Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie√üen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf√§ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W√§hrend die Urv√∂lker auf Altbew√§hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb√ľnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Die letzte Beobachtung -- 203 n.d.A.

Das Geisterhaus
Die Geister waren bis zum Jahr 202 eine erfolgreiche Gilde von Auftragsm√∂rdern. Jedoch bot das Leben im Geisterhaus mehr als nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch ein zu Hause f√ľr Verlorene. Wichtigste Aufnahmebedingungen waren absolute Loyalit√§t und Verschwiegenheit - sonst endete man rasch selbst auf der Todesliste. Die ehemaligen Geister verdienen ihren Lebensunterhalt heute auf ehrbare Weise als "Fantomes" in Souvagne.
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Archibald von Dornburg
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Die letzte Beobachtung -- 203 n.d.A.

#1

Beitrag von Archibald von Dornburg » Sa 17. Feb 2018, 15:59

Die letzte Beobachtung -- 203 n.d.A.

Sie seufzte, strich sich mit einer Hand durch die langen, braunen Haare und sp√ľrte den Wind auf ihrer Haut. Sie vermisste das Meer, den stetigen Wind der den Geruch des Salzes und der Freiheit mit sich trug.

Ein Geräusch, vielmehr fast eine Wahrnehmung ließen sie innehalten. In einiger Entfernung erspähte sie eine schlanke, komplett vermummte Gestalt.

Ein Schatten der wie einer der steinernen Wasserspeier aus Almanien auf dem Dach ihres Gebäudes hockte. Während sie den Schatten musterte, kletterte dieser geschickt die Fassade des Hauses hinunter.

Auf dem Fenstersims darunter lie√ü er sich nieder. Der Wind frischte auf. Sie f√ľhlte die K√§lte unangenehm auf ihrer Haut. Sie war hart, taff, eine ausgezeichnete K√§mpferin und dennoch lag eine Verletzlichkeit in ihren Augen, die niemand verstand. Sie blickte zum Himmel hinauf.

Es war fast Zeit, dass sie heimkehrte und ihr Zimmer aufsuchte.

Im Gegensatz zu dem Schatten, konnte sie nicht wie eine Wanze die Fassade entlang klettern. Der Sprung bis zum Fenster musste m√∂glich sein, sie war gut in Form, trainierte mehrere Stunden t√§glich. Aber lautlos wie der Schatten w√ľrde ihr Erscheinen nicht ablaufen.

Allerdings gab es noch eine andere Möglichkeit.

Sie konnte zum n√§chsten Geb√§ude eilen und jeden Bewohner vor den Hauseingang abfangen, bevor sie √ľberhaupt einen Fu√ü drau√üen setzen.

Damit wäre sie der gesamten Gefahr aus dem Weg gegangen.
Ein guter Plan, lobte sie sich in Gedanken selbst.

Dann wurde Licht entfacht. Licht im Fenster vor dem der Schatten saß. Sie biss vor Wut die Zähne fest zusammen und zischte einen Fluch. Sie nahm einige Schritte Anlauf, rannte los und sprang.

Sie landete wie eine √ľberdimensionale Katze auf dem Fenstersims. Aber sie hatte zu viel Schwung, st√ľrzte nach vorne und konnte gerade noch die Arme sch√ľtzend vor ihr Gesicht rei√üen, als der Schatten seitw√§rts nach ihr austrat und sie damit zur√ľck auf die Stra√üe schleuderte.

Der Tritt wie auch der Aufschlag waren hart genug um ihr f√ľr einen Moment fast das Bewusstsein zu rauben. Der Schatten landete leichtf√ľ√üig neben ihr und z√ľckte sein Schwert.

Sie sprang auf die Beine, hechtete seitlich an dem dunklen Schatten vorbei, z√ľckte ihr Schwert und wandte sich mit einem Sprung dem Schatten zu.

Nebenbei bemerkte sie, dass ihre Hände blutverschmiert waren.
Ein Wurfmesser bohrte sich neben ihr in den Boden, w√§hrend sie mit einer seitlichen Halbdrehung auswich. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, und einen kurzen Moment schien sich die Zeit zu verlangsamen. Sie zog sich wie z√§hfl√ľssiger Sirup dahin.

Sie bewegte sich bereits, bevor sie es bewusst wahrnahm. Das N√§chste was sie bewusst sp√ľrte war, wie sie gegen die Wand prallte und ihr K√∂rper vor Schmerz aufkeuchen wollte.

Ihre Lippen blieben dennoch versiegelt.

Der vermummte Angreifer hatte blitzartig zugetreten und sie damit vor die Wand geschleudert. Er hatte ein weiteres mattschwarzes Messer zwischen den Fingern. Etwas Verschwommenes zischte in diesem Moment auf den Schatten zu.

Sekunden sp√§ter kickte sie als Antwort die Beine des Schattens weg und er st√ľrzte, leider nicht mit dem Gesicht voran auf die Stra√üe, sondern er fing sich mit einem schon an Akrobatik grenzenden Drehsprung ab, kam in der Hocke auf und schlug aus der gleichen Bewegung heraus mit seinem Schwert zu. Seltsame Runen flammten auf der Klinge auf.

Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, ihre Klinge zuckte gerade noch rechtzeitig sch√ľtzend nach vorne um die des Angreifers abzublocken.

Der Vermummte wich mit einer Seitw√§rtsbewegung aus, sprang mit einem Satz wieder auf die Beine und schleuderte sein Schwert √ľber seine Feindin hinweg. Meterweit entfernt grub sich das Jianschwert mit der Klinge voran in den Boden.

Der Kerl hatte sich selbst entwaffnet!

Sie konnte ihr Gl√ľck nicht fassen. Arroganz kam vor dem Fall, dass wusste sie. Ihre Klinge stie√ü zu, sofort die Dummheit des Gegners ausnutzend. In der gleichen Sekunde fiel die Kleidung des Feindes leer in sich zusammen.

Erschrocken keuchte sie auf.

Sie stieß ihr Schwert ungläubig in den leere Kleidung. Wo war der Kerl hin?

Die Frage beantwortete sich einen Augenblick später, als mit brachialer Gewalt die Klinge des Jians durch ihren Brustkorb stieß. Sie wurde mehrfach umgedreht und zur Seite aus ihren Oberkörper gerissen.

Die Kleidung war nicht leer ins sich zusammen gefallen, wie sie geglaubt hatte, sondern eine kleine Fledermaus war aus dem Sehschlitz der Kapuze nach oben geschossen, hatte einen Senkrechtstart hingelegt und neben dem Jian sofort wieder menschliche Gestalt und das Schwert an sich genommen.

Rassiermesserscharf und unerbittlich durchtrennte die Artefakt-Klinge Fleisch, Sehnen, Knochen und Blutgefäße.
Ihr Blickfeld verrutschte, als ihr Oberk√∂rper neben ihren Unterk√∂rper im Dreck der Stra√üe aufschlug. F√ľr einen Augenblick sah sie in die eiskalten blau-gr√ľnen Augen ihres nackten Feindes, der mit runenverziertem K√∂rper und ebenso geschm√ľckter Klinge in der Hand √ľber ihr stand.

Ihr Blick verschwamm, verklärte sich.
Die Lippen des √ľber und √ľber t√§towierten Feindes teilten sich zu einem freundlichen, fast einnehmenden L√§cheln.

Er lächelte breiter. Aus dem Lächeln wurde ein breites, unmenschliches Grinsen gespickt mit rasiermesserscharfen Zähnen. Die dämonische Fratze lächelte noch eine Spur breiter...

Bevor sie mit rasender Geschwindigkeit unglaublich weit den Kiefer aufsperrte. Ihr mit den rasiermesserscharfen Zähnen die Kehle herausriss. Schwärze umfing sie, als die Bestie sie vom Boden hochriss und anfing zu trinken.

Ein Schlag grauenvoller Schmerzen schleuderte den Rest von Rineldas Seele von dieser Welt, als die Bestie ihre Überreste achtlos fallen ließ und als kleiner schwarz-grauer Pelzball davonflog...
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"Damaged people are dangerous. They know they can survive." - Josephine Hart

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