Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die goblinischen St√§dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen Ruinenst√§dten, die aus den W√§ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz f√ľr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.

Der S√ľdwesten
Evalon ist ein fruchtbares Bergland. Die technikverliebten goblinischen St√§dte stehen im Gegensatz zu den sagenumwobenen Ruinenst√§dten, die aus den W√§ldern ragen. Das warme Meer und die vielen Inseln bieten einen Schauplatz f√ľr Piraten, Korallentaucher und Abenteurer.
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Arafis
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Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#11

Beitragvon Arafis » Sa 8. Okt 2016, 16:42

Arafis starrte gebannt auf den stacheligen Stein, der ihr zu F√ľssen am Boden lag wie ein wertloses St√ľck Abfall. Als Urako ihr den Anh√§nger entriss, wollte sie ihn im ersten Moment abwehren, doch der Ausdruck in seinen Augen hielt sie davon ab.
Er hatte sie keines Blickes mehr gew√ľrdigt und war gegangen, so als h√§tte es sie nie gegeben.
Im ersten Moment realisierte sie nicht einmal, dass er die T√ľre offengelassen hatte, so sehr besch√§ftigte sie dieser Gedanke. Normalerweise fluchte er herum, beschimpfte alles und jeden, wenn er w√ľtend war. Doch dieses Mal ‚Äď war er einfach gegangen.
Na und? Sei doch froh, dass er dich nicht gleich erw√ľrgt hat, murmelte die nervige Stimme in ihrem Kopf.
Du mochtest ihn doch sowieso nie, oder?!
Widerstrebend sch√ľttelte Arafis den Kopf.
Nein, nat√ľrlich nicht. Wer konnte solch einen aufgeblasenen Grobian schon m√∂gen?

Noch ganz in der inneren Diskussion gefangen, schrak sie wie ein √§ngstliches Karnickel zusammen, als pl√∂tzlich ein explosionsartiger Knall ert√∂nte. Der Boden bebte unter ihren F√ľssen und sie wurde gegen die Wand geschleudert.
Au, das hatte weh getan.
Etwas benebelt tastete sie ihren Hinterkopf ab, doch ihr Dickschädel schien keinen Schaden genommen zu haben.
Ihre Augen blieben an der offenen Gittert√ľr h√§ngen und ihre Stirn runzelte sich. Hatte das Beben sie besch√§digt oder hatte sie bereits zuvor offen gestanden? Aber das h√§tte ja bedeutet‚Ķ nein, es musste dem Knall zu verdanken sein, dass sie ihrer Freiheit wieder einen Schritt n√§her war.
Aber schlussendlich spielte es ja auch keine Rolle.
Sie sprang so schnell auf die F√ľsse, dass ihr schwindelig wurde und sie innehielt.
Der Wutstein. Sie griff nach dem pinken Gegenstand, und stolperte dann zu ihrem Gefängnis hinaus.
Die Gefangenen um sie herum schrien ohrenbetäubend und streckten ihre dreckigen Hände nach ihr aus.

Arafis ging im Laufschritt in die Richtung, aus der sie den Ausgang vermutete. Doch noch bevor sie das orangerote Flackern an den Wänden bemerkte, kratzte der unverwechselbare Geruch des Rauches in ihrer empfindlichen Nase. Wie angewurzelt blieb die Albin stehen. Nein, das durfte nicht sein.
Nicht ausgerechnet die Flammen durften ihr den Weg versperren!

Sie z√∂gerte, doch dann h√∂rte sie hinter sich bereits das aufgeregte Trippeln von einer Schar Goblinf√ľsse.
Oooh‚Ķ sie rannte los, ohne auf die W√§rme zu achten, die zunahm, sobald sie die T√ľr im Blick hatte.

Draussen herrschte das reinste Chaos!
Die W√§chter waren alle verschwunden, niemand achtete auf die Gefangene, welche rasch durch die Pforte schl√ľpfte und sich im Schatten schweratmend an die Mauer presste. Arafis versuchte sich einen √úberblick √ľber das Gesehene zu verschaffen. Das Feuer kam von einem korbartigen Etwas, das mehr einem Tr√ľmmerhaufen glich und die Gasse Richtung Osten versperrte. Als Arafis in den Himmel blickte und dort noch immer angekokelte Fetzchen der Ballonh√ľlle herunterschwebten, h√§tte sie beinahe gew√ľrgt. In so ein Ding hatte man sie hineingezwungen!

Sie hörte verzweifelte Schmerzensschreie und presste entsetzt den Wutstein an sich, der die Stacheln daraufhin beruhigend in ihre Handfläche bohrte. Bereits eilten Goblins herbei, um die Flammen an den Resten des Ballons zu löschen und Übergriffe auf umliegende Gebäude möglichst gering zu halten. Ausnahmsweise einmal wirkten sie gänzlich unorganisiert.
Wie sollte sie bloss von hier wegkommen?
Dies war eindeutig die Beste Gelegenheit und womöglich auch ihre Letzte. Sie wollte sich gerade abwenden, als sie grässlich bekannte Schreie unter den anderen wahrnahm.

Arafis wirbelte herum, und erkannte auf der gegen√ľberliegenden Seite der Gasse eine Gestalt, welche unbeachtet von den eifrigen Goblins heulte und schrie und sich √ľber den Boden w√§lzte ‚Äď Urako stand in Flammen!
Verschwinde von hier, raunte ihr die Stimme der Vernunft zu.
‚ÄěAch, zum Guguck!‚Äú, sie rannte los ohne zu wissen, was sie tun sollte. Im Vorbeirennen entriss sie einem Goblin den Eimer Wasser, wobei der kleine Wicht zu Boden purzelte.
Urakos Kleidung brannte, auch seine Haare hatten Feuer gefangen.
Die Angst vor der z√ľngelnden Gefahr liess sie schliesslich kurz vor ihm zum Stehen kommen, dann sch√ľttete sie geistesgegenw√§rtig das k√ľhle Nass √ľber seinem Kopf aus. Tats√§chlich konnten damit die die Haare und ein Teil seiner Kleidung gel√∂scht werden, doch der Pinkpuschel brannten noch immer lichterloh und auch Fetzen seiner Hose.

Da die Goblins einen Bogen um das kuriose Paar machte, zog sie kurzerhand das schmutzige R√ľschenkleid aus, in dem Versuch, damit Urakos Beinpartie zu l√∂schen. Ein heftiger Hieb riss sie zur√ľck, als der Tiefling unkontrolliert herumschlug, dabei landete sie auf dessen Schweif, womit sie zwar die zischende Flamme erstickte, aber Urako auch einen emp√∂rten Laut entlockte. Der Wutstein kullerte unbeeindruckt neben den beiden auf den Boden.
Da sie keine andere M√∂glichkeit sah, warf sie sich bedenkenlos auf Urako, und versuchte das Feuer an Oberschenkeln und Hintern mit ihrem Gewicht und dem ehemals h√ľbschen Kleidchen zu ersticken.
Selbst als sie von dem Geruch nach verbranntem Fleisch und Haaren w√ľrgen musste, hielt sie seinem Gezappel stand und √ľbergab sich schliesslich kurzerhand auf Urakos linken Fl√ľgel.
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Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#12

Beitragvon Ilvara » Do 27. Okt 2016, 16:14

Die Harpyie starrte dem Wolf erschrocken hinterher, der immer kleiner wurde und schliesslich zwischen den nahen Bäumen untertauchte.
Dieses Vieh wollte sie angreifen! Es wollte sie vermutlich als Mittagessen verspeisen! Wo war bloss ihr Greif, wenn man ihn denn brauchte?
Noch ganz aus dem Häuschen starrte sie auf die Stelle, wo das Tier verschwunden war, als sie plötzlich einen grausamen Gestank wahrnahm. Wuääh...
Entsetzt schnupperte Ilvara an ihren Armen, doch der Geruch kam eindeutig nicht von ihr.
Lag hier etwa eine Leiche, und sie hatte sie noch nicht gesehen?!
Best√ľrzt blickte sie von ihrem Felsen herunter, doch auch rund um den Stein war nichts zu erkennen, was diesen fauligen Duft verursacht hatte.

Egal, was es war, sie wollte weg hier, sonst w√ľrde ihr Gefieder noch den Geruch annehmen und das wollte sie keinesfalls verantworten. Der Greif w√ľrde sie auch an einem anderen Ort finden.
Sie sprang auf ihre Beine und wollte gerade die Fl√ľgel spannen, als sie nicht weit entfernt einen Mann erkannte, der sie zu beobachten schien.
Dachte er vielleicht, dass sie diesen Gestank verursachte?
Obwohl es ihr egal hätte sein können, war sie zu eitel, um ihn in diesem Irrglauben zu belassen.
So sprang sie elegant von dem Felsen und bewegte sich mit schwingenden H√ľften auf den Menschen zu, der er bei n√§herer Betrachtung offensichtlich nicht war.

Seine olivgr√ľne Haut gefiel ihr und auch die kr√§ftige Statur machte einen guten Eindruck. Bei ihm angekommen, musste sie ihren Kopf in den Nacken legen - der Tiefling musste mehr als zwei Meter gross sein!
‚ÄěGuten Tag! Ich w√ľrde Euch nicht raten, da lang zu gehen. Der furchtbare Geruch stammt n√§mlich nicht von mir, sondern muss bei dem Felsen seine Ursache haben. Ich glaube, dort verwest eine Leiche, die jemand oder etwas verbuddelt hat!‚Äú, angeekelt zog sie ihre Nase kraus und auf ihrer Stirn bildete sich eine leichte Falte.
‚ÄěAusserdem lauern auch noch andere Gefahren. Gerade wollte mich eine wilde Bestie angreifen!‚Äú, mit den Armen versuchte sie die Gr√∂sse des Wolfes aufzuzeigen.

‚ÄěIhr solltet nicht alleine reisen. Ich tu das auch nicht, aber mein Freund‚Ķ ist noch unterwegs und ich wollte hier auf ihn warten.‚Äú
Sie musterte den Tiefling aufmerksam und realisierte interessiert die fledermausartigen Fl√ľgel, die ein betr√§chtliches Ausmass haben mussten, wenn sie aufgespannt waren.
Sofort brachte sie ihre eigenen weissbefiederten Schwingen unauffällig in Szene, indem sie sie leicht vom Körper abspreizte, so dass das Licht der Sonne sich darin verfing.

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Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#13

Beitragvon Urako » So 13. Nov 2016, 06:50

Urako br√ľllte wie am Spie√ü. Die enorme Hitze versegte ihn, ohne dass sein W√§lzen und Schreien etwas n√ľtzte, dann sp√ľrte er pl√∂tzlich einen Schwall eisiges Wasser, von dem er sofort mehr auf seinem von Agonie gebeutelten K√∂rper wollte. "Wasseeeer!", br√ľllte er steinerweichend und streckte eine brennende Hand aus. Doch T√∂li schlug ihn stattdessen, er konnte deutlich sp√ľren, dass sie ihn schlug und er konnte sich nicht wehren, sie setzte sich auf ihn, um ihn daran zu hindern, dass er sich weiter w√§lzen und die Flammen so ersticken konnte und dann erbrach sie sich mutwillig auf ihn, um ihn ihre √úberlegenheit sp√ľren zu lassen und ihn noch weiter zu dem√ľtigen. Urako jaulte und winselte, er klang wie ein waidwundes Tier, er war nicht in der Lage, sich zielgerichtet gegen die Misshandlung der Albin zu wehren, er b√§umte sich unkontrolliert auf und schrie.

Endlich lie√ü das Gef√ľhl der Hitze nach, sei es durch ein Wunder oder weil das schnell Flammen fangende Brennmaterial des Feuers aufgebraucht war, und Urako lag auf dem R√ľcken und heulte j√§mmerlich. Tr√§nen, die ihm nunmehr kalt erschienen, rannen aus seinen Augen und liefen seine Schl√§fen hinab. In diesem Augenblick w√ľnschte er sich, dass Firxas aus einer Gasse geeilt kam, weil er seine Schreie geh√∂rt h√§tte, ihn in seine weichen Arme nahm. Doch da war kein Firxas. Auch kein Selan, der ihn mit v√§terlicher Zuneigung tr√∂stete und seine Wunden versorgte, so sorgf√§ltig, als sei er dessen Sohn. Selan? Wo war nur Selan? Wo waren sie alle? Er sah nur Goblins, die aufgeregt umhereilten, redeten und ihre verkohlten Toten aus den √úberresten des inzwischen gel√∂schten Ballons zogen. Und T√∂li, die nunmehr halb nackt auf ihm sa√ü, so dass er ihre kleinen, haarigen Br√ľste √ľber sich sah. Arafis, korrigierte er sich gedanklich, denn auch seine T√∂li war nicht mehr. "Warum?!", heulte er. "Warum nur?" Am ganzen Leib zitternd drehte er sich um, so dass sie von ihm hinunterrutschte.

Auf Knien hockte er da, keuchend, schlotternd und betrachtete seine H√§nde. Sie waren rot und schwarz gefleckt, teilweise hatten sie aber auch noch seine normale bleiche Hautfarbe, wennauch stark ger√∂tet. Alle Armhaare waren fort. Es war Urako nicht m√∂glich, auf den ersten Blick festzustellen, ob die dunklen Partien seine verkohlte Haut an diesen Stellen oder Ru√üreste von seiner verbrannten Kleidung waren, die er breitgeschmiert hatte. Ein Teil seiner Klauen war angeschmort und geschmolzen. Von seiner Kleidung war kaum noch etwas √ľbrig, die trockenen Fasern hatten gebrannt wie Zunder. In schwarzen Fetzen hingen die Reste von Oberteil und Hose von seiner H√ľfte wie ein verschmorter Lendenschurz. Lediglich die Fu√ülappen waren weitestgehend intakt geblieben. Zittrig betastete Urako sein Gesicht. Es war ihm nicht m√∂glich zu beurteilen, ob der brennende Schmerz bei der Ber√ľhrung von seinen Fingerkuppen herr√ľhrte oder von der Gesichtshaut. Jedoch konnte er ertasten, dass von seinen Kopfhaaren nichts mehr √ľbrig war als ein paar br√∂ckelige Klumpen, die mit seiner Haut verschmolzen waren. Die H√∂rner waren angeschmort wie die Klauen und stanken zum Himmel, schienen aber im Gro√üen und Ganzen in Ordnung zu sein. Recht gut hingegen erhalten war die Quaste seines Schweifes, wobei auch die etwas abbekommen hatte. Immerhin konnte Urako noch sehen, abgesehen von lauter tanzenden wei√üen Flecken vor seinen Augen. Er schlug die Fl√ľgel nach vorn, um sie zu √ľberpr√ľfen. Ihm bot sich ein Schlachtfeld der Flammen dar. Sie zeigten schwere Verbrennungen, waren rot und mit etlichen Blasen √ľbers√§t und eine schwarze Kruste √ľberzog sie an vielen Stellen. Er hatte sie, als die Stichflamme auf ihn zugerast war, zusammen mit seinen Armen reflexartig nach vorn gerissen, um sich zu sch√ľtzen. Sie hatten die gr√∂√üte Wucht abbekommen. Das war gut und schlecht zugleich. Er konnte nur hoffen, dass die Flugmembranen heilen w√ľrden, ohne dauerhafte L√∂cher zu hinterlassen, doch er war dahingehend wenig zuversichtlich. Es sah wirklich √ľbel aus. Vielleicht war er nun selbst der Kr√ľppel, als den er Firxas beschimpft hatte.

Niemand half ihm. M√ľhsam kam Urako auf die Beine. Mit abgehackten Schritten taumelte er zu einem Springbrunnen, den er zuvor gesehen hatte und der ihm nun unendlich weit weg vorkam. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, ehe er ihn erreichte. Unter gr√∂√üten Qualen stieg er √ľber den Rand und legte sich in das eisige Nass und lie√ü die Font√§ne √ľber sich regnen. "Ein Arzt", winselte er und streckte seine verbrannte Hand in Richtung der Vorbeigehenden aus. "Einen Arzt oder einen Heiler!" Doch die Goblins glotzten nur bl√∂de.
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warum soll`s nicht auch der Henker können?"
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Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#14

Beitragvon Arafis » Do 24. Nov 2016, 23:07

Arafis war Urako gefolgt, stand hilflos mit h√§ngenden Armen neben dem Brunnen, und beobachtete mit Mitleid in den Augen das Geschehen. Gleichzeitig zermarterte sie sich den Kopf dar√ľber, was sie tun konnte.
Dies lenkte sie immerhin von dem Anblick ab, den der Tiefling bot. In ihrem Leben hatte die Albin noch nie jemanden brennen gesehen, doch das Bild der Zerst√∂rung w√ľrde sie nicht mehr aus ihrem Ged√§chtnis l√∂schen k√∂nnen. Noch schlimmer war jedoch der Geruch, der ihren W√ľrgereiz aufs Neue herausforderte. Die Mischung aus verbranntem Horn, Haaren und Haut verursachten ihr √úbelkeit. Zus√§tzlich lag noch immer der Qualm des Feuers in der Luft und das Geschrei der Goblins.

Urakos Rufe √ľbert√∂nten die anderen Ger√§usche, doch die Goblins glotzen nur doof, um dann weiter ihren L√∂sch- und Aufr√§umt√§tigkeiten nachzurennen.
Was sollte sie tun?
Die umherschwirrenden Gr√ľnlinge blickten sie bereits argw√∂hnisch an, und auch den Tiefling musterten sie mit Ekel. Sie schienen sich nicht um sein Leid zu k√ľmmern.
Arafis verfluchte die Stadt. Wären sie irgendwo im Wald gewesen, hätte sie wenigstens gewusst, welche Heilkräuter die Schmerzen lindern konnten. Doch zwischen all den steinernen Gebäuden gab es keine Pflanzen.

Sie wollte sich gerade damit abfinden, dass sie dem Tiefling nicht helfen konnte und besser um ihr eigenes Wohl besorgt sein sollte, als ein Goblin im schwarzen Kittel und zerzauster Frisur zielstrebig auf sie zugespurtet kam.
Neben ihr kam er zum Stehen, starrte einen Moment die halbnackte, behaarte Frau an, dann wanderte sein Blick zu Urako und f√ľr kurze Zeit zuckten seine Mundwinkel zu einem gierigen L√§cheln hoch, das jedoch niemand bemerkte.
‚ÄěIch sehe, ihr braucht meine Hilfe. Darf ich vorstellen, Bozzy vom Garsnik Clan, Heilkundiger und nebenberuflicher Wissenschaftler, stets zu Euren Diensten‚Äú, der relativ junge Goblin verneigte sich akkurat vor der Albin, ‚Äěund nun sollten wir uns beeilen. Na los, fasst Euren Kumpanen, mein Haus befindet sich ganz in der N√§he, dort bewahre ich auch meine Heilmittel auf!‚Äú
Er schien davon √ľberzeugt zu sein, dass die Frau seinen Worten Folge leisten w√ľrde, was Arafis auch tat, im Scheine ihrer Hilflosigkeit.

Es war nicht einfach, Urako aus dem Brunnen zu bekommen, denn er wehrte sich mit unglaublicher Kraft dagegen, das k√ľhle Nass zu verlassen. Als der Goblin bemerkte, dass sie es nicht schaffen w√ľrde, den tobenden Tiefling zu bewegen, kam er rasch zur√ľckgewuselt und dr√ľckte ihr Spritze in die Hand.
‚ÄěHaut ihm das in den Allerwertesten und er wird zahm wie ein Finnellum. Sorgt Euch nicht, ich kenne mich mit schwierigen Patienten aus.‚Äú
Dies behagte Arafis wenig, doch die scheinbare Ausweglosigkeit der Situation liess sie jede Hilfe annehmen. Dabei bemerkte sie die verächtlichen und misstrauischen Blicke der umstehenden Goblins nicht, welche jedoch nicht ihnen galten, sondern ihrem Retter in der Not.
Die Albin schloss die Augen, als sie Urako schliesslich mit einer Spur Häme die Spritze in den Hintern jagte.

Kurze Zeit darauf kam das kuriose Trio in der Behausung von Bozzy an. Der Tiefling hing mehr an Arafis, als dass er sich selbst bewegte und lallte unzusammenh√§ngende Worte vor sich hin. Die Albin war dankbar, als sie das Goblinhaus betraten und sie ihre Last loswurde. Sie bemerkte nicht, wie Bozzy sogleich die Haust√ľre mit einer Kombination aus Schl√∂ssern verh√§ngte, bevor er sich zu ihnen gesellte.
Da die Albin noch nie in einer Goblinh√∂hle war, blickte sie sich nun staunend um. Die Einrichtung war in dunklen T√∂nen gehalten und nur durch kleine Fenster drang Licht in den Raum. An den W√§nden hingen Masken und andere Artefakte und in den Regalen standen Glasbeh√§lter herum, in denen seltsame K√∂rper in einer gelblichen Fl√ľssigkeit schwammen.
Ob er diese wohl zum Kochen verwendete?

Als Bozzy ihr Interesse bemerkte, wandte er sich ihr zu und beendete vor√ľbergehend seine Inspektion von Urakos Fl√ľgeln, die ihm unter der Bet√§ubung wie zwei Waschlappen vom R√ľcken hingen.
‚ÄěIhr habt bestimmt Durst. Schafft den Tiefling doch schon einmal nach unten, w√§hrend ich Euch einen Tee zubereite. Ich komme gleich nach.‚Äú
Arafis nickte. Es war nicht un√ľblich, dass Heiler ihre Wohnung von ihrem T√§tigkeitsbereich trennten. So griff sie behutsam nach ihrem Begleiter und zog ihn zu der T√ľr, welche √ľber eine Treppe in den Keller hinunterf√ľhrte.
Sie gelangten in einen Raum, in dessen Mitte eine seltsame Liege stand. An den Seiten hingen Ketten mit Ringen herunter, offensichtlich hatte er wirklich öfters mit schwierigen Patienten zu tun.
Arafis Achtung vor dem angeblichen Heiler stieg und sie beorderte Urako auf den Schragen, wo er vor sich hinbrabbelnd sitzen blieb.
W√§hrend des Wartens begutachtete die Albin den Raum. √úberall standen seltsame Ger√§tschaften herum, die sie nicht zuordnen konnte. Teleskope, Lupen, Verdampfungsger√§te, Zangen und sogar eine S√§ge konnte sie ausmachen. Auf einem Tisch stapelten sich B√ľcher, Pergamente und auch hier waren die seltsamen Beh√§lter aufgestellt, die sie bereits im Wohnbereich beobachtet hatte.
Zwei weitere T√ľren f√ľhrten aus dem Raum hinaus, hinter einer davon waren seltsam scharrende Laute zu vernehmen. Arafis wollte bereits darauf zugehen, als auch schon Bozzy den Raum betrat mit einer grossen Tasse Tee.

‚ÄěDas wird Euch gut tun‚Äú, raunte er ihr zu und seine dunklen Augen leuchteten auf, als sie einen Schluck kostete.
Es war ein seltsamer Geschmack, der sich in ihrem Mund ausbreitete. Sie meinte Minze darin zu erkennen, aber auch ein beruhigendes Mittel, das sie noch aus fr√ľheren Zeiten kannte. Und dann noch eine unbekannte Note. Sie war jedoch durstig und leerte das Gebr√§u in einem Zuge.
‚ÄěK√∂nnt Ihr ihm helfen? Wisst Ihr, obwohl wir nicht die besten Freunde sind, hat er das nicht verdient‚Äú, sprach sie zu dem Goblin. Gleichzeitig bemerkte sie, wie ihre Zunge schwer wurde.
Er hat es wohl etwas zu gut gemeint mit dem Beruhigungsmittel, schoss es ihr durch den Kopf.
Im n√§chsten Moment sp√ľrte sie, wie die Kraft aus ihrem K√∂rper schwand und ihr Kinn auf ihre Brust sackte.
‚ÄěKrokus, her mit Dir du unbrauchbarer Stinkstiefel, mach dich n√ľtzlich, sonst schick ich dich wieder in dein Loch zur√ľck, aus dem du hergekommen bist! Schaff die Wandlerin in ne Zelle, bevor sie wieder bei Sinnen ist, den Dicken werde ich erst noch schnell versorgen! Und pass auf, dass du sie nicht besch√§digst‚Äú, ein gieriges Lachen war zu h√∂ren. Arafis versuchte sich zu bewegen, doch als eine dunkle Gestalt mit peitschendem Schweif auf sie zukam, verlor sie die Besinnung.
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Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#15

Beitragvon Pavo » Mo 26. Dez 2016, 02:03

Pavo lie√ü sich im Au√üenbereich einer Taverne gerade eine √ľppige Mahlzeit schmecken, als er stutzte. Er hatte ein komisches Gef√ľhl und er vertraute stets auf seinen Instinkt. Irgendetwas geschah, die Luft verdunkelte sich f√ľr einige Sekunden. Dann gab es einen ohrenbet√§ubenden Knall. Schlagartig begriff Pavo, eines der Luftschiffe war in die Luft geflogen. Oder besser gesagt, es war explodiert.

‚ÄěWEG HIER!‚Äú, br√ľllte ein Goblin in der N√§he um die anderen umstehenden zu warnen.

Pavo suchte Schutz im Eingang der Taverne und schaute mit der kalten, analytischen Gleichg√ľltigkeit eines Forschers dem Schauspiel am Himmel zu.

Der Himmel mit dem brennenden Luftschiff war zuerst noch ein sanftes, d√ľsteres-rotes Gl√ľhen, dass man durchaus als sch√∂n bezeichnen konnte. Das Leuchten vertrieb die seltsame Schw√§rze. Asche. Es handelte sich dabei um Asche die von dem Schiff herabregnete.

Ein Horde von Goblins in der N√§he fuhr herum und st√ľrzte davon. Zeitgleich kamen andere Goblins angerannt um dem brennenden Schiff Herr zu werden und das Flammenmeer zu l√∂schen, dass das Schiff unter sich verursachte. Mit jeder vergehenden Sekunde nahm das Gl√ľhen und die Gewalt der Flammen zu, steigerte sich zu einem Orangerot, dann zu Gelb‚Ķ

Die Zeit schien stehenzubleiben.

Ein Tiefling stand genau unter dem brennenden Schiffwrack dass sich noch einen Moment am Himmel hielt. Sch√ľtzend riss er die Arme nach oben, als k√∂nnten diese die Flammen abhalten. Aber die Explosion, das Licht und die Druckwelle waren schneller als der Bursche.

Er wurde zu Boden geschleudert. Die Hitze folgt unmittelbar. Eine br√ľllende Feuerwolke walzte sich auf den Tiefling nieder. Walzte sich durch die Gassen, dabei einen lodernden hei√üen Schlund durch die Stadt brennend wie Drachenatem.

Holz, Bauwerk und alles Leben was es unmittelbar ber√ľhrte, versengte es und verbrannte seine Opfer. Die Retter hatten alle H√§nde voll zu tun.

Und mitten in diesem Inferno lag der Tiefling am Boden. Die gl√ľhende Hand des Feuers nagelte ihn auf dem Pflaster der Stra√üe fest. Der Mann schrie vor Schmerzen grauenvoll auf. Die Luft um ihn herum kochte. Sichtbares Feuer fra√ü sich gierig in seine Haut und unsichtbares Feuer verbrannte seine Lungen, als er weiter zu atmen versuchten.

Die Hitze war unbeschreiblich. Selbst aus der Entfernung sp√ľrte Pavo wie die Br√§nde w√ľteten.

Durch einen Schleier aus Tr√§nen die seine Wangen hinab rannen sah der Tiefling, wie die Flammenwolke tiefer auf ihn hinabstie√ü. Sein Fleisch brannte. Flammen br√ľllten unmittelbar auf dem Tiefling, z√ľngelten um ihn herum am Bodenbewuchs, leckten knisternd an seinem K√∂rper.

Der Tiefling schrie jämmerlich vor Schmerz und Angst, aber das Tosen des Feuers schluckte fast jeden seiner Laute.

Der alte Goblin sah eine Albin die versuchte den Tiefling zu l√∂schen. Aber der Mann war nicht mehr Herr seiner Sinne. Er schlug weiter um sich, versuchte die Flammen auszuschlagen indem er sich wie besessen auf dem Boden hin- und her w√§lzte. Zeitgleich √ľbersch√ľttete ihn die Frau mit einem Eimer Wasser und versuchte die Flammen mit ihrer Kleidung zu ersticken und mit blo√üen H√§nden und sogar ihrem K√∂rper auszuschlagen.

Der ehemalige goblinische Priester schaute gebannt dem Spektakel zu und musste insgeheim den Mut der Albin loben. Auch wenn sie sich selbst dadurch in Gefahr brachte, was Pavo √ľberhaupt nicht nachvollziehen konnte. Aus dem Grund wartete er ab und schaute weiter zu, was zwischen den beiden geschah.

Der verbrannte Tiefling wankte zum Brunnen. Pavo verlie√ü seinen Ausguck und konnte kurz ein paar Worte mit dem Mann wechseln. Er war verbrannt. Seine Haut war an einigen Stellen schwarz, das Fleisch lag offen und an manchen Stellen hatte seine Haut Blasen geschlagen. Der Tiefling brauchte medizinische Hilfe, die ihm Pavo gerne f√ľr eine Gef√§lligkeit geben wollte.

Der Tiefling war w√ľtend. Er sprach voller Hass √ľber eine Person die ihn verraten hatte, w√§hrend Pavo versuchte dem Mann zu helfen. Ein Henker war der Tiefling. Ein kr√§ftiger dazu. Der Mann hatte zwar keinen Taler in der Tasche, so dass er den alten Goblin nicht f√ľr seine Heilkunst bezahlen konnte, aber Pavo war clever genug um zu erkennen, dass das Gesch√§ft hier nicht in Form von Talern zu machen war.

Er selbst war alt, nicht gerade der fitteste und er hatte stets Bedarf an neuen Versuchsobjekten. Der Henker als zeitlich begrenzter, kostenloser Assistent, kam ihm da gerade wie gerufen.

Urako so hie√ü der Tiefling, war mit dem Handel einverstanden. Etwas misstrauisch war der Mann. Nun nach dem Erlebten wollte Pavo es ihm nicht verdenken. Der Tiefling bestand darauf einen Nekromanten Namens Selan aufzusuchen. Nun f√ľr den Goblin-Heiler war dies kein Problem. Im Gegenteil, einen Nekromanten aufzusuchen, konnte sicher ein hochinteressanter Ausflug werden - wenn damit nicht zu viel Fu√ümarsch verbunden war.

Doch gerade in dem Moment wo sie aufbrechen wollten, wurde der Tiefling erneut von einer Schmerzattacke √ľbermannt und st√ľrzte zur√ľck in den Brunnen.

Die Albin war umgehend an der Seite von Urako. Sie hatte von dem kurzen Gespräch zwischen dem alten Goblin und dem Tiefling nichts mitbekommen. Wie auch? Der Frau war die Sorge ins Gesicht geschrieben.

Pavo hielt sich erneut im Hintergrund, so wie es alle aus seiner Bande taten, und beobachtete die Szene. Bozzy, ein junger Goblin tauchte auf und bot seine Hilfe an. Bozzy eine genauso zwielichtige Gestalt wie er selbst, lachte Pavo innerlich. Er reichte der Albin eine Spritze. Nachdem die Frau dem Tiefling die Spritze in den Hintern gejagt hatte, folgte ihnen dieser lammfromm wie ein Schoßhund.

Pavos stahlblaues Auge folgte der Dreiergruppe wie sie gemeinsam in Richtung Bozzys Heim abzogen. Er gew√§hrte ihnen noch einige Minuten, dann nahm er die Verfolgung auf. Das Bozzy neues Material f√ľr seine Forschungen ben√∂tigte verstand Pavo aus vollem Herzen. Allerdings raubte der kleine Kerl ihm da gerade seinen Assistenten, den er selbst f√ľr die gleiche Aufgabe dringend ben√∂tigte! Das konnte Pavo nicht hinnehmen.

Kaum hatten sie das Haus betreten, wartete Pavo die Anstandsminuten vor der T√ľr ab, bis Bozzys Narkotikum wirken w√ľrde. Er war ja kein Ungoblin.

Danach h√§mmerte der ehemalige Priester allerdings vor die T√ľr des Kollegen.

"Bozzy mach auf, ich bin es Pavo. Du hast versehentlich etwas mitgenommen, dass mir gehört, junger Mann!", rief der alte Goblin.

Es dauerte erneut einige Minuten, dann wurde die T√ľr einen Spalt breit ge√∂ffnet und Bozzy schaute mit der Nasenspitze heraus.

"Pavo", gr√ľ√üte er respektvoll und machte den Weg frei.
Die beiden Goblins passierten die T√ľr, die Bozzy nach ihrem Eintreten wieder vielfach verriegelte und verschloss.

‚ÄěWillkommen in meinem Heim‚Äú, sagte er fast fr√∂hlich.
"Danke. Wo ist der Tiefling?", fragte der alte Heiler ohne Umschweife.

Pavo schaute sich neugierig im Heim des Kollegen um, während sich Bozzy sichtlich zu entspannen schien. Der alte Goblin warf Bozzy einen Blick zu und schaute sich dann weiter um. Bozzys Heim war genau wie sein Reich in Shohiro ein chaotisches Museum und Labor in einem. Bozzy schien alles zu sammeln, was ihm irgendwie interessant erschien, und was er noch nicht erforscht oder klassifiziert hatte.

"Sehr schöne Exponate mein junger Freund", lobte der alte Goblin, während er dem jungen Kerl in den Keller folgte.

Auch der Keller war sehr gut eingerichtet, wie Pavo erfreut feststellte. Bozzy wusste, dass man mit Pavo nicht spa√üen durfte. Zwar war der alte Goblin kein Gegner in einem Kampf Mann gegen Mann, aber daf√ľr waren seine "Clangeschwister" mit denen er sich umgab umso gef√§hrlicher. Von Pavos eigener Leidenschaft f√ľr Gifte und Hinterh√§ltigkeit ganz zu schweigen.

Da saß er nun, sein Assistent, mitten auf einer Liege mit Fixatoren.

"Der Tiefling gehört mir Bozzy. Da gibt es keine Diskussion", erklärte Pavo mit einer Stimme die keinen Widerspruch duldete.
"Ein Versehen Pavo. Du verstehst dass doch", sagte der junge Goblin.
"Nat√ľrlich, wenn Du mir mein Eigentum aush√§ndigst, vergessen wir die Sache - Kollege", stimmte Pavo freundlich zu.

"Einverstanden. Nimm ihn mit. Er ist handzahm. Noch wirkt die Gef√ľgigkeitsdroge. Was ist mit der Gestaltwandlerin Pavo? Von ihr hast Du nicht gesprochen. Ich schlie√üe daraus sie ist freies Beutegut oder? Ein bisschen Gesch√§ft musst Du mir auch lassen, von Kollege zu Kollege", warf Bozzy h√∂flich ein.
"Es geht mir nur um den Tiefling, er ist kein Forschungsgegenstand, er ist mein Assistent. Die Frau schert mich nicht", antwortete Pavo leichthin.

Der alte Goblin näherte sich der Gestaltwandlerin. Die Albin war in sich zusammengesunken. Der Kopf von ihr war herab gesackt und ihr Kinn ruhte auf ihrer Brust. Pavo trat ganz nah an die Frau heran, griff ihr in die Haare und zerrte ihren Kopf kurz in den Nacken. Er begutachtete sie ohne jede Emotion.

"Sch√∂nes Exemplar. Wird Dir entweder eine gutes Summe bringen, oder Dir viel Freude in der Forschung bereiten. Wandler sind hochinteressante Forschungsobjekte. Falls Du sie sezierst, k√∂nntest Du mir einen Anatomiebericht √ľber ihre besondere Physionomie schicken. Das w√ľrde mich sehr freuen Bozzy. Ich lese gerne Arbeiten von Nachwuchstalenten. Nur sieh zu, dass Du sie sicher verschlie√üt. Mit Wandlern ist nicht zu spa√üen junger Freund", mahnte der alte Goblin und lie√ü die Albin wieder los.

"Gerne. Und wie gesagt, dass mit dem Tiefling war ein Missverst√§ndnis - nichts f√ľr ungut", grinste der junge Forscher. Der alte Heiler nickte gutm√ľtig und vers√∂hnlich.
"Von nichts anderem bin ich ausgegangen", l√§chelte Pavo liebensw√ľrdig.

"Urako folge mir", befahl Pavo mit befehlsgewohnter Stimme und ging langsam vor. Der ehemalige Priester ging wieder nach oben, √∂ffnete die T√ľr und verlie√ü Bozzys Haus. Der Tiefling folgte seinem neuen Arbeitgeber auf dem Fu√üe.
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Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#16

Beitragvon Arafis » So 1. Jan 2017, 18:59

Die Droge wirkte rasch. Die Beine gaben unter ihrem K√∂rper nach und wie ein Kartoffelsack rutschte sie neben der Liege zu Boden. Urakos F√ľsse und sein Schweif baumelten direkt neben ihr in der Luft und schienen ihr pl√∂tzlich zuzuwinken. Sie wollte sie gr√ľssen und zur√ľckwinken, doch ihre Gliedmassen gehorchten ihr nicht mehr richtig.
Wie lange sass sie schon da?
Es konnten erst einige Minuten vergangen sein, doch der Albin kam es wie eine Stunde vor, als ein Goblin an sie herantrat.
War der schon vorher da gewesen?
Nein, es war nicht Bozzy. Dieser hier hatte Falten wie ein Runzelschwein. Ein unkontrolliertes Kichern kam √ľber ihre Lippen und endete in einem unverst√§ndlichen Geblubber.

Die beiden Gr√ľnschn√§bel schienen miteinander zu diskutieren, doch Arafis vermochte ihren Worten nicht zu folgen. Sie dehnten sich unendlich in die L√§nge, wie in Zeitlupe.
‚ÄěD√§√§√§r Tiiiieeeflii√ľ√ľng geh√∂√∂√∂√∂rt mii√ľ√ľ√ľr‚Ķ‚Äú
Wieder hickste Arafis belustigt auf und versuchte Urakos Zeh zu fassen, um ihn auf die lustige Redeweise der beiden aufmerksam zu machen.
Damit lenkte sie jedoch das Interesse des Runzelschweins auf sich.
Er trat an sie heran, hob ihren Kopf und musterte sie gelassen. Die Albin versuchte sich von ihm los zu winden, brachte jedoch nur ein leichtes Nicken zustande. Ihr Kinn sank zur√ľck auf die haarige Brust, als er von ihr abliess und sie starrte unverwandt auf die schmutzigen Schuhe des Goblins.
Was f√ľr grosse Latschen diese Winzlinge doch hatten, wunderte sie sich. Lustig, dass sie damit √ľberhaupt laufen konnten!

Erst als Pavo einen Befehl gab, hatte er pl√∂tzlich Arafis‚Äė ungehinderte Aufmerksamkeit.
‚Äě√ú√ľ√ľraaakoooo, foolg√§√§√§ mii√ľ√ľ√ľr!‚Äú, waren seine Worte.
Dieses Mal jedoch brachte die Sprechweise die Albin ganz und gar nicht zum Kichern.
Langsam sickerte der Sinn in ihren benebelten Verstand hinein und löste eine Panikattacke in ihr aus, als sich der Tiefling tatsächlich erhob, und hinter dem Runzelschweinchen hertorkelte.
Er konnte sie hier doch nicht einfach zur√ľcklassen!
Sie hatte ihm doch helfen wollen, und eigentlich mochte sie den verschrobenen Kerl doch gar nicht so ungern.

‚ÄěAart√§√§√§‚Äú, brabbelte sie, und griff in einem verzweifelten Versuch nach dem Pinkpuschel, der gerade noch vor ihrer Nase gebaumelt hatte.
Urako liess sich jedoch nicht aufhalten. In dem Versuch sich aufzurappeln, verlor ihr Körper das Gleichgewicht und kippte unbeholfen zur Seite, wo sie hilflos liegen blieb.
Ihre Augen verfolgten, wie der Tiefling √ľber die Treppe verschwand und sie bei Bozzy und seinem Handlanger zur√ľckliess.

Obwohl die Droge sie benebelte, war sie sich plötzlich gewiss, dass sie in eine Falle geraten waren. Und sie selbst war Schuld daran. Hätte sie seine Hilfe doch nicht angenommen und wäre sie doch bloss nicht erst im Gefängnis gelandet.
Ein Schluchzen rang sich aus ihrer ausgetrockneten Kehle hervor.
‚ÄěSperr sie in die freie Zelle neben den Gargoyle. Dort kann sie ihren Rausch ausschlafen‚Äú, grinste Bozzy, der einen Augenblick lang bedauerlich dem Tiefling nachblickte, bevor er m√ľrrisch Krokus anwies, die Albin einzukerkern.
Sie wurde grob gepackt und weggezerrt.
Das Tageslicht sollte sie f√ľr l√§ngere Zeit nicht mehr zu Gesicht bekommen. Nur die Erinnerungen an die warmen Sonnenstrahlen, Selans gutm√ľtiges L√§cheln und Urakos unbeholfene H√§nde in ihrem Fell hielten sie in der folgenden Zeit davon ab, ihre Hoffnung g√§nzlich aufzugeben.
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Re: Teebeutel Kapitel IV - Zwischen den Fronten

#17

Beitragvon Urako » Do 12. Jan 2017, 22:07

Es blitzte in seinem Kopf.

Urako verstand gar nichts mehr. Die Zeit schien gest√ľckelt zu verlaufen, abgehackt, ein Fetzen reihte sich sinnlos an den n√§chsten. Er war in einem glei√üenden Feuerball verbrannt, pl√∂tzlich lag er in einem Haus. Eine Insel und ein Wildschwein. Er verstand keinerlei Zusammenh√§nge zwischen diesen Existenzfetzen mehr. Was war dazwischen geschehen? Waren sie nur Tr√§ume, Halluzinationen oder erlebte er das alles wirklich?

Er versuchte, sich zu bewegen. Seine Arme und Beine waren festgeschnallt. H√§? Fesseln? Blitze zischten durch seinen Kopf, ein Liebesspiel mit Firxas, der seine Handgelenke mit einer Liane knebelte und seine Rei√üz√§hne √ľber seinen Bauch zog, Urakos Schenkel zuckten, dann war da aber pl√∂tzlich ein Goblin, der sich √ľber ihn beugte und ihn nur bl√∂de anglotzte. Wo kam der denn her? Blitz!

Ein Deckengewölbe, der anschwellende Feuerball! Wallende Hitze, die ihn umstieß. Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen! Blitz!

Ein Regal voller Ramsch. Klimpernde Gl√§ser. Wein? Bier? Urakos Kopf rollte wild hin und her. Seine Pupillen waren abnorm geweitet. Irgendwelche Stimmen, die nur Unsinn faselten. Wieder machte sich jemand an seinen Handgelenken zu schaffen, aber nicht Firxas, sondern irgendwer anders. Zum Henker, wer war dieser gr√ľne Sack? War er in einem verkackten Freudenhaus und hatte sich mit diesem Kerl da eingelassen? Seit wann trieb er es mit Goblins? Und wo war Selan? Blitz!

Ein Richtbeil in seinem Sch√§del, wieder und wieder! Urako br√ľllte vor Schmerzen.

Pl√∂tzlich stand er auf seinen wackeligen Beinen. Sie waren verschmort. Wieso waren seine Beine verschmort?! Urako fing an zu zittern. Alles, alles an ihm war verbrannt, schrumplig und stank! T√∂li sa√ü an der Wand, v√∂llig zusammengesunken. Die Verr√§terin. Soeben grabschte sie unbeholfen nach seinem kahlen Schweifende. Sie sah besoffen aus. Das Grabschen nach diesem intimen K√∂rperteil konnte man durchaus als anz√ľgliche Geste deuten. Sie sah gut aus, mit all ihren Haaren. BLITZ!

Urako machte einen unkoordinierten Schritt in ihre Richtung. Er rang sich ein Grinsen ab, das wegen seiner Verbrennungen derart schief war, dass es aussah wie eine Geisterfraze und streckte nun seinerseits die Hand aus nach ihr. Er kippte nach vorne √ľber und fiel auf die Knie. Einen Moment lang sank er mit der Stirn an ihr Schl√ľsselbein. Sie roch nach Wolf. "Du ungezogenes Biest", raunte er lallend, da er kaum die Lippen und die Zunge bewegen konnte. "Bist gar kein Hund." Blitz!

T√∂li mit ihm auf der Jagd! T√∂li an seiner Seite! T√∂li, durch deren Fell er strich! Urako krampfte zusammen und gab einen unartikulierten Laut von sich. Trug sie eigentlich noch sein Gl√ľcks√§xtchen um den Hals? Aus irgendeinem Grunde wollte er es wissen. Er musste es wissen! Seine steifen, verbrannten Finger tasteten an ihrem Hals herum. Blitz!

"Urako folge mir."

BLITZ!

Die Stimme zog ihn wie an F√§den zu sich. Urako lie√ü die Hand sinken, erhob sich willenlos, starrte noch einmal glasig auf die zusammengesunkene Frau zu seinen F√ľ√üen und drehte sich dann steifbeinig um. Blitzgewitter!

Feuerball! Brunnen! Firxas ... und Selan? Wo war Selan! Die Blitze fuhren wie Harpunen durch Urakos Kopf. Er wollte zu seinem Lehrmeister, wollte auf der Stelle von ihn verarztet werden! Doch der alte Mann da befahl und er musste gehorchen. Wieso eigentlich? Wurde er daf√ľr bezahlt? Irgendetwas zwang ihn, ihm zu folgen. Magie ... Magie musste es sein. Blitz!

Ohne noch einmal zu seiner T√∂li zur√ľckzuschauen, folgte Urako dem fremden alten Goblin.

Er erinnerte sich sp√§ter nur an Bruchst√ľcken von alledem.
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"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter