Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. WĂ€hrend die Urvölker auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. GeheimbĂŒnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Wie die Rose zu den Geistern fand

Das Geisterhaus
Die Geister waren bis zum Jahr 202 eine erfolgreiche Gilde von Auftragsmördern. Jedoch bot das Leben im Geisterhaus mehr als nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch ein zu Hause fĂŒr Verlorene. Wichtigste Aufnahmebedingungen waren absolute LoyalitĂ€t und Verschwiegenheit - sonst endete man rasch selbst auf der Todesliste. Die ehemaligen Geister verdienen ihren Lebensunterhalt heute auf ehrbare Weise als "Fantomes" in Souvagne.
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Dimicus
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Wie die Rose zu den Geistern fand

#1

Beitrag von Dimicus » Sa 25. Nov 2017, 23:09

Einen letzten Blick schenkte Dimicus der Stadt Drakenstein, als er durch das sumpfige Land Almaniens schritt. Die Stadt war seit der Überflutung ein Hort des Chaos geworden. Nahrungsknappheit und der Zusammenbruch der Infrastruktur hatten seinen Tribut gefordert. Die Bewohner der Stadt hatten begonnen zu plĂŒndern. Jeder tötete den Anderen fĂŒr ein StĂŒck Brot. Eine große Stadt , die innerhalb weniger Zeit ein Schatten seiner selbst wurde. Auch Dimicus hatte sich grausamer Methoden bedienen mĂŒssen, um sich selbst ĂŒber Wasser zu halten. Doch die gesamte Zeit war ihm bewusst geworden, dass die Stadt nicht mehr seine Heimat sein wĂŒrde. Nichts darin hatte mehr Bestand gehabt. Nun auch verwĂŒstete der Krieg die letzten Überreste seiner Heimat.

WĂ€hrend seine Augen den Rauschschwaden ĂŒber der Stadt folgten, musste er an vieles zurĂŒckdenken. Sein Genie, seine Kunst. Sie alles war nichts mehr wert. Genau so wie seine Person. Er hatte alles verloren. Der letzte Rest entschwand mit dem Rauch, der aus dem Inneren der Stadtmauern trat. Zumindest hatte er aus der Stadt fliehen können Shazeem und die Anderen wollten bleiben, um das Chaos auszunutzen. Ihm aber verholfen sie zur Flucht. Er hatte seinen Anteil in der Geschichte Drakensteins gehabt. Doch jede Spur verbrannte in den Feuern des Chaos. Rakshor freute sich sicherlich.

Dimicus blickte in die trĂŒbe Suppe, in der er mit seinen Stiefeln stand. Sein Gesicht spiegelte sich auf der OberflĂ€che wieder. Die Augen untermalt von schwarzen RĂ€ndern, die Wangen eingefallen und der Gesichtsausdruck geprĂ€gt von langem Leid. Es war alles weg. Er hatte es nicht verhindern können. Sein einziger Weg fĂŒhrte hinaus aus Almanien, mit nicht mehr als seiner AusrĂŒstung und dem Teil seines Reichtums, den er hatte tragen können. Es war nicht viel, doch es war in seinen Augen genug. Schließlich schaute er wieder auf und blickte in die Richtung, in der sich bewegen wollte. Die Strecke wĂŒrde lang und kraftraubend werden. Das war ihm bewusst, doch hatte er keine andere Wahl mehr.

Hauptsache war es, dass er aus Almanien floh, bevor der Krieg ihn abermals einholte und sein Leben einforderte. Shazeem hatte ihm geraten, dem Flusslauf des Draken zu folgen. Der sicherste Weg, um in das nĂ€chste Land zu kommen. Die Bergwychtl herrschten dort ĂŒber ein unabhĂ€ngiges Land. Dimicus wollte, so hoffte er zumindest, dort Unterschlupf finden und seine weitere Vorgehensweise erkunden. Doch so frei wie er jetzt war, ohne Wurzel und Anker, wusste er noch lang nicht, wo er hingehören wĂŒrde.

So begann Dimicus' weite Reise durch das Land, seine einzige Orientierung war der Draken, oder besser das, was von ihm ĂŒbrig war. Zu seinem Pech war es Winter und es wurde eine pure Qual, unbeschadet durch die LĂ€ndereien zu wandern. KĂ€lte, Erschöpfung und auch Hunger forderten schnell ihren Tribut. Er fand selten eine Gelegenheit sich auszuruhen, geschweige denn Nahrung oder sauberes Wasser.

Mit GlĂŒck fand er HĂŒgel und zerstörte Gehöfte, die nicht mit Wasser bedeckt waren. Nur an diesen Orten konnte er rasten, doch nie konnte er richtig schlafen. Stets war er auf der Hut, bereitete sich akribisch darauf vor, im Notfall zu fliehen oder zu verstecken. Sein körperlicher Zustand wurde zunehmend fragiler. Die Schritte wurden beschwerlicher, die Bewegungen langsamer und jeden Tag schmerzte der Körper mehr.

Zur Krönung beutelte ihn schon bald eine Krankheit, die seinem Körper zusĂ€tzlich belastete. Eine ErkĂ€ltung, vielleicht auch ein Infekt. Er wusste es nicht ganz genau. Letztendlich war er kein Medicus, der sein Gebrechen bestimmen und behandeln konnte. Das Einzige was ihn antrieb, war der Wille zu ĂŒberleben. Ein Instinkt. Nicht sein Verstand, nicht der Wunsch nach einem lĂ€ngeren Leben. Was war dieses Leben schon wert, wenn ihm alles genommen worden war?

Diese Art der VerĂ€nderung, sie machte Dimicus vollkommen fertig. In einem Moment konnte er noch in der Stadt Drakenstein ĂŒberleben, lernte lieben und lachen. Doch das alles war weg. Einfach so. Verschwunden und ausgelöscht. Nun blieb ihm nicht mehr als Kummer und seine Existenz. Er hasste dieses GefĂŒhl. Zuvor war er auch klargekommen, ohne diese Dinge! Doch jetzt war alles anders.

Mit letzter Kraft erreichte Dimicus schließlich eine Stadt Almaniens, welche nicht ĂŒberflutet war! Sogar im Gegenteil. Sie schien auch unter Nahrungsnot zu leiden, doch ihre Verbindung zu den LĂ€ndereien der Bergwychtl ermöglichten das Schlimmste zu verhindern. So zumindest erfuhr es Dimicus von einem hiesigen Wirt, der ihn sehr mitleidig angeschaut hatte. Es war kein Wunder. So betrachtete er sein Spiegelbild und fand ein fahles Gesicht vor. Seine Augen hatten jeden Glanz verloren. Schmutz, Kratzer und Schorf zierten sein Gesicht. Seine RĂŒstung war gerissen, die Kleidung darunter schmutzig und kaputt.

Seine Krankheit hatte sich zunehmend verschlimmert. Zumindest bot ihm sein Geld Essen und GetrĂ€nk, doch laut der Auskunft des Wirtes musste er bald weiter. Einen fĂ€higen Medicus gab es in der Stadt nicht, so verwies der Wirt auf Syriel im Gebiet der Bergwychtl. Dort sollte es einen Arzt geben und wenn Dimicus dort hin wollte, könne er sich einer der Handelskarawanen anschließen, um die Reise sicherer zu ĂŒberstehen. Wenn auch nur gegen Bezahlung. Geld spielte jedoch keine Rolle fĂŒr Dimicus.

Das Wichtigste war, weiter zu kommen und dieses lĂ€stige GefĂŒhl der Krankheit loszuwerden. Seine GefĂŒhlswelt war erkaltet und selbst der Drang seiner Kunst lang abgeflacht. Nicht einen Moment hatte er mehr an sich gedacht. FĂŒr ihn waren seine grĂ¶ĂŸten Tage gezĂ€hlt und er wartete nur noch auf den Tod. Allerdings wollte ein kleiner Funken in ihm sagen, dass alles besser ist, als an einer Krankheit zu sterben. Ein lebensrettender Gedanke, wie er spĂ€ter erfahren sollte.

Denn kaum in Syriel angekommen, wandte er sich an an den hiesigen Medicus. Der schĂŒttelte nur mit dem Kopf und schlug die Hand voller Entsetzen gegen die Stirn. „Wieso habt Ihr nicht besser auf Euch geachtet?“, bekam er zu hören. „Das ist eine ausgewachsene Grippe! Es ist ein Wunder, dass ihr ĂŒberhaupt laufen könnt, geschweige denn lebt!“ Ohne Dimicus auch nur eine Chance zu lassen, sich gegen die Behandlung zu wehren, verarztete ihn der Medicus von Kopf bis Fuß. Behandlung mit Magie, KrĂ€uter und Trank, gefolgt von strikten Anweisungen. Das zu horrenden Kosten! Durch die Behandlung verlor Dimicus den grĂ¶ĂŸten Teil seines Vermögens, doch war ihm keine andere Wahl geblieben.

Mit dem letzten Rest seines GeldsĂ€ckels wandte sich Dimicus schließlich in die Taverne der Stadt. Wankend und stark geschwĂ€cht öffnete er deren TĂŒr, worauf ihm der wohlige Geruch von Essen und Wein entgegenschlug. Bei der Untersuchung des Arztes hatte er festgestellt, wie abgemagert er mittlerweile geworden war. Seine Rippe hatte man einzeln zĂ€hlen können, die Muskeln waren schwach geworden. Wie der Arzt es gesagt hatte, es war ein Wunder, dass Dimicus noch am Leben war. Doch er nannte es kein Leben. Mehr ein Schatten seines frĂŒheren Selbst.

Dieser Schatten schlich auf einen der Tische des Gasthauses zu, nahm Platz und wartete geduldig auf die Bedienung. Blicke zogen sich auf ihn, doch Dimicus war es egal. Ein Tuscheln ging durch den Raum, seine Ohren vernahmen flĂŒsternde Worte. Er schloss seine Augen und versuchte es auszublenden. Es war zu viel, sie alle sollten verschwinden! Sie hatten keine Ahnung mit wem sie es zu tun hatten! Dimicus legte seine HĂ€nde auf seine Ohren und versuchte sie alle aus seinem Kopf fernzuhalten. Doch dann tippte ihn jemand an. Erschrocken fuhr er hoch.

Vor ihm stand die Schankmaid. Ein sorgenvolles und doch zugleich unsicheres LĂ€cheln befand sich auf ihren Lippen. „Was darf ich Euch bringen?“, fragte sie, zupfte dabei ihre SchĂŒrze zurecht.

Mit mĂŒden Augen betrachtete Dimicus die Frau vor sich, seine ZĂŒge regten sich fĂŒr einen Moment nicht. Die Bedienung begann unruhig auf den FĂŒĂŸen umher zu wippen. „Ein Braten. Und eine Flasche Rotwein. Eine ganze Flasche“, erklĂ€rte Dimicus, suchte einige MĂŒnzen aus seinem Geldbeutel und gab sie ihr. Nickend nahm sie die Bestellung auf und verschwand schnell in Richtung KĂŒche. Mittlerweile war im Raum Stille eingekehrt. Die Menschen betrachteten Dimicus unter vorgehaltener Hand. Niemand traute sich etwas zu sagen. Immer wenn Dimicus einen von ihnen in die Augen schauen wollte, blickten sie sofort weg. Feiges Pack.

So wartete Dimicus, bis schließlich sein Essen und der Rotwein kam. Dazu ein entsprechendes Weinglas. Allerdings machte sich Dimicus nichts aus Tischmanieren. Grob schaufelte er mit Messer und Gabel das Essen in seinen Mund. Dabei entkorkte er die Flasche und soff den Wein, statt ihn zu genießen. NatĂŒrlich dauerte es so nicht lang, dass der sonst vernĂŒnftige und kalkulierende Dimicus ein Opfer der Trunkenheit wurde.

Das war nun das Schicksal des einstigen RosendĂ€monen. Einst ein glorreicher KĂŒnstler, prĂ€gend fĂŒr Generationen und der Schrecken eines Landes. Nun nicht mehr als ein saufender Tavernengast, der sich köstlichen Wein einfach in den Rachen goss, als wĂ€re es ein billiger Fusel aus einer Schwarzbrennerei. Dabei galt jeder Gedanke seiner verlorenen Vergangenheit – und fehlenden Zukunft.
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#2

Beitrag von Davard von Hohenfelde » So 26. Nov 2017, 15:13

Haley, Birta und Marita


Almanien versank im Chaos des Krieges. Nun nicht ganz Almanien, ein Großherzogtum blieb verschont von den Kriegswirren. Aber dieses hatte sich auch aus dem Krieg, wie ĂŒblich, herausgehalten. Weshalb die Golbins samt den restlichen GroßherzogtĂŒmern beschlossen hatten, in den Krieg der Zwerge mit dem Chaos einzugreifen, entzog sich Haleys Kenntnis.

Meist agierte ihre Gruppe auf fremden Boden und sehr oft war es der Boden Almaniens oder noch der von Evalon. Einzige Ausnahme ihres Aktionsradius war Shohiro. Niemand jagte dort, wo er lebte.

Haley, eine naridische Almanin, war gemeinsam mit Birta und Marita unterwegs um Informationen zu sammeln. Bei Birta handelte es sich um eine naridische Goblin und Marita war eine Tieflingsfrau vor deren langen Fingern so gut wie nichts sicher war.

Manche Informationen waren Gold wert, andere wiederum dienten dem Vorankommen der Gruppe. In den Wirren des Krieges tauchten so manche GeschĂ€ftsmöglichkeiten auf, von denen man vorher nicht geglaubt hatte, dass sie je zustande kommen wĂŒrden.

Folglich galt es die Lage zu sondieren und die Augen und Ohren offen zu halten. Überall sah man auf den Straßen wie auch in den GasthĂ€usern mehr oder minder verzweifelte Gesichter. Die einen von Leid und Hunger geplagt, die anderen vom erlebten Grauen.

Die drei Frauen waren nach einer langen und ereignisreichen Erkundungstour gerade wieder auf dem Heimweg, als sie es sich in einer Taverne gemĂŒtlich machten. Sie befanden sich in Syriel, es war noch ein gutes StĂŒck ehe sie wieder heimatlichen Boden betreten wĂŒrden.

Haley stutzte, als sie an einem anderen Tisch ein Gesicht bemerkte. Es war eingefallen, aber es entsprach ansonsten der Beschreibung, die ihr Dave - ihr Mittelsmann und Sprecher der Geister vom RosendĂ€mon ĂŒbermittelt hatte. Soweit Haley sich erinnern konnte, hatte Dave ihn bereits einmal verwarnt, was das Jagen im Revier der Geister anbelangte.

Der Mann sah allerdings nicht mehr danach aus, als hatte er vor irgendwem Schwierigkeiten zu bereiten. Haley wusste, dass die Geister bereit waren, fÀhige Leute zu rekrutieren und das was sie vom RosendÀmon gehört hatte, sagte ihr, dass er ein fÀhiger Mann war, was ihr blutiges Handwerk anbelangte.

Die Naridierin gab ihren beiden Begleiterinnen ein Zeichen. Die Frauen standen auf und machten es sich am Tisch des RosendĂ€mons gemĂŒtlich. Haley musterte den Mann der sich binnen Minuten betrunken hatte von oben bis unten. Birta hopste auf den Stuhl neben den DĂ€mon und schlackerte vergnĂŒgt mit den Ohren, wĂ€hrend Marita aufmerksam die GĂ€ste im Auge behielt.

"Du bist KĂŒnstler nicht wahr? Ich glaube ich erkenne Dich wieder. Ein Freund von mir hatte bereits einmal mit Dir Kontakt aufgenommen, als Du Dich verlaufen hast. Du warst versehentlich in unserem Garten. Aber nun scheint die Zeit der Rosen vorbei zu sein, mein Freund.

Ich weiß, dass unser gemeinsamer Freund gute Arbeit erkennt und schĂ€tzt. Ebenso seine Vorgesetzte. Bevor Du Dich weiter sinnlos betrinkst, sollten wir von Dir retten, was von Dir ĂŒbrig geblieben ist. Unser gemeinsamer Freund wĂŒrde es uns verĂŒbeln, wĂŒrden wir einen Bruder im Geiste in diesem Zustand in diesem Loch zurĂŒcklassen.

Folge uns GĂ€rtner auf den Feldern des Todes - folge uns RosendĂ€mon. Wir werden bis zum Einbruch der Nacht warten. Dann wird unser Freund wie ĂŒblich Kontakt zu uns aufnehmen. Und sobald er davon erfĂ€hrt, dass Du unseres Schutzes bedarfst, den Schutz der Familie - wird er Hilfe entsenden.

Komm mit uns",
flĂŒsterte Haley aufmunternd.

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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#3

Beitrag von Dimicus » So 26. Nov 2017, 18:10

NatĂŒrlich fiel es selbst Dimicus in seiner Trunkenheit auf, dass ein ungleiches Trio die Taverne betrat. Sein Blick wollte sich nicht richtig auf sie fokussieren. So blieben ihm Details und eine genauere EinschĂ€tzung vollstĂ€ndig verwehrt. Doch was brauchte er diese Dinge auch? "Scheiß drauf", lallte er leise vor sich her, ehe er den letzten Rest seiner Weinflasche trank. "Noch eine!", brĂŒllte er durch den Schankraum und legte ein paar MĂŒnzen ungezĂ€hlt auf den Tisch ab.

Im nĂ€chsten Moment kam auch schon die Bedienung vorbei. Dimicus schaute gar nicht zu ihr hinauf. Das Einnzige was er sah, war der untere Teil einer weiteren Flasche voll Wein. Irgendwelche Worte sĂ€uselten um seine Ohren, irgendwas mit "genug" oder "ungesund". Was sollte es schon. Ohne auf die Frau zu achten, riss er an der dritten Flasche des Abends und nahm sie der Kellnerin somit ungelenk aus der Hand. Dann gab es da nur noch das Kratzen von Metall ĂŒber den Tisch, dann war sie auch wieder verschwunden. Genau wie das Geld.

Das war Dimicus vollkommen egal. Der RosendĂ€mon, großer Name in Almanien. GefĂŒrchteter KĂŒnstler. ZĂ€hmer der Löwin. Schrecken des Landes. Kunst des Todes. Alles pure Scheiße! Nichts wert! Was waren das schon? Titel. Mehr nicht. Nur verlauste Titel! Auf diese musste er gleich erst einmal Trinken, da flutschte auch schon der Korken aus der Flasche und der erste Schwall des sĂŒĂŸen Gesöffs verschwand in seinem Rachen.

Plötzlich spĂŒrte er etwas. WindzĂŒge um ihn herum. GerĂŒche die durch seine dicke Nase stießen. Eine Vibration neben ihm. Der Tisch wackelte. Dimicus blickte auf, worin sich gleich die gesamte Welt in jede Richtung zu drehen und verzerren begann. Um ihn herum drei Gestalten. Die Frauen. Nur mit MĂŒhe unterdrĂŒckte er seinem Brechreiz, um nicht vor ihnen auf den Tisch zu kotzen. Eine von ihnen faselte irgendwas, Worte die Dimicus kaum mehr in seinem Verstand verarbeiten konnte.

Seine wankende Hand ging an seinen GĂŒrtel, versuchte mehrere Male vergeblich nach dem Griff einer seiner Dolche zu greifen. Irgendwann bekam er kaltes Leder zu fassen. Er zog daran. Doch seine Kraft reichte nicht aus, um den Dolch festzuhalten. Klimpernd fiel er zu Boden, schmerzhaft hallte dieses GerĂ€usch durch seinen dröhnenenden Kopf. Gegen die Schmerzen konnte nur ein weiterer, tiefer Schluck aus der Flasche helfen! Den nahm er auch sogleich. Mittlerwiele schmeckte er nichts mehr.

"Ich komm klar", lallte er vor sich hin, sein Körper wankte bedrohlich von einer Seite zur Anderen. "Einfach ... einfach gehen. Brauch' keine Hilfe. Ist eh alles weg." Ein weiterer Zug aus der Flasche folgte, die mittlerweile fast leer war. "Brauche neu. Holt ihr mir?", fragte er in die Runde, ohne auch nur einen Moment zu hinterfragen, was um ihn herum geschah.
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#4

Beitrag von Davard von Hohenfelde » So 26. Nov 2017, 20:26

Haley, Birta und Marita

Birta zog die Ohren nach hinten und musterte ihre beiden Kolleginnen. Sie war nicht ganz davon ĂŒberzeugt, ob dies wirklich der Mann war, von dem Haley gesprochen hatte.

"Meinst Du wirklich er wĂŒrde sich so gehen lassen?", fragte Birta zweifelnd.

"Möglich ist alles. wir sollten ihn einfach mitnehmen und der Gruppe ĂŒbergeben. Entweder handelt es sich um genau jenen, den Haley meint oder eben nicht. Sollte es sich nicht um den DĂ€mon handeln, dann kann er die Kosten fĂŒr seine Behandlung bei unserem Heiler abarbeiten und sich dann erneut auf den Weg machen. Wohin auch immer", schlug Marita vor.

"Das ist die einfachste und beste Möglichkeit. Und selbst wenn er es sein sollte, ich weiß nicht, mĂŒssen die Drei entscheiden ob sie ihn aufnehmen möchten. Es kann sein, dass er gar nicht mehr in der Lage ist, seinem Job nachzugehen. Aber das lĂ€sst sich nur innerhalb der Familie klĂ€ren. Wenn er es nicht ist, wie Du so schön sagst, dann kann er seine Schuld abarbeiten. Den Rest klĂ€ren die Drei", stimmte Haley zu.

Marita, die krÀftigste von den Dreien, packte den Mann unter den Armen und wuchtete ihn hoch. Haley ergriff auf der anderen Seite den Arm des Mannes und gemeinsam machten sie sich nun zu viert auf den Weg.

Die Zeche hatte der RosendĂ€mon umgehend bezahlt, sie hatten noch nichts bestellt, folglich konnte ihnen auch niemand etwas nachsagen. Birta schĂŒttelte den Kopf. Das schöne Geld, verschwendet fĂŒr guten Wein. Viel zu teuren Wein, wenn man nicht gewillt war diesen zu genießen. Als Goblin schmerzte sie jeder Taler der unnötig ausgegeben wurde.

Die drei Frauen suchten sich mit Dimicus ein Versteck etwas außerhalb der Stadt und warteten dort auf den Einbruch der Dunkelheit. Den DĂ€mon wurde von ihnen ins Gras abgelegt. So viel wie der Mann auf einmal in kĂŒrzester Zeit gesoffen hatte, sollte er seinen Rausch ausschlafen. Und falls er brechen musste, stand genug Botanik zur VerfĂŒgung die er damit beglĂŒcken konnte.

Endlich zog die Nacht herauf und der Tag verabschiedete sich. Die drei Frauen hatten ein kleines Feuer entfacht und sich daran zu wĂ€rmen und es sich etwas in der Wildnis gemĂŒtlich zu machen. Dennoch hielt stets eine von ihnen Wache.

Als das restliche Tageslicht komplett verschwunden war, spĂŒrte Haley eine fremde PrĂ€senz in ihrem Kopf. Sie musste sich noch erst daran gewöhnen, dass Dave sie nun auch im Wachzustand kontaktierte. Es war ungewohnt ein zweites Bewusstsein neben dem eigenen im Kopf wahrzunehmen.

`GrĂŒĂŸe Haley, wie ist die Lage?ÂŽ, eröffnete Dave das GesprĂ€ch.
`Es herrscht Chaos, der Krieg zwischen den Zwergen und dem Chaos hat sich auf drei GroßherzogtĂŒmer Almaniens ausgeweitet, Ausnahme Souvagne. Diese stehen den Zwergen im Krieg bei. Ebenso hat Evalon gemeinsam in den Krieg mit den Almanen eingegriffen. Der Vergeltungsschlag des Chaos hat eine Spur der VerwĂŒstung hinterlassen. Viele Leute sind auf der Flucht und es mangelt an einigen Ecken an dem Notwendigstens.

Wir waren bereits auf dem RĂŒckweg. Wir befinden uns zur Zeit außerhalb von Syriel. In Syriel selbst, in einer Taverne haben wir einen stark abgemagerten Mann entdeckt, der schwer nach dem RosendĂ€mon aussieht. Schau Dir meine Erinnerungen anÂŽ,
antwortete Haley dem Magier.

Einen Augenblick spĂ€ter spĂŒrte Haley genau das, sie fĂŒhlte wie Dave ihre Gedanken durchforstete, als wĂ€ren es seine eigenen, ehe seine mentalen FĂŒhler wieder behutsam aus ihren Erinnerungen zurĂŒckzog.

`Er könnte es durchaus sein, da stimme ich Dir zu. Um sicher zu gehen mĂŒsste ich allerdings seine eigenen Gedanken auslesen. Ich hatte bereits einmal zu ihm Kontakt aufgenommen. Allerdings in seinem jetzigen Zustand, wĂ€re es eine Zumutung mich durch seinen Verstand wĂŒhlen zu mĂŒssen.

Bringt ihn mit. Sollten wir uns geirrt haben, werde ich ihm die Erinnerung nehmen und wir setzen den Mann einfach in der Stadt aus. Er wird keine Erinnerung an uns besitzen. Sollte es tatsÀchlich der RosendÀmon sein, dann schauen wir inwieweit der Mann noch einsatzfÀhig ist, oder was seine EinsatzfÀhigkeit stört. Danach entscheiden wir im Tribunal was mit ihm zu geschehen hat.

Gute Arbeit Ihr Drei. Bleibt wo Ihr seid, ich schicke Euch Kariakin. Er wird Euch in einigen Stunden erreichen. Wir sehen uns, sobald Ihr wieder Zuhause seid. Passt auf Euch aufÂŽ,
antwortete Dave und die Verbindung brach ab.

Ganz so wie es der Magier versprochen hatte, landete zig Stunden spÀter ein gewaltiger schwarzer Greif in der NÀhe der Frauen. Er beÀugte jede genau von ihnen und warf dann einen Blick auf das HÀufchen Elend, das im Gras seinen Rausch ausschlief.

Mit einiger MĂŒhe und gemeinsamer Anstrengung gelang es Haley, Birta und Marita den RosendĂ€mon auf den RĂŒcken von Kariakin zu wuchten. Die drei machten es sich selbst gemĂŒtlich und klemmten ihren Gast in ihrer Mitte ein, so das er wĂ€hrend des Fluges nicht zu Tode stĂŒrzen konnte.

Kaum dass alle richtig saßen, breitete der gewaltige Greif erneut seine Schwingen aus und startete wieder durch. Als Kariakin sich mit seiner Fracht in den Himmel schraubte begrĂŒĂŸten ihn die ersten Sonnenstrahlen des aufgehenden Morgens.

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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#5

Beitrag von Dimicus » Mo 27. Nov 2017, 18:54

Irgendwelche schĂ€ndlichen Taten und Worte mussten die Frauen um Dimicus herum planen! Unschwer konnten sie einfach nur dasitzen und ĂŒber Tratsch plaudern. Nicht in seiner NĂ€he. Das kam gar nicht infrage. Nein, die mussten ihn gerade verhöhnen, sich gar ĂŒber ihn lustig machen! Vermutlich hackten sie noch darauf herum, wie er sich fĂŒhlte, was er fĂŒhlte. Zwar verstand er kein einziges Wort. In seinen Ohren war nur ein Rauschen zu vernehmen. Nur dumpf drangen die weiblichen Stimmen zu ihm durch. Irgendwelche Wortfetzen nahm er wahr.

„DĂ€mon 
 Behandlung 
 Heiler“, hörte er einzeln durch den Nebel seiner Trunkenheit. War einer von ihnen etwa von einem DĂ€monen besessen? Brauchten sie einen fĂ€higen Heiler oder gar Exorzisten? Na gut, so gesehen waren alle Frauen irgendwie besessen, aber ob da ein Exorzist noch helfen könnte? Geschweige denn ein Heiler? Im nĂ€chsten Moment dachte Dimicus daran, dass womöglich er gemeint sein könnte. Doch er war doch gar nicht besessen! Diese Weibsbilder mussten doch sicherlich etwas Bösartiges im Schilde fĂŒhren!

So unauffÀllig wie es nur ging, versuchte Dimicus seinen Dolch vom Boden aufzuheben. Er musste sich verteidigen! Doch zu mehr als einem harmlosen Herumfuchteln unter dem Tisch und ein wenig Brabbeln langte es nicht. Schon im nÀchsten Moment war er verwundert. Was wollte er noch gleich? Und wer waren die drei Frauen vor ihm? Wieso hatte er den Dolch in der Hand? Besser steckte er ihn weg, was nach einigen Versuchen gelang. Nicht dass ihm dieses wertvolle Teil noch verloren ging.

Kaum hatte er die geschafft, spĂŒrte er plötzlich Körper neben sich, die ihn anhoben. „Hey, wasch soll dasch?“, lallte er vor sich her, war aber nicht mehr imstande sich nur ein bisschen zu wehren. Allein schon als sie ihn auf die FĂŒĂŸe hievten, drehte sich seine Welt in alle Himmelsrichtungen. Hui, war das lustig! Und ihm wurde schlecht! Doch war er groß und tapfer! Beinahe stolz grinste er vor sich her, dass er seinem Brechreiz unterdrĂŒckte und sich somit vor den Frauen blamierte. Ob er bei ihnen eine Chance hatte? Alle Drei vielleicht? Doch dann wurde alles um ihn herum schon schwarz und seine Erinnerungen verblassten...

Eine Dimicus nicht bekannte Zeit spÀter...

Ein entsetzlicher Schmerz durchfuhr den Körper Dimicus', als er die ersten Regungen seines Körper wahrnahm. Etwas stimmte gewaltig nicht. Er konnte nicht richtig atmen, etwas Weiches drĂŒckte ihm die Nase und den Mund ab. Dann schreckte Dimicus plötzlich nach oben, holte tief Luft! Großer Fehler. „Ah, scheiße!“, fluchte er laut. Ein extremer Schmerz bohrte sich durch seinen SchĂ€del. Seine Augen, welche er weit aufgerissen hatte, nahmen nur verschwommen die Bilder des Raumes um ihn wahr.

Dimicus legte sich schnell wieder hin und presste das Gesicht in das Kissen unter ihm. Ihm war es egal, wo er war oder wer anwesend war. Dieser verdammte Schmerz sollte fortgehen! Sein SchĂ€del brummte fĂŒrchterlich. Was hatte er getrieben? Die Taverne. Dann der Wein. Die Frauen! Ja, aber? Okay, nun obsiegte seine Neugierde und sein Überlebensinstinkt doch. Entgegen des Schmerzes erhob sich Dimicus und blickte sich im Raum um. Seine Augen brauchten einen Moment, um sich an den UmstĂ€nden zu gewöhnen. Immer wieder hĂ€mmerte ihm sein Kopf diese Qual ein. Vermutlich nur um ihn an den dĂŒmmlichen Fehler zu erinnern, den er sich erlaubt hatte. Doch das hatte keinerlei Vorrang. Im Gegenteil.

Mit grĂ¶ĂŸter MĂŒhe erhob sich Dimicus aus seiner SchlafstĂ€tte, die offensichtlich ein sauberes Bett war. Doch der Raum war ihm vollkommen unbekannt. In ihm stand nur das Nötigste an Möbeln. Das Bett, Nachttisch. In einer Ecke noch ein Stuhl. Der Raum war vielleicht ein paar Schritt breit und lang. Es kam ihm eher wie eine etwas gemĂŒtlichere GefĂ€ngniszelle vor.

In dem Moment als sich Dimicus aufsetzte und seine FĂŒĂŸe auf den Boden setzte, bemerkte er sofort ein wichtiges Detail. Er war nackt. Nun gut, vielleicht trug er noch die Unterhose. Ansonsten war seine Kleidung, die RĂŒstung und auch alles was er am Leib getragen hatte weg. Es war auch nichts davon im Raum zu sehen. Großartig. Vorsichtig tapste Dimicus mit den FĂŒĂŸen auf dem Holzboden unter sich, der sich furchtbar kalt anfĂŒhlte. Und dann war doch noch das wĂ€hrende GefĂŒhl des Schwindels, welche nicht von ihm ablassen wollte. Allerdings nĂŒtzte es nichts, wenn er einfach im Raum versauerte.

Hingegen jeder Widrigkeit stand Dimicus auf und hielt sich sogleich am Nachttisch fest. Andernfalls wĂ€re er jetzt rĂŒcklings nach hinten gekippt. Eine unsichtbare Kraft zog ihn nach hinten. Sein Gleichgewichtssinn hatte wohl einen gehörigen Schaden weggesteckt. Jetzt hieß es dagegen anzukĂ€mpfen. Das war jedoch schwerer, als es von außen sicherlich den Anschein hatte.

MĂŒhevoll kĂ€mpfte sich Dimicus bis zur TĂŒr, nur um beim herunterdrĂŒcken der Klinke festzustellen, dass abgeschlossen war. Was hatte er eigentlich erwartet? Dumm genug, um so viel zu trinken und sich obendrein von irgendwelchen Frauen mitnehmen zu lassen. Wer wusste schon, wer die waren? Mit einem Seufzen quĂ€lte er sich zurĂŒck zum Bett und nahm darauf Platz. Ihm blieb wohl nichts Anderes, als zu warten.
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#6

Beitrag von Aino » Di 28. Nov 2017, 20:13

Aino gesellte sich zu Dave in die Schreibstube.

"Du hast nach mir rufen lassen? Ist etwas mit unserem Gast? Hast Du herausfinden können, ob es sich bei ihm tatsĂ€chlich um den RosendĂ€mon handelt Davy?", fragte Aino freundlich und setzte sich Dave gegenĂŒber.

Der Naridier streute Sand ĂŒber das Kassenbuch, wartete einen Augenblick und schlug das Buch sanft zu.

"Ja es handelt sich um den RosendĂ€mon. Seine Gedanken habe ich einst kurz berĂŒhrt, als ich ihm eine Botschaft zukommen ließ. Als ich diesmal versuchte, seine Gedanken auszulesen, gestaltete es sich selbstverstĂ€ndlich viel schwieriger.

Ich fand nichts was ich als Gedanken oder TrĂ€ume bezeichnen wĂŒrde. Vielmehr waren es nichts außer ein paar zusammenhangloser Gedankenfetzen, die fast außerhalb meiner Wahrnehmungsschwelle lagen. Kurzum nichts verwertbares, aber das ist auch nicht verwunderlich, in dem Zustand wie unser Gast hier ankam",
schmunzelte Dave.

"Ist er wach?", hakte Aino nach.
"Unser Gast schlug vor wenigen Augenblicken die Augen auf. Langsam und verwirrt setzte er sich auf und versuchte wohl erst einmal zurĂŒck in die Wirklichkeit zu finden. NatĂŒrlich kam niemand dazu, um ihm seine Situation zu erklĂ€ren. Er tappte zur TĂŒr und stellte fest das diese verschlossen war. Üblich fĂŒr eine Zelle, gleichgĂŒltig wie sie eingerichtet ist.

Wir haben zuerst einmal die Standard-Vorgehensweise gewĂ€hlt, den Gefangenen eine Weile schmoren zu lassen, um auf diese Weise Angst oder Unbehagen zu schĂŒren.

Das wird ihn zugĂ€nglicher machen, falls er ĂŒberhaupt nĂŒchtern genug ist, um zugĂ€nglich zu sein. Sobald er tatsĂ€chlich angenĂŒchtert ist, werden wir ihn befragen. Komplett ausgenĂŒchtert wird ihm nur schlecht sein",
erklÀrte Dave.

"Ich wĂŒrde vorschlagen wir schauen einmal nach ihm und stellen ihm einige Fragen. Dann wird sich entscheiden, was er tatsĂ€chlich ist. Eventueller Bruder oder nur Zaungast", antwortete Aino.

Dimicus saß gerade auf dem Bett, als die TĂŒr zu seinem "Zimmer" aufgeschlossen wurde. Als erstes betrat ein großer weißer Ork den Raum, neben ihn postierte sich ein Rakshaner. Die beiden flankierten zwei weitere Gestalten, die nach ihnen den Raum betraten.

Eine schlanke, kahlköpfige Frau, die ihren Körper mit schwarz-weißen Zeichnungen verziert hatte und einen in schwarzer Robe gekleideten Magier.

"Wir haben also den RosendÀmon zu Gast. Hast Du eine Ahnung wo Du sein könntest, oder wer wir sind?", fragte Aino Dimicus, wÀhrend ihn die drei MÀnner argwöhnisch im Auge behielten.

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Dimicus
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#7

Beitrag von Dimicus » Di 5. Dez 2017, 17:19

Den Kopf auf die HĂ€nde abgestĂŒtzt, ruhte Dimicus seine Augen aus und versuchte mit grĂ¶ĂŸter MĂŒhe den Schmerz seines Katers zu ertragen. So mussten sich die SĂ€ufer Drakensteins fĂŒhlen, wenn sie am Morgen nach einer durchzechten Nacht aufwachten. Das war ein fĂŒrchterliches GefĂŒhl, als ob sein Kopf bald explodieren wĂŒrde. Zum GlĂŒck hatte er Ruhe und Stille, ihm war es gerade egal wo er war oder was um ihn herum passierte.

Doch natĂŒrlich musste genau in dem Moment die TĂŒr geöffnet werden, in dem Dimicus den Schmerz zu besĂ€nftigen glaubte. Schon allein das Knarzen der TĂŒr trieb einen Pfahl in die Gehirnwindungen Dimicus', welcher ihn mĂŒrrisch aufseufzen ließ. Dieser verdammte Wein.

MĂŒhselig erhob Dimicus seinen Blick und schaute auf die Personen, welche in diesem Moment in den Raum getreten waren. Mehrere Male musste er blinzeln, so glaubte er sich gerade doch noch in einem trunkenen Zustand. Die Gestalten vor ihm konnten unmöglich echt sein. Leider wurde der Beweis ihrer RealitĂ€t erbracht, als die Frau unter ihnen die Stimme erhob und damit den Kater Futter gab. „Ach, verdammt“, murmelte Dimicus auf und rieb sich die SchlĂ€fen.

Dann herrschte Stille im Raum. Vier Augenpaare ruhten auf ihm, er spĂŒrte sie, wie sie ihn betrachteten und vermutlich sogar an seinem Leid labten. Den Moment ausnutzten, zu viert einen halbnackten und unbewaffneten Mann niederzustarren. Doch was sollten sie schon tun? Zu verlieren hatte er eh nichts mehr. Wenn sie ihn getötet hĂ€tten, so hĂ€tten sie ihm einen grĂ¶ĂŸeren Gefallen getan, als wirklich Schaden angerichtet.

Sein Verstand begann einen Augenblick spĂ€ter zu arbeiten, um ĂŒberhaupt ĂŒber die ihm gestellte Frage nachdenken zu können. Die gesamte Zeit herrschte Stille. Dunkel erinnerte sich Dimicus an einen Traum den er hatte. Eine Botschaft. In ihr war der Mann vorgekommen, welcher die schwarze Robe trug. Eine Drohung oder Rekrutierung. Einige Zeit darauf hatte Dimicus Nachforschungen darĂŒber anstellen wollen, allerdings ohne Erfolg. Die Gruppe wollte schon damals nicht gefunden werden – und hatte dafĂŒr gesorgt, dass es so blieb.

Deshalb konnte Dimicus nur eine ehrliche Antwort auf diese Frage geben. „Leider muss ich mir eingestehen, dass ich keinerlei Ahnung habe wer Ihr seid oder wo ich bin. Doch Euren Mann dort habe ich bereits einmal gesehen. Sprach mir gegenĂŒber eine Drohung aus, in meinen TrĂ€umen. Offensichtlich Geistmagie, soviel konnten mir meine Recherchen verraten.“

Sollte Dimicus Angst haben? Sich eingeschĂŒchtert fĂŒhlen? Nein. Warum auch? Sein Genie war schon lang verblasst und nur die dahinschwindenden Menschen Drakensteins konnten sich an seine großartigen Taten erinnern. Doch selbst das ging in den Wirren des Krieges unter. Seine Arbeit aus den Köpfen der Menschen getilgt. Jegliche Anerkennung zerrissen durch Hunger, Leid und das Schlachtfest der Bewaffneten.

„Aber offensichtlich wollt ihr mich nicht tot sehen, noch habt ihr mich bis jetzt in eine Folterkammer gesteckt. Also offensichtlich wĂŒnscht ihr etwas von mir. So sprecht, ich denke Ihr werdet nicht den gesamten Tag Zeit haben.“ Dimicus machte keinen Hehl daraus, wie entspannt er war. Wenn man von den ekelhaften Schmerzen in seinem SchĂ€del absah, welche sich immer wieder durch sein gesamtes RĂŒckgrat winden wollte.
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#8

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Di 5. Dez 2017, 20:45

Die Gruppe wartete einen Moment ab, bis sich Dimicus etwas gefangen hatte. Dass es ihm den UmstÀnden entsprechend schlecht ging, sah man ihm eindeutig an. Zu verlieren hatte ihr Gast nichts mehr, bis auf sein Leben. Aber um dies als einen Verlust zu verbuchen, musste ihm sein eigenes Leben etwas wert sein.

Scheinbar hatte der RosendÀmon nicht nur all sein Hab und Gut, sondern auch seinen Lebenswillen verloren.

Dass er sie nicht erkannte, war nicht von Bedeutung, es war mehr eine rhetorische Frage gewesen. Aber selbst wenn Dimicus korrekt kombiniert hÀtte, so wÀre ihm nur bewusst gewesen, dass es sich um jene Gruppe von Auftragsmördern handeln musste, die ihn einst gewarnt hatten, nicht in ihrem Revier zu wildern.

Dave nickte knapp auf Dimicus Bemerkung hin, ein kaum merkliches Schmunzeln umspielte seine Lippen.

"Korrekt, vor einiger Zeit habe ich Dich gewarnt, nicht weiter in unserem Revier zu wildern. Du hast mich wieder erkannt. Nun wir haben Dich bergen lassen, damit Dein Talent nicht verschwendet wird. Ein Tod im Schlammpfuhl ist Deiner kaum wĂŒrdig.

Dein Tod ist bis dato nicht unsere Absicht, sondern Deine Rekrutierung in unsere Gilde. Aber vor jede KĂŒr hat man die Pflicht zu absolvieren. Ich weiß wer Du bist, da ich Deine Gedankenmuster ĂŒberprĂŒft habe. Aber ob Du in unsere Gruppe passt, dass möchte ich schon an Deinem wachen Geist ĂŒberprĂŒfen. Um unser Zeitfenster fĂŒr diesen Plausch musst Du Dir keine Gedanken machen.

Also RosendĂ€mon, hast Du schon einmal darĂŒber nachgedacht, innerhalb einer Familie zu arbeiten? Eine Gruppe hat immense Vorteile. Eins vorneweg, solltest Du ablehnen, wirst Du Dich an diese Begegnung nicht erinnern.

Wie Du schon selbst richtig erkannt hast, wĂŒnschen wir nicht Deinen Tod. Aber nur die Vorsichtigen ĂŒberleben dieses GeschĂ€ft lange genug, um davon zu profitieren. Das heißt, solltest Du gehen, wirst Du alles vergessen. Es wird keine Erinnerung an uns zurĂŒck bleiben. Ich werde Deine Gedanken bereinigen. Sterben wirst Du nicht. Wie lautet Deine Antwort?",
hakte Dave nach.

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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#9

Beitrag von Dimicus » Fr 8. Dez 2017, 17:06

Mit mĂŒden Augen blickte Dimicus seinen GefĂ€ngniswĂ€rtern entgegen. Die Worte Davards hallten durch die Hirnwindungen Dimicus' und neben den Schmerz versuchte dieser, sich dessen Sinngehalt bewusst zu werden. Es war nichts, was nicht schwer zu verstehen war, doch die Nachhaltigkeit dieser Entscheidung musste bedacht werden.

Vorsichtig erhob sich Dimicus vom Bett. Noch etwas wacklig aber nicht zögernd ging er auf die Gestalten vor sich zu. Sie hatten sich aufgebaut. Ein Wall aus Fleisch der weder ein Entkommen noch eine Wehrhaftigkeit zuließ. Doch die Absichten des Walls waren friedlich, gar einend. Keine aggressive Natur war in ihr verborgen, doch Dimicus sah, wie gewaltig die Macht dieser Mauer sein konnte. Und jeder einzelne Stein war in der Lage einen Prozess in Bewegung zu setzen, der dem Glanz in den Augen eines Anderen das Ende setzen konnte.

Diese Einstellung gefiel Dimicus. Diese Erscheinung die sie wĂ€hlten. Doch eines störte ihn. Etwas, was seinem Auge fĂŒr die Kunst völlig unzufrieden stimmte. "Euch fehlt es an Vorstellungskraft. Euer Akt der Machtoffenbarung mir gegenĂŒber ist so roh, primitiv. Wie soll ich damit nur arbeiten?", fragte Dimicus, besah sich dabei seine GegenĂŒber genaustens. Er hatte in seine Stimme Spott gelegt, wenn auch herausfordernder Natur. KrĂ€ftemĂ€ĂŸig konnte er sich keinesfalls messen, doch im Geiste sollten sie erhaben sein, wenn sie ihm ein solches Angebot unterbreiteten.

"Ich liebe es, eine Vorstellung zu geben. Begeisterung und Angst zu wecken. Doch die Massen verabscheue ich. All' ihre Augen auf mich gerichtet, gierig nach mir greifend und doch nicht fĂ€hig zu begreifen." Dimicus begann vor der Truppe langsam auf und ab zu laufen. Seine Beine und die Kopfschmerzen ließen keine flĂŒssigen Bewegungen zu, doch mit aller Macht versuchte er, Eleganz in seine Gliedmaßen zu bringen.

"Ihr, ein Bund von Auftragsmördern und Lebensnehmern, ihr begreift das Töten als Profession, als eine Sache die erledigt werden muss. Doch es ist mehr. Es ist Kunst in seiner höchsten Form, deren Vollendung nur die denkbar besten Fingerspitzen benötigt." Dimicus hielt inne, stellte sich vor dem Mann mit der Robe und der kahlgeschorenen Frau auf.

"Meine Kunst ist nicht zu prĂŒfen, nicht zu begreifen. Nicht fĂŒr jemanden wie Euch. Doch ich werde sie mit Euch teilen. Doch nur unter bestimmten Voraussetzungen, die ich von Euch verlange.“

Dimicus hob seine Hand, ballte sie zu einer Faust, um sogleich den Zeigefinger aufzurichten. „Nummer Eins, ich brauche ein Atelier, in dem ich mich abschotten und meine Ruhe haben kann. Ob es zugleich mein Zuhause ist, ist nicht von Bedeutung.“

Der Daumen stellte sich von Dimicus' Faust ab. „Zweitens. Meine Kunst kann nicht geprĂŒft werden. Sie ist ein Geschöpf welches nicht unter Beobachtung gestellt oder in Gefangenschaft genommen werden kann. Ihr mĂŒsst mir vertrauen, wenn Ihr mich in die Familie aufnehmen wollt.“

„Drittens.“ Der Mittelfinger Dimicus' erhob sich. „AuftrĂ€ge erledige ich nach eigenem Ermessen. Das beinhaltet, ob ich sie annehme, wie ich sie ausfĂŒhre und wie lange ich mir dafĂŒr Zeit nehme.“

„Diese bescheidenen Anforderungen habe ich, um mit Euch zu arbeiten. Werdet Ihr sie mir geben oder nicht?“

Im selben Moment wusste Dimicus, dass er hoch pokerte und seine Anforderungen sehr hoch fĂŒr eine Gilde waren. Doch sie mussten sich erkenntlich erweisen, schließlich sollte sein Genie noch immer unabhĂ€ngig bleiben. Und letzten Ende blieb immer eins in seinem Kopf: Was hatte er zu verlieren?
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Re: Wie die Rose zu den Geistern fand

#10

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Fr 8. Dez 2017, 22:25

Dave behielt jede Bewegung von Dimicus im Auge, ebenso seine Begleiter.

"Kunst und Profession sollten Hand in Hand gehen. Das man Mord zu einer Kunstform erheben kann, ist jedem hier bewusst. Allein schon die Tatsache einen Auftrag so auszufĂŒhren, dass man allen Vorgaben gerecht wird, ist ebenfalls Kunst. Die Kunst aus den gegebenen Vorgaben, genau das zu schaffen, was sich ein anderer wĂŒnscht. Freie KĂŒnstler neigen oft zu Maßlosigkeit und zu selbstvergessenen Handlungen. Und wo diese enden, weiß jeder von uns.

Jeder einzelne von uns sieht sein Werk mit eigenen Augen und hat seine ureigene Handschrift, die nur ein direkter Kollege zu lesen weiß. Es ist eine Frage der Passion und des persönlichen Geschmacks, der allerdings in der Familie um der Familie Willen in Grenzen gehalten werden muss.

Wobei wir bei Deinen Forderungen wÀren.

Punkt eins - Dein Atelier. Sobald Du ein Familienmitglied bist, wirst Du ein Quartier zugewiesen bekommen. Ob Du es Atelier nennen möchtest, bleibt Dir ĂŒberlassen.

Punkt zwei - abgelehnt. Deine Kunst wird von mir nicht bewertet, allerdings Deine Person. Die Auslesung ist keine Wahloption, sondern Pflicht. Lehnst Du das Auslesen ab, muss ich Dich nicht mehr auslesen, da ich weiß, dass Du feindliche Gedanken vor uns verbirgst.

Alle anderen Kleinigkeiten die so mancher Geist aus Scham verbergen möchte, interessieren mich nicht, dass kann ich Dir versichern. Und ich habe vermutlich schon weitaus schlimmere Gedankenwelten betreten als Deine.

Punkt drei - abgelehnt. Wir sind eine Gilde, kein WohltĂ€tigkeitsverein. Jeder hat seinen Beitrag zum Leben und Überleben der Familie zu leisten. Folglich auch damit einhergehende AuftrĂ€ge. Zudem wĂ€rst Du ein Neuling, ein Welpe. Du wĂŒrdest einem Leitwolf unterstellt. Das Du töten kannst, steht außer Frage. Das kann in meiner Familie aber bereits jedes dreijĂ€hrige Kind, sollte man ihm ein Messer in die Hand drĂŒcken.

Ob Du entsprechend den Vorgaben töten kannst, dass steht hier auf dem PrĂŒfstand. Ebenso Deine ZuverlĂ€ssigkeit, was Deine FĂ€higkeiten angelangt. Kurzum in der Familie fĂ€ngst Du ganz klein an, wieder jeder Neuling. Du wirst die AuftrĂ€ge erledigen die man Dir zuteilt und Du wirst sie den Vorgaben entsprechend erledigen. In der ersten Zeit wirst Du sowieso nicht allein arbeiten.

Punkt vier - Blut. Eine weitere Pflicht in unserer Familie. Solltest Du in die Familie aufgenommen werden, wird Dir ein Familienmitglied Blut abnehmen. Dies dient der Absicherung beider Seiten. Das heißt, solltest Du uns jemals verraten, werden wir Dich darĂŒber finden. GleichgĂŒltig wo Du Dich aufhĂ€ltst. Solltest Du allerdings als Bruder in Not geraten, finden wir Dich ĂŒber Dein Blut selbstverstĂ€ndlich genauso. Wir stehen fĂŒr unsere Leute ein.

Wie sieht Deine Antwort aus?",
hakte Dave nach.

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