Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterlie√üen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf√§ngen liegt. Die √ľberlebenden V√∂lker beginnen zu ahnen, dass der Schl√ľssel zur Herrschaft √ľber Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. W√§hrend die Almanen auf Altbew√§hrtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimb√ľnde der Schatten sehen in der Magie die m√§chtigste Waffe und f√ľr die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die goblinischen St√§dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen Ruinenst√§dten, die aus den W√§ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz f√ľr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.
Der S√ľdwesten
Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die technikverliebten goblinischen St√§dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen Ruinenst√§dten, die aus den W√§ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz f√ľr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.
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Shocai
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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#11

Beitrag von Shocai » So 20. M√§r 2016, 10:10

Die Giftstachlerin schwamm derart langsam, dass Shocai das Kreuz schmerzte. Von der Langeweile, die er empfand, als sie ihn auf all das (nicht essbare) Getier des Riffes hinwies, ganz zu schweigen. Er w√ľrde nie verstehen, was so interessant an einem bl√∂den Seestern war oder einer dummen Koralle. Er unterdr√ľckte ein G√§hnen, als sie ihm einen kleinen Tintenfisch zeigte.

‚ÄěSchau Dir diese Pharao-Sepia an! Ist es nicht ein Wunder, wie schnell und perfekt sie ihre Tarnfarben der Umgebung anpassen kann?"

"Jeder blöde Krake kann das genau so gut."

‚ÄěDiese Schildkr√∂te ist bestimmt schon 100 Jahre alt! Ich weiss ja nicht, ob du in dem Alter noch so knackig bist.‚Äú

Shocais Ohren wurden dunkelgrau. Hatte sie ihm damit jetzt ein Kompliment gemacht? Hieß das, er war knackig? Er bemerkte die Blicke einiger Giftstachlerinnen, die ihm folgten, aber er hatte Probleme, sie zu deuten. War es ernsthaftes Interesse oder eher Neugier an seiner Andersartigkeit? Morbide Faszination an einem Todbringer?

"In hundert Jahren bin ich vermutlich tot", entgegnete er schroff. "Die meisten Sandj√§ger sterben jung. Das ist der Preis f√ľr ein Leben voller Abenteuer und Gefahr, das ich f√ľhre." Er trug bewusst dick auf, doch seine Worte entsprachen der Wahrheit. "Nur die wenigsten erreichen auch nur das Erwachsenenalter. Mir ist das lieber, als meine Zeit eingepfercht in einem Riff zu verbringen und mich 500 Jahre lang zu Tode zu langweilen."

Langsam aber sicher n√§herten sie sich der Stadt. Shocai entdeckte immer mehr Giftstachler, die kopf√ľber das Riff untersuchten, zwischen Anemonen nach Nahrung w√ľhlten oder vorsichtig mit Korallen bewachsene Steine herausl√∂sten, um sie an einem ihrer Meinung nach geeigneteren Ort wieder einzusetzen. Und Shocai musste, auch wenn es ihm nicht passte, eingestehen, dass er noch nie ein so sch√∂nes Riff gesehen hatte. Es war nicht nur Heimat, sondern ein ganzer kunstvoller Unterwassergarten. Rosa Anemonen wogten sanft in der Str√∂mung, Schw√§rme kleiner silberner Fische glitzerten wie im Meer versunkene Sterne.

"Ich muss zugeben, es ist recht nett hier", sagte er beil√§ufig. "Wenn auch nicht so sch√∂n wie die Bucht meiner Heimat. Du solltest das Eismeer sehen. Die Kelpw√§lder, Tangpflanzen so lang wie f√ľnf Riemenfische! Und darin gibt es nicht weniger kleine Viecher als hier, die du alle angucken und untersuchen k√∂nntest. Nicht ganz so bunt, aber trotzdem nicht weniger vielf√§ltig. Dort w√ľrde es dir gefallen."

Er entdeckte einen gro√üen Durchgang im Riff, der Vermutlich ins Innere des Atolls f√ľhrte. Shocai fragte sich, wie es wohl im Inneren aussah. Er glaubte, den Klang von Musik zu h√∂ren, √§hnlich des Gesangs von Delphinen, doch melodischer. Und stieg ihm da nicht der feine Duft von appetitlichem Fischblut in die Nase? Lahiko hatte, wenn auch selten, kleine Fische gegessen. Wom√∂glich gab es hier ein Festmahl, bei welchem auch f√ľr ihn einige K√∂stlichkeiten abfielen.

Doch bevor sie ins Innere konnten, mussten sie an zwei äußerst skeptisch dreinblickenden Giftstachler-Wachen vorbei, welche sich zu beiden Seiten des Eingangs postiert hatten. Einer kaute gerade knackend auf einer Krabbe herum, ein paar Beine hingen ihm noch aus dem Mund. Der andere glotzte nur dumm, als seine Artgenossin sich in Begleitung eines Sandjägers der Stadt näherte. Vermutlich bekam er solch einen Anblick nicht alle Tage zu sehen und wusste nun nicht, wie er reagieren sollte.

Die beiden hatten sich, wie viele andere Giftstachler auch, f√ľr das Fest herausgeputzt. Sie trugen mehrere Ketten aus bunten Muscheln um die H√§lse, die eine regelrechte Krause bildeten, dazu noch welche um die Handgelenke und den Schwanz, kurz bevor die Flosse begann. Wenn man f√ľr derlei Klimbim ein Auge hatte, mochte dieser Schmuck auf den gestreiften K√∂rpern recht h√ľbsch anmuten. Shocai fragte sich, warum seine Begleiterin sich nicht herausgeputzt hatte. W√ľrde sie dies noch tun oder war sie so wie er eher pragmatisch eingestellt?

In diesem Augenblick entdeckte Shocai einen Rochen. Und nun, da er sich innerlich davon verabschiedet hatte, in absehbarer Zeit mit einer Sandj√§gerin die Balz vollziehen zu k√∂nnen, meldete sich auch langsam sein Hunger zur√ľck. Er stie√ü hinab, setzte den Rochen mit raschen, gezielten Bissen in die Flossen au√üer Gefecht, um dem gef√§hrlichen Giftstachel am Schwanz zu entgehen, ehe er ihm die Wirbels√§ule durchbiss. Triumphierend pr√§sentierte er der Giftstachlerin seine Beute.

"Hast du das gesehen? So macht die Nahrungssuche Spaß!" Er trennte eine der fleischigen Flossen ab und reichte sie ihr. "Lass es dir schmecken. Die letzte normale Mahlzeit vor Coralys!"

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Astroides Calycularis
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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#12

Beitrag von Astroides Calycularis » Mo 21. M√§r 2016, 13:11

Tats√§chlich l√∂sten seine Worte einen Schwall Tr√§umereien in Astroides aus. Zu gerne w√ľrde sie mehr von der Welt sehen, sich von ihrer Neugier leiten lassen und ihre Nase √ľberall hineinstecken. Doch nur wenige Giftstachler unternahmen weite Reisen. Die meisten von ihnen lebten in den Riffen oder an anderen gesch√ľtzten Orten, und das offene Meer geh√∂rte eindeutig nicht unter diese Bezeichnung. Ausserdem w√ľrde sie sich nicht mit jedem Langweiler als Reisegef√§hrten abgeben...
‚ÄěErreichen sie wom√∂glich nicht das Erwachsenenalter, weil sie sich zu oft mit ihren Frauen anlegen?‚Äú, sie liess ihren bedeutungsvollen Blick auf seinen frischen Bisswunden verharren.

Anscheinend schien ihm das Riff dann doch zu gefallen, denn er liess sich sogar zu einem freundlichen Kommentar herab, direkt gefolgt von einer Verherrlichung seiner eigenen bescheidenen Heimat. Astroides wollte sich nichts anmerken lassen, doch nur allzu gerne h√§tte sie ihn weiter √ľber das Eismeer und die Kelpw√§lder ausgefragt.
Gab es dort Oktopusse so gross wie Schiffe? Und Wale, welche ein so mächtiges Maul hatten, dass sie damit ganze Haie verschlucken könnten? Glitzerten dort die Fische oder waren sie alle rabenschwarz, damit man sie in der Dunkelheit nicht erkennen konnte?
Astroides hatte keine Vorstellung von diesem Ort und malte sich eine dunkle Landschaft aus, in den tiefsten Ecken des Meeres. Und es musste eisig kalt dort sein!
Sie schauderte bei dem Gedanken.
‚ÄěHast du schon einmal einen Eisberg gesehen?‚Äú, fragte sie schliesslich.
‚ÄěUnd gibt es dort auch Korallen? Habt ihr auch St√§dte? Warum feiert ihr eure Hochzeit nicht bei euch zu Hause, wenn es dort angeblich so sch√∂n sein soll? Und was macht ihr mit den Kindern, wenn ihr alle verreist, jemand muss doch auf sie aufpassen?!‚Äú

Sie passierten den breiten Durchgang und Astroides winkte den beiden W√§chtern munter zu. Ihr Anblick erinnerte sie daran, was sie in der ganzen Aufregung vergessen hatte. In der Zeit, als sie n√§mlich das Riff durchst√∂berte auf der Suche nach den Muscheln, hatten die anderen sich aufgepeppt. Das m√ľsste sie unbedingt noch nachholen. Doch was sollte sie w√§hrenddessen mit dem Haimaul anfangen?

In diesem Moment passierte etwas äusserst Erschreckendes!
Shocai stiess sich ab und wie ein Pfeil schl√§ngelte er sich auf einen m√§chtigen Rochen zu. Dann blitzen Z√§hne auf, Blut quoll aus Wunden und f√§rbte das Wasser rot. Entsetzt beobachtete die Giftstachlerin das Schauspiel, das innerhalb weniger Sekunden vorbei war. Das Tier hatte den Kampf verloren, bevor er √ľberhaupt richtig begonnen hatte.
"Hast du das gesehen? So macht die Nahrungssuche Spaß!"
Er trennte eine der fleischigen Flossen ab und reichte sie ihr.
"Lass es dir schmecken. Die letzte normale Mahlzeit vor Coralys!"

Wortlos starrte Astroides auf die Überbleibsel des sanften Riesen. Wie in Trance nahm sie ihm die Flosse ab. Der Geruch des Todes kroch ihr in Nase und Mund, doch es stiess sie weniger ab, als sie angenommen hätte. Ihr wäre es nie in den Sinn gekommen, einen Rochen zu erlegen. Doch nun, da ihr das Fleisch so freiwillig dargeboten wurde…
‚ÄěDas w√§re nicht n√∂tig gewesen‚Äú, sagte sie etwas absch√§tzig, ‚Äěin Coralys gibt es gerade zu den Festen √§usserst vielf√§ltige Speisen. Wir h√§tten bestimmt auch auf weniger dramatische Art und Weise an einen Leckerbissen gelangen k√∂nnen, der dir gemundet h√§tte.‚Äú

‚ÄěDoch das arme Wesen soll nicht umsonst gestorben sein‚Äú, f√ľgte sie mit einem nahezu gleichg√ľltigen Schulterzucken an und kurz darauf kaute sie scheinbar gelangweilt auf der Flosse herum.
‚ÄěEtwas z√§h und doch nicht so knackig wie ne frische Krabbe‚Äú, kommentierte sie. ‚ÄěK√∂nnen wir nun weiterschwimmen?‚Äú

W√§hrend sich nun der Kern des Atolls vor ihnen entbl√∂sste, war Astroides mit ihren Gedanken nicht bei der Sache. Immer wieder spielte sie die Szene vor ihrem Inneren Augen ab, als Shocai den Rochen ausser Gefecht gesetzt hatte. Immerhin war es schnell gegangen und das Tier hatte nicht leiden m√ľssen.
Wie kannst du nur so denken! Er hat das Lebewesen get√∂tet, obwohl es in der Stadt massenhaft Auswahl an Leckereien gibt. Als n√§chstes st√ľrzt er sich noch auf die Riffbarsche, die deine Nachbarin in ihrem Anemonengarten h√§lt!

Doch die Giftstachlerin bekam die Bilder von Shocai nicht mehr aus dem Kopf, wie er sich so elegant und gef√§hrlich wie ein Raubtier bewegt hatte und sie √§rgerte sich. Die Szene hatte √ľberhaupt nichts Anregendes an sich gehabt!
Obwohl er ihr nun zur Gen√ľge bewiesen hatte, wof√ľr seine Z√§hne zu gebrauchen waren, f√ľrchtete sie sich nicht vor ihm. Er war ein blosser Angeber, mehr nicht!
Trotzdem kribbelte es auf ihrer Haut unangenehm, als sie voran schwamm und ihn nur allzu deutlich hinter sich wahrnahm.

Sie b√ľschelte ihre Flossen wieder enger an den K√∂rper. Der letzte Teil des Durchgangs wurde von einem Teppich aus Seegras bedeckt, worin sich kleine Fischchen tummelten, und an den W√§nden klebten orange Seesterne. Dann hatten sie pl√∂tzlich die Lagune vor sich. Sie war lichtdurchflutet und √ľberall waren rot-weiss gestreifte Farbtupfer zu erkennen, denn die Giftstachler schwaderten gesch√§ftig umher. Auch die Musik war deutlicher geworden und Astroides musste sich zusammenreissen, um nicht bei den s√ľssen Kl√§ngen zu tanzen.
Direkt vor ihnen ging der Hang steiler nach unten, als es ausserhalb der Fall gewesen war.

Auf den ersten Blick konnte man keine Ordnung in dem ganzen Gewusel feststellen. √úberall klebten Anemonen, Korallen, Seesterne, Schnecken krochen ihrer Wege und bunte Fischchen flitzten √ľberall herum. Nunja, sogar die Giftstachlerin musste zugeben, dass Coralys allenthalben etwas chaotisch war.
‚ÄěDa w√§ren wir‚Äú, meinte sie √ľberfl√ľssigerweise.

Wie ein m√§chtiger Krater wirkte das Atoll, welches von Inseln und Felsw√§nden ges√§umt war. Sie liess sich etwas hineintreiben und der Boden fiel sofort steil ab. ‚Äě
Komm, hier kannst du besser sehen, wo wir wohnen.“
Von ihrem schwebenden Platz aus erhielt man erst einen Blick auf die unzähligen Höhlen und Einbuchtungen, welche als Wohnstätten der Giftstachler dienten. Viele Eingänge waren mit Seegrasvorhängen verdeckt, doch es gab auch Bewohner, die den freien Blick auf das Atoll genossen und hemmungslos den Einblick in ihr zu Hause gewährten. Schliesslich war man im Kollektiv grossgeworden, so war es nichts Ungewöhnliches, am Leben der anderen teilzuhaben.
‚ÄěDort, bei der H√∂hle zwischen den Felsspitzen, dort hab ich die rosafarbenen Anemonen angesiedelt! Ah, und dort, wo gerade der dicke Herr rausschaut‚Ķ, ja, der dem einige Stacheln fehlen, dem musste ich helfen, eine Schlafst√§tte aus Korallen f√ľr seine Mur√§ne anzulegen‚Ķ Ich glaube, er h√§lt sie als sein Wachfisch. Hat scharfe Z√§hne das Vieh‚Ķ‚Äú

Aus den Augenwinkeln sah sie eine Gruppe junger Giftstachlerinnen näher kommen. Sie tuschelten eifrig und hielten direkt auf das ungleiche Paar zu.
‚ÄěHallo Astroides. Ist das dein Freund? Wir wussten gar nicht, dass du einen so erlesenen Geschmack hast. Haben dir unsere M√§nner nicht mehr ausgereicht?‚Äú
Die gleichaltrigen Mädels kicherten und zwinkerten Shocai kokett zu.
‚ÄěDu solltest aufpassen Sandj√§ger, sie wird dich ihrer Sammlung hinzuf√ľgen wollen und in ihrer H√∂hle einsperren. Doch sobald sie einen ein√§ugigen Wurm oder eine andere Kuriosit√§t findet, wirst du sie langweilen und du wirst dort verrosten‚Ķ‚Äú
W√ľtend und ohnm√§chtig vor Wut und Scham zugleich brachte die junge Giftstachlerin kein Wort heraus. Sie f√ľhlte sich an ihre Kindheit erinnert, als sie immer geplagt wurde wegen ihrer Gr√∂sse. Irgendwie hatte sich das nie so ganz gelegt.
Obwohl ihre Nachbarn sie gerne mochten und ihre Unterwasserg√§rtnerei zu sch√§tzen wussten, hatten vor allem ihre j√ľngeren Gef√§hrten eine Freude daran, sich √ľber ihren Lebensstil lustig zu machen.
‚ÄěVerschwindet, m√ľsst ihr euch nicht noch f√ľr das Fest herausputzen?‚Äú, fauchte sie schliesslich zur√ľck, obwohl die Giftstachlerinnen sich offensichtlich bereits mit Muschelketten und B√§ndern geschm√ľckt hatten.
‚ÄěVielleicht will dein Freund ja mit uns kommen. Er w√ľrde es bestimmt nicht bereuen!‚Äú, sie l√§chelten Shocai fragend an und breiteten ihre leuchtenden Flossen aufreizend vor ihm aus.

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#13

Beitrag von Shocai » Fr 29. Apr 2016, 08:35

‚ÄěHast du schon einmal einen Eisberg gesehen?‚Äú, fragte sie schliesslich.

"Eisberge gibt es bei uns im Winter viele", erkl√§rte Shocai. "Manche sind so gro√ü wie Noldils S√ľndentempel - und auf manchen k√∂nntest du ein zweites Obenza errichten. Die meisten kommen von Skallion. Einige junge Sandj√§ger kommen manchmal auf die Idee, mit Eismagie Skulpturen mit L√∂chern, G√§ngen und Wohnh√∂len daraus zu formen und sich mit ihnen davontreiben zu lassen, wenn die Alten es mal wieder zu bunt treiben." Er warf einen kurzen Blick zu Astroides, ob sie ihm auch gebannt folgte. "Auch ich bin dereinst mit solch einem Eisberg gereist." Dass es ihm bereits nach wenigen Stunden derart kalt geworden war, dass er sich von seinen Begleitern davongestohlen und wieder in die Heimatbucht geschwommen war, verschwieg er. "Aber diese Geschichte erz√§hle ich dir ein andermal. Sie ist nichts f√ľr schwache Gem√ľter und ich m√∂chte dir nicht die Feierlaune verderben."

‚ÄěUnd gibt es dort auch Korallen? Habt ihr auch St√§dte? Warum feiert ihr eure Hochzeit nicht bei euch zu Hause, wenn es dort angeblich so sch√∂n sein soll?‚Äú

"F√ľr Korallen ist es im hohen Norden zu kalt, wir haben daf√ľr unser Algenw√§lder. Warum wir zur Hochzeit in den S√ľden reisen, erkl√§rt sich ganz einfach damit, dass die Larven hier bessere Bedingungen vorfinden. Im Eismeer ist doch alles ein einziger Kampf, nur die h√§rtesten √ľberleben." Er machte eine kurze Pause. "Au√üerdem kommt man nur im warmen Wasser richtig in Paarungsstimmung." Dieser Fakt war enorm wichtig und um das zu betonen, runzlte Shocai beim Sprechen die Stirn und machte ein todernstes Gesicht, ehe er fortfuhr.

"St√§dte brauchen wir nicht. Wozu auch? Das offene Meer bietet uns alles, was wir w√ľnschen und das, was es uns nicht bietet, nehmen wir uns einfach."

Doch zu seinem Bedauern interessierte sich Astroides in ihrer Sprunghaftigkeit nicht f√ľr weitere brisante Details, sondern sprudelte fort. "Und was macht ihr mit den Kindern, wenn ihr alle verreist, jemand muss doch auf sie aufpassen?!"

Shocai sah sie befremdlich an. "Wir lassen die Eier und die Larven nat√ľrlich hier zur√ľck, wenn wir nach der Paarung wieder in die Heimatgew√§sser reisen. W√ľrden wir uns um sie k√ľmmern, w√ľrde das nur daf√ľr sorgen, dass mehr Schw√§chlinge √ľberleben - was auch aus logischer Sicht vollkommener Bl√∂dsinn w√§re, da sie vor ihrer ersten Hochzeit sowieso get√∂tet werden w√ľrden und vorher sinnlos alles wegfressen."

Dann ersp√§hte er den Rochen, t√∂tete ihn und reichte Astroides eine Flosse, die wie eine labberiger Fleischlappen anmutete und den sie etwas absch√§tzig entgegennahm. Er musste sich ein Grinsen unterdr√ľcken. Vielleicht waren sie sich in manchen Dingen doch √§hnlicher, als er gedacht hatte.

Er folgte ihr hinein in die Stadt, die Wachen lie√üen sie ohne weiteres passieren, auch wenn sie etwas merkw√ľrdig dreinschauten. Das Innere von Coralys war gr√∂√üer, als Shocai sich jemals vorgestellt h√§tte. Das Atoll war so gro√ü, dass er wegen der Schwebeteilchen nicht die gegen√ľberliegende Seite erkennen konnte. Ja, es war kaum die ringf√∂rmige Kr√ľmmung wahrzunehmen. Und er hatte versucht, Astroides mit ein paar dummen Einsbergen von der Gr√∂√üe Obenzas zu beeindrucken. Wahrscheinlich hatte sie sich innerlich √ľber diesen pathetischen Versuch kaputtgelacht. Sie schwammen ein St√ľck. Muskik lag im Wasser, die an Walgesang erinnerte, nur sehr viel feiner, vielstimmiger und melodi√∂ser war. Shocai hielt einen Moment inne. Das klang ... sch√∂n. Solch wohlklingende Musik hatte er in seinem ganzen Leben noch nie vernommen! Er wollte sich mit seinem Rochen in ein weiches Anemonenbett legen und w√§hrend des Essens der bezaubernden Melodie lauschen und die Giftstachler beobachten, w√§hrend sie tanzten. Doch dazu musste er erst den Tanzplatz finden.


"Du, √§hm ..." Wenn er sie nicht bald nach ihrem Namen fragte, w√ľrde sie ihm wom√∂glich aus Rache die besten Pl√§tze auf dem Fest verwehren. "Wie war noch gleich dein Name? Ich will mir eure T√§nze ansehen. Ich habe einen coralyschen Freund, der stets davon schw√§rmt."

Beim Sprechen dr√ľckte er absichtlich auf dem Rochen herum, damit seine Armmuskulatur sich rhythmisch spannte. Viel gab es da allerdings leider nicht zu sehen, stellte er zu seinem Missfallen fest und so biss er von dem Rochen ab, um die peinliche Situation zu √ľberspielen. Er schob es gedanklich auf die verweichlichende Arbeit als Reinigungskraft, oder, wie Lahiko ihn dereinst genannt hatte, Putzfrau. So ein Sack. Auf dem Weg durch die Stadt schw√§rmte die Giftstachlerin. Sie schien ein sehr geschw√§tziges Pers√∂nchen zu sein. F√ľr Shocai war das ungewohnt, aber nicht unangenehm. Ihm war schon des √Ėfteren aufgefallen, dass Au√üenstehende die Schweigsamkeit der Sandj√§ger oft f√ľr Desinteresse oder gar Ablehnung hielten. Da kam es ihm nur Recht, wenn sie es war, die verhinderte, dass Gespr√§chspausen entstanden. Wobei er sich eingestehen musste, dass es ihm gro√üe Freude bereitete, seiner Begleiterin von seinen Abenteuern zu erz√§hlen und den fernen Gefilden, die sie noch nie zuvor erblickt hatte und ihr diese in den leuchtendsten Farben auszumalen.

Eine Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.
‚ÄěHallo Astroides. Ist das dein Freund? Wir wussten gar nicht, dass du einen so erlesenen Geschmack hast. Haben dir unsere M√§nner nicht mehr ausgereicht?‚Äú Die gleichaltrigen M√§dels kicherten und zwinkerten Shocai kokett zu. ‚ÄěDu solltest aufpassen Sandj√§ger, sie wird dich ihrer Sammlung hinzuf√ľgen wollen und in ihrer H√∂hle einsperren. Doch sobald sie einen ein√§ugigen Wurm oder eine andere Kuriosit√§t findet, wirst du sie langweilen und du wirst dort verrosten‚Ķ‚Äú

Hatte diese Giftstachlerin ihn so eben ... angebalzt? Er dr√ľckte seine Begleiterin zur Seite und schwamm nach vorn, um sofort einen Paarungstanz zu beginnen, doch die funkte dazwischen: ‚ÄěVerschwindet, m√ľsst ihr euch nicht noch f√ľr das Fest herausputzen?‚Äú Shocai brach seinen Versuch ab und lie√ü die Flossen h√§ngen. Offenbar war es hier √ľblich, sich in die Balzangelegenheiten anderer Shezem einzumischen. Doch die andre Giftstachlerin gab nicht auf. ‚ÄěVielleicht will dein Freund ja mit uns kommen. Er w√ľrde es bestimmt nicht bereuen!‚Äú, sie l√§chelten Shocai fragend an und breiteten ihre leuchtenden Flossen aufreizend vor ihm aus. Uns! Sie wollten sich alle mit ihm paaren! Er merkte, wie sein Penis Anstalten machte, sich aus der Hautfalte zu schieben. "Es w√§re mir eine Ehre", sagte er m√ľhsam beherrscht. Die von Lahiko abgekupferte Verneigung sah nun deutlich weniger elegant aus als zuvor, doch sie verfehlte nicht ihren Zweck. Die Giftstachlerinen kicherten und warfen seiner ersten Begleiterung boshafte Blicke zu - so als ob sie ihn nur darum mit sich nahmen, um ihr eins auszuwischen. Ihm war es egal. Hauptsache, er konnte sich endlich paaren!

Und so lie√ü er zu, dass sie ihn mit sich nahmen. Den Rochen lie√ü er achtlos fallen, ihm war der Hunger vergangen. Doch anstatt sofort den Paarungstanz einzuleiten und sich mit ihm in die Korallen zu legen, schleiften sie ihn dorthin, wo die Musik herkam - und wollten mit ihm tanzen. Aber nicht auf Sandj√§gerart, mit kraftvollem Kreisen, um ihm ihre St√§rke zu demonstrieren, nein. Sie drehten Spiralen, Pioruetten, als ob es nur darauf ankam, m√∂glichst komplizierte Formen zu vollf√ľhren. Nebenbei kokketierten sie frech mit Giftstachlerm√§nnern, die deutlich besser als Shocai wussten, wie sie darauf reagieren mussten und mit eleganten Schrauben antworteten. Bei jeder Drehung spreizten sie die Flossen, um sie zwischendurch wieder anzulegen. Wie schwimmende Schmetterlinge.

Ungl√§ubig betrachtete Shocai die komplizierten Tanzformen. Das zu imitieren war f√ľr ihn ein Ding der Unm√∂glichkeit, nicht nur wegen des Fehlens der gro√üen Flossen. Er kam sich vollkommen fehl am Platz vor. Wenn er so was vollbringen musste, ehe er hier zur Paarung kam, konnte er sich genauso gut wieder mit den Sandj√§gerinnen anlegen. Missgestimmt legte er sichauf eine gro√üe Tischkoralle und beobachtete das Treiben. Die Stimmung war ihm vergangen. Und seinen Rochen hatte er auch verloren, so dass er nicht einmal aus Frust etwas essen konnte. Wo war noch gleich seine Begleiterin ...?

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#14

Beitrag von Astroides Calycularis » Do 12. Mai 2016, 17:25

Begeistert lauschte Astroides seinen Erz√§hlungen und begl√ľckw√ľnschte sich selbst daf√ľr, den Sandj√§ger in der H√∂hle entdeckt zu haben. So w√ľrde sie mehr √ľber die fernen Gegenden erfahren als noch durch ihre Fundst√ľcke, welche ihr bereits einen Einblick in das Leben anderer Lebewesen gew√§hrten. Immer wieder schossen ihr neue Fragen durch den Kopf, mit welchen sie den geduldigen Shocai bombardierte.

‚ÄěWie? Ihr √ľberlasst die Kleinen einfach den Gefahren des Meeres?‚Äú, entsetzt starrte sie Shocai an, der dies mit v√∂llig ausdrucksloser Miene aussprach.
"W√ľrden wir uns um sie k√ľmmern, w√ľrde das nur daf√ľr sorgen, dass mehr Schw√§chlinge √ľberleben - was auch aus logischer Sicht vollkommener Bl√∂dsinn w√§re, da sie vor ihrer ersten Hochzeit sowieso get√∂tet werden w√ľrden und vorher sinnlos alles wegfressen."
Astroides erstarrte bei seinen Worten und einen Moment lang hatte es ihr die Sprache verschlagen.
Sie war immer eine der Kleinsten gewesen und hatte sich oft nicht gegen die anderen durchsetzen k√∂nnen. Und nun erkl√§rte Shocai ihr scheinbar gef√ľhlskalt, dass sie als Sandj√§gerin vermutlich den Fischen zum Frass gedient h√§tte.
‚ÄěAlso hast du deine erste Hochzeit bereits erfolgreich hinter dir‚Äú, murmelte sie, ohne eine Antwort zu erwarten.

Auch dass es im Norden keine Korallen geben sollte, schockierte die Giftstachlerin. Als er jedoch die Namen von weit entfernten Städten erwähnte und von den Eisbergen erzählte, leuchteten ihre Augen wieder auf.
‚ÄěDu kannst Eis formen? Das ist ja toll! Dann sind die Giftstachler und die Sandj√§ger gar nicht so unterschiedlich. Auch wir formen unsere Wohnst√§tten nach unserem Belieben!‚Äú
Vor ihrem inneren Auge formte sie bereits selbst einen schwimmenden Eisberg zu einer riesigen Schildkröte heran.
‚ÄěIch wusste gar nicht, dass Sandj√§ger Magie wirken?‚Äú, fragend blickte sie nun zu Shocai hin√ľber.
Es war bekannt, dass Giftstachler ihre magische Begabung gerne nutzten, doch anhand der wenigen Erzählungen hatte Astroides angenommen, dass Sandjäger dazu nicht in der Lage wären.

Sie selbst nutzte ihre Magie nicht √ľberm√§ssig, aber manchmal erwies es sich als praktisch, mit einem Wasserstoss die Beute zu bet√§uben. Wenn sie Langeweile versp√ľrte, was nat√ľrlich √§usserst selten der Fall war ‚Äď das Riff war einfach viel zu interessant, dann spielte sie mit kleinen magischen Wasserfiguren, die sie herumtollen liess. Doch das Wichtigste f√ľr die junge Frau war die Luftblasenmalerei. Damit konnte sie faszinierende Erinnerungen festhalten.

Prompt wandte sie sich zu Shocai um und ihre Gedanken schlugen Purzelb√§ume. Wenn er wirklich Magie wirken konnte, dann m√ľsste er ihr seine Erinnerungen zeigen! Daran, dass ihr selbst dann noch unz√§hlige Luftblasen zerplatzten, als sie ihre Bilder darauf festhalten wollte, nachdem sie bereits voll f√§hig war, einfache Seifenblasen herzustellen, wollte sie lieber nicht denken. Zu begeistert war sie von ihrer Idee und wollte sie gerade ungest√ľm ihrer Begleitung mitteilen, doch zu ihrem Erstaunen stellte in diesem Moment der Sandj√§ger eine Frage an sie. Erst jetzt fiel ihr auf, dass er bis anhin kaum etwas von ihr wissen wollte.

"Du, ähm ...Wie war noch gleich dein Name? Ich will mir eure Tänze ansehen. Ich habe einen coralyschen Freund, der stets davon schwärmt."
‚ÄěVon den H√∂flichkeitsformen der Giftstachler hat dir dein Freund wohl einiges vorenthalten‚Äú, antwortete sie in tadelndem Tonfall.
‚ÄěMein Name ist Astroides‚Ķ Astroides Calycularis. So heisst eigentlich eine Sternkoralle. Wenn du l√§nger hier bleibst, muss ich sie dir unbedingt zeigen! Sie sind orangefarben und meist in H√∂hlen anzutreffen. Dort bedecken sie Boden, W√§nde und Decken. Es sieht wundersch√∂n aus‚Äú, sie kam ins Schw√§rmen und vergass dar√ľber beinahe sein eigentliches Anliegen.
Als er scheinbar gelangweilt von ihrer Rede auf seinem Rochenanteil herumdr√ľckte, stockte sie mit ihren Ausschweifungen.
Ich darf ihn nicht langweilen! Er soll mir doch noch einige Luftblasen mit seinen Erinnerungen bemalen f√ľr meine Sammlung!
Gerade als sie zu einer Antwort ansetzten wollte, hörte sie die ungeliebte Stimme von ihrer Altersgenossin.

Ab diesem Augenblick war sie f√ľr Shocai nur noch Luft. Sie h√§tte auch einer der Buntbarsche sein k√∂nnen, die immer einmal wieder ihre Runden durch das Atoll zogen, und h√§tte nicht weniger Aufmerksamkeit von ihm errungen.
Trotzdem war die junge Frau davon √ľberzeugt, dass er erkennen w√ľrde, dass diese Weiber bloss mit ihm spielen wollten. Doch sie sollte sich irren. Es machte den M√§dels Spass, Astroides zu dem√ľtigen und da kam ihnen Shocai gerade Recht.
‚ÄěWie kann man nur so verblendet sein‚Äú, fauchte sie, als er sich zu ihrem Leidwesen anstandslos von den Giftstachlerinnen abf√ľhren liess ohne ihr auch nur noch einen Blick zu schenken.
‚ÄěEr scharwenzelt ihnen hinterher wie ein liebestolles Walross!‚Äú

Auf dem Weg in ihre Wohnst√§tte schimpfte sie aufgebracht vor sich hin. Ihre Nachbarin blickte ihr √ľberrascht hinterher, denn dies war gar nicht √ľblich f√ľr die kleine Giftstachlerin.
Sogar der √§ltere Mur√§nenbesitzer bot ihr mit einem Zwinkern seine Unterst√ľtzung an: ‚ÄěWenn du willst, lasse ich meinen Hektor auf den Kerl los, der dich so ver√§rgert hat!‚Äú
Doch Astroides war in Gedanken bereits auf der Tanzfläche. Sie konnte selbst nicht benennen, was sie am meisten verletzte.
Ist es das arrogante und b√∂sartige Gehabe ihrer Artgenossen? Oder ist es ihre Naivit√§t und dass sie Shocai so falsch eingesch√§tzt hat? Oder dass er, ohne sie eines weiteren Blickes zu w√ľrdigen, mit den kokettierenden Weibern davongeschwommen ist?
Vermutlich sah er in ihr auch bloss einen jener Schwächlinge, die bei den Sandjägern bereits vor dem ersten Lebensjahr den Tod fanden.
Obwohl sie innerlich brodelte, nagten doch Neugier und Stolz an ihr. Schliesslich fasste sie einen Entschluss. Sie wusste genau, wohin die Giftstachlerinnen mit dem Sandj√§ger geschwommen waren und sie w√ľrde sich bestimmt nicht in ihrer H√∂hle verkriechen. Nein, auch sie w√ľrde ihren Spass haben!

Einige Zeit sp√§ter erreichte auch Astroides den Ort des Vergn√ľgens. Sofort umh√ľllte sie der Klang der Musik und ihre Wut fiel wie ein Schleier von ihr ab. Sie liebte es zu tanzen und sich im Einklang mit den Schwingungen der Instrumente und den Str√∂mungen des Ozeans zu bewegen.
Sie st√ľrzte sich ins Vergn√ľgen und liess sich vom Rhythmus mitziehen. Immer wieder drehte sie Pirouetten und achtete dabei wenig auf ihre Umgebung. Sie wirbelte herum, so dass der Schmuck um ihren Hals, die Handgelenke und an ihrer Schwanzflosse fr√∂hlich klimperte.
Auch sie trug Muscheln an ihren Armb√§ndern, die sie kunstvoll aus Seegras geflochten hatte, doch dazwischen glitzerten sowohl silberne als auch goldene M√ľnzen und Kupferkn√∂pfe, welche sie in den Schiffsr√ľmpfen gefunden hatte. An der Kette um ihren Hals baumelte ein stumpfes St√ľck einer dreizackigen Gabel.
Von den Bewegungen und der allgemeinen Erregung angesteckt, leuchtete ihr Körper in einem satten rot-weissen Streifenmuster und die feinen aneinandergereihten Punkte und Linien verliehen ihrem Gesicht einen filigranen Ausdruck.

Mit ihren gleitenden H√ľftbewegungen erregte sie die Aufmerksamkeit eines m√§nnlichen Giftstachlers. Er begann sie mit kr√§ftigen und doch eleganten Figuren zu umwerben. Freudig erwiderte Astroides seine Aufforderung und genoss die maskuline Zuwendung. Immer wieder breitete er seine roten Flossen aus, um ihr zu imponieren.
Diese Momente waren eine der wenigen Gelegenheiten, an denen sich die junge Frau vollkommen zugeh√∂rig f√ľhlte. Die Musik kn√ľpfte ein Band zwischen den T√§nzern und jeder, der sich darauf einliess, war willkommen. Nat√ľrlich schwammen manche gewagtere Figuren als andere, doch trotzdem durfte jeder an dem Fest teilhaben. Ob es schlussendlich jedoch f√ľr einen Paarungstanz ausreichte, dies war eine andere Frage.

Die Anspannung war von Astroides abgefallen, als sie w√§hrend einer k√ľhnen Schlaufe einen Blick auf einen silbernen Schemen am Rande der Tanzfl√§che erhaschte. Zufrieden registrierte sie, dass es sich dabei um den liebestollen Shocai handelte, der wohl doch noch eine Abfuhr erhalten hatte.
Geschickt gelang es der jungen Frau, sich mit ihrem ausdauernden Tanzpartner ins Gesichtsfeld des Sandjägers zu manövrieren.
Erst jetzt begann sie auch ihre auffallend dunkelblauen Flossen zur Schau zu stellen, was der m√§nnliche Giftstachler mit Wohlwollen zur Kenntnis nahm. Immer wieder glitten ihre Blicke jedoch zu dem Sandj√§ger hin√ľber, der sich auf der Koralle l√ľmmelte. Irgendwann bemerkte auch ihr Tanzpartner das Desinteresse an seiner Gestalt, verbeugte sich in h√∂flicher Giftstachlermanier, um dann eine erfolgversprechendere Partnerin zu umwerben.

Einem Impuls folgend formte Astroides mit ihrer Magie eine handfl√§chengrosse Wasserfigur, welche sie zu Shocai hin√ľber schickte. Scheinbar noch immer tanzend beobachtete sie, wie der Sandj√§ger von der kleinen weiblichen Ausgabe seiner Art mit kr√§ftigen Schwimmz√ľgen umkreist wurde.
‚ÄěSoll er doch auch seinen Spass haben‚Äú, dachte sich die gedem√ľtigte junge Frau mit einem fr√∂hlichen L√§cheln auf den Lippen und einem hinterlistigen Funkeln in den dunkelblauen Augen.

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#15

Beitrag von Shocai » Fr 10. Jun 2016, 17:07

Mit einem Gesicht, als w√ľrde er ihnen allen den sofortigen Tod w√ľnschen, beobachtete Shocai den Tanz der Giftstachler. Er hasste dieses fr√∂hliche Volk. Er wollte es hassen, ihr Gegrinse, das Gedudel, das Gebalze ... aber er merkte, dass es etwas anderes war. Das Gef√ľhl von Sehnsucht, der Wunsch, dazuzugeh√∂ren. Auch er wollte ein seliges L√§cheln auf dem Gesicht haben, sich im Tanze wiegen und die Zeit um sich herum vergessen k√∂nnen - einmal nicht k√§mpfen m√ľssen, einfach den Augenblick genie√üen und sei es nur f√ľr einen Tag. Von den Sandj√§gern verschm√§ht und zu den Giftstachlern konnte er niemals geh√∂ren, f√ľhlte er sich hier so falsch wie dort. Am besten war es, wenn er einfach zur√ľck zu Noldils S√ľndentempel kehrte, den Wischmopp in die Hand nahm und die Taverne von den √úberresten der letzten Nacht reinigte, w√§hrend Zott ihn keifend zur Eile antrieb und mit Lohnstreichung drohte. Das war das Einzige, was er konnte. Deprimiert wollte er sich erheben, da kam eine kleine Wasserfigur angehuscht, eine winzige Sandj√§gerin, die einen Balztanz um ihn vollf√ľhrte. Erbost sah er sich nach dem Quell dieses Spottes um.

Astroides. Nat√ľrlich.

Die ganze Zeit schon hatte er sich dar√ľber ge√§rgert, wie m√ľhelos sie mit den m√§nnlichen Giftstachlern anb√§ndeln konnte und ihm dadurch vor Augen hielt, wie wenig sie auf ihn angewiesen war. Dabei hatte sie ihn zuvor noch angebalzt - Shocai war sich sicher, dass sie ihn angebalzt hatte! - und nun? Nicht einmal eine kuriosit√§tensammelnde Gifstachlerin konnte Interesse an ihm finden, nicht einmal als Kuriosit√§t taugte er, so langweilig und durchschnittlich war er! Unterdurchschnittlich!

"Willst nun auch du mich verh√∂hnen?", fragte er grimmig. "Nur zu. Mach weiter. Zeig mir einmal mehr, welch Geistes Kind ihr Giftstachler seid - und wie ihr mit G√§sten verfahrt, die euren T√§nzen nicht gen√ľgen." Gern h√§tte er sie nach Strich und Faden verpr√ľgelt und ihr gezeigt, was es hie√ü, sich mit ihm anzulegen, einem stolzen Sandj√§ger!


... der Karikatur eines stolzen Sandjägers.

Shocai konnte das alles nicht mehr ertragen. Er f√ľhlte sich so elend und gedem√ľtigt, wie schon lange nicht mehr, stie√ü sich ab und schwamm davon. Er verlie√ü Coralys, die Musik wurde leiser, bis er nichts mehr h√∂rte als das leise Rauschen des Wassers, dessen Wellenspiel tanzende Vorh√§nge aus goldenem Licht warf. Er schwamm, ohne sich noch einmal umzublicken. Stundenlang glitt er √ľber den Sand, ehe der Grund im Dunkeln unter ihm verschwand. Shocai blieb an der Oberfl√§che, er f√ľrchtete das Schwarze Wasser. Und im Gegensatz zu seiner Hinreise war sein Kopf nun frei vom Liebesrausch. Er nahm all die Dunkelheit und K√§lte wahr, die von unten aufstieg und nach ihm zu greifen schien, den Ort, wo der Wei√üe lauerte. Er schwamm noch ein wenig schneller.

Tage sp√§ter kam er v√∂llig ersch√∂pft und ausgehungert am Ufer an. Er schwamm ins Flachwasser und verwandelte sich zur√ľck in seine Landwandlergestalt. Auf allen Vieren kroch er auf den Strand und grub seinen grauen Herrenrock aus. Mit schwachen Fingern legte er ihn an. Der Sand klebte √ľberall auf seiner nassen grauen Haut. Es war gerade Nacht und im Wald zirpten die Zikaden. Er wollte ihrem Ruf folgen, um den Weg zum Tempel zu finden, doch er sank noch auf der D√ľne zusammen und schlief ein.

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#16

Beitrag von Astroides Calycularis » Fr 22. Jul 2016, 19:14

Einige Monde waren vergangen, seit der interessanten Begegnung mit dem Sandj√§ger. Trotzdem dachte die junge Shezem oft an Shocai, denn allzu kurz war die Zeit gewesen, in der sie Neues √ľber sein Volk und seine Heimat erfahren konnte.

Als die Erinnerungen an ihn noch frisch waren, hielt sie die Bilder auf ihren magischen Wasserblasen fest. Die meisten Zeichnungen verdeutlichten die Anatomie der Sandjäger und ihre Bewegungsabläufe, doch eine hatte sich auch hineingeschlichen, wo ein verträumter und zugleich stolzer Blick sein Gesicht umwölkte, als er ihr vom nördlichen Eismeer erzählte.
Inzwischen schaffte sie es nicht mehr, ihre Erinnerungen scharf genug heraufzubeschwören, um sie durch Magie auf die schwebenden Blasen zu bannen.

Deshalb hatte sie angefangen, sich neue Modelle f√ľr ihre Kreativit√§t zu suchen. Und sie wurde nicht entt√§uscht. In dem riesigen Riff gab es jenste Kreaturen zu beobachten und erforschen.
So hatte sich Astroides schnell in eine andere Sch√∂pfung der G√∂tter verliebt ‚Äď die Tintenfische. Ob Sepien oder Kraken, nichts war vor ihrer Neugier und Faszination sicher. Auch vor Kalmaren h√§tte sie bestimmt keinen Halt gemacht, doch diese Wesen waren in tieferen Regionen beheimatet, wohin Astroides sich nicht ohne Begleitung hintraute.

Sie hatte sich sogar einen eigenen kleinen Kraken angeschafft, den sie mit dem stolzen Namen Eldorado betraute. Das schlaue Tier hatte sich sofort in ihrer Wohnh√∂hle heimisch gef√ľhlt, da es ihm hunderte Versteckm√∂glichkeiten bot und immer wieder neue Gegenst√§nde dazu kamen, die von ihm abgetastet und erforscht werden konnten.
Leider hatte er auch Gefallen an der Schnecke gefunden und sie kurzerhand geknackt.
Obwohl Astroides dar√ľber √§usserst betr√ľbt war, hatte sie dem kleinen Goldkerl schnell verziehen, da er sie immer wieder mit seiner Intelligenz √ľberraschte. Er gew√∂hnte sich so an die Shezem, dass er manchmal seine Tentakeln um ihre Arme oder Schwanzflosse legte und sie ihn auf diese Weise auf ihre Ausfl√ľge mitnehmen konnte.

So war das Leben weiter vorangeschritten. Gärten und Wohnhöhlen mussten bepflanzt und gepflegt werden, die Muräne Hektor verlangte nach einem neuen Unterschlupf, da er eine Partnerin erhalten hatte und die gleichaltrigen Weiber verloren langsam das Interesse daran, Astroides wegen des geflohenen Sandjägers zu foppen.
Es sollte jedoch geschehen, dass das beschauliche Leben der jungen Frau aus den Fugen gerissen wurde.

Der Tag war st√ľrmisch f√ľr diese Gegend und die meisten Giftstachler hielten sich in Coralys auf. Nur wenige trotzten den starken Str√∂mungen, die bis auf den Meeresboden zu sp√ľren waren. Astroides war eine von ihnen, denn heute hatte sie ihren freien Tag und wollte ihn keinesfalls ungenutzt verstreichen lassen. Da sie jedoch um die Gefahren der scharfen Felskanten wusste, wenn man nicht vorsichtig genug war, entfernte sie sich weiter von der Stadt, wo der Boden langsam in einen sandigen Grund √ľberging.

Der Sand wurde von der st√ľrmischen See aufgewirbelt und vernebelte ihr die Sicht. Anstatt sich zu sorgen hielt die lebensfrohe Frau jedoch nur in ihren Bewegungen inne, um sich von der Kraft des Meeres tragen zu lassen. Sie konnte die Kraft des Ozeans sp√ľren und schloss gl√ľcklich die Augen. Manchmal sanft wie in einer Wiege, manchmal kr√§ftig wie in einem Orkan wurde sie herumgeschoben. In solchen Momenten w√ľnschte sich sie jemanden, den sie an der Hand halten konnte, und der diese f√ľr sie besonderen Augenblicke mit ihr teilen konnte. Oder musste ‚Äď nicht jeder verkraftete den energischen Seegang und brachte die gleiche Liebe daf√ľr auf, wie Astroides.

Ganz abgelenkt von ihren Empfindungen bemerkte sie nicht den m√§chtigen Schiffsrumpf, der √ľber sie hinweg glitt wie ein dunkler Schatten und nicht das dichte Netz, das hinter ihm her geschleift wurde, und bereits viele Meereslebewesen in seinen F√§ngen gefangen hielt.
Als ein Schwarm Fische panisch an ihr vorbeizischte, blickte sie ihnen bloss verdutzt hinterher, bevor sie sich umwandte und vor Schreck erstarrte.

Urpl√∂tzlich war sie umgeben von Tieren, die verzweifelt gegen den Sog des Netzes ank√§mpften. Im n√§chsten Moment sp√ľrte Astroides wie auch sie davon ergriffen wurde. Vergeblich versuchte sie davon zu schwimmen, doch das Schiff bewegte sich schnell und begann nun, seine Beute unbarmherzig einzuziehen. Astroides wurde gegen die Schn√ľre gepresst und sp√ľrte, wie sie in ihre feine Haut einschnitten. Eine ihrer Stacheln brach unter dem Druck eines Meeress√§ugers ab, der gegen sie gepresst wurde und ein Schmerzlaut kam √ľber ihre Lippen.
Um sie herum hatten sich kleinere Haie verfangen und auch eine Schildkröte hing leblos daneben. Immer mehr Fische fielen in ganzen Schwärmen der Falle zum Opfer.

Astroides zerrte an den Schn√ľren, und begann dann √§ngstlich nach Luft zu schnappen, als das Gewicht der anderen Gefangenen sie zu erdr√ľcken drohte.
Als sie die Oberfläche durchbrachen, war die Shezem einer Ohnmacht nahe und in Todesangst wand sie sich.
Nur wenige Male hatte sie ihren Kopf aus dem Wasser gestreckt, doch niemals hatte sie es verlassen. Nun wurde die Tochter des Meeres ihm gewaltsam entrissen. In flimmernden Bildern erkannte sie das Schiff und die Männer, welche darauf herum rannten und sich Befehle zuriefen. Sie konnte sehen, wie der Wind an den Segeln zerrte.
F√ľr einen klaren Gedanken war sie nicht mehr f√§hig und als sie mit den anderen Ungl√ľcklichen auf die nassen Planken klatschte, schwand ihr Bewusstsein. Dunkelheit umh√ľllte sie.

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#17

Beitrag von Shocai » Sa 6. Aug 2016, 16:25

FLA-TA-TA-TA-TATSCH.

Der Inhalt des Schleppnetzes ergoss sich zappelnd an Deck. Shocai war in Landwandlergestalt, trug seinen √ľblichen Rock und dazu ein blau kariertes Geschirrtuch wie ein Piratenkopftuch. Er watete in der herumglibbernden und h√ľpfenden Masse an Leibern herum und begann sie zu sortieren. Der hohe Seegang lie√ü ihn immer wieder straucheln. Doch er war ge√ľbt, in rascher Folge warf er die Tiere des Meeres in die bereitstehenden K√∂rbe. Aus seinem Mund hing die Schwanzflosse einer Sardine, auf der er nebenbei herumkaute. Die anderen Billigl√∂hner der Handelsallianz halfen ihm beim Sortieren. Die ganz gro√üen F√§nge, wie einen Delphin, bestaunte und lobte man, ehe man sie nebeneinander am Schwanz aufhing und mit durchschnittener Kehle ausbluten lie√ü. Ein guter Teil der Kreaturen, wie Quallen oder andere, die niemandem schmeckten, landete tot oder verletzt wieder im Wasser. Kreischende M√∂wen st√ľrzten sich darauf und ein Schwarm kleiner Haie nahm sich, was die V√∂gel nicht von der Oberfl√§che picken konnten.

W√§hrend Shocai und die anderen arbeiteten, r√§kelte Lahiko sich wie eine Galeonsfigur am Bug des Kutters, l√§chelte freundlich und machte nicht einen Finger krumm. √úber den Himmel zogen schwere, graue Wolken und ein k√ľhler Wind pfiff. Shocai fand die frische Brise angenehm. Die dr√ľckende Mittagshitze zuvor, deren Sonne ihn dazu gebracht hatte, seinen karierten Kopfputz aufzusetzen, war unertr√§glich gewesen. Auch jetzt war es trotz des Windes noch schw√ľl und dr√ľckend, bald w√ľrde es ein Unwetter geben. Ihn brauchte das nicht zu k√ľmmern, konnte er doch einfach unter die Meeresoberfl√§che fliehen, doch sein Arbeit- und Geldgeber befand sich an Bord, so dass er besorgt die graue Stirn runzelte. Er beeilte sich mit dem Sortieren des Fangs. Eine Gro√ügarnele warf er Lahiko zu, der sie l√§ssig mit einer Hand fing, aufknackte und sogleich zu verspeisen begann. Er selbst schob sich eine weitere Sardine in den Mund, w√§hrend er sich mit beiden H√§nden durch die zappelnde Masse w√ľhlte. Hier war wieder irgendwas gro√ües, noch ein Delphin. Er grub den K√∂rper frei. Eine orange-wei√ü gestreifte Gestalt kam anstelle des erwarteten Meeress√§ugers zum Vorschein. Astroides. Schei√üe.

"Lahiko, schau dir das an!"
"Bei Nyel, ein Leichnam!"
"Idiot! Sie lebt! Irgendwas muss man doch jetzt machen!"
"Herz-Kiemen-Wiederbelebung!"
"Dann mach das! Schnell, los!"
"Das kann ich nicht! Wir brauchen Hilfe! Kapitäään!"
Beh√§big kam der naridische Almane mit dem von Federn √ľberquellenden Dreispitz n√§her. Er beu√§ugte die bewusstlose Giftstachlerin. "Was haben wir denn hier f√ľr einen Fang?"
"Sie braucht Hilfe!"
"Unfug. Sie braucht einen Käufer!"
Der Kapit√§n pfiff und sogleich wurde Astroides in ein mit Wasser gef√ľlltes Gro√üraumfass gesteckt, das mit einem Deckel abgedichtet wurde.

Bevor der Sturm hereinbrach, erreichte der Kutter Obenza. Die Fische wurden zu den H√§ndlern gebracht, das Fass mit Astroides wurde von Shocai zum S√ľndentempel gerollt, w√§hrend Lahiko gestikulierend nebenherlief. Sie hatten die Aufgabe, einen m√∂glichst hohen Preis zu erzielen. Beide hatten keine Ahnung, wie man so etwas anstellte - oder was sie jetzt √ľberhaupt tun sollten.

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#18

Beitrag von Astroides Calycularis » Mo 29. Aug 2016, 17:38

Astroides riss die Augen auf, als sie unsanft von den Seeleuten in ein Fass mit Meerwasser geworfen wurde. Bevor sie richtig realisierte, was passierte, wurde auch schon der Deckel aufgenagelt und die Lichtquelle versiegte. Ihr Leib wurde unbequem zusammengequetscht und der Platz reichte nicht einmal aus, dass sie ihre Arme zur Seite ausstrecken konnte.
Die junge Shezem war in einer Schockstarre gefangen und atmete nur flach, während ihr Herz zu rasen schien. Was war geschehen?
Sie versuchte die Einzelheiten auszumachen, doch sie konnte bloss einzelne Bilder heraufbeschw√∂ren: Der sandige Grund, der unter den Wellen aufgewirbelt wurde. Die panischen Fische. Das Netz, das pl√∂tzlich aus dem Nichts aufgetaucht war. Das Gef√ľhl, als w√ľrden ihre Lungen bersten. Der Schiffsrumpf, der sich wie ein gefr√§ssiges Tier √ľber ihr erhob. Dann die erl√∂sende Dunkelheit.

Sie mussten sich noch auf dem Meer befinden, denn das Wasser wurde mit jeder Welle um sie herumgewirbelt, w√§hrend sie darin wie eine Sardine herumh√ľpfte. Sie zuckte schmerzlich zusammen, als eine ihrer Stacheln abbrach. Fortan versuchte sie sich mit dem Bauch gegen die Wand zu pressen, um ihre Giftstacheln zu sch√ľtzen, was ihr jedoch aus Platzmangel nur bedingt gelang.
Endlich beruhigte sich das Schaukeln und das Tosen des Sturms wurde leiser, als das Schiff in den Hafen einfuhr. Astroides konnte Stimmen vernehmen, welche sich in fremder Zunge untereinander verständigten und durch das Wasser und die Wand des Fasses seltsam gedämpft klangen.

Gleich w√ľrde man sie hier rausholen. Das konnte doch nur ein Missverst√§ndnis sein!
Was wollten diese Fischfänger schon mit einer Shezem anfangen?
Dann erinnerte sie sich an Geschichten, die erzählten, wie ihr Volk wegen ihrer Stacheln gejagt wurde.
Astroides war irritiert. Wenn dem so w√§re, machten die ihren Fang ja gerade zunichte, denn lange w√ľrden ihre giftigen Waffen nicht mehr Stand halten, bevor sie zerbrachen.

Auch der Sauerstoff im Wasser wurde immer notd√ľrftiger und mit jedem Kiemenzug konnte sie den abgestandenen Geschmack warhnehmen, der von dem ranzigen Fass noch verst√§rkt wurde.
‚ÄěHalloooo, ich will hier raauus!‚Äú, begann Astroides nun pl√∂tzlich wie von Sinnen zu rufen. Verzweifelt klopfte sie mit ihren H√§nden gegen W√§nde und Deckel, stemmte sich gar dagegen.
Im nächsten Moment begann das Fass plötzlich zu wackeln und mit einem heftigen Schwung wurde es zur Seite gekehrt.
Astroides schrie erschrocken auf und sp√ľrte im n√§chsten Augenblick wie sie weitere Giftstacheln verlor. Ein Blutrinnsal breitete sich im Fass aus, so nah an ihrem Leib waren die Stacheln abgebrochen.

Ein ver√§ngstigtes Wimmern verhallte ungeh√∂rt, dann wurde das Fass losgerollt. Astroides wurde herumgesch√ľttelt, bis von ihrem Volksnamen nur noch ein paar stumpfe √úberbleibsel erz√§hlten.
Irgendwann h√∂rte das Gerumpel auf. Benommen hatte sich die Shezem zusammengeringelt, so gut es ihr m√∂glich war, um sich zu sch√ľtzen.
Langsam löste sie sich aus ihrer Umklammerung, als sie von Draussen Stimmen hörte. Im Wasser waren ihre Tränen unsichtbar.

W√§hrend draussen diskutiert wurde, raffte Astroides tastend ihre abgebrochenen Stacheln zusammen und umklammerte sie mit ihrer rechten Hand, bis die Fingerkn√∂chel weiss hervortraten. Ihr K√∂rper war √ľbers√§t von Kratzern, die von der rauen Fasswand herr√ľhrten und ihre Schwanzflosse war taub von der gebogenen Haltung, in die sie gezw√§ngt war.
Doch noch war ihr Wille nicht gebrochen. Sie sammelte ihre magischen Kräfte, um den Moment abzuwarten, bis jemand das Fass öffnete.
Wer auch immer das sein sollte, w√ľrde eine geballte Faust Meerwasser hart wie ein Eisklumpen mit voller Wucht abbekommen und dann w√ľrde sie ihm die Giftstacheln ins Fleisch rammen, auf dass er daran elendig verende.

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#19

Beitrag von Shocai » Do 29. Sep 2016, 11:06

Sie rollten das Fass die Rampe zum S√ľndentempel hinauf. Eine Gruppe beladener Ochsen brachten gerade neue Vorr√§te in den Lagerraum. Sie folgten ihnen ins Innere. Shocai hatte keine Ahnung, wohin zum Blobfisch er mit dem Fang √ľberhaupt sollte! Sein Blick huschte f√ľr einen Moment in Richtung des Eingangs zur Kantine. Das war vielleicht doch etwas brachial f√ľr die Verh√§ltnisse au√üerhalb des Eismeeres. Kannibalismus war hier leider kein Bestandteil des Kulturgutes. Sein Blick glitt weiter in Richtung der Treppe, die zum Freudenhaus hinauff√ľhrte. Nein. Irgendetwas in ihm wollte das nicht, auch wenn sie dort mit der h√ľbschen Giftstachlerin sicher gutes Geld h√§tten machen k√∂nnen.

"Und jetzt?"
"Woher soll ich das wissen? Irgendwer wird sie uns schon abkaufen. Vielleicht können wir sie ja einfach öffentlich versteigern."

Shocai f√ľhlte sich unwohl bei dem Gedanken. Sie konnten doch nicht einfach jemanden seiner Freiheit berauben und dann versteigern wie einen Sklaven, nur weil der Kapit√§n das anordnete! Stand dies √ľberhaupt im Einklang mit den Gesetzen hier? Aber Lahiko hingegen schien das alles sehr locker zu sehen, also w√ľrde es schon seine Richtigkeit haben. Shocai war dennoch unsicher. Astroides war ziemlich gemein zu ihm gewesen. Sie hatte seinen sandj√§gerischen Stolz gekr√§nkt! Eigentlich hatte er ihr ja den Norden zeigen wollen, die schwimmenden Eisst√§dte von Skille, doch nun ... Nachdenklich betrachtete er das Fass, in dem es leise rumorte. Vielleicht konnte er ihr ja zumindest einen Denkzettel verpassen. Genau, das war ein Plan. Er w√ľrde sie verkaufen, das Geld einstreichen und sie hinterher wieder befreien! Zwei Fische mit einem Kescher! Dann w√ľrde sie erkennen, was f√ľr ein mutiger Sandj√§ger er war und ihn nicht mehr f√ľr ein paar bl√∂de schmetterlingsflossige Giftstachlerheringe h√§ngen lassen! Er tuschelte Lahiko sein Vorhaben ins Ohr. Nat√ľrlich durfte die gefangene Dame nicht wissen, dass die folgende Inszenierung eingef√§delt war und so versteckte Shocai sich im Garten bei einer Sitzgruppe hinter einem mit Zimmerpflanzen bewachsenen Raumtrenner und lugte durch das geflochtene Holzgitter. Lahiko rollte derweile das Fass in die Mitte der Wiese, dort wo man ihn von den Biertischgarnituren aus gut sehen und h√∂ren konnte.

"Giftstachlerin zu verkaufen!", rief er vergn√ľgt und riss den Deckel auf. Im n√§chsten Moment krachte ein geballter Wasserstrahl in sein Gesicht und er st√ľrzte r√ľcklings ins Gras, den Deckel noch in den H√§nden. Bet√§ubt schielte er den Himmel an.

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Re: Die Bestie und das Biest [Unterwasser-RPG]

#20

Beitrag von Astroides Calycularis » Sa 8. Okt 2016, 19:31

Das Fass wankte gefährlich ab der Wucht der Magie, sodass Astroides sich am Rand festklammerte, als sie das viele Gras bemerkte, das so gar nicht wie Seetang anmutete.
Ach du alter Backfisch, wo war das Meer abgeblieben?!
Auch von den Schiffen war keines mehr in Sicht, stattdessen befand sie sich im Innenhof eines riesigen Gebäudes aus weissem und rosafarbenem Marmor.
Einen Moment vergass sie ihre Angst und Faszination machte sich in ihren Augen breit.
Als sie jedoch ein unterdr√ľcktes St√∂hnen ganz in der N√§he vernahm, erwachte sie in der Realit√§t wieder.

Pl√∂tzlich bemerkte sie auch die vielen Gestalten, die auf B√§nken heruml√ľmmelten und nun zu ihr hin√ľberstarrten. Einige waren aufgestanden, und kamen nun interessiert n√§her, w√§hrend andere sich vor Lachen noch immer die B√§uche hielten - ziemlich dicke B√§uche, wenn man denn so wollte.
Allgemein herrschte ein reges Treiben. Weibchen und M√§nnchen gingen Arm in Arm und sch√§kerten miteinander, kleine gr√ľne Wesen h√§mmerten und schraubten eifrig an einer seltsamen Konstruktion herum, in der N√§he sprudelte eine Wasserfont√§ne aus einem ziemlich flachen Becken und irgendwo gab ein geh√∂rntes Tier ein seltsam klingendes Ger√§usch von sich, so dass sich der Shezem die Stacheln aufgestellt h√§tten, w√§ren sie nicht samt und sonders zerbrochen.

Vorsichtig schob sie sich etwas h√∂her und sp√§hte √ľber den Rand des Fasses hinweg. Es f√ľhlte sich seltsam an und irgendwie falsch ohne das Meer um sich herum zu wissen.
Was sie sah, verwirrte sie jedoch gleich noch mehr. Eigentlich hatte sie vermutet, ihren Peiniger zu erkennen, doch ihre Wut hatte wohl den Falschen getroffen. Der Mann, der sich gerade in eine sitzende Lage aufrichtete, war eindeutig ein Giftstachler, auch wenn er zwei Beine hatte, wie die Landgänger.
Er wollte sie retten! Nyel hatte ihr einen Prinzen geschickt!
Freudige Erregung breitete sich in ihr aus, und wischte sogar das schlechte Gewissen fort, weil er ungerechterweise den Schlag ihrer Magie abbekommen hatte.

Sie wollte gerade einen Versuch wagen, ihn anzusprechen, da traten zwei Landg√§nger zu ihnen heran. Sofort tauchte Astroides in ihr sch√ľtzendes Fass hinab, um ihre Schmach vor den gierigen Blicken zu verbergen.
Die Kerle trauten sich auch nicht näher heran, denn sie hatten mitangesehen, was Lahiko bei dem Unterfangen zugestossen war.
‚ÄěEr wird mich retten. Er besch√ľtzt mich. Er ist einer wie ich. Nyel hat ihn mir geschickt. Er befreit mich und bringt mich zur√ľck nach Hause‚Äú, w√§hrend Astroides ihr Mantra aufsagte, begannen die beiden Kaufleute mit Lahiko zu diskutieren.

Astroides verstand kein Wort, denn sie war den Landessprachen nicht m√§chtig. So konnte sie auch nicht wissen, dass die M√§nner nahe daran waren, ihre Diskussion auf ein Gerangel zu verlegen, als sich ihr Gespr√§ch auf den Wert der besch√§digten Ware verlegte. Beide versuchten sie den Preis herunterzudr√ľcken und sich trotzdem gegenseitig zu √ľbertrumpfen.
Langsam sammelte sich eine Zuschauermenge um das Fass herum an, der Kreis zog sich enger und immer wieder schaukelte Astroides Zufluchtsort bedrohlich, wenn jemand mit dem Ellbogen dagegen stiess.

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