Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Verlassen -- Standalone

Das Geisterhaus
Die Geister waren bis zum Jahr 202 eine erfolgreiche Gilde von Auftragsmördern. Jedoch bot das Leben im Geisterhaus mehr als nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch ein zu Hause für Verlorene. Wichtigste Aufnahmebedingungen waren absolute Loyalität und Verschwiegenheit - sonst endete man rasch selbst auf der Todesliste. Die ehemaligen Geister verdienen ihren Lebensunterhalt heute auf ehrbare Weise als "Fantomes" in Souvagne.
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Davard von Hohenfelde

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Verlassen -- Standalone

#1

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Di 26. Dez 2017, 21:01

Verlassen

Dave musterte Urako mit nicht zu deutender Miene. Es war seine Wahl gewesen, sich auf den Tiefling einzulassen, er wusste was er tat. Hätte er ihre Beziehung nicht gewollt, dann hätte er sich gegen Varmikan und Puschel stellen müssen. Das hatte er aber nicht. Im Gegenteil, er war froh gewesen, dass er zwei Personen im Leben hatte, die ihn auf diese Weise liebten. Vielleicht war dies eigennützig, aber sich Liebe und Zuneigung zu wünschen war kein Verbrechen.

Das nichts für die Ewigkeit geschaffen war, selbst nicht einmal Beziehungen oder Liebe, war ihm klar gewesen. Die Frage die er sich schon oft im Leben gestellt hatte war nicht ob ihn eine Person verließ, sondern wann.

Wann würde Pavo ihn verlassen, Varmikan oder Urako?

Manchmal hatte das Schicksal es in der Hand und riss ihm eine geliebte Person wie Zhou von der Seite, die eine seiner besten Freunde gewesen war. Bei Pavo und Varmikan war es der Lauf der Zeit, die Natur ihres Volkes. Etwas dass er persönlich zu verhindern gedachte.

Bei Urako waren es die äußeren Umstände. Dave war ihm nicht böse, dass er nichts mehr von ihm wissen wollte. Die meisten Personen waren so. Sie profitierten gerne von seinen Fähigkeiten, sie nahmen gerne sein Geld in Anspruch, oder ihn direkt persönlich. Und hatten sie die Schnauze von ihm voll, ließen sie ihn fallen wie eine heiße Kartoffel.

So war das eben, wenn man als Person durch einen Titel samt Geld zur Unsichtbarkeit verdammt wurde. Das bedeutete aber nicht, dass ihn der Verlust nicht schmerzte und die erneute Erkenntnis dessen wie es wahr, ihm nicht wehtat.

Vor allem da er mit diesem Mann weitaus mehr geteilt hatte, als mit jedem anderen vorher. Sogar noch vor Varmikan. Aber auch das war für Urako bedeutungslos geworden, da er eine Familie gegründet hatte.

Einerseits hätte er Urako am liebsten angebrüllt, ihn angeschrien und ihm gesagt was er für ihn empfand. Aber das war sinnlos, er würde sich damit nur lächerlich machen. Er hatte es ihm sogar einst übermittelt, seine eigene Seele mit der von Urako verbunden und dennoch war es nicht genug. Vielleicht war er einfach nicht genug.

Manchmal war es das alles so leid, aber er hatte keine Möglichkeit daran etwas zu ändern, außer wie üblich wegzulaufen. Aber den Weg hatte sein Bruder schon eingeschlagen, so dass er für Wolfi verantwortlich war, ebenso für Marcella.

Irgendwas hatte ihm die Bestie vor langer Zeit gestohlen, dass ihn nun zu einem Aussätzigen machte. Für die einen Opfer, für die anderen Mittel zum Zweck. Aber bis auf sehr wenige Ausnahmen war er für andere niemals einfach nur er - Dave. Niemand sah ihn, niemand wollte ihn.

Für einen Moment musste er mit seinen Gefühlen kämpfen, da er gewagt hatte, von einer anderen Zukunft zu träumen. Einer guten, glücklichen Zukunft für sie alle, einschließlich ihm. Den Dummen bestrafte nun mal das Leben, rief er sich in Erinnerung. Und Träumer wurden in ihrer Familie als Dumme angesehen, dass hatte schon andere vor ihm hart und schmerzhaft lernen müssen.
Er blinzelte die Tränen weg und räusperte sich.

"Wie Du meinst Urako. Ich verstehe und gehe. Passt auf Euch auf", antwortete Dave ohne Hoffnung.

Der Magier wandte sich ab und verließ das Haus, das schlagartig nicht mehr sein Zuhause war.


****


Dave ging zurück in die Schreibstube, nickte Wolfi knapp zu und tippte Marcella an. Gemeinsam mit ihr ging er in ihr Quartier und schloss hinter sich die Tür. Er musterte sie einen Moment, ehe er sie fest in den Arm nahm und an sich drückte. Dabei ließ er seinen Tränen freien Lauf. Gleichgültig was geschehen war, Marcella hatte Ansgar, Wolfi und ihm stets treu zur Seite gestanden.

"Entschuldige den Gefühlsausbruch, aber ich habe niemanden sonst mit dem ich noch reden könnte Marci. Nur Dich, Maghilia und Wolfi. Aber Wolfi kann ich mein Problem nicht erzählen, er hat schon genug Angst und Maghilia würde vermutlich dermaßen hart einschreiten, dass es hier zu einem Eklat kommt. Ich habe Scheiße gebaut Marci, ganz große Scheiße.

Ich weiß, ich sollte Dir das ebenso wenig erzählen, aber Du bist die einzige Vertraute die ich habe.
Neben Varmikan war Urako ebenfalls mein Mann. Kurzum wir hatten ein Verhältnis. Wir haben sogar zusammen per Doppelhochzeit geheiratet, dass weißt Du ja.

Ich habe ihn geliebt, ich liebe ihn immer noch...

Aber er mich nicht mehr, er hat mich dafür in den Arsch getreten, dass ich mir eine Familie wünsche. Er kreidete mir an, dass ich mit Eloise geschlafen habe. Tja ohne so etwas, bekommt man leider kein Kind. Und ich habe mir immer eine Familie gewünscht, eine eigene Familie in der es anders laufen würde. Mit er ich in einem eigenen Zuhause leben würde, wo es uns gut ginge und wir glücklich wären. Urako zählte für mich aus tiefstem Herzen dazu und unser Zuhause stand direkt neben dem Geisterhaus.

Ich weiß nicht, warum alles was ich anpacke kaputt gehen muss.
Warum sich alles ins Gegenteil verkehrt, sobald ich es für einen winzigen Moment besitze.

Vermutlich hatte ich eine falsche Vorstellung von mir, pure Selbstüberschätzung. In Wahrheit bin ich nicht nur langweilig und unfähig, ich bin sogar zudem noch ziemlich dämlich. Scheinbar lerne ich es nie.

Vorhin als es endete, kam mir der Gedanke, dass mich die Bestie beraubt hat. Irgendeinen Teil von mir hat sie mir genommen. Sie hat zwar meine Seele nicht gefressen, aber sie hat sie zersplittert. Und einen dieser Splitter muss sie eingesteckt haben.

Und nun fehlt er. Irgendwas fehlt mir, dass ich nie wieder zurückbekomme.
Ob es der Splitter allein ausmacht, oder das Blut meiner Familie dazu beiträgt - für mich geht es immer gleich aus. Am Ende stehe ich alleine da.

Ich war glücklich, weißt Du? Naja, wenigstens war ich einmal in meinem Leben glücklich, wenn auch für eine kurze Zeit.

Beim letzten Streit habe ich es ihm sogar gesagt, dass ich mir wenigstens die Hochzeit wünsche. Wenigstens das sollen sie mir gönnen, Varmikan und Urako. Die Hochzeit habe ich bekommen, aber der Rest flog mir um die Ohren. Ainuwar scheint sich köstlich über mich zu amüsieren, generell bin ich für jeden ja nur ein zeitweiliges Vergnügen.

Ich weiß nicht was ich machen soll Marci. Ich gestehe es offen und ehrlich, ich würde mich am liebsten verkriechen. Am liebsten würde ich weglaufen und weder von Urako noch von Varmikan was hören oder sehen. Aber dass das so nicht geht, weiß ich. Und ich weiß mittlerweile auch, dass Weglaufen nicht die Lösung ist.

Außer vielleicht ich würde nach Rakshanistan zu Tarkan auswandern, dort wäre ich willkommen.
Oder nach Almanien zu Massimo, das ist ein Verwandter von uns, der mir vor einiger Zeit mal seine Hilfe angeboten hat. Damals dachte ich noch, ich benötige sie nicht.

Sag bitte was dazu Marci, bitte", flüsterte Dave.

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Re: Verlassen -- Standalone

#2

Beitrag von Urako » Di 26. Dez 2017, 21:19

Diese Geschichte entstand als Antwort zu Daves obigem Standalone, das aus einem rpg-mäßigen Missverständnis heraus entstand. Urako kam herzu, um wieder gerade zu biegen, was er verzapft hatte.

Diese Geschichte widme ich dir, Davy. :-) Viel Freude damit!

Urako erwischte Dave kurz nach Sonnenaufgang. Die Straßen von Shohiro waren noch weitestgehend verlassen, der Himmel orange und lila gestreift. Das Hufgetrappel näherte sich und bald erkannte Urako den Mann in der Magierrobe, der zügig auf Rulrot in Richtung Norden ritt. Kein Gepäck, das Gesicht sehr finster.
Die Sachlage war klar.

Varmi und Gasmi hatten sich vor etwa einer Stunde schlafengelegt und Urako wäre normalerweise noch nicht munter gewesen. Doch er war es und das aus gutem Grunde. Dave hatte anders gewirkt am Abend zuvor. Dave war ein Meister darin, seine Emotionen zu verstecken und Urako hatte es nur daran gemerkt, dass er genau das noch mehr tat, als gewöhnlich. Noch kühler, noch gleichgültiger. Urako hatte geahnt, was geschehen würde. Dave war jemand, der gern weglief, doch jetzt übertrieb er es endgültig.

Urako sprang von seinem Ausguck aus, schlug einmal mit den Flügeln und baute sich breitbeinig auf der Pflasterstraße auf. Er blickte sehr ernst drein und hielt schwarze, besonders stachlige Rosen in beiden Händen vor seiner Brust. Er stellte sich so hin, dass Dave sein Pferd anhalten musste, wollte er ihn nicht über den Haufen reiten. Man sah dem Magier an, wie widerwillig er das tat.

Urako bedachte ihn mit einem sehr vorwurfsvollen Blick, der aber davon kündete, dass er sich versöhnen wollte. »Guten Morgen. Wohin sind Eure Lordschaft denn so früh unterwegs?« Urako äugte um beide Seiten des Pferdes. »Aha. Ohne Gepäck. Damit`s schön unauffällig ist und wir nicht anfangen, uns Sorgen zu machen und dich vielleicht suchen, was? Du wolltest dich verkrümeln!« Urakos Gesicht zeigte einen Ausdruck, den er nicht oft zur Schau trug - es wurde traurig. »Bitte, Davy. Bleib bei uns. Schau, ich hab dir Blumen gekauft. Charakterblumen. Für uns beide.«

Endlich stieg Dave vom Pferd und trat vor Urako, noch immer zögernd. Der hielt ihm den Blumenstrauß vor die Brust. Die Blüten waren tiefschwarz und die Dornen unwahrscheinlich lang und spitz und zeigten in alle Richtungen, so dass Urako sie ganz unten festhalten musste. Er bog die Blütenblätter in der Mitte etwas auseinander. Darin offenbarte sich ein leuchtendes Rot.

»Überraschung. Sie haben ein rotes Herz. Kein Schwarzes, auch wenn es vielleicht von außen so aussehen mag. Man muss sich aber die Mühe machen, sie lange genug zu gießen und zu pflegen, bis sie zur vollen Blüte gelangen. Pflegt man sie falsch, blühen sie nur schwarz oder überhaupt nicht. Sie brauchen viel Zuwendung. Sieh nur, es sind keine Schnittblumen. Ich habe sie beim Gärtner samt Wurzeln ausgraben lassen, anstatt nur die Blüten abzuschneiden. Wir können sie beim Geisterhaus einpflanzen, wenn du magst. Willst du?«
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"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
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Re: Verlassen -- Standalone

#3

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Di 26. Dez 2017, 21:38

:) :) :) Vielen lieben Dank für die Wundervolle Story :) :) :)

Daves Antwort wäre eindeutig ja gewesen und sie hätten die Blume gemeinsam im Garten eingepflanzt.
Auf das sie wachsen und gedeihen möge. Mit all ihren schwarzen Blättern und abwehrbereiten Dornen. Wie auch ihrer hellen, verletzlichen Mitte. Die Blume ist ein äußert passendes Sinnbild für die Beiden. :tiptop: :) :) :)

Vielen Dank :)

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