Dunwins Lehrstunden -- Ansgar - Varmikan


Das Geisterhaus
Die Geister sind eine erfolgreiche und wohlhabende Gilde von Auftragsmördern. Jedoch bietet das Leben im Geisterhaus mehr als nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch ein zu Hause fĂŒr Verlorene. Wichtigste Aufnahmebedingungen sind absolute LoyalitĂ€t und Verschwiegenheit - sonst endet man rasch selbst auf der Todesliste.
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Varmikan Eisseher
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Dunwins Lehrstunden -- Ansgar - Varmikan

#1

Beitragvon Varmikan Eisseher » Sa 12. Aug 2017, 15:09

Dunwins Lehrstunden

Varmikan fĂŒhrte Ansgar in ihr Quartier. Er wollte mit seinem Schwager alleine sprechen, um sich mit diesem auszusprechen. Zudem erhoffte er sich einige Informationen aus Ansgars und Daves Kindheit.

"Ansgar manche Erinnerungen von Dave sind versiegelt. Mir ist bewusst, dass das nicht grundlos der Fall ist. WĂŒrdest Du mir etwas erzĂ€hlen? Ich kann mir denken, dass er misshandelt wurde, aber inwieweit weiß ich nicht.

Ich möchte und muss es aber wissen um ihm beistehen zu können, sollte es ihm wieder schlecht gehen. Unser Anfang war nicht der beste, trotzdem bitte ich Dich darum", flĂŒsterte Varmikan.

"Unser schlechter Anfang liegt nicht an Dir sondern er lag ausschließlich bei mir. DafĂŒr habe ich mich allerdings auch bei Dave entschuldigt. Nun gut, nicht bei Dir.

Als Zeichen meiner Aufrichtigkeit, komme ich Deinem Wunsch nach. Ich erzĂ€hle Dir etwas ĂŒber eine Lehrstunde. Vater nannte es Desozialisierung. Es ist ein Unterrichtsprogramm um Dich von allen anderen GefĂŒhlen loszulösen.

Die Vorbereitung zur Neuformung Deiner Seele. Andere wĂŒrden es als Brechen der Seele bezeichnen. Jeder von uns wird auf andere Art der Gesellschaft entzogen. Wie Deine Familienangehörigen es durchfĂŒhren, ist unterschiedlich.

Das Ergebnis ist das gleiche.

Du lernst, dass GefĂŒhle schĂ€dlich sind fĂŒr Dich und Dir nur persönliches Leid zufĂŒgen.
So lernst Du völlig emotionslos zu handeln.

Eine sehr beliebte Möglichkeit der familiÀren Erziehung in dieser Sparte ist, Du erhÀltst eine Aufgabe sprich einen Sklaven oder eine Sklavin. Diese Person hast Du zu versorgen. Klingt suspekt, dass Du jemanden versorgen sollst und das obwohl Deines Standes.

Du LĂŒge lautet, erlerne Demut.
Die Wahrheit ist wesentlich hÀrter, als jede Demut werden könnte.

Deine Aufgabe ist klar, Versorgung – keinerlei Bindung. Das sagte mir mein Vater.
Falls Du selbst nur versorgt wirst, oder nur soweit Bindung sprich Zuneigung bekommst, dass Du nicht eingehst – wirst Du bei der Aufgabe versagen.

Ich habe versagt.
Das hatte Dunwin auch so beabsichtigt.
Das war Zweck der Übung.

Meine Aufgabe lautete, ich hatte mich um eine Albensklavin zu kĂŒmmern. Ich musste sie tĂ€glich fĂŒttern, ihr Wasser geben und ihr Befinden kontrollieren. Das sollte ich in eine Tabelle eintragen.

Bis dato ja gar nicht schwer, denkt man.
Weit gefehlt.

Irgendwann fĂ€ngst Du an sie zu grĂŒĂŸen. Du wĂŒrdest ja auch Deinen Hund oder Deine Katze grĂŒĂŸen und sagen, dass es Futter gibt oder? Irgendwann grĂŒĂŸt Du und verabschiedest Dich. Und noch etwas spĂ€ter, wirst Du mit ihr reden, wĂ€hrend Du Deine Aufgabe erfĂŒllst. Irgendwann bringst Du ihr mehr Futter, oder was Leckeres mit von Deinem eigenen Futter.

Das hat zur Folge, dass Du Wochen spÀter die Aufgabe gerne machst. Du gehst hin, freust Dich und versorgst Dein Nichtmenschen - Deine Sklavin. Ist ja Deiner, sollŽs ja gut haben. Kurzum Du magst sie.

Sobald Du sie magst, erhĂ€ltst Du eine neue Aufgabe – Liquidierung.
Töte es.

Du wirst sie nicht mehr töten können. Mein Vater hat sie direkt vor meinen Augen mit dem Degen enthauptet und mir erklÀrt warum sie starb.

Die Antwort ist so logisch wie grausam, Deine Aufgabe war das „Tier“ zu versorgen. Es war verboten eine Bindung zu ihm aufzubauen. Du hast die Regel gebrochen, den Befehl missachtet. Du hast eine Verbindung aufgebaut, Du hast Zuneigung fĂŒr es empfunden – darum musste es sterben.

Es gibt keine Zuneigung zu anderen Personen, es gibt nur den Gehorsam ihm gegenĂŒber und AufgabenerfĂŒllung. FĂŒr nichts anderes bist Du da.

Die Übung machst Du ein einziges Mal, glaub mir das. Jedenfalls wenn Du Deine Sklavin mochtest und Grips hast. Du wirst niemals wieder einen Deiner Sklaven grĂŒĂŸen, oder auch nur ein Wort zu viel mit einem der Diener wechseln, auch wenn Du es Dir wĂŒnscht.

Der Wunsch Dir nicht das Gehirn von einem Wesen aus dem Gesicht zu wischen dass Du gerne gehabt hast, ist grĂ¶ĂŸer als der Wunsch nach Kontakt.
Klares Lernziel - halt Dich fern, ist die Devise.

Einfache Regel fĂŒr die fĂŒr mich und meinen Bruder galt, unsere NĂ€he tötet. Wir suchen nur Kontakt um unseren GeschĂ€ften nachzugehen - dazu zĂ€hlt auch die Partnersuche, Feinde zu liquidieren, unsere Macht zu verteidigen oder auszubauen, oder um ein anderes uns gesetztes Ziel zu erreichen.

Suchst Du fehlerhaft Kontakt, wird die Person von der Familie eliminiert.
So oder so tötest Du die Person.
Entweder persönlich, oder durch Dein Fehlverhalten.

Schließlich wurdest Du dafĂŒr gezeugt, geformt und ausgebildet. DafĂŒr bist Du geschaffen. GrĂ¶ĂŸtmögliche Macht der Familie zu bringen und die nĂ€chste Generation genauso darauf vorzubereiten. Bestenfalls soll diese noch mĂ€chtiger werden.

Es gibt zig Formen davon, wie man jemanden umkrempelt, dass er kontaktscheu wird oder sogar fremde Personen grundlos hasst“, erklĂ€rte Ansgar Varmikan.
"Oder warum man andere fĂŒrchtet und lieber jeden Gedanken fĂŒr sich behĂ€lt", sagte Varmi.

"Ganz genau. Eine andere Lehrstunde beinhaltete Nahkampf. Dunwin war der Auffassung, dass wir ebenso Nahkampf beherrschen sollten.

In Wahrheit hatte er einfach Spaß daran uns zu zeigen, wer im wahrsten Sinne des Wortes Herr im Ring ist.

Wir, sprich Dave und ich standen um den Ring, ich hatte gerade noch etwas zu Dave gesagt, als ihn Dunwin dafĂŒr anpfiff. Somit hatten er einen ersten Freiwilligen – Dave.

Er war 11 Jahre und hatte nur die Kampferfahrung die er bei uns Zuhause durch seine Lehrer gesammelt hatte. Gut vermutlich hatte er bereits zu der Zeit damit mehr Nahkampferfahrung als ein Bauer je in seinem Leben sammeln wĂŒrde, aber er stand ja keinem Bauern gegenĂŒber, sondern unserem Vater. Und der war im Nahkampf unschlagbar. Das ist keine Witz.

Daves Gegner schlug nicht nur genauso hart, schnell und treffsicher zu, er tat es wesentlich schneller, besser und hĂ€rter als Daves es jemals können wĂŒrde. Und so kĂ€mpften die beiden. Dave gab alles was er zu bieten hatte. Ich weiß noch, dass er irgendwann einfach nicht mehr konnte.

Er konnte nichts mehr sehen, er konnte nichts erspĂŒren da sein SchĂ€del dröhnte und er bekam kaum noch Luft. Dave kĂ€mpfte vermutlich einfach nur noch Gehör. Also bin ich einfach unerlaubt in den Ring und habe Dave beigestanden. Das Ende vom Lied war, unser Vater hat uns beide aufgemischt. Das rĂŒckt Deine Weltsicht zurecht, wenn Du sonst gewöhnt bist niemanden fĂŒrchten zu mĂŒssen“, erklĂ€rte Ansgar.

„Wie genau endete der Kampf?“, fragte Varmikan.

„FĂŒr uns beide mit einer mehrfach gebrochenen Nase. Ich hatte noch einige RippenbrĂŒche. Dave hatte einen Kieferbruch, zig andere BrĂŒche und Frakturen. Und ĂŒberall Blut. Danach, nach dem Kampf, hatte ich immer eine rasende Wut wenn ich in den Ring steigen musste. Wie viele von den Flecken waren von meinem Bruder, wenn er ihn eingenordet hat? Es waren schon so viele, dass die RĂ€nder gar nicht mehr aus dem Scheiß-Leinen rausgingen. Das war unser Vater Varmikan", erklĂ€rte Ansgar tonlos.

„Ich verstehe nicht, warum Du dann dort geblieben bist. Oder Ihr beiden generell. Wieso seid Ihr nicht geflohen? Oder wieso habt Ihr Euch nicht erhoben? Ich meine wenn Dir ein Normalo gegenĂŒbersteht, was kann der schon groß tun, außer sein Maul aufreißen? Eurer Vater war ein Normalo, ein Purie. Du musst nicht mal einen Finger krĂŒmmen um ihn zu töten“, warf Varmikan ein.

„Die Frage kann auf viele Weisen beantworten, von logisch, bis philosophisch – letztendlich ist die Wahrheit, dass man so lange unter der Knute war, dass man es gar nicht anders kannte.

Du kennst von klein auf, dass Du sehr mĂ€chtig bist, aber Dein Vater Wege und Möglichkeiten hat Dich zu bestrafen und in die Knie zu zwingen. Großvater und Vater bestrafen Dich einige Male dermaßen hart, dass sie diese Bestrafung nur androhen mĂŒssen und Du knickst ein. SpĂ€ter ist es dann einfach reines Vermeide-Verhalten. Gehorchen bedeutet meist gut und schmerzfrei leben.

Irgendwann bist Du dann erwachsen und bis dato haben sie Dir schon beigebracht, warum das alles sein musste.

Es ist Deine Pflicht so zu handeln, wie sie es Dir beigebracht haben. Und die Erziehung hast Du ertragen, dass Du so handeln kannst wie sie es von Dir verlangen.

Du bist der WĂ€chter Deiner Sippe, der HĂŒter Deiner Blutlinie, dafĂŒr wurdest Du geboren und geschaffen. Geschaffen indem man Dich bricht und neu zusammensetzt. Aber nichts was einmal völlig zerstört wurde, kann ohne Risse repariert werden.

Wenn Du das 20 Jahre lang hörst, 20 Jahre tagtÀglich siehst und 20 Jahre lang ertragen musst - kennst Du nichts anderes.

Es sei denn Du lĂ€sst Dich versehentlich drauf ein. Das habe ich getan. So lernte ich Fin kennen. Das Schlimme daran war, ich wusste genau was passieren wird, sollte ich versagen meine Freundin vor meiner Familie zu beschĂŒtzen. Ich habe nicht versagt, jedenfalls nicht dabei", erklĂ€rte Ansgar.

"So auch nicht Ansgar. Das was Dave Dir sagte, Ihr könnt Eurer Verhalten Lin gegenĂŒber noch Ă€ndern. Allerdings wĂŒrde ich das an Deiner Stelle sofort umsetzen, denn das beste Vorhaben nĂŒtzt nichts, solange Lin es nicht erfĂ€hrt. Du weißt nicht, wie er denkt oder was er eventuell plant. Und sag ihm ehrlich, dass Du es falsch gesehen hast und entschuldige Dich. Nur das Verhalten Ă€ndern, wird nichts nĂŒtzen. Die erste Zeit ĂŒber fĂŒhlt er sich vielleicht sogar verarscht oder befĂŒrchtet irgendeinen Hinterhalt.

Spiel mit offenen Karten hÀtte mein erster Mann gesagt. Er hÀtte Dir vermutlich auch einige Tipps geben können, ich kann Dir nur sagen, was er mir zu Lebzeiten beigebracht hat. Und das war, dass man zu seinen Fehlern stehen muss und auch die Eier in der Hose haben muss eine Entschuldigung auszusprechen wo sie notwendig ist. Dazu gehört auch, es ab dato besser zu machen.

Ich selbst habe es nicht geschafft, ich hatte nicht den Mut mit meinem Vater zu reden. Aber das ist ein anderes Thema und im Moment unwichtig", antwortete Varmi.

"Nehmen wir den heutigen Tag als Wendepunkt Spitzohr", schmunzelte Ansgar.
"Abgemacht Rundohr", stimmte Varmikan zu.
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