Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Auf verlorenem Posten

So erbarmungslos wie die Natur sind auch die Bewohner der n├Ârdlichen Reiche. Die dunklen Meere und die von Packeis starrenden K├╝sten werden beherrscht von den Norkara und Shezem. Den Nordwesten kontrollieren die Frostalben.
Der Norden
So erbarmungslos wie die Natur sind auch die Bewohner der n├Ârdlichen Reiche. Die dunklen Meere und die von Packeis starrenden K├╝sten werden beherrscht von den Norkara und Shezem. Den Nordwesten kontrollieren die Frostalben.
Antworten
Benutzeravatar
Vokarit Kaltherz
Zweitcharakter
Beitr├Ąge: 10
Registriert: So 20. Aug 2017, 14:11
Volk: Frostalben

Auf verlorenem Posten

#1

Beitrag von Vokarit Kaltherz » Mi 23. Aug 2017, 14:10

Es war ein Moment der Stille. Die Soldaten hatten ihren Vormarsch gestoppt, standen schweigend im Licht der aufgehenden Sonne. Schild reihte sich an Schild, gezackte Speere ragten wie Rei├čz├Ąhne aus den L├╝cken hervor. Auf der anderen Seite hatte ein Kommandant, wenn man ihn denn so nennen konnte, schon fast verzweifelt eine Gruppe Milizen auf dem Dorfplatz um sich geschart. Nur wenige waren geblieben, als sie die anr├╝ckenden Alben bemerkt hatten. "Ich habe doch gesagt ihr sollt vorr├╝cken?!", blaffte Vokarit seine Schar aus der hinteren Reihe heraus an. Er hatte den Befehl erst gegeben, nachdem er sich selbst von der Disziplin in der Linienformation ein Bild gemacht hatte. Eigentlich war er bis dato zufrieden gewesen. "Der Feind nimmt Aufstellung, Herr.", erkl├Ąrte einer der Soldaten schon fast kleinlaut. Vokarit begegnete der Aussage nur mit einem vernichtenden Blick. Grob schob er sich in die Mitte der Linie, rempelte die umstehenden Soldaten zur Seite. 'Glauben die wirklich, dass sie das ├╝berstehen?!', fragte die Stimme in Vokarits Kopf. "Nundenn...", brummte der Alb und zog sein Schwert. "Gehen wir.". Strammen Schrittes marschierte er in Richtung der Miliz, seine M├Ąnner folgten. Die Schlachtlinie der Frostalben r├╝ckte geordnet vor, sie hatten es lange genug auf dem Exerzierplatz ge├╝bt. Aus der Ferne zeigte Vokarit mit dem Schwert auf den gegnerischen Kommandanten. Wahrscheinlich, so sch├Ątzte Vokarit, ist das der Dorfvorsteher. Der zusammengew├╝rfelte Haufen r├╝ckte daraufhin enger zusammen, anscheinend wollten sie ihren Anf├╝hrer sch├╝tzen. Schlie├člich kam es zu den ersten Kampfhandlungen. Hier und da preschte einer der Milizen schreiend aus der Gruppe hervor, hieb grob auf den ein oder anderen Schild ein, nur um anschlie├čend von der Routine der Soldaten niedergestreckt zu werden. L├Ącherlich, fand Vokarit. Als mehr und mehr seiner M├Ąnner in den Kampf verwickelt wurden nahm Vokarit seinen Helm ab. Sein langes Haar wehte schwach im Wind und leise fiel der Helm zu Boden. "Ihr habt hier etwas, was ich gerne h├Ątte!", rief Vokarit nun ├╝ber die Ger├Ąusche des Kampfes hinweg dem gegnerischen Anf├╝hrer zu. Dieser reagierte nicht und so setzte sich Vokarit wieder in Bewegung. Er ging direkt auf den Mann zu, eine Handvoll Soldaten folgte ihm und wehrte dabei diejenigen ab, die Vokarit zu nahe kamen. "Ich bin gekommen um mir das hier zu holen!", f├╝hrte der Alb seine Erkl├Ąrung fort und sein Finger kreiste einmal von Haus zu Haus. Weiterhin hatte er den Dorfvorsteher mit seinem kalten Blick fixiert. Mit festem Schritt ging Vokarit weiter auf sein Ziel zu ohne langsamer zu werden. Der Kampfl├Ąrm verebbte langsam hinter dem Frostalb und schlie├člich stand niemand mehr zwischen ihm und dem Kommandant der Miliz. Dieser umklammerte den Griff seines schartigen Schwertes, hatte Schwei├č auf der Stirn und war mehr als blass im Gesicht. Absch├Ątzend zog Vokarit eine Augenbraue hoch. Der Mann schrie etwas und hieb nach dem Kopf des Frostalben. Vokarit lehnte sich nach links, sodass der Schlag ins Leere ging. "Tztztz.", kommentierte der Frostalb kopfsch├╝ttelnd. "Das war wohl nichts.". Der Mann nahm eine Verteidigungsstellung ein. "Jetzt ich.", zischte Vokarit, machte einen Ausfallschritt an seinem Gegner vorbei, wirbelte anschlie├čend herum und mit einem R├╝ckhandschlag fand seine Klinge ihr Ziel.

Lange hatte die Verlegung des Lagers nicht gedauert. Vokarit hatte die Durchsuchung der H├Ąuser befohlen, ebenso lie├č er die Umgebung mit Hilfe von Sp├Ąhtrupps auskundschaften. Einige wenige Bewohner waren nicht geflohen und hatten sich versteckt, wurden jedoch aufgegriffen und am Dorfplatz unter Bewachung gestellt. Gegenwehr gab es mittlerweile keine mehr, zu gro├č war die Furcht vor den Alben. Der Bannertr├Ąger der Einheit brachte Vokarit auf Stand. "Herr, wir haben die H├Ąuser durchsucht und die Vorr├Ąte zusammengesammelt. Alles ist nun in dem Lagerhaus dort vorne untergebracht.". Vokarit nickte. "Diese Bewohner dort hatten sich versteckt, vielleicht finden unsere Sp├Ąher noch weitere von ihnen. Sie sollten jedoch keine Gefahr mehr darstellen, Herr.". "Stellt Posten auf. Verlegt die restlichen Befestigungen und sichert die Zug├Ąnge hier ab. Wir bleiben erst einmal hier.". Der Bannertr├Ąger salutierte. "Ach und nochwas.", begann Vokarit und schaute zu den ├╝brigen Dorfbewohnern. "Lasst sie am Leben, aber passt auf sie auf. Ich werde noch mit ihnen reden. Falls einer versuchen sollte zu fliehen...". Er brauchte seine Anweisung nicht weiter ausf├╝hren. 'Wirst du etwa weich?!', fragte die Stimme. "Wir k├Ânnen sie noch brauchen.", gab Vokarit zur├╝ck. Der Bannertr├Ąger war etwas irritiert, dass Vokarit den letzten Satz etwas ├╝ber die Schulter hinweg gezischt hatte, reagierte aber nicht weiter darauf. "Wir werden sie am Abend zu Euch bringen, Herr.", best├Ątigte der Soldat und machte sich auf den Weg um die Anweisungen seines Vorgesetzten weiterzugeben.

Anschlie├čend schaute sich der Frostalb das Dorf selbst einmal genauer an. Die Unterk├╝nfte f├╝r die Soldaten wurden zugeteilt, eine Waffenkammer improvisiert und die Reste des Heerlagers verstaut. Vokarit lie├č sich eine Karte des Dorfes anfertigen und ├╝ber den Verlauf des "Umbaus" informieren. Schon bald w├╝rde er ein befestigtes Lager sein Eigen nennen k├Ânnen.
Zufrieden betrat er schlie├člich das Haupthaus, wo er die kommende Zeit wohnen w├╝rde.
Hier hatte sich bereits viel getan. Die pers├Ânliche Habe von Vokarit war schon vor Ort und nach wenigen Stunden hatte er sich h├Ąuslich eingerichtet. Schlie├člich nahm er an dem gro├čen, schweren Schreibtisch Platz und begann seinen Tagesbericht zu schreiben. Es wurde zwar nicht explizit von ihm verlangt, aber dennoch hielt Vokarit die Ereignisse in eigenen Worten in seinem Notizbuch fest.
Schlie├člich klopfte es an der T├╝r und der Bannertr├Ąger kam herein. "Mein Herr, die gr├Âbsten Arbeiten sind abgeschlossen.", teilte er seinem Vorgesetzten mit. Vorakit hielt einen Moment inne, schaute dann von seinen Notizen auf. "Nuharis, ich kann mich nicht entsinnen "herein" gesagt zu haben.". Noch bevor der Soldat eine Antwort geben konnte fuhr Vorakit fort. "Aber ich verzeihe dir, heute ist schlie├člich ein guter Tag gewesen. Sind die Dorfbewohner bereit f├╝r eine Unterhaltung?". Nuharis nickte. "Ja, Herr, wir haben sie in der gro├čen Halle versammelt. Ihr k├Ânnt sie einzelnd befragen oder zu allen sprechen, ganz wie es Euch beliebt.". Daraufhin erhob sich Vorakit und schwebte schon fast mit wehendem Umhang in Richtung Nuharis und der T├╝r. "Nun, dann wollen wir sie doch nicht warten lassen.", entgegnete er und machte sich auf den Weg zu der Versammlungshalle.

Die Luft war stickig. Das gefiel Vokarit gar nicht. Die versammelte Menge stand schweigend da, einige be├Ąugten die W├Ąchter misstrauisch, andere starrten einfach nur zu Boden. Der Frostalb begr├╝├čte die Gruppe, ob sie ihn verstehen konnten war ihm dabei herzlich egal. Er hielt eine kurze Ansprache, worin er ├╝ber die Besetzung des Dorfes und den Verbleib der Soldaten redete. 'Du, die verstehen dich nicht.', h├Âhnte die Stimme in seinem Kopf w├Ąhrend er sprach. Einen kurzen Moment musste sich Vokarit aufgrund dieser Ablenkung wieder sammeln, kniff drei Sekunden lang die Augen zusammen und verharrte in seiner Position. Anschlie├čend setzte er seine Ansprache fort, als sei nie etwas gewesen. Trotzdem fiel dem Frostalben auf, dass sich die Leute kurze, fragende Blicke zuwarfen. Als er geendet hatte wollte Vokarit mehr ├╝ber die Gefangenen wissen. Jeder wurde einzelnd vor den Frostalben gezerrt und mit H├Ąnden und F├╝├čen erkl├Ąrten die Leute, welcher T├Ątigkeit sie nachgingen. Diejenigen, mit denen Vokarit nichts anfangen konnte, ├╝berstellte er seinem Bannertr├Ąger. Sollte er doch zusehen, wie er diese Arbeitskraft am besten verteilen k├Ânnte. Schlie├člich fiel die Aufmerksamkeit von Vokarit auf eine junge Frau mit langem, schwarzen Haar. Sie hatte sich anscheinend im nahegelegenen Wald versteckt, denn sie war stark verdreckt und blutete an der Stirn. Tats├Ąchlich hatte sie eine etwas l├Ąngere Verfolgungsjagt durch das Unterholz hinter sich, allerdings war sie offensichtlich nicht erfolgreich gewesen. "Nuharis, was h├Ąlst du von einem Mundschenk?", fragte Vokarit und ├╝berging so die l├Ącherlichen "Erkl├Ąrungsversuche" eines Bauern. "Herr, bitte verzeiht, aber der Wirt dieses Dorfes fiel als er sich unserer Schar in den Weg stellte.". Vokarit verdrehte die Augen. "Ich meine nicht den Wirt, ich meine sie dort.". Er zeigte auf die junge Frau, deren Augen gr├Â├čer wurden als sie merkte, dass ├╝ber sie gesprochen wurde. Der Bauer vor Vokarit hingegen schaute verwirrt zwischen ihr, Vokarit und Nuharis hin und her. "Wenn wir G├Ąste haben kann doch kein stinkender Wirt f├╝r Getr├Ąnke sorgen. Soll sie das doch machen.". Nuharis salutierte und zog die schwach protestierende Frau nach vorne, w├Ąhrend zwei W├Ąchter den Bauern zur Seite dr├Ąngten. "Sie soll mir etwas zu trinken bringen w├Ąhrend ich hier bin. Habt aber ein Auge auf sie.". Kurze Zeit sp├Ąter kehrte Nuharis mit der jungen Frau zur├╝ck, die mit wackeligen Schritten ein Tablett mit Karaffe und Kelch bei sich trug. Vokarit bekam sein Getr├Ąnk, nichts wurde versch├╝ttet. So zog der fr├╝he Abend ins Land und schlie├člich hatte der Alb genug geh├Ârt. F├╝r die Gefangenen war ein Haus zu eine Art Gef├Ąngnis umfunktioniert worden, einige gingen noch den ihnen zugeteilten Arbeiten nach. 'Pass auf, dass dich deine neue Freundin nicht irgendwann vergiftet.', meinte die Stimme. "Falls doch gehst du wenigstens mit drauf.", gab Vokarit zur├╝ck. Die nahestehende Wache wusste mit dieser Aussage nichts anzufangen, wagte es jedoch nicht weiter nachzufragen.

Zur├╝ck im Haupthaus lie├č sich Vokarit noch einmal die Wachpl├Ąne zeigen und nahm sich vor in der Nacht noch einen Rundgang zu machen. Seine neue Dienerin stand regungslos und etwas verloren mitten im Raum. Schlie├člich ging Vokarit einen Schritt auf sie zu, sie hingegen wich zur├╝ck. "Was glaubst du, was ich mit dir mache?!", brummte Vokarit und sch├╝ttelte den Kopf. Er ging zu einer kleinen Waschsch├╝ssel, nahm den Lappen heraus und warf ihn der Frau zu. "Mach dich erst mal sauber, mir so unter die Augen zu treten ist schon schlimm genug. Danach zieh dir erst mal etwas ordentliches an.". Sie schien zu verstehen was der Frostalb wollte und kam seinen Anweisungen nach, auch ihre Wunde wurde verbunden.
Die Nacht brach herein und nach einer kurzen Ruhephase machte sich Vokarit auf den Weg zu dem ersten Posten, der, so hoffte er f├╝r ihn, seiner Aufgabe mit v├Âlliger Hingabe nachkam. Bei dieser Gelegenheit k├Ânnte Vokarit ja auch nach dem einen Sp├Ąhtrupp fragen, dessen R├╝ckkehr bisher noch ausstand...

Benutzeravatar
Vokarit Kaltherz
Zweitcharakter
Beitr├Ąge: 10
Registriert: So 20. Aug 2017, 14:11
Volk: Frostalben

Re: Auf verlorenem Posten

#2

Beitrag von Vokarit Kaltherz » Mo 28. Aug 2017, 21:27

Der Mond stand bereits hoch am Himmel als Vokarit die Posten abschritt. Seine R├╝stung klirrte leise bei seinen Schritten und er genoss die vorherrschende Ruhe. Seine M├Ąnner hatten gute Arbeit geleistet. Die Befestigungen waren aufgestellt, Wachfeuer entz├╝ndet. Schon fast ehrf├╝rchtig wurde er von seinen Soldaten gegr├╝├čt, jeder ging brav seiner Pflicht nach. Gut so. "Sind die vorgeschobenen Posten errichtet worden?", verlangte Vokarit schlie├člich von einem Wachposten zu wissen. Dieser nickte eifrig. "Ja, Herr! An jedem Punkt, der vorgegeben war!". "Weitermachen, Soldat. Haltet die Augen offen.". Der Mann salutierte und konzentrierte sich wieder auf seine Arbeit.

Vokarit spazierte durch die Dunkelheit. Er hatte das kleine Dorf bereits einige Meter hinter sich gelassen, war auf dem Weg zu einem Sp├Ąhposten weiter drau├čen. Schlie├člich kam er an einer kleinen Senke an. Zwei seiner Leute lagen dort, hatten sich schon fast eingegraben. Beinahe w├Ąre er auf sie getreten, doch zum Gl├╝ck bemerkte er sie rechtzeitig. Er kniete ab. "Vorkommnisse?", fragte er knapp nach der respektvollen Begr├╝├čung durch seine M├Ąnner. "Nein, Herr.", begann der eine seinen Bericht. "Seit Einbruch der Nacht ist es ruhig. Auch vorher konnten wir dort vorne keinerlei Feindbewegung ausmachen.". Der Soldat deutete in den Bereich, den er und sein Kamerad ├╝berwachen sollten. "Seid weiterhin wachsam, M├Ąnner.", antwortete Vokarit und lie├č seinen Blick selbst den dunklen Waldrand absuchen. Nichts. "Ist der Sp├Ąhtrupp zur├╝ck?", verlangte er schlie├člich zu wissen. Beide Soldaten sch├╝ttelten nur den Kopf. sie wussten, dass ihrem Anf├╝hrer diese Antwort nicht gefallen w├╝rde. Vokarit verzog das Gesicht. "Sie h├Ątten schon l├Ąngst zur├╝ckkehren sollen.", murmelte er. War ihnen etwas zugesto├čen? Vokarit verweilte noch einen Moment bei seinen Soldaten, erhob sich dann jedoch und wandte sich ab zum Gehen. "Herr!", fl├╝sterte einer von ihnen pl├Âtzlich. "Seht dort!". Vokarit folgte dem Fingerzeig seines Schergens. Da war etwas im Wald. Ein Licht. Fackelschein. "K├Ânnten sie das sein?!", platzte es aus dem anderen Soldaten heraus, der sogleich aufstehen wollte. "Niemand r├╝hrt sich.", zischte Vokarit und war sich wieder zu Boden. Die Soldaten erstarrten. "Waffen bereitmachen.", befahl Vokarit so leise er konnte. Das waren niemals seine Sp├Ąher. Sie bewegten sich zu plump durch das Unterholz. Und er sollte recht behalten. Mehrere Gestalten sch├Ąlten sich schlie├člich aus dem Schutz der B├Ąume, trugen etwas Gro├čes bei sich. "Platz da!", hauchte der Frostalb und robbte direkt zwischen seine M├Ąnner. "Kein Wort.". So lagen sie da und beobachteten die Szenerie. Die Gestalten kamen n├Ąher, hatten den Sp├Ąhposten jedoch nicht bemerkt. Sie trugen ihr "Gep├Ąck" an dem Posten vorbei, bewegten sich langsam und so leise wie es ihnen nur m├Âglich war. Vokarits Blick flog zur├╝ck zu seinem befestigten Dorf, niemand dort schien die kleine Gruppe bisher bemerkt zu haben. Die Gestalten kamen zum Stehen, luden ihr Gep├Ąck ab und verschwanden rasch wieder im Schutz des Waldes. "Ganz ruhig.". Gab Vokarit vor und so wartete die kleine Gruppe eine gef├╝hlte Ewigkeit in ihrem Versteck. Schlie├člich h├Ârte Vokarit Stimmen hinter sich. <Die Wachabl├Âsung.>, wurde ihm klar. Als die beiden Soldaten ihre Schicht antreten wollten stieg Vokarit aus dem versteckten Sp├Ąhposten wie ein Geist hervor. Die M├Ąnner verstummten abrupt. "Ich h├Ątte euch schon aus weiter Ferne niederschie├čen k├Ânnen.", sagte der Frostalb mit fester Stimme und die beiden Neuank├Âmmlinge erstarrten. "Herr, verzeiht!", platzte es aus einem der beiden schlie├člich hervor und fiel auf sein Knie. "Wir haben gedacht...". "Jetzt ist nicht die Zeit zu denken.", entgegnete Vokarit k├╝hl und wandte sich wieder den M├Ąnnern zu, die auf ihre Abl├Âse warteten. "Ihr bleibt hier, wir sehen uns das an.". Sie nickten, umklammerten ihre Waffen fester.

Vorsichtig n├Ąherte sich Vokarit mit den Soldaten dem Haufen, den die mysteri├Âse Gruppe aufgeschichtet hatte. Was mochte es sein?
Je n├Ąher Vokarit kam, desto sicherer wurde er. Man hatte den ausbleibenden Sp├Ąhtrupp ├╝berw├Ąltigt. Zwei Leichen lagen auf der freien Fl├Ąche, recht ├╝bel zugerichtet. Zorn wuchs in Vokarit heran. "Ouh, das sieht nicht gut aus.", kommentierte die Stimme in seinem Kopf. "Schweig!", schoss es aus Vokarit heraus und seine beiden Begleiter sahen sich fragend an. "Wir haben doch gar ni". Der Soldat verstummte, als sein Kamerad ihm einen Sto├č in die Seite gab und den Kopf sch├╝ttelte. "Einsammeln.", gab Vokarit knurrend den Befehl. "Bringt die Leichen ins Dorf, sie sollen m├Âglichst schnell verscharrt werden, l├Âst danach den Posten ab. Aber dieses Mal leise. Sollte ich auch nur im Entferntesten mitbekommen, dass man euer Kommen geh├Ârt hat, dann k├Ânnt ihr euch gleich dazulegen.". Tapfere Sp├Ąher hatte er verloren. Verloren durch die Hand von...Bauern. Rebellen. Was auch immer. Wie dumm mussten sich seine Leute verhalten haben um so zu enden? Vokarit spuckte auf den Boden und stapfte zur├╝ck in Richtung Dorf, w├Ąhrend seine M├Ąnner, schwer beladen und daher in weitem Abstand, folgten.

"Nuharis!", donnerte Vokarits Stimme auf seinen Bannertr├Ąger hernieder. "K├╝mmert euch darum!". Nuharis verstand erst nicht, konnte dann jedoch die Soldaten mit den Leichen im Schlepptau ausmachen. Er wollte noch etwas sagen, doch Vokarit war bereits an ihm vorbeigerauscht. Knallend flog die T├╝r des Haupthauses hinter Vokarit zu. "Das l├Ąsst du dir einfach so gefallen?!", fragte die Stimme in seinem Kopf. "Sei blo├č ruhig.", presste Vokarit zwischen den Z├Ąhnen hervor. Seine neu eingestellte Dienerin betrat den Raum. Sie war nun in feinere Gew├Ąnder gekleidet, die Wunde schien zu heilen. Zwar war ihr Gang respektvoll, doch Vokarit konnte in ihren Augen durchaus eine gewisse Portion Hass auf seine Person sehen. "Guck mich nicht so an.", sagte er, verdrehte die Augen und winkte ab. "Das kann ich jetz wirklich nicht brauchen.". Sie hielt inne, wartete mit einem Kelch in der Hand ab. "Her damit.", blaffte Vokarit schlie├člich und bekam sein Getr├Ąnk. Er f├╝hrte den Becher zu seinen Lippen, wartete dann jedoch. "Trink.". Er hielt ihr den Kelch hin, sie hingegen sah ihn fragend an. "Trink.", wiederholte Vokarit mit fester Stimme. Sie nahm zaghaft den Kelch entgegen und trank, nachdem Vokarit eine entsprechende Geste machte. Die Zeit verging, nichts geschah. "Du wirst jetzt immer brav vorkosten.", erkl├Ąrte Vokarit der Frau, die weiterhin keins seiner Worte zu verstehen schien. "Setz dich.", befahl er und verwies auf einen Stuhl nicht weit von sich. Dann fl├Ązte sich der Frostalb in seinen "Thron", legte ein Bein ├╝ber die Armlehne. "Weisst du.", begann er und lie├č den Kelch kreisen. "Tapfere M├Ąnner sind heute Nacht gestorben. Meine M├Ąnner. Was meinst du, was soll ich jetzt tun?". Seine Frage war rhetorisch. "Was erwartest du bitte?!", verlangte die Stimme zu wissen. "Schnautze, ich rede.", bellte Vokarit ins Nichts. "Soll ich jetzt zwei Gefangene niederm├Ąhen? Dich verpr├╝geln? Was sollte das bringen?", fragte der Frostalb die junge Frau. Er nahm einen Schluck aus dem Kelch. Dieser Wein. Wunderbar. "Nein.", fuhr er fort. "Weisst du was? Ich werde nichts dergleichen tun. Ihr rechnet doch bestimmt damit.". Die junge Frau starrte zu Boden, wagte es nicht Vokarits Blick zu begegnen. "Diesen kleinen Zwischenfall werden wir schon bald vergessen haben. Zwei Tote auf Seiten meiner Leute sind nichts gegen eure l├Ącherliche Verteidigung, die wir hinfortgefegt haben wie eine Fliege vom Brot. Verschmerzbare Verluste.". Wieder nahm er einen Schluck, dann stand er auf. Nun ging er auf die junge Frau zu, welche pl├Âtzlich recht ver├Ąngstigt in die andere Richtung rutschte. Kurz vor ihr hielt er inne. Erneut kniete der Frostalb ab. "Schon das zweite mal, dass du heute kniest, mein bester! Und du lagst sogar einmal recht tief im Dreck m├Âchte ich meinen!", kommentierte die Stimme spitz. Vokarit reagierte, indem er die Z├Ąhne feltschte, fauchte und den Kopf leicht zur Seite drehte. Er schaute anschlie├čend die Frau an, sah ihr tief in die Augen. Einen Moment verharrten beide in ihren Positionen, dann zeigte Vokarit auf sich selbst. "Vokarit.", sagte er, w├Ąhrend sein Lederhandschuh stumpf den dicken Brustpanzer ber├╝hrte. Keine Reaktion. "Vokarit.", wiederholte er. Wieder nichts. Vokarit erhob sich. "Dann halt nicht. Was soll man auch erwarten...", meinte er und gab der Frau einen unsanften Schubser. ├ťberrascht kippte sie nach hinten und landete recht unsanft auf dem kalten Steinboden. Vokarit machte kehrt und ging in Richtung seines Schlafgemachs. "Fei.", ert├Ânte pl├Âtzlich eine zittrige Stimme hinter ihm. Er drehte den Kopf herum. Die junge Frau stand langsam auf, zeigte auf sich und wiederholte "Fei.". Er nickte und lie├č sie in der Dunkelheit der Nacht allein im Zimmer zur├╝ck. "Wie niedlich.". Vokarit schloss die T├╝r hinter sich. "Kenne deinen Feind.", kommentierte Vokarit und ignorierte die nun folgenden, h├Ąmischen Ausf├╝hrungen der Stimme so gut es ging. Vielleicht w├╝rde mehr Wein helfen?

Benutzeravatar
Vokarit Kaltherz
Zweitcharakter
Beitr├Ąge: 10
Registriert: So 20. Aug 2017, 14:11
Volk: Frostalben

Re: Auf verlorenem Posten

#3

Beitrag von Vokarit Kaltherz » Sa 30. Sep 2017, 23:05

Am n├Ąchsten Tag war Vokarit bereits fr├╝h auf den Beinen. Er schn├╝rrte gerade die Unterarmplatten seiner R├╝stung fester, als sein Bannertr├Ąger klopfte und wenige Augenblicke sp├Ąter den Raum betrat. "Mein Herr, Besuch f├╝r Euch.", berichtete dieser knapp w├Ąhrend er salutierte. "Besuch?". Vokarit erwartete eigentlich niemanden...au├čer nat├╝rlich etwaige ├ťbergriffe dieser elenden Rebellen. "Es ist Koreac Froststimme. Der Rittmeister der siebten Kompanie.". Vokarit hielt einen Moment inne, musste ├╝berlegen. Tats├Ąchlich erinnerte er sich dann an den angek├╝ndigten Alben. "Ich bin sofort da.", entgegnete Vokarit knapp und beeilte sich mit dem Anlegen der Ausr├╝stung. "Ein Freund von dir?", fragte die Stimme in seinem Kopf. "Ein...Bekannter, wenn ├╝berhaupt.", antwortete Vokarit trocken.

Die T├╝r w├╝rde ge├Âffnet und Vokarit trat ins Freie. Einige seiner Leute standen auf dem Dorfplatz, umringten die G├Ąste. Koreac war ein Veteran, trug viele Narben und diese mit Stolz. Als Rittmeister hatte er das Kommando ├╝ber ein eigenes Kavallerieregiment und mit diesem bereits die ein oder andere Schlacht geschlagen. Vokarit ging auf den Veteran zu, der ihn mit einem emotionslosen Blick empfing. "Welch eine Ehre.", begann Vokarit und kam schlie├člich vor dem Soldaten zum Stehen. "Verzeiht, dass ich Euch keinen edleren Empfang darbieten kann. Wir sind hier noch im...Umbau.". Koreac antwortete zuerst nicht, sein Blick wanderte kurz umher. "Der feine Herr ist besseres gewohnt, hm?", verlangte die Stimme zu wissen. Vokarit lie├č sich nichts anmerken. "Nun.", begann Koreac und verzog das Gesicht. "Es ist wahrlich kein Ort, an dem ich l├Ąnger verweilen w├╝rde. Zum Gl├╝ck muss ich das auch nicht.". "Was f├╝hrt Euch her?", fragte Vokarit. "Und was viel wichtiger ist...wann gehst du wieder?", blaffte die Stimme. "Ich bin nur hier um eine Lieferung abzugeben. Man hat sich dazu entschieden Euch und einigen Eurer M├Ąnner ein Reittier zu ├╝berlassen. Warum kann ich nicht sagen, ich bin nur der Bote.". Koreac schien genau das nicht besonders gut zu passen. "Oh, dann sollte ich mich noch geehrter f├╝hlen, dass ein Mann in der Position wie ihr einem so unscheinbaren Licht wie mir als Bote gedient hat?". Vokarit konnte sich diese Spitze nicht verkneifen und grinste. Koreac schnaubte ver├Ąchtlich, zuckte mit den Schultern und entgegnete nur "Ich f├╝hre Befehle aus, nichts weiter. Werdet gl├╝cklich mit dem, was wir Euch da lassen.". Dann wandte sich der Soldat seinen Leuten zu. "Festmachen! Wir sind hier fertig. Bereitmachen zum Ausr├╝cken.". Bewegung kam in die Anwesenden. Tats├Ąchlich wurden Vokarit mehrere Reittiere ├╝berlassen. Eiskomodowarane. Vokarits Herz machte einen Sprung. Wunderbar. Zwar waren seine Leute im Moment noch etwas ├╝berfordert mit der Haltung der Tiere, doch das w├╝rde sich schon geben. Die gefangenen Bauern wichen jedenfalls schon einmal respektvoll bis ├Ąngstlich vor den Tieren zur├╝ck.
Vokarit bedankte sich noch einmal bei Koreac und wollte diesen auch nicht weiter aufhalten...beziehungsweise in seinem befestigten Dorf haben. Die Verabschiedung fiel dementsprechend k├╝hl und knapp aus, was Vokarit begr├╝├čte. Kurz bevor Koreac das Dorf verlie├č drehte er noch einmal auf seinem Reittier um. Er blieb elegant vor Vokarit stehen und beugte sich zu dem Frostalb hinunter. "Ich w├╝rde ja sagen "Lebt wohl", doch denke ich, dass Eure Reise hier ein Ende nimmt.". Vokarit zog eine Augenbraue hoch, r├╝hrte sich ansonsten nicht. "Weitere Unterst├╝tzung werdet Ihr in keinster Weise erwarten k├Ânnen, habe ich zumindest geh├Ârt. Aber was soll man schon von dererlei Ger├╝chten halten, nicht wahr?". Dann richtete sich der Rittmeister wieder auf und lenkte sein Waran in Richtung Dorfausgang. "Dann haltet mal euren Posten, tapfere Krieger.", sagte er mit erhobener Stimme, auch an Vokarits Soldaten gerichtet. Dann verschwand er mit seinen Leuten im noch sanft wabernden Fr├╝hnebel. Eine kurze Zeit herrschte Stille auf dem Dorfplatz, einige Soldaten sahen sich fragend an, hier und da wurde getuschelt. "Nicht einschlafen!", br├╝llte Vokarit und ein Ruck ging durch seine M├Ąnner. "Geht eurer Arbeit nach! Es gibt weiterhin viel zu tun. Zur Mittagszeit mache ich einen Rundgang!". Leben kam in die umstehenden Soldaten und auch die Bauern. Vokarit dachte noch einen Moment lang ├╝ber die Worte von Koreac nach. "Klingt nicht wirklich erbaulich, oder?", fragte die Stimme. "Was weiss der schon.", murmelte Vokarit. "Nuharis?!". Der Bannertr├Ąger erschien an der Seite von Vokarit. "Ja, mein Herr?". "Wir werden eine Art...Gehege...f├╝r unsere neuen Reittiere ben├Âtigen. Ich werde mir gleich eins davon aussuchen, der Rest wird an die M├Ąnner verteilt, die ihr f├╝r geeignet haltet. Eine kleine Kavallerieabteilung wird f├╝r uns ein weiterer Vorteil sein.". Nuharis gehorchte und schritt von dannen, griff unterwegs mehrere Soldaten und Bauern auf um einen geeigneten Bauplatz f├╝r den "Stall" zu finden.

"Du bist wahrlich ein Biest.", stellte Vokarit fest, als der Waran erneut nach ihm schnappte. Das Tier schien sich noch nicht mit seinem neuen Reiter abgefunden zu haben, doch Vokarit war sicher, dass sich das noch geben w├╝rde. Tats├Ąchlich besch├Ąftigte er sich l├Ąnger als gedacht mit seinem neuen Reittier und nannte es schlie├člich "Frostschuppe". Auch die M├Ąnner seiner neu geschaffenen Kavallerieabteilung gingen langsam aber sicher in ihrer neuen Rolle auf, erlangten mehr und mehr die Kontrolle ├╝ber ihre Reittiere. Vokarit nahm ihre Bem├╝hungen zur Kenntnis und w├╝rde ihnen am Abend den ein oder anderen Schluck Wein zukommen lassen.
Gerade, als Vokarit diesen Gedanken zuende gedacht hatte, warf eins der Tiere v├Âllig unerwartet seinen Reiter ab. Der Mann fiel zu Boden, verletzte sich und das Tier trat nach ihm. Es bedurfte mehrerer Soldaten um es in Schach zu halten und schlie├člich zu beruhigen. Vokarit stieg ab und eilte zu den Soldaten, die den Verletzten hinforttrugen. Der Mann war bewusstlos, hatte anscheinend mehrere Br├╝che. "Versorgt ihn gut.", brummte er und meinte dann ein Kichern hinter sich zu vernehmen. Sein Blick raste herum. Fei stand dort, schien ihr Grinsen hinter Vorgehaltener Hand verstecken zu wollen. Als ihr Blick den von Vokarit traf war sie wie versteinert. Vokarit ging festen Schrittes auf die junge Frau zu. "Was ist so witzig?", zischte er und baute sich vor Fei auf. Sie wich ihm aus, schaute dann wieder in Richtung des Verletzten. Vokarit hob die Hand, Fei zuckte zusammen. Vokarit konnte sich gerade noch so beherrschen. Seine Hand senkte sich, immer noch leicht vor Wut zitternd. "Recht so, du kannst doch keine Frau schlagen.", h├Âhnte die Stimme. "Halt den Mund.", gab Vokarit giftig zur Seite zur├╝ck und schaute dann wieder Fei an, die erst noch in die Richtung sah, in die Vokarit gerade gesprochen hatte. Dann packte der Alb die Frau und zog sie n├Ąher an sich heran. "N├Ąchstes Mal hast du nicht so viel Gl├╝ck.". Dann stie├č er sie von sich und rauschte davon.

Am Abend erhielt Vokarit den Bericht von seinem Bannertr├Ąger. Der Reiter w├╝rde wieder gesund werden, doch die Heilung w├╝rde mehrere Wochen dauern. "Nur ein kleiner R├╝ckschlag.", befand Vokarit. "Er soll sich schonen, jedoch weiterhin da mit anpacken wo er kann, wenn er es kann.". Nuharis salutierte und verschwand. Vokarit war nun allein in der Halle des Haupthauses, lie├č sich auf seinen "Thron" fallen und legte das rechte Bein ├╝ber die Armlehne. Dann massierte er seine Schl├Ąfen. "Was ist los?", fragte die Stimme. "Du wirst doch wohl nicht jetzt schon ersch├Âpft sein?". "Bl├Âdsinn.", antwortete Vokarit, "Mir sind gerade nur die Worte von Koreac wieder eingefallen. Keine weitere Unterst├╝tzung. Was soll das wohl bedeuten?". "Na, ist doch ganz einfach. Wir sind hier alleine. Keiner wird uns helfen wenn sich die Bauern erheben.". Vokarit gr├╝belte. Konnten sie wirklich in solch einer Gefahr sein? Und wenn ja, warum hatte man gerade ihn hier hingeschickt? "Mach dir nichts draus, wir werden uns hier schon eine sch├Âne Zeit machen.", meinte die Stimme. Vokarit war eher skeptisch. "Worte. Nichts als Worte. Koreac soll sich um seine Angelegenheiten k├╝mmern und nicht derartige Ger├╝chte weitertragen. Wir werden unsere Position halten, das war der Befehl.". Dumpf pochte Vokarits Faust auf die andere Armlehne. "Recht so! Was wei├č der schon?!", sagte die Stimme nun lauter. "Oh, sieh doch nur!". Langsam hob Vokarit den Kopf. Er hatte Fei gar nicht wahrgenommen, doch stand diese nun im Raum. "Wie lange ist sie schon hier?", murmelte er aber wusste genau, dass es darauf keine Antwort gab. Hatte sie sein "Gespr├Ąch" etwa mitbekommen? "Was ist?", fragte Vokarit knapp und vorsichtig n├Ąherte sich die Frau mit einer Karaffe. Schlie├člich hatte Vokarit einen Becher Wein in der Hand und nahm sich vor auch diesen Tag damit zu beenden. Aus irgendeinem Grund legte Fei pl├Âtzlich die Hand auf Vokarits Schulterpanzer. Sie sah ihn einen Moment lang an und fragte dann "Du...Reden...?". Ein paar Sekunden vergingen, dann zischte Vokarit "Verschwinde." und sch├╝ttelte die Hand von seiner Schulter. Die Frau wich zur├╝ck und wollte mit der Karaffe den Raum verlassen. "Warte.". Sie drehte sich noch einmal um. "Lass den Wein hier.".

Benutzeravatar
Vokarit Kaltherz
Zweitcharakter
Beitr├Ąge: 10
Registriert: So 20. Aug 2017, 14:11
Volk: Frostalben

Re: Auf verlorenem Posten

#4

Beitrag von Vokarit Kaltherz » Sa 21. Okt 2017, 20:17

Ein neuer Tag war angebrochen und Vokarit wurde unsanft aus dem Schlaf gerissen. Nuharis hatte ihn geweckt. "Was...was ist los?", verlangte Vokarit zu wissen und kam langsam aber sicher zu sich. Er h├Ątte den Wein vielleicht doch nicht austrinken sollen... "Na? Schwerer Kopf?". "Halt den Mund.", fauchte Vokarit. Sein Bannertr├Ąger wich erschrocken zur├╝ck und schluckte die Worte, die er eigentlich sagen wollte, hinunter. "Was ist denn jetzt? Sprich!", blaffte Vokarit seinen Bannertr├Ąger an. Dieser schaute einen Moment lang verwirrt drein, doch begann dann zu erz├Ąhlen. "Unsere Posten haben melden die R├╝ckkehr unserer Sp├Ąher.". Vokarit massierte einen Moment lang seine Schl├Ąfen, schaute Nuharis anschlie├čend scharf an. "Und was ist daran so besonders?", verlangte der Frostalb zu wissen. "Nun, Herr, nicht alle von ihnen kamen lebend zur├╝ck.". Einen Moment lang herrschte Stille, dann sprang Vokarit auf. "Das kann doch nicht wahr sein.", fluchte er und warf sich seine Kleidung ├╝ber. "Das waren tapfere und nicht gerade unerfahrene Soldaten. Wie konnte es dazu kommen?". Sein Bannertr├Ąger hatte keine Antwort auf diese Frage, bemerkte jedoch, dass sein Herr Schwierigkeiten hatte in seine R├╝stung zu kommen. Erst wehrte sich Vokarit gegen die Hilfe seines Bannertr├Ągers, doch lie├č er es dann letztendlich doch zu. "Ich will mir das alles selbst ansehen.", gab Vokarit schlie├člich auf dem Weg nach Drau├čen bekannt und Nuharis nickte. "Seht zu, dass diese Bauern hier so wenig wie m├Âglich davon mitbekommen.". "Sorgt euch nicht, Herr, es ist bereits daf├╝r Sorge getragen worden. Die Leichen der Sp├Ąher wurden eingeschmuggelt und befinden sich nun in einer kleinen H├╝tte.". "Bringt mich hin.". "Jawohl.". "Mal sehen, was deinen ach so tapferen Kriegern zugesto├čen ist, hm?".

Vokarit ging langsam um die aufgebahrten Leichen herum. Sie waren ├╝bel zugerichtet, aber immerhin noch in einem St├╝ck. "Wie kamen sie hier an?", fragte Vokarit Nuharis, der sogleich Auskunft gab. "Man hat die toten Reiter an ihre Reittiere gebunden. Wir wissen nicht, wie es m├Âglich war, dass die Tiere dies mit sich haben machen lassen.". Vokarit nickte, konnte sich das selbst nicht erkl├Ąren. "Herr, fast alle unserer...Leute...wurden von hinten ermordet. Ein Gro├čteil der Wunden, vor allem die t├Âdlichen, sind sogar im Genickbereich. Die Angreifer waren keine einfachen Bauern. Hier ist jemand anders eingeschritten.". Vokarit sah sich daraufhin die Wunden der Toten genauer an. Nuharis sollte Recht behalten. Tats├Ąchlich waren die t├Âdlichen Wunden im Hals- und Genickbereich zu erkennen. Bauern konnten einfach nicht mit solch einer Pr├Ązision arbeiten. Unm├Âglich. "Was gedenkst du jetzt zu tun?", wollte die Stimme wissen. Es dauerte, bis Vokarit reagierte. "Wir werden die ganze Sache nicht ungestraft lassen.", beschloss der Frostalb und kratzte sich am Kinn. "Nuharis. Sagt, welches ist das n├Ąchste Dorf hier? Gibt es Informationen dar├╝ber?". Der Bannertr├Ąger dachte nach. "Das n├Ąchste Dorf ist weiter entfernt, Herr. Als n├Ąchstes haben die Sp├Ąher eine Art Holzf├Ąllerlager gefunden.". Vokarit verzog das Gesicht. "Nuharis, nehmt ein paar M├Ąnner. Stattet ihnen einen Besuch ab. Brennt dieses Lager nieder, t├Âtet jeden, den ihr findet.". Nuharis erstarrte. "Herr, meint ihr wirklich, dass...". "Was war daran nicht zu verstehen?", zischte Vokarit und schlug mit seiner Faust auf eine der Pritschen, auf denen eine der Leichen lag. "Wir werden denen schon zeigen was es heisst, sich mit Frostalben anzulegen.". "Wie ihr w├╝nscht, Herr.". Nuhrais verbeugte sich knapp und verlie├č den Raum. "Nicht, dass du die ganze Sache eskalieren l├Ąsst?". "Eskalieren lassen? Guck dir DAS doch mal an?!", antwortete Vokarit der Stimme und deutete auf die kaum erkennbaren, toten Frostalben.

Am Nachmittag kehrte Nuharis "siegreich" zur├╝ck. Er hatte dem Befehl seines Herren Folge geleistet und das Holzf├Ąllerlager war Geschichte. Die Frostalben hatten alles und jeden niedergem├Ąht. Vokarit war stolz auf seinen Bannertr├Ąger, nicht wissend, was er da gerade losgetreten hatte...

Benutzeravatar
Vokarit Kaltherz
Zweitcharakter
Beitr├Ąge: 10
Registriert: So 20. Aug 2017, 14:11
Volk: Frostalben

Re: Auf verlorenem Posten

#5

Beitrag von Vokarit Kaltherz » So 5. Nov 2017, 16:24

Schweigend hockte der Mann im Ge├Ąst des Baumes. Er wartete. Und wartete. Nichts passierte. <Wie lange sollen wir hier noch unsere Zeit verschwenden?>. Er hatte Anweisung bekommen seinen Posten nicht zu verlassen, sollte zuschlagen wenn die Patrouille den Weg entlangzog. Sein Angriff w├╝rde den ├ťberfall er├Âffnen. Wieder musterte er seine Waffe. Ein recht improvisiert wirkender Bogen und schlecht zusammengeschusterte Pfeile. Damit sollte er gegen Frostalben k├Ąmpfen? Es w├╝rde reichen m├╝ssen. Sein Blick wanderte umher. Obwohl er sie nicht sah, so wusste er doch, dass seine Gef├Ąhrten in den anderen B├Ąumen und B├╝schen verborgen waren. Erneut pfiff er zwischen den Z├Ąhnen hindurch, wartete auf die Antwort seiner Kameraden. Sie kam. Erst direkt links neben ihm, dann, nach und nach, reagierten seine Leute mit den entsprechenden Tierlauten. Alle waren noch da. Gut so. Er ├Ąnderte die Position seiner Beine, k├Ąmpfte einige Sekunden gegen einen Krampf in der Wade. Dann pl├Âtzlich vernahm er ein leises Klimpern. Der Mann erstarrte. Tats├Ąchlich waren wenige Momente sp├Ąter Schritte zu vernehmen. Eine Gruppe marschierte, die Schritte wurden lauter. Dann sah er sie. Frostalben. Eine kleine Schar, zehn Soldaten, kam den schmalen Weg entlang. An ihrer Seite marschierte scheinbar ein Offizier, der Mann erkannte ihn an der Helmart und den verzierten Schulterpanzern. Der Offizier ging schnellen Schrittes an seinen Leuten vorbei und setzte sich wieder an die Spitze der Kolonne. Er hatte anscheinend die Reihen, den Gleichschritt oder die Ausr├╝stung seiner Leute w├Ąhrend des Marschierens inspiziert. Langsam und leise hob er den Bogen, legte einen der Pfeile auf. Die Sehne spannte sich, kaum wahrnehmbar knackte der Bogen, als die Spannung st├Ąrker wurde. Den Offizier, ja, den w├╝rde er ausschalten. Ohne Anf├╝hrer w├╝rden die Soldaten nicht wissen wie sie reagieren sollten, waren vermutlich ein leichteres Ziel f├╝r die anderen. Zischend verabschiedete sich der Pfeil von der Sehne. Er schaute dem Pfeil nach, bis dieser schr├Ąg zwischen Schulter und Hals des Offiziers einschlug. Die Wucht des Aufpralls riss den Alben von seinen F├╝├čen und er kippte zur Seite hin um. Nur wenige Sekunden sp├Ąter waren auch schon die Kriegsschreie seiner Kameraden zu h├Âren. Der Mann legte einen neuen Pfeil auf, sah, wie die Frostalben sich in so viele Richtungen wie nur m├Âglich verteidigen wollten. Sie bildeten einen Schildwall, schauten unsicher umher. Dann rasten die ersten Rebellen heran. Sie waren gr├Â├čtenteils mit Werkzeugen statt mit Waffen ausger├╝stet, viele von ihnen starben bevor der n├Ąchste Frostalb tot zu Boden sank. Erneut legte der Mann einen Pfeil auf, suchte ein Ziel. Er hatte kein freies Schussfeld. Langsam aber sicher wurde der Druck auf die Frostalben zu gro├č. Ihre Formation brach zusammen, der Kampf wurde zu einem blutigen Gefecht Mann gegen Mann. Trotz mangelnder Ausbildung oder ordentlicher Ausr├╝stung rangen die Rebellen einen Alben nach dem anderen nieder, pr├╝gelten auf die am Boden liegenden Feinde ein, bis sie sich nicht mehr r├╝hrten. Es war eine bestialische Angelegenheit. Dann trat Stille ein. Auch die anderen Sch├╝tzen kamen nun aus dem Ge├Ąst ihrer B├Ąume hinunter, gesellten sich zu den K├Ąmpfern, die die Leichen der Frostalben fledderten. Der Mann z├Ąhlte die toten K├Ârper. Zehn. Es waren nur zehn. Einer fehlte! Hastig sah er sich um, rief "Einer ist entkommen!". Niemand beachtete ihn. Dann sah er die Blutspur auf dem Boden, die von dem Ort des Gefechtes wegf├╝hrte. Einer schien sich in Richtung Unterholz geschlagen zu haben. Also nahm der Mann die Verfolgung auf. Es dauerte nicht lange, da hatte er den fl├╝chtigen Soldaten schon gefunden. Dieser hielt sich gerade so an einem Baumstumpf fest, hustete und schnaufte. Der Mann zog sein Messer, als der Frostalb sich zu ihm umsah. Die Zeit verstrich, keiner der beiden bewegte sich. Der Frostalb war der erste, der reagierte und machte Anstalten zu fliehen. Er hatte keine Waffe mehr bei sich, zog sein rechtes Bein fluchend hinter sich her. Erneut stolperte der Soldat, landete unsanft auf dem Boden. Er robbte von dem Mann weg, schrie auf, als dieser auf sein verletztes Bein trat. Weiter kam er nicht. Entkommen war nicht m├Âglich. Der Mann schaute mit finsterer Miene auf den am Boden liegenden Frostalben hinunter. Kurze Zeit sp├Ąter rauschten zwei seiner Kameraden heran. "Da is ja noch einer!", rief der eine. "Gut, dass du den noch gefunden hast!", meinte der andere, der sich diverse Ausr├╝stungsgegenst├Ąnde der Frostalben ├╝ber die Schulter geworfen hatte. "Lass uns den auch noch kalt machen, dann sind wir hier endlich fertig.". Das Grinsen in dem blutverschmierten Gesicht des Mannes wurde breiter und er hob einen versifften Hammer. "Ich klatsch dir die Birne weg, Freundchen!". Er stampfte in Richtung des Soldaten, der weiterhin nicht entkommen konnte. "Halt."., sagte der Mann und l├Âste seinen Fu├č vom Bein des Soldaten. "Lasst ihn leben. Wir brauchen einen von denen, damit er eine Botschaft ├╝berbringt.". "Ohhh, eine Botschaft...na gut, dann bleibt er am Leben. Aber ich finde, dass wir ihm dann auch helfen sollten.". Kurzzeitig sahen sich die drei Rebellen an. "Inwiefern?". "Naja...wir sollten daf├╝r sorgen, dass seine Leute ihm auch glauben, was hier passiert ist.". Erneut grinste der Kerl und verschwand wieder im Geb├╝sch.


Vokarit inspizierte die Posten. Er war stolz auf die Arbeit, die seine M├Ąnner geleistet hatten. Gemeinsam hatten sie das Dorf in eine wahre Festung verwandelt. Es hatte gedauert, ab und an hatten die Arbeiten sogar das Leben eines der zur Arbeit gezwungenen Dorfbewohner gekostet. Verschmerzbare Verluste. Gr├Ąben waren gezogen worden, sogar T├╝rme hatte man errichtet. Vokarit wusste zwar, dass seine "Burg" keiner Belagerung standhalten k├Ânnte, jedoch w├╝rde es gegen dieses Rebellenpack reichen. Die ├ťberf├Ąlle hatten abgenommen, anscheinend hatte die Machtdemonstration bei dem Holzf├Ąllerlager geholfen. Kein Arashirebell war den Frostalben seit diesem Zeitpunkt mehr begegnet. Vokarit wusste, dass dies aber nur eine tr├╝gerische Sicherheit war. Nun, sollten sie sich doch zusammenrotten. Er und seine Leute w├╝rden den Posten hier schon halten.
"Ihr da.", sprach Vokarit den Sch├╝tzen neben sich auf dem Aussichtsturm an. "Ja, mein Herr?". "Haltet die Augen offen. Es mag sein, dass wir seit Tagen keine Vorkommnisse haben...aber untersch├Ątzt den Feind nicht.". "Ja, Herr.", sagte der Mann und nahm erneut Haltung an. Vokarit war sich nicht sicher, warum er dem Mann seine Aufgabe erneut erkl├Ąrt hatte. Er wusste, was er zu tun hatte, doch Vokarit f├╝hlte sich nun besser. "Rede dir ruhig selbst sowas wie Sicherheit ein.". Vokarit konnte das Grinsen der Stimme fast sehen. "Wir sind hier gut aufgestellt.". Gab Vokarit trocken zur├╝ck und machte sich auf den Weg von dem Turm hinab auf die Wehrg├Ąnge. "Ich diskutiere nicht mit dir. Sei einfach still.". Tats├Ąchlich schwieg die Stimme? "Herr! Seht doch nur dort!". Vokarit musterte den Soldaten, der auf ihn zugerannt kam. Auch er nahm Haltung vor seinem Anf├╝hrer an, salutierte und deutete dann mit seinem Speer in Richtung Waldrand. Der Blick des Frostalben folgte der Richtung, in die der Soldat zeigte. Jemand taumelte auf Vokarits Festung zu. Es war einer seiner Soldaten...


Kurze Zeit sp├Ąter empfing Vokarit den Soldaten am Tor. Er geh├Ârte der Patrouille an, die er am Morgen entsandt hatte. "Wo ist der Rest der M├Ąnner? Wo ist Eskiroth?". Vokarits Fragen nach Soldaten und Offizier wurden von seinem Schergen nicht beantwortet. Das Blut in Vokarits Adern schien zu gefrieren, als er seinen Soldaten n├Ąher betrachtete. Er war ├╝belst zugerichtet worden, man hatte ihn anscheinend zusammengeschlagen, gepr├╝gelt und ihm ein Zeichen in die linke Wange geschnitten. Der Soldat versuchte etwas zu sagen, doch es gelang ihm nicht. Vor Schw├Ąche zitternd brach der Mann schlie├člich zusammen. ├ťber die Schulter hinweg verlangte Vokarit nach seinem Bannertr├Ąger. Dieser folgte dem Befehl seines Herren, eilte herbei so schnell er konnte. "Schafft ihn weg. Er muss ├╝berleben.". Vokarits Anweisungen waren eindeutig. Er w├╝rde sich sp├Ąter um den ├ťberlebenden k├╝mmern. "Herr!". Vokarit hielt an, drehte sich wieder zu seinem Bannertr├Ąger um. "Was ist...". Weiter sprach Vokarit nicht. Es reichte nur zu sehen, was Nuharis entdeckt hatte. Der Bannertr├Ąger hielt ein B├╝ndel in der Hand, welches dem ├ťberlebenden auf den R├╝cken geschnallt worden war. Mehrere K├Âpfe kullerten auf den Boden. Flammender Zorn loderte in Vokarit auf. "Wen m├Ąhen wir nun als n├Ąchstes nieder?", fragte die Stimme, doch Vokarit hatte noch keine Antwort. "Das wird ein Nachspiel haben.". Schon ├Âfters hatte Vokarit Zorn gef├╝hlt...doch dieses Mal war es anders. "FEI!", br├╝llte Vokarit nach seiner Schankmaid. Sie erschien neben ihrem neuen Herren. "Mitkommen.". Er zerrte die Frau am Oberarm hinter sich her und verschwand mit ihr in dem Haupthaus. Dort schleuderte er sie vor seinen Thron. Dumpf prallte sie auf dem steinernden Boden auf. "Wer sind die Leute? Wer hat das getan?". Die Frau war leicht benommen. Vokarit rauschte zu ihr hin├╝ber, riss ihren Kopf an den Haaren zur├╝ck. "Du kennst dieses Zeichen. Sag mir alles, was du dar├╝ber weisst.". "Ja, zeigs der Kleinen!", fachte die Stimme den Zorn Vokarits weiter an. "Du glaubst, dass das da drau├čen b├Âse war? Oh nein, meine liebe. Ich sage dir, ich bin hier das B├Âse. ICH bin hier das B├ľSE!". Sie wimmerte. Vokarit lie├č von der Frau ab. Sie wollte den Raum verlassen, erstarrte jedoch als Vokarit "Bleib hier!", donnerte. Die Stimme in seinem Kopf lachte finster. Vokarit ging auf die Frau zu, sie zuckte zusammen als er seine Hand auf ihre Schulter legte. Dann nahm er sie in den Arm, hielt sie sanft fest. "Hilf mir diejenigen zu finden, die daf├╝r verantwortlich sind.", fl├╝sterte er. Eine Tr├Ąne rann ├╝ber das Gesicht von Fei. Sie sah Vokarit mit gro├čen Augen mehrere Sekunden lang an. Dann nickte sie. "Ich wette sie weiss noch mehr! Los komm, gib ihr noch eine mit!". Vokarit ignorierte die Stimme, wischte Fei die Haare aus dem Gesicht. "Sag mir, was du weisst. Ich werde dir nichts tun. Versprochen.".

Benutzeravatar
Vokarit Kaltherz
Zweitcharakter
Beitr├Ąge: 10
Registriert: So 20. Aug 2017, 14:11
Volk: Frostalben

Re: Auf verlorenem Posten

#6

Beitrag von Vokarit Kaltherz » So 3. Dez 2017, 21:16

Es hatte l├Ąnger gedauert als urspr├╝nglich gedacht, doch war Vokarit mit dem Ergebnis zufrieden. Fei war au├čerordentlich hilfreich gewesen und hatte ihm gesagt, was sie wusste. Das Zeichen im Gesicht des Soldaten war ein Symbol f├╝r Widerstand, nur eine bestimmte Gruppierung trug es als Wappen...und ritzte es in die Feinde, denen sie eben diesen Widerstand leisteten. Ihr momentaner Anf├╝hrer nannte sich anscheinend "Hoffnungsschimmer", was Vokarit nur mit einem gleichg├╝ltigen Lacher kommentiert hatte. Nur blieb weiterhin die Frage, wie Vokarit mit diesen ├ťberf├Ąllen umgehen sollte. Diese Rebellen w├╝rden sich ihm wohl nie im offenen Feld stellen, da war sich der Frostalb mehr als sicher. D├Ârfer oder Lager pl├╝ndern w├╝rde sie auch nicht dazu zwingen, stattdessen zwangen sie ihm ihre Bedingungen eines Kampfes auf. Dar├╝ber musste er noch einmal nachdenken... Schlie├člich war das..."Gespr├Ąch"...mit Fei zuende. Vokarit sah sich also einer Art Einheit gegen├╝ber, die in Zeiten der Not zusammenkam um gegen Feinde von Au├čen zu k├Ąmpfen. Noch war sich der Frostalb nicht sicher, wie er seinen Gegen├╝ber einordnen sollte...doch das w├╝rde sich schon bald herausstellen.

Nachdem Vokarit sich bei Fei f├╝r die Unterhaltung bedankt und f├╝r sein grobes Verhalten entschuldigt hatte (wobei die Stimme in seinem Kopf jeden Satz ├╝beraus ├╝berspitzt nach├Ąffte) machte er sich auf den Weg zum Lazarett. Vielleicht war der Soldat ja schon wieder ansprechbar? Vokarit sollte Gl├╝ck haben. Als er den Raum mit dem ├ťberlebenden betrat, hatte diese sich gerade im Bett aufgerichtet und trank langsam und vorsichtig aus einer Schale, die ihm von einem Feldmedicus gereicht wurde. "Ich muss mit dem Mann sprechen.", sagte Vokarit knapp und der Medicus verschwand nach einer kurzen Verbeugung. Der Soldat versuchte zu salutieren, was ihm sichtlich Schmerzen zuf├╝gte. "Lasst gut sein.", meinte Vokarit und sch├╝ttelte den Kopf. "Werdet gesund, dann ist Zeit f├╝r salutieren und dergleichen. Sagt, wie f├╝hlt ihr euch, k├Ânnt ihr reden, mir erz├Ąhlen was vorgefallen ist?". Der Soldat nickte. "Ja, Herr, es war so.". Er versuchte sich im Bett hinzusetzen, zuckte allerdings vor Schmerzen zischend zusammen. "Ruhig, Mann!", mahnte Vokarit seinen Soldaten. "Ganz ruhig. Wir haben Zeit. ├ťberanstrengt Euch nicht. Erz├Ąhlt mir einfach nur, woran ihr euch erinnert. Wer waren die Gegner, wie viele waren sie?". Nach einer kurzen Pause begann der Soldat mit seinem Bericht. "Wir waren auf Patrouille. Dann pl├Âtzlich wurde Eskiroth von einem Pfeil getroffen. Er war direkt tot.". Kurz flackerte Trauer ├╝ber den Verlust des Offiziers in den Augen des Soldaten auf, doch fing er sich rasch wieder. "Wir bildeten einen Schildwall, verteidigten uns in alle Richtungen. Dann kamen sie. Sie kamen von ├╝berall. Aus den B├╝schen, aus den B├Ąumen, tauchten scheinbar aus der Erde auf wie Pilze oder wildes Gras. Ihre Zahl war schier endlos". Erneut hielt der Soldat inne, erlebte anscheinend den Moment der K├Ąmpfe vor dem inneren Auge ein weiteres Mal. "Zuerst fiel Hokorat, dann Koshirek.". Vokarit wartete, wollte den Mann nicht unterbrechen. Dieser schaute nun seinen Herren direkt in die Augen. "Sie durchbrachen unsere Verteidigung. Nach und nach wurden unsere Leute ├╝berw├Ąltigt, niedergemetzelt. Ich wollte Verst├Ąrkung holen, wenigstens versuchen Bericht zu erstatten. Doch sie fanden mich. Sie...", er schaute zu seinem mittlerweile verbundenen Bein. "Ich war der letzte. Einer wollte mich t├Âten, er trug einen riesigen Hammer.". Furcht griff mit kalten Fingern nach dem Soldaten. "Sie wollten durch mich eine Botschaft ├╝berbringen...vorher ├╝berlie├č mich der Anf├╝hrer seinen Leuten. Sie schlugen mich zusammen, ich f├╝rchtete nie wieder den St├╝tzpunkt zu erreichen, geschweige denn irgendwie zu ├╝berleben.". Vokarit griff nach einem Pergament, welches in der N├Ąhe des bandagierten Mannes lag. Der Medicus hatte dort die Verletzungen aufgelistet und was er als Behandlung angeordnet hatte. Der Frostalb verzog das Gesicht. Die Rebellen waren wahrlich nicht zimperlich gewesen um den ├ťberlebenden so zuzurichten. "Und...was dann?". Der Soldat schwieg erneut einen Moment, schaute zu Boden. "Herr. Diese Rebellen sind eine Art Freiheitsk├Ąmpfer. Sie sagten, dies sei erst der Anfang gewesen. Sie sagten sie werden jeden von uns t├Âten. Sie sagten, dass der Tod grausamer und langsamer kommen w├╝rde, je nachdem wie hoch der Rang von uns ist. Herr, ich....". Vokarit unterbrach den Soldaten. "Sagt, wenn ich Euch einen Haufen Gefangene vor die F├╝├če werfen w├╝rde, w├Ąret ihr in der Lage zumindest ein paar der Angreifer unter ihnen zu identifizieren?". Der soldat ├╝berlegte, nickte dann jedoch selbstsicher. "Ja, Herr! Den ein oder anderen von Ihnen werde ich nie vergessen.", seine Miene verfinsterte sich und er spuckte auf den Boden. "Gut. Es k├Ânnte sein, dass Ihr mir dann bald zur Hand gehen m├╝sst.". Vokarit erhob sich und schritt von dannen. "Herr, wie meint ihr das? Habt ihr etwa die Angreifer schon in Gewahrsam?". Vokarit antwortete nicht auf die Fragen, schnippte in Richtung Medicus, der sich nun wieder schnellen Schrittes um den Verwundeten k├╝mmerte. Was h├Ątte er auch sagen sollen?

"In Ordnung, was machen wir jetzt?", fragte die Stimme. Vokarit sa├č an seinem Schreibtisch, die Fingerspitzen aneinandergelegt, sich mit den Ellenbogen abst├╝tzend. Er starrte ins Leere. "Ich habe dich etwas gefragt!", sagte die Stimme, nun sogar etwas lauter. "Hallooooohoooooo?!". "Ruhe!", schrie Vokarit und fegte einen Kelch von der Tischplatte. Durch sein "Ruhe!" und das Klirren des Kelches wurden Fei und die beiden W├Ąchter an der T├╝r aufgeschreckt. Niemand hatte sich zuvor auch nur bewegt, geschweige denn etwas gesagt. Die W├Ąchter, die reflexartig den Schild nach vorn gerissen und den Speer aufgelegt hatten, nahmen nun wieder eine entspanntere Haltung an, Feis Zusammenzucken war von Vokarit unbemerkt geblieben. "Wir werden den Angreifern eine Nachricht zukommen lassen.", meinte Vokarit zu irgendwie niemandem. Die W├Ąchter starrten sturr geradeaus, Fei legte den Kopf schief. "Ich muss wissen, wer der Anf├╝hrer dieser Gruppe ist.". "Und wie willst du das anstellen?", fragte die Stimme. "Willst du den Kerl auf einen Tee einladen? Nett mit ihm plaudern?". Vokarit kratzte sich am Kinn. "Wir werden ein Treffen vorschlagen. Er, ich und jeweils zwei Begleiter.". "Und wer soll diese Nachricht ├╝berbringen? Du hast doch gesehen, was sie mit unseren Leuten anstellen wenn sie die in die Finger kriegen.". Vokarit nickte. Die Stimme hatte Recht. Er konnte keinen seiner Leute schicken, niemand w├╝rde lebend wieder aus diesem verdammten Waldst├╝ck hinauskommen, schon gar nicht alleine. "Fei, du musst etwas f├╝r mich tun.".

Antworten