Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. Während die Urvölker auf Altbewährtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimbünde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Mutter

Das Geisterhaus
Die Geister waren bis zum Jahr 202 eine erfolgreiche Gilde von Auftragsmördern. Jedoch bot das Leben im Geisterhaus mehr als nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch ein zu Hause für Verlorene. Wichtigste Aufnahmebedingungen waren absolute Loyalität und Verschwiegenheit - sonst endete man rasch selbst auf der Todesliste. Die ehemaligen Geister verdienen ihren Lebensunterhalt heute auf ehrbare Weise als "Fantomes" in Souvagne.
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Varmikan Eisseher
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Re: Mutter

#11

Beitrag von Varmikan Eisseher » Do 10. Aug 2017, 08:19

Varmikan kramte eine Keksdose aus einem der Küchenschränke und stellte sie auf den Tisch. Der Frostalb bediente sich großzügig und lehnte sich beim Essen an Dave an.

"Es ist ganz normal, dass man beim ersten Ausflug in den Nexus etwas Anlaufzeit benötigt. Man ist aufgeregt und hat auch ein bisschen Angst. Aber wie Dave Dir schon versicherte Marci, es gibt keinen Grund dazu Angst zu haben.

Du bist in guter Gesellschaft und jeder von uns wird Dir zur Not beistehen. Lass Dich einfach an die Hand nehmen und genieĂź den Ausflug. Du musst ĂĽberhaupt nichts tun, auĂźer Dich auf die Reise einlassen. Das ist schon alles. Du kannst Dich quasi mental zurĂĽcklehnen und die Reise genieĂźen",
erklärte Varmikan freundlich.

"Sehr gut erklärt", stimmte Dave zu und nahm sich auch einen Keks.

"Danke. Du solltest Deinem Bruder Bescheid sagen, dass Deine Mutter hier ist. Es ist ja durchaus möglich, dass er ihren Reisefortschritt überwacht. Sollte er dann bemerken, Eure Ma ist nicht da, wo er sie vermutet oder sie sein soll, wird er sich Gedanken machen. Drum sag ihm bitte bescheid. Wir wollen ihn ja nicht verärgern. Nicht dass er deshalb fünf Minuten vor unserer Trauung die Hochzeit abbläst und Dir die Zustimmung verweigert", grinste Varmi.
"Dafür ist es zu spät Klingenohr. Wie ich Dir bereits sagte, Fin hat die Hochzeit bereits bis ins kleinste Detail geplant und sie hat das Aufgebot bestellt.

Falls Du nicht weißt was das ist Varmi, das Aufgebot bezeichnet im Eherecht die öffentliche Bekanntmachung einer beabsichtigten Eheschließung. Damit hat Fin also aller Welt kundgetan, dass wir beide heiraten werden.

Sollte Ansgar nun seine Zustimmung zurückziehen, hat er mit Fin ein Problem. Glaub mir, Ansgar legt sich mit jedem an, aber nicht mit seiner Finny. Sie will es - sie bekommt es. Und da sich Finny für uns freut und die Hochzeit mit Herzblut plant, kann Ansgar gar keinen Rückzieher mehr machen. Es sei denn er möchte den Ehestreit des Jahrhunderts heraufbeschwören. Das glaube ich aber nicht",
grinste Dave.

"Das wäre das Letzte was er wollte. Zudem hat er gesagt, sobald man mit Varmi alleine redet, ist der eigentlich ganz erträglich. Er war nur ziemlich enttäuscht, dass er keine Neffen bekommen wird. Deshalb war er so stinkig auf Dich Varmi. Aber sonst hat er nichts gegen Dich", warf Wolfi ein und nahm sich auch einige Kekse.

"Dann richte Deinem Vater aus, dass er nicht auf Neffen verzichten wird. Wir lösen das Problem auf unsere Weise", gab Varmi zurück.
"Ja aber ein Humunkulus oder einen Ghul gemeinsam zu erschaffen zählt nicht als Zeugung. Damit wird schließlich kein Leben geschaffen, sondern nur ein Untoter", grinste Wolfi.

"Danke... das weiĂź ich auch", grinste Dave.
"Ja Du, aber Varmi vielleicht nicht", lachte Wolfi.

"Bei uns ist Nekromantie alltäglicher als bei Euch Wolfi. Und unsere Ghule sehen wir auch nicht als Kinder. Wobei manche Nekros sie vielleicht doch auf die eine oder andere Art als ihre Kinder betrachten. Nun vielleicht ehr als ihre Schöpfung. Wie dem auch sei, wir wollen kein Ghul als Kind Du Pflaume, sondern ein Kind als Kind. Wir suchen eine passende Mutter. Dave hat schon eine vorgeschlagen. Mein Vorschlag war Aino, aber sie kam für Dave nicht in Betracht", erläuterte Varmikan.

"Logisch dass Aino nicht in Betracht kommt. Es soll Eurer Kind werden, richtig? Würdet Ihr Aino wählen, dann hättet Ihr nicht nur ein Kind, sondern würdet sie ebenfalls dazu bekommen. Und ich glaube auch nicht, dass Aino da so eine gute Wahl wäre...", flötete Wolfi und grinste von einem Ohr zum anderen.

"Aha, wieso das?", fragte Dave baff.
"Lass es einfach so stehen, ich sehe - Du nicht Dave. Du musst aber in dem Fall auch gar nichts sehen. Ist nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass Du korrekt entschieden hast. Und auf wen ist Deine Wahl gefallen?", fragte Wolfi.

Dave musterte seinen Neffen kurz, ehe er den Kopf schĂĽttelte.

"Eloise", antwortete Dave mit nicht zu deutender Miene.
"Eloise?", hakte Wolfi nach, sein Gesicht war ebenso ausdruckslos.

"Korrekt", bestätigte Dave.

Wolfi dachte einen Moment lang schweigend nach und trank dabei gedankenverloren seinen Kaffee.

"Sie ist eine liebe Person, sie hat die Gabe, Ihr vertraut Euch, Ihr kennt Euch schon ewig, doch dass passt. Von diesem Plan solltest Du Paps in Kenntnis setzen, dass wird seine Laune schlagartig verbessern.

Zudem könnte Eloise bei Ma und Paps wohnen, während der Zeit. Ma und Eloise sind doch befreundet. Das würde passen und ich wette Paps erlaubt das sofort, wenn er hört dass Du keinen Rotzigen willst. Der springt vor Freude im Dreieck.

Wir haben einen erstklassigen Heiler.
Dun...
Dan...
Don... irgendwas heiĂźt er.

Ich vergesse ständig seinen Namen. Nichts gegen Dich Pavo. Aber er ist Magier und Heiler. Eloise wäre also bei uns gut und sicher aufgehoben. Allerdings wäre sie dass auch hier. Wobei... nein, sie darf sich in ihrem Zustand dann nicht aufregen und hier regen wir uns öfter alle auf. Von daher vergiss meinen letzten Vorschlag",
grinste Wolfi breit und zwinkerte Marci zu.

"Schon vergessen. Stimmt Fin und Eloise sind befreundet, dass wĂĽrde passen und ich wĂĽsste sie sicher. Ich werde sie fragen, ob sie mir den Gefallen erweist", antwortete Dave.
"Das macht sie bestimmt. Ihr seid dann durch den Rotzigen auch verbunden. Aber auf andere Art als Du mit Aino verbunden wärst. Du verstehst schon...", warf Wolfi ein.

"Selbstverständlich. Ihr Geschenk wäre wirklich ein absolut reines Geschenk, ohne nachfolgende Bindungen. Mit Aino würde ich einen Bund eingehen, der mich absolut an die Gemeinschaft bindet. Nicht dass ich je gehen wollen würde, aber ich möchte nicht auf diese Art mit Aino verbunden sein. Das widerstrebt mir. Das ist so als müsste ich mit meiner Schwester ein Kind zeugen. Drum nein zu Aino", antwortete Dave ehrlich.

"Und Eloise siehst Du wie, dass Du sie in Betracht ziehst und vorgeschlagen hast?", fragte Varmikan.
"Als Freundin, mit der ich es könnte. Falls Dir das nicht passt, suchen wir eine Fremde", flüsterte Dave.

"Nein keine Fremde. Frag Deine Freundin Davy. Aber frag sie persönlich und ich bin dabei", forderte Varmikan.
"Abgemacht", freute sich Dave.

"Bedenke Davy, Eloise bleibt trotzdem immer die Mutter. Egal wo Eurer Kind lebt, sie muss es jederzeit sehen dĂĽrfen. Alles andere kann ich nicht gutheiĂźen", sagte Melisande leise.
"Natürlich Ma, mach Dir keine Sorgen. Falls sie zustimmt, kann sie jederzeit unser Kind sehen. Wann immer sie möchte", antwortete Dave freundlich.

"Da fällt mir ein, Du kennst Dein Ma also Oma fast nur aus dem Nexus. Wie oft hast Du sie persönlich gesehen? Selten oder? Und wenn, dann war sie meist weggetreten. Ihr müsst Euch auch erstmal richtig kennenlernen. Auch wenn Ihr Euch vermisst habt. Ich meine gerade drum", sagte Wolfi.
"Hast Recht Wolfi", grinste Dave.

"Das hat das Wölfchen und das machen wir auch. Wir alle. Wir streifen die alten Häute ab und ziehen sie nicht wie alte Schlangenhäute hinter uns her. In diesem Haus wird alles anders... besser... ich spüre es...", sagte Melisande glücklich.

"Du bist selbstständig hergekommen Oma. Du hast schon angefangen", gab Wolfi gut gelaunt zu bedenken und legte Marcella einen Keks neben ihre Kaffeetasse.

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Anwolf
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Re: Mutter

#12

Beitrag von Anwolf » Fr 11. Aug 2017, 09:19

Wolfi grinste Dave an und setzte neuen Kaffee auf.

„Was grinst Du so?“, hakte Dave nach.

„Damit Du nicht vergisst Paps über Deinen Plan zu informieren habe ich das eben getan. Er kommt her, wenn es Dir Recht ist“, antwortete Wolfi.
„Danke Wolfi, danach fragt er wohl kaum“, gab Dave kopfschüttelnd zurück.

„Danach hat er aber gefragt und ich habe geantwortet Du bist einverstanden“, erklärte Anwolf und setzte sich wieder hin.
„Soll ich gehen?“, fragte Melisande vorsichtig.

„Nein Du bleibst wo Du bist, gleichgültig was Ansgar dazu sagt Ma. Du bist mein Gast. Mach Dir keine Sorgen“, gab Dave freundlich zurück.
„Von Oma habe ich nichts gesagt. Ich dachte ich lasse ihm die Überraschung“, grinste Wolfi.

„Lieb von Dir“, grinste Varmikan zurück.

Es dauerte ungefähr eine halbe Stunde, dann erschien Ansgar in ihrer Küche, geführt von Lydia. Der Nekromant musterte einen Moment perplex seine Mutter.

„Morgen alle miteinander. Kurzer“, grüßte er und setzte sich neben Anwolf.

„Morgen Ans. Wie Du bereits siehst, hat Ma bei mir Unterschlupf gesucht und gefunden. Sie wird nicht nach Rakshanistan umziehen, sie bleibt an meiner Seite. Sie wohnt ab sofort bei mir und ich kümmere mich um ihre Ausbildung. Hältst Du Dich raus, unterstützt Du uns oder machst Du Ärger? Es ist zu früh für Spielchen, danach steht mir nicht der Sinn. Was sagst Du?“, fragte Dave offen.
„Nichts, es ist Ma´s Entscheidung wo sie leben möchte. Ihre Entscheidung unterstütze ich. Allerdings war unsere gemeinsame Entscheidung nicht gegen Ma gerichtet Dave“, gab Ansgar zurück, während ihm Wolfi einen Kaffee hinstellte.

„Das weiß ich Ansa, das hat Dave vorhin unmissverständlich erklärt. Ihr wolltet mir nichts Böses. Und Wolfi hat vorhin etwas wichtiges gesagt, er sagte ich muss Euch erstmal richtig kennenlernen. Dass kann ich nicht in der Fremde. Wir waren Gefangene im selben Kerker.

Zellengenossen die sich zwar liebten, sich dennoch kaum kannten. Mir tat es im Herzen weh zu wissen wie er Euch behandelt und Euch nicht beistehen zu können. Wie oft habe ich meinen Zustand verflucht? Aber wie oft war ich auch dankbar darum, ihn nicht bewusst ertragen zu müssen.

Er war wie ein Fluch auf zwei Beinen. Ein von Hass und Neid zerfressener Mann, der nichts und niemanden lieben konnte. Vermutlich war er die Person die er selbst am meisten verachtet hat. Und sollte es so gewesen sein, dass erklärt das nur sein Verhalten, es rechtfertigt es aber nicht. Wolfi kann froh sein, dass er Dich als Vater hat“,
erklärte Melisande und strich Ansgar über die Wange.

„Ich denke dass weiß er Ma“, antwortete Ansgar verlegen.

„Gut wo wir schon beim Thema sind. Was hat ihn denn so werden lassen? Ala hat ihm ständig vorgehalten was ihm fehlt – die Gabe. Damit möchte ich ihn auf keinen Fall in Schutz nehmen, aber ich möchte auf einen anderen Punkt hinaus.

Ala hat ihn bei jeder Gelegenheit zu verstehen gegeben, dass er nicht ganz normal ist. Das er geistig nicht auf der Höhe ist. Dass ihm der sechste Sinn fehlt, ergo war er für Ala geistig minderbemittelt und musste sich auf profane, rein physische Fähigkeiten beschränken was den Beruf und die Freizeitbeschäftigungen anging.

Er hat gelernt dass er als Purie nichts wert ist und dass Magier quasi gottgleich ĂĽber ihm stehen.

Als er die Chance hatte, zweien davon das Leben zur Hölle zu machen, hat er sich gerächt. Leider an zwei völlig unschuldigen Personen – nämlich Ansgar und mir, anstatt Alastair für sein Verhalten als Vater in den Arsch zu treten.

Alastair hat in seinem üblichen Familienwahn eine grundlegende Information vergessen – Puries sind die Normalität und die Gabe ist die Ausnahme.

Sie ist etwas Besonderes. Nur in unserer Familie nicht mehr, weil alles darauf ausgerichtet ist, uns auf die Gabe hochzuzĂĽchten.

Dafür konnte er nichts, dafür können Ansgar und ich nichts. Vermutlich konnte nicht mal Alastair etwas dafür.

Aber Alastair und er hätten es besser machen können. Haben sie aber nicht und dass ist das verwerfliche. Sie haben gelitten und andere für ihren Schmerz leiden lassen. Jeder von ihnen hätte einen Schlussstrich unter den Abgrund ziehen können.

Überlegt mal, wer dann alles noch am Leben wäre.

Und hier schlieĂźt sich der Kreis Ansgar, Du machst Lin zu ihm.
Du erziehst ihn unbewusst auf die gleiche Art und Weise.

Du verhätschelst Wolfi und übersiehst Deinen ersten Sohn. Wie oft schneidest Du ihn? Sprichst Du mit Wolfi und er wirft etwas ein, war Deine Antwort „siehst Du nicht, dass wir miteinander reden?“.

Nein, das sieht er nicht.

Er sieht nur dass sein Vater neben seinem Bruder steht. Und selbst wenn er es sehen sollte, er ist genauso Dein Kind wie Wolfi. Es ist Deine Erziehung, aber allein schon um Wolfis Willen solltest Du Lin nicht so behandeln.

Er kennt genauso wie Du oder ich nur eine Art auf Probleme zu reagieren. Er beseitigt sie.

Das hat er mit seinen BrĂĽdern auch getan. Und dazu brauchte er nicht mal die Gabe. Meinst Du Alastair ist davon ausgegangen, dass Kun und Brand sterben und nur er ĂĽbrig bleibt?

Nein, Alastair hätte ihn gerne tot gesehen und Kun oder Brand auf dem Familienthron. Daher seine Gehässigkeiten.

Und bevor Du gleich aus der Haut fährst und an die Decke springst, überlegte vorher logisch.

Ich wage mich jetzt mal auf dĂĽnnes Eis wie mein Mann sagen wĂĽrde. Du liebst Finny ĂĽber alles, korrekt?

Fin verfĂĽgt nicht ĂĽber die Gabe.

Das hält Dich nicht davon ab, sie über alles zu lieben. Du würdest ihr niemals unterstellen schwachsinnig zu sein, oder geistig minderbemittelt nur weil sie keine Magierin ist.

Lin ist Euer gemeinsames Kind, er ist ein Teil von Fin. Wieso unterstellst Du ihm dass dann? Selbst wenn es Dich ärgert, dass er nicht die Gabe geerbt hat, lieb ihn doch einfach dafür wer er ist.

Sicher antwortet er nur noch pampig, aber so wird er ja auch permanent angesprochen. Und sicher schnauzt er Wolfi ständig grundlos an. Das hat er aber mit uns aus dem gleichen Grund getan.

Ich war kein Deut besser als Du, dass gebe ich offen zu.
Ich liebe Lin, aber ich habe absolut keinen Draht zu ihm und habe mich oft wie ein Arsch ihm gegenĂĽber verhalten. Das war nicht nur unfair sondern ScheiĂźe von mir.

Was schade ist, da er ein netter Kerl ist, sobald man mal einige Minuten mit ihm redet und das anfängliche Gepampe überhört. Gibt man ihm einige Minuten zum Auftauen, dann ist er echt ein Lieber.

Wolfi bemüht sich mit ihm auszukommen. Aber irgendwann wird auch Wolfi die Schnauze davon voll haben, einen Bruder hinterher zu rennen, der ihn ständig nur anzickt.

Nicht weil er Wolfi nicht mag, sondern weil Du Wolfi auf ein Podest hievst, dass Lin niemals erreichen kann.

Dass ist unfair von Dir und Du verhältst Dich damit wie ER!

Wie gesagt, ich war nicht besser. Ich unterrichte hier allein Wolfi, obwohl ich auch Lin unterrichten könnte. Jedenfalls in Buchführung und ähnlichem. Ich habe vor mich mit ihm auszusprechen und zu versöhnen. Also auch auf die Gefahr hin, dass ich meine Frontzähne verliere, ziehst Du mit? Wirst Du Dein Verhalten ändern?“,
fragte Dave Ansgar.

Ansgar musterte seinen Bruder stechend, während Wolfi schlagartig den Teppich hochinteressant fand.

Varmikan rutschte sicherheitshalber zu Dave auf, auch wenn er sich nicht sehr große Chancen versprach seinen Mann gegen Ansgar beschützen zu können.

Ansgar sagte kein Ton, aber man sah ihm an, dass er alles daran setzte, sich zu beherrschen. Melisande wollte ihrem ältesten Sohn beruhigend die Hand auf die Schulter legen, aber Wolfi fing sie sofort ab und schüttelte kaum merklich den Kopf.

Er wusste, dass in solchen Situationen die kleinste BerĂĽhrung oder ein noch so gut gemeinter Hinweis sein Vater zum ausrasten bringen konnte.

Am besten verhielt man sich wie bei einem Unwetter, man suchte einen sicheren Ort auf und wartete bis alles vorbei war. Ansgar nahm sich einen Keks und kaute grimmig darauf herum, als ob es sich um ein lebendes Wesen handelte dass er totbeiĂźen wollte.

Nachdem er den Keks samt seiner Wut mit einem Becher Kaffee herunter gespĂĽlt hatte, wandte er sich an seinen kleinen Bruder.

„Dass Du mir das vor den Kopf knallst ist eine Dreistigkeit Dave, aber dreist oder nicht – Du hast Recht“, antwortete Ansgar zerknirscht.
„Darum geht es nicht Ans, ich wollte Dich weder belehren noch beleidigen. Es ist völlig gleichgültig ob ich Recht habe, es geht um Lin. Ebenso um Wolfi und um Dich. Also bist Du dabei?“, fragte Dave freundlich.

„Ja bin ich…“, antwortete Ansgar leise.
„Freut mich“, grinste Dave.

„Oh ich wette, alleine um mich zu quälen wirst Du eine Tochter zeugen, die keine Gabe hat“, murrte Ansgar und musste dann ebenfalls grinsen.
„Gleichgültig ob Tochter oder Sohn, ich werde da keinen Unterschied machen. Beide bekommen die bestmögliche Ausbildung. Und sollte es tatsächlich eine Tochter werden, wird an ihrer Ausbildung sicher nicht gespart“, antwortete Dave.

„Glaube mir, Du wirst einen Unterschied machen. Es ist was völlig anderes ob Deine Tochter zu spät nach Hause kommt, oder Dein Sohn“, gab Ansgar zu bedenken.
„Auch Unsinn. Du bist doch ein guter Onkel oder? Bastele Ihr einen schönen Timi, den sie überall mit hinnehmen kann. Von mir bekommt sie einen treuen Hund und das Mädel kann selbst mitten in der Nacht noch gefahrlos durch die Straßen laufen“, grinste Dave, was Ansgar ebenfalls grinsen ließ.

„Wer ist Timi?“, fragte Varmikan neugierig.
„Mein Lieblingsgolem“, erklärte Ansgar.

„Timi ist ungefähr zwei oder sogar fast drei Meter hoch. Ein riesiger Fleischsack auf Beinen, hat messerscharfe Zähne und seine Arme enden in Waffen“, beschrieb Dave den Golem.
„Richtig. Er wurde schon einige Male beschädigt, aber er ist treu und zuverlässig. Er hat mir schon oft das Leben gerettet. Er ist draußen, ich kann ihn herein rufen. Dann kannst Du ihn Dir mal anschauen“, sagte Ansgar gut gelaunt.

„Thema Untote und er ist glücklich“, grinste Dave.
„Er ist ein Nekromant, würde er dabei in Tränen ausbrechen, wäre etwas nicht in Ordnung. Ruf ihn herein, falls er in die Küche passt“, freute sich Varmikan.

Ansgar nickte zustimmend und verharrte einen Moment. Einige Minuten später, spürte man Schritte näher kommen, die den Boden erzittern ließen.

Was immer sich ihrer Küche näherte musste groß, gewaltig und extrem schwer sein. In dem Moment schob sich ein gigantischer Koloss seitwärts in die Küche und blieb wie ein gehorsamer Hund vor seinem Meister stehen.

Timi, Link:
http://www.playnation.de/uploads/news/n ... -thumb.jpg

„Timi – Varmikan. Varmikan – Timi“, erklärte Ansgar mit diabolischem Grinsen.

„Gut… ja, also ich glaube mit so einem Timi würde ich unsere Tochter abends weggehen lassen. Aber einen Hund benötigt sie trotzdem. Ich vermute Timi passt nicht in jedes Haus.

Meine Fresse ist das ein Koloss. Keine Person sah doch je so aus oder? Ich meine wer war er zu Lebzeiten? Ist ein Golem ein Ghul oder so etwas ähnliches? In unserem Volk gibt es viele Nekromanten, aber ich hatte leider nicht viel mit ihnen zu tun. Ich habe mich fast nur mit Geist- und Wassermagie beschäftigt“,
erklärte Varmi und musterte Timi fasziniert.

„Ein Golem ist kein Ghul. Er wird geschaffen durch Fleischformung. Jedenfalls als Nekromant nutzt Du Fleisch oder Knochen. Du kannst selbstverständlich auch beides in Kombination nutzen. In Timis Fall formst Du seinen Körper aus Fleisch. Bei einem Golem handelt es sich um ein von Wesen das mittels Nekromantie erschaffen wird. Sie sind stumme menschenähnliche Wesen, oft von gewaltiger Größe und Kraft. Der Golem stirbt, sobald sein Meister stirbt oder er selbst geköpft wird. Du kannst ihn natürlich auch aus seinem untoten Dienst entlassen. Aber dafür gibt es keine Veranlassung.

Die ersten Golems wurden seinerzeit geschaffen um einzelne Personen, Familien oder Sippen, manchmal auch sogar ganze Völker zu schützen. So heißt es jedenfalls. Da sie gegen Schmerzen und geistigen magischen Zugriff immun sind, kannst Du Deinen Golem auch für alle möglichen anderen Aufgaben einsetzen. Er ist sozusagen Dein verlängerter Arm und Leibwächter. Im Gegensatz zu einem Ghul ist er ohne seinen Meister nicht lebensfähig. Seine Bestimmung besteht darin, seinem Meister bis zu seiner Vernichtung zu dienen.

Selbstverständlich leisten auch Ghule absoluten Gehorsam, dies liegt allerdings daran, dass sie wissen was geschieht sollten sie sich meinem Wort wiedersetzen. Zwar liebe ich alle meine Ghule, die einen vielleicht etwas mehr als die anderen, aber Timi ist mir eindeutig mein liebster Begleiter.

Er ist eine sehr angenehme Gesellschaft, stets ruhig, leise, sich im Hintergrund haltend und dennoch sofort mit tödlicher Effizienz anwesend, sobald ich ihn benötige. Mehr kann man von einer Schöpfung nicht erwarten.

Er ist in dem Maße gedanklich frei, dass er weder zu selbständig ist noch zu unbedarfter Anhang wie ein Zombie. Bei einem Ghul kann es Dir schon passieren, dass sie ihren eigenen Kopf entwickeln und Du ihn entsorgen musst.

Ein Zombie benötigt ständige Aufmerksamkeit und geistige Führung. Beides kostet unnötig Zeit und Nerven. Ein Golem ist einfach ein perfekter Diener. Aber da keiner von Euch beiden ein Nekromant ist, wird keiner von Euch einen Golem befehligen können. Es sei denn Dave lernt um“,
grinste Ansgar.

„Nein macht er nicht“, gab Dave gut gelaunt zurück.
„Ach ehe wir es vergessen, dass ist Marcella, Daves Novizin“, stellte Wolfi die junge Frau vor.

`Paps, sei bitte nett zu Marcella. Ich mag sie´, übermittelte Anwolf mit nicht zu deutender Miene.
`Du magst sie inwieweit?´, antwortete Ansgar auf gleichem Weg.

`Ich mag sie eben, naja es ist schon mehr als mögen. Ich habe sie gesehen und zack so war es´, erklärte Anwolf.
`Du bist verliebt. Das Wölfchen ist verliebt. Nun ein Argument, dass für mich mehr als alles andere zählt. Ich werde nett zu Deiner Kleinen sein´, gab Ansgar liebevoll zurück.

`Ehm… ja… Scheinbar bin ich das. Gut. Wo bekomme ich einen Kriegshund her? Ich möchte ihr einen schenken´, hakte Wolfi nach.
`Einen Bullmastiff kann ich Dir überlassen Kurzer. Solltest Du einen echten Kriegshund in Betracht ziehen, quasi das Pendant zu unseren Pferden, dann werde ich Dir einen entsprechenden Hund kaufen Wölfchen. Allerdings sind solche Hunde mindestens Jährlinge.

Mit einen Welpen kann Deine Freundin nichts anfangen. Der Hund soll sie schließlich mit all seinen Fähigkeiten verteidigen können. Aber eines sage ich Dir gleich dazu, dass sind gewaltige Tiere, mit gewaltiger Kraft. Ihr Handwerk ist Töten, sie greifen nicht an zum jemanden zu stellen oder festzuhalten.

Du schenkst Deiner Süßen damit einen gewaltigen Wächter. Ich hoffe sie kann so ein Tier lenken. Man sagt selbstverständlich genau wie bei den Wolfshunden, nur das Wort bindet Deinen Hund tatsächlich an Dich.

Keine Leine oder Kette wird ihn an Dich binden, wenn er Dich verabscheut. Aber sie macht einen ganz passablen Eindruck. Wenn auch ein bisschen eingeschüchtert. Das könnte natürlich auch an Timi liegen. Gut Wolfi ich kaufe Dir den Hund für Deine Schnecke. Farbwünsche? Rüde oder Weibchen?´,
ĂĽbermittelte Ansgar.

`Noch ist sie nicht meine Schnecke, aber ich möchte dass sie beschützt wird und dass sich kein anderer Kerl in ihre Nähe wagt. Und falls doch und ich wen entsorgen muss Paps, dann musst Du mir bei der Beseitigung von dem Kadaver helfen. Also einen schönen roten oder einen gestromten. Einen Rüden, die eignen sich besser zum Kampf schätze ich´, antwortete Wolfi.
`Weitreichende Planung Wölfchen, aber scheinbar ist Deine Marcella eine gute Wahl. Du empfindest was für sie und die Kleine hat die Gabe. Was möchtest Du mehr? Mach Dir keine Sorgen um Konkurrenz, falls es was zu entsorgen gibt, schicke ich Dir Janko vorbei und meine Ghule haben was zu beißen.

Theoretisch könntest Du auch den Hund Deiner Schnecke mit den Überresten füttern, allerdings ist eine Entsorgung zu Hause sicherer. Erklär Deiner Liebsten mal warum Du einen ihrer Freunde in der Küche zerlegst und in den Hundenapf schmeißt. Dass könnte gelinde gesagt für einige Irritationen Ihrerseits sorgen. Von daher, sollte sich das Problem ergeben, wandert es in unseren Keller. Für alles andere kann ich Dir nur den Rat geben, halt Dich ran. Aber Du bist ja schon dabei´,
grinste Ansgar.

„Marcella“, grüßte Ansgar das junge Mädchen außerordentlich freundlich, immerhin war dies seine Schwiegertochter in Spee, auch wenn die Kleine vermutlich davon überhaupt noch nichts wusste.

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Re: Mutter

#13

Beitrag von Morasa » Sa 12. Aug 2017, 08:10

Marcella
 
lächelte scheu, als der Meister sie fragte ob sie Anlaufzeit brauchte. Ja die brauchte sie. Sie war nervös. Aber Varmikan erklärte es für sie und der Frostalb hatte Verständnis für ihre Angst. Das beruhigte Marcella etwas. Als sich Dave mit Wolfi über die bevor stehende Hochzeit unterhielt, hörte Marcella neugierig zu. Scheinbar brauchte ihr Meister dafür die Zustimmung von seinen Bruder. Marcella fand das seltsam. Aber vielleicht war der Vater vom Meister schon tot, so dass sein älterer Bruder diese Aufgabe übernahm.
Dass sich die beiden ein Kind wünschten und schon genau planten, wie das laufen sollte, fand Marcella süss. Die beiden hatten doch überhaupt keine Ahnung von Babys oder Kindern. Die würden ganz schnell wach werden, dachte sich Marcella. Früher hatte sie kleine Kinder für Taler gehütet. Manche waren lieb, manche waren schwer zu hüten. Und Babys waren immer laut. Babys konnten sich nur durch schreien bemerkbar machen. Dass  wusste jedes Kind. Also schrie ein Baby wenn es was wollte. Die Zeit war so einen Baby total gleichgültig. Wenn das Baby mitten in der Nacht schrie, dann würden Dave und Varmikan sich noch wundern, wie müde sie dann waren. Und das Baby schrie nicht nur eine Nacht. So ein Baby konnte eine ganze Familie wochen lang wachhalten und fertig machen. Dann brauchten die beiden keinen Nekromanten um auszusehen wie wandelnde Tote.
Aber vielleicht war ihr Baby lieb und schlief viel. Das waren die besten Babys. Marcella wollte den beiden helfen so gut sie konnte. Immerhin war Dave ihr Meister. So konnte er sogar ein bisschen von ihr lernen. Und einen mĂĽden, mit den Nerven fertigen Meister wollte Marcella nicht ertragen mĂĽssen. Sie mochte Dave und Varmikan, darum wĂĽrde sie ihnen so gut sie konnte beistehen.
Dann ging die Unterhaltung in eine ganz andere Richtung. Und es kam sogar der Vater von Wolfi zu Besuch. Marcella wusste nicht, wie sie sich ihn vorgestellt hatte. Der Mann war gross und schon etwas älter. Aber seine Art machte ihr Angst. Besonders als er wütend wurde und sich so gerade zusammenriss. Marcella befürchtete, er würde Dave oder Varmikan angreifen für Daves ehrliche Worte über den zweiten Sohn von ihm. Das Wolfi einen Bruder hatte, wusste Marcella bis dahin nicht. Sie wollte ihn sehr gerne kennenlernen. Und das Dave über ihn sagte, machte Marcella traurig.
Wenn alle ihn wie Luft behandelten, dann war klar dass er irgendwann aufgeben würde. Niemand wollte in einer Familie bleiben, die einen nicht haben wollte. Aber es war gut, dass Dave ihren Fehler erkannt hatte und es berichtigen wollte. Wolfis Vater war danach doch ganz nett und stimmte zu. Bestimmt hatte er sich über seine eigene Blödheit geärgert, seinen Sohn so zu verachten. Er war ein Widerling zu ihm gewesen. So durfte ein Vater nicht sein. Ein Vater musste seine Kinder alle gleich lieben und beschützen. Dass war ein guter Vater. So war er zu Wolfi, dass spürte Marcella. .Er liebte ihn sehr. Aber den anderen Sohn scheinbar nicht.
Als ein Fleischberg in die Küche gewalzt kam, wäre Marcella am liebsten vor Angst weggerannt. Aber das war sinnlos. Der Klops versperrte den Weg und niemand schien Angst zu haben nur sie. Marcella hatte solche Angst, dass die Kaffeetasse in ihre Hand mit zitterte und sie fürchte gleich Durchfall zu bekommen.
Varmikan schwatzte mit Wolfis Vater darüber was ein Golem war und wie man Golems herstellte. Marcella wollte das gar nicht wissen. Sie ekelte sich vor den Klops und trotzdem tat ihr der Anblick von Timi leid. Sie schaute Wolfi fragend an. Sie wollte wissen, warum sein Vater das anderen Leuten antat. Sie konnte es nicht verstehen. Als Wolfis Vater sie total freundlich begrüsste, wäre Marcella fast vor Schreck vom Stuhl gefallen, so sehr erschreckte sie sich.

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Davard von Hohenfelde
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Re: Mutter

#14

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Mo 14. Aug 2017, 18:22

Dave musterte Marcella die etwas blass um die Nase geworden war. Der Magier wusste nicht, was seine Novizin mehr verstörte, Timi oder Timis-Meister, kurzum Ansgar. Scheinbar hatte sie vor beiden Angst und konnte sich noch nicht entscheiden, wen sie mehr fürchten sollte.

`Marci Du musst keine Angst haben. Weder Ansgar noch Timi werden Dir etwas zu Leide tun. Im Gegenteil, mein Bruder würde Dich jederzeit beschützen. Entspanne Dich was, Du bist ganz blass´, übermittelte Dave freundlich.

"Da wir hier ein Familientreffen einberufen haben und Lin unser Thema war, wäre es nur fair, dass er anwesend ist. Ist er in Shohiro?", hakte Dave nach.
"Einverstanden, soll ich ihn herrufen?", hakte Ansgar nach.

"Möchtest Du warten bis er schläft? Er ist kein Magier", grinste Dave.
"Gut aufgepasst Dave, allerdings ist mein Leibarzt ein Magier. Ich wĂĽrde Dan kontaktieren und er wĂĽrde es Lin ausrichten", gab Ansgar zurĂĽck.

"Wir wollten uns ihm gegenĂĽber zukĂĽnftig anders verhalten und uns bei ihm entschuldigen. FĂĽr eine Entschuldigung zitiert man niemanden zu sich. Ich hole Linhard von Zuhause ab und lade ihn zu uns ein Ans", antwortete Dave.
"Wohl wahr, ich bleibe hier sitzen bei Wolfi und Ma... und den anderen", erklärte Ansgar und trank seinen Kaffee aus.

"Mache das. Marcella während meiner Abwesenheit unterstehst Du Varmikan. Ich bin bald wieder da", sagte Dave. Mit den Worten stand der Magier auf, verließ die Küche und eine halbe Stunde später brach er zu dem Herrenhaus seiner Familie auf.

Dort angekommen betrat Dave von Linhard das Quartier und schaute sich um.

"Na Du", grüßte Dave seinen ältesten Neffen.
"Dave", grĂĽĂźte Linhard zurĂĽck.

"Alles in Ordnung bei Dir?", hakte Dave nach.
"Ja. Falls Du Wolfi suchst, er ist nicht hier. Ich weiĂź auch wo er sicher herumtreibt. Hier jedenfalls nicht. Paps ist auch nicht da, ich kann Dir nicht helfen Dave", sagte der junge Naridier freundlich.

"Ich suche weder Wolfi noch meinen Bruder, denn die beiden sind bei mir. Ich wollte nach Dir schauen", erklärte Dave.
"Nach mir? Was immer passiert ist, ich habe damit nichts zu schaffen. Die ScheiĂźe hat sonst wer gebaut, hier bist Du an der falschen Adresse Dave", verteidigte sich Linhard.

"Nichts ist passiert, keiner hat was angestellt Lin. Ich hatte vor einiger Zeit ein Gespräch mit einer Verwandten. Und vorhin ein aufschlussreiches Gespräch in unserer Küche.

Und da fiel mir auf, wie die meisten aus unserer Familie ĂĽber Familienmitglieder ohne Gabe denken. Bestenfalls ignorieren sie Euch, dazwischen liegen Beleidigungen, schlimmstenfalls wird versucht Euch zu entsorgen.

Ich habe zwar nie versucht Dich zu entsorgen und beleidigt habe ich Dich auch nicht, aber ignoriert. Und das hast Du nicht verdient. Darum bin ich hier, um Dich kennenzulernen",
erläuterte Dave.

"Fällt Dir früh ein", gab Linhard zurück.
"Das ist wohl wahr. Aber besser spät als nie oder?", fragte Dave.

"Wozu? Dann gehen wir einmal einen trinken, Du hast Dein Gewissen beruhigt und danach verschwinde ich wieder in der Vergessenheit. Lass es wie es ist, damit fahren wir beide besser. Du hast keine Verpflichtungen, ich mache mir keine Hoffnungen. In zwei Jahren bin ich hier eh weg", antwortete Linhard ernst.

"Das kannst Du halten wie Du willst Lin. Wenn Du nicht weißt, wo Du unterkommen sollst, kannst Du Dich gerne melden. Du kannst bei mir wohnen, in einem meiner Häuser oder ich besorge Dir einen Job. Ich verstehe Deine Wut, ich hab sie verdient, aber ich bitte Dich um eine Chance. Wenigstens eine.

Wenn Du dann keinen Kontakt mehr zu mir haben möchtest, akzeptiere ich das. Ich hätte gerne welchen zu Dir, Gabe hin oder her. Ich will selbst nicht darauf reduziert werden, folglich hab ich kein Recht Dich auf Deine fehlende Gabe zu reduzieren. Und die Verantwortung ist mir gleich. Sie gehört dazu, wie Du zu meiner Familie. Ich lade Dich zu uns ein. Abgemacht?",
fragte Dave.

"Wann denn?", fragte Lin hoffnungsvoll.
"Sofort, wenn Du magst?", schlug Dave vor.

"Du meist das ernst?", hakte Linhard nach.
"Ja", antwortete Dave mit felsenfester Ăśberzeugung.

"Dann los, lass uns aufbrechen", grinste ihn Linhard an.
"Perfekt, freut mich", grinste Dave zurĂĽck.
"Ist Dein Frostalb da?", fragte Lin neugierig.
"Ja, aber Du musst keine Angst vor ihm haben", lachte Dave.
"Habe ich nicht, ich möchte ihn nur mal sehen", gibbelte der junge Mann.
"Das wirst Du. Ihr versteht Euch bestimmt", grinste Dave.

"Mama hat immer gesagt, irgendwann kommst Du hier mit einem Kerl an und die Sache ist klar", grinste Lin.
"Das hat Fin gesagt?", fragte Dave baff.

"Sie sagte Du kommst auf Frauen nicht klar. Du hattest die wildesten Hengst und nie ein Problem damit. Du hattest immer nur RĂĽden und bist mit denen klar gekommen. Nie weibliche Tiere, weil die Dich nervten.

Warum soll es bei Menschen anders sein? Du magst keine Stutenbissigkeiten und keine Zickerei. Du brauchst eine Frau die ein Kumpeltyp ist und keine Dame. Oder Du brauchst einen richtigen Kerl um Dich wohl zu fĂĽhlen. Das sagte Mama",
schmunzelte Lin.

"Das hätte sie mir sagen sollen anstatt Dir, sie hatte Recht", antwortete Dave.
"Du hättest jederzeit mit uns reden können", gab Lin zurück.

"Das machen wir heute, ganz gemĂĽtlich in unserer KĂĽche. Wir bieten eine Aussprache und einen Neuanfang. Und es gibt Kaffee", sagte Dave grinsend.
"Ich habe schon zugestimmt, aber den Kaffee nehme ich trotzdem", lachte Lin.

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Varmikan Eisseher
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Re: Mutter

#15

Beitrag von Varmikan Eisseher » Di 15. Aug 2017, 17:43

Linhard stockte kurz, als Dave ihn in die KĂĽche des Geisterhauses schob.

"Du hast gesagt Du wĂĽrdest mich einladen und ich dĂĽrfte Deinen Frostalb sehen...", sagte Lin tonlos.
"Der weiße Bursche dort, das ist mein Frostalb und er heißt Varmikan. Zudem steckt kein böser Wille dahinter Lin. Da wir fast alle aus der Familie hier zusammensaßen, ist uns aufgefallen dass Du fehlst. Aus dem Grund habe ich Dich abgeholt, setz Dich zu uns. Was ich Dir vorhin anbot gilt für uns alle. Für Ansgar, Wolfi, Melisande und mich. Frieden Lin, es tut uns leid. Ich entschuldige mich im Namen von uns allen. Ab heute läuft es anders", erklärte Dave freundlich.

Lin musterte seinen Vater, der zustimmend nickte.

"Dave hat Recht, er spricht die Wahrheit", antwortete Ansgar und übermittelte seinem ältesten Sohn seine Gefühle. Der Magier stellte Lin einen Kaffeebecher vor die Nase und Varmikan goss ihm ein.

"Nimm Dir von den Keksen die sind gut", grinste Ansgar.
" Arsen oder Cyankali als FĂĽllung?", hakte Lin nach und aĂź einen Keks.
"Solche Hausfrauenmittelchen traust Du mir zu? Du bist mir mindestens Schwefelsäure wert", antwortete Ansgar.

"Lasst den Unfug bitte Ihr beiden", sagte Melisande freundlich.

Varmikan musterte Linhard und Dave, als beide die KĂĽche betraten. Der Frostalb musterte danach verstohlen Ansgar, Melisande und Wolfi. Varmikan schĂĽttete ihnen beiden Kaffee ein und stellte Dave einen Pott vor die Nase.

`Ich möchte Dich etwas sehr pikantes fragen. Darf ich? Ist nicht böse gemeint, ich möchte es nur wissen. Fass es nicht als Angriff oder Beleidigung auf´, bat Varmi und trank einen Schluck Kaffee.
`Frag einfach´, schmunzelte Dave und ließ sich seinen Kaffee schmecken.

`Ich hab Deine Schwägerin gesehen. Schlank, dunkelblond, rundes, weiches Gesicht. Ich sehe Deinen Bruder. Was mehr auf den Rippen, ziemlich markantes, kantiges Gesicht, breitere Nase. Wenn ich Fin und Ansgar anschaue, passt Linhard optisch. Anwolf passt optisch nicht.

Steht Wolfi neben Dir, sieht man sofort, dass ihr verwandt seid. Gleicher Mund, gleiche Kieferform, gleiche Statur - wenn Du nicht trainiert wärst, gleiche Körperhaltung, gleiche Geisteshaltung - Geistmagier, kein Nekro. Er sieht Meldisande extrem ähnlich. Er kommt nach ihr und Dir. Du liebst ihn, dass spürt man. Jetzt die Frage... ist Wolfi Dein Neffe, oder Dein Sohn?´,
fragte Varmikan mental.

Dave musterte Varmikan perplex.

`Brennt Dir der Helm? Ich hatte nie was mit Fin! Selbst wenn ich das je vorgehabt hätte, was ich nie habe - Ansgar hätte mich umgebracht´, antwortete Dave.
`Hat es bei ihnen immer geklappt? In unserem Volk ist das ein großes Problem. Es dauert lange, bis man ein Kind zeugt, wenn es denn überhaupt gelingt. Sonst hat Dein Bruder was ganz anderes getan. Zum Beispiel, wenn Du voll warst. Du musst dafür keinen Spaß gehabt haben´, gab Varmi mental zu bedenken.

`Er sieht meiner Ma ähnlich? Die beiden sind verwandt und ich sehe den beiden ähnlich Varmikan, da ich ebenso mit meiner Mutter und meinem Neffen verwandt bin´, antwortete Dave gedanklich.

`Das ist nicht das Problem. Du hast Beißhemmung gegen ihn. Wolfi beschützt Du, lernst Du an, betüdelst ihn, holst ihn von einem Auftrag ab. Spürst Du unterbewusst eine Verbindung? Du hast meine Frage geschickt nicht beantwortet´, gab Varmikan zu bedenken.

`Schatz die Ă„hnlichkeit kommt durch unseren extrem engen Familienkreis. Nein Wolfi ist nicht mein Sohn. Nein ich hatte nie etwas mit Fin. Nein ich traute das meinem Bruder nicht zu, so etwas wĂĽrde Ansgar niemals tun.
Und wenn traue ich sowas meinem Vater und Großvater zu. Ansgar nicht, er hätte das weder mir und schon gar nicht Fin angetan. Ich hab Dir von meiner Mutter erzählt. Sie war immer wie bewusstlos. Rate mal, wie wir entstanden sind. Mein Vater hat trotzdem mit ihr... Entbunden sind wir per Kaiserschnitt.

Meinst Du die hätte dann so etwas interessiert? Meine Mutter war dazu da uns zu bekommen, mehr nicht. Ich liebe Wolfi, Dein Onkel hat Dich doch auch beschützt und geliebt oder nicht?

Rede doch mal mit Melisande in einer stillen Stunde über Dunwin und wie er so war. Ansgar ist dagegen ein Engel, zwar ein sehr cholerischer - aber ein Engel. Antwort genug Klingenohr?´,
grinste Dave.

`Ich bin zufrieden... vorerst Sternchen. Du hast offen und mental geantwortet. Aber das stimmt, Ihr seid ziemlich nah miteinander verwandt. Wobei ich meinem Paps auch sehr ähnlich sehe. Ich zeige Dir später mal einige Erinnerungsbilder von ihm´, antwortete Varmikan und lehnte sich gut gelaunt an Dave an.

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Morasa
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Re: Mutter

#16

Beitrag von Morasa » Fr 18. Aug 2017, 19:52

Marcella
 
schaute sich den Bruder von Wolfi an, genau wie Varmikan. Er sah Wolfi ähnlich und machte einen netten Eindruck. Als er seinen Vater wegen der Plätzchen antwortete, war er ganz schön frech. Marcella war  erstaunt, dass der Nekromant so ruhig blieb. Vorhin war er kurz vorm Wutausbruch gewesen. Marcella hatte vorher mit angehört, was sie ohne Lin besprochen hatten. Sie hoffte Linhard würde seine Familie glauben. Zuerst streitete die eine Seite, dann die andere. So gab es nie Friede. Ihr Meister hatte versucht zum Frieden aufzurufen und Marcella hoffte, dass die Familie darauf nicht bockig reagiert sondern die Chance annahm.
Marcella wusste nicht, ob sie was sagen durfte. Aber Ansgar hatte sie freundlich begrĂĽsst. Und Marcella war etwas wichtiges eingefallen, was vielleicht ihre Meistersfamilie helfen konnte. Falls sie nicht sprechen durfte, wĂĽrde sie vermutlich der tote Fleischberg in den KĂĽchenboden stampfen.
 
„Ich möchte genauso gerne was zum Thema sagen. Vielleicht hilft es euch. Ihr seid eine Familie und ihr müsst zusammenhalten. Es ist gleichgültig was einer gut oder schlecht kann. Jeder in der Familie kann was anderes. Bei uns ist das genauso. Mein Vater kann eine Gans schnell und sauber schlachten und alles im Haus reapieren. Meine Mutter kann die Gänse besser rupfen und gut kochen. Wenn jeder das macht was er gut kann, können alle gut leben. Jeder mag was anderes gerne. Jeder hat andere Begabungen. Wenn alle das gleiche können, haben alle die gleichen Nachteile. Es gibt dann immer was, was keiner in der Familie kann und dann muss man andere um Hilfe bitten. Und schlimmstenfalls für was ganz normales wie ein Stuhl reparieren noch bezahlen.
Also ihr versteht euch nicht so gut, da ihr Magier seid und Linhard nicht. Dafür kann er nichts dass er kein Magier ist. Und ihr nicht, dass ihr welche seid. Jeder wurde so geboren und keiner konnte es sich aussuchen. Ich vermute, dass Linhard wie andere Adlige gelernt hat mit Waffen umzugehen. Mein Vater hat mir als kleines Mädchen oft von Rittern und Kriegern erzählt. Er hat mir erklärt, dass unsere Armee Kampfmagier hat. Schwert und Magie beschützt uns. Da ist ein und nicht ein oder zwischen Schwert und Magie. Und ein gegen ist da überhaupt nicht zu finden.
Warum streitet ihr, warum haltet ihr nicht zusammen? Ihr solltet euch ergänzen und nicht zanken. Ich will euch nicht beleidigen ihr seid meine Meisterfamilie. Aber ich wollte das gerne gesagt haben und ich hoffe ihr versteht mich nicht falsch.“
 
Marcella rutsche zur Vorsicht zu Varmikan hin
 

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Davard von Hohenfelde
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Re: Mutter

#17

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Sa 19. Aug 2017, 20:56

Dave musterte Marcella und schmunzelte die junge Frau dankbar an. Sie war zwar noch nicht lange an seiner Seite als seine Novizin, aber sie hatte ihn trotz ihrer Angst vor Ansgar und der nicht zu verachtenden Angst vor Timi offen unterstĂĽtzt. Das rechnete Dave Marci hoch an.

Zudem sprach sie die Wahrheit. Als Außenstehende die unter ganz anderen Verhältnissen aufgewachsen war, hatte sie eine andere Sicht auf die Dinge. Ihre Gedanken rund um das Thema Familie gefielen Dave und so wie Varmikan schaute, sah er die Sache absolut genauso wie Marcella.

"Das hast Du schön gesagt", antwortete Dave Marci.
"Das hast Du wirklich Marci", pflichtete Varmikan seinem Mann bei und rutschte so, dass Marcella sich bequem neben ihn setzen konnte.

"Wahre Worte die wir uns zu Herzen nehmen sollten. Wir sind kein Stück besser als unser Peiniger, wenn wir uns genauso wie er verhalten. Ihr wart seine Söhne und ihm schutzlos ausgeliefert. Bei Ainuwar dieses Scheusal ist endlich tot und nun gehört Ihr allein zu Eurer Mutter.

Ich hoffe ich kann ein bisschen wieder gut machen, was sich all die Jahre versäumt habe. Ich werde mein Bestes geben und solange ich nicht abrutsche werde ich versuchen genauso zu lernen wie unsere Marcella und unser Wolfi. Allein schon um bei Euch bleiben zu können und Euch kein Balast zu sein.

Sollten wir es schaffen zu lernen tatsächlich zusammenzuhalten und einander zu vertrauen, ist das der größte Sieg den wir über ihn erreicht haben. Nicht nur über ihn, sondern auch über all seine Vorgänger.

An meiner Liebe zu Euch wird es nicht scheitern. An Zuneigung untereinander magelt es Euch auch nicht, nur vertraut Ihr Euch untereinander nicht. Eine Mutter sollte ihren Kindern Vertrauen beibringen. Ein Vater ebenso Ansgar. Und als erstes hören wir nun auch einmal damit auf, uns davor zu fürchten seinen Namen auszusprechen.

Dunwin ist tot und Alastair ebenso.

Na bitte. Man kann die Namen aussprechen ohne dass man sie dabei versehentlich beschwört. Ich liebe Euch meine großen und kleinen Jungs, bitte hört auf Marci",
sagte Melisande leise und liebevoll.

"Und Du meinst, dass ich mir von einen Mädchen, dass meine Tochter sein könnte sagen lassen sollte, was ich zu tun habe?", fragte Ansgar schmunzelnd.
"Sicher, weil sie so gut wie Deine Tochter ist. Und sie hat Recht", antwortete Wolfi freundlich.

"Gut das Argument zählt", grinste Ansgar.
"Dann frag vorher nicht so dämlich", grinste Dave zurück.
"Das war ein Scherz Dave", gab Ansgar zurĂĽck.

"Rein Verwandtschaftstechnisch wäre sie Ansgars Nichte, wenn sie Daves Tochter wäre. Aber das spielt keine Rolle denn Marci hat Recht. Versuchen wir es einfach. Ich meine es ehrlich Wolf, Du kannst meine Gedanken lesen", warf Linhard grinsend ein.
"Ach Quatsch nicht nötig, ich glaube Dir auch so. Ich hab Dich für die Fleischlieferung nicht von Paps schicken lassen, Paps hat Dich geschickt. Das hätte ich Dir damals gerne in der Küche auf einen Kaffee erklärt. Du warst echt grundlos wütend auf mich", antwortete Wolfi freundlich und nahm sich noch einige Kekse.

"DafĂĽr trinken wir den Kaffee nun in gemĂĽtlicher Runde zusammen. Ihr versucht im Wechsel miteinander auszukommen, ab heute versucht Ihr es zeitgleich", schlug Dave vor und goss sich aus Varmikans Kaffeetasse Kaffee nach.

"Ich bin dabei", stimmte Linhard zu und nahm sich auch ein paar Kekse.
"Ich auch. Lass uns nachher mal unter vier Augen reden...", antwortete Wolfi gut gelaunt.
"Machen wir. Eure KĂĽche hat was", schmunzelte Lin.

"Bei uns früher Zuhause haben wir auch immer alles in der Küche geklärt. Also dass heißt, mein Vater oder mein Onkel haben gesagt, was wir tun sollen und meine Mutter, ich und später auch Iphi haben es dann getan", erklärte Varmikan glücklich was alle anderen vor Lachen losprusten ließ.

`Danke Marci´, übermittelte Dave der jungen Frau mental.

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Re: Mutter

#18

Beitrag von Marcella » Mo 21. Aug 2017, 10:15

Marcella

freute sich, dass ihre Meisterfamilie ihren Vorschlag annahm. Die Mutter von Dave schien sich besonders darĂĽber zu freuen. Ansgar war zuerst was brummig wegen ihrer Meinung. Aber dann war er doch ganz nett. Entweder hatte er wirklich nur ein Scherz gemacht, oder er war vernĂĽnftig geworden.
Marcella rutschte zu Varmikan hin und teilte mit ihm ihre Kekse. So wie Frostalben Familiensachen regelten, ging das natĂĽrlich aber so war es nicht gedacht. NatĂĽrlich war bei ihr ihr Vater das Familienoberhaupt, aber er entschied alles zusammen mit ihrer Mutter. Und sie selber hatte immer ihre Meinung sagen dĂĽrfen. Bei Frostalben war das scheinbar ganz anders. Einer sagte wo es langging und alle anderen folgten ihn.
Marcella freute sich ĂĽber das Lob von Dave dass er ihr ĂĽber Gedanken schickte. Sie hoffte, dass sie bald auch Gedankenbotschaften verschicken konnte.
Dass Wolfi mit seinen Vater und Bruder darüber rätselte welche Verwandte sie wäre, fand Marcella lustig. Sie hatte schon mitbekommen, dass Wolfis und Daves Familie gross war. Scheinbar war es für sie sehr wichtig zu wissen, wer in der Familie wohin gehörte. Adlige legten auf sowas wert, normale Leute nicht. Jedenfalls keiner den Marcella kannte. Wenn Marcella einen ihrer Verwandten traf dann war das Onkel oder Tante irgendwer. Und sogar die Dorfälteste Mathilda nannten alle Oma Matti. Verwandt war niemand mit Oma Matti.
Marcella fand es komisch, dass sich alle so über den Tod von diesem Dunwin und Alasair freuten. Es mussten zwei Wiederlinge gewesen sein, wenn die ganze Familie sie sosehr hasste. Marcella war froh, dass sie die beiden nicht kennenlernen musste. Sie traute sich aber nicht zu fragen, warum die Männer so verachtet wurden. Aber sie hörte heraus, dass es einen bedeutsamen Grund dafür geben musste. Sie wollte Wolfi danach fragen, wenn sie mit ihm alleine war. Wolfi beantwortete ihr alle Fragen, manchmal zwar ziemlich frech, aber das war gleichgültig. Sie mochte ihn sehr.
In der grossen Runde in der Küche fühlte sich Marcella nach der Versöhnung sehr wohl. Irgendwie war die ganze Stimmung viel besser geworden. Sie hatte sogar ihre Angst vor Timi vergessen. Sie hatte beinahe sogar Timi ganz vergessen. Marcella schaute zu den Fleischberg hoch. Wie konnte sie den Golem nur vergessen? Vermutlich weil er so leise in der Ecke stand, dass sie ihn nicht bemerkte.
Marcella beugte sich zu Dave hin um ihm etwas zuzuflĂĽstern.

„Bitte Dave. Ich hoffe deine Familie nimmt die Versöhnung ernst und wird sich bemühen. Wenn nicht, nehme ich dich mit in meine Familie. Wolfi und Varmikan dürfen mit zu Besuch kommen.“

Marcella lächelte Dave an.

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Re: Mutter

#19

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Do 24. Aug 2017, 08:19

Dave musterte Marcella freundlich und nickte zustimmend.

`Du kennst unsere tatsächlichen Familienverhältnisse nicht, Marci und das ist gelinde gesagt auch wirklich gut so. Ich hoffe ebenso wie Du Marcella, dass alle daran Interesse haben die Familie zum Positiven zu verändern.

Es wäre Zeit für eine komplette Kehrtwende. Zwar ist Ansgars und meine Kindheit vorbei beziehungsweise hat nie existiert, aber auch diese Art der Sichtweise, sprich reines egoistisches Denken, sollten wir komplett ablegen.

Reines Machtdenken bringt nach außen hin die Familie weiter, tatsächlich jedoch bringt es immer nur eine einzige Person in der Familie weiter und alle anderen haben drunter zu leiden oder müssen umziehen...

Zudem nur weil meine Kindheit grauenvoll war, muss ich anderen ja nicht ebenfalls ihre Kindheit zerstören. Kurzum, man muss auch gönnen können.

Und rein der Logik geschuldet, ist eine Gruppe immer Stärker als ein Einzelner. Das habe ich hier in Pavos Wohngemeinschaftsfamilie gelernt. Mag die einzelne Person schwach sein oder ihre Fehler haben, aber in der Gruppe in der Familie ist man durch die Gemeinschaft stark.

Und das bedeutet genau dass, was Du uns gesagt hast.
Eine Familie muss zusammenhalten.
Daraus erwächst ihre Stärke.

Sprich Du kannst als einzelnes Familienoberhaupt noch so stark sein, rotten sich die anderen zusammen bist Du trotz all Deiner Macht so gut wie tot. Wundern darf es Dich nicht.

So hast Du den Thron bestiegen und so wirst Du ihn verlassen.

Wie dem auch sei, Deine Sichtweise gefällt mir. Du stammst aus einer anderen Welt. Ihr habt vielleicht nicht annähernd soviel Geld wie wir, aber dafür besitzt Ihr ganz andere Dinge um die ich Dich aufrichtig beneide.

Aufrichtig Marci, nicht missgĂĽnstig.

Aus dem Grund darfst Du jederzeit offen in meiner Gegenwart sprechen, ich gewähre Deinen Schutz und ich werde diese Dinge von Dir lernen. Jedenfalls werde ich es versuchen.

Du bist Pavo ähnlich. Worüber mein alter Gobo durch seinen Glauben, seine Ausbildung und Lebenserfahrung verfügt, hast Du so inne. Man könnte sagen, durch Deine natürliche Unbedarftheit. Du betrachtest die Sachen schlicht, einfach und unverfälscht ohne Kalkül.

Meine Sicht und die vieler anderer ist durch die genossene Erziehung getrĂĽbt, man denkt in bestimmten vorgegebenen Bahnen. Nun dass dazu.

Danke für Dein Angebot Marci, wie ich bereits einmal sagte, besuche ich gerne mit Dir Deine Familie. Wann immer Du möchtest, ich freue mich drauf.

Nun zu Deiner Ausbildung. Du bist Novizin und irgendwann musst Du den ersten Schritt erlernen. Der erste einfache Schritt ist, lasse einem anderen Magier eine Botschaft zukommen.

Ich habe unser Gespräch mental eröffnet, Du wirst es fortführen. Die Fortführung kostet Dich keine Anstrengung, da ich die Verbindung halte. Du sollst Dich nur daran gewöhnen, auf diese Art zu kommunizieren.

Mental ist ein Gedanke eine Tat um es schlicht auszudrĂĽcken.
Du musst nur in "meine Richtung" denken und genau dass, was Du denkst bekomme ich direkt als Botschaft mit. Kurzum ich lese Deine Gedanken, Du schickst sie mir.

Der nächste Schritt ist etwas schwieriger. In dem Fall wirst Du Kontakt zu mir aufnehmen. Du denkst an meine Person. So stark und fest wie Du nur kannst. Blende jeden anderen Gedanken aus. Gleichgültig was Du dazu für Gedanken benötigst, ob nun ein gedankliches Bild von mir oder eine Erinnerung an meine Stimme, denke daran.

Sobald Du dies fest genug tust, kurzum Deine Gedanken fest genug bündelst - so bezeichnet man dies korrekt, werde ich Deine Kontaktaufnahme spüren und meine Gedanken für Dich öffnen.

Sobald ich Dich willkommen heiße, funktioniert das Spiel wie zuvor. Du musst einfach nur daran denken was Du mir übermitteln möchtest. Allerdings musst Du dabei zeitgleich an mich denken um die Verbindung aufrecht zu erhalten.

Meine "Eselsbrücke" zu Anfang war dabei, mir stets vor Augen zu halten mit wem ich mental spreche, so denke ich beiläufig stets bewusst an die Person und die Verbindung kann nicht abreißen.

Legen wir los. Schick mir irgendeine Botschaft Marci, ich höre zu. Denk dran, selbst wenn Du denkst - was soll ich Dave nur schicken, keine Ahnung - TEST -, höre ich dass alles. Also versuche gleich etwas vorab Deine Gedanken zu ordnen.

Nächster Schritt ist, ich trenne unsere Verbindung, Du nimmst sie auf. Leg los Kleine´,
ĂĽbermittelte Dave gut gelaunt.

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Re: Mutter

#20

Beitrag von Marcella » Fr 25. Aug 2017, 09:17

Marcella

war erstaunt und froh über das Vertrauen dass Dave in sie hatte. Dass er ihr sowas von seine Familie übermittelte, zeigte dass er ihr vertraute. Marcella fragte sich warum ihr Meister keine Kindheit gehabt hatte, traute sich aber nicht zu fragen. Sie hoffte, dass sie den Gedanke nicht versehentlich an Dave geschickt hatte. Und wenn doch, dass er ihr nicht böse war. Sie wollte sich nicht lustig machen, sondern er und sein Bruder taten ihr leid. Mit Geld konnte nicht alles gekauft werden. Und Marcella war froh darüber dass ihre Familie so war wie sie war. Sie konnte sich immer auf ihre Eltern verlassen und sie hielten fest zusammen. Ihr Vater hätte ihr verbieten können Magie zu lernen. Aber er wollte dass sie glücklich ist.
Marcella passte genau auf was Dave ihr erklärte. Es hörte sich nicht so schwer an, eine Botschaft zu schicken. Solange er den Kontakt aufnahm. Aber Marcella wusste, dass sie das lernen musste. Mit anderen ohne Worte reden zu können und ihre Gedanken lautlos mitteilen zu können, war ein Vorteil. Und scheinbar machten die Magier dass in Dave seine Familie ständig. Sie schwatzen ohne ein Wort zu sagen. So konnten sie heimlich Botschaften austauschen. Wie Wolfi und Dave gesagt hatten, konnten sie sogar so über Leute lästern, die dabeistanden und nichts mitbekamen. Und so konnten sie sich untereinander warnen. Marcella wollte das unbedingt lernen. Sie konzentrierte sich so, wie es Dave ihr gesagt hatte. Sie dachte an ihren Meister. Marcella stellte sich vor wie Dave aussah und wie seine Stimme klang. Sie versuchte sich an jede Kleinigkeit von ihn zu erinnern. An seine Figur, seine Augenfarbe, wie er sich bewegte und wie er reagierte. Dass er immer ruhig und freundlich zu ihr sprach. Wie er lachte, wenn er was lustig fand oder wie er Varmikan seinen Mann ärgerte. Sie dachte daran dass er gerne Kaffee mochte und wie er in der Schreibstube sass und arbeitete. Marcella konzentrierte sich so fest sie konnte auf ihren Meister. Dabei kniff sie die Augen zusammen und ballte die Fäuste vor Anstrengung. Sie wollte dass ihre erste Nachricht an Dave ankam, sie wollte nicht bei der ersten Aufgabe versagen.

`Dave hörst du mich? Ich schicke dir eine Nachricht. Die Nachricht heisst Soleier sind gut gegen Kater.´

Marcella öffnete die Augen und schnaufte durch. Erwartungsvoll schaute sie Dave an ob er ihre Nachricht erhalten hatte.

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