Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Wie die Rose zu den Geistern fand

Das Geisterhaus
Die Geister sind eine erfolgreiche und wohlhabende Gilde von Auftragsm├Ârdern. Jedoch bietet das Leben im Geisterhaus mehr als nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch ein zu Hause f├╝r Verlorene. Wichtigste Aufnahmebedingungen sind absolute Loyalit├Ąt und Verschwiegenheit - sonst endet man rasch selbst auf der Todesliste.
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Dimicus
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Wie die Rose zu den Geistern fand

#1

Beitrag von Dimicus » Sa 25. Nov 2017, 23:09

Einen letzten Blick schenkte Dimicus der Stadt Drakenstein, als er durch das sumpfige Land Almaniens schritt. Die Stadt war seit der ├ťberflutung ein Hort des Chaos geworden. Nahrungsknappheit und der Zusammenbruch der Infrastruktur hatten seinen Tribut gefordert. Die Bewohner der Stadt hatten begonnen zu pl├╝ndern. Jeder t├Âtete den Anderen f├╝r ein St├╝ck Brot. Eine gro├če Stadt , die innerhalb weniger Zeit ein Schatten seiner selbst wurde. Auch Dimicus hatte sich grausamer Methoden bedienen m├╝ssen, um sich selbst ├╝ber Wasser zu halten. Doch die gesamte Zeit war ihm bewusst geworden, dass die Stadt nicht mehr seine Heimat sein w├╝rde. Nichts darin hatte mehr Bestand gehabt. Nun auch verw├╝stete der Krieg die letzten ├ťberreste seiner Heimat.

W├Ąhrend seine Augen den Rauschschwaden ├╝ber der Stadt folgten, musste er an vieles zur├╝ckdenken. Sein Genie, seine Kunst. Sie alles war nichts mehr wert. Genau so wie seine Person. Er hatte alles verloren. Der letzte Rest entschwand mit dem Rauch, der aus dem Inneren der Stadtmauern trat. Zumindest hatte er aus der Stadt fliehen k├Ânnen Shazeem und die Anderen wollten bleiben, um das Chaos auszunutzen. Ihm aber verholfen sie zur Flucht. Er hatte seinen Anteil in der Geschichte Drakensteins gehabt. Doch jede Spur verbrannte in den Feuern des Chaos. Rakshor freute sich sicherlich.

Dimicus blickte in die tr├╝be Suppe, in der er mit seinen Stiefeln stand. Sein Gesicht spiegelte sich auf der Oberfl├Ąche wieder. Die Augen untermalt von schwarzen R├Ąndern, die Wangen eingefallen und der Gesichtsausdruck gepr├Ągt von langem Leid. Es war alles weg. Er hatte es nicht verhindern k├Ânnen. Sein einziger Weg f├╝hrte hinaus aus Almanien, mit nicht mehr als seiner Ausr├╝stung und dem Teil seines Reichtums, den er hatte tragen k├Ânnen. Es war nicht viel, doch es war in seinen Augen genug. Schlie├člich schaute er wieder auf und blickte in die Richtung, in der sich bewegen wollte. Die Strecke w├╝rde lang und kraftraubend werden. Das war ihm bewusst, doch hatte er keine andere Wahl mehr.

Hauptsache war es, dass er aus Almanien floh, bevor der Krieg ihn abermals einholte und sein Leben einforderte. Shazeem hatte ihm geraten, dem Flusslauf des Draken zu folgen. Der sicherste Weg, um in das n├Ąchste Land zu kommen. Die Bergwychtl herrschten dort ├╝ber ein unabh├Ąngiges Land. Dimicus wollte, so hoffte er zumindest, dort Unterschlupf finden und seine weitere Vorgehensweise erkunden. Doch so frei wie er jetzt war, ohne Wurzel und Anker, wusste er noch lang nicht, wo er hingeh├Âren w├╝rde.

So begann Dimicus' weite Reise durch das Land, seine einzige Orientierung war der Draken, oder besser das, was von ihm ├╝brig war. Zu seinem Pech war es Winter und es wurde eine pure Qual, unbeschadet durch die L├Ąndereien zu wandern. K├Ąlte, Ersch├Âpfung und auch Hunger forderten schnell ihren Tribut. Er fand selten eine Gelegenheit sich auszuruhen, geschweige denn Nahrung oder sauberes Wasser.

Mit Gl├╝ck fand er H├╝gel und zerst├Ârte Geh├Âfte, die nicht mit Wasser bedeckt waren. Nur an diesen Orten konnte er rasten, doch nie konnte er richtig schlafen. Stets war er auf der Hut, bereitete sich akribisch darauf vor, im Notfall zu fliehen oder zu verstecken. Sein k├Ârperlicher Zustand wurde zunehmend fragiler. Die Schritte wurden beschwerlicher, die Bewegungen langsamer und jeden Tag schmerzte der K├Ârper mehr.

Zur Kr├Ânung beutelte ihn schon bald eine Krankheit, die seinem K├Ârper zus├Ątzlich belastete. Eine Erk├Ąltung, vielleicht auch ein Infekt. Er wusste es nicht ganz genau. Letztendlich war er kein Medicus, der sein Gebrechen bestimmen und behandeln konnte. Das Einzige was ihn antrieb, war der Wille zu ├╝berleben. Ein Instinkt. Nicht sein Verstand, nicht der Wunsch nach einem l├Ąngeren Leben. Was war dieses Leben schon wert, wenn ihm alles genommen worden war?

Diese Art der Ver├Ąnderung, sie machte Dimicus vollkommen fertig. In einem Moment konnte er noch in der Stadt Drakenstein ├╝berleben, lernte lieben und lachen. Doch das alles war weg. Einfach so. Verschwunden und ausgel├Âscht. Nun blieb ihm nicht mehr als Kummer und seine Existenz. Er hasste dieses Gef├╝hl. Zuvor war er auch klargekommen, ohne diese Dinge! Doch jetzt war alles anders.

Mit letzter Kraft erreichte Dimicus schlie├člich eine Stadt Almaniens, welche nicht ├╝berflutet war! Sogar im Gegenteil. Sie schien auch unter Nahrungsnot zu leiden, doch ihre Verbindung zu den L├Ąndereien der Bergwychtl erm├Âglichten das Schlimmste zu verhindern. So zumindest erfuhr es Dimicus von einem hiesigen Wirt, der ihn sehr mitleidig angeschaut hatte. Es war kein Wunder. So betrachtete er sein Spiegelbild und fand ein fahles Gesicht vor. Seine Augen hatten jeden Glanz verloren. Schmutz, Kratzer und Schorf zierten sein Gesicht. Seine R├╝stung war gerissen, die Kleidung darunter schmutzig und kaputt.

Seine Krankheit hatte sich zunehmend verschlimmert. Zumindest bot ihm sein Geld Essen und Getr├Ąnk, doch laut der Auskunft des Wirtes musste er bald weiter. Einen f├Ąhigen Medicus gab es in der Stadt nicht, so verwies der Wirt auf Syriel im Gebiet der Bergwychtl. Dort sollte es einen Arzt geben und wenn Dimicus dort hin wollte, k├Ânne er sich einer der Handelskarawanen anschlie├čen, um die Reise sicherer zu ├╝berstehen. Wenn auch nur gegen Bezahlung. Geld spielte jedoch keine Rolle f├╝r Dimicus.

Das Wichtigste war, weiter zu kommen und dieses l├Ąstige Gef├╝hl der Krankheit loszuwerden. Seine Gef├╝hlswelt war erkaltet und selbst der Drang seiner Kunst lang abgeflacht. Nicht einen Moment hatte er mehr an sich gedacht. F├╝r ihn waren seine gr├Â├čten Tage gez├Ąhlt und er wartete nur noch auf den Tod. Allerdings wollte ein kleiner Funken in ihm sagen, dass alles besser ist, als an einer Krankheit zu sterben. Ein lebensrettender Gedanke, wie er sp├Ąter erfahren sollte.

Denn kaum in Syriel angekommen, wandte er sich an an den hiesigen Medicus. Der sch├╝ttelte nur mit dem Kopf und schlug die Hand voller Entsetzen gegen die Stirn. ÔÇ×Wieso habt Ihr nicht besser auf Euch geachtet?ÔÇť, bekam er zu h├Âren. ÔÇ×Das ist eine ausgewachsene Grippe! Es ist ein Wunder, dass ihr ├╝berhaupt laufen k├Ânnt, geschweige denn lebt!ÔÇť Ohne Dimicus auch nur eine Chance zu lassen, sich gegen die Behandlung zu wehren, verarztete ihn der Medicus von Kopf bis Fu├č. Behandlung mit Magie, Kr├Ąuter und Trank, gefolgt von strikten Anweisungen. Das zu horrenden Kosten! Durch die Behandlung verlor Dimicus den gr├Â├čten Teil seines Verm├Âgens, doch war ihm keine andere Wahl geblieben.

Mit dem letzten Rest seines Gelds├Ąckels wandte sich Dimicus schlie├člich in die Taverne der Stadt. Wankend und stark geschw├Ącht ├Âffnete er deren T├╝r, worauf ihm der wohlige Geruch von Essen und Wein entgegenschlug. Bei der Untersuchung des Arztes hatte er festgestellt, wie abgemagert er mittlerweile geworden war. Seine Rippe hatte man einzeln z├Ąhlen k├Ânnen, die Muskeln waren schwach geworden. Wie der Arzt es gesagt hatte, es war ein Wunder, dass Dimicus noch am Leben war. Doch er nannte es kein Leben. Mehr ein Schatten seines fr├╝heren Selbst.

Dieser Schatten schlich auf einen der Tische des Gasthauses zu, nahm Platz und wartete geduldig auf die Bedienung. Blicke zogen sich auf ihn, doch Dimicus war es egal. Ein Tuscheln ging durch den Raum, seine Ohren vernahmen fl├╝sternde Worte. Er schloss seine Augen und versuchte es auszublenden. Es war zu viel, sie alle sollten verschwinden! Sie hatten keine Ahnung mit wem sie es zu tun hatten! Dimicus legte seine H├Ąnde auf seine Ohren und versuchte sie alle aus seinem Kopf fernzuhalten. Doch dann tippte ihn jemand an. Erschrocken fuhr er hoch.

Vor ihm stand die Schankmaid. Ein sorgenvolles und doch zugleich unsicheres L├Ącheln befand sich auf ihren Lippen. ÔÇ×Was darf ich Euch bringen?ÔÇť, fragte sie, zupfte dabei ihre Sch├╝rze zurecht.

Mit m├╝den Augen betrachtete Dimicus die Frau vor sich, seine Z├╝ge regten sich f├╝r einen Moment nicht. Die Bedienung begann unruhig auf den F├╝├čen umher zu wippen. ÔÇ×Ein Braten. Und eine Flasche Rotwein. Eine ganze FlascheÔÇť, erkl├Ąrte Dimicus, suchte einige M├╝nzen aus seinem Geldbeutel und gab sie ihr. Nickend nahm sie die Bestellung auf und verschwand schnell in Richtung K├╝che. Mittlerweile war im Raum Stille eingekehrt. Die Menschen betrachteten Dimicus unter vorgehaltener Hand. Niemand traute sich etwas zu sagen. Immer wenn Dimicus einen von ihnen in die Augen schauen wollte, blickten sie sofort weg. Feiges Pack.

So wartete Dimicus, bis schlie├člich sein Essen und der Rotwein kam. Dazu ein entsprechendes Weinglas. Allerdings machte sich Dimicus nichts aus Tischmanieren. Grob schaufelte er mit Messer und Gabel das Essen in seinen Mund. Dabei entkorkte er die Flasche und soff den Wein, statt ihn zu genie├čen. Nat├╝rlich dauerte es so nicht lang, dass der sonst vern├╝nftige und kalkulierende Dimicus ein Opfer der Trunkenheit wurde.

Das war nun das Schicksal des einstigen Rosend├Ąmonen. Einst ein glorreicher K├╝nstler, pr├Ągend f├╝r Generationen und der Schrecken eines Landes. Nun nicht mehr als ein saufender Tavernengast, der sich k├Âstlichen Wein einfach in den Rachen goss, als w├Ąre es ein billiger Fusel aus einer Schwarzbrennerei. Dabei galt jeder Gedanke seiner verlorenen Vergangenheit ÔÇô und fehlenden Zukunft.
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#2

Beitrag von Davard von Hohenfelde » So 26. Nov 2017, 15:13

Haley, Birta und Marita


Almanien versank im Chaos des Krieges. Nun nicht ganz Almanien, ein Gro├čherzogtum blieb verschont von den Kriegswirren. Aber dieses hatte sich auch aus dem Krieg, wie ├╝blich, herausgehalten. Weshalb die Golbins samt den restlichen Gro├čherzogt├╝mern beschlossen hatten, in den Krieg der Zwerge mit dem Chaos einzugreifen, entzog sich Haleys Kenntnis.

Meist agierte ihre Gruppe auf fremden Boden und sehr oft war es der Boden Almaniens oder noch der von Evalon. Einzige Ausnahme ihres Aktionsradius war Shohiro. Niemand jagte dort, wo er lebte.

Haley, eine naridische Almanin, war gemeinsam mit Birta und Marita unterwegs um Informationen zu sammeln. Bei Birta handelte es sich um eine naridische Goblin und Marita war eine Tieflingsfrau vor deren langen Fingern so gut wie nichts sicher war.

Manche Informationen waren Gold wert, andere wiederum dienten dem Vorankommen der Gruppe. In den Wirren des Krieges tauchten so manche Gesch├Ąftsm├Âglichkeiten auf, von denen man vorher nicht geglaubt hatte, dass sie je zustande kommen w├╝rden.

Folglich galt es die Lage zu sondieren und die Augen und Ohren offen zu halten. ├ťberall sah man auf den Stra├čen wie auch in den Gasth├Ąusern mehr oder minder verzweifelte Gesichter. Die einen von Leid und Hunger geplagt, die anderen vom erlebten Grauen.

Die drei Frauen waren nach einer langen und ereignisreichen Erkundungstour gerade wieder auf dem Heimweg, als sie es sich in einer Taverne gem├╝tlich machten. Sie befanden sich in Syriel, es war noch ein gutes St├╝ck ehe sie wieder heimatlichen Boden betreten w├╝rden.

Haley stutzte, als sie an einem anderen Tisch ein Gesicht bemerkte. Es war eingefallen, aber es entsprach ansonsten der Beschreibung, die ihr Dave - ihr Mittelsmann und Sprecher der Geister vom Rosend├Ąmon ├╝bermittelt hatte. Soweit Haley sich erinnern konnte, hatte Dave ihn bereits einmal verwarnt, was das Jagen im Revier der Geister anbelangte.

Der Mann sah allerdings nicht mehr danach aus, als hatte er vor irgendwem Schwierigkeiten zu bereiten. Haley wusste, dass die Geister bereit waren, f├Ąhige Leute zu rekrutieren und das was sie vom Rosend├Ąmon geh├Ârt hatte, sagte ihr, dass er ein f├Ąhiger Mann war, was ihr blutiges Handwerk anbelangte.

Die Naridierin gab ihren beiden Begleiterinnen ein Zeichen. Die Frauen standen auf und machten es sich am Tisch des Rosend├Ąmons gem├╝tlich. Haley musterte den Mann der sich binnen Minuten betrunken hatte von oben bis unten. Birta hopste auf den Stuhl neben den D├Ąmon und schlackerte vergn├╝gt mit den Ohren, w├Ąhrend Marita aufmerksam die G├Ąste im Auge behielt.

"Du bist K├╝nstler nicht wahr? Ich glaube ich erkenne Dich wieder. Ein Freund von mir hatte bereits einmal mit Dir Kontakt aufgenommen, als Du Dich verlaufen hast. Du warst versehentlich in unserem Garten. Aber nun scheint die Zeit der Rosen vorbei zu sein, mein Freund.

Ich wei├č, dass unser gemeinsamer Freund gute Arbeit erkennt und sch├Ątzt. Ebenso seine Vorgesetzte. Bevor Du Dich weiter sinnlos betrinkst, sollten wir von Dir retten, was von Dir ├╝brig geblieben ist. Unser gemeinsamer Freund w├╝rde es uns ver├╝beln, w├╝rden wir einen Bruder im Geiste in diesem Zustand in diesem Loch zur├╝cklassen.

Folge uns G├Ąrtner auf den Feldern des Todes - folge uns Rosend├Ąmon. Wir werden bis zum Einbruch der Nacht warten. Dann wird unser Freund wie ├╝blich Kontakt zu uns aufnehmen. Und sobald er davon erf├Ąhrt, dass Du unseres Schutzes bedarfst, den Schutz der Familie - wird er Hilfe entsenden.

Komm mit uns",
fl├╝sterte Haley aufmunternd.

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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#3

Beitrag von Dimicus » So 26. Nov 2017, 18:10

Nat├╝rlich fiel es selbst Dimicus in seiner Trunkenheit auf, dass ein ungleiches Trio die Taverne betrat. Sein Blick wollte sich nicht richtig auf sie fokussieren. So blieben ihm Details und eine genauere Einsch├Ątzung vollst├Ąndig verwehrt. Doch was brauchte er diese Dinge auch? "Schei├č drauf", lallte er leise vor sich her, ehe er den letzten Rest seiner Weinflasche trank. "Noch eine!", br├╝llte er durch den Schankraum und legte ein paar M├╝nzen ungez├Ąhlt auf den Tisch ab.

Im n├Ąchsten Moment kam auch schon die Bedienung vorbei. Dimicus schaute gar nicht zu ihr hinauf. Das Einnzige was er sah, war der untere Teil einer weiteren Flasche voll Wein. Irgendwelche Worte s├Ąuselten um seine Ohren, irgendwas mit "genug" oder "ungesund". Was sollte es schon. Ohne auf die Frau zu achten, riss er an der dritten Flasche des Abends und nahm sie der Kellnerin somit ungelenk aus der Hand. Dann gab es da nur noch das Kratzen von Metall ├╝ber den Tisch, dann war sie auch wieder verschwunden. Genau wie das Geld.

Das war Dimicus vollkommen egal. Der Rosend├Ąmon, gro├čer Name in Almanien. Gef├╝rchteter K├╝nstler. Z├Ąhmer der L├Âwin. Schrecken des Landes. Kunst des Todes. Alles pure Schei├če! Nichts wert! Was waren das schon? Titel. Mehr nicht. Nur verlauste Titel! Auf diese musste er gleich erst einmal Trinken, da flutschte auch schon der Korken aus der Flasche und der erste Schwall des s├╝├čen Ges├Âffs verschwand in seinem Rachen.

Pl├Âtzlich sp├╝rte er etwas. Windz├╝ge um ihn herum. Ger├╝che die durch seine dicke Nase stie├čen. Eine Vibration neben ihm. Der Tisch wackelte. Dimicus blickte auf, worin sich gleich die gesamte Welt in jede Richtung zu drehen und verzerren begann. Um ihn herum drei Gestalten. Die Frauen. Nur mit M├╝he unterdr├╝ckte er seinem Brechreiz, um nicht vor ihnen auf den Tisch zu kotzen. Eine von ihnen faselte irgendwas, Worte die Dimicus kaum mehr in seinem Verstand verarbeiten konnte.

Seine wankende Hand ging an seinen G├╝rtel, versuchte mehrere Male vergeblich nach dem Griff einer seiner Dolche zu greifen. Irgendwann bekam er kaltes Leder zu fassen. Er zog daran. Doch seine Kraft reichte nicht aus, um den Dolch festzuhalten. Klimpernd fiel er zu Boden, schmerzhaft hallte dieses Ger├Ąusch durch seinen dr├Âhnenenden Kopf. Gegen die Schmerzen konnte nur ein weiterer, tiefer Schluck aus der Flasche helfen! Den nahm er auch sogleich. Mittlerwiele schmeckte er nichts mehr.

"Ich komm klar", lallte er vor sich hin, sein K├Ârper wankte bedrohlich von einer Seite zur Anderen. "Einfach ... einfach gehen. Brauch' keine Hilfe. Ist eh alles weg." Ein weiterer Zug aus der Flasche folgte, die mittlerweile fast leer war. "Brauche neu. Holt ihr mir?", fragte er in die Runde, ohne auch nur einen Moment zu hinterfragen, was um ihn herum geschah.
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#4

Beitrag von Davard von Hohenfelde » So 26. Nov 2017, 20:26

Haley, Birta und Marita

Birta zog die Ohren nach hinten und musterte ihre beiden Kolleginnen. Sie war nicht ganz davon ├╝berzeugt, ob dies wirklich der Mann war, von dem Haley gesprochen hatte.

"Meinst Du wirklich er w├╝rde sich so gehen lassen?", fragte Birta zweifelnd.

"M├Âglich ist alles. wir sollten ihn einfach mitnehmen und der Gruppe ├╝bergeben. Entweder handelt es sich um genau jenen, den Haley meint oder eben nicht. Sollte es sich nicht um den D├Ąmon handeln, dann kann er die Kosten f├╝r seine Behandlung bei unserem Heiler abarbeiten und sich dann erneut auf den Weg machen. Wohin auch immer", schlug Marita vor.

"Das ist die einfachste und beste M├Âglichkeit. Und selbst wenn er es sein sollte, ich wei├č nicht, m├╝ssen die Drei entscheiden ob sie ihn aufnehmen m├Âchten. Es kann sein, dass er gar nicht mehr in der Lage ist, seinem Job nachzugehen. Aber das l├Ąsst sich nur innerhalb der Familie kl├Ąren. Wenn er es nicht ist, wie Du so sch├Ân sagst, dann kann er seine Schuld abarbeiten. Den Rest kl├Ąren die Drei", stimmte Haley zu.

Marita, die kr├Ąftigste von den Dreien, packte den Mann unter den Armen und wuchtete ihn hoch. Haley ergriff auf der anderen Seite den Arm des Mannes und gemeinsam machten sie sich nun zu viert auf den Weg.

Die Zeche hatte der Rosend├Ąmon umgehend bezahlt, sie hatten noch nichts bestellt, folglich konnte ihnen auch niemand etwas nachsagen. Birta sch├╝ttelte den Kopf. Das sch├Âne Geld, verschwendet f├╝r guten Wein. Viel zu teuren Wein, wenn man nicht gewillt war diesen zu genie├čen. Als Goblin schmerzte sie jeder Taler der unn├Âtig ausgegeben wurde.

Die drei Frauen suchten sich mit Dimicus ein Versteck etwas au├čerhalb der Stadt und warteten dort auf den Einbruch der Dunkelheit. Den D├Ąmon wurde von ihnen ins Gras abgelegt. So viel wie der Mann auf einmal in k├╝rzester Zeit gesoffen hatte, sollte er seinen Rausch ausschlafen. Und falls er brechen musste, stand genug Botanik zur Verf├╝gung die er damit begl├╝cken konnte.

Endlich zog die Nacht herauf und der Tag verabschiedete sich. Die drei Frauen hatten ein kleines Feuer entfacht und sich daran zu w├Ąrmen und es sich etwas in der Wildnis gem├╝tlich zu machen. Dennoch hielt stets eine von ihnen Wache.

Als das restliche Tageslicht komplett verschwunden war, sp├╝rte Haley eine fremde Pr├Ąsenz in ihrem Kopf. Sie musste sich noch erst daran gew├Âhnen, dass Dave sie nun auch im Wachzustand kontaktierte. Es war ungewohnt ein zweites Bewusstsein neben dem eigenen im Kopf wahrzunehmen.

`Gr├╝├če Haley, wie ist die Lage?┬┤, er├Âffnete Dave das Gespr├Ąch.
`Es herrscht Chaos, der Krieg zwischen den Zwergen und dem Chaos hat sich auf drei Gro├čherzogt├╝mer Almaniens ausgeweitet, Ausnahme Souvagne. Diese stehen den Zwergen im Krieg bei. Ebenso hat Evalon gemeinsam in den Krieg mit den Almanen eingegriffen. Der Vergeltungsschlag des Chaos hat eine Spur der Verw├╝stung hinterlassen. Viele Leute sind auf der Flucht und es mangelt an einigen Ecken an dem Notwendigstens.

Wir waren bereits auf dem R├╝ckweg. Wir befinden uns zur Zeit au├čerhalb von Syriel. In Syriel selbst, in einer Taverne haben wir einen stark abgemagerten Mann entdeckt, der schwer nach dem Rosend├Ąmon aussieht. Schau Dir meine Erinnerungen an┬┤,
antwortete Haley dem Magier.

Einen Augenblick sp├Ąter sp├╝rte Haley genau das, sie f├╝hlte wie Dave ihre Gedanken durchforstete, als w├Ąren es seine eigenen, ehe seine mentalen F├╝hler wieder behutsam aus ihren Erinnerungen zur├╝ckzog.

`Er k├Ânnte es durchaus sein, da stimme ich Dir zu. Um sicher zu gehen m├╝sste ich allerdings seine eigenen Gedanken auslesen. Ich hatte bereits einmal zu ihm Kontakt aufgenommen. Allerdings in seinem jetzigen Zustand, w├Ąre es eine Zumutung mich durch seinen Verstand w├╝hlen zu m├╝ssen.

Bringt ihn mit. Sollten wir uns geirrt haben, werde ich ihm die Erinnerung nehmen und wir setzen den Mann einfach in der Stadt aus. Er wird keine Erinnerung an uns besitzen. Sollte es tats├Ąchlich der Rosend├Ąmon sein, dann schauen wir inwieweit der Mann noch einsatzf├Ąhig ist, oder was seine Einsatzf├Ąhigkeit st├Ârt. Danach entscheiden wir im Tribunal was mit ihm zu geschehen hat.

Gute Arbeit Ihr Drei. Bleibt wo Ihr seid, ich schicke Euch Kariakin. Er wird Euch in einigen Stunden erreichen. Wir sehen uns, sobald Ihr wieder Zuhause seid. Passt auf Euch auf┬┤,
antwortete Dave und die Verbindung brach ab.

Ganz so wie es der Magier versprochen hatte, landete zig Stunden sp├Ąter ein gewaltiger schwarzer Greif in der N├Ąhe der Frauen. Er be├Ąugte jede genau von ihnen und warf dann einen Blick auf das H├Ąufchen Elend, das im Gras seinen Rausch ausschlief.

Mit einiger M├╝he und gemeinsamer Anstrengung gelang es Haley, Birta und Marita den Rosend├Ąmon auf den R├╝cken von Kariakin zu wuchten. Die drei machten es sich selbst gem├╝tlich und klemmten ihren Gast in ihrer Mitte ein, so das er w├Ąhrend des Fluges nicht zu Tode st├╝rzen konnte.

Kaum dass alle richtig sa├čen, breitete der gewaltige Greif erneut seine Schwingen aus und startete wieder durch. Als Kariakin sich mit seiner Fracht in den Himmel schraubte begr├╝├čten ihn die ersten Sonnenstrahlen des aufgehenden Morgens.

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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#5

Beitrag von Dimicus » Mo 27. Nov 2017, 18:54

Irgendwelche sch├Ąndlichen Taten und Worte mussten die Frauen um Dimicus herum planen! Unschwer konnten sie einfach nur dasitzen und ├╝ber Tratsch plaudern. Nicht in seiner N├Ąhe. Das kam gar nicht infrage. Nein, die mussten ihn gerade verh├Âhnen, sich gar ├╝ber ihn lustig machen! Vermutlich hackten sie noch darauf herum, wie er sich f├╝hlte, was er f├╝hlte. Zwar verstand er kein einziges Wort. In seinen Ohren war nur ein Rauschen zu vernehmen. Nur dumpf drangen die weiblichen Stimmen zu ihm durch. Irgendwelche Wortfetzen nahm er wahr.

ÔÇ×D├Ąmon ÔÇŽ Behandlung ÔÇŽ HeilerÔÇť, h├Ârte er einzeln durch den Nebel seiner Trunkenheit. War einer von ihnen etwa von einem D├Ąmonen besessen? Brauchten sie einen f├Ąhigen Heiler oder gar Exorzisten? Na gut, so gesehen waren alle Frauen irgendwie besessen, aber ob da ein Exorzist noch helfen k├Ânnte? Geschweige denn ein Heiler? Im n├Ąchsten Moment dachte Dimicus daran, dass wom├Âglich er gemeint sein k├Ânnte. Doch er war doch gar nicht besessen! Diese Weibsbilder mussten doch sicherlich etwas B├Âsartiges im Schilde f├╝hren!

So unauff├Ąllig wie es nur ging, versuchte Dimicus seinen Dolch vom Boden aufzuheben. Er musste sich verteidigen! Doch zu mehr als einem harmlosen Herumfuchteln unter dem Tisch und ein wenig Brabbeln langte es nicht. Schon im n├Ąchsten Moment war er verwundert. Was wollte er noch gleich? Und wer waren die drei Frauen vor ihm? Wieso hatte er den Dolch in der Hand? Besser steckte er ihn weg, was nach einigen Versuchen gelang. Nicht dass ihm dieses wertvolle Teil noch verloren ging.

Kaum hatte er die geschafft, sp├╝rte er pl├Âtzlich K├Ârper neben sich, die ihn anhoben. ÔÇ×Hey, wasch soll dasch?ÔÇť, lallte er vor sich her, war aber nicht mehr imstande sich nur ein bisschen zu wehren. Allein schon als sie ihn auf die F├╝├če hievten, drehte sich seine Welt in alle Himmelsrichtungen. Hui, war das lustig! Und ihm wurde schlecht! Doch war er gro├č und tapfer! Beinahe stolz grinste er vor sich her, dass er seinem Brechreiz unterdr├╝ckte und sich somit vor den Frauen blamierte. Ob er bei ihnen eine Chance hatte? Alle Drei vielleicht? Doch dann wurde alles um ihn herum schon schwarz und seine Erinnerungen verblassten...

Eine Dimicus nicht bekannte Zeit sp├Ąter...

Ein entsetzlicher Schmerz durchfuhr den K├Ârper Dimicus', als er die ersten Regungen seines K├Ârper wahrnahm. Etwas stimmte gewaltig nicht. Er konnte nicht richtig atmen, etwas Weiches dr├╝ckte ihm die Nase und den Mund ab. Dann schreckte Dimicus pl├Âtzlich nach oben, holte tief Luft! Gro├čer Fehler. ÔÇ×Ah, schei├če!ÔÇť, fluchte er laut. Ein extremer Schmerz bohrte sich durch seinen Sch├Ądel. Seine Augen, welche er weit aufgerissen hatte, nahmen nur verschwommen die Bilder des Raumes um ihn wahr.

Dimicus legte sich schnell wieder hin und presste das Gesicht in das Kissen unter ihm. Ihm war es egal, wo er war oder wer anwesend war. Dieser verdammte Schmerz sollte fortgehen! Sein Sch├Ądel brummte f├╝rchterlich. Was hatte er getrieben? Die Taverne. Dann der Wein. Die Frauen! Ja, aber? Okay, nun obsiegte seine Neugierde und sein ├ťberlebensinstinkt doch. Entgegen des Schmerzes erhob sich Dimicus und blickte sich im Raum um. Seine Augen brauchten einen Moment, um sich an den Umst├Ąnden zu gew├Âhnen. Immer wieder h├Ąmmerte ihm sein Kopf diese Qual ein. Vermutlich nur um ihn an den d├╝mmlichen Fehler zu erinnern, den er sich erlaubt hatte. Doch das hatte keinerlei Vorrang. Im Gegenteil.

Mit gr├Â├čter M├╝he erhob sich Dimicus aus seiner Schlafst├Ątte, die offensichtlich ein sauberes Bett war. Doch der Raum war ihm vollkommen unbekannt. In ihm stand nur das N├Âtigste an M├Âbeln. Das Bett, Nachttisch. In einer Ecke noch ein Stuhl. Der Raum war vielleicht ein paar Schritt breit und lang. Es kam ihm eher wie eine etwas gem├╝tlichere Gef├Ąngniszelle vor.

In dem Moment als sich Dimicus aufsetzte und seine F├╝├če auf den Boden setzte, bemerkte er sofort ein wichtiges Detail. Er war nackt. Nun gut, vielleicht trug er noch die Unterhose. Ansonsten war seine Kleidung, die R├╝stung und auch alles was er am Leib getragen hatte weg. Es war auch nichts davon im Raum zu sehen. Gro├čartig. Vorsichtig tapste Dimicus mit den F├╝├čen auf dem Holzboden unter sich, der sich furchtbar kalt anf├╝hlte. Und dann war doch noch das w├Ąhrende Gef├╝hl des Schwindels, welche nicht von ihm ablassen wollte. Allerdings n├╝tzte es nichts, wenn er einfach im Raum versauerte.

Hingegen jeder Widrigkeit stand Dimicus auf und hielt sich sogleich am Nachttisch fest. Andernfalls w├Ąre er jetzt r├╝cklings nach hinten gekippt. Eine unsichtbare Kraft zog ihn nach hinten. Sein Gleichgewichtssinn hatte wohl einen geh├Ârigen Schaden weggesteckt. Jetzt hie├č es dagegen anzuk├Ąmpfen. Das war jedoch schwerer, als es von au├čen sicherlich den Anschein hatte.

M├╝hevoll k├Ąmpfte sich Dimicus bis zur T├╝r, nur um beim herunterdr├╝cken der Klinke festzustellen, dass abgeschlossen war. Was hatte er eigentlich erwartet? Dumm genug, um so viel zu trinken und sich obendrein von irgendwelchen Frauen mitnehmen zu lassen. Wer wusste schon, wer die waren? Mit einem Seufzen qu├Ąlte er sich zur├╝ck zum Bett und nahm darauf Platz. Ihm blieb wohl nichts Anderes, als zu warten.
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#6

Beitrag von Aino » Di 28. Nov 2017, 20:13

Aino gesellte sich zu Dave in die Schreibstube.

"Du hast nach mir rufen lassen? Ist etwas mit unserem Gast? Hast Du herausfinden k├Ânnen, ob es sich bei ihm tats├Ąchlich um den Rosend├Ąmon handelt Davy?", fragte Aino freundlich und setzte sich Dave gegen├╝ber.

Der Naridier streute Sand ├╝ber das Kassenbuch, wartete einen Augenblick und schlug das Buch sanft zu.

"Ja es handelt sich um den Rosend├Ąmon. Seine Gedanken habe ich einst kurz ber├╝hrt, als ich ihm eine Botschaft zukommen lie├č. Als ich diesmal versuchte, seine Gedanken auszulesen, gestaltete es sich selbstverst├Ąndlich viel schwieriger.

Ich fand nichts was ich als Gedanken oder Tr├Ąume bezeichnen w├╝rde. Vielmehr waren es nichts au├čer ein paar zusammenhangloser Gedankenfetzen, die fast au├čerhalb meiner Wahrnehmungsschwelle lagen. Kurzum nichts verwertbares, aber das ist auch nicht verwunderlich, in dem Zustand wie unser Gast hier ankam",
schmunzelte Dave.

"Ist er wach?", hakte Aino nach.
"Unser Gast schlug vor wenigen Augenblicken die Augen auf. Langsam und verwirrt setzte er sich auf und versuchte wohl erst einmal zur├╝ck in die Wirklichkeit zu finden. Nat├╝rlich kam niemand dazu, um ihm seine Situation zu erkl├Ąren. Er tappte zur T├╝r und stellte fest das diese verschlossen war. ├ťblich f├╝r eine Zelle, gleichg├╝ltig wie sie eingerichtet ist.

Wir haben zuerst einmal die Standard-Vorgehensweise gew├Ąhlt, den Gefangenen eine Weile schmoren zu lassen, um auf diese Weise Angst oder Unbehagen zu sch├╝ren.

Das wird ihn zug├Ąnglicher machen, falls er ├╝berhaupt n├╝chtern genug ist, um zug├Ąnglich zu sein. Sobald er tats├Ąchlich angen├╝chtert ist, werden wir ihn befragen. Komplett ausgen├╝chtert wird ihm nur schlecht sein",
erkl├Ąrte Dave.

"Ich w├╝rde vorschlagen wir schauen einmal nach ihm und stellen ihm einige Fragen. Dann wird sich entscheiden, was er tats├Ąchlich ist. Eventueller Bruder oder nur Zaungast", antwortete Aino.

Dimicus sa├č gerade auf dem Bett, als die T├╝r zu seinem "Zimmer" aufgeschlossen wurde. Als erstes betrat ein gro├čer wei├čer Ork den Raum, neben ihn postierte sich ein Rakshaner. Die beiden flankierten zwei weitere Gestalten, die nach ihnen den Raum betraten.

Eine schlanke, kahlk├Âpfige Frau, die ihren K├Ârper mit schwarz-wei├čen Zeichnungen verziert hatte und einen in schwarzer Robe gekleideten Magier.

"Wir haben also den Rosend├Ąmon zu Gast. Hast Du eine Ahnung wo Du sein k├Ânntest, oder wer wir sind?", fragte Aino Dimicus, w├Ąhrend ihn die drei M├Ąnner argw├Âhnisch im Auge behielten.

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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#7

Beitrag von Dimicus » Di 5. Dez 2017, 17:19

Den Kopf auf die H├Ąnde abgest├╝tzt, ruhte Dimicus seine Augen aus und versuchte mit gr├Â├čter M├╝he den Schmerz seines Katers zu ertragen. So mussten sich die S├Ąufer Drakensteins f├╝hlen, wenn sie am Morgen nach einer durchzechten Nacht aufwachten. Das war ein f├╝rchterliches Gef├╝hl, als ob sein Kopf bald explodieren w├╝rde. Zum Gl├╝ck hatte er Ruhe und Stille, ihm war es gerade egal wo er war oder was um ihn herum passierte.

Doch nat├╝rlich musste genau in dem Moment die T├╝r ge├Âffnet werden, in dem Dimicus den Schmerz zu bes├Ąnftigen glaubte. Schon allein das Knarzen der T├╝r trieb einen Pfahl in die Gehirnwindungen Dimicus', welcher ihn m├╝rrisch aufseufzen lie├č. Dieser verdammte Wein.

M├╝hselig erhob Dimicus seinen Blick und schaute auf die Personen, welche in diesem Moment in den Raum getreten waren. Mehrere Male musste er blinzeln, so glaubte er sich gerade doch noch in einem trunkenen Zustand. Die Gestalten vor ihm konnten unm├Âglich echt sein. Leider wurde der Beweis ihrer Realit├Ąt erbracht, als die Frau unter ihnen die Stimme erhob und damit den Kater Futter gab. ÔÇ×Ach, verdammtÔÇť, murmelte Dimicus auf und rieb sich die Schl├Ąfen.

Dann herrschte Stille im Raum. Vier Augenpaare ruhten auf ihm, er sp├╝rte sie, wie sie ihn betrachteten und vermutlich sogar an seinem Leid labten. Den Moment ausnutzten, zu viert einen halbnackten und unbewaffneten Mann niederzustarren. Doch was sollten sie schon tun? Zu verlieren hatte er eh nichts mehr. Wenn sie ihn get├Âtet h├Ątten, so h├Ątten sie ihm einen gr├Â├čeren Gefallen getan, als wirklich Schaden angerichtet.

Sein Verstand begann einen Augenblick sp├Ąter zu arbeiten, um ├╝berhaupt ├╝ber die ihm gestellte Frage nachdenken zu k├Ânnen. Die gesamte Zeit herrschte Stille. Dunkel erinnerte sich Dimicus an einen Traum den er hatte. Eine Botschaft. In ihr war der Mann vorgekommen, welcher die schwarze Robe trug. Eine Drohung oder Rekrutierung. Einige Zeit darauf hatte Dimicus Nachforschungen dar├╝ber anstellen wollen, allerdings ohne Erfolg. Die Gruppe wollte schon damals nicht gefunden werden ÔÇô und hatte daf├╝r gesorgt, dass es so blieb.

Deshalb konnte Dimicus nur eine ehrliche Antwort auf diese Frage geben. ÔÇ×Leider muss ich mir eingestehen, dass ich keinerlei Ahnung habe wer Ihr seid oder wo ich bin. Doch Euren Mann dort habe ich bereits einmal gesehen. Sprach mir gegen├╝ber eine Drohung aus, in meinen Tr├Ąumen. Offensichtlich Geistmagie, soviel konnten mir meine Recherchen verraten.ÔÇť

Sollte Dimicus Angst haben? Sich eingesch├╝chtert f├╝hlen? Nein. Warum auch? Sein Genie war schon lang verblasst und nur die dahinschwindenden Menschen Drakensteins konnten sich an seine gro├čartigen Taten erinnern. Doch selbst das ging in den Wirren des Krieges unter. Seine Arbeit aus den K├Âpfen der Menschen getilgt. Jegliche Anerkennung zerrissen durch Hunger, Leid und das Schlachtfest der Bewaffneten.

ÔÇ×Aber offensichtlich wollt ihr mich nicht tot sehen, noch habt ihr mich bis jetzt in eine Folterkammer gesteckt. Also offensichtlich w├╝nscht ihr etwas von mir. So sprecht, ich denke Ihr werdet nicht den gesamten Tag Zeit haben.ÔÇť Dimicus machte keinen Hehl daraus, wie entspannt er war. Wenn man von den ekelhaften Schmerzen in seinem Sch├Ądel absah, welche sich immer wieder durch sein gesamtes R├╝ckgrat winden wollte.
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#8

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Di 5. Dez 2017, 20:45

Die Gruppe wartete einen Moment ab, bis sich Dimicus etwas gefangen hatte. Dass es ihm den Umst├Ąnden entsprechend schlecht ging, sah man ihm eindeutig an. Zu verlieren hatte ihr Gast nichts mehr, bis auf sein Leben. Aber um dies als einen Verlust zu verbuchen, musste ihm sein eigenes Leben etwas wert sein.

Scheinbar hatte der Rosend├Ąmon nicht nur all sein Hab und Gut, sondern auch seinen Lebenswillen verloren.

Dass er sie nicht erkannte, war nicht von Bedeutung, es war mehr eine rhetorische Frage gewesen. Aber selbst wenn Dimicus korrekt kombiniert h├Ątte, so w├Ąre ihm nur bewusst gewesen, dass es sich um jene Gruppe von Auftragsm├Ârdern handeln musste, die ihn einst gewarnt hatten, nicht in ihrem Revier zu wildern.

Dave nickte knapp auf Dimicus Bemerkung hin, ein kaum merkliches Schmunzeln umspielte seine Lippen.

"Korrekt, vor einiger Zeit habe ich Dich gewarnt, nicht weiter in unserem Revier zu wildern. Du hast mich wieder erkannt. Nun wir haben Dich bergen lassen, damit Dein Talent nicht verschwendet wird. Ein Tod im Schlammpfuhl ist Deiner kaum w├╝rdig.

Dein Tod ist bis dato nicht unsere Absicht, sondern Deine Rekrutierung in unsere Gilde. Aber vor jede K├╝r hat man die Pflicht zu absolvieren. Ich wei├č wer Du bist, da ich Deine Gedankenmuster ├╝berpr├╝ft habe. Aber ob Du in unsere Gruppe passt, dass m├Âchte ich schon an Deinem wachen Geist ├╝berpr├╝fen. Um unser Zeitfenster f├╝r diesen Plausch musst Du Dir keine Gedanken machen.

Also Rosend├Ąmon, hast Du schon einmal dar├╝ber nachgedacht, innerhalb einer Familie zu arbeiten? Eine Gruppe hat immense Vorteile. Eins vorneweg, solltest Du ablehnen, wirst Du Dich an diese Begegnung nicht erinnern.

Wie Du schon selbst richtig erkannt hast, w├╝nschen wir nicht Deinen Tod. Aber nur die Vorsichtigen ├╝berleben dieses Gesch├Ąft lange genug, um davon zu profitieren. Das hei├čt, solltest Du gehen, wirst Du alles vergessen. Es wird keine Erinnerung an uns zur├╝ck bleiben. Ich werde Deine Gedanken bereinigen. Sterben wirst Du nicht. Wie lautet Deine Antwort?",
hakte Dave nach.

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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#9

Beitrag von Dimicus » Fr 8. Dez 2017, 17:06

Mit m├╝den Augen blickte Dimicus seinen Gef├Ąngnisw├Ąrtern entgegen. Die Worte Davards hallten durch die Hirnwindungen Dimicus' und neben den Schmerz versuchte dieser, sich dessen Sinngehalt bewusst zu werden. Es war nichts, was nicht schwer zu verstehen war, doch die Nachhaltigkeit dieser Entscheidung musste bedacht werden.

Vorsichtig erhob sich Dimicus vom Bett. Noch etwas wacklig aber nicht z├Âgernd ging er auf die Gestalten vor sich zu. Sie hatten sich aufgebaut. Ein Wall aus Fleisch der weder ein Entkommen noch eine Wehrhaftigkeit zulie├č. Doch die Absichten des Walls waren friedlich, gar einend. Keine aggressive Natur war in ihr verborgen, doch Dimicus sah, wie gewaltig die Macht dieser Mauer sein konnte. Und jeder einzelne Stein war in der Lage einen Prozess in Bewegung zu setzen, der dem Glanz in den Augen eines Anderen das Ende setzen konnte.

Diese Einstellung gefiel Dimicus. Diese Erscheinung die sie w├Ąhlten. Doch eines st├Ârte ihn. Etwas, was seinem Auge f├╝r die Kunst v├Âllig unzufrieden stimmte. "Euch fehlt es an Vorstellungskraft. Euer Akt der Machtoffenbarung mir gegen├╝ber ist so roh, primitiv. Wie soll ich damit nur arbeiten?", fragte Dimicus, besah sich dabei seine Gegen├╝ber genaustens. Er hatte in seine Stimme Spott gelegt, wenn auch herausfordernder Natur. Kr├Ąftem├Ą├čig konnte er sich keinesfalls messen, doch im Geiste sollten sie erhaben sein, wenn sie ihm ein solches Angebot unterbreiteten.

"Ich liebe es, eine Vorstellung zu geben. Begeisterung und Angst zu wecken. Doch die Massen verabscheue ich. All' ihre Augen auf mich gerichtet, gierig nach mir greifend und doch nicht f├Ąhig zu begreifen." Dimicus begann vor der Truppe langsam auf und ab zu laufen. Seine Beine und die Kopfschmerzen lie├čen keine fl├╝ssigen Bewegungen zu, doch mit aller Macht versuchte er, Eleganz in seine Gliedma├čen zu bringen.

"Ihr, ein Bund von Auftragsm├Ârdern und Lebensnehmern, ihr begreift das T├Âten als Profession, als eine Sache die erledigt werden muss. Doch es ist mehr. Es ist Kunst in seiner h├Âchsten Form, deren Vollendung nur die denkbar besten Fingerspitzen ben├Âtigt." Dimicus hielt inne, stellte sich vor dem Mann mit der Robe und der kahlgeschorenen Frau auf.

"Meine Kunst ist nicht zu pr├╝fen, nicht zu begreifen. Nicht f├╝r jemanden wie Euch. Doch ich werde sie mit Euch teilen. Doch nur unter bestimmten Voraussetzungen, die ich von Euch verlange.ÔÇť

Dimicus hob seine Hand, ballte sie zu einer Faust, um sogleich den Zeigefinger aufzurichten. ÔÇ×Nummer Eins, ich brauche ein Atelier, in dem ich mich abschotten und meine Ruhe haben kann. Ob es zugleich mein Zuhause ist, ist nicht von Bedeutung.ÔÇť

Der Daumen stellte sich von Dimicus' Faust ab. ÔÇ×Zweitens. Meine Kunst kann nicht gepr├╝ft werden. Sie ist ein Gesch├Âpf welches nicht unter Beobachtung gestellt oder in Gefangenschaft genommen werden kann. Ihr m├╝sst mir vertrauen, wenn Ihr mich in die Familie aufnehmen wollt.ÔÇť

ÔÇ×Drittens.ÔÇť Der Mittelfinger Dimicus' erhob sich. ÔÇ×Auftr├Ąge erledige ich nach eigenem Ermessen. Das beinhaltet, ob ich sie annehme, wie ich sie ausf├╝hre und wie lange ich mir daf├╝r Zeit nehme.ÔÇť

ÔÇ×Diese bescheidenen Anforderungen habe ich, um mit Euch zu arbeiten. Werdet Ihr sie mir geben oder nicht?ÔÇť

Im selben Moment wusste Dimicus, dass er hoch pokerte und seine Anforderungen sehr hoch f├╝r eine Gilde waren. Doch sie mussten sich erkenntlich erweisen, schlie├člich sollte sein Genie noch immer unabh├Ąngig bleiben. Und letzten Ende blieb immer eins in seinem Kopf: Was hatte er zu verlieren?
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#10

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Fr 8. Dez 2017, 22:25

Dave behielt jede Bewegung von Dimicus im Auge, ebenso seine Begleiter.

"Kunst und Profession sollten Hand in Hand gehen. Das man Mord zu einer Kunstform erheben kann, ist jedem hier bewusst. Allein schon die Tatsache einen Auftrag so auszuf├╝hren, dass man allen Vorgaben gerecht wird, ist ebenfalls Kunst. Die Kunst aus den gegebenen Vorgaben, genau das zu schaffen, was sich ein anderer w├╝nscht. Freie K├╝nstler neigen oft zu Ma├člosigkeit und zu selbstvergessenen Handlungen. Und wo diese enden, wei├č jeder von uns.

Jeder einzelne von uns sieht sein Werk mit eigenen Augen und hat seine ureigene Handschrift, die nur ein direkter Kollege zu lesen wei├č. Es ist eine Frage der Passion und des pers├Ânlichen Geschmacks, der allerdings in der Familie um der Familie Willen in Grenzen gehalten werden muss.

Wobei wir bei Deinen Forderungen w├Ąren.

Punkt eins - Dein Atelier. Sobald Du ein Familienmitglied bist, wirst Du ein Quartier zugewiesen bekommen. Ob Du es Atelier nennen m├Âchtest, bleibt Dir ├╝berlassen.

Punkt zwei - abgelehnt. Deine Kunst wird von mir nicht bewertet, allerdings Deine Person. Die Auslesung ist keine Wahloption, sondern Pflicht. Lehnst Du das Auslesen ab, muss ich Dich nicht mehr auslesen, da ich wei├č, dass Du feindliche Gedanken vor uns verbirgst.

Alle anderen Kleinigkeiten die so mancher Geist aus Scham verbergen m├Âchte, interessieren mich nicht, dass kann ich Dir versichern. Und ich habe vermutlich schon weitaus schlimmere Gedankenwelten betreten als Deine.

Punkt drei - abgelehnt. Wir sind eine Gilde, kein Wohlt├Ątigkeitsverein. Jeder hat seinen Beitrag zum Leben und ├ťberleben der Familie zu leisten. Folglich auch damit einhergehende Auftr├Ąge. Zudem w├Ąrst Du ein Neuling, ein Welpe. Du w├╝rdest einem Leitwolf unterstellt. Das Du t├Âten kannst, steht au├čer Frage. Das kann in meiner Familie aber bereits jedes dreij├Ąhrige Kind, sollte man ihm ein Messer in die Hand dr├╝cken.

Ob Du entsprechend den Vorgaben t├Âten kannst, dass steht hier auf dem Pr├╝fstand. Ebenso Deine Zuverl├Ąssigkeit, was Deine F├Ąhigkeiten angelangt. Kurzum in der Familie f├Ąngst Du ganz klein an, wieder jeder Neuling. Du wirst die Auftr├Ąge erledigen die man Dir zuteilt und Du wirst sie den Vorgaben entsprechend erledigen. In der ersten Zeit wirst Du sowieso nicht allein arbeiten.

Punkt vier - Blut. Eine weitere Pflicht in unserer Familie. Solltest Du in die Familie aufgenommen werden, wird Dir ein Familienmitglied Blut abnehmen. Dies dient der Absicherung beider Seiten. Das hei├čt, solltest Du uns jemals verraten, werden wir Dich dar├╝ber finden. Gleichg├╝ltig wo Du Dich aufh├Ąltst. Solltest Du allerdings als Bruder in Not geraten, finden wir Dich ├╝ber Dein Blut selbstverst├Ąndlich genauso. Wir stehen f├╝r unsere Leute ein.

Wie sieht Deine Antwort aus?",
hakte Dave nach.

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