Dunkelheit -- Dave - Urako 202 n.d.A.


Das Geisterhaus
Die Geister sind eine erfolgreiche und wohlhabende Gilde von Auftragsm├Ârdern. Jedoch bietet das Leben im Geisterhaus mehr als nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch ein zu Hause f├╝r Verlorene. Wichtigste Aufnahmebedingungen sind absolute Loyalit├Ąt und Verschwiegenheit - sonst endet man rasch selbst auf der Todesliste.
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Davard von Hohenfelde
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Dunkelheit -- Dave - Urako 202 n.d.A.

#1

Beitragvon Davard von Hohenfelde » So 13. Aug 2017, 17:26

Dunkelheit


Dave gesellte sich zu Urako in die K├╝che und tippte den Tiefling an.

"Folge mir bitte", bat der Magier leise.
"Wenn Du mich so lieb bittest", grinste Puschel und folgte Davy.

Entgegen Puschels Vermutung f├╝hrte Dave ihn nicht in die Schreibstube oder in sein Quartier, sondern er verlie├č das Geisterhaus durch den Nebenausgang, ging einmal ├╝ber die Stra├če und schloss das gegen├╝berliegende Haus auf.

Als sie beide es betreten hatten, schloss Dave hinter Urako ab und dr├╝ckte ihm den Schl├╝ssel in die Hand.

"Ich muss... nein ich m├Âchte Dir etwas sagen", fing Dave nerv├Âs an.
Urako steckte den Schl├╝ssel ein und setzte sich auf den Boden. Freundlich und aufmunternd schaute er zu Dave auf, da er sah wie sehr dieser gerade mit sich k├Ąmpfte.

"Du kannst mir alles sagen Dave", ermutigte ihn Urako.
"Ich m├Âchte Dir die dunklen Flecken erkl├Ąren. Falls Du im Gespr├Ąch merkst, dass Du so etwas nicht h├Âren m├Âchtest, mach Dich nicht lustig, sondern brich das Gespr├Ąch einfach ab, in Ordnung?", bat der Magier.

"Ich wei├č mehr als Du denkst Dave. Du hast Dinge in Deiner Erinnerung die extrem gut gesch├╝tzt sind und die ich nicht sehen durfte. Aber Deine Gef├╝hle konnte ich trotzdem sp├╝ren. Irgendwann wirst Du sie Varmikan zeigen. Eines Tages. Du kannst mir alles sagen Gro├čer, m├Âchtest Du dass ich dabei bin?", fragte Urako.

"Nein. Denn ich werde Varmikan weder die Erinnerungen zeigen, noch mit ihm dar├╝ber reden. Ich m├Âchte es Dir erz├Ąhlen...", bat Dave.

Urako musterte Dave mit gro├čen Augen und war froh bereits auf dem Boden zu sitzen. Mit einem Klo├č im Hals nickte der Tiefling. Er wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Allenfalls Gasmi brachte ihm ein derartiges Vertrauen entgegen und vielleicht noch Varmikan.

Dave setzte sich Urako gegen├╝ber.

`Es gab eines was ich im Leben lernte - wer nicht h├Âren will, muss f├╝hlen.
Wir waren in Obenza, und zu der Zeit waren wir mit unserem Vater erst einige Male dort gewesen. Ich fand diese bunte Stadt schon immer faszinierend. Es gibt nichts was es nicht gibt in Obenza, positiv leider wie auch negativ gesehen.

Aber wer kann das schon mit 16 Jahren wissen? Mir gefiel die Stadt und ich hatte an dem Tag einfach Lust ├╝berall rumstromern zu gehen.

Das Problem war leider nur, dass ich das ├╝berhaupt nicht durfte.
Wir hatten im Haus unserer Verwandten zu bleiben und ging es raus, hatten wir in Dunwins N├Ąhe zu bleiben. Es sei denn er ordnete etwas anderes an.

Eigentlich ist sonst Ansgar daf├╝r zust├Ąndig seine Ohren komplett auf Durchzug zu stellen, aber an dem Tag habe ich den Job ├╝bernommen.

Ich wollte in die Stadt und ich wollte die untersten Distrikte sehen. Die L├Ąden, die Seplunken und was f├╝r Drogen die dort im Angebot hatten. Man h├Ârte so viel ├╝ber Obenza und ich wollte es gerne mal ausprobieren.

Aber mit Dunwin im Schlepptau war das nicht drin. Was wir nehmen durften bestimmte er. Selbst Arzneien teilte er uns zu, dies allerdings erst seit ich versucht hatte meine pers├Ânlichen Probleme mit einer Schmerzmittelorgie zu beseitigen. Ab dato war ich f├╝r ihn das Weichei der Familie.

In Obenza hoffte ich etwas zu finden, was derma├čen reinballern w├╝rde, dass ich komplett alles vergessen w├╝rde. Alles was er mir bis dato angetan hatte oder antun lie├č.

Was man sich so als 16 J├Ąhriger zusammen spinnen kann. Es gibt tats├Ąchlich Drogen die einen alles vergessen lassen. Der Nachteil ist, man vergisst komplett alles. Man bleibt als sabberndes Wrack zur├╝ck. Ich hingegen wollte ja nur die Erinnerungen los werden, die sich einfach in mein Bewusstsein dr├Ąngten...┬┤, erkl├Ąrte Dave Urako.

Der Tiefling sa├č ihm gegen├╝ber und h├Ârte ihm aufmerksam zu.
"Nenne mir ein Beispiel Dave, damit ich Deine Erkl├Ąrung nachvollziehen kann", bat Urako leise.

`Beispiel ich sehe eine Reitgerte oder einen Schlagstock und in dem Moment steht das Schwein mit so einem Ding wieder vor mir. Ich kann mich nicht mehr bewegen, solche Angst hab ich vor ihm. Das Schwein packt mich und... und die Folter beginnt. Er schl├Ągt so lange auf mich ein, bis ich auf dem Boden vor ihm liege und ihn um Gnade anwinsele...┬┤, ├╝bermittelte Dave nerv├Âs.

"Ruhig. Und dass passiert Dir wie Spontanerinnerungen?", hakte Urako nach.

`Fr├╝her ja. Aber dies st├Ąndig ungewollt sehen zu m├╝ssen, zerrte an meinen Nerven. Aus dem Grund habe ich meine Erinnerungen gesplittet. Das Gef├╝hl von der Information getrennt und beides bewusst voneinander in meinen Gedanken fest verschlossen. Sozusagen versiegelt, damit ich mich nicht mehr versehentlich erinnern kann. Die Gef├╝hle hast Du gesp├╝rt und mitbekommen. Die bewussten Erinnerungen dazu nicht.

Das Schlimme waren nicht die Erinnerung selbst, sondern dass ich keine Kontrolle dar├╝ber hatte. Ich kann mich nat├╝rlich bewusst daran erinnern und eine dieser Erinnerungen abrufen. Aber das ist das Letzte was ich wollen w├╝rde! Ich will den Dreck vergessen!

Aber... aber das geht nicht!
Irgendwie... keine Ahnung!
Ich konnte nur auf diese Weise verhindern, dass ich mich zwangserinnere. Als ob es sich immer selbst in Erinnerung bringen m├Âchte. Als ob die Erinnerungen ein Eigenleben h├Ątten, ein Teil von Dunwin w├Ąren der mich immer noch qu├Ąlt.

Vergiss nicht was Du bist, nichts als ein St├╝ck Dreck Dave mit dem ich und jeder andere machen kann was er will, wenn ich es erlaube. Du bist mein Eigentum. Nur Du selbst, Du hast keine Kontrolle ├╝ber Dich. Du hast kein Anrecht ├╝ber Dich zu entscheiden...┬┤, knurrte Dave mental w├╝tend.

Dave verharrte einen Moment, strich sich ├╝ber die Stirn und schnalzte mit der Zunge. Einige Minuten schwieg er v├Âllig bewegungslos, w├Ąhrend Urako besorgt abwartete.

"Verbal... Wie dem auch sei, ich schlich mich aus dem Haus und ging auf Erkundungstour und zwar ohne Ansgar. Nichts was ich sp├Ąter mehr bereuen sollte Puschel. Du kannst Dir nicht vorstellen, was dort passierte...

Wei├čt Du, manchmal glaube ich, dass Dunwins Folter irgendwas ausl├Âste.
Etwas dass anderen Schweinen zeigte, Davard ist etwas dass man "Fressen" kann.

Es gibt viele, denen so etwas wie auf die Stirn geschrieben steht.
Warum?
Ich verstehe das nicht.

Ich habe Leute gesehen, wo ich dachte, was haben die Personen verbrochen um derma├čen bestraft zu sein?

Manche habe ich mental abgetastet um der Frage auf den Grund zu gehen. Aber ich habe nicht mal dieser M├Âglichkeit eine Antwort gefunden. Es ist doch nichts Schlimmes, Falsches oder Andersartiges an Ansgar oder mir oder?

Du wei├čt was wir vom Job sind - M├Ârder.
Aber das ist nichts im Vergleich zu Dunwin und seinen Spie├čgesellen.

In den F├Ąngen meines Vaters habe ich Grauen gesehen, dass Du Dir nicht vorstellen kannst. Und ich dankte Ainuwar auf Knien, wenn es mich nicht erwischt hatte.

Aus scheinbar normalen Menschen, kann Ungeziefer werden, dass Dir schlecht wird. Sobald keine Kontrolle vorhanden ist, keine Macht der sie sich irgendwie beugen m├╝ssen oder die sie respektieren m├╝ssen, wird ein Gro├čteil zu Monstern. Schlimmer noch wird dieser menschliche Abfall, wenn genau jener der sie kontrolliert, selbst ein Monstrum ist.

Schau Dir doch die ganzen Menschen mit zu viel Macht an.
Jemals einen entdeckt, der sie f├╝r zu viel Gutes missbraucht?
Nie w├Ąre gelogen, es gibt sie.
Aber sie sind selten.

Eine Person wie Dunwin, sollte ├╝ber niemanden bestimmen d├╝rfen. Er wie jeder in seinem Dunstkreis nahm sich was und wen er wollte.

Wenn es Ainuwar gibt, warum l├Ąsst er das zu? Was haben Melisande, Ansgar oder ich Ainuwar getan? Was?", fragte Dave Urako.

"Die Frage ist berechtigt Dave. Ob es die G├Âtter wirklich gibt, wei├č ich nicht. Vielleicht interessieren wir sie einfach einen Schei├čdreck. Aber jetzt zur├╝ck zum roten Faden Davy.

Dein Vater hat Dich geschlagen und gefoltert. Du wolltest Dir Drogen in Obenza kaufen um das alles zu vergessen. Was ist in Obenza an diesem Tag geschehen? Was geschah?", forderte der Tiefling Dave auf weiter zu erz├Ąhlen.

"Es w├Ąre fast wieder passiert, dass eine Gruppe mich "gefressen" h├Ątte. Wie gesagt, ich war dumm und hab mich in einer Gegend rumgetrieben wo ich niemals alleine h├Ątte hingehen d├╝rfen. Die Erinnerung daran, als sie versucht haben mich zu...

Die Erinnerung ist verschwommen und ungenau.

Klar wird die Erinnerung erst, als Ansgar ├╝ber mir stand und auf mich herab starrte.
Im Gegenlicht sah ich nur seine Silhouette. Er hatte mein Leben gerettet. Ansgar hatte mir im wahrsten Sinne des Wortes den Arsch gerettet aber ich f├╝hlte nichts.

Gar nichts.
Nicht mal mehr meinen K├Ârper.
Ich f├╝hlte mich tot.
Ich war es aber nicht.
Ansgar hockte sich ├╝ber mich und hielt mir die Hand hin.

`Komm Dave┬┤, ├╝bermittelte er und wollte mich hochheben.
`T├Âte mich┬┤, bat ich ihn mental und er erstarrte.
`Du musst es jetzt tun, bevor ich mich bewegen kann. Dann triffst Du genau. Es ist so vorgesehen, erledige es jetzt. Sonst versuche ich es zu verhindern und Du verkr├╝ppelst mich nur┬┤, bat ich ihn.

Ansgar sch├╝ttelte nur den Kopf, sagte aber keinen Ton.

`Doch. Du musst es tun. Es gibt Dinge, ├╝ber die man sich keine Gedanken mehr machen muss, wenn man tot ist. Man kann nie mehr verletzt oder verst├╝mmelt werden. Ich bin einverstanden, tu es┬┤, erkl├Ąrte ich ihm meine verdrehte Logik.

F├╝r Sekunden dachte ich es h├Ątte angefangen zu regnen und ich h├Ątte einen Tropfen abbekommen. Ich begriff zuerst gar nicht, was ich f├╝hlte - was mich ber├╝hrte. Aber dann wusste ich schlagartig, dass Ansgar weinte obwohl ich sein Gesicht nicht erkennen konnte.

Ich hatte vorher noch niemals jemanden aus unserer Familie weinen sehen.

Er zog seinen Mantel aus, h├╝llte mich darin ein und trug mich wortlos zu unserem Haus. Du kannst Dir nicht vorstellen wie er sich gef├╝hlt hat. Wie konnte ich ihn darum bitten? Er h├Ątte alles getan um mich zu besch├╝tzen.

Das tat er immer, das tut er heute noch.
Und ich... ich kann ihm trotzdem nicht vertrauen.
Trotz allem erwarte ich von ihm Verrat... warum?", fragte Dave Urako.

"H├Ątte er Deiner Bitte entsprochen, h├Ątte er Dich get├Âtet. So etwas verlangt ein Kind niemals grundlos Dave", sagte Urako sanft und streichelte ihm ├╝ber die Wange.

Dave schaute Urako mit nicht zu deutendem Blick an, ehe er die Augen schloss und die Streicheleinheiten seines zweiten Mannes genoss.

ÔÇ×Wei├čt Du, was mich davor bewahrt hat ihn erneut zu bitten oder es selbst zu tun?", fragte Dave.

Einen Moment lang dachte Urako, Dave w├╝rde Varmikan sagen, aber Dave sprach aus seiner Vergangenheit. Damals hatte er den Frostalben noch gar nicht gekannt. Varmikan war zu diesem Zeitpunkt nicht einmal geboren.

Urako sch├╝ttelte sanft den Kopf.

ÔÇ×Nein das wei├č ich nicht. Allerdings bin ich sehr froh, dass es schon damals etwas gab, dass Dich von diesem Schritt abgehalten hat, auch wenn ich Dich zuerst f├╝r einen arroganten Schn├Âsel hieltÔÇť, sagte Puschel innig mit einem Zwinkern.

ÔÇ×Danke, das bedeutet mir was Urako. Abgehalten hat mich nicht Zuneigung, sondern Feigheit - Angst. Jeder Magier kennt den Nexus. Wir WISSEN dass es nach dem Ableben nicht endet. Wir sehen die zweite Sph├Ąre, betreten sie, ziehen unsere Macht aus ihr, sp├╝ren sie wenn einer von uns gehtÔÇŽ

Der Nexus ist auch nicht das Problem, sondern die Erinnerungen. Dar├╝ber habe ich oft nachgedacht. Und wenn ich so tief ├╝ber das Thema nachdachte, dann hatte ich immer ein gr├Ąssliches Bild vor Augen und zwar von mir selbst.

Ich ÔÇô ein Wesen im Zentrum des Universums. Ein einsames Wesen, dass dazu verurteilt ist, auf ewig f├╝r sich allein zu existieren und sich an die k├Ârperliche Existenz und die damit verbundene Folter zu erinnern.

An all das zu erinnern was Dunwin mir allein oder mit seinen "Freunden" angetan hat. Und dass f├╝r immerÔÇŽ

F├╝r den Rest der Ewigkeit Dunwins lachende Fratze vor meinen Augen zu sehen, w├Ąhrend andere mich auf die eine oder andere Art vor seinen Augen fertig machen...ÔÇť, versuchte Dave zu erkl├Ąren und zuckte dann mit den Schultern.

Urako ging auf Dave zu und wollte ihn in den Arm nehmen, aber Dave hielt ihn davon ab.

"Nicht... lass mich einen Moment", bat er kaum h├Ârbar.
ÔÇ×So geht das nicht Dave, komm her. Gro├čer, es gibt kein Entkommen vor der eigenen Erinnerung. Und Du hast bef├╝rchtet, es gibt nicht mal ein Entkommen im Nexus. Sag mir was Du Dir wirklich gew├╝nscht hast, als Du Ansgar um das Unvorstellbare gebeten hast. Du wolltest doch gar nicht umziehen, Du wolltest nur wieder weglaufen Du Sturkopf. Ich kenne Dich gut genug. Also, was wolltest Du Davy?ÔÇť, bat Urako fl├╝sternd, schnappte sich Dave und hielt ihn einfach fest.

Dave starrte Urako an ohne zu blinzeln und sagte kein Wort. Urako erwiderte seinen Blick, geduldig, liebevoll im Grunde wie ein Vater der auf die Antwort seines Kindes wartet.

ÔÇ×Das wei├čt Du dochÔÇť, fl├╝sterte Dave, befreite sich und tigerte im Zimmer herum.

Urako wartete einfach ab. Er vermutete dass Dave unschl├╝ssig war ob er gehen oder bleiben sollte. Normalerweise h├Ątte der Magier bereits l├Ąngst die Flucht ergriffen. Aber da Dave abgeschlossen und Urako den Schl├╝ssel ├╝berreicht hatte, war eine Flucht nicht m├Âglich.

Nat├╝rlich konnte Urako Dave nicht gegen seinen Willen zwingen zu bleiben. Dave musste aus freien St├╝cken bleiben und reden wollen. Der Tiefling setzte sich demonstrativ hin und klopfte einladend neben sich.

Dave sch├╝ttelte nur leicht den Kopf auf die nicht gestellte Frage, hockte sich neben Puschel auf den Boden und nahm seine Hand. Urako verschr├Ąnkte seine langen Fingern mit Daves und dr├╝ckte seinen Hand.

ÔÇ×Ich m├Âchte keine Angst mehr habenÔÇť, antwortete er fl├╝sternd.

Der Tiefling packte Dave im Nacken und dr├╝ckte seinen Kopf auf seinen Schoss, so dass er ihm den Sch├Ądel kraulen konnte. Dave lie├č Urako einfach gew├Ąhren und dr├╝ckte sich schutzsuchend an ihn.

"H├Âr mir genau zu Dave. Du wei├čt was Schmerz hei├čt, Du wei├čt es nur zu gut.
Du bist auch ein Kaputter wie... ich.
Die Folter hat Dich vor langer Zeit so zerbrochen, wie mich... mein Vater.
Manche V├Ąter sind das Letzte!

Deine Foltermeister starben durch die Hand Deines Bruders und Deiner eigenen.
Du kannst nicht ewig mit Hass im Herzen leben Dave. So wirst Du die Angst nicht los. Hass frisst Dich auf.

Entweder ben├Âtigt man seine Rache, oder man muss vergeben. Hass richtet sich immer gegen einen selbst, vom ersten Moment an, fra├č er uns innerlich auf.

Deine Rache hast Du erhalten.
Jetzt musst Du vergeben.

Du tust dass f├╝r Dich, Varmikan, mich, Deine Familie und f├╝r jeden den Du liebst. Allerdings in aller erster Linie f├╝r DichÔÇť, fl├╝stere Urako f├╝rsorglich.
"Ich werde denen das nie vergeben! Niemals!", zischte Dave.

Urako packte Dave fest unter dem Kinn und zwang ihn ihm in die Augen zu schauen.
"Nicht denen Dave - DIR!", antwortete Urako leidenschaftlich.

Dave starrte Urako einen Moment wie vom Donner ger├╝hrt an, ehe er erst langsam, dann vehement nickte. Er grabschte Urako und umarmte ihn, zeitgleich umschlang er dessen Seele mit seinen Seelenf├Ąden. Urako dr├╝ckte ihn an sich und hielt ihn einfach liebevoll fest.

"Du Dummkopf musst Dir vergeben, dass Du Dich nicht wehren konntest", fl├╝sterte ihm Urako ins Ohr.

`Die Vorgeschichte. Ich war krank. Schmerz, ein Sturz in die Tiefe. Manchmal Dunkelheit und Tr├Ąume, immer der fensterlose Raum. Manchmal stand ein Tablett mit Essen vor mir, manchmal Tabletten in einem winzigen Becher.

Und manchmal kam mich mein Vater besuchen, verdrehte mir den Arm und riss mich aus dem Bett. Ich schlug auf dem Boden auf und er schlug auf mich ein. Ich hoffte immer, dass mich die Dunkelheit schnell wieder verschluckt.

Es kam eine Zeit, in der Dunwin seine beiden besten Kumpels mitbrachte. Einer davon hatte eine lange Narbe im Gesicht. Seine Freunde wechselten sich ab mir weh zu tun, sie taten es auch zu zweit und sie waren sehr kreativ darin mich leiden zu lassen.

Und Dunwin?
Das Schwein stand nur da und lachte oder gab ihnen gute Tipps...

Eines Tages kamen sie mich allein besuchen. Ich war von den Arzneimitteln zugedr├Âhnt. Nach der Behandlung der zwei Bastarde, war ich immer gel├Ąhmt vor Schmerz. Ich hatte mehr Angst als je zuvor in meinem Leben.

In dem Moment kam Ansgar rein. Er br├╝llte die beiden wie von Sinnen an und zerrte mich hinter sich. Danach bekamen sie von ihm mit der groben Kelle von ihrer eigenen Medizin.

Danach schliff mich Ansgar in sein Quartier. Dort blieb ich eine Weile. Er hatte mir geholfenÔÇŽ, er hatte mir nichts angetan, er hatte mir tats├Ąchlich geholfen.

Irgendwann, es muss Jahre sp├Ąter gewesen sein, schneite Ansgar eines Morgens unerwartet bei mir mit blendender Laune herein.
ÔÇ×Komm schnellÔÇť, sagte Ansgar, grabschte mich und zerrte mich Richtung K├╝che hinter sich her.

ÔÇ×Sag nicht Du hast mir was gekochtÔÇť, lachte ich.
ÔÇ×Nee, daf├╝r hab ich Dich zu gerneÔÇť, prustete Ansgar.
ÔÇ×Gut ehrlich bist DuÔÇť, schmunzelte ich.

Vor dem Eisschrank blieben wir stehen und Ansgar machte mit diabolischem Grinsen eine einladende Geste. Ein Eisschrank ist ein verkleideter Holzschrank in dem man Eisbl├Âcke schiebt um Fleisch frisch zu halten.

ÔÇ×Da drin?ÔÇť, fragte ich unn├Âtigerweise.
ÔÇ×Ja, mach aufÔÇť, sagte er freundlich.
Ich ├Âffnete langsam den Schrank und schaute direkt in zwei mir sehr bekannte Gesichter. "Papas beste Freunde" waren zu Besuch im Eisschrank...

Narbenfresse und sein Gehilfe, schaute mich aus toten Augen an.
Ihre abgeschlagenen K├Âpfe lagen in unserem Eisschrank und man konnte immer noch in ihren Gesichtern das Grauen erkennen, welches sie zum Todeszeitpunkt empfunden hatten.

Ich hatte nie etwas Sch├Âneres und Erhabeneres als diese Todesfratzen gesehen. Ich dr├╝ckte meine Hand auf ihre kalten Fratzen und las sie aus. Las voller Genuss das Echo ihres Todeskampfes. Keine Ahnung wie oft ich sie ausgelesen habe, aber irgendwann zog mich Ansgar von ihnen weg und ich umarmte ihn so fest ich konnte.

ÔÇ×Was m├Âchtest Du mit Deinem Geschenk machen?ÔÇť, fragte er mich gut gelaunt.
ÔÇ×Verbrennen, ich will sie brennen sehen... ich will sehen wie ihre Haut Blasen schl├Ągt, ehe sie wie Wachs von ihren Knochen flie├čtÔÇť, grinste ich meinen Bruder an und er antwortete mit einem extrem diabolischen Grinsen.

ÔÇ×Klingt gutÔÇť, stimmte er mir zu.
"Dann los", forderte ich ihn auf.

ÔÇ×Wir ├╝bergeben sie dem Feuer, wie irgendwann den Rest der ganzen Bastarde einschlie├člich IHMÔÇť, sagte Ansgar gut gelaunt und knuffte mich.
ÔÇ×Ich wei├č nicht was ich sagen sollÔÇŽÔÇť, warf ich ger├╝hrt ein.

"Ach was, geschenkt. Fackeln wir nicht lange und fackeln sie ab, los jetzt", freute sich Ansgar.

"Saubere Schnitte", bemerkte ich, als ich einen Kopf an den Haaren hochhob.
"Die Troph├Ąen hab ich extra sorgf├Ąltig f├╝r Dich abgeschnitten und mitgebracht. Ich habe Dir aber noch etwas anderes von ihnen mitgebracht Dave", grinste Ansgar.

"Was?", fragte ich ihn neugierig.
"Ihre Erinnerungen, w├Ąhrend sie verreckten. M├Âchtest Du die Erinnerungen haben?", fragte Ansgar r├╝ckversichernd und ich nickte stumm.

"Von mir f├╝r Dich", sagte er leise und starrte mir in die Augen und in dem Moment blickte ich in schwarze Augen. Zeitgleich verband er sein Bewusstsein mit meinem.

Ich sah nicht seine Erinnerungen, sondern ich sp├╝rte was die beiden Bestien gesp├╝rt hatten, als sie gestellt wurden. Zuerst Schmerz der sich langsam in einem Ma├če steigerte, dass ein Mensch davon wahnsinnig werden m├╝sste.

Aber genau dort brach der Schmerz ab. Verhallte wie eine ferne Erinnerung. Nur um dann zur├╝ckzukehren, als sie sich bereits vor ihm sicher w├Ąhnten. Es gab kein Entkommen, keine Flucht in die Ohnmacht.

Selbst aus dem Zustand wurden sie zur├╝ck ins Bewusstsein gerissen. Nur bei Bewusstsein versp├╝rt man Schmerz. Und Angst. Und sie hatten Angst, Todesangst, niemals zuvor hatten sie solche Angst gehabt.

Dann begann der Schmerz erneut, so als h├Ątte man ihnen fl├╝ssiges Metall in die Sch├Ądel gegossen. Sie schrien lautlos, denn ihre K├Ârper gehorchten ihnen schon lange nicht mehr.

Es folgte die Schw├Ąrze.

Ein Funke, eine andere Perspektive der Wahrnehmung - die Sicht ihres H├Ąschers. Ich sah und sp├╝rte die Farben der Monster. Irritiert, hilflos, blass und so j├Ąmmerlich klein.

Schwarze F├Ąden durchzogen auf einmal diese Farben. Wickelten sich darum, drangen wie Spie├če in sie ein. Die F├Ąden verdichteten sich, durchstie├čen die Farben und quollen aus ihnen hervor. Eine t├Âdliche Umarmung...

Synchron wickelten sich glei├čend helle F├Ąden um die Farben. So als w├╝rden die Sonne und die Nacht darum wetteifern sie zuerst zu zerst├Âren. Und dann, wie aus einer Explosion heraus, wurden die Farben von innen heraus zerfetzt, so dass sie in tausende Teile zerbarsten.

Ansgar hatte sie get├Âtet, damit ich in Frieden leben konnte.
Das war sein Geschenk an mich.

Varmikans und Deins war Liebe. Danke daf├╝r und f├╝rs Zuh├Âren┬┤, erkl├Ąrte Dave mental.
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Re: Dunkelheit -- Dave - Urako 202 n.d.A.

#2

Beitragvon Urako » Di 15. Aug 2017, 18:59

"Bittesehr", gab Urako die wohl d├Ąmlichste, trockenste und unpassende aller m├Âglichen Antworten von sich, die er auf Daves pers├Ânliche Offenbarung h├Ątte erwidern k├Ânnen. Er f├╝hlte sich geehrt, dass Dave ihm so viel vertraute. Er w├╝rde dieses Vertrauen nicht entt├Ąuschen. Nie. Nicht bei Dave. Dass der Naridier noch lebte und so gut den Alltag bew├Ąltigte, war nicht selbstverst├Ąndlich.

"Du bist stark, Dave. St├Ąrker, als Dunwin dir hatte weismachen wollen. Und st├Ąrker, als du selbst glaubst. So etwas ├╝bersteht man nicht einfach spurlos. Aber du hast es ├╝berstanden. Und bist nicht daran zerbrochen. Dunwins Macht wird noch weniger werden im Laufe der Jahre. Er ist noch da in deinem Kopf, aber er hat keine Kontrolle mehr ├╝ber dich. W├╝rde er sehen, wie gl├╝cklich du heute bist, w├╝rde er Gift und Galle speien. Ich werde bei unserer Hochzeit auf ihn ansto├čen, damit sein Geist uns zusieht und sich in Hass und Abscheu windet!"

Der Fu├čboden, auf dem sie beide sa├čen, war hart, kalt und unbequem wie die Wahrheit, die Dave erz├Ąhlt hatte. Wenn noch ein paar rostige N├Ągel aus den Dielen nach oben spie├čen w├╝rden, w├Ąre die Allegorie perfekt.

... Allegorie.

Das Wort glich einem Feuerscheit, den seine eigenen Gedanken in die neu erwachende Asche warfen, die Daves Geschichte entz├╝ndet hatte. Erinnerungen erwachten zu neuem Leben. Urako stand auf und trat vor den noch kalten Kamin, stand da mit hinter dem R├╝cken verschr├Ąnkten H├Ąnden und starrte in die schwarzen Reste, die ihnen die Vorbesitzer hinterlassen hatten. Ja, einst hatte Urako in den fragw├╝rdigen Genuss von guter Bildung kommen d├╝rfen. Ja, auch literarische Stilfiguren waren Bestandteil gewesen.

"Davy." Er sprach den Kosenamen und dann machte er eine viel zu lange Pause, die dazu f├╝hrte, dass der Name in seinem Kopf wiederhallte zusammen mit den Bildern, die Daves Geschichte heraufbeschworen hatten. Dave f├╝hlte sich inzwischen wahrscheinlich ver├Ąppelt.

Ver├Ąppelt. Falsches Wort. So darf er nicht sprechen, es entspricht nicht seinem Stand. Er soll die Zunge auf die Tischkante legen. Urako kniff f├╝r einen Moment die Augen zusammen, ein kurzer Blitz erschien in seinem Kopf.

"Davy", startete er einen neuen Versuch und fand es pl├Âtzlich unpassend, vor dem Kamin zu stehen, Dave den R├╝cken zugewandt, w├Ąhrend der noch immer auf dem Boden sa├č. Aus Trotz dieser Gef├╝hlsregung gegen├╝ber blieb er stehen. "Ich m├Âchte dir etwas mitteilen." Mitteilen. Nicht sagen. Er sp├╝rte f├Ârmlich die kalte Harte Hand seines Vaters im Genick und wie sich automatisiert seine Sprechweise ver├Ąnderte. So als ob dessen Geist ihm hierher gefolgt war, um ihn noch immer zu kontrollieren und zu qu├Ąlen. Scheu blickte Urako sich um.

"Bitte ├╝berpr├╝fe den Nexus. Ich glaub, hier ist jemand."
Doch da war niemand. Sie waren zu zweit. Urakos Haaransatz war feucht geworden. Er fl├╝chtete zur├╝ck auf den Fu├čboden, an die Seite von Dave, die Arme um die Beine geschlungen und Das Gesicht auf die Knie gepresst. Ein Arm legte sich um ihn und Dave zog ihn an sich.

"Deinem Vater geh├Âren die Eingeweide zum Arschloch rausgezogen", sagte Urako mit erstickter Stimme. "Dein Bruder war zu gn├Ądig mit diesen zwei Schweinen, die sich an wehrlosen Kindern vergriffen haben. Er hat es zu schnell erledigt. Tage und Wochen, Monate h├Ątte man das in die L├Ąnge ziehen k├Ânnen. Ein Anf├Ąngerfehler. Aber er ist ja auch Laie. Trotzdem. Ansgar hat es gut gemeint. Ihm geb├╝hrt Respekt." Urako schob Daves Arm von sich runter, nur, um ihn nun seinerseits umarmen zu k├Ânnen, so als ob das irgendetwas von dem, was alles geschehen war, wieder h├Ątte gutmachen k├Ânnen. Als ob er Dave vor seiner Vergangenheit h├Ątte sch├╝tzen k├Ânnen. "Ihr h├Ąttet sie aufheben sollen f├╝r mich. Ich h├Ątte sie gelehrt, dem├╝tigst darum zu bitten, ihre eigene Schei├če fressen zu d├╝rfen. Sie gelehrt, um ihren Tod zu betteln. Und ich h├Ątte Nein gesagt. Weil sie noch nicht genug Bu├če getan haben. Es reicht nicht, was dein Bruder ihnen angetan hat. Es ist nicht genug, sie einfach zu beseitigen. Nein, ich glaube nicht, dass Vergebung der Schl├╝ssel ist. Rache ist es. Rache bringt Genugtuung und der Sieg ├╝ber diese Dreckskerle bringt Frieden. Nichts sonst."

Urako dr├╝ckte Dave so fest an sich, dass es diesem wahrscheinlich schon unangenehm war und krallte sich an seiner Robe fest.

"Diesen Schweinen macht es Spa├č uns so zu sehen. Ich frage mich, was sie sagen, wenn sie sehen, dass sie es nicht geschafft haben, uns kaputtzumachen. Dass wir noch immer hier sind. F├╝hlen sie sich dann schlecht? F├╝hlen sie ├╝berhaupt was?"

Er lockerte seinen Griff etwas, lie├č seinen Arm an Daves Seite herunterrutschen und lehnte seinen Kopf an ihn. Eine Weile schwiegen sie und starrten in den leeren, dunklen Raum. Bald w├╝rde er nicht mehr so trist und finster aussehen. Sie w├╝rden ihn in einen Ort der Gem├╝tlichkeit verwandeln. So wie ihre versteinerten Seelen. Sie w├╝rden gemeinsam hier heilen.

"Ich m├Âchte dir auch was erz├Ąhlen", sagte Urako schlie├člich. "Das hei├čt, wenn du es ├╝berhaupt h├Âren willst." Vielleicht w├╝rde Dave dann verstehen, dass Urako tats├Ąchlich genau wusste, wie er sich damals gef├╝hlt hatte. Das Urako diese Erinnerungsblitze kannte. Dave hatte sie mit Drogen bet├Ąuben wollen und auch Urako hatte dies mit allem m├Âglichen versucht. Das Einzige, was bei ihm half, war, sich selbst zu verletzen oder sich das Hirn rauszuficken oder beides in Kombination.

"Also. Wehe du lachst mich aus. Ich erz├Ąhle dir jetzt keinen Schei├č." Es gelang ihm endlich, wieder so plump zu reden, wie er es sich absichtlich angew├Âhnt hatte. "Mein vollst├Ąndiger Name lautet Prinz Urako von Lyridime zu Phintias. Und das ist keiner meiner schlechten Scherze. Mein Vater war der F├╝rst von diesem Drecksloch da. Unser F├╝rstentum war ein Sumpfgebiet und v├Âllig verarmt. Woher sollte irgendwelcher Wohlstand auch kommen? Es gab keine Rohstoffe, man konnte nichts anbauen, die meisten Bewohner waren Selbstversorger. Der Handel war nicht der Rede wert, ein paar alchimistische Zutaten oder exotische Lebensmittel, sonst nichts. Mein Vater hat es nicht gebacken gekriegt, daran irgendwas zu ├Ąndern, obwohl er es ernsthaft gewollt hat. Die wenigen Leute, die was konnten, sind abgewandert. ├ťbrig blieb der Bodensatz und das hat es auch nicht besser gemacht. Mein Vater hatte viele Leute um sich herum, die ihm auch nicht helfen konnten. Und er hatte mich - das Ventil seines Zorns. Seinen Blitzableiter. Den S├╝ndenbock. Denjenigen, der Schuld daran war, dass sich in Zukunft auch nichts ├Ąndern w├╝rde. Den Spiegel seines eigenen Versagens. Dass ich ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ├Ąhnlich sehe und die gleichen Schw├Ąchen habe, hat es sicher auch nicht besser gemacht."

Urako betrachtete seine Fu├čn├Ągel. "Hab dich lieb, Davy", sagte er pl├Âtzlich zusammenhangslos. Er sagte es, damit Dave erwiderte, dass er ihn auch mochte. Urako rieb seinen Kopf z├Ąrtlich an Daves Schulter, aber vermied es, ihm ins Gesicht zu schauen, denn in diesem Moment h├Ątte Urako einen f├╝rchterlich j├Ąmmerlichen Anblick abgegeben, der sagte: Bitte liebe mich! In diesem Moment h├Ątte Urako ihm das Gesicht pr├Ąsentiert, dass er als Junge so oft getragen hatte und das ihm letztendlich nichts gen├╝tzt hatte. Je mehr er um Liebe und Anerkennung gebettelt hatte, um so mehr war ihm genau das verwehrt worden. Nein, Liebe bekam man nicht, wenn man darum flehte. Man bekam sie, wenn man sie sich nahm und jene, die man wollte, mit allen Mitteln bei sich festnagelte. Mit Z├Ąrtlichkeit. Mit honigs├╝├čen Liebkosungen im ├ťberma├č. Mit Schl├Ągen. Mit Drohungen. Mit Ketten. Mit Angst. Und so verzichtete Urako darauf, ihm sein bittendes, um Zuneigung flehendes Gesicht zu zeigen, das Gesicht des Jungen, der er einst gewesen war. Er sprach sachlich weiter, als w├╝rde er gerade ein Kochrezept erkl├Ąren.

"Ich habe wahrscheinlich den selben Schei├č lernen m├╝ssen wie du. Vielleicht ein wenig anders, weil wir unterschiedlich wo herkommen ... eh ..." Der Satz war v├Âllig daneben. Egal. Sollte sich doch irgendwer beschweren. Oder ihm heute noch mit dem Rohrstock auf die Zunge zu hauen versuchen. "Arithmetik. Astronomie. Alchemie. Arithmetik war das Schlimmste, ich kann es einfach nicht, es geht nicht in meinen Kopf rein, wenn ich nur an Zahlen denke, bekomme ich Kopfschmerzen! Und dann ging`s ja weiter mit Trigonometrie, linearer Algebra, analytischer Geometrie! Bin ich als F├╝rst Ingenieur?! Sie haben mich geschlagen. Er hat befohlen, mich zu schlagen, weil er behauptet hat, dass ich es dann besser verinnerliche. Stell dir jetzt folgendes vor: Ein junger Tiefling, der es wieder mal nicht richtig gemacht hat, der nun mit nacktem Arsch vorn├╝bergebeugt auf der Bank das ganze Lehrbuch vorliest und dabei gleichm├Ą├čig vom Lehrer geschlagen wird. Wenn ich mich verhaspelt habe, dann fester. Ich konnte hinterher kaum sitzen. Und wie unsagbar dem├╝tigend so was ist, wei├čt du ja selber. Dann sp├Ąter sollte ich den Formelkram auswendig rezitieren. Mein Vater sah zu. Der Lehrer hat mich wieder nackt gemacht und geschlagen, damit ich im Kopf die Verkn├╝pfung aktiviere. Ich hatte solchen Schiss, dass sich es nat├╝rlich trotzdem verhauen habe. Der Lehrer wurde geh├Ąngt, ich von meinem Vater mit dem Kopf auf das auf dem Tisch liegende Lehrbuch geschlagen, bis ich bewusstlos war."

Urako betrachtete fast schon gelangweilt seine vernarbten Arme.

"Ich konnte es nur falsch machen. Wenn ich doch mal was richtig gemacht habe, fand er trotzdem ein Haar in der Suppe. Als ich ├Ąlter wurde, habe ich begonnen, absichtlich alles falsch zu machen. Bestraft wurde ich ja sowieso. Ich hab geredet wie ein B├╝rgerlicher. Ich habe mich auch so angezogen und mich mit ihnen abgegeben. Bei einigen von denen hat es mich sogar eine zeitlang sehr beliebt gemacht, was meinen Vater fast zur Wei├čglut trieb. Ach, was sage ich fast, es hat ihn zur Wei├čglut getrieben." Urako grinste sch├Ąbig. "Seine Rache war, mich beim Niedersten der Niederen in die Lehre zu geben, dem Scharfrichter zu Phintias. Und so wurde ich Henker und blieb es, bis man mich wegen einer verpatzten Hinrichtung davonjagte. Ich hoffe, dass Phintias und mein Vater und der ganze Dreck da zusammen mit Caltharnae im Duhnik versunken ist!"

Sein Grinsen wurde breiter.

"Jetzt lass uns ficken." Einen Moment genoss er Daves entgeisterten Gesichtsausdruck. "Nur Spa├č." Irgendeinen Spruch hatte er gebraucht, um die Ernsthaftigkeit aus der Situation zu nehmen. Um sein eigenes Leid l├Ącherlich zu machen und ihm die Erhabenheit zu nehmen. Es zu degradieren zu einem Witz, ├╝ber den man lachen konnte, damit es ihm selbst nicht mehr f├╝rchterlich erschien und Dave nicht in die Zwangslage geriet, irgendwas Mitf├╝hlendes ├Ąu├čern zu m├╝ssen.

"So, das war meine Biografie in Kurzform. Wird sich nicht gut machen in der Ahnentafel. Gar nicht gut. Und das ist gut so."
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Re: Dunkelheit -- Dave - Urako 202 n.d.A.

#3

Beitragvon Davard von Hohenfelde » Mi 16. Aug 2017, 10:00

Bittsehr war die Antwort von Urako, nach Daves Gest├Ąndnis. Der Magier musterte den Tiefling verstehend, er war ihm in keiner Weise b├Âse. Sie glichen sich scheinbar noch wesentlich mehr, als Dave je vermutet h├Ątte.

Urako fand in so einem Moment auch keine passenden Worte, genau wie er selbst. Was sollte man auch nach so einer Offenbarung ├Ąu├čern? Urako musste nichts sagen, er war f├╝r ihn da und das bedeutete Dave unendlich viel.

Puschel hatte ihm zugeh├Ârt, ohne jede Verachtung, ohne jeden Hohn. Dave hatte sich diese Reaktion stillschweigend von Puschel gew├╝nscht, wie erhofft. Tats├Ąchlich gewusst hatte er es nicht.

Urako erl├Ąuterte ihm, dass er stark sei, da er Dunwins Tortur ├╝berlebt hatte. St├Ąrker als Dunwins L├╝gen und er erkl├Ąrte ihm auch weshalb. Dave wollte Urako glauben, aber er konnte es nicht glauben.

Der Magier wusste, dass Urako ihn nicht belog.
Es war seine Sicht auf die Dinge.

Seine eigene Weltsicht zeigte ihm ein ganz anderes Bild von sich, als dass was Urako sah. Er hatte ├╝berlebt, ja das hatte er. Aber er hatte nichts daf├╝r getan, au├čer das Grauen erduldet.

Dagegen angek├Ąmpft hatte er nicht. Er hatte stummen Widerstand geleistet, falls man Schweigen ├╝berhaupt als Widerstand werten konnte. Er hatte gelernt selbst dann noch zu schweigen, wo andere vor Schmerzen gebr├╝llt oder gefehlt h├Ątten. Aber irgendwann auch er gefleht.

├ähnlich wie in der Medizin, war es die Regel von Ursache und Wirkung. Solange er nicht so reagierte wie es sich Dunwin erhoffte, erh├Âhte dieser einfach die ÔÇ×DosisÔÇť seiner Folter.

Und irgendwann brach jeder ein. Gleichg├╝ltig was man sich selbst oder anderen geschworen hatte. Irgendwann wollte man einfach keine Schmerzen mehr erdulden und beugte sich vor seinem Peiniger, ging auf die Knie und flehte ihn um Gnade an.

Dave sah darin keinen einzigen Funken St├Ąrke. Es war eine Flucht, nur lief er dabei keinen einzigen Schritt. Er hatte geschwiegen und gewartet. Nun vielleicht lag auch ein kleines bisschen Trotz in der Reaktion.

Alles was Dunwin anstrebte, war Macht ├╝ber andere und die genoss er indem er sie zum Schreien und Winseln brachte. Den Spa├č an der Folter konnte Dave Dunwin nicht nehmen, verhindern konnte er sie ebenso wenig.

Aber die Genugtuung die konnte er Dunwin wenigstens eine Zeit lang vorenthalten. Und sollte es nur eine Minute sein, die dieser Bastard auf seine Befriedigung wartete. Diese eine einzige Minute war ein minimaler Sieg.

F├╝r die gesamte Schlacht aber v├Âllig unbedeutend.
Puschel hielt Dave f├╝r st├Ąrker als er sich selbst.

Das freute Dave zwar, aber St├Ąrke strebte der Magier nicht in Urakos Gegenwart an. Vor Urako konnte er ohne Scham als die Person stehen, die er wirklich war - ein sich duckender und schweigender Feigling.

Einer der nie einfach mal seinen Mut zusammengenommen hatte, aufgestanden war und zur├╝ckgeschlagen hatte. Er war nicht Ansgar, er hatte seinen Vater nie seinen Hass ins Gesicht gebr├╝llt.

Nein Dave erwartete nicht, dass Puschel ihn f├╝r stark hielt. Urako durfte die unmaskierte Wahrheit sehen.

Er hatte sich seinem Zweitmann offenbart, da er wusste dass Urako ihn f├╝r seine Schw├Ąche nicht verachten w├╝rde. Dass er ihn verstehen w├╝rde, zumindest teilweise.

Nat├╝rlich hatte er Recht, wer so etwas einem Kind antat, war ein Monster. Aber Aino war ebenso ein Kind gewesen, als sie gegen ihren Vater aufstand und das Schwein auf eine Weise b├╝├čen lie├č, dass er mehr Tode starb als seinen eigenen.

Und was hatte er getan?
Nichts.

Er suchte in Urakos N├Ąhe keine Entschuldigung f├╝r sein Versagen, auch wenn ihn das Kompliment erfreute.

Nein Dave suchte keine Erkl├Ąrung f├╝r vermeintliche St├Ąrke die ihm dennoch fehlte, er suchte Erl├Âsung, Geborgenheit, Sicherheit ÔÇô er suchte Nestw├Ąrme bei Urako.

Wie Varmikan bei so einem Gest├Ąndnis reagieren w├╝rde, konnte Dave nicht absch├Ątzen. Er liebte den Frostalben ├╝ber alles, aber Varmikan war geradezu besessen davon, keine Schw├Ąche zu zeigen.

Was w├╝rde er also dazu sagen, wenn er erfuhr was f├╝r ein Weichei, Versager und Schlappschwanz sein Kerl ├╝ber Jahrzehnte gewesen war?

Gelacht h├Ątte Varmi vermutlich nicht, aber vielleicht h├Ątte er ihn mit Verachtung gestraft.

Dave hasste den Umstand, vor Varmikan in diesem Punkt den Schein wahren zu m├╝ssen. In fast allen anderen Bereichen war er seinem Mann gegen├╝ber offen und ehrlich.

Aber vor dieser Offenbarung f├╝rchtete er sich. Dave f├╝rchtete die Reaktion von Varmikan und auch die m├Âglichen Konsequenzen.

Die grauenvollste Konsequenz w├Ąre, dass ihn der Frostalb f├╝r sein Versagen verlie├č. Was sollte er auch mit einem Ehemann, der nicht mal in der Lage war sich selbst zu verteidigen? Weder mit Wort noch mit Gewalt?

So eine Person konnte logischerweise noch weniger andere und die eigene Familie verteidigen. Dies war die Quintessenz die Varmikan vermutlich aus dem Gest├Ąndnis ziehen w├╝rde.

Dave gestand sich stillschweigend ein, feige und egoistisch genug zu sein, Varmikan das zu verschweigen.

Bei Urako sah die Sache v├Âllig anders aus. Auch Uako versteckte seine Gef├╝hle hinter einer Maske. Die Art von Maske kannte Dave nur zu gut, sein Bruder Ansgar trug die gleiche.

Urako meinte seine wahren Gef├╝hle hinter einer Vermummung aus Raserei verbergen zu k├Ânnen, nicht bedenkend, dass Zorn ebenso ein Gef├╝hl war und er damit letztendlich doch ein Gef├╝hl preisgab.

Urako zeigte damit sogar weitaus mehr von sich, als er je bewusst beabsichtigt hatte. Und auch hier griff die Logik, wo Gef├╝hle gezeigt wurden, waren Gef├╝hle vorhanden.

Raserei, wilder Zorn und cholerische Wut zeigten nicht nur die negativen Seiten von Urako, sondern sie zeigten seine Leidenschaft die sich hinter dessen Gef├╝hlsausbruch verbarg.

Urako war somit zu weit mehr Empfindungs├Ąu├čerung f├Ąhig als er selbst.
Und genau aus jenem Grund vertraute Dave Urako.

Puschel setzte an, etwas zu erkl├Ąren und nannte Dave bei seinem Spitznamen. Der Magier schaute erwartungsvoll zu ihm auf, aber der Tiefling schwieg. Er brauche einen Moment, einen gewaltig langen Moment ehe er erneut ansetzte zu sprechen.

Dave wartete geduldig ab. Er w├╝rde so lange warten wie Urako brauchte, selbst wenn er das ganze Wochenende auf dem harten Boden sitzen sollte ÔÇô ihm war es gleich. Er w├╝rde Urako genauso zuh├Âren und beistehen, jederzeit.

Urpl├Âtzlich ver├Ąnderte sich die Wahrnehmung des Tieflings und Puschel bat ihn den Nexus zu ├╝berpr├╝fen. Er vermutete das jemand sph├Ąrisch anwesend war. Dave wusste es besser. Er sch├╝ttelte den Kopf, aber Urako konnte die Geste nicht sehen, da er ihm den R├╝cken zuwandte.

ÔÇ×Es ist niemand hier UrakoÔÇŽ nur wir mit unseren D├ĄmonenÔÇť, antwortete Dave liebevoll.

Urako gesellte sich wieder zu ihm auf den Boden. Dave umarmte Puschel und zog in an sich. Manchmal, weitab von dem Punkt wo Worte schon ihre Bedeutung verloren hatten, sagte eine Umarmung wesentlich mehr.

Ein warmer K├Ârper an dem man sein Gesicht dr├╝cken konnte, an dem man sich festhalten konnte bis man sich selbst wieder sp├╝rte.

Urako erkl├Ąrte ihm, was man mit Dunwin h├Ątte anstellen sollen und das Ansgar viel zu gn├Ądig gewesen war. Bei der bildlichen Vorstellung, Urakos Vorschl├Ąge umzusetzen, musste Dave grinsen.

Er h├Ątte Dunwin gerne in Puschels H├Ąnde gegeben und diesem v├Âllig freie Hand gelassen.

Nun Urako hatte gelernt, wie man professionell Leute folterte, Ansgar und er waren Autodidakten um nicht ihren Vater kopieren zu m├╝ssen.

VaterÔÇŽ Dunwin Vater zu nennen f├╝hlte sich wie Unrat auf der Zunge und in Gedanken an.

Meist nannten Ansgar und Dave ihn nicht mal beim Namen, so als w├╝rde man ihn damit versehentlich beschw├Âren und die ganze Arbeit dieses St├╝ck Dreck von Angesicht der Welt zu wischen, w├Ąre umsonst gewesen.

W├Ąhrend Urako erz├Ąhlte und dabei vor Daves geistigem Auge die sch├Ânsten Folterungen entstanden die man Dunwin angedeihen lassen konnte, befreite sich Puschel von ihm.

Dave wollte gerade zu einer Beschwerde ansetzen und ihn wieder in die Arme nehmen, aber Puschel wechselte nur die Position. Nun umarmte er Dave und dass so fest, dass der Magier bef├╝rchtete Puschel h├Ątte vor ihn zu zerquetschen.

Dave gab keinen Ton der Klage von sich, es war Liebe die hier schmerzte und Puschel ihm schenkte. Der Nardier lehnte sich an Urako, w├Ąhrend dieser sich in seine Robe krallte.

Auf die Frage was solche Schweinen f├╝hlen, konnte Dave antworten, er wusste es schlie├člich.

ÔÇ×Es macht ihnen Spa├č andere leiden zu sehen. Solche Personen haben Spa├č an der Zerst├Ârung, nichts anderes streben sie an. Sie wollen Dich zerst├Âren, mit allen Mitteln und ihnen sind alle Mittel daf├╝r Recht. Manche handeln so aus Hass Puschel, sie hassen und foltern. Aber wesentlich schlimmer als Hass ist Gleichg├╝ltigkeit. Liebe ist die sch├Ânste Form der Zuwendung. Hass ist Zuwendung im negativen Sinn. Aber wenn Du einer Person so gleichg├╝ltig bist, dass sie es nicht interessiert ob Du lebst oder stirbst, oder welche Schmerzen Du leidest, das ist das Schlimmste.

Ich habe ihn einmal gefragt, warum er das mit mir machtÔÇŽ warum er mich so hasst.
Wei├čt Du was er sagte?

Er antwortete:
Ich hasse Dich nicht pers├Ânlich, ich hasse das was Du bist.

Eine seltsame Aussage, denn was sollte ich anderes sein, als ich?ÔÇť,
antwortete Dave leise.

Als Urako ihm mitteilte, dass er ihm auch etwas sagen m├╝sste, h├Ârte Dave ihm aufmerksam zu. Der Magier schlang seine Seelenf├Ąden um die von Urako und hielt ihn so in einer doppelten Umarmung.

ÔÇ×Nat├╝rlich m├Âchte ich es h├Âren Puschel, was immer Du mir sagen m├Âchtest ich h├Âre Dir zu und bin f├╝r Dich da. Gleichg├╝ltig was es ist, ich lache nicht ├╝ber DichÔÇť, erkl├Ąrte Dave ernst.

Zwar war ein Kosename bei einem ernsten Thema nicht angebracht, aber bei ihnen beiden war das etwas v├Âllig anderes.

Dave bekundete damit seine Liebe und Zuneigung zu Urako, er sollte sehen, h├Âren und sp├╝ren, dass er bei ihm nicht zu bef├╝rchten hatte. Dass er f├╝r ihn da sein w├╝rde, gleichg├╝ltig dessen, was Urako ihm erz├Ąhlen w├╝rde. Dave w├╝rde ihn genauso wenig verurteilen, wie Puschel ihn.

"Eure Durchlaucht, es erfreut uns Eure Bekanntschaft zu machen...", fl├╝sterte Dave liebevoll in Urakos Ohr, strich Puschel die Haare aus dem Gesicht und lie├č sich Urako einkuscheln, ganz so wie er es sich gerade ersehnte.

"Ich lache so wenig ├╝ber Dich wie Du ├╝ber mich, ich bin f├╝r Dich da. Was denkst Du denn von mir f├╝r einen Unsinn? Mein F├╝rst...Prinz Puschel von Lyridime zu Phintias", schmunzelte Dave und k├╝sste Urako z├Ąrtlich.

Was Urako erz├Ąhlte best├╝rzte Dave nicht nur, es traf ihn mitten ins Herz. Er hatte Puschel seine Altlasten regelrecht vor die F├╝├če gekotzt ohne zu hinterfragen wie es ihm dabei ging.

Schlimmer noch, ohne nachzudenken was dies bei Puschel ausl├Âsen konnte. Nat├╝rlich war sein Erlebtes hart und er w├╝nschte es nicht einmal seinem ├Ąrgsten Feinden, aber sein Leid war Vergangenheit ÔÇô Dunwin war tot.

Der Vater von Urako lebte noch. Welches Recht hatte Dave, Urako mit seinen Problemen in den Ohren zu liegen? Seine Sache war abgeschlossen und gekl├Ąrt, sein Problem fand nur in seinem Kopf statt.

Puschels Problem hingegen atmete, lebte, liebte, lachte und w├╝tete weiter unter den Lebenden.

Wer wusste nicht, ob dieser Kerl weitere Kinder gezeugt hatte nur um einen neuen Sandsack in den Ring f├╝r seinen eigenen Unmut stellen zu k├Ânnen?

Nein sein eigenes Problem war zweitrangig, hier im Augenblick musste sein Augenmerk dem Problem von Urako gelten.

Nichts anderes hatte er verdient. Die Zeit f├╝r Wut und Trauer um die eigene verlorene Kindheit konnten sie sich sp├Ąter gemeinsam nehmen. Erst einmal musste der Vater von Puschel entsorgt werden, erst danach konnten sie wirklich frei leben.

Dave h├Ârte Puschel schweigend zu, w├Ąhrend er ihn beruhigend streichelte.

ÔÇ×Wir werden auf unserer Hochzeit auf Freiherr Dunwin von Hohenfelde und F├╝rst von Lyridime zu Phintias ansto├čen Urako.

Ich entnehme Deiner Offenbarung dass dieses Untier noch lebt. Nun er hat sich seinen eigenen Strick gekn├╝pft wie mein Gro├čvater und Vater ebenso. Sie haben uns zu dem gemacht was wir sind, also sollen sie es auch bekommen.

Wir werden ihn suchen, finden und erledigen. Du wirst mit ihm das antun, was Du mir f├╝r Dunwin angeboten hast. Lass ihn f├╝r sie beide bezahlen. Immerhin wollen wir Deinem Herrn Vater nicht seine Zinsen vorenthalten oder? Wir sind doch keine UnmenschenÔÇť,
fl├╝sterte Dave.

Mitten in seiner Erz├Ąhlung hielt Urako inne und sagte so schlicht wie liebevoll ÔÇ×hab Dich lieb DavyÔÇť.

Der Magier dr├╝ckte seine Stirn gegen die von Puschel.

`Ich liebe Dich┬┤, antwortete der Magier mental genauso schlicht, offen und ehrlich.

Zeitgleich ├╝bermittelte er Urako dabei seine Gef├╝hle f├╝r ihn. Der Tiefling sollte es nicht nur h├Âren, sondern es sollte die Botschaft auch tief in seiner Seele sp├╝ren.

Dave h├Ątte Urako gerne einmal als das Kind gesehen, dass er war bevor sein Vater ihn umgeformt hatte. Sie waren ungef├Ąhr gleich alt, wie w├Ąre ihre Zukunft wohl verlaufen, h├Ątten sie sich als gl├╝ckliche Kinder gekannt?

Vermutlich v├Âllig anders, aber so war es leider nicht. Also mussten sie beide Seite an Seite f├╝r eine gute Zukunft f├╝r sich k├Ąmpfen. Und ein gewaltiger Kampf stand noch aus.

ÔÇ×Du bist durch den gleichen Abgrund marschiert wie ich Urako. Ja vermutlich hast Du dasselbe gelernt, jedenfalls die Essenz was sich aus den Lehren eines hassenden Vaters ergibt auf alle F├Ąlle. Alles andere, jede schulische Bildung ist Beiwerk. Allerdings kann Dich diese Ausbildung auch aus dem Sumpf ziehen.

Zahlen sind nicht Deins hm? Zahlen sind reine Logik, Fakten. Mathematik ist wie eine Mauer die Du in Deinem Verstand aufbaust Puschel. Sobald die Grundmauer steht, begreifst Du den Rest automatisch, oder er erkl├Ąrt sich Dir leichter.

Aber sollte es schon am Fundament der Mauer fehlen, kannst Du sie nicht weiter ausbauen. Irgendwann f├Ąllt jede Mauer ohne festes Fundament um. F├╝r mich sind Zahlen Sicherheit. Sie sind... Best├Ąndigkeit. Das werden sie f├╝r Dich auch werden, ich werde es Dir beibringen.

Und Du Puschel, Du wirst Deinen Vater beibringen, dass er mit vielem gerechnet hat, aber nicht mit diesen Br├╝chenÔÇŽÔÇť,
schmunzelte Dave um die Situation trotz aller Ernsthaftigkeit etwas aufzulockern.

ÔÇ×Ja, es ist wahr ÔÇô Du konntest es nur falsch machen, denn das war seine Absicht. Es gab keine richtige L├Âsung, es gab nur seine Willk├╝r und seine perfide Lust Dich f├╝r seine eigenen Fehler zu bestrafen. Was immer Du auch getan h├Ąttest, es w├Ąre niemals korrekt oder ausreichend gewesen in seinen Augen. Nie. Du kannst keinem Ideal entsprechen, dass andere von sich selbst haben. Du bist Du, daran ├Ąndern weder Schl├Ąge etwas, noch Dem├╝tigungen, nochÔÇŽ andere Dinge.

Selbst wenn Du die Veranlagung h├Ąttest, noch aus Schei├če Geld machen zu k├Ânnen, dann w├Ąre Deinem Vater die Summe nicht hoch genug gewesen. An B├╝rgerlichen ist nichts schlechtes, nicht mal an Leibeigenen. Fr├╝her w├Ąre ich gerne einer von ihnen gewesen. Eine Person aus der gesichtslosen Masse, die meinemÔÇŽ die IHM v├Âllig gleichg├╝ltig sind. Jene die er nicht einmal wahrnahm.

Was hatte ich von meinem Stand?
Was hattest Du davon?
Wir hatten doch nur eines, permanente Angst.
Und ich bin es sowas von Leid Angst zu haben.
Du nicht auch?

Du hast Deinem Vater wenigstens Paroli geboten, auf Deine Art Urako. Zwar hast Du Dir damit mehr ├ärger eingehandelt als Du vorher schon hattest, aber Du hattest wenigstens dazu die Eier in der Hose. Das gef├Ąllt mir und diese Leistung erkenne ich hoch an. Wei├čt Du, ich glaube wir haben uns nicht grundlos kennengelerntÔÇť,
erkl├Ąrte Dave leise.

Als Puschel ihn v├Âllig aus dem Stehgreif zu einem Fick aufforderte, brauchte Dave einen Moment um zu schalten.

Der Magier brachte gerade noch ein verdattertes ÔÇ×├ľhmÔÇŽÔÇť, heraus, als Urako schon grinste und die Aufforderung als Spa├č abtat.

ÔÇ×Spa├č hm? Sp├Ąter gerne. Verstehe dass bitte nicht falsch, aber ich hoffe das dieses Schwein noch lebt, damit wir ihm die Rechnung f├╝r seine Handlungen pr├Ąsentieren k├Ânnen.
Damit wir Deinen Vater zur Strecke bringen k├Ânnen.

Lass ihn uns suchenÔÇŽ
Lass ihn uns t├ÂtenÔÇŽ
Lass den Abgrund auf ihn zur├╝ckschauenÔÇŽÔÇť,
bat Dave inst├Ąndig.
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Re: Dunkelheit -- Dave - Urako 202 n.d.A.

#4

Beitragvon Urako » Fr 25. Aug 2017, 17:31

"Was meinte Dummwin damit, er w├╝rde hassen, was du bist? Dass du sein Sohn bist? Dass du nicht der Lappen bist, als den er dich gern h├Ątte? Mann, soll er sich deutlich ausdr├╝cken, die Sackratte."

Als Dave ihn pl├Âtzlich mit seinem formellen Titel ansprach und in der korrekten Art und Weise und obendrein z├Ąrtlich sein Ohrl├Ąppchen knabberte, wurde Urako knallrot. Nicht nur seine Ohren und sein Gesicht, sondern sogar sein Hals und das obere St├╝ck seiner Brust.

"Ehe...", versuchte er sich in einer Lache, aber es kam derart unsicher heraus, dass es eher wie ein verkr├╝ppeltes R├Ąuspern klang. "Sag das blo├č nicht Gasmi oder Varmi. Das glaubt mir keine Sau und ich mache mich damit nur l├Ącherlich. Deine Familie lacht sich schlapp bei der Hochzeit, wenn die mich sehen mit meiner ruinierten Kauleiste und den ganzen Narben. Ich geh ganz gut als P├Âbel durch, aber nicht als das, was ich eigentlich mal h├Ątte werden sollen." Dennoch sorgte das extreme Schamgef├╝hl auch f├╝r einen wohligen masochistischen Beigeschmack - wof├╝r er sich noch mehr sch├Ąmte. Sein Vater w├╝rde ihm ins Gesicht spucken, wenn er diese Gedanken lesen k├Ânnte oder was Urako w├Ąhrend irgendwelcher Spielchen mit sich hatte machen lassen. Er schmiegte sich noch enger an Dave. Er stellte sich vor, wie Dave ihn fertig machte, ihn knebelte und dem├╝tigte und ihn durchnahm, bis ihm die Sinne schwanden, w├Ąhrend er ihn h├Âhnend mit seinem f├╝rstlichen Titel ansprach. Er musste sich sehr zusammenrei├čen, jetzt kein Rohr zu bekommen. Wie meistens reagierte sein K├Ârper auf emotionalen Stress mit dem Wunsch nach Sex. Zu gern w├Ąre Urako dem jetzt nachgekommen, aber er konnte nicht erwarten, dass Dave genau so f├╝hlte. Den meisten Leuten verging bei solchen Gespr├Ąchsthemen jegliches Interesse an derlei Aktivit├Ąten.

Dave ├╝bermittelte ihm ein Gef├╝hl tiefster Liebe und auch die Worte. Urako schloss die Augen und lie├č es zu. Es konnte s├╝chtig machen. Er nahm sich vor, wenn er das n├Ąchste Mal schlechte Laune hatte, Dave oder Varmi zu fragen, ob sie ihn innerlich heilen konnten mir ihrer Macht. Es f├╝hlte sich an, als w├╝rde seine Seele von einer s├╝├čen Schicht warmen Honigs ├╝berzogen.

Dave fuhr fort zu erz├Ąhlen und Urako genoss den Klang seiner Stimme ebenso wie das leichte Vibrieren in seiner Brust, dass er wahrnahm, weil er seinen Kopf noch immer an Daves Schulter gelehnt hatte und das man nur bei M├Ąnnern vernahm. Dave schlug vor, Urakos Vater zu t├Âten. Urako schrumpfte mit einem Mal in sich zusammen. Sein Vater war f├╝r ihn eine unantastbare Autorit├Ąt, allm├Ąchtiger als jede Gottheit und alles was ihm blieb war die Flucht. Gegen diesen Mann konnte er nicht ankommen! Er konnte ihm ja nichtmal in die Augen sehen!

"Er ist unantastbar, Dave", sagte er mit gesenkter Stimme, als ob jemand sie belauschen k├Ânnte. "Ich will ihn nie wieder sehen, ich hab Schiss davor. Soll er einfach bleiben, wo auch immer er jetzt ist. Lass ihn in seiner eigenen Schei├če vermodern. Phintias wird wie gesamt Caltharnae in Asche versunken sein. Was glaubst du, was von meinem Vater noch ├╝brig ist, selbst, wenn er noch leben sollte? Und wie willst du ihn da finden? Vielleicht ist er auch mit den anderen nach Asamura gekommen. Wer wei├č? Wir finden ihn nie wieder, selbst, wenn wir das wollten. Er ist tot, Davy, selbst wenn er noch lebt."
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Re: Dunkelheit -- Dave - Urako 202 n.d.A.

#5

Beitragvon Davard von Hohenfelde » Sa 26. Aug 2017, 21:51

Dave hielt Urako fest in seinen Armen und zuckte dabei mit den Schultern.

"Keine Ahnung was er tats├Ąchlich damit gemeint hat Puschel, sollte ich es je herausfinden bist Du der Erste der es erf├Ąhrt und der Einzige", schmunzelte Dave.

Dave musterte Urako als dieser nach seiner verbalen Liebkosung bis zur H├Ąlfte knallrot anlief.

"Du bist s├╝├č, wenn Du verlegen bist. Selbstverst├Ąndlich verrate ich von unserem Gespr├Ąch niemandem etwas. Wir sprechen in v├Âlliger Verschwiegenheit miteinander, wir sind zudem mental verbunden. Du w├╝sstest Bescheid, sollte ich l├╝gen.

Du wirst allerdings weder Argwohn, Hinterlist noch sonst ein negatives Gef├╝hl bezogen auf Dich finden. Ich habe mich Dir anvertraut, da ich Dir vertraue. Warum sollte ich meinen Vertrauten verraten Puschel? Das w├Ąre doch v├Âllig unsinnig. Du und Deine Informationen sind bei mir sicher, ich verspreche und schw├Âre es Dir",
fl├╝sterte Dave Urako liebevoll ins Ohr.

Der Magier schmiegte sich an den Tiefling und grinste dann breit.

"Nun der Ehrlichkeit halber geschuldet, lese ich selbstverst├Ąndlich auch was Du empfindest. Dessen bist Du Dir vermutlich nicht bewusst...
Folglich habe ich auch Dein "Angebot" gelesen...
Oder sollte ich sagen Deinen Wunsch?
Kurzum allein die Vorstellung daran ist schon ziemlich hei├č. Ich w├╝rde Dich sehr gerne auf diese Art verw├Âhnen und Dich bei Deinem Titel nennen. Du w├╝rdest mir doch sicher danach auch mit dem einen oder anderen Gefallen entgegenkommen oder?",
s├Ąuselte Dave und k├╝sste Urako fest, liebevoll und leidenschaftlich zugleich.

Dave nahm Urako erneut felsenfest in die Arme und sch├╝ttelte langsam den Kopf.

"Niemand ist unantastbar und niemand ist unverwundbar. Du bist aus Angst handlungsunf├Ąhig Urako, den Zustand kenne ich nur zu gut. Sch├╝ttele die L├Ąhmung ab und widme Dich gedanklich wieder anderen Dingen.

Es lag nicht in meiner Absicht alte Wunden aufzurei├čen oder Dir wehzutun. Weder mit meinem Gest├Ąndnis noch mit meinem Vorschlag. Drum vergiss meinen Vorschlag bitte.

Was h├Ąltst Du davon ├╝ber etwas zu sprechen, woran wir beide Freude haben? Wir versprechen uns ab heute einen Neuanfang, ohne Angst. Varmi sagte Du k├Ânntest genauso dekorieren wie er. Nun in dem Fall schlage ich vor, dass Ihr beiden unser Haus versch├Ânert. Um alles andere k├╝mmere ich mich mit Gasmi. Lass das meine Sorge sein. Wir sollten nur so schnell wie m├Âglich unser neues Heim beziehen, ich kann es kaum erwarten.

Ich umarme Dich jederzeit mental Puschel, aber ich k├Ânnte weitaus mehr als Dich umarmen, falls Du es jemals m├Âchtest. Wo ich beim Thema bin. Nur mal so eine Frage nebenbei... bist Du Fr├╝haufsteher so wie ich? Das w├Ąre ├Ąu├čerst... mhm angenehm wei├čt Du",
grinste Dave verlegen.
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Re: Dunkelheit -- Dave - Urako 202 n.d.A.

#6

Beitragvon Urako » So 27. Aug 2017, 09:20

"Ah, du bl├Âder Sack!" st├Âhnte Urako und vergrub das knallrote Gesicht in Daves Robe. Er hatte v├Âllig vergessen, dass der andere seine gedanklichen Abgr├╝nde lesen konnte wie ein offenes Tagebuch, in dem fein s├Ąuberlich alles notiert war, was niemanden au├čer Urako selbst etwas anging. Noch peinlicher als das unfreiwillige Gest├Ąndnis seiner gelegentlichen masochistischen Anwandlungen w├Ąre es nur gewesen, wenn er gerade offen ├╝ber irgendwen hergezogen w├Ąre, nur um dann festzustellen, dass die Person die ganze Zeit zuh├Ârte. Urako versuchte rasch, seinen Geist von den unanst├Ąndigen Gedanken leerzur├Ąumen, als ob er eine beschriebene Tafel abwischte. Aber sein K├Ârper war da anderer Meinung, was die Priorit├Ąten anbelangte und ├Ąrgerte ihn mit einem Anschwellen der entsprechenden K├Ârperteile.

"Das solltest du gar nicht wissen", knurrte er in Daves Robe hinein und traute sich noch immer nicht, sein Gesicht wieder auszugraben, so als ob das irgendwie dagegen helfen k├Ânnte, das Dave seine Gedanken und Gef├╝hle las. Diese Hilflosigkeit, ohne dass Dave daf├╝r einen Finger r├╝hrte, machte seine Fantasien auch nicht gerade weniger intensiv. "Verdammt", fluchte er, "du hast gewonnen! Aber halt blo├č die Klappe. Du musst bei irgendwas, das dir hoch und heilig ist, schw├Âren, das nicht weiterzutratschen. Eigentlich sollte nur Gasmi das wissen. Aber wenn du es eh schon rausgefunden hast ... warum nicht ausprobieren?"

Endlich grub er sich wieder aus, zog die Nase hoch und wischte sie mit dem Handr├╝cken ab, obwohl es da gar nichts hochzuziehen oder abzuwischen gab.

"Du tust mir nicht weh, Davy. Nicht auf diese Weise. Wir k├Ânnten ├╝ber die gr├Ąsslichsten Dinge reden und es w├╝rde mir nichts ausmachen. Klar bin ich mal kurz ... etwas mitgenommen, wenn ich sehe, was du ertragen musstest, aber es verletzt mich nicht. Es macht mich w├╝tend oder auch mal kurz traurig. Aber verletzen, nein. Verletzen tut es mich nicht." Er grinste Dave etwas an. "Du k├Ânntest mir den Kiefer brechen und w├╝rdest mich damit nicht verletzen. Verletzt hast du mich, als dieser schei├č Mo, dieser Grabscher, sich wie ein Spaltkeil in unsere Familie dr├Ąngte und du dich auch noch dar├╝ber gefreut hast - und mir nicht vertraut hast, als ich dir versuchte, klarzumachen, wie gef├Ąhrlich er ist! Aber du hast Recht, reden wir ├╝ber was Sch├Ânes."

Sie starrten beide hinaus in das noch finstere und leere Haus.

"Das wird mal richtig sch├Ân hier. Der Fu├čboden und alles ist gut in Schuss, hier muss man fast nichts renovieren. Ich mag es rustikal. Und du? Varmi wird haufenweise Glitzerzeug anschleppen, das ├╝berhaupt nicht dazu passt und ├╝berall verteilen. Und ich werde es lieben, weil es der Wohnung seine Seele gibt. Von mir aus kann er alles damit vollstellen. Ich mag Zeug, was h├Ąngt, kommt wahrscheinlich von meinem Beruf, hehe. Windspiele, Klimperketten aus Knochen, Wandteppiche, Waffen an den W├Ąnden. Das wird eine schr├Ąge Mischung. Gasmi war begeistert, wie ich einrichte, er wird damit einverstanden sein. Er klettert gern oder steckt irgendwo in engen L├Âchern, wir m├╝ssen ihm ├╝berall Spalten lassen, mal einen Schrank nicht an die Wand schieben sondern ein St├╝ck entfernt stehen lassen und Decken und Kissen dahinter stopfen. Dann l├Ąsst er vielleicht die W├Ąschek├Ârbe in Ruhe. Und kennst du solche Katzenkisten, die man oben irgendwo anbringt? So was braucht er auch. Ich h├Ątte auch gern ein Hochbett f├╝r uns beide, richtig weit oben unter der Decke. Wie h├Ąttest du es gern eingerichtet? Oh und noch was."

Er packte Dave am Hinterkopf an den Haaren und drehte dessen Kopf so, dass er ihn ansehen musste."Wenn ich das Angebot tats├Ąchlich wieder vergessen soll, nehm ich das pers├Ânlich!" Er fixierte seinen Kopf, indem er die Faust in seinem Haar fester ballte, so dass die Haare sich spannten und k├╝sste ihn grob. "Dann ├╝berlege ich mir, ob ich nicht besser zum Langschl├Ąfer werde."
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Re: Dunkelheit -- Dave - Urako 202 n.d.A.

#7

Beitragvon Davard von Hohenfelde » So 27. Aug 2017, 20:33

Dave kraulte Urako und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

"Vielleicht sollte ich es nicht wissen, aber nun wei├č ich es. Zudem Puschel geht es nicht darum ob einer von uns beiden gewonnen oder verloren hat. Es ist einfach eine weitere Offenbarung.

Etwas dass Du mir zus├Ątzlich anvertraut hast, zwar nicht freiwillig - sondern zuf├Ąllig, aber das spielt f├╝r mich doch keine Rolle. Selbstverst├Ąndlich schweige ich, ich schw├Âre es Dir bei Varmikan und Fedor. Du wei├čt was das bedeutet.

Und nebenbei, ich habe schon so einiges herausgefunden... und dann ausprobiert... von dem ich fr├╝her nicht gewusst habe, dass es so etwas gibt und wie viel Spa├č es macht. Ich probiere es mit Dir gerne aus, aber gib mir vorher Anweisungen, was Du gerne h├Ąttest und was absolut untersagt ist.

Im Umkehrschluss bei meinem Wunschkonzert erkl├Ąre ich Dir, was ich mir w├╝nsche und was Du dabei bitte absolut unterl├Ąsst",
fl├╝sterte Dave und machte es sich seinerseits an Puschels Brust gem├╝tlich.

Dave h├Ârte Puschel aufmerksam zu, was dieser ├╝ber Verletzungen sagte. Du k├Ânntest mir den Kiefer brechen, dass w├╝rde mich nicht verletzten... Dave musste bei dem Satz schlucken.

Sein Vater hatte ihm einmal den Kiefer gebrochen, w├Ąhrend eines Trainings. Dave konnte nicht sagen, was ihn mehr verletzt hatte. Die Verletzung selbst, oder die R├╝cksichtslosigkeit seines Vaters die Dunwin an den Tag gelegt hatte bei dem Kampf.

Und dann sprach Urako auch noch von Morasa.

Dave st├Âhnte innerlich auf. Mo war ein Part f├╝r sich, was Daves Gef├╝hle anging. Er mochte den Waldalben mehr als er sollte. Er hatte sich auf Anhieb gut mit Mo verstanden.

Und Morasa hatte ihm ziemlich deutliche Avancen gemacht. Direkt wie auch indirekt hatte ihm der Waldalb mehr angeboten. Einzig und allein die Tatsache, dass Dave Varmikan nicht verlieren wollte und Angst vor der Reaktion seines Verlobten hatte, sollte diese "Nummer" auffliegen hatte ihn Mo┬┤s Angebot ablehnen lassen.

An nichts anderem war es gescheitert, so ehrlich musste Dave zu sich selbst sein. H├Ątte er keine Konsequenzen zu f├╝rchten gehabt, dann w├Ąre er auf Morasas Angebot eingegangen und h├Ątte mit ihm Sex gehabt.

Aber Dave hatte bef├╝rchtet, dass Mo genau diesen Umstand ausn├╝tzen w├╝rde um ihn und Varmikan auseinander zu bringen. Der Waldalb h├Ątte Varmikan ihr Stelldichein nur br├╝hwarm aufs Brot schmieren m├╝ssen und die Sache w├Ąre gelaufen.

Dann h├Ątte er selbst nur noch die Wahl zwischen der Einsamkeit oder Morasa gehabt.

Und h├Ątte er Mo gew├Ąhlt, h├Ątte er sich vermutlich dem Waldalb komplett f├╝gen m├╝ssen. Dave mochte Mo und der Waldalb war in seinen Augen auch attraktiv, aber er war nicht Varmikan. Und mit Varmikan wollte es sich Dave auf keinen Fall verscherzen. Daf├╝r liebte er seinen Mann viel zu sehr.

Zwar hatte ihn in dem Fall nicht die Treue "treu" sein lassen, sondern die Verlustangst, aber das spielte keine Rolle. Denn die Verlustangst zeigte, wie viel ihm Varmikan bedeutete.

Dave war sich im selben Moment bewusst, dass nicht nur er Urakos Gedanken mitbekommen hatte, sondern Urako genauso mitbekam was er gerade dachte. Er hatte sich nicht von Puschel mental getrennt.

"Puschel... ich kann Dir nicht sagen was mit mir bezogen auf Mo los ist. Aber ich mochte ihn und seine Anmache hat mir sehr geschmeichelt. Ja ich gebe es zu, es hat mir gefallen von jemanden gewollt zu werden. Ich m├Âchte mich nicht heraus reden, aber vorher hat sich keine und keiner f├╝r mich interessiert und auf einmal habe ich drei Personen die mehr von mir wollten.

Ich habe mich verhalten wie ein Kind im S├╝├čwarenladen, ich war gierig. Und ich gebe zu, ich w├Ąre sogar auf Morasas Werben eingegangen h├Ątte das keine Strafe nach sich gezogen. Allerdings war es auch Mo der die Sache beendete, bevor ich zusagen konnte. Mo ist... sagen wir mal sehr dreist. Ich bin davon ausgegangen, dass er Varmikan ├╝ber seine Eroberung informiert um mich behalten zu k├Ânnen.

Ob es tats├Ąchlich so gewesen w├Ąre, kann ich Dir nicht beantworten. Es war eine Vermutung meinerseits. Aus dem Grund habe ich von vornherein abgelehnt.

Du bist von Varmikan abgesegnet, wir beide sind ein v├Âllig anderes Paar. Du hast den Segen meines Mannes und Du bist "mein Zweitmann". Aber Mo w├Ąre Betrug gewesen und wie Varmikan auf Betrug reagiert, muss ich Dir sicher nicht erkl├Ąren.

Ich hatte Angst, dass er mich verl├Ąsst. Jede andere Strafe h├Ątte ich akzeptiert und ertragen, aber ich w├╝sste nicht, was ich tun sollte, w├╝rde er mich verlassen.
Das war es mir nicht wert.

Und nun, nachdem ich wei├č wie weit Mo gehen w├╝rde halte ich eh den Sicherheitsabstand ein. Sollte er ein Einsehen haben was sein Verhalten angeht, w├╝rde ich seine Gedanken ├╝berpr├╝fen und ich w├╝rde sogar immer noch eine Freundschaft mit ihm in Betracht ziehen. Mehr allerdings nicht. Und ja Du hattest absolut Recht, Mo ist eine extrem gef├Ąhrliche Person.

Meine Familie und mein t├Ąglicher Umgang mit den Geistern haben mich Vorsicht gelehrt und zeitgleich betriebsblind gemacht... es tut mir leid Puschel",
erkl├Ąrte Dave ehrlich.

Als Urako davon sprach wie er das Haus einrichten wollte, h├Ârte Dave gut gelaunt zu.

"Rustikal ist gem├╝tlich. Nun ich mag eigentlich eine gute Kombination aus schlicht und rustikal. Schlicht, schn├Ârkellos und edel in gedeckten Erd-T├Ânen. Dazu etwas Uriges und Rustikales, damit es sich von den anderen Einrichtungsgegenst├Ąnden abhebt. Du warst leider noch nicht in meinem Stadthaus in Alessa, sonst w├╝sstest Du was ich meine.

Aber dort findet die ├ťberreichung statt, dann siehst Du was ich meine. Falls Du Dir daf├╝r die Zeit nehmen m├Âchtest.

Das stimmt, mein Klingenohr liebt Glitzerzeug und Dekokram. Er kauft auch viel Deko in Pferdeform um mir eine Freude zu machen. Was soll ich dazu sagen? Fr├╝her dachte ich, wer braucht so einen Plunder? Solange er es aber nicht damit ├╝bertreibt muss ich gestehen, sieht das wirklich gut aus. H├Ątte ich selbst zwar nie vermutet, ist aber Tatsache.

Nur zu bunt sollte es nicht werden. Wir k├Ânnten ja Bronzestatuen nehmen oder Porzellan. Davon k├Ânnte ich Varmi vermutlich nicht ├╝berzeugen. Die Deko ist Euer Part Puschel, ich vertraue Euch.

Mit den gem├╝tlichen Versteckm├Âglichkeiten wird Gasmi ganz bestimmt aus unseren W├Ąschek├Ârben bleiben und falls nicht, stellen wir ihm einen gesonderten W├Ąschekorb hin, der nur f├╝r ihn zum Herumw├╝hlen gedacht ist.

Wir k├Ânnten auch einen Schrank mit einer zweiten Wand f├╝r ihn bauen lassen. So hat er hinter dem Schrank wie ein kleines Fleckchen f├╝r sich, in das er sich richtig zur├╝ckziehen kann. Ein Hochbett? Na da st├╝rz mal nicht heraus",
schmunzelte Dave.

Keine zwei Sekunden sp├Ąter schluckte er, als Puschel ihm in die Haare grabschte. Urako zwang Dave ihm in die Augen zu schauen, indem er ihm mit der Faust in die Haare griff und ihn fixiert. Puschel drohte ihm an, Langschl├Ąfer zu werden und die Sache pers├Ânlich zu nehmen, sollte Dave kneifen. Dave war baff, aufgew├╝hlt, w├╝tend und erregt zugleich.

Wie Puschel und Varmikan manchmal mit ihm umsprangen war mehr als dreist und es machte ihn gewaltig an. Er leckte sich nerv├Âs ├╝ber die Lippen.

"Ich kneife nicht Puschel. Ich w├╝rde es sehr bedauern, solltest Du Langschl├Ąfer werden, ich brauche Dich doch morgens", fl├╝sterte Dave.
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Re: Dunkelheit -- Dave - Urako 202 n.d.A.

#8

Beitragvon Urako » Mi 30. Aug 2017, 08:54

Urako hatte sich Daves Ausf├╝hrungen bis zu Ende angeh├Ârt. Doch bereits als Dave begonnen hatte, ├╝ber Mo zu reden, als w├Ąre er ein verknallter Jugendlicher, hatte Urakos Gesicht einen anderen Ausdruck angenommen: eisig, abweisend, voller Abscheu, als w├╝rde Dave sich vor seinen Augen in eine riesige Zecke verwandeln. Und wie eine solche kam er ihm immer mehr vor, ein h├Ąsslicher Parasit, ein Blutsauger, der nur auf das n├Ąchste Opfer lauerte. Daves Erl├Ąuterungen zur Einrichtung der Wohnung kamen Urako vor wie der letzte Hohn. Als der Mensch fertig war, stand Urako auf und klopfte sich angewidert ab, als w├Ąre Dave dreckig. Und in seinen Augen war er das auch, mehr noch, er war Dreck durch und durch.

"So einer bist du also. Raus aus meinem Kopf, aber pronto, du schlangenz├╝ngiges St├╝ck Dreck! Du rufst mich hierher und offenbarst ein paar oberfl├Ąchliche Kratzer, die wahrscheinlich nicht halb so schlimm sind, wie du mich hast glauben lassen, vielleicht sogar v├Âllig frei erfunden sind, um mich in dem Glauben zu wiegen, ich k├Ânnte dir vertrauen. Um mich glauben zu lassen, wir seien uns ├Ąhnlich. Bis du mich so weit hattest, dass ich aus lauter Bl├Âdheit meinen wundesten Punkt offenbart habe, den einzigen Weg, mich zu treffen, auf den ich dich in meiner Vertrauensduselei auch noch extra sch├Ân und breit hingewiesen habe - und eine Minute sp├Ąter rammst du mir den sch├Ąrfsten Dolch genau in diese Stelle. Keine Ahnung, was du damit erreichen wolltest - aber es ist dir gelungen. Wir sind uns nicht ├Ąhnlich, Davy. Im Gegensatz zu dir wei├č ich, was Liebe ist."

Urako griff nach einem halbleeren Glas Wasser, was irgendwer auf dem Fensterbrett stehen lassen hatte. Er setzte es an den Mund, als wolle er daraus trinken, riss aber pl├Âtzlich den Kiefer auf und biss vom Glas ab. Er schluckte die Scherben herunter, dann biss er in rascher Folge noch mehrfach ab, das fast nur noch der Boden ├╝brig war mit einem Schluck Fl├╝ssigkeit und sp├╝lte mit dem Wasser nach. Er sp├╝rte, wie die Scherben sich wie Packeis auf einem z├Ąh flie├čenden Fluss den zerst├Ârerischen Weg seine Speiser├Âhre hinab bahnten. Den Rest des Glases warf er nach Daves Kopf.

"Ich werde nicht l├Ąnger zwischen dir und dem Waldalb stehen. Vergiss alles, was ich zu dir gesagt habe." W├Ąhrend er sprach, spr├╝hte Blut zwischen seinen Lippen hervor und seine Z├Ąhne und sein Zahnfleisch f├Ąrbten sich rot. "Frag den Albendreck, ob du mit ihm das Spielchen spielen darfst und schenk ihm auch mein Zimmer. Schenk ihm meinen Platz an deiner und Varmis und deiner Seite und vielleicht wirst du dann endlich gl├╝cklich. Ich beanspruche ihn nicht l├Ąnger."

Er drehte sich um und verlie├č das Haus, das nicht der Ort werden w├╝rde, den er sich gew├╝nscht hatte, nicht der Ort, an dem seine Seele heilen konnte und verw├╝nschte sich selber f├╝r seine bodenlose Dummheit, dass er je daran geglaubt hatte. Er blieb drau├čen noch einen Moment an der Stelle stehen, wo sein Sumpfgarten geplant war und betrachtete sie, ehe er ging.
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Re: Dunkelheit -- Dave - Urako 202 n.d.A.

#9

Beitragvon Davard von Hohenfelde » Mi 30. Aug 2017, 10:26

Dave h├Ârte sich mit versteinerter Miene an was Urako zu ihm sagte. Nun vielleicht war es Tatsache, vielleicht hatte er wahrlich keine Ahnung davon was Liebe war.

Gelogen was sein Gest├Ąndnis betraf hatte er allerdings nicht. Nur eines erneut gelernt, beziehungsweise vor Augen gef├╝hrt bekommen - auch die Geister waren eine Familie. Und trachtete man danach nicht alsbald zu den entfernten Verwandten zu z├Ąhlen, sollte man lieber schweigen.

Wie der alte Familienspruch der Hohenfelde schon besagte, sie lernten bereits zu schweigen, wo andere noch das Sprechen lernten.

Er h├Ątte auf seinen Bruder, seinen Neffen und sich selbst h├Âren sollen ÔÇô einfach mal den Mund zu halten.

Er war auf einen uralten Trick hereingefallen, den jeder mit Macht kannte ÔÇô Beischlaf l├Âste die Zunge. Nur hatte ihm kein Kontrahent oder Feind eine Wanze ins Bett gepflanzt um ihm zu schaden, sondern er selbst hatte sich kalt gestellt und durch seine Ehrlichkeit um etwas gebracht was ihm gewaltig viel bedeutet hatte und immer noch bedeutete.

Dave taxierte Urako.
Stumm musterte er dessen Selbstverletzung und seinen Abzug.

Er hatte Urako seine ├ängste und Gef├╝hle gestanden, da er ihm v├Âllig vertraut hatte und weil er den Mann liebte. Er sprach mit Puschel, da er bef├╝rchtet hatte, er k├Ânne Varmikan verlieren. Das Endergebnis war, Urako vertraute ihm kein St├╝ck mehr und er hatte Urako verloren.

Eine wahre Glanzleistung.

Und zu allem ├ťberfluss war er nun auch noch verpflichtet mit Varmikan zu reden, um seinem Mann mitzuteilen, dass es weder einen Umzug, noch eine Wohngemeinschaft noch eine gemeinsame Hochzeit gab.

Der Logik folgend w├╝rde Varmikan von ihm verlangen, den Grund f├╝r Urakos Entscheidung zu offenbaren.

Und damit stand Dave nun genau dort, wo er eigentlich nicht stehen wollte. Dave ├╝berlegte ob er die Sache wieder geradebiegen konnte, aber bevor er ├╝berhaupt dar├╝ber nachsann wie dies m├Âglich w├Ąre, verwarf er den Gedanken wieder. Worte waren Pfeilen gleich, einmal abgeschossen konnte man sie nicht zur├╝ckholen.

Allerdings gab es neben dem zweiten Gest├Ąndnis das Varmikan zu gelten hatte und das komplett alles beenden, ja beerdigen w├╝rde was ihm lieb und teuer war noch eine andere L├Âsung.

Eine die er nur zu gut kannte und bei jedem Problem anwandte.
Er w├╝rde ohne einen Ton zu sagen gehen.

Dave beschloss alles hinter sich zu lassen, unter alles einen Schlussstrich zu ziehen und neu anzufangen. Er hatte Geld und Stand, f├╝r ihn war ├╝berall ein Neuanfang m├Âglich.

Gut Fedor w├╝rde er mitnehmen. Sollte er auch noch auf Fedor verzichten m├╝ssen, dann konnte er sich gleich im Fluss ers├Ąufen.

Einsamkeit war f├╝r ihn keine unbekannte Gr├Â├če, aber ganz ohne jede Zuneigung konnte auch er nicht existieren. Zumal die reine gef├╝hlsm├Ą├čige Liebe eines Hundes wohl die ehrlichste war, die es auf der Welt gab.

Dave gr├╝belte einen Moment lang nach. Sein Geld konnte er nutzen, daf├╝r war Geld schlie├člich da. Seinen Stand konnte er nur insoweit nutzen, dass er seine Kontakte spielen lie├č um seinen Weg f├╝r seine Verfolger im Nirgendwo enden zu lassen. Es w├╝rde ihn einfach nicht mehr geben.

F├╝r einen Augenblick dachte er dar├╝ber nach, sich bei seinem Bruder zu verkriechen. Allerdings w├╝rde auch Ansgar Antworten einfordern, die Dave ihm nicht zu geben bereit war.

Und sobald Ansgar von der geplatzten Hochzeit erfuhr, w├╝rde der ihn vermutlich einen Kopf k├╝rzer machen oder sofortigen Ersatz f├╝r Varmikan besorgen, damit die Hochzeit trotz allem stattfand. Was von beiden M├Âglichkeiten die misslichere war, wusste Dave nicht zu deuten.

Er musste einfach nur die Haltung wahren, ins Haus gehen und so tun als ob rein gar nichts geschehen w├Ąre, Geld einstecken und Fedor mitnehmen.

Sollte ihn jemand darauf ansprechen, ging er in die Stadt ÔÇô noch einige Besorgungen f├╝r die Hochzeit erledigen. Ab dato w├╝rden ihn die Geister, seine Familie und Varmikan nie wieder sehen.

Falls er es clever genug anstellte, w├╝rde man ihn f├╝r verschollen halten anstatt f├╝r einen Feigling. Und hielt man ihn f├╝r einen Feigling, dann w├╝rde jeder vermuten er h├Ątte kalte F├╝├če vor der Hochzeit bekommen.

├ťber den Umstand w├Ąre Varmikan vermutlich einige Zeit w├╝tend, eventuell sogar eine Phase lang traurig, aber danach h├Ątte er sich an den Umstand gew├Âhnt. So au├čergew├Âhnlich war Dave in seinen Augen nicht, dass sein Klingenohr ihm Monate oder sogar Jahre nachtrauerte wie Iphidamas oder anderen M├Ąnnern.

Nur diesmal w├╝rde die Flucht vermutlich nicht so einfach verlaufen.
Sollte ihn Varmikan widererwartend suchen, konnte er sich der Hilfe von Ansgar, Wolfi, Melisande und vermutlich auch Marcella sicher sein.

Zudem konnte sich der Frostalb auf die Unterst├╝tzung der Geister verlassen.
Das bedeutete f├╝r ihn, dass er eine ganze Zeit auf die Nutzung seiner Gabe verzichten musste. Sobald er nur f├╝r einen Sekundenbruchteil den Nexus betrat, w├╝rde Varmikan, Ansgar oder auch Wolfi ihn sofort aufsp├╝ren.

Und sollten die Geister ihn suchen, dann w├╝rden Gasmi und Jeelen ihm auf den Fersen sein ÔÇô keine sehr erbaulichen Aussichten.

Dave g├Ânnte sich einen Moment der Trauer.

Ihm war durchaus bewusst gewesen, dass die Beziehung zu Varmikan oder Puschel nicht ewig w├Ąhren w├╝rde. Allerdings hatte er gehofft, falls sie scheitern w├╝rde, dass dies erst nach der Hochzeit der Fall w├Ąre.

Und er hatte gehofft, dass sie in Frieden und Freundschaft auseinander gehen w├╝rden und nicht als Feinde. In seinem Wunschdenken hatte er aber seine eigene Kurzsichtigkeit nicht mit eingeplant und er hatte nicht mit einkaluliert, dass er es selbst sein w├╝rde der alles ruiniert.

Dave dachte einen Moment an jeden der Geister, zuletzt an Pavo seinen besten Freund. Er dachte an seine Sch├╝ler Wolfi und Marci und ebenso dachte er an seine Mutter. Eigentlich hatte er mehr als nur einen Vertrag zu erf├╝llen, tats├Ąchlicher Gestalt und Ehrenhalber.

Er w├╝rde sie alle bewusst ihm Stich lassen, sollte er gehen. Die Geister wie auch seine Anvertrauten... nun so handelten Feiglinge eben.

Dave ├╝berlegte einen Moment was schwerer wog ÔÇô das Gest├Ąndnis samt der dazugeh├Ârigen Konsequenzen zu ertragen oder die Flucht vor alledem.

Was das Weglaufen anging war er wahrer Meister und Experte.
Was das Ertragen von Problemen und Konsequenzen anging war er ein Deb├╝tant.

Der Magier sch├╝ttelte sich kurz, strich sich ├╝ber das Gesicht und straffte die Schultern.

Er verlie├čen ebenfalls das Haus, schloss hinter sich ab und kehrte zur├╝ck ins Geisterhaus. Zum seinem Gl├╝ck war es noch fr├╝h am Morgen.

Gem├Ąchlichen Schrittes ging er in die Schreibstube, entnahm die eigene, private Geldkassette dem Tresor und stopfte den Inhalt in seine Geldkatze. Danach verschloss er die Kassette wieder ordnungsgem├Ą├č im Tresor.

`Nur keine Auff├ĄlligkeitenÔÇŽ┬┤, dachte Dave.

Der Naridier schaute sich kurz in der Schreibstube um, die gleichfalls wie sein Quartier sein Zuhause darstellte. Er hatte hier Ewigkeiten gesessen, gearbeitet, gelebt und sich trotz mancher widriger Umst├Ąnde stets wohl gef├╝hlt.

Er unterdr├╝ckte den irrationalen wie gef├╝hlsduseligen Drang ├╝ber das Kassenbuch zu streichen.

Danach machte er sich auf in sein altes Quartier und entnahm seine eigene Blutphiole dem dortigen Tresor. Als Kassenwart und Schl├╝sseltr├Ąger hatte man einige Vorteile. Auch diesen Tresor verschloss er wieder ordnungsgem├Ą├č.

Eigentlich musste er nun in sein eigenes Quartier um Fedor abzuholen. Er wusste dass Varmikan um diese Zeit noch im Bett lag und tief und fest schlief.
Allerdings hatte er selbst Angst davor, einem schlafenden Varmikan unter die Augen treten zu m├╝ssen.

Der Magier schlenderte langsam in Richtung ihres gemeinsames Quartiers und blieb auf der Treppe zum zweiten Keller stehen. Dort klemmte er die Zunge hinter die Z├Ąhne und pfiff leise nach seinem Hund, zeitgleich betete er zu allen G├Âttern, dass Varmikan weiterschlief.

Sein Schatz r├╝hrte sich nicht, denn ansonsten h├Ątte er selbst einen Anpfiff kassiert. Einen Augenblick sp├Ąter kamen Fedor und Brownie angetrabt und musterten ihn mit ihren treuen, braunen Augen.

Dave packte seine beiden Hunde im Halsband und ging auf k├╝rzestem Weg zum Stall. Dort schwang er sich direkt auf Rulrot und verlie├č das Geisterhaus.
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Re: Dunkelheit -- Dave - Urako 202 n.d.A.

#10

Beitragvon Urako » Mi 30. Aug 2017, 13:16

Urako ging mit blassem Gesicht und zorniger Miene zu Pavo.

Er h├Ârte irgendwo leise Schritte im Geisterhaus, vermutlich Dave, der sich nun einfach zu Varmikan ins Bett legte und pennen w├╝rde, als w├Ąre nichts gewesen, sich wahrscheinlich dar├╝ber freute, auf Urakos Herz mit Nagelschuhen herumgetanzt zu haben, was auch immer er daf├╝r f├╝r einen Grund gehabt hatte. Wahrscheinlich war es einfach nur Bosheit. Oder Urako war ihm zu dumm und zu h├Ąsslich, es konnte halt nicht jeder ein hagerer Waldalb mit Mardergesicht sein. Kurz darauf h├Ârte er die Krallen der Hunde. Vielleicht ging Dave auch erstmal mit seinen T├Âlen eine Runde spazieren. Urako w├╝rde Varmikan nicht sagen, was Dave ihm ├╝ber Morasa erz├Ąhlt hatte. Von der Sache her war das nicht seine Beziehung, auch wenn Dave behauptet hatte, er w├Ąre sein Zweitmann. Urako schnaubte durch die Nase. Sollten die zwei das untereinander kl├Ąren. Sein Mann war Gasmi und niemand sonst. Er w├╝rde Dave fortan einfach komplett ignorieren und sich nur noch mit Varmikan abgeben. Wenn Varmikan fragte, was los war, w├╝rde er ihm sagen, sie h├Ątten sich gestritten und mehr nicht. Vielleicht sagte Dave ihm ja auch selber, dass er den Waldalben scharf fand und Varmi und Urako nur zu bereitwillig betrogen h├Ątte, h├Ątte er keinen Schiss vor den Konsequenzen gehabt. Vielleicht stand er nicht auf wei├čhaarige Kerle und Varmi war nur sein Notnagel. Das war ziemlich wahrscheinlich.

Urako klopfte donnernd mit der Faust an Pavos T├╝r. "Eh, Pavo, ich hab mich geschnitten. Hab einen Haufen Scherben verschluckt."
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