Mission in My'shu

So erbarmungslos wie die Natur sind auch die Bewohner der nördlichen Reiche. Die dunklen Meere und die von Packeis starrenden KĂŒsten werden beherrscht von den Norkara und Shezem. Den Nordwesten kontrollieren die Frostalben.

Der Norden
So erbarmungslos wie die Natur sind auch die Bewohner der nördlichen Reiche. Die dunklen Meere und die von Packeis starrenden KĂŒsten werden beherrscht von den Norkara und Shezem. Den Nordwesten kontrollieren die Frostalben.
Benutzeravatar
Sasuke Mokiri
Zweitcharakter
BeitrÀge: 11
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt

Top Charakterbogen

Mission in My'shu

#1

Beitragvon Sasuke Mokiri » Do 1. Jun 2017, 20:01

Sasuke klopfte sich den Schnee vom Mantel und schlich durch die dunklen Gassen My‘shus. Zum GlĂŒck hatte es nicht lange geschneit und auf dem Kopfsteinpflaster war nichts liegengeblieben, das seine Schritte dokumentieren konnte. Seine Lederstiefel verursachten keinen Laut, doch er hielt sich im Schatten der HĂ€user. Der Mond strahlte heute hell und die Augen der Frostalben waren scharf. Sein Ziel war ein Etablissement mit dem Namen Kashmir. Seit Wochen beobachtete er den Kommandanten, wusste wann er aufstand, wann er aß und wann er sich mit den jungen ArashimĂ€dchen vergnĂŒgte, die mangels Zukunftsaussichten im Kashmir angeheuert hatten. Heute Abend war einer dieser Tage.
Er nĂ€herte sich dem GebĂ€ude von hinten. Seinesgleichen war hier nicht lĂ€nger willkommen. Die nobleren Bordelle waren ausschließlich fĂŒr frostalbische Kundschaft reserviert. Wie geplant entledigte er sich seines Mantels und seiner Stiefel, versteckte sie in einer Nische und schlich durch den KĂŒcheneingang, vorbei an den TĂŒrmen leerer Kisten und FĂ€sser direkt zum Lastenaufzug, der die ServierwĂ€gen in die einzelnen Suiten brachte. Der Aufzug war nicht da, doch Sasuke wollte ihn ohnehin nicht benutzen. Er kletterte parallel an der Wand entlang auf die andere Seite. Dort befand sich eine kleine Vertiefung, in die er sich pressen konnte, sollte der Aufzug plötzlich vorbei fahren. Dann begann der Arashi zu klettern. Kraftvoll und in gleichbleibendem, kontrolliertem Tempo zog er sich Meter um Meter nach oben.

Sasuke schlĂŒpfte aus dem Aufzugschacht. Direkt daneben befand sich der Eisspender dieser Etage und Sasuke fĂŒllte einen Eimer, bevor er sich zur Kaisersuite aufmachte.
Vor der TĂŒr standen zwei LeibwĂ€chter des Kommandanten und unterhielten sich leise. Sasuke trat vor, verbeugte sich und hielt den Eimer hoch.
„Der Kommandant hat heute keine MĂ€nner bestellt“, sagte einer der Soldaten.
„Geschenk des Hauses“, erwiderte Sasuke.
Die beiden Forstalben sahen sich kurz an, dann öffneten sie die TĂŒre und schoben Sasuke in den Raum. Der Wohnraum der Suite war leer, doch aus dem Schlafzimmer drangen die Töne des Liebesspiels, die je stoppten, als die TĂŒr mit einem Klicken ins Schloss fiel.
„Was ist?“, knurrte der Kommandant.
„Entschuldigung fĂŒr die Störung“
, rief einer der Soldaten ohne in das Zimmer zu sehen. „Hier ist ein Freier, der sagt, er sei ein Geschenk des Hauses.“ Er zögerte kurz, doch fĂŒgte dann an: „Das letzte Mal, als wir solch ein Angebot abwiesen, da wart ihr außer euch –“
„Schickt ihn rein und verschwindet!“, unterbrach ihn der Kommandant.
Die MĂ€nner gaben Sasuke einen Stoß in Richtung TĂŒre und gingen wieder nach außen. Der junge Arashi betrat langsam den Raum und fand den Kommandanten dort nackt zwischen zwei jungen MĂ€dchen mit einem lĂŒsternen Grinsen im Gesicht. Das große zweiflĂŒgliche Fenster stand offen und die weißen VorhĂ€nge wurden vom eisigen Wind hineingeblasen.
„Ausziehen“, befahl der Kommandant und Sasuke folgte seinem Wunsch ohne eine Miene zu verziehen.
„Nicht schlecht“, pfiff der Frostalb und musterte Sasuke. „Einen derart trainierten Freier hatte ich noch nie. Reib dich mit dem Eis ein und dann komm her! Ich kann nicht ausstehen, wenn eure Körper vor Hitze dampfen.“
Sasuke bezweifelte, dass hier irgendwer dampfte. Im Raum war es eiskalt und die MĂ€dchen schienen zu frieren. Der Kommandant bemerkte seinen Blick. „Oh ja“, grinster er, „ich mag es, wenn ihr friert und zittert wie hilflose kleine Ratten.“
Sasuke nahm eine Hand voll Eis aus dem Eimer und rieb es sich ĂŒber den Oberkörper, die Arme und Beine. Eine GĂ€nsehaut breitete sich auf seiner Haut aus. Dann ging er langsam auf das Bett zu und stieg auf Knien hinein. Sofort packte ihn der Kommandant im Schritt, doch der Arashi ließ es geschehen und nahm den Kopf des Frostalben in beide HĂ€nde. WĂ€hrend sich auf dessen Gesicht noch ein wildes Grinsen ausbreitete, packte Sasuke zu und mit einer einzigen schnellen Bewegung war das Genick des Mannes gebrochen.
Eines der MĂ€dchen schrie auf, doch Sasuke beachtete sie nicht weiter. In diesen RĂ€umlichkeiten schrien die Frauen und MĂ€dchen oft.
„Sobald ich diesen Raum verlassen habe, werdet ihr die LeibwĂ€chter holen und ihnen sagen, dass der Freier den Kommandanten umgebracht hat und durch das Fenster geflohen ist. Ihr werdet ihnen weiterhin sagen, dass, sollten Unschuldige dieses Etablissements zu Schaden kommen, weitere Morde folgen werden.“
Sasuke hatte den MĂ€dchen den RĂŒcken zugewandt. Sie durften sich sein Gesicht nicht einprĂ€gen. Er zog seine Kleider wieder an und ging ein paar Schritte auf das geöffnete Fenster zu. „Und gebt ihnen dies.“
Er warf eine gelbe BlĂŒte nach hinten auf das Bett. Dann stieg er aus dem Fenster, balancierte das kleine Fenstersims entlang und griff mit beiden HĂ€nden die Regenrinne. Binnen Sekunden war er nach unten gerutscht, landete lautlos und eilte zu Mantel und Stiefeln. Als er aus dem Hinterhof schlĂŒpfte, konnte er die ersten Rufe aus dem GebĂ€ude hören. Sie wĂŒrden ihn niemals finden.
0 x
Ein schwacher Körper schwÀcht die Seele

Jean-Jaques Rousseau

Benutzeravatar
Sasuke Mokiri
Zweitcharakter
BeitrÀge: 11
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt

Top Charakterbogen

Re: Mission in My'shu

#2

Beitragvon Sasuke Mokiri » Fr 18. Aug 2017, 21:43

Als Sasuke nach Hause kam, entfachte er als erstes ein Feuer in dem kleinen offenen Kamin. Er hatte dort grundsĂ€tzlich ein GittertĂŒrmchen aus Holzscheiten vorbereitet, in dessen Mitte etwas Reisig nur darauf wartete entfacht zu werden. So konnte er jederzeit fĂŒr WĂ€rme sorgen. Als das Feuer kurz darauf fröhlich in seiner steinernen Höhle tanzte, schmolz Sasuke einen der großen Eiszapfen, die trotz der zuletzt etwas wĂ€rmeren Tage noch immer den Giebel vor dem Fenster zierten. Er fĂŒllte das Wasser in eine WaschschĂŒssel und wusch sich ausfĂŒhrlich. Anschließend vollendete er den Reinigungsprozess mit einem Gebet und einer mehrminĂŒtigen Meditation, indem er sich kreuzbeinig auf den kleinen handgewebten Teppich vor seinen Schrein setzte. Auf dem schemelartigen Tisch lagen ein golden eingefĂ€rbtes Holzmodell zweier gekreuzter Schwerter und ein glatt polierter Kieselstein, zur HĂ€lfte weiß, zur HĂ€lfte schwarz bemalt, von zwei Kerzen flankiert und von den seichten Schwaden eines Patchouli-RĂ€ucherstĂ€bchens verschleiert. Sasuke bat Segira um BestĂ€tigung, dass sein Mord ehrenhafter Natur gewesen war und um die Freigabe seiner Seele. Zu Malgorion-Oril sprach er mit der Bitte, ihm trotz der Tat weiter innere Balance zu schenken und gelobte auch zukĂŒnftig stets auf ein ausgeglichenes VerhĂ€ltnis heller und dunkler Handlungen zu achten, weiter den Weg der Mitte zu verfolgen. Schließlich senkte er ehrfĂŒrchtig das Haupt, legte die Stirn auf dem Boden ab und befreite sich von allen Gedanken. Sasuke dankte beiden Göttern und richtete sich wieder auf, die Augen nun geschlossen, um seinen Geist fĂŒr einige Augenblicke aus dem Strudel der Gedanken und Entscheidungen zu ziehen und ihm Ruhe zu gewĂ€hren.

Nach der Reinigung setzte sich der Arashi mit einer Tasse honiggesĂŒĂŸten KrĂ€utertees neben seine Bettstatt und holte das Notizheft aus dem Nachttisch. Er schlug die nĂ€chste freie Seite auf und begann seinen Auftrag aus dem Kashmir bis in kleinste Detail aufzuschreiben. Welchen Weg er gegangen war, wie viele Leute er passiert hatte und welche; er notierte sich haargenau, wie die beiden LeibwĂ€chter ausgesehen hatten, und wie die beiden Prostituierten, beschrieb den Klang ihrer Stimmen und ihren Geruch. Dann holte er aus dem Einband ein zusammengefaltetes StĂŒck Papier und breitete es auf dem Boden vor sich aus. Es zeigte ein spinnennetzartiges Schaubild aus akkurat gezogenen Linien mit winzigen handschriftlichen ErgĂ€nzung und den Namen verschiedenster Personen. Sasuke nahm einen roten Wachsstift aus der Schublade seines Nachttisches und markierte den Namen des Kommandanten mit einem roten Kreuz. Es war bereits das fĂŒnfte auf dem Schaubild. Die Augen des Arashi folgten den Linien, die vom Kommandanten abgingen. Zwei fĂŒhrten direkt zu seinen Kompanien – eine in der Stadt und eine davor stationiert. Die anderen Linien bewegten sich ins Zentrum des Gebildes, zum Regierungsrat der Besatzer und zu wichtigen Zentren der MitlĂ€uferparteien der My’shuer. Hier lag Sasukes nĂ€chste Aufgabe: beobachten, belauschen, manipulieren. Der Mord wĂŒrde sie alle in irgendeiner Form zum Handeln zwingen. Er wĂŒrde auch Emotionen wecken; Zorn, Furcht, es war einerlei. Im Bann des vorherrschenden GefĂŒhls wĂŒrden die hohen Herren Sasuke mehr preisgeben, als sie wĂŒnschten. Vor allem, weil sie nicht ahnten, was er bereits alles wusste. Vier, fĂŒnf weitere Linien des Schaubilds fĂŒhrten direkt vor ihre HaustĂŒre.
Das GerĂ€usch von Schritten auf der Treppe riss Sasuke aus seinen Gedanken. Eilig faltete er den Plan zusammen und packte das Buch zurĂŒck. Da klopfte es auch schon an seiner TĂŒre und die Stimme der HaushĂ€lterin ertönte. Es war bereits Morgen.
„Hier ist Post fĂŒr Sie, Herr Mokiri.“
„Kommen Sie herein, die TĂŒre ist offen“, antwortete Sasuke und stand auf.
Die HaushĂ€lterin war eine alte Arashi-Dame, der die Jahre deutlich ins Gesicht geschrieben standen. Sie war eine gute Frau, wenn auch von schlichtem GemĂŒt.
„Ich habe Haferschleim gekocht. Wenn Sie bereit fĂŒr ein FrĂŒhstĂŒck sind, können Sie nach unten in die KĂŒche kommen“, sagte sie und reichte Sasuke den Brief. „Und“, sie war auf halbem Wege aus dem Zimmer noch einmal stehen geblieben, „wenn Sie spĂ€ter vom Hafen kommen, dĂŒrfte ich Sie bitten, sich das Dach einmal anzusehen? Ich habe die BefĂŒrchtung, ein paar Ziegel sind gebrochen. Bei diesen Temperaturschwankungen wĂ€re das kein Wunder.“
„NatĂŒrlich“, antwortete Sasuke und lĂ€chelte sie freundlich an. „Das Abflussrohr hĂ€lt nun?“
„Oh ja, besser als je zuvor!“, rief sie freudig aus. „Wenn ich Sie nicht hĂ€tte, Herr Mokiri, die alten Knochen lassen mich doch langsam im Stich.“
„Ich helfe gern, immerhin geben Sie mir ein Zuhause.“
„FĂŒr das Sie sehr gewissenhaft bezahlen“, sie lĂ€chelte zurĂŒck. „Nun lasse ich Sie aber alleine. Ich muss sowieso nach dem Essen sehen, bevor es anbrennt.“
Sasuke schloss die TĂŒre hinter ihr und öffnete den Brief. Er war von Aisika, seiner Frau. Sasuke las ihn mehrmals. Schließlich war er sich sicher, dass keine verschlĂŒsselten Informationen der Partei enthalten waren, Aisika ihm lediglich ein wenig von zu Hause erzĂ€hlen wollte. Er drehte den Brief um und betrachtete den Handabdruck, mit dem die kleine Konika jeden Brief stempelte. Mit dem Zettel in der Hand ging er zu dem losen Dielenbrett, hebelte es vorsichtig aus und fischte den letzten Brief heraus. Sollte je sein Zimmer durchsucht werden, so sollten sie zumindest nicht erfahren, dass er eine Familie hatte. Er legte die Briefe nebeneinander. Sie war schon wieder gewachsen. Sasuke seufzte. GefĂŒhle stiegen in ihm auf, heiß wie Wasserdampf ĂŒber dem Herd; Sehnsucht, Freude und Trauer: er benötigte AbdrĂŒcke der HĂ€nde, um zu sehen, wie sie aufwuchs. Er schloss einige Minuten die Augen, um die Flut der Emotionen greifen und kontrollieren zu können. Es war in Ordnung, dass sie kamen. GefĂŒhle wie diese unterschieden ihn von den kaltblĂŒtigen Mördern auf der Welt, doch niemals durfte er sich von ihnen beherrschen lassen. „BeschĂŒtze meine kleine Kriegerin“, sagte er sanft mit Blick zu Segiras Schrein. Es musste so sein. Er musste ihre Sicherheit in die HĂ€nde seiner Göttin geben; und in Aisikas. <Du wirst mit Einigem fertig>, dachte er und strich mit dem Finger ĂŒber ihre Unterschrift. Sein Platz war nun hier. Er musste dazu beitragen, dass seine Tochter und die folgenden Generationen in einer besseren Welt leben konnten, als er.

SpĂ€ter schnappte Sasuke schon auf dem Weg zu den Docks die ersten GerĂŒchte auf. Ein hohes Tier seitens der Besatzer sei umgekommen. „Vergiftet“, versicherte eine VerkĂ€uferin ihren Kunden, wĂ€hrend sie GetreidesĂ€cke abwog. Zwei Straßenkehrer waren hingegen der Meinung, es habe einen AttentĂ€ter in den eigenen Reihen gegeben und so hĂ€uften und ĂŒberschlugen sich die Neuigkeiten. Auch in den Patrouillen der Frostalben gab es Gemurmel, das jedoch immer sofort eingestellt wurde, wenn sie in die NĂ€he von Passanten kamen.
Am Hafen angekommen wurde Sasuke sofort von Nikuro empfangen. „Hast du schon gehört?“ rief er aus. „Einer der Kommandanten ist tot.“
Sasuke winkte ab. „Die Leute reden von nichts anderem“, antwortete er. „Ich habe unterwegs schon ein Dutzend unterschiedlicher Todesursachen gehört.“
„Haltet die Klappe!“, mischte sich Saeko ein. „Der Aufseher hat ein Sprechverbot verhĂ€ngt.“
„Oh“, grinste Nikuro. „Dann halten wir uns lieber daran. Mir schmerzt noch der RĂŒcken von der letzten Strafe.“
Sasuke sah seinen Kollegen mitleidig an. Nikuro war ein guter Mann, aber er war langsam und ungeschickt und es kam nicht selten vor, dass er eine Kiste voller GĂŒter im Meer versenkte. <Ganz zu schweigen von den Unmengen an Fisch, die er im Jahr heimlich an die streunenden Hafenkatzen verteilt>, dachte Sasuke.
Die drei MĂ€nner meldeten sich bei ihrem Vorarbeiter an und ließen sich einweisen. Dann verbrachten sie den Tag damit, Schiffe zu be- und entladen, die Waren zu sortieren und auf die Wagen der wartenden Kaufleute zu verteilen. Die höhere PrĂ€senz der frostalbischen Aufseher war nicht zu ĂŒbersehen. <Sie lauschen und beobachten>, dachte Sasuke. Der Hafen war voller junger Arashi mit krĂ€ftigen HĂ€nden; HĂ€nde, mit denen man ohne weiteres einem Mann das Genick brechen konnte. Mit Sicherheit rechneten sie zudem mit der Flucht des Mörders und die war in My’shu per Schiff nun doch am realistischsten. Sasuke war, obwohl er seine Arbeit wie gewöhnlich verrichtete, immer mit einem Auge und Ohr bei den Soldaten. Geduldig studierte er ihre Körpersprache und fing den ein oder anderen GesprĂ€chsfetzen auf. Schnell kam er zu dem Schluss, dass die einfachen Krieger nicht in die Details des Mordes involviert worden waren. Ein gutes Zeichen; die Obrigkeiten wollten die eigene Verwundbarkeit vertuschen. <Wie erwartet>, dachte Sasuke. Alles verlief wie geplant. Die Unwissenheit wĂŒrde nicht nur die Suche nach dem Mörder erschweren, sie wĂŒrde auch nach und nach fĂŒr Unmut in den Reihen der Soldaten sorgen und sich wie eine ZĂŒndschnur einen Weg durch die Truppen und Institutionen brennen, der von ĂŒberall angezapft werden konnte, um GerĂŒchte zu sĂ€hen und Verwirrung zu stiften.
0 x
Ein schwacher Körper schwÀcht die Seele

Jean-Jaques Rousseau

Benutzeravatar
Sasuke Mokiri
Zweitcharakter
BeitrÀge: 11
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt

Top Charakterbogen

Re: Mission in My'shu

#3

Beitragvon Sasuke Mokiri » Di 22. Aug 2017, 11:55

Kiste um Kiste schleppte Sasuke von A nach B und pausierte nur, um gelegentlich einen Schluck Wasser zu nehmen. Dann blickte er meist gen Norden, wo sich die kargen Gipfel des nahen Gebirges erhoben und ihn an zu Hause erinnerten. Dort wĂŒrden die braun-grauen FelswĂ€nde um diese Uhrzeit wahrscheinlich schon derart von der Sonne vergoldet, dass das warme sirupartige Licht bis in den Garten ihres kleinen Reichs zurĂŒckstrahlte. Sashime wĂŒrde vielleicht die letzten SchĂŒsseln, Vasen und Karaffen zum Ruhen in ihre Gitterregale einrĂ€umen und dabei ihr von den zunehmenden Falten nur noch freundlicher gestaltetes Gesicht immer wieder in den warmen Schein halten. Aisika wĂŒrde an den GemĂŒsebeeten zugange sein oder die Schafe fĂŒttern, wĂ€hrend die kleine Konika auf einer der bunten Wolldecken herumkroch und mit ihrer Stoffpuppe spielte. Er schloss die Augen und konnte fast das Klimpern der PerlenvorhĂ€nge hören, mit denen der stetige Wind seine Melodie spielte, bevor sie von den schweren Woll- und Lederteppichen zugehĂ€ngt wĂŒrden, um die nĂ€chtliche KĂ€lte auszusperren.
In einem dieser kurzen Momente der Ruhe vernahm er eine bekannte Stimme.
„Keine AuffĂ€lligkeiten?“, fragte einer der LeibwĂ€chter.
„Nein, mein Herr“, antwortete ein Aufseher. „Wir lassen niemanden unbefugt an Bord der Schiffe und jedes einzelne vor dem Ablegen Durchsuchen.“
„Und die Arbeiter? Sind heute Morgen alle erschienen?“
„Jawohl. Wir haben alle Vorarbeiter befragt und die Listen geprĂŒft.“
„Hm“, machte der LeibwĂ€chter und Sasuke, der halb verdeckt und mit dem RĂŒcken zu ihnen stand, spĂŒrte seine EnttĂ€uschung. Gerne hĂ€tten sie ĂŒber den einen berichtet, der nicht zur Arbeit erschienen war. Die beiden entfernten sich langsam, bis das GesprĂ€ch nicht mehr zu hören war.
Sasuke stellte die Flasche weg und schulterte den nĂ€chsten Sack Mehl. Er war zu abgeklĂ€rt, um sich wegen der Anwesenheit des LeibwĂ€chters Gedanken zu machen. Selbst wenn sie den Aufsehern und den Vorarbeitern eine Beschreibung seines Aussehens gegeben hĂ€tten, und nach seinen neusten Erkenntnissen war er sich sicher, das hatten sie nicht, hĂ€tte sie nie genau genug sein können, um ihn von den anderen rauen Burschen der Arbeiter unterscheiden zu können. Er musste lediglich vermeiden, dass die beiden ihn direkt zu Gesicht bekamen. Sie wĂŒrden alle HĂ€nde voll zu tun haben, wenn sie die vielen möglichen Aufenthaltsorte des Mörders abklappern wollten, ohne die einfachen Soldaten in die Details einzubeziehen. FĂŒr Sasuke wĂŒrde es so ein Leichtes sein, sich verborgen zu halten. Höher gestellte und dadurch vielleicht eingeweihte Krieger waren auffĂ€llig wie ein buntes Yak.
Nach Schichtende ging Sasuke die Route ĂŒber den Marktplatz zurĂŒck. Er wollte noch Honig, Obst und Hirsefladen kaufen und ging zĂŒgig, da er fĂŒrchtete, die KleinhĂ€ndlerinnen wĂŒrden ihre MarktstĂ€nde bereits schließen. Er hatte GlĂŒck: seine StammhĂ€ndlerin war noch da. Bei ihr wusste er, dass der Honig ausschließlich aus den Hochebenen stammte und Sasuke liebte den wĂŒrzig-blumigen Geschmack, den es sonst nirgends gab. Zudem galten die Hochlagen und Gipfel bei vielen Arashi als heilig und Lebensmitteln aus diesen Regionen wurden besondere KrĂ€fte beim Vertreiben böser Geister nachgesagt. Sasuke gab den Honig vor allem fĂŒr seinen morgendlichen Entgiftungsprozess in eine Tasse warmes Wasser und achtete daher er besonders auf dessen Herkunft. Nachdem er bezahlt hatte, ĂŒberquerte Sasuke den Rest des Marktplatzes und passierte die Ruinen eines zerstörten Gebetsladens im Zeichen Malgorion-Orils. Hier hatte man Talismans, Gebetsteppiche und heilige AlltagsgegenstĂ€nde wie Waagen und Sanduhren kaufen können, bevor die Besatzer alle Einrichtungen mit Bezug zum gespaltenen Gott ĂŒberfallen und heruntergerichtet hatten. Viele GlĂ€ubige waren geflohen und andere verleugneten fortan ihren Glauben, da die Frostalben ihn als GotteslĂ€sterung betrachteten und mit Folter und Tod bestraften. Sasuke gedachte all jenen, die dieses Schicksal ereilt hatte und murmelte ein kurzes Stoßgebet, als er in eine kleinere Gasse einbog, die ihn am schnellsten zu seiner Wohnung bringen wĂŒrde.

Beinahe wĂ€re er mit ihr zusammengestoßen. Ihr Gesicht war seltsam leer, doch dann breitete sich der Ausdruck des Wiedererkennens auf ihm aus.
„Du!“, stieß das MĂ€dchen aus dem Kashmir hervor. „Ich erkenne dich wieder.“
Einen Moment lang war Sasuke versucht zu lĂŒgen, ihre Bekanntschaft zu verleugnen, doch sein EhrgefĂŒhl war zu stark.
„Guten Abend“, sagte er höflich mit einer angedeuteten Verbeugung. „Ich hoffe es geht Euch gut?“
Ihr Gesicht verĂ€nderte sich und Falten der Wut nahmen ihm seine zierliche Schönheit. „Was fĂŒr eine Frage!“, sagte sie empört. „Leute wie ihr denkt ihr tut Gutes, rettet die Welt, nicht wahr?“ Sie lachte verĂ€chtlich. „Ihr strebt nach dem Palast auf dem höchsten Gipfel und achtet dabei nicht auf die mĂŒhevoll aufgebauten LehmhĂŒtten, die ihr unterwegs zertrampelt.“
„Hat man Euch etwas angetan?“
Wieder lachte sie trocken. „Weißt du, bis du kamst, war mein Leben nicht gut, jetzt aber ist es die Hölle.“
„Keine Sorge, liebe Frau“, sagte Sasuke mit fester Stimme. „Das werde ich ihnen nicht durchgehen lassen. Ich habe ihnen befohlen, die Unschuldigen des Kashmir außenvor zu lassen und ich werde dafĂŒr sorgen, dass es Euch besser geht.“
„Lass uns einfach in Ruhe. Du hast schon genug angerichtet.“ Sie drĂŒckte sich an ihm vorbei.
„Ich könnte dich verraten, weißt du?“ Sie hatte sich noch einmal nach ihm umgedreht. „Aber ich habe keine Lust auf weitere Verhöre, auf Durchsuchungen und QuĂ€lerei. Im Gegensatz zu Leuten wie dir, mische ich mich nicht in das Leben anderer ein, sondern verlange nur mein eigenes leben zu können – und ist es auch noch so kĂŒmmerlich.“ Sie ging weiter.
„Wartet!“, rief Sasuke. „Ich kann wirklich helfen. Ich hole Euch da raus und ich kenne Leute, die Eure Wunden heilen können.“
Ein letztes Mal drehte sie sich um. „Es gibt Wunden, die heilen nicht.“
0 x
Ein schwacher Körper schwÀcht die Seele

Jean-Jaques Rousseau

Benutzeravatar
Sasuke Mokiri
Zweitcharakter
BeitrÀge: 11
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt

Top Charakterbogen

Re: Mission in My'shu

#4

Beitragvon Sasuke Mokiri » Fr 1. Sep 2017, 11:56

Tief in Gedanken versunken ging Sasuke weiter. Zu Hause sah er sich wie versprochen das Dach an, doch weder dabei, noch bei einer ausfĂŒhrlichen Trainingseinheit und nicht einmal bei der anschließenden Meditation konnte er die junge Frau aus seinen Gedanken verbannen. Wie sollte er nun handeln? Nach langer GrĂŒbelei beschloss er etwas zu tun, das er nur in NotfĂ€llen tun sollte: die Verbindungsperson der Partei in My’shu aufsuchen. Sein Auftrag war eindeutig und geklĂ€rt und auch deshalb wĂŒrde sein Besuch Unmut erregen. Er konnte die wĂŒtende Stimme von Shakuro Aisako fast schon hören: „Du gehst das Risiko ein, dass wir auffliegen, nur, um dein Gewissen zu beruhigen?“ Und doch wollte er sich Rat holen und gegebenenfalls die Erlaubnis vom Plan abzuweichen. <Dazu musst du zuerst beichten, dass du bereits abgewichen bist>, dachte er bei sich. <Du solltest kein PlĂ€uschchen fĂŒhren, sondern lediglich die Blume ablegen.> Er seufzte; es wĂŒrde auf jeden Fall Ärger geben.

Shakuro wohnte unweit des Stadtzentrums und betrieb dort einen Gemischtwarenladen. Die VerkaufsrĂ€ume waren im Erdgeschoss, seine WohnrĂ€ume im ersten Stock des kleinen GebĂ€udes. Sasuke war erst einmal dort gewesen, kurz nachdem er in My’shu angekommen war und er wusste zu gut, dass unangekĂŒndigte Besuche nicht erwĂŒnscht waren. So ĂŒberraschte ihn Shakuros Gesichtsausdruck nicht im Geringsten, als er in den Laden trat und das Klingeln der kleinen Messingglöckchen den anderen Arashi aufblicken ließen.
Der Laden war leer und so kam Sasuke direkt zur Sache. „Entschuldige mein Erscheinen, Shakuro. Könnten wir kurz sprechen?“
Shakuro zögerte und musterte Sasuke ernst. „FĂŒnf Minuten“, knurrte er und ging zur TĂŒre, um das Schild auf „Geschlossen“ zu drehen. Dann fĂŒhrte er Sasuke nach oben in den kleinen Empfangsraum, in dem er auch beim letzten Besuch empfangen worden war und bot ihm Tee an. Selbst im grĂ¶ĂŸten Unmut wurde auf die Gastfreundlichkeit geachtet. „Was gibt es?“ fragte Shakuro, als sie sich beide gesetzt hatten. „Dein Einsatz im Kashmir ist doch wie geplant verlaufen, warum kommst du her?“
„Ich möchte um deinen Rat bitten“, antwortete Sasuke und trank von seinem Tee.
„Was ist passiert?“
„Die Prostituierten aus dem Kashmir haben aufgrund der Tat zu leiden und ich habe die BefĂŒrchtung, das ist meine Schuld.“
„Wir können nie wissen, welche Wellen ein Mord in seinem Umfeld schlĂ€gt, Sasuke. Damit ist immer zu rechnen und das solltest du wissen.“
„Es gibt etwas, dass ich dazu beichten muss.“ Er schluckte und legte sich die Worte noch einmal zurecht. „Ich habe womöglich einen Fehler gemacht, denn ich habe mich nicht komplett an den Plan gehalten.“
Shakuro krĂ€uselte die Lippen. „Sondern?“
„Ich habe mit den Prostituierten gesprochen. Ich sagte, sie sollen den Hergang des Mordes beschreiben, um ihre eigene Unschuld zu beweisen
 und sie sollten eine Drohung weitergeben.“ Shakuro schĂŒttelte den Kopf, sagte aber nichts sondern bedeutete Sasuke weiter zu sprechen. „Ich sagte, sollten Unschuldige zu Schaden kommen, wĂŒrden weitere Morde folgen.“
Einen Moment sahen sich die MĂ€nner an und dann, als er merkte, dass Shakuro eine ErklĂ€rung verlangte, sprach Sasuke weiter. „Es war ein spontaner Einfall. Ich sah die beiden verschĂŒchterten MĂ€dchen und ich hatte den Drang irgendetwas zu tun, um ihre Sicherheit zu gewĂ€hrleisten. Und jetzt habe ich die BefĂŒrchtung, genau das Gegenteil bewirkt zu haben.“
„Hm“, Shakuro fuhr sich mit Daumen und Zeigefinger ĂŒber die Stirn. „Du hast auf jeden Fall eine AngriffsflĂ€che geschaffen, sollten die MĂ€dchen deine Worte weitergegeben zu haben. Du hast den Frostalben etwas in die Hand gegeben, womit sie dich ködern können. Das war dumm, Sasuke.“ Er sah ihn eindringlich an und Sasuke nickte und blickte zu Boden. „Trotzdem: gesehen ist geschehen, was soll ich dich jetzt schelten? Es ist gut, dass du gekommen bist.“
Erstaunt sah Sasuke auf.
„Ja, ganz richtig. Ich muss alle Details kennen, um unseren Einsatz hier exakt bewerten und planen zu können. Wenn ich weitere Schritte auf falschen Tatsachen entwickle, ist unser Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Also: wozu möchtest du nun meinen Rat?“
Einen Moment war Sasuke zu erstaunt, um antworten zu können. „Ich, also
 ich kann nicht aufhören an das Leid der MĂ€dchen zu denken“, sagte er dann. „Ich habe gestern eine von ihnen getroffen und ihr ging es nicht gut." Er rĂ€usperte sich. „Aber ich weiß, dass ein Vergeltungsschlag noch weitere Abweichungen von unserem Plan nach sich ziehen wĂŒrde. Hinzu kommt, dass dieses MĂ€dchen meine angebotene Hilfe abschlug. Und doch kann ich nicht umhin zu denken, dass ich ihnen helfen könnte. Ich könnte sie hier raus holen, vielleicht in unbesetztes Gebiet schleusen und ihnen ein neues Leben ermöglichen.“
„Du bist in der Tat in einer schwierigen Situation. Übst du einen Vergeltungsschlag, wirst du einen weiteren Stein lostreten, der wiederum einen anderen ins Rollen bringt und so weiter, bis das Morden und das Leid einer Lawine gleich immer mehr unschuldige wie schuldige mit sich reißt. Tust du es nicht, so hast du eine leere Drohung ausgesprochen... was uns in die Karten spielen könnte. Allerdings wird es einen Kratzer in deiner Ehre hinterlassen.“ Er pausierte kurz zum Nachdenken. „Was die MĂ€dchen betrifft, so denke ich nicht, dass du ihnen helfen kannst, solange sie die Hilfe nicht wollen. Sie jetzt gegen ihren Willen von hier fort zu bringen, kĂ€me einer EntfĂŒhrung gleich und die Gefahr in all dem Tumult zu viel Aufsehen zu erregen ist zu groß, als dass ich es dir erlauben könnte.“
Sasuke ließ die Worte Shakuros auf sich wirken.
„Soll ich also einfach nichts tun?“
„Im Grunde wĂ€re das das Beste. Bitte Segira um Vergebung fĂŒr deine leere Drohung und lerne dein schlechtes Gewissen als ehrliches GefĂŒhl deines Unterbewusstseins zu schĂ€tzen, denn es wird dir helfen, das nĂ€chste Mal besser zu handeln.“
Sasuke nickte. „Dann behalten wir den bisherigen Plan bei?“
„Ja“, antwortete Shakuro. „Versuche noch ein paar Tage so viel herauszubekommen wie möglich und dann fang an, GerĂŒchte zu streuen.“

Sasukes Gedanken waren ruhiger, als er nach Hause ging, wenn noch immer nicht befreit von seinen SchuldgefĂŒhlen. Er besann sich auf Shakuros Worte und seine Ausbildung. Das schlechte Gewissen, das er verspĂŒrte, wollte ihn keinesfalls strafen, noch war es eine schlechte Eigenschaft oder eine SchwĂ€che. Es war seine Chance zu lernen. Er wĂŒrde es akzeptieren und zĂ€hmen und so auch seine GefĂŒhle in den Griff kriegen.
Zu Hause angekommen betete er zu Segira. Er bat um Vergebung fĂŒr seine leere Drohung und er flehte sie an, die beiden MĂ€dchen vor weiteren Qualen zu schĂŒtzen. Schließlich ging er zeitig zu Bett und schlief auch erstaunlich ruhig. Seine Zuversicht, dass sein Fehler keinen grĂ¶ĂŸeren Schaden nach sich ziehen wĂŒrde, war deutlich gewachsen. Doch es sollte anders kommen.
0 x
Ein schwacher Körper schwÀcht die Seele

Jean-Jaques Rousseau

Benutzeravatar
Sasuke Mokiri
Zweitcharakter
BeitrÀge: 11
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt

Top Charakterbogen

Re: Mission in My'shu

#5

Beitragvon Sasuke Mokiri » Mo 4. Sep 2017, 22:11

Die darauffolgenden Tage waren zunĂ€chst ruhig verlaufen. Hier und da hatte der Arashi GesprĂ€che belauscht und Leute verfolgt, doch es deutete alles darauf hin, dass sie den ungelösten Mordfall eher in die Vergessenheit abschieben wollten. Es wurde ruhiger, gab weniger Sitzungen zwischen den Besatzern und den Vorstehern der Stadt, in denen letztere erst noch zu drastischen Kontroll- und EinschĂŒchterungsmaßnahmen dem gemeinen Volk gegenĂŒber gedrĂ€ngt worden waren. Schließlich kehrte langsam wieder der normale, wenn auch dĂŒstere Alltag ein in My’shu und Sasuke zog in ErwĂ€gung, den nĂ€chsten Schritt des Plans zu ergreifen.
Dann aber, am sechsten Tag nach seinem Besuch bei Shakuro, geschah es.

Eigentlich war Sasuke nur zufĂ€llig am Kashmir vorbeigegangen, denn normalerweise nahm er einen anderen Weg vom Gerber nach Hause, wenn er diesem ab und zu die Wagenladung vom Hafen selbst lieferte. Als er die große Ansammlung von Menschen sah, dachte er zuerst, es seien einmal wieder fahrende HĂ€ndler in der Stadt, da diese momentan die einzigen waren, die es schafften so viele Arashi gleichzeitig auf die unsicheren Straßen My’shus zu locken. Dann bemerkte er, dass die Blicke der Leute allesamt auf die Fassade des Kashmir gerichtet waren und ein nervöses Gemurmel die Straße fĂŒllte. Böses ahnend folgte Sasuke dem Starren der Leute und japste nach Luft. Ein MĂ€dchen hing dort, an beiden Handgelenken von Seilen gehalten, etwa in der Mitte des GebĂ€udes. Sie war nackt und Sasuke konnte selbst aus der Entfernung die vielen Blessuren auf ihrem Körper erkennen. Ihr Kopf hing nach vorne, doch Sasuke musste ihr Gesicht nicht sehen, um zu wissen wer sie war. Er hielt sich die Hand vor den Mund als fĂŒrchte er sein wild klopfendes Herz könnte jeden Moment hinaus springen. Über dem MĂ€dchen war ein Banner befestigt, auf dem in großen Buchstaben stand:

Tod den Rebellen! Unschuldige sterben ihretwegen!


Sie hatten die Taktik gewechselt. Sie wollten ihre Zeit nicht lĂ€nger mit den fruchtlosen Ermittlungen vergeuden, sie bestimmten die TĂ€ter einfach und verdrehten deren Absicht ins Gegenteil. Sie machten sie zum Feind des Volkes, statt zu deren Verfechtern. Sasuke wusste, dass dieser Plan aufgehen wĂŒrde. Nicht wenige Arashi hatten sich mit der Besatzung der Frostalben abgefunden und lebten lieber ein unterdrĂŒcktes Leben, als in ewigem Krieg fĂŒr eine Befreiung, an die sie nicht mehr glaubten. Doch das war unerheblich fĂŒr Sasukes Mission. Er brauchte das Volk nicht zum Freund, noch nicht.
Etwas anderes wurmte ihn mehr: er musste wissen, wer dem MĂ€dchen das angetan hatte und die zweite wahrscheinlich noch gefangen hielt.

Sasuke lauerte dem LeibwĂ€chter des Kommandanten in einer kleinen Seitengasse unweit des Kashmir auf. Es war so leicht gewesen, seine Vermutungen bezĂŒglich des Strippenziehers hinter Folter der Prostituierten bestĂ€tigt zu kriegen. Sasuke hatte das zur Schenke umfunktionierte Lokal noch nicht einmal betreten mĂŒssen, um sein Geprale zu hören und mit jedem selbstgefĂ€lligen Wort des Alben hatte das Vorhaben in Sasukes Kopf weiter Form angenommen.
Er spĂŒrte die KĂ€lte der Dolchklinge an seinem Bein, doch er hoffte ihn nicht benutzen zu mĂŒssen. Waffen gaben zu viele Anhaltspukte. Der LeibwĂ€chter betrat die Gasse und Sasuke wollte gerade ansetzen, sich aus dem Schatten des Mauervorsprungs zu schĂ€len, als eine zweite Person dem Frostalben ums Eck folgte. Der Arashi zögerte. Er könnte mit zweien fertig werden, doch es wĂŒrde schwer sein, es unauffĂ€llig und leise zu erledigen. Er blickte in der Gasse umher. Es gab keine Flucht- oder gute Versteckmöglichkeit – immerhin hatte er sie deshalb ausgewĂ€hlt; er saß in der Falle.
StĂŒck fĂŒr StĂŒck kamen die beiden nĂ€her und Sasuke bereitete sich auf den Angriff vor. Er wĂŒrde warten, bis sie auf seiner Höhe waren und den zweiten Mann, einen Arashi, anspringen und bewusstlos schlagen. Ein gezielter Hieb mit der Handkante hinter die Ohren sollte ausreichen. Dann musste er hoffen, dass der LeibwĂ€chter nicht zu schnell reagierte, denn er plante zu ihm aufgeschlossen zu haben und ihm das Genick zu brechen, noch bevor sein Komplize scheppernd auf dem Boden aufschlug. Die MĂ€nner erreichten ihn. Lautlos trat Sasuke vor und ĂŒberwĂ€ltigte den Arashi wie geplant. Sofort sprang er nach vorne, doch der LeibwĂ€chter hatte sich bereits umgedreht. Gerade rechtzeitig brach Sasuke den Sprung ab und rollte sich am Boden ab. Das Eisschwert des Alben sauste ĂŒber ihn hinweg.
„Du!“, knurrte er. „Wir wussten, du wĂŒrdest kommen. Sei froh, dass sie dich lebend wollen, sonst wĂŒrde ich dich hier und jetzt einen Kopf kĂŒrzer machen.“
Er griff zum GĂŒrtel und Sasuke schnellte nach vorne. Mit einem kraftvollen Fußtritt schlug er dem Frostalben das Horn aus der Hand, das einige Meter weiter hinten auf dem Boden landete.
„Na gut, dann keine VerstĂ€rkung“, sagte dieser mit gefletschten ZĂ€hnen und nahm das Schwert wieder in beide HĂ€nde. Sasuke nahm die nach vorne gerichtete Tatsi Kum Fußstellung ein, die HĂ€nde hatte er vor dem Körper erhoben. Der LeibwĂ€chter machte zwei schnelle Schritte und stach mit dem Schwert zu. Geduldig wartete Sasuke bis er zum Schwerthieb ansetzte und wich erst dann zur Seite aus. Er leitete mit seinem rechten Arme den Schwertarm des Frostalben an sich vorbei, packte zu und rammte ihm den linken Ellenbogen zwischen Brust- und RĂŒckenpanzer in die Rippen. Der Alb setzte zu einem wĂŒtenden Schwinger an, doch stand zu nahe an Sasuke und so konnte dieser den Arm problemlos abblocken. Nur Millisekunden nach dem Block schlug seine zweite Faust am Ellenbogen des Frostalben ein...

„Noch einmal.“
Sein Meister griff erneut an. Sasuke wartete ab und kurz vor dem Einschlag der Faust vollfĂŒhrte er seinen Block und setzte zur Konterbewegung an
 da stachen die Fingerspitzen seines Lehrers schon in seinen Solarplexus und er japste nach Luft.
„Noch einmal.“
Sasuke nahm Aufstellung, rief sich die einzelnen Schritte ins GedÀchtnis, doch das Ergebnis war dasselbe.
„Noch einmal.“
Er hatte schon lange aufgehört, die Runden zu zĂ€hlen, als er schließlich auf den Boden sank und nicht mehr aufstand.
„Ich schaffe es nicht“, schluchzte er. „Ich mache schon so schnell ich kann.“
„Du bist auch nicht zu langsam“, antwortete Hishoko. „Du machst es falsch.“
Der Junge sah fragend zu seinem Meister auf. „Warten – Blocken – Kontern, das tue ich doch.“
„Lass mir dir eine Geschichte erzĂ€hlen“, setzte Hishoko an. „Es waren einmal zwei BrĂŒder, die sich alles teilten. Das Haus, die Frau, die Nahrung und auch das Geld. Eines Tages bat der eine Bruder den anderen einen Geldkoffer von ihm zu ĂŒbernehmen. Er wĂŒrde ihn vor die TĂŒre stellen und dort sollte der andere ihn abholen. Also ging er hinaus auf die Straße, stellte den Koffer dort ab und ging zurĂŒck ins Haus. Der andere Bruder ging hinaus, doch der Koffer war schon lĂ€ngst nicht mehr dort.“ Er sah seinen SchĂŒler eindringlich an.
„Diese beiden BrĂŒder sind deine HĂ€nde, Sasuke. Der Wechsel muss vor der TĂŒre erfolgen, hier vorne.“ Er nahm beide HĂ€nde nach vorne und vollfĂŒhrte ganz langsam einen Faustwechsel. „Der Moment, in dem du die Technik wechselst, zum Beispiel von der Abwehr zum Angriff, muss in einem winzigen, nicht wahrzunehmenden Zeitfenster erfolgen. Und zwar hier vorne.“ Er hielt beide FĂ€uste vor den Körper. „Wenn du das nicht begreifst, passt immer ein Angriff dazwischen. Und dort draußen in der Welt bohren sich dann keine Fingerspitzen in deinen Leib, sondern ein Messer oder schlimmer.“
Er vollfĂŒhrte mehrere Wechsel verschiedener Handtechniken. „Du musst diesen Wechsel ĂŒben. Immer und immer wieder, erst ganz langsam, dann immer schneller, bis er dir komplett ins Blut ĂŒbergegangen ist. Denk immer daran, mein junger SchĂŒler: mit Waffen zu kĂ€mpfen, muss man können, ohne Waffen zu kĂ€mpfen, muss man beherrschen.“


Tausende Stunden Training hatten Sasukes Bewegungen optimiert. Er erinnerte sich ganz genau an jede einzelne und sein Körper auch.
So hatte sein Gegner nicht einmal Zeit zu blinzeln, bevor die Faust ihr Ziel erreichte. Es knackte; der Arm des LeibwĂ€chters war gebrochen. Der Alb schrie auf und ließ das Schwert fallen, doch Sasuke machte sich nicht einmal die MĂŒhe es wegzutreten. Er griff sofort nach dem verwundeten Arm, um jegliche Konterversuche des Gegners bereits im Keim ersticken zu können. Der LeibwĂ€chter schrie auf und wand sich vor Schmerzen, als Sasuke die verletzte Stelle taxierte. Der Arashi trat nach vorne. „Das ist fĂŒr die MĂ€dchen“, sagte er ruhig, ließ von dem Arm ab und drehte seinem GegenĂŒber den Hals um.
0 x
Ein schwacher Körper schwÀcht die Seele

Jean-Jaques Rousseau

Benutzeravatar
Sasuke Mokiri
Zweitcharakter
BeitrÀge: 11
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt

Top Charakterbogen

Re: Mission in My'shu

#6

Beitragvon Sasuke Mokiri » Di 5. Sep 2017, 12:23

Der Frostalb sank reglos zu Boden und Sasuke drehte sich um, um sich auf den RĂŒckweg zu machen. Mitten in der Drehung hielt er inne. Er hatte etwas gehört. Vorsichtig ging er rĂŒckwĂ€rts auf die Wand der Gasse zu und senkte seinen Körperschwerpunkt soweit ab, dass er sofort wĂŒrde reagieren können. Seine Hand glitt in die NĂ€he des Dolchgriffs und er wartete.
Sie waren zu fĂŒnft. Drei traten von der einen, zwei von der anderen Seite in die Gasse. Sie hatten alle ihre Waffen gezĂŒckt. <Das sind zu viele>, dachte Sasuke. Sein Vorteil war die Enge der Gasse, sodass sie ihn zumindest nicht zu fĂŒnft wĂŒrden angreifen können und die Tatsache, dass sie ihn lebend brauchten. Trotzdem waren sie ihm zahlenmĂ€ĂŸig weit ĂŒberlegen und er hatte nur den Dolch als Waffe bei sich. Mit seinem Schwert hĂ€tte es ganz anders ausgesehen.
Hatten sie wissen können, dass er hier war? Vieleicht hatte der LeibwĂ€chter seit dem Mord an dem MĂ€dchen immer ein kleine Einheit im Schlepptau gehabt
 aber wie hĂ€tte Sasuke das entgehen können? <Ich war geblendet von meinem Wunsch nach Vergeltung!> schalt er sich. Oder waren sie zufĂ€llig hier? Es war egal. Er brauchte einen Plan.
Die Frostalben gingen nur langsam auf ihn zu. Sasuke hoffte, dass sie dies aus arroganter Selbstsicherheit taten, weil sie ihn in der Falle wussten und nicht aus Respekt vor seinen FĂ€higkeiten. Er musste die Liste seiner Vorteile unbedingt erweitern.
„Wir verhaften dich, Mörder“, sagte einer von ihnen schließlich. „Du wirst verhört und dein Urteil entscheidet sich je nach Kooperationsbereitschaft.“
Sasuke dachte erneut ĂŒber seine Chancen nach. Wenn er sowieso verlieren wĂŒrde, könnte er sich freiwillig abfĂŒhren lassen. Unverletzt wĂŒrde sich die Flucht leichter gestalten. Andererseits
 die minimalste Hoffnung zu entkommen, wĂ€re einen Angriff bereits wert. Er wĂŒrde in einem Verhör nichts preisgeben und sie wĂŒrden ihn mit Sicherheit foltern und verstĂŒmmeln.
„Gib auf, du hast keine Chance! Oder sollen wir dich in Einzelteilen hier wegschaffen?“ Er ging noch ein StĂŒck auf Sasuke zu und richtete seinen Eisspeer auf dessen Brust. Ein großer Fehler. Sasuke packte die Waffe am oberen Ende des Schaftes und nutzte die Hebelwirkung, verstĂ€rkt durch den natĂŒrlichen Reflex des Alben, die Waffe zurĂŒck zu ziehen, um sich herum zu schwingen. Der Halbkreistritt traf den Mann an der SchlĂ€fe und er stĂŒrzte bewusstlos zu Boden. Sasuke landete mit erhobenem Speer zwischen den beiden Gruppen und mit der HĂ€userwand zum Schutz im RĂŒcken. Seine Gegner knurrten wĂŒtend und zwei setzten zum Angriff an. Sasuke konnte einen Schwerthieb mit dem Speer abwehren, doch der zweite setzte ihm einen Schnitt an der Wade zu. Er knickte leicht mit dem Bein ein, kam aber schnell genug wieder nach oben, um den nĂ€chsten Hieb zu parieren. Heiß floss das Blut sein Bein hinab, doch er ignorierte den Schmerz so gut es ging. Wenn er nur an eines der Schwerter heran kĂ€me
 mit einem Speer war er nicht sehr vertraut. Er Ă€nderte seine Taktik, drehte sich seitlich, sodass er die einen direkt fixieren konnte und den anderen scheinbar leichtsinnig den RĂŒcken kehrte. Der Vorteil des Speeres war seine LĂ€nge. Er musste sie nutzen. Und er musste darauf vertrauen, dass sie ihn wieder zeitgleich angriffen. Der Mann gegenĂŒber machte sich bereit. „Du brauchst weder Arme noch Beine zum Sprechen“, grinste er. Dann griff er an. Sasuke ging ein hohes Risiko ein, den Angriff mit der freien Hand abzuwehren, doch er musste es versuchen. WĂ€hrend er behĂ€nde die Fußstellung wechselte und seinen Arm angewinkelt von innen nach außen schnellen ließ, um den Schwertarm entscheidend abzulenken, stieß er mit der anderen Hand den Speer zwischen Körper und Arm blindlings nach hinten. Beides geschah absolut zeitgleich und der Arashi legte die Kraft seines ganzen Körpers von den fest aufstellten Beinen an hinein, verstĂ€rkt durch Joi, den Kampfschrei des Jiu Jitsu.
Er verwandelte sich in einen Schmerzensschrei, als sich eine Klinge in Sasukes Schulter bohrte. Der Widerstand hatte ihm verraten, dass der Speer sein Ziel getroffen hatte, doch sie hatten ihn zu zweit von hinten attackiert. Er wollte herum fahren, um wieder seitlich zu seinen Gegnern zu stehen, doch da verpasste ihm der erste Alb, dessen Schwerthieb er eben noch erfolgreich abgewehrt hatte, einen saftigen Haken und er ging zu Boden. Sein rechter Arm war kaum mehr zu gebrauchen, die Wunde an der Schulter machte jede Bewegung zu einer Qual. Sasukes Blick war verschwommen von dem Schlag und er schob sich zurĂŒck an die Wand. Der Speer streckte tief im Leib des einen Frostalben, der zwar noch röchelte, doch bereits im Sterben lag. Trotzdem waren sie immer noch zu dritt und der AnfĂŒhrer konnte jeden Augenblick wieder erwachen. Es sah nicht gut aus fĂŒr Sasuke.
0 x
Ein schwacher Körper schwÀcht die Seele

Jean-Jaques Rousseau

Benutzeravatar
Sasuke Mokiri
Zweitcharakter
BeitrÀge: 11
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt

Top Charakterbogen

Re: Mission in My'shu

#7

Beitragvon Sasuke Mokiri » Mi 6. Sep 2017, 21:39

Sie kamen zu dritt auf ihn zu, hĂ€misch grinsend. „So, du dreckiger Rebell
 ich wĂŒrde sagen, wir machen dich ein StĂŒck leichter. Lasst uns ein bisschen was abschneiden, Kollegen.“
Sasuke schaute zu den Alben auf. Sein Blick hatte sich geklĂ€rt, doch seine sitzende Position machte eine Verteidigung fast unmöglich
 fast
 Er hatte einen Einfall. Vorsichtig fĂŒhrte er die gesunde Hand in Richtung des Dolches, der sich Gott sei Dank auf der richtigen Seite befand und wartete. Als die drei Soldaten nahe genug bei ihm angekommen waren, setzte Sasuke zu seinem Angriff an. Mit vor Schmerz zusammengebissenen ZĂ€hnen drĂŒckte er sich auf die HĂ€nde und drehte seinen Körper in BodennĂ€he schnell im Kreis, sodass er zwei der MĂ€nner auf Knöchelhöhe treffen und niedertreten konnte. Er sprang auf und stieß dem am nĂ€chsten liegenden Alb den Dolch in die Kehle, fuhr herum und wich dem wĂŒtenden und deshalb unplatzierten Schwerthieb des einen aus und trat dem anderen, der gerade aufgestanden war, mit einem vorwĂ€rts gerichteten Schnapptritt so gegen die Brust, dass dieser direkt wieder zu Boden ging.
Der nĂ€chste Angriff folgte mit einem Wutschrei und Sasuke konnte dem Schwert nur durch eine SeitwĂ€rtsrolle ausweichen. Er kam schnell wieder auf die FĂŒĂŸe, doch die Wunde an der Schulter begann Tribut zu zollen. Er spĂŒrte, wie seine Bewegungen langsamer wurden.
„Ich sage scheiß auf die Befehle“, sagte der eine zum anderen. „Machen wir den Penner kalt.“
„Bist du wahnsinnig? Dumolon EistrĂ€umer lĂ€sst uns die Köpfe abschlagen!“
„Wir sagen es war Notw- 
“
Ein GerĂ€usch hinter der Gruppe ließ ihn verstummen. Der Arashi, der den LeibwĂ€chter begleitet hatte, kam stöhnend auf die FĂŒĂŸe. Die beiden Frostalben sahen sich an, dann Sasuke.
„Den zu töten warst du dir zu schade, was?“ Er lachte hohl. „Dann sollst du dafĂŒr bĂŒĂŸen. He, Shukero! Ich habe einen Auftrag fĂŒr dich.“
Der Arashi sah noch etwas durcheinander aus, doch dann erblickte er erst den reglosen LeibwÀchter, dann Sasuke und sein Blick verhÀrtete sich.
„Geh VerstĂ€rkung holen“, fuhr der Soldat fort. „Na los, schnell!“
Shukero nickte. „Rebellenpack!“ spuckte er aus und eilte aus der Gasse.
„So und nun zu dir. Die Sache hat jetzt ein Ende.“
Beide stĂŒrzten auf Sasuke zu, der die Hand mit dem Dolch schĂŒtzend vor sich, die andere eng am Körper hielt, um die Schulter möglichst zu entlasten. Kurz bevor sie ihn erreichten, stĂŒrzte er sich im Hechtsprung nach vorne zwischen den Beinen der beiden hindurch und rollte sich schwer atmend ab.
„Das gibt es doch nicht!“ brĂŒllte der eine. Genervt drehten sie sich wieder zu Sasuke um. Hinter ihnen kam der AnfĂŒhrer zu Bewusstsein und Sasuke kĂ€mpfte gegen den Schwindel an, der ihn mit immer drĂ€ngenderer Kraft zu ĂŒbermannen drohte. Seine Augenlieder wurden bereits schwer und er wusste, dass er einem weiteren Angriff nicht wĂŒrde standhalten können
 und auch die VerstĂ€rkung konnte jeden Moment eintreffen. Er meinte gar schon am Eingang der Gasse einen Schatten zu sehen.
0 x
Ein schwacher Körper schwÀcht die Seele

Jean-Jaques Rousseau

Benutzeravatar
Segira
Gottheit
BeitrÀge: 2
Guthaben: Gesperrt

Re: Mission in My'shu

#8

Beitragvon Segira » So 1. Okt 2017, 00:15

Ein Kampf dieses Ausmaßes war genau nach Segiras Geschmack. Ein tapferer Krieger, der sich ehrenvoll verhielt und ihre Hilfe brauchte
 Eine ausweglose Situation
 Ein ĂŒbermĂ€chtiger Feind ... Ein Kampf, der viel Blut und Action versprach!

Segira hatte in einer HĂ€userspalte die Auseinandersetzung beobachtet. Es war nicht so, dass sie so herzlos war und kein Mitleid mit dem jungen Arashi hatte. Seine Verwundung trug er aber mit Stolz. WĂŒrdevoll erledigte er einen Frostalb. Jetzt wo er in die Ecke gedrĂ€ngt wurde, schien sein Schicksal beendet. Doch dann richtete er sich erneut auf, konnte die beiden MĂ€nner niedertreten und den nĂ€chstliegenden Alb mit einem Sprung nach oben in der Kehle treffen.

Segira war stets dort, wo ein Kampf spannend war und auch fĂŒr sie eine Herausforderung darstellte. Von ihrer Position aus, wo sie stand, entsandte sie ihren Geist in die LĂŒfte, kurz nachdem der Arashi an ihr vorbeilief und nach der VerstĂ€rkung rief. Dieser Arashi und auch die Frostalben konnte sie gar nicht sehen, da sie einen astralen Schirm um sich herumgebildet hatte. Nur wenn man wusste, dass sie dort war, konnte man sie sehen. Aber da man es nicht wusste, ging der Blick automatisch an ihr vorbei, denn nur ein konzentrierter Blick vermochte es den astralen Schirm zu durchbrechen. Ein Blick aus der seitlichen Peripherie des Auges reichte dafĂŒr nicht.
Der Blick in die LĂŒfte gab der Göttin die Informationen, die sie brauchte. Eine Truppe mit 30 Mann, aus Frostalben und Arashi bestehend samt ihren Oberfeldwebel, waren auf dem Weg nach hier. Verfluchte SchwĂ€chlinge! Segira spuckte aus Abscheu aus.

So etwas Unehrenhaftes hatte sie bei Frostalben noch nie gesehen. Dieser Pimpf musste wohl ein wichtiger Arashi sein und fĂŒr die Rebellion der gelben BlĂŒte eine tragende Rolle spielen. Wie wichtig, das konnte nur Ainuwar beantworten. Es ging Segira hier aber nicht um die UnterstĂŒtzung ihres Lieblingsvolkes. Nein, die Arashi hatten sich durch eigene Dummheit in diese Situation gebracht. Kein Gott sollte einen derart politischen Einfluss auf die Sterbliche ausĂŒben. Anders als Dal, Infiniatus oder Rakshor verachtete die Göttin des Krieges derlei Eingreifen.
Die Völker Asamuras können nur durch Lektionen zur Ehre erzogen werden. Und nicht durch politisches Winkeladvokatenspiel, wie Dal es machte.

Diese Frostalben verhielten sich unehrenhaft. Es war an der Zeit ihnen beizubringen, welchen Namen sie im Kampf da immer huldigten. Denn die Frostalben beteten auch zu Segira. Im Moment verrieten sie aber alle Ideale, die die Göttin vertrat. Es wurde Zeit fĂŒr eine Lektion.
Mit diesen Gedanken trat die Göttin aus ihrem Astralschirm. Sie kam nur wenige Sekunden spÀter in das Blickfeld des jungen Arashi, als dieser bereits auf dem Boden lag und mit der Bewusstseinslosigkeit kÀmpfte.

„Ihr habt Unehre ĂŒber eure Familien gebracht. Ihr werdet euren Kindern noch lange von diesem Tag berichten, an dem euch beibgeracht wurde, was Ehre heißt“, sprach Segira voller Stolz und WĂŒrde. Sie hatte die Gestalt eines alten Arashi Lehrmeisters angenommen. Es war keine lebende Person, sondern rein nach ihrem Vorstellungsempfinden nachempfunden. Auf einem Stock gestĂŒtzt, schritt sie gebrechlich auf die Frostalben zu. Das weiße Haar des Arashi Lehrmeisters war zu einem Zopf zusammengebunden. Sie hatte einen Spitzbart, und alte knochige GesichtszĂŒge, die von einem langen Leben berichteten. Unter dem Gewand (Kimono) hatte sie ein Katana, und ein Wakizashi verborgen. Es war eine ganz einfache KampfausrĂŒstung. ZusĂ€tzlich zur kargen Kampfausstattung hatte Segira ihre FĂ€higkeiten auf ein absolutes Minium zurĂŒckgeschraubt, nĂ€mlich auf die tatsĂ€chliche FĂ€higkeiten, wie ein alter Mann in dem Alter noch kĂ€mpfen konnte. Sie wollte es heute auch fĂŒr sich besonders spannend machen.

Als die drei verbliebenden Frostalben ihre Stimme vernahmen, drehten sie sich um, und ließen den Arashi am Boden in Ruhe. Man sah wie die Frostalben schweiglos ihre Blicke kreuzten. Sie brauchten nicht vieler Worte, doch ihre Blicke verrieten Verachtung und Überheblichkeit.
Zu dritt kamen sie auf Segira zu und umkreisten die Göttin, wie ein JĂ€ger seine Beute. Ehe ĂŒberhaupt etwas passierte holte Segira mit einem Ausfallschritt bereits zum Kampf aus und es gelang ihr mit der Spitze des Katanas den Frostalben direkt gegenĂŒber von ihr am HandrĂŒcken zu treffen, der daraufhin aus Reflex seine Waffe fallen ließ und entwaffnet war. Die Reaktionen der beiden Frostalben ließen nicht auf sich warten. Nur durch seitliches Drehen zu den beiden Gegnern hin konnte sie mit ihrer Klinge direkt beide Schwerthiebe der Frostalben abblocken. Nun stand sie aber mit dem RĂŒcken direkt zum Frostalben, den sie zu Beginn entwaffnet hatte. NatĂŒrlich wusste das Segira. Sie dachte nicht lange nach und hatte sofort eine Idee. Dank der Enge der Gasse konnte sie in einem galanten Sprung gegen die Wand springen. Von dort aus landete sie direkt auf den Frostalben, der inzwischen seine Waffe wieder gefunden hatte
aber nun auch die Spitze von Segiras Waffe in seiner Brust stecken hatte.

Da ein Herausziehen der Waffe aus dem leblosen Körper des Frostalben zu lange dauern wĂŒrde, musste sich die Kriegsgöttin zur Seite, ĂŒber seine Leiche hinweg, abrollen und den kommenden Schwertschlag des Frostalben mit ihrem Wakizashi abblocken. Sie bemerkte aber, dass sie bereits außer Puste war und dieser Körper bereits jetzt weniger hergab, als sie gewohnt war.
Aber das genau gefiel ihr und voller Stolz verkĂŒndete sie die erste Lektion, die sie den Frostalben heute mitgeben wollte:
„Vermeide es gegen Gegner zu kĂ€mpfen, die dir unterlegen sind. Suche dir stets einen gleichstarken Gegner, der die gleichen Chancen zu gewinnen hat.“
Die Frostalben schwiegen weiterhin, denn es waren keinerlei Worte notwendig in dieser Situation. Ein zu hektisches Vorgehen des zweiten Frostalben, wÀhrend sich Segira gerade nach hinten bewegte, bewirkte dass Segira seinen Schlag abwehren konnte und seinen Hieb umlenken konnte, sodass sein Schwertarm zum Boden hin zeigte. Wenig spÀter erreichte das Wakizashi von Segira seine Kehle und schlitzte diese auf.
„Willst du nicht weglaufen und wieder nach UnterstĂŒtzung suchen? Oder schaffst du es alleine, wie jeder Krieger kĂ€mpfen sollte?“, fragte Segira den letzten Krieger vorwurfsvoll.
„Maul halten, Arashi Abschaum. Malgorion hat uns als höchste Rasse auserkoren.“, antwortete er bloß.

Der Gegner war aber zu weit weg, sodass Segira die Klinge des letzten Frostalbs aufheben konnte, und nun wieder eine funktionsfÀhige Waffe hatte. Das Eisschwert war zwar nicht ihre Lieblingsklinge, doch die Göttin beherrschte den Umgang mit jeder Waffe.
„Kannst du kĂ€mpfen?“, rief sie Sasuke zu, als sie mit dem Eisschwert bewaffnet nach hinten schritt. Sie unterhielt sich mit Sasuke, wĂ€hrend der Frostalb auf sie einschlug. Ohne Probleme konnte sie dessen nĂ€chsten Kampfschritt voraussehen. Ihre viele geschlagenen Schlachten und gefallenen Gegner hatte ihr inzwischen eine Intuition gegeben, gegnerische ZĂŒge voraussehen zu können.

Und es passierte genau, wie sie gedacht hatte. Der Schlag ging in Richtung ihres Kopfes. Segira duckte sich bereits unter ihm hinweg, wĂ€hrend der Gegner diesen Angriff vollzog. Sie stand plötzlich neben ihm, schaute ihn emotionslos an und sagte eiskalt: „GrĂŒĂŸ deine toten Freunde von mir. Du hast unehrenhaft gekĂ€mpft. Du wirst es bald verstehen.“
Mit diesen Worten durchbohrte sie sein Herz.
Dem Arashi auf dem Boden half sie auf und stĂŒtzte ihn so gut wie möglich ab. „Wir mĂŒssen uns beeilen. Ich zĂ€hlte 30 weitere Frostalben auf dem Weg nach hier. Sie dĂŒrften gleich hier sein. Es sei denn du willst kĂ€mpfen...ehrlich gesagt hĂ€tte ich auch nichts dagegen“, sagte sie mit einem leichten LĂ€cheln auf den Lippen. Ein LĂ€cheln wie es ungewöhnlich war fĂŒr Segira - die Eiserne. Heute war ein guter Tag!
0 x
Das Originalbild wurde von voltamax hochgeladen und steht bei pixabay als frei verfĂŒgbar

"FĂŒr die Völker wie fĂŒr den Einzelnen gibt es UmstĂ€nde, wo die Stimme der Ehre diejenige der Klugheit ĂŒbertönen muss."

Benutzeravatar
Sasuke Mokiri
Zweitcharakter
BeitrÀge: 11
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt

Top Charakterbogen

Re: Mission in My'shu

#9

Beitragvon Sasuke Mokiri » Do 26. Okt 2017, 08:12

Sasuke nahm seinen ganzen Willen zusammen. Selbst wenn die VerstĂ€rkung ankĂ€me, durfte er nicht nachgeben, sich nicht in die weichen Kissen der Bewusstlosigkeit sinken lassen, die sich so verfĂŒhrerisch anboten. Sie wĂŒrden ihn mitnehmen und er musste wissen wohin. Er musste wach bleiben! Der Arashi konzentrierte sich, sammelte seine Gedanken und fokussierte seine innere Kraft auf die verletzte Schulter. Es gelang ihm, seinen Atem zu beruhigen und den Schmerz zu bĂ€ndigen. Sein Blickfeld klĂ€rte sich in dem Augenblick, in dem er die Stimme vernahm.
HĂ€tte er es nicht besser gewusst, hĂ€tte er glauben wollen, Meister Hishoko stĂŒnde dort. Doch das war nicht nur unmöglich, Sasuke konnte nun auch Unterschiede im Aussehen erkennen, obwohl dieser Mann die Haare Ă€hnlich trug wie sein alter Lehrmeister es stets getan hatte. Das war nicht die gefĂŒrchtete VerstĂ€rkung, so viel war sicher.
Der Mann strahlte Ruhe aus und als er die Stimme erhob, klang er keinesfalls ĂŒberheblich, sondern sprach mit der Sicherheit eines jenen, der mit sich und der Welt im Reinen ist. Es musste ein großer Meister sein, der Segiras Lehre bis ins Mark studiert und verinnerlicht hatte.
Jeder seiner Schritte zeugte von Erfahrung und vollkommener Beherrschung. Obwohl die Frostalben deutlich jĂŒnger waren als er, war er ihnen stets einen Schritt voraus. Er nutzte ihre Wut und Überheblichkeit gnadenlos aus und machte sie auf ihre unehrenhafte Kampfweise aufmerksam. Wer war er? Wie war er hier hergekommen und warum half er Sasuke?
„Ich kann meinen rechten Arm kaum mehr benutzen, großer Meister“, beantwortete Sasuke die Frage des Lehrmeisters, der ihm Hinweise gab, wie er die Belastung der verletzten Stelle vermeiden konnte, wĂ€hrend er mit wĂŒtenden Angriffen des letzten Gegners befeuert wurde. Dann war es vorbei und der alte Arashi half Sasuke auf.
30 weitere? Sasuke horchte in sich hinein. „Ich fĂŒrchte, ich schaffe keinen weiteren Kampf. Ich wĂ€re euch nur ein Klotz am Bein. Ihr habt sowieso schon so viel fĂŒr mich getan und ich kenne nicht einmal Euren Namen.“
Sasuke sehnte sich danach, sich zu waschen und auszuruhen. Aber er musste auch nachdenken, seine Informationen durchgehen und gegebenenfalls noch einmal mit Shakuro RĂŒcksprache halten, wenn dieser nicht schon lĂ€ngst wusste, dass er erneut vom Plan abgewichen war. Er sah hinĂŒber zu seinem Retter.
„Sollte es zum Kampf kommen, werde ich Euch aber auf jeden Fall zur Seite stehen. Das ist das Mindeste, das ich tun kann.“
Am liebsten hÀtte er den Arashimeister mit Fragen gelöchert, doch seine Höflichkeit verbot es ihm.
Mit einem Nicken zeigte der Alte Sasuke seine Zustimmung und fĂŒhrte ihn ĂŒber die angrenzende, etwas grĂ¶ĂŸere Straße wieder in das Netz der verwinkelten dunklen Gassen My’shus. Dort verlangsamten sie ihr Tempo und der Meister bat Sasuke um Gehör. Er beschwor ihn, stets nur ehrenhaft und gerecht zu kĂ€mpfen und zu urteilen, denn dies sei das höchste Gebot, stĂŒnde als oberstes Gericht ĂŒber allem, auch dem eigenen Wohl, der Meinung Dritter und den Anweisungen von Vorgesetzten und Auftraggebern. Nur der, der bereit sei, diesen Weg mit voller Hingabe zu beschreiten, könne Segiras Segen sicher sein. Schließlich lĂ€chelte er und deute auf den nĂ€chsten Abzweig in der Gasse. Sasuke verbeugte sich dankend und trat um das Eck. Der Weg gab den direkten Blick auf sein Wohnhaus preis. Überrascht blickte er sich um, doch von dem Meister fehlte jede Spur.
0 x
Ein schwacher Körper schwÀcht die Seele

Jean-Jaques Rousseau

Benutzeravatar
Sasuke Mokiri
Zweitcharakter
BeitrÀge: 11
Auszeichnungen: 1
Guthaben: Gesperrt

Top Charakterbogen

Re: Mission in My'shu

#10

Beitragvon Sasuke Mokiri » Do 26. Okt 2017, 08:55


 wÀhrenddessen im Hauptquartier der Besatzer 


Dumolon EistrĂ€umer schritt durch den Raum. Die Holzdielen knarzten leicht, als er langsam einen nackten Fuß hinter den anderen setzte. Der Soldat kniete auf dem Boden, hatte den Kopf gesenkt und das Schwert vor seinen Knien abgelegt. Die herabhĂ€ngenden Schultern vermochten nur anzudeuten, wie gebrochen der Mann war. EistrĂ€umer erreichte das Ende des Raumes, das komplett von einem riesigen Bett eingenommen wurde. Es gab keine Kissen und keine Decken. Er verharrte kurz, strich mit dem spitzen Zeigefinger der rechten Hand ĂŒber die WirbelsĂ€ule der zusammengekauerten Frau und drehte sich dann um. Seine Augen waren eiskalt. Er schob das Kinn nach vorne, was seinem Ausdruck nur noch mehr Hochmut und Verachtung beimischte und ging ebenso langsam wieder auf den knienden Soldaten zu. Dieser hob leicht den Kopf und schielte mit den Augen nach oben. Wage und verschwommen nahm er die leblosen Körper links und rechts des Pfades wahr, den sein Herr nun bereits zum dritten Mal beschritt, ebenso die Blutlachen, die sich ihren Weg durch die Maserung der Bodenplanken arbeiteten und die eisigen Pflöcke, die einem jeden aus der Brust ragten. Wieder blieb Dumolon EistrĂ€umer vor ihm stehen und schnell senkte er den Blick. Er sah die weißen FĂŒĂŸe des Obersts, makellos und sauber, mit hervortretenden Knochen und Adern. Dann wanden sich die FĂŒĂŸe ab und das Spiel begann von vorne.

Er war nicht zufrieden, nein. Er hatte sie herbestellt; alle, die wichtige Aufgaben bei der Jagd nach dem Pisser von der Gelben BlĂŒte auszufĂŒhren gehabt hĂ€tten - oder zumindest jene, die sich erdreisteten noch am Leben zu sein - und er hatte jeden einzelnen umgebracht, bis auf den einen. Sie waren von seiner Leibgarde in seine privaten GemĂ€cher gefĂŒhrt worden, um dort Aufstellung zu nehmen, wĂ€hrend EistrĂ€umer zu einem Sockelbassin gegangen und den ersten Eispflock herausgenommen hatte.

„Mylord“, hatte der AnfĂŒhrer angesetzt und da war er herum gewirbelt und hatte diesem den Pfahl durch die Brust gerammt. Seelenruhig war er zum Bassin zurĂŒck und dann die Reihe der Soldaten abgegangen, bis er von Zeit zu Zeit vor einem der MĂ€nner stehenblieb, ihn musterte und ĂŒber dessen Leben entschied. Nach und nach erwischte es sie alle, teilweise brutal und schnell, teilweise qualvoll und langsam, je nachdem wie sie sich gebĂ€rdeten. Der Oberst hasste SchwĂ€che und schwach waren sie alle. Doch wer auch noch die Dreistigkeit besaß, seine Gegenwart und seine RĂ€umlichkeit mit dieser abstoßenden Charaktereigenschaft zu besudeln, der hatte nicht einen weiteren Atemzug verdient.

Der Soldat schloss die Augen. Er wusste nicht, worauf sein Herr wartete. Er war ziemlich frĂŒh auf die Knie gegangen und hatte ehrfĂŒrchtig sein Schwert abgelegt, in der Hoffnung, dies sei die Reaktion, auf die der Oberst wartete. Zwei der Überbliebenen hatten es ihm nach getan und es hatte nur Sekunden gedauert, ehe auch deren Leben ein Ende nahm. Wieso lebte er noch?
Wieder kam EistrĂ€umer auf ihn zu und blieb vor ihm stehen. Dieses Mal hob er den Kopf, blickte dem Oberst direkt in die kalten Augen und versuchte dem Blick stand zu halten. Dumolon EistrĂ€umer grinste. Er bĂŒckte sich zu dem Soldaten hinunter, legte zwei Finger an dessen Hals und tastete sich an den Pulspunkt heran. Nach einiger Zeit löste er die Finger, griff mit beiden HĂ€nden den Kragen des Mannes und zerrte ihn hoch auf die Beine. Fast zĂ€rtlich ließ er die HĂ€nde nach oben wandern, wieder an den Hals seines Untergebenen. Seine scharfen NĂ€gel gruben sich zu beiden Seiten in das Fleisch des Mannes. Einen Moment lang starrten sie sich noch an, dann riss Dumolon EistrĂ€umer dem Soldaten mit bloßen HĂ€nden die Pulsadern auf.

Der Oberst legte den Kopf in den Nacken und sog den Atem des Todes ein. Es gab kein befriedigenderes GefĂŒhl. Außer
 er zog den Pflock aus der Brust des letzten Soldaten, der ihn mit weit aufgerissenen leblosen Augen anstarrte und wandte sich damit wieder dem Bett zu. Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus, in dem man Zeichen von Wahnsinn hĂ€tte vermuten können, wĂ€re es nicht so berechnend gewesen. Die Frau wimmerte, als der eisige Pflock ihren Körper entlang glitt. Dann waren ihre Schreie bis auf die Straße zu hören.
0 x
Ein schwacher Körper schwÀcht die Seele

Jean-Jaques Rousseau