Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie√üen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf√§ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W√§hrend die Urv√∂lker auf Altbew√§hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb√ľnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die goblinischen St√§dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen Ruinenst√§dten, die aus den W√§ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz f√ľr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.
Der S√ľdwesten
Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die technikverliebten goblinischen St√§dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen Ruinenst√§dten, die aus den W√§ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz f√ľr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.
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Astroides Calycularis
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Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#1

Beitrag von Astroides Calycularis » So 7. Feb 2016, 22:27

Darum bem√ľht, sich bedeckt zu halten, hatte Astroides ihre au√üergew√∂hnlich bl√§ulichen Brustflossen fest an den K√∂rper gepresst und bewegte sich haupts√§chlich durch das kr√§ftige Schlagen ihrer Schwanzflosse durch das warme Wasser.

Sie hatte es geschafft aus Coralys zu entwischen, einer der Korallenstätte, welche die Giftstachler mitten im Ozean bewohnten.
Es war √ľberhaupt nicht einfach gewesen, sich an den vielen Wachen vorbei zu mogeln, welche die wichtigsten Passagen kontrollierten und auch √ľber der Stadt ihre Runden drehten.
Sie hatte ihren K√∂rper daf√ľr sogar mit Algen eingerieben, um ihren auff√§llig rot-weissen Hautton dezent zu verstecken. Es w√ľrde jedoch nicht lange anhalten, denn das salzige Wasser w√ľrde sie bald wieder reingewaschen haben. So hatte sie sich nahe an die Felsen gedr√ľckt und versucht, mit den Schatten eins zu werden.
Und warum der ganze Aufwand?
Weil einige Kilometer entfernt in der Nähe der Rabeninseln Sandjäger gesichtet worden waren.
Bei dem Gedanken verdrehte Astroides genervt die Augen.
Sie hatte bereits viele Geschichten √ľber diese Shezem geh√∂rt. Vor allem in der Kinderstube hatten sie meistens von Giftstachler-fressenden-riesen-Ungeheuern mit Z√§hnen so gross wie Handfl√§chen gehandelt.
Inzwischen hatte sie zwar noch immer keinen Sandjäger aus der Nähe zu sehen bekommen, doch sie wusste immerhin, dass es Haimenschen waren und nicht viel grösser als andere Shezem sein mochten. Ausserdem, dass sie weit entfernt im Eismeer lebten und deshalb wohl kaum eine Bedrohung darstellen konnten.
Nat√ľrlich erz√§hlte man sich auch, dass sie einmal im Jahr in w√§rmere Gew√§sser zogen, um dort Hochzeit zu feiern.
Doch ein einzelner verirrter Sandjäger bedeutet doch nicht, dass ganz Coralys evakuiert und in einen tranceähnlichen Zustand versetzt werden muss!
Ausganssperre.., pah!

Und das ausgerechnet jetzt, wo doch die Zeit der Ildrius-Muscheln war, einer Muschelart, welche sich nur in äusserst warmen Vollmondnächten öffnete, um ihr wunderschönes Geheimnis in ihrem Innern preizugeben. Man erzählte sich, dass die Perlen so schön waren, wie sonst keine anderen. Dass sie einen bläulichen Schimmer hätten, und wie das Meer im Lichte des Vollmondes glitzerten.
Astroides seufzte bei dem Gedanken vertr√§umt auf. Sie hatte noch nie eine solche Muschel gesehen, doch in jeder Geschichte steckte ihrer Meinung nach ein Kernchen Wahrheit. Und diese Nacht versprach das Meer seine W√§rme wie eine Decke um seine Bewohner zu legen und der Vollmond w√ľrde so hell erstrahlen, wie schon lange nicht mehr.
Deshalb war es eine Frage des Prinzips, Coralys hinter sich zu lassen und draussen im Riff nach dieser Rarität zu forschen.

Noch durchzogen die letzten Sonnenstrahlen das Meer, und liessen das Wasser in ihrem Licht sanft schimmern. Nachdem die einzigartige Stadt sich langsam aus ihrem Sichtfeld entfernte, entspannte sich Astroides sichtlich. Diese Gegend war ihr vertraut, denn oft durchst√∂berte sie umliegende Teile des Korallenriffs nach m√∂glichen Fundst√ľcken. Manchmal hatte sie Erfolg dabei, doch immer h√§ufiger wurde sie auch entt√§uscht, denn andere Shezem suchten ebenfalls nach Wertst√ľcken, um sie dann an die Landg√§nger zu verh√∂kern.
Sie verzog bei dem Gedanken das Gesicht.
Gerne w√ľrde sie selbst einmal mit den Menschen Handel treiben, doch bis jetzt hatte sie sich nicht getraut ihrer Neugier nachzugeben und den Ozean zu verlassen. Er bot ihr eine gewohnte Sicherheit.
Auch die Metamorphose schreckte sie ab, denn sie hatte diese Art von Magie nie angewandt. Astroides war noch jung, und das Meer bot so viele Wunder, die es ferner zu entdecken gab, dass die Oberfläche vorerst keinen allzu grossen Reiz darstellte.
Vorerst‚Ķ doch bis dahin gen√ľgte es ihr, versunkene Schiffsr√ľmpfe zu durchforsten, um sich ein Bild von den interessanten Landg√§ngern zu machen.

Immer wieder hielt die junge Shezem inne, um einmal einen Doktorfisch zu bewundern, einen kleinen Tintenfisch auf der Lauer zu beobachten oder einen besonders sch√∂n geformten roten Schwamm zu umrunden. Diese Welt faszinierte sie immer aufs Neue, obwohl sie bereits 22 Jahre darin lebte. Ihre Fingerspitzen glitten liebevoll am Bauch einer Wasserschildkr√∂te entlang, als diese nur wenig √ľber ihr v√∂llig entspannt ihrer Wege schwamm.
Auf ihrer Suche nach der Ildrius-Muschel entfernte sich Astroides immer weiter von Coralys auf die Rabeninseln zu. Sie folgte keinem besonderen Plan, sondern schwamm dorthin, wo ihre Entdeckungen sie gerade f√ľhrten.
Das Wasser war herrlich warm und die junge Shezem liess sich von einer sanften Strömung treiben. Ihr Körper leuchtete inzwischen wieder in seinen Farben wie vor ihrem Algenbad und das Wasser streichelte sie bei jeder Bewegung.
Die Sonne war hinter dem Horizont versunken. Da es √ľber dem Meer jedoch keine anderen st√∂renden Lichtquellen gab, wurde der Ozean nun von Mond und Sternen in silbriges Licht getaucht.

Da sie nicht genau wusste, nach welcher Muschel sie Ausschau halten musste, untersuchte sie jede Ecke und Ritze sorgfältig, so dass ihr Nichts verborgen bleiben konnte. Dabei schreckte sie oft kleinere Fische auf, welche dort ihre Wohnstätten bezogen hatten.
Als ihr jedoch eine Mur√§ne mit weit ge√∂ffnetem Maul genauso √ľberrascht wie sie selbst entgegenschoss, zuckte sie unwillk√ľrlich zur√ľck. Dabei scheuerte sie mit ihrem linken Arm √ľber die raue Felsformation und erhielt als Belohnung einige blutige Schrammen. Die Mur√§ne funkelte sie herausfordernd an, offensichtlich hatte sie nicht vor, ihr Heim der angeblichen Nestr√§uberin zu √ľberlassen.
Astroides hatte keine Lust das Risiko einzugehen, sich beissen zu lassen, obwohl Muränen meist eher scheue Tiere waren. Doch Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel…
So schwamm sie immer weiter. Langsam war die Gegend ihr nicht mehr ganz so vertraut. Doch sie wollte nicht zur√ľckkehren, zumindest so lange nicht, wie die Bedingungen perfekt waren.

Der H√∂hleneingang tauchte urpl√∂tzlich als ein schwarzes Loch vor ihr auf. Er war etwas verborgen zwischen den Felsformationen und Korallen, doch gut zug√§nglich. Langsam wurde sie m√ľde, doch ihr Wille war ungez√§hmt.
Niemand hatte ihr genau erzählt, wo die Muscheln zu finden waren. Womöglich bevorzugten sie ja Höhlen. Man konnte nie wissen. Schlussendlich war es aber eher ihre Abenteuerlust, welche sie dazu bewog, zum Eingang hinunter zu schwimmen.

Vorsichtig blickte sie hinein, denn sie hatte durch die Begegnung mit der Mur√§ne gelernt. Eine Biegung verhinderte einen weitreichenden Ausblick. Sie musste ihre Brustflossen eng an den K√∂rper pressen, um in den Durchgang hineinzupassen. Sie meinte eine Bewegung des Wasser wahrzunehmen, ein leises Ger√§usch, doch als sich pfeilschnell ein kleiner Fisch aus der H√∂hle rettete, glaubte sie, darin den Ursacher erkannt zu haben. Astroides war es gewohnt, sich in Sicherheit aufzuhalten. In Coralys und der nahen Umgebung gab es beinahe nichts, was ihr wirklich gef√§hrlich werden konnte. So achtete sie nicht auf ihre nat√ľrlichen Instinkte und Sinne, welche ihr einen Schauer √ľber den R√ľcken jagten, sondern schwamm zaghaft weiter, bis der Raum sich vor ihr ausdehnte. Alle Warnungen waren vergessen, allein der Augenblick z√§hlte und die Freude √ľber eine neue wundervolle Entdeckung.
Zuletzt geändert von Astroides Calycularis am Mo 8. Feb 2016, 08:30, insgesamt 1-mal geändert.

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#2

Beitrag von Shocai » Mo 8. Feb 2016, 07:53

Wenn ein Gott zornig war, gab es nur einen Sieger. Und die zahllosen Verlierer mussten sehen, wie sie mit ihrer Niederlage umgehen mussten. In diesem Falle war das ein Krater im Park, im Zentrum de Springbrunnens, der den Durchmesser mehrerer Meter hatte und nun scheinbar endlos tief als schlauchf√∂rmige, wassergef√ľllte H√∂hle ins Erdinnere reichte.

Inzwischen war es Nacht und die Mitarbeiter von Noldils S√ľndentempel waren noch immer mit den Aufr√§umarbeiten besch√§ftigt. Die W√§rme des Hochsommers lag in der Luft, es war schw√ľl und dr√ľckend, als wenn ein Gewitter nahte und den Menschen, Alben und sonstigen Daseinsformen lief der Schwei√ü von den leicht bekleideten K√∂rpern. In den Wiesen der gepflegten Gartenanlage zirpten die Zikaden. Die Gespr√§che unter den Mitarbeitern waren weitestgehend verstummt. Nach so vielen Stunden des Schaufelns, Auflesens von Kacheln, Sortierens und Kehrens hatte man sich nicht mehr viel zu sagen und w√ľnschte sich nur noch ins Bett, oder, in Shocais Falle, in das Meer, das unter dem Licht des Vollmondes schwarz gl√§nzte wie Tinte. Sein salziger Duft war selbst hier, einige Kilometer im Landesinneren, noch gut zu riechen.

Missgestimmt klopfte der junge Shezem mit der scharfkantigen R√ľckseite eines Hammers den M√∂rtel von den Fliesen, die noch intakt waren und stapelte sie auf einen Haufen. Ein paar schaulustige G√§ste waren des Gaffens auf den Krater noch immer nicht m√ľde. Mit ihren Getr√§nken in der Hand standen sie da, mehr nackt als bekleidet, unterhielten sich und lachten. Wenigstens die Kundschaft war guter Laune. Der Mumienmann Zott in seiner edlen roten Weste m√ľhte sich vergebens, die G√§ste wieder in die obere Etage des Tempels zu locken, wo sie kostenintensiveren T√§tigkeiten nachgehen sollten. Die Freudenm√§dchen und und Freudenjungs (oder wie auch immer man das m√§nnliche √Ąquivalent nennen mochte, Shocai hatte sich nie ausreichend genug daf√ľr interessiert, um nachzufragen) hatten in dieser Nacht wenig zu tun. Anstatt dem Hilfspersonal unter die Arme zu greifen, standen auch sie herum und unterhielten sich oder l√ľmmelten mit ihren Getr√§nken in der Hand √ľberall auf den Wiesen und den geschwungenen Parkb√§nken.

‚ÄěWillst du nicht langsam Pause machen?‚Äú, fragte eine wohlbekannte Stimme von hinten. Shocai musste nicht von seiner Fliese aufsehen, an der er gerade herumklopfte, um zu wissen, dass sie zu Lahiko dem Giftstachler geh√∂rte, einem der Freudenjungs.

‚ÄěUnd dann?‚Äú, fragte Shocai, ohne den Blick von der rauen R√ľckseite der blau bemalten Keramikkachel zu wenden.

‚ÄěWir k√∂nnten eine Runde tauchen gehen. Das Meer ist so warm wie eine Badewanne.‚Äú

‚ÄěMir ist warm genug!‚Äú entgegnete Shocai schroff. Genau genommen war ihm w√§rmer, als ihm angenehm war. Es war Warmwasserzeit und auch, wenn er sich an Land befand konnte er dem verlockenden Ruf des Duhnischen Ozeans nur mit M√ľhe widerstehen.

Lahiko trat an ihm vorbei und stellte sich mit dem R√ľcken vor ihn, um den Krater zu betrachten. Sein rot-wei√ües-Streifenmuster leuchtete intensiv, fast schon neonfarben. Vermutlich hatte er selbst an einem Tage wie diesem noch ein hei√ües Bad genommen, um seine Stimmung noch mehr aufzuheizen und den Kunden einen prachtvollen Anblick zu bieten. Die gro√üen Flossen unter seinen Schulterbl√§ttern, die aussahen wie gestreifte H√§nde mit langen, spitzen Fingern, spreizte er, streckte sie aus und lie√ü sie zittern, so dass sie leise raschelten. Fast jeder der Anwesenden musste unweigerlich in seine Richtung schauen, denn einen solchen Anblick bekam man nicht alle Tage zu Gesicht und Lahiko verteilte vermutlich wieder gro√üz√ľgig sein L√§cheln. Doch trotz der offenkundigen Neugier lockte es heute keinen der G√§ste in seine N√§he.

Shocai versp√ľrte eine gewisse Schadenfreude dar√ľber, dass ein bl√∂des, mit schmutzigem Wasser gef√ľlltes Erdloch interessanter war als Lahikos Balzversuche. Der faltete die Flossen wieder auf dem R√ľcken zusammen wie zwei Fl√ľgel und schnaufte entt√§uscht. Nach einem hei√üen Bad war er stets sehr n√§hebed√ľrftig und wenn sich niemand seiner erbarmte, auch zudringlich. Das Klopfen von Shocais Hammer hallte durch die Nacht und vermischte sich mit dem Kratzen von √ľber die Fliesen fegenden Besen und in feuchtes Erdreich stechenden Schaufeln. Im Hintergrund zirpte es kaum h√∂rbar. Der Garten der Sinnesfreuden war zum Garten des gro√üen Reinemachens mutiert.

Lahiko setzte sich neben Shocai, so dicht, dass sein Knie ihn ber√ľhrte. Shocai √§rgerte sich dar√ľber, aber sah gar nicht ein, warum er ausweichen sollte.

‚ÄěKann ich dich wirklich nicht zu einem kleinen Ausflug ans Riff √ľberreden?‚Äú, fragte Lahiko. ‚ÄěIch meine, es ist Warmwasserzeit! Das kann dich als Sandj√§ger doch nicht kalt lassen. Wenn ich nur ein einziges Mal im Jahr die Gelegenheit zur Balz h√§tte, w√ľrde ich sie mir nicht entgehen lassen. Wir k√∂nnten zusammen im Licht des Vollmondes tanzen, wie es bei den Giftstachlern √ľblich ist. Das w√ľrde sogar dir gefallen, glaub mir. Ich bin ein guter Tanzpartner.‚Äú Ein Finger seiner R√ľckenflosse strich √ľber Shocais R√ľcken, vom Hals hinab bis zum Stei√ü und kitzelte ihn dort.

Jetzt reichte es. Shocai legte die Kachel auf den Stapel und den Hammer daneben, stand auf und lie√ü Lahiko sitzen. Sollte er doch jemand anderen bel√§stigen! Oder sich ein Bad mit eisigem Brunnenwasser einlassen, um sein Gem√ľt abzuk√ľhlen! Schlecht gelaunt ging Shocai davon. Nat√ľrlich lie√ü ihn die Warmwasserzeit nicht kalt, was dachte der sich? Dass er aus leblosen Treibholz gebaut war? Z√ľgigen Schrittes ging er davon. Er brauchte dringend Abstand von dieser Person. Nach einem hei√üen Bad war Lahiko nicht zu ertragen, auch wenn er sonst ganz nett war.

Shocai folgte dem sauber verlegten Weg aus rosa Marmorplatten. Seine F√ľ√üe klatschten leise bei jedem Schritt. Er brauchte nicht lange zu gehen, um das sanfte Rauschen zu h√∂ren und nach kurzer Zeit hatte er den n√§chtlichen Strand erreicht. Das Meer leckte am hellen Sand und brach sich an den Pfosten eines Steges, an dem kleine Fischerboote vert√§ut lagen, die sanft auf und ab schaukelten. Shocai atmete durch, um sich zu beruhigen und stellte sich ins Wasser. Die Wellen liebkosten seine Kn√∂chel, ehe sie sich wieder zur√ľckzogen und nassen Sand zur√ľcklie√üen, ehe sie erneut nach vorn rollten und seine F√ľ√üe umsp√ľlten. Es duftete nach Salz und nach Tang. Ein gef√§hrlicher Lockruf um diese Jahreszeit, Shocai wusste, dass er besser an Land bleiben sollte, doch wie sollte er dem Kuss des Elementes widerstehen, in das er hineingeboren war? Und das nun, wo was Wasser am w√§rmsten war? Er streifte den grauen M√§nnerrock ab, den er trug, faltete ihn zusammen und vergrub ihn zwischen dem harten Gras einer D√ľne, wo er die Stelle mit einem Stein markierte. Dann Schritt er langsam ins Meer hinein. Warm umspielte es seine Kn√∂chel, dann seine Waden, seine Schenkel und als er bis zum Bauch darin stand, lie√ü er sich hineingleiten und gab sich der Verwandlung hin. Seine Beine verschmolzen und streckten sich zu einer gro√üen Haiflosse, eine Finne schob sich aus seinem Stei√ü und zwei Bauchflossen seitlich aus den Leisten. Die Kiemen zwischen seinen Rippen √∂ffneten sich und er lie√ü das salzige Wasser in seine Nase und seinen Mund str√∂men. In tausend Blasen perlte die Luft aus seinen Lungen durch die Kiemen nach drau√üen. Er roch das Meer, seine reichen Fischgr√ľnde, die entfernten Korallenw√§lder und die verlockende S√ľ√üe der Weiblichkeit. Er roch alles im Umkreis von etlichen Kilometern, was die Str√∂mung in seine empfindliche Nase trug. Er verlie√ü die Oberfl√§che und tauchte einige K√∂rperl√§ngen unter, um in gr√∂√üerer Tiefe seinen Weg fortzusetzen. Das Wasser wurde etwas k√ľhler. Das Mondlicht warf einen zarten Schleier, die Lichtstrahlen tanzten √ľber den sandigen Grund, der in nicht allzu gro√üer Tiefe lag.

Shocai folgte dem Duft. Ein paar Rochen glitten unter ihm √ľber den Sand, doch er hatte keinen Hunger. Nein, er wollte nichts essen. Das Schlagen seiner Schwanzflosse beschleunigte sich wie von selbst und ersp√ľrte, dass er dabei war, den Kampf gegen die Natur zu verlieren. Er wusste, dass er zu jung war und doch musste er weiter, er musste einfach! Musste die Sandj√§gerinnen wenigstens noch einmal sehen!

Es dauerte einige Tage, in denen er nichts weiter tat, als zu schwimmen und zu schlafen. Er dachte nicht mehr an seine Arbeit im S√ľndentempel, dachte nicht mehr an Lahiko und auch an sonst nichts. Nur an den Duft der gro√üen Hochzeit. Die W√§rme des Meeres kroch ihm ins Gebein, seine Flossenspitzen kribbelten und seine ganze Haut schien hochempfindlich zu sein. Bald sah er die ersten korallenbewachsenen Steine. Und als sie dichter wurden und zu ganzen B√§nken verschmolzen, sah er die Sandj√§ger.

Sie schwammen umeinander, umkreisten sich, tausende, vielleicht zehntausende! Eine Wolke aus schl√§ngelnden K√∂rpern, die weit enfernten nur wie in blauem Nebel zu sehen. Shocai hatte sich zur√ľckhalten wollen, doch nun musste er sich ihrem Kreisen anschlie√üen. Die breiten, getigerten R√ľcken der M√§nner glitten unter ihm vorbei. Wenn er nach oben sah, erblickte er ihre hellen B√§uche. Und dazwischen, wundersch√∂n, die kleineren, hellsilbernen Frauen! Was f√ľr ein Anblick! Shocai versuchte, den Sch√∂nheiten durch langsames Kreisen n√§herzukommen. Er betrachtete voller Sehnsucht die Muskeln unter der silbern gl√§nzenden Haut, ihre h√ľbschen Gesichter mit den hakenf√∂rmigen Z√§hnen zwischen den vollen Lippen. Er wollte sie umarmen, sich an sie pressen! Doch sie wichen ihm aus, sobald er ihnen zu nahe kam. Wenn er versuchte, sie mit der ausgestreckten Hand zu ber√ľhren, bef√∂rderten sie sich mit einem kr√§ftigen Schlag ihrer Schwanzflosse au√üerhalb seiner Reichweite. Ja, sie hatten noch nicht einmal ein L√§cheln f√ľr ihn √ľbrig, wenn sie ihn musterten. Bald f√ľhlte er sich v√∂llig √ľberfl√ľssig.

Die √§lteren M√§nner mit einem dunkleren Tigermuster als seines hatten mehr Erfolg. Shocai sah die frischen Narben an ihren bulligen K√∂rpern, die sie von den K√§mpfen davongetragen hatten, ehe sie sich auf die lange Reise hierher in den S√ľden begeben hatten. Nun waren die K√§mpfe l√§ngst vorbei. Die Schwachen waren verletzt im Norden zur√ľckgeblieben, um zu genesen und es im n√§chsten Jahr noch einmal zu versuchen, die Starken hatten die Reise angetreten und die St√§rksten waren nun hier.

Bei den Frauen sah es nicht anders aus, nur dass sie aus einer anderen Richtung gekommen waren. Shocai liebte ihre starken und eleganten, von Kampf und der Jagd gezeichneten K√∂rper, ihre muskul√∂sen Haischw√§nze und die schmale Taille, die ihn eine ausladende H√ľfte m√ľndete. Doch keine Frau lie√ü ihn n√§her als eine Arml√§nge an sich heran.

Nach etlichen Stunden des Kreisens und Hoffens brauchte Shocai eine Pause. Die M√§nner waren nicht aggressiv gewesen, allen Kampfgeist hatten sie abgelegt, sobald sie die Laichgr√ľnde erreicht hatten. Doch einige Frauen hatten sich von Shocais mit wachsender Frustration zunehmenden Aufdringlichkeit bel√§stigt gef√ľhlt. Ein paar kleinere Bisswunden prangten nun in seinen Flossen und an seiner Brust, halbmondf√∂rmige Einstiche, aus denen sich d√ľnne Blutf√§den kringelten.

Ersch√∂pft und wenig gut gelaunt zog Shocai sich in eine H√∂hle im Riff zur√ľck. Er legte sich auf den Bauch, bettete den Kopf auf die Unterarme und betrachtete voller Sehnsucht die kreisenden Frauen und die Hochzeiten, beobachtete die Paare, die sich umeinander schlangen und gemeinsam in den Anemonen versanken, wo er bald nur noch ihre zuckenden R√ľcken sah. Er hasste seine Jugend, hasste das l√§cherlich blasse Tigermuster, dass er trug und hasste seinen schm√§chtigen K√∂rper! Wie lange noch sollte er warten, ehe er endlich dunkel getigert und kr√§ftig genug war, als dass eine Frau ihn auch nur ansehen w√ľrde? Reichten 25 Warmwasserzeiten denn nicht? Er √ľberlegte, ob er sich vielleicht gro√üfl√§chig t√§towieren lassen sollte, wie es die Mode einiger Landwandler war, um der Zeit ein wenig nachzuhelfen.

Und w√§hrend er nachdachte, geschah etwas, womit er nicht gerechnet hatte. Eine zierliche Person schl√§ngelte sich durch eine zweite √Ėffnung in seine H√∂hle. An der Art, wie sie sich bewegte und wie sie roch erkannte er sofort, dass es sich um eine Frau handelte. Seine anf√§ngliche Euphorie schlug jedoch rasch in Entt√§uschung um, als er bemerkte, dass es nur eine Giftstachlerin war. Augenscheinlich war sie noch recht jung und in ihren Augen blitzte die Neugier.

Seine N√ľstern weiteten sich. Sie war verletzt. Doch ihm war nicht nach Essen zumute. Der Duft des Blutes hatte heute keinerlei Wirkung auf ihn. Zudem h√§tte er Lahiko nicht mehr unter die Augen treten k√∂nnen, wenn er einen seiner Artgenossen verspeiste.

‚ÄěHau ab‚Äú, sagte Shocai darum nur schroff. Er f√ľhlte sich in Anbetracht ihres jungen Alters und ihres zierlichen K√∂rperbaues absolut √ľberlegen. ‚ÄěDu st√∂rst. Es ist Warmwasserzeit, da haben Giftstachler nichts hier im Riff verloren.‚Äú


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Re: Die Perle und das Biest [Unterwasser-RPG]

#3

Beitrag von Astroides Calycularis » Mo 8. Feb 2016, 22:28

Wie gebannt starrte Astroides auf die √Ėffnung, durch welche sie einen Blick ins Meer und das darunterliegende Riff erhaschte. Das Schauspiel zog sie wie magisch an und so beobachtete sie die im Mondlicht schimmernden hellen K√∂rper, welche sich, wie in einem Wasserwirbel gefangen, umkreisten. Es erinnerte sie an die T√§nze der Giftstachler, bloss in ihren Augen weit weniger anmutig.
Sie erkannte bald, dass die zierlicheren Shezem die Frauen waren, welche von den grösser und kräftiger gebauten Männern umworben wurden.
Astroides fand jedoch nicht heraus, an welchen Merkmalen die Sandj√§gerinnen sich f√ľr einen Partner entschieden.
Die Tanzfertigkeiten der Sandjäger wirkten eingeschränkt und nicht sehr kreativ. Auch trugen sie keine leuchtenden Farben zur Schau, mit welchen sie die Damen hätten beeindrucken können.
Trotzdem faszinierte sie diese offensichtlich primitive Art der Hochzeit und sie liess sich in die Höhle hineingleiten, um sich dem zweiten Eingang zu nähern. Schliesslich wollte sie Nichts verpassen. So aufregend!

Sie bemerkte nicht den am Boden verweilenden Sandjäger dem sie längst aufgefallen war.
Die m√§nnliche Stimme riss sie aus ihren Gedanken und Astroides zuckte erschrocken zur√ľck. Ihre Augen suchten die H√∂hle ab und blieben an dem im Schatten verborgenen K√∂rper h√§ngen. Eine hakenf√∂rmige Schwanzflosse, ein langer, schlanker K√∂rper, kr√§ftige Brustflossen und eine gezackte R√ľckenflosse gingen fliessend in einen muskul√∂sen menschlichen, ebenfalls silbrigen K√∂rper √ľber. Ein Sandj√§ger.

‚ÄěHau ab‚Äú, sagte er schroff und Astroides konnte nicht anders, als auf seine gef√§hrlichen Z√§hne zu starren, welche ihre eigenen an L√§nge √ľbertrumpften und keinen Zweifel daran liessen, wozu er sie √ľblicherweise nutzte. Im selben Moment √ľberfielen sie Geschichten von Angriffen auf andere Shezem durch Sandj√§ger wie ein l√§stiger M√ľckenschwarm und sie schalt sich f√ľr ihre Unvorsichtigkeit. Sein Gesichtsausdruck war Nichtssagend, doch die Stimme strahlte eine unangenehme √úberheblichkeit aus. ‚ÄěDu st√∂rst. Es ist Warmwasserzeit, da haben Giftstachler nichts hier im Riff verloren.‚Äú
Diese Worte d√§mmten ihre Angst ein und machten vorsichtigem Trotz Platz. Wie er so am Boden lag, f√ľhlte sich die junge Frau nicht bedroht. Aus ihrer Position konnte sie seine Gr√∂sse schlecht absch√§tzen, doch im Ganzen wirkte er auf sie eher harmlos. Die Geschichten waren haltlose √úbertreibungen gewesen!
Trotzdem hatte ihr Körper sich instinktiv auf Abwehr vorbereitet und sich aufgeplustert, so dass ihre Stacheln beinahe an der nicht sehr hohen Decke anstanden.

Dann fand sie aber ihre Sprache wieder und funkelte ihn absch√§tzend an. ‚ÄěWir geh√∂ren in dieses Riff wie das Salz in den Ozean, die Perle in die Muschel und die Z√§hne ins Haimaul!‚Äú
Ein schelmisches Funkeln blitzte in ihren Augen auf, als sie ihn schliesslich von Kopf bis Schwanzflosse musterte. Der Nervenkitzel kribbelte in ihrem ganzen Körper, doch solch ein Abenteuer wollte sie sich nicht entgehen lassen. Welcher Giftstachler konnte schon behaupten, eine Sandjäger Hochzeit aus nächster Nähe beobachten zu können?
Da wollte sie doch verflixt sein, wenn dieser ungehobelte Kerl sie von hier vertreiben w√ľrde.

‚ÄěIch frage mich ja‚Ķ‚Äú, mit scheinbar nachdenklichem Ausdruck wanderte ihr Blick zu den werbenden Shezem, bevor sie widerrum auf ihrem Gegen√ľber verweilten, wobei ihr auch die Bisswunden an seinem K√∂rper nicht entgingen, ‚Äě‚Ķwarum Du Dich in dieser H√∂hle versteckst, anstatt im Riff draussen zu sein‚Ķ wo Dir das doch scheinbar so wichtig ist.‚Äú

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Re: Die Perle und das Biest [Unterwasser-RPG]

#4

Beitrag von Shocai » Di 9. Feb 2016, 08:16

‚ÄěWir geh√∂ren in dieses Riff wie das Salz in den Ozean, die Perle in die Muschel und die Z√§hne ins Haimaul!‚Äú

Die Giftstachlerin diskutierte mit ihm. Er hatte gedacht, dies w√§re eine l√§stige Eigenheit Lahikos, aber offenbar war sie allen Giftstachlern zu eigen. Shocai drehte sich auf die Seite und st√ľtzte sich auf den Ellebogen, als die Giftstachlerin nicht gleich verschwand. Er schob anhand seiner Erkenntnis √ľber diese beiden Exemplare das gesamte Volk in eine gedankliche Schublade mit der Aufschrift 'Nervens√§gen'. Nat√ľrlich, wer zu schwach war, seine Interessen in einer Bei√üerei durchzusetzen, lie√ü sich andere Strategien einfallen - im Falle der Giftstachler eben, den Gegner zu Tode zu nerven mit sogenannten Argumenten.

Shocai merkte nicht, dass er an seinen frischen Bisswunden herumpulte, w√§hrend er auf der Seite lag und gedankenverloren das Kreisen beobachtete. Die Giftstachlerin vermochte es nicht, seine volle Aufmerksamkeit zu erlangen. Wenigstens wurden auch andere M√§nner hin und wieder gebissen. Es war schon lustig, obwohl sie so viel gr√∂√üer und st√§rker waren, erf√ľllte das warme Wasser sie mit einer hoffnungslosen Verliebtheit, die verhinderte, dass sie sich gegen die Frauen zur Wehr setzten oder sich gewaltsam nahmen, weshalb sie hergekommen waren. Richtig dumm sahen die M√§nner aus, hoffentlich blickte er nicht genauso d√§mlich drein, w√§hrend er hier lag und schmachtete.

‚ÄěIch frage mich ja ‚Ķ warum Du Dich in dieser H√∂hle versteckst, anstatt im Riff draussen zu sein ‚Ķ wo Dir das doch scheinbar so wichtig ist.‚Äú

Jetzt drehte er den Kopf doch in ihre Richtung.

Shocai h√∂rte auf, mit den Fingern in den L√∂chern seiner Wunden herumzubohren und lie√ü die Hand sinken. Ein paar frische Blutf√§den stiegen daraus hervor. "Ganz einfach: Weil es mein Recht ist. Es ist Warmwasserzeit! F√ľr die jetzigen Wochen geh√∂rt das Riff uns und zwar uns allein. Ihr habt es das ganze Jahr und k√∂nnt bald wieder eure geliebten Schnecken und Borstenw√ľrmer fressen." Seine Mundwinkel hatten sich zur Andeutung eines sp√∂ttischen L√§chelns ein wenig auseinandergezogen.

Die Giftstachlerin hatte w√§hrend des Wortwechsels ihre bunten Flossen ausgebreitet, wie ein gigantischer Schmetterling seine Fl√ľgel. Was mochte das nun wieder bedeuten? Lahiko breitete seine Flossen aus und lie√ü sie zittern, wenn er balzte. War es etwa ihr Ziel, ihm ihre Reize zur Schau zu stellen? Fand sie ihn anziehend? Dann zeigten die Unmengen von fettem Seeaalfleisch, die er in den letzten Wochen verdr√ľckt hatte, bevor ihm der Appetit vergangen war, m√∂glicher Weise endlich ihre Wirkung. Unauff√§llig betrachtete er seinen Haischwanz. Ja, er war schon ein wenig kr√§ftiger geworden, wenn er sich nicht t√§uschte.

Vielleicht wollte die Giftstachlerin aber auch streiten. Wenn sein sogenannter Freund (zumindest bezeichnete Lahiko sich selbst als ein solcher) sich im Streite aufregte, stellte er ebenfalls seine Giftstacheln zur Schau, was Shocai irgendwie am√ľsant fand. Jemanden, der im Zorn aussah wie ein Schmetterling, den konnte man nicht Ernst nehmen. Lahiko breitete sie allerdings auch dann aus, wenn er kleine Fische jagte und sie damit in Ecken dr√§ngte, wo er sie bequem fangen konnte. Das fiel wohl in ihrem Falle auch weg, zumindest w√§re es ihm neu, das Giftstachler Sandj√§ger fra√üen.

Drei Bedeutungen f√ľr eine einzige Geste! Typisch Giftstachler!

Er betrachtete eindringlich ihre aufgestellten Flossen.
"Was willst du mir damit sagen? Suchst du Balz, Streit oder Jagd?"

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#5

Beitrag von Astroides Calycularis » Do 11. Feb 2016, 13:32

Was f√ľr ein arroganter Dummkopf!
Behauptete tats√§chlich, dass das Riff ihnen geh√∂rte. Wenn es √ľberhaupt einem Bewohner Asamuras geh√∂ren w√ľrde, und das war zu bezweifeln, denn bloss Nyel war der Beherrscher des Ozeans, dann waren es doch eindeutig die Giftstachler, welchen es zustand sich Besitzer zu nennen. Seit Jahrtausenden lebten sie mitten in den Korallenriffen, welche sie ern√§hrten und welche sie im Gegenzug pflegten und vor zerst√∂rerischen Eindringlingen h√ľteten.
Wer achtete sorgsam darauf, j√§hrlich Z√§hlungen der Riffbewohner vorzunehmen, Wasserschneckenplagen im Zaum zu halten, Landg√§ngern bei der Umschiffung zu helfen und verwaiste Delfine aufzuziehen, bis sie ihr eigenes Leben f√ľhren konnten? Die Giftstachler!

Und jetzt sprach dieses Haimaul davon, dass es sein Recht sei, in der Warmwasserzeit das ganze Riff f√ľr sich einzunehmen. Astroides begann sich √ľber ihr eigenes Volk zu √§rgern, welches sich in Coralys verbarrikadiert hatte. Da war es ja klar, dass sich die Sandj√§ger wie Sch√§dlinge hier ausbreiteten.
Denn kaum besser waren sie in ihren Augen; zerstörten sie bei ihrem primitiven Paarungsritual die sorgsam gepflegten Anemonen, zerbrachen bei ihren unkoordinierten Tänzen feingliedrige Korallenformationen und vertrieben wegen ihres schlechten Rufes jedes Lebewesen im Umkreis von mehreren Kilometern.

Den Satz mit den Borstenw√ľrmern und den Schnecken √ľberh√∂rte sie gefliessentlich, sie brauchte keine weitere Best√§tigung, um sich ein Bild √ľber den Kerl zu machen, der sich jetzt wie ein Macho am Boden fl√§zte. Sie musste zugeben, dass sie tats√§chlich auch schon Schnecken gegessen hatte, jedoch die wundersch√∂nen Tierchen meist lieber bestaunte als zu verspeisen. Ihre Vorliebe galt mehr knackigen Krebsen oder fischigen Leckerbissen.
Doch das w√ľrde sie ihm nicht auf die Nase binden.

Stattdessen machte sie sich zum Gegenangriff bereit. ‚ÄěDu hast meine Frage nicht beantwortet. Warum bist du nicht Teil dieses Zirkus da draussen?‚Äú
Sie beobachtete, wie er an seinen noch frischen Bisswunden herumgr√ľbelte und vertr√§umt aus der √Ėffnung geblickt hatte, bevor er sich ihr zuwandte.
Sie bem√ľhte sich ihn nicht allzu offensichtlich anzustarren, obwohl sie ihn liebend gerne wie eines ihrer anderen tausend exotischen Fundst√ľcke rundum untersucht h√§tte. Gerne h√§tte sie ihn abgetastet. Wie sich seine Haut wohl anf√ľhlte? Wie viele Z√§hne er wohl besass? Wie schnell konnte er sich mit seiner kr√§ftigen Schwanzflosse durchs Wasser bewegen? Besass er auch versteckte Giftstacheln oder waren vielleicht seine Z√§hne giftig? Ob das beinahe unsichtbare Muster auf seinem R√ľcken bei der Balz auch so leuchten konnte, wie es bei den ansehnlichen M√§nnern der Giftstachler der Fall war? Sie wollte gerade damit anfangen, sich analytisch all seine Merkmale einzupr√§gen, um sie sp√§ter festhalten zu k√∂nnen oder wom√∂glich gar aufzuzeichnen...

‚ÄěWas willst du mir damit sagen? Suchst du Balz, Streit oder Jagd?‚Äú, unterbrach er ihren Gedankenfluss.
Im ersten Moment realisierte Astroides nicht, was mit seinen Worten gemeint war. Als sie jedoch seinen Blick auffing, der an ihren Flossen haftete, funkelte sie ihn w√ľtend an. Tats√§chlich hatte ihr Instinkt sie √ľbert√∂lpelt ohne sie vorher um Erlaubnis zu bitte. M√∂glichst elegant und als w√§re dies nicht von Belang, legte sie ihre Flossen wieder n√§her an den K√∂rper an.
Tats√§chlich √ľberlegte sie kurz, was sie so aufgew√ľhlt hatte.
Eindeutig die Gefahr, welcher sie sich aussetze. Zudem die Aufregung √ľber das Ereignis draussen, vielleicht eine geringe Erregung bei dem Gedanken an ihre eigene baldige erste Hochzeit. Und dieser aufgeblasene Kerl vor ihrer Nase, welcher sich anmasste zu denken, sie k√∂nnte wom√∂glich mit ihm balzen!

Vielleicht w√ľrde er ja gehen, wenn sie ihn dazu aufforderte. Ein Versuch war es zumindest wert. Sein sehns√ľchtiger Blick liess darauf schliessen, dass er am liebsten ebenfalls eine der Sandj√§gerinnen in den Anemonen vernascht h√§tte.
‚ÄěDu kannst ruhig gehen, lass dich von mir nicht aufhalten. Ich werde mir derweilen einen Snack besorgen und beobachten, wie du dich so schl√§gst‚Äú, sie grinste nun, ‚Äěvielleicht kann ich dir ja auch was mitbringen zur St√§rkung. Hmmm‚Ķ, eine Meeresnacktschnecke? Die sind unglaublich geschmackvoll und man kann sie hinunterschl√ľrfen ohne einen Biss zu tun.‚Äú
Unschuldig lächelte sie ihn mit grossen dunkelblauen Mädchenaugen an und zeigte ihm dabei ihre kleinen, aber dennoch scharfen Zähne.

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#6

Beitrag von Shocai » So 14. Feb 2016, 11:13

Als sie ihn aufforderte, sich dem Kreisen der Sandj√§ger anzuschlie√üen, sanken seine Schultern ein St√ľck hinab und sein selbstgef√§lliges Grinsen verschwand. Er w√ľrde ihr nicht auf die Nase binden, dass die Frauen ihn fortgebissen hatten, oh nein, mit Sicherheit nicht!

"Ich habe meine Gr√ľnde", erwiderte er und zupfte beil√§ufig ein paar Fransen loser Haut von den Wundr√§ndern. Immerhin faltete die Giftstachlerin ihre bunten Flossen wieder zusammen. Anschlie√üend bot sie ihm ein St√ľck ihrer zweifelhaften Nahrung an. Meeresnacktschnecken .... nur schlechte J√§ger wie Giftstachler waren auf solch minderwertige Nahrung angewiesen, die sich weder wehren noch davonschwimmen konnte. Er selbst ern√§hrte sich vorwiegend von hochgiftigen Stachelrochen. Die er selbst erjagt hatte. Nie k√§me ihm der Gedanke, seine Nahrung freiwillig mit anderen zu teilen! Wer seine Beute haben wollte, sollte daf√ľr k√§mpfen und sie sich verdienen.

Diese Giftstachler und ihre seltsamen Sitten ... jetzt musste er doch wieder ein wenig grinsen. Von Lahiko wusste er, dass das Teilen von Nahrung bedeutete, dass man jemandem einen Gefallen tun wollte. Sie fand ihn anziehend! Wahrscheinlich war das Spreizen der Flossen eine Regung ihres Unterbewusstseins gewesen, weil sie den Wunsch einer innigen Balz mit ihm versp√ľrte. Diese Annahme lie√ü sich ganz einfach √ľberpr√ľfen.

"Weichtiere sind nicht so mein Fall", sprach er und grinste so breit, dass sie jeden einzelnen seiner hakenf√∂rmigen Z√§hne sehen musste, die in drei Reihen hintereinander standen. "Aber ich h√§tte Appetit auf einen gr√∂√üeren Happen." Er stie√ü sich sacht vom Grund ab und schl√§ngelte sich empor, bis er g√§nzlich in der H√∂hle schwebte. "Hast du Lust auf einen Tanz mit dem Tod?" Er legte einen Arm hinter seinen R√ľcken und verneigte sich, w√§hrend er sie mit silbernen Raubtieraugen ansah und ihr die andere Hand reichte.

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#7

Beitrag von Astroides Calycularis » Mo 15. Feb 2016, 13:59

Offensichtlich hatten ihre Worte einen wunden Punkt getroffen, denn seine Miene ver√§nderte sich und wurde wieder zu der ausdruckslosen Maske, die wenig von seinen Gedanken preisgab. Was auch immer der Grund war, wieso er sich nicht nach Draussen traute, es musste f√ľr ihn schwerlich zu verdauen sein. Wom√∂glich hatte es etwas mit den Bisswunden zu tun, an welchen er abwesend herumzupfte. Hatten ihn die anderen M√§nner attackiert, um ihr Territorium zu verteidigen?
Auf jeden Fall wollte Astroides sich diese Reaktion im Kopf behalten, vielleicht w√ľrde es ihr sp√§ter etwas einbringen.
Auch ihren Snack lehnte er dankend ab, was die Giftstachlerin ihm jedoch nicht ver√ľbeln konnte und nicht anders erwartet hatte. Sie h√§tte sich sehr gewundert, wenn er eifrig zugestimmt h√§tte, um mit ihr Meeresnacktschnecken zu schl√ľrfen.

Doch sein weiteres Verhalten √ľberraschte sie, und warf die junge Frau v√∂llig aus der Bahn.
Ein Grinsen glitt √ľber sein Gesicht, wobei die junge Frau sich gerade noch zur√ľckhalten konnte, nicht erschrocken zur√ľckzuweichen. Diese Z√§hne!
Obwohl sie bereits Haifische auf der Jagd im Riff beobachten konnte, hatte sie nicht damit gerechnet, bei dem Sandjäger gleich drei Reihen messerscharfer Beisser aufblitzen zu sehen.

‚ÄěAber ich h√§tte Appetit auf einen gr√∂sseren Happen‚Äú, bei diesen Worten blinkte das Alarmlicht in ihrem Kopf auf und signalisierte ihrem K√∂rper, sich zu wappnen. Als er sich auch noch vom Grund abstiess, und in seiner ganzen Gr√∂sse vor ihr schwebte, hatten sich ihre R√ľckenstacheln bereits wieder abwehrbereit wie bei einem aufgeschreckten Kugelfisch abgespreizt, w√§hrend sie die bunten Brustflossen etwas verkrampft an ihren K√∂rper presste.
‚ÄěHast du Lust auf einen Tanz mit dem Tod?‚Äú, seine bedrohlichen Worte passten so gar nicht zu der charmanten Geste, mit welcher er sie scheinbar gekonnt zum Tanz aufforderte.

Astroides presste misstrauisch die Lippen aufeinander. Ihre korallenroten Augen musterten aufmerksam den Sandj√§ger, der jetzt pl√∂tzlich direkt mit ihr auf einer H√∂he schwamm und sie dabei um Hauptesl√§nge √ľberragte.
Sie gab ungern zu, dass sie von ihm fasziniert war - nat√ľrlich bloss auf der Ebene einer interessierten Forscherin, welche gerade ihr neuestes Kleinod entdeckt hatte, versteht sich!
Sein Körper war schlank, doch nicht so grazil wie der vieler Giftstachler. Stattdessen zeichneten sich die Muskeln unter der silbernen Haut deutlich ab, welche von wenigen Narben durchzogen wurde.
Sie wandte ihren Blick schnell von der auffälligeren Narbe an seinem Unterbauch ab. Gerne hätte sie ihn weiter unter die Lupe genommen, doch sein durchdringender Raubtierblick erwartete eine Antwort von ihr.
Astroides musste sich zusammenreissen, um der Versuchung zu widerstehen. Eine bessere Gelegenheit, ihn zu ber√ľhren, w√ľrde sich wohl kaum ergeben.
Doch ein angeborener Instinkt hielt sie davon ab und sein in ihren Augen hinterlistiger Blick tat sein √úbriges.

‚ÄěIch tanze nicht mit M√§nnern, die mir nicht wenigstens ihren Namen verraten haben‚Äú, meinte sie deshalb in einem wie sie hoffte selbstsicheren Tonfall.
‚ÄěAusserdem, wenn ich so deine Verwandtschaft da draussen betrachte, glaube ich kaum, dass du mit den t√§nzerischen Fertigkeiten der Giftstachler mithalten k√∂nntest.
Ich w√ľrde dich ja gerne einladen, mit mir nach Coralys zur√ľckzukehren, um das Schauspiel aus n√§chster N√§he zu betrachten, so wie ich auch in den Genuss eurer‚Ķ Balzk√ľnste kommen durfte‚Ķ‚Äú
, ihr L√§cheln war zuckers√ľss und ihre Brustflossen entspannten sich, wodurch die blaue Farbe wieder zum Vorschein kam, ‚Äědoch ich bezweifle, dass du den Mut dazu aufbringen w√ľrdest.‚Äú

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#8

Beitrag von Shocai » Mi 17. Feb 2016, 19:48

Einen Moment schien es, als w√ľrde sie ernsthaft dar√ľber nachdenken, seine Aufforderung zum Tanze anzunehmen, die er von Lahiko abgeschaut und nun spontan imitiert hatte. Shocai pr√§gte es sich ein, dass diese Geste offenbar dazu geeignet war, die Abwehr von schlecht gelaunten Damen zumindest ins Wanken zu bringen. Vielleicht w√ľrde ihm die Erkenntnis irgendwann etwas n√ľtzen. Ihm entging nicht dass sie seinen K√∂rper musterte, w√§hrend er auch den ihren betrachtete. Hatte er Lahiko bisher immer f√ľr weibisch gehalten, musste er seine Meinung nun revidieren. Diese Person vor ihm war noch deutlich femininer, ja, in seinen Augen fast m√§dchenhaft.

Im Gegensatz zu den starken und schnellen Sandj√§gerinnen, war dieses Pers√∂nchen eindeutig nicht dazu geschaffen, zu k√§mpfen und zu t√∂ten. Vermutlich tat sie stattdessen das Gleiche wie Lahiko und vermutlich alle anderen Giftstachler auch - tagein, tagaus das Riff nach zweifelhaften Leckerbissen und Sch√§tzen zu untersuchen, Schmuck aus Korallen und Muscheln zu basteln, damit herumzuklimpern in der Hoffnung, Komplimente einzuheimsen und, sobald das Wasser mal ein halbes Grad w√§rmer war als √ľblich, in Tanzlaune zu kommen und im Licht des Mondes durch das Meer zu wirbeln wie besoffen, die Flossen aufzustellen, alle Fische zu vertreiben und dabei am liebsten die ganze Welt umarmen zu wollen.

Giftstachler.

Doch entgegen von Shocais Erwartung nahm sie seine Tanzaufforderung doch nicht an sondern legte in einer schon fast vornehmen Geste ihre blauen Brustflossen an, w√§hrend ihre R√ľckenstacheln sich ein wenig aufstellten.

‚ÄěIch tanze nicht mit M√§nnern, die mir nicht wenigstens ihren Namen verraten haben", verk√ľndete sie spitz.

Er runzelte verwundert die Stirn und gab seine galante Verbeugung auf. Wieso wollte sie seinen Namen wissen? Als ob das irgendeine Rolle spielen w√ľrde! "Mein Name ist Shocai" , antwortete er mit einem Schulterzucken. Er verzichtete darauf, sie nach dem ihren zu fragen.

"Ausserdem", fuhr sie in unver√§ndert hochn√§sigem Ton fort, "wenn ich so deine Verwandtschaft da draussen betrachte, glaube ich kaum, dass du mit den t√§nzerischen Fertigkeiten der Giftstachler mithalten k√∂nntest. Ich w√ľrde dich ja gerne einladen, mit mir nach Coralys zur√ľckzukehren, um das Schauspiel aus n√§chster N√§he zu betrachten, so wie ich auch in den Genuss eurer‚Ķ Balzk√ľnste kommen durfte‚Ķ‚Äú, ihr L√§cheln war zuckers√ľss und ihre Brustflossen entspannten sich, wodurch die blaue Farbe wieder zum Vorschein kam, ‚Äědoch ich bezweifle, dass du den Mut dazu aufbringen w√ľrdest.‚Äú

Er legte den Kopf ein wenig schr√§g und musterte sie. Sein Gesicht war wie versteinert, um seine Kr√§nkung zu verbergen. Angst vor einer Stadt voll gestreifter Seeigel! Das glich schon fast einer Beleidigung. "Ich habe keine Angst. Vor nichts. Ich bin ein Sandj√§ger. Was meinst du? Bring mich doch nach Coralys hinein - wenn du den Mut hast. Vielleicht kann ich ja etwas von euren Tanzk√ľnsten lernen."

Dass Lahiko schon etliche Male vergebens versucht hatte, ihm das Tanzen beizubringen, behielt er f√ľr sich. Wobei das Scheitern vor allem daran gelegen hatte, dass Lahiko seine damit einhergehenden Hintergedanken derart deutlich zur Schau gestellt hatte, dass es f√ľr Shocai unertr√§glich gewesen war und er sich geweigert hatte, die zahllosen Tanzaufforderungen auch nur ein einziges Mal anzunehmen. Immerhin hatte er sich die Verneigungen eingepr√§gt und auch nicht vers√§umt, einen geheimnisvollen Spruch zu √§u√üern. Eines musste man den Gifstachlern lassen - auf Verf√ľhrungsk√ľnste verstanden sie sich. Vielleicht konnte er ja noch mehr von ihnen lernen? Und von einer Dame w√§re es sicher angenehmer, als bei diesem L√ľstling in die Lehre zu gehen.

"So weit ich wei√ü, sind auch die Giftstachler nicht unt√§tig in dieser Zeit des Jahres. Mich w√ľrde doch sehr interessieren, wie eure viel ger√ľhmten Feste und T√§nze aussehen - oder ob das alles nur Ger√ľchte und Angebereien sind."

Langsam glitt er aus der H√∂hle. Er nahm nicht den Eingang, zu dem er hineingekrochen war, sondern einen an der R√ľckseite, um den kreisenden Sandj√§gern aus dem Weg zu gehen. Dort wartete er, ob die Giftstachlerin ihm folgte.

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#9

Beitrag von Astroides Calycularis » Fr 26. Feb 2016, 09:29

"Ich habe keine Angst. Vor nichts. Ich bin ein Sandj√§ger. Was meinst du? Bring mich doch nach Coralys hinein - wenn du den Mut hast. Vielleicht kann ich ja etwas von euren Tanzk√ľnsten lernen."
Einen Moment war Astroides √ľberrascht, doch sie fing sich schnell wieder. Im Grunde hatte sie nicht erwartet, dass der Kerl tats√§chlich auf ihre Herausforderung eingehen w√ľrde, doch sie hatte ihn wom√∂glich falsch eingesch√§tzt.
Anscheinend wollte er wirklich nicht an dem Hochzeitsritual seines Volkes teilnehmen. Sein Gesichtsausdruck schreckte sie davon ab, ihn direkt danach zu fragen, doch innerlich legte sie sich bereits unterschiedlichste Ursachen f√ľr sein unerwartetes Verhalten zurecht.
Vielleicht hatte er eine Geliebte, die er bereits begl√ľckt hatte? Oder er besass eine Geliebte, und sie wurde ihm von einem erfolgreicheren Rivalen weggeschnappt? Dann w√§re es nat√ľrlich klar, warum er hier sehns√ľchtig und missmutig zugleich auf das Schauspiel starrte, wie eine Mur√§ne, die auf der Lauer lag.

Astroides warf einen pr√ľfenden Blick nach Draussen. In diesem Moment beobachtete sie, wie eine der schlankeren Gestalten nach einem Sandj√§ger schnappte und er sich schleunigst etwas von ihr entfernte. Daher floss also der Strom!
Nicht die Männer hatten hier das Sagen, sondern die Damen
!
Wie hatte sie das auch √ľbersehen k√∂nnen: Jetzt, wo sie genauer hinschaute, konnte sie erkennen, dass die M√§nner liebestrunken um die Sandj√§gerinnen herumscharwenzelten und aussahen, als k√∂nnten sie keiner Garnele etwas zu Leide tun.
Astroides belächelte das Schauspiel. In Coralys waren Männer und Frauen gleichberechtigt und es war in der Regel so, dass beide Geschlechter einander zum Tanze auffordern durften.

Gerade wollte sie sich mit einem Grinsen zu Shocai umwenden, und ihn auf ihre Erkenntnis aufmerksam machen, doch der Sandjäger schwamm bereits einem der Ausgänge entgegen.
"So weit ich wei√ü, sind auch die Giftstachler nicht unt√§tig in dieser Zeit des Jahres. Mich w√ľrde doch sehr interessieren, wie eure viel ger√ľhmten Feste und T√§nze aussehen - oder ob das alles nur Ger√ľchte und Angebereien sind."
√Ėhm‚Ķ meint er das wirklich ernst?

Nur einen Augenblick z√∂gerte die Giftstachlerin, denn wenn sie ihm folgte, w√ľrde sie die Haimaulhochzeit verpassen. Doch spannender schien es nicht mehr zu werden...
Mit einem letzten Blick aus der Höhle schwamm sie Shocai eilig hinterher.
Der Durchgang war schmal, doch indem sie ihre Brustflossen an den Körper presste gelang es ihr, sich hindurchzuschlängeln. Nicht ganz so elegant, wie sie es gerne gehabt hätte, doch immerhin hatte sie sich dieses Mal keine Schrammen zugezogen.

Wollte er wirklich mit ihr nach Coralys kommen? Nur weil sie ihn herausgefordert hatte? Oder gab es daf√ľr noch einen weiteren Grund? Und ob er sich bewusst war, dass Sandj√§ger in der Korallenstadt nicht allzu gern gesehene G√§ste waren?
Allzu sehr waren die Coralyer von negativen Vorurteilen behaftet, welche tats√§chlich auch reale Urspr√ľnge hatten. Und gerade in Zeiten der Hochzeit, w√ľrde man ihn nicht mit Freundlichkeiten √ľberh√§ufen. Zum Einen st√∂rte sein Rudel gerade den sensiblen Frieden des Riffs, zum anderen wurden in der Stadt tats√§chlich ebenfalls Vorbereitungen f√ľr Festlichkeiten unternommen.

Astroides verkniff sich einen Kommentar. Er w√ľrde es wom√∂glich bald selbst herausfinden. Sie w√ľrde sich den Spas auf jeden Fall nicht verderben!
‚ÄěDu schwimmst in die falsche Richtung‚Äú, kl√§rte sie ihn deshalb auf, und schwamm seitlich an ihm vorbei los. Das Riff dehnte sich unter ihnen aus, doch Astroides steuerte zielstrebig auf das Atoll zu, in welchem sich Coralys befand. Er w√ľrde staunen!
Jeder, der zum Ersten Mal die Korallenstadt sah, bekam grosse Augen.
Die Giftstachlerin freute sich auf den Anblick.

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#10

Beitrag von Astroides Calycularis » Sa 19. M√§r 2016, 13:35

Eine Zeit lang schwamm Astroides schweigend voran. Sie genoss das Gef√ľhl, einmal ne Art Anf√ľhrerin zu sein. Mit einem Anflug von Unmut bemerkte sie jedoch auch, dass der Sandj√§ger durch seinen K√∂rperbau ein weit schnelleres Tempo vorlegen konnte als sie.
Um sich nicht die Bl√∂sse zu geben, hechelnd hinter ihm herzud√ľmpeln, √§nderte sie ihre Taktik, und gab bewusst eine gem√ľtliche Geschwindigkeit vor. Und sie nahm sich die Zeit, ihn auf besonders sch√∂ne Korallenformationen oder die Paarung von Seesternen aufmerksam zu machen. Er schien l√§ngst nicht so fasziniert davon zu sein, wie sie selbst, doch das tat ihrer eigenen Freude keinen Abbruch.

‚ÄěSchau Dir diese Pharao-Sepia an! Ist es nicht ein Wunder, wie schnell und perfekt sie ihre Tarnfarben der Umgebung anpassen kann?‚Äú oder ‚Äědiese Schildkr√∂te ist bestimmt schon 100 Jahre alt! Ich weiss ja nicht, ob du in dem Alter noch so knackig bist‚Äú, waren nur einige Aussagen, die die Giftstachlerin Shocai immer wieder zuwarf.
Sie bemerkte gar nicht, welchen Spass sie daran fand mit jemandem ihre Begeisterung teilen zu k√∂nnen. F√ľr die anderen ihres Volkes war das Riff eine allt√§gliche Gegebenheit, doch diesem Neuling konnte sie bedenkenlos erz√§hlen, was ihr gerade durch den Kopf ging. Dachte sie zumindest.

Fast unmerklich begann das Riff anzusteigen, der Boden schien sich der Oberfläche anzunähern.
Astroides bemerkte die ersten Giftstachler, welche sich in den Koralleng√§rten um Pflanzen und Tiere k√ľmmerten.
Sie machte auch Shocai mit einem Fingerzeig darauf aufmerksam.
‚ÄěIn diesem Abschnitt des Rings werden Nacktschnecken vermehrt und gepflegt. Bist du hungrig? Wir k√∂nnten uns eine Wegverpflegung schnappen‚Äú, sie sagte dies in belustigtem Tonfall, denn sie hatte ja bereits gesehen, wie er nur schon bei dem Gedanken das Gesicht verzogen hatte.

Das Wasser wurde langsam w√§rmer, als sie sich der Oberfl√§che n√§herten. Die Arbeiter blickten zu ihnen hoch, wenn sie √ľber sie hinwegschwammen. Die √Ąlteren runzelten nachdenklich oder gar ver√§rgert die Stirn, die j√ľngeren hingegen wirkten eher neugierig und fasziniert von dem ungleichen Paar.

Astroides f√ľhlte sich pl√∂tzlich selbstbewusst. Sollten ihre gleichaltrigen Kumpane bloss dumm gucken. Endlich w√ľrde sie einmal nicht bl√∂d angemacht werden, sondern konnte stolz ihr Haimaul pr√§sentieren.
Keiner von diesen Langweilern, die sich nie aus dem Schutz von Coralys wegtrauten hatten wohl je aus dieser Nähe einen Sandjäger gesehen!

So plusterte sie zufrieden ihre Flossen auf und glitt nun noch gem√§chlicher in Richtung der Stadt dahin. Zwischendurch warf sie einen pr√ľfenden Blick auf Shocai.
Ja, er hielt sich gut. Sein schlanker und muskul√∂ser K√∂rper w√ľrde wohl einige Giftstachlerm√§dels err√∂ten lassen und die jungen M√§nner, wenn man sie denn so nennen konnte, w√ľrden vor Eifersucht platzen.
Astroides war zuversichtlich. Gl√ľcklichweise war sie selbst nicht so verblendet wie es andere in ihrem Alter oft waren. F√ľr sie z√§hlte nicht reine Muskelmasse. Davon liesse sie sich bestimmt nicht beeindrucken!

Trotzdem konnte es nicht schaden, Eindruck zu schinden. Vielleicht w√ľrden sich dann sogar am grossen Hochzeitsfest die m√§nnlichen, gutaussehenden Giftstachler um sie scharen. Sie tr√§umte bereits von einem sinnlichen Tanz, wo sich die leuchtenden Farben ihrer Flossen vermischen w√ľrden, als sie in ihren Gedanken unterbrochen wurde.
Vor ihnen erhoben sich die Felseninseln bis √ľber die Wasseroberfl√§che hinaus, doch zwischendurch boten L√ľcken Wege ins Innere des Atolls.

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