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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: So 5. Mär 2017, 22:15 
Freiherr
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Volk: Naridische Almanen
Beiträge: 62
Dave gesellte sich zu Pavo ins Labor und schaute den Goblin durchdringend an.

"Ich brauche Deine Hilfe Pavo", sagte der Magier.
"Ja sicher helfe ich Dir. Setz Dich Dave. Was ist los?", fragte der alte Heiler besorgt.
"Nicht diese Art von Hilfe, Du musst für mich einen Hausbesuch machen", bat Dave gut gelaunt.
"Einen heilenden Hausbesuch, oder einen helfenden Hausbesuch?", hakte Pavo nach.
"Letzteres", antwortete der Magier.

"Wen soll ich umlegen?", fragte Pavo freundlich.
"Meinem Großvater und meinem Vater", gab Dave zurück.
"Dunwin und Alastair?", hakte Pavo sicherheitshalber nach.
"Korrekt", antwortete Dave.

"Langsam. Du bist Dir über die Konsequenzen im Klaren? Was sagt Dein Bruder dazu? Weiß er davon? Wenn nicht Davy nützt deren Ableben nichts, Dein Bruder wird die zwei einfach zurückholen. Dann sind die zwei eben Ghule. Ich mache das jederzeit für Dich. Allerdings hast Du keinen Nutzen davon, wenn Dein Vater und Großvater am anderen Tag untot allen erzählen, dass sie einen Hausbesuch von Deinem Leibarzt hatten oder?", fragte Pavo und deutete Dave an sich hinzusetzen.

Die beiden hockten sich hin.

"Ich fange am besten von vorne an", grinste Dave.
"Wäre gut. Keks?", fragte Pavo und hielt Dave eine Keksdose hin.
Der Magier nahm sich einen Keks und aß ihn auf, während sich Pavo zwei in den Mund stopfte.

"Durch einen Zufall habe ich jemanden kennengelernt - er heißt Tarkan. Wir redeten lange miteinander und ich erzählte ihm von meiner Familie und dem Problem meiner Mutter. Ebenso erzählte ich ihm, wie sehr sie die Wüste geliebt hat und dass ich sie nicht mehr sehen darf. Tarkan erklärte mir, dass meine Mutter vielleicht keine Probleme hätte, wenn sich jemand liebevoll, persönlich um sie kümmern würde. Dann würde sie bestimmt auch lernen, dass ihr Körper keine Last ist. Dem stimme ich zu.

Aus dem Grund habe ich beschlossen, dass wir Vater und Großvater umbringen müssen. Vater da er Mutters Umzug in die Wüste nie gestatten würde und Großvater, weil er Vater unterstützt und ihn wie Du schon richtig sagst, zurückholen würde. Die beiden haben nie was an Mutters Situation geändert. Für Großvater war sie nur praktisch - sie vererbte die Gabe weiter, die sein eigener Sohn nicht abbekommen hatte. Aber wir sollten sie bekommen, also brauchte er eine passende Frau für seinen Sohn. Er hat es im Blut, aber nicht die aktive Fähigkeit. Wie dem auch sei.

Ansgar weiß Bescheid. Tarkan ist ein weiser Mann. Er sagte, Ansgar würde mir helfen - wenn er seine Mutter liebt. Und das tut er genau wie ich. Ansgar wird sich magisch um Großvater kümmern, Du tötest ihn. Es muss wie ein natürlicher Tod aussehen. Kurzum ich buche bei Dir das Scheidungs-Programm", sagte Dave und nahm sich noch einen Keks.

"Ein natürlicher Tod von zwei Personen zur selben Zeit? Du hast ja vielleicht Sonderwünsche Davy", lachte Pavo und nahm sich auch noch einen Keks.

"Witzig. Sie sollen nicht synchron abnippeln. Zuerst Alastair - er ist der Nekromant der andere wiederbeleben könnte. Ein paar Tage später Dunwin. Die Trauer raffte ihn dahin... Lecker die Plätzchen", antwortete Dave und nahm sich noch ein Keks.

"Und Ansgar hat kein Problem damit?", fragte Pavo.
"Die zwei gefühlskalten Drecksäcke loszuwerden und den gesamten Familienbesitz zu erben? Er wird sich an den Reichtum gewöhnen", grinste Dave breit.

"Gut wenn Alastair und Dunwin umgezogen sind, was geschieht dann? Was habt Ihr mit Eurer Mutter vor?", fragte Pavo und knuffte Dave.
"Sie zieht nach Rakshanistan", antwortete Dave mit Unschuldsblick und nahm sich noch einen Keks.
"Sie macht bitte was?", fragte Pavo perplex.
"Pavo, versprich mir nicht wütend zu werden. Wenn ich Dir jetzt was erkläre, musst Du wissen ich habe das aus Liebe zu meiner Mutter getan", bat Dave.
"Was hast Du getan Dave?", fragte Pavo mit mulmigem Gefühl.

"Einen Pakt geschlossen. Ich bin einen Deal eingegangen. Wenn ich meine Mutter nach Rakshanistan bringe, nach Cara´Cor wird man sie dort aufnehmen. Sie wird hoffentlich dort das Leben finden, was sie sich wünschte. Das sie dort aufgenommen wird, hat mir Tarkan zugesichert. Das wir im schlimmsten Fall bei ihm ebenfalls aufgenommen werden würden, hat er mir auch zugesichert. Kurzum es geht um das Leben meiner Mutter und um unseres, im Wenn-Fall allerdings.

Dafür verlangte er nichts. Keine Gegenleistung, keinen Gefallen. Er bat mich nur um etwas. Er bat um Eisenrüstungen, Belagerungsgeräte, Waffen und dergleichen. Ich habe den Deal angenommen und ich habe Wort gehalten Pavo. Ich habe die Rakshaner mit Kriegsgerät beliefert.

Was ich getan habe und warum, weißt Du jetzt. Ich weiß wie Du den Rakshanern gegenüberstehst, einst stand ich ihnen genauso feindlich gesinnt gegenüber. Verzeih mir das Pavo. Und hilf mir bitte trotzdem", bat Dave.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: So 5. Mär 2017, 22:20 
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Volk: Goblin
Beiträge: 34
Der Goblin starrte seinen Freund an und schluckte. Man sah Pavo an, dass er stark um seine Beherrschung kämpfen musste.

"Du hast WAS getan Davard??? Du hast vielleicht Nerven! Bist Du irgendwie nicht mehr Herr Deiner Sinne???", schnauzte der alte Heiler den Magier an.

Dave setzte zu einer Antwort an, aber Pavo schnitt ihm mit einer Geste das Wort ab.

"Schweig Dave! Sei bitte einen Moment einfach leise", sagte Pavo und strich sich müde übers Gesicht. Der alte Goblin schaute den Almanen ernst an.

"Was würde es uns beiden nützen, wenn ich Dich jetzt rausschmeiße oder Dir die Freundschaft kündige? Nichts. Dadurch hätten wir beide nur verloren. Ich würde Dich ganz an den Feind verlieren. Ich will Dich nicht verlieren, Du weißt was Du mir bedeutest Du dämlicher Idiot!

Wir bezeichnen uns nicht umsonst als Familie und Du bist ein Teil meiner Familie Dave. Du stehst mir sogar näher als jeder andere hier, weil ich Dich zurück ins Leben geholt habe. Und ich vermute, dass ist auch der Grund warum Du mir Deine Tat beichtest. Und warum Du die nächste Tat nicht allein mit Deinem Bruder durchziehst.

Ich weiß wie Du zu mir stehst. Wir waren einmal auf ganz besondere Art verbunden, damals wo Du mich einfach im Äther gedrückt hast. Ich weiß wie Du über mich denkst und wie Du für mich empfindest.

Ich kann Dir gar nicht dem Kopf abreißen, obwohl ich das gerade sehr gerne tun würde.

Warum hast Du das gemacht? Wir hätten eine andere Lösung für Deine Mutter gefunden.

Natürlich verzeihe ich Dir, aber damit ist es nicht getan. Kurzum Dave, vergeben ja - vergessen nein", sagte der alte Goblin.
"Dankeschön", antwortete Dave leise.

"Du hörst Dir meine Meinung an und danach wirst Du ab sofort handeln ist das klar?", fragte Pavo eindringlich.
"Das ist Erpressung", antwortete Dave.

"Richtig, gut erkannt. Dein Grips scheint ja doch noch zu funktionieren! Aber das war nicht die Frage.

Die Ausbreitung des Chaos bedeutet doch nicht nur dass es keine Regierung und keine Büttel mehr gibt. Rakshor und sein Chaos stehen angeblich für permanente Veränderung. Das ist falsch. In Wahrheit stehen sie für permanente Zerstörung.

Permanente Veränderung wäre Evolution, sprich eine Fortentwicklung.
Das was schlecht ist, stirbt aus - beziehungsweise wird ausgemustert. Egal ob es sich dabei um eine Spezies, ein Volk, eine Nation oder eine wissenschaftliche These handelt. Das was sich bewährt hat, bleibt erhalten oder wird sogar noch gefördert, wächst und gedeiht.

Diese Form von Veränderung strebt das Chaos aber nicht an.
Es strebt pure Zerstörung an. Es steht für dauerhafte Vergänglichkeit.

Bildung in Form von Büchern wird vernichtet. Bildungseinrichtungen wie Tempel und Universitäten werden zerstört und geschliffen. Auf das was geschehe? Fortentwicklung? Das ist so lachhaft, wie wenn ich Dir sage, lass uns das Haus abreißen damit wir leichter das neue Dach bauen können!
Wie, wenn wir das Fundament und die Mauer einreißen? Und wozu überhaupt noch?

Es gibt keinen größeren Frevel als Bücher zu verbrennen und Wissen zu vernichten! Keinen!

Das Wissen das heutige Heiler haben, wäre für immer verloren.
Weshalb? Wer hat durch diese Taten denn etwas gewonnen? Niemand.
Wenn ich Häuser vernichte, weil sie ein Zeichen von Beständigkeit sind, wem helfe ich damit? Niemand.

Was soll denn am Ende mit dieser These erreicht werden? Ich sage Dir was sie am Ende erreichen werden, wenn sie siegen. Ihr Volk, die Rakshaner und all jene die sich ihnen angeschlossen haben werden unter freiem Himmel hausen, schlimmer noch als die wilden Tiere. Die sind klug genug und graben sich Bauten und suchen sich Höhlen. Ihre Kinder werden an den heute noch harmlosesten Kinderkrankheiten sterben. Ebenso ihre Frauen im Wochenbett oder ihre Alten. Die Männer werden an Schlachtverletzungen eingehen.

Wissen dass sie retten konnte, haben sie ja vor Jahren vernichtet. Häuser die ihnen Schutz geboten hätten, haben sie verbrannt und wie man Häuser einst gebaut hat, dass Wissen ging durch ihr eigenes Verschulden verloren.

Sie drehen die Evolution um, pervertieren Ainuwars Werk! Anstatt sich weiterzuentwickeln, gehen die Rakshaner bewusst den Weg zurück. Vom Haus zum Zelt. Vom Zelt zur Höhle. Von der Höhle zum freien Himmel.

Irgendwann kommt der Tag, da wird es Dogma ihres Herren sein auf allen vieren zu laufen und die Sprache abzulegen. Denn sich einwandfrei verständigen zu können, ist doch wider des Chaos oder? Chaos entsteht doch wesentlich einfacher, wenn man sich missversteht!

Wenn Rakshor so viel an Vergänglichkeit liegt, warum bittet er Ainuwar nicht darum, vergänglich zu werden?

Warum bittet er die anderen Götter nicht, sterblich zu werden? Was für seine Anhänger recht und billig ist, scheint für ihn selbst nicht zumutbar zu sein.
Als Goblin sollte man die Tragweite von Vergänglichkeit kennen. Ich persönlich sehe die Vergänglichkeit und den Tod als ärgsten Feind jeden Heilers und Arztes! Diesen Feind gilt es zu bekämpfen wo man nur kann, mit allen Mitteln.

Und Du Dave solltest genauso die Tragweite der Vergänglichkeit begreifen, denn Du warst fast tot und ein Goblin hat Dir Deinen Arsch gerettet. Und es war keiner von Rakshors Leuten, sondern einer von Ainuwars!

Wenn Rakshaner die Vergänglichkeit zur Religion erhoben haben, dürfte keiner von ihnen einen Arzt aufsuchen. Sie sollten mit Freunden unter ihren Krankheiten dahinvegetieren, ihre schwärenden Wunden ertragen dabei ihren Gott preisen und dann bitte klaglos sterben. Tun sie das? Genießen sie einen krankhaften Zustand als Gott gegeben oder haben sie Heiler in ihren Reihen und suchen diese auch auf? Was vermutest Du?

Das Chaos ist nichts weiter als der neidvolle Blick der Besitzlosen auf alle geistvollen Wesen.

Sie wissen dass sie zu den selben geistigen Leistungen wie unser Volk niemals im Stande sein werden und deshalb zerstören sie wie bösartige Kinder dass, was sie selber niemals besitzen werden. Es ist schlichtweg purer Neid der sie antreibt.
Wenn Du in einer Welt leben willst, wo Deine Kinder mit Spielzeug aus Hyänendung wie räudige Tiere spielen und ein Heiler nur noch ein Mythos ist, genau wie ein Haus mit warmen Feuer - dann nur zu.

Ihre Welt wird eine Welt ohne jegliche Zivilisation sein. Eine Welt ohne Gesetze, ohne Büttel, ohne jegliches schöngeistig Geschaffene, ohne Kunst, ohne Wissenschaft - es wird eine vollkommene, tote Wüste sein. Eine nichtssagende Hölle.

Ich lehne so eine Welt rigoros ab.

Anstatt für diesen fehlgeleiteten "Gott" zu sprechen und seine wahnsinnigen Anhänger auch noch zu unterstützen, solltest Du Dich auf Deinen eigenen Glauben besinnen. Es war Ainuwar der uns die Rationalität schenkte. Rationalität stammt dem Worte Ratio ab - der Vernunft - dem Verstand. Du darfst ihn gerne benutzen - das schmerzt nicht mal mein Bester! Ich bin enttäuscht von Dir, dass Du - ausgerechnet Du Deinen Verstand nicht benutzt hast.

Als Mann der sich an der praktischen wie auch der theoretischen, also wissenschaftlichen Vernunft orientiert, kann ich Rakshor nur vehement ablehnen. Jedes denkende und fühlende Wesen sollte dies tun.

Ich möchte nicht in einer Welt leben die stirbt, ich möchte in einer Welt sterben die lebt. Und Du wirst das auch tun. Dafür habe ich Dich nicht gerettet. Und dafür habe ich Dich garantiert nicht zurück auf die Welt geholt Dave! Wir kehren um - sofort", befahl Pavo.

"Wir kehren um?", fragte der Magier erfreut.
"Natürlich wir! Ich kann Dich eindeutig keinen Meter allein laufen lassen!", ranzte der alte Goblin den Almanen an.

"Dank Dir", grinste Dave gut gelaunt.
"Danke sagt er", stöhnte Pavo.

"Gut machen wir uns an die Arbeit", sagte Pavo.
"Welche Arbeit?", fragte Dave.

"Deine zwei Verwandte in entfernte Verwandte verwandeln?", grinste Pavo breit.
"Ach das", grinste Dave über beide Ohren, "legen wir los".

"Du schuldest mir was Dave, dass weißt Du", flüsterte Pavo.
"Mehr als das, ich weiß", flüsterte Dave zurück und knuffte Pavo.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Mo 6. Mär 2017, 09:56 
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Volk: Tiefling
Beiträge: 101
Auszeichnungen: 1

Die Freien Völker (1)
Urako erwachte von einem vorbeipolternden Fuhrwerk.
Er befand sich im Freien, schlotterte, weil er nichts als seinen Lendenschurz und die klatschnassen Fußlappen trug. Seine Haare hingen in offenen, verfilzten Strähnen von seinem Kopf und seine Bartstoppeln pieksten den Oberarm, auf den er seinen Kopf gebettet hatte. Sein eigener Gestank umgab ihn wie eine Dunstglocke. Mühsam setzte er sich auf und tastete nach der Geldkatze, die Dave ihm geschenkt hatte. Sie war leer. Nicht ein einziger Taler war mehr darin. Wo das Geld geblieben war, daran konnte Urako sich nicht mehr erinnern. Er wusste nur noch, dass er in die Kaschemme gegangen war und sich dort betrunken hatte. Der Rest war weg. Weder wusste er, wo sein Geld geblieben war, noch, wie er hier auf die Parkbank gelangt war. Urako setzte sich auf. Vom Morgentau war das Holz nass, genau wie seine wenigen Kleider. Irgendwer musste ihn ausgeraubt haben. Wenn er wirklich für 250 Handelstaler getrunken hätte, wäre er nicht mehr am Leben oder hätte sich im teuersten Edelrestaurant Naridiens befunden. Da konnte er ja von Glück reden, dass man ihn nicht auch noch zusammengeschlagen hatte.

Er klapperte am ganzen Leib, zog die Füße hoch und rollte sich ein, während er finster über seine Knie starrte. Gern hätte er jetzt eine geraucht, aber er trug nichts bei sich und in seinem ekelerregenden Zustand brauchte er auch niemanden zu fragen. Er sah aus wie der letzte Penner und so fühlte er sich auch. Er wäre gern aufgestanden, aber er wusste nicht, wohin er gehen sollte. Das heißt, eigentlich schon. Nachdem er sein Blut abgegeben hatte, gab es für keine Wahl mehr für ihn. Sein Schicksal und Verderben, das Geisterhaus. Hort seiner Nemesis, Gasmis des Herzlosen. Das Grab seiner Seele und bald würde auch sein Körper vom Dachgebälk hängen oder an beiden Füßen aufgehängt in Pavos Labor ausbluten.

Er wünschte sich, Gasmi hätte ihm schon vorher die Sache mit seinem Ex erzählt. Aber es war ganz sicher kein Versehen gewesen, dass er diesen Vorschlaghammer verschwiegen hatte, bis Urako nicht mehr aus dem Geisterhaus fortkonnte. Erst hatte Gasmi ihn weich gemacht und ihm dann einen Angelhaken aus Silber durchs Herz gerammt. Und während Urako am Haken zappelte, die Widerhaken sich in sein Herz bohrten und jeder Gedanke an Flucht müßig geworden war, hatte Gasmi genüsslich begonnen, ihm lauter verletzende Dinge zu sagen. Dass er in einem Hornissennest von professionellen Mördern gelandet war. Dass er ihn das gesamte Jahr über belogen hatte. Dass dieser Goblin immer noch ein Platz in seinem Herzen hatte. Und Urako war sicher, dass noch mehr Offenbarungen folgen würden.

Eigentlich war alles wie immer.

Urako hatte alle Alarmglocken in seinem Inneren ignoriert und es gewagt, ein wenig Herz zu zeigen und promt die Rechnung erhalten. Wurde er denn niemals schlau? Er wusste doch, wie das funktionierte: Mach sie kaputt, bevor sie dich kaputt machen. So funktionierten Beziehungen. Gasmi war derjenige gewesen, der zuerst zugeschlagen hatte.

Langsam und ungelenk wie ein alter Mann erhob er sich und trottete zum Geisterhaus zurück. Schwerfällig klopfte er an die Tür.

_________________
"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen, warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Mo 6. Mär 2017, 10:13 
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Beiträge: 41
Gasmi betrat die Schreibstube von Dave, aber der Naridier war nicht da. Weit konnte er allerdings nicht sein, denn Fedor sein großer Wolfshund, lag neben dem Schreibtisch und schaute Gasmi mit seinen haselnussbraunen Augen an. Gas musterte das Tier. Fedor war riesig, aber sanftmütig. Und wenn er einen anschaute, dann fühlte man sich stets verstanden.

Der Düsterling kratzte sich am Kopf. Warum gab es keine Männer, die die gleichen Eigenschaften hatten wie Fedor? Jemand der sich freute ihn zu sehen, jemand der auf ihn wartete, egal wohin er ging und jemand der ihm zuhörte, egal was für einen Unfug er erzählte. Fedor schaute einfach, als wäre das was er sagte, das Wichtigste von der Welt, selbst wenn er nur Belanglosigkeiten von sich gab.

War er verletzt und musste unten bei Pavo im Labor behandelt werden, dann kam Fedor wie durch Geister-Hand geschickt nach unten und stand ihm bei. Wenn er eine Fleischwunde hatte die genäht werden musste, stand der riesige Hund an seiner Seite. Dann konnte er sich in seinem Fell festhalten, während Pavo ihn zusammenflickte.

Fedor sagte noch weniger als sein Herrchen während der „Dienstzeit“, was logisch war – denn er sagte nichts. Aber auf seine Art drückte er oft mehr Verständnis aus, als andere. Er war die gute Seele des Hauses. Gasmi grübelte darüber nach, ob er sich auch einen Hund anschaffen sollte. Vielleicht einen ganz kleinen, im Gegensatz zum riesigen Fedor. Einen kleinen Hund konnte er mit auf Arbeit neben, in den Rucksack stecken und zur Not, wenn er stiften ging, konnte man einen Hund zurückrufen.

Bei seinen Freunden hatte das noch nie geklappt. Da konnte er sich den Mund fusselig reden, es interessierte ja doch keinen was dabei raus kam. Selbst gut gemeinte Ratschläge schlugen seine Kerle in den Wind, oder schenken seinen Einwänden keine Beachtung.

Manchmal fragte sich Gas, ob die Wahl die Pavo getroffen hatte, nicht doch die bessere war. Von Anfang an auf eine Partnerschaft zu verzichten.

Zwar verzichtete er damit auch auf alles Schöne, aber das Schöne hatte meist einen gewaltigen Preis. Wenn er allein an die Rechnungen dachte, die ihm Jozo all die Jahre präsentiert hatte, wurde ihm manchmal regelrecht schlecht.

Zwischen Zuneigung und Hass war bei Jo nur eine minimale Gradwanderung. Er hatte ihn von Herzen geliebt, aber ob Jo ihn je geliebt hatte, dass wusste Gasmi nicht.

Er hatte es damals immer gehofft, manchmal sogar geglaubt, wenn der Goblin ihm etwas Leckeres vom Dienst mitgebracht hatte, oder sich sorgenvoll um ihn kümmerte. Aber in anderen Momenten schien er ihm so gleichgültig zu sein, wie der Dreck auf der Straße. Es hatte lange gedauert, bis er sich gedanklich von Jo distanziert und dann letztendlich getrennt hatte.

Und eigentlich war das nur geschehen, weil er dachte Jo lebte nicht mehr. Er war fest davon ausgegangen, dass sein „Butterkeks“ gestorben war.

Jener verrückte Kerl, den er einst eingefangen und gezähmt hatte. Wobei das war vermutlich genauso eine Illusion, Jo gezähmt zu haben, wie dass Jo ihn geliebt hatte.

Jo war manchmal geradezu widerwärtig eigensüchtig und dennoch hatte er immer zu ihm gehalten. Auf der anderen Seite konnte Jozo auch so liebevoll, zugänglich und anhänglich sein, dass es einem auch unheimlich wurde.

Als der Goblin aus seinem Leben verschwunden war, hatte er sich damit abfinden müssen, von Jo getrennt zu sein, egal wie sehr er ihn vermisste. Egal was Jozo manchmal für ein Monstrum war – monströs war auch seine Präsenz, sein Einfluss und seine Macht über Gasmis Leben. Der der weniger liebte, konnte den der alles von Herzen gab immer erpressen. Er hatte ja nichts zu verlieren – gefühlstechnisch.

Aber gleichgültig was ihr Problem gewesen war, sie wurden auseinander gerissen. Gas hatte sich damit abgefunden, dass Jo nicht mehr existierte. Und irgendwann hatte er sich auch gedanklich von ihm getrennt und war bereit nach jemand neues zu suchen. Jemand den Platz an seiner Seite zu schenken, der eine gewaltig lange Zeit Jo gehört hatte. Länger als die Hälfte von Gasmis Leben, war Jo an seiner Seite gewesen.

Und dann, gerade als er sich seelisch getrennt hatte, bekam er einen Auftrag in Obenza… und er saß da. Saß als wäre nichts geschehen in einer Taverne und ließ sich ein Bier schmecken. Kein Hallo, kein schön Dich zu sehen, nur eiskalte Augen die ihn verächtlich angestarrt hatten, als wäre er der widerwärtigste Abfall.

Es war Jozos schuld gewesen, dass passierte was passiert war. Er hatte das Rudel verraten. Er hatte ihn und seine Liebe verraten und dennoch stand er wie ein kleiner Junge vor ihm und bettelte ihn förmlich an wieder beachtet zu werden. Und Jo saß dort auf dem Stuhl in der Taverne wie ein König aufs seinem Thron und schien zu überlegen, ob er der dämliche Düsterling, überhaupt seine Aufmerksamkeit wert war. Zuerst ließ er sich zu einigen Bissigkeiten herab, ehe er doch wieder zugänglich wurde.

Als Gasmi ihn zuerst in der Taverne sah, da hätte er ihn am liebsten angeschrien. Angebrüllt dafür, was er getan hatte durch seine Dummheit, seine Drogensucht, seine Geldgier.

Was er zerstört hatte, nur aus reinem Eigennutz, weil ihm andere einmal wieder scheißegal waren.

Weil es immer nur um ihn selbst ging. Und er hätte ihn am liebsten an den Schultern gepackt und durchgeschüttelt, ihn geohrfeigt oder besser noch windelweich geschlagen dafür, dass er ihn in dem Glauben gelassen hatte, dass er gestorben war.

Nicht mal eine Botschaft war er ihm wert gewesen. Er hätte ihm die Hand nicht reichen sollen, sondern er hätte sie dem gelben Goblin in die Fresse dreschen sollen zur Begrüßung. Das wäre die richtige Begrüßung gewesen!

Aber dafür war er wieder einmal zu schwach gewesen.

Ein Blick von Jo genügte um ihm die Luft rauszulassen. Was immer in diesem Blick lag, Gasmi hatte das Bedürfnis diesen kleinen Bastard zu beschützen und zu betüddeln. Ihm zu sagen, dass alles gut werden würde, dass die ganze Welt nicht so schlecht und mies war wie Jozo behauptete. Dass es auch Leute gab, denen er etwas wert war, die ihn liebten. Personen auf die er sich verlassen konnte.

Warum eigentlich? Wollte Jozo das überhaupt? Und noch viel wichtiger war doch die Frage – verdiente der gelbe Goblin das überhaupt?

Er verdiente es nicht im Geringsten!

Er nahm nur, in widerwärtiger Raffgier und gab nichts zurück. Er saugte die Leute aus wie ein Vampir und ließ sie als vertrocknete Hülle zurück.

Und genauso hatte er ihn nach diesem Treffen zurückgelassen. Wieder war er ein Häufchen Elend, dass Jozo gehorchte, ohne dass der Kerl auch nur einen einzigen Befehl ausgesprochen hatte.

Lüg für mich, betrüge für ich, hintergehe andere… nie sprach er es aus, aber Gasmi tat es doch. Folgte dem nonverbalen Befehl, wie eine Marionette ihrem Meister der an ihren Fäden zupfte. Jozo war sein Puppenspieler und er war der Holzkopf, der an Fäden gelenkt wurde. Sie hatten sich nicht wiedergesehen und dennoch war er immer in Gasmis Kopf präsent.

Doch dann eines Tages, verblasste das Bild und Gasmi fragte sich, warum er eigentlich den Kontakt zu Jo suchen sollte. Wenn Jo etwas von ihm wollte, dann würde er sich melden. Der Goblin meldete sich nicht. Und so versuchte Gasmi sich erneut von Jozo innerlich „scheiden zu lassen“. Und es hatte geklappt. Nun nicht ganz, er schwieg immer noch für ihn.

Dennoch wollte er den gelben Goblin nicht zurück. Jozo war endgültig zu seinem Ex geworden und so sollte es auch bleiben. Trotz allem was Jo getan hatte, alles was je zwischen ihnen gestanden hatte, Gas wünschte ihm einfach ein glückliches und vor allem ruhiges Leben. Er wünschte Jo nichts Böses, dass konnte Gasmi nicht.

Gas hatte es geschafft unter die Beziehung einen Schlussstrich zu ziehen. Nur so konnte er nach einem neuen Partner Ausschau halten. Lange Zeit hatte er nicht geglaubt, dass er noch einmal einen Partner finden würde.

Andere Personen betrachteten Düsterlinge nicht gerade mit Wohlwollen und falls doch, kamen sie selten als Partner in Betracht. Dann noch einen Mann zu finden, der einen männlichen Düsterling suchte, war schon die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Und fremde Düsterlinge waren untereinander mindestens misstrauisch, wenn sie sich nicht sogar feindlich gesinnt waren. Sie lebten in Rudeln, sie dachten in Rudeln und wer nicht zum Rudel gehört war ein Feind. Zumindest hatte man ihn misstrauisch im Auge zu behalten. Fast hatte Gasmi beschlossen, die Suche nach einem Vertrauten aufzugeben, als Pavo seinen neuen Gefährten einfach mit in ihr Haus schleppte!

Was sagte der alte Goblin immer im Scherz zu Dave? Hier klopft keine, oder kommt einfach ins Haus! Du musst schon rausgehen um wen kennenzulernen!

Das stimmte doch gar nicht! Zwar hatte Urako weder geklopft, noch kam er alleine einfach ins Haus – aber dafür wurde er von Pavo mitgebracht. Ganz so, als hätte irgendwer Gasmis Wunsch erhört und als Bestellung aufgefasst.

Einmal ein Partner mit einer besonders schönen Farbe für Gasmi. Diesmal was größer und gerne mit Haare. Hier bitteschön, dort einfach unterschreiben – oder schlingen Sie Ihren Schwanz um seinen, was er auch getan hatte. Ein Jahr lang hatte er sich um seinen Puschel gekümmert, hatte ihn gepflegt, behütet und geliebt. Sie passten perfekt zusammen. Sie ergänzten sich, sie waren glücklich und ihr erstes Gemeinsames Beisammensein, war ein gemeinsames Beisammensein. Es war Liebe und keine Forderung nach Erfüllung von Bedürfnissen und Wünschen. Nein es war wirklich Liebe, das hatte er gespürt.

Und dann konnte er seinen dummen Mund einfach nicht halten. Dass er Puschel die Wahrheit über sich und sein Rudel gestehen musste, das war klar gewesen. Dass war notwendig und vernünftig gewesen. Aber über alles andere hätte er den Mund halten sollen.

Warum hatte er Jo nur erwähnt? Der Kerl war wie ein Fluch! Sprach man seinen Namen aus, kam das fast einer Beschwörung gleich. Entweder erschien er persönlich wie aus dem Nichts, oder was noch viel perverser war – er musste nicht einmal erscheinen und man verlor was man von Herzen liebte.

Jo hatte seine Beziehung zu Puschel ruiniert und das nur weil er den Goblin erwähnt hatte! Nun gut – er hätte Jo ja nicht erwähnen müssen, dass hatte er sich selbst auf die Fahne zu schreiben.

Gasmi hätte sich selbst am liebsten geohrfeigt für seine Dummheit. Jetzt hockte er hier, wartete auf Dave und hoffte auf was?

Magischen Beistand, bring mir Puschel zurück und mach das er mich liebt?
Vielleicht konnte Dave sowas sogar. Jemanden beeinflussen konnte er.
Aber jemanden so beeinflussen das er ihn wieder liebte?

Zumal selbst wenn, war es keine echte Liebe. Und wenn sie je fallen würde, dann würde Puschel ihn noch mehr hassen und verachten als jetzt schon.

Was war er überhaupt noch in den Augen für ihn? Ein Mörder – damit hatte sich sein Schatz abgefunden und das als Fast-Büttel. Er blieb ihm zuliebe in einer Organisation, die er in seinem alten Job vermutlich gejagt hätte. Oder die er auf dem Block hingerichtet hätte – sie alle. Aber er war geblieben aus Liebe zu ihm.

Was hatte Gas da eigentlich erwartet, wenn er da noch einen draufsetzte? Er hätte seinem Schatz auch eine brennende Dynamit-Stange in die Hand drücken können, mit der Bitte sie kurz festzuhalten. Genauso hatte es Urako zerrissen.

Schuld war eindeutig er selbst. Weder das Schicksal, noch Jozo, noch Urako – er war es gewesen.

Er hätte ja einfach nur sein verdammtes Maul halten müssen. Immer wenn er alles richtig machen wollte, ging alles total schief. Und wie immer hoffte er, dass Dave oder Pavo eine Lösung parat hatten, das Unmögliche wieder hinzubekommen und das Zerstörte wieder zu kitten.

Gasmi setzte sich auf den Stuhl auf dem vor wenigen Stunden noch sein Urako gesessen hatte. Er machte sich ganz klein und rollte sich fast darauf zusammen.

Er wartet eine ganze Weile auf Dave, aber scheinbar hatte der Magier doch das Haus verlassen. Ohne seinen Hund war das schon seltsam. Fedor musterte den zusammengerollten Düsterling, trottete zu ihm rüber und stubste ihn mit seiner feuchten, kalten Nase an. Dann legte er sich unter dem Stuhl ab und hielt lautlos Wache. So wie er es immer tat.

Es klopfte und Fedor schlug mit seiner donnernden, tiefen Stimme an. Gasmi strich dem großen Hund über den Kopf.

"Sind wohl alle ausgeflogen. Ich gehe schon", sagte der Düsterling.
Gemeinsam ging er mit Fedor zur Tür und öffnete sie. Das Herz blieb ihm fast stehen, als er Urako vor der Tür stehen sah!

"PUSCHEL!", keuchte Gasmi überglücklich, umarmte Urako felsenfest und zerrte ihn ins Haus.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Mi 8. Mär 2017, 13:35 
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Die Freien Völker (1)
Urako hörte schon an der Art der Schritte, dass es Gasmi war, der zu Tür geflitzt kam. Er stellte sich gerade hin, etwas zur Seite gedreht und pulte beiläufig an seiner Schulter herum. Er setzte einen Blick auf, der eine einzige Abwehr war. Und als Gasmi die Tür aufriss, stand er da wie ein Fels, abweisend und unnahbar, verächtlich bis in die letzte Faser. Jedem anderen hätte diese Körperhaltung signalisiert: Bleib fern du Mistkerl! Und so war sie auch gemeint.

Gasmi sprang ihn an freudig an und umarmte ihn, als ob Urako mit einem Blumenstrauß dagestanden hätte. Umarmte ihn fest und knuddelte ihn.

Jetzt war der Henker aus dem Konzept.

Er hatte sich eine Tirade von Vorwürfen zurechtgelegt, schön der Einschlagskraft nach sortiert, erst die vernünftigsten Argumente, die für sein Gegenüber noch argumentativ nachvollziehbar waren und dann für den Moment der totalen Rage die härtesten Kaliber ganz am Ende, die schon gar nichts mehr mit der Wahrheit zu tun hatten und einfach nur dazu gedacht waren, tiefe Wunden zu schlagen. Haltlose Unterstellungen und bösartigste Beleidigungen, Rache für den erlittenen Schmerz, ein Exempel, ein Mahnmal, dass man so nicht mit Urako umzuspringen hatte. Eine Warnung. Wer Wind säte, würde Sturm ernten. Das war die Botschaft. Schlag zu - ich schlage härter. Kränke mich - und ich reiße deine Seele in Stücke.

Und nun umarmte ihn der kleine Kerl freudig glucksend und machte nicht einmal die winzigste Anstalt, einen Streit anzuzetteln. Keine Vorwürfe, wo Urako gewesen war, nichts. Was jetzt? So was hatte Urako noch nie erlebt.

Gasmi tat, als gäbe es da nichts. Als gäbe es keinen Grund, böse aufeinander zu sein und als ob sie sich einfach wieder lieb haben sollten. Er zog ihn mit hinein ins Geisterhaus, eine Einladung, den ganzen Mist einfach zu vergessen und nach Hause zu kommen. Verunsichert folgte Urako. Von der Sache her war es ja genau das, was er gewollt hatte - dass Gasmi erkannte, wie wichtig er war. Dass Gasmi ihn behandelte, als sei er sein wertvollstes Hab und Gut, sein externes Herz und dass er fürchterlich bluten würde, wenn er Urako weh tat. Und nun tat er genau das einfach, was er hatte tun sollen - ohne, dass Urako vorher zanken, mit Selbstmord drohen oder sich theatralisch aufschlitzen musste. Ganz ohne sein Exempel.

Gasmi zog ihn hoch in ihr Zimmer, wo noch immer die halb gepackte Tasche lag. Ihr Zimmer, das sie gemeinsam dekoriert hatten, ihr Bett, in dem sie Nacht für Nacht kuschelten. Urako war noch immer in Streitlaune, doch der Anblick ihres gemeinsamen Lebens und der Zukunft, die er damit gezielt bombardierte, ging ihm an die Nieren und brachte seinen Entschluss, nun Gasmis Seele zu zerreißen, ins wanken. Urako nahm die Häkelmütze in die Hand und ihm wurde anders. Da lag auch noch der warme Pullover, der Ringelschal, die Socken, in denen Gasmi so drollig ausgesehen hatte. Morgen könnte ihre gemeinsame Reise starten. Ihr erster gemeinsamer Flug. Der Beginn ihrer Zukunft als Partner auch im Berufsleben. Wollte er das alles wirklich aufs Spiel setzen? Wegen was eigentlich?

Obwohl noch immer alles in ihm kochte und brodelte, zog er Gasmi an sich heran und umarmte ihn fest. Er lauschte auf seinen Herzschlag und seinen Atem, spürte seine Körperwärme und dachte an ihre glücklichen Stunden und jene, die noch vor ihm lagen. Langsam wurde er ruhig. Mit größter Willensanstrengung und indem er sich einredete, dass er seine ganzen verletzenden Kommentare auch später noch zum besten geben könnte, gelang es ihm, die Bösartigkeiten herunterzuschlucken.

"Ich stinke nach dieser Kaschemme", sagte er stattdessen gequetscht. "Beklaut wurde ich auch. Ein Scheißladen. Nie wieder. Ich will baden, dann müssen wir weiter packen. Spätestens morgen will ich aufbrechen. Ich muss hier raus. Hab ein Jahr lang hier gelegen, genug ist genug. Außerdem will ich diesen bescheuerten, arroganten Fatzke Dave nicht mehr sehen." Das war Urakos Art zu fragen, ob sie sich wieder vertragen wollten: Indem er tat, als wäre nichts gewesen und übergangslos zur Normalität überging.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Mi 8. Mär 2017, 15:13 
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Gasmi führte Urako zurück in ihr Quartier. Puschel war außer sich vor Wut, dass spürte er. Aber als er ihn dann umarmte, beruhigte sich Urako langsam wieder. Die Wut war nur zu verständlich. Während sein Schatz sich an ihn drückte, streichelte Gasmi ihm beruhigend den Nacken und den Rücken.

Urako erzählte ihm davon, dass er nach einer Kaschemme stank und Gasmi konnte ihm innerlich nur Recht geben.

Puschel stank erbärmlich, aber lieber sollte sein Puschel zum Himmel stinken, als dass er ihn verlor. Was machte schon ein bisschen Gestank aus? So wusste er wenigstens, dass er wieder da war. Und Geruch konnte man einfach abwaschen, alles andere ließ sich nicht so leicht bereinigen.

Dass sein Schatz beklaut wurde, schmerzte Gasmi. Urako hatte überhaupt kein Geld gehabt, sonst hätte er seine Schulden bei Pavo nicht abarbeiten müssen. Wobei er damit noch nicht einmal angefangen hatte, grinste Gas gedanklich.

Und jetzt wurde ihm noch sein erster Lohn gestohlen. Schlimmer konnte es kaum kommen. Urako war mal wieder pleite und wem hatte er es zu verdanken? Ihm!
Gasmi dem dämlichen Düsterling - wie Jo immer sagte.

Wunderbar. Warum er seinen Freund nicht gleich teerte und federte war die Frage schlechthin.

Zuerst hatte er ihn einen Hammer nach dem anderen um die Ohren gedonnert, dann hatte er ihm von Jo erzählt und ihn so völlig aus der Fassung gebracht und da Puschel dank des Schocks auch noch stiften ging wurde er sogar letztendlich beklaut.

Was für ein Rattenschwanz für ein einziges Wort – Jo.

So langsam aber sicher glaube Gasmi wirklich daran, dass Jozo übersinnliche Kräfte besaß und er Puschel vor ihm beschützen musste. Das hatte dieser verfluchte Tag ja eindeutig bewiesen. Was würde der Kerl mit Puschel wohl anstellen, wenn er zugegen war?

Gleichgültig. Jozo durfte er keinen Platz mehr in seinen Gedanken gewähren, es sei denn es war ein akuter Notfall und er musste Puschel oder einen der Geister vor Jo beschützen. Ansonsten war das Kapitel Jo abgehakt. Nie wieder wollte er den Namen in der Nähe seines Lieblings aussprechen. Höchstens zur Warnung, aber auch nur dann.

Gasmi kramte in seiner Truhe herum und entnahm einige kleine Geldsäcke. Einen davon zog er aus Bund heraus und reichte ihn Urako.

„Für Dich, steck es weg“, sagte er liebevoll und drückte dem Tiefling den Geldsack in die Hand, ehe er die restlichen Säckchen wieder in seine Truhe legte.

„Es sind glaube ich 200 Taler drin. Es müssen immer 200 Taler in einem Beutel sein“, erklärte der Düsterling und nickte gewichtig, als er über die anderen Wünsche von Urako nachdachte.

Urakos Meinung über Dave ließ Gasmi einfach so stehen. Er kannte beide Männer mittlerweile gut genug um zu wissen, dass beide wenn sie mies drauf waren, eine Maske trugen.

Urako verbarg seinen Unmut hinter einer Maske aus Wut, während Dave eine Maske aus Arroganz nutzte. Beide würden sich schon wieder vertragen.

Ansonsten musste er etwas unternehmen, denn immerhin hatte er ja Puschel zu Dave geschliffen. Noch ein Punkt auf seiner Liste, den er am heutigen Tag verbockt hatte. Es schien einfach kein Ende zu nehmen.

Gasmi schüttelte sich einmal um seine Gedanken neu zu sortieren und kratzte sich mit seiner Greifschwanzspitze am Kopf und dann nachdenklich an der Wange.

Was passiert war, konnte er nicht mehr rückgängig machen, egal wie Leid es ihm tat. Allein durch Rumjammerei hatte sich noch keine Situation verbessert und Gas war alles andere als ein Jammerlappen. Er ging Dinge lieber positiv an.

Also was gab es besseres, als ein reinigendes Bad, ganz so wie es sich Puschel wünschte? Danach würden sie die Tasche packen und aufbrechen.

Die Reise wäre ihre erste gemeinsame, große Unternehmung und Gasmi freute sich schon tierisch auf die Zeit. Vor allem auf den Flug auf Puschels Rücken.

Sollten sie alles gut überstehen und davon ging Gasmi aus, würden sie erfolgreich nach Hause zurückkehren und Urako konnte die 750 Taler einstreichen. Dann wäre auch wieder Frieden im Haus und er wäre mit allen Familienmitgliedern wieder versöhnt, dachte sich der kleine Düsterling.

„Wenn Du magst hole ich Wasser für Deinen Zuber und schrubbe Dich dann schön sauber. Wenn Du sauber bist, kann ich Dir gerne mal unser Schwimmraum zeigen. Kannst darin ein bisschen planschen und Dich erholen, bevor wir aufbrechen. Das lockert schön Deine Muskeln.

Ich werde ein paar Kerzen hinstellen, dass macht den Schwimmraum schön gemütlich. Sobald Du bereit bist brechen wir auf. Heute Abend oder morgen früh, ganz wie Du magst“, sagte Gasmi und führte Urako nach unten in den Keller zu den Badezubern.

Er deutete Urako an sich in einen der Zuber zu setzen, während er sich an die Pumpe für das Wasser stellte und einen Eimer an die Pumpen-Nase hing.

„Puschel wegen vorhin, ich wollte Dir einfach nur sagen, es tut mir leid. Ich wollte Dir nicht wehtun und ich wollte Dich nicht kränken. Das war alles meine Schuld, weil ich unüberlegt gesprochen habe. Das wollte ich gesagt haben.

Magst Du Salz ins Wasser oder möchtest Du eine Seife? Wir haben beides da. Sogar so Kugeln die sprudeln, die sind toll. Hier guck. Pavo hat sie gemacht“, grinste Gasmi breit und drückte Urako eine „Badebombe“ in die Hand.

Während Urako sich die Bade-Kugel anschaute, schleppte Gasmi die Wassereimer und füllte den Badezuber für Urako. Als er die Arbeit erledigt hatte, schnappte er sich einen Schwamm und schrubbte Urako damit genüsslich sauber.

„Magst Du das?“, grinste er breit.
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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Mi 8. Mär 2017, 19:45 
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"Ja, ich mag das", schnurrte Urako und ließ sich von Gasmi mit dem Schwamm sauberrubbeln. Er räkelte sich, damit er genau dort schrubbelte, wo es gerade angenehm war, streckte die Arme und die Flügel. In der Hand hielt er noch immer die Badekugel. Er hielt sie etwas ins Wasser und als sie anfing zu blubbern, ließ er sie ganz ins Wasser fallen, wo sie zwischen seinen Beinen losschäumte. Es blubberte und krabbelte lustig und obendrein begann das ganze Wasser nach Fichtennadeln zu duften. "Entschuldigung angenommen." Er konnte sich aber nicht verkneifen, noch hinzuzufügen: "Aber wehe, du machst das nochmal!", obwohl Gasmi eigentlich gar nichts gemacht hatte, außer, ihm die Wahrheit zu sagen. Es ging ums Prinzip. Er selber räumte natürlich keinerlei Fehler ein. Er hatte ja auch keine gemacht. Derart zufrieden konnte Urako sich wieder ganz der Gegenwart widmen.

Gasmi rieb gerade den Schwamm auf seinem Kopf vor und zurück, um seine Haare zu waschen und das duftende Badewasser lief ihm ins Gesicht. Urakos Laune war innerhalb weniger Minuten wieder bestens geworden. Er packte seinen Freund und zerrte ihn angekleidet zu sich in den Zober. Eine riesen Welle grünen Duftwassers schwabbte mit einem lauten Platschen durch den Raum.

"Wo ist denn euer Schwimmraum?", fragte er, während Gasmi noch blubberte und strampelte. Er griff nach dem Schwamm und rieb seinen Freund ebenfalls sauber, damit der keine Ausrede hatte, ihn nicht in den Schwimmraum, der offenbar nur in bereits gewaschenem Zustand benutzt werden durfte, zu begleiten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Sa 11. Mär 2017, 20:13 
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Gasmis Antwort:

zu finden im Freudenhaus/Ü18:
Link:
viewtopic.php?f=41&t=926

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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: Sa 11. Mär 2017, 21:11 
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Obwohl Urako nach ihrem gemeinsamen Badespaß wunderbar entspannt war, fühlte er sich zu aufgekratzt, um zu schlafen. Er streichelte Gasmi sanft und strich ihm mit den Zähnen über den Nacken, bis dieser eingeschlafen zu sein schien. Warm fühlte sich dessen Körper an, heiß. Urako ertastete die Muskeln unter der glatten Haut. Einmal mehr fragte er sich, womit er seinen Obsidian verdient hatte, gleichzeitig zuckte ein bösartiger Gedanke durch seinen Kopf, der die Gegenfrage stellte, womit Gasmi eigentlich ihn verdient hätte und anklagend mit dem Finger auf die Ereignisse vom Vortag wies. Urako lenkte sich von diesem Gedanken ab, indem er Gasmi weiterhin liebkoste und sich ganz auf den Augenblick konzentrierte. Als sein Freund tief und gleichmäßig atmete, fuhr Urako mit den Fingern dessen schmale Hüfte hinab und dann nach vorn. Er griff sanft zu und presste sich von hinten an ihn. Es ging ihm nicht darum, einen erneuten Akt zu provozieren, er wollte ihn einfach zur Entspannung noch ein wenig befummeln. Das half eigentlich immer gegen unerwünschte Gedanken. Irgendwann war auch Urako eingeschlaffen, die Hand noch immer in Gasmis Schritt.

Er erwachte, weil irgendein Dämlack draußen im Flur rumlärmte. Die blöden Weiber feixten über irgendwas Bescheuertes und der Köter schlug an, weil sich draußen zwei rivalisierende Katzen vollmauzten. Immerhin stellte Urako fest, dass er bestens erholt war, ganz im Gegensatz zur letzten Nacht. Ja, heute war ein herrlicher Tag! Er packte ganz leise die Tasche fertig, dann schlich er sich davon und ging in die Küche, wo ein Teil der Geister saß und gemeinsam speiste. Irgendwer wünschte ihm übertrieben freundlich guten Morgen, um ihn somit darauf hinzuweisen, dass es hier so üblich sei, aber Urako fragte anstelle der erwarteten Erwiderung: "Wo ist hier der Kaffee?"

Er ließ sich zeigen, wie man das Zeug zubereitete, das in Naridien ein sehr alltägliches Getränk zu sein schien und von dem Urako vermutete, dass es auch Gasmi schmecken würde. Er lud eine volle Kanne und einen Haufen verschiedener Nahrungsmittel auf ein Tablett mit zwei Henkeln und brachte es Gasmi ans Bett.

"Guten Morgen, Schwarze Perle", schnurrte Urako und küsste ihn. "Stopf dich voll. Ich will dann gleich aufbrechen. Der Krempel ist gepackt und deine Sachen liegen da auf dem Stuhl bereit. Ach so, ich hoffe, dir schmeckt Kaffee. Ist der Erste, den ich gekocht habe." Er probierte einen Schluck und verzog das Gesicht. "Na ja", grunzte er missbilligend und gab einen großen Löffel Honig dazu.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zum Henker und zum Heiler
BeitragVerfasst: So 12. Mär 2017, 16:29 
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Nach ihrem Gespräch machte sich Pavo umgehend an die Arbeit. Ein Gift herzustellen war für den alten Heiler mittlerweile Routinearbeit. Nachdem der alte Goblin fertig war und Dave einige Sachen zusammengepackt hatte, gingen sie gemeinsam zum Stall. Der Magier sattelte sein Pferd Rulrot, setzte den Goblin aufs Ross, schwang sich dann selbst hinauf und Ritt zum Anwesen seines Bruders.

„Es braucht nur drei Dinge um alles ins Lot zu bringen", sagte Dave gut gelaunt zu Pavo, während des Ritts.
"Und die wären?", fragte der Goblin neugierig.

"Erstens die entfernten Verwandten.
Zweitens Abschluss der meiner Meisterprüfung.
Drittens das Erlernen des Zaubers des Essenzentzugs.

Habe ich die drei Dinge gemeistert, ist unser Leben perfekt Pavo. Aus diesem Grund sind die drei Ziele meine Primärziele, alles andere ist zweitrangig und kann erledigt werden, wenn Zeit keine Rolle mehr für uns spielt. Das heißt, wenn sich bis dato einiges nicht von selbst geklärt hat, oder man noch Interesse daran hat“, erklärte Dave.

"Punkt eins und zwei packst Du locker. Punkt drei bedeutet genau was Dave, sag schon", grinste der alte Goblin.

"Punkt drei bedeutet genau dass, was ich gerade erläuterte, dass Zeit für uns keine Rolle mehr spielen wird Pavo. Wenn ich vorsichtig vorgehe, aufmerksam und umsichtig bleibe dann löse ich Dein Problem. Du wirst dann nicht in ein paar Jahren abtreten müssen - ewige Freundschaft wird auf eine neue Ebene gehoben. Alles andere, jedes andere Problemchen ist dann nur noch kalter Kaffee", schmunzelte Dave.

"Tee! Hör mir auf mit Kaffee. Du sprichst davon den Tod zu besiegen? Du kennst einen Spruch wie das geht?", fragte Pavo ernst.

"Nein, natürlich nicht. Nicht mal ein Nekromant kennt Sprüche um den Tod zu besiegen, denn sonst wäre er ja automatisch jeder unsterblich, wenn ihn jemand beseitigt hätte. Ein Nekro umgeht ihn, trickst ihn aus… untot ist weder lebendig noch tot, sondern untot.

Die Essenzübertragung ist ein Spruch ihm nie begegnen zu müssen. Das ist etwas anderes. Wir legen uns nicht mit ihm an, wir vermeiden jeden Kontakt – dass ist wesentlich sicherer und besser. Wobei der Spruch trotzdem nicht ohne ist. Man stiehlt einem Opfer seine Essenz – seine Lebensenergie und fügt sie einer anderen Person hinzu.

Dabei stiehlt man keine bewusste Zeit Pavo, ich kann nicht sagen – hier hast Du fünf Jahre. Man stiehlt Lebensessenz, Vampire tun dies über den Lebenssaft, dem Blut. Ich würde es direkt aus der Seele abzapfen. Manche Seelen brennen wie Sonnen im Äther, mache sind nicht mal glimmende Stecknadelköpfe. Manche Sonnen verglühen durch ihre eigene Macht, manche Stecknadelköpfe glimmen Ewigkeiten. Es sagt also nichts aus, wie mächtig eine Seele ist – der eine kommt mit wenig Atman aus, der andere hat viel, verschlingt aber auch Unmengen an Energie. Eines ist jedenfalls sicher, nach der Übertragung lebst Du länger als vorher.

Falls Du am Sterben bist, hält Dich die Übertragung am Leben. Wie wenn jemand verblutet und Du fügst ihm permanent neues Blut hinzu. So musst Du Dir das vorstellen. Das was Ansgar einst für mich leistete. Gewaltiger Spruch, gewaltig gefährlich, aber auch gewaltiges Potential. Dass muss ich erlernen“, erklärte der Magier.

"Ich dachte damals Dein Bruder hat mich verarscht, ich ging einfach davon aus Du lebst noch weil er Dir Beistand geleistet hat. Weil er Dich dazu brachte zu kämpfen um zu bleiben.

Völlig egal wie Du es erreichst, das Ergebnis zählt. Endlos Zeit, da regelt allein die Zeit schon vieles für einen. Verstehe dass jetzt nicht falsch – ich liebe Dich", grinste Pavo über beide Ohren.

"Dito, ich Dich auch. Genau, die Zeit arbeitet für einen. Ich meine wir haben genug Aufträge, warum sollte man den Rest unserer Opfer verkommen lassen? Wir beseitigen die Körper. Warum nicht die Seele abzapfen, dann hat sich das mit dem Körper auch erledigt. Ist vergleichbar mit einer Jagd, man soll nichts verkommen lassen vom erlegten Wildstück, heißt es. Gehandelt wird auch anders.

Wie gesagt, der Spruch stiehlt Lebensessenz. So hielt mich Ansgar einst am Leben, bis Du den Job übernommen hast und nicht durch Händchenhalten. Ich schulde es Dir Pavo und für mich ist das ja auch recht nützlich", warf Dave grinsend ein, was Pavo losprusten ließ.

„Ich bitte darum, dass Du den Spruch auch für Dich nutzt. Denn ohne Dich bin ich dann gewaltig aufgeschmissen“, warf der Goblin ein.

„Du ohne mich, ich ohne Dich? Wann in den letzten zig Jahren? Wir kleben doch ständig zusammen. Wann sind wir je allein unterwegs? Wir überleben gemeinsam oder wir gehen gemeinsam vor die Hunde. Von daher – Ruhe bewahren Pavo“, schmunzelte Dave.

****

Der Magier und der Heiler erreichten das Anwesen von Ansgar, Daves Bruder. Dave stieg ab, half Pavo vom Pferd und umarmte Ansgar zur Begrüßung.

„Ansgar“, grüßte Pavo freundlich.
„Pavo“, grüßte Ansgar gut gelaunt zurück.

"Wie viele Brüder hast Du eigentlich Dave?", flüsterte Pavo.
"Nur den einen, wieso?", grinste der Almane.
"Sowas kannst Du mir ruhig mal erzählen und ich frag Dich letztens bei dem Höllenritt noch so dämlich", murrte der Goblin, was Dave losprusten ließ.

"Ich hab Dich vermisst", schmunzelte Dave seinen Bruder an.
"Dann komm öfter vorbei, Du bist immer gerne gesehen", antwortete Ansgar grinsend.
"Sehen das Vater und Großvater auch so?", hakte Dave nach.
"Davy nach deren Meinung müsstest Du auf dem Anwesen wohnen, Deinen dummen Mund halten, heiraten und so viele Kinder mit Gabe wie möglich zeugen.

Und nach deren Meinung hätte ich eine Frau mit Gabe heiraten müssen anstatt Finny, wen von beiden schert schon so ein Scheiß wie Gefühle? Die Frau kannst Du Dir ja als Kammerzofe halten. Geheiratet wird Standes- und Gabe gemäß.

Sieht man ja was bei denen dabei rauskam und zig Generationen davor. Wer starb in der Familie eines natürlichen Todes? Ich kann mich an keinen erinnern, irgendwer hat immer irgendwen entsorgt. Ich dachte mir, ich breche mit der Tradition von meiner Frau und meinen Nachkommen gehasst zu werden und heirate einfach die Frau die ich liebe. Hat doch geklappt.

Drum so wie Du jetzt lebst, sehen die Dich lieber von hinten, bis Du „vernünftig“ wirst. Du bist ja sozusagen ihre letzte Hoffnung auf ihren familiären Irrsinn, solange Du noch unverheiratet bist, bist Du nicht mit der falschen verheiratet und beeinflussbar.

Für Großvater hast Du seit dem Sturz von Blakkur nicht mehr alle Tassen im Schrank und ich hab laut seiner Meinung noch nie Tassen besessen.

Von daher, schere Dich nicht um seine Meinung. Vater sieht es genauso, wäre ja mal etwas Neues, wenn er eine eigene Meinung hätte. Wenn er sich einreden lässt minderwertig zu sein, nur weil er die Gabe nicht besitzt, ist das sein Problem. Dafür müssen wir nicht herhalten. Wir müssen und werden nicht stellvertretend sein Leben leben… aber wir werden es beenden“, grinste Ansgar über beide Ohren.

"Richtig Ans, Du hast mich schon immer verstanden. Glaub mir, seit dem Sturz von Blakkur sah ich so klar wie noch nie zuvor in meinem Leben, vor allem was die Familie anbelangt. Und Vater hat bei der Bewertung verdammt miserabel abgeschnitten", flüsterte Davard.

"Er hat sich wie der bornierte Arsch verhalten, der er ist Davy. Nenn das Kind beim Namen Kleiner", grinste Ansgar.
"Das hast Du gesagt", grinste Dave.
"Das hab ich ihm sogar ins Gesicht gesagt", grinste Ansgar zurück.

"Zum Thema entfernte Verwandte. Du bist nach wie vor dabei?“, hakte Dave nach.
„Natürlich, für Mutter, uns beide und meine Jungs. Logisch bin ich noch dabei. Wir haben viel zu lange gewartet“, antwortete Ansgar.

„Falls was schief läuft, geht alles auf meine Kappe. Du und Pavo, Ihr hattet damit nichts zu tun. Weder wird er sich als mein Vater aufspielen, noch Du Dich als großer Bruder in Ordnung? Denkt in dem Fall an Euch. Und Du Ans an Deine Jungs und Deine Frau", sagte Dave.

„Du machst Dir zu viele Gedanken. Weder die Büttel noch die Bürger interessiert es, was unsereins miteinander für Fehden hat. Die halten sich raus, denn die wollen in unsere Familie-Kriege nicht hineingezogen werden. Zudem Dave, das merkt keiner. Das hat noch nie einer gemerkt und falls doch, dann zahlt man den üblichen Obolus, weil ein überalterter Nekro ins Gras biss. Meinst Du wirklich Familien-Interna interessieren wen? Und falls doch, buche ich bei Euch eine Beweis-Bereinigung. Bekomm ich Rabatt?“, schmunzelte Ansgar.
„Klar – fünf Reinigungen gebucht, die nächste für lau“, grinste Dave.

„Mal nachzählen, dann wäre diese doch für lau oder? Gleichgültig, Großvater ist nicht von Belang was Erbrecht angeht, da er den gesamten Besitz Vater übereignet hat. Vater schon.

Damit es zwischen uns zu keinem Zwist oder schlimmer noch zum Bruch kommt, einigen wir uns vorab. Wenn Vater geht, steht mir als Erstgeborener sein gesamter Besitz zu, Du bekommst ein Pflichtanteil. Das möchte ich nicht, drum was möchtest Du vom Besitz erhalten?“, fragte Ansgar.
„Gleichgültig was?“, hakte Dave nach.

„Äußere erstmal Deine Wünsche. Im schlimmsten Fall, feilschen wir“, grinste Ansgar.
„Pavo feilscht für mich“, lachte Dave leise.
„Der Goblin? Garantiert nicht“, lachte Ansgar.
„Ob ich überhaupt feilschen will, fragt keiner“, warf Pavo ein.
„Du tust eh alles für ihn wie er mir sagte, von daher stellst sich die Frage doch gar nicht“, gab Ansgar zurück.
„Auch wahr. Gut Dave was soll ich für Dich rausschlagen?“, grinste Pavo.

„Nachtmahr, einige Bücher nach Wahl von Großvater und den Wert des Stadtanwesens samt Scholle in Taler. Das ist es schon“, antwortete Dave freundlich.
„Dafür brauchen wir nicht feilschen, abgemacht. Es gehört Dir. Ich weiß ja das Du auf Pferde stehst, aber der uralte modrige Gaul hat es Dir richtig angetan was?“, schmunzelte Ansgar.
„Ich hab Nachtmahr schon immer geliebt, dass weißt Du doch und er ist eine Konstante in meinem Leben“, antwortete Dave ehrlich.

„Ich hab Dich nur aufgezogen Davy, war nur Spaß. Der alte Kläpper sei Deiner, von Herzen. Wenn Großvater umgezogen ist, wird Vater versuchen sich an mich zu klemmen, um den Alten zurückzuholen.

Bevor wir Vater beim Umzug helfen, solltest Du ihm sagen dass Du als „Weichei“ seinen Umzug organisiert hast“, gab Ansgar gut gelaunt zurück.
„Och ja, dass mache ich. Wundervolle Idee, dass freut ihn sicher, zu erfahren dass ich doch nicht so zart besaitet bin, wie er immer befürchtet hatte“, grinste Dave.

„Eben. Nur sollten wir Vater direkt nach Großvaters Umzug ins Labor verfrachten, sicherheitshalber. Nicht dass er auf dumme Ideen kommt. Ich werde mich umgehend darum kümmern, sobald sich Dein Medicus Großvaters Problem annimmt.

Sobald Opa im Nexus ist, werden ihm seine Wiedergänger eh nichts mehr nützen, sie geben zeitgleich mit ihm den Löffel ab. Falls er etwas ahnt, werden wir gegen ihn antreten müssen Davy. Wir müssen den alten Sack dann zeitgleich mental mit zwei verschiedenen Angriffen angreifen, sonst haben wir am Ende selbst die Arschkarte gezogen und enden in seiner Gefolgschaft von Wiedergängern“, lachte Ansgar.
„Der Traum meiner schlaflosen Nächte, der Zombie meines eigenen Opas. Ainuwar stehe uns bei“, stöhnte Dave.

„Naja selbst wenn er uns in den Nexus pusten sollte, das heißt nicht dass wir da drüben wehrlos wären“, gab Ansgar zurück.
„Das zwar nicht, aber wir wären tot Ans, da lohnt sich ein Kampf eigentlich nicht mehr“, grinste Dave.

Ansgar zog fragend eine Augenbraue hoch.

„Du vergisst die Familien-Mitglieder, die ihm dann hier im Diesseits schutzlos ausgeliefert sind. Zudem schon mal was von Rache gehört? Wenn einer einen meiner Lieben oder mich umbringt, werde ich ihn töten und notfalls mit in den Tod reißen. Dazu zählst auch Du.

Sicher lohnt sich da noch ein Kampf. Also kann sich der Alte nicht drauf ausruhen, falls er mich erledigt hat. Er hat vielleicht meinen Körper vernichtet, aber solange ich existierte, wird er keine Ruhe mehr finden. Sein Leben wird eine einzige Qual werden und er wird nicht mehr in den Äther wechseln können. Von Schlaf braucht er dann nicht mehr träumen. Er wird dauerwach sein müssen um mir nicht zu begegnen. Wie lange hält man das wohl durch?“, antwortete Ansgar zufrieden.
„Ein paar Tage vermute ich. Hast Du eine Ahnung Pavo?“, fragte Dave.

„Dazu müsste man zuerst definieren was Du unter „wach“ verstehst. Gehen wir davon aus, Du meinst einfach keinen Schlaf zu finden. Der Rekord eines Menschen liegt bei 11 Tage.

Aber das ist extrem schwer durchzuhalten. Normalerweise schafft es eine Person in Extremsituationen wie im Kriegsgefecht drei bis vier Tage am Stück dauerhaft wach zu bleiben.

Längerer Schlafentzug induziert bei gesunden Probanden neben allerlei veränderten Bewusstseinszuständen auch häufigen "Sekundenschlaf", also kurze Episoden, in denen einen der Schlaf überwältigt, man sozusagen wegknackt. Sowie den teilweisen oder völligen Verlust kognitiver oder motorischer Kontrolle über das Geschehen. Es beginnt mit Wahrnehmungsstörungen, geht weiter über Sekundenschlaf, es folgen Halluzinationen, gegen Ende ist man kaum noch handlungsfähig – hält man die Person weiter wach verstirbt sie. Kontinuierlicher Schlafentzug ist tödlich.

Allerdings kann Schlafentzug auch hilfreich sein, bei Gemütsstörungen bei Malgorischen Krankheiten hilft es manchen Personen aus ihrem Tief heraus, wenn sie eine Nacht wachgehalten werden. Wie immer macht die Dosis das Gift “, erklärte Pavo freundlich und hilfreich.

„Da müssten wir abwechselnd eigentlich nur 12 Nächte Radau machen, dass die zwei nicht pennen können und wir wären die los“, lachte Dave was Pavo und Ansgar ebenfalls losprusten ließ.

„Statt im Wechsel zu Tode gehetzt, wurden sie zu Tode übermüdet? Das sollten wir uns patentieren lassen“, schmunzelte Ansgar.
„Mal eine andere Frage Ans, ich brauche einen Greifen. Oder etwas anderes das fliegen kann. Wenn wir einen Greifenkadaver besorgen könnten, oder von einem anderen fliegenden Wesen, würdest Du ihn für mich nekrotisieren?“, fragte Dave.
„Klar, mache ich. Allerdings wäre die Beschaffung eines toten Greifen gefährlich oder sehr kostspielig. Wie wäre es mit Artefaktmagie? Ein verzauberter Flug-Gegenstand“, schlug Ansgar vor.

„Sprich es ruhig aus! Ein fliegender Teppich – mit Kaffeekannenhalterung“, murrte Pavo, was Dave losprusten ließ.
„Der Teppich wäre echt eine gute Idee“, grinste Ansgar.
„Sag nicht Du betest Rakshor an…“, stöhnte Pavo.

„Er? Garantiert nicht Pavo. Ans ist genau wie Du und ich Anhänger Ainuwars, er hat sogar einen eigenen „Mini-Tempel“ des Ainuwar in seinem Haus. Den kann er Dir gerne einmal zeigen“, warf Dave gut gelaunt ein.
„Ja gerne!“, freute sich Pavo.

„Wo wir beim Thema Tausch sind, ich möchte dass Du Anwolf ausbildest. Interesse?“, fragte Ansgar.
„Gerne, ich nehme ihn unter meine Fittiche. Was genau soll er alles lernen?“, fragte Dave Retour.
„Alles, auch Euer Geschäft. Er soll in der Lage sein die Familie mit allen Mitteln zu verteidigen“, antwortete Ansgar.
„Abgemacht, das heißt wenn er dazu bereit ist. Ohne dazugehörigen Willen, wird er nichts lernen“, sagte Dave.

„Er ist dazu bereit Dave, er hat mich gefragt ob Du ihn weiter ausbildest, sobald Du Deine Prüfung abgelegt hast. Ihn vorher bereits unter Deine Fittiche zu nehmen, schadet ihm garantiert nicht. Und Dir ebenso wenig. Anwolf ist immer bereit zu lernen und garantiert kein Flaneur. Zudem kommt ihr beide doch sehr gut miteinander aus“, gab Ansgar zu bedenken.
„Ans, ich sagte ich mache es gerne. Wenn er vorher bei uns anfängt, kann er meine Vertretung übernehmen, während ich meine Prüfung in der Akademie ablege. Buchhaltung, Aufträge und so weiter. Dass normale Tagesgeschäft wird er hinbekommen“, schmunzelte Dave.
„Natürlich, Praxis im Geschäftlichen schadet nicht“, stimmte Ansgar zu.

„Ist dass der Kurze der bei uns schon mal für ein paar Tage zu Besuch war?“, fragte Pavo neugierig.
„Richtig, der Mini-Magier“, erklärte Dave.
„Mini-Magier, dass lass ihn mal nicht hören“, lachte Ansgar.

****

Es dauerte einige Tage, dann hatten Ansgar, Dave und Pavo aus den unliebsamen Verwandten entfernte Verwandte werden lassen. Die Sache wurde auf ihre Familien Art und Weise bereinigt.

Dave und Pavo ritten gemeinsam mit Anwolf zurück nach Shohiro. Pavo saß bei Dave mit auf Nachtmahr, während Anwolf Rulrot nutzte.

****

"Sobald wir Zuhause sind, werde ich meine Sachen für die Akademie packen.
Du bist für die Buchhaltung zuständig Anwolf, Du hast das ja schon einmal für mich gemacht. Aufträge kommen von Aino herein. Sie sagt Dir, wem Du sie geben sollst und unter welchen Voraussetzungen. Oder sie hat es schon selbst erledigt, dann musst Du nur noch das Schriftliche erledigen.

Generell wie gehabt, alle Eingänge ins Buch, alle Fixkosten zur Seite und in Abzug bringen, 2000 zur Sicherheit zur Seite, erst ab dato Auszahlung an die einzelnen Familienmitglieder, damit die Grundkosten gedeckt sind. Dazu zählen auch die Bestellungen von Pavo und Lydia, dass sind Fixkosten für Verbrauchsmaterial. Wunschbestellungen gehen aus dem Gesamttopf - dafür sind die 2000 in Rückhand. Soweit klar?", fragte Dave freundlich.

"Alles klar, ansonsten schaue ich in die Bücher. Hoch lebe der Vorgang", grinste Anwolf.

"Genau. Deine Ansprechpartner sind Pavo und Aino. Du machst was sie Dir auftragen. Mache keinen Unsinn während ich weg bin", ermahnte Dave seinen Neffen.

"Wir Hohenfelde lernen bereits zu schweigen, wenn andere noch lernen zu sprechen Dave.

Du kannst Dich auf mich verlassen. Wann hab ich Feierabend? Wenn ich alles erledigt habe? Wo wohne ich und darf ich Rulot nutzen?", hakte Anwolf nach.

"Wohl wahr. Würde ich mich nicht auf Dich verlassen wärst Du nicht hier. Richtig, wenn Du Deine Aufgaben erledigt hast. Wird nicht jeden Tag so sein, dann schreib einen Tag drauf weiter. Die Bücher der Heilstube und Schmiede sind getrennt und aufgerechnet auf die "Nebeneinkünfte" - Du verstehst.

Du wohnst in meinem Quartier, ich schlafe im Schlafquartier bei Pavo. Du hast also gleich Dein Reich für Dich. Hinterlasse kein Chaos und gehe mit meinen Sachen pfleglich um. Rulot darfst Du nutzen. Um Fedor kümmert sich Pavo. Hab auf beide ein Auge, dass es ihnen gut geht", sagte Dave, was den alten Goblin kopfschüttelnd grinsen ließ, ehe der Magier in Dämonai fortfuhr.

"Noch einmal, auch wenn ich es Dir bereits erklärt hatte. Das ist weder ein Abenteuer noch ein Spaß. Dieser Beruf ist todernst. Dass ist mein Leben, mein Zuhause und meine Familie. Die Tragweite muss Dir bewusst sein! Versagst Du, verliere ich meine Familie oder bei großer Verfehlung Deinerseits mein Leben... und Du Deins Neffe", erklärte Dave ernst.

"Aber ihr seid ein Haus und Pavo ist Dein Ziehvater! Pavo würde niemals zulassen, dass Dich irgendwer nur anpackt oder geschweige denn umbringt", antwortete Anwolf ebenfalls auf Dämonai.

"Sicher es ist meine und nun auch Deine Familie, sie steht Dir immer bei. Aber wendest Du Dich gegen die Familie, wendet sie sich gegen Dich.
Als Magier hast Du hier einen Sonderstatus, alle Familienmitglieder passen auf Dich auf und tragen Dir den Arsch nach. Dafür musst Du aber im Kampf alles geben, sonst treten sie rein. Dass musst Du begreifen. Sie tun alles für Dich und dass erwarten sie auch von Dir, ebenso ich", antwortete Dave in der gleichen Sprache.

"Verstanden, mein Wort drauf Dave", schwor Anwolf.
"Gut, wenn was ist kontaktiere mich. Ich werde mich auch bei Dir melden Pavo, Ehrensache", grinste Dave.
"Wehe nicht", lachte der Goblin.

****

Dave blieb mit seinem Pferd kurz vor dem Tor zu ihrem Anwesen stehen und musterte die steinerne Mauer. Dann stieg er ab und führte die Pferde auf das Grundstück und schloss das Tor wieder hinter sich.

Das forderte Stück des Innenhofs war genauso gepflastert wie die Straße draußen. Und das Geisterhaus bestand unten ebenfalls aus gewaltigen Steinen. Ihr Zuhause war ein Bollwerk, so sollte es auch sein.

Aber irgendwie erinnerte es ihn im Moment an sein altes Zuhause und damit an seine Mutter. Und an seinen Pakt mit Tarkan.

Daves Blick wanderte nach oben. Kein Blitzschlag riss den Himmel auf, um ihn für den Verrat an seiner einstigen Überzeugung und Religion zu bestrafen. Weder ihn noch Pavo traf die Strafe Ainuwars.

Nun vielleicht war der Deal gar kein Verrat, sondern seine Untätigkeit all die Jahre vorher. Die Untätigkeit war durch rigoroses Handeln gesühnt worden. Der Rest von Melisandes Reise lag ins Ansgars Hand. Er hatte allerdings weiterhin die Rahmenbedingungen zu erfüllen.

Dave öffnete die Haustür und Fedor kam ihm mit infernalischem, ohrenbetäubenden Gekläffe entgegengeflogen.

Der Magier ließ sich wie immer auf die Knie fallen, umarmte seinen Hund und küsste Fedor auf den Kopf, während sein Hund scheinbar das gleiche versuchte nur allerdings auf Hundeart - mit nasser Zunge.

"Wenn wir mal so begrüßt werden würden", flüsterte Pavo Anwolf zu.
"Wer so liebevoll begrüßt werden will, braucht einen Hund", flüsterte Anwolf zurück.

"Ich gehe packen, bis später. Von Dir verabschiede ich mich zum Schluss Pavo, dauert vermutlich am längsten", grinste Dave und war mit den Worten verschwunden.
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