Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Ainos Zimmer

Das Geisterhaus
Die Geister waren bis zum Jahr 202 eine erfolgreiche Gilde von Auftragsm├Ârdern. Jedoch bot das Leben im Geisterhaus mehr als nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch ein zu Hause f├╝r Verlorene. Wichtigste Aufnahmebedingungen waren absolute Loyalit├Ąt und Verschwiegenheit - sonst endete man rasch selbst auf der Todesliste. Die ehemaligen Geister verdienen ihren Lebensunterhalt heute auf ehrbare Weise als "Fantomes" in Souvagne.
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#1

Beitrag von Urako » Mo 24. Jul 2017, 08:16

Urako war erst k├╝rzlich aus Rakshanistan heimgekehrt. Nachdem Dave und Varmikan ihn auf unsensibelste Art und Weise darauf aufmerksam gemacht hatten, dass w├Ąhrend seiner Abwesenheit ein neuer Lehrling (nat├╝rlich weiblich und gutaussehend) und Daves Mutter eingezogen waren, ohne dass man es f├╝r n├Âtig gehalten hatte, Urako auch nur symbolisch zu fragen, war Urako zun├Ąchst ohne Abschied gegangen und durch die Stadt geschlendert. Gedanklich hatte er die beiden windelweich gepr├╝gelt. Doch anstatt wie gew├Âhnlich nun in eine Taverne einzukehren oder das Freudenhaus aufzusuchen, hatte er beschlossen, mal ein W├Ârtchen mit Aino zu reden und war zur├╝ck zum Geisterhaus gekehrt. Er hatte jedoch zuvor noch eine Kleinigkeit erledigt.
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Re: Ainos Zimmer

#2

Beitrag von Aino » Mo 24. Jul 2017, 14:31

Aino musterte Urako erstaunt, der sich in ihrem Zimmer eingefunden hatte. Der Tiefling kam selten in ihr Zimmer. Eigentlich kam er nie in ihr Zimmer, dachte Aino. Wenn sah sie den pinken Tiefling im Wohnzimmer oder in der K├╝che, wenn sich alle Geister gemeinsam einfanden um zu reden oder zu speisen.

Aino mochte Urako, er war ein netter Kerl, auch wenn er einen schwierigen Charakter hatte und Gasmi vermutlich alle M├╝he hatte, den Burschen zu b├Ąndigen. In ihren Augen war er ein h├╝bscher Kerl, aber das verschwieg Aino Urako genauso, wie sie stets Dave verschwiegen hatte, dass sie ihn mehr als nur mochte.

Der einzige der ├╝ber so etwas Bescheid wusste war Pavo und der alte Goblin tratschte so etwas nicht weiter. Er hatte nur einmal versucht sie und Dave einander n├Ąher zu bringen, als er Dave mit einem Blutegel bedroht hatte und sie gemeinsam mit Dave hinter den Schreibtisch gefl├╝chtet war.

Da hatte Pavo angemerkt, dass sie beide ein sch├Ânes Paar w├Ąren. Sie selbst hatte es ├╝berspielt und Dave war wie immer betriebsblind was solche "Hinweise" anging. Er hatte die versteckte Botschaft nicht begriffen. Aino war froh drum, sonst w├Ąre sie vor Scham im Boden versunken.

Nun stand Urako hier in ihrer Stube und Aino musterte den pinken Tiefling ausgiebig.

"Was ist los Urako? Wie kann ich Dir helfen?", fragte die Almanin.

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Re: Ainos Zimmer

#3

Beitrag von Urako » Mo 24. Jul 2017, 20:23

Urako trat ein und schloss die T├╝r hinter sich. Eine Hand hielt er dabei hinter dem R├╝cken, so dass Aino nicht sehen konnte, was er darin hielt. Er setzte das gewinnendste L├Ącheln beziehungsweise Grinsen auf, dass er mit seinem zahnarmen Mund zu formen imstande war und zauberte einen ├╝ppigen Blumenstrau├č hinter dem R├╝cken hervor.

"Ich finde, es ist an der Zeit, f├╝r deine Gastfreundschaft zu danken und daf├╝r, dass du mich hier aufgenommen hast." Ganz bewusst sprach er nur von ihr. "Ich wollte dir sagen, dass ich froh bin, hier sein zu d├╝rfen und dass du eine tolle Anf├╝hrerin, Schr├Ągstrich Chefin, bist. Und ich bin gern dein Handlanger, Schr├Ągstrich M├Ądchen f├╝r alles m├Âgliche, Schr├Ągstrich Fu├čabtreter."

Er l├Ąchelte noch immer und ├╝berreichte ihr das Bouquet. Die Blumen waren selbst gepfl├╝ckte Wildblumen, das sah man dem Strau├č an, doch man sah auch, dass es nicht irgendwelche an jedem Wegesrand wuchernden Unkr├Ąuter waren, sondern dass Urako daf├╝r hatte suchen m├╝ssen. Auf einer sattgr├╝nen Unterlage fanden sich scharlachroter Mohn, blaue Kornblumen und Unmengen wei├čer Margariten. Auch ein paar Wiesenglockenblumen hatte er auftreiben k├Ânnen und ein Zweiglein Duftjasmin sorgte f├╝r himmlischen Duft. Es war ein bunter Sommerstrau├č aus den sch├Ânsten Wildblumen, welche die Natur zu bieten hatte und zur Komplettierung des Bildes flatterte obendrein aus Zufall gerade ein wei├čer Schmetterling daraus hervor und verschwand durch das offene Fenster ins Freie.
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Re: Ainos Zimmer

#4

Beitrag von Aino » Di 25. Jul 2017, 11:28

Aino h├Ârte Urako aufmerksam zu und musste damit k├Ąmpfen nicht puterrot anzulaufen. Ob ihr das gelang, konnte sie nicht sagen. Da sich ihr Gesicht aber nicht gl├╝hend hei├č anf├╝hlte, hoffte sie, dass sie auch nicht so aussah.

"Erst mal vielen Dank f├╝r Deine Lieben Worte und nat├╝rlich f├╝r die wundersch├Ânen Blumen, samt Schmetterling. Ob Du es glaubst oder nicht, aber mir hat noch nie jemand Blumen geschenkt. Sie sind wundersch├Ân, ich muss mir nur noch eine Vase organisieren.

Irgendwo m├╝ssen wir eine herum stehen haben. Du hast Dir sehr viel M├╝he gegeben wie man an den Blumen sieht und wie sie duften, herrlich. Nochmals vielen lieben Dank",
antwortete Aino gl├╝cklich.

"Nun Du bist weder mein Fu├čabtreter, noch hier M├Ądchen f├╝r alles. Du bist Gasmis Welpe und somit Auszubildender Urako. Es freut mich, dass Du Dich hier wohlf├╝hlst", sagte Aino freundlich und legte die Blumen vorsichtig beiseite, damit sie nicht zerdr├╝ckten.

Die Almanin setzte sich auf einen der St├╝hle und deutete Urako an, es ihr gleich zu tun.

"Da Du schon hier bist und dass aus so einem freundlichen Grund, k├Ânnen wir die Gelegenheit auch gleich nutzen und uns etwas besser kennenlernen. Das hei├čt, falls Du Zeit und Lust hast etwas zu plaudern", schlug Aino vor.

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#5

Beitrag von Urako » Mo 31. Jul 2017, 10:07

Urako registrierte mit Genugtuung, wie sehr sie sich ├╝ber die Blumen freute. Wenn sie irgendwo zusammen unterwegs waren, folgten ihr viele Blicke wegen ihrer Glatze und der Asche auf ihrer Haut, doch kaum ein Mann schien sie zu begehren. Dumm waren sie alle, wussten nicht, was gut war. Und diese Feststellung war es auch gewesen, die ihn darauf gebracht hatte, dass sie sich ├╝ber Blumen vermutlich sehr freuen w├╝rde.

"Noch nie? Dann wurde es aber Zeit!" Er schmunzelte und die Narben auf seinen Wangen vertieften sich.

Urako hatte nicht gelogen. F├╝r ihn war Aino eine der wenigen Frauen, denen er Respekt entgegen brachte. Sie hatte bewiesen, dass sie eine wirkliche Anf├╝hrerin war und keine rumzeternde Ziege. Ja, er mochte sie wirklich. Charakterlich als auch optisch war sie in seinen Augen Weltklasse.

"War nur Spa├č mit dem Fu├čabtreter. War ein Arschtritt gegen mich selber, ich f├╝hl mich etwas nutzlos und ├╝berfl├╝ssig. Die anderen sind dauernd am Ackern und schaffen Geld ran und seit meinem Botenflug mit Gasmi gammel ich eigentlich nur rum. Kann ich mich nicht irgendwie n├╝tzlich machen? Dir die F├╝├če massieren oder so?"

Er sagte das mit unver├Ąndertem Grinsen, setzte sich seitlich auf den angeboten Stuhl, so dass er einen Arm auf den Tisch st├╝tzen und kippeln konnte. Eigentlich war der Spruch nur Spa├č, aber wenn sie jetzt ebenso aus Spa├č mit Ja antwortete, w├Ąre er sofort dabei.

"Wo wir schon mal dabei sind - und nein, deswegen bin ich nicht hergekommen, es f├Ąllt mir nur gerade ein - kann Gasmi nicht irgendwelche weniger gef├Ąhrlichen Auftr├Ąge kriegen? Ich meine, er ist euer bester Mann und w├Ąre doch schade, wenn ihm was passiert. Er ist der beste K├Ąmpfer hier. Ihr solltet ihn aufsparen, f├╝r Notf├Ąlle. F├╝r das Wohl der Geister."

Der wahre Grund von Urakos Sorge war nat├╝rlich egoistischer Natur. Er liebte Gasmi abg├Âttisch und die Angst, dass er eines Tages nicht mehr von einem Auftrag zur├╝ckkehrte, raubte ihm nachts den Schlaf. Dass sein Mann zu dem Zeitpunkt weg gewesen war, als Morasa mit dem Greifen anr├╝ckte, und Urako ihn verzweifelt gesucht hatte in der Sorge, er w├Ąre tot, hatte diese entsetzlichen Alptr├Ąume ausgel├Âst und seither peinigten sie ihn fast jede Nacht, abwechselnd mit denen, in denen Gasmi ihm fremdging oder Dave und Varmi ihn mit eisiger Miene dar├╝ber in Kenntnis setzten, dass er h├Ąsslich war und sie ihn die ganze Zeit verarscht hatten. Nicht zu vergessen jene, in denen Pavo pl├Âtzlich b├Âsartig und abweisend zu ihm war und ihn nicht mehr mochte und Urako deswegen aus der Gilde verstie├č - und alle dabei auf Pavos Seite waren.
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Re: Ainos Zimmer

#6

Beitrag von Aino » Mo 31. Jul 2017, 14:56

Aino musste ├╝ber Urakos Kommentar lachen. Zeitgleich war sie sehr froh ├╝ber ihre "Kriegsbemalung", so sah er nicht, dass sie Puterrot anlief.

"Bis jetzt hat vermutlich noch niemand einen Grund dazu gehabt mir Blumen zu schenken. Die wenigstens Kunden sind so h├Âflich, nach einem gut durchgef├╝hrten Auftrag einen mit Blumen zu danken. Und die M├Ąnner hier, denken vermutlich in ganz anderen Bahnen als Du Urako. Ich bek├Ąme vermutlich ehr 100 Dolche geschenkt als nur ein einzige, kleines G├Ąnsebl├╝mchen.

Solche kleinen Aufmerksamkeiten scheinen die meisten leider keine Beachtung zu schenken. Der einzige der neben Dir f├╝r so etwas ein Auge hat ist Varmikan. Er beschenkt Dave oft mit irgendwelchen kleinen Nettigkeiten. Nur hat Dein frostalbischer Freund das umgekehrte Problem, sein Schatz wei├č meist nichts mit den Gesten anzufangen.

Aber das Problem hast Du nicht, Dein Mann wei├č Deine Gesten sicher zu sch├Ątzen.
Und ich wei├č Deine Blumen sehr zu sch├Ątzen. Du hast quasi einen Markstein gesetzt. Du bist der erste Mann der mir Blumen schenkte.

Das ist vermutlich f├╝r Dich kein sonderlich huldvoller Titel, aber mir bedeutet die Geste etwas. Drum nochmals, vielen Dank",
sagte Aino gl├╝cklich.

"Mir die F├╝├če massieren? Du bist mir einer. Wobei, gut. Mir hat auch noch niemand jemals die F├╝├če massiert. Warum nicht? Ich renne den ganzen Tag durch die Gegend und ich wage mich mal was. Aber sei vorsichtig, falls ich aufspringe und lachen muss, kann ich nichts daf├╝r", prustete Aino wie ein Schulm├Ądchen.

Bei der Vorstellung dass Urako ihr tats├Ąchlich die F├╝├če massierte, wurde Aino ganz warm. Nat├╝rlich sagte sie nichts davon, denn sie hielt ihre Unterhaltung nur f├╝r Bl├Âdelei, einfach um etwas entspannt rumzualbern. Urako konnte schlie├člich nicht wissen, dass sie ihn attraktiv fand.

Woher sollte er das auch wissen?

Weder ihm noch Dave hatte sie je gestanden, wie sie die beiden sah. Dass sie die zwei unheimlich attraktiv fand, dass wusste niemand. Pavo hatte einst versucht, Dave einen Wink mit dem Zaunpfahl zu geben. Aber der Magier war wie immer betriebsblind f├╝r solche Hinweise.

Aino hatte nicht vor Urako davon zu erz├Ąhlen, dass sie ihn mehr als nur mochte. Und dabei w├╝rde es vermutlich auch den Rest ihres Lebens bleiben. So hart und taff Aino sonst auch war, dies war ihre Schwachstelle. Sie hatte nicht nur noch nie Blumen geschenkt bekommen, sie hatte auch noch nie einen Partner gehabt.

Es gab nur zwei Personen, die davon wussten. Pavo und Gasmi, ansonsten wusste niemand davon. Wer ging auch schon mit so einem Problem hausieren? Gut einige trugen vielleicht das Herz auf der Zunge und konnten aussprechen, was sie tief im innere qu├Ąlte und bedr├╝ckte. Aino konnte es nicht. Sie hatte meist das Gef├╝hl, an solchen Worten zu ersticken.

Als Urako seine Sorge wegen Gasmi aussprach, nickte Aino verstehend. Es war s├╝├č und liebevoll von Urako, dass er sich solche Sorgen um seinen Mann machte.

"Urako ich verstehe Deine Sorge. Aber Gasmis Dolch muss scharf bleiben. Wenn ich ihn auf die Reservebank setze und nur f├╝r den Notfall losschicke, dann hat er keine Praxis mehr. Es ist etwas anderes in einem Trainingsraum zu ├╝ben, anstatt unter tats├Ąchlichen Bedingungen seine F├Ąhigkeiten einsetzen zu m├╝ssen.

Ich k├Ânnte auch den ganzen Tag im Hof stehen und mit dem Bogen ├╝ben. Ich ├╝be selbstverst├Ąndlich auch. Dennoch ist es etwas v├Âllig anderes unter gro├čer Anspannung auf ein bewegliches Ziel zu schie├čen, wenn es hei├čt Du oder der Feind. Oder schlimmer noch, einer Deiner Familie oder der Feind. Genauso ergeht es Gasmi Urako",
erkl├Ąrte sie freundlich.

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Re: Ainos Zimmer

#7

Beitrag von Urako » Fr 25. Aug 2017, 16:52

Urako hatte sich vor sie hingekniet, ihre F├╝├če von Schuhwerk und Str├╝mpfen befreit und nahm den ersten Fu├č in beide H├Ąnde. Kraftvoll knetete er ihre Fu├čsohlen und bewegte die Mittelfu├čknochen gegeneinander. Als er merkte, dass sie das Gef├╝hl genoss, wurde er frech und nahm ihre gro├če Zehe in die Zahnl├╝cke zwischen seinen Frontz├Ąhnen. Er zog seine zahnlosen Kiefer fest von der Zehenwurzel bis zur Spitze und grinste dabei.

"Fu├čmassage nach d├Ąmonischer Art", log er. In Wahrheit hatte er gerade einfach Bock, ihr die Zehen zu lecken und lie├č sich alle Zeit der Welt, w├Ąhrend er gr├╝belte, wie er sie davon ├╝berzeugen k├Ânnte, Gasmi freizustellen vom Dienst als Nahk├Ąmpfer. Aber ihm fiel nichts ein. In erster Linie waren die Geister ein Dienstleistungsunternehmen und das lebte nun einmal von Arbeitsleistungen. Es war ein Wunder, dass sie Urako so lange verletzt durchgef├╝ttert hatten, vermutlich hatte Gasmi in der Zeit doppelt schuften m├╝ssen.

"Wie viel m├╝sste ich verdienen, um Gas f├╝r den Rest seines Lebens freizukaufen? Wie viele K├Âpfe m├╝sste ich dir bringen?"
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