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 Betreff des Beitrags: Re: JOZOs - TAGEBUCH
BeitragVerfasst: Sa 13. Mai 2017, 14:20 
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Der Schakal -- 200 n.d.A.

Die Jagd auf Linichi hatte in Obenza in den unteren Gefilden begonnen. Genau jener Linichi war Jozos Ziel. Die erste Verfolgung hatte er vermasselt und ihn versehentlich gewarnt.

Inzwischen war Linichi scheinbar über alle Berge.

Jozo hatte seine Spur durch die Distrikte Obenza´s verfolgen können. Aber Obenza war eine vertikale Welt für sich, ein unübersichtliches Labyrinth, in dem man mühelos untertauchen konnte. Nichts was Jozo besser wusste.

Sie hatten einen Tag damit verschwendet, in den örtlichen Spielhöllen und Bordellen nach einem Hinweis zu suchen. Sie hatten das Bild Huren, Dealern, Bettlern, Ganoven und Pennern gezeigt.

Sie waren nicht besonders vorsichtig vorgegangen, aber dass musste man in Obenza auch nicht sein. Gesucht wurde hier immer irgendwer, von irgendwem – das war nichts besonderes.

Zwar hatten sie noch keine Spur, aber eine Jagd die Jozo anfing führte er auch zu Ende, wenn ihn vorher nicht die Lust verließ.

Schließlich bot ihm ein kleiner Hehler einen Handel an. Er machte im hinteren Bereich eines Clubs im untersten Bezirk seine Geschäfte, wozu auch gehörte Linichi´s Taler zu waschen.

Danach hatte sich Linichi zurückgezogen, um Gras über „die Sache“ wachsen zu lassen.

Der Hehler behauptete, er wüsste wo man Linichi finden würde. Gegen eine kleine Gefälligkeit würde er selbstverständlich bereit sein, diese Information an Jo weiterzugeben.

Jozo hörte aufmerksam zu, als der Kerl ihm in Detail beschrieb, an was für eine Art Bezahlung er da dachte.

Aber das, was er verlangte, war Jo einfach zu intim, zu persönlich, sowas machte er mit anderen und ließ es nicht mit sich machen. Stattdessen streckte er seinen Arm über den Tresen und packte den Typen am Hinterkopf.

Gerade als er die Stirn des Hehlers zum fünften Mal auf die Tischplatte knallen wollte, fiel diesem ein wo sich Linichi aufhielt.

Linichi hatte sich in die "Freihandelszone" des untersten Distriktes zurückgezogen. Man fand ihn gewöhnlich im Club zum leckeren Langfinger wo er seiner Spielsucht und den Damen frönte.

Vicarri bedankte sich für die Information und beide verließen den Hehler. Sie liefen fast den ganzen Tag durch die unteren Bezirke, ehe sie ankamen und sich an die Arbeit machten.

Der Club war ein reines Klischee. Die Musik war so laut, dass man brüllen musste um sich zu verständigen. Die Beleuchtung war gedämpft, pulsierte aber in unregelmäßigen Abständen über die Tanzfläche und die Spieltische.

Der Laden war extrem überfüllt. Die meisten Gäste waren Touristen, die sich den Kitzel des Verruchten und Gesetzlosen aussetzen wollten. Man konnte zig Sprachen von zig Völkern aufschnappen.

An den dicht gedrängten Tischen wurde Karten gezockt. Hinter den Tischen befand sich eine Bühne, auf Mädchen zu seltsamen Rhythmen tanzten oder besser gesagt tanzen mussten.

Ein schwitzender, kleiner Glatzkopf forderte Jo mit einem Zwinkern zum Tanzen auf und wedelte mit einer dicken Geldkatze.

Jozo nahm das Geld und ließ den Mann einfach stehen, was Vicarri losprusten ließ. Der Kerl motzte und schimpfte hinter Jo her, aber ihm war es gleich.

Hinter der Bühne führte eine Treppe hinunter. Sie wurde von einem menschlichen Türsteher bewacht. Jozo drängte sich durch die Menge zu ihm hin und hielt ihm Linichis Bild unter die Nase.

„Schon mal gesehen?“, fragte der Goblin.
Der Bursche guckte nur finster, sagte aber keinen Ton.

„Hör zu, der Kerl wird wegen Mordes gesucht. Er hat eine vierköpfige Familie bestialisch abgeschlachtet – einziger Überlebender der Großvater. Der alte Mann schickt mich. Also mach das Maul auf“, ranzte Jozo.

`Eigentlich ist er der einzige Überlebende des Massackers und der Mörder bist Du Jozo, aber die Geschichte klingt auch gut´, dachte Vicarri gut gelaunt.

Der große Kerl blinzelte für einen Moment, ehe er sich wieder gefasst hatte. Aber das Zeichen von Mitleid, wenn auch nur für einen Sekundenbruchteil, reichte Jozo aus.

Ohne ein weiteres Wort wollte er sich an dem Türsteher vorbeischieben, doch dieser stellte sich ihm und Vicarri in den Weg.

Mit Daumen und Zeigefinger drückte Jo blitzartig fest auf eine bestimmte Stelle aufs Schlüsselbein des Kerls, und der riesige Brocken war eher auf den Knien als er sich vermutlich je träumen ließ. Und dass ohne überhaupt noch Widerstand leisten zu können. Seine Nerven waren paralysiert.

„Ist das nötig für so ein Stück Scheiße? Rutsch zur Seite, dann überlebst Du. Komm mir dumm und ich schlachte Dich aus“, sagte Jo.
„Ich hab nichts gesehen“, sagte der Türsteher und zog sich ächzend zurück.
„Wir auch nicht“, sagte Vicarri und folgte Jozo auf dem Fuße.

Sie gingen die Treppe hinunter und erreichten einen Gang, der mit einem grauenvollen bunten Teppich ausgelegt war. Die Tapeten waren vergilbt und alles erinnerte an den Slum den die unteren Gefilde darstellten.

"Jo das heißt ich schlachte Dich ab, nicht ich schlachte Dich aus", grinste Vic.
"Kleiner Klugscheißer", grinste Jo zurück.

Sie näherten sich vorsichtig der ersten Tür, flankierten sie links und rechts und klopften. Es kam keine Antwort, aber die hatten sie auch nicht erwartet. Jozo stieß sich an der Wand ab, holte aus und trat mit voller Wucht dicht unter das Schloss.

Die Tür krachte samt Rahmen in das Zimmer. Mit erhobenen Armbrüsten standen die beiden im Raum, aber es war niemand drin, den sie hätten hinrichten können.

„Eins weiter komm“, sagte Vicarri und schlich langsam vor.

Diesmal folgte ihm Jo. Sie gingen zur nächsten Tür und konnten gerade einmal klopfen, als eine Armbrustsalve durch die Tür antwortete.

Die Tür zersplitterte und Vicarri und Jo mussten gegen ihren Willen breit grinsen. Das war nach ihrem Geschmack. Wenn so ein Mistbock auch noch Widerstand leistete, gab es überhaupt keinen Grund mehr sich zurückzuhalten.

Spontan schrie Vicarri mit so viel Schmerz und Gejammer auf, wie er aufbringen konnte.

„Bei Ainuwar, ich verblute“, kreischte er und Jo biss sich in den Ärmel seiner Jacke. Sie hörten Gelächter und das Nachladen der Waffe.

Linichi betrat den Gang, die Armbrust im Anschlag, die Waffe auf sein vermeintliches Opfer gerichtet. Er konnte gerade noch erkennen, dass der Bursche gar nicht getroffen war, als ihm Vicarri die Handkante brutal ins Gesicht schlug.

Linichi´s Kopf prallte gegen den Türrahmen und Jozo trat ihm gegen das rechte Knie, während er ihm mit der linken Hand die Armbrust aus der Hand riss. Beide Manöver liefen fließend ab. Vicarri und Jo arbeiteten wie geschmiert zusammen.

Keine Minute später nach seinem Schuss, lag Linichi auf dem Boden und seine eigene Armbrust zielte auf ihn. Jozo umrundete ihn, und deutete Vicarri an den Gang zu sichern.

Er schaute kurz in das Zimmer, in dem eine kleine, bleiche Golbin lag. Verängstig hatte sie sich in die Decke gehüllt und starrte ihn mit großen Augen an. Jo nickte Richtung Hinterausgang und warf der kleinen, grünen Frau die Armbrust zu.

„Lauf Kleine, so lange Du noch kannst. Und töte alles, was sich Dir in den Weg stellt. Hau ab. Geschenk vom gelben Goblin“, grinste Jozo.

Sie schlang sich in ihren dünnen Fetzen, grabschte sich die Waffe und stürmte an ihnen beiden vorbei. Nicht ohne noch für einen Sekundenbruchteil stehen zu bleiben und Jozos Schulter zum Dank zu drücken.

"Enni, mein Name ist Enni", flüsterte sie.
"Jozo", gab der gelbe Goblin zurück.

Enni nickte und rannte davon.

Jo wiederrum drückte seine Armbrust in den Nacken von Linichi.
„Die Hände hinter den Rücken Du Wixxer. Du weißt ja wie´s läuft“, fauchte er.
Widerwillig gehorchte Linichi. Mit Handschellen fesselte Jozo ihm die Arme auf den Rücken.

„Aufstehen“, befahl Jozo.
„Lass mich gehen“, sagte Linichi, während er dem Befehl gehorchte, „Es ist nicht so wie Du denkst, ich habe den Kindern nichts getan“.

„Natürlich nicht, das war ich Du Trottel. Beweg Dich. Die Treppe rauf und zwar langsam“, zischte Jo.

Linichi setzte sich in Bewegung. Er drehte seinen Kopf gerade so weit, um noch erkennen zu können wohin er lief, und behielt trotzdem Jozo im Auge.

„Ich schwöre ich halte dicht, ich habe Dich nie gesehen“, versuchte es Linichi erneut.
„Interessiert mich nicht. Du lebst so lange Du läufst Linichi, nicht länger“, sagte Jozo kalt.

Linichi schüttelte den Kopf.

„Ich kann Dich bezahlen. Wie viel willst Du?“, fragte der Kerl.
„Fataler Fehler. Mir gehts darum, dass Du für immer die Schnauze hältst. Ich will Dich nur tot sehen, mehr nicht“, grinste Jozo.
„Natürlich geht es Dir ums Geld. Du bist doch Kopfgeldjäger oder?“, fragte Linichi.
„Ich? Nö. Sehe ich so aus? Nur Jäger, nicht mehr nicht weniger und jetzt halt´s Maul. Du beginnst mich zu langweilen“, sagte Jo desinteressiert.

Sie waren ungefähr auf der Hälfte der Treppe, als er den Rausschmeißer sah. Er gab ihm ein Zeichen und blockierte für jemand anderes den Weg. Jozo konnte nicht erkennen, was sich hinter dem breiten Typen abspielte.

Plötzlich änderte sich die Atmosphäre. Es war schlagartig totenstill in dem Club. Niemand war mehr zu hören. Die Schreie und das Gelächter der Gäste waren verstummt. Das verhieß nie was Gutes.

„Runter“, befahl er Linichi.

Hinter Linichis verwunderten Gesichtsausdruck konnte Jo sehen, wie der Türsteher zu Boden ging. Dahinter kam ein Mann zum Vorschein. Er war groß, schlank, mit breiten Schultern. Dieser Eindruck verstärkte sich noch durch die Schutzrüstung und Panzerung die er trug.

Seine Rüstung war mattschwarz, ebenso sein Helm. An seinem Gürtel hing eines der teuersten und besten Kampfmesser. Eine Repetierarmbrust steckte in einem Brusthalfter und ein rasiermesserscharfes, dünnes Schwert hatte der Kerl gezogen.

In dem Moment wusste Jozo, dass er nicht nur einfach Ärger bekommen würde.
Er wusste, dass er bis zum Hals in der Scheiße steckte.

Der Mann gehörte den schwarzen Panthern an.
Sie gehörten der absoluten Elite der Kopfgeldjäger an.

Die Büttel, die anderen Zünfte, die Vollstrecker oder selbst die Meuchelmörder mit denen man es schlimmstenfalls zu tun bekommen konnte, waren ein Witz gegen diese Burschen.

Schwarze Panther wurden aus sämtlichen Assassinen-Zünften rekrutiert. Ein Killer mit fast 100 Prozent Erfolgsquote und unumstößlicher Loyalität – sowas fand man in ihren Reihen.

Sie waren das Beste vom Besten, sowohl was ihre Bewaffnung als auch ihr Training und ihre Taktik anging. Sie waren die Gilde, die man dann anheuerte, wenn ein eigener Assassine die Flucht ergriffen hatte und man ihn zu Fall bringen musste.

Sie waren jene Jäger und Killer, die ausgebildet waren Killer zu jagen und zu töten.
Und sie zu beauftragen, war gewaltig teuer.

Innerhalb einer Millisekunde pumpte das Adrenalin diese Fakten in Jozos Hirn.
Die Treppe war eine Todesfalle.
Der Panther war bestimmt nicht allein.
Normalerweise arbeiteten sie im Quartett, was ihre tödliche Effizienz noch steigerte.

Noch während Jozo überlegte, fluchte er vor sich hin. Die geplante Fluchtmöglichkeit aus dem Club konnte er nicht nutzen, ohne der kleinen Frau und Vicarri in den Rücken zu fallen. Er würde vermutlich beide noch brauchen, er konnte sie nicht wegwerfen. Er musste einen anderen Weg finden.

Zu spät. Jo zuckte zusammen, als der Panther sein Schwert auf Jo richtete.

„Jozo Yamanlar“, sagte der schwarze Panther.
Der Helm verzerrte seine Stimme seltsam ins tonlose.

„Sie sind verhaftet. Sie werden des 204fachen Mordes beschuldigt und abgeurteilt. Lassen Sie Ihre Waffe fallen, ich bin berechtigt Sie notfalls zu töten. Geben Sie auf, dann wird Ihnen nichts geschehen.
Laut Suchprotokoll sind Sie in malgorische Sicherheitsverwahrung zu überstellen. In Abwesenheit wurden Sie zur lebenslangen Sicherheitsverwahrung verurteilt, aufgrund Ihrer Geisteskrankheit. Sobald Sie gesichert sind, können Sie das Urteil einsehen“, sagte der Panther freundlich.

„Du ich glaub der meint Dich“, lachte Linichi.
„Halt die Fresse“, fauchte Jozo.

Jo war mehr als unzufrieden und ließ seine Armbrust fallen.

„Sehr gut. Nehmen Sie die Hände über den Kopf und verschränken Sie die Finger“, befahl der Panther. Jozo gehorchte. Er versuche, die Kontrolle über die Situation zu behalten.

„Sie haben den Falschen erwischt…“, setzte er an.
„RUHE!“, bellte der schwarze Panther.

„Laut Protokoll Ihres Krankheitsbildes sind Sie manipulativ. Dass heißt sollten Sie noch einmal ungefragt das Wort an mich richten oder sollten Sie nochmal versuchen mit mir zu kommunizieren, muss ich das als Widerstand werten und werde Sie sofort exekutieren. Haben Sie das verstanden? Sie dürfen antworten“, sagte der Panther wieder freundlich.

„Ja verstanden“, antworte Jozo zerknirscht.

Linichi warf sich in die Brust.

„Sire Entschuldigung, aber dürfte ich bitte aus der Schusslinie treten?“, fragte er geradezu schleimig.

„Natürlich“, gestattete der Panther und legte seinen Kopf schief, als lausche er etwas unhörbarem, während sich Linichi neben den schwarzen Panther stellte und Jozo ein hämisches Grinsen zu warf.

„Sind Sie nicht Linichi der „Glücksspiel-Glückspilz“?“, fragte der Panther.
„Richtig der bin ich. Ein Profi auf meinem Gebiet. Die Karten sind meine Leidenschaft wissen Sie?“, erzählte Linichi leichthin.

„Genau wie Betrug in 117facher Form. Fahnungsobjekt 72.335 laut Liste“, sagte der Panther und feuerte eine Salve aus seiner Armbrust in die Brust von Linichi. Der Mann kippte tot zur Seite weg und man hörte Angstschreie von den Mädchen auf der Tanzfläche.

Ein kurzes befehlendes Bellen ertönte von einem anderen schwarzen Panther und sofort waren sie leise.

Jo musterte Linichi und grinste über beide Ohren.
"Der Glücksspiel-Glückspilz, man hatte der ein Glück", murmelte Jozo und zuckte mit den Ohren.

„Für ihn stand keine Ergreifung, sondern eine Liquidierung aus. Für Sie steht eine Inhaftierung aus, samt anschließender Sicherheitsverwahrung. Dass Sie nicht auf dem Block enden, verdanken Sie Ihrem Vater. Zudem werden Sie auch zum Schutz der unbescholtenen Bürger und zur Erforschung Ihrer Krankheit dem Tempel überstellt.
Ich denke damit können alle Seiten "leben". Drehen Sie sich um und gehen Sie die Treppe hoch Jozo. Vermeiden Sie alle plötzlichen Bewegungen. Wenn Sie versuchen mich zu treten oder zu fliehen, werde ich das Feuer eröffnen“, sagte der Mann wieder in seinem höflichen Singsang.

"Das ist fair, denn ich habe noch nie beim Kartenspielen gemogelt", murmelte Jozo.

Die Erkenntnis, dass er gefangen war, dass es keinen Ausweg gab, erfüllte Jozo mit Angst. Er drehte sich um, kämpfte gegen die aufsteigende Panik an und ging Stufe für Stufe die Treppe hinauf.

Als er oben angelangt war, hörte er Metall an Metall reiben und erschrak. Sie würden ihn fesseln. Logisch sie wollten, dass er sich nicht bewegen konnte. Er spürte den Lauf der Armbrust im Nacken und hörte den Befehl still zu halten.

Hände griffen nach ihm und fassten so hart zu, dass Jo die Gewalt dahinter spürte. Die "stählernen Hände" befingerten seine Hüfte und nahmen ihm seine zwei Messer ab. Die Hände setzten ihre Suche fort, wanderten über seinen Rücken, seinen Nacken, über seinen Schädel und die Arme hinunter – bis er komplett abgetastet war.

„Jetzt sind Sie sauber“, sagte der Panther während ein zweiter sich zu ihm gesellte und ihm die Handschellen reichte.

„Ich geh auf Nummer sicher und nehm die aus Leder. Ich denke doch dass unser Freund seine Hände nicht verlieren möchte und dann kooperativ bleibt – richtig? Antworten erlaubt“, sagte der erste Panther.
„Ich kooperiere doch schon“, sagte Jozo gleichmütig.

„Kann man das als Widerspruch werten? Er sagte zwar er kooperiert, aber die Worte klangen wie Widerworte. Wir sollten ihn disziplinieren. Ließ seine Akte, er sollte nicht in Haft kommen Jurig, glaub es mir. Das Ding ist ein Monster, ein kranker Irrer, ein schwebendes Schwert über unschuldigen Häuptern“, warf der zweite Panther ein.

`Wie poetisch´, grummelte Jozo gedanklich.

„Kooperation, ist kein Widerstand. Und Vertrag ist Vertrag. Sollte unser quittegelber Freund erneut ausbüchsen, fangen wir ihn wieder ein und streichen noch mehr Taler ein. Also was schert es uns“, sagte der erste Panther.

„Der Kerl ist ein kriminelles, mordendes, irres Subjekt. Dann sollten wir ihn wenigstens lebend unschädlich machen. Er muss doch nicht bei voller Gesundheit sein, wenn er vor den Richter tritt oder? Er ist gestürzt, hat sich das Rückgrat gebrochen. Ab dato ist die Gefahr vorbei. Irgendwas… Du verstehst schon“, lachte der zweite Panther.

„Was hast Du gesagt? Wir haben einen Ruf zu verlieren“, hakte der erste Panther nach.
„Schon verstanden“, antwortete der zweite.

Die Hände griffen erneut nach Jozo. Dieses Mal packten sie sein rechtes Handgelenk. Mehr konnte er nicht ertragen. Die Erinnerung an seine damalige Gefangenschaft im Tempel kam ihm wieder hoch. Nichts was er mehr verabscheute als angekettet, eingesperrt oder wem hilflos ausgeliefert zu sein.

Sie hatten versucht in Gefangenschaft seinen Willen zu brechen. Die Erinnerung, wie sie ihn halb tot gefoltert hatten nur um ihn zu heilen und es erneut zu versuchen, so lange bis er einknicken würde kam ihm wieder hoch.

Die Erinnerung an Schmerzen, die er sich vorher nicht mal vorstellen konnte. Sie wollten ihn brechen, eine ihrer Marionetten aus ihm machen. Er war nicht eingeknickt, er würde auch diesmal nicht einknicken.

Zur Hölle mit dem Pack, sollten sie ihn eben umnieten. Als das er sich brechen lassen würde von diesen Unwürdigen!

Er brüllte vor Wut, Angst und Zorn auf. Er wand sich, duckte sich und drehte sein Handgelenk so lange herum, bis er den Panther in seiner Gewalt hatte und nicht umgekehrt. Wie viele Handknochen er sich dabei brach war ihm im Moment egal, es war kein Vergleich zu dem, was sie ihm im Tempel erneut antun würden.

Mit Schwung warf er den schwarzen Panther über die Schulter und renkte sich beinahe das Kreuz aus, da der Kerl wesentlich schwerer war, als seine Statur vermuten ließ.

Als er sich umdrehte, explodierte ein rotes Feuerwerk hinter seinen Augen. Ein weiterer Schlag schickte ihn auf die Knie.

Jozo blinzelte und blickte auf. Der erste Panther richtete sich wieder auf und zwei weitere kamen hinzu. Das Quartett war zusammen. Wieder wurde er von einem Schlag getroffen, diesmal am Kinn. Er lag mit dem Gesicht auf dem Boden und konnte den verschütteten Schnaps riechen.

Stählerne Hände, eigentlich Hände in Stahlhandschuhen - griffen brutal nach ihm und verzweifelt versuchte er sich zu befreien. Er trat wie besessen um sich, erwischte einen der drei Panther vor der Brust mit einem brutalen Kick und dieser folg rückwärts die Treppe runter.

Der Kerl versuchte noch sich abzufangen, aber seine zu Klauen geformten Finger griffen ins Leere. Bis zu Jozo und den Panthern oben konnte man das Brechen seines Genicks hören.

Die Gesichter der drei verbleibenden Panther unter den Helmen wollte sich Jo in dem Moment lieber nicht ausmalen. Wütend schlugen und traten sie auf ihn ein und er versuchte sich so gut es ging zu wehren. Aber irgendwann hatte kaum noch Kraft.

Er wurde wie ein Stück Fleisch auf den Boden geknallt und ein Panther trat ihm mit dem Stiefel in den Nacken, während das Gewicht von den beiden anderen auf seinem Rücken seinen letzten Widerstand brechen sollte.

Er konnte Blut in seinem Mund schmecken. Er hob minimal den Kopf und blickte auf den Kampfstiefel des einen Panther.

Der Club war inzwischen völlig leer…
…bis auf Vicarri, den er durch den Rauchstangendunst auf sich zukommen zu sehen glaubte.

Jozo fragte sich, ob er aufgrund der Schläge halluzinierte. Vic trug ebenfalls eine dieser Armbrüste. Dann glaubte er zu sehen, wie Vic das Feuer eröffnete.

Die Panther waren zu vier Mann angerückt. Vicarri hatte unten Stellung bezogen um den Fluchtweg zu sichern, als neben ihm der Kerl in schwarzer Montur aufschlug, als sei er vom Himmel gefallen.

Er hatte sich sofort die Waffe gegriffen, und war nach oben geschlichen. Einfach loszustürmen, war bei diesen Leuten zu riskant. So hatte er wenigstens den Überraschungsmoment auf seiner Seite, und zweitens vertraute er voll und ganz auf die Fähigkeiten von Jozo. Er wusste wie tödlich Jo sein konnte, wenn er nur wollte.

Er sah ihn, sobald er wieder in dem Gang war. Sein Anblick erschütterte Vicarri und er empfand Mitleid mit seinem Kerl. Seine Kehle schnürte sich zusammen und er spürte den bitteren Geschmack des Adrenalins in seinem Mund.

Sie hatten Jozo umzingelt, und zwei von ihnen drückten ihn mit ihren Knien auf den Boden. Ganz so wie in seinem schlimmsten Alptraum.

Scheiß Panther in ihren Alptraumrüstungen. Ihre Rüstungen waren sowohl darauf ausgelegt sie zu schützen als auch Respekt einzuflößen und Jozo sah in diesem Moment wirklich winzig gegen sie aus, was Vicarris Beschützerinstinkt wachrief.

Aber das war nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war, das Jo aus Mund und Nase extrem blutete und erneut versuchte, wieder auf die Beine zu kommen.

Jozo gab nicht auf!
Vicarri wusste, dass Jo nie aufgeben würde, sie würden ihn totschlagen.

Vicarri zielte auf den Hals des nächsten Panthers. Er wusste aus leidiger Erfahrung, dass die Panther einen Nackenschutz trugen. Dieser Schutz hielt allem stand, allerdings nicht ihren eigenen Spezialwaffen. In ihren Augen war es unmöglich einen der ihren zu entwaffnen.

Die Bolzen in diesem Magazin waren Spezialanfertigungen.
Normalerweise schoss Vicarri nicht mit einer Armbrust und schon gar nicht mit solchen Waffen. Erstens war es bei seinem Job nicht nötig und zweitens hatte er gar kein Geld für solche Spezialwaffen.

Er würde mehrfach nachsetzen müssen. Vicarri eröffnete das Feuer. Ein Schwarm von Bolzen durchbohrte den Hals des ersten Panthers und dieser stürzte tot zu Boden.

Er nutzte den Überraschungsmoment aus und konnte auf einen weiteren der Männer feuern. Er durchsiebte dessen Brust und brachte ihn mit sechs Treffern zu Fall.

Als der letzte der Panther das Gegenfeuer eröffnete sprang Vicarri in Deckung. Er hörte Glas und Holz splittern, der Lärm der Waffe wurde von der Musik übertönt die immer noch irgendwoher dröhnte.

Vicarri sprintete von Deckung zu Deckung während ihn der Panther verfolgte. Vic konnte die Schüsse die ihn knapp verfehlten, mehr fühlen als hören. Gerade als er dachte er würde es schaffen aus der Situation lebend herauszukommen war der Panther über ihm.

„Was für ein idiotischer Tod“, murmelte Vicarri leise während der Panther auf ihn herab starrte.

Die Sekunden zogen sich immer mehr in die Länge, als er auf den tödlichen Bolzen wartete. Vicarri fragte sich warum er noch lebte und der Panther nicht schoss. Worauf wartete der Kerl eigentlich?

Vicarri wirbelte herum, sprang in eine weitere Deckung und war bereit erneut zu feuern. Wozu jedoch überhaupt kein Grund mehr bestand. Der schwarze Panther ließ seine Armbrust fallen. Als Vicarri ihn genau musterte erkannte er, dass nun Jozo hinter dem Kerl stand und ihm die Armbrust eines Kollegen in den Nacken drückte.

"Alles in Ordnung Vic?", fragte Jozo und zog die Nase hoch.
"Alles gut Jo", antwortete Vicarri.
"Komm her, ist Deine Beute Baby", säuselte Jo und rotzte Blut weg.

Vicarri gesellte sich zu Jozo und starrte auf den Panther herab.

„Nimm den Helm ab“, befahl er.
„Sich zu demaskieren ist verboten“, sagte der Mann tonlos.

„Nun Du kannst es jetzt tun, oder ich pumpe Dir eine Salve in den Schädel und guck dann selber nach. Was meinst Du? Wie wollen wir vorgehen?“, fragte Vicarri und stieß ihm den Lauf der Waffe in die Rippen.

„In Ordnung. Dafür muss ich die Hände hochnehmen, ich werde nicht angreifen“, sagte der Mann. Er nahm langsam den Helm ab und bewegte sich dabei wie in Zeitlupe um seinen Feinden keinen Grund zum feuern zu liefern.

Jozo musterte den Kerl. Musterte die seltsame Narbe auf der Stirn.

„Guck hoch“, befahl Jo.

Der Panther gehorchte. Was immer der Helm sonst auch verbarg, der Panther darunter war trotz modernster Rüstung auch nur ein Mensch. Der Blick des Panthers verriet aber weitaus mehr.

Er hatte nicht nur den Kampf verloren, seine Augen sagten Jo und Vicarri, dass er mit dem Tod seiner drei Kameraden alles verloren hatte.

„Wenn Du lange genug geglotzt hast, bring es zu Ende „gelber Goblin“.
Schreib Dir auf die Fahne, dass Du kranker Bastard vier schwarze Panther getötet hast. Du und der Schakal, meine Hochachtung!

Ich würde Euch ja gerne vor Ehrfurcht vor die Füße kotzen, aber leider habe ich nichts gegessen vor dem Einsatz. Ich hoffe Ihr nehmt mir das nicht krumm“, zischte der Kerl.

„Nö, nicht sonderlich“, sagte Vicarri trocken und riss den Abzug durch.

Jozo betrachtete Vicarris Werk und nickte anerkennend.

„Du hast mir den Arsch gerettet Baby, heute Nacht komplett Deine Spielregeln Vic. Dein Rufname ist der Schakal? Klingt gut. Ich bin der gelbe Goblin", lachte Jo.
"Angenehm", grinste Vic.
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 Betreff des Beitrags: Re: JOZOs - TAGEBUCH
BeitragVerfasst: Sa 20. Mai 2017, 21:07 
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Nudeln -- 202 n.d.A. Kalthorst/Taverne zum alten Alfons

Erzähler - Jozo

Ü18/Link:
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BeitragVerfasst: So 21. Mai 2017, 13:10 
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Vaters Sohn

Aufgelöst und ziemlich kopflos rannte der kleine Tiefling in der Wohnung auf und ab. Er zitterte am ganzen Leib und kaute geistesabwesend immer wieder an seinen Fingerklauen. Endlich klopfte es an der Tür. Einmal, kurz, kaum hörbar aber für seine Ohren klang es wie die Verheißung der puren Erlösung.

Schnell stürmte er zur Tür, öffnete sie einen Spaltbreit und ließ den gelben Goblin hinein. Direkt hinter ihm schloss er die Tür wieder. Jozo schaute sich in der Wohnung um und witterte. Blut, Unmengen von Blut. Der Geruch alleine zauberte dem gelben Goblin ein Grinsen ins Gesicht. Er ging geradezu beschwingt in den angrenzenden Raum, der Geruchsspur folgend.

Ein Mensch lag abgeschlachtet auf dem Boden. Eine Decke lag unter dem Kerl, aber diese hatte sich bereits voller Blut gesogen. Jozo musterte das Werk, seine Ohren zuckten vergnügt.

Banekin gesellte sich sofort an die Seite seines Vaters und deutete auf den Mann.

"Papa hilf mir. Ich weiß nicht was ich tun soll. Es ist schrecklich", wisperte der kleine Tiefling.

"Alles gut, mein erstes Opfer war genauso unsauber", antwortete Jo und tappste Banekin aufmunternd auf den Schädel um ihn zu beruhigen.

"Nein...", setzte Bane verzweifelt an, aber Jo unterbrach ihn direkt.
"Stimmt. Meins sah besser aus. Hey, das ist Übungssache. Wie alles im Leben. Zuhören Knirps. Zuerst musst Du lernen sauber zu arbeiten. Du musst so sauber arbeiten, als wärst Du eine Maschine, ein Konstrukt, ein Ding.

In Perfektion musst zu zustechen und schneiden. Jeder Schnitt muss sitzen. Die Schnelligkeit Kleiner, die kommt dann von ganz allein. Ehe ich es vergesse, Vic hatte Recht. Du bist ein Teil von mir. Dein Opfer ist mein Opfer. Respekt, gute Leistung Bane", freute sich Jozo aufrichtig.

"Papa guckt doch hin!", sagte der Tiefling aufgelöst.
Jozo schaute sie den Toten genau an, witterte und zuckte dann mit den Schultern.
"Ich verstehe nicht", gab er zu.

"Der Mann hat Mama erpresst. Er hat gesagt, wenn wir nicht jeden Monat 100 Taler bezahlen, würde er die Taverne in Kleinholz verwandeln. Da habe ich ihm gesagt, ich gebe ihm das Geld. Hier war der vereinbarte Treffpunkt. Ich wollte verhandeln, weil so viele Taler habe ich nicht.

Da ist er wütend geworden, hat mich angegriffen und auf mich eingeschlagen. Mein Messer war auf einmal in meiner Hand und dann lag er da...", schniefte Banekin.

"Jetzt verstehe ich. Du darfst doch nicht ehrlich verhandeln! Wer bringt Dir so ein Mist bei? Dein Trick war gut. Während Du verhandelt hast, als der Penner noch arglos und nicht wütend war, da hättest Du ihn schon abstechen müssen!
Freiquatschen nennt man das. Rede dem ein Kotelett an die Backe und mittendrin ohne jede Vorwarnung greifst Du an und schlachtest ihn ab. So überrumpelt man wen!

Sieh die Prellungen als Lehrgeld für Dein schlechtes Timing. Prellungen heilen, der ist tot", lachte Jo und knuffte Bane.

Bane blinzelte in Zeitlupe und zwirbelte an einem seiner langen Ohren.

"Aber Papa...", setzte er an.

"Sag nichts! Ich hab Deinen Fehler gefunden. Ich bin schon ein bisschen betriebsblind. Hab das Offensichtliche übersehen. Der Kerl liegt noch hier, so bekommst Du den nie weggeschafft. Also wir zerlegen ihn jetzt in kleine Päckchen und dann schaffen wir ihn weg. Ich weiß auch schon wie wir ihn entsorgen. Schon mal ein Hühnchen entbeint?", fragte Jo vergnügt glucksend.

Bane musterte seinen Vater einen Moment sprachlos.

"Bane starr mich nicht an wie ein Grenzdebiler! Antworte!", forderte Jo.
"Hühnchen", fiepte Bane.

"Herje, Du bist doch hoffentlich nicht so ein "Haustiertyp"? Woher kommen wohl die Frikadellen? Das war auch mal Viehzeug. Der Kerl ist nichts anderes - Fleisch an Knochen! Bisschen viel auf einmal was?

Na gut. Dein Einstieg war gut, das Opfer groß und nun bist Du überfordert. Deine Augen waren grösser als Dein Können.

Normal nicht mein Ding hinter anderen aufzuräumen. Nein nein.
Aber da Du es bist, mach ich eine Ausnahme.
Verschwinde, ich kümmere mich hier um alles", sagte Jozo.

Ohne die Antwort von Bane abzuwarten, hockte sich der gelbe Goblin auf den Toten, zückte sein Messer und fing an ihn fachmännisch zu zerlegen.
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 Betreff des Beitrags: Re: JOZOs - TAGEBUCH
BeitragVerfasst: Di 30. Mai 2017, 17:10 
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Süßkringel

Jozo hatte sein Opfer an der Kehle gepackt. Die Krallen des Goblins schlossen sich unbarmherzig um den Kehlkopf seines Opfers. Mit geradezu perversem Vergnügen zückte er sein Messer und setzte es an die Gurgel des Mannes.

Jo wollte sich Zeit lassen bei dem Schnitt, jeden Millimeter ausgiebig genießen.

Zur Absicherung musterte er kurz die Gegend und erstarrte. Binnen eines Sekundenbruchteils riss er sein Opfer herum und drehte dessen Schädel zu einem Schaufenster.

"Schau Dir das an!
Zwei Süßkringel zum Preis von einem!
Ich werd feucht im Schritt!
Sattessen!
Was ein Angebot!
Ist das ein Angebot oder nicht?",
lachte Jo.

Sein Opfer nickte mit Untertassen großen Kuhaugen. Jozo ließ sein Opfer fallen und hüpfte gut gelaunt Richtung Bäckerei.

Der Mann rappelte sich auf und rannte wie besessen los. Er stolperte mehr über seine eigenen Beine, als dass er tatsächlich rannte. Dabei kreischte er wie von Sinnen und verschwand um die nächste Ecke.

Jozo schaute ihm verdutzt hinterher.

"Ich hab mich auch über das Angebot gefreut! Aber der Kerl, der übertreibt echt", murmelte Jo kopfschüttelnd.
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 Betreff des Beitrags: Re: JOZOs - TAGEBUCH
BeitragVerfasst: So 4. Jun 2017, 16:23 
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Die Maske

Vicarri streichelte Jozo und küsste ihn zärtlich.

"Jo tust Du mir einen Gefallen?", fragte der grüne Goblin.
"Kommt drauf an", antwortete Jozo und kraulte Vic.

"Sag mir einmal ehrlich was Du für mich empfindest", bat Vic.
"Ehrlich? Du würdest es nicht begreifen", grinste Jo.

"Doch. Und falls nicht, ich möchte es trotzdem hören", erklärte Vicarri.

Jozo setzte sich auf und musterte Vicarri. Er schaute den anderen Goblin ernst an.
Vic schaute zurück.

Er schaute das erste Mal in Jozos Gesicht ohne Maske. Ohne verstellendes Lächeln, ohne tarnende Mimik, ohne einstudierte Gesten.

Er schaute in Augen mit einem tödlichen, düsteren Ausdruck.

Vicarri spürte das erste Mal ungefiltert, welche Art Wesen vor ihm saß.
Ein Raubtier, grausam, sadistisch, ohne einen Sinn für Reue oder Schuld.
Ohne jede Form von Gewissen.

Solche Augen meinten Menschen, wenn sie von Dämonen sprachen, wenn sie von dem Bösen sprachen.

Vicarri spürte die imense Gefahr die von Jozo ausging. Von seiner puren Anwesenheit und seinem fremdartigen Denken.

Die Gefahr war greifbar nahe, lag wie Strom in der Luft, dass man sie wie ein Kribbeln auf der Haut spürte.

Zeitgleich spürte Vic, dass ihn dieses Wesen nicht töten würde. Die Gefahr galt jedem, war allumfassend. Aber ihm und wenigen Auserwählten wurde Gnade zu Teil. Sie hatten Existenz verdient.

'Aber warum? Liebe?', überlegte Vicarri und strich Jo über den Kopf.
"Nein", antwortete Jo schlicht, als hätte er Vicarris Gedanken gelesen.

Vic musterte Jo. Er hatte ihn um diesen Einblick gebeten, dennoch kroch Angst sein Rückgrat hoch.

Der Blick in schwarze, gnadenlose Augen. Man sagte den Augen nach, Spiegel der Seele zu sein. Jozos Augen spiegelten keine Seele, sie spiegelten einen Abgrund. Eine Hölle in deren Reich er unangefochtener Herrscher war, auf einem Thron aus verrottenden Leichen.

Er ließ sich Zeit mit der Erklärung.
Als Vic dachte, Jo würde schweigen, sprach der Gelbe doch.

"Du hast einen hohen Wert für mich Vicarri. Du bist nützlich. Du bist gehorsam. Du bist effektiv. Du bist befriedigend. Du bist ein erstklassiges Allzweckwerkzeug. Kein fleischliches Werkzeug war mir jemals so nützlich wie Du.

Niemand diente mir je besser als Du.
Niemand, wirklich niemand.

Kigyo und Du, Ihr seid mein liebster Besitz, meine Lieblingsspielzeuge. Erst nach Euch kommt Zwicki.

Ich wurde Deinen Verlust bedauern. Und ich würde immer versuchen Deinen Verlust oder Deine Beschädigung zu verhindern.

Solange Du intakt bleibst. Ansonsten werde ich Dich in guter Erinnerung behalten. Wenn es je so kommt Vic, dann werde ich Dein Gesicht verwahren",
flüsterte Jo und strich mit den Fingerspitzen über Vicarris Gesicht.

Es war eine sanfte, federleichte und zärtliche Berührung, aber Vic spürte die eisige Kälte dahinter.

Vicarri musterte Jozo erneut. Was immer Jozo tatsächlich war, er wusste es nicht. Vermutlich wusste es Jo selbst nicht einmal. Und trotz allem, trotz der Gefahr, der Fremdartigkeit, der Kälte und des Abgrunds der in Jozo lauerte liebte er dieses Wesen.

Vic küsste Jo liebevoll auf den Mund.

"Danke", sagte er leise.
"Bitte", flötete Jo und schlackerte mit den Ohren.

Der Gelbe legte den Kopf schief, blinzelte und grinste.
Seine Maske saß wie immer perfekt.
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 Betreff des Beitrags: Re: JOZOs - TAGEBUCH
BeitragVerfasst: Do 15. Jun 2017, 13:22 
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Badespaß -- 202 n.d.A. Obenza/Söldnerlager

Es war ein herrlicher Abend, unser Opfer saß im Badezuber und genoss das heiße Wasser. Er tauchte unter um sich den Stress von der Seele zu waschen.

Als Meqdarhan wieder auftauchte und sich das Wasser aus den Augen strich, ließ ihn ein gezwitschertes „Kuck-kuck“, hochfahren. Er blickte in Jozos und mein vermummtes Gesicht.

Wir hockten am Fußende des Zubers.
Jozo rührte das Badewasser mit einem Zeigefinger um.

„Hallo Meq-Mäuschen“, flötete Jo gut gelaunt.

Meqdarhan wurde eiskalt trotz des heißen Wassers. Er setzte sich kerzengerade hin und schaute meinen Kerl an. Vermutlich hatte er an der gelben Pfote die in seinem Badewasser spielte erkannt, von wem er gerade Besuch hatte.

„Wer seid Ihr und was macht Ihr hier bekleidet im Badehaus? Was möchtest Ihr noch zu so später Stunde?“, fragte er freundlich um das Gespräch direkt wohlwollend zu beginnen.
„Du könntest mir sagen warum Du Firxas bei seinem Vorgesetzten angeschwärzt hast. Kein feiner Zug von Dir. Nein – nein“, sagte Jozo in einem kindlichen Singsang.

Er war mal wieder fast auf "der anderen Seite", kurzum er war voll drauf.
Der nackte Truppenführer im Badezuber starrte Jozo an und scheinbar wurde ihm kalt.

„Du musst eindeutig an Deiner Führungsqualität arbeiten“, erklärte Jo gespielt beleidigt.

„Mein Junge, dass verstehst Du falsch. Ich wollte Firxas doch nichts Böses. Aber es ist meine Pflicht die Disziplin der Gruppe aufrecht zu erhalten. Ich muss Fehlverhalten melden“, sagte Meqdarhan und hoffte Jozo würde endlich seine Pfote aus dem Wasser nehmen, dass sah man dem Kerl an. Doch Jo schien überhaupt nicht daran zu denken sondern moderte weiter im Badewasser rum.

„Fehlverhalten nennst Du seinen aufopfernden Dienst?
Wie mir über meinen lieben Freund Firxas zugetragen wurde, geht er nachts allein Streife und jagt Verbrecher die in unser Gebiet eindringen! All jenen Abschaum die das schöne Obenza verschandeln und bedrohen! Meine geliebte Heimat!

Er schiebt sogar Dienst in Seplunken, Kneipen, Tavernen und Pfuffs, damit sich die Leute dort ohne Angst entspannen können. Ich zum Beispiel, bin sehr gerne in seiner beruhigenden Nähe.

Er versieht seinen Dienst, damit solche Stümper wie Du in Ruhe schlafen können. Da ist man morgens schon mal müde. Ich finde, man sollte den Mann vom Frühsport befreien. Ganz ehrlich. Frühsport ist niemandes Ding. Was meinst Du Meq?“,
fragte Jozo mit zuckersüßer Stimme.

„Darüber lässt sich wirklich reden. Daran hatte ich nicht gedacht. Entschuldige bitte. Weißt Du was? Ich trockne mich schnell ab und werde noch heute mit Firxas darüber sprechen. Wie findest Du das?“, sagte Meqdarhan väterlich gönnerhaft, stand schnell auf um aus dem Wasser zu steigen.

„Setz Dich mit Deinem fetten Arsch sofort wieder hin“, geiferte Jozo so bedrohlich, dass sogar ich neben ihm zusammenzuckte.

Der Truppenführer guckte Jo gequält an, gehorchte aber sofort.

„Siehst Du Meq, so ist es gleich viel besser. So nackt rum zu stehen mit nasser Pelle, da holt man sich leicht den Tod“, sagte Jozo nun wieder vergnügt kichernd.

„Bitte, ich hab es verstanden. Ich war unfair zu dem Söldner. Es kommt nicht wieder vor. Bitte nimm die Hand aus dem Wasser und lass mich gehen. Wir vergessen die Sache einfach und fangen von vorne an.

Niemand wird was von der Sache erfahren, es hat keine Konsequenzen für Euch. Das verspreche ich Dir. Mein Wort drauf. Niemand wird Euch verfolgen und Firxas wird morgens extra etwas mehr Zeit bekommen. Na wie klingt das?“,
versuchte es Meqdarhan.

Jozo legte den Kopf auf den Zuberrand und guckte den Truppenführer traurig an.

„Schade Meq, irgendwie hast Du mich nicht überzeugt. Ich war schon immer ein harter Kritiker, weißt Du? Mein Urteil für Dein erbärmliches Schauspiel: Meq muss weg. Gute Reise und grüß den alten Ainuwar“,kicherte Jozo.

Mit diesen Worten grabschte Jozo dem alten Mann in die Haare und drückte ihn unter Wasser. Der Kerl strampelte wie wild und Wasser spritze in alle Richtungen.

"Eh sein Bruder glaub ich, kenn ich!", lachte Jozo irre.
"Hä, woher kennst Du dessen Bruder?", fragte ich durcheinander.
"Letzte Woche, hab ich auch so ein Eierkopf ersäuft. Diese Rübe hier fühlt sich so... mhm... vertraut an...", gluckste Jo.

Als der alte Kerl aufgehörte hatte zu strampeln und keine Blasen mehr nach oben stiegen, ließ Jo den Mann los. Er schnitt ihm die Kehle durch und den Bauch auf. Mit beiden Händen räumte er sein Opfer aus und legte die Gedärme auf dem Wannenrand ab. Mir wurde total schwummerig.

„Herrlich“, kicherte Jo und schlich davon.
Ich folgte ihm schwitzend auf dem Fuße.
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 Betreff des Beitrags: Re: JOZOs - TAGEBUCH
BeitragVerfasst: Sa 22. Jul 2017, 18:25 
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Nachgefragt

Man begegnet mir nicht gerne. Selbst jene, die in den Augen der Gesellschaft als gefährlich gelten, fühlen sich unbehaglich in meiner Gegenwart. Wenn ich auftauche, als Drohung oder Übermittler, haben sie von mir gehört. Haben von meinen Fähigkeiten oder Taten gehört. Auch wenn es nur ein Bruchstück der Wahrheit ist, dass reicht meist schon aus.

Sie fürchten sich davor, versehentlich etwas zu sagen, was mich reizen könnte, und wägen deshalb ihre Worte genau ab.
Furcht ist ein Gefühl, das diesem Personenschlag ehr fremd ist, und so mögen sie es nicht, wenn sich dieses Gefühl in ihrer Magengrube einnistet.
Wenn sie sich mit mir treffen müssen, dann machen sie es so kurz wie möglich und verzichten auf lange Verhandlungen.

An diesem Tag war ich mit einem Korniel Pinetiel verabredet.

In Wahrheit heißt er Kori Kusiel und war einst Sex-Sklave in einem Puff.
Er hat keine Ahnung, dass ich das mit seinem Namen und seinem ehemaligen Job weiß.

Aber wie mir Gasmi immer sagte, ist es immer empfehlenswert jede Einzelheit über eine Person zu wissen, mit der man es zu tun hat.

Ein beiläufig eingestreutes, unerwartetes Detail – irgendein Element aus ihrem Leben, von dem sie dachten, es sei so tief in ihrer Vergangenheit vergraben, dass niemand je darauf stoßen würde – kann genügen, um den Betreffenden einen Moment lang zum Stutzen zu bringen.

Dieser eine Moment reicht mir meistens.

Ich folge einem Korridor und werde von einer großen Tür von zwei Tiefling-Gorillas angehalten, jeder mit einem Genick so dick wie meine Hüfte, sie müssen zu mir runter starren. Ich bin klein, keine 1,20 m hoch.

Sie mustern mich, versuchen mich abzuschätzen. Ihre Augen verraten, dass sie etwas anderes erwartet haben, nach allem, was sie über mich gehört haben.

Das bin ich gewohnt. Die Enttäuschung in manchen Augen, während ihnen etwas durch den Kopf geht wie „gib mir zehn Minuten mit dem allein in einem Raum und dann sehen wir was Sache ist“.

Sie würden keine 10 Sekunden überleben…

„Was liegt an?“, fragt der Typ rechts.

Sein Messer unter seinem Wams drückt in den Stoff, so dass es ein paar Falten wirft, gerade genug um mich wissen zu lassen wo er ist.

„Sag Korniel Pinetiel der Gelbe Goblin ist hier“, antwortete ich ruhig.

Er nickt und verschwindet rückwärts durch die Tür, während mich der andere mit nicht gerade intelligentem Blick mustert.

Er hustet und wirft mir ein beinahe ungläubiges „Du bist der Gelbe Goblin“ an den Kopf.

Er will mich provozieren, ich spüre es. Ich ignorier das schwarze Etwas einfach, zeige nicht die leiseste Regung. Er weiß nicht, wie er darauf reagieren soll, ist es nicht gewohnt ignoriert zu werden, ist in seinem ganzen Leben noch nicht ignoriert worden, so riesig wie er für andere ist.

Für mich ist er eine Null-Nummer.

Irgendeine Stimme im Hinterkopf sagt ihm, dass die Geschichten, die er gehört hat, ja doch stimmen könnten, dass „der Gelbe Goblin“ vielleicht doch so ein knallharter Typ ist, wie Korniel Pinetiel gestern meinte, dass es vielleicht das Klügste wäre, die Bemerkung einfach in der Luft hängen zu lassen, bis sie verhallt ist.

Ich rieche seine Erleichterung als die Tür aufgeht und ich herein gebeten werde. Korniel Pinetiel sitzt hinter einem Schreibtisch aus Holz.

Er ist nicht sehr groß für einen stinkenden Alben, ein krasser Gegensatz zu seinen Muskelpaketen, mit denen er sich umgibt – häufig anzutreffendes Schauspiel. Drahtig, dürre, gut gekleidet und mit einem Feuer in den Augen, dass es mit der glimmenden Spitze seiner Rauchstange in seinem Mundwinkel aufnimmt.

Er ist einer der bekommt was er will.
Das bin ich auch.

Er erhebt sich und wir schütteln uns die Hände fast ohne Druck, als ob keiner zu viel Interesse zeigen will. Man bietet mir den einzigen Stuhl im Raum an und er setzt sich mit Bedacht genau zur gleichen Zeit wie ich.

„Ich bin nur Mittelsmann bei der Sache“, fängt er ohne Umschweife an, damit ich darüber gleich von Anfang an Bescheid weiß. Die Rauchstange wackelt wie ein Metronom auf und ab während der spricht.

„Verstehe“, antworte ich.
„Ein Einzelauftrag. Acht Wochen, wie ausgemacht“, fügt er an.
„Wo?“, meine Frage.
„Obenza. Da jedenfalls wird sich der Typ zu dem Zeitpunkt aufhalten“, erklärt er mir.

Korniel Pinetiel lehnt sich zurück und verschränkt die Arme vor der Brust. Ganz der Boss, der übers Geschäft redet.

In der Rolle gefällt er sich.

Es erinnert ihn an die Geschäftsmänner hinter ihren Schreibtischen von Shohiro, in deren Schreibstuben er früher unter dem Schreibtisch hocken durfte um ihnen einen zu Lutschen.

Ich nickte ganz leicht. Korniel Pinetiel nimmt es als Stichwort, um auf seinem Stuhl zu einem geöffneten Aktenschränkchen herum zu schwenken. Er zieht einen Aktenkoffer heraus, von dem wir beide wissen was er enthält. Dann schiebt er ihn mir über den Tisch hinweg zu und wartet ab.

„Alles was Du wolltest ist da drin. Du kannst es ruhig nachprüfen“, forderte er mich auf.

„Oh nicht nötig. Ich weiß wo ich Dich finde, wenn etwas fehlt“, antwortete ich.

Mit solchen Bemerkungen kann man sich Ärger einhandeln. Weil sie alles Mögliche heißen können. Vielleicht ist es nur eine harmlose Feststellung oder ein kleiner Witz, womöglich auch von beidem etwas.

Aber in dieser Branche ist es in der überwiegenden Mehrheit eine Drohung und niemand mag es wenn man ihm droht. Er versucht in meinem Gesicht zu lesen – während sich seine Mimik nicht recht zwischen Grinsen und Stirnrunzeln entscheiden kann, findet er nicht was er sucht. Er kann nicht mal mein Alter abschätzen, der hohle Alb.

So bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Bemerkung mit einem Lachen abzutun, um seinem Muskelmann klarzumachen, dass das keine Respektlosigkeit war.

„Der ist gut, also ist jedenfalls alles drin“, sagt er mit halben Lachen.

Ich komme ihm ein klein wenig zur Hilfe, indem ich den Koffer vom Tisch nehme und aufstehe.

Er stinkt erleichtert. Mit dem Koffer in der Hand gehe ich zur Tür, doch dann sagt er noch einmal etwas. Er kann es sich einfach nicht verkneifen, seine Neugier ist stärker als seine Vorsicht. Schließlich weiß er nicht, ob er mich je wiedersieht, und er muss es einfach erfahren.

„Hast Du tatsächlich Carlissi auf dem Boot aufgeschlitzt?“, fragte er mit leuchtenden Augen.

Du würdest Dich wundern, wie oft mir ähnliche Fragen zu meinen Opfern gestellt werden.

Carlissi war eine große Nummer in der Unterwelt und für einen Großteil der Blutbäder dort verantwortlich.

Ein Mann der die Schmugglerkreise neu definierte, als Sopho Alk als Lieblingsdroge für einige Zeit in Obenzas Unterwelt abzusetzen drohte. Er sah dies als neue Zukunft kommen.

Gehasst und gefürchtet wie er war, nahm er allmählich immer paranoidere Züge an. Um seine Machtposition bis ins hohe Alter zu sichern, zog er sich auf ein riesiges Hausboot zurück, dass vor Daijan ankerte. Es war voller Waffen und die einzige Verbindung zum Land war ein Segelboot, das sein Sohn steuerte.

Vor zwei Jahren wurde Carlissi tot aufgefunden, mit einem Messer mitten im Herz, obwohl der Mann sich hinter einer verschlossenen, von außen durch eine Schar Leibwächtern bewachten Tür befunden hatte.

Nun ich muss diese Frage nicht beantworten.

Ich kann einfach gehen und Korniel Pinetiel samt Gefolgschaft darüber rätseln lassen, ob ein Mann wie ich tatsächlich all das getan haben kann, was man dem Name „der Gelbe Goblin“ nachsagt.

Diese Taktik habe ich schon oft verfolgt, wenn mir solche Fragen gestellt wurden.

Sechs Augen sind auf mich gerichtet, und mit drei Schwätzern in einem Lagerhaus am Rande des Hafens von Obenza als Zeugen kann ein Mann seinen Ruf auf Jahre hinaus zementieren.

Gut soll er sie haben, eine kleine „Machtdemonstration“ des Gelben Goblins.
Der Alb wollte erleben, wofür der Gelbe Goblin bekannt ist?
Nun denn, wer bin ich so einen Wunsch abzuschlagen?

Ich drehe mich blitzartig um, schneller als es ein Alb mit bloßem Auge verfolgen kann, habe in gleicher Sekunde einige meiner Wurfmesser in der Hand und werfe.

Die Fluppe wird Korniel Pinetiel durch das erste Messer aus dem Mundwinkel gerissen. Das zweite bohrt sich in seine Kehle, dass dritte zwischen seine Augen.

Ehe die Rauchstange auf dem Boden aufschlug, war ich samt dem Geld schon auf und davon.

Windböen blasen mir scharf ins Gesicht, dann betrete ich endlich den unsere Taverne.

Wenn mir diese Geschichte das nächste Mal zu Ohren kommt, wird sie schon die Ausmaße eines Düsterlingsrudels angenommen haben. Aus den drei Kerlen werden zehn geworden sein, die alle mit gezogenen, auf mich gerichteten Repetierarmbrüsten dastanden.

Korniel Pinetiel wird mich mit einer Bemerkung wie „Da hast Du Deinen Auftrag Du Gelbes Miststück“ oder einer ähnlichen Schmeichelei beleidigt haben.

Ich werde unbehelligt zwischen den Armbrustbolzen herumgetanzt sein, sieben von den Typen niedergemäht haben und übers Wasser gewandelt sein, bevor ich Korniel Pinetiel umgebracht habe, für seine freche Albenschnauze.

Ich sag Dir, die Werbung ist ein Scheiß gegen die Mundpropaganda aus der Unterwelt. Aber sie ist auch lustig.

Korniel Pinetiel hatte nachgefragt.
Er hat die Antwort des Gelben Goblins erhalten.
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 Betreff des Beitrags: Re: JOZOs - TAGEBUCH
BeitragVerfasst: Mo 7. Aug 2017, 08:11 
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Schwester

Der gelbe Goblin sah sie nur für einen winzigen Augenblick, aber wusste sofort dass es Kari war. Er spürte wie siedend heiße Wut durch seinen ganzen Körper loderte. Das war nicht nur ein flüchtiger Eindruck, keine zufällig aufflammende Emotion, so etwas besaß er nicht.

Er sah sie und er wollte ihren Schmerz. Er wollte sie leiden sehen, wollte ihren Schmerz unverfälscht fühlen. Der Ruck, der Widerstand der seinen Arm hochschießen würde, wenn er ihr das Messer zwischen die Rippen rammte.

Das Leid genießen, wenn er die Klinge so brutal nach oben riss, dass sie Knochen und Sehnen von Kari durchtrennte und seine Schulter und Brust vor Anstrengung pochen ließ.

Er würde ihr die Klinge so oft in den grünen, widerwärtigen Balg rammen, bis der Schmerz sogar in seine Kauleiste zog und seine Zähne vor Schmerzen schrien, weil er sie vor Genugtuung so fest aufeinander gebissen hatte.

Kein Wort, er würde ihr kein einziges Wort gönnen - denn eines hatte sie immer gewollt - REDEN!

Es schüttelte sich kurz wie ein nasser Hund um das Verlangen der Jagd zu vertreiben. Wenigstens für ein paar Stunden musste er sich gedulden. Tagsüber war er kein guter Jäger, der Tag war nicht seine Zeit. Dort schlief er meist und schöpfte Kraft für die Nacht. Oder er döste im süßen Rausch der Drogen vor sich hin und wartete auf die Dunkelheit.

Kari. Jozo blinzelte, so einfach ließ sich dass Gefühl nicht abschütteln.
Der gelbe Goblin legte die Ohren an und witterte mit halb geschlossenen Augen nach seiner Schwester.

Der Geruch, es war als wäre alles was er über seine Schwester gewusst hatte, wieder da. Alles was in seinem Verstand übrig blieb, war ein Gefühl sie korrumpieren zu wollen, ihr zu schaden um gleichzeitig damit Arun zu verletzten. Alles was er jetzt zu tun hatte war klar. War schon immer klar gewesen, so zutiefst perfide, abartig und bösartig und so urvertraut - so... persönlich, dass es in ihm den Wunsch weckte sie aus ihrer Haut zu schälen wie eine überreife Furcht und sie sich als Trophäe selbst wie ein altes verdrecktes Kleid überzustreifen. Die Vorstellung allein jagte ihm einen wohligen Schauer über den Rücken.

Er witterte, sie war nah... war noch so nah...

Jo schlackerte kurz unentschlossen mit den Ohren. Dann nahm er die Verfolgung.

**

Daves Augen gewöhnten sich allmählich an die Dunkelheit und er folgte dem Erinnerungs-Jozo wie ein unsichtbarer Begleiter.

Ein dumpfes, bassartiges, oszillierendes Stampfen erfüllte die Luft. Man spürte das Vibrieren bis in die Knochen. Dave schritt hinter Jo, vorbei an Statisten dieser Welt. Tote, ausgehungerte Fratzen mit leeren Mienen und gebrochenen Augen starrten ihn beim Vorbeigehen an.

Dave fragte sich, welche Erinnerung diese Bilder widerspiegelten, als sich Jozo zu ihm umdrehte.

Sabber glänzte auf seinen Lippen. Seine Zähne und Lippen waren verkrustet von getrocknetem Blut. Wohin Dave auch schaute, überall waren diese toten Gesichter. Schlagartig schossen blutrote Streifen durch die Luft, als würden sich Klauen ein Weg durch die Dunkelheit schlitzen. Als er hinschaute waren die Gesichter verschwunden. Die Dunkelheit verschluckte ihre Opfer und lichtete sich langsam wieder.

Als er näher hinschaute, sah er ein Mädchen. Eine junge Goblinfrau. Sie stand allein in einer Art Keller, umringt von einem Berg faulender Kadaver die sie wie ein Käfig aus verwesendem Fleisch gefangen hielten.

Das Bild flackerte kurz, dann stand Jozo vor ihr.
Ihr Blick - sie erkannte ihn!

Kari - eine unbeabsichtigte Information.

"Wenn ich mache was Du willst Jojo, lässt Du mich dann gehen? Ich habe doch immer getan was Du wolltest... Bitte Jojo, Du bist krank. Ich helfe Dir versprochen, nur bitte lass mich frei. Ich liebe Dich doch... warum machst Du dass...", weinte die kleine Frau und streckte ihre Hände flehend nach ihm aus.

In dem Moment stürzte er sich auf sie und hieb mit seiner schwarzen Klinge wie ein Wahnsinniger auf sie ein. Er schlitzte ihren Oberkörper in Stücke, so dass sie fast auseinandergerissen wurde. Selbst dort wo Dave stand, konnte er die knirschenden Laute hören, wenn die Klinge auf Knochen traf und diese nach kurzem Widerstand durchtrennte.

Verzweifelt versuchte die Goblin sich mit in die Höhe gerissenen Armen vor dem Messer zu schützen, aber das war so unmöglich wie einen Waldbrand mit einer Tasse Tee zu löschen.

Die kleine Frau ging wie in Zeitlupe in die Knie. Sie versuchte sich mit zerstörten Händen an Jozo festzuhalten. Unverständnis und Unglauben im Blick.

Blutige Blasen traten bei jedem Atemzug aus ihrer zerstörten Kehle. Jo grabschte ihr in die Haare und schleuderte sie zu Boden wie eine zerstörte Puppe. Er setzte sich auf sie, presste sein Maul gegen ihre offene Kehle und atmete einige Male durch. Dann biss er so fest zu, dass man den Knorpel knacken hörte, die Zähne dabei wie ein Tier gebleckt. Der Körper der kleinen Frau zitterte noch eine Weile, dann lag sie still und die Dunkelheit verschlang sie.
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 Betreff des Beitrags: Re: JOZOs - TAGEBUCH
BeitragVerfasst: Mo 7. Aug 2017, 08:11 
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Der Söldner

Ü18-Geschichte. Zu finden im Freudenhaus.

Link:
viewtopic.php?f=41&t=879
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 Betreff des Beitrags: Re: JOZOs - TAGEBUCH
BeitragVerfasst: Mo 7. Aug 2017, 08:12 
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Ennis Erste Jagd

Sie liefen eine ganze Weile durch die Nacht. Die kleine Goblin folgte ihrem Kumpel auf dem Fuße. Jozo war von Kopf bis Fuß in seine Kampfkombo gehüllt und gab lautlos den Weg vor bis Enni stoppte, blitzschnell in eine Seitengasse abbog und die Verfolgung von einer Person aufnahm.

Dave beobachtete das Geschehen und hoffte, dass diese kleine Frau nicht den gleichen Weg gehen musste, den zuvor die Schwester von Jozo gegangen war. Unsichtbar folgte er der Gedankenspur.

"Mir nach, hier ist einer!", flüsterte die kleine Goblin.
"Du hast einen erwischt! Hey ich bin stolz auf Dich. Bin gleich da, wobei lass uns was mit dem Drecksack spielen… Lust?", flüsterte Jozo.

"Was soll ich tun?", fragte Enni.
"Feuertaufe Kleines. Schlachte ihn ab", säuselte Jo.

"Echt?", wisperte die kleine Frau und zuckte nervös mit den Ohren.
"Ja", grinste Jozo über beide Ohren, "ich geb Dir Rückendeckung!"

Enni war dem Typen lautlos gefolgt und nun sprang sie ihm einfach in die Knochen. Mit einem Brüllen drehte sich der Büttel um und erstarrte.

`Eine winzige Goblin? Was bei Ainuwar ist das?´, schoss es dem Mann durch den Kopf.

Unheimlich wie ein überirdisches Wesen sah die Goblin aus. Wie eine Mischung aus Kleinkind und Dämon. Mit einem Gesicht blasser als Enni starrte er binnen Sekunden der kleinen Goblin mit den hellen Haaren ins Gesicht und griff dann ohne zu zögern an.

Er war kein Idiot, er war ein ausgebildeter Büttel und dieses Weib hatte ihn angegriffen.

Er griff sofort nach seiner Waffe. Doch dieser Winzling von einer Frau stürzte sich bereits auf ihn und das unfassbar schnell. Sie machte irgendwas mit ihren Händen, dass der Fremde nur als verschwommene, blitzartige Bewegung sehen konnte.

Richtig wahrnehmen konnte er es nicht. Kaum dass er das Schwert aus der Scheide gezogen hatte, hatte Enni bereits sein Handgelenk gepackt. Der Kerl versuchte das Schwert hochzureißen, aber die Frau war stärker als er vermutet hatte.

Panisch griff er mit der freien Hand nach dem Arm von Enni. Er war immerhin fast einen Meter größer und sehr viel schwerer als diese Goblin-Furie vermutete er.

Aber diese hatte den besseren Stand und die besseren Tricks. Dann plötzlich die Erkenntnis auf dem Gesicht des Mannes, er wurde mit nur einer Hand von dem Weib festgehalten. Wo war die andere Pfote?

Als die Klinge in seinen Unterleib eindrang und mühelos Haut, Muskeln und Knochen durchtrennte, stockte dem Büttel der Atem.

Zeitgleich wurde er von etwas anderem gepackt und nach hinten gerissen. Einen Sekundenbruchteil später, explodierte der Schmerz in seinem gesamten Körper und eine Klinge ragte vorne aus seiner Brust. Bewegungsunfähig erschlaffte er und ließ das Schwert fallen. Er keuchte schwer, während Enni die Klinge aus seinem Körper zog und die Klinge in seiner Brust mehrfach herumgedreht wurde um größtmöglichen Schaden anzurichten.

Die kleine blasse Goblin starrte ihn an, während der Büttel zur Seite kippte und vor sich wie aus dem Nichts einen vermummten Goblin auftauchen sah. Nun wusste er wer ihn mit tödlicher Kraft ein Messer ins Kreuz gerammt hatte.

Der Goblin riss den Büttel an sich.
"Sieh zu und lerne Kleines", säuselte der Vermummte.

Erneut wurde dem Büttel eine Klinge in den Leib gestochen. Immer und immer wieder und dass in einer grauenvollen, unglaublichen Geschwindigkeit mit fast maschineller Präzision.

Das Messer des Goblins drang so tief in seinen Körper ein, dass er die Spitze über den Beckenknochen schaben fühlte.

Vergeblich versuchte er ein letztes Mal Kontrolle über seinen Körper zu erlangen und die Arme nach dem zweiten Angreifer auszustrecken. Minimal konnte er wirklich die Arme heben, ehe er einen knochenbrechenden Faustschlag des Goblins ins Gesicht kassierte.

Ein letztes Mal wurde die Klinge herausgezogen und der Goblin ließ ihn einfach fallen. Der Büttel schlug der Länge nach auf den Boden und lag nun wie er mit Entsetzen feststellte in den Fetzen seiner eigenen Eingeweide.

Warmes Blut breitete sich unter ihm in einer großen Lache aus. Und bei all dem gab er keinen einzigen Laut von sich, da ihm sein Körper soweit überhaupt nicht mehr gehorchte.

Er wollte nur noch in der Schwärze versinken, als er erneut im Genick gepackt und in die Höhe gerissen wurde. Der Kerl schälte ihm das Gesicht mit der Sorgfalt eines Chirurgen vom Knochen. Danach wischte der Goblin die blutverschmierte Klinge an den Haaren des Büttels ab.

"Du bist schnell", freute sich die kleine Frau.
"Übungssache. Du musst sorgfältig arbeiten, die Schnelligkeit kommt von alleine - wirst sehen", antwortete der Vermummte gut gelaunt.
„Steck schnell die Gesichts-Schwarte ein, wir müssen weiter“, sagte die Kleine.
"Gleich", antwortete der Vermummte.

Ein letzter prüfender Blick aus kalten, dunkelbraunen Augen. Sein Schlächter grinste über beide Ohren lüftete kurz seinen Mundschutz und presste ihm dunkle, eisige Lippen auf seine nicht mehr vorhandenen und leckte ihm das Blut vom einstigen Gesicht.

Der Kerl schien die Zunge über den Gaumen zu rollen und über den Geschmack auf seiner Zunge nachzudenken. Dann schüttelte sein Schlächter leicht den Kopf und ließ ihn erneut zu Boden stürzen.

Mit Augen die er nicht mehr schließen konnte, sah der Büttel die Waffe die ihn getötet hatte. Die Klinge sah eigentlich überhaupt nicht aus wie Metall, schoss es dem Büttel wie irreal durch den Kopf.

Sie war mattschwarz, wie die Vermummung seines Feindes und krumm wie eine Klaue. Dann sah der Büttel, wie der Goblin die Klinge wieder in seinem Ärmel verschwinden ließ, als wäre sie nie dagewesen.

Das letzte was der Büttel in seinem Leben sah, war wie schwarze, schwere Arbeiterstiefel achtlos über ihn hinweg stiegen, gefolgt von kleinen hellgrünen Füßchen mit rot-lackierten Zehennägeln ehe beide in der Dunkelheit der Nacht verschwanden und die Finsternis sie verschluckte...
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