Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Aus dem Wald in den Gro├čstadt-Dschungel

Das Geisterhaus
Die Geister waren bis zum Jahr 202 eine erfolgreiche Gilde von Auftragsm├Ârdern. Jedoch bot das Leben im Geisterhaus mehr als nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch ein zu Hause f├╝r Verlorene. Wichtigste Aufnahmebedingungen waren absolute Loyalit├Ąt und Verschwiegenheit - sonst endete man rasch selbst auf der Todesliste. Die ehemaligen Geister verdienen ihren Lebensunterhalt heute auf ehrbare Weise als "Fantomes" in Souvagne.
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Anwolf
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Re: Aus dem Wald in den Gro├čstadt-Dschungel

#71

Beitrag von Anwolf » Do 1. Jun 2017, 17:24

Anwolf grinste Mo breit an, w├Ąhrend er Fr├╝hst├╝cksspeck knabberte.
"Dave hat es Dir angetan was?", lachte der junge Magier leise.

"Er ist eigentlich ein echt lieber Kerl, wenn man ihn nicht gerade provoziert und auf die Palme bringt. Wenn Du sein Kumpel sein willst, nur zu. Viele Freunde hat er nicht und jetzt vermutlich sogar ein paar weniger. Was ich um seinetwillen nicht hoffe, aber ich kenne ihn und seine verdammte Sturheit wie Paps immer sagt", erkl├Ąrte Wolfi.

"Falsche Wahl der Waffen? Ist Dir mal der Gedanke gekommen, ├╝berhaupt keine Waffe und keinen Angriff zu w├Ąhlen? Wenn Du meinst, dass Seddik - so hei├čt der Ork und Urako sich schlecht benommen haben, warum benimmst Du Dich dann genauso bl├Âde? Oder mal anders herum gefragt, warum benimmst Du Dich noch d├Ąmlicher und legst noch eine Sch├╝ppe oben drauf?

Dass es Dir jetzt leid tut, glaube ich Dir, sonst w├╝rdest Du mir nicht zum zweiten Mal sagen, was Du Dir dabei dachtest. Und Du w├╝rdest nicht versuchen Dich zu rechtfertigen. Aber Du als Waldalb mit Bogen solltest wissen, Worte sind wie Pfeile - einmal abgeschossen, kann man sie nicht zur├╝ck holen.

Schie├čt Du einfach auf jemanden einen Pfeil ab ohne zu ├╝berlegen? Ich hoffe nicht.
Warum dann Worte?

Zudem Mo, bei mir musst Du Dich nicht entschuldigen. Und vor mir musst Du Dich auch nicht rechtfertigen. Ich habe Dir nur gesagt, was passiert, wenn Du meine Leute schlecht behandelst oder sogar bedrohst. F├╝r Deine Entschuldigung bin ich die falsche Adresse. Bei wem Du Dich entschuldigen musst, wei├čt Du selbst am besten.

Willst Du Pavo heimlich hinh├Ąngen oder so? Du hast den Goblin damit angeschissen",
antwortete Wolfi grinsend und leckte sich die Finger ab.

"Nur Spa├č. Ja Dave hat einige Tiere, aber seine Liebe gilt Hunden und Pferden. Er hat zwei Pferde, zwei Hunde, ein Huhn und einen Affen. Damit meine ich einen echten Affen und nicht Varmikan",lachte Wolfi sich schlapp.

"Du musst sogar zur├╝ck ins Gildenhaus. Wenn Du Dich verdr├╝ckst, werden sie Dich jagen. Also wenn Du tats├Ąchlich in den Sack hauen willst, musst Du offiziell k├╝ndigen. Und der "Vorstand" muss Deine K├╝ndigung annehmen, damit ihr friedlich getrennter Wege gehen k├Ânnt.

Aber da Du nach meiner Meinung gefragt hast, antworte ich Dir auch.

Kehre zur├╝ck und bewerte die Gruppe nicht nach den ersten Minuten. Keiner hat sich mit Ruhm bekleckert. Weder Du noch die anderen. Und so bl├Âde einiges gelaufen ist, ein Teil Deiner Handlungen hatten ja einen netten Hintergrund. Ein Teil wohlgemerkt ja? Nicht alles.

Der Gedanke Gras ├╝ber die Sache wachsen zu lassen, ist vielleicht gar nicht so schlecht gewesen. Von daher w├╝rde ich sagen, machen wir alle einen Schnitt.

Mit Jeelen wirst Du Dich auf Eins├Ątzen gut verstehen, habe ich auch immer. Ich durfte einige Male mit. Nur selbst arbeiten durfte ich nicht. Wegen der Lampe schaue ich nachher mal in unserem Fundus nach. Wenn ich nichts finde, bestelle ich Dir eine.

Wir sollten auch mal so langsam machen, dass wir zur├╝ck nach Hause kommen",
sagte Wolfi freundlich.

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Re: Aus dem Wald in den Gro├čstadt-Dschungel

#72

Beitrag von Morasa » Fr 2. Jun 2017, 11:10

Morasa
 
zuckte die Schultern und trank einen grossen Schluck Bier.
 
ÔÇ×Das habe ich mir so gedacht, dass es sch├Ân ist, wenn wir Kumpel sein k├Ânnten dein Onkel und ich. ┬áOb Dave stur ist weiss ich nicht. Nach dem Streit war er w├╝tend. Sicher muss man nicht genauso bescheuert handeln, wie die anderen. Man kann Beleidigungen ├╝berh├Âren. Das machst du einmal und dann bist du der Idiot f├╝r alle. ┬áWehren musst du dich schon und wenn du nur sagst, was du von der Ansage h├Ąltst. Wenn du dich beleidigen und beschimpfen l├Ąsst, denkt jeder du bist ein Schw├Ąchling mit dem man alles machen kann. Die halten dich ab dem Tag f├╝r eine Lusche, die sie nicht ernst nehmen m├╝ssen. Damit hast du auch nichts gewonnen Wolfi. Darum war es nur die falsche Wahl der Waffen. Verteidigen darf ich mich.
Zur Verteidigung schiesse ich auch Pfeile auf Personen ab ohne zu ├╝berlegen. Wenn ich dann lange ├╝berlege bin ich tot und mein Angreifer nicht. Im Kampf ├╝berlege ich nicht, im Kampf handele ich. Da frage ich nicht warum sich der Feind in meinen Wald rumtreibt, was er bei mir m├Âchte und warum er mich angreift. Er bekommt einen Pfeil ins Auge ohne dass er mich sieht. Ein Wort kann man zur├╝ckholen Wolfi, indem du dich daf├╝r entschuldigst. Jeder sagt manchmal Dinge die er nicht so gemeint hat. Wenn diese W├Ârter dann alle gelten und keine Entschuldigungen z├Ąhlen, h├Ątten wir st├Ąndig Streit und Krieg.
Nein ich wollte den Goblin nicht hinh├Ąngen und anscheissen. Ich wollte dir erkl├Ąren, was Dave so w├╝tend gemacht hat, dass er nicht zur├╝ck nach Hause wollte. Wie soll ich dir das erkl├Ąren, wenn ich dir den Grund nicht nennen darf? Du verlangst ein bisschen viel R├╝cksicht f├╝r den Goblin. Wenn ich meinen Mund halten soll und vorher ├╝berlegen muss, dann der alte Knacker auch.
Das habe ich dir erz├Ąhlt und ich bel├╝ge dich nicht. Wir wollten uns nicht verdr├╝cken, sondern am anderen Morgen zur├╝ck nach Hause kommen. Gut dann weiss ich wie ich mich verhalten soll. Wir gehen zur├╝ck nach Hause und dann werde ich mit Dave sprechen. Und meine Entschuldigungen loswerden. Dass habe ich dir versprochen und daran halte ich mich. Ich will die Gilde nicht verlassen, ich bin froh eine neue Gilde gefunden zu haben. Und ich brauche den Job, ich hab kein Geld.ÔÇť
 
Morasa trank sein Bier aus und wischte sich mit den Handr├╝cken den Mund ab. Das Brot was er nicht aufgegessen hatte steckte er f├╝r sp├Ąter in seine Tasche.
 
ÔÇ×Ein Affe ist ein Wildtier und kein Haustier. Es freut mich, dass Dave Tiere mag. Das du Varmikan nicht einen Affen schimpfst, war mir bewusst. Ganz so bescheuert bin ich nicht, obwohl ich aus dem Wald komm. Und falls doch, ist das dein Problem. Jedenfalls wenn er es h├Ârt. Und Alben haben gute Ohren, dass sage ich dir Wolfi. F├╝r einen Frostalben ist Varmikan sehr freundlich, aber dann sicher nicht mehr.
Frag wie teuer das essen und der Umtrunk war. Ich habe noch 17 Taler. Den Rest musst du bezahlen und mir leihen bis zum ersten Lohn.ÔÇť
 
Mo gab dem Jungen die 17 Taler f├╝r das Fr├╝hst├╝ck.
 
 

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Anwolf
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Re: Aus dem Wald in den Gro├čstadt-Dschungel

#73

Beitrag von Anwolf » Fr 2. Jun 2017, 23:54

Anwolf gab Morasa seine 17 Taler zur├╝ck, verlangte vom Wirt die Rechnung und bezahlte. Da er gesehen hatte, dass Mo das restliche Brot eingesteckt hatte, packte auch er sein ├╝brig gebliebenes Brot ein und dr├╝ckte es dem Waldalben in die Hand.

Wolfi machte sich gemeinsam mit Mo und den Hunden auf den Heimweg.

"Naja es stimmt schon, dass man auch Grenzen ziehen muss. Aber nicht am ersten Tag, in der ersten Minute auf diese Art und Weise. Zudem ging es nicht darum Mo. Keiner spricht Dir ab, Dich verteidigen zu d├╝rfen. Mir ging es um das wie. Ich wollte mit meiner Frage darauf hindeuten, dass man ├╝berhaupt keine Waffe zur Verteidigung w├Ąhlen muss. Schau mal, Du hast Urako mit dem Tod bedroht - absolutes daneben! Zur├╝ck beleidigen - genauso unlogisch.

Ich an Deiner Stelle w├Ąre ruhig geblieben und h├Ątte ihn und Sed gefragt, was die Show soll. Und ich h├Ątte den beiden gesagt, sobald sie wieder zu einem normalen Gespr├Ąch im vern├╝nftigen Ton f├Ąhig sind, k├Ânnen sie selbstverst├Ąndlich wieder mit mir reden. Vorher nicht. Fertig.

Sowas meinte ich mit meiner Aussage, ├╝berhaupt keine Waffe zu w├Ąhlen. W├Ąhle Logik. In dem Fall hast Du weder gedroht, noch beleidigt. Und jeder mit ein bisschen Verstand w├╝rde ├╝ber Deine Worte nachdenken. Streiten die beiden nach Deinem Friedensaufruf immer noch, machen sie sich nur noch l├Ącherlich",
erkl├Ąrte Wolfi freundlich.

"Eine Entschuldigung ist kein Zur├╝ckholen eines Wortes. Es ist einfach eine Revidierung oder Negierung - kurzum man handelt auf der Basis Vergeben ja, Vergessen nein. Irgendwo bleibt sowas immer in einem Gedankenwinkel haften. Und beim kleinsten Streit kommt sowas wieder mit an die Oberfl├Ąche. Glaub es mir, ich kenne solche Spiele aus unserer Verwandtschaft.

Drum w├Ąhle Deine Worte weise, oder besser noch schweig!

Ein Spruch meiner Ma - Manchmal ist es besser zu schweigen und f├╝r einen Narren gehalten zu werden, als vorschnell etwas zu sagen und die Kehle daf├╝r durchgeschnitten zu bekommen.

Keiner zwingt Dich auf eine ├äu├čerung sofort zu reagieren und direkt wie ein Ente loszuschnattern. Sagst Du erstmal nichts, hast Du nichts Falsches gesagt. Man Du bei uns auf einer Familienfeier, dass muss ungef├Ąhr so herrlich sein, wie mit einem entz├╝ndeten Streichholz auf einem Pulverfass zu sitzen",
lachte Wolfi.

"Das Du bekloppt bist, weil Du aus dem Wald kommst habe ich nie behauptet. Nur hast Du ein Benehmen wie die Axt im Walde. Kein guter Vergleich", gibbelte Anwolf.

"Aber mal ehrlich, Ihr werdet doch wohl auch Benimm-Regeln haben. Was wei├č ich, kackt nicht in den Fluss. Jede Gesellschaft hat ihre Regeln, damit sie funktioniert. Damit die "Mitglieder" dieser Gesellschaft miteinander auskommen. Egal ob V├Âlker, Vereine oder Familie. Und die Familie der Geister hat ebenfalls ihre Benimm-Regeln.

Eine grundlegende Regel davon ist Morasa, greifst Du einen Bruder oder eine Schwester an, wirst Du gerichtet. Du kannst froh sein, dass Du nur den Mund zu weit aufgerissen hast. H├Ąttest Du Urako oder Seddik angegriffen, h├Ąttest Du Dir keine Gedanken mehr machen m├╝ssen.

Du hast mit Deinem Schnitzer ja nicht mal gewartet, bis Du die Hausordnung gekannt hast!

Und mal unter uns beiden, Urako hat Dich vielleicht nur auf Herz und Nieren pr├╝fen wollen. Erste Pflicht - Ruhe bewahren. Sagt ehm... einer meiner Verwandten. Gerade in gef├Ąhrlichen Situationen die unser Job mit sich bringen kann, ist das oft lebensnotwendig.

Wie ruhig Du auf eine minimale Provokation reagierst, hat jetzt jeder gesehen. Wer soll jetzt mit Dir noch einen Einsatz schieben wollen?
Nat├╝rlich wird sich Jeelen bem├╝hen, er ist locker drauf, genau wie Gasmi. Aber geschmeckt haben wird ihm nicht was er da sah. Im schlimmsten Fall h├Ąngt sein Leben von einem Choleriker ab?

Ein Choleriker kann in Rage alles zu Deinen Gunsten rumrei├čen, weil er in seiner Wut alles in den Boden stampft.
Oder er ist Dein Todesurteil, weil er eine ├ťbermacht gegen Dich aufbringt.
Was bist Du?

Und nebenbei mal etwas pers├Ânliches. Ich mag Urako unheimlich gerne. Er war mein Vertrauter als wir auf Au├čeneinsatz waren. Ich konnte mich immer auf ihn verlassen. Klar hat er seine Laune, aber jeder hat seine Ecken und Kanten.

Wenn keiner weiter wusste, hatte er immer eine rettende Idee. Und er hat Dich nicht angegriffen, weil er Dich hasst, sondern weil er seine Familie liebt! Er stand da f├╝r seine Leute! Ist scheinbar nur keinem aufgefallen.

Wenn Du jemals in die Familie findest, w├╝rde er Dich genauso verteidigen.
Drum war f├╝r mich der Streit zwischen Dave und Urako besonders schlimm.

Wen soll ich w├Ąhlen?
Meinen Onkel, Mentor, Blutsverwandten und Kumpel?
Oder meinen Vertretungs-Paps und Kumpel?

Ist schon Schei├če, dass die beiden nicht miteinander auskommen. W├Ąre sch├Ân, wenn sie sich vertragen w├╝rden. Du musst noch ├ľl ins Feuer gie├čen.

Aber das habe ich Dir bereits erkl├Ąrt.

Einen Krieg wird es in der Gilde nicht geben. Und diese Familie wird auch nicht auseinanderbrechen. Notfalls regele ich dass. Ist ja nicht so, dass ich keinen gewarnt h├Ątte",
grinste Anwolf und knuffte Mo.

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Re: Aus dem Wald in den Gro├čstadt-Dschungel

#74

Beitrag von Urako » Sa 3. Jun 2017, 11:44

"Ich halte nicht nichts von dir." Urakos Finger umschlossen den dicken Henkel etwas fester. "Ich bin nur ein einfacher Scharfrichter, aber mein bisschen Grips reicht aus, um zu verstehen, dass du recht hast. Deine Worte waren hart, aber sie waren wahr. Ich bin im Grunde wirklich nur ein Proleten-Arsch, der nichts kann. Ich bin in dieser Gilde ersetzbar durch jeden dahergelaufenen Messerstecher." Er schl├╝rfte noch einen weiteren Schluck. "Bei dir sieht das anders aus. Du kannst dieses ganze Zettelzeug, du kannst die Abrechnungen machen, Gelder hin und her schubsen, diesen ganzen Beh├Ârdenkram erledigen und so verdrehen, dass wir nicht auffliegen. Ohne dich h├Ątten die Geister ein ernstes Problem."

Er betrachtete Dave aus m├╝den Augen.

"Pavo hat gesagt, ich soll`s dir erkl├Ąren. Also erkl├Ąr ich`s dir jetzt. Es geht mich eigentlich nichts an, aber es geht mir gegen den Strich, dass Varmi den bl├Âden Marder gekrault hat. Weil ich wei├č, wie wichtig du ihm bist. Er k├Ąmpft wie ein Vieh, um ein guter, starker Mann f├╝r dich zu sein der dich und eure Beziehung besch├╝tzen kann. Und dann wird er pl├Âtzlich schwach und krault diesen dahergelaufenen, wildfremden Waldschrat! Ich meine, wenn Varmi mich gekrault h├Ątte, das w├Ąre nat├╝rlich was anderes gewesen, wir kennen uns und vertrauen einander. Sonst d├╝rfte ich dich auch nicht manchmal etwas verw├Âhnen, hehe. Aber dieser Mo da, der ist neu, der war gestern den ersten Tag da! Wisst ihr denn, ob man dem vertrauen kann? Er hat sich da im Aufenthaltsraum zwischen euch gedr├Ąngt und sich angebiedert wie eine Schlampe. Und der dummgl├Ąubige Varmi ist drauf reingefallen. Das schmeckt mir nicht! Weil ich finde, du bist eine gute Partie f├╝r Varmi. Ich pers├Ânlich w├Âllte dich zwar nicht haben, du bist mir viel zu anstrengend und dein Geschmolle ginge mir geh├Ârig auf den Geist, aber Varmi ist rundum gl├╝cklich mit dir. Wie kann ich da zulassen, dass dieses Frettchen das kaputt macht?"

Er blickte in Richtung Haust├╝r. Dann wieder zu Davard.

"Wieso bitten mich eigentlich alle darum, mich auf eurer Hochzeit zu benehmen? Nat├╝rlich mache ich das, ganz so doof bin ich nicht! Sag das lieber dem Frettchen, bevor er droht, deine Mutter umzubringen, nur weil sie ihn nach der Uhrzeit fragt oder vor deinem Vater das Schwert zieht, weil der ihm die letzte Wurstscheibe vom Buffet vor der Nase wegschnappt! Der Mann ist eine wandelnde Bombe, wenn du mich fragst, aber du fragst mich ja nicht, also kannst du meine Einsch├Ątzung auch wieder vergessen."

Urako blickte ein weiteres Mal zur T├╝r. "Noch was ..."

Er betrachtete den schweren t├Ânernen Krug in seiner Hand, den er Davard eigentlich hatte ├╝ber den Sch├Ądel ziehen wollen. Damit h├Ątte er ihm unkompliziert die Lichter ausknipsen k├Ânnen und er traute sich durchaus zu, mit der richtigen Kraft zuzuhauen, so dass er ihn nicht ernsthaft verletzte, aber vielleicht ging es auch anders. Dave war deutlich gr├Â├čer als er und atlethisch gebaut, aber verkatert ohne Ende und fix und fertig. Wenn Urako Gl├╝ck hatte, konnte er ihn packen und abf├╝hren, ohne, dass der Mann es schaffte, in seinen Geist einzudringen und dort Unfrieden zu stiften. Er hatte als Scharfrichter schon etliche unwillige Deliquenten von hier nach da bugsiert. So dauerte es auch nur eine Sekunde, bis er mit der einen Hand Daves Kleidung am Genick gepackt und mit der anderen Daves Arm schmerzhaft auf dessen R├╝cken verdreht hatte.

"Ich habe noch einen anderen Auftrag erhalten, als nur mit dir zu reden, Dave. Mach jetzt keinen ├ärger und komm einfach mit, bevor ich dir weh tun muss. W├Ąre doch schade, dass ohne Varmis Beisein zu tun, hm?"

Er begann, ihn richtung T├╝r zu schieben, um ihn so, wie Pavo es ihm aufgetragen hatte, im Keller festzusetzen.
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"Wenn Kaiser, K├Ânige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker k├Ânnen?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

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Re: Aus dem Wald in den Gro├čstadt-Dschungel

#75

Beitrag von Distel » Sa 3. Jun 2017, 12:05

"E-e-e-e-e-e-e-e-e", machte Distel, w├Ąhrend er von dem aufgebrachten W├╝terich durchgesch├╝ttelt wurde. Enzo lag immer noch auf dem Sofa und betrachtete das Schauspiel ohne sonderliche Besorgnis. Er g├Ąhnte und streckte sich wieder lang, das Sofa bog sich noch etwas weiter durch und ber├╝hrte nun mit der durchgebogenen Mitte den Boden. Endlich h├Ârte Gasmi auf, Distel zu sch├╝tteln. Dem war von der ganzen Sch├╝ttelei schwindelig geworden und er rieb sich den Kopf.

"Also wenn Urako der Tiefling ist und der Tiefling dein Mann ist und obendrein auch noch das Opfer, dann kann er nicht gleichzeitig der Schuldige sein", schlussfolgerte Distel scharfsinnig. "Woraus folgt ..." Er stemmte die H├Ąnde in die Taille und ├╝berlegte. "Enzo, jetzt sag schon! Was folgt daraus?"

Der streckte gerade das rechte Hinterbein. "Dass jemand anders die Schuld tr├Ągt."

"Genau, das wollte ich sagen! Und dieser jemand ist...?" Bohrend blickte er zu Enzian, der mit dem Huf kreiste, ohne das restliche Bein zu bewegen.

"Leute, ich brauch erstmal `nen Kaffee!", rief Enzian hilflos. "Ich komme aus Rakshanistan und es ist fr├╝h am Morgen, ich bin es gewohnt, meine morgendliche Koffeindosis zu bekommen, vorher l├Ąuft hier gar nichts. Mein Gehirn braucht das einfach."

Distel seufzte. "Schon verstanden. Gasmi, zeig mir bitte die K├╝che, wir m├╝ssen einen Kessel Kaffe f├╝r den Herrn von und zu Streifistan kochen, vorher redet er nicht mit uns. Vielleicht k├Ânnen wir das drau├čen am Grillplatz machen, da haben wir mehr Platz. Reichen hundert Liter?"

"Mokka!", rief Enzo ihnen nach, als sie sich auf den Weg machten. "Schwarz mit Honig!"

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Re: Aus dem Wald in den Gro├čstadt-Dschungel

#76

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Sa 3. Jun 2017, 13:25

Dave musterte Urako erstaunt.

"Dito, ich halte Dich auch nicht f├╝r ein Nichts. Das mit dem Proleten-Arsch und den anderen Schei├č habe ich nicht ernst gemeint. Ich wollte Dir einfach richtig eins reinw├╝rgen, weil Du Varmikan beleidigt hast. Du hast Henker gelernt, ich habe eben meinen Kram gelernt Urako", antwortete Dave.

Dave h├Ârte sich die Erkl├Ąrung f├╝r Urakos Verhalten an.

"Es tut mir leid dass ich ausgerastet bin, ich habe Dein Verhalten v├Âllig falsch eingesch├Ątzt und verstanden. Ich ging davon aus, dass Dein Angriff uns - also unserer Beziehung gilt. Das Gegenteil war der Fall, entschuldige.

Danke f├╝r die lieben Worte. Du bist ihm ein echter Freund und warst sogar mir einer. Ich war in dem Moment leider Betriebsblind.

Varmi ist ein guter Gef├Ąhrte. Naja was sage ich, ist ja kein Geheimnis f├╝r Dich, dass ich ihn liebe.
Verglichen mit meinen beiden Freundinnen vorher...
Es ist v├Âllig anders, es ist ├╝berhaupt kein Vergleich.

Zuerst mal weil ich wirklich in ihn verknallt bin. Die anderen bekam ich vorgestellt und man bem├╝ht sich, die Person zu m├Âgen - oder mehr.

Das war bei ihm nicht so. Bei ihm war es anders. Gesehen, gut gefunden, Spa├č gehabt beim gemeinsamen rumh├Ąngen, super auf Anhieb verstanden, ihm viel durchgehen lassen, von ihm flachlegen lassen, von ihm ├Ąrgern lassen und von ihm einsacken lassen.
Das ist was anderes. V├Âllig anders, wenn Du Dich verknallst. Wenn er Dir Deine Angst nicht krumm nimmt, sondern um Dich k├Ąmpft, zuerst sogar gegen Deinen Willen - dennoch f├╝r Dich.

Ich dachte nicht, dass ich eine Person lieben kann.
Ich ging davon aus, dass ich scheinbar dazu nicht f├Ąhig bin.

Meist empfand ich nichts. Nicht mal f├╝rs Daseins irgendwas. Aus dem Grund h├Ątte ich Dich auch nicht get├Âtet. Weder das Leben noch der Tod bedeuten Dir etwas Urako, ich wei├č was das hei├čt.

Wenn ich so ├╝berlege, habe ich vorher nie eine Person wirklich geliebt.

Varmikan versteht mich auf einer anderen Ebene. Auf der Ebene k├Ânnen wir uns sogar komplett vereinigen, seelisch eins werden. Wir k├Ânnen unsere Gedanken und Gef├╝hle teilen.

Ich liebe den Kerl einfach von ganzem Herzen.

Und als ich dachte Du willst ihn mir wegnehmen, sah ich rot.
Aber Du hast um die gleiche Sache gek├Ąmpft, sogar f├╝r mich. Klingt paradox, aber trotzdem Danke und entschuldige.

Im Nachhinein frage ich mich warum ich f├╝r Natasha und Vanessa so einen Aufstand gemacht habe.

Das ist ├╝berhaupt nicht zu vergleichen. Und ich verstehe jetzt auch, warum Ansgar derma├čen um Fin gek├Ąmpft hat, sprich dass er sie heiraten durfte. Sie oder keine, ergo keine Kinder, keine Enkel, keine Stammhalter. Damit ist er durchgekommen, weil er stur blieb. Damals hab ich es ihm einfach geg├Ânnt, heute verstehe ich wof├╝r er so gek├Ąmpft hat und wie es sich anf├╝hlt geliebt zu werden.

Die anderen wissen gar nicht um was sie sich selbst betrogen haben. Was sie sich vorenthalten durch ihre Dogmen und Prinzipien. Aber das ist deren Sache, ich muss mein Leben leben und die ihres.

Was ist mit Dir und Gasmi? Warum bist Du den Kleinen so angegangen aus dem gleichen Grund? Weil der den Waldalben mochte?",
fragte Dave.

"Dass Varmikan Morasa gekrault hat, habe ich nicht mitbekommen... Warum hat er ihn gekrault? Und vor allem wo hat er ihn gekrault? Sag nicht zwischen den Beinen. Mir schmeckt dass garantiert auch nicht, das kann ich Dir versichern. Warum hast Du mir das nicht direkt gesagt? Schei├če", gab der Magier zur├╝ck.

"Andere Frage beantworte mir das bitte ehrlich, ich m├Âchte das wissen. In welcher Weise bin ich anstrengend? Ich frage nicht um Dir ein reinzudr├╝cken, sondern um es mir mit meinem Kerl nicht zu verscherzen. Also was f├╝r ein Verhalten lege ich an den Tag, dass Dir oder schlimmer noch ihm richtig auf den Sack geht? Sag mir das bitte", bat Dave.

"Warum ich Dich gebeten habe, Dich auf der Hochzeit zu benehmen? Weil circa 400 Leute da sein werden, die nur darauf warten sich die M├Ąuler ├╝ber jeden Fehltritt zu zerrei├čen - kurzum der Adel.
Ich glaube kaum, dass es Morasa schafft, meinen Vater oder meine Mutter zu t├Âten.

Meine Mutter war eine Leiche - jetzt lebt sie.
Mein Vater lebte - und jetzt ist er eine Leiche.

So soll es sein. Weder meine Mutter, noch mein Vater nehmen an meiner Hochzeit teil. Sollte mein Vater widererwartend doch erscheinen, werde ich mich bei dem Nekro pers├Ânlich bedanken. Oder durch Ansgar bedanken lassen.

Aber die Beschreibung von den "Frettchen" war lustig und wieso hat Varmikan ihn ohne mein Einverst├Ąndnis eingeladen?",
fragte Dave grinsend.

Als Urako ihn schnappte und in den Sicherungsgriff nahm, wusste Dave erst nicht wie er reagieren sollte. Um sich zu befreien, war er eindeutig zu geschafft und er hatte sich gerade irgendwie ziemlich gut mit Urako verstanden.

Einen Augenblick sp├Ąter erkl├Ąrte ihm Urako, dass er keinen ├ärger machen sollte, da er ihm nicht wehtun wolle... ohne Varmikans Beisein. ├ťber die Bemerkung musste Dave grinsen.

"Gut, dann lass es auch und tue mir nicht weh. Lass mich los Urako, ich komme freiwillig mit. Sag mir wo wir hingehen und warum", bat Dave.

Der Naridier wehrte sich nicht und folgte Urako.

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Re: Aus dem Wald in den Gro├čstadt-Dschungel

#77

Beitrag von Gasmi » Sa 3. Jun 2017, 14:18

Gasmi klopfte Distel beruhigend auf die Schulter.

"Du kannst nichts daf├╝r. Enzo h├Ątte uns vorher um den Kaffee bitten m├╝ssen. Stattdessen beschuldigt er meinen Mann. Du hast das gleich richtig erkannt Distel, Urako w├╝rde so etwas nie tun! Niemals!", pflichtete Gasmi ihm bei.

"Den Kaffee bekommst Du und wir dann die Wahrheit Freundchen, sonst hast Du die l├Ąngst Zeit so entspannt gelegen", murrte der D├╝sterling und f├╝hrte Distel in die K├╝che.

"Eine Frechheit ist das! Uns beide so zu verarschen! Den Kaffee h├Ątte ich ihm doch gemacht. Ich glaube Kaffee mit Honig zu w├╝rzen ist eine Marotte der Rakshaner.

Wei├čt Du Distel, als mein Mann mir das erste Mal Kaffee gekocht hat, hat er auch Honig in den Kaffee gesch├╝ttet. Er war noch unge├╝bt, was das Kaffee kochen anging. Der Kaffee schmeckte wie Torf, hatte die Konsistenz von Kleister und war extrem s├╝├č.

Aber s├╝├č war auch von Puschel, dass er mir Kaffee gekocht hat. Er hat ihn mir sogar ans Bett gebracht! Mit Fr├╝hst├╝ck.

W├╝rde so ein Mann, der sowas macht und so an einen denkt, einen Streit in der Familie lostreten? Das sagt einem doch schon der Verstand, dass er so etwas nicht tun w├╝rde",
erkl├Ąrte Gasmi.

"Du passt schon in die K├╝che keine Angst", lachte der D├╝sterling und schob Distel von hinten an, damit seine Worte auch wirklich den Tatsachen entsprachen.

"Sonst musst Du halt so lange den Bauch einziehen und die Luft anhalten", kicherte Gasmi und knuffte Distel.

"Mokka hat er gesagt. Jetzt hat er auch noch Sonderw├╝nsche. Dann m├╝ssen die Infos aber auch topp sein. Wenn er aber nochmal meinen Mann madig macht, reite ich ihn durch die Stadtkanalisation, ich schw├Âre es Dir. Also Enzian, nicht Puschel", fl├╝sterte Gasmi Distel zu.
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Re: Aus dem Wald in den Gro├čstadt-Dschungel

#78

Beitrag von Morasa » So 4. Jun 2017, 09:12

Morasa

nahm sein Geld und das Brot von Wolfi entgegen und steckte es zu den Äpfel.

"Klug gesprochen Wolfi. Ich w├╝rde sagen, ich mache es beim n├Ąchsten Mal so, aber ich hoffe es gibt kein n├Ąchstes Mal. Deine Mutter ist eine kluge Frau und deine Verwandten m├╝ssen gr├Ąsslich sein. Damit meine ich nicht Dave, nicht dass ich schon wieder in einen Fettnapf trete.
Nat├╝rlich haben wir auch Benimmregeln im Wald. An die konnte ich mich nicht halten, darum bin ich gegangen. Mein Volk unterscheidet nicht nach Freund und Feind. Jeder ist zuerst ein Gast und willkommen. Erst wenn er sich daneben benimmt, wird er zu einem Feind. Ich halte das f├╝r gef├Ąhrlich. Wenn ich jeden ohne ansehen der Person direkt als Gast aufnehme, hole ich mir die Gefahr in mein Haus. Und dein Gast h├Ąlt dich dann nicht f├╝r freundlich, sondern f├╝r d├Ąmlich.
Besuch ist bei uns selten. Die meisten die zu den Waldalben kommen sind Forscher. Fr├╝her waren es Rakshaner und die wollten jeden Waldalben tot sehen. Soll ich jetzt jeden Rakshaner fragen, ob er mich tot sehen will? Ganz sicher nicht. Ein Rakshaner bekommt einen Pfeil in den Kopf und ich weiss, der will niemand mehr tot sehen. Ein Rakshaner ist zum Gl├╝ck nicht in unsere Familie.
Es gibt Unterschiede von Fremden, dass muss man akzeptieren. Nicht jeder ist dein Feind, dass stimmt. Aber auch nicht jeder ist dein Freund. Und bei anderen weisst du eben genau, dass sie dein schlimmster Feind sind. Bei uns sind das die Rakshaner.
Ich werde versuchen die Regeln unserer Gilde zu lernen und zu beachten. Und ich werde niemanden mehr aus der Familie bedrohen. T├Âten werde ich auch niemanden aus der Familie. Es sei denn er greift mich an und ich muss mich verteidigen. Dann schon, weil ich mich nicht umbringen lasse ohne Gegenwehr.
In meinen Job bin ich ruhig und nicht chloerisch. Sonst w├Ąre ich bereits verhungert, wenn ich vorher das Wild verscheuche. Und wenn ich mit einen Kameraden zusammenarbeite, kann er sich auf mich verlassen. Was denkst du von mir, dass ich bewusst L├Ąrm mache, damit Jeelen ermordet wird?
W├Ąhlen musst du niemanden Wolfi, du hast nichts mit unseren Streit zu tun. Du kannst mit Urako befreundet sein und mit deinen Onkel. Das beisst sich nicht. Wenn Dave und Urako sich nicht verstehen, ist das halt so. Nicht jeder muss mit jeden befreundet sein in der Gilde. Aber zusammen arbeiten k├Ânnen, dass m├╝ssen sie. Das reicht auch.
Ja du hast sehr gut erkl├Ąrt, warum es keinen Krieg in der Gilde geben wird. Ich erinnere mich. Danke Wolfi."

Morasa trottete neben Wolfi her und machte sich seine Gedanken.

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Re: Aus dem Wald in den Gro├čstadt-Dschungel

#79

Beitrag von Anwolf » Mo 5. Jun 2017, 20:01

Wolfi nickte best├Ątigend zu Morasas Worten.

"Mir w├╝rde es auch besser gefallen, wenn es von Deiner Auff├╝hrung keinen zweiten Teil geben w├╝rde. Aber dar├╝ber mache ich mir keine Gedanken, denn eines ist sicher - einen dritten Teil wird die Welt nicht sehen", stellte Anwolf klar.

"Meine Verwandten? Du hast keine Vorstellung von meinen Verwandten Morasa, gr├Ąsslich beschreibt einige von ihnen nicht im Geringsten. Wenn Du sie je kennenlernen musst, wirst Du Deine Wortwahl f├╝r l├Ącherlich halten.

Jeder einzelne aus unserer Sippschaft, jedenfalls die uralte Garde kann Dein Schutz, Deine Erl├Âsung, Deine letzte Hilfe sein oder auch Dein pers├Ânlicher, schlimmster Alptraum.

Unsere Leute lassen sich nicht gerne in die Suppe spucken.

Greifst Du einen von uns an, hast Du alle gegen Dich. Du wirst das Spiel entweder nicht ├╝berleben oder leider doch - beides zu Deinem Leidwesen.

Dazwischen sind tausende Varianten m├Âglich, je nachdem welcher meiner Verwandten Dich erwischen w├╝rde.

Kein Au├čenstehender t├Âtet einen von unserem Blut, dass bleibt uns selbst vorbehalten.

Da verstehen wir keinen Spa├č. Und glaub mir, meine Familie ist verzweigter, als Dir bewusst sein wird. Nicht jeder unserer Verwandten tr├Ągt den Namen von Hohenfelde.

Drum f├╝rchte ich Deine Pfeile auch nicht. Solltest Du mir je etwas antun, wei├č ich schlie├člich wie die Rache aussehen wird. Und selbst wenn Du es schaffst mich zu t├Âten, passiert mir nichts. Mein Vater w├╝rde mich zur├╝ckholen. F├╝r mich sind Deine Drohungen bedeutungslos. Darum versuche ich Dir bewusst zu machen, die F├╝├če still zu halten und Dich zu f├╝gen.

Die Aussage - T├Âten werde ich auch niemanden aus der Familie. Es sei denn...
hebt sich doch selbst auf!

Nichts es sei denn Mo! H├Âr endlich mal damit auf!
Du t├Âtest niemanden, PUNKT!

Ja Rakshaner hin oder her, die haben wir hier nicht. Wir haben auch keinen Rakshaner in der Familie und wenn wir einen h├Ątten, ist das f├╝r Dich kein Rakshaner, sondern ein Bruder.
Wird es ein toter Bruder, ist das immer noch kein Rakshaner sondern Dein Totenschein!
Klar?",
erkl├Ąrte Wolfi verzweifelt.

Anwolf kehrte mit Morasa zur├╝ck ins Geisterhaus, hakte den Waldalben sicherheitshalber unter und zog ihn direkt mit in die Fundusstube.

"So eine ├ľllampe wolltest Du haben. Ich gebe Dir direkt eine mit Uhr, die sind wirklich praktisch. Die ├ľllampenuhr besteht eigentlich nur aus einer ├ľltischlampe, deren Glasbeh├Ąlter unten eine kleine ├ľffnung hat, durch die das ├ľl von einem Docht angesaugt wird.

Die H├Âhe des ├ľlstandes im Vorratsbeh├Ąlter stellt ein Ma├č f├╝r die verflossene Zeit dar. Die St├Ąrke des Dochtes ist so gew├Ąhlt, dass das ├ľl in der Lampe von der Flamme m├Âglichst zeitgenau nach der auf dem Glasbeh├Ąlter angebrachten Stundenskala aufgebraucht wird. Als Brennstoff wird normalerweise Tran verwendet, weil es sauberer und gleichm├Ą├čiger verbrennt als ├ľl.
F├╝llte man abends den ├ľlbeh├Ąlter voll und z├╝ndete die Lampe an, so hat man w├Ąhrend der ganzen Nacht nicht nur Beleuchtung, sondern auch ann├Ąhernd die Zeitanzeige.
Durch den Brennstoffverbrauch der Lampe sinkt der ├ľl- oder Transpiegel im Glasbeh├Ąlter, wodurch man auf der Skala die Zeit abgelesen kann.
Weil der Druck des ├ľles in Abh├Ąngigkeit vom Pegel einen ungleichm├Ą├čigen Verbrauch verursachte und die Stundenskalen am zylindrischen Beh├Ąlter meistens geradlinig angezeigt werden, ist die erste Abendstunde viel k├╝rzer als die letzte Morgenstunde.

Um das auszugleichen hat der ├ľlbeh├Ąlter die Form einer umgedrehten Birne. Durch diese Ma├čnahme wird die L├Ąngen der Stunden ann├Ąhernd gleich halten.
├ľluhren sind Uhren, die gegen├╝ber anderen Elementaruhren den Vorteil haben, dass man die Zeit bei Dunkelheit ablesen kann. Dave benutzt sie gerne, wenn er abends oder nachts die Monats- oder Jahresabrechnung machen muss.
Behandele sie pfleglich, sie ist zerbrechlich und teuer",
erkl├Ąrte Anwolf und dr├╝ckte Morasa die Lampe in die Hand.

"Pass auf Dich auf Mo", grinste Wolfi.

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Re: Aus dem Wald in den Gro├čstadt-Dschungel

#80

Beitrag von Morasa » Di 6. Jun 2017, 09:43

Morasa
 
schwieg zu der neuen Schelte von Wolfi. So wie der Junge es erz├Ąhlte, hatte Mo das nicht gemeint. Aber alles was Morasa jetzt zu seiner Verteidigung sagen konnte, w├╝rde Wolfi falsch verstehen. Mo wollte sich nicht weiter streiten, darum schwieg er. Der Waldalb wusste nicht, ob er in so eine Familie leben k├Ânnte. Die Erz├Ąhlung von Wolfi h├Ârte sich nicht nach einer Familie an, sondern nach einer st├Ąndigen Bedrohung. Mo hatte seine Familie verlassen. Er lebte schon lange nicht mehr bei ihnen und auch nicht bei den Waldalben. Trotzdem erinnerte er sich gut, wie seine Familie zusammen gehalten hatte. Sie besch├╝tzten sich auch vor Fremden. Aber sie t├Âteten sich niemals gegenseitig. Die Familie von Wolfi war f├╝r Morasa wahnsinnig. Nicht alle Familienmitglieder, aber scheinbar einige schon. Die Ausnahmen hatten sicher die Familie verlassen, weil sich nicht hinein passten. Dave und Anwolf also. Genauso wie er nicht in seine Familie passte. Es war sicher ein Gl├╝ck, nicht in so eine Familie zu passen.
Morasa klemmte sich seine Haare hinter seine Ohren. Das Wolfi sein Vater ihn von den Toten zur├╝ckholen konnte, glaubte Mo nicht. Der Junge meinte sicher Nekromantie. Wie konnte er so leichtfertig ├╝ber Nekromantie sprechen? ├ťber Totenmagie? Wolfi hatte es so leicht gesagt. Mein Vater holt mich zur├╝ck, du kannst mich nicht bedrohen. Der Junge wusste nicht was er da redete. Ein St├╝ck Wahnsinn hatte auch Wolfi in seinen Kopf. Dachte der Junge, er w├Ąre nach dem Zauber noch ein Mensch? Wenn sein Vater die F├Ąhigkeit hatte, sich Tote erheben zu lassen, war Wolfi danach ein Untoter. Eine wandelnde Leiche. Diese Magie war Gottesl├Ąsterung gegen Ardemia. Morasa war es gleichg├╝ltig, aber Wolfi hatte eine falsche Vorstellung. Der Waldalb h├Ârte sich alles nur an, sagte dazu aber nichts. Er sagte Wolfi nicht seine Meinung und er sagte ihm auch nicht, wie falsch seine Gedanken ├╝ber seine m├Âgliche Rettung vor dem Tod waren. ┬áDer Junge w├╝rde das nur wieder als Angriff falsch verstehen.
Endlich waren sie wieder beim Geisterhaus. Morasa freute sich zur├╝ck zu sein. Aber er hatte auch Angst, was am zweiten Tag nach dem Streit geschehen w├╝rde. Morasa f├╝rchtete den Tiefling und den Ork nicht. Vielleicht hielten sie ihn deshalb f├╝r verr├╝ckt. Aber als Marder t├Âtete er Beute die viel gr├Â├čer und schwerer war als er selber. Er war in beiden Gestalten ein gef├Ąhrlicher J├Ąger. ┬áMo bef├╝rchtete die Familie schon am zweiten Tag wieder verlassen zu m├╝ssen. Er musste sich noch bei Urako entschuldigen. Er hatte sein Wort als Kamerad gegeben und sein Wort w├╝rde er halten. Aber Mo passte es nicht, dass er allein der Schuldige sein sollte. Trotz Wolfis Erkl├Ąrung und seiner weisen Worte war Mo immer noch stinksauer auf Urako. Genauso auf den fetten Ork. Der Tiefling und der Ork hatten ihn grundlos beleidigt. Der Tiefling hatte sogar Varmikan und Dave ├╝belst beschimpft. Dass er sich entschuldigen musste, war ungerecht. Der Tiefling hatte Dave, also jemand aus der F├╝hrung der Gilde beleidigt. Der Tiefling schien Narrenfreiheit durch den alten Knacker zu haben. Der hatte sich sogar auf die Seite von dem Tiefling gestellt und Dave aus dem Haus geworfen. Warum sollten sie da sofort wieder nach Hause kommen? Dave seine Wut war verst├Ąndlich. Seine eigene Wut war verst├Ąndlich.
Aber er hatte sein Wort gegeben. Morasa wollte sich entschuldigen und dann den beiden aus den Weg gehen. Der Waldalb hoffte sich gut mit Dave und Jeelen zu verstehen. Zwei Kumpel in eine Familie waren gut. Er mochte Dave gern und Jeel schien nett zu sein. Urako und Seddik wollte Mo ignorieren. Er hoffte nicht mit den beiden zusammenarbeiten zu m├╝ssen. Die Gedanke von Wolfi absichtlich L├Ąrm zu machen, dass jemand diese Kameraden t├Âtete, fand Mo lustig. Niemand k├Ânnte ihn dann beschuldigen. ┬áDiese Gedanken behielt er f├╝r sich. F├╝r Mo war es schwer in eine Familie hineinzufinden. Ein Marder war ein Einzelg├Ąnger. Seine zweite Gestalt lebte und jagte allein. Als Waldalb hatte er sehr lange Zeit wie ein Marder gelebt. Dabei war es egal, ob Morasa als Waldalb oder als Baummarder unterwegs war. Der Marder war nicht nur seine zweite Form als Gestaltwandler, es war seine Natur. Er jagte allein, leise und t├Âdlich. Manchmal suchte er Kontakt. St├Ąndig konnte er das Alleinsein nicht ertragen, genauso wenig wie st├Ąndige Gesellschaft. Ausgew├Ąhlte Gesellschaft war sein Ziel. Bei seiner neuen Familie hatte er sich Dave ausgesucht. Sie hatten zusammen gesoffen und sie hatten sich einen Schlafplatz geteilt. Das war ein gutes Zeichen f├╝r beginnendes Vertrauen und Freundschaft.
 
`Ich werde nicht vergessen was ihr getan habt. Nicht die Beleidigungen und auch nicht die Ungerechtigkeit von dem alten Goblin┬┤, dachte Mo.
 
Wolfi klammerte sich an Morasa fest und schleifte ihn durchs Haus. Der Junge f├╝hrte ihn in ein Lagerraum und dr├╝ckte ihm eine ├ľllampe in die Hand. Dazu erkl├Ąrte Wolfi eine Unmenge an Informationen ├╝ber diese Lampe. Morasa betrachtete die ├ľllampe ganz genau. Er verstand nicht richtig, wie sie einem die Zeit sagte. Es war vermutlich eine Stunde um, wenn das ├ľl ein Strich gesunken war. Was hinter den Strichen stand, konnte Mo nicht lesen. Der Waldalb konnte nicht lesen. Mo hatte weder lesen noch schreiben gelernt. Er konnte keine Buchstaben, keine Texte und auch keine Zahlen lesen. Rechnen konnte er auch nicht. Und eine Uhr ablesen war f├╝r ihn unm├Âglich.
Das Wolfi soviel zu der Lampe sagen konnte, zeigte Mo dass der Junge aus einer anderen Welt kam. Er war gebildet, er wusste viel. Vermutlich wusste Anwolf eine ganze Menge unwichtiges Zeug. Genau wie die Sache mit der Lampe. Im Wald war das Wissen wertlos. Man sah am Stand der Sonne ob es morgens, mittags oder abends war. Und ein guter J├Ąger kannte die Zeiten der Beutetiere. Ein J├Ąger wusste wann die Tiere in seinen Revier schliefen, wann sie frassen, wann sie zur Wasserstelle gingen und wo sie das taten. Dazu brauchte man keine Uhr. Morasa konnte die Spuren der Tiere lesen und die Zeichen des Waldes. Dazu musste er keine Schriftzeichen verstehen. Sein Wissen war ganz anders als das von Wolfi.
Das Dave abends und nachts diesen Abrechnungskram bearbeitete wunderte Mo. Aber vielleicht hatte er so viel zu tun, dass er sogar sp├Ąt noch arbeiten musste. Dann brauchte er eine ├ľllampe. F├╝r Morasa hatte die besondere Funktion der ├ľllampe keine Bedeutung.┬á Mo freute dass er eine Lampe geschenkt bekommen hatte. Und dass sie eine wertvolle Lampe war. Zudem sah die Lampe sch├Ân aus. Er w├╝rde gut auf sie aufpassen. Mo nahm sich eine Flasche Tran und Streichh├Âlzer aus dem Bestand, damit er die Lampe auch benutzen konnte.
 
ÔÇ×Danke Wolfi, f├╝r die Lampe. Sie gef├Ąllt mir gut. Bis sp├Ąter.ÔÇť
 
Morasa ging zur├╝ck in sein Quartier. Dort stellte er die Lampe auf den kleinen Beistelltisch. Mo f├╝llte vorsichtig ├ľl hinein und z├╝ndete die Lampe an. Sie verbreitete ein angenehmes Licht. Der Waldalb verstaute seine wenigen Besitzt├╝mer in seinem Zimmer. Das Brot und die ├äpfel legte er als Vorrat zur Seite. Mo drehte die Lampe auf kleine Flamme runter und legte sich ins Bett. Er h├Ârte Varmikan in seinem Quartier umr├Ąumen. Dave h├Ârte Mo nicht. Er schien nicht im Quartier zu sein. Der Frostalb hatte Dave befohlen zu ihm zu ziehen. Dave hatte sich genau dass vorher gew├╝nscht und Morasa erz├Ąhlt. Die beiden waren gerade sicher damit besch├Ąftigt. Dave schleppte bestimmt seinen Kram und Varmikan r├Ąumte ihn ein. Mo wollte r├╝bergehen und Varmi besuchen, wenn der Frostalb nicht mehr am umr├Ąumen war. Bl├Âd im Weg rumstehen wollte Mo nicht.

 

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