Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die goblinischen StĂ€dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen RuinenstĂ€dten, die aus den WĂ€ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz fĂŒr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.

Der SĂŒdwesten
Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die technikverliebten goblinischen StĂ€dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen RuinenstĂ€dten, die aus den WĂ€ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz fĂŒr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.
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Re: Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

#21

Beitragvon Arafis » Sa 21. Nov 2015, 11:34

Der Adrenalinschub, der Arafis ungeahnte KrĂ€fte verlieh, flaute langsam ab. Ihre Beine wurden ihr schwer und ihr Atem ging keuchend. Der Kampf mit der Muttersau hatte sie geschwĂ€cht und ihr Körper schmerzte ĂŒberall.

Sie musste furchtbar aussehen. Ihr Fell schien in alle Richtungen abzustehen, und BlÀtter hatten sich darin verfangen, wÀhrend sie durch den Wald gerannt war. Sie blutete aus einigen kleineren Wunden. Doch das schlimmste war der Schmerz in ihrer Seite, dort, wo sie die Wildsau getroffen hatte. Jeder Atemzug schien ihren Brustkorb zerreissen zu wollen.
Trotzdem gestattete sie es sich nicht, stehen zu bleiben. Sie musste weiter, es ging um Leben und Tod.

Als sie dann plötzlich durch das Unterholz brach und unter ihren Pfoten den weichen Sand spĂŒrte, hĂ€tte sie sich am liebsten auf den Boden geworfen und die Augen geschlossen. Stattdessen lief sie tapfer weiter, dahin, wo sie nun GerĂ€usche zu vernehmen schien.
Sie taumelte als sie plötzlich Gestalten in einiger Entfernung erkannte. Hatte sie bereits Halluzinationen?
Aber nein, als ihr unsteter Blick weiter wanderte, erkannte sie eine der grossen Nussschalen auf der WasseroberflĂ€che sanft auf und ab schaukeln. „Ich muss weiter.“
Sie konzentrierte sich darauf, sich weiter durch den weichen Sand zu ziehen. Er gab unter ihren Pfoten nach und immer wieder stolperte sie beinahe.
Dann sah sie plötzlich, wie das Schiff die Segel setzte. „Nein, ihr könnt mich doch nicht einfach hier zurĂŒcklassen!“
Dann geschah etwas Seltsames
 ein GerĂŒst wurde heruntergelassen und eine Gestalt eilte zum Strand zurĂŒck. Er fuchtelte wild mit den Armen. Verwirrt folgte Arafis ihm mit ihren Augen. Konnte das sein??
Sie glaubte zwei weitere MÀnner in der Ferne zu erkennen. Der Gang des einen bestÀtigte sie in ihrer Annahme, dass es sich dabei um Urako handeln musste. Schnell reimte sich die Wölfin den Rest zusammen. Selan war nun bei den beiden angekommen und ohne viel Aufhebens schnappte er sich Firxas, um ihn auf das Schiff zu bringen.
Arafis keuchte auf
 Sie wollte nicht hier zurĂŒckbleiben. Doch ihr Körper wollte nicht mehr.
Die Welt vor ihren Augen schien zu verschwimmen. Ihr Atem ging rasselnd, etwas schien nicht zu stimmen.
Plötzlich stiess sie einen Schmerzensschrei aus, der in der Bucht widerhallte und presste ihre Hand seitlich auf ihren Brustkorb. Der Schmerz durchflutete ihren Körper und sie realisierte im ersten Augenblick nicht, dass sie sich völlig unbewusst in ihre humanoide Form rĂŒckverwandelt hatte. Auf allen Vieren kniete sie im Sand.
Trotz ihrer SchwĂ€che erschrak sie, als sie an sich hinabblickte. Ihre FingernĂ€gel erinnerten eher an Krallen und auf ihrem HandrĂŒcken beginnend, zog sich ein Verlauf flauschigen Felles hinauf, ĂŒber ihre Schultern weiter ihre WirbelsĂ€ule hinab und endete kurz ĂŒber ihrem Po. Auch auf ihrer Nase wuchs ein feines Fell hinauf, ĂŒber ihre Stirn und mĂŒndete in ihren Haaransatz. Ihre ĂŒbrige Körperbehaarung war dichter geworden.
Ihre Haare waren zerzaust und BlĂ€tter hatten sich darin verfangen. Blutverkrustete Wunden und blaugrĂŒne Flecken verunzierten ihren sehr muskulösen und sehnigen Körper.

Sie stöhnte mehr vor Schreck als vor Verwunderung auf. Sie wusste, dass nach viel Zeit in der tierischen Form Merkmale ĂŒbernommen wurden.
Auch ihre Augen Àhnelten mehr der einer Wölfin und ihre Ohren hatten eine spitze und etwas behaarte Form angenommen, was sie jedoch nicht wahrnehmen konnte.
Plötzlich meinte sie Rufe zu hören und hob ihren Blick. Auf dem Schiff schien sie jemand bemerkt zu haben und machte Anstalten, die anderen auf sie aufmerksam zu machen.
„Ich kann so nicht
“, mit letzter Anstrengung bĂŒndelte sie ihre Energie und rĂŒckverwandelte sich, um den Blicken der Besatzung zu entgehen und sich wieder in ihrer angestammten Persönlichkeit Töli zu verstecken. Erschöpft fiel sie in den weichen Sand zurĂŒck und verlor zum zweiten Mal an diesem unglĂŒckseeligen Tag das Bewusstsein.
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Re: Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

#22

Beitragvon Urako » Do 10. Dez 2015, 11:50

Selan! Bei allen Galgenschlingen, die Urako je gedreht hatte, der teetrinkende Nekromant stand leibhaftig an Deck des Schiffes, leibhaftig und sorgte eigenhĂ€ndig dafĂŒr, dass es noch einmal vor Anker ging. "Urako, hier bin ich, schnell mein Held, komm! Wir fahren gleich los und danke fĂŒr deinen Mut und Einsatz, ich weiß es zu schĂ€tzen, was du fĂŒr uns getahn hast, ich verdoppele deinen Lehrlingslohn! Komm schon!", rief er Urako schon aus der Ferne zu. "Komm ich helf dir, tragen wir deinen verletzten Freund eiligst aufs Schiff, da schaue ich mir seine Wunden an. Los mach schon und interessant, du nutzt eine Sandkruste, um seine Wunden zu schĂŒtzen. Wie hast du dies nur geschafft, ein Zauber oder etwas anderes? Du steckst voller Überraschungen und nun komm, ab aufs Schiff."

Er half Urako, den schwer verletzten Firxas an Bord zu bringen. Dem Henkerlein hingegen war nicht nach einem fröhlichen Plausch zumute und so schwieg er nur mit verbissenem Mund. Er war körperlich und seelisch erschöpft. Am liebsten hĂ€tte er sich mit einer Flasche Rum in irgendeine KajĂŒte zurĂŒckgezogen und sein Elend ertrĂ€nkt. Aber Firxas brauchte ihn. Ein GefĂŒhl, das Urako Angst machte. Es fesselte ihn. Er sollte das Ganze jetzt beenden und einfach davon fliegen. Er begann ihn mehr zu mögen, als gut fĂŒr ihn war. Schluss damit. Immerhin war Firxas bei Selan in guten HĂ€nden.

Urako bekam Kopfschmerzen. Er trat an die Reling, um sich fallen zu lassen und die FlĂŒgel auszubreiten. Nichts wie weg hier! Das alles ging ihn nichts an, das hier war nicht sein Leben, so wie es sein sollte! Er entfaltete die Schwingen zur HĂ€lfte.

Am Ufer kam gerade Töli aus dem Wald. Auf halbem Wege zum Wasser brach sie zusammen. FĂŒr einen Moment schloss Urako die Augen. Sollte er die HĂŒndin mitnehmen, wenn er floh? Aber wie? Sie war schwer. Er öffnete die Augen wieder, doch irgendwie schien er gedanklich noch sonswo zu sein. Töli hatt sich scheinbar tatsĂ€chlich in eine Frau (in eine nackte Frau!) verwandelt. Das kam davon, wenn man zwei Jahre lang nur MĂ€nner um sich hatte! Urako zwinkerte ein paar mal und rieb sich die Augen – doch Töli hatte noch immer menschliche Konturen, wenn auch arg zerfleddert und entsetzlich haarig. Sie war in eine Frau verwandelt, worden eindeutig. Waren das seine Wunschfantasien, die diesen Zauber bewirkt hatten? Oder Selan, der einen Keil zwischen ihn und Firxas treiben wollte? Hatte dieser mysteriöse Totenkopfgeier damit zu tun?

„Ähm, Selan 
 ?“, sagte Urako gedehnt und zeigte auf Töli. Doch in diesem Moment verwandelte sie sich gerade wieder zurĂŒck. HĂ€? Urako schĂŒttelte verdutzt den Kopf. Die Logik, wieso dieser hundertprozentig an ihn adressierte Zauber jetzt so schnell wieder rĂŒckgĂ€ngig gemacht wurde, erschloss sich ihm nicht. Wie auch immer. Dass Töli soeben eine unbekleidete Frau gewesen war, Ă€nderte natĂŒrlich alles. Urako sprang von Bord und flog zu ihr, wuchtete sich die HĂŒndin auf die Schultern und kletterte mit ihr die Reling hinauf.

„Wir hĂ€tten fast das Wichtigste vergessen.“
ZĂ€rtlich klopfte er die struppige Seite von Töli, die schlaff ĂŒber seiner Schulter baumelte. Die Worte hatte Firxas genau gehört, aber er war zu schwach, um sich darĂŒber zu beklagen. Urako fand, dass Firxas es verdient hatte, nachdem er ihm in letzter Zeit so viel Ärger bereitet hatte.
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Re: Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

#23

Beitragvon Urako » Mi 27. Jan 2016, 06:48

Und so setzten sie die Segel und machten sich auf, eine neue Heimat zu finden. Bald war die Insel nur noch ein grĂŒner Streifen am Horizont, bis nur noch der höchste Punkt des Vulkans ĂŒber das Meer schaute. Als sie ganz verschwunden war, wandte Urako sich ab von der Reling und setzte sich auf das Deck, mit dem RĂŒcken an den roh behauenen Mastbaum gelehnt. MĂŒde rieb er sich das Gesicht. Firxas hatte man unter Deck verfrachtet, wo er nun, von Selan umsorgt, schlief. Töli schlief ebenfalls eingerollt in einer Nische zwischen lauter festgezurrten Kisten, nachdem sie, erschöpft und wacklig auf den Beinen, trotzdem noch das ganze Schiff untersucht und beschnuppert hatte. Das Schiff knarzte bei jeder Welle, bei jedem Wind, der in das Segel griff. Unentwegt gab es GerĂ€usche von sich, als wĂŒrden die BĂ€ume, aus denen es gefertigt war, um Gnade winseln, weil sie aufs offene Meer hinaus steuerten. Und auch Urako war nicht wohl dabei. Über dem Meer gab es keine Aufwinde, das Fliegen war fernab der KĂŒste darum sehr anstrengend. Wenn sie untergingen, wĂŒrde er nach einigen Stunden des Umherflatterns ersaufen. Doch er war zu mĂŒde, um sich darĂŒber ernsthafte Sorgen zu machen. Er umschloss seine Beine mit den Armen, legte die Stirn auf die Knie, schlug die FlĂŒgel ĂŒber sich zusammen wie eine schlafende Fledermaus und döste weg.

Die Reise verlief nicht so ereignislos, wie es sich die Besatzung erhofft hĂ€tte. Zwar waren die Goblins erfahrene SeemĂ€nner, doch mit solch einem roh zusammengezimmerten Schiff gerieten auch sie an ihre Grenzen. Als sie die Rabeninseln erreichten, mussten sie immer wieder grĂ¶ĂŸeren Schiffen ausweichen, die Urako als Kundschafter im Flug entdeckte. Die Goblins meinten, dies seien die Norkara, ein plĂŒnderndes SeerĂ€ubervolk. Urako waren sie auf Anhieb sympathisch, aber begegnen wollte er ihnen nicht auf offener See. Vielleicht mal in einer Hafenspelunke.

Um diese Zeit herum geschah etwas fĂŒr Firxas sehr schlimmes: Seine verletzten FlĂŒgel zeigten Stellen, die einfach abstarben, schwarz und stinkend. Es war Urako, der als Scharfrichter die besten anatomischen Kenntnisse an Bord hatte, der sie ihm schließlich amputierte. Hinterher war Firxas kaum noch ansprechbar, obwohl die Wunden nun besser heilten und sein Fieber sank. Er wollte niemanden mehr sehen und so ließ Urako ihn in Ruhe. Er vertrieb sich die Zeit, mit Töli zu spielen und indem er versuchte, sie dazu zu ĂŒberreden, sich in eine Frau zu verwandeln, weshalb die Mannschaft ihn bald fĂŒr verrĂŒckt erklĂ€rte.

Nach einigen Wochen ließen sie die Rabeninseln hinter sich und umsegelten Ghena. Es war ein gewaltiger Umweg, weil die Goblins wohl mit den Leuten, die den direkten Weg durch den Golf von Obenza kontrollierten, gerade im Krieg lagen. Urako war es egal. Er war froh, sein altes, wenig ruhmreiches Leben hinter sich lassen zu können und einen Neuanfang zu wagen. Ghena, wo das Volk der Goblins wohnte, gefiel ihm. Das Land war warm, aber nicht heiß und hatte verlockend grĂŒne KĂŒsten. Gern wĂ€re er hier dauerhaft an Land gegangen, doch sie beschrĂ€nkten sich auf kurze Aufenthalte, um ihre VorrĂ€te aufzufrischen, ehe sie weiter nach Norden segelten und den Subkontinent schließlich umrundeten.

„Dies ist ein denkwĂŒrdiger Augenblick“, verkĂŒndete der kleine KapitĂ€n schließlich, an Selan und Urako gewandt, die sich in der Gegend nicht auskannten. „Dort hinten, diese beiden Landmassen am Horizont – das sind die beiden Kontinente Ghena und Asamura, die sich fast kĂŒssen. Aber nur fast und das solltet ihr euch merken! Ghena im SĂŒden ist gut, Asamura im Norden ist der Feind, denn dort haust die Handelsallianz. Eine Krake, welche die gesamte Weltwirtschaft kontrollieren will, ein GeschwĂŒr, das unsere guten alten Kulturen frisst. Aber nicht mit uns Goblins! Seht: Da zur Rechten liegt unsere Hauptstadt Riano. Ihr könnt sie von hier aus nicht sehen, aber glaubt mir, sie ist da. Vor uns genau befindet sich die Inselstadt Valik, unser immer wachsames Auge. Kein Schiff der Krakendiener kommt an ihr vorbei und hinaus in die Sturmsee, ohne dass wir es bemerken. Vor allem kein Handelsschiff! Und zur Linken, dort auf Asamura, liegt unsere Festung Rantamar. Ja, richtig, es ist eine Goblinfestung! Da staunt ihr, was? Eine Goblinfestung auf Asamura! Die Krake soll den Speck nicht allein haben. Asamura ist zu fruchtbar, zu reich an BodenschĂ€tzen, um es der Handelsallianz kampflos zu ĂŒberlassen. Und diese Festung ist unser Ziel.“

Der Navigator korrigierte den Kurs etwas und bald befanden sie sich zwischen der Inselgruppe von Valik und Asamura. Es dauerte nur noch wenige Tage, bis sie an Land gingen. „Unser Schiff ist hochseetauglich, aber leider zu tiefbauchig fĂŒr die FlĂŒsse. Den letzten Abschnitt unserer Reise mĂŒssen wir zu Fuß zurĂŒcklegen, denn Rantamar liegt ein StĂŒck weit im Landesinneren“, erklĂ€rte der KapitĂ€n. Und so brachten die Goblins das Boot bei einer kleinen Werft unter, deren Inhaber das schiefe Machwerk kopfschĂŒttelnd fĂŒr einen Spottpreis als KuriositĂ€t kaufte. Den Erlös teilten die Goblins unter sich auf, ihre Passagiere Selan und Urako bekamen nichts. Dann banden sie sich die Kisten mit den wichtigsten Utensilien auf den RĂŒcken, so dass es aussah als wĂŒrden sie kastenförmige RucksĂ€cke tragen und wanderten nach Rantamar. Firxas musste als einziger nichts tragen, wobei Urako fand, dass er sich seine Kiste wenigstens auf den Bauch binden oder unter den Arm klemmen könnte, aber er war der einzige mit dieser Meinung und nach einem kurzen Streit, in dessen Verlauf der KapitĂ€n ihn als herzloses Arschloch titulierte und drohte, ihn zurĂŒckzulassen, war die Sache erledigt. Allein in diesem fremden Land umherirren wollte er natĂŒrlich nicht. Als Denkzettel musste Urako nun zwei Kisten schleppen. Nach einigen Tagen des Marschierens erhob sich zu den frĂŒhen Morgenstunden die Festung vor ihnen aus dem Nebel.
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Re: Teebeutel - Kap. III - Die höllische Insel - TEIL II

#24

Beitragvon Arafis » Di 15. MĂ€r 2016, 20:19

Wie ein Wirbelwind sprang Arafis vor Enthusiasmus den ganzen Weg ĂŒber um die Gruppe rum, lief mal vor, mal zurĂŒck und gab fröhlich klĂ€ffende Rufe von sich.
Man hĂ€tte sie direkt fĂŒr einen Welpen halten können, so verzĂŒckt und neugierig wirkte sie. ÜberglĂŒcklich galoppierte sie jedem Eichhörnchen hinterher und scheuchte die KrĂ€hen auf, welche am Boden nach WĂŒrmern scharrten.
Endlich wieder festen Boden unter den Pfoten!
Arafis liess sich sogar dazu herab, mit Urako Seilziehen zu spielen, wobei einer seiner alten Kleidungsfetzen herhalten musste. Sie war so grosszĂŒgig, ihn auch zwischendurch gewinnen zu lassen – andernfalls hĂ€tte seine Begeisterung vermutlich nicht lange angehalten.

Erst nach einigen Tagen Marsch beruhigte sie sich wieder so weit, dass sie neben Urako herzotteln konnte, ohne wie eine VerrĂŒckte umherzuwuseln.
Bei Selan holte sie sich gelegentlich wĂŒrzige Leckerchen ab, die stark an seine Teemischungen erinnerten. Öfters kam es vor, dass er vom Weg abwich und in den StrĂ€uchern abtauchte, um seine lange Nase in verschiedensten KrĂ€uterbĂŒscheln zu vergraben, obwohl Arafis fand, dass die Geruchnoten nicht sehr interessant zu lesen waren.
Sogar mit Firxas hatte sie sich inzwischen abgefunden, obwohl sein Gejammer sie nervte. Sie konnte schliesslich auch nicht fliegen und veranstaltete deswegen auch kein solches Mordio. Andererseits wĂ€re sie auch nicht glĂŒcklich, wenn sie ihre GestaltwandlerfĂ€higkeit verloren hĂ€tte, deshalb betrachtete sie ihn hĂ€ufig mit mitleidigem Blick.
Bloss die Goblins wollten nicht so ganz mit ihrer Anwesenheit zufrieden sein. Immer wieder hörte sie GeflĂŒster ĂŒber den „Werwolf“, wie sie von den GrĂŒnlingen genannt wurde. Obgleich Urako sie noch immer als seinen Köter oder die Töle bezeichnete, kannten die Goblins offensichtlich den Unterschied zwischen einem Hund und einem Wolf.
So beobachteten sie Arafis oftmals misstrauisch, wenn sie einen erjagten Wildhasen genĂŒsslich verschlang. Sie konnte die Angst riechen, doch sie hatte genĂŒgend Raum, sich von den kleinen Wichten fernzuhalten und ihre Aufmerksamkeit auf spannendere Dinge zu lenken.
Seltsamerweise verspĂŒrte die Wölfin nicht den Drang, die Reisetruppe zu verlassen. Ihre innere Natur hatte Urako, Selan und fĂŒr ein kleines MĂŒ sogar Firxas zu ihrem Rudel erkoren.

Bald jedoch wĂŒrde eine neue Herausforderung auf die Waldalbe zukommen
 Erst gerade dem schaukligen Wellengang entkommen, mĂŒssten sie bald in windige Höhen abheben.
Arafis erkannte den Heissluftballon nicht als solchen, als sie davor standen. Wie auch?
Hatte sie doch noch nie von einem solchen GefÀhrt gehört, das sich durch heisse Luft in den Himmel bewegen liess.
Ein spitz zugeschnitzter Holzwall umzÀunte einen flachen, sandigen Platz, in dessen Mitte bunte Leuchten den Landeplatz markierten. GeschÀftiges Gewusel herrschte hier, und eine lange Schlange von unterschiedlichen Reisenden wartete auf etwas, was Arafis nicht zu erkennen vermochte. Jedoch fiel ihr auf, dass die Augen immer wieder den Himmel absuchten.
Ob sie Ausschau nach Greifvögeln hielten?
So klein waren die Goblins doch nun auch wieder nicht, als dass sie in das Beuteschema dieser geschickten JĂ€ger passten.

Als sich plötzlich ein dunkler Schatten vor die Sonne schob, blickte auch Arafis erstaunt nach oben. Ein riesiges DING kam langsam auf sie zu. Erschrocken jaulte sie auf und versteckte sich vorsichtshalber hinter Urako. Ihre Nase zuckte unruhig, als sie versuchte zu erkennen, welches Raubtier sich ihnen da nÀherte.
Dann ging plötzlich alles sehr schnell. Der Ballon, so nannten die GrĂŒnlinge das GefĂ€hrt, landete einige Meter entfernt von ihnen, Staub wirbelte auf und umhĂŒllte alle in einer braunen Wolke.

Arafis staunte Bauklötze, als die Winzlinge eine selbstgezimmerte Treppe heranzogen und ĂŒber den Rand des Korbes neue GrĂŒnlinge herausgekraxelt kamen. Immer mehr und mehr und mehr

Als auch der letzte draussen war, drehte sich die Szene um und nun krabbelten die wartenden Reisenden in den ĂŒberdimensionalen Korb hinein.
Entsetzt bemerkte die Wölfin, dass sie langsam aufrĂŒckten, und dem Objekt bereits viel zu nahe gekommen waren. Doch dann gab ein Goblin einen harschen Befehl, der Fluss stoppte und die Treppe wurde zurĂŒckgezogen. Eine Flamme zischte auf, und Arafis zuckte wie von einem Schlag getroffen zusammen. Da wĂŒrde sie nie und nimmer einsteigen!

Sie schien jedoch die Einzige zu sein, welche solche Bedenken hatte. Ungeduldig trippelten die anderen herum und erwarteten die RĂŒckkehr des Ballons.
Firxas blickte griesgrĂ€mig drein. Er war ausser ihr und den Goblins der Einzige, welcher den Ballon in Anspruch nehmen musste. Die anderen Tieflinge hatten das GlĂŒck, selbst fliegen zu können. Ihm schien das genauso wenig zu behagen wie ihr selbst und zum ersten Mal fĂŒhlte Arafis sich in einem Punkt mit ihm einig.

Als das Ding sich nÀherte, bibberte Arafis am ganzen Körper. Ihre Pfoten schienen wie verwurzelt und sie tat keinen Schritt vorwÀrts.
Ich werde sterben! Ich bin nicht fĂŒr den Himmel geschaffen!
Als Urako sie ungeduldig vorwÀrtsschob, versuchte sie ihm zu entwischen. Auch in die Goblins kam eine plötzliche Unruhe als sie bemerkten, dass die Wölfin mit ihnen in den Korb steigen sollte.
Arafis begann nach Urako zu schnappen, sich zu winden und knurren, doch es half nichts. Bloss die GrĂŒnlinge wurden durch den Anblick so abgeschreckt, dass schlussendlich Firxas und die Bestie sich den Korb alleine mit dem abgebrĂŒhten BallonfĂŒhrer teilen mussten.

Kaum hob der Korb ab, wurde Arafis zum reinsten NervenbĂŒndel. Sie hatte ihren Schweif eingezogen und kauerte klitzeklein in einer Ecke zwischen den Kisten, eng an Firxas gepresst, der in diesem Moment der einzige Anker war, an den sie sich klammern konnte. Bei jedem Feuerstoss, der durch die Hitze den Ballon in die Höhe schob, zuckte sie zusammen und wimmerte leise. Firxas schien sich besser zu halten, obwohl auch er etwas grĂŒn um die Nase war.

Nach einer gefĂŒhlten Ewigkeit bemerkte Arafis, dass sich Stimmen und andere GerĂ€usche nĂ€herten. Und es schien ihr, als wĂŒrde der Ballon nicht weiter in den Himmel steigen. Doch erst als sie spĂŒrte, wie er ruckelnd aufsetzte, hörte, wie die Treppe herangeschoben wurde und die Goblins umherwuseln sah, durchfloss sie die Erleichterung.
Sie flog beinahe aus dem Ballon, sobald der Weg frei war, blieb jedoch gleich wie angewurzelt stehen.
Überall GrĂŒnlinge, ĂŒberall Felsen. Und Mauern tĂŒrmten sich in der NĂ€he, alles wirkte eng. Wo waren die Weiten der GrĂŒnflĂ€chen und WĂ€lder abgeblieben?
Panisch drehte sich Arafis um die eigene Achse, und schnappte gestresst nach ihrem Schweif. Sie fĂŒhlte sich auf dem Landeplatz der Festung Rantamar bereits jetzt Ă€usserst fehl am Platz!

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Hier spielt der vierte Teil der Reise:
Link
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