Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

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Astroides Calycularis

Die Kalten Fluten
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Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#1

Beitrag von Astroides Calycularis » So 7. Feb 2016, 22:27

Darum bemüht, sich bedeckt zu halten, hatte Astroides ihre außergewöhnlich bläulichen Brustflossen fest an den Körper gepresst und bewegte sich hauptsächlich durch das kräftige Schlagen ihrer Schwanzflosse durch das warme Wasser.

Sie hatte es geschafft aus Coralys zu entwischen, einer der Korallenstätte, welche die Giftstachler mitten im Ozean bewohnten.
Es war überhaupt nicht einfach gewesen, sich an den vielen Wachen vorbei zu mogeln, welche die wichtigsten Passagen kontrollierten und auch über der Stadt ihre Runden drehten.
Sie hatte ihren Körper dafür sogar mit Algen eingerieben, um ihren auffällig rot-weissen Hautton dezent zu verstecken. Es würde jedoch nicht lange anhalten, denn das salzige Wasser würde sie bald wieder reingewaschen haben. So hatte sie sich nahe an die Felsen gedrückt und versucht, mit den Schatten eins zu werden.
Und warum der ganze Aufwand?
Weil einige Kilometer entfernt in der Nähe der Rabeninseln Sandjäger gesichtet worden waren.
Bei dem Gedanken verdrehte Astroides genervt die Augen.
Sie hatte bereits viele Geschichten über diese Shezem gehört. Vor allem in der Kinderstube hatten sie meistens von Giftstachler-fressenden-riesen-Ungeheuern mit Zähnen so gross wie Handflächen gehandelt.
Inzwischen hatte sie zwar noch immer keinen Sandjäger aus der Nähe zu sehen bekommen, doch sie wusste immerhin, dass es Haimenschen waren und nicht viel grösser als andere Shezem sein mochten. Ausserdem, dass sie weit entfernt im Eismeer lebten und deshalb wohl kaum eine Bedrohung darstellen konnten.
Natürlich erzählte man sich auch, dass sie einmal im Jahr in wärmere Gewässer zogen, um dort Hochzeit zu feiern.
Doch ein einzelner verirrter Sandjäger bedeutet doch nicht, dass ganz Coralys evakuiert und in einen tranceähnlichen Zustand versetzt werden muss!
Ausganssperre.., pah!

Und das ausgerechnet jetzt, wo doch die Zeit der Ildrius-Muscheln war, einer Muschelart, welche sich nur in äusserst warmen Vollmondnächten öffnete, um ihr wunderschönes Geheimnis in ihrem Innern preizugeben. Man erzählte sich, dass die Perlen so schön waren, wie sonst keine anderen. Dass sie einen bläulichen Schimmer hätten, und wie das Meer im Lichte des Vollmondes glitzerten.
Astroides seufzte bei dem Gedanken verträumt auf. Sie hatte noch nie eine solche Muschel gesehen, doch in jeder Geschichte steckte ihrer Meinung nach ein Kernchen Wahrheit. Und diese Nacht versprach das Meer seine Wärme wie eine Decke um seine Bewohner zu legen und der Vollmond würde so hell erstrahlen, wie schon lange nicht mehr.
Deshalb war es eine Frage des Prinzips, Coralys hinter sich zu lassen und draussen im Riff nach dieser Rarität zu forschen.

Noch durchzogen die letzten Sonnenstrahlen das Meer, und liessen das Wasser in ihrem Licht sanft schimmern. Nachdem die einzigartige Stadt sich langsam aus ihrem Sichtfeld entfernte, entspannte sich Astroides sichtlich. Diese Gegend war ihr vertraut, denn oft durchstöberte sie umliegende Teile des Korallenriffs nach möglichen Fundstücken. Manchmal hatte sie Erfolg dabei, doch immer häufiger wurde sie auch enttäuscht, denn andere Shezem suchten ebenfalls nach Wertstücken, um sie dann an die Landgänger zu verhökern.
Sie verzog bei dem Gedanken das Gesicht.
Gerne würde sie selbst einmal mit den Menschen Handel treiben, doch bis jetzt hatte sie sich nicht getraut ihrer Neugier nachzugeben und den Ozean zu verlassen. Er bot ihr eine gewohnte Sicherheit.
Auch die Metamorphose schreckte sie ab, denn sie hatte diese Art von Magie nie angewandt. Astroides war noch jung, und das Meer bot so viele Wunder, die es ferner zu entdecken gab, dass die Oberfläche vorerst keinen allzu grossen Reiz darstellte.
Vorerst… doch bis dahin genügte es ihr, versunkene Schiffsrümpfe zu durchforsten, um sich ein Bild von den interessanten Landgängern zu machen.

Immer wieder hielt die junge Shezem inne, um einmal einen Doktorfisch zu bewundern, einen kleinen Tintenfisch auf der Lauer zu beobachten oder einen besonders schön geformten roten Schwamm zu umrunden. Diese Welt faszinierte sie immer aufs Neue, obwohl sie bereits 22 Jahre darin lebte. Ihre Fingerspitzen glitten liebevoll am Bauch einer Wasserschildkröte entlang, als diese nur wenig über ihr völlig entspannt ihrer Wege schwamm.
Auf ihrer Suche nach der Ildrius-Muschel entfernte sich Astroides immer weiter von Coralys auf die Rabeninseln zu. Sie folgte keinem besonderen Plan, sondern schwamm dorthin, wo ihre Entdeckungen sie gerade führten.
Das Wasser war herrlich warm und die junge Shezem liess sich von einer sanften Strömung treiben. Ihr Körper leuchtete inzwischen wieder in seinen Farben wie vor ihrem Algenbad und das Wasser streichelte sie bei jeder Bewegung.
Die Sonne war hinter dem Horizont versunken. Da es über dem Meer jedoch keine anderen störenden Lichtquellen gab, wurde der Ozean nun von Mond und Sternen in silbriges Licht getaucht.

Da sie nicht genau wusste, nach welcher Muschel sie Ausschau halten musste, untersuchte sie jede Ecke und Ritze sorgfältig, so dass ihr Nichts verborgen bleiben konnte. Dabei schreckte sie oft kleinere Fische auf, welche dort ihre Wohnstätten bezogen hatten.
Als ihr jedoch eine Muräne mit weit geöffnetem Maul genauso überrascht wie sie selbst entgegenschoss, zuckte sie unwillkürlich zurück. Dabei scheuerte sie mit ihrem linken Arm über die raue Felsformation und erhielt als Belohnung einige blutige Schrammen. Die Muräne funkelte sie herausfordernd an, offensichtlich hatte sie nicht vor, ihr Heim der angeblichen Nesträuberin zu überlassen.
Astroides hatte keine Lust das Risiko einzugehen, sich beissen zu lassen, obwohl Muränen meist eher scheue Tiere waren. Doch Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel…
So schwamm sie immer weiter. Langsam war die Gegend ihr nicht mehr ganz so vertraut. Doch sie wollte nicht zurückkehren, zumindest so lange nicht, wie die Bedingungen perfekt waren.

Der Höhleneingang tauchte urplötzlich als ein schwarzes Loch vor ihr auf. Er war etwas verborgen zwischen den Felsformationen und Korallen, doch gut zugänglich. Langsam wurde sie müde, doch ihr Wille war ungezähmt.
Niemand hatte ihr genau erzählt, wo die Muscheln zu finden waren. Womöglich bevorzugten sie ja Höhlen. Man konnte nie wissen. Schlussendlich war es aber eher ihre Abenteuerlust, welche sie dazu bewog, zum Eingang hinunter zu schwimmen.

Vorsichtig blickte sie hinein, denn sie hatte durch die Begegnung mit der Muräne gelernt. Eine Biegung verhinderte einen weitreichenden Ausblick. Sie musste ihre Brustflossen eng an den Körper pressen, um in den Durchgang hineinzupassen. Sie meinte eine Bewegung des Wasser wahrzunehmen, ein leises Geräusch, doch als sich pfeilschnell ein kleiner Fisch aus der Höhle rettete, glaubte sie, darin den Ursacher erkannt zu haben. Astroides war es gewohnt, sich in Sicherheit aufzuhalten. In Coralys und der nahen Umgebung gab es beinahe nichts, was ihr wirklich gefährlich werden konnte. So achtete sie nicht auf ihre natürlichen Instinkte und Sinne, welche ihr einen Schauer über den Rücken jagten, sondern schwamm zaghaft weiter, bis der Raum sich vor ihr ausdehnte. Alle Warnungen waren vergessen, allein der Augenblick zählte und die Freude über eine neue wundervolle Entdeckung.
Zuletzt geändert von Astroides Calycularis am Mo 8. Feb 2016, 08:30, insgesamt 1-mal geändert.

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#2

Beitrag von Shocai » Mo 8. Feb 2016, 07:53

Wenn ein Gott zornig war, gab es nur einen Sieger. Und die zahllosen Verlierer mussten sehen, wie sie mit ihrer Niederlage umgehen mussten. In diesem Falle war das ein Krater im Park, im Zentrum de Springbrunnens, der den Durchmesser mehrerer Meter hatte und nun scheinbar endlos tief als schlauchförmige, wassergefüllte Höhle ins Erdinnere reichte.

Inzwischen war es Nacht und die Mitarbeiter von Noldils Sündentempel waren noch immer mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Die Wärme des Hochsommers lag in der Luft, es war schwül und drückend, als wenn ein Gewitter nahte und den Menschen, Alben und sonstigen Daseinsformen lief der Schweiß von den leicht bekleideten Körpern. In den Wiesen der gepflegten Gartenanlage zirpten die Zikaden. Die Gespräche unter den Mitarbeitern waren weitestgehend verstummt. Nach so vielen Stunden des Schaufelns, Auflesens von Kacheln, Sortierens und Kehrens hatte man sich nicht mehr viel zu sagen und wünschte sich nur noch ins Bett, oder, in Shocais Falle, in das Meer, das unter dem Licht des Vollmondes schwarz glänzte wie Tinte. Sein salziger Duft war selbst hier, einige Kilometer im Landesinneren, noch gut zu riechen.

Missgestimmt klopfte der junge Shezem mit der scharfkantigen Rückseite eines Hammers den Mörtel von den Fliesen, die noch intakt waren und stapelte sie auf einen Haufen. Ein paar schaulustige Gäste waren des Gaffens auf den Krater noch immer nicht müde. Mit ihren Getränken in der Hand standen sie da, mehr nackt als bekleidet, unterhielten sich und lachten. Wenigstens die Kundschaft war guter Laune. Der Mumienmann Zott in seiner edlen roten Weste mühte sich vergebens, die Gäste wieder in die obere Etage des Tempels zu locken, wo sie kostenintensiveren Tätigkeiten nachgehen sollten. Die Freudenmädchen und und Freudenjungs (oder wie auch immer man das männliche Äquivalent nennen mochte, Shocai hatte sich nie ausreichend genug dafür interessiert, um nachzufragen) hatten in dieser Nacht wenig zu tun. Anstatt dem Hilfspersonal unter die Arme zu greifen, standen auch sie herum und unterhielten sich oder lümmelten mit ihren Getränken in der Hand überall auf den Wiesen und den geschwungenen Parkbänken.

„Willst du nicht langsam Pause machen?“, fragte eine wohlbekannte Stimme von hinten. Shocai musste nicht von seiner Fliese aufsehen, an der er gerade herumklopfte, um zu wissen, dass sie zu Lahiko dem Giftstachler gehörte, einem der Freudenjungs.

„Und dann?“, fragte Shocai, ohne den Blick von der rauen Rückseite der blau bemalten Keramikkachel zu wenden.

„Wir könnten eine Runde tauchen gehen. Das Meer ist so warm wie eine Badewanne.“

„Mir ist warm genug!“ entgegnete Shocai schroff. Genau genommen war ihm wärmer, als ihm angenehm war. Es war Warmwasserzeit und auch, wenn er sich an Land befand konnte er dem verlockenden Ruf des Duhnischen Ozeans nur mit Mühe widerstehen.

Lahiko trat an ihm vorbei und stellte sich mit dem Rücken vor ihn, um den Krater zu betrachten. Sein rot-weißes-Streifenmuster leuchtete intensiv, fast schon neonfarben. Vermutlich hatte er selbst an einem Tage wie diesem noch ein heißes Bad genommen, um seine Stimmung noch mehr aufzuheizen und den Kunden einen prachtvollen Anblick zu bieten. Die großen Flossen unter seinen Schulterblättern, die aussahen wie gestreifte Hände mit langen, spitzen Fingern, spreizte er, streckte sie aus und ließ sie zittern, so dass sie leise raschelten. Fast jeder der Anwesenden musste unweigerlich in seine Richtung schauen, denn einen solchen Anblick bekam man nicht alle Tage zu Gesicht und Lahiko verteilte vermutlich wieder großzügig sein Lächeln. Doch trotz der offenkundigen Neugier lockte es heute keinen der Gäste in seine Nähe.

Shocai verspürte eine gewisse Schadenfreude darüber, dass ein blödes, mit schmutzigem Wasser gefülltes Erdloch interessanter war als Lahikos Balzversuche. Der faltete die Flossen wieder auf dem Rücken zusammen wie zwei Flügel und schnaufte enttäuscht. Nach einem heißen Bad war er stets sehr nähebedürftig und wenn sich niemand seiner erbarmte, auch zudringlich. Das Klopfen von Shocais Hammer hallte durch die Nacht und vermischte sich mit dem Kratzen von über die Fliesen fegenden Besen und in feuchtes Erdreich stechenden Schaufeln. Im Hintergrund zirpte es kaum hörbar. Der Garten der Sinnesfreuden war zum Garten des großen Reinemachens mutiert.

Lahiko setzte sich neben Shocai, so dicht, dass sein Knie ihn berührte. Shocai ärgerte sich darüber, aber sah gar nicht ein, warum er ausweichen sollte.

„Kann ich dich wirklich nicht zu einem kleinen Ausflug ans Riff überreden?“, fragte Lahiko. „Ich meine, es ist Warmwasserzeit! Das kann dich als Sandjäger doch nicht kalt lassen. Wenn ich nur ein einziges Mal im Jahr die Gelegenheit zur Balz hätte, würde ich sie mir nicht entgehen lassen. Wir könnten zusammen im Licht des Vollmondes tanzen, wie es bei den Giftstachlern üblich ist. Das würde sogar dir gefallen, glaub mir. Ich bin ein guter Tanzpartner.“ Ein Finger seiner Rückenflosse strich über Shocais Rücken, vom Hals hinab bis zum Steiß und kitzelte ihn dort.

Jetzt reichte es. Shocai legte die Kachel auf den Stapel und den Hammer daneben, stand auf und ließ Lahiko sitzen. Sollte er doch jemand anderen belästigen! Oder sich ein Bad mit eisigem Brunnenwasser einlassen, um sein Gemüt abzukühlen! Schlecht gelaunt ging Shocai davon. Natürlich ließ ihn die Warmwasserzeit nicht kalt, was dachte der sich? Dass er aus leblosen Treibholz gebaut war? Zügigen Schrittes ging er davon. Er brauchte dringend Abstand von dieser Person. Nach einem heißen Bad war Lahiko nicht zu ertragen, auch wenn er sonst ganz nett war.

Shocai folgte dem sauber verlegten Weg aus rosa Marmorplatten. Seine Füße klatschten leise bei jedem Schritt. Er brauchte nicht lange zu gehen, um das sanfte Rauschen zu hören und nach kurzer Zeit hatte er den nächtlichen Strand erreicht. Das Meer leckte am hellen Sand und brach sich an den Pfosten eines Steges, an dem kleine Fischerboote vertäut lagen, die sanft auf und ab schaukelten. Shocai atmete durch, um sich zu beruhigen und stellte sich ins Wasser. Die Wellen liebkosten seine Knöchel, ehe sie sich wieder zurückzogen und nassen Sand zurückließen, ehe sie erneut nach vorn rollten und seine Füße umspülten. Es duftete nach Salz und nach Tang. Ein gefährlicher Lockruf um diese Jahreszeit, Shocai wusste, dass er besser an Land bleiben sollte, doch wie sollte er dem Kuss des Elementes widerstehen, in das er hineingeboren war? Und das nun, wo was Wasser am wärmsten war? Er streifte den grauen Männerrock ab, den er trug, faltete ihn zusammen und vergrub ihn zwischen dem harten Gras einer Düne, wo er die Stelle mit einem Stein markierte. Dann Schritt er langsam ins Meer hinein. Warm umspielte es seine Knöchel, dann seine Waden, seine Schenkel und als er bis zum Bauch darin stand, ließ er sich hineingleiten und gab sich der Verwandlung hin. Seine Beine verschmolzen und streckten sich zu einer großen Haiflosse, eine Finne schob sich aus seinem Steiß und zwei Bauchflossen seitlich aus den Leisten. Die Kiemen zwischen seinen Rippen öffneten sich und er ließ das salzige Wasser in seine Nase und seinen Mund strömen. In tausend Blasen perlte die Luft aus seinen Lungen durch die Kiemen nach draußen. Er roch das Meer, seine reichen Fischgründe, die entfernten Korallenwälder und die verlockende Süße der Weiblichkeit. Er roch alles im Umkreis von etlichen Kilometern, was die Strömung in seine empfindliche Nase trug. Er verließ die Oberfläche und tauchte einige Körperlängen unter, um in größerer Tiefe seinen Weg fortzusetzen. Das Wasser wurde etwas kühler. Das Mondlicht warf einen zarten Schleier, die Lichtstrahlen tanzten über den sandigen Grund, der in nicht allzu großer Tiefe lag.

Shocai folgte dem Duft. Ein paar Rochen glitten unter ihm über den Sand, doch er hatte keinen Hunger. Nein, er wollte nichts essen. Das Schlagen seiner Schwanzflosse beschleunigte sich wie von selbst und erspürte, dass er dabei war, den Kampf gegen die Natur zu verlieren. Er wusste, dass er zu jung war und doch musste er weiter, er musste einfach! Musste die Sandjägerinnen wenigstens noch einmal sehen!

Es dauerte einige Tage, in denen er nichts weiter tat, als zu schwimmen und zu schlafen. Er dachte nicht mehr an seine Arbeit im Sündentempel, dachte nicht mehr an Lahiko und auch an sonst nichts. Nur an den Duft der großen Hochzeit. Die Wärme des Meeres kroch ihm ins Gebein, seine Flossenspitzen kribbelten und seine ganze Haut schien hochempfindlich zu sein. Bald sah er die ersten korallenbewachsenen Steine. Und als sie dichter wurden und zu ganzen Bänken verschmolzen, sah er die Sandjäger.

Sie schwammen umeinander, umkreisten sich, tausende, vielleicht zehntausende! Eine Wolke aus schlängelnden Körpern, die weit enfernten nur wie in blauem Nebel zu sehen. Shocai hatte sich zurückhalten wollen, doch nun musste er sich ihrem Kreisen anschließen. Die breiten, getigerten Rücken der Männer glitten unter ihm vorbei. Wenn er nach oben sah, erblickte er ihre hellen Bäuche. Und dazwischen, wunderschön, die kleineren, hellsilbernen Frauen! Was für ein Anblick! Shocai versuchte, den Schönheiten durch langsames Kreisen näherzukommen. Er betrachtete voller Sehnsucht die Muskeln unter der silbern glänzenden Haut, ihre hübschen Gesichter mit den hakenförmigen Zähnen zwischen den vollen Lippen. Er wollte sie umarmen, sich an sie pressen! Doch sie wichen ihm aus, sobald er ihnen zu nahe kam. Wenn er versuchte, sie mit der ausgestreckten Hand zu berühren, beförderten sie sich mit einem kräftigen Schlag ihrer Schwanzflosse außerhalb seiner Reichweite. Ja, sie hatten noch nicht einmal ein Lächeln für ihn übrig, wenn sie ihn musterten. Bald fühlte er sich völlig überflüssig.

Die älteren Männer mit einem dunkleren Tigermuster als seines hatten mehr Erfolg. Shocai sah die frischen Narben an ihren bulligen Körpern, die sie von den Kämpfen davongetragen hatten, ehe sie sich auf die lange Reise hierher in den Süden begeben hatten. Nun waren die Kämpfe längst vorbei. Die Schwachen waren verletzt im Norden zurückgeblieben, um zu genesen und es im nächsten Jahr noch einmal zu versuchen, die Starken hatten die Reise angetreten und die Stärksten waren nun hier.

Bei den Frauen sah es nicht anders aus, nur dass sie aus einer anderen Richtung gekommen waren. Shocai liebte ihre starken und eleganten, von Kampf und der Jagd gezeichneten Körper, ihre muskulösen Haischwänze und die schmale Taille, die ihn eine ausladende Hüfte mündete. Doch keine Frau ließ ihn näher als eine Armlänge an sich heran.

Nach etlichen Stunden des Kreisens und Hoffens brauchte Shocai eine Pause. Die Männer waren nicht aggressiv gewesen, allen Kampfgeist hatten sie abgelegt, sobald sie die Laichgründe erreicht hatten. Doch einige Frauen hatten sich von Shocais mit wachsender Frustration zunehmenden Aufdringlichkeit belästigt gefühlt. Ein paar kleinere Bisswunden prangten nun in seinen Flossen und an seiner Brust, halbmondförmige Einstiche, aus denen sich dünne Blutfäden kringelten.

Erschöpft und wenig gut gelaunt zog Shocai sich in eine Höhle im Riff zurück. Er legte sich auf den Bauch, bettete den Kopf auf die Unterarme und betrachtete voller Sehnsucht die kreisenden Frauen und die Hochzeiten, beobachtete die Paare, die sich umeinander schlangen und gemeinsam in den Anemonen versanken, wo er bald nur noch ihre zuckenden Rücken sah. Er hasste seine Jugend, hasste das lächerlich blasse Tigermuster, dass er trug und hasste seinen schmächtigen Körper! Wie lange noch sollte er warten, ehe er endlich dunkel getigert und kräftig genug war, als dass eine Frau ihn auch nur ansehen würde? Reichten 25 Warmwasserzeiten denn nicht? Er überlegte, ob er sich vielleicht großflächig tätowieren lassen sollte, wie es die Mode einiger Landwandler war, um der Zeit ein wenig nachzuhelfen.

Und während er nachdachte, geschah etwas, womit er nicht gerechnet hatte. Eine zierliche Person schlängelte sich durch eine zweite Öffnung in seine Höhle. An der Art, wie sie sich bewegte und wie sie roch erkannte er sofort, dass es sich um eine Frau handelte. Seine anfängliche Euphorie schlug jedoch rasch in Enttäuschung um, als er bemerkte, dass es nur eine Giftstachlerin war. Augenscheinlich war sie noch recht jung und in ihren Augen blitzte die Neugier.

Seine Nüstern weiteten sich. Sie war verletzt. Doch ihm war nicht nach Essen zumute. Der Duft des Blutes hatte heute keinerlei Wirkung auf ihn. Zudem hätte er Lahiko nicht mehr unter die Augen treten können, wenn er einen seiner Artgenossen verspeiste.

„Hau ab“, sagte Shocai darum nur schroff. Er fühlte sich in Anbetracht ihres jungen Alters und ihres zierlichen Körperbaues absolut überlegen. „Du störst. Es ist Warmwasserzeit, da haben Giftstachler nichts hier im Riff verloren.“


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Re: Die Perle und das Biest [Unterwasser-RPG]

#3

Beitrag von Astroides Calycularis » Mo 8. Feb 2016, 22:28

Wie gebannt starrte Astroides auf die Öffnung, durch welche sie einen Blick ins Meer und das darunterliegende Riff erhaschte. Das Schauspiel zog sie wie magisch an und so beobachtete sie die im Mondlicht schimmernden hellen Körper, welche sich, wie in einem Wasserwirbel gefangen, umkreisten. Es erinnerte sie an die Tänze der Giftstachler, bloss in ihren Augen weit weniger anmutig.
Sie erkannte bald, dass die zierlicheren Shezem die Frauen waren, welche von den grösser und kräftiger gebauten Männern umworben wurden.
Astroides fand jedoch nicht heraus, an welchen Merkmalen die Sandjägerinnen sich für einen Partner entschieden.
Die Tanzfertigkeiten der Sandjäger wirkten eingeschränkt und nicht sehr kreativ. Auch trugen sie keine leuchtenden Farben zur Schau, mit welchen sie die Damen hätten beeindrucken können.
Trotzdem faszinierte sie diese offensichtlich primitive Art der Hochzeit und sie liess sich in die Höhle hineingleiten, um sich dem zweiten Eingang zu nähern. Schliesslich wollte sie Nichts verpassen. So aufregend!

Sie bemerkte nicht den am Boden verweilenden Sandjäger dem sie längst aufgefallen war.
Die männliche Stimme riss sie aus ihren Gedanken und Astroides zuckte erschrocken zurück. Ihre Augen suchten die Höhle ab und blieben an dem im Schatten verborgenen Körper hängen. Eine hakenförmige Schwanzflosse, ein langer, schlanker Körper, kräftige Brustflossen und eine gezackte Rückenflosse gingen fliessend in einen muskulösen menschlichen, ebenfalls silbrigen Körper über. Ein Sandjäger.

„Hau ab“, sagte er schroff und Astroides konnte nicht anders, als auf seine gefährlichen Zähne zu starren, welche ihre eigenen an Länge übertrumpften und keinen Zweifel daran liessen, wozu er sie üblicherweise nutzte. Im selben Moment überfielen sie Geschichten von Angriffen auf andere Shezem durch Sandjäger wie ein lästiger Mückenschwarm und sie schalt sich für ihre Unvorsichtigkeit. Sein Gesichtsausdruck war Nichtssagend, doch die Stimme strahlte eine unangenehme Überheblichkeit aus. „Du störst. Es ist Warmwasserzeit, da haben Giftstachler nichts hier im Riff verloren.
Diese Worte dämmten ihre Angst ein und machten vorsichtigem Trotz Platz. Wie er so am Boden lag, fühlte sich die junge Frau nicht bedroht. Aus ihrer Position konnte sie seine Grösse schlecht abschätzen, doch im Ganzen wirkte er auf sie eher harmlos. Die Geschichten waren haltlose Übertreibungen gewesen!
Trotzdem hatte ihr Körper sich instinktiv auf Abwehr vorbereitet und sich aufgeplustert, so dass ihre Stacheln beinahe an der nicht sehr hohen Decke anstanden.

Dann fand sie aber ihre Sprache wieder und funkelte ihn abschätzend an. „Wir gehören in dieses Riff wie das Salz in den Ozean, die Perle in die Muschel und die Zähne ins Haimaul!“
Ein schelmisches Funkeln blitzte in ihren Augen auf, als sie ihn schliesslich von Kopf bis Schwanzflosse musterte. Der Nervenkitzel kribbelte in ihrem ganzen Körper, doch solch ein Abenteuer wollte sie sich nicht entgehen lassen. Welcher Giftstachler konnte schon behaupten, eine Sandjäger Hochzeit aus nächster Nähe beobachten zu können?
Da wollte sie doch verflixt sein, wenn dieser ungehobelte Kerl sie von hier vertreiben würde.

„Ich frage mich ja…“, mit scheinbar nachdenklichem Ausdruck wanderte ihr Blick zu den werbenden Shezem, bevor sie widerrum auf ihrem Gegenüber verweilten, wobei ihr auch die Bisswunden an seinem Körper nicht entgingen, „…warum Du Dich in dieser Höhle versteckst, anstatt im Riff draussen zu sein… wo Dir das doch scheinbar so wichtig ist.“

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Re: Die Perle und das Biest [Unterwasser-RPG]

#4

Beitrag von Shocai » Di 9. Feb 2016, 08:16

„Wir gehören in dieses Riff wie das Salz in den Ozean, die Perle in die Muschel und die Zähne ins Haimaul!“

Die Giftstachlerin diskutierte mit ihm. Er hatte gedacht, dies wäre eine lästige Eigenheit Lahikos, aber offenbar war sie allen Giftstachlern zu eigen. Shocai drehte sich auf die Seite und stützte sich auf den Ellebogen, als die Giftstachlerin nicht gleich verschwand. Er schob anhand seiner Erkenntnis über diese beiden Exemplare das gesamte Volk in eine gedankliche Schublade mit der Aufschrift 'Nervensägen'. Natürlich, wer zu schwach war, seine Interessen in einer Beißerei durchzusetzen, ließ sich andere Strategien einfallen - im Falle der Giftstachler eben, den Gegner zu Tode zu nerven mit sogenannten Argumenten.

Shocai merkte nicht, dass er an seinen frischen Bisswunden herumpulte, während er auf der Seite lag und gedankenverloren das Kreisen beobachtete. Die Giftstachlerin vermochte es nicht, seine volle Aufmerksamkeit zu erlangen. Wenigstens wurden auch andere Männer hin und wieder gebissen. Es war schon lustig, obwohl sie so viel größer und stärker waren, erfüllte das warme Wasser sie mit einer hoffnungslosen Verliebtheit, die verhinderte, dass sie sich gegen die Frauen zur Wehr setzten oder sich gewaltsam nahmen, weshalb sie hergekommen waren. Richtig dumm sahen die Männer aus, hoffentlich blickte er nicht genauso dämlich drein, während er hier lag und schmachtete.

„Ich frage mich ja … warum Du Dich in dieser Höhle versteckst, anstatt im Riff draussen zu sein … wo Dir das doch scheinbar so wichtig ist.“

Jetzt drehte er den Kopf doch in ihre Richtung.

Shocai hörte auf, mit den Fingern in den Löchern seiner Wunden herumzubohren und ließ die Hand sinken. Ein paar frische Blutfäden stiegen daraus hervor. "Ganz einfach: Weil es mein Recht ist. Es ist Warmwasserzeit! Für die jetzigen Wochen gehört das Riff uns und zwar uns allein. Ihr habt es das ganze Jahr und könnt bald wieder eure geliebten Schnecken und Borstenwürmer fressen." Seine Mundwinkel hatten sich zur Andeutung eines spöttischen Lächelns ein wenig auseinandergezogen.

Die Giftstachlerin hatte während des Wortwechsels ihre bunten Flossen ausgebreitet, wie ein gigantischer Schmetterling seine Flügel. Was mochte das nun wieder bedeuten? Lahiko breitete seine Flossen aus und ließ sie zittern, wenn er balzte. War es etwa ihr Ziel, ihm ihre Reize zur Schau zu stellen? Fand sie ihn anziehend? Dann zeigten die Unmengen von fettem Seeaalfleisch, die er in den letzten Wochen verdrückt hatte, bevor ihm der Appetit vergangen war, möglicher Weise endlich ihre Wirkung. Unauffällig betrachtete er seinen Haischwanz. Ja, er war schon ein wenig kräftiger geworden, wenn er sich nicht täuschte.

Vielleicht wollte die Giftstachlerin aber auch streiten. Wenn sein sogenannter Freund (zumindest bezeichnete Lahiko sich selbst als ein solcher) sich im Streite aufregte, stellte er ebenfalls seine Giftstacheln zur Schau, was Shocai irgendwie amüsant fand. Jemanden, der im Zorn aussah wie ein Schmetterling, den konnte man nicht Ernst nehmen. Lahiko breitete sie allerdings auch dann aus, wenn er kleine Fische jagte und sie damit in Ecken drängte, wo er sie bequem fangen konnte. Das fiel wohl in ihrem Falle auch weg, zumindest wäre es ihm neu, das Giftstachler Sandjäger fraßen.

Drei Bedeutungen für eine einzige Geste! Typisch Giftstachler!

Er betrachtete eindringlich ihre aufgestellten Flossen.
"Was willst du mir damit sagen? Suchst du Balz, Streit oder Jagd?"

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#5

Beitrag von Astroides Calycularis » Do 11. Feb 2016, 13:32

Was für ein arroganter Dummkopf!
Behauptete tatsächlich, dass das Riff ihnen gehörte. Wenn es überhaupt einem Bewohner Asamuras gehören würde, und das war zu bezweifeln, denn bloss Nyel war der Beherrscher des Ozeans, dann waren es doch eindeutig die Giftstachler, welchen es zustand sich Besitzer zu nennen. Seit Jahrtausenden lebten sie mitten in den Korallenriffen, welche sie ernährten und welche sie im Gegenzug pflegten und vor zerstörerischen Eindringlingen hüteten.
Wer achtete sorgsam darauf, jährlich Zählungen der Riffbewohner vorzunehmen, Wasserschneckenplagen im Zaum zu halten, Landgängern bei der Umschiffung zu helfen und verwaiste Delfine aufzuziehen, bis sie ihr eigenes Leben führen konnten? Die Giftstachler!

Und jetzt sprach dieses Haimaul davon, dass es sein Recht sei, in der Warmwasserzeit das ganze Riff für sich einzunehmen. Astroides begann sich über ihr eigenes Volk zu ärgern, welches sich in Coralys verbarrikadiert hatte. Da war es ja klar, dass sich die Sandjäger wie Schädlinge hier ausbreiteten.
Denn kaum besser waren sie in ihren Augen; zerstörten sie bei ihrem primitiven Paarungsritual die sorgsam gepflegten Anemonen, zerbrachen bei ihren unkoordinierten Tänzen feingliedrige Korallenformationen und vertrieben wegen ihres schlechten Rufes jedes Lebewesen im Umkreis von mehreren Kilometern.

Den Satz mit den Borstenwürmern und den Schnecken überhörte sie gefliessentlich, sie brauchte keine weitere Bestätigung, um sich ein Bild über den Kerl zu machen, der sich jetzt wie ein Macho am Boden fläzte. Sie musste zugeben, dass sie tatsächlich auch schon Schnecken gegessen hatte, jedoch die wunderschönen Tierchen meist lieber bestaunte als zu verspeisen. Ihre Vorliebe galt mehr knackigen Krebsen oder fischigen Leckerbissen.
Doch das würde sie ihm nicht auf die Nase binden.

Stattdessen machte sie sich zum Gegenangriff bereit. „Du hast meine Frage nicht beantwortet. Warum bist du nicht Teil dieses Zirkus da draussen?
Sie beobachtete, wie er an seinen noch frischen Bisswunden herumgrübelte und verträumt aus der Öffnung geblickt hatte, bevor er sich ihr zuwandte.
Sie bemühte sich ihn nicht allzu offensichtlich anzustarren, obwohl sie ihn liebend gerne wie eines ihrer anderen tausend exotischen Fundstücke rundum untersucht hätte. Gerne hätte sie ihn abgetastet. Wie sich seine Haut wohl anfühlte? Wie viele Zähne er wohl besass? Wie schnell konnte er sich mit seiner kräftigen Schwanzflosse durchs Wasser bewegen? Besass er auch versteckte Giftstacheln oder waren vielleicht seine Zähne giftig? Ob das beinahe unsichtbare Muster auf seinem Rücken bei der Balz auch so leuchten konnte, wie es bei den ansehnlichen Männern der Giftstachler der Fall war? Sie wollte gerade damit anfangen, sich analytisch all seine Merkmale einzuprägen, um sie später festhalten zu können oder womöglich gar aufzuzeichnen...

„Was willst du mir damit sagen? Suchst du Balz, Streit oder Jagd?“, unterbrach er ihren Gedankenfluss.
Im ersten Moment realisierte Astroides nicht, was mit seinen Worten gemeint war. Als sie jedoch seinen Blick auffing, der an ihren Flossen haftete, funkelte sie ihn wütend an. Tatsächlich hatte ihr Instinkt sie übertölpelt ohne sie vorher um Erlaubnis zu bitte. Möglichst elegant und als wäre dies nicht von Belang, legte sie ihre Flossen wieder näher an den Körper an.
Tatsächlich überlegte sie kurz, was sie so aufgewühlt hatte.
Eindeutig die Gefahr, welcher sie sich aussetze. Zudem die Aufregung über das Ereignis draussen, vielleicht eine geringe Erregung bei dem Gedanken an ihre eigene baldige erste Hochzeit. Und dieser aufgeblasene Kerl vor ihrer Nase, welcher sich anmasste zu denken, sie könnte womöglich mit ihm balzen!

Vielleicht würde er ja gehen, wenn sie ihn dazu aufforderte. Ein Versuch war es zumindest wert. Sein sehnsüchtiger Blick liess darauf schliessen, dass er am liebsten ebenfalls eine der Sandjägerinnen in den Anemonen vernascht hätte.
„Du kannst ruhig gehen, lass dich von mir nicht aufhalten. Ich werde mir derweilen einen Snack besorgen und beobachten, wie du dich so schlägst“, sie grinste nun, „vielleicht kann ich dir ja auch was mitbringen zur Stärkung. Hmmm…, eine Meeresnacktschnecke? Die sind unglaublich geschmackvoll und man kann sie hinunterschlürfen ohne einen Biss zu tun.“
Unschuldig lächelte sie ihn mit grossen dunkelblauen Mädchenaugen an und zeigte ihm dabei ihre kleinen, aber dennoch scharfen Zähne.

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Shocai

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#6

Beitrag von Shocai » So 14. Feb 2016, 11:13

Als sie ihn aufforderte, sich dem Kreisen der Sandjäger anzuschließen, sanken seine Schultern ein Stück hinab und sein selbstgefälliges Grinsen verschwand. Er würde ihr nicht auf die Nase binden, dass die Frauen ihn fortgebissen hatten, oh nein, mit Sicherheit nicht!

"Ich habe meine Gründe", erwiderte er und zupfte beiläufig ein paar Fransen loser Haut von den Wundrändern. Immerhin faltete die Giftstachlerin ihre bunten Flossen wieder zusammen. Anschließend bot sie ihm ein Stück ihrer zweifelhaften Nahrung an. Meeresnacktschnecken .... nur schlechte Jäger wie Giftstachler waren auf solch minderwertige Nahrung angewiesen, die sich weder wehren noch davonschwimmen konnte. Er selbst ernährte sich vorwiegend von hochgiftigen Stachelrochen. Die er selbst erjagt hatte. Nie käme ihm der Gedanke, seine Nahrung freiwillig mit anderen zu teilen! Wer seine Beute haben wollte, sollte dafür kämpfen und sie sich verdienen.

Diese Giftstachler und ihre seltsamen Sitten ... jetzt musste er doch wieder ein wenig grinsen. Von Lahiko wusste er, dass das Teilen von Nahrung bedeutete, dass man jemandem einen Gefallen tun wollte. Sie fand ihn anziehend! Wahrscheinlich war das Spreizen der Flossen eine Regung ihres Unterbewusstseins gewesen, weil sie den Wunsch einer innigen Balz mit ihm verspürte. Diese Annahme ließ sich ganz einfach überprüfen.

"Weichtiere sind nicht so mein Fall", sprach er und grinste so breit, dass sie jeden einzelnen seiner hakenförmigen Zähne sehen musste, die in drei Reihen hintereinander standen. "Aber ich hätte Appetit auf einen größeren Happen." Er stieß sich sacht vom Grund ab und schlängelte sich empor, bis er gänzlich in der Höhle schwebte. "Hast du Lust auf einen Tanz mit dem Tod?" Er legte einen Arm hinter seinen Rücken und verneigte sich, während er sie mit silbernen Raubtieraugen ansah und ihr die andere Hand reichte.

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#7

Beitrag von Astroides Calycularis » Mo 15. Feb 2016, 13:59

Offensichtlich hatten ihre Worte einen wunden Punkt getroffen, denn seine Miene veränderte sich und wurde wieder zu der ausdruckslosen Maske, die wenig von seinen Gedanken preisgab. Was auch immer der Grund war, wieso er sich nicht nach Draussen traute, es musste für ihn schwerlich zu verdauen sein. Womöglich hatte es etwas mit den Bisswunden zu tun, an welchen er abwesend herumzupfte. Hatten ihn die anderen Männer attackiert, um ihr Territorium zu verteidigen?
Auf jeden Fall wollte Astroides sich diese Reaktion im Kopf behalten, vielleicht würde es ihr später etwas einbringen.
Auch ihren Snack lehnte er dankend ab, was die Giftstachlerin ihm jedoch nicht verübeln konnte und nicht anders erwartet hatte. Sie hätte sich sehr gewundert, wenn er eifrig zugestimmt hätte, um mit ihr Meeresnacktschnecken zu schlürfen.

Doch sein weiteres Verhalten überraschte sie, und warf die junge Frau völlig aus der Bahn.
Ein Grinsen glitt über sein Gesicht, wobei die junge Frau sich gerade noch zurückhalten konnte, nicht erschrocken zurückzuweichen. Diese Zähne!
Obwohl sie bereits Haifische auf der Jagd im Riff beobachten konnte, hatte sie nicht damit gerechnet, bei dem Sandjäger gleich drei Reihen messerscharfer Beisser aufblitzen zu sehen.

„Aber ich hätte Appetit auf einen grösseren Happen“, bei diesen Worten blinkte das Alarmlicht in ihrem Kopf auf und signalisierte ihrem Körper, sich zu wappnen. Als er sich auch noch vom Grund abstiess, und in seiner ganzen Grösse vor ihr schwebte, hatten sich ihre Rückenstacheln bereits wieder abwehrbereit wie bei einem aufgeschreckten Kugelfisch abgespreizt, während sie die bunten Brustflossen etwas verkrampft an ihren Körper presste.
„Hast du Lust auf einen Tanz mit dem Tod?“, seine bedrohlichen Worte passten so gar nicht zu der charmanten Geste, mit welcher er sie scheinbar gekonnt zum Tanz aufforderte.

Astroides presste misstrauisch die Lippen aufeinander. Ihre korallenroten Augen musterten aufmerksam den Sandjäger, der jetzt plötzlich direkt mit ihr auf einer Höhe schwamm und sie dabei um Haupteslänge überragte.
Sie gab ungern zu, dass sie von ihm fasziniert war - natürlich bloss auf der Ebene einer interessierten Forscherin, welche gerade ihr neuestes Kleinod entdeckt hatte, versteht sich!
Sein Körper war schlank, doch nicht so grazil wie der vieler Giftstachler. Stattdessen zeichneten sich die Muskeln unter der silbernen Haut deutlich ab, welche von wenigen Narben durchzogen wurde.
Sie wandte ihren Blick schnell von der auffälligeren Narbe an seinem Unterbauch ab. Gerne hätte sie ihn weiter unter die Lupe genommen, doch sein durchdringender Raubtierblick erwartete eine Antwort von ihr.
Astroides musste sich zusammenreissen, um der Versuchung zu widerstehen. Eine bessere Gelegenheit, ihn zu berühren, würde sich wohl kaum ergeben.
Doch ein angeborener Instinkt hielt sie davon ab und sein in ihren Augen hinterlistiger Blick tat sein Übriges.

„Ich tanze nicht mit Männern, die mir nicht wenigstens ihren Namen verraten haben“, meinte sie deshalb in einem wie sie hoffte selbstsicheren Tonfall.
„Ausserdem, wenn ich so deine Verwandtschaft da draussen betrachte, glaube ich kaum, dass du mit den tänzerischen Fertigkeiten der Giftstachler mithalten könntest.
Ich würde dich ja gerne einladen, mit mir nach Coralys zurückzukehren, um das Schauspiel aus nächster Nähe zu betrachten, so wie ich auch in den Genuss eurer… Balzkünste kommen durfte…“
, ihr Lächeln war zuckersüss und ihre Brustflossen entspannten sich, wodurch die blaue Farbe wieder zum Vorschein kam, „doch ich bezweifle, dass du den Mut dazu aufbringen würdest.“

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#8

Beitrag von Shocai » Mi 17. Feb 2016, 19:48

Einen Moment schien es, als würde sie ernsthaft darüber nachdenken, seine Aufforderung zum Tanze anzunehmen, die er von Lahiko abgeschaut und nun spontan imitiert hatte. Shocai prägte es sich ein, dass diese Geste offenbar dazu geeignet war, die Abwehr von schlecht gelaunten Damen zumindest ins Wanken zu bringen. Vielleicht würde ihm die Erkenntnis irgendwann etwas nützen. Ihm entging nicht dass sie seinen Körper musterte, während er auch den ihren betrachtete. Hatte er Lahiko bisher immer für weibisch gehalten, musste er seine Meinung nun revidieren. Diese Person vor ihm war noch deutlich femininer, ja, in seinen Augen fast mädchenhaft.

Im Gegensatz zu den starken und schnellen Sandjägerinnen, war dieses Persönchen eindeutig nicht dazu geschaffen, zu kämpfen und zu töten. Vermutlich tat sie stattdessen das Gleiche wie Lahiko und vermutlich alle anderen Giftstachler auch - tagein, tagaus das Riff nach zweifelhaften Leckerbissen und Schätzen zu untersuchen, Schmuck aus Korallen und Muscheln zu basteln, damit herumzuklimpern in der Hoffnung, Komplimente einzuheimsen und, sobald das Wasser mal ein halbes Grad wärmer war als üblich, in Tanzlaune zu kommen und im Licht des Mondes durch das Meer zu wirbeln wie besoffen, die Flossen aufzustellen, alle Fische zu vertreiben und dabei am liebsten die ganze Welt umarmen zu wollen.

Giftstachler.

Doch entgegen von Shocais Erwartung nahm sie seine Tanzaufforderung doch nicht an sondern legte in einer schon fast vornehmen Geste ihre blauen Brustflossen an, während ihre Rückenstacheln sich ein wenig aufstellten.

„Ich tanze nicht mit Männern, die mir nicht wenigstens ihren Namen verraten haben", verkündete sie spitz.

Er runzelte verwundert die Stirn und gab seine galante Verbeugung auf. Wieso wollte sie seinen Namen wissen? Als ob das irgendeine Rolle spielen würde! "Mein Name ist Shocai" , antwortete er mit einem Schulterzucken. Er verzichtete darauf, sie nach dem ihren zu fragen.

"Ausserdem", fuhr sie in unverändert hochnäsigem Ton fort, "wenn ich so deine Verwandtschaft da draussen betrachte, glaube ich kaum, dass du mit den tänzerischen Fertigkeiten der Giftstachler mithalten könntest. Ich würde dich ja gerne einladen, mit mir nach Coralys zurückzukehren, um das Schauspiel aus nächster Nähe zu betrachten, so wie ich auch in den Genuss eurer… Balzkünste kommen durfte…“, ihr Lächeln war zuckersüss und ihre Brustflossen entspannten sich, wodurch die blaue Farbe wieder zum Vorschein kam, „doch ich bezweifle, dass du den Mut dazu aufbringen würdest.“

Er legte den Kopf ein wenig schräg und musterte sie. Sein Gesicht war wie versteinert, um seine Kränkung zu verbergen. Angst vor einer Stadt voll gestreifter Seeigel! Das glich schon fast einer Beleidigung. "Ich habe keine Angst. Vor nichts. Ich bin ein Sandjäger. Was meinst du? Bring mich doch nach Coralys hinein - wenn du den Mut hast. Vielleicht kann ich ja etwas von euren Tanzkünsten lernen."

Dass Lahiko schon etliche Male vergebens versucht hatte, ihm das Tanzen beizubringen, behielt er für sich. Wobei das Scheitern vor allem daran gelegen hatte, dass Lahiko seine damit einhergehenden Hintergedanken derart deutlich zur Schau gestellt hatte, dass es für Shocai unerträglich gewesen war und er sich geweigert hatte, die zahllosen Tanzaufforderungen auch nur ein einziges Mal anzunehmen. Immerhin hatte er sich die Verneigungen eingeprägt und auch nicht versäumt, einen geheimnisvollen Spruch zu äußern. Eines musste man den Gifstachlern lassen - auf Verführungskünste verstanden sie sich. Vielleicht konnte er ja noch mehr von ihnen lernen? Und von einer Dame wäre es sicher angenehmer, als bei diesem Lüstling in die Lehre zu gehen.

"So weit ich weiß, sind auch die Giftstachler nicht untätig in dieser Zeit des Jahres. Mich würde doch sehr interessieren, wie eure viel gerühmten Feste und Tänze aussehen - oder ob das alles nur Gerüchte und Angebereien sind."

Langsam glitt er aus der Höhle. Er nahm nicht den Eingang, zu dem er hineingekrochen war, sondern einen an der Rückseite, um den kreisenden Sandjägern aus dem Weg zu gehen. Dort wartete er, ob die Giftstachlerin ihm folgte.

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#9

Beitrag von Astroides Calycularis » Fr 26. Feb 2016, 09:29

"Ich habe keine Angst. Vor nichts. Ich bin ein Sandjäger. Was meinst du? Bring mich doch nach Coralys hinein - wenn du den Mut hast. Vielleicht kann ich ja etwas von euren Tanzkünsten lernen."
Einen Moment war Astroides überrascht, doch sie fing sich schnell wieder. Im Grunde hatte sie nicht erwartet, dass der Kerl tatsächlich auf ihre Herausforderung eingehen würde, doch sie hatte ihn womöglich falsch eingeschätzt.
Anscheinend wollte er wirklich nicht an dem Hochzeitsritual seines Volkes teilnehmen. Sein Gesichtsausdruck schreckte sie davon ab, ihn direkt danach zu fragen, doch innerlich legte sie sich bereits unterschiedlichste Ursachen für sein unerwartetes Verhalten zurecht.
Vielleicht hatte er eine Geliebte, die er bereits beglückt hatte? Oder er besass eine Geliebte, und sie wurde ihm von einem erfolgreicheren Rivalen weggeschnappt? Dann wäre es natürlich klar, warum er hier sehnsüchtig und missmutig zugleich auf das Schauspiel starrte, wie eine Muräne, die auf der Lauer lag.

Astroides warf einen prüfenden Blick nach Draussen. In diesem Moment beobachtete sie, wie eine der schlankeren Gestalten nach einem Sandjäger schnappte und er sich schleunigst etwas von ihr entfernte. Daher floss also der Strom!
Nicht die Männer hatten hier das Sagen, sondern die Damen
!
Wie hatte sie das auch übersehen können: Jetzt, wo sie genauer hinschaute, konnte sie erkennen, dass die Männer liebestrunken um die Sandjägerinnen herumscharwenzelten und aussahen, als könnten sie keiner Garnele etwas zu Leide tun.
Astroides belächelte das Schauspiel. In Coralys waren Männer und Frauen gleichberechtigt und es war in der Regel so, dass beide Geschlechter einander zum Tanze auffordern durften.

Gerade wollte sie sich mit einem Grinsen zu Shocai umwenden, und ihn auf ihre Erkenntnis aufmerksam machen, doch der Sandjäger schwamm bereits einem der Ausgänge entgegen.
"So weit ich weiß, sind auch die Giftstachler nicht untätig in dieser Zeit des Jahres. Mich würde doch sehr interessieren, wie eure viel gerühmten Feste und Tänze aussehen - oder ob das alles nur Gerüchte und Angebereien sind."
Öhm… meint er das wirklich ernst?

Nur einen Augenblick zögerte die Giftstachlerin, denn wenn sie ihm folgte, würde sie die Haimaulhochzeit verpassen. Doch spannender schien es nicht mehr zu werden...
Mit einem letzten Blick aus der Höhle schwamm sie Shocai eilig hinterher.
Der Durchgang war schmal, doch indem sie ihre Brustflossen an den Körper presste gelang es ihr, sich hindurchzuschlängeln. Nicht ganz so elegant, wie sie es gerne gehabt hätte, doch immerhin hatte sie sich dieses Mal keine Schrammen zugezogen.

Wollte er wirklich mit ihr nach Coralys kommen? Nur weil sie ihn herausgefordert hatte? Oder gab es dafür noch einen weiteren Grund? Und ob er sich bewusst war, dass Sandjäger in der Korallenstadt nicht allzu gern gesehene Gäste waren?
Allzu sehr waren die Coralyer von negativen Vorurteilen behaftet, welche tatsächlich auch reale Ursprünge hatten. Und gerade in Zeiten der Hochzeit, würde man ihn nicht mit Freundlichkeiten überhäufen. Zum Einen störte sein Rudel gerade den sensiblen Frieden des Riffs, zum anderen wurden in der Stadt tatsächlich ebenfalls Vorbereitungen für Festlichkeiten unternommen.

Astroides verkniff sich einen Kommentar. Er würde es womöglich bald selbst herausfinden. Sie würde sich den Spas auf jeden Fall nicht verderben!
„Du schwimmst in die falsche Richtung“, klärte sie ihn deshalb auf, und schwamm seitlich an ihm vorbei los. Das Riff dehnte sich unter ihnen aus, doch Astroides steuerte zielstrebig auf das Atoll zu, in welchem sich Coralys befand. Er würde staunen!
Jeder, der zum Ersten Mal die Korallenstadt sah, bekam grosse Augen.
Die Giftstachlerin freute sich auf den Anblick.

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#10

Beitrag von Astroides Calycularis » Sa 19. Mär 2016, 13:35

Eine Zeit lang schwamm Astroides schweigend voran. Sie genoss das Gefühl, einmal ne Art Anführerin zu sein. Mit einem Anflug von Unmut bemerkte sie jedoch auch, dass der Sandjäger durch seinen Körperbau ein weit schnelleres Tempo vorlegen konnte als sie.
Um sich nicht die Blösse zu geben, hechelnd hinter ihm herzudümpeln, änderte sie ihre Taktik, und gab bewusst eine gemütliche Geschwindigkeit vor. Und sie nahm sich die Zeit, ihn auf besonders schöne Korallenformationen oder die Paarung von Seesternen aufmerksam zu machen. Er schien längst nicht so fasziniert davon zu sein, wie sie selbst, doch das tat ihrer eigenen Freude keinen Abbruch.

„Schau Dir diese Pharao-Sepia an! Ist es nicht ein Wunder, wie schnell und perfekt sie ihre Tarnfarben der Umgebung anpassen kann?“ oder „diese Schildkröte ist bestimmt schon 100 Jahre alt! Ich weiss ja nicht, ob du in dem Alter noch so knackig bist“, waren nur einige Aussagen, die die Giftstachlerin Shocai immer wieder zuwarf.
Sie bemerkte gar nicht, welchen Spass sie daran fand mit jemandem ihre Begeisterung teilen zu können. Für die anderen ihres Volkes war das Riff eine alltägliche Gegebenheit, doch diesem Neuling konnte sie bedenkenlos erzählen, was ihr gerade durch den Kopf ging. Dachte sie zumindest.

Fast unmerklich begann das Riff anzusteigen, der Boden schien sich der Oberfläche anzunähern.
Astroides bemerkte die ersten Giftstachler, welche sich in den Korallengärten um Pflanzen und Tiere kümmerten.
Sie machte auch Shocai mit einem Fingerzeig darauf aufmerksam.
„In diesem Abschnitt des Rings werden Nacktschnecken vermehrt und gepflegt. Bist du hungrig? Wir könnten uns eine Wegverpflegung schnappen“, sie sagte dies in belustigtem Tonfall, denn sie hatte ja bereits gesehen, wie er nur schon bei dem Gedanken das Gesicht verzogen hatte.

Das Wasser wurde langsam wärmer, als sie sich der Oberfläche näherten. Die Arbeiter blickten zu ihnen hoch, wenn sie über sie hinwegschwammen. Die Älteren runzelten nachdenklich oder gar verärgert die Stirn, die jüngeren hingegen wirkten eher neugierig und fasziniert von dem ungleichen Paar.

Astroides fühlte sich plötzlich selbstbewusst. Sollten ihre gleichaltrigen Kumpane bloss dumm gucken. Endlich würde sie einmal nicht blöd angemacht werden, sondern konnte stolz ihr Haimaul präsentieren.
Keiner von diesen Langweilern, die sich nie aus dem Schutz von Coralys wegtrauten hatten wohl je aus dieser Nähe einen Sandjäger gesehen!

So plusterte sie zufrieden ihre Flossen auf und glitt nun noch gemächlicher in Richtung der Stadt dahin. Zwischendurch warf sie einen prüfenden Blick auf Shocai.
Ja, er hielt sich gut. Sein schlanker und muskulöser Körper würde wohl einige Giftstachlermädels erröten lassen und die jungen Männer, wenn man sie denn so nennen konnte, würden vor Eifersucht platzen.
Astroides war zuversichtlich. Glücklichweise war sie selbst nicht so verblendet wie es andere in ihrem Alter oft waren. Für sie zählte nicht reine Muskelmasse. Davon liesse sie sich bestimmt nicht beeindrucken!

Trotzdem konnte es nicht schaden, Eindruck zu schinden. Vielleicht würden sich dann sogar am grossen Hochzeitsfest die männlichen, gutaussehenden Giftstachler um sie scharen. Sie träumte bereits von einem sinnlichen Tanz, wo sich die leuchtenden Farben ihrer Flossen vermischen würden, als sie in ihren Gedanken unterbrochen wurde.
Vor ihnen erhoben sich die Felseninseln bis über die Wasseroberfläche hinaus, doch zwischendurch boten Lücken Wege ins Innere des Atolls.

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