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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Mo 13. Mär 2017, 20:56 
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Gasmi küsste Urako liebevoll mit und schaute, was ihm sein Schatz Leckeres mitgebracht hatte. Gas zog die Nase kraus und blinzelte gerührt. Essen hatte ihm noch niemand ans Bett geliefert. Breit grinsend setzte er sich auf und versuchte krampfhaft nicht aufgeregt mit dem Greifschwanz zu peitschen, was er eigentlich immer tat wenn er nervös war oder sich freute.

Sogar an Kaffee hatte Urako gedacht!

Als Puschel dann einen Löffel Honig in den Kaffee gab, guckte Gasmi etwas verdattert. Wieso tat Puschel sowas? Nun vielleicht war das seine Art Kaffee zu trinken. Wobei nein, hatte er nicht gerade noch gesagt, dass wäre der erste Kaffee gewesen, den er gebrüht hatte? Gleichgültig, er würde den Kaffee trinken, egal wie er schmecken würde. Immerhin war er mit Liebe gekocht, er konnte nur gut schmecken.

Gasmi umarmte Urako und drückte ihm fest einen Kuss auf den Mund.

"Mir hat noch niemand Frühstück ans Bett serviert, noch nie!", rief er verzückt und nahm einen Schluck vom Kaffee.

Der Kaffee hatte ein ganz besonderes Aroma.
Er schmeckte wie süßer Torf mit Kleister.

Gasmi stürzte den Becher in einem Zug auf Ex herunter um Urako nicht zu enttäuschen. Einen Augenblick später sah Urako nur noch Augen von Gasmi, ehe sich der Düsterling wieder gefangen hatte. Gas bereute seine Aktion den Kaffee auf Ex zu trinken direkt als er ihn heruntergestürzt hatte, da der Kaffee frisch gebrüht und folglich sehr heiß war.

Um seine verbrühte Zunge zu kühlen bis er herzhaft ins Brot und mampfte vor sich hin mit tränenden Augen.

"Total lecker", lächelte er tapfer.

"Die Klamotten werde ich gleich anziehen, aber die Mütze setze ich erst draußen auf. Du warst ja schon richtig fleißig Puschel. Wenn ich fertig gegessen habe, können wir sofort starten", grinste Gasmi.

Dabei dachte der Düsterling darüber nach, ob er während des Fluges seine Zunge zur Kühlung heraushängen lassen konnte, bei der Vorstellung musste er loslachen. Urako konnte ja nicht wissen warum er lachte, drum streichelte er ihm liebevoll über die Haare und küsste ihn.

"Ich liebe Dich Puschel", flüsterte Gasmi ihm ins Ohr.

Gas schlang sein Frühstück herunter und machte sich abreisebereit in dem er die von Urako herausgelegten Klamotten anzog. Was ein Luxus. Frühstück ans Bett, Tasche gepackt und dann noch die Kleidung herausgelegt bekommen. Gas musterte Urako erneut, grabschte die Planrolle die sie ausliefern mussten und wartete erwartungsvoll ab.

"Ich bin soweit Schatz. Das war der schönste Morgen den ich je hatte", freute er sich ein Bein aus.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Fr 17. Mär 2017, 23:20 
Freiherr
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Volk: Naridische Almanen
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Dave ging nachdem er seine Sachen für die Abreise gepackt hatte zu Seddik. Der große Ork musterte seinen Kumpel grinsend.

"Wo warst Du? Sag jetzt nicht weg, das war offensichtlich", grinste der Hüne.
"Hast Du mich vermisst?", hakte Dave gut gelaunt nach.

"Unser Morgenbier? Sicher. Und dann schleppst Du auch noch Pavo mit. Also entweder nimmst Du Pavo und mich mit, oder Du lässt mir Pavo hier! Du kannst Dir nicht mein Leid vorstellen, als ich mit Aino und Lydia frühstücken musste. Die zwei Süßen verstehen unser Morgenritual nicht. Wo warste? Sag", forderte Seddik den Naridier auf.
"Bei meinen Verwandten", schmunzelte Dave.

"Du meinst Zuhause? Dave so sprich doch!", lachte Seddik.
"Ja doch! Hetz mich nicht. Ich brauche immer paar Minuten um mich wieder dran zu gewöhnen frei und offen reden zu können. Nicht Zuhause Sed! Hier ist mein Zuhause. Gleichgültig - Wortklauberei.
Pavo und ich haben Vater und Großvater beim Umzug geholfen, die waren schon längst überfällig die beiden Säcke. Jedenfalls brauche ich jetzt Deine Hilfe", grinste Dave.

"Beim Buddeln?", lachte Seddik.
"Eher weniger", prustete Dave.

"Kaum bist Du wieder da, gibt es Aufträge. Das ist ein gutes Omen, Du kommst Heim und wir bekommen Geld", freute sich der Ork.
"Ich möchte dass Du nach Tunik reist. Dein Kontaktperson ist Sancillo der Goblin. Dein Ziel mit ihm Cara-Cor. Hole den Goblin ab und bring ihn sicher zu den Rakshanern.

Der Auftrag sollte zuerst an Urako gehen, aber er transportiert einen anderen Part des Auftrags per Luftweg nach Cara-Cor. Da die beiden scheinbar immer noch nicht aufgebrochen sind, warte ein paar Tage mit Aufbruch nach deren Abreise.

Wie Du reist ist mir gleich. Wenn Du möchtest, kannst Du Nachtmahr nehmen. Du hast völlig freie Hand. Einzig wichtig ist, dass der Gobo sicher bei Tarkan ankommt.

Die 500 Taler bekommst Du sofort ausgezahlt, da ich heute zur Akademie abreise", erklärte Dave und händigte dem Ork die versprochenen 500 Taler aus.

"Alles klar. Sobald Urako und Gas abgerückt sind, warte ich einige Tage und mache mich auf dem Weg nach Tunik. Ob ich Nachtmahr nutze, weiß ich noch nicht. Vielleicht ergibt sich ja bis dahin noch etwas anderes. Oder Pavo hat eine Idee. Mach Dir keine Gedanken. Was willst Du auf der Akademie Dave?", fragte Sed.

"Pavo wirst Du bitte nichts von der Aktion erzählen. Meinen Meisterabschluss machen, dass steht schon seit einer Ewigkeit aus", antwortete Dave.

"Ich soll Pavo nichts sagen? Ärger im Paradies bei Euch beiden?", grinste der Ork.
"Nein. Pavo ist schon alt und Du weißt wie er gegenüber Rakshanern eingestellt ist und wie er aufs Chaos reagiert. Ich möchte nicht, dass er sich grundlos aufregt. Für solche Späße ist er zu alt und mir eindeutig zu wichtig. Auftrag ist Auftrag Seddik, egal von wem er kommt. Kann ich mich auf Dich verlassen?", fragte Dave freundlich.

"Sicher wie immer Dave, Du kannst Dich auf mich verlassen. Deine Sorge ist ja rührend. Pavo soll sich nicht aufregen. Soso. Damit er Dir nicht in den Arsch tritt, oder warum?", flüsterte Sed mit arglistigem Grinsen.

Dave schaute sich kurz sichernd um, dass nicht Pavo irgendwo in der Nähe stand und nickte dann knapp. Der Magier trat ganz nah an den Ork heran und flüsterte ihm ins Ohr.

"Ja. Er denkt das ist schon gelaufen. Wenn er erfährt, dass die Sache erst anläuft, kann ich mich warm anziehen. Oder schlimmer noch, er verhindert sie! Aber die Sache muss erledigt werden. Damit sichere ich meiner Mutter ihre Freiheit in Rakshanistan. Schweig, abgemacht?", bat Dave flüsternd.
"Seine Mutter muss man achten. Ich schweige für Dich", flüsterte Sed ernst zurück.

"Damit hast Du absolut Recht. Pass auf Dich auf", sagte Dave und drückte Seddik kurz.
"Du auch. Bleib nicht zu lange weg, sonst falle ich noch vom Fleisch, wenn ich nur Süßkram und Obst frühstücken muss", grinste der Ork.

"Das wird schon nicht passieren. Pavo bleibt hier und Anwolf gibt meine Vertretung. Du hast also zwei mit denen Du frühstücken kannst Sed. Pass mir auf die beiden auf. Was sag ich, pass auf alle auf, einschließlich Dich. Gedanklich bin ich bei Euch", gab Dave gut gelaunt zurück.

"Gedanklich bist Du besser dort Dave, sonst wird das nichts mit der Prüfung", prustete der Seddik, was auch Dave loslachen ließ.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Di 21. Mär 2017, 18:16 
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Gasmi drückte Puschel kurz und musterte ihn dann ernst.

„Ich glaube ich kann nicht einfach abreisen, ohne jemanden Bescheid gesagt zu haben. Ich habe schon viel zu lange geschwiegen. Und wenn ich nicht hier bin und Seddik vielleicht mit Dave mal das Haus verlässt, dann sind die beiden Frauen alleine hier, falls er jemals zurückkommen sollte um sich zu rächen.

Weißt Du Puschel, Lydia und Aino sind alles andere als wehrlos. Aber er ist sehr gefährlich. Ich habe Dich nicht angelogen, als ich Dir sagte wie gefährlich er ist. Ich habe ihn ausgebildet, er ist schnell, extrem schnell. Seine Reflexe sind wie die von einer Giftschlange und er benutzt solche Pflaster um sie noch schneller werden zu lassen. Dann kann man ihn kaum aufhalten. Ich weiß, dass er so nur ungefähr fünf Minuten auf voller Leistung kämpfen kann. Aber normalerweise braucht er nicht mal eine Minute um jemanden so zu schaden, dass jede Hilfe zu spät kommt.

Ich habe ihm nicht alles beigebracht, einfach auch aus Eigenschutz und weil ich irgendwie immer wusste, dass ich ihn vielleicht mal aufhalten muss.

Schau ich habe Dir die Wahrheit gesagt – ich muss den anderen jetzt auch die Wahrheit sagen. Ich kann sie nicht unwissend und damit schutzlos zurück lassen. Und wenn ich es endlich ausgesprochen habe, dann ist die letzte Lüge für ihn aus meiner Welt. Dann hat er mich nicht mehr in seiner Gewalt.

Er kann mich nicht mehr erpressen, dass ich für ihn geschwiegen habe. Der einzige der ihn nie gefürchtet hat, war Pavo. Er hat ihn irgendwie klein bekommen.

Sed empfand ihn als unheimlich, aber er konnte ihn immer aufhalten und einnorden. Jeelen war einst sein Schüler, er hat Respekt vor ihm – vielleicht sogar Angst, aber er ist gut und könnte ihm auch die Stirn bieten.
Nur leider ist Jeelen nicht hier.

Drum muss ich das jetzt sagen. Lydia vielleicht nun nicht gerade, aber vielleicht Dave. Er könnte es dann den anderen sagen wenn wir unterwegs sind. Ihnen sozusagen schonend beibringen.

Dave könnte nach Jo spüren, vielleicht könnten wir einfach nur getrennter Wege gehen. Er würde es verstehen, die anderen wären vermutlich sehr böse auf mich. Wäre ich ja auch. Allen voran Lydia“, sagte Gasmi.

Der Düsterling drückte Puschel kurz, damit dieser auf ihn wartete und begab sich dann zur Schreibstube des Magiers. Dave war nicht da. Das kam in letzter Zeit wohl häufiger vor, grummelte Gasmi gedanklich. Allerdings fand er den Naridier bei Seddik.

Gasmi grabschte Dave am Arm und zog ihn mit sich.

„Ich muss Dich dringend sprechen“, bat der Düsterling und zog Dave hinter sich her.
„Scheint so. Wenn es mit der Abreise zu tun hat, legt los! Ich bin gleich selbst unterwegs und für einige Zeit weg. Also pass auf Dich auf Gas. Was ist los? Falls Du mich persönlich nicht brauchst, frag Anwolf“, sagte Dave freundlich und knuffte Gasmi.

Gas schaute zu Dave auf und drückte den Magier auf einmal felsenfest.

„Ehm… Gas?“, fragte Dave verdattert.
„Nur Du kannst dabei helfen! Ließ meine Gedanken!“, bat Gasmi flehentlich.
„In Ordnung“, gab Dave freundlich zurück und schaute Gas ohne zu blinzeln an.

`Was ist Dein Problem Gas? Was immer es ist, so schlimm kann es nicht sein. Notfalls bleibe ich noch eine Nacht hier´, übermittelte Dave dem Düsterling.

`ER IST NICHT TOT. ER LEBT´, dachte Gasmi verzweifelt.

„Wer er? ER? Butterkeks?“, fragte Dave aus Überraschung heraus verbal.
Gasmi nickte tonlos.

„Ich habe ihn vor zwei Jahren in Obenza wieder getroffen. Er saß in einer Taverne. Ich wollte nicht dass ihm was geschieht, oder einem von Euch. Er war einst mein Gefährte…

Aber Du hattest es ja eilig Davy, ich halte Dich nicht länger auf!
Ich muss auch los!
Bin schon so gut wie weg!“, flötete Gasmi und wollte sich verdrücken.

„Langsam!“, gab Dave zurück und hielt Gasmi fest.

„Was erwartest Du denn jetzt? Das können wir nicht so stehen lassen! Ich versuche das für Dich gerade zu biegen Gas, ich weiß ja warum Du damals geschwiegen hast. Liebe macht blind, an dem Spruch ist was dran", antwortete Dave leise.

"Ich wollte niemandem schaden. Ich wollte nur, dass er in Frieden leben kann, da wo er jetzt ist. Er ist alt Dave. Er ist fertig. Er ist drogenabhängig und er lebt auf der Straße. Und Du weißt was ich für ihn empfunden habe.

Ich wollte ihm sogar ein Haus kaufen, damit er wenigstens nicht auf der Straße leben muss. Ich habe beschlossen ihm nicht mehr hinterher zu laufen. Er hat sich nicht mehr gemeldet. Zum Glück, sonst hätte ich jetzt nicht Puschel.
Aber ich kann ihm trotzdem nichts Böses wünschen.

Ich wollte Euch, mein Rudel und ihn einfach auseinander halten. Ich wollte beide Seiten voreinander beschützen! Jeder geht seiner Wege, er hat mir einmal viel bedeutet.

Aber jetzt ist es anders. Und wenn ich Puschel die Wahrheit sage, dann wird es Zeit, dass ich allen die Wahrheit sage. Hilf mir Davy, ich wollte Euch nicht gefährden. Ich wollte niemanden gefährden", flüsterte Gasmi.

"Das weiß ich doch. Du hättest dem Gelben noch Deine sauer verdienten Ersparnisse in den Allerwertesten gestopft Gas. Man nennt Dich Dämon, obwohl Du Dir solche Gedanken um einen Kerl machst, der Deine Sorge wirklich nicht verdient hat. Was bin ich dann? Oder jeder andere?

Deshalb wolltest Du auch sein Blut, nicht um ihn über einen Nekro zu befragen, sondern damit ich ihn nicht finde. Du wolltest die letzte Bindung zu ihm kappen.
Clever. Aber auch töricht von Dir Gas und gefährlich für uns und Urako.

Wie gesagt, ich kümmere mich drum. Wenn der Gelbe seit zwei Jahren einen Bogen um uns macht aus gutem Grund, wird er es jetzt auch tun. Ich regele dass mit den anderen, aber ich kann Dir nichts versprechen. Deine Sorge sollte ausschließlich Urako gelten. Neues Wissen bedeutet, neue Handlungsweise.

Ich werde den Gelben auslesen, was in der Zwischenzeit so geschah, sprich von Eurem Wiedersehen bis jetzt. Der Gelbe schläft tagsüber richtig?", fragte Dave.
"Ja er pennt tags, Du könntest ihn jetzt auslesen. Du hast was bei mir gut Davy", grinste Gas.

"Quatsch, geschenkt, solange Du Dich an Urako hältst und von dem Gelben fernhältst sind wir beide quitt. Du hast mir auch immer beigestanden.

Gut dann lese ich den Kerl jetzt aus. Dann schaue ich weiter. Ich bin aber gezwungen einen Sitzung einzuberufen. Es wäre besser, Du wärst dann schon weg - es sei denn Du möchtest mit Lydia persönlich reden", grinste Dave.
"Nicht nötig. Ruf Jeelen zurück nach Hause. Das wäre sicherer und Lydia freut es. Dann ist sie nicht ganz so sauer auf mich", kicherte Gas verlegen.

"Gute Idee. Ich werde Jeelen kontaktieren und ihn bitten zurückzukommen. Nur für den Notfall. Und ich werde Sed bitten, erst dann für seinen Auftrag loszuziehen, wenn Jeelen hier eingetroffen ist. Abgemacht Gas?“, fragte Dave.
„Abgemacht Davy“, freute sich der Düsterling erleichtert.

Gas drückte Dave noch einmal kurz, ehe er verschwand und zu Urako in ihr gemeinsames Quartier zurückkehrte.

"Wir sollten so langsam los Puschel. Egal was auch immer passiert, unterwegs oder überhaupt - Du sollst wissen, dass ich Dich liebe. Merk Dir dass gut Puschel, merk es Dir", sagte Gasmi eindringlich.

Der kleine Düsterling schnappte sich die Tasche, klemmte sich die Rolle unter den Arm und marschierte nach vorsichtshalber schon mal nach draußen. Vor der Tür musterte er den Zen-Stein. Er grabschte das "Ding" und stopfte es in ihre Tasche.

`Ich schicke Dich in die Wüste! Ha! Und hier hab ich Dich heute in die Wüste geschickt. Es ist aus, ein für alle Male´, freute sich Gasmi und wartete auf Urako.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Di 21. Mär 2017, 21:19 
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Dave schaute Gasmi hinterher und verharrte einen Moment nachdenklich.

`Erste Pflicht - Ruhe bewahren. Laut Gasmi lebte Jozo vor zwei Jahren noch. Dies ist nicht gleichbedeutend damit, dass Jozo heute noch lebt. Überprüfen. Sollte er verstorben sein, Stillschweigen für Gas bewahren. Die Sache als erledigt abhaken. Jeelens Rückruf erübrigt sich.

Sollte Jo noch existieren, überprüfen wo und in welchem Radius er sich die letzten zwei Jahre bewegt und aufgehalten hat. Jeel vorsichtshalber zurückrufen. Danach weitere Vorgehensweise ausrichten´, überlegte Dave analytisch.

Der Naridier ging zurück zu Seddik.

"Folge mir Sed, ich muss vor meiner Abreise noch etwas überprüfen. Du gewährst meine und Anwolfs Sicherheit", wies der Magier den Ork freundlich an und begab sich unverzüglich in sein Quartier.

Anwolf musterte seinen Onkel und den Ork, als sie eintraten. Er war gerade dabei seine Sachen auszuräumen.

Dave öffnete einen der Schränke und zum Vorschein kam ein Tresor. Der Almane legte seine Hand darauf und auf der Tür glühten kurz einige Runen auf, ehe sich der Tresor öffnete.

Anwolf versuchte am Kreuz seines Onkels vorbei in den Tresor zu spähen. Dave entnahm eine der Blutphiolen und verschloss den Tresor wieder.

"Setz Dich mir gegenüber und verbinde Dich mit mir Wolfi", schmunzelte Dave und hockte sich im Schneidersitz auf den Boden. Anwolf tat wie ihm geheißen.

`Hier bin ich´, teilte Anwolf Dave mental mit.
`Verbund. Wir suchen eine Person. Jozo Yamanlar. Vermuteter Aufenthaltsort - Obenza. Seine Farben sind mir bekannt, wir suchen ihn über sein Blut, ich teile mit Dir meine Erinnerung. Danach folg mir einfach´, übermittelte Dave seinem Neffen und teilte wie angekündigt seine Erinnerung mit Anwolf.

Zeitgleich umschlang er Anwolfs Seele mit seinen Seelenfäden und ließ sich in Trance fallen. Im Nexus drückte sich Anwolf an seinen Onkel.

`Wie findet man jemanden über Gedankenauslesen hier? Kannst Du erspüren wo er ist?´, fragte der junge Magier.

`So einfach geht das leider nicht. Wenn ich etwas Persönliches von der Person besitze, dann finde ich sie ruck-zuck im Nexus, das ist kein Problem. Ich suche einfach ihre Farben anhand des körpereigenen Stücks, was auch immer - Blut, Haare und so weiter. Wir haben Blut von ihm und mir sind seine Farben bekannt. Dir jetzt ebenso.

Hab ich die Person im Nexus gefunden, muss ich ihren Körper finden.
Kurzum es ist die Frage zu klären, wo hält sich die Person auf dieser Welt körperlich auf?

Wenn die Person schläft, verbindest Du Dich mit ihr – übermittelst aber keine Gedanken, sondern bist einfach völlig still.

Ein lautloser Beobachter in den Gedanken der Person. Du schaust Dir dann ihre Wahrnehmungen an. Was hat die Person zuletzt gesehen? Was sind die letzten Erinnerungen an die Umwelt, die die Person hatte bevor sie einschlief?

Dann gehst Du zwei, drei Erinnerungen zurück oder schaust auch in die unterbewussten Erinnerungen und siehst was am häufigsten vorkam.

Sagen wir die Person sah einige Straßenzüge aus Shohiro, erinnert sich daran. Dann schaust Du rückversichernd auch ins Unterbewusstsein – Du siehst auch einige Straßenzüge aus Shohiro, dann weißt Du anhand der letzten Erinnerungen ungefähr wo die Person sich aufhalten muss.

Wenn Du Glück hast, siehst Du einen Straßenzug, einen markanten Punkt und Du weißt sehr genau wo die Person ist. Vielleicht war richtete sich der Blick auf ein Tavernenschild?

Das wäre perfekt. Folgt eine Erinnerung von einem Gemeinschaftsschlafraum oder ähnliches, weißt Du genau wo die Person ist. Sie selbst wird solchen Erinnerungen keinen Wert beimessen, meist werden diese Erinnerungen von Leuten nicht mal bewusst wahrgenommen. Aber für Dich sind die Informationen Gold wert, wenn Du wen aufspüren musst.

Es ist also nicht einfach – spüren und aha da ist er ja. Sondern verbinden und lesen, herausfinden und filtern… alla zeig mir wo treibst Du Dich rum. So funktioniert das. Und so machen wir das jetzt´, antwortete Dave.

`Alles klar. Was soll ich genau tun?´, fragte Anwolf aufgeregt.
`Nichts Wolfi. Einfach zugucken und lernen, ich nehme Dich mit. Locker bleiben´, übermittelte Dave liebenswürdig.

Der Magier suchte Jozos Farben im Nexus und hatte sie nach einiger Zeit auch gefunden. Lautlos schlich er sich in die Gedanken des gelben Goblins ein.

Träume waren ein Mix aus tatsächlichen Erinnerungen und deren Verarbeitung. Mehr Information bot dort schon das Unterbewusstsein. Dave ließ sich Zeit und las einiges von Jozos Erinnerungen aus.

Er sah, dass Jozo die zwei Jahre über in Obenza und Umgebung unterwegs gewesen war. Er sah den Tod von Jozos Schwester, den Tod eines Söldners und den Tod eines Büttels.

Zwar war vieles verworren und ein Großteil zu deuten, aber da mit den Erinnerungen auch Gefühle mit auszulesen waren, da sie besonders bei dem Tod von Personen geradezu überwältigend an die Oberfläche schwappten, waren die Infos Fakt - auch wenn sie seltsam ausgeschmückt waren mit Bild- und Geräuschkulissen mit denen Dave nichts anfangen konnte.

Es war Jozo Wahrnehmung der Welt, nicht seine.

Und eines war 100%ig sicher - Jozo lebte.
Denn nur lebende Personen träumten.

Dave zog sich aus Jozos Gedanken zurück und stubste mental Anwolf an. Sein Neffe hatte sich gut geschlagen. Da er ihn quasi huckepack im Nexus dabei hatte, suchte Dave gemeinsam mit Anwolf nach Jeelen.

`Er schläft auch noch. Praktisch. Jeelen kennst Du noch. Der grüne Goblin mit dem Du öfter rumgehangen hast. Der mit der Narbe. Ihm schicken wir jetzt eine Botschaft. Er soll zurück nach Hause kommen´, erklärte der Magier seinem Neffen und wandte - "Hörst Du mich?" - bei Jeelen an.

`JEELEN KOMM ZURÜCK NACH HAUSE!
WIR BRAUCHEN DICH BRUDER!
WO IMMER DU BIST - MEIDE OBENZA!
JOZO LEBT!
UND JO LEBT DORT!
PADA!´,
übermittelte Dave als Traumbotschaft.

Dave verließ auch Jeelens Gedanken, kehrte aus dem Nexus gemeinsam mit Anwolf zurück und löste die Verbindung zu ihm. Der Magier musterte seinen Neffen, der ihn müde aber gut gelaunt angrinste.

"Alles gut?", fragte Dave ebenfalls grinsend.
"Muss ich dass wenn Du weg bist alleine machen?", fragte Anwolf.
"Botschaften versenden - ja. Jemanden suchen, nein. Du schickst mir eine Botschaft. Ich suche und sollte ich die Person finden, schicke ich Dir die Antwort", gab Dave zurück.
"Das ist praktisch", lachte der junge Naridier.
"Nicht wahr?", schmunzelte Dave.

"Seddik, ruf den Kriegsrat zusammen. Ich muss mit Aino und Pavo sprechen. Am besten trommele alle zusammen. Urako und Gasmi nicht, sie reisen ab.
Zudem habe ich Jeelen zu uns zurück beordert. Du wirst erst zu Deinem Auftrag aufbrechen, wenn Jeelen hier eingetroffen ist", entschied Dave.

Der große Ork nickte knapp, als Zeichen dass er verstanden hatte und verließ umgehend dass Quartier des Magiers.

`Dave?´, übermittelte Anwolf.
`Hm?´, kam die Antwort.
`Ich mag den Job´, grinste der junge Magier, was auch Dave grinsen ließ.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Mo 3. Apr 2017, 09:09 
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Die Handelsallianz (1)
Die Geister fanden sich in ihrem zweiten Keller ein, dem eigentlichen Geisterhaus unter dem Geisterhaus. Zwar war das ganze Geisterhaus sicher vor fremden Ohren, aber hier unten war es absoluter Fakt – es gab nichts und niemanden der sie hier belauschen konnte.

Im zweiten Keller wurden Aufträge erörtert, Vorschläge unterbreitet, Abstimmungen abgehalten oder auch im schlimmsten Fall, der Kriegsrat einberufen.

Dies war nun geschehen durch Dave. Er hatte Seddik zu Aino und Pavo geschickt um den Kriegsrat anzuberaumen.

Die Gruppe saß in ihrem unterirdischen Besprechungsraum. Der Raum war gemütlich eingerichtet, einem Wohnzimmer mit Sesseln gleich. Überwacht wie auch überschattet wurde er vor einer großen Statue in Robe die auf einem Podest etwas über dem Raum emporragte.

Die Statue spiegelte einen sitzenden Mann wieder, von dem man weder die Hände, die Füße noch das Gesicht sehen konnte. Im Schoß der Statue lagen mehrere Totenschädel. Geschmückt war die Statue mit Kerzen, abgeschnittenen Blumen und anderem Zierrat, so dass es fast den Anschein eines Schreins hatte.

Genau auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes hockte auf einem steinernen Sockel eine vermummte Assassinen-Statue in Einsatzrüstung, die der Statue in Robe kniend zu huldigen schien.

Dieser Raum war der sicherste im ganzen Geisterhaus, zudem verbarg er den Fluchttunnel nach draußen in die Stadt.

Als sich die schwere Tür mit einem dumpfen Grollen schloss und alle Platz genommen hatten, erhob sich Aino.

„Dave Du hast den Kriegsrat zusammenrufen, damit hast Du sofort das Wort“, sagte die Nardierin ernst.
„Danke. Um es kurz zu machen, Jozo lebt“, erklärte Dave. Ein kurzes Raunen ging durch die Gruppe, ehe Aino die Hand hob und um Ruhe bat.

„Woher weißt Du dass und seit wann? Ist die Info gesichert Dave?“, fragte Aino.

„Das wollte ich gerade erläutern. Die Info ist gesichert, ich habe sie überprüft. Jozo lebt. Der Gelbe hält sich seit zwei Jahren in Obenza auf.

Gasmi berichtete mir vor wenigen Minuten davon, als er zu einem Auftrag aufbrach. Gas erklärte mir, dass er vor zwei Jahren Jozo bei einem Auftrag in Obenza getroffen hatte. Warum er geschwiegen hat wissen wir alle. Nicht um uns zu schaden, dass würde Gas niemals tun. Sondern um Jo und uns zu schützen – voreinander. Weder wollte er das uns, noch dass Jozo etwas zustößt.

Nachdem ich die Info erhalten habe, habe ich überprüft, ob Jo überhaupt noch lebt. In zwei Jahren kann viel geschehen und so wie Jo gelebt hat, hätte es durchaus sein können, dass sich die Sache von selbst bereinigt hat. Hat es leider nicht, aus diesem Grund habe ich den Kriegsrat einberufen.
Zuerst spreche ich mich dafür aus, dass wir Gasmi sein Verschweigen verzeihen. Er tat es aus alter, wenn auch missverstandener Loyalität seinem Ex-Partner gegenüber heraus. Er hat ihn geliebt und dafür sollte er nicht bestraft werden. Zumindest nicht so, als hätte er einen Hochverrat begangen. Wenn Sanktion, dann pekuniär – meiner Meinung nach.

Dabei vergesse ich selbstverständlich nicht Lydia, was Jozo mit Dir vorhatte und was er Dir angetan hat. Aber das war Jozo und nicht Gasmi, dass dürfen wir hier nicht vergessen.

Was mich zum nächsten Punkt bringt. Gasmi und Urako haben einen Auftrag und sind somit nicht verfügbar für den Schutz des Hauses. Seddik hat ebenfalls einen Auftrag, somit ist er auch nicht verfügbar für den Schutz des Hauses.
Ich selbst breche heute Abend zur Akademie auf, das heißt ich falle ebenfalls aus.

Die Umstände zuzüglich der neuen Info berücksichtigt, habe ich Jeelen nach Hause zurückbeordert. Seddik wird erst dann zu seinem Auftrag aufbrechen, wenn Jeelen eingetroffen ist.

Wie lange dass in etwa dauert, kann ich nicht genau sagen. Nur soweit, Jeelen befindet sich glücklicherweise bereits in Shohiro. Er müsste folglich innerhalb eines Tages hier sein.

Sobald wir in voller Mannstärke wieder vereint sind, sollten wir unser weiteres Vorgehen bezüglich Jozo planen“, erklärte Dave.

„Jozo lebt. Ich hätte ja viel geglaubt und ich weiß von Jeelen und Lydia, dass der Kerl erschossen wurde. Wie kann er das überlebt haben? Lebt er wirklich, oder hat ihn ein Nekro wiederbelebt? Also falls Jo wiederbelebt wurde, sollten wir mal ein ernstes Wort mit diesem Nekromanten sprechen“, sagte Aino.

„Jozo lebt, er ist quietsch-fidel. Der Gelbe ist weder ein Zombie, noch ein Ghul“, antwortete Dave.

„Wie kann dieses Miststück das nur überlebt haben? Dass geht doch nicht mit rechten Dingen zu! Danke erstmal dass Du Jeel zurückgerufen hast Davy. Aber Gas kann was erleben, dass schwöre ich! Wenigstens meine Meinung muss er sich anhören! Wie konnte er das nur verschweigen? Jozo hätte hier jederzeit aufschlagen können. Er hätte Gas oder jetzt auch Urako angehen können. Gasmi scheint die Gefahr nicht zu begreifen die von dem Irren ausgeht!“, ereiferte sich Lydia.

„Nun mal langsam, da muss ich eine Lanze für Gas brechen! Zuerst einmal bleibt das Gefahrenpotential das von Jozo ausgeht das gleiche wie die letzten zwei Jahre über. Der einzige Unterschied ist unser Wissen Lydia. Bis gestern dachten wir er wäre tot. Gefürchtet hast Du ihn nicht mehr und gedacht hast Du vermutlich auch nicht mehr an den Bastard.

Heute wissen wir dass er noch lebt. Dass wir das wissen, weiß aber Jozo nicht.
Folglich geht von uns mehr Gefahr für Jozo aus, als von Jozo für uns.

Bevor Du jetzt fragst, warum ich dann Jeelen zurückgerufen habe, aus dem einfachen Grund Vorsicht. Vorsicht ist keine Feigheit und Dummheit kein Mut. Besser Jeelen ist hier und er wird nicht gebraucht, als umgekehrt“, sagte Dave freundlich.

„Davy mich freut einfach erstmal dass Jeel zurückkommt. Dass der Grund ihn zu rufen, so ein mieser Grund war, ehr weniger. Keine Ahnung, irgendwie kann ich Gas auch verstehen. Hätte Jeel das gebracht, was sich Jo erlaubt hätte, ich glaube ich hätte ihn auch nicht verpfiffen. Aber Jeel hätte so etwas niemals getan. Und Jo hat doch nicht nur mich verraten. Er hat Euch alle verraten, einschließlich Gasmi. Warum sieht der Düsterling das nicht?“, fragte Lydia.

„Liebe macht bekanntlich blind Lydia. Egal was ich ihm über Jozo versucht habe zu erklären, er wollte es nicht hören. Und hat er mir zugehört, dann hat er es nicht geglaubt. Seine Ausrede war stets – so ist Jozo nicht. Du kennst ihn nicht. Nur ich kenne ihn wirklich. Glaubt mir, nicht einmal Gasmi kannte auch nur einen Bruchteil dessen, was in Jozos krankem Gehirn vor sich ging.

Nunja immer noch vor sich geht. Zur Frage ob man einen Kopfschuss überleben kann – eindeutig ja. Das geschieht sogar öfter als man glaubt. Gesund ist so ein Kopfschuss natürlich nicht. Die meisten bleiben zurück als sabbernde Lappen die nur noch vor sich dahin vegetieren.

Andere überleben so eine Verletzung ohne scheinbar größere Probleme. Inwieweit Jozo wirklich verletzt ist, oder noch mehr den Verstand durch diese Verletzung verloren hat weiß ich nicht.

Aber ich stimme mit Dave überein. Der Kerl war zwei Jahre nicht hier. Zwei Jahre hat er einen großen Bogen um das Geisterhaus gemacht und sich von uns ferngehalten. Warum sollte er ausgerechnet jetzt hier aufschlagen?

Gut man könnte meinen, vielleicht beobachtet er uns, wartet auf eine passende Möglichkeit um zuzuschlagen. Das ist aber nicht Jozos Verhaltensweise. Natürlich lauerte er auch seinen Opfern auf. Aber das war bei ihm ehr eine Art Reflex. Er sah jemanden, verfolgte ihn, belauerte ihn und legte ihn dann um.

Jozo hat nicht die Aufmerksamkeitsspanne um sich Tage-, Wochen- oder sogar Monate lang auf die Lauer zu legen. Denkt einmal ganz in Ruhe darüber nach, wie er sich verhalten hat, als er hier noch lebte.

Er konnte sich auf keine Aufgabe länger konzentrieren die ihn langweilte. Er hat die Aufmerksamkeitsspanne einer Stubenfliege. Wenn es langweilig wird, bricht er ab. Wie sollte sich Jozo da zwei Jahre auf die Lauer legen? Dass schafft der Kerl geistig nicht.

Etwas anderes wäre es natürlich, Du wärst ihm versehentlich in Obenza über den Weg gelaufen Lydia. Dann hätte er Deine Spur aufgenommen wie ein Jagdhund. Und er hätte garantiert versucht Dir etwas anzutun.

Aber bewusst hierher zu kommen, sich auf die Lauer zu legen und Dich dann zu jagen, dass macht er nicht. So hat er noch nie gehandelt. Dann wäre er auch schon längst hier gewesen“, erklärte Pavo Lydia beruhigend.
„Damit hast Du Recht Pavo. Im schlimmsten Fall haben wir immer noch eine unbedarfte Seele zum Schutz, die Jozo nicht um den Finger wickeln kann. Weder mit Schmeichelei, noch mit Drohungen“, warf Aino ein.

„Ich glaube kaum dass Anwolf Euch beschützen kann. Jedenfalls Mann gegen Mann hat er keine Chance gegen den gelben Goblin. Er müsste ihn per Magie ausschalten. Nichts für ungut Wolfi“, sagte Seddik grinsend.

„Ich meinte auch nicht Wolfi, sondern Fedor“, lachte Aino.

Als der große Wolfshund seinen Namen hörte, hob er kurz den Kopf und schaute seinen Herrn mit seinen treuen, braunen Augen an.

„Ja nee, dass machst Du. Wenn der Gelbe kommt und die Frauen bedroht, kaust Du ihn auf Notwehr durch“, sagte Dave und kraulte Fedor den Schädel.
„Auf Notwehr durchgekaut – dass klingt widerwärtig. Aber lustig“, lachte Lydia.

„Er wird ihn vermutlich nicht nur kauen, sondern in Stücke reißen. Zumal wenn er mit Hirschen und solchen Tieren fertig wird, wenn er erwachsene Menschen reißen kann, dann möchte ich nicht wissen, was Fedor mit einem Goblin anstellen kann“, grübelte Aino.

„Er verbuddelt sie bestimmt, wie seine gefangenen Mäuschen“, warf Anwolf ein, was die Gruppe losprusten ließ.

„Danke für den Hinweis. Dave bist Du sicher, dass ich Fedor in Deiner Abwesenheit hüten soll? Ich möchte nicht verbuddelt werden“, flüsterte Pavo.
„Er kennt und liebt Dich. Zudem greift der Struppige nur an, wenn einer von uns angegriffen wird“, flüsterte Dave zurück.

„Pavo falls Jozo hier anrückt, kannst Du ja auf Fedor in die Schlacht reiten“, schlug Aino grinsend vor.
„Das wäre vermutlich sicherer als auf Rulrot“, hielt Pavo grinsend dagegen.

„Klar, ehe Du auf Rulrot oben bist, ist Jozo tatsächlich tot. Der ist dann an Altersschwäche gestorben“, lachte Seddik.
„Pah“, antwortete der alte Goblin.

„Spaß bei Seite und zurück zum ernst der Lage. Jozo lebt. Du hast Jeelen zurückbeordert zu uns. Gasmi, Urako sind bereits aufgebrochen. Du brichst selbst heute Abend auf und Sed wird aufbrechen sobald Jeel hier ist.
Im Haus sind dann Lydia, Jeel, Wolfi, Pavo und ich. Sollte Jo wirklich herkommen würden wohl schon Jeel und Wolfi zur Abschreckung ausreichen. Jeel für den Nahkampf und Wolfi muss sich eigentlich nur als Magier zu erkennen geben. Da hält der Gelbe Abstand, genau wie bei Dir Pavo.

Und ob Ihr es glaubt oder nicht, aber Lydia und ich können uns auch selbst verteidigen. Ganz so wehrlos sind wir nicht“, warf Aino ein.

„Das hat auch niemand behauptet. Und ob Ihr Euch verteidigen könnt oder nicht, spielt keine Rolle. Selbst wenn ich wüsste, dass ihr Jozo kalt macht, würde ich nicht wollen, dass Ihr gegen ihn antreten müsst. Ohne Blessuren wird so ein Kampf nicht ausgehen – bestenfalls. Den Gelben sollte man niemals bis zum Nahkampfbereich aufrücken lassen, wenn man selbst kein Nahkämpfer ist.

Du, Lydia, Dave, Pavo oder Wolfi ihr solltet den Sicherheitsabstand zu dem Kerl einhalten. Von da aus, könnt Ihr gerne versuchen ihn kalt zu stellen, falls er hier aufschlägt.

Gasmi, Jeelen und ich sind die einzigen die ihm im Nahkampf wirklich die Stirn bieten können, machen wir uns nichts vor“, sagte Seddik.
„Das sehe ich auch so“, pflichtete Pavo dem Ork bei.

„Gut dann verbleiben wir so. Wir sind in Alarmbereitschaft, aber wir handeln noch nicht. Wir warten ab, bis wir wieder alle vollzählig sind.

Wo wir schon einmal alle bei einander sitzen. Von Haley bekam ich die Info, dass sich auf unseren Straßen ein Aasfresser herumtreibt. Haley berichtete von einem Magier ohne jede Zugehörigkeit, der sich hier um kleinere Geschäfte kümmert um sich über Wasser zu halten. Also haben wir uns um ihn zu kümmern.

Er könnte durchaus ein lohnendes Objekt zur Rekrutierung sein. Gerade auch im Hinblick auf unsere Mannstärke. Laut Haley handelt es sich bei ihm um einen Alben. Sie vermutet einen Frostalben, da man den Burschen nur nachts antrifft und meist dann nur, wenn es draußen kalt ist. Haley sagte sie hätte mit Dir bereits über den Kerl gesprochen, aber hätte noch keine Rückmeldung erhalten Dave“, sagte Aino.

„Ja korrekt. Ich wollte mich drum kümmern, sobald ich von der Akademie zurück bin. Den Alben einzufangen und zu rekrutieren wäre doch eine gute Einstandsaufgabe für unseren Welpen Urako“, schlug Dave vor.

„Teilweise. Vorher möchte ich mit Urako darüber sprechen, ob er sich diese Aufgabe zutraut. Mein Gedanke war, dass Du gemeinsam mit Gasmi die Aufgabe erledigst. Ihr könnt gerne Eure Welpen mitnehmen.

Aber Urako alleine einen Frostalben jagen zu lassen, gefällt mir nicht. Mit einem Frostalb ist nicht zu spaßen, gerade wenn es sich um einen Magier handelt. Frostalben sind allen anderen Völker gegenüber feindlich gesinnt, soweit ich weiß. Und Alben sind sehr mächtige Magier“, antwortete Aino.

„Das stimmt, wenn er ein üblicher Vertreter seines Volkes ist, steht er allen anderen Völkern negativ gegenüber. Wenn der Mann wirklich ein Frostalb ist, müssen wir einiges bedenken. Er wird nicht kooperativ sein. Mit ihm wird sehr schwer zu verhandeln sein. Und mit ihm wird sehr schwer auszukommen sein.

Man kann fragen wen man möchte, wer schon mal das „Vergnügen“ hatte mit einem Frostalb Kontakt haben zu müssen, berichtet nichts Gutes.

Sie gelten als arrogant, kalt, berechnend und unzuverlässig. Ob er wirklich in unsere Familie passt, wage ich zu bezweifeln. Allerdings müssen wir ihn so oder so von der Straße holen, ehe er zu viel Aufmerksamkeit auf sich lenkt und damit vielleicht sogar auf uns.
Sobald wir ihn haben, können wir schauen ob eine Rekrutierung möglich ist. Der Mann lebt weit ab seines Volkes, wenn er tatsächlich ein Frostalb ist. Er lebt in Shohiro, was ungewöhnlich genug ist. Vielleicht verhält er sich tatsächlich anders.

Aber bevor wir nicht mit ihm gesprochen haben, würde ich vom Negativsten ausgehen. Frostalben sind wahre Rassisten. Und das ist keine Übertreibung. Alles was kein Frostalb ist, ist für sie minderwertig.

Ich wäre auch dafür, dass sich ein Team um ihn kümmert. Zumindest sollte Urako ihn nicht völlig alleine jagen“, sagte Pavo.

„Gut. Also verbleiben wir so, über Jozo wird bei Rückkehr aller entschieden und der Alb wird nicht allein von Urako gejagt. Wenn es zwischenzeitlich unumgänglich wird den Alb aus dem Verkehr zu ziehen, dann müssen wir vier dass erledigen. Also Lydia, Du Pavo, Wolfi und ich. Hoffen wir, dass der Bursche bis zur Rückkehr von Urako, Gasmi und Dave die Füße stillhält. Wenn sonst keiner mehr etwas vorzubringen hat, erkläre ich die Sitzung für beendet. Und Du mach uns keine Schande in der Akademie Davy“, sagte Aino freundlich und knuffte den Magier.
„Ich versuch es“, grinste Dave.

„Dann ist die Sitzung hiermit beendet“, sagte Aino.

Der Kriegsrat der Geister löste sich auf und jeder ging wieder seiner Tätigkeit nach.
Dave packte seine Sachen, verabschiedete sich von seinen Leuten und reiste ab zur Akademie.

Diesmal waren es Pavo, Aino und Lydia die auf der Treppe des Hauses saßen und dem Magier noch einen Moment hinterher starrten, obwohl er bereits nicht mehr zu sehen war.

„Jozo“, flüsterte Lydia ungläubig und schüttelte den Kopf.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Mo 3. Apr 2017, 12:40 
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Das Kaisho Abkommen (1) Chronist in Silber (1) Rote Laterne (1) Quasselstrippe (1)
Jeelen träumte tief und fest, als sich plötzlich seine Traumwahrnehmung veränderte. Er stand in einem dunklen Raum der so dunkel war, dass er nicht einmal mehr die Hand vor Augen sehen konnte.

Dass dies kein Traum mehr war, spürte der Goblin sofort. Jeder hätte diesen Umstand sofort wahrgenommen. Etwas Seltsames, Düsteres wie auch Erhabenes haftete dem Ort an.

Normalerweise sollte er hier nicht sein. Aber er war auch nur für einige Minuten ein Besucher.

Aus der Dunkelheit schälte sich eine Gestalt, die er so gerade erkennen konnte. Eine schwarze Robe, deren Umrisse in einem geisterhaften Blau leuchteten. Weder das Gesicht in der Kapuze noch etwas anderes ließen optisch darauf schließen wer diese Person war.


http://fs5.directupload.net/images/170403/2s2ihxyk.jpg


Allerdings spürte der Grüne durch die geistige Berührung und dass übermittelte absolute Wohlwollen um wen es sich handelte.

Dave.

Vermutlich konnte er einem auch in einer anderen, weitaus freundlicheren Gestalt erscheinen, denn seine Form war nur ein Abbild seiner Gedanken. Auf der anderen Seite kannte Jeelen den Grund, warum Dave diese Tarnung bei jeder Kommunikation aufrecht erhielt – er war ein Gewohnheitstier.

Er behielt die Tarnung lieber auch bei Freunden bei, als sie nur einmal bei einem Feind zu vergessen.


JEELEN KOMM ZURÜCK NACH HAUSE!
WIR BRAUCHEN DICH BRUDER!
WO IMMER DU BIST - MEIDE OBENZA!
JOZO LEBT!
UND JO LEBT DORT!
PADA!


übermittelte der Magier. Die Gestalt wie auch der Raum lösten sich in Rauch auf und ließen Jeelen in seiner Traumwelt zurück.

****

Nach dem Aufwachen brauchte der Goblin einen Moment um sich zu Recht zu finden. Müde strich er sich übers Gesicht, schnappte Pulga vom Kopfkissen und streichelte die kleine Ratte.

`Jozo lebt. Na wunderbar. Der Kerl ist härter im Nehmen als jede Kakerlake. Die überleben auch alles. Verwundert mich irgendwie nicht. Irgendwer von den Göttern scheint unser Sonnenscheinchen echt ins Herz geschlossen zu haben. Oder wie sagte mal Pavo? Er hat seine Daseinsberechtigung im göttlichen Plan, sonst gäbe es Wesen wie ihn nicht – wir allerdings auch´, stöhnte Jeelen gedanklich.

****

Nachdem sie gemeinsam zum Haus der Geister gewandert waren wurde der Goblin stürmisch von einer rothaarigen Zwergin empfangen.

Jeel stellte Rosa, Lysa und Sew seine Familie vor. Die Gruppe ließ es sich noch einige Zeit gut gehen, lernten Jeelens Freundin und Familie ein bisschen kennen, jedenfalls jene die zur Zeit vor Ort waren und genossen einige Stunden die Gastfreundschaft der bunten Wohngemeinschaft.

Anwolf schrieb der Noraka direkt auf, wo Lysa welche Ausbildung erhalten konnte.

Mit etwas Wehmut verabschiedete sich der Goblin am Abend von seinen Reisebegleitern, da er sie auf ihrer gemeinsamen Reise ins Herz geschlossen hatte. Allen voran Lysa die seine Sucht nach Süßigkeiten teilte.

Er würde den Schabernack des kleinen Mädchens schmerzlich vermissen. Zeitgleich musterte Jeel aus dem Augenwinkel Anwolf – kurz Wolfi.

Neuer Schabernack war somit gesichert, verzichten musste er nicht.
Wolfi würde würdig die Nachfolge von Lysa antreten, was das Scheiße bauen anging.

Dass wusste Jeelen aus eigener Erfahrung.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Fr 7. Apr 2017, 18:42 
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Die Freien Völker (1)
Bis über beide Ohren verknallt betrachtetet Urako seinen Schatz in den Flugklamotten.
„Du siehst umwerfend aus, Hase!“
Leider musste Gasmi noch einmal entschwinden, um sich von den ganzen Saftsäcken im Geisterhaus zu verabschieden. Urako zog einen kaum wahnehmbaren Flunsch, aber verkniff sich irgendwelche Kommentare. Er wartete auf dem Bett und spielte mit seinen Klauen. Dann stand er auf und schlurfte zu Pavo in die Heilstube.

>>

Endlich kehrte Gasmi zurück.
"Wir sollten so langsam los Puschel. Egal was auch immer passiert, unterwegs oder überhaupt - Du sollst wissen, dass ich Dich liebe. Merk Dir dass gut Puschel, merk es Dir."
Urako blieb der Mund offen stehen. Er zog Gasmi fest an sich und umarmte ihn mit dem ganzen Körper. „Ich liebe dich auch, Gasmi“, sagte er leise und gleich darauf schämte er sich für seine Worte. Er nahm Gasmi bei der Hand und händchenhaltend spazierten sie nach draußen. Draußen löste Urako den Griff, damit niemand sie dumm vollmotzte, doch nachdem sie die Stadt verlassen hatten, fasste er erneut die Hand seines Schatzes.


Durch Naridien – von Shohiro zu den Roten Bergen

Das erste Stück ihrer Reise wanderten sie zu Fuß von Shohiro aus nach Norden. Ihr Ziel waren die ersten Ausläufer der Roten Berge. Urako fühlte sich noch nicht kräftig genug, um mit dem Düsterling auf dem Rücken zu starten. Die Reise dauerte ein paar Tage und sie hatten unterwegs das Glück, für ein paar Handelstaler von einem Händler auf dessen Karren mitgenommen zu werden. Sie lagen auf dem Rücken, unter sich weiche Stoffballen und genossen das gleichmäßige Schaukeln, während sie die Wolken betrachten. Urako nutzte die Zeit, um viel mit Gasmi zu kuscheln und einfach dessen Nähe zu genießen. Die Nächte verbrachten sie mit dem Händler im Freien unter einer Plane, die sie über den bepackten Wagen spannten, so dass sich ein Zelt ergab. Am nächsten Morgen wurde sie wieder abgebaut. Da sie mitten in Naridien waren, brauchten sie weder Räuber noch sonstiges Gesindel zu befürchten und die Reise verlief angenehm.


Die Wanderung hinauf zum Windberg

Als sie die ersten Ausläufer des Roten Gebirges bestiegen, war das Land auch landschaftlich eindeutig noch Naridien. Vom Händler hatten sie sich verabschiedet und waren zu Fuß weitergezogen. Die zahlreichen Wiesen, die vor allem von Hirten bewirtschaftet wurden, wurden hin und wieder unterbrochen von dichten Mischwäldern, die mit zunehmender Höhe jedoch von Tannen verdrängt wurden. Der Blick hinab war eine Wohltat für das Auge.

https://cdn.pixabay.com/photo/2016/09/04/22/01/mountains-1645368_960_720.jpg

Der Windberg war der höchste Gipfel Naridiens und heißt so, weil er das Zentrum einer Wetterscheide bildete. Er trennte das subtropische Zentrum vom kühlgemäßigten Süden des Herzlandes. Der Wind riss an Gasmi und Urako, sie hatten Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Schützende Bäume gab es in dieser Höhe nicht mehr. Vom Aufstieg war ihnen warm geworden und sie schwitzten, dennoch spürten sie deutlich, wie eisig es hier pfiff. Urako hatte sich einen Schal wie einen Turban zwischen seinen Hörnern entlanggefädelt, um seine Ohren vor der Kälte zu schützen und zerrte ihn nun von unten auch über Mund und Nase.

„So, Gasmi. Jetzt erfährst du, warum wir diesen Aufstieg auf uns genommen haben. Siehst du, wie schnell die Wolken hier über den Himmel jagen? Und dass es hier wegen dem Wind keine Bäume mehr gibt? Im Süden, also in Naridien, ist es kühler als in dem Gebiet, was vor uns liegt. Nördlich vom Gebirge wehen die warmen Winde aus der Sundhi, die ungehindert über den Azursee nach Zentralrakshanistan gekommen sind. Darum ist die Steppe warm, genau wie der Matschesumpf Alkena. Alles im Norden ist warm. Außer ganz im Norden, da wirds wieder eisig, aber egal. Hier, wo wir stehen, treffen sich die Winde, darum gibt es hier dauernd Stürme und im Sommer auch viele Gewitter. Heute sieht der Himmel aber gut aus! Fast keine Wolken! Auf so was muss man achten, wenn man in großen Höhen fliegt. Merk dir das. Die starken Luftwirbel der Wetterscheide werden wir für den Flug zu nutzen. Wir haben zwar zu Fuß ein wenig länger gebraucht, aber das werden wir nun wieder wettmachen!“


Er zog noch einmal Gasmis Mütze und Schal zurecht, damit dieser sich auch ja nicht verkühlte, denn der würde nun vor allem eine Aufgabe haben – stillzuhalten.
„Steig auf!“
Dann ging er in die Hocke, damit sein Freund ihm auf den Rücken klettern konnte. Er wartete, bis dieser sich gut positioniert hatte.
„Bereit? Dann Abflug!“
Urako stapfte mit Gasmi auf dem Rücken ganz vor zur Kante. Er konnte noch nicht einmal vorsorglich die Flügel ausbreiten, da der extreme Wind sie beide sonst vom Berg gefegt hätte. Er trat mit den Zehenspitzen ganz nach vorn, brüllte „Festhalten!“ und stürzte sich im freien Fall in die Tiefe. Erst jetzt breitete er die Flügel aus, der Wind griff unter seine Membranen und schob sie wieder hinauf in die Höhe. Mit kräftigen Schlägen half Urako nach, bis sie die Berge weit unter sich gelassen hatten. Seine Flügelspitzen berührten sich bei jedem Schwingenschlag unter dem Bauch. Er keuchte schwer und suchte nach einer geeigneten Stelle, um in den Gleitflug über zu gehen.

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Was jetzt folgte, war ein herrlicher Flug über das Panorama der Roten Berge hinweg. Nur selten schlug Urako mit den Flügeln, um das Gleichgewicht zu halten, wenn Gasmi sich bewegte oder um plötzliche Böen auszugleichen. Die Landschaft sauste nur so unter ihnen dahin, der Wind ließ ihre Kleidung wehen. „Ist das nicht herrlich?“, brüllte Urako, „Ist das geil? Und dafür werden wir auch noch bezahlt!“

https://cdn.pixabay.com/photo/2015/11/07/11/05/mountains-1030812_960_720.jpg

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"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen, warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Sa 8. Apr 2017, 12:45 
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Auf den Kommentar, dass er in den Flugklamotten umwerfend aussah, musste Gasmi verlegen grinsen. Normalerweise achtete er nicht darauf, welche Kleidung er trug. Gut diese Kleidung war auch ein sehr schräger Mix, aber Puschel fand sie scheinbar gut, folglich gefielen sie auch Gasmi.

"Danke für das Kompliment", grinste der Düsterling breit.

Gas flitzte schnell los um sich von allen zu verabschieden und erklärte Urako dann bei seiner Rückkehr, dass er ihn liebte. Es musste einfach sein. Man wusste nie was in einem Einsatz geschah und er hatte schon seinen Schatz schon so viele miese Sachen sagen müssen, da wollte er ihm das einzig Gute was er ihm zu sagen hatte, nicht vorenthalten. Er sollte es nicht nur spüren, er sollte es hören - er sollte es felsenfest wissen.

Urako glotzte ihn daraufhin mit offenen Mund an, was Gas grinsen ließ. Der Düsterling legte Puschel einen Finger unters Kinn und schloss dessen Mund und küsste drauf. Urako packte ihn und umarmte ihn felsenfest. Gas schmiegte sich an ihn und genoss die Nähe von seinem Schatz.

Statt ein Danke, dass er seit Jahrzehnten auf eine Liebeserklärung gewöhnt war, kam ein "Ich liebe Dich auch, Gasmi", was den kleinen Düsterling von Herzen freute.

Dann zogen sie los. Entgegen Gasmis Vermutung ging die Reise nicht direkt per Luftpost los, sondern sie wanderten. Ihr Ziel waren die Ausläufer der Roten Berge. Zum Glück mussten sie nicht den ganzen Weg laufen, sondern sie konnten auf einen Handelskarren mitreisen.

Gasmi kam es gar nicht wie ein Auftrag vor, als er so mit Puschel reiste. Sie gingen zu Fuß, genossen jeweils die Gegenwart des anderen und dann fuhren sie gemächlich durch die Gegend und konnten auch diese noch genießen.

Die Nächte verbrachten sie gemütlich beieinander und lagen sogar noch bequem. Das war eindeutig der beste Auftrag, den er je erhalten hatte. Egal wie viele Taler dabei rausspringen würden. Er war mit Puschel unterwegs, allein dass zählte.

Gasmi musterte seinen Kerl und fragte sich, ob dass sowas wie ihre Hochzeitsreise war. Ein Auftrag, der im Grunde keiner war. Niemand war umzulegen, sondern sie mussten nur in ein Gebiet reisen und eine Rolle abgeben. Sie beide gemeinsam. Kurzum sie wurden dafür bezahlt unendlich viel Zeit miteinander verbringen zu dürfen.

Die Behaglichkeit änderte sich schlagartig, als sie den Windberg erreicht hatten. Zwar war ihnen durch die Anstrengungen des Aufstiegs warm, aber das war bedeutungslos. Die Umgebungstemperatur war lausig und der Wind pfiff eisig über das Land, ganz so als wollte er seine Besucher verscheuchen.

Dass es oben in den Bergen so kalt werden würde, damit hatte der Düsterling nicht gerechnet. Jetzt war er froh drum, dass Urako auf warmer Kleidung bestanden hatte. In seinem Lendenschurz hätte er sich die Klöten abgefroren.

„So, Gasmi. Jetzt erfährst du, warum wir diesen Aufstieg auf uns genommen haben. Siehst du, wie schnell die Wolken hier über den Himmel jagen? Und dass es hier wegen dem Wind keine Bäume mehr gibt? Im Süden, also in Naridien, ist es kühler als in dem Gebiet, was vor uns liegt. Nördlich vom Gebirge wehen die warmen Winde aus der Sundhi, die ungehindert über den Azursee nach Zentralrakshanistan gekommen sind. Darum ist die Steppe warm, genau wie der Matschesumpf Alkena. Alles im Norden ist warm. Außer ganz im Norden, da wirds wieder eisig, aber egal. Hier, wo wir stehen, treffen sich die Winde, darum gibt es hier dauernd Stürme und im Sommer auch viele Gewitter. Heute sieht der Himmel aber gut aus! Fast keine Wolken! Auf so was muss man achten, wenn man in großen Höhen fliegt. Merk dir das. Die starken Luftwirbel der Wetterscheide werden wir für den Flug zu nutzen. Wir haben zwar zu Fuß ein wenig länger gebraucht, aber das werden wir nun wieder wettmachen!“, erklärte ihm Urako.

Gasmi starrte den Tiefling staunend an.
Wie klug Puschel war!

Solche Dinge wusste Gas nicht, er verstand auch nur die Hälfte von dem was sein Puschel ihm versuchte zu erklären, aber er fragte nicht nach da er sich schämte.

Jo hatte ihm oft genug aufs Brot geschmiert wie dumm er war, da er weder lesen noch schreiben konnte. Davon dass er selber weder lesen noch schreiben konnte, als er bei den Geistern aufgenommen wurde - davon sprach Jozo natürlich nicht.

Aber Urako war nicht Jo und würde ihn vielleicht nicht für dumm verkaufen.
Gas kratzte sich nervös am Kopf.

Nein, dass er das nicht kapierte, würde er Urako nicht gestehen. Die Sache war Puschel wichtig, wenn er sich jetzt dumm anstellte, würde ihn der Tiefling vielleicht zur Schnecke machen oder schlimmer noch sich von ihm trennen, weil er ein Idiot war.

Wer wollte schon einen Idioten als Partner oder als Ausbilder!
Niemand!

Gasmi lächelte und versuchte das schlauste Gesicht aufzusetzen zu dem er fähig war.

Er beschloss irgendwo in Erfahrung zu bringen, was es mit den Luftwirbeln und Wetterscheiden auf sich hatte. Bei dem Wort musste er sich ein Kichern verkneifen.

Er durfte jetzt nicht kichern!
Er musste seriös und wissend aussehen.

Also beschränkte er sich darauf so weise er konnte zu nicken und Puschel zu küssen. Dabei brach ihm der Schweiß aus jeder Hautpore aus.

Es wirkte!
Puschel war zufrieden!
Das war das einzige was zählte.

Schon befahl ihm sein Schatz aufzusteigen, nachdem er ihm sogar fürsorglich den Schal und die Mütze zurecht gezogen hatte. Gasmi blinzelte gerührt eine Träne weg. Puschel war einfach süß.

Wie befohlen kletterte Gasmi auf Puschels Rücken und klammerte sich an Urako fest. Aber anstatt seine Flügel auszubreiten und loszufliegen, wanderte Puschel an den Rand des Abgrunds. Je näher er an die Kante lief, je fester gruben sich Gasmis Krallen in Puschels Fleisch. Gasmis Herz hämmerte gegen seinen Brustkorb bei dem Anblick der gähnenden Tiefe.

"Festhalten", befahl Puschel noch und ehe Gas eine Chance auf eine Erwiderung hatte, stürzte sich Urako mit ihm in die Tiefe!

Vor Panik schlang Gasmi Urako seinen Greifschwanz felsenfest um den Bauch, presste sich auf dessen Rücken und grub ihm die Krallen in die Schultern. Wie ein Stein stürzten sie in die Tiefe, Gas befürchtete für einen Moment dass sie sterben würden, weil Puschel vergessen hatte die Flügel zu öffnen. Wimmernd hielt er sich an seinem Schatz fest. Die Zähne bekam er für den Hinweis nicht mal mehr auseinander.

Aber just in dem Moment breitete Puschel seine Schwingen aus. Der Wind fing sie irgendwie auf, was Gas nicht erklären konnte und seine Angst verflog. Er richtete sich ein klein wenig auf Puschel auf und schaute nach unten.

Was ein Ausblick! Warum sein Schatz so eine Angst gehabt hatte, anstatt das Gesicht die Flügel zu verlieren, verstand Gasmi schlagartig. Vorsichtig ließ er mit einer Hand los und streichelte Urako über den Rücken, als Zeichen, dass alles gut war.

„Ist das nicht herrlich?“, brüllte Urako, „Ist das geil? Und dafür werden wir auch noch bezahlt!“

Gasmi konnte nur zustimmend nicken. Da Puschel dass natürlich nicht sah, da er am Hinterkopf keine Augen hatte, brüllte Gasmi eine Antwort zurück.

"Das Schönste und Außergewöhnlichste was ich je gesehen habe!", rief Gasmi verzückt.

Gasmi hatte gedacht dass es oben am Himmel totenstill wäre. Aber das stimmte nicht. Der Wind peitschte. Er dröhnte in seinen Ohren. Das Geräusch von Puschels schlagenden Flügeln war verwunderlich.

Mal glitt er ein Stück durch die Luft, dann schlug er wieder mit den Flügeln. Während Gasmi die Flügel von Puschel beobachtet hatte, ging der Tiefling in einen Gleitflug über.

Ob sich so auch die Reiter von Greifen fühlten?
Ob sie auch das erste Mal so eine Angst hatten wie er?
Oder wie sich Greife wohl selbst fühlten?

Ob Puschel selber auch Angst gehabt hatte, bevor er das erste Mal losgeflogen war? Alles Fragen die Gasmi durch den Kopf schossen und die er Puschel nach der Landung stellen wollte.

Gasmi hielt nach der Flugroute Ausschau, aber der Fahrtwind machte ihn fast blind. Ihm war lausig kalt, aber die Kälte war nichts im Vergleich zu dem Hochgefühl, dass der Flug auf seinem Schatz bei ihm auslöste.

Puschel schien weder zu frieren noch Probleme damit zu haben gut zu sehen. Was für einen Flieger scheinbar normal war, dachte Gasmi.

Gas drückt sich fester an Urako um sich an ihm zu wärmen, während die Landschaft unter ihnen vorbeiraste.

"Das ist so... ich weiß kein Wort!
Flieg schneller",
feuerte Gasmi Puschel an.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Mi 24. Mai 2017, 09:12 
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Die Freien Völker (1)
Der gemeinsame Flug war ein Erlebnis, das Urako bis an sein Lebensende nicht vergessen sollte.

Viel zu schnell machte sich Gasmis Gewicht auf seinem Rücken bemerkbar und das Jahr seines Siechtums, dass seine Kraft aufgezehrt hatte. Er überlegte, ob sie auf einem Gipfel rasten sollten, wo es sicher war, aber schweinekalt, oder ob sie lieber im Tal nach einem Unterschlupf ausschau halten sollten, wo sie weniger der Witterung ausgesetzt waren, es aber andererseits möglicher Weise auch Gesindel gab. Andererseits - wer sollte sie so tief im Herzen der Roten Berge belästigen? Das hier war Hochgebirge. Nicht so brutal wie Rakshors Zähne, das höchste Gebirge Tasmerons überhaupt, aber aureichend, um mit allen Unbillen aufzuwarten, die ein Hochgebirge zu bieten hatte, inklusive gletschervereister Gipfel und völlig unvorhersehbaren Wetterumschwüngen, die innerhalb kürzester Zeit stattfanden und denen man daher nicht entkommen konnte. Aber wie sollten sie hier auf die Schnelle eine Höhle finden?

Da hatte Urako einen Geistesblitz. Er suchte sich einen schön zerklüfteten Gletscher aus. Wie eine riesige weiße Zunge lag er da zwischen zwei Falsformationen und wurde von seinem Eigengewicht ins Tal gezogen. Gasmi konnte hervorragend klettern und seine scharfen Klauen wie Eispickel einsetzen und er selbst konnte fliegen. Warum also nicht in einer Spalte rasten? Er suchte sich eine der blauen Schluchten aus, die breit genug war, als dass er mit seinen Flügeln genügend Raum hatte und tauchte ein. Schlagartig wurde es blau und kalt. Die Geräusche der Natur waren mit einem Mal wie abgeschnitten. Er landete auf einem Vorsprung. Als er nach oben blickte sah er weit über ihnen einen dünnen hellen Spalt. Der Gletscher war dicker, als er gedacht hatte und die Spalten bildeten ein Labyrinth. Für einen Frostalb wäre das hier ein luxuriöser Eispalast.

"Wollen wir hier bleiben, Hase?", fragte Urako. "Sieht doch eigentlich ganz gemütlich aus und vielleicht gefallen dir ja hier die ganzen Höhlen und Gänge."

Ihm lief der Schweiß in Strömen vom Hals und sein Herz schlug heftig. Es war jedoch nicht nur die Anstrengung, sondern auch die Nervosität. Er hatte ein Jahr lang fast nur in einem einzigen Zimmer verbracht und jetzt war er gleich in so ein großes Abenteuer hineingestolpert. Irgendwo in den Gängen grollte und hallte es. Entweder bewegte sich der Gletscher oder jemand oder etwas hatte ihre Anwesenheit bemerkt. Müde setzte er sich auf den Rucksack.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Mi 24. Mai 2017, 20:13 
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Puschel flog mit ihm in eine der eisigen, blauen Schluchten hinein. Die Geräusche der Welt blieben hinter ihnen zurück und urplötzlich, waren sie in ihrer eigenen saphirfarbenen Welt.

Puschel landete und Gasmi musterte staunend die Umgebung. Für den Düsterling sah es so aus, als wären sie in einem Edelstein gelandet.

"Wollen wir hier bleiben, Hase? Sieht doch eigentlich ganz gemütlich aus und vielleicht gefallen dir ja hier die ganzen Höhlen und Gänge", sagte Puschel.

Gasmi starrte ihn begeistert an.

"Sowas habe ich noch nie gesehen. Es ist traumhaft in dieser Eishöhle. Du bist der Beste Puschel. Du bist nicht nur klug, gebildet und schön, Du bist auch romantisch. Also ich würde sagen wir übernachten und lieben uns hier. Noch niemals hat sich jemand in einem Edelstein geliebt. Wir sind die Ersten", grinste Gasmi über beide Ohren.

Als der das seltsame Geräusch aus dem Gletscher vernahm, spitzte er die Ohren. Puschel sah müde und abgekämpft aus. So hockte er nun auf seinem Rucksack und versuchte wieder zu Kräften zu kommen.

"Bleib hier Puschel, ich schaue nach, was da so seltsame Geräusche macht. Ruhe Dich aus und tanke neue Kraft. Wenn es gefährlich ist, werde ich Dich warnen, oder es töten. Dann haben wir was zum Essen", lachte Gasmi leise.

Der Düsterling küsste Puschel fest auf den Mund, dann schlich er langsam tiefer in den Gletscher hinein.
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