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 Betreff des Beitrags: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Sa 28. Jan 2017, 20:28 
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Volk: Goblin
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Der Heiler brachte den ehemaligen Henker in seine Heimat - die Handelsallianz. Nur hier konnte Pavo ungestört seiner Arbeit nachgehen.

Eigentlich ging er jederzeit offen wie auch heimlich zugleich seiner Arbeit nach. Denn selbst wenn er einfache Krankheiten gegen bare Münze heilte, konnte er daraus immer noch neue Einsichten gewinnen.

Letztendlich war das große Endziel des alten Goblins schließlich nichts anderes als eine ultimative Heilung. Er wollte den Tod besiegen.

Den Feind jeden Arztes und Heilers. Auch wenn er Ainuwar verehrte, sah er den Tod als stärksten und härtesten Gegner des Lebens an sich. Und Ainuwar hatte mit der kurzen Lebensspanne der Goblins sie besonders herausgefordert. Wenn sich kein Heiler dieser Sache annahm, würde sich daran niemals etwas ändern.

Wieso sollte man einfach sein Schicksal ertragen? Selbst als Priester des Ainuwar konnte Pavo nicht einfach diesen Umstand hinnehmen. Natürlich konnte man den Umstand von Werden, Leben und Vergehen begründen.

Wissenschaftlich wie auch Philosophisch. Dennoch, nützte alles Wissen nichts, wenn einem die Zeit davon lief. Wenn man seine Freunde ansah und wusste, sie waren teilweise gleichaltrig oder sogar älter, aber sie würden einen mindestens mit einer doppelten Zahl an Jahre überleben.

Ainuwar war ein Gott. Wenn Gott die Goblins mit einer kurzen Lebensspanne erschaffen hatte, ihnen aber zeitgleich den schärfsten Verstand von allen Völkern schenkte und dass Wissen um die Heilkunst, dann musste man an dem Umstand etwas ändern können.

Gut im schlimmsten Fall konnte man dies sogar auf magische Weise, durch Nekromantie. Aber das war kein Leben sondern ein Un-leben als Untoter.

Pavo hing einen langen Moment seinen Gedanken nach und musterte dann seinen verbrannten Begleiter.

Den Tiefling hatte es ganz schön hart erwischt. Ein brennendes Luftschiff war auf ihn gestürzt, oder zumindest Teile davon und nun sah der arme Kerl aus wie ein geplatztes Brühwürstchen. Die Verbrennungen waren schlimm, aber nichts was nicht wieder in den Griff zu bekommen wäre, urteilte der geschulte Blick des alten Heilers.

Er hatte mit dem Burschen einen Pakt geschlossen, Heilung gegen Abarbeitung der Schulden. Nun Pavo hoffte, dass Urako genauso unempfindlich war wie er selbst. Überhaupt, generell, körperlich wie geistig gesehen.

Er konnte keinen Gehilfen brauchen, der beim kleinsten Schmerzenssschrei eines Patienten zusammenzuckte oder schlimmer noch in sein Labor kotzte, nur weil er eine Person eine Gliedmaße amputieren musste. Darüber musste Urako stehen.

Nun es würde schon werden, dachte Pavo vergnügt während Urako brav hinter ihm her trottete.

Ob der Tiefling immer noch unter Drogen stand, oder einfach nur seinem Versprechen nachkam wusste Pavo nicht. Solange er gehorsam folgte, hinterfragte der alte Goblin den Umstand nicht.

Ihre Reise hatte einige Zeit in Anspruch genommen, aber endlich waren sie wieder auf dem Gebiet der Handelsallianz.

Ein bunter Mischmasch an Völkern und Mischlingen bevölkerte die Straßen. An dem Tiefling störte sich ebenfalls niemand. Ob freier Mann oder Eigentum von Pavo, den Leuten war es gleich. Der ehemalige Priester freute sich zurück in seiner Stadt zu sein und führte Urako durch die Straßen der Stadt.

Sie liefen durch breite Straßen, vorbei an Verkaufsständen, dann durch schmale Gassen. Pavo führte Urako immer weiter, bis sie etwas außerhalb vor einem alten Fachwerkhaus standen.

Das Haus machte einen gemütlichen und einladenden Eindruck. Das spitz-zulaufende Dach, die Bleiglasfenster, die dicken dunklen Balken die sich kontrastreich von hellen Putz der Fassade abhoben. Auf der linken Seite ragte ein steinerner Kamin empor aus dem sich Rauschwaden in den Himmel kringelten. Das Haus war eingefasst von einem Garten wie von einer steinernen Mauer.

Pavo ging die Stufen zur Tür hinauf und hämmerte dagegen. Ein lautes, tiefes Bellen erscholl. Dann dauerte es noch eine Weile und ihnen wurde von einem Düsterling die Tür geöffnet.

"Pavo!", freute sich der Düsterling und drückte den alten Goblin.

Dann wandte sich der Blick des Burschen Urako zu. Er musterte den Tiefling von oben bis unten, von links nach rechts und schien sich jede Schuppe von ihm einprägen zu wollen.

"Wer ist das? Der sieht ja schlimm aus. Vielleicht sollte ich mir mal seine Wunden genau angucken?", schlug Gasmi vor und schnüffelte nach Urako.

"Das ist mein neuer Assistent Urako. Ich werde seine Verletzungen heilen. Da der Gute leider kein Geld zur Bezahlung hat, haben wir uns darauf geeinigt, dass er seine Schulden abarbeiten wird. Pass bitte auf, das er nicht versehentlich in den dritten Keller stolpert. Er ist nicht ganz auf der Höhe", sagte der alte Mann liebenswürdig.

"Na klar! Das wäre es noch, erst verbrannt und dann zu Tode gestürzt. Kommt rein!", grinste Gasmi breit und gab die Tür frei.

"Danke. Folge mir Urako", sagte der alte Heiler und gab den Weg vor in seine Heilstätte.

Gasmi schloss hinter Urako die Tür und verriegelte sie. Dann folgte er Pavo wie auch Urako auf dem Fuße.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Sa 28. Jan 2017, 21:59 
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Volk: Tiefling
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Urako trottete halb im Trance dem Greis hinterher. Die Schmerzen spürte er momentan nicht, aber auch seine übrigen Sinnesleistungen waren stark eingeschränkt. Wie es aussah, befanden sie sich in einer Stadt. Aber was für eine? Die Leute glotzten auf seine Wunden, ließen ihn aber ansonsten in Ruhe. Urako spuckte ihnen vor die Füße, auch wenn er kaum Speichel hatte. Er war froh, als sie das Haus erreichten, das dem Heiler gehörte. Als hinter der Tür ein Bellen erklang, ballte Urako die Fäuste und stellte sich so hin, dass er dem vermeintlichen Köter ordentlich in die Visage treten konnte, kaum, dass er herauskam - doch stattdessen kam ein kleiner schwarzer Kerl hervorgewuselt. Er knuddelte den Opa, woraufhin Urako die verschmorte Stirn runzelte. Aber seine Nase witterte. Er konnte momentan nicht gut riechen, aber dennoch stieg der unverkennbare Geruch eines Dämons in seine Nase.

"Eh, Kollege", grölte Urako mit schwerer Zunge und klang entsetzlich unfreundlich bei diesem Gruß. Er drängelte sich an dem Zwergendämon und dem Opa vorbei und begann, in dem Haus herumzustiefeln, bis er ein Bett fand, in das er sich kurzerhand hineinlegte, um sich verarzten und bedauern zu lassen. Es war ihm herzlich egal, dass das Kissen bereits nach irgendwem anderen roch. Jetzt war er hier und er war krank!

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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Mo 30. Jan 2017, 23:10 
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Gasmi hockte sich umgehend zu Urako aufs Bett als dieser lag.

"Es hat etwas länger gedauert die Tür aufzumachen. Ich musste noch Daves Kamel einfangen und zurück in seine Schreibstube bringen. Wird der Tiefling ein neuer Mitbewohner von uns? Schließt sich Urako unserer Hausgemeinschaft an? Falls ja könnte ich seine Ausbildung übernehmen. Mache ich gerne.

Ich werde bei dem Tiefling bleiben, nicht dass Seddik wütend wird sobald er nach Hause kommt. Das ist der Heilung nicht förderlich, wenn ein Ork auf ihn einprügelt", lachte Gasmi.

"Vielleicht solltest Du seine Medizin holen Pavo, damit Du ihn versorgen kannst. Ich meine guck Dir den Tiefling nur an. Er sieht aus wie ein Grillteller. Oder eher wie ein Flammkuchen. Ich glaube doch eher wie ein Flammkuchen mit viel gebratenem Speck.

Jedenfalls werde ich die Stellung halten, solange Du unten in Deinem Labor bist und holst was Du benötigst.

Ehrlich unter uns beiden, wenn die Patienten sterben, weil es das "Schicksal" verlangt - dann ist das so. Aber wenn Du Brandopfer durch die ganze Stadt jagst, hilft denen das nicht Pavo. Ich will Dich nicht kritisieren, Du hast uns allen schon oft genug das Leben gerettet.

Aber Du hättest ihn ruhig einreiben können. Wenn seine verbrannte Haut trocken wird, wird sie überall einreißen. Er wird sich schälen wie eine vertrocknete Dattel. Dagegen müssen wir was tun", erklärte der Düsterling und fühlte Urakos Stirn.

Danach befühlte er von dem Tiefling ausgiebig die Haare und roch daran, befühlte die Hörner und die Ohren, während ihm Pavo dabei nur amüsiert zuschaute.

"Ich bin gleich zurück", verabschiedete sich Pavo und verschwand aus dem Zimmer.

Gasmi schaute dem alten Goblin noch einen Moment nach, ehe er seine volle Aufmerksamkeit auf den Tiefling richtete.

"So dann wollen wir mal. Du bist ganz schön verbrutzelt und verkokelt. Was ist mit Dir passiert?
Bist Du in einen Kamin oder in eine offene Feuerstelle gestürzt?

Du scheinst ziemlich besoffen zu sein oder hast Du etwa Drogen genommen?
Du lallst und redest mit schwerer Zunge. Mach sowas nicht hörst Du? Das Zeug bringt die Leute um. Der Alk und die Drogen. Egal wie Du Dich am Anfang fühlst und was Dir die Verkäufer versprechen. Ich habe gesehen, was dieser Dreck anrichten kann. Du siehst ja wie Du aussiehst. Gut eigentlich siehst Du nichts, ist auch besser so - glaub mir.

Pavo hat nicht gesagt, ob Du ein Teil des Rudels wirst. Aber falls doch, werde ich Deine Ausbildung übernehmen. Dann wird Dir sowas nicht mehr passieren. Ich werde Dir beibringen auf Dich selbst aufzupassen. Ich hatte schon mal einen Schüler weißt Du?", erklärte Gasmi Urako freundlich und strich ihm mit den Krallen behutsam die Haare aus dem Gesicht.

"Bei Dir weiß man gar nicht wo man zuerst anfangen soll. Ich vermute Dein Gesicht ist Dir am wichtigsten. Drum werde ich es zuerst versorgen", sagte Gasmi freundlich und strich dem Tiefling beruhigend über den Schädel.

Der Düsterling sagte einen Moment lang nichts, denn er war damit beschäftigt ausreichend Spucke im Mund zu sammeln um seinen "Schützling" verarzten zu können. Als Gas der Auffassung war, Urako verarzten zu können, leckte er ihm die Wunden mit nasser Zunge sauber, damit sie gut verheilten.

Nachdem er Urako behandelt hatte, schaute er sich die anderen Verbrennungen an und testete mit den Krallen, wie weit die Wunden bereits verschorft waren. Gasmi tastete hier ab und drückte dort, kratze hier und puhlte dort und schien den Tiefling aufs genaueste zu untersuchen.

Nur Urakos Schwanzquaste schaute der Düsterling lediglich mit den Augen an, ohne die Krallen zur Hilfe zu nehmen. Den Schweif zu berühren käme einer Aufforderung nach Vereinigung gleich, drum ließ Gasmi die Finger davon. Für so eine Aufforderung kannte er Urako nicht gut genug und der Tiefling war mehr Brikett als Mann.

"Sogar Deine Schwanzquaste ist in Flammen aufgegangen", flüsterte Gasmi ungläubig und kratzte sich am Kopf.

"Das wird schon wieder Urako", sagte Gas aufmunternd und setzte sich wieder neben ihn.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Di 31. Jan 2017, 10:48 
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Volk: Tiefling
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Urako lag schweigend da und lauschte dem Redeschwall des kleinen Mannes.

... musste noch Daves Kamel einfangen und zurück in seine Schreibstube bringen ... ein Flammkuchen mit viel gebratenem Speck ... vertrocknete Dattel ...

Er stand wirklich unter Drogen, er verstand nur Grütze. Grütze ... Urako feixte und ein schmerzhafter Stich durch seine Wangen strafte ihn sogleich dafür. "Auuuuu", jammerte er. Der Dämon fragte, was ihm am wichtigsten sei und mutmaßte, es sei sein Gesicht. "Die Flügel", protestierte er und hob schwach die Schwingen mit den verschmorten Membranen. "Meine Visage nützt mir auch nichts, wenn ich nicht mehr fliegen kann!"

Daraufhin begann der kleine Dämon ihn abzuschlabbern. Ich muss tot sein, dachte Urako. Oder das Zeug vom Opa war wirklich heftig. Muss ihn fragen, ob ich noch mehr kriege, das ist ja das reinste Paradies! Ohne auch nur die winzigste Gegenwehr zu zeigen, selbst wenn es manchmal trotz der Dorgen zwackte, ließ er die Behandlung über sich ergehen und bemühte sich, nicht über beide Ohren zu grinsen.

"Und du willst mich also zum Schüler nehmen?", fragte er, während das Kerlchen gerade seinen Ellebogen verarztete. "Du?" Er verkniff sich den Hinweis, wie mickerlich er ihn trotz seiner eigenen nicht gerade überragenden Körpergröße fand und das er den Kerl herzlich auslachen würde, wenn er mit dem Rohrstock drohen wöllte, so wie sein erster Meister, der Urako für jeden Fehler brutal gezüchtigt hatte. "Was kannst du denn überhaupt, das du mir beibringen willst? Was ist dein Handwerk? Und wie heißt du eigentlich?"
Bello, dachte Urako sich gedanklich und musste über seinen eigenen Witz grinsen, was ihm das Gefühl bescherte, sein Gesicht würde mitten entzwei reißen. Er bäumte sich ächzend auf. Dort, wo es noch ging, brach ihm kalter Schweiß aus.

"Dein Alterchen könnte ruhig noch eine weitere Portion von dem Pieksding da rausrücken", japste er und blickte zur Tür, wo sich aber noch niemand zeigte.

"Sogar Deine Schwanzquaste ist in Flammen aufgegangen", stellte das Kerlchen bedauernd fest.
"Schlimm, oder?", bestätigte Urako, erfreut über die Anteilnahme. "In Rantamar hab ich ein Luftschiff abgeschossen und hab was von den Flammen abbekommen. Schau!" Die Spitze fuhr in Richtung des schwarzen Gesichts. "Da hatte ich bloß ein kleines Büschel Fell dran am Ende - und das scheiß Ding muss mir natürlich auch noch abfackeln! Schau dir das an, sieht aus wie bei `ner Ratte." Er wedelte schwach mit dem kahlen rosa Schwanz. Dann klatschte er dem Kerlchen das hässliche Ding auf den Schoß, denn ganz offensichtlich hatte er dieses Körperteil noch nicht verarztet.

Die Wirkung der Droge ließ langsam immer weiter nach und die Schmerzen wurden stärker. Auch das Bewusstsein, dass er für immer entstellt sein würde, dass er Töli und seinen zweiten Lehrmeister, den gütigen Selan, verloren hatte, drängte stärker in sein Bewusstsein und begann ihn zu quälen. Verzweiflung huschte über sein Gesicht. "Wo bleibt der alte Sack bloß", knurrte er leise. "Ich verrecke hier und der geht spazieren!"

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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Di 31. Jan 2017, 12:01 
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Dem Düsterling kam es so vor, als würde der Tiefling bei jeder seiner Bewegung wie altes Pergament rascheln.

Bis er erkannte, dass er verschmorten Flügel bewegte. Wobei Flügel, es waren noch von Lappen. Hautlappen die arg in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Urako erklärte ihm, dass seine Flügel ihm wichtiger waren als das Gesicht.

„Fakt Flügel sind wichtiger zum Fliegen als ein schönes Gesicht, jedenfalls wenn Du den Luftflug meinst und nicht den anderen“, lachte Gasmi.

Er freute sich darüber, dass der Tiefling seine Bemühungen zu schätzen wusste und im Gegensatz zum restlichen Rudel nicht ständig herumzappelte und sich mit Händen und Füßen wehrte, nur weil man ihm helfen wollte.

Oh ja, dieser Urako war ein äußerst dankbarer Patient. Wo Pavo blieb, war Gasmi im Moment völlig gleichgültig. Vermutlich rührte er eine Paste an um dem Tiefling zu helfen.

Dabei wusste jeder, jedenfalls jeder Düsterling, dass Spucke das beste Heilmittel war, um Wunden zu versorgen. Selbst die Tiere in der Wildnis leckten ihre Wunden, weil sie seit Äonen von Jahren wussten, dass so die Heilung viel schneller einsetzte.

Eigentlich sollte Pavo das als Heiler wissen, dachte Gasmi kurz nach und schlussfolgerte, dass Pavo andere Leute vermutlich nicht gerne ableckte.

Es musste an seinem Glauben liegen. Der Glaube verbot viele Dinge, die ganz natürlich und vernünftig waren. Denn ansonsten, so war sich Gasmi sicher, hätte Pavo Urako doch schon vorher ordentlich abgeleckt und nicht den ganzen Heimweg leiden lassen!

Zumindest hätte er ihn etwas einspeicheln können, es war schließlich kein Priesterkollege mit von der Partie. Pavo war manchmal wirklich kauzig, fand Gas.

Gasmi wurde von Urako aus seinen Gedanken gerissen, als dieser fragte was der Düsterling denn können würde und was er ihm beizubringen hatte. Gasmi schmunzelte innerlich.

Ja das war der Vorteil von Düsterlingen und Goblins. Je kleiner man war, je mehr wurde man unterschätzt. Man wurde nicht wahrgenommen. Man war unsichtbar für die anderen, fast so wie eine Topfpflanze die im Zimmer stand. Das war auch ein Lebewesen, aber niemand schenkte ihr groß Beachtung. So war es bei ihm und seinen noch kleineren Kollegen auch.

Man sah sie nicht kommen, und wenn man sie sah, sah man danach nichts mehr. Schwärze, dass Nichts – was gab es passenderes für einen Düsterling, als andere Leute in die Dunkelheit zu stoßen?

Darüber durfte er allerdings nicht sprechen, denn weder Aino noch Dave hatten ihm die Erlaubnis erteilt und Urako war kein Rudelmitglied. Er konnte ihm nur ausweichend antworten. Wobei er konnte ihm von seinem Tarnjob erzählen.

Kurier. Kuriere überbrachten Nachrichten und das tat er im Grunde ja sonst auch. Er teilte gewissen Personen mit, dass sie sehr unbeliebt waren und einer dafür bezahlt hatte, dass sie anständigen Leuten nicht mehr die Luft wegatmeten.

„Mein Beruf ist Kurier und ich kann Dir vieles beibringen. Muss ja nicht nur beruflich sein“, lachte Gasmi und tätschelte Urako aufmunternd.

Das der Tiefling über seinen verletzten Schweif so traurig war, konnte Gasmi nachvollziehen. Ein schöner Schweif war wichtig. Zwar hatte der Schweif von dem Tiefling eigentlich nur optischen Nutzen und war nicht so ein wundervolles Allzweckwerkzeug wie sein Greifschwanz, aber trotzdem oder gerade deshalb verstand Gasmi das volle Ausmaß der Katastrophe für Urako.

„In Rantamar habe ich ein Luftschiff abgeschossen und hab was von den Flammen abbekommen. Schau!“, sagte der Tiefling und deutete dann auf sein Gesicht.

„Natürlich hast Du das. Schrecklich, sei froh dass Dir dabei nicht mehr passiert ist. Deinen Schweif bekommen wir wieder hin. Vielleicht können wir einige Haare von Daves Kamel als Ersatz für Deine eigenen Haare anbringen“, antwortete Gasmi freundlich.

`Ein Luftschiff aufs Gesicht bekommen! Dann wär Dein Antlitz nur noch eine breiartige Masse. Vermutlich der Rest auch. Garantiert.

Dann hättest Du die Optik von Erdbeermouse und nicht mehr von einer knusprigen Dattel mein Freund. Meine Fresse, was zur Hölle hast Du eingeworfen??? Ein Luftschiff abgeschossen und abbekommen!

Hätte ja nie geglaubt dass mal zu denken, aber Du bist schlimmer als Jozo. Man was vermisse ich Jo – meinen Butterkeks.

Stimmt, Du bist ein bisschen wie Jozo. Und Du hast auch eine tolle, außergewöhnliche Farbe. Aber auf Dich werde ich besser aufpassen und Dich werde ich retten.

Retten! Meine Spucke reicht doch niemals für die Flügel! Das ist hier aber auch ein Saftladen wenn man mal Hilfe braucht! Wir brauchen mehr Düsterlinge in unserer Gruppe, wenn schon keiner sonst bereit ist Spucke zu spenden!´, dachte Gasmi grimmig.

Der Düsterling musterte Urako aus schmalen Augen, als er mit seinem Schweif vor dessen Gesicht rumwedelte.

Als er ihm das Ding in den Schoß klatschte grinste Gasmi von einem Ohr zum anderen und hoffte Pavo wäre wirklich spazieren gegangen.

Eingeschlafen hätte ihm auch gefallen. Oder in Rente gegangen. Genau Rente wäre gut, dass würde ihnen ein bisschen mehr Zeit verschaffen, dachte Gas vergnügt.

„Gasmi. Gasmi von den Geistern“, gurrte der Düsterling liebenswürdig und grabschte den Schweif von Urako. Er zwirbelte ihn zwischen den Krallen und schaute Urako an.

„Pavo kommt gleich wieder. Keine Angst, Du hast doch mich - ich bin für Dich da“, sagte Gas und streichelte Urako beruhigend.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Mi 1. Feb 2017, 16:59 
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"Kurier, pft", machte Urako verächtlich, während er sich von Gasmi betüdeln ließ. "Was willst du mir da beibringen? `nen blöden Brief irgendwo abliefern kriege ich gerade so noch hin oder `ne dämliche Botschaft stammeln - und wenn meine Flügel wieder fit sind, geht das sogar ziemlich fix. Aber meinetwegen. Warum auch nicht? So lange die Bezahlung stimmt ..." Er stemmte sich kurz auf die Unterarme und legte sich etwas bequemer hin. Eine Arbeit in Aussicht zu haben, die ausnahmsweise einmal nicht auf dem Exekutieren unliebsamer Mitbürger basierte, das gefiel ihm. Pavo hatte zwar zunächst etwas davon gebrabbelt gehabt, dass Urako ihn bei seinen dubiosen Experimenten unterstützen sollte, aber wenn er sich die Sache so überlegte, erschien ihm eine Zusammenarbeit mit Gasmi eindeutig erstrebenswerter. Dessen Finger huschten flink über seine Verletzungen und betasteten sie, fast als wäre er ein Blinder, dabei schien er gut sehen zu können. Der Tastsinn war vielleicht bei diesen schwarzen Kerlchen wichtiger als der Sehsinn. Urako schloss die Augen und räkelte sich, doch fuhr sogleich zischend zusammen, weil schon wieder irgendwo seine Haut einriss. "Verdammte Kacke", fauchte er in Richtung der Tür und betastete die schlimme Stelle. "Wo bleibt dieser faule Tattergreis?! Mann sollte ..." In diesem Moment begann Gasmi, Urakos Schweif zu zwirbeln. Der Tiefling schloss den Mund, verleierte genüsslich die Augen und floss entspannt breit. "Was bist du eigentlich für ein Geschöpf, hm?", schnurrte Urako, der sich plötzlich für die Belange seines Gastgebers zu interessieren begann, der ihm vorher herzlich egal gewesen war. "Du riechst nach den Pforten der Unterwelt. Tiefling - oder noch was anderes? Und ist es bei euch üblich, Gäste nur in Unterhose zu empfangen - oder hast du dich extra für mich in Schale geworfen?" Er grinste etwas und offenbarte sein zahnloses Zahnfleisch. Immerhin konnte er schon wieder anzügliche Kommentare machen. Vielleicht ging es doch noch nicht zu Ende mit ihm.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Mi 1. Feb 2017, 19:19 
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"Eins nach dem anderen. Kurier wirst Du nur, wenn Du in die Familie aufgenommen wirst. Von daher es ist gar nicht so leicht wie es klingt, Botschaften zuzustellen. Nicht dass ob, sondern das wie zählt. Aber das ist im Moment völlig unwichtig.

Vorher... gehörst Du Pavo... jedenfalls als Arbeitskraft.
Auch wenn Du vermutlich die attraktivste "Brieftaube" wärst die wir je im Dienst hatten", gurrte Gasmi.

"Was ich bin? Ich bin Düsterling, drum rieche ich nach Unterwelt. Einst Gasmi von den Nebelkatzen. Jetzt Gasmi von den Geistern - aber das spielt im Moment auch keine Rolle.

Genauso wenig wo sich Pavo rumtreibt. Oder vermisst Du ihn so sehr? Glaube kaum, dass er versteht was es mit Deinem Schweif auf sich hat oder welche Nöte Du gerade durchleidest", erklärte Gas flüsternd, während der Urakos Schweif zärtlich streichelte.

Mit der freien Hand fuhr er über die Konturen von Urakos Gesicht, zeichnete den Verlauf der Nase des Tieflings nach.

"Wer hat es gewagt Deine Nase zu brechen? Nun hätt ich Dich heut erwartet... hätte ich vielleicht keinen Kuchen gemacht, aber den Lendenschurz weggelassen - so als Ehrengast", flüsterte Gasmi kichernd Urako ins Ohr.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Mi 1. Feb 2017, 19:32 
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Volk: Goblin
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Pavo hatte die Brandsalbe angerührt und machte sich wieder auf den Weg nach oben. Er wusste schließlich, dass Gasmi gerne die Patienten auf seine Art verarztete. Der alte Goblin betrat das "Krankenzimmer" und starrte Gasmi und Urako an.

Das Gas den Patienten auf die Art verarzten wollte, damit hatte Pavo nun nicht gerechnet.

"Vielleicht solltet Ihr damit warten, bis ich fertig bin und er etwas weniger verbrannt ist. Einen Gefallen tust Du ihm damit nicht", sagte Pavo ernst. Er zerrte den Düsterling kurzerhand von Urako weg und fing an seinen Patienten mit der Brandsalbe einzureiben.

"Das Du ihn vollgesabbert hast, habe ich mir irgendwie denken können. Das andere heb Dir für später auf", sagte Pavo und arbeitete weiter, damit Urako nicht zu lange leiden musste. Der alte Goblin schüttelte gedanklich nur den Kopf. Scheinbar konnte es Gasmi nicht bunt und exotisch genug sein. Zuerst ein wahnsinniger, sonnengelber Psychopath, nun ein rosa-bonbon-farbener Tiefling.

Pavo schmierte Urako von oben bis unten ein und murmelte sich etwas in den Bart.
Gasmi nahm sich ebenfalls aus dem Salbentopf und schmierte Urako mit ein.

"Ich helfe Dir, dann musst Du nicht so viel schmieren", grinste der Düsterling.
"Ist klar, nur zu", gab Pavo zurück.

Ein grosser Hund steckte seinen Kopf ins Krankenzimmer und witterte nach Urako. Einen Augenblick später wurde das riesige Tier sanft weggezogen und ein Mann in Robe stand in der Tür. Schweigend musterte er Pavo und Gasmi bei ihrer Arbeit.

"Wir haben einen neuen Gast. Er hat schwerste Verbrennungen erlitten, als ein Luftschiff brennend vom Himmel stürzte.

Überall Flammen, Panik brach aus und der Tiefling stand mittendrin und hat alles abbekommen. Bäume gingen in Feuersäulen auf, der Straßendreck schwelte, die Luft koche - es war ein Inferno.

In seinem Leid hatte er sich auf dem Boden gewälzt, mitleiderregend geschrien, wer kann es ihm verdenken. Ein grauenerregender Laut. Dann stürzte er sich mit letzter Kraft in einen nahegelegenen Brunnen um das Schlimmste zu verhindern. Das hat ihm vermutlich das Leben gerettet, sonst wäre er bei lebendigem Leib verbrannt oder seine Lungen wären irreparabel beschädigt worden und kollabiert. Zusammengefallen wie nasse Säcke, das ist schon vorgekommen.

Drum bot ich ihm meine Hilfe an. Leider hat er kein Geld, so einigten wir uns darauf, dass er seine Schulden abarbeitet. Sollte er tauglich sein, könnte wir uns seine Aufnahme in die Familie überlegen. Er kann fliegen, das wäre doch nützlich.

Nur vorher muss ich testen, ob er überhaupt Blut sehen kann. Der Beruf eines Heilers kann sehr blutig werden", erklärte Pavo Dave.

"Ein Tiefling", sagte der Mann in Robe nur. Seiner Stimme war keine Wertung zu entnehmen.
"Wie ich bereits sagte, richtig ein Tiefling", stimmte Pavo zu.
"Du weißt wie Tieflinge sind?", fragte der Mann.
"Wie sind sie denn?", fragte Pavo und musterte Dave.
"So wie Goblins", gab Dave schmunzelnd zurück.

"Ich schlag Dich später. Wolltest Du was bestimmtes? Hast Du Dich bei Deiner gefährlichen Arbeit verletzt? Vielleicht am Papier geschnitten, dann ziehe ich Deine Not-Behandlung vor", murrte Pavo.

"Autsch ", gab Dave süffisant zurück.

"Was war hier los während meiner Abwesenheit?", grinste Pavo.
"Nichts. War super", grinste Dave.

"Ich liebe die Unterhaltungen mit Dir. Du bist immer so ausführlich. Keine neuen Aufträge? Botengänge? Oder was mit den Bilanzen?", fragte Pavo und rieb Urako vorsichtig weiter mit der Salbe ein.

"Reib eine Runde schneller. Wenn Du unten ankommst, ist der oben schon trocken", warf Dave ein, was Gasmi loswiehern ließ vor Lachen.

"Ich bin alt!", beschwerte sich Pavo, musste dann aber selber lachen.

"Sed ist unterwegs - Botengang. Aino ist außer Haus, Familienbesuch. Lydia hat mich gebeten ihren Eltern eine Botschaft zu schicken - erledigt. Bilanzen für diesen Monat - super. Die Nachbestellung für Deine fehlenden Utensilien - erledigt.

Alles läuft rund. Schön dass Du wieder da bist Pavo. Komm nachher mal auf einen Tee vorbei, dann erzähl wie es wirklich abgelaufen ist", sagte Dave freundlich und ließ die drei wieder alleine.

"So war es doch!", rief Pavo dem Naridier hinterher.
"Uns scheint niemand zu glauben!", sagte der alte Goblin zu dem Tiefling.

Pavo schmierte Urakos Flügel großzügig ein und betrachtete dann sein Werk zufrieden. Er zog eine große Spritze auf und verpasste sie Urako ins Hinterteil. Gasmi schaute genau hin, damit nichts schief lief.

"Gegen die Schmerzen. Ruh Dich aus und erhole Dich gut. Ich schaue später nochmal nach Dir. Gasmi bringt Dir etwas Tee, für später", sagte Pavo freundlich.

Der alte Heiler packte seine Sachen zusammen und ließ den Tiefling mit dem Düsterling allein. Pavo wusste Gas würde gut auf den Patienten aufpassen.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Do 2. Feb 2017, 08:44 
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"In die Familie aufgenommen werden? Was für eine Familie? Eigentlich wollte ich hier arbeiten. Malochen. Kohle scheffeln. Hast du irgendeine Schwester mit hundert Bälgern, der der Kerl durchgebrannt ist und ich soll die jetzt durchfüttern? Das kannst du aber mal schön vergessen. Familie braucht keine Sau. Und eine, die ich nicht selber in die Welt gesetzt habe, noch weniger."

Gasmi zeigte sich von Urakos derber Art reichlich unbeeindruckt und fuhr fort, ihn zu verarzten. Das letzte Mal hatte der Henker sich unter den Fittichen von Selan so gut aufgehoben gefühlt, aber der hatte leider nur ein väterliches Interesse an ihm geäußert. Gasmi hingegen schien durchaus auch andere Interessen zu hegen und Urako war der Letzte, solche Anwandlungen abzuweisen, so lange auch nur ein Mindestmaß an Sympathie herrschte. Und Gasmi war ihm sogar ziemlich sympathisch. "Ein Düsterling", murmelte Urako. "Nie gehört." Und nie gehabt. Fehlt mir noch in der Sammlung.

Das Kerlchen widmete sich zärtlich seinem Gesicht, während es sich erkundigte, wer ihm die Nase gebrochen hatte. Wenn das nicht so verdammt weh tun würde, wäre das sicher angenehm.
"Die war mehrmals gebrochen", antwortete Urako. "Keine große Sache, so was passiert. Die fehlenden Beißer sind ätzender. Aber ich habs ihm besser gegeben als er mir, darauf kannst du Gift nehmen!" Er grinste und sein Grinsen wurde noch breiter, als Gasmi auf seinen anzüglichen Kommentar einging und dabei zärtlich seinen Schweif massierte. Die Wirkung konnte nur jemand kennen, der selber über solch ein Körperteil verfügte. Urako lief ein wohliger Schauer über den Rücken und die verbliebenen Stoppeln in seinem Nacken stellten sich auf. Ein Argument mehr, sich bevorzugt mit seinesgleichen abzugeben. Gedanklich verfluchte Urako seinen miesen Zustand. Er stand zwar unter Drogen, doch er spürte, dass sein Körper nicht so reagierte, wie er es in solch einer Situation von ihm erwartete. Aber ein wenig kuscheln war ja auch nicht verkehrt, selbst wenn es kaum noch irgendwelche Regionen an ihm gab, die dazu geeignet erschienen. Einer seiner Flügel war zumindest teilweise noch intakt und so legte Urako die Schwinge um Gasmis Rücken, um ihn ein wenig mehr in seine Richtung zu drücken.

Just in diesem Moment platzte der alte Sack ins Zimmer. Natürlich, was auch sonst.

Urako schnaufte genervt. Andererseits hatte Pavo Recht mit seiner nun folgenden Moralpredigt. Die Drogen täuschten über vieles hinweg, ohne ihren Einfluss würde Urako nun heulend und zitternd unter einem Bett liegen und vor Schmerzen und Todesangst wimmern.

Die zwei schmierten ihn gemeinsam mit der lindernden Salbe ein, die der Alte inzwischen angerührt hatte. Gar nicht mal so schlecht, die knorrigen, harten Hände. Urako versuchte, sich einen Dreier vorzustellen. Die zwei waren kleiner als er, aber nicht viel, er war ja selber nicht gerade ein Hüne, das ließ ihnen viele Möglichkeiten offen. Man könnte einiges ausprobieren und interessante Utensilien gab es hier auch genug. Aber ob bei Pavo überhaupt noch was lief? Er schien wirklich alt zu sein. Andererseits sah er ja ganz rüstig aus ...

Ein Hundekopf, gefolgt von einem Menschen, schob sich zur Tür hinein und unterbrach seine Gedanken. Der Kerl saftete sie mit Generve voll.
"Siehst du nicht, dass du störst?", grollte Urako. Doch der Blödmann redete unbeirrt weiter. "Wichser", flüsterte Urako, als der Kerl nicht ging. Was hatte er von einem Menschen auch erwartet.

Als der Saftsack endlich wieder weg war, schnaufte Urako erleichtert und genoss den Rest der Prozedur. Zu guter Letzt zog Pavo ihm den angeschmorten Lendenschurz ein Stück herunter und verpasste ihm einen erneuten Pikser in den Hintern. Urako hatte keine Lust einzuschlafen, jetzt nicht! Ihm gefiel die Situation ausgesprochen gut. Außerdem kannte er die ganzen Leute hier nicht, es schien ein regelrechtes Wespennest zu sein, das sich in dem unscheinbaren Häuslein verbarg, nicht nur aus Gasmi und Pavo bestehend, sondern noch aus dubiosen anderen Gestalten, denen Urako nicht über den Weg traute, wie dem scheußlichen Menschentyp mit seinem Köter. Der Hund selber war am Ende ein verfluchter Gestaltwandler, wie die verräterische Töli. Die zwei gehörten aus dem Haus gejagt und mit ihnen der ganze Rest, der sich in diesen vier Wänden noch verborgen hielt!

Einen Moment gelang es Urako, trotz der Droge die Augen offenzuhalten, indem er die Brauen hochzog, dann war sein Widerstand dahin. Er glitt, in einer ziemlichen Verrenkung daliegend und mit halb heruntergezogenem Lendenschurz, hinüber ins Land der Träume. Der Flügel rutschte an Gasmis Rücken herab und blieb schlaff liegen.

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"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen, warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Do 2. Feb 2017, 10:30 
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Der Düsterling musterte Urako schmunzelnd.

`In einer Tour nur am Schnattern oder am Motzen, man was hab ich das vermisst. Motz Du nur Urako. Ist Dein gutes Recht, wo Du aussiehst wie ein Stück Brennkohle. Irgendwann geht Dir eh dafür die Laune und die Luft aus und Du begreifst, dass Du Deinen Atem viel angenehmer vergeuden kannst. Bisschen scheinst Du es ja schon kapiert zu haben´, dachte Gasmi gut gelaunt und warf einen Blick auf den Schweif des Tieflings.

„Von so einer Art Familie spreche ich auch nicht. Meine ursprüngliches Rudel, also meine Familie ist tot. Was soll ich da groß zu sagen? Tragisch, traurig, aber nicht zu ändern. Verwandte kann man sich nicht aussuchen Urako. Unsere Form von Familie schon. Davon später, wenns soweit ist.

Du hast noch nie von Düsterlingen gehört? Wir sind die besten Heiler auf Asamura. Gibt nur keiner zu.

Du hast bestimmt schon mal einen von uns gesehen, dass fällt Dir wieder ein wenn sich der Nebel in Deinem Kopf lichtet. Ich erinnere mich an Tieflinge aus den Sümpfen. Viele Formen und Farben. Deine Farbe ist hübsch, hat Dir das mal wer gesagt? Ich mag hübsche Farben.

So ist es Recht. Wenn man einmal geschlagen wird, muss man mindestens zweimal zurückbeißen. Gut sage ich besser schlagen oder würgen. Wie ist das mit Deinen Zähnen passiert?“, fragte Gasmi und untersuchte kurzerhand von Urako den Mund. Er zog ihm vorsichtig die Lippen auseinander und schaute sich die Kauleiste von dem Tiefling an.

„Tja weg ist weg, Zähne wachsen nicht nach. Aber die Zahnlücke kannst Du auch ganz praktisch nutzen“, grinste der Düsterling breit, strich mit dem Daumen über die Zahnlücke des Tieflings und zwinkerte Urako zu.
„Siehst Du, Du kannst doch noch einiges lernen – nicht jeder Mangel ist ein Nachteil“, kicherte Gas.

Gasmi gefiel das Urako ihn ebenfalls mochte. Er war nicht nur ein dankbarer Patient, er war auch knuffig.

Kaum dass mal ein klein wenig Zuneigung von dem Tiefling ausging und dieser ihm die Schwinge um den Rücken legte, donnerte Pavo herein.

Natürlich passte der Goblin wie immer den ungünstigsten Zeitpunkt ab. Scheinbar hatten Priester eine natürliche oder sogar göttliche Begabung jedes leibliche Vergnügen im Keim zu ersticken!

Notfalls, wenn ihre Anwesenheit nicht ausreichte, durch Gewaltanwendung. Pavo zog ihn einfach von Urako weg! Und dann fing er an den Tiefling einzuschmieren, als hätte er es auf einmal eilig. Vorher hatte er sich ganz schön viel Zeit gelassen, dachte Gasmi grimmig. Na gut, vielleicht hatte er auch die Salbe angerührt.

Gasmi half kurz entschlossen einfach mit Urako einzureiben. Warum sollte er auf seinen Spaß verzichten offiziell Urako befummeln zu dürfen, nur weil Pavo jetzt hier war?

Kaum bei der Arbeit kam Dave mit seinem Höllenhund Fedor vorbei. Gas nannte den Hund nur Daves Kamel, wegen seiner Größe. Pavo könnte vermutlich auf Fedor in die Schlacht reiten, dachte Gasmi belustigt.

Der Magier schaute was sie mit dem Patienten so trieben. Dass er Pavo dabei wie üblich auf die Schüppe nahm, gefiel Gasmi. Ein bisschen Rache hatte er sich verdient.

Als der Tiefling fertig mit Salbe eingerieben war, verpasste ihm Pavo noch eine Spritze, erklärte Gasmi zu Urakos Pfleger und verließ das Zimmer.

Urako schaffte es noch einen Moment wach zu bleiben, ehe er in sich zusammensank wie ein Pudding in der Kurve.

Behutsam zog Gasmi den Tiefling hoch aufs Bett, schob ihn ganz an die Wand heran und legte ihn vernünftig hin, so dass er nicht mit Verspannungen aufwachen würde. Was nützte die beste Behandlung, wenn sie eine weitere nach sich zog?

Als Urako gerade und entspannt auf dem Bett lag, linste Gasmi ihm einmal unter den abgefackelten Lendenschurz. Bis jetzt hatte er nur ein Stück vom strammen Schinken des Tieflings zu sehen bekommen. Was er sah gefiel ihm.

Gasmi verließ kurz das Zimmer, holte ein neues Leinen-Bettlaken und deckte Urako damit vorsichtig zu. So lag er schön warm zugedeckt im Bett und das Leinenlaken würde seine Wunden nicht reizen oder festkleben.

Gas quetschte sich vorsichtig neben Urako und schlang seinen Greifschwanz um den Schweif von dem Tiefling. Der Düsterling rollte sich zusammen und hielt dösend Wache.
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