Facebook Twitter




Aktuelle Zeit: Mi 18. Okt 2017, 14:44



Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 63 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: Mo 4. Sep 2017, 14:50 
Zweitcharakter
Benutzeravatar
Offline

Beiträge: 25
Nur noch dumpf nahm Fallon die Faust an seiner Schulter war. Tsacko und Eorur schienen irgendwas zu besprechen. Sein Blick war weiterhin auf Eorur fixiert, sein Körper steinern. Niemals hatte er damit gerechnet, den Mann vor sich wieder zu sehen. Dieser schien ihn aber nicht zu erkennen und dies war die ernüchternde Wahrheit, mit der Fallon zu kämpfen hatte. Der Blick in die Augen, hatte er denn nicht genügt? Schmerzlich musste Fallon aber feststellen, dass er sich verändert hatte. Mittlerweile sah er aus wie ein zu haarig geratener Alb, der langsam in seinen Lebensabend eintrat.

Genau so war der neue Anblick Eorurs für Fallon auch etwas gewesen, was ihn vor seiner Erkennung geschützt hatte. Doch sein Geheimnis und seine Identität war gelüftet.

Ein Pieksen, welches sich immer mehr zu einem Bohren in seine Hand entwickelte, riss Fallon aus den Gedanken. Seine Mimik kehrte zurück, sein trockenen Augen bekamen die ersehnte Nässe durch einen Wimpernschlag. Blitzartig griff Fallon nach Tsackos Gabel und rammte sie in den Tisch. Ein böser Blick folgte an den Straßenköter gerichtet. Tsacko störte. Gewaltig. Der Wolfswandler stand auf und baute sich zu seiner vollen Größe auf. "Wenn du nicht einmal deine vorlaute Klappe hältst, erfährt dein Rudel, die Stadt und jeder deiner gottverdammten Bekannten, wer Grizzly wirklich getötet hat. Zudem, wer jetzt eigentlich rechtmäßiger Alpha deines mickrigen Rudels wäre." Fallons knurrte mit seiner Stimme. Der Ton sollte mehr als ausreichend dafür sein, um Tsacko klar zu machen, wer wirklich das sagen hatte.

Tief atmete Fallon durch. Seine Augen schlossen sich für einen Moment. Sicherlich hatte er nicht nur Eorurs und Tsackos Aufmerksamkeit, sondern auch die einiger Gäste. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, einfach fortzufahren. Seine Augen öffneten sich wieder und er blickte Eorur direkt an. Ein nervöses Lächeln verirrte sich auf seine Lippen. Die Hände zitterten, als er an sein Schwert griff und es zog. Sofort ging ein Raunen durch die Taverne und so einige Gäste wichen ab, der Wirt eilte sofort vor die Theke.

"Hey, was soll das?", ertönte es laut, die Menge durchbrechend.

Fallons Blick richtete sich auf den Wirt, wobei er entschuldigend mit den Schultern zuckte. "Keine Sorge. Ich möchte nur etwas zeigen." Die linke Hand in der Luft erhoben, während die Rechte das Schwert auf den Tisch ablegte. Die Situation begann sich zu beruhigen, als der Wirt nur nickte und sich umkehrte. Die Gäste um sie herum rückten jedoch ein Stück weiter weg von Fallon, Eorur und Tsacko.

Darauf nahm Fallon auch wieder Platz, direkt vor Eorur und blickte diesen fest in die Augen. Er griff mit der Linken nach dem Schwert und drehte es auf die andere Seite. Auf der Klinge, knapp über der Pariestange standen drei Worte geschrieben. "Des Wölfchens Fangzahn"

"Das Schwert sollte dir bekannt vorkommen ... Eorur." Mittlerweile konnte Fallon kaum noch verbergen, wie nah er den Tränen stand. Der Schock der Realität hatte es ihn nicht spüren lassen, doch war er abgeklungen. Seine Hände zitterten und seine Stimme war brüchig.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: Mo 4. Sep 2017, 16:50 
Zweitcharakter
Benutzeravatar
Offline

Volk: Gestaltwandler
Beiträge: 29
Tacko zuckte zusammen, als Fallon die Gabel vor ihm in den Tisch bohrte und ihn anbrüllte. Hätte er lange Haare gehabt, wären die sicher wie eine Fahne hinter ihm geflattert bei der Lautstärke. Fallon war aus irgendeinem Grunde plötzlich außer sich. Tsacko verstand die Welt nicht mehr, warum der ihn plötzlich so zusammenfaltete und glotzte entgeistert, bis der Wolfswandler sich wieder hinsetzte. Vorhin hatten sie sich noch so gut unterhalten! Tsacko bemerkte durchaus, wie elend es Fallon plötzlich ging, aber das gab dem Kerl nicht das Recht, hier öffentlich so gemeine Dinge über ihn zu sagen! Seine schmalen rotblonden Augenbrauen zogen sich giftig zusammen.

"Kannst du beweisen, dass du Grizzly getötet hast? Ich habe sein bluttriefendes Fell im Herzen meines Reviers liegen. Du nicht. Also hast du ihn nicht getötet. Du hast nicht mal ein Revier. Geschweige denn ein Rudel. Deine Behauptung klingt für jeden, der einen Funken Grips hat, völlig an den Haaren herbeigezogen."

Er beobachtete, wie Fallon das Schwert zog und machte sich bereit, auf Nimmerwiedersehen davonzuflitzen. Doch der wollte Eo nur was zeigen. Die beiden kannten sich offenbar. Bei dem Namen des Schwertes konnte Tsacko sich ein Lachen nur schwer verkneifen. Hätte er nicht unmittelbar davor so einen Schock erlitten, hätte er vermutlich laut losgeprustet. Er sah, dass hier irgendwas sehr Persönliches zwischen den beiden vorging, das hielt ihn jedoch nicht davon ab, aus reiner Absicht weiter zu stören.

"Schön, du kannst also einen gerade abgelenkten, friedlich durch die Stadt spazierenden Alpha vermöbeln, während er mutterseelenallein in Obenza Nahrung für Frau und Kind und seine Freunde organisieren möchte. Bravo, Glückwunsch! Du bist ein Held! Das hast du prima hingekriegt! Aber was machst du danach mit deinem tollen neuen Status, hm? Du kannst einen Alpha besiegen - aber kannst du auch ein Rudel führen und versorgen?"

Tsacko grinste.

"Meinst du, Terry wäre nicht in der Lage, mich in Grund und Boden zu stampfen? Ja, er könnte das sehr gut und ich könnte rein gar nichts dagegen machen. Tut er aber nicht. Weil er sehr genau weiß, wer die Versorgung des Rudels gewährleistet - und wer das nicht ohne diese Person schaffen würde."

Beiläufig betrachtete er seine schmutzigen Fingernägel.

"Darum genau sind rummaulende Muskelprotze nur die Betas. Für einen Alpha braucht es Hirn! Oh und noch was!" Er richtete den Finger auf Fallon. "Ich hab genau mitgekriegt, dass du versuchst, einen Keil zwischen mich und meinen Beta zu treiben. Ich bin im Bilde, nur, dass du es weißt!"

_________________
„He who makes a beast of himself gets rid of the pain of being a man.“
Samuel Johnson
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: Mo 4. Sep 2017, 17:30 
Spielleiter des Geisterhauses
Benutzeravatar
Offline

Volk: Goblin
Beiträge: 546
Auszeichnungen: 5

Das Kaisho Abkommen (1) Chronist in Silber (1) Rote Laterne (1) Quasselstrippe (1)
Eorur

Tsacko kannte mit dem Fremden keine Gnade. Das der Mann gestorben war, davon ging Eorur nicht aus. Immerhin atmete er noch. Ob man das von Tsacko auch noch lange genug sagen konnte, wusste der alte Söldner nicht, als wieder Leben in ihren Tischnachbarn kam und er die piesackende Gabel mit Wucht in den Tisch rammte. Bis dato war das Schauspiel für Eo noch belustigend, denn wenn zwei sich stritten freute sich der Dritte - in dem Falle er.

Er nahm sich noch einen Kloß von Tsackos Teller.

In dem Moment griff der Bursche zum Schwert. Gut Tsacko hatte ihm ganz schön übel mitgespielt und mit einer Gabel gestochen zu werden, war nicht gerade angenehm, aber deshalb würde er doch wohl nicht seinen Tischnachbarn einen Kopf kürzer machen, grübelte Eorur in seinem alkoholumwölkten Hirn nach.

Allerdings hatte dies der Bursche auch gar nicht vor. Der Kerl schaute ihn an, lächelte freundlich und erneut klingelte etwas in seiner hintersten Hirnwindung, was er nicht ans Tageslicht zerren konnte. Er schaute ihn genau an und Eo erwiderte den Blick. Der Bursche hielt ihm das Schwert hin. Bis dato wusste Eorur immer noch nicht, was er davon halten sollte.

Bis zu dem Moment, wo sein Gegenüber das Schwert umdrehte. "Des Wölfchens Fangzahn" stand dort geschrieben.

Eorur betrachtete das Schwert mit einer Mischung aus Unglauben und Erstaunen. Er streckte kurz die Hand danach aus, hielt jedoch mitten in der Bewegung inne. Einerseits war es einer heiligen Reliquie gleich, auf der anderen Seite hatte er genauso viel Angst davor es zu berühren, wie vor einer Giftschlange.

Nun war es an Eorur förmlich in sich zusammen zu sinken, als hätte man ihm die Luft herausgelassen.

Und das hatte sein Tischnachbar auch. Der alte Haudegen brauchte mehrere Anläufe um seine Sprache wieder zu finden. Und schlagartig, schneller als ihm lieb war, war er nüchtern. Er musterte seinen Tischnachbarn mit großen Augen.

"Ich dachte Du wärst tot... all die Jahre dachte ich... ich hätte Dich verloren Fallon", flüsterte er mit einem gewaltigen Kloß in der Kehle.

Eorur drehte sich zu Tsacko um, ganz so als ob er von diesem eine Bestätigung erwartete, dass er keine Gespenster sah oder keine Halluzinationen hatte.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: Mo 4. Sep 2017, 18:01 
Zweitcharakter
Benutzeravatar
Offline

Volk: Gestaltwandler
Beiträge: 29
Tsacko nickte wichtig. "Ja, Leute hereinlegen, das kann der gute Fallon."

_________________
„He who makes a beast of himself gets rid of the pain of being a man.“
Samuel Johnson
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: Mo 4. Sep 2017, 18:38 
Zweitcharakter
Benutzeravatar
Offline

Beiträge: 25
Nachdenklich beobachtete Fallon Eorur vor sich. Dieser schien genau so sprachlos und vollkommen hilflos gegenüber der Situation, wie Fallon selbst. Daneben wetterte Tsacko umher, vollkommen unpassend der Situation oder überhaupt Fallon gegenüber. Natürlich hatte er Tsacko angebrüllt. Natürlich untergrub Fallon Tsackos Stellung als Alpha. Der Straßenköter taugte kaum zu einem Alpha, trotz seiner großen Worte.

Zu seiner Wiedersehensfreude gesellte sich jetzt jedoch ungewollt Wut. Doch nicht etwas gegenüber Eorur. Tsacko trieb es mit seinen Worten auf die Spitze. Der Köter spielte sich auf, als ob er der Größte der Welt wäre und dabei stahl er sich seine Erfolge nur von anderen zusammen. Tief atmete Fallon durch. Doch selbst das zügelte seine Wut gegenüber diesen Köterwandler nicht mehr.

"Du willst wissen, was meine Beweise sind? Schau dir meine Arme an, die Verletzungen stammen sicherlich nicht von deinen putzigen Zähnchen", knurrte Fallon. Er kniff seine Augen zusammen. "Weißt du, was auch du nicht kannst? Für ein Rudel sorgen. Statt zu arbeiten, lässt du sie hungern."

Genau damit sollte alles gesagt sein, doch dann entgegnete Tsacko mit etwas auf Eorurs Worte. Worte die er mühevoll zusammengesucht hat. Das reichte. Wie aus dem Nichts ballte Fallone seine Faust und zimmerte Tsacko mitten auf die Nase. Sogar seine Hand tat danach ziemlich weh. Genau wie seine Verletzungen. Verdammter Köter.

Tsacko und die Blicke der erschrockenen Gäste ignorierend, wandte sich Fallon wieder Eorur zu. Seine Tränen waren durch die Störung versiegt. Es änderte jedoch nichts an seinem Gefühlschaos. "Ja, ich bin es wirklich." Er setzte ein steifes Lächeln auf. "Damals habe ich überlebt. Ich hatte mit meinem Leben abgeschlossen. Doch das ... ist eine lange Geschichte."
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: Di 5. Sep 2017, 14:06 
Zweitcharakter
Benutzeravatar
Offline

Volk: Gestaltwandler
Beiträge: 29
Tsacko fiel um wie ein Brett und blieb schielend auf dem Rücken liegen. Über ihm verschwammen die Deckenbalken und der aus Geweihen gebaute Kronleuchter, der an einer schweren Kette hinabhing. Wie schön wäre es, wenn diese Kette jetzt einfach reißen und Fallon und dessen letzte Mahlzeit unter sich zermalmen würde! Er schickte ein entsprechendes Stoßgebet zu Ardemia, doch natürlich passierte nichts.

Er hob einen zitternden Finger und richtete ihn mühsam auf den Wolfswandler.

"Terry erfährt davon!"

_________________
„He who makes a beast of himself gets rid of the pain of being a man.“
Samuel Johnson
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: Di 5. Sep 2017, 18:20 
Spielleiter des Geisterhauses
Benutzeravatar
Offline

Volk: Goblin
Beiträge: 546
Auszeichnungen: 5

Das Kaisho Abkommen (1) Chronist in Silber (1) Rote Laterne (1) Quasselstrippe (1)
Eorur

Eorur beobachtete den Streit zwischen Tascko und Fallon. Allerdings nahm er ihn nur am Rande wirklich wahr, denn für ihn war immer noch unbegreiflich, dass Fallon noch lebte.

Er hatte ihn all die Jahre für tot gehalten. Hatte um ihn getrauert, hatte sich im Grunde selbst aufgegeben, da er ihn verloren hatte. Was sollte er da noch mit sich anfangen?

Sie waren ein Team, ein Duo und dazu gehörten mindestens zwei. Er war nur der winzige Überrest von etwas größerem Ganzen, dass an dem Tag zerstört wurde, als er Fallon für tot erklärt wurde. Und nun, als wollten die Götter ihm einen Streich spielen, traf er ihn rein zufällig wieder.

Saß dem Mann den er geliebt hatte gegenüber und sein besoffener Verstand hatte nicht einmal registriert, dass es sich um seinen Mann handelte. So tief musste man erst einmal sinken. Das Fallon ihn nicht erkannt hatte, konnte er ihm nicht verdenken. Er musste aussehen wie der letzte Landstreicher. Abgerissen und ungepflegt. Zudem war auch das Alter und der Alkohol ganz sicher nicht spurlos an ihm vorüber gegangen.

Eorur wusste nicht ob er sich einfach wagen sollte, sich offen zu freuen oder ob er sich für seinen Zustand schämen sollte. Irgendwie war es eine ganz seltsame Mischung, die sich da in seinem Magen und vor allem in seiner Herzgegend breit gemacht hatte.

Eorur kippte seinen verbliebenen Schnaps auf Ex herunter und musterte Fallon.

"Du hast überlebt. Wieso bist Du nicht zu mir zurückgekehrt? Eine lange Geschichte hm? Nun ich habe Zeit, unendlich viel Zeit Fallon. Ich finde Du sollest mir erzählen, was damals tatsächlich geschah. Du kamst einfach nicht zurück, wurdest aus meinem Leben gerissen. Ich habe um Dich getrauert, verstehst Du das nicht?", versuchte Eorur zu erklären und hob kurz das leere Schnapsglas an.

"Ich trauere immer noch. Vielleicht nicht auf die beste Art und Weise, aber das war alles was mir geblieben ist", fügte der alte Söldner an.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: Di 5. Sep 2017, 19:54 
Zweitcharakter
Benutzeravatar
Offline

Beiträge: 25
Aufmerksam betrachtete Fallon seinen Gegenüber. Eorur schüttet ihm sein Herz aus und es nahm Fallon sofort mit. Trotz des Umstandes ihrer unglücklichen Trennung, packten seine Worte und der in ihnen liegende Schmerz Fallon augenblicklich. Es war, als wären sie nie getrennt gewesen. Die Gefühle und die Empathie gegenüber seines alten Meisters kehrten zurück. Sie waren vergessen, versteckt unter der Schmach und dem Leben als Hund bei der Bauernfamilie. Selbst die Wochen danach hatte er sich kaum an die Zeit zuvor erinnern können. Doch so wie Eorur nun vor ihm saß, erschlugen Fallon seine Gefühle wie ein Hammerschlag. Es kehrte alles zurück.

Seine Augen füllten sich gänzlich mit Tränen und jede Blockade war gebrochen. Schon bald bildeten sich Rinnsale auf den Wangen des Wolfwandlers. Doch kein Schluchzen oder Schniefen kam von Fallon. Still wanderten seine Tränen hinab zum Kinn, wo sie sich sammelten und in glitzernden Tropfen auf den Tisch fielen.

Tsacko war mittlerweile vollkommen vergessen und ignoriert.

Sekunden des Schweigens vergingen. Dann holte Fallon tief Luft. Sanft schüttelte er seinen Kopf. Die Gedanken rasten. Er musste sie sortieren.

Ein ruhiger Moment verging.

Dann erhob Fallon endlich seine Stimme. "Dann ist jetzt Schluss mit deiner Trauer. Es gibt nichts mehr zu betrauern. Es gibt nur viel zu erklären. Und nachzuholen." Ein zittriges Lächeln umspielte Fallons Lippen. "Ich bin dir aber wohl erst einmal eine Erklärung schuldig, nicht wahr?"

Eine Frage auf die Fallon nicht wirklich eine Antwort erwartete. Stattdessen begann er sich zu sammeln und zittrig zu erzählen: "Kannst du dich noch an den Auftrag erinnern, mit dem alles begann? Banditen auslöschen, die ein Dorf bedrohten. Absoluter Scheiß." Fallons Faust ballte sich und er knirschte mit den Zähnen. "Als wir dort ankamen, war kein Bandit in Sicht. Stattdessen befahl uns unser Arsch von Kommandant das Dorf zu plündern. Dort waren Frauen, Kinder, Alte. Alle sollten sterben. Die Reichtümer an uns gehen. Ich stellte mich quer. Tja, ich versuchte die Bewohner zu verteidigen. Wurde dabei jedoch abgeschlachtet. Im wahrsten Sinne. Sie ließen mich wie einen gemeinen Köter zum Ausbluten zurück." Fallon ließ die Schultern hängen und seine Miene verog sich.

"Meine letzte Möglichkeit blieb die, mich in den Wald zu schleppen, meine Sachen zu verstauen und zu verwandeln. Als Wolf bin ich, wie du weißt, widerstandfähiger. So habe ich es auch zu einer Bauernfamilie geschafft. Sie nahmen mich auf - als Hund. Ein Haustier für Bauern, um ihre Schafe zu hüten. Ich verwilderte, meine Gedanken wurden langsamer. Ich vergaß mich. Nur mit Mühe schaffte ich es zurück zu meinem menschlichen Sein. Ich verließ diese Familie. Das ist nun gute acht Wochen her."

Fallon blickte auf den Tisch und seine Hände griffen unruhig ineinander, kneteten eine unsichtbare Masse. "Wie du siehst, hatte ich kaum Zeit, um dich aufzusuchen. Glaube mir, ansonsten hätte ich es getan. Nichts hätte ich lieber getan." Vorsichtig schob sich eine Hand Fallons in Richtung einer der Hände Eorurs. Jedoch hält er in der Mitte des Tisches inne.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: Do 7. Sep 2017, 19:38 
Spielleiter des Geisterhauses
Benutzeravatar
Offline

Volk: Goblin
Beiträge: 546
Auszeichnungen: 5

Das Kaisho Abkommen (1) Chronist in Silber (1) Rote Laterne (1) Quasselstrippe (1)
Eorur

Eorur konnte seinen Mann nicht weinen sehen. Nichts war schlimmer als ein Partner der weinte, wie sollte man da nur richtig reagieren? Als dem Wolfswandler lautlos die Tränen über die Wangen liefen, tupfte Eorur Fallons Gesicht etwas unbeholfen mit seinem verschlissenen Hemd sauber.

Als Fallon ihm gegenüber eingestand ihm eine Erklärung schuldig zu sein, nickte Eorur knapp. Schuldig war er ihm im Grunde nichts, Liebe und Zuneigung war keine Rechnung die man sich gegenseitig präsentierte. Dennoch war eine Erklärung schön, er wünschte sie sich. Er wünschte und fürchtete sie allerdings auch zeitgleich.

Ein fremder Mann, Unzufriedenheit mit ihm - Eorur schoss auf einem Schlag alles durch den Kopf, was es wohl für Gründe gegeben haben mochte, dass Fallon die Gelegenheit beim Schopf gepackt hatte um ihn hinter sich zu lassen.

`Schau Dich doch nur an! Ein alternder Söldner und Säufer. Was erwartest Du von ihm?´, schalt er sich selbst in Gedanken.

Trotzdem hoffte ein kleiner Teil von ihm, dass Fallons Geständnis nicht zu schmerzhaft werden würde. Dass er ihn auch vermisst hatte, wenigstens ab und an. Aber das was Fallon dann erzählte, ließ Eorurs Herz für einen Moment hüpfen, aber zeitgleich seine Hand nach seinem Schwertknauf tasten.

Fallon hatte ihn aus gar keinem Grund verlassen, man hatte sie gewaltsam auseinander gerissen! Dieses hinterhältige und brutale Schwein, hatte zuerst einen Befehl erteilt, den es nie hätte geben dürfen und als sein Mann Rückgrat gezeigt hatte, wurde er dafür zum Sterben zurück gelassen. In Eorur brodelte der Zorn der Gerechten.

Der alte Söldner dankte stumm der Bauersfamilie die sich Fallons angenommen hatten und ihn gesund gepflegt hatten.

Was der Wandler durchgemacht haben musste, konnte sich Eorur nicht im Ansatz vorstellen. Wie war es wohl sich selbst in eine andere Gestalt zu verlieren? Wie war es, seine Menschlichkeit aufzugeben? Jedenfalls seine menschliche Form? War es als ob man die Gedanken eines anderen dachte, oder dachte man in einer völlig anderen Bahn? Musste man sich daraus wieder empor kämpfen wie aus einem Sumpf oder wie aus zähflüssigem Teer?

Eorur musterte Fallon, er hätte ihm so gerne ein paar aufmunternde, tröstende Worte gesagt, aber für dieses Erlebnis waren tröstende Worte einfach zu schwach. Kein Wort konnte das Leid und diesen Kampf beschreiben, nichts wurde dem gerecht.

Der Söldner glaubte dem Wolfswandler jedes Wort und ebenso glaube er ihm, dass er ihn aufgesucht hätte. Der Zusatz, dass er nichts lieber getan hätte, ließ Eorur lächeln. Es fühlte sich gut auf seinem Gesicht an, das Lächeln das Fallon gehörte.

Als Fallon ihm zaghaft, ja geradezu schüchtern die Hand hinschob und auf halber Strecke pausierte, ergriff Eorur beherzt dessen Hand. Legte seine schwielige Hand in die von Fallon und drückte sie liebevoll.

"Ich glaube Dir, ich bin so froh dass ich Dich wiederhabe. Ich kann Dir nicht sagen wie sehr Fallon. Mit vielem hätte ich gerechnet, aber Dich jemals wieder zu sehen, geschweige denn zu halten, damit hätte ich nie gerechnet", erklärte Eorur leise und liebevoll.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: Do 7. Sep 2017, 20:12 
Zweitcharakter
Benutzeravatar
Offline

Volk: Gestaltwandler
Beiträge: 29
Eine Stoppelglatze tauchte langsam hinter der Tischkante auf, als würde Tsacko sich aus dem Meer erheben. Es folgten seine braunen Augen, eine dick aussehende Nase und ein zusammengekniffener Mund. Dann kam der Rest schwankend auf die Beine.

Tsacko zwinkerte mehrmals hintereinander, bis er wieder klar sehen konnte und ließ sich auf seinen Stuhl fallen. Er glaubte, noch immer schief zu gucken, denn die zwei Söldner hielten scheinbar auf der Tischplatte Händchen. Er zwinkerte noch mal und rieb sich das Gesicht. Er sah ein zweites Mal hin und ihre Hände waren noch immer zärtlich ineinander verschränkt. Tsackos Augen verharrten auf dem Anblick, seine Mundwinkel zogen sich zu einem breiten Grinsen auseinander. Er legte einen Arm lässig nach hinten über seine Stuhllehne und fläzte sich. Seine Finger tasteten nach der Büffelhornpfeife, die er um den Hals trug. Man konnte in beide Seiten blasen. Er drehte das dickere Ende nach oben und ein tiefer Pfeifton hallte lange durch den Schankraum. Anschließend blieb er genau so lässig sitzen, als wäre nie etwas geschehen und lächelte vor sich hin, während er sich an Fallons flockigem Bier bediente.

_________________
„He who makes a beast of himself gets rid of the pain of being a man.“
Samuel Johnson
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 63 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7  Nächste


Online Statistik

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
nowoczesne kuchnie pyskowice orzesze lędziny kłobuck blachownia wojkowice poręba kalety imielin miasteczko śląskie koniecpol siewierz ogrodzieniec
Gehe zu: