Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Aus dem Wald in den Großstadt-Dschungel

Das Geisterhaus
Die Geister waren bis zum Jahr 202 eine erfolgreiche Gilde von Auftragsmördern. Jedoch bot das Leben im Geisterhaus mehr als nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch ein zu Hause für Verlorene. Wichtigste Aufnahmebedingungen waren absolute Loyalität und Verschwiegenheit - sonst endete man rasch selbst auf der Todesliste. Die ehemaligen Geister verdienen ihren Lebensunterhalt heute auf ehrbare Weise als "Fantomes" in Souvagne.
Benutzeravatar
Anwolf

Die Handelsallianz Rote Laterne
Marquis
Beiträge: 73
Registriert: Sa 11. Mär 2017, 09:00
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Aus dem Wald in den Großstadt-Dschungel

#71

Beitrag von Anwolf » Do 1. Jun 2017, 17:24

Anwolf grinste Mo breit an, während er Frühstücksspeck knabberte.
"Dave hat es Dir angetan was?", lachte der junge Magier leise.

"Er ist eigentlich ein echt lieber Kerl, wenn man ihn nicht gerade provoziert und auf die Palme bringt. Wenn Du sein Kumpel sein willst, nur zu. Viele Freunde hat er nicht und jetzt vermutlich sogar ein paar weniger. Was ich um seinetwillen nicht hoffe, aber ich kenne ihn und seine verdammte Sturheit wie Paps immer sagt", erklärte Wolfi.

"Falsche Wahl der Waffen? Ist Dir mal der Gedanke gekommen, überhaupt keine Waffe und keinen Angriff zu wählen? Wenn Du meinst, dass Seddik - so heißt der Ork und Urako sich schlecht benommen haben, warum benimmst Du Dich dann genauso blöde? Oder mal anders herum gefragt, warum benimmst Du Dich noch dämlicher und legst noch eine Schüppe oben drauf?

Dass es Dir jetzt leid tut, glaube ich Dir, sonst würdest Du mir nicht zum zweiten Mal sagen, was Du Dir dabei dachtest. Und Du würdest nicht versuchen Dich zu rechtfertigen. Aber Du als Waldalb mit Bogen solltest wissen, Worte sind wie Pfeile - einmal abgeschossen, kann man sie nicht zurück holen.

Schießt Du einfach auf jemanden einen Pfeil ab ohne zu überlegen? Ich hoffe nicht.
Warum dann Worte?

Zudem Mo, bei mir musst Du Dich nicht entschuldigen. Und vor mir musst Du Dich auch nicht rechtfertigen. Ich habe Dir nur gesagt, was passiert, wenn Du meine Leute schlecht behandelst oder sogar bedrohst. Für Deine Entschuldigung bin ich die falsche Adresse. Bei wem Du Dich entschuldigen musst, weißt Du selbst am besten.

Willst Du Pavo heimlich hinhängen oder so? Du hast den Goblin damit angeschissen",
antwortete Wolfi grinsend und leckte sich die Finger ab.

"Nur Spaß. Ja Dave hat einige Tiere, aber seine Liebe gilt Hunden und Pferden. Er hat zwei Pferde, zwei Hunde, ein Huhn und einen Affen. Damit meine ich einen echten Affen und nicht Varmikan",lachte Wolfi sich schlapp.

"Du musst sogar zurück ins Gildenhaus. Wenn Du Dich verdrückst, werden sie Dich jagen. Also wenn Du tatsächlich in den Sack hauen willst, musst Du offiziell kündigen. Und der "Vorstand" muss Deine Kündigung annehmen, damit ihr friedlich getrennter Wege gehen könnt.

Aber da Du nach meiner Meinung gefragt hast, antworte ich Dir auch.

Kehre zurück und bewerte die Gruppe nicht nach den ersten Minuten. Keiner hat sich mit Ruhm bekleckert. Weder Du noch die anderen. Und so blöde einiges gelaufen ist, ein Teil Deiner Handlungen hatten ja einen netten Hintergrund. Ein Teil wohlgemerkt ja? Nicht alles.

Der Gedanke Gras über die Sache wachsen zu lassen, ist vielleicht gar nicht so schlecht gewesen. Von daher würde ich sagen, machen wir alle einen Schnitt.

Mit Jeelen wirst Du Dich auf Einsätzen gut verstehen, habe ich auch immer. Ich durfte einige Male mit. Nur selbst arbeiten durfte ich nicht. Wegen der Lampe schaue ich nachher mal in unserem Fundus nach. Wenn ich nichts finde, bestelle ich Dir eine.

Wir sollten auch mal so langsam machen, dass wir zurück nach Hause kommen",
sagte Wolfi freundlich.

Benutzeravatar
Morasa

Die Freien Völker Die fleißige Feder in Bronze Rote Laterne Schnecke in Bronze
MOhikaner
Beiträge: 206
Registriert: Do 11. Mai 2017, 11:01
Volk: Waldalb

Re: Aus dem Wald in den Großstadt-Dschungel

#72

Beitrag von Morasa » Fr 2. Jun 2017, 11:10

Morasa
 
zuckte die Schultern und trank einen grossen Schluck Bier.
 
„Das habe ich mir so gedacht, dass es schön ist, wenn wir Kumpel sein könnten dein Onkel und ich.  Ob Dave stur ist weiss ich nicht. Nach dem Streit war er wütend. Sicher muss man nicht genauso bescheuert handeln, wie die anderen. Man kann Beleidigungen überhören. Das machst du einmal und dann bist du der Idiot für alle.  Wehren musst du dich schon und wenn du nur sagst, was du von der Ansage hältst. Wenn du dich beleidigen und beschimpfen lässt, denkt jeder du bist ein Schwächling mit dem man alles machen kann. Die halten dich ab dem Tag für eine Lusche, die sie nicht ernst nehmen müssen. Damit hast du auch nichts gewonnen Wolfi. Darum war es nur die falsche Wahl der Waffen. Verteidigen darf ich mich.
Zur Verteidigung schiesse ich auch Pfeile auf Personen ab ohne zu überlegen. Wenn ich dann lange überlege bin ich tot und mein Angreifer nicht. Im Kampf überlege ich nicht, im Kampf handele ich. Da frage ich nicht warum sich der Feind in meinen Wald rumtreibt, was er bei mir möchte und warum er mich angreift. Er bekommt einen Pfeil ins Auge ohne dass er mich sieht. Ein Wort kann man zurückholen Wolfi, indem du dich dafür entschuldigst. Jeder sagt manchmal Dinge die er nicht so gemeint hat. Wenn diese Wörter dann alle gelten und keine Entschuldigungen zählen, hätten wir ständig Streit und Krieg.
Nein ich wollte den Goblin nicht hinhängen und anscheissen. Ich wollte dir erklären, was Dave so wütend gemacht hat, dass er nicht zurück nach Hause wollte. Wie soll ich dir das erklären, wenn ich dir den Grund nicht nennen darf? Du verlangst ein bisschen viel Rücksicht für den Goblin. Wenn ich meinen Mund halten soll und vorher überlegen muss, dann der alte Knacker auch.
Das habe ich dir erzählt und ich belüge dich nicht. Wir wollten uns nicht verdrücken, sondern am anderen Morgen zurück nach Hause kommen. Gut dann weiss ich wie ich mich verhalten soll. Wir gehen zurück nach Hause und dann werde ich mit Dave sprechen. Und meine Entschuldigungen loswerden. Dass habe ich dir versprochen und daran halte ich mich. Ich will die Gilde nicht verlassen, ich bin froh eine neue Gilde gefunden zu haben. Und ich brauche den Job, ich hab kein Geld.“
 
Morasa trank sein Bier aus und wischte sich mit den Handrücken den Mund ab. Das Brot was er nicht aufgegessen hatte steckte er für später in seine Tasche.
 
„Ein Affe ist ein Wildtier und kein Haustier. Es freut mich, dass Dave Tiere mag. Das du Varmikan nicht einen Affen schimpfst, war mir bewusst. Ganz so bescheuert bin ich nicht, obwohl ich aus dem Wald komm. Und falls doch, ist das dein Problem. Jedenfalls wenn er es hört. Und Alben haben gute Ohren, dass sage ich dir Wolfi. Für einen Frostalben ist Varmikan sehr freundlich, aber dann sicher nicht mehr.
Frag wie teuer das essen und der Umtrunk war. Ich habe noch 17 Taler. Den Rest musst du bezahlen und mir leihen bis zum ersten Lohn.“
 
Mo gab dem Jungen die 17 Taler für das Frühstück.
 
 

Benutzeravatar
Anwolf

Die Handelsallianz Rote Laterne
Marquis
Beiträge: 73
Registriert: Sa 11. Mär 2017, 09:00
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Aus dem Wald in den Großstadt-Dschungel

#73

Beitrag von Anwolf » Fr 2. Jun 2017, 23:54

Anwolf gab Morasa seine 17 Taler zurück, verlangte vom Wirt die Rechnung und bezahlte. Da er gesehen hatte, dass Mo das restliche Brot eingesteckt hatte, packte auch er sein übrig gebliebenes Brot ein und drückte es dem Waldalben in die Hand.

Wolfi machte sich gemeinsam mit Mo und den Hunden auf den Heimweg.

"Naja es stimmt schon, dass man auch Grenzen ziehen muss. Aber nicht am ersten Tag, in der ersten Minute auf diese Art und Weise. Zudem ging es nicht darum Mo. Keiner spricht Dir ab, Dich verteidigen zu dürfen. Mir ging es um das wie. Ich wollte mit meiner Frage darauf hindeuten, dass man überhaupt keine Waffe zur Verteidigung wählen muss. Schau mal, Du hast Urako mit dem Tod bedroht - absolutes daneben! Zurück beleidigen - genauso unlogisch.

Ich an Deiner Stelle wäre ruhig geblieben und hätte ihn und Sed gefragt, was die Show soll. Und ich hätte den beiden gesagt, sobald sie wieder zu einem normalen Gespräch im vernünftigen Ton fähig sind, können sie selbstverständlich wieder mit mir reden. Vorher nicht. Fertig.

Sowas meinte ich mit meiner Aussage, überhaupt keine Waffe zu wählen. Wähle Logik. In dem Fall hast Du weder gedroht, noch beleidigt. Und jeder mit ein bisschen Verstand würde über Deine Worte nachdenken. Streiten die beiden nach Deinem Friedensaufruf immer noch, machen sie sich nur noch lächerlich",
erklärte Wolfi freundlich.

"Eine Entschuldigung ist kein Zurückholen eines Wortes. Es ist einfach eine Revidierung oder Negierung - kurzum man handelt auf der Basis Vergeben ja, Vergessen nein. Irgendwo bleibt sowas immer in einem Gedankenwinkel haften. Und beim kleinsten Streit kommt sowas wieder mit an die Oberfläche. Glaub es mir, ich kenne solche Spiele aus unserer Verwandtschaft.

Drum wähle Deine Worte weise, oder besser noch schweig!

Ein Spruch meiner Ma - Manchmal ist es besser zu schweigen und für einen Narren gehalten zu werden, als vorschnell etwas zu sagen und die Kehle dafür durchgeschnitten zu bekommen.

Keiner zwingt Dich auf eine Äußerung sofort zu reagieren und direkt wie ein Ente loszuschnattern. Sagst Du erstmal nichts, hast Du nichts Falsches gesagt. Man Du bei uns auf einer Familienfeier, dass muss ungefähr so herrlich sein, wie mit einem entzündeten Streichholz auf einem Pulverfass zu sitzen",
lachte Wolfi.

"Das Du bekloppt bist, weil Du aus dem Wald kommst habe ich nie behauptet. Nur hast Du ein Benehmen wie die Axt im Walde. Kein guter Vergleich", gibbelte Anwolf.

"Aber mal ehrlich, Ihr werdet doch wohl auch Benimm-Regeln haben. Was weiß ich, kackt nicht in den Fluss. Jede Gesellschaft hat ihre Regeln, damit sie funktioniert. Damit die "Mitglieder" dieser Gesellschaft miteinander auskommen. Egal ob Völker, Vereine oder Familie. Und die Familie der Geister hat ebenfalls ihre Benimm-Regeln.

Eine grundlegende Regel davon ist Morasa, greifst Du einen Bruder oder eine Schwester an, wirst Du gerichtet. Du kannst froh sein, dass Du nur den Mund zu weit aufgerissen hast. Hättest Du Urako oder Seddik angegriffen, hättest Du Dir keine Gedanken mehr machen müssen.

Du hast mit Deinem Schnitzer ja nicht mal gewartet, bis Du die Hausordnung gekannt hast!

Und mal unter uns beiden, Urako hat Dich vielleicht nur auf Herz und Nieren prüfen wollen. Erste Pflicht - Ruhe bewahren. Sagt ehm... einer meiner Verwandten. Gerade in gefährlichen Situationen die unser Job mit sich bringen kann, ist das oft lebensnotwendig.

Wie ruhig Du auf eine minimale Provokation reagierst, hat jetzt jeder gesehen. Wer soll jetzt mit Dir noch einen Einsatz schieben wollen?
Natürlich wird sich Jeelen bemühen, er ist locker drauf, genau wie Gasmi. Aber geschmeckt haben wird ihm nicht was er da sah. Im schlimmsten Fall hängt sein Leben von einem Choleriker ab?

Ein Choleriker kann in Rage alles zu Deinen Gunsten rumreißen, weil er in seiner Wut alles in den Boden stampft.
Oder er ist Dein Todesurteil, weil er eine Übermacht gegen Dich aufbringt.
Was bist Du?

Und nebenbei mal etwas persönliches. Ich mag Urako unheimlich gerne. Er war mein Vertrauter als wir auf Außeneinsatz waren. Ich konnte mich immer auf ihn verlassen. Klar hat er seine Laune, aber jeder hat seine Ecken und Kanten.

Wenn keiner weiter wusste, hatte er immer eine rettende Idee. Und er hat Dich nicht angegriffen, weil er Dich hasst, sondern weil er seine Familie liebt! Er stand da für seine Leute! Ist scheinbar nur keinem aufgefallen.

Wenn Du jemals in die Familie findest, würde er Dich genauso verteidigen.
Drum war für mich der Streit zwischen Dave und Urako besonders schlimm.

Wen soll ich wählen?
Meinen Onkel, Mentor, Blutsverwandten und Kumpel?
Oder meinen Vertretungs-Paps und Kumpel?

Ist schon Scheiße, dass die beiden nicht miteinander auskommen. Wäre schön, wenn sie sich vertragen würden. Du musst noch Öl ins Feuer gießen.

Aber das habe ich Dir bereits erklärt.

Einen Krieg wird es in der Gilde nicht geben. Und diese Familie wird auch nicht auseinanderbrechen. Notfalls regele ich dass. Ist ja nicht so, dass ich keinen gewarnt hätte",
grinste Anwolf und knuffte Mo.

Benutzeravatar
Urako

Die Freien Völker Rote Laterne
Zweitcharakter
Beiträge: 218
Registriert: Mo 16. Mär 2015, 16:58
Volk: Tiefling

Re: Aus dem Wald in den Großstadt-Dschungel

#74

Beitrag von Urako » Sa 3. Jun 2017, 11:44

"Ich halte nicht nichts von dir." Urakos Finger umschlossen den dicken Henkel etwas fester. "Ich bin nur ein einfacher Scharfrichter, aber mein bisschen Grips reicht aus, um zu verstehen, dass du recht hast. Deine Worte waren hart, aber sie waren wahr. Ich bin im Grunde wirklich nur ein Proleten-Arsch, der nichts kann. Ich bin in dieser Gilde ersetzbar durch jeden dahergelaufenen Messerstecher." Er schlürfte noch einen weiteren Schluck. "Bei dir sieht das anders aus. Du kannst dieses ganze Zettelzeug, du kannst die Abrechnungen machen, Gelder hin und her schubsen, diesen ganzen Behördenkram erledigen und so verdrehen, dass wir nicht auffliegen. Ohne dich hätten die Geister ein ernstes Problem."

Er betrachtete Dave aus müden Augen.

"Pavo hat gesagt, ich soll`s dir erklären. Also erklär ich`s dir jetzt. Es geht mich eigentlich nichts an, aber es geht mir gegen den Strich, dass Varmi den blöden Marder gekrault hat. Weil ich weiß, wie wichtig du ihm bist. Er kämpft wie ein Vieh, um ein guter, starker Mann für dich zu sein der dich und eure Beziehung beschützen kann. Und dann wird er plötzlich schwach und krault diesen dahergelaufenen, wildfremden Waldschrat! Ich meine, wenn Varmi mich gekrault hätte, das wäre natürlich was anderes gewesen, wir kennen uns und vertrauen einander. Sonst dürfte ich dich auch nicht manchmal etwas verwöhnen, hehe. Aber dieser Mo da, der ist neu, der war gestern den ersten Tag da! Wisst ihr denn, ob man dem vertrauen kann? Er hat sich da im Aufenthaltsraum zwischen euch gedrängt und sich angebiedert wie eine Schlampe. Und der dummgläubige Varmi ist drauf reingefallen. Das schmeckt mir nicht! Weil ich finde, du bist eine gute Partie für Varmi. Ich persönlich wöllte dich zwar nicht haben, du bist mir viel zu anstrengend und dein Geschmolle ginge mir gehörig auf den Geist, aber Varmi ist rundum glücklich mit dir. Wie kann ich da zulassen, dass dieses Frettchen das kaputt macht?"

Er blickte in Richtung Haustür. Dann wieder zu Davard.

"Wieso bitten mich eigentlich alle darum, mich auf eurer Hochzeit zu benehmen? Natürlich mache ich das, ganz so doof bin ich nicht! Sag das lieber dem Frettchen, bevor er droht, deine Mutter umzubringen, nur weil sie ihn nach der Uhrzeit fragt oder vor deinem Vater das Schwert zieht, weil der ihm die letzte Wurstscheibe vom Buffet vor der Nase wegschnappt! Der Mann ist eine wandelnde Bombe, wenn du mich fragst, aber du fragst mich ja nicht, also kannst du meine Einschätzung auch wieder vergessen."

Urako blickte ein weiteres Mal zur Tür. "Noch was ..."

Er betrachtete den schweren tönernen Krug in seiner Hand, den er Davard eigentlich hatte über den Schädel ziehen wollen. Damit hätte er ihm unkompliziert die Lichter ausknipsen können und er traute sich durchaus zu, mit der richtigen Kraft zuzuhauen, so dass er ihn nicht ernsthaft verletzte, aber vielleicht ging es auch anders. Dave war deutlich größer als er und atlethisch gebaut, aber verkatert ohne Ende und fix und fertig. Wenn Urako Glück hatte, konnte er ihn packen und abführen, ohne, dass der Mann es schaffte, in seinen Geist einzudringen und dort Unfrieden zu stiften. Er hatte als Scharfrichter schon etliche unwillige Deliquenten von hier nach da bugsiert. So dauerte es auch nur eine Sekunde, bis er mit der einen Hand Daves Kleidung am Genick gepackt und mit der anderen Daves Arm schmerzhaft auf dessen Rücken verdreht hatte.

"Ich habe noch einen anderen Auftrag erhalten, als nur mit dir zu reden, Dave. Mach jetzt keinen Ärger und komm einfach mit, bevor ich dir weh tun muss. Wäre doch schade, dass ohne Varmis Beisein zu tun, hm?"

Er begann, ihn richtung Tür zu schieben, um ihn so, wie Pavo es ihm aufgetragen hatte, im Keller festzusetzen.
[ externes Bild ]

"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

Benutzeravatar
Distel

Die Freien Völker
Zweitcharakter
Beiträge: 16
Registriert: Di 8. Nov 2016, 07:14
Volk: Centauren

Re: Aus dem Wald in den Großstadt-Dschungel

#75

Beitrag von Distel » Sa 3. Jun 2017, 12:05

"E-e-e-e-e-e-e-e-e", machte Distel, während er von dem aufgebrachten Wüterich durchgeschüttelt wurde. Enzo lag immer noch auf dem Sofa und betrachtete das Schauspiel ohne sonderliche Besorgnis. Er gähnte und streckte sich wieder lang, das Sofa bog sich noch etwas weiter durch und berührte nun mit der durchgebogenen Mitte den Boden. Endlich hörte Gasmi auf, Distel zu schütteln. Dem war von der ganzen Schüttelei schwindelig geworden und er rieb sich den Kopf.

"Also wenn Urako der Tiefling ist und der Tiefling dein Mann ist und obendrein auch noch das Opfer, dann kann er nicht gleichzeitig der Schuldige sein", schlussfolgerte Distel scharfsinnig. "Woraus folgt ..." Er stemmte die Hände in die Taille und überlegte. "Enzo, jetzt sag schon! Was folgt daraus?"

Der streckte gerade das rechte Hinterbein. "Dass jemand anders die Schuld trägt."

"Genau, das wollte ich sagen! Und dieser jemand ist...?" Bohrend blickte er zu Enzian, der mit dem Huf kreiste, ohne das restliche Bein zu bewegen.

"Leute, ich brauch erstmal `nen Kaffee!", rief Enzian hilflos. "Ich komme aus Rakshanistan und es ist früh am Morgen, ich bin es gewohnt, meine morgendliche Koffeindosis zu bekommen, vorher läuft hier gar nichts. Mein Gehirn braucht das einfach."

Distel seufzte. "Schon verstanden. Gasmi, zeig mir bitte die Küche, wir müssen einen Kessel Kaffe für den Herrn von und zu Streifistan kochen, vorher redet er nicht mit uns. Vielleicht können wir das draußen am Grillplatz machen, da haben wir mehr Platz. Reichen hundert Liter?"

"Mokka!", rief Enzo ihnen nach, als sie sich auf den Weg machten. "Schwarz mit Honig!"

Benutzeravatar
Davard von Hohenfelde

Die Handelsallianz Weltenbastler in Gold Chronist in Silber Die fleißige Feder in Bronze
Marquis
Beiträge: 483
Registriert: Mi 22. Feb 2017, 12:46
Volk: Souvagner
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Aus dem Wald in den Großstadt-Dschungel

#76

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Sa 3. Jun 2017, 13:25

Dave musterte Urako erstaunt.

"Dito, ich halte Dich auch nicht für ein Nichts. Das mit dem Proleten-Arsch und den anderen Scheiß habe ich nicht ernst gemeint. Ich wollte Dir einfach richtig eins reinwürgen, weil Du Varmikan beleidigt hast. Du hast Henker gelernt, ich habe eben meinen Kram gelernt Urako", antwortete Dave.

Dave hörte sich die Erklärung für Urakos Verhalten an.

"Es tut mir leid dass ich ausgerastet bin, ich habe Dein Verhalten völlig falsch eingeschätzt und verstanden. Ich ging davon aus, dass Dein Angriff uns - also unserer Beziehung gilt. Das Gegenteil war der Fall, entschuldige.

Danke für die lieben Worte. Du bist ihm ein echter Freund und warst sogar mir einer. Ich war in dem Moment leider Betriebsblind.

Varmi ist ein guter Gefährte. Naja was sage ich, ist ja kein Geheimnis für Dich, dass ich ihn liebe.
Verglichen mit meinen beiden Freundinnen vorher...
Es ist völlig anders, es ist überhaupt kein Vergleich.

Zuerst mal weil ich wirklich in ihn verknallt bin. Die anderen bekam ich vorgestellt und man bemüht sich, die Person zu mögen - oder mehr.

Das war bei ihm nicht so. Bei ihm war es anders. Gesehen, gut gefunden, Spaß gehabt beim gemeinsamen rumhängen, super auf Anhieb verstanden, ihm viel durchgehen lassen, von ihm flachlegen lassen, von ihm ärgern lassen und von ihm einsacken lassen.
Das ist was anderes. Völlig anders, wenn Du Dich verknallst. Wenn er Dir Deine Angst nicht krumm nimmt, sondern um Dich kämpft, zuerst sogar gegen Deinen Willen - dennoch für Dich.

Ich dachte nicht, dass ich eine Person lieben kann.
Ich ging davon aus, dass ich scheinbar dazu nicht fähig bin.

Meist empfand ich nichts. Nicht mal fürs Daseins irgendwas. Aus dem Grund hätte ich Dich auch nicht getötet. Weder das Leben noch der Tod bedeuten Dir etwas Urako, ich weiß was das heißt.

Wenn ich so überlege, habe ich vorher nie eine Person wirklich geliebt.

Varmikan versteht mich auf einer anderen Ebene. Auf der Ebene können wir uns sogar komplett vereinigen, seelisch eins werden. Wir können unsere Gedanken und Gefühle teilen.

Ich liebe den Kerl einfach von ganzem Herzen.

Und als ich dachte Du willst ihn mir wegnehmen, sah ich rot.
Aber Du hast um die gleiche Sache gekämpft, sogar für mich. Klingt paradox, aber trotzdem Danke und entschuldige.

Im Nachhinein frage ich mich warum ich für Natasha und Vanessa so einen Aufstand gemacht habe.

Das ist überhaupt nicht zu vergleichen. Und ich verstehe jetzt auch, warum Ansgar dermaßen um Fin gekämpft hat, sprich dass er sie heiraten durfte. Sie oder keine, ergo keine Kinder, keine Enkel, keine Stammhalter. Damit ist er durchgekommen, weil er stur blieb. Damals hab ich es ihm einfach gegönnt, heute verstehe ich wofür er so gekämpft hat und wie es sich anfühlt geliebt zu werden.

Die anderen wissen gar nicht um was sie sich selbst betrogen haben. Was sie sich vorenthalten durch ihre Dogmen und Prinzipien. Aber das ist deren Sache, ich muss mein Leben leben und die ihres.

Was ist mit Dir und Gasmi? Warum bist Du den Kleinen so angegangen aus dem gleichen Grund? Weil der den Waldalben mochte?",
fragte Dave.

"Dass Varmikan Morasa gekrault hat, habe ich nicht mitbekommen... Warum hat er ihn gekrault? Und vor allem wo hat er ihn gekrault? Sag nicht zwischen den Beinen. Mir schmeckt dass garantiert auch nicht, das kann ich Dir versichern. Warum hast Du mir das nicht direkt gesagt? Scheiße", gab der Magier zurück.

"Andere Frage beantworte mir das bitte ehrlich, ich möchte das wissen. In welcher Weise bin ich anstrengend? Ich frage nicht um Dir ein reinzudrücken, sondern um es mir mit meinem Kerl nicht zu verscherzen. Also was für ein Verhalten lege ich an den Tag, dass Dir oder schlimmer noch ihm richtig auf den Sack geht? Sag mir das bitte", bat Dave.

"Warum ich Dich gebeten habe, Dich auf der Hochzeit zu benehmen? Weil circa 400 Leute da sein werden, die nur darauf warten sich die Mäuler über jeden Fehltritt zu zerreißen - kurzum der Adel.
Ich glaube kaum, dass es Morasa schafft, meinen Vater oder meine Mutter zu töten.

Meine Mutter war eine Leiche - jetzt lebt sie.
Mein Vater lebte - und jetzt ist er eine Leiche.

So soll es sein. Weder meine Mutter, noch mein Vater nehmen an meiner Hochzeit teil. Sollte mein Vater widererwartend doch erscheinen, werde ich mich bei dem Nekro persönlich bedanken. Oder durch Ansgar bedanken lassen.

Aber die Beschreibung von den "Frettchen" war lustig und wieso hat Varmikan ihn ohne mein Einverständnis eingeladen?",
fragte Dave grinsend.

Als Urako ihn schnappte und in den Sicherungsgriff nahm, wusste Dave erst nicht wie er reagieren sollte. Um sich zu befreien, war er eindeutig zu geschafft und er hatte sich gerade irgendwie ziemlich gut mit Urako verstanden.

Einen Augenblick später erklärte ihm Urako, dass er keinen Ärger machen sollte, da er ihm nicht wehtun wolle... ohne Varmikans Beisein. Über die Bemerkung musste Dave grinsen.

"Gut, dann lass es auch und tue mir nicht weh. Lass mich los Urako, ich komme freiwillig mit. Sag mir wo wir hingehen und warum", bat Dave.

Der Naridier wehrte sich nicht und folgte Urako.

Benutzeravatar
Gasmi

Rote Laterne
Zweitcharakter
Beiträge: 90
Registriert: Fr 20. Jan 2017, 11:02
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Aus dem Wald in den Großstadt-Dschungel

#77

Beitrag von Gasmi » Sa 3. Jun 2017, 14:18

Gasmi klopfte Distel beruhigend auf die Schulter.

"Du kannst nichts dafür. Enzo hätte uns vorher um den Kaffee bitten müssen. Stattdessen beschuldigt er meinen Mann. Du hast das gleich richtig erkannt Distel, Urako würde so etwas nie tun! Niemals!", pflichtete Gasmi ihm bei.

"Den Kaffee bekommst Du und wir dann die Wahrheit Freundchen, sonst hast Du die längst Zeit so entspannt gelegen", murrte der Düsterling und führte Distel in die Küche.

"Eine Frechheit ist das! Uns beide so zu verarschen! Den Kaffee hätte ich ihm doch gemacht. Ich glaube Kaffee mit Honig zu würzen ist eine Marotte der Rakshaner.

Weißt Du Distel, als mein Mann mir das erste Mal Kaffee gekocht hat, hat er auch Honig in den Kaffee geschüttet. Er war noch ungeübt, was das Kaffee kochen anging. Der Kaffee schmeckte wie Torf, hatte die Konsistenz von Kleister und war extrem süß.

Aber süß war auch von Puschel, dass er mir Kaffee gekocht hat. Er hat ihn mir sogar ans Bett gebracht! Mit Frühstück.

Würde so ein Mann, der sowas macht und so an einen denkt, einen Streit in der Familie lostreten? Das sagt einem doch schon der Verstand, dass er so etwas nicht tun würde",
erklärte Gasmi.

"Du passt schon in die Küche keine Angst", lachte der Düsterling und schob Distel von hinten an, damit seine Worte auch wirklich den Tatsachen entsprachen.

"Sonst musst Du halt so lange den Bauch einziehen und die Luft anhalten", kicherte Gasmi und knuffte Distel.

"Mokka hat er gesagt. Jetzt hat er auch noch Sonderwünsche. Dann müssen die Infos aber auch topp sein. Wenn er aber nochmal meinen Mann madig macht, reite ich ihn durch die Stadtkanalisation, ich schwöre es Dir. Also Enzian, nicht Puschel", flüsterte Gasmi Distel zu.
[ externes Bild ]

"Done with ePic Character Generator"

Benutzeravatar
Morasa

Die Freien Völker Die fleißige Feder in Bronze Rote Laterne Schnecke in Bronze
MOhikaner
Beiträge: 206
Registriert: Do 11. Mai 2017, 11:01
Volk: Waldalb

Re: Aus dem Wald in den Großstadt-Dschungel

#78

Beitrag von Morasa » So 4. Jun 2017, 09:12

Morasa

nahm sein Geld und das Brot von Wolfi entgegen und steckte es zu den Äpfel.

"Klug gesprochen Wolfi. Ich würde sagen, ich mache es beim nächsten Mal so, aber ich hoffe es gibt kein nächstes Mal. Deine Mutter ist eine kluge Frau und deine Verwandten müssen grässlich sein. Damit meine ich nicht Dave, nicht dass ich schon wieder in einen Fettnapf trete.
Natürlich haben wir auch Benimmregeln im Wald. An die konnte ich mich nicht halten, darum bin ich gegangen. Mein Volk unterscheidet nicht nach Freund und Feind. Jeder ist zuerst ein Gast und willkommen. Erst wenn er sich daneben benimmt, wird er zu einem Feind. Ich halte das für gefährlich. Wenn ich jeden ohne ansehen der Person direkt als Gast aufnehme, hole ich mir die Gefahr in mein Haus. Und dein Gast hält dich dann nicht für freundlich, sondern für dämlich.
Besuch ist bei uns selten. Die meisten die zu den Waldalben kommen sind Forscher. Früher waren es Rakshaner und die wollten jeden Waldalben tot sehen. Soll ich jetzt jeden Rakshaner fragen, ob er mich tot sehen will? Ganz sicher nicht. Ein Rakshaner bekommt einen Pfeil in den Kopf und ich weiss, der will niemand mehr tot sehen. Ein Rakshaner ist zum Glück nicht in unsere Familie.
Es gibt Unterschiede von Fremden, dass muss man akzeptieren. Nicht jeder ist dein Feind, dass stimmt. Aber auch nicht jeder ist dein Freund. Und bei anderen weisst du eben genau, dass sie dein schlimmster Feind sind. Bei uns sind das die Rakshaner.
Ich werde versuchen die Regeln unserer Gilde zu lernen und zu beachten. Und ich werde niemanden mehr aus der Familie bedrohen. Töten werde ich auch niemanden aus der Familie. Es sei denn er greift mich an und ich muss mich verteidigen. Dann schon, weil ich mich nicht umbringen lasse ohne Gegenwehr.
In meinen Job bin ich ruhig und nicht chloerisch. Sonst wäre ich bereits verhungert, wenn ich vorher das Wild verscheuche. Und wenn ich mit einen Kameraden zusammenarbeite, kann er sich auf mich verlassen. Was denkst du von mir, dass ich bewusst Lärm mache, damit Jeelen ermordet wird?
Wählen musst du niemanden Wolfi, du hast nichts mit unseren Streit zu tun. Du kannst mit Urako befreundet sein und mit deinen Onkel. Das beisst sich nicht. Wenn Dave und Urako sich nicht verstehen, ist das halt so. Nicht jeder muss mit jeden befreundet sein in der Gilde. Aber zusammen arbeiten können, dass müssen sie. Das reicht auch.
Ja du hast sehr gut erklärt, warum es keinen Krieg in der Gilde geben wird. Ich erinnere mich. Danke Wolfi."

Morasa trottete neben Wolfi her und machte sich seine Gedanken.

Benutzeravatar
Anwolf

Die Handelsallianz Rote Laterne
Marquis
Beiträge: 73
Registriert: Sa 11. Mär 2017, 09:00
Steckbrief: [ externes Bild ]

Re: Aus dem Wald in den Großstadt-Dschungel

#79

Beitrag von Anwolf » Mo 5. Jun 2017, 20:01

Wolfi nickte bestätigend zu Morasas Worten.

"Mir würde es auch besser gefallen, wenn es von Deiner Aufführung keinen zweiten Teil geben würde. Aber darüber mache ich mir keine Gedanken, denn eines ist sicher - einen dritten Teil wird die Welt nicht sehen", stellte Anwolf klar.

"Meine Verwandten? Du hast keine Vorstellung von meinen Verwandten Morasa, grässlich beschreibt einige von ihnen nicht im Geringsten. Wenn Du sie je kennenlernen musst, wirst Du Deine Wortwahl für lächerlich halten.

Jeder einzelne aus unserer Sippschaft, jedenfalls die uralte Garde kann Dein Schutz, Deine Erlösung, Deine letzte Hilfe sein oder auch Dein persönlicher, schlimmster Alptraum.

Unsere Leute lassen sich nicht gerne in die Suppe spucken.

Greifst Du einen von uns an, hast Du alle gegen Dich. Du wirst das Spiel entweder nicht überleben oder leider doch - beides zu Deinem Leidwesen.

Dazwischen sind tausende Varianten möglich, je nachdem welcher meiner Verwandten Dich erwischen würde.

Kein Außenstehender tötet einen von unserem Blut, dass bleibt uns selbst vorbehalten.

Da verstehen wir keinen Spaß. Und glaub mir, meine Familie ist verzweigter, als Dir bewusst sein wird. Nicht jeder unserer Verwandten trägt den Namen von Hohenfelde.

Drum fürchte ich Deine Pfeile auch nicht. Solltest Du mir je etwas antun, weiß ich schließlich wie die Rache aussehen wird. Und selbst wenn Du es schaffst mich zu töten, passiert mir nichts. Mein Vater würde mich zurückholen. Für mich sind Deine Drohungen bedeutungslos. Darum versuche ich Dir bewusst zu machen, die Füße still zu halten und Dich zu fügen.

Die Aussage - Töten werde ich auch niemanden aus der Familie. Es sei denn...
hebt sich doch selbst auf!

Nichts es sei denn Mo! Hör endlich mal damit auf!
Du tötest niemanden, PUNKT!

Ja Rakshaner hin oder her, die haben wir hier nicht. Wir haben auch keinen Rakshaner in der Familie und wenn wir einen hätten, ist das für Dich kein Rakshaner, sondern ein Bruder.
Wird es ein toter Bruder, ist das immer noch kein Rakshaner sondern Dein Totenschein!
Klar?",
erklärte Wolfi verzweifelt.

Anwolf kehrte mit Morasa zurück ins Geisterhaus, hakte den Waldalben sicherheitshalber unter und zog ihn direkt mit in die Fundusstube.

"So eine Öllampe wolltest Du haben. Ich gebe Dir direkt eine mit Uhr, die sind wirklich praktisch. Die Öllampenuhr besteht eigentlich nur aus einer Öltischlampe, deren Glasbehälter unten eine kleine Öffnung hat, durch die das Öl von einem Docht angesaugt wird.

Die Höhe des Ölstandes im Vorratsbehälter stellt ein Maß für die verflossene Zeit dar. Die Stärke des Dochtes ist so gewählt, dass das Öl in der Lampe von der Flamme möglichst zeitgenau nach der auf dem Glasbehälter angebrachten Stundenskala aufgebraucht wird. Als Brennstoff wird normalerweise Tran verwendet, weil es sauberer und gleichmäßiger verbrennt als Öl.
Füllte man abends den Ölbehälter voll und zündete die Lampe an, so hat man während der ganzen Nacht nicht nur Beleuchtung, sondern auch annähernd die Zeitanzeige.
Durch den Brennstoffverbrauch der Lampe sinkt der Öl- oder Transpiegel im Glasbehälter, wodurch man auf der Skala die Zeit abgelesen kann.
Weil der Druck des Öles in Abhängigkeit vom Pegel einen ungleichmäßigen Verbrauch verursachte und die Stundenskalen am zylindrischen Behälter meistens geradlinig angezeigt werden, ist die erste Abendstunde viel kürzer als die letzte Morgenstunde.

Um das auszugleichen hat der Ölbehälter die Form einer umgedrehten Birne. Durch diese Maßnahme wird die Längen der Stunden annähernd gleich halten.
Öluhren sind Uhren, die gegenüber anderen Elementaruhren den Vorteil haben, dass man die Zeit bei Dunkelheit ablesen kann. Dave benutzt sie gerne, wenn er abends oder nachts die Monats- oder Jahresabrechnung machen muss.
Behandele sie pfleglich, sie ist zerbrechlich und teuer",
erklärte Anwolf und drückte Morasa die Lampe in die Hand.

"Pass auf Dich auf Mo", grinste Wolfi.

Benutzeravatar
Morasa

Die Freien Völker Die fleißige Feder in Bronze Rote Laterne Schnecke in Bronze
MOhikaner
Beiträge: 206
Registriert: Do 11. Mai 2017, 11:01
Volk: Waldalb

Re: Aus dem Wald in den Großstadt-Dschungel

#80

Beitrag von Morasa » Di 6. Jun 2017, 09:43

Morasa
 
schwieg zu der neuen Schelte von Wolfi. So wie der Junge es erzählte, hatte Mo das nicht gemeint. Aber alles was Morasa jetzt zu seiner Verteidigung sagen konnte, würde Wolfi falsch verstehen. Mo wollte sich nicht weiter streiten, darum schwieg er. Der Waldalb wusste nicht, ob er in so eine Familie leben könnte. Die Erzählung von Wolfi hörte sich nicht nach einer Familie an, sondern nach einer ständigen Bedrohung. Mo hatte seine Familie verlassen. Er lebte schon lange nicht mehr bei ihnen und auch nicht bei den Waldalben. Trotzdem erinnerte er sich gut, wie seine Familie zusammen gehalten hatte. Sie beschützten sich auch vor Fremden. Aber sie töteten sich niemals gegenseitig. Die Familie von Wolfi war für Morasa wahnsinnig. Nicht alle Familienmitglieder, aber scheinbar einige schon. Die Ausnahmen hatten sicher die Familie verlassen, weil sich nicht hinein passten. Dave und Anwolf also. Genauso wie er nicht in seine Familie passte. Es war sicher ein Glück, nicht in so eine Familie zu passen.
Morasa klemmte sich seine Haare hinter seine Ohren. Das Wolfi sein Vater ihn von den Toten zurückholen konnte, glaubte Mo nicht. Der Junge meinte sicher Nekromantie. Wie konnte er so leichtfertig über Nekromantie sprechen? Über Totenmagie? Wolfi hatte es so leicht gesagt. Mein Vater holt mich zurück, du kannst mich nicht bedrohen. Der Junge wusste nicht was er da redete. Ein Stück Wahnsinn hatte auch Wolfi in seinen Kopf. Dachte der Junge, er wäre nach dem Zauber noch ein Mensch? Wenn sein Vater die Fähigkeit hatte, sich Tote erheben zu lassen, war Wolfi danach ein Untoter. Eine wandelnde Leiche. Diese Magie war Gotteslästerung gegen Ardemia. Morasa war es gleichgültig, aber Wolfi hatte eine falsche Vorstellung. Der Waldalb hörte sich alles nur an, sagte dazu aber nichts. Er sagte Wolfi nicht seine Meinung und er sagte ihm auch nicht, wie falsch seine Gedanken über seine mögliche Rettung vor dem Tod waren.  Der Junge würde das nur wieder als Angriff falsch verstehen.
Endlich waren sie wieder beim Geisterhaus. Morasa freute sich zurück zu sein. Aber er hatte auch Angst, was am zweiten Tag nach dem Streit geschehen würde. Morasa fürchtete den Tiefling und den Ork nicht. Vielleicht hielten sie ihn deshalb für verrückt. Aber als Marder tötete er Beute die viel größer und schwerer war als er selber. Er war in beiden Gestalten ein gefährlicher Jäger.  Mo befürchtete die Familie schon am zweiten Tag wieder verlassen zu müssen. Er musste sich noch bei Urako entschuldigen. Er hatte sein Wort als Kamerad gegeben und sein Wort würde er halten. Aber Mo passte es nicht, dass er allein der Schuldige sein sollte. Trotz Wolfis Erklärung und seiner weisen Worte war Mo immer noch stinksauer auf Urako. Genauso auf den fetten Ork. Der Tiefling und der Ork hatten ihn grundlos beleidigt. Der Tiefling hatte sogar Varmikan und Dave übelst beschimpft. Dass er sich entschuldigen musste, war ungerecht. Der Tiefling hatte Dave, also jemand aus der Führung der Gilde beleidigt. Der Tiefling schien Narrenfreiheit durch den alten Knacker zu haben. Der hatte sich sogar auf die Seite von dem Tiefling gestellt und Dave aus dem Haus geworfen. Warum sollten sie da sofort wieder nach Hause kommen? Dave seine Wut war verständlich. Seine eigene Wut war verständlich.
Aber er hatte sein Wort gegeben. Morasa wollte sich entschuldigen und dann den beiden aus den Weg gehen. Der Waldalb hoffte sich gut mit Dave und Jeelen zu verstehen. Zwei Kumpel in eine Familie waren gut. Er mochte Dave gern und Jeel schien nett zu sein. Urako und Seddik wollte Mo ignorieren. Er hoffte nicht mit den beiden zusammenarbeiten zu müssen. Die Gedanke von Wolfi absichtlich Lärm zu machen, dass jemand diese Kameraden tötete, fand Mo lustig. Niemand könnte ihn dann beschuldigen.  Diese Gedanken behielt er für sich. Für Mo war es schwer in eine Familie hineinzufinden. Ein Marder war ein Einzelgänger. Seine zweite Gestalt lebte und jagte allein. Als Waldalb hatte er sehr lange Zeit wie ein Marder gelebt. Dabei war es egal, ob Morasa als Waldalb oder als Baummarder unterwegs war. Der Marder war nicht nur seine zweite Form als Gestaltwandler, es war seine Natur. Er jagte allein, leise und tödlich. Manchmal suchte er Kontakt. Ständig konnte er das Alleinsein nicht ertragen, genauso wenig wie ständige Gesellschaft. Ausgewählte Gesellschaft war sein Ziel. Bei seiner neuen Familie hatte er sich Dave ausgesucht. Sie hatten zusammen gesoffen und sie hatten sich einen Schlafplatz geteilt. Das war ein gutes Zeichen für beginnendes Vertrauen und Freundschaft.
 
`Ich werde nicht vergessen was ihr getan habt. Nicht die Beleidigungen und auch nicht die Ungerechtigkeit von dem alten Goblin´, dachte Mo.
 
Wolfi klammerte sich an Morasa fest und schleifte ihn durchs Haus. Der Junge führte ihn in ein Lagerraum und drückte ihm eine Öllampe in die Hand. Dazu erklärte Wolfi eine Unmenge an Informationen über diese Lampe. Morasa betrachtete die Öllampe ganz genau. Er verstand nicht richtig, wie sie einem die Zeit sagte. Es war vermutlich eine Stunde um, wenn das Öl ein Strich gesunken war. Was hinter den Strichen stand, konnte Mo nicht lesen. Der Waldalb konnte nicht lesen. Mo hatte weder lesen noch schreiben gelernt. Er konnte keine Buchstaben, keine Texte und auch keine Zahlen lesen. Rechnen konnte er auch nicht. Und eine Uhr ablesen war für ihn unmöglich.
Das Wolfi soviel zu der Lampe sagen konnte, zeigte Mo dass der Junge aus einer anderen Welt kam. Er war gebildet, er wusste viel. Vermutlich wusste Anwolf eine ganze Menge unwichtiges Zeug. Genau wie die Sache mit der Lampe. Im Wald war das Wissen wertlos. Man sah am Stand der Sonne ob es morgens, mittags oder abends war. Und ein guter Jäger kannte die Zeiten der Beutetiere. Ein Jäger wusste wann die Tiere in seinen Revier schliefen, wann sie frassen, wann sie zur Wasserstelle gingen und wo sie das taten. Dazu brauchte man keine Uhr. Morasa konnte die Spuren der Tiere lesen und die Zeichen des Waldes. Dazu musste er keine Schriftzeichen verstehen. Sein Wissen war ganz anders als das von Wolfi.
Das Dave abends und nachts diesen Abrechnungskram bearbeitete wunderte Mo. Aber vielleicht hatte er so viel zu tun, dass er sogar spät noch arbeiten musste. Dann brauchte er eine Öllampe. Für Morasa hatte die besondere Funktion der Öllampe keine Bedeutung.  Mo freute dass er eine Lampe geschenkt bekommen hatte. Und dass sie eine wertvolle Lampe war. Zudem sah die Lampe schön aus. Er würde gut auf sie aufpassen. Mo nahm sich eine Flasche Tran und Streichhölzer aus dem Bestand, damit er die Lampe auch benutzen konnte.
 
„Danke Wolfi, für die Lampe. Sie gefällt mir gut. Bis später.“
 
Morasa ging zurück in sein Quartier. Dort stellte er die Lampe auf den kleinen Beistelltisch. Mo füllte vorsichtig Öl hinein und zündete die Lampe an. Sie verbreitete ein angenehmes Licht. Der Waldalb verstaute seine wenigen Besitztümer in seinem Zimmer. Das Brot und die Äpfel legte er als Vorrat zur Seite. Mo drehte die Lampe auf kleine Flamme runter und legte sich ins Bett. Er hörte Varmikan in seinem Quartier umräumen. Dave hörte Mo nicht. Er schien nicht im Quartier zu sein. Der Frostalb hatte Dave befohlen zu ihm zu ziehen. Dave hatte sich genau dass vorher gewünscht und Morasa erzählt. Die beiden waren gerade sicher damit beschäftigt. Dave schleppte bestimmt seinen Kram und Varmikan räumte ihn ein. Mo wollte rübergehen und Varmi besuchen, wenn der Frostalb nicht mehr am umräumen war. Blöd im Weg rumstehen wollte Mo nicht.

 

Antworten

Zurück zu „Das Geisterhaus“