Wolfsblut

Nirgendwo sonst liegen GlĂŒck und Verderben nĂ€her beieinander. Am Grund der HĂ€userschluchten Obenzas vegetiert ein Morast von Armut und Verbrechen, wĂ€hrend reiche Bandenbosse durch die blĂŒhenden DachgĂ€rten flanieren.

Freie Stadt Obenza
Nirgendwo sonst liegen GlĂŒck und Verderben nĂ€her beieinander. Am Grund der HĂ€userschluchten Obenzas vegetiert ein Morast von Armut und Verbrechen, wĂ€hrend reiche Bandenbosse durch die blĂŒhenden DachgĂ€rten flanieren.
Benutzeravatar
Fallon
Zweitcharakter
BeitrÀge: 30
Guthaben: Gesperrt

Re: Wolfsblut

#41

Beitragvon Fallon » Mo 4. Sep 2017, 14:50

Nur noch dumpf nahm Fallon die Faust an seiner Schulter war. Tsacko und Eorur schienen irgendwas zu besprechen. Sein Blick war weiterhin auf Eorur fixiert, sein Körper steinern. Niemals hatte er damit gerechnet, den Mann vor sich wieder zu sehen. Dieser schien ihn aber nicht zu erkennen und dies war die ernĂŒchternde Wahrheit, mit der Fallon zu kĂ€mpfen hatte. Der Blick in die Augen, hatte er denn nicht genĂŒgt? Schmerzlich musste Fallon aber feststellen, dass er sich verĂ€ndert hatte. Mittlerweile sah er aus wie ein zu haarig geratener Alb, der langsam in seinen Lebensabend eintrat.

Genau so war der neue Anblick Eorurs fĂŒr Fallon auch etwas gewesen, was ihn vor seiner Erkennung geschĂŒtzt hatte. Doch sein Geheimnis und seine IdentitĂ€t war gelĂŒftet.

Ein Pieksen, welches sich immer mehr zu einem Bohren in seine Hand entwickelte, riss Fallon aus den Gedanken. Seine Mimik kehrte zurĂŒck, sein trockenen Augen bekamen die ersehnte NĂ€sse durch einen Wimpernschlag. Blitzartig griff Fallon nach Tsackos Gabel und rammte sie in den Tisch. Ein böser Blick folgte an den Straßenköter gerichtet. Tsacko störte. Gewaltig. Der Wolfswandler stand auf und baute sich zu seiner vollen GrĂ¶ĂŸe auf. "Wenn du nicht einmal deine vorlaute Klappe hĂ€ltst, erfĂ€hrt dein Rudel, die Stadt und jeder deiner gottverdammten Bekannten, wer Grizzly wirklich getötet hat. Zudem, wer jetzt eigentlich rechtmĂ€ĂŸiger Alpha deines mickrigen Rudels wĂ€re." Fallons knurrte mit seiner Stimme. Der Ton sollte mehr als ausreichend dafĂŒr sein, um Tsacko klar zu machen, wer wirklich das sagen hatte.

Tief atmete Fallon durch. Seine Augen schlossen sich fĂŒr einen Moment. Sicherlich hatte er nicht nur Eorurs und Tsackos Aufmerksamkeit, sondern auch die einiger GĂ€ste. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, einfach fortzufahren. Seine Augen öffneten sich wieder und er blickte Eorur direkt an. Ein nervöses LĂ€cheln verirrte sich auf seine Lippen. Die HĂ€nde zitterten, als er an sein Schwert griff und es zog. Sofort ging ein Raunen durch die Taverne und so einige GĂ€ste wichen ab, der Wirt eilte sofort vor die Theke.

"Hey, was soll das?", ertönte es laut, die Menge durchbrechend.

Fallons Blick richtete sich auf den Wirt, wobei er entschuldigend mit den Schultern zuckte. "Keine Sorge. Ich möchte nur etwas zeigen." Die linke Hand in der Luft erhoben, wĂ€hrend die Rechte das Schwert auf den Tisch ablegte. Die Situation begann sich zu beruhigen, als der Wirt nur nickte und sich umkehrte. Die GĂ€ste um sie herum rĂŒckten jedoch ein StĂŒck weiter weg von Fallon, Eorur und Tsacko.

Darauf nahm Fallon auch wieder Platz, direkt vor Eorur und blickte diesen fest in die Augen. Er griff mit der Linken nach dem Schwert und drehte es auf die andere Seite. Auf der Klinge, knapp ĂŒber der Pariestange standen drei Worte geschrieben. "Des Wölfchens Fangzahn"

"Das Schwert sollte dir bekannt vorkommen ... Eorur." Mittlerweile konnte Fallon kaum noch verbergen, wie nah er den TrĂ€nen stand. Der Schock der RealitĂ€t hatte es ihn nicht spĂŒren lassen, doch war er abgeklungen. Seine HĂ€nde zitterten und seine Stimme war brĂŒchig.
0 x

Benutzeravatar
Tsacko
Zweitcharakter
BeitrÀge: 31
Guthaben: Gesperrt
Volk: Gestaltwandler

Re: Wolfsblut

#42

Beitragvon Tsacko » Mo 4. Sep 2017, 16:50

Tacko zuckte zusammen, als Fallon die Gabel vor ihm in den Tisch bohrte und ihn anbrĂŒllte. HĂ€tte er lange Haare gehabt, wĂ€ren die sicher wie eine Fahne hinter ihm geflattert bei der LautstĂ€rke. Fallon war aus irgendeinem Grunde plötzlich außer sich. Tsacko verstand die Welt nicht mehr, warum der ihn plötzlich so zusammenfaltete und glotzte entgeistert, bis der Wolfswandler sich wieder hinsetzte. Vorhin hatten sie sich noch so gut unterhalten! Tsacko bemerkte durchaus, wie elend es Fallon plötzlich ging, aber das gab dem Kerl nicht das Recht, hier öffentlich so gemeine Dinge ĂŒber ihn zu sagen! Seine schmalen rotblonden Augenbrauen zogen sich giftig zusammen.

"Kannst du beweisen, dass du Grizzly getötet hast? Ich habe sein bluttriefendes Fell im Herzen meines Reviers liegen. Du nicht. Also hast du ihn nicht getötet. Du hast nicht mal ein Revier. Geschweige denn ein Rudel. Deine Behauptung klingt fĂŒr jeden, der einen Funken Grips hat, völlig an den Haaren herbeigezogen."

Er beobachtete, wie Fallon das Schwert zog und machte sich bereit, auf Nimmerwiedersehen davonzuflitzen. Doch der wollte Eo nur was zeigen. Die beiden kannten sich offenbar. Bei dem Namen des Schwertes konnte Tsacko sich ein Lachen nur schwer verkneifen. HÀtte er nicht unmittelbar davor so einen Schock erlitten, hÀtte er vermutlich laut losgeprustet. Er sah, dass hier irgendwas sehr Persönliches zwischen den beiden vorging, das hielt ihn jedoch nicht davon ab, aus reiner Absicht weiter zu stören.

"Schön, du kannst also einen gerade abgelenkten, friedlich durch die Stadt spazierenden Alpha vermöbeln, wĂ€hrend er mutterseelenallein in Obenza Nahrung fĂŒr Frau und Kind und seine Freunde organisieren möchte. Bravo, GlĂŒckwunsch! Du bist ein Held! Das hast du prima hingekriegt! Aber was machst du danach mit deinem tollen neuen Status, hm? Du kannst einen Alpha besiegen - aber kannst du auch ein Rudel fĂŒhren und versorgen?"

Tsacko grinste.

"Meinst du, Terry wĂ€re nicht in der Lage, mich in Grund und Boden zu stampfen? Ja, er könnte das sehr gut und ich könnte rein gar nichts dagegen machen. Tut er aber nicht. Weil er sehr genau weiß, wer die Versorgung des Rudels gewĂ€hrleistet - und wer das nicht ohne diese Person schaffen wĂŒrde."

BeilÀufig betrachtete er seine schmutzigen FingernÀgel.

"Darum genau sind rummaulende Muskelprotze nur die Betas. FĂŒr einen Alpha braucht es Hirn! Oh und noch was!" Er richtete den Finger auf Fallon. "Ich hab genau mitgekriegt, dass du versuchst, einen Keil zwischen mich und meinen Beta zu treiben. Ich bin im Bilde, nur, dass du es weißt!"
0 x
Bild

„He who makes a beast of himself gets rid of the pain of being a man.“
Samuel Johnson

Benutzeravatar
JEELEN
Zweitcharakter
BeitrÀge: 555
Auszeichnungen: 5
Guthaben: Gesperrt
Volk: Goblin

Das Kaisho Abkommen Die fleißige Feder in Bronze Die fleißige Feder in Silber Rote Laterne

Re: Wolfsblut

#43

Beitragvon JEELEN » Mo 4. Sep 2017, 17:30

Eorur

Tsacko kannte mit dem Fremden keine Gnade. Das der Mann gestorben war, davon ging Eorur nicht aus. Immerhin atmete er noch. Ob man das von Tsacko auch noch lange genug sagen konnte, wusste der alte Söldner nicht, als wieder Leben in ihren Tischnachbarn kam und er die piesackende Gabel mit Wucht in den Tisch rammte. Bis dato war das Schauspiel fĂŒr Eo noch belustigend, denn wenn zwei sich stritten freute sich der Dritte - in dem Falle er.

Er nahm sich noch einen Kloß von Tsackos Teller.

In dem Moment griff der Bursche zum Schwert. Gut Tsacko hatte ihm ganz schön ĂŒbel mitgespielt und mit einer Gabel gestochen zu werden, war nicht gerade angenehm, aber deshalb wĂŒrde er doch wohl nicht seinen Tischnachbarn einen Kopf kĂŒrzer machen, grĂŒbelte Eorur in seinem alkoholumwölkten Hirn nach.

Allerdings hatte dies der Bursche auch gar nicht vor. Der Kerl schaute ihn an, lÀchelte freundlich und erneut klingelte etwas in seiner hintersten Hirnwindung, was er nicht ans Tageslicht zerren konnte. Er schaute ihn genau an und Eo erwiderte den Blick. Der Bursche hielt ihm das Schwert hin. Bis dato wusste Eorur immer noch nicht, was er davon halten sollte.

Bis zu dem Moment, wo sein GegenĂŒber das Schwert umdrehte. "Des Wölfchens Fangzahn" stand dort geschrieben.

Eorur betrachtete das Schwert mit einer Mischung aus Unglauben und Erstaunen. Er streckte kurz die Hand danach aus, hielt jedoch mitten in der Bewegung inne. Einerseits war es einer heiligen Reliquie gleich, auf der anderen Seite hatte er genauso viel Angst davor es zu berĂŒhren, wie vor einer Giftschlange.

Nun war es an Eorur förmlich in sich zusammen zu sinken, als hÀtte man ihm die Luft herausgelassen.

Und das hatte sein Tischnachbar auch. Der alte Haudegen brauchte mehrere AnlĂ€ufe um seine Sprache wieder zu finden. Und schlagartig, schneller als ihm lieb war, war er nĂŒchtern. Er musterte seinen Tischnachbarn mit großen Augen.

"Ich dachte Du wĂ€rst tot... all die Jahre dachte ich... ich hĂ€tte Dich verloren Fallon", flĂŒsterte er mit einem gewaltigen Kloß in der Kehle.

Eorur drehte sich zu Tsacko um, ganz so als ob er von diesem eine BestÀtigung erwartete, dass er keine Gespenster sah oder keine Halluzinationen hatte.
0 x
Bild

Benutzeravatar
Tsacko
Zweitcharakter
BeitrÀge: 31
Guthaben: Gesperrt
Volk: Gestaltwandler

Re: Wolfsblut

#44

Beitragvon Tsacko » Mo 4. Sep 2017, 18:01

Tsacko nickte wichtig. "Ja, Leute hereinlegen, das kann der gute Fallon."
0 x
Bild

„He who makes a beast of himself gets rid of the pain of being a man.“
Samuel Johnson

Benutzeravatar
Fallon
Zweitcharakter
BeitrÀge: 30
Guthaben: Gesperrt

Re: Wolfsblut

#45

Beitragvon Fallon » Mo 4. Sep 2017, 18:38

Nachdenklich beobachtete Fallon Eorur vor sich. Dieser schien genau so sprachlos und vollkommen hilflos gegenĂŒber der Situation, wie Fallon selbst. Daneben wetterte Tsacko umher, vollkommen unpassend der Situation oder ĂŒberhaupt Fallon gegenĂŒber. NatĂŒrlich hatte er Tsacko angebrĂŒllt. NatĂŒrlich untergrub Fallon Tsackos Stellung als Alpha. Der Straßenköter taugte kaum zu einem Alpha, trotz seiner großen Worte.

Zu seiner Wiedersehensfreude gesellte sich jetzt jedoch ungewollt Wut. Doch nicht etwas gegenĂŒber Eorur. Tsacko trieb es mit seinen Worten auf die Spitze. Der Köter spielte sich auf, als ob er der GrĂ¶ĂŸte der Welt wĂ€re und dabei stahl er sich seine Erfolge nur von anderen zusammen. Tief atmete Fallon durch. Doch selbst das zĂŒgelte seine Wut gegenĂŒber diesen Köterwandler nicht mehr.

"Du willst wissen, was meine Beweise sind? Schau dir meine Arme an, die Verletzungen stammen sicherlich nicht von deinen putzigen ZĂ€hnchen", knurrte Fallon. Er kniff seine Augen zusammen. "Weißt du, was auch du nicht kannst? FĂŒr ein Rudel sorgen. Statt zu arbeiten, lĂ€sst du sie hungern."

Genau damit sollte alles gesagt sein, doch dann entgegnete Tsacko mit etwas auf Eorurs Worte. Worte die er mĂŒhevoll zusammengesucht hat. Das reichte. Wie aus dem Nichts ballte Fallone seine Faust und zimmerte Tsacko mitten auf die Nase. Sogar seine Hand tat danach ziemlich weh. Genau wie seine Verletzungen. Verdammter Köter.

Tsacko und die Blicke der erschrockenen GĂ€ste ignorierend, wandte sich Fallon wieder Eorur zu. Seine TrĂ€nen waren durch die Störung versiegt. Es Ă€nderte jedoch nichts an seinem GefĂŒhlschaos. "Ja, ich bin es wirklich." Er setzte ein steifes LĂ€cheln auf. "Damals habe ich ĂŒberlebt. Ich hatte mit meinem Leben abgeschlossen. Doch das ... ist eine lange Geschichte."
0 x

Benutzeravatar
Tsacko
Zweitcharakter
BeitrÀge: 31
Guthaben: Gesperrt
Volk: Gestaltwandler

Re: Wolfsblut

#46

Beitragvon Tsacko » Di 5. Sep 2017, 14:06

Tsacko fiel um wie ein Brett und blieb schielend auf dem RĂŒcken liegen. Über ihm verschwammen die Deckenbalken und der aus Geweihen gebaute Kronleuchter, der an einer schweren Kette hinabhing. Wie schön wĂ€re es, wenn diese Kette jetzt einfach reißen und Fallon und dessen letzte Mahlzeit unter sich zermalmen wĂŒrde! Er schickte ein entsprechendes Stoßgebet zu Ardemia, doch natĂŒrlich passierte nichts.

Er hob einen zitternden Finger und richtete ihn mĂŒhsam auf den Wolfswandler.

"Terry erfÀhrt davon!"
0 x
Bild

„He who makes a beast of himself gets rid of the pain of being a man.“
Samuel Johnson

Benutzeravatar
JEELEN
Zweitcharakter
BeitrÀge: 555
Auszeichnungen: 5
Guthaben: Gesperrt
Volk: Goblin

Das Kaisho Abkommen Die fleißige Feder in Bronze Die fleißige Feder in Silber Rote Laterne

Re: Wolfsblut

#47

Beitragvon JEELEN » Di 5. Sep 2017, 18:20

Eorur

Eorur beobachtete den Streit zwischen Tascko und Fallon. Allerdings nahm er ihn nur am Rande wirklich wahr, denn fĂŒr ihn war immer noch unbegreiflich, dass Fallon noch lebte.

Er hatte ihn all die Jahre fĂŒr tot gehalten. Hatte um ihn getrauert, hatte sich im Grunde selbst aufgegeben, da er ihn verloren hatte. Was sollte er da noch mit sich anfangen?

Sie waren ein Team, ein Duo und dazu gehörten mindestens zwei. Er war nur der winzige Überrest von etwas grĂ¶ĂŸerem Ganzen, dass an dem Tag zerstört wurde, als er Fallon fĂŒr tot erklĂ€rt wurde. Und nun, als wollten die Götter ihm einen Streich spielen, traf er ihn rein zufĂ€llig wieder.

Saß dem Mann den er geliebt hatte gegenĂŒber und sein besoffener Verstand hatte nicht einmal registriert, dass es sich um seinen Mann handelte. So tief musste man erst einmal sinken. Das Fallon ihn nicht erkannt hatte, konnte er ihm nicht verdenken. Er musste aussehen wie der letzte Landstreicher. Abgerissen und ungepflegt. Zudem war auch das Alter und der Alkohol ganz sicher nicht spurlos an ihm vorĂŒber gegangen.

Eorur wusste nicht ob er sich einfach wagen sollte, sich offen zu freuen oder ob er sich fĂŒr seinen Zustand schĂ€men sollte. Irgendwie war es eine ganz seltsame Mischung, die sich da in seinem Magen und vor allem in seiner Herzgegend breit gemacht hatte.

Eorur kippte seinen verbliebenen Schnaps auf Ex herunter und musterte Fallon.

"Du hast ĂŒberlebt. Wieso bist Du nicht zu mir zurĂŒckgekehrt? Eine lange Geschichte hm? Nun ich habe Zeit, unendlich viel Zeit Fallon. Ich finde Du sollest mir erzĂ€hlen, was damals tatsĂ€chlich geschah. Du kamst einfach nicht zurĂŒck, wurdest aus meinem Leben gerissen. Ich habe um Dich getrauert, verstehst Du das nicht?", versuchte Eorur zu erklĂ€ren und hob kurz das leere Schnapsglas an.

"Ich trauere immer noch. Vielleicht nicht auf die beste Art und Weise, aber das war alles was mir geblieben ist", fĂŒgte der alte Söldner an.
0 x
Bild

Benutzeravatar
Fallon
Zweitcharakter
BeitrÀge: 30
Guthaben: Gesperrt

Re: Wolfsblut

#48

Beitragvon Fallon » Di 5. Sep 2017, 19:54

Aufmerksam betrachtete Fallon seinen GegenĂŒber. Eorur schĂŒttet ihm sein Herz aus und es nahm Fallon sofort mit. Trotz des Umstandes ihrer unglĂŒcklichen Trennung, packten seine Worte und der in ihnen liegende Schmerz Fallon augenblicklich. Es war, als wĂ€ren sie nie getrennt gewesen. Die GefĂŒhle und die Empathie gegenĂŒber seines alten Meisters kehrten zurĂŒck. Sie waren vergessen, versteckt unter der Schmach und dem Leben als Hund bei der Bauernfamilie. Selbst die Wochen danach hatte er sich kaum an die Zeit zuvor erinnern können. Doch so wie Eorur nun vor ihm saß, erschlugen Fallon seine GefĂŒhle wie ein Hammerschlag. Es kehrte alles zurĂŒck.

Seine Augen fĂŒllten sich gĂ€nzlich mit TrĂ€nen und jede Blockade war gebrochen. Schon bald bildeten sich Rinnsale auf den Wangen des Wolfwandlers. Doch kein Schluchzen oder Schniefen kam von Fallon. Still wanderten seine TrĂ€nen hinab zum Kinn, wo sie sich sammelten und in glitzernden Tropfen auf den Tisch fielen.

Tsacko war mittlerweile vollkommen vergessen und ignoriert.

Sekunden des Schweigens vergingen. Dann holte Fallon tief Luft. Sanft schĂŒttelte er seinen Kopf. Die Gedanken rasten. Er musste sie sortieren.

Ein ruhiger Moment verging.

Dann erhob Fallon endlich seine Stimme. "Dann ist jetzt Schluss mit deiner Trauer. Es gibt nichts mehr zu betrauern. Es gibt nur viel zu erklÀren. Und nachzuholen." Ein zittriges LÀcheln umspielte Fallons Lippen. "Ich bin dir aber wohl erst einmal eine ErklÀrung schuldig, nicht wahr?"

Eine Frage auf die Fallon nicht wirklich eine Antwort erwartete. Stattdessen begann er sich zu sammeln und zittrig zu erzĂ€hlen: "Kannst du dich noch an den Auftrag erinnern, mit dem alles begann? Banditen auslöschen, die ein Dorf bedrohten. Absoluter Scheiß." Fallons Faust ballte sich und er knirschte mit den ZĂ€hnen. "Als wir dort ankamen, war kein Bandit in Sicht. Stattdessen befahl uns unser Arsch von Kommandant das Dorf zu plĂŒndern. Dort waren Frauen, Kinder, Alte. Alle sollten sterben. Die ReichtĂŒmer an uns gehen. Ich stellte mich quer. Tja, ich versuchte die Bewohner zu verteidigen. Wurde dabei jedoch abgeschlachtet. Im wahrsten Sinne. Sie ließen mich wie einen gemeinen Köter zum Ausbluten zurĂŒck." Fallon ließ die Schultern hĂ€ngen und seine Miene verog sich.

"Meine letzte Möglichkeit blieb die, mich in den Wald zu schleppen, meine Sachen zu verstauen und zu verwandeln. Als Wolf bin ich, wie du weißt, widerstandfĂ€higer. So habe ich es auch zu einer Bauernfamilie geschafft. Sie nahmen mich auf - als Hund. Ein Haustier fĂŒr Bauern, um ihre Schafe zu hĂŒten. Ich verwilderte, meine Gedanken wurden langsamer. Ich vergaß mich. Nur mit MĂŒhe schaffte ich es zurĂŒck zu meinem menschlichen Sein. Ich verließ diese Familie. Das ist nun gute acht Wochen her."

Fallon blickte auf den Tisch und seine HÀnde griffen unruhig ineinander, kneteten eine unsichtbare Masse. "Wie du siehst, hatte ich kaum Zeit, um dich aufzusuchen. Glaube mir, ansonsten hÀtte ich es getan. Nichts hÀtte ich lieber getan." Vorsichtig schob sich eine Hand Fallons in Richtung einer der HÀnde Eorurs. Jedoch hÀlt er in der Mitte des Tisches inne.
0 x

Benutzeravatar
JEELEN
Zweitcharakter
BeitrÀge: 555
Auszeichnungen: 5
Guthaben: Gesperrt
Volk: Goblin

Das Kaisho Abkommen Die fleißige Feder in Bronze Die fleißige Feder in Silber Rote Laterne

Re: Wolfsblut

#49

Beitragvon JEELEN » Do 7. Sep 2017, 19:38

Eorur

Eorur konnte seinen Mann nicht weinen sehen. Nichts war schlimmer als ein Partner der weinte, wie sollte man da nur richtig reagieren? Als dem Wolfswandler lautlos die TrĂ€nen ĂŒber die Wangen liefen, tupfte Eorur Fallons Gesicht etwas unbeholfen mit seinem verschlissenen Hemd sauber.

Als Fallon ihm gegenĂŒber eingestand ihm eine ErklĂ€rung schuldig zu sein, nickte Eorur knapp. Schuldig war er ihm im Grunde nichts, Liebe und Zuneigung war keine Rechnung die man sich gegenseitig prĂ€sentierte. Dennoch war eine ErklĂ€rung schön, er wĂŒnschte sie sich. Er wĂŒnschte und fĂŒrchtete sie allerdings auch zeitgleich.

Ein fremder Mann, Unzufriedenheit mit ihm - Eorur schoss auf einem Schlag alles durch den Kopf, was es wohl fĂŒr GrĂŒnde gegeben haben mochte, dass Fallon die Gelegenheit beim Schopf gepackt hatte um ihn hinter sich zu lassen.

`Schau Dich doch nur an! Ein alternder Söldner und SÀufer. Was erwartest Du von ihm?Ž, schalt er sich selbst in Gedanken.

Trotzdem hoffte ein kleiner Teil von ihm, dass Fallons GestĂ€ndnis nicht zu schmerzhaft werden wĂŒrde. Dass er ihn auch vermisst hatte, wenigstens ab und an. Aber das was Fallon dann erzĂ€hlte, ließ Eorurs Herz fĂŒr einen Moment hĂŒpfen, aber zeitgleich seine Hand nach seinem Schwertknauf tasten.

Fallon hatte ihn aus gar keinem Grund verlassen, man hatte sie gewaltsam auseinander gerissen! Dieses hinterhĂ€ltige und brutale Schwein, hatte zuerst einen Befehl erteilt, den es nie hĂ€tte geben dĂŒrfen und als sein Mann RĂŒckgrat gezeigt hatte, wurde er dafĂŒr zum Sterben zurĂŒck gelassen. In Eorur brodelte der Zorn der Gerechten.

Der alte Söldner dankte stumm der Bauersfamilie die sich Fallons angenommen hatten und ihn gesund gepflegt hatten.

Was der Wandler durchgemacht haben musste, konnte sich Eorur nicht im Ansatz vorstellen. Wie war es wohl sich selbst in eine andere Gestalt zu verlieren? Wie war es, seine Menschlichkeit aufzugeben? Jedenfalls seine menschliche Form? War es als ob man die Gedanken eines anderen dachte, oder dachte man in einer völlig anderen Bahn? Musste man sich daraus wieder empor kĂ€mpfen wie aus einem Sumpf oder wie aus zĂ€hflĂŒssigem Teer?

Eorur musterte Fallon, er hĂ€tte ihm so gerne ein paar aufmunternde, tröstende Worte gesagt, aber fĂŒr dieses Erlebnis waren tröstende Worte einfach zu schwach. Kein Wort konnte das Leid und diesen Kampf beschreiben, nichts wurde dem gerecht.

Der Söldner glaubte dem Wolfswandler jedes Wort und ebenso glaube er ihm, dass er ihn aufgesucht hĂ€tte. Der Zusatz, dass er nichts lieber getan hĂ€tte, ließ Eorur lĂ€cheln. Es fĂŒhlte sich gut auf seinem Gesicht an, das LĂ€cheln das Fallon gehörte.

Als Fallon ihm zaghaft, ja geradezu schĂŒchtern die Hand hinschob und auf halber Strecke pausierte, ergriff Eorur beherzt dessen Hand. Legte seine schwielige Hand in die von Fallon und drĂŒckte sie liebevoll.

"Ich glaube Dir, ich bin so froh dass ich Dich wiederhabe. Ich kann Dir nicht sagen wie sehr Fallon. Mit vielem hÀtte ich gerechnet, aber Dich jemals wieder zu sehen, geschweige denn zu halten, damit hÀtte ich nie gerechnet", erklÀrte Eorur leise und liebevoll.
0 x
Bild

Benutzeravatar
Tsacko
Zweitcharakter
BeitrÀge: 31
Guthaben: Gesperrt
Volk: Gestaltwandler

Re: Wolfsblut

#50

Beitragvon Tsacko » Do 7. Sep 2017, 20:12

Eine Stoppelglatze tauchte langsam hinter der Tischkante auf, als wĂŒrde Tsacko sich aus dem Meer erheben. Es folgten seine braunen Augen, eine dick aussehende Nase und ein zusammengekniffener Mund. Dann kam der Rest schwankend auf die Beine.

Tsacko zwinkerte mehrmals hintereinander, bis er wieder klar sehen konnte und ließ sich auf seinen Stuhl fallen. Er glaubte, noch immer schief zu gucken, denn die zwei Söldner hielten scheinbar auf der Tischplatte HĂ€ndchen. Er zwinkerte noch mal und rieb sich das Gesicht. Er sah ein zweites Mal hin und ihre HĂ€nde waren noch immer zĂ€rtlich ineinander verschrĂ€nkt. Tsackos Augen verharrten auf dem Anblick, seine Mundwinkel zogen sich zu einem breiten Grinsen auseinander. Er legte einen Arm lĂ€ssig nach hinten ĂŒber seine Stuhllehne und flĂ€zte sich. Seine Finger tasteten nach der BĂŒffelhornpfeife, die er um den Hals trug. Man konnte in beide Seiten blasen. Er drehte das dickere Ende nach oben und ein tiefer Pfeifton hallte lange durch den Schankraum. Anschließend blieb er genau so lĂ€ssig sitzen, als wĂ€re nie etwas geschehen und lĂ€chelte vor sich hin, wĂ€hrend er sich an Fallons flockigem Bier bediente.
0 x
Bild

„He who makes a beast of himself gets rid of the pain of being a man.“
Samuel Johnson