Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Morasas Anwerben -- Schluckspecht Teil2

Das Geisterhaus
Die Geister waren bis zum Jahr 202 eine erfolgreiche Gilde von Auftragsm├Ârdern. Jedoch bot das Leben im Geisterhaus mehr als nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch ein zu Hause f├╝r Verlorene. Wichtigste Aufnahmebedingungen waren absolute Loyalit├Ąt und Verschwiegenheit - sonst endete man rasch selbst auf der Todesliste. Die ehemaligen Geister verdienen ihren Lebensunterhalt heute auf ehrbare Weise als "Fantomes" in Souvagne.
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JEELEN
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Morasas Anwerben -- Schluckspecht Teil2

#1

Beitrag von JEELEN » So 11. Jun 2017, 21:31

Morasas Anwerben - Teil 2

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Dave h├Ârte Morasa aufmerksam zu.
"Kaffee schmeckt pur ziemlich bitter. Da Du Bier getrunken hast, wirst Du vermutlich den Geschmack m├Âgen. Bei mir ist es genau umgekehrt.

Ich liebe Kaffee und aus dem Grund schmeckt mir auch Bier. Manche m├Âgen ihn aber nicht schwarz, sondern sie trinken ihn entweder mit Zucker oder mit Milch oder auch mit beidem.

Ganz nach Geschmack, teste es einfach aus. Falls er Dir widererwartend gar nicht schmecken sollte, gibst Du ihn mir. Ich trink ihn schon aus", erkl├Ąrte Dave Morasa.

"Wie Du mich findest? Du wirst bei uns wohnen. Gr├Â├čtenteils zumindest. Die meisten von uns haben zwar eigene H├Ąuser, Wohnungen, Zimmer und Quartiere - dennoch wohnen wir alle unter einem Dach. Von daher wird es kein Problem f├╝r uns beide darstellen miteinander Kontakt aufzunehmen.

Wenn ich Dich um einen "Botengang" bitte, werde ich Dir Bescheid geben, oder einer aus unserer Familie wird Dich zu mir zitieren. Ich pers├Ânlich werde Dir den Adressat sprich den Empf├Ąnger der Botschaft benennen.

Zudem erh├Ąltst Du von mir alle ben├Âtigten Details, Eckdaten und sonstigen Informationen die Du f├╝r die Zustellung der Botschaft ben├Âtigst. Manchmal ist es nicht leicht, den Empf├Ąnger einer Nachricht ausfindig zu machen.

In dem Fall vertraue ich auf Dein Improvisationsgeschick. Unsere Botschaften werden ohne Sonderzusatz niemals an dritte Unbeteiligte zugestellt. Ausnahmen best├Ątigen die Regel. Solltest Du die Botschaft an eine bestimmte andere Person weiterreichen d├╝rfen, informiere ich Dich vorab dar├╝ber.

Hast Du keine Information und konntest Du die Botschaft nicht zustellen, kehrst Du zu mir zur├╝ck und lieferst Fehlanzeige.

Das kommt allerdings selten vor.

Meist gelingt es meinen "'Adressermittlern" den Aufenthaltsort unseres Empf├Ąngers zu ermitteln. Manchmal muss ich den Aufenthalt ermitteln. Von einer groben Sch├Ątzung wo sich der Empf├Ąnger befindet, bis hin zum genauen Herbergen-Bett wo er n├Ąchtigt, ist an Informationen in dem Fall alles dabei.

Es obliegt Dir als Bote vor Ort, das Optimum aus den gegebenen Informationen herauszuholen.

Eine Stadt ist nichts anderes als Dein Wald oder ein Dschungel. Alle Orte haben ihre eigenen Gesetzm├Ą├čigkeiten. Drum scheue Dich nicht eines Deiner Zunft-Geschwister zu fragen, ob sie Dir mit einem Tipp weiterhelfen k├Ânnen.

Da Du schon fragst, in erster Zeit wirst Du im Team arbeiten. Du wirst nichts allein zuzustellen haben, aus diesem Grund kann ich Dir versichern, gibt es nicht zu f├╝rchten. Wir verurteilen auch niemanden bei Misserfolg. Manchmal macht einem das Schicksal einen Strich durch die Rechnung.

Du kannst nicht zustellen, weil der Empf├Ąnger nicht Zuhause ist. Es ist auch m├Âglich, dass Dir etwas dazwischen kommt. Eine pikante Lieferung muss nicht von B├╝tteln beobachtet werden. Das w├Ąre Deiner... unserer Sache abtr├Ąglich Bruder. Lieber kehrst Du in Ruhe ein anderes Mal zur├╝ck als ├╝bereilt zu handeln.

Daf├╝r wurde bei uns noch nie ein Bote entlassen.
Du verstehst was ich meine?

Konntest Du nicht liefern, sei es drum.
Aber sei zu uns ehrlich. Das ist das Dogma um das sich alles dreht.

Auf den Punkt gebracht, wende Dich niemals gegen Deine Familie, sonst wendet sie sich gegen Dich.

Alle anderen Informationen die Dich interessieren, erh├Ąltst Du Zuhause vor Ort, nachdem Du bei uns nach allen Regeln der Tradition eingetreten bist. Andere, tief greifender Informationen erh├Ąltst Du nach Deiner ersten Zustellung. Wiederum andere, sobald die Zeit daf├╝r reif ist. Aber das entscheidet die komplette Chefetage unseres Botendienstes - nicht ich allein.

Du w├Ąrst zudem auf Expeditionen in der Wildnis ein guter F├╝hrer. Ein Mitglied unserer Familie reist ├Âfter in alte Ruinen um dort nach bestimmten Fundst├╝cken zu suchen. Du kannst gerne selbst mit ihm sprechen. Wir haben bereits einen F├╝hrer f├╝r solche Exkursionen in unserer Gilde. Ein weiterer w├Ąre eine sehr gute Erg├Ąnzung und Absicherung des Forschungsteams vor Ort.

Den Rest erl├Ąutere ich Dir gerne sp├Ąter bei einem Kaffee oder einem Bier Zuhause Morasa", antwortete Dave freundlich.

Varmikan hockte sich erneut wieder ganz eng neben seinen Mann und grinste Dave kurz an.

"Der Kaffee ist bestellt", sagte der Frostalb und kraulte Dave die Seite.

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Shocai beobachtete die Gruppe G├Ąste misstrauisch. Sie sahen aus, als ob sie jeden Moment verschwinden wollten, aber irgendwie machte keiner Anstalten, das Essen zu bezahlen, geschweige denn ihm Trinkgeld zu geben. Er tat, als m├╝sste er wischen und versperrte dabei vors├Ątzlich schrubbend die T├╝r.

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Morasa

beobachtete das Schauspiel das der Fisch bot. Er l├Ąchelte versteckt. Varmikan wartete auf die Rechnung und der Fisch wartete auch, nur auf was? Mo trank ein Schluck und deutete heimlich auf den Fisch und l├Ąchelte Dave an.

"Ein sehr reinlicher Fisch".

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Dave hob kurz fragend eine Augenbraue nach dem Morasa ihm ein L├Ącheln geschenkt hatte. Der Naridier unterdr├╝ckte den Drang zur├╝ck zu l├Ącheln, dass geh├Ârte sich nicht in seinen Augen. Auch wenn er es irgendwie schmeichelhaft fand, angel├Ąchelt zu werden.

Dave musterte dann den Fischmenschen, der mit seinem Mopp herumwirbelte und so tat als w├╝rde er arbeiten. Er tippte Varmikan an.

"Ich glaube der Fisch hat Deine Rechnung vergessen", grinste Dave und k├╝sste Varmikan.

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Varmikan h├Ârte Dave zu und musterte dann ebenfalls den Fischmenschen. Der Kerl schien wirklich die Rechnung vergessen zu haben. Wenn er dann auch sein Trinkgeld verga├č, w├╝rde Varmikan ihn nicht daran erinnern.

Er hatte dem Shezem extra gesagt, dass er sich ein Trinkgeld aufschreiben durfte, aber scheinbar hatte der Fisch nicht nur das Trinkgeld, sondern komplett alles vergessen.

Der Frostalb k├╝sste seinen Mann zur├╝ck und grinste ihn gut gelaunt an.

`Sollen wir uns einfach verdr├╝cken?┬┤, fragte Varmi gedanklich.
`Nein. Wir wollen wieder hierher kommen und einige unserer Lauscher gehen hier ein und aus. Das w├Ąre dumm Schatz. Erinnere den Fisch┬┤, antwortete Dave mental.
`Weil Du es bist Sternchen┬┤, lachte Varmikan.

Der Frostalb stand auf und musterte den Shezem.

"Eh Fisch, bekomme ich nun die Rechnung oder nicht? Ich habe Dich gerade schon darum gebeten! Jetzt mach mal hin hier!", rief Varmikan.

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Alaryah kehrte aus ihrer Gedankenwelt zur├╝ck. <Was ist gerade passiert?>. Sie sah sich um. Vor gef├╝hlt wenigen Sekunden hatte noch jemand neben ihr gestanden, jetzt hatte sich nicht weit von ihr eine ganze Gruppe an einen Tisch gesetzt. Alaryah musterte die Leute aus der Ferne. Anscheinend hatte sie doch l├Ąnger herumgetr├Ąumt als gedacht. Sie nahm einen weiteren Schluck aus ihrem Becher und drehte sich wieder zum w├Ąrmenden Feuer. Mittlerweile war auch die N├Ąsse aus der Kleidung der Albin gewichen. St├╝hle wurden ger├╝ckt und die Gruppe schien sich zum Aufbruch bereit zu machen, f├╝r diese Erkenntnis reichte ein fl├╝chtiger Blick ├╝ber die Schulter. <Vielleicht sollte ich auch bald weiterreisen.>, dachte Alaryah und ging im Kopf ihre weitere Reiseroute durch. Sie lag gut in der Zeit, vielleicht w├Ąre eine l├Ąngere Rast gar nicht mal so schlecht.
Es dauerte nicht lang, da rumpelte es in Alaryahs Magen. <Etwas zu Essen w├Ąre nicht verkehrt.>. So huschte die Albin wieder in Richtung Tresen. Dort angekommen bestellte sie sich eine kleine Mahlzeit und ein weiteres Getr├Ąnk. Ihre Bestellung schien gut anzukommen, da die Albin sich nun doch entschlossen hatte etwas Umsatz zu generieren. "Oh, sehr nett, ich danke Euch.", entgegnete Alaryah als ihr gesagt wurde, dass ihre Bestellung zu ihr an den Tisch gebracht wird. Sie l├Ąchelte freundlich und schwebte auf leichten Sohlen wieder zur├╝ck in Richtung Kamin. In der N├Ąhe des Feuers war sogar noch ein kleiner Tisch frei!
Die Albin sah sich kurz um, niemand schien diesen Platz zu belegen. Somit machte sie es sich erst einmal gem├╝tlich. Es dauerte nicht lang, da hatte die Entspannung eingesetzt. Erst jetzt merkte die zierliche Albin, dass ihre Beine sich wirklich schwer anf├╝hlten...auch die Schulter schien leicht verspannt. "Sitzen tut dann doch wirklich gut.", fl├╝sterte sie sachte vor sich hin, w├Ąhrend sie ihre Schulter kreisen lies. Als sich die Belastung der letzten Tage langsam zu l├Âsen schien wurde Alaryah zusehends zufriedener. Brav wartete sie nun auf ihr Abendessen und ein neues Getr├Ąnk. Eine Sache st├Ârte die Albin jedoch...sollte es sp├Ąter immer noch so regnen wie bei ihrer Ankunft, so w├╝rde sie hier ├╝bernachten m├╝ssen. Ganz wohl war ihr dabei nicht, jedoch schob Alaryah diese Gedanken erst einmal zur Seite.

**

Shocai zerbrach vor Schreck den Wischmopp, als der Frostalb ihn derart anpl├Ąrrte. M├╝rrisch betrachtete er die beiden H├Ąlften. Den Mopp w├╝rde man ihm vom Lohn abziehen. Der bl├Âde Giftstachler am Tresen musste derart lachen, dass er seinen zuvor so elegant zwischen Daumen und Zeigefinger gehaltenen Cocktail durch die Nasenl├Âcher wieder ausstie├č. Rasch griff Lahiko nach einem Tuch, um sich das Gesicht zu reinigen und die Peinlichkeit zu verbergen, w├Ąhrend er immer noch lachte. Shocai fand es nicht einmal zum Schmunzeln.

Mies gelaunt brachte er die h├Âlzernen ├ťberreste fort und anschlie├čden dem Frostalb die Rechnung, auf der fein s├Ąuberlich alles untereinander aufgelistet war, inklusive der Freudenhauskapriolen der Orkfrau, die sich mehr als exklusiv hatte verw├Âhnen lassen und zwar gleich von drei Herren gleichzeitig, die alle bezahlt werden wollten und zwar obendrein mit einer fetten Zulage f├╝r schmutzige Sonderw├╝nsche. Die Rechnung war derart astronomisch, dass es Shocai schon vom Lesen weh tat.

W├Ąhrend der Alb und sein Begleiter die Rechnung betrachten konnten, brachte er noch rasch der neu hinzugekommenen Albin ihre bestellte Mahlzeit und das Getr├Ąnk. "Bitte", knurrte er, noch immer missgestimmt und hielt dabei ohne es zu merken den Daumen in das Essen.

**

Varmikan musterte zuerst kopfsch├╝ttelnd den Shezem dann die Rechnung.

"Die hat es aber n├Âtig gehabt", fl├╝sterte der Frostalb.
"Das habe ich Dir doch von Anfang an gesagt. Sie ist eine v├Âllige Versagerin. Wie sollte so eine Frau einen Mann sonst ins Bett bekommen? Wenn nichts hilft, weder Charme noch Flirt hilft der gute alte Notnagel - GELD. Geld regelt fast alles Schatz.

Soll ich sie zu einem Auftrag ausschreiben?
Oder besser noch, soll ich sie der Konkurrenz zum Fra├č vorwerfen?

Oder wollen wir die Puffzahlung verweigern?
Der Laden hier k├Ąme an sein Geld wenn er einen Kopfgeldj├Ąger beauftragt. Ergo uns und wir schicken Mo. Die Frau sah so aus, als k├Ânnte sie was Bewegung gebrauchen. Wollen wir der Ork ein bisschen Spa├č g├Ânnen?", fragte Dave lachend.

"Schreib einen Auftrag, lass sie qualvoll umlegen ja? So richtig fies und qualvoll. Ich m├Âchte dass sie leidet. Darf ich aussuchen wie sie leidet? Dann ist der Mickrige endlich frei", lachte Varmi.
"Von mir aus, ich habe keinen Vertrag damit - Vertr├Ąge zu schreiben. Mach ich", stimmte Dave grinsend zu.

"Oha wir sitzen t├Ąglich mit Wolfi in einer Stube, dass f├Ąrbt ab", gibbelte Varmikan.
"Wir d├╝rfen dass ja, Wolfi noch nicht. In zwei Jahren ungef├Ąhr macht er das v├Âllig legitim", gab Dave zur├╝ck.

"Bei unserem Streit mit Pavo, wo Du ihm gesagt hast, dass wir bereits verheiratet sind, hast Du eine Eloise erw├Ąhnt. Wer ist das? Deine Ex? Falls es Deine Ex ist, darf sie nicht auf unserer Hochzeit erscheinen, also wer ist sie?", hakte Varmi misstrauisch nach.

"Die Antwort samt weitreichender Erkl├Ąrung erfolgt mental. Sonst verstehst Du nicht, warum ich sie so mag", antwortete Dave.

`Nein. Eloise ist nicht meine Ex Varmikan.
Eloise ist eine der wenigen Freunde die ich seit meiner Kindheit habe. Sie ist wirklich lieb, ein bisschen verr├╝ckt, war wie ich sehr oft einsam und sie redet wie ein Wasserfall, wenn sie ein Opfer findet, dass ihr zuh├Ârt.

Als wir uns kennenlernten haben wir uns direkt verstanden, weil wir das gleiche Leben lebten. Und was ich zu wenig gequatscht habe, hat sie mit dem doppelten und dreifachen Gerede wieder wett gemacht. Sie ist wie eine Schwester f├╝r mich. Sie ist ein Jahr ├Ąlter. Wenn Du sie kennenlernst, wirst Du sie m├Âgen. Sie l├Ąstert genauso gerne wie Du und zieht Leute gerne durch den Kakao.

Zu den Lebensumst├Ąnden.

Wie beschreibe ich Dir das am besten? Stell Dir vor Du sitzt lebensl├Ąnglich im Zuchthaus. Nur ist der Knast ohne Gitter. Daf├╝r aus Stein und Sicherheitst├╝ren.

W├Ąchter gibt es nat├╝rlich auch und als Luxus obendrauf gibt es f├╝r Dich Personal. Es gibt gute, neutrale und schlechte Tage.

An guten Tagen darfst Du raus, Du hast Hofgang sozusagen. Manchmal triffst Du Deinen Bruder dabei, falls er auch drau├čen ist.

Neutrale Tage sind der Trott. Ein neutraler Tag l├Ąuft wie folgt ab. Aufstehen, fertig gemacht werden - also gewaschen und angekleidet werden, Fr├╝hst├╝ck, lernen, Mittag, lernen, Abendessen. Bettfertig gemacht werden. Selbe Spiel wie morgens, eben nur r├╝ckw├Ąrts.

An einem neutralen Tag bist Du die ganze Zeit im Haus, in Deinen fensterlosen R├Ąumen mit Deinem jeweiligen Lehrer. Du siehst keinen aus Deiner Familie, Du kommst nicht raus, Du hast zu niemandem Kontakt, Du hast Deine Aufgaben zu erledigen - eben lernen.

Dann gibt es nat├╝rlich die letzte Kategorie - schlechte Tage. Das ist der Abgrund in Deinem Leben, wie Du es nennen w├╝rdest.

An einem schlechten Tag erscheint Dein Vater oder noch schlimmer Dein Gro├čvater. "Opa" nimmt Dich mit ins Labor oder ins Krankenzimmer.

Ein Beispiel. An einem dieser Tage erschien mein Gro├čvater und brachte mich ins Quarant├Ąnekrankenzimmer. Die Diener haben mich ins Bett gepackt und fixiert. Gro├čvater hat mir erkl├Ąrt, dass man als Mensch nur einmal die Pocken bekommt.

Wenn man die Krankheit ├╝berlebt ist man ab dato immun dagegen.
Man kann dies bewusst herbeif├╝hren. Diese Form der Impfung nennt man Variolation. Bei einer Variolation wird durch Einritzen der Haut etwas Fl├╝ssigkeit aus Pockenbl├Ąschen ├╝bertragen.

Dies geschieht indem man jemanden mit einem Skalpell schneidet und infekti├Âse Fl├╝ssigkeit einbringt. Man bekommt die Pocken und ├╝berlebt - vermutlich. 30 Prozent sind Deine ├ťberlebenschance - der Buchhalter in mir.

Um zu genauen Aufschluss ├╝ber die Dosis zu erhalten, wurde ich zuerst geimpft. Sobald ich krank w├Ąre, je nach meinem Krankheitsbild und Verlauf w├╝rde danach Ansgar geimpft.

Damit er als Erstgeborener nicht in Gefahr ger├Ąt, daran zu sterben. Ich habe zwar versucht mich zu wehren, aber das war sinnlos. Es war nur ein kleinen Schnitt. Wenn die Krankheit ausbricht f├╝hlst Du Dich elendig als w├╝rdest Du verrecken.

Du bekommst Ausschlag, der sich zu stinkenden, n├Ąssenden und eitrigen Pusteln verschlimmert und im Endstadium als Schorf abheilt. Und so wie Du dann aussiehst, so riechst Du auch. Als w├╝rdest Du verfaulen.

Du hast Schmerzen, permanente fast unertr├Ągliche Schmerzen. Bestimmte Diener k├╝mmern sich ein paar Mal am Tag um Dich. Sie m├╝ssen immun sein, sprich die Pocken ├╝berlebt haben. Sie waschen und f├╝ttern Dich. Mehr nicht.

Das hei├čt, in all der Zeit wo Du Angst hast und Schmerzen leidest, liegst Du da allein in Deinem Krankenzimmer.

Niemand der fragt wie es Dir geht. Wozu auch? Interessiert schlie├člich keinen.
Das was sie wissen wollen, erfahren sie von den pflegenden Dienern.
Es kommt auch niemand um Dir zu sagen, dass alles wieder gut wird, oder um Dir etwas Gesellschaft zu leisten, Dich zu tr├Âsten oder Dir beizustehen.
Du bist nur der Probelauf f├╝r Ansgar.
Du bist entbehrlich.

Bei uns gab es vieles, Geborgenheit nicht.

Irgendwann, wenn Deine Krankheit abklingt, nehmen sie von Deinem Schorf um ihn damit zu impfen. Sie wissen dann, dass der Verlauf dieser Infektion ├╝berlebt wird. Jedenfalls hochwahrscheinlich.

Falls nicht, in dem Falle habe ja ich ├╝berlebt und w├╝rde Nummer eins der Erbfolge, falls Ansgar widererwartend den Arsch zu macht.

So f├╝rsorglich war mein lieber Opa.

An manchen guten Tagen, habe ich die Diener beobachtet, wenn sie feierten. So wie das Fr├╝hlingsfest. Mitmachen konnte ich nicht und unsere Familie hat sowas nicht gefeiert. Zudem welcher Diener h├Ątte schon gerne einen seiner Herren dabei?

Oder wenn die Kinder der Dienerschaft gespielt haben, habe ich manchmal zugeschaut. Sah nach Spa├č aus, aber f├╝r mich gab es das nicht. Weder durfte ich spielen, noch waren die anderen Kinder meine Freunde.

Ich durfte nicht mal mit dem "niederen Personal" reden und dazu z├Ąhlten diese Kinder. Wenn ich etwas von so einem niederen Diener wollte, habe ich das meinem Leibdiener gesagt, er sprach f├╝r mich mit den anderen. Ich pers├Ânlich nie.

Schon seltsam, dass mir Pavo einmal sagte, es w├Ąre eine "Unsitte" andere zu beobachten.
Er hat nie begriffen, dass ich nichts anderes hatte, als zu gucken.

Die Herrschaften, so wurden wir von den Dienern genannt und so haben sie uns auch angesprochen. Mit was f├╝r eine Betonung, absolute Ehrerbietung in der Stimme. Nat├╝rlich wird sind "Wohlgeborene" vom h├Âheren Stand.

Wenn die gewusst h├Ątten, was ich in Wahrheit f├╝r ein W├╝rstchen war.
Ich hatte weniger Freiheit als die. Was hatte ich au├čer Geld und einen Titel?
Nichts. Nur permanente Angst vor den eigenen Verwandten.
Je n├Ąher der Verwandtschaftsgrad, je mehr habe ich mich vor ihnen gef├╝rchtet.

Die Diener hatten hart zu arbeiten, aber sie hatten ab und an Spa├č, sie hatten Arbeitskameraden und Freunde. Sie hatten Leute die sich sicher sorgten, wenn einer mal krank war oder so. Ganz bestimmt sogar.

Wo ich klein war, dachte ich immer, als einer von ihnen h├Ątte ich es besser gehabt.
Kein Geld, kein Stand, aber gl├╝cklich.

Es gab Tage, da kamen uns andere von Stand besuchen.
So lernte ich Eloise kennen. Da war ich noch klein.
Das war dann einmal f├╝r ein paar Tage so, dass ich auch einen Kumpel hatte.

Sie kamen nicht so oft auf Besuch, vielleicht zwei-, dreimal im Jahr.
Aber Eloise und ich haben uns trotzdem immer aufeinander gefreut. Ihr Leben war so lustig und fr├Âhlich wie meines. Sie hei├čt mit vollem Namen Freiin Eloise Leontina von Wolfenberg. Freiin - nicht Freifrau da die Gute unverheiratet ist. Stell Dir das vor und das als Frau! Welch eine Schande!

Eloise ist zu unserer Hochzeit eingeladen, Du wirst sie kennenlernen.

Wenn jemals jemand an meiner Seite und f├╝r mich da war, war es mein Hund. Ohne Siman h├Ątte ich nicht gewusst, was Zuneigung oder Geborgenheit ist. Von daher ist es mir gleichg├╝ltig, was andere von meiner "Spinnerei" mit meinen Hunden halten.

Oder was sie von uns beiden halten.
Du bist nicht nur mein Mann. Du bist alles f├╝r mich. Du bedeutest mir alles.
Du bist mein bester Freund, mein Besch├╝tzer, manchmal mein Schutzbefohlener, mein Liebhaber, mein Lehrer, mein Lehrling - eben alles.

Gleichg├╝ltig was die anderen sagen, ich gebe Dich nicht auf. Selbst Pavos Meinung interessiert mich dazu ├╝berhaupt nicht. Was er bei dem Gespr├Ąch sagte, ist mir gleich. Wenn er meint mich vor die Wahl stellen zu m├╝ssen Du oder er, ist die Wahl klar. Du bleibst, er geht┬┤, erkl├Ąrte Dave mental.

Varmikan musterte seinen Mann ernst und kaute auf der Unterlippe.

`Ich wusste dass sie Dich misshandelt haben, Du hast schwarze Flecken auf der Seele wie Iphi. Aber Du zeigt mir nicht was. Wenn Du es je m├Âchtest, zeig es mir. Ich wei├č, dass Du es dann selbst erneut sehen musst. Aber wenn Du den Schmerz je teilen willst, bin ich jederzeit bereit dazu.

Und noch etwas, dass Du nicht vergessen darfst. Der Schei├č Schatz, der war einmal. Die beste Art die Gegenwart zu verlieren, ist in der Vergangenheit zu leben. Jetzt hast Du Freunde, zwei erstklassige Hunde und Du hast mich. Niemand wird Dich je wieder so anfassen. Niemand, nur ├╝ber meine Leiche. Du bist mein Mann. Du geh├Ârst mir. Wenn einer versucht Dich zu verletzten, werde ich ihn umlegen┬┤, antwortete Varmikan auf gleichem Weg und k├╝sste Dave.

"Lass uns die Rechnung bezahlen, ehe der tollpatschige Fisch noch den Tisch zerbricht", grinste der Frostalb.
"Du gew├Ąhrst Gnade?", grinste Dave.

"Ja dem Besen", gibbelte Varmikan.
"Ja der Ork, ich hab das schon geschnallt", antwortete Dave was Varmikan loswiehern lie├č vor Lachen.

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