Furcht in Alaryahs Augen. Die Situation war √ľberaus verzwickt. Sie hatten nur eine Kletterausr√ľstung und die w√ľrde sie nicht beide halten, sollten sie denn den Weg nach unten w√§hlen. Au√üerdem blieb nicht die Zeit f√ľr einen sicheren Abstieg, so lange w√ľrden T√ľr und Barrikade nicht halten. Sollten sie bleiben und k√§mpfen? Was war mit Kirona? War sie noch am Leben? Pl√∂tzlich ging alles sehr schnell. Ein weiterer Ansturm von au√üen schmetterte gegen das Holz und die T√ľr flog aus den Angeln. Langsam aber stetig arbeiteten sich √Ąxte und Streitkolben hindurch, etwas weiter entfernt kamen Alaryah und Jaro wieder auf die Beine. "Das war es dann wohl.", keuchte Alaryah und zog ihre Waffen. √úber die Schulter hinweg sah sie zu Jaro, Tr√§nen stiegen ihr in die Augen. Schnell huschte sie zu ihm hin√ľber, schloss die Augen und dr√ľckte ihre Stirn an seine. "Wir werden uns wiedersehen.", sagte die Albin mit zittriger Stimme und wirbelte herum, als das Holz nun endg√ľltig und krachend nachgab.
Mehrere Schergen betraten den Raum und reihten sich nebeneinander auf wie Raubtiere, die den Kreis um ihre Beute enger ziehen wollten. Mit einem Sto√ügebet in Gedanken und einem Kampfschrei auf den Lippen st√ľrmte Alaryah voran. Dann passierte jedoch etwas, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Von der Seite raste einer der M√§nner heran, lief genau in die kleine, zierliche Albin hinein und stie√ü sie mit der Schulter um. Alaryah wartete auf den harten und unangenehmen Aufprall...doch er blieb aus. Sie fiel. Und fiel. UND FIEL!?

Jaro Ballivòr
Eine allgemeine Atempause entstand, als alle Augen im Raum auf den Schacht gerichtet waren, der soeben Alaryah und den W√§chter geschluckt hatte. Nur langsam kam die Botschaft in Jaros Bewusstsein an... Alaryah... die Luft blieb ihm weg, er taumelte und musste sich auf einer der Kisten abst√ľtzen, um nicht zu fallen. Nein! Alaryah! Gegen√ľber r√§usperte sich jemand und als Jaro den Kopf wandte, blickten sich die M√§nner untereinander an, wie um sich an ihr eigentliches Vorhaben zu erinnern. Jaro schluckte. Er wich weiter zur√ľck und stie√ü gegen den n√§chsten Stapel wahlloser Kisten und Gegenst√§nde. Es gab keinen Ausweg. Langsam kamen die Schergen auf ihn zu und Jaro wusste nicht, ob sie mit ihm spielten oder ob sie irrsinnigerweise Angst hatten. Von der eigenen Panik getrieben, sprintete Jaro los. Wenn er die Reihe durchbrechen und ins Treppenhaus gelangen konnte, konnte er es schaffen. Doch er kam nicht weit. Schmerzhaft prallte er gegen den ausgestreckten Arm eines Postens, wurde ausgehebelt und fiel auf den R√ľcken. S√§mtliche Luft wurde aus seiner Lunge gepresst. Dann dr√ľckte ihn ein Fu√ü auf den Boden und eine Klinge erschien in seinem flimmernden Blickfeld. "So, Freundchen. Das war's jetzt."
"Aber... was ist mit der Befragung?", warf ein anderer ein.
"Schei√ü auf die Befragung! Mir gef√§llt die ganze Sache nicht. Sie sind Eindringlinge und wir machen sie weg. Erst den da und dann die Wahnsinnige dort unten." Er wies zur T√ľr. Wie auf Kommando, betrat in diesem Moment noch jemand den Raum.
"Nimm die Klinge weg, Branhard."
"Wieso sollte ich? Die dreckigen Alben haben im verbotenen Raum herumgeschmuggelt. Sie haben das hier gefunden," wobei er auf den Schacht wies, "glaubst du, die Meister lassen uns ganz, wenn sie erfahren, dass wir sie haben laufen lassen?"
"Sein Leben f√ľr meines. Ich schulde es ihm."
Einen Moment herrschte Stille. Dann erh√∂hte sich der Stiefeldruck auf Jaros Brust und der Mann namens Branhard knurrte. "Schei√ü auf dein Leben, Wibalt!" Er holte mit der Klinge aus und Jaro sah sein eigenes entsetzte Spiegelbild darin, ehe das schmatzende Ger√§usch von Stahl in Fleisch ert√∂nte. Doch der Schmerz blieb aus. Branhard r√∂chelte und als Jaro einen Blick nach oben riskierte, sah er, wie Wibalt sein eigenes Schwert aus dem Hals des Mannes zog. Sofort setzte Gemurmel ein. Ein Mann griff Wibalt an, der ihn abwehrte, ohne ihn zu verletzten. "H√∂rt mir zu!", rief er. "Hier ist etwas B√∂ses am Werk, etwas Dunkles. Wir h√§tten uns nie darauf einlassen d√ľrfen."
"Feigling!", spuckte ein anderer aus und mehrere fielen in seine Proteste ein. Doch einige schlugen sich auch auf Wibalts Seite und ehe Jaro sich versah, brachen um ihn herum Gefechte aus. R√ľckw√§rts robbte er in Richtung T√ľr und hatte dabei M√ľhe, den F√ľ√üen und Waffen der K√§mpfenden auszuweichen. Sein Blick fiel auf den Schacht und Verzweiflung schn√ľrte ihm einmal mehr die Kehle zu. Alaryah... erst jetzt wurde ihm so richtig bewusst, dass er seine Freundin f√ľr immer in der Tiefe verloren hatte.

Alaryah Schattenwind
Alaryah √∂ffnete die Augen. Im freien Fall raste sie dem Abgrund entgegen. Sie war nicht allein? Einer der Schergen fiel ebenfalls mit ihr den Schacht hinab, versuchte wieder und wieder die Albin zu greifen, das Gesicht von Wut und Hass verzerrt. Er wollte sie immer noch umbringen! Alaryah wehrte die groben Angriffe ab. Irgendwann bekam der Kerl sie jedoch mit einem groben Griff zu packen. Er zog die kleine Albin m√ľhelos zu sich, und tastete nach seinem schartigen Messer am G√ľrtel. "Du gehst hier vor mir drauf, Kurze!", sagte er mit mehr als feuchter Aussprache und grinste. Alaryah dachte nicht lange nach und schlug dem Kerl die Faust ins Gesicht, wieder und wieder. Ihr K√∂rper reagierte von selbst, von purem √úberlebenswillen gesteuert. Endlich lie√ü der Mann von ihr ab, schlug mit dem Kopf an die Wand des Schachts und prallte davon ab. Alaryah griff nach dem Stein in ihrer Tasche. Jetzt konnte ihr niemand mehr helfen. Alles war umsonst gewesen. Wahrscheinlich hatten die Kerle Kirona feige abgestochen, ohne, dass sie auch nur den Hauch einer Chance hatt sich zu wehren. Und was mochten sie erst mit Jaro anstellen? Alaryahs Blickfeld wurde verschwommen, sie fiel schneller als ihre Tr√§nen, schneller als der Scherge, der erneut gegen die Wand prallte und...schneller als der Stein! Sie schloss die Augen. Der Stein, der nun wieder schwach leuchtete, war ihren Fingern entglitten. So nah und doch so fern vom Ziel. Sie hatten versagt. Sie hatte versagt.
Alaryahs Fall wurde gebremst, sie prallte von etwas ab und erinnerte sich. Da waren diese Wurzeln gewesen! Viele feine Wurzeln, die eine netzartige Struktur gebildet hatten. Die Steine mit den Schriftzeichen tauchten um sie herum auf. Sie war in etwa dort, wo ihr erster Abstieg geendet hatte. Es knirschte laut, als Alaryah durch zahllose Schichten Wurzelwerk fiel, weitere feine √Ąste brachen, als der Scherge folgte. Die kleine Albin schrie wie am Spie√ü, als die weichen Wurzeln von √Ąsten und Dornen abgel√∂st wurden. Dann endete Alaryahs Sturz endg√ľltig. Sie blieb in einer Astgabelung h√§ngen, hatte √ľberall Kratzer und Schnitte, blutete aus schier unz√§hligen kleinen Wunden. Der Scherge landete schlie√ülich auf einer Art Moosfl√§che, nicht weit unter ihr. Sie hatten den Boden erreicht! Doch wo war die Luke? Wo war die T√ľr, das Portal? Alaryah schaute nach oben. Ein kleines Licht raste auf sie zu. Es wurde heller und heller. Die Albin verdeckte unbeholfen die Augen mit ihrem linken Arm, w√§hrend sie sich mit dem anderen an der Astgabel festhielt. "Wir...sind...noch nicht fertig!", kr√§chzte der Soldat von unten und versuchte auf die Beine zu kommen. Dann schoss das Licht an Alaryah vorbei und erst jetzt ging ihr auf, dass es sich um den Stein handeln musste, den sie zum Versiegeln des Eingangs mitgenommen hatte. Durch den freien Fall, die Luftstr√∂me, schien er seine Kraft entfesselt zu haben! Kurz vor dem W√§chter platzte der Stein auf und es war, als w√ľrde ein Sturm tosen. Alaryah hatte M√ľhe, sich an dem br√∂ckelnden Ast festzuhalten. Dann grollte es, wie ein Gewitter in der Ferne und der Stein l√∂ste sich endg√ľltig auf. Eine Wolke breitete sich aus und versperrte die Sicht auf den Mann am Boden mehr und mehr. Er fluchte, warf Alaryah Verw√ľnschungen entgegen, die jedoch leiser und leiser wurden. Sie zog an dem Seil. Die Wolke breitete sich weiter aus und wurde dichter. Der Kerl war nun nicht mehr zu sehen, seine Rufe waren kaum mehr als ein Fl√ľstern. Ihre letzten Kr√§fte aufbringend und voller Verzweifelung riss Alaryah an dem Seil, welches schlaff nachgab. "Nein...bitte...", flehte sie leise. "Bitte..."

Jaro Ballivòr
Das Seil zuckte. Jaro verharrte wie vom Blitz getroffen. Er starrte auf den Strick. Hatte er sich das nur eingebildet? Sah er nur, was er sehen wollte? Eilig sah er sich um. Die T√ľr war nah. Die M√§nner rangen noch immer miteinander, wobei zwei schon st√∂hnend am Boden lagen, ihre H√§nde auf verschiedene Wunden gepresst. Sollte er es riskieren... oder fliehen? Jaro presste die Lippen aufeinander und schalt sich innerlich f√ľr diese Frage. Selbstverst√§ndlich w√ľrde er nachsehen! Wenn es nur die geringste Chance gab, dass Alaryah noch lebte, musste er sie ergreifen. Unauff√§llig √§nderte er seine Richtung und bewegte sich auf das Loch im Boden zu. Endlich erreichte er das Seil und z√∂gerte kurz. Was, wenn er daran zog und keine Antwort kam? Er verscheuchte den Gedanken. Es war ein ganzes St√ľck mehr im Schacht verschwunden als zuvor, doch noch immer war das Seil nicht stramm. Vorsichtig zog er, erst sachte, dann bestimmter... und er bekam eine Antwort! Bitte, lass es Alaryah sein, flehte er im Stillen. Sitzend stemmte er sich gegen den Rand und zog. Sie war es, das erkannte er sofort am Gegengewicht. Verstohlen sah er sich um, doch noch schien niemand bemerkt zu haben, was er tat. Im Vergleich zu vorher zog Jaro wesentlich schneller. Er durfte keine Zeit verlieren! Bitte, bitte!, flehte er stumm.
"Was tust du da du Wurm?", grollte plötzlich eine Stimme und Jaros Herz sank in die Hose. Der Mann stieß seinen Gegner zur Seite und kam auf ihn zu. Im Hintergrund rappelte sich der Kämpfer auf, der auf Wibalts Seite gestanden hatte. Doch anstelle anzugreifen, trat er neben den Mann und runzelte die Stirn.
"Diesen Sturz kann doch keiner √ľberlebt haben. Lass gut sein Junge, du ziehst eine Leiche da raus."
Ohne zu antworten, zog Jaro weiter.
"Nein. Die lebt. Und er weiß das", knurrte der erste. Mit erhobener Waffe ging er weiter auf Jaro zu, dem nun zum wiederholten Mal die Panik in die Glieder kroch.
"Halt." Wibalt trat dem Angreifer in den Weg. "Ich-" Weiter kam er nicht. Ein Schwert ragte aus seiner Seite. Jaro sah, wie er beinahe ungläubig den Kopf drehte und den Mann erblickte, den er vermutlich schon besiegt geglaubt hatte. Dann ging er zu Boden.
"So... dein Leben f√ľr seines also. Daf√ľr kann ich sorgen."
B√∂se grinsend setzte der Krieger an, das letzte St√ľck zu Jaro zu √ľberbr√ľcken.

Benutzeravatar
Jaro Ballivòr
Volkslegende
Beiträge: 161
Registriert: Do 2. Mär 2017, 12:13
Auszeichnungen: 4
Volk: Lichtalben
Steckbrief: [ externes Bild ]

Die Ordnung Chronist in Bronze Die flei√üige Feder in Bronze Schl√ľsselloch

Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#53

Beitrag von Jaro Balliv√≤r » Fr 26. Okt 2018, 16:00

Alaryah Schattenwind
Alaryah konnte ihre Tr√§nen nun nicht mehr zur√ľckhalten. Mutlos sank sie in sich zusammen, nur schwach hielt sie gerade noch so das Seil fest. Doch dann...Eine Reaktion! Jemand war dort oben! War es Jaro? Ihre Gedanken drehten sich im Kreis. War er noch am Leben? Wurde sie gerade von einem der Schergen geborgen, der eigentlich seinen Kameraden an ihrem Ende des Seils erwartete? Was, wenn es wirklich so war? Was mochte man dann mit ihr anstellen? Alaryah hielt sich so gut sie konnte fest. Nur unter Aufbringung all ihrer noch verbliebenen Kr√§fte schien es der Albin m√∂glich, sich wieder und wieder von der kalten Steinwand abzust√ľtzen. Aber es ging hinauf! Weiter und weiter! Ihre Arme zitterten, ihre Beine waren taub und es schien, als w√ľrde der Klettergurt an allen Stellen einschneiden und f√ľr brennenden, scheuernden Schmerz sorgen. Alaryah biss sich auf die Unterlippe. "Wach bleiben.", fl√ľsterte sie sich selbst zu. "Bleib. Wach.". Wieder und wieder kippte ihr Kopf zur Seite. Warum war das alles so anstrengend? Eher halbherzig versuchte Alaryah dann sich einen √úberblick √ľber ihre Verletzungen zu verschaffen, doch schon bald gab sie auch das auf. Egal, wo sie tastete und f√ľhlte, √ľberall schien nur Schmerz und Blut zu warten. Sie hustete. Doch dann war es soweit! Sie konnte einen Lichtschein sehen! Dort oben! Wieder waren Ger√§usche von oben zu h√∂ren. Jemand sprach dort. Dann wurde die kleine Albin pl√∂tzlich gepackt und √ľber die Kante gezogen. Hatte Jaro immer noch solche Kr√§fte aufbringen k√∂nnen? Schwer atmend lag Alaryah auf dem Bauch, hob dann aber langsam den Kopf. Vor ihr konnte sie nur ein Paar Stiefel erkennen, weiter hinten im Raum lagen mehrere Gestalten am Boden. Jaro stand dort. Alaryah hob nun auch ihren Arm, wollte nach Jaro greifen, der jedoch viel weiter als ihre Arml√§nge entfernt war. Ihre Hand begann zu zittern, dann verlie√üen Alaryah auch die letzten Kr√§fte und leise seufzend fiel sie ihn eine d√ľstere Ohnmacht.

Jaro Ballivòr
Es gab nichts, was Jaro h√§tte tun k√∂nnen, also zog er Alaryah einfach stur weiter nach oben. Der Kerl w√ľrde ihn so oder so erreichen, blieb nur zu hoffen, dass Alaryah vorher aus dem Schacht befreit war. Jaros Blick war auf seine H√§nde geheftet. Er wollte nicht sehen, was da auf ihn zukam. Um ihn herum klirrten noch immer Waffen, trampelten Stiefel √ľber die Dielen und knurrten und st√∂hnten M√§nner. Ansonsten geschah allerdings nichts. M√ľsste ihn der W√§chter nicht schon l√§ngst erreicht haben? Hatte ein anderer ihn wieder in ein Gefecht verwickelt? Jaro riskierte einen Blick nach oben und runzelte die Stirn. Ein weiterer Mann war im Raum und Jaro war sich sicher, dass er zuvor noch nicht dabei gewesen war. Anders als die anderen trug er einen langen Umhang mit Kapuze. Der Krieger, der Jaro hatte umbringen wollen, lag leblos am Boden. Ebenso ein Gro√üteil der verbliebenen M√§nner. Jaro sah wieder zu dem Fremden. Er bewegte sich elegant und geschickt, fast schon l√§ssig und war den Gegnern dabei immer einen Schritt voraus. Jaro fiel auf, dass er gegen zwei M√§nner k√§mpfte, die sich vorher noch gegenseitig in den Haaren gelegen hatten. Er geh√∂rt definitiv nicht zu ihnen, dachte Jaro. Aber hie√ü das, dass er auf Alaryah und seiner Seite war? Wie war er √ľberhaupt unbemerkt hier hoch gekommen? Mehr Zeit zum Gr√ľbeln blieb Jaro nicht. Nacheinander fielen die beiden letzten W√§chter und der Fremde drehte sich, nachdem er seine blutigen Klingen an den Kleidern der Gefallenen abgewischt hatte, langsam zu ihm um.
"Hallo Jaro", sagte Linor mit seiner melodischen Stimme. Er lächelte und es war kaum vorstellbar, dass dieselbe Person eben noch mehrfach getötet hatte. "Schön, dich zu sehen."
Jaro konnte nicht behaupten, dass er das ebenso empfand. Noch immer zog er Alaryah mechanisch St√ľck f√ľr St√ľck nach oben.
"Lass mich machen." Ohne auf eine Antwort zu warten, trat Linor heran und griff das Seil. Misstrauisch wich Jaro ein St√ľck zur√ľck, behielt den Strick weiter hinten aber in den H√§nden. Linor lie√ü die Waldalbin allerdings nicht fallen, sondern zog sie beachtlich schnell heraus. Als Alaryah endlich befreit war, bedeutete Linor Jaro auf Abstand zu bleiben. Die Waldalbin sah furchtbar aus. Auf jedem freien St√ľck Haut waren Blessuren zu erkennen und unter ihrer Kleidung sah es vermutlich nicht besser aus.
Linor begann sie mit flinken Händen abzutasten. Jaro machte einen Schritt auf ihn zu, doch der Sänger hob erneut eine Hand.
"Keine Sorge, Jaro. Ich werde ihr nichts tun." Seine Stimme hatte einen merkw√ľrdigen Unterton, den Jaro nicht so recht deuten konnte. Trotzdem blieb er stehen und wartete. Linor fummelte zwei Fl√§schchen heraus. Er begann die √∂lige Fl√ľssigkeit des einen auf einige gr√∂√üere Verletzungen aufzutragen. Als er schlie√ülich das zweite entkorkte, blickte er Jaro erneut an. "Wirklich, alles gut. Wenn ich sie h√§tte tot sehen wollen, h√§tte ich sie einfach wieder hinabfallen lassen." Sein Blick bohrte sich unangenehm in Jaro, der froh war, als Linor sich wieder Alaryah zuwandte. Sachte, beinahe liebevoll, strich er ihr eine Str√§hne aus dem Gesicht und tr√§ufelte ihr ein paar Tropfen der gelblichen Fl√ľssigkeit in den Mund.

Alaryah Schattenwind
Es kam Alaryah vor, als w√ľrde sie tauchen. Sie schien in einer tr√ľben Dunkelheit zu schweben, sanft ruderte sie mit ihren Armen. Was war passiert? Jaro. Er war irgendwo in der N√§he gewesen. Alaryah wollte nach ihm rufen, doch kam kein Laut √ľber ihre Lippen. Sie versuchte es wieder und dann noch einmal, jedoch vergeblich. Dann sp√ľrte die Albin pl√∂tzlich eine ruhige W√§rme in ihrem K√∂rper aufsteigen. Es war, als h√§tte sie gerade warmen Tee im Bauch. Alaryah sah an sich hinunter. Alles schien normal. Die W√§rme breitete sich bald schon bis in ihren Brustkorb aus und ging dann in Arme und Beine √ľber. Schlie√ülich sp√ľrte Alaryah ein leichtes Kribbeln in den Fingerspitzen und die tr√ľbe Dunkelheit verzog sich wie Regenwolken, die die Sonne wieder freigaben.

Mit einem schweren Keuchen schlug Alaryah die Augen auf. Sie prustete und schnappte nach Luft. Panisch suchte die Albin mit ihren H√§nden nach Halt, als w√ľrde sie immer noch im freien Fall sein. Dann packte und fixierte sie ein fester Griff. Jemand hielt sie fest! Erst wandte sie sich verzweifelt, doch dann sp√ľrte Alaryah eine sanfte Ber√ľhrung an ihren Wangen. Sie hielt abrupt inne und ihr Blick traf eine weitere Person, die √ľber sie gebeugt hockte. Erst jetzt erkannte Alaryah Jaro. Er war am Leben! Schlagartig endete ihre Gegenwehr. "Jaro.", stellte sie kaum h√∂rbar fest und ihr linker Mundwinkel zuckte kurz nach oben. "Was ist passiert?", fragte sie, immer noch leise sprechend. Nach und nach erinnerte sie sich. Zuerst fielen Alaryah ihre Schmerzen wieder ein, die sie noch vor wenigen Augenblicken gehabt hatte. Sie waren noch da, doch f√ľhlte sich gerade alles nach Muskelkater und gro√üer, erlittener Belastung an. Der Schmerz war stumpf und bei jeder Bewegung schien ihr K√∂rper nun innerlich zu schreien. Immerhin konnte sie sich noch bewegen! Dann lockerte sich endlich auch der fixierende Griff. Langsam drehte Alaryah den Kopf. "Wie hast du es nur gescha...". Ihre Augen weiteten sich. Das war nicht Kirona. Wibalt schon gar nicht. Konnte das wirklich sein? "Wie...wie konntest du...? Was zum...?!". Alaryah versuchte von Linor wegzukommen. Er kam der Albin jedoch zuvor, erhob sich und trat ein paar Schritte zur√ľck. "Keine Sorge.", sagte er freundlich und hob beruhigend die H√§nde. "Du hast gute Gef√§hrten.", stellte Linor dann fest und verschloss die Bodenluke zum Schacht. "Jaro? Was macht er hier?!", fragte Alaryah und hielt Jaros Unterarm so fest sie konnte.

Jaro Ballivòr
"Das wei√ü ich ehrlich gesagt nicht. Er war pl√∂tzlich einfach da und...", nerv√∂s sah er zu Linor, der ihn am√ľsiert musterte. "Und er hat uns gerettet." Er berichtete weiter, wie er Alaryah hatte heraufziehen wollen und wie die M√§nner ihn dabei erwischt hatten. Linors Gesicht war eine kaum zu deutende Maske der Freundlichkeit, was Jaro eine G√§nsehaut √ľber den R√ľcken jagte. Der Kampf hatte keinerlei Spuren an ihm hinterlassen, er schien seiner Lage absolut Herr zu sein und es alles andere als eilig zu haben. Wie als h√§tte er Jaros Gedanken gelesen, schloss er an Jaros Erl√§uterungen an.
"Eigentlich war ich nur zuf√§llig hier, wollte hier rasten, doch ich sah, dass etwas nicht stimmte. Als ich dann die gefesselte, na? wie hie√ü sie noch gleich? Kirona", nahm er Jaros Hinweis an, "dort unten sah, sp√ľrte ich einfach, dass ihr in Gefahr seid."
Jaro brauchte Alaryah nicht anzusehen, um zu wissen, dass sie Linor ebenfalls kein Wort glaubte. Er zweifelte sogar, dass Linor diese Hoffnung hegte. Mittlerweile waren es der spontanen Begegnungen schon zu viele um noch zufällig zu sein. Doch was sollten sie tun? Linor zur Rede stellen? Hier und jetzt, in ihrer Lage?
"Nun... ich denke ihr wollt hier nicht bleiben, oder?", beendete der große Sänger die unangenehme Stille. "Eure Freundin kann es bestimmt auch kaum erwarten aus diesen Ketten befreit zu werden."
Jaro half Alaryah auf die Beine, bevor Linor das tun konnte.
"Kannst du gehen?", fragte er leise. Er suchte ihren Blick. Linor hatte nicht gefragt, warum sie eigentlich hier waren. Was, wenn er von den Eingängen wusste?

Alaryah Schattenwind
Es war m√ľhsam, doch Alaryah k√§mpfte sich auf mit Jaros Unterst√ľtzung nach oben. Anders w√§re es ihr auch nicht m√∂glich gewesen aufzustehen. "Wir sollten gehen.", sagte Alaryah ohne wirkliche Emotion in ihrer Stimme, was seltsam ungewohnt klang. Jaro wollte mit ihr im Arm gerade den ersten Schritt machen, da hielt Alaryah ihn zur√ľck. "Ihr geht vor.", sagte sie dann in Richtung Linor und deutete schwach auf den von √Ąxten und Streitkolben zertr√ľmmerten Eingang zum Turmzimmer. "Selbstverst√§ndlich doch, ganz wie ihr m√∂gt.", entgegnete Linor mit einer leichten Verbeugung und schief gelegtem Kopf. Dann rauschte er an Jaro und Alaryah vorbei. Langsam aber sicher folgten die beiden. Erst kamen sie nur mit ein paar kleinen Schritten voran, doch irgendwann war es Alaryah m√∂glich den Umst√§nden entsprechend schnell zu gehen. Ab und an mussten sie halten, da Alaryahs Knie zitterten oder ihr K√∂rper anderweitig streikte. Somit verz√∂gerte sich der Abstieg etwas, doch Jaro redete der Albin weiterhin beruhigend zu. Es war √ľberhaupt schon einmal gut, dass sie √ľberhaupt laufen konnte! Jedoch w√ľrde es noch einige Zeit dauern, bis sich Alaryah von den vielen kleinen Verletzungen erholt hatte. Beide wussten es, keiner sprach es aus.
Endlich kamen die drei unten an. Es dauerte gef√ľhlt eine halbe Ewigkeit, bis auch Kirona endlich befreit und die kleine Reisegruppe wieder vereint war. "Alaryah, was meinst du, sollten wir...?", begann er, den Blick auf Linor gerichtet, der seine Version der Geschichte nun auch Kirona erz√§hlte. "Nein, Jaro. Wir sagen ihm nichts. Er muss nichts von unserer Reise wissen. Wir sollten wachsam sein.". Jaro nickte und half Alaryah erneut auf die Beine. "Und jetzt sind wir hier.", endete Linor schlie√ülich und machte eine eher beil√§ufige Geste in Richtung Alaryah und Jaro. "Wir sollten unser Gep√§ck suchen.", schlug Jaro vor und Alaryah nickte zustimmend, wenn auch m√ľde. "Oh, ihr habt wahrscheinlich Recht.", sagte Linor dann. ""Suchen" ist genau das richtige Wort, mein lieber Freund. Drau√üen vor der T√ľr liegen ein paar durchw√ľhlte Taschen, m√∂glicherweise geh√∂rt davon ja das ein oder andere euch?". Die drei sahen sich mit gro√üen Augen an. Was, wenn jemand ihre Sachen durchw√ľhlt und auf die Geheimnisse gesto√üen war? Was, wenn Linor ebenfalls herumgeschn√ľffelt hatte?! Bewegung kam in die Runde. Auch drau√üen lagen leblose K√∂rper, hier hatte jemand ganze Arbeit geleistet. Und tats√§chlich: Dort dr√ľben erkannten die Gef√§hrten ihre Habseligkeiten.

Jaro Ballivòr
Mit schnellen Schritten ging Jaro voran, besann sich dann aber eines Besseren. Linor musste nicht wissen, dass es etwas Wichtiges in ihrem Gep√§ck gab... oder gegeben hatte. Jaro hatte f√ľr sich beschlossen, die Suche in die Hand zu nehmen. Alaryah ging es nicht gut und auch Kirona schien noch nicht recht bei Sinnen zu sein. Ihr Blick war leicht entr√ľckt und sie war tief in Gedanken versunken. W√§hrend Jaro so tat, als r√§ume er alles wieder ordentlich zusammen, ging der die Habseligkeiten durch. Er begann mit Alaryahs B√ľndel. Vorsichtig schlichtete er die wenigen Besitzt√ľmer neu und entdeckte schlie√ülich die Tafeln von Nativus. Gut, Punkt eins war sicher. Seine eigenen Sachen lagen unweit daneben und auch die Kartenfragmente waren noch da. Die Geldb√∂rse, die er vor einer Ewigkeit Kironas Peinigern abgenommen hatte, war allerdings geleert worden. Damit konnte er leben. Es fehlte nur noch das K√§stchen mit den Steinen und damit ihr wichtigstes Gut. Und die Waffen. Jaro sah sich um. Alaryahs Bogen lehnte an der Turmmauer. Die Waldalbin hinkte hingegen gerade auf einen leblosen W√§chter zu. Sie murmelte irgendetwas und Jaro hatte den Eindruck, dass es keine freundlichen Worte waren. Mit einem St√∂hnen b√ľckte sie sich hinab und entriss dem Toten ihre Langdolche. Ihm hatten sie wie es schien kein Gl√ľck beschert. Aber wo waren Kironas Sachen? Wo war das K√§stchen? Mit wachsender Unruhe suchte Jaro den Boden ab und warf den beiden Frauen dabei immer wieder schnelle Blicke zu. Linor stand wie beil√§ufig an den T√ľrrahmen gelehnt und beobachtete das Geschehen. Schlie√ülich r√§usperte er sich.
"Sucht ihr vielleicht das hier?" Er griff unter seinen Umhang und holte die kleine Schatulle hervor.

Alaryah Schattenwind
Der Ruck, der durch die drei Gef√§hrten ging, war deutlicher zu bemerken als sie es sich erhofft hatten. Sie alle wurden f√ľr den Bruchteil einer Sekunde von ihren Emotionen √ľbermannt und nun standen sie da wie gel√§hmt. "Oh, verzeiht, habe ich euch erschreckt?", fragte Linor in die Runde und ging in einem Halbkreis an den Gef√§hrten vorbei, die dem S√§nger mit ihren Blicken folgten. "Einer von den Kerlen...ich glaube es war dieser hier...", erkl√§rte Linor, w√§hrend er mit der Spitze einer seiner Stiefel an den Helm eines am Boden liegenden Toten tippte "...hat mit einem anderen...der da dr√ľben?". Linor fuhr auf seinem Absatz herum und deutete auf einen anderen Schergen. "Nein...nein, nein. Mit ihm hier.", korrigierte er seinen Fingerzeig, "Mit diesem hat er √ľber eine kleine Kiste geredet, die bei euch gefunden wurde. Sie haben irgendetwas von Edelsteinen gesagt, daher dachte ich, dass sie einen enormen Wert f√ľr euch haben wird.". Der S√§nger setzte seinen Weg nun fort, blieb dann vor Jaro stehen. "Aber woher, frage ich mich einfach so aus pers√∂nlicher Neugier, h√§tte jemand wie ihr solch eine kleine Kiste mit von so gro√üem Wert?". Jaro war sprachlos. Was sollte er sagen? "Versteht mich nicht falsch, ich m√∂chte euch keinesfalls der Armut oder dergleichen bezichtigen, wenn man es denn so nennen kann!". Linor wandte sich von Jaro ab. "Nur halte ich euch nicht f√ľr jemanden, zu dem dieses K√§stchen passt, versteht ihr?". Noch bevor Jaro etwas antworten konnte war Linor auch schon bei Alaryah. "Als Kinder des Waldes haben wir wenig mit solchen Steinen zu schaffen, nicht wahr?", fragte er die kleine Albin, die Schwierigkeiten hatte sich auf den Beinen zu halten. "Ein kleines V√∂gelchen wird doch von solchem Gewicht am Boden gehalten, kann sich nicht frei bewegen, nicht die Winde in den Baumkronen genie√üen...ihr wisst schon.". Es schien, als wolle Linor Alaryah √ľber die Wange streicheln, doch er entschied sich letztendlich doch dagegen. "Also bleibt nur ihr.". Jetzt fixierte er Kirona. Sie kratzte unbewusst an den Spuren der Ketten an ihren Handgelenk und schaute den Musiker nun finster an. "Ihr, von einem fremden Ort, mit einem...mysteri√∂sen Aussehen.". Schnell und leicht hatte Linor die Entfernung zwischen sich und Kirona √ľberwunden. "Nur einer Person wie euch kann diese ebenso mysteri√∂se Kiste mit den myster√∂sen Edelsteinen drin geh√∂ren.". Er kniete vor Kirona ab und hielt ihr die Schatulle mit gesenktem Kopf hin wie ein Ritter, der einem Lehnsherr seine Klinge anbot und Treue gelobte. Kirona wechselte ein paar schnelle Blicke mit Jaro und Alaryah, beide nickten zustimmend. "Danke.", brachte Kirona hervor und nahm die Schatulle entgegen. "Ich hoffe doch sehr, es fehlt nichts?!", f√ľgte Linor an und erhob sich wieder. "Wenn ich mich recht entsinne, dann sollten noch weitere B√ľndel dort hinten liegen.", sagte er dann und schnell hatten die Gef√§hrten nun auch Kironas Habe gefunden. Diese wollte mehrmals nach Linors pl√∂tzlichem Erscheinen fragen, doch ihre Gef√§hrten lenkten das Gespr√§ch schnell in eine andere Richtung. <Wenn wir doch nur einmal miteinander reden k√∂nnten, ohne, dass Linor es mitbekommt.>, dachte Alaryah und gr√ľbelte, wie sie dies anstellen konnten. Eins stand fest: Dieses Gespr√§ch musste stattfinden! Au√üerdem...wie sollte es nun weitergehen?
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

https://nanowrimo.org/widget/LiveSupporter/Jaro-Balliv%C3%B2r.png

Benutzeravatar
Alaryah Schattenwind
Zweitcharakter
Beiträge: 36
Registriert: So 23. Apr 2017, 08:04
Volk: Waldalben

Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#54

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Do 8. Nov 2018, 20:27

Jaro Ballivòr
Als sie den Turm hinter sich lie√üen, war die Situation merkw√ľrdig und hatte eine beklemmende Wirkung auf Jaro. Keiner der Gef√§hrten war bei vollen Kr√§ften und es war deutlich zu sehen, dass jeder tief in Gedanken versunken war. Es gab so viel zu bereden... was war passiert? War der Eingang versiegelt? Hatte Kirona noch Informationen belauschen k√∂nnen? Konnte Linors Eintreffen wirklich Zufall sein? Wer war er wirklich? Und wie sollten sie nun weiter machen? Die Fragen zermarterten Jaro das Hirn und er war sich sicher, dass es Alaryah und Kirona √§hnlich ging. Doch sie konnten nicht reden. Nicht so lange Linor dabei war, der mit seiner √ľbertrieben guten Laune und Unbeschwertheit deutlich im Kontrast zu ihnen stand.
"Jetzt erz√§hlt doch mal, was bringt euch in diesen Teil des Waldes? Ihr seid so d√ľster... es ist doch alles gut."
"Dasselbe k√∂nnten wir dich fragen", sagte Kirona grimmig. "Wie kommt es, dass wir dir st√§ndig √ľber den Weg laufen? Musst du nicht irgendwo Musik machen?"
Linor lachte so laut auf, das ein paar Vögel kreischend aus den Baumwipfeln flogen. "Ihr seid so herrlich misstrauisch. Leute... ich bin auf eurer Seite."
"F√ľr einen Musiker kannst du beeindruckend gut k√§mpfen", sagte Jaro leise.
"Das ist es was ihr denkt, oder? Dass man als zart besaiteter Musiker von Auftritt zu Auftritt flattert und Leute hat, die auf einen aufpassen? Nein... von der Musik lässt es sich bei Weitem nicht leben, deshalb habe ich einen... Zweitjob. Und auch so: es schadet nie, wenn man sich zu verteidigen weiß. Nicht immer stehen stattliche Waldläuferinnen bereit, um einen zu retten." Er zwinkerte Alaryah zu, die sofort wegsah.
"Und was soll dieser Zweitjob sein?" Kirona sah immer noch finster drein.
"Ich √ľberbringe Informationen. Nichts Besonderes, eher allt√§gliche Dinge."
Das Gespräch verebbte. Ein Seufzen Linors deutete darauf hin, dass er aufgab, ihre Stimmung aufhellen zu wollen.
Auch als sie sich mit Einbruch der D√§mmerung ein Nachtlager einrichteten, schwiegen sie. F√ľr Linor war es offenbar selbstverst√§ndlich, dass er bei ihnen blieb. Er war √ľberall, wollte hier helfen, packte da mit an und bot sich schlie√ülich an, Feuerholz zu suchen.

Alaryah Schattenwind
Bisweilen hatte sich Alaryah rausgehalten. Sie redete nur dann, wenn es wirklich n√∂tig war. Zum einen lag es daran, dass sie schwerer mit ihren Blessuren zu k√§mpfen hatte als gedacht und zum anderen, dass sie Linor nur so wenig Informationen wie m√∂glich mith√∂ren lassen wollte. Dieser Kerl war einfach ein Mysterium. Zu oft tauchte er scheinbar zuf√§llig auf und zu undurchsichtig waren seine Ansichten und Vorhaben. Kirona und Jaro sprachen zum Gl√ľck irgendwann das aus, was auch die kleine Albin dachte. Schlie√ülich kam Linor auf seinen Nebenerwerb zu sprechen und wollte damit begr√ľnden, warum er so ein guter K√§mpfer war. Erst, als er "stattliche Waldl√§uferinnen" sagte bemerkte Alaryah, dass sie den Musiker viel zu lange angesehen hatte und dass sie gemeint war. Rasch wandte sie den Blick ab, verfluchte sich innerlich. So sehr sie Linor auch misstraute, so schien er dennoch eine gewisse Art der Anziehungskraft auf sie auszuwirken. <Jetzt reicht es aber.>, mahnte sie sich gedanklich selbst und war froh, dass Kirona das Gespr√§ch weiter voran trieb...nur, damit es ein paar wenige Augenblicke sp√§ter wieder zum Erliegen kam.
Die D√§mmerung brach herein und das Lager wurde aufgeschlagen. Jaro half Alaryah beim Errichten ihres Schlafplatzes, suchte dabei immer wieder ihren Blickkontakt. Doch immer dann, wenn sie gerade einen kurzen Moment f√ľr sich hatten, waren Linor oder Kirona da. "Nicht jetzt.", presste Alaryah zwischen den Z√§hnen hervor ohne Jaro dabei anzusehen. Er verstand.
"Feuerholz?", fragte Kirona schlie√ülich laut und schaute in die Runde. "Ja, wir brauchen wohl welches, ein Feuer wird n√∂tig sein.". Alaryah sah auf, nachdem sie ihre Decke aus dem Reiserucksack geholt und zusammgefaltet auf ihre Schlafst√§tte gelegt hatte. "Ja, Linor. Warum geht ihr nicht und holt etwas?". Ihre Stimme klang dumpf. Alle sahen nun die kleine Albin an und nat√ľrlich war es Linor, der zuerst etwas sagte. "Wollt ihr mich nicht ein St√ľck begleiten? Vielleicht w√ľrden ein paar Schritte gut tun?". "Sie wird nicht...". "Schon gut, Jaro.", unterbrach Alaryah Jaro und erhob sich leise st√∂hnend. Langsam n√§herte sich Alaryah Linor, der nun zu l√§cheln begann. Kirona und Jaro zuckten innerlich zusammen, als Alaryah sich bei dem Musiker unterhakte und schlie√ülich ihren Kopf an seine Brust legte. "Ihr wisst euch zu verteidigen. Ihr braucht mich dort im Wald nicht.", hauchte die Albin schon fast und l√∂ste sich dann geschickt aus Linors Umarmung. "Denkt dran, es muss f√ľr vier Leute und ein Fr√ľhst√ľck reichen.". Dann machte sich Alaryah wieder auf den Weg zur√ľck zu ihrem Gep√§ck, nicht weiter auf Linor achtend. "Sag mir, wenn er weg ist.", fl√ľsterte sie Jaro im Vorbeigehen zu und kramte dann in ihrem Reiserucksack herum.

Jaro Ballivòr
Einen Moment lang sah Linor verwirrt aus, dann kehrte das Grinsen auf sein Gesicht zur√ľck. Er nickte anerkennend in Alaryahs Richtung und schwang die Hand, als h√§tte er sie verbrannt. Weil Jaro nicht wusste, was eine angemessene Reaktion war, zuckte er einfach nur die Schultern. Linor sch√ľttelte den Kopf, als wollte er Jaro andeuten, dass er noch viel zu lernen hatte. Endlich wandte er sich ab und verschwand im Wald. Er hatte begonnen ein Lied zu pfeifen.
"Jetzt", fl√ľsterte Jaro, Linor nicht aus den Augen lassend. Der S√§nger entfernte sich langsam, sodass Jaro sich konzentrieren musste, um ihn zu zwischen den B√§umen auszumachen. Er h√§tte sich gew√ľnscht, der merkw√ľrdige Kerl w√§re in Sichtweite geblieben. Es war wie, wenn Spinnen den Weg in Jaros Schlafzimmer gefunden hatten. Solange er wusste wo sie waren, machten sie ihm nichts aus.
"Ich f√ľrchte wir haben nicht viel Zeit." Jaro sprach so leise er konnte.

Alaryah Schattenwind
"Ich trau dem Kerl kein St√ľck √ľber den Weg.", brummte Kirona leise und schritt unruhig hin und her, so als wartete sie bereits auf Linors R√ľckkehr. Wie ein Posten ging sie umher, warf immer wieder Blicke in die Richtung, in die Linor verschwunden war.
"In Ordnung. Erst einmal: Unsere Ausr√ľstung ist soweit komplett. Wir haben nichts an wichtigen Gegenst√§nden verloren, oder?". Beide √ľberlegten kurz, waren sich dann aber schnell einig, dass noch alles da war. "Der Eingang im Turm, ganz dort unten, ist versiegelt. Der kleine Stein hat sich aufgel√∂st und den Zugang verschlossen, so viel ist sicher.". Alaryah griff sich an den Oberarm. "Es grenzt an ein Wunder, dass ich den Sturz √ľberlebt habe.". Kurz fasste Alaryah ihre Erlebnisse in dem Schacht f√ľr Jaro zusammen. "Ich hatte schon fast mit allem abgeschlossen, aber dank dir bin ich aus der Finsternis wieder herausgekommen.", beendete sie schlie√ülich ihre Ausf√ľhrungen. "Ich wei√ü gar nicht, wie ich dir danken soll.". Da war es endlich wieder! Ein L√§cheln!
"Doch was meinst du, was sollen wir tun? Wir k√∂nnen Linor doch nicht zu dem n√§chsten Eingang mitnehmen? Diese ganze Sache sollte besser geheim bleiben...zumal wir kaum etwas √ľber ihn wissen". Es √§rgerte Alaryah ungemein, dass kaum Zeit f√ľr einen ordentlichen Dank zu ihrer Rettung war...doch die Zeit w√ľrde kommen!

Jaro Ballivòr
"Ich... also...", Jaros Ohren wurden heiß, "ohne Wibalt hätte ich es nie geschafft. Und ohne ihn." Er nickte in die Richtung, in der Linor verschwunden war und umriss seinerseits in möglichst knappen Worten kurz, was oben im Turm geschehen war. Er legte Alaryah die Hand auf den Arm. "Hauptsache, du bist da raus. Ich dachte schon, wir hätten dich verloren."
Der Moment war schön, auch wenn er nicht lange währte. Sie mussten jede Sekunde nutzen.
"Nein. Ich traue ihm auch nicht. Und selbst wenn er nichts im Schilde f√ľhrt, k√∂nnen wir ihm all das unm√∂glich erkl√§ren."
"Ich k√∂nnte ihn niederstrecken", zischte Kirona zu ihnen her√ľber. "Oder ich erdrossele ihn im Schlaf."
Jaro sch√ľttelte den Kopf. "Ich wei√ü nicht. Ich habe ihn k√§mpfen sehen. Was, wenn er den Angriff abwehrt und sich auf einmal gegen uns wendet? Ich kann nichts ausrichten und Alaryah muss sich unbedingt noch erholen."
Kirona wirkte entt√§uscht, doch sie nickte und begann wieder die B√§ume abzusuchen. "Wo steckt der nur? Hier ist doch √ľberall Holz! Kein Grund den ganzen Wald abzusuchen", grummelte sie vor sich hin.
"Es wirkt nicht so, als w√ľrde er uns so schnell wieder verlassen wollen", seufzte Jaro. "Ich denke, als erstes brauchen wir einen Vorwand, wohin wir unterwegs sind. Wenn er das n√§chste Mal fragt, kommen wir bestimmt nicht so schnell wieder raus. Dann k√∂nnen wir vielleicht heimlich nach Zeichen der verbliebenen Eing√§nge Ausschau halten und... und hoffentlich werden wir ihn irgendwann von alleine los." Doch Jaro glaubte selbst nicht daran.

Alaryah Schattenwind
<Das bringt uns alles nicht weiter.>, dachte Alaryah. "Du wirst Recht haben, Jaro.", meinte die kleine Albin schlie√ülich und kratzte sich nachdenklich am Hals. "Jedoch wird er nicht einfach gehen.". Sie schwiegen f√ľr einen Moment. "Zeig mir noch mal die Fragmente.", fl√ľsterte Alaryah dann und Jaro wollte direkt zu seinem Gep√§ck. Alaryah hielt ihn zur√ľck. "Vorsichtig.", f√ľgte sie leise hinzu und schon bald war Jaro mit dem Pergament zur√ľck. Mit einem flinken Handgriff hatte Alaryah Jaro die Fragmente abgenommen und in ihrem √Ąrmel verstaut. Er wollte etwas sagen, doch verstummte bei ihrem Blick. Kirona wandte sich ihnen nun wieder zu. "Ich glaube da kommt er.". Sie ging ein paar Schritte in die Richtung, in der sie Linor vermutete. "Ich werde mir die Fragmente ansehen und versuchen herauszufinden, wo wir als n√§chstes hin m√ľssen. Wir werden Umwege laufen. Das wird nicht sch√∂n, aber vielleicht hilft es. Irgendwie k√∂nnen wir ihn dann m√∂glicherweise absch√ľtteln.". Alaryah gefiel diese Idee selbst nicht sonderlich gut, da zu viele Ungewissheiten darin steckten. "Wir lassen uns erst einmal nichts anmerken.". Die Albin sah nun fragend in die Runde. Waren wohl alle damit einverstanden? Alaryah hegte die Hoffnung in sich, dass jemand gerade genau den Geistesblitz hatte, der sie aus dieser Sache rausbringen w√ľrde...

Jaro Ballivòr
Aufmerksam folgte Jaro Alaryah. "Alles klar. Am besten tun wir so, als w√§re alles in Ordnung. Aus seiner Warte sollten wir wahrscheinlich froh sein, dass wir √ľberhaupt noch leben." Jaro fasste den Entschluss, sich bei Linor zu bedanken. Das war doch, was man normalerweise tat, oder? Wenn man nicht f√ľrchten musste, von einem wahnsinnigen M√∂rder gerettet worden zu sein. "Ich werde ab und zu das Gespr√§ch mit ihm suchen. Vielleicht kann ich ihn ablenken."
"Da! Da war er doch gerade?", erklang Kironas Stimme. "Jetzt reicht es. Ich sehe nach." Ehe Jaro und Alaryah reagieren konnten, marschierte sie ins Dunkel des Waldes hinein.
"Hast du denn schon eine Ahnung wo die Eingänge liegen könnten? Ich meine, die anderen zu finden war ja schon ohne Umwege und Geheimhaltung nicht leicht." Erschrocken stellte Jaro fest, wie entmutigend er klang.

Alaryah Schattenwind
"Kirona, warte, du solltest...". Es war zu sp√§t. Kirona war schon davongerauscht. "Na, ob das mal gut geht...", murmelte Alaryah und f√ľgte ein "f√ľr ihn." an. Wieder flammte ein schwaches L√§cheln auf.
"Nein, Jaro. Ich muss zugeben...ich habe keine Ahnung. Ich hoffe einfach, dass ich irgendetwas herausbekomme.". Er wirkte geknickt. "Heeey.", sagte Alaryah leise, setzte sich zu ihm und stie√ü ihn sanft mit der Schulter an. "Kopf hoch, Jaro. Wir sind doch schon so weit gekommen...und es sind noch zwei Eing√§nge, weniger als die H√§lfte. Die schaffen wir auch noch.". Sie bem√ľhte sich positiv und aufmunternd zu klingen, unterdr√ľckte den dumpfen Schmerz und die M√ľdigkeit in ihrem K√∂rper. "Vielleicht ist es auch ganz gut, wenn Linor nicht weiss, dass die Fragmente jetzt bei mir sind. So kann ich bei Gelegenheit heimlich ein Blick draufwerfen. Wir d√ľrfen jetzt nicht den Mut verlieren!".

Jaro Ballivòr
Jaro l√§chelte Alaryah schwach an. "Wir schaffen das irgendwie", best√§tigte er ihre Worte. "Ich werde Augen und Ohren offen halten. Jetzt haben wir ja schon ein wenig √úbung. Vielleicht finden wir die anderen Eing√§nge leichter." Feuer und Licht... Die beiden waren noch √ľbrig. Eine Weile dachte Jaro √ľber die beiden Elemente nach, doch wie so oft kam er zu dem Schluss, dass sie alles und nichts verk√∂rpern konnten. "Glaubst du, er hat was mit alldem zu tun? Linor?", sprach er schlie√ülich einen ganz anderen Gedanken aus. "Ich meine, er hat uns mehrfach geholfen, aber was, wenn das alles zu einem Plan geh√∂rt? Oder steht er am Ende wirklich auf unserer Seite? Ich kann ihn nicht einsch√§tzen." Er sch√ľttelte den Kopf, um seine Worte zu unterstreichen.
Von Kirona und Linor war immer noch keine Spur. Langsam wurde es frisch. Jaro machte das nichts aus, doch er f√ľrchtete, Alaryah k√∂nnte frieren, geschw√§cht wie sie durch ihre Verletzungen war.

Alaryah Schattenwind
Alaryah mochte Jaros Gedankeng√§nge nicht, jedoch konnte sie ihm diese auch in keinster Weise √ľbel nehmen. "Es ist wirklich viel geschehen.", sagte sie dann und lie√ü die Begegnungen mit Linor noch einmal in ihrem Kopf revue passieren. "Er ist uns bei dem Fest begegnet. Da waren wir noch gar nicht in Besitz der Steine...aber Kirona war bei uns. Er kann sich doch nicht wegen ihr an unsere Versen geheftet haben?". Nachdenklich zog Alaryah die Beine an und st√ľtze ihren Kopf ab. Schlie√ülich knibbelte sie mit dem kleinen Finger ihrer linken Hand an der Unterlippe herum. "Du meinst, er k√∂nnte auch von jemandem auf uns angesetzt worden sein? Vielleicht von Kironas ehemaligen Meister?", sponn Alaryah ihre Gedanken weiter."Doch wie sollte dieser an Linor kommen oder ihn hier einschleusen?". Ein sanfter Wind kam auf und griff sacht nach Alaryahs Haar. Kaum merklich kauerte sich die Albin etwas mehr zusammen. "Aber...selbst wenn es nicht so ist und er aus freien St√ľcken helfen will...warum sollte er dies tun? Einfach so, ohne Hintergedanken? Wir sind doch keine Personen von Namen oder Rang?". <Aber vielleicht sind wir als Gruppe so ungew√∂hnlich, dass wir eben auch ungew√∂hnliche Leute anziehen?>.

Jaro Ballivòr
Die meiste Zeit hatte Jaro den Eindruck gehabt, Linor folgte ihnen haupts√§chlich wegen Alaryah. Er sprach es allerdings nicht aus, aus Angst, die Stimmung gleich wieder runter zu ziehen. "Du hast Recht, das erscheint alles so irrwitzig... allerdings rechne ich langsam mit allem." Er grinste sch√ľchtern. Da lie√ü ihn das Knacken trockenen Holzes hochschrecken.
"Na ihr Turteltauben?" Linor hatte nichts von seiner √ľberschw√§nglichen Laune verloren. Kirona folgte ihm hingegen mit grimmiger Miene. "Hier ist Holz", er warf ein provisorisch geschn√ľrtes B√ľndel Zweige √ľber die Schulter. "Und wir haben sogar ein Abendessen gefunden."
Kirona leerte ihr umgeschlagenes Hemd und knollige Pflanzen purzelten heraus.
Jaro suchte ihren Blick. Wie lange waren sie schon in Hörweite? Hatte Linor etwas mitbekommen? Doch Kirona gab ihm keinerlei Signal.
"Danke", stammelte Jaro schließlich hervor und sprang auf die Beine, um zu helfen, das Holz aufzuschlichten.

Antworten