Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Aufstieg der Blutnekromantie

Souvagne ist politisch neutral und hat sich als einziges Großherzogtum nicht am Feldzug gegen das Chaos beteiligt. Die Souvagner sind bekannt für ihre Sturheit, vor allem aber für die Mauer, die ihr Land umschließt.
Großherzogtum Souvagne
Das almanische Großherzogtum Souvagne ist geprägt von sanfte Hügeln, auf denen Weinbau betrieben wird, fruchtbaren Feldern und weiten Obstplantagen. Souvagne hält sich aus Kriegen größtenteils heraus und hat sich als einziges Großherzogtum nicht am Feldzug gegen das Chaos beteiligt. Stattdessen setzt Duc Maximilien Rivenet de Souvagne auf politische Neutralität. Von allen Herrschern ist er der Gemäßigtste. Die Grenzen Souvagnes wurden inzwischen größtenteils durch eine Wallanlage gesichert. Nur erlesenen Personen ist die Einreise nach strengen Kriterien noch gestattet.

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Alexandre de la Grange
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Re: Aufstieg der Blutnekromantie

#12

Beitrag von Alexandre de la Grange » Do 19. Apr 2018, 19:07

Die letzten Novizen hatten den Tempel des Blutes verlassen. Alexandre war gerade dabei, die Kapelle von innen zu verriegeln, als ein grün leuchtender Geist durch die verriegelete Tür geschwebt kam. Der Geist trug Dreispitz und Mantel, einen Gehstock und blieb in einigem Abstand vor Alexandre stehen. Ohne den Erzmagier anzusehen, musterte er die Kapelle.
»Guten Abend. Souvagnische Sitten sind bisweilen durchaus interessant. In Naridien wäre niemand auf die Idee gekommen, sich des Nachts in einer Kapelle einzusperren, in welcher nichts als eine Statue des Ainuwar zu finden ist. Gedenken Sie, auf dem Fußboden zu übernachten?«
Der Geist hatte einen starken naridischen Akzent, sprach aber fehlerfrei Asameisch. Alexandre war kurz erschrocken, als der Geist so plötzlich vor ihm aufgetaucht war, doch ansonsten fürchtete er diese Art der Erscheinung nicht. Er blieb stehen und wich nicht zurück.
»Bitte verlassen Sie diese Kapelle. Es hat seinen Grund, warum ich sie abschließe, nämlich jenen, dass Außenstehende nicht um diese Uhrzeit hineingelangen sollen.«
»Vergeben Sie einem alten Mann, das war mir unbekannt. Sie sollten ein Schild aufhängen.«
»Nun wissen Sie es. Bitte gehen Sie.«
Der Geist betrachtete die zahlreichen schweren Roben, die von Alexandre herabhingen. »Sie sind der erste Uneingeweihte, der nicht wahlweise kreischt oder in Ohnmacht fällt bei meinem Erscheinen ... Herr Kollege. Darf ich daraus schließen, dass sie den Umgang mit Geistern gewohnt sind?«
»Ich denke nicht, dass 'Kollege' die richtige Bezeichnung ist.«
»Nicht? Sie sehen mir aus wie ein Magier.«
»Das macht uns nicht zu Kollegen.« Unnötigerweise schloss Alexandre erneut die Tür auf und hielt sie auf, um seine Aufforderung zu unterstreichen. »Wenn Sie nun die Güte hätten zu gehen!«
»Nein, die habe ich nicht. Ich bin tot, ungebunden und begierig zu erfahren, wie es an diesem wundervollen Ort so aussieht.«
Alexandres bleiches Gesicht bekam einen zarten roten Schimmer, als er wütend wurde. »Dazu haben Sie kein Recht!«
»Ich bin tot. Irdische Gesetze scheren mich nicht länger. Hindern Sie mich doch.« Der Geist schwebte in Richtung der nach vorn geschobenen Statue, hinter der der Geheimgang offen lag. Alexandre ballte unter seinem langen Robenärmel eine Faust. Der Geist betrachtete das steinerne Abbild Ainuwars. »Welche Kunst üben Sie aus? Nekromantie vermutlich nicht, auch wenn dies meine erste Vermutung war - sonst hätten Sie mich bereits gewaltsam der Kapelle verwiesen. Eine andere Form der Geistmagie? Elementarmagie? ... Blutnekromantie?«
Alexandres Gesicht verriet nichts außer seiner ohnehin schon vorhandenen Wut. Genau wie alle Mitglieder des Hochadels konnte er die meisten seiner Gefühle gut verbergen, sofern sie nicht an seinem Trauma rührten. »Das geht Sie nichts an und nun verschwinden Sie.«
»Bedauerlich. Ich hätte mich über einen Plausch auf akademischem Niveau gefreut.« Der Geist betrachtete weiterhin die Statue, ohne den offenen Geheimgang zu bemerken. »Wollen Sie die Nacht wirklich hier auf dem Boden verbringen?«
»Nein, ich möchte eine Andacht halten, und zwar ungestört. Da ich der Kaplan dieser Kapelle bin, obliegen mir die Gebete im Namen der Krone.«
»Ganz ohne Zubehör?«
»Es sieht so aus.«
Der Geist schwebte endlich wieder fort von der verrückten Statue und sah Alexandre erneut an. »Gut. Auch ich bin ein Anhänger Ainuwars. Ich werde Ihnen dabei ein wenig Gesellschaft leisten, um die religiösen Sitten von Souvagne zu studieren.«
»Nein, das werden Sie nicht!«
Der Geist schmunzelte, als Alexandre ihn anschrie und neigte den Kopf etwas zur Seite. »Ein Nekromant, der Geister kontrollieren könnte, wäre nun nützlich oder? Haben Sie keinen Hofnekromanten in Beaufort?«
»Nun, bislang gab es daran keinen Bedarf. Und ab dem 7. des fünften Mondes wird generell kein Bedarf mehr bestehen, wenn die Nekromantie vollumfänglich einer landesweiten Ächtung unterliegt. Aufdringliche Geister gehören fortan der Vergangenheit an.«
»Was, wenn jemand sich daran nicht hält? Wenn Untote das großherzogliche Schloss unsicher machen?«
Alexandres Blick verfinsterte sich. »Lassen Sie das unsere Sorge sein.«
»Gegen Vampire und Ghule mag es ja die eine oder andere Technik geben ... doch wie sieht es mit Geistern aus? Geister können mehr als nur spuken. Sie können spionieren und generell sehr unangenehm werden. Ich könnte die Großherzogin im Badezimmer besuchen. Oder den Großherzog während einer Unterredung mit seinen Beratern. ICH werde das natürlich nicht tun, das verbietet mir meine gute Erziehung. Aber der eine oder andere Geist mag dies anders sehen. Ich entspreche nun Ihrem Wunsch und lasse Sie ungestört Ihre Andacht verrichten. Vielleicht überlegen Sie es sich, ob ihnen an fachlicher Konversation gelegen ist. Sie finden mich in der Bibliothek. Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen, Herr Kaplan.«
Damit flog der Geist würdevoll zur Tür hinaus. Alexandre schloss rasch die Tür, verriegelte sie und flüchtete hinab in den Tempel. Dort riss er mehrere Bücher aus dem Regal und suchte darin verbissen nach einer Möglichkeit, blutleere Geister zu bannen. Irgendeine Nische, irgendeine Lücke, irgendeine Schwachstelle, die den Einsatz eines Nekromanten überflüssig machen würde!
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Brandur von Hohenfelde

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Die Offenbarung der Wahrheit

#13

Beitrag von Brandur von Hohenfelde » Fr 20. Apr 2018, 02:04

Gregoire Verrill de Souvagne
Gregoire hatte sich mit Linhard zum Meer verzogen. Dort hatte er seinem Verlobten alles erzählt. Im Grunde konnte man sagen, er hatte ihm seinen ganzen Unmut vor die Füße gekotzt. Danach fühlte er sich besser, aber als sie zurück zum Hof reisten, fühlte Greg wieder die kalte Wut in sich aufsteigen. Er betrachtete den Hof samt Palast vom Rücken Aquilas aus der Vogelperspektive. Dies war nun Dreux Machtzentrum, solange bis ihr Vater zurückkehrte. Und vielleicht sogar darüber hinaus, was Greg nicht hoffte. Aber sein Verlobter hatte Recht, er konnte es sich nicht leisten, sich mit seinen Brüdern zu verstreiten. Denn schlimmstenfalls konnte Dreux ihm sogar die Hochzeit verbieten und diese abblasen. Das einzige was er tun konnte, war die Rückkehr seines Vaters abzuwarten und zu hoffen, dass die beiden nicht zuviel Oberwasser in Ehveros erhalten hatten. Er strich Linhard einmal kurz über den Rücken und bedauerte dass der Flug schon endete. Aquila setzte zur Landung an. Das große Drachenhuhn landete mitten in den Rosenrabatten. So ein Pech aber auch... Greg schnallte sich ab und sprang vom Huhn. Er wartete auf Linhard. Gemeinsam führten sie das Huhn zurück in den Stall, ehe sie sich ins Quartier aufmachten um Brandur die schlechte Neuigkeit zu überbringen.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Wir sind wieder zurück Brandur«, sagte Greg freundlich als sie wieder das Quartier betraten. »Ich musste kurz den Kopf frei bekommen«.

Brandur von Hohenfelde
»Doch nicht der erste Ehekrach?«, fragte Brandur besorgt. Es wäre ein Jammer, wenn die gerade in Aussicht stehende Machtposition von Linhard so jäh wieder in ungreifbare Ferne rücken würde - abgesehen davon, dass sein Junge wirklich glücklich mit seinem Verlobten zu sein schien.

Linhard von Hohenfelde
»Wir hatten keinen Krach Paps, Greg mit seinen beiden Brüdern, aber das soll er Dir selbst erzählen«, antwortete Linhard. Er machte es sich auf dem Sofa gemütlich, zündete sich eine Rauchstange an und gab sie an Greg weiter um sich dann eine eigene anzuzünden.

Brandur von Hohenfelde
Auch Brandur ließ sich, geisterhaft wie er war, auf einem gepolsterten Stuhl in der Sitzecke nieder und lauschte, halb besorgt, halb ausgesprochen interessiert. »Was drückt dir auf der Seele, Schwiegersohn?«, fragte er Verständnisvoll.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Genauso ist es. Setz Dich bitte zu uns. Ich habe Dir eine schlechte Neuigkeit mitzuteilen, die Antwort lautet weiterhin nein. Weder Dreux noch Ciel sind bereit Dich wiederbeleben zu lassen. Kein Argument konnte sie überzeugen. Sie haben mir verdeutlicht, dass es zum Wohle Souvagnes sein müsste. Das Du nicht eines natürlichen Todes gestorben bist, dass Du mein Schwiegervater bist, dass Du eine Bereicherung für die Akademie wärst - alles unbedeutend. Sie haben mir klar und deutlich gesagt, dass dies rein egoistische Wünsche wären, da jemand nicht mit dem Verlust klar kommt. Warum sie nicht gleich gesagt haben, dass Linhard weich in der Birne ist - verstehe ich nicht. Entschuldige Lin, aber das haben sie damit ja angedeutet. Und übersetzt heißt dies ja auch, nur wer Souvagne dient, wertvoll ist, wird gerettet. Ich selbst zähle nicht dazu. Weder bin ich Duc, noch bin ich Magier... noch bin ich relevant. Der zweitgeborene bekleidet normalerweise ein besonderes Amt oder im Falle des Todes des ersten Sohnes, besteigt er den Thron. Die Sorge muss Dreux ja nicht haben, er wird vermutlich der erste Duc sein, der über 1.000 Jahre herrscht, er hat ja seine Magierrotte am Arsch. Kaum verreckt sitzt er wieder neu auferstanden auf dem Thron. Vermute ich jedenfalls. Dann Du kannst es Dir nicht vorstellen, der Lächerlichkeit kaum zu überbieten, verlangten die zwei Lackaffen von mir dass ich auf das Leben meiner Kinder schwören soll, wenn sie mir erklären warum sie nein sagen! Entschuldigt meine brüske Wortwahl, aber ist das nicht Hohn? Ein purer Schlag ins Gesicht? Ich soll auf das Leben meiner Kinder schwören! Sollen sie mir doch auf das Leben ihrer Kinder schwören mir nicht schaden zu wollen! Was soll denn bitte sowas? Ich habe Lin alles erzählt was ich sonst noch so dachte - hier werde ich das nicht wiederholen, man sagt manche Wände haben Ohren. Und manche Dinge bleiben nicht geheim, wenn Federvieh in der Nähe ist. Aquila kann uns nicht belauscht haben, ich vermute sie ist sauber. Zudem saßen wir weit entfernt und die Meeresbrandung hat ihr übriges getan. Ich weiß nur eines, dass was sich da zusammenbraut ist ein gewaltiges Unwetter und ich habe zwar ein tolles Haus, leider nur keinen Blitzableiter. Du verstehst was ich Dir sagen möchte? Lin hat gesagt, falls das Unwetter weiter anhält, weiß er wo man Blitzableiter erwerben kann«.

Brandur von Hohenfelde
»Linhard, bitte biete deinem Verlobten etwas Gebäck an. Du siehst doch, dass er jetzt welches braucht. Nund zu Euch, Gregoire. Bitte erläutert mir zunächst die Sache mit dem Federvieh. Was genau meint Ihr damit, dass Dinge bei ihrem Nahsein nicht geheim blieben? Dass Ihr auf das Leben Eurer Kinder schwören solltet, bedeutet ganz einfach, dass es um eine sehr wichtige Sache ging. Der dritte Bruder ist Magier, sagtet Ihr. Welche Form von Magie beherrscht er? Das sollte man vielleicht wissen.« Zu den ›Blitzableitern‹ wagte er nicht, etwas zu sagen, weder im Guten noch im Schlechten, da er sich damit momentan zu weit aus dem Fenster lehnen würde. Sollte Gregoire darunter das selbe verstehen wie die Hohenfeldes, musste er von sich aus deutlicher werden. Genau so gut könnte das aber auch eine Falle sein, um die Loyalität der neuen Untergebenen zu prüfen. Sie mussten auf der Hut sein. Die Familie des Ducs war alles andere als dumm.

Linhard von Hohenfelde
»Entschuldige, stimmt Paps. Hier nimm Verrill«, sagte Lin und reichte ihm die Schale voller Kekse.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Himmelsaugen, ich rede von den Himmelsaugen. Linhard wird sie kennenlernen, ein Orden von Geist-Kampfmagiern die mit Vögeln arbeiten. Meist Raubvögeln, Falken, Eulen, Adlern. Sie überwachen Souvagne, den Hof, sie beschützen die Krone. Sie waren es, die den Verrat des Ordens der Autarkie aufdecken und alle bis auf den letzten Mann niederstreckten. Also würde ich als Fremdländer in der Nähe eines Falken Unsinn über den Duc erzählen, weiß es sein Himmelsauge sofort. Ihr werdet sie wie gesagt kennenlernen, denn auf jeder Scholle ist ein Himmelsauge stationiert. Sie sind Nennadel, dass heißt sie können, dürfen und werden Recht sprechen wenn dies erforderlich ist. Auch auf Deiner Scholle, mit oder ohne Deinem Einverständnis, ihre Loyalität gilt ausschließlich dem Königshaus - uns. Wir alle genießen ihren Schutz, aber ihre Treue und die Befehlsgewalt über sie liegt allein beim Duc. Ich kann ein Himmelsauge um Beistand bitten, sie werden es nicht ablehnen. Du kannst dies als Marquis ebenso. Allerdings könnte er auch dankend ablehnen, jede Order vom Duc geht vor. Der Rest ist eine Aktion des guten Willens des Auges. Also gleichgültig wer Du bist, solange Du nicht der Großherzoglichen Familie angehörst, solltest Du Respekt vor den Himmelsaugen haben. Viele Adlige haben selbst welche in den Familien, dies ist eine große Ehre. Maurice de la Cantillion - einer Eurer Verwandten nicht wahr? Er ist nicht nur Geistmagier, er ist ein Himmelsauge. Würde ein Verbrecher draußen auf der Straße jemanden ausrauben, wird mit der Verfolgung oft auch ein Himmelsauge beauftragt. Der Vogel verfolgt den Verbrecher und sagt seinem Magier wo er hinflieht. So ist unsere Aufklärung meist ziemlich hoch. Zudem meldet ein Auge es dem anderen auf magischem Weg. Das heißt binnen einer Stunde ist das Land mobil gemacht gegen Dich als Verbrecher. Wo Du auch hingehen wirst, sieht dich ein Vogel bete das es keiner von den Himmelsaugen ist - denn sonst winkt der Block. Werden sie eingeschaltet ist meist das Ende vom Lied, der Block. Es gab in der Geschichte nur drei oder vier Straftäter die den Himmelsaugen entkommen sind. Das war weil sie hervorragende Ortskenntnisse hatten, oder extremes Glück. Einer wurde nicht gefasst weil er von den Klippen stürzte. Der letzte Kerl der es schaffte war ein vermummter Krimineller der die Massenmörderin Derya Letnaux vor dem Schaffott befreite und dabei zig Büttel und fast einen Henker umbrachte. Er hat ihnen auch eine lange Nase gedreht, aber soweit ich weiß wurde er dabei trotzdem angeschossen. Lange her, aber die Leute gehen dann in die Analen der Himmelsaugengeschichte ein. Und so lange die Person vermeintlich lebt, steht sie auf deren Abschussliste. Sollte man also diese drei Verbrecher jemals finden, werden sie nicht einfach auf dem Block enden, sondern am Pfahl. Wenn Ihr wisst was das heißt, sie werden öffentlich lebendig aufgespießt - gepfählt als Demonstration, dass das Gesetz niemals schläft und nichts durchgehen lässt. Drum sollte man nicht unbedacht in Nähe von Federvieh sprechen. Auch ein blöder Witz kann dann schnell der letzte sein«.

Brandur von Hohenfelde
Brandur horchte interessiert auf. »Derya Letnaux ... gibt es ein Kopfgeld? Oder einen sonstigen Lohn? Ich frage nur aus Interesse, als Geist benötige ich ja keinen Schlaf und habe viel Zeit für Gedankenspielereien. Ihr habt die Frage, welche magische Disziplin Euer Bruder ausübt, vermutlich absichtlich überhört, also will ich nicht weiter nachbohren. Welchen Ruf haben die Himmelsaugen? Sind sie bei der Bevölkerung gefürchtet oder werden sie als Wächter der Ordnung verehrt?«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Nein ich habe es nicht überhört Brandur, ich weiß es nicht. Keine Ahnung welche Magie Ciel ausübt. Mächtig kann er jedenfalls nicht sein, dass klingt jetzt ziemlich bösartig, aber ich meine das nicht auf widerwärtige Art, sondern rein logisch. Er ist ständig mit allem beschäftigt. Er hatte die Verteidigung des Landes gemeinsam mit Dreux organisiert, ich hatte dabei nichts zu tun. Hätte mir zu denken geben sollen. Jedenfalls ist er auch mit der Aufgabe betraut gewesen diese Derya zu jagen. 2.000 Taler verdienst Du, wenn Du sie fängst - 5.000 Taler wenn Du ihren Befeier auslieferst. Also wenn Du Hinweise hast, die zur Ergreifung von einem der beiden führen. Ich würde mich von der Frau fernhalten, sie hat Männer gefressen. 46 Stück angeblich, hat sie ans Bett gebunden, sie durchgenudelt, ihnen danach die Schwänze abgebissen und während sie ausbluteten hat sie sie ausgeweidet und aufgefressen. So stand es im Büttelbericht, die Nachricht des Comte war etwas zahmer, vermutlich für seichte empfindliche Gemüter. Verständlich oder? Die 2.000 Taler wären also sehr schwer verdientest Geld, es sei denn man ist eine Frau. Da muss man ja nicht fürchten gefressen zu werden. Die Himmelsaugen haben beides als Ruf. Sprich sie sind Respektspersonen, die Leute sind froh wenn sie sich einer Sache annehmen, aber zeitgleich fürchtet man sie auch. So ist es auch mit den Bütteln. Jeder ist froh wenn sie anrücken, dennoch gibt es dabei immer ein leichtes Unbehagen, keiner möchte versehentlich in ihre Fänge geraten. Aber das ist eben so, das kennt jeder Adlige. Ihr werdet selbst eine Staffel von Bütteln aufstellen auf Euren Schollen. Ich würde dazu vorschlagen, dass Ihr Eure Büttel mit Hellebarden ausstattet. Die sicherste Waffe. Langwaffe, dem Büttel kann nichts geschehen und ist ein Krimineller hoch zu Roß wird er runtergezogen. Die Investition lohnt sich wirklich. Mir würde auch ein einheitliches Bild der Büttel gefallen, damit sie gleich von der Bevölkerung erkannt werden. Das schafft doch zusätzlich ein Sicherheitsgefühl, wenn man sie auf den ersten Blick erkennt«.

Brandur von Hohenfelde
»Ihr, sagt Ihr? Nun, ich für meinen Teil werde keine Scholle haben, da ich am 7.5. das Antlitz Asamuras erneut verlassen werde und dies vermutlich dann für immer. Wenn der Duc mein konsequentes Ableben befielt, müssen wir uns dem beugen, nicht wahr? Vielleicht bin ich darum auch ein wenig wissbegieriger als sonst, ich möchte meinen Sohn und meinem künftigen Schwiegersohn bis dahin ein guter Berater sein können. So habe ich eine weitere Frage, die auf den ersten Eindruck hin indiskret klingen könnte - habt Ihr den besagten Bruder einmal leicht bekleidet oder nackt gesehen?« Brandur musste sich ein Schmunzeln verkneifen, als Gregoire über Derya sprach. Er freute sich, dass Linhard es hörte, was für eine Abscheulichkeit sie war. Und nach dieser bildhaften Beschreibung ihrer Taten würde er es sich hoffentlich überlegen, ob er weiterhin Zweisamkeit mit ihr wünschte.

Linhard von Hohenfelde
Linhard musterte seinen Paps und schaute kurz auf seinen Keks, den er dann lieber beiseite legte. Er wusste wer der Befreier war, dass konnte er sich an einem Finger abzählen und er hatte schon die Narbe auf Archibalds Schulter gesehen. Lin kannte sich mit Narben aus, wie jeder Schwertmeister, dass war eindeutig ein Armbrustbolzen gewesen. Langsam schüttelte Lin den Kopf hinter Greg, dass Brandur über Arch und Derya schweigen möge.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Weder hat er mich, noch habe ich ihn nackt gesehen. Weshalb?«, fragte Greg grinsend.

Brandur von Hohenfelde
Brandur blinzelte auf Linhards Kopfschütteln einmal etwas langsamer als sonst. Es war eine lautlose Zustimmung. Er würde schweigen - vorerst. Er unterhielt sich dabei weiter mit Gregoire, als sei nichts gewesen. »Ihr grinst so amüsiert?« Brandur musste ein wenig zurückschmunzeln. »Die Frage bezieht sich darauf, ob Ritualnarben an seinem Körper erkennbar sind.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Achso, ich dachte die Frage zielt auf was anderes ab. Nein er geht wie ich immer hochgeschlossen, keine Ahnung ob er Narben hat, aber das kann ich herausfinden. Wie sehen Ritualnarben aus? Linhard hatte die Idee dass Du gemeinsam mit einem nekrotischen Verwandten vor die Grenze Souvagnes ziehst im Ernstfall. So dass Du wenigstens als Geist erhalten bleibst. Aber sollte Vater zur Hochzeit zurück sein, werde ich mit ihm darüber sprechen. Noch ist ja nicht alles verloren, höchsten 98 Prozent«.

Brandur von Hohenfelde
»Nun, Ihr wurdet von Euren Brüdern ausgeschlossen. Es spräche aus moralischer Sicht nichts dagegen, sich ein Stück der Wahrheit selbst zu holen, finde ich. Warum wissen die beiden etwas, das Ihr nicht wissen dürft? Seid ihr nicht der Zweite in der Thronfolge - VOR dem Magier? Es ist natürlich nur die subjektive Meinung eines alten Mannes, der obendrein tot ist.« Er blickte traurig zu Linhard. »Was sollte ich allein in Naridien? Mein Platz ist an der Seite meiner Familie, schon immer gewesen. Ich lebte wahrlich lange genug im Exil. Genug ist genug. Ich werde bei Linhard leben, oder überhaupt nicht.«

Linhard von Hohenfelde
Lin nickte zustimmend. »Du kennst meine Antwort drauf, auch wenn Du es verbietest«, gab Lin zurück und aß nun doch den Keks, der ihm überhaupt nicht mehr schmeckte.

Brandur von Hohenfelde
»Ja, ich verbiete es«, polterte Brandur. »Nach wie vor!« Und mit einem dünnen Substanzfaden, den er an Linhard andockte, kommunizierte er: ›Dann lass dir gefälligst etwas einfallen, aber SO geht Linhard von Hohenfelde nicht von dieser Welt! Ich bin nicht gestorben, damit du mir folgst, sondern damit du lebst!‹

Gregoire Verrill de Souvagne
»Er ist niemand in der Thronfolge, er ist der Bastard der Zweitfrau. Aber die Zweitfrau ist die Lieblingsfrau unsere Vaters. Und der Wahrheit geschuldet ist sie sogar eine herzlichere und liebevollere Person als meine Mutter. Unsere Mutter ist etwas unnahbar, so könnte man es sagen. Liebevoll aber immer etwas distanziert, selbst zu ihrem Mann. Gut es war keine Liebesheirat, dennoch respektieren sie sich. Und sie respektiert uns. Ich achte meine Mutter, aber ich würde nicht sagen dass ich sie so liebe, was andere unter Mutterliebe verstehen. Dafür hatte ich meine Amme, aber ich denke das ist Euch ebenso bekannt. Min hingegen ist zwar nicht gerade hochintelligent, aber sie hat das Herz am richtigen Fleck, sie ist ein Mama-Typ. Liebevoll, besorgt, mütterlich - eine Mutter, Mama und Amme in einem. Ich mag sie sehr und Vater liebt sie abgöttisch. Und ich vermute genau deshalb hat Ciel den Status eines anerkannten Sohnes erhalten. Das sei ihm auch gegönnt, nur hat er mir deshalb meinen Platz nicht streitig zu machen. Ich werde seinen Leibdiener mal gehörig aushorchen. Der gute Ferrau nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau - er schuldet mir noch was. Sonst lernt mich der Bursche kennen«.

Linhard von Hohenfelde
»Das sage ich nicht um Dich zu ärgern, sondern weil ich Dich vermisse. Ich versuch es«, murrte Lin.

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg ging rüber zum Sofa und schaute auf Linhard runter. »Dein Vater hat Recht, sag sowas nicht. Solange Du nicht allzugroßen Schaden anrichtest, werde ich Dich retten lassen. Aber wenn Du die Grenze überschreitest, wird es kein zurück mehr geben. Nicht für Dich, nicht für ihn. Du wolltest es mit mir versuchen Lin, also versuch es auch. Zudem tut sowas weh zu hören. Ich versuche Dir die ganze Zeit zu zeigen wie schön das Leben sein kann. Gut vergiss mal den heutigen Tag, der war auch für mich bescheiden. Aber dennoch ist das Leben schön. Unabhängig von durchgeknallten Brüdern und ihren Machtspielchen. Am Meer sitzen war schön, im Cafe lecker essen und trinken war doch schön, der Ausritt zu Pferd war schön und der Ausflug mit dem Huhn doch auch. Und noch einige andere Dinge, die Brandur sicher nicht hören möchte. Du hast Leute die Dich vermissen würden und wenn es nur einer ist, ist doch was oder? Einen gibt es mich«.

Brandur von Hohenfelde
Brandur nickte freundlich. »Zwei. Ja, das alles ist mir bekannt, wie den meisten unseres Standes. Ebenso ist verständlich, warum der Duc seine Zweitfrau mehr liebt als die Erste, mir ging es genau so und die Zweite war nicht einmal meine Frau, sondern nur Geliebte. Mehrere Frauen zu heiraten, ist in Naridien nicht gestattet. Und mir war keine freie Wahl vergönnt, so wie Eurem Vater vermutlich ebenso nicht bei der Wahl seiner Hauptfrau. Dennoch sollte man als Vater darauf achten, keines seiner Kinder ins Abseits zu drängen. Es führt zu so viel Elend ... Linhard, bitte gib Gregoire noch einen Keks. Und iss deinen auf. Versucht es ruhig über den Leibdiener herauszufinden. Aber kann man seinem Wort trauen, sollte er verneinen? Angenommen, der Magier hätte Ritualnarben - dann wüsste sein Leibdiener sicher um deren Bedeutung und um das ganze Geheimhaltungsgewese. Ritualnarben erkennt man an ihrer Gleichmäßigkeit, an ihrer Geplantheit. Sie sind oft parallel angeordnet und bilden so ein charakteristisches Muster. Bei einem Blutnekromanten wären sie sicher an Stellen mit besonders dünner und zarter Haut zu finden, über nahe der Oberfläche verlaufenden Blutgefäßen.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Es lag nicht an unserem Vater, im Gegenteil er war zu uns immer liebevoll und sehr gerecht. Er gab sogar mir und Ciel einen eigenen Titel samt dazugehöriger Scholle und zwar unterstehen wir damit direkt dem Duc. Solange es Vater ist, ist dies im Moment kein Problem. Sobald es Dreux ist, bleibt oder wieder sein wird - keine Ahnung. Ferrau ist nicht für seine Ehrlichkeit bekannt. Mich hat er auch belogen. Erst behauptete er, er wäre Heiler und seine Familie und dann hat er nur in der Wäscherei gearbeitet. Ich wollte das verlogene Schwein auspeitschen lassen. Belügt einen seiner Herrn nach Strich und Faden. Jeden Tag hat er neue Fähigkeiten der Lump«.

Linhard von Hohenfelde
Lin reichte breit grinsend Greg und Brandur einen Keks. Den von Brandur aß er dann mit verlegenem Schulterzucken doch selbst. »Verrill... hör mal kurz zu, Ferrau hat nie gesagt er wäre Heiler. Er war auch nicht in der Wäscherei tätig, sondern in der Küche. So hat er es mir erzählt uns allen«, lachte Lin.

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg nahm den Keks entgegen und aß ihn auf. »Na bitte, sogar Dir erzählt er was ganz anderes als mir diese Hundsfott! Morgen war sein Vater Himmelsauge, warte nur ab. Aber das Bürschchen greife ich mir«.

Brandur von Hohenfelde
Brandur lächelte Linhard freundlich an. »Ich kann leider keinen Keks mehr annehmen, doch du weißt, was mir die Geste bedeutet. Bitte achte darauf, dass dein Gregoire nicht das Maß an Ausgrenzung erleiden muss, wie du es musstest, das tut meinem alten Herzen ja schon vom Zuhören weh. Wie wäre es, wenn Ihr diesen Ferrau gleich fragen geht, Hoheit? Oder ihn herholen lasst? Eine solche Frage sollte doch fix beantwortet sein.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Stimmt, solange ich noch was zu sagen habe«, murrte Greg und stampfte vor die Tür. Er schnappte sich einen der Gardisten die vor seinem Flügel Wache hielten. »Holt mir umgehend Ferrau hierher. Es ist von höchster Dringlichkeit, wie ist gleichgültig nur schafft diesen Mann heran!«, befahl er. Der Gardist salutierte und eilte davon.

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg ging zurück in sein Quartier und hockte sich zu Lin aufs Sofa. »Gleich müsste er hier sein, dass heißt, wenn Ferrau unterwegs tätig ist. Sonst haben wir gleich meinen Bruder hier... Der ganze Mist wäre nicht geschehen, wäre mein Vater hier«, stöhnte Greg.

Linhard von Hohenfelde
Lin setzte sich auf und legte Greg einen Arm um die Schulter. »Das wird schon, es wird sich aufklären oder Du wirst Dein Amt, Dein Rang und Deinen Posten verteidigen. Wie dass werde ich Dir sagen, vertraue mir. Jedenfalls musst Du keine Angst haben, dass sie Dich ausboten können. Natürlich könnte Dreux Dir sogar Deinen Titel entziehen, aber warum sollte er das? Sie behaupten doch, es geht ihnen nicht darum Dir zu schaden. Das würde ja genau das Gegenteil beweisen«.

Brandur von Hohenfelde
»Das werden wir ja gleich sehen«, erwiderte Brandur und war sehr gespannt, wer nun zu ihnen kommen würde, der Diener oder der Magier, den er zu gern einmal kennenlernen würde. Aber das würde er sicher ohnehin früher oder später.

Gregoire Verrill de Souvagne
Die Gruppe wartete eine halbe Stunde, dann kam der Gardist zurück und hatte einen äußerst verängstigten Ferrau im Sicherungsgriff bei sich. Der Mann klopfte an und Zerbino ließ ihn samt seinem Gefangenen eintreten.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Danke, haltet bitte vor der Tür Wache und falls jemand um eine Audienz bittet - wir sind beschäftigt«, befahl Greg. »Jawohl Herr«, bestätigte der Gardist und bezog vor der Tür Stellung.

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg lächelte freundlich, aber als sich die Tür schloss, war das Lächeln von seinem Gesicht gewichen. Mehr noch, es sah so aus als hätte es nie existiert und nur eine einzige Antwort trennte Ferrau davon ob er diese Räume lebend verließ oder im Leichensack. »Ferrau... Du wirst uns einige Fragen beantworten«, befahl Greg.

Ferrau
Ferrau wischte sich über die Augen und versuchte seine zitternden Knie unter Kontrolle zu bekommen. »Ja Herr...Herrr«, antwortete er und blickte verstohlen zur Tür in der Hoffnung, dass Ciel ihn retten würde.

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg nahm sich den Kaminhaken und tippte damit Ferrau unters Kinn. »Schau Du weißt was man mit Lügnern macht und Du hast Dir leider zur Angewohnheit werden lassen, mich als Dein Hauptopfer zu erwählen. Lustig... amüsant... wir werden es sehen. Ich möchte Dir nicht schaden, aber wenn Du mich zwingst, werde ich das tun, was man mit Lügnern allgemeinhin macht und ich werde es persönlich tun, ich werde Dich brandmarken Ferrau. Also wirst Du meine Frage wahrheitsgemäß beantworten?«, fragte Greg und schob den Haken in die Glut des Kamins.

Linhard von Hohenfelde
Lin setzte sich aufrecht hin und knabberte Kekse, Greg hatte mehr Eier als er ihm zugetraut hätte. Er stopfte sich die Tagesdecke auf den Schoß, denn ob er wollte oder nicht, die Aktion machte ihn gerade gewaltig geil.

Ferrau
Ferrau fing dermaßen an zu zittern, als stände er in einem Sturm. Seine cremefarbene Hose wurde vorne nass, beschämt schaute er zu Boden, da er sich vor Angst eingenässt hatte. Er wusste nicht warum ihn Dreux und Greg dermaßen hassten, dass sie ihn immer schlagen wollten und nun hatte er auch noch den Teppich ruiniert. Er nickte stumm und versuchte einen Ton herauszubringen. Er hatte doch nicht gelogen. Alles was er gesagt hatte, war das seine Eltern in der Küche arbeiteten. Was konnte er für das Siebartige Gedächtnis dieses Bohnenstangendämons?

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg musterte Brandur kurz, ehe er Ferrau anschaute. »Dein Herr, beschreibe ihn nackt. Haargenau. Hat er Narben? Falls ja, wo. Wie sehen diese Narben aus? Weißt Du welche Form von Magie er praktiziert? Falls ja, beschreibe sie. Falls nicht, welche Art von Büchern liest er? Sag mir alles was Du darüber weißt. Und Du warst mit Ehveros. Was ist dort geschehen, was haben Dreux und Ciel dort vor Ort besprochen?«.

Brandur von Hohenfelde
Brandur ließ sich nicht anmerken, was er empfand - Respekt. Und eine zufriedene Genugtuung darüber, das Linhard genau den richtigen Ehepartner gewählt hatte. Was hätte er mit der Schwester gewollt? Dieser Mann war eine Bestie, wenn er wollte und obendrein scheinbar von Linhard leicht zu beeinflussen - er war ein Kampfhund an der Kette.

Ferrau
Ferrau bekam es mit der Angst zu tun. Mehr noch als zuvor. Was wollte der Prince von seinem Herrn? Was hatte sein Herr denn verbrochen? Irgendwas stimmte ganz und gar nicht. Er durfte nichts sagen, sonst würde Gregoire bestimmt auch Ciel etwas zu Leide tun. »Mein Herr ist dünn und 175 cm hoch, er ist nicht sehr schwer sondern zierlich so wie Ihr. Er ist etwas trainiert und hat vom Schwertkampf Narben. Vielleicht auch von einem Degen. Das weiß ich nicht. Er ist blass und hat kurze Haare und er ist ordentlich rasiert. Er ist nicht minder oder übergroß ausgestattet und er ist gesund. Ich habe von Magie keine Ahnung und er hat mir nichts von Magie erklärt. Er ist fleißig und arbeitet sehr viel. Und er ist sehr klug und vor allem gütig. Er liest viele Bücher, aber ich habe nicht nachgeschaut welche. Die einzigen die ich mir gemerkt habe waren über den Krieg. In Ehveros hat sich der werte Duc Dreux unter der Kutsche versteckt. Sie beide haben Drogen genommen und Duc Dreux hat sie nicht vertragen. Er wurde ganz wirr und hat sich in der Kutsche versteckt. Aus Sicherheitsgründen ließ ich ihn zurück. Das ist alles was ich weiß«.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Wie er ausgestattet ist, war meine größte Sorge! Wirklich! Gütig? Nun da bist Du bei mir an der falschen Adresse Du verlogener Hund. Du weißt welche Bücher er liest, Du bist sein Leibdiener, Du räumst sie weg. Folglich wirst Du zumindest den Buchrücken gelesen haben, den der pendatische Ciel wird sie doch auf Anhieb wiederfinden wollen, nicht war mein minderbemittelter Freund Ferrau?«, knurrte Greg. »Und was ist das für ein Schwachsinn, dass sich Dreux in der Kutsche versteckte? Was sind das für Märchen?«.

Linhard von Hohenfelde
Linhard biss in die Tagesdecke um nicht loszuprusten. Der Leibdiener hatte vielleicht Nerven, weshalb sollte sich der Duc in der Kutsche verstecken? Wäre dem so, wäre er sicher erst gar nicht angereist. Und Ehveros war nicht der Abgrund, da musste man sich nicht wie Espenlaub zitternd in der Kutsche verstecken.

Ferrau
Ferrau schüttelte langsam den Kopf. »Er hatte Drogen genommen und war nicht er selbst Herr«, flehte Ferrau kläglich.


Brandur von Hohenfelde
Brandur prägte sich das Aussehen des Magiers ein. Wenn er ihn sah, wollte er ihn erkennen und nicht mit einem anderen Adligen verwechseln. Er wusste nicht, ob seine Kenntnisse der souvagnischen Kultur ausreichen würde, um einen Prince als solchen zu identifizieren, wenn er ihn sah. Auch merkte er sich, dass der Duc und der Prince Drogen genommen hatten. Vielleicht war die Information irgendwann nützlich. Ihm gefiel das Schauspiel, was sich ihm Bot. Er hoffte nichts Schlimmes für den Diener, doch war es für ihn interessant, zu sehen, was sein Schwiegersohn konnte, wenn er sich in die Enge gedrängt sah.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Aha, gut das ist nachvollziehbar«, stimmte Gregoire zu. Einen Augenblick später hatte er den Schürhaken in der Hand, dass man sich fragte wie er dahin gekommen war. Er führte den Haken wie ein Stilett und stach Ferrau die glühende Spitze genau in die Schulter, dass es einen Augenblick später nach verbranntem Fleisch roch. Ein Kreischen zerriss die Luft und Ferrau brach wimmernd auf dem Boden zusammen.

Linhard von Hohenfelde
Lin musterte nicht länger Ferrau, er war für Linhard schlagartig uninteressant. Vielmehr interessierte ihn wie Greg den Schürhaken hielt, er wusste mit einem Stillett und garantiert auch mit einem Degen tödlich umzugehen. Er hatte den Diener genau dort getroffen wo er wollte und er war schnell. Das gefiel ihm, er würde Greg einladen mit ihm die Waffen zu kreuzen.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Versuchen wir es doch mal mit der Wahrheit«, flüsterte Greg und streichelte Ferrau mit dem glühenden Schürhaken den Nacken so dass dieser vor Schmerzen zitterte und kreischte.

Ciel Felicien de Souvagne
Draußen hörte man Schritte herangepoltert kommen, ein paar kurze, sehr wüste Worte zu den Gardisten und dann wurde die Tür aufgerissen. Ciel stürzte herein, verschaffte sich rasch einen Überblick. Sein Blick huschtehuschte exakt ein Mal über allen Anwesenden inklusive des Geistes hinweg. Ohne in der Bewegung innezuhalten, packte er Gregs Handgelenk jener Hand, die den Schürhaken hielt. »Las los«, befahl er und versuchte, ihm das Handegelenk so zu verdrehen, dass die Finger sich öffneten. Mit der anderen hand packte er Gregoires Kragen.

Ferrau
Wimmernd wich Ferrau zurück und klammerte sich an Ciels Bein. »Herr helft mir«, flehte er.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Was soll das? Lass mich sofort los. Wenn Du Deinen Diener nicht unter Kontrolle hast, ich habe es«, zischte Greg und versuchte seine Hand zu befreien. Leider war Ciel nicht nur genauso groß, sondern ungefähr von gleicher Statur, er konnte genauso gut mich sich selbst ringen.

Linhard von Hohenfelde
Lin wäre am liebsten aufgestanden und hätte Ciel am Schlafittchen gepackt, aber er durfte weder gegen Ciel noch sonst einen der Großherzoglichen Familie körperlich vorgehen, dass wäre Hochverrat. Zudem wollte er Ciel nicht persönlich schaden, er war nicht hierher gezogen, damit es dermaßen ausartete und er am Ende noch in der Fremde auf dem Block landete. Wann er ging, wollte er gerne selbst bestimmen. Er stand langsam auf und zeigte die offenen Handflächen. »Greg lass den Haken los, komm schon. Ihr verletzt Euch beide selbst noch«, bat Lin.

Ciel Felicien de Souvagne
»Lass mich los Ferrau«, fauchte Ciel, ohne den Blick von Gregoire abzuwenden, als er merkte, dass dieser nicht so einfach klein bei geben würde. »Ich brauche Bewegungsfreiheit! Greg, hör auf! Du machst gerade einen riesengroßen Fehler!« Er drehte weiter an dem Handgelenk. Beide waren annähernd gleich stark und bei dem Versuch, die Oberhand zu wahren, zitterten ihre Arme leicht vor Anspannung. »Greg, bitte!«, versuchte Ciel ihn irgendwie zu erreichen. Er spürte, dass Gregoire ihm kräftemäßig auf lange Sicht um ein kleines Stück überlegen sein würde - der Preis für Ciels Blutarmut. Er würde schneller erschöpfen. Sie mussten das schnell beenden.

Ciel Felicien de Souvagne
»Lauf, Ferrau«, ächzte Ciel. »Zu Benito!«

Linhard von Hohenfelde
Das es dermaßen ausartete hatte Linhard nicht gewollt. Er hatte Gregoire mit seiner Bitte in die Scheiße geritten und nun musste er seinen Verlobten dort auch wieder herausziehen. Im Moment war Linhard froh, dass der Vater von ihm wer weiß wo war, denn dafür hätte es bestimmt mehr als eine harte Ansage gegeben. So lustig es eben auch noch gewesen war, Lin war sich bewusst was hier abgelaufen war, sie hatten sich hochgeschaukelt und genau das durfte nicht passieren. Er hatte Greg fast auf den Dunklen Pfad geschubst. Lin legte Greg eine Hand auf die Schulter. »Hör auf Deinen Bruder bitte«, flüsterte er.

Ferrau
Ferrau schaute Ciel mit großen Augen an, dann rannte er davon und fühlte sich so schäbig wie nie zuvor in seinem Leben.

Brandur von Hohenfelde
Brandur blieb ganz ruhig sitzen. Als Geist konnte er ohnehin nichts weiter tun. Er beobachtete einfach gespannt, was geschehen war und freute sich darüber, den Magier der Familie zu sehen. Er beobachtete die beiden Prinzen ganz genau.

Gregoire Verrill de Souvagne
»In Ordnung«, sagte Greg mit unterdrückter Wut. Er ließ sich von Ciel den Haken abnehmen und gab die Gegenwehr gegen seinen Bruder auf. Er versuchte beiseite zu schieben, was er sonst für Ciel empfand, denn irgendwie wusste er gerade gar nicht mehr wie er fühlen sollte. Am liebsten hätte er sich versöhnt und zeitgleich Ciel einen Scheitel mit dem Haken gezogen.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel ging mit dem Haken in der Hand ein paar Schritte rückwärts. Er ging, bis er außerhalb der Tür war. Dann schlug er den Haken wortlos dem Gardisten vor den Hals, der ihn verusucht hatte, vor der Tür aufzuhalten und auch jetzt keinerlei Versuch unternommen hatte, einzugreifen und die Sache irgendwie zu beruhigen. Der Gardist ging sofort würgend zu Boden. Ciel hatte ihm mit der stumpfen Seite gegen den Kehlkopf geschlagen und das selbe machte er nun mit dem zweiten Gardist. Die beiden würden später ihre Rechnung bekommen. Er blickte den Gang entlang, ob er Ferrau noch sah.

Ferrau
Ferrau hockte wimmernd hinter einem Vorhang und schaute seinen Herrn panisch an.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Bist Du von allen guten Geister verlassen?«, blaffte Greg seinen Bruder an.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciels Wangenmuskulatur war extrem angespannt. »Kannst du nicht ein einziges Mal hören«, zischte er Ferrau an. Er fasste ihm unter die gesunde Achsel und zog ihn auf die Füße. Er legte sich den Arm seines Dieners über die Schultern und bedachte Gregoire mit einem wütenden Blick. »Das wollte ich DICH gerade fragen!«, blaffte Ciel und es klang wie Hundebellen. Es war der Tonfall, den er sich als Befehlshaber an der Front angewöhnt hatte. Und genau so fühlte er sich gerade wieder - einer Front von Feinden gegenüber. »Was sollte das? Wolltest du Ferrau gerade umbringen?!«

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg wich einen Schritt zurück und prallte mit dem Rücken dabei gegen Lin, der ihn sofort an seine Seite zog. »Schrei mich nicht an, Du vergisst wohl wer ich bin. Umbringen? Ich wollte nur die Wahrheit aus ihm herauskitzeln. Er lügt wie gedruckt und Du lässt es ihm durchgehen. Interessant was Du so in Ehveros getrieben hast »Bruder« - ich habe keinen Zwist zu Euch gesucht, den habt Ihr begonnen. Und da kam Ferrau mit seinen Lügen zwischen die Fronten. Bedauerlich, aber nun weiß er für die Zukunft, dass er besser nie wieder lügt«, knurrte Greg obwohl ihm im Moment ehr nach Heulen zu Mute war. Er war es nicht gwöhnt seinen Platz verteidigen zu müssen. Seit seiner Geburt stand dieser üblicherweise fest und wurde nicht angezweifelt, aber nun bellte ihn Ciel auch noch an. Mit welchem Recht? Am liebsten hätte er sich in seine Bibliothek verkrochen, aber damit war ihm nicht geholfen.

Ciel Felicien de Souvagne
Da Gregoire etwas zurückwich, senkte Ciel die Stimme, doch sie klang nicht minder zornig als zuvor. »Getrieben? Was soll ich denn deiner Meinung nach getrieben haben? Lass Ferrau aus dem Spiel! Wenn du ein Problem hast, dann sag es mir ins Gesicht und benutz nicht die Diener als Boxsack, die sich nicht wehren dürfen! Schon gar nicht meine! Ferrau weiß, wo sein Platz ist - an meiner Seite! Dafür bedarf es keines Schürhakens! Du bist ein elender Feigling, dich an ihm zu vergreifen!« Ciel versuchte, abzuschätzen, wie stark Ferrau blutete, ob er ihn sofort wegbringen musste oder ob es noch für dieses Wortgefecht Zeit hatte. Warum war der widerspenstige Kerl nicht von selbst zu Benito gegangen? Vielleicht hatte er es nicht mehr gekonnt. Ciel hielt Ferrau ganz fest, damit er nicht umstürzte, selbst wenn ihm die Beine versagen sollten.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Die Feiglinge seid doch Ihr. Du und Dreux Ihr seid Euch immer so schön einig nicht wahr? Die Forderung nach dem Schwur, die habe ich Euch wirklich übel genommen. Aber den Rest - geschenkt. Ihr werdet Euer Ding machen und ich mache meines. Und wenn Vater zurückkommt, lassen wir die Sache klären, ob das so seine Richtigkeit hat, wie Ihr mit mir umgeht. Der Jammerlappen hat nichts, er wurde zweimal gepiekt«, knurrte Greg.

Linhard von Hohenfelde
Lin vermied es seinen Verlobten zu korrigieren, dass er ihn nur einmal mit dem Haken gestochen hatte, aber dafür danach Ferrau mit den Haken gestreichelt hatte. Sein Brandzeichen hatte er also bekommen. Ciels Wut war nur zu verständlich, aber Lin verstand ebenso Greg. Wer wenn nicht er würde verstehen, wie man sich fühlt, wenn man von der eigenen Familie wie ein Aussätziger behandelt wurde? Er legte Greg demonstrativ einen Arm um die Hüfte. »Ich bat um die Frage nach der Wiederbelebung meines Vater und nicht Gregoire. Es gibt also keinen Grund ihm etwas vorzuenthalten oder wie ein Familienmitglied zweiter Klasse zu behandeln. Soweit ich gehört habe, hat er auch seine Aufgabe hier als Duc in Vertretung einwandfrei erledigt. Für Misstrauen zwischen Euch drei dürfte es keinen Grund geben«, warf Lin ein.

Ciel Felicien de Souvagne
»Deine Worte tun weh, Greg. Hatten wir nicht immer zu dritt stehen wollen? Du hast Vaters Abschiedsworte nicht gehört ... er dachte, dass er Ehveros nicht mehr lebend verlassen wird. Und dies war sein letzter Wunsch an uns, dass wir zu dritt Seite an Seite stehen. Willst du wirklich alles kaputt machen? Wofür eigentlich? Was willst du überhaupt? Du hast meinen Leibdiener nicht zu misshandeln! Du hast ihm nichts zu sagen, nichts zu befehlen und überhaupt nichts mit ihm zu tun, er gehört mir, ausschließlich mir! Ferrau?« Ciel war in Sorge. Ferrau schien überhaupt nicht mehr zu reagieren. Wurde er bewusstlos? Nur widerwillig widmete Ciel seine Aufmerksamkeit Linhard, der sich selbst als Quell des Übels identifizierte. »Hast du ihn auch hierfür angestiftet?«, fragte er streng. »Doch, es gibt einen Grund ihm etwas vorzuenthalten! Einen sehr Guten! Aber den wollte er nicht hören.«

Ferrau
Ferrau blinzelte nur in Zeitlupe.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Das hat er nicht, was denkst Du von ihm? Hat Olivie Dich angestiftet mich abzuschieben?«, fragte Gregoire giftig, aber man sah ihm an dass er die Worte bereute die er gerade ausgesprochen hatte.

Ciel Felicien de Souvagne
»Olivie? Wie kommst du jetzt schon wieder auf sie?! Olivie hat damit nichts zu tun! Ich wollte dich sogar heiraten, um dich nicht zu verlieren! - Verdammt!« Ciel hatte bemert, dass Ferrau kaum noch reagierte. Er versuchte, ob Ferrau mit ihm gehen konnte. Der Streit mit seinem Bruder war plötzlich zu Nebensächlichkeit geworden. »Ferrau! Kannst du gehen? Hörst du mich?«, fragte er und klang nun verzweifelt.

Linhard von Hohenfelde
Linhard überlegte genau, was er nun sagen sollte. Er konnte es so stehen lassen, aber damit würde er genau das schaffen, was er selbst hinter sich lassen wollte. Oder er konnte vesuchen die Situation zu retten. Im Grunde war es sogar seine Pflicht. Gregoire hatte sich mit seiner eigenen Familie für ihn angelegt. Würde er sie nun tatsächlich auseinnander bringen, was für ein Dienst war das? Ein Liebesdienst garantiert nicht, schwärzer konnte der Weg nicht werden. Und darüber zu lachen wenn einer misshandelt wurde, war genauso schlimm, wie wegzuschauen. Es war gewaltig leicht, dem schwarzen Weg nachzugeben, er war verlockend und ein Teil davon sang stets in seinem Blute mit, ob er es nun wollte oder nicht. Der Teil war da. Aber er hatte einen Kopf auf den Schultern und diesen konnte er durchaus dazu benutzen, sich bewusst gegen diesen Weg zu entscheiden. Er war hierher gezogen um den Abgrund loszuwerden und ihn nicht über die Welt zu verstreuen. »Vermutlich ja, ohne es bewusst zu wollen. Ich habe Greg darum gebeten, da ich meinen Paps wieder haben wollte. Ich habe ihm mehr als einmal deutlich gemacht, wie sehr ich ihn vermisse. Ich habe ihn von unserer Vergangenheit erzählt und er sah einen Teil von mir in Euch. Einen Teil den es bei Euch nicht gibt, den er nur aus Erzählungen kennt. Du hast Recht, er hat weder Deinen Leibdiener anzufassen, noch ihm zu schaden. Es ist ausgeufert. Er wollte Euch nichts Böses Ciel, er wollte mir etwas Gutes tun. Aber leider, wie so oft, entsteht genau daraus das Schlimmste. Olivie hat gar nichts damit zu tun. Dein Diener ist in Ordnung so weit man das sagen kann. Es sind ausgebrannte Brandwunden, zwei an der Zahl. Er ist nur schockiert. Halte ihm von unserem Riechsalz unter die Nase. Es tut mir aufrichtig leid dass es soweit gekommen ist. Das habe ich garantiert nicht gewollt und Greg sitzt wegen mir zwischen den Stühlen. Er liebt Euch, aber er liebt auch mich und wollte mir meinen Herzenswunsch erfüllen. Also ja, ein Großteil der Schuld liegt bei mir«, antwortete Linhard ehrlich.

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg setzte gerade zu einer Verteidigung an, als er hörte was Linhard sagte. Gregoire klappte den Mund wieder zu, drückte sich die flache Hand kurz auf die Augen, ehe er sich über das Gesicht strich. Für den Bruchteil einer Sekunde fragte er sich, mit welchem Körperteil er vorhin gedacht hatte, Hirn, Herz, Hose? Das Eingeständnis ließ ihn schlagartig von seiner Wut nüchtern werden, betreten schaute er zu Lin auf und dann seinen älteren Bruder an. »Ich weiß dass Du das wolltest und ich habe Dir und Oli sogar ein Haus gekauft«, sagte er leise.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ferrau braucht kein Riechsalz«, schnauzte Ciel. Er ließ seinen Diener etwas los und schaute, ob er stehen konnte oder ob er ihn zu Boden sinken lassen musste. »Er wollte nichts Böses ... wenn das nicht Böse ist, was ist es dann?« Er blickte seinem Bruder in die Augen. »Sag es mir! Was ist das hier für dich? Dreaux hat ihn fast totgeschlagen und nun willst du erledigen, was er nicht schaffte?« Die Botschaft mit dem Haus ignorierte er. Das war nun völlig unwichtig und tat nichts zur Sache. »Ferrau«, versuchte er es noch einmal und rubbelte ihm einmal kräftig durch die Haare, anstatt ihm gegen die Wange zu klopfen, wie es sonst üblich war. Ferrau sollte nicht an Schläge erinnert werden.

Ferrau
Ferrau klammerte sich an Ciel fest und musterte seinen Herrn. »Ja?«, fragte er leise.

Ciel Felicien de Souvagne
»Kannst du gehen?«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Ich wollte... », stockte Gregoire, »ich wollte... also... mit ihm eins sein«. Greg räusperte sich und schaute seinem Bruder in die Augen. »Das habe ich nicht gewusst, wie so vieles andere nicht. Wie verbleiben wir?«.

Ferrau
Ferrau nickte. »Ich kann gehen und stehen Herr, ich habe nicht gelogen, sagt ihm das. Ich habe ihn doch nie angelogen! Ich komme aus der Küche, meine Eltern, alle arbeiteten in der Küche! Was ist denn nur los mit allen! Ich lüge nicht!«, weinte Ferrau.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel legte Ferrau kurz die Hand an die Wange. »Beruhig dich. Wir gehen gleich in unsere Gemächer. Vergiss Benito, ich schau mir das erst einmal selbst an. Vielleicht musst du nicht zu ihm.« Er wandte sich noch einmal Gregoire zu. »Wie wir verbleiben, nachdem du meinen Leibdiener fast abgestochen hast? Mach einen Vorschlag.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Ich weiß es nicht. Wirst Du Dreux davon erzählen? Oder können wir uns darauf einigen, dass Du es ihm wenn vielleicht erst nach der Hochzeit erzählst? Ich habe ihn nicht abstechen wollen, ich wollte ihn nicht töten, ich wollte ihm ... eine Lektion verpassen, weil er ständig lügt. Das macht mich rasend. Wieso kann nicht einer mal offen und ehrlich zu mir sein? Gleichgültig, ich gewöhne mich noch dran. Also können wir uns darauf einigen? Waffenstillstand bis nach der Hochzeit bitte?«, bat Gregoire. Er musste zugeben, dass er die Reaktion von Dreux mehr fürchtete als die von seinem Vater. Und das Ciel ihm nicht gerade mehr wohlgesonnen war, nach dem was er gerade getan hatte war auch klar. Eigentlich fand er Ferraus Reaktion überzogen, aber stellte er sich das ganze Schauspiel seitenverkehrt vor, dass Ciel mit Zerbino so umgesprungen wäre, rutschte ihm das Herz in die Hose. Nun vielleicht sollte er wie Vater sagte, wirklich öfter alles von mehreren Seiten betrachten, Bücher boten nicht die ultimative Wahrheit. »Es tut mir leid, ich bin übers Ziel hinausgeschossen. Hättest Du das mit Zerbino angestellt, wäre ich genauso wütend. Das sage ich nicht bezogen auf die Hochzeit oder auf irgendetwas, sondern weil mir gerade einfiel, was Vater einst zu mir sagte«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ach ja? Was sagte er denn zu dir? Dafür, dass du meinen Leibdiener misshandelst soll ich dir also auch noch entgegenkommen - und eine Wiedergutmachung hast du nicht im Sinne.« Er betrachtete Gregoire wie einen Fremden. War das wirklich noch sein kleiner Bruder?

Gregoire Verrill de Souvagne
»Er sagte dass man vor einem Urteil oder eine Entscheidung sämtliche Seiten betrachten soll, zumindest sollte man sie spiegeln, sich also in die Person hineinversetzen - am aller wichtigsten ins Opfer. Und wäre Zerbino anstatt Ferrau Dein oder mein Opfer gewesen, hätte ich auch jede Ausrede zur Seite gewischt vor Wut und Enttäuschung. Nein Du sollst gar nichts, ich habe Dich nur darum gebeten. Du kannst es natürlich auch lassen. Eine Wiedergutmachung? Ich hätte angeboten seinen Heiler zu bezahlen, aber dieser gehört eh zum Hofe«, erklärte Gregoire.

Linhard von Hohenfelde
»Spendiere ihm einen Tag Urlaub mit Erholung, wir bezahlen das«, bot Linhard an um Greg beizustehen.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel betrachtete Gregoire ausdruckslos. Zwischen ihnen schien eine eiskalte, unsichtbare Mauer zu stehen. Linhard beachtete er nicht. Dieser Mann war ein Fremder und obendrein hatte er zugegeben, dass er es war, der Schuld daran trug, dass Gregoire sich so veränderte. Ciel wurde Angst, bei dem Gedanken daran, wohin das führen könnte. Er war vollkommen fassungslos. Wortlos drehte er sich um und lotste den verletzten Ferrau langsam in Richtung seines Wohnflügels.

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg starrte Ciel hinterher, ehe er sich an Linhard wandte. »Du solltest damit rechnen, dass Dreux die Hochzeit spätestens heute Abend abgeblasen hat. Was er sich für eine Disziplinarmaßnahme für mich ausdenkt, weiß ich nicht. Du wirst zu jeder Frage schweigen. Was Du Dir wünsch Linhard, ist die eine Sache. Was ich daraus gemacht habe die andere. Ich hätte es auch bei dem Nein bewenden lassen können. Und das die zwei Dich persönlich nicht sonderlich schätzen, war wohl seit Alex der Fall. Schweige und verhalte Dich zukünftig absolut gehorsam dem Duc gegenüber. Erscheine nur am Hof, wenn Du gerufen wirst - Du kennst das Sprichwort. Gehe nicht zu Deinem Fürsten, wenn Du nicht gerufen wirst. Sie werden Dir einen Teil der Schuld anrechnen, auch wenn es meine Wahl war, wie ich handelte. Dies betrifft aber nicht die anderen Marquis. Es betrifft Dich als Person. Du hast Dich allerdings nicht unehrenhaft und adelsunwürdig verhalten, sondern ich. Also wird Dir niemand den Titel entziehen, ansonsten werde ich dagegen sprechen. Ich habe Dir ein Herrenhaus direkt in Deinem Ort gekauft. Zieh umgehend dahin, verlasse sofort den Hof und warte ab bis sich der Rauch verzogen hat. Es tut mir leid. Nun wie Vater immer sagte, allein mit dem Herzen denken ist nicht immer die klügste Wahl, denn auch dieses kann einen zu Dummheiten verleiten. Nimm Deine Leute und geh. Wir sehen uns. Wenn nichts Gravierendes folgt, werde ich Dir nach Vaters Rückkehr folgen. Falls etwas sein sollte, lasse ich Dir eine Botschaft zukommen. Nimm auf alle Fälle Aquila mit. Du weißt nicht inwieweit Du sie noch brauchen wirst. Ich möchte nicht dass Dein Versuch eines Neuanfangs vergeblich war Lin und ich möchte nicht, dass Du das Geld für Deine Scholle in den Sand gesetzt hast, weil ich mich nicht unter Kontrolle hatte. Melde Dich, wenn Du gut angekommen bist«, sagte Greg und drückte Linhard kurz. »Geh«, befahl er.

Linhard von Hohenfelde
Linhard nickte knapp. »Wie Du wünscht, mir tut es ebenfalls leid. Dein Vater hat Recht, Herzensangelegenheiten verfolgt man meist mit unerbittlicher Härte und das ist dann keine Angelegenheit des Herzens mehr. Ich warte auf Dich, wir müssen nicht verheiratet sein um Partner zu sein Greg. Gleichgültig was sie sagen. Keine Ahnung aber ist nichts Neues für mich, entweder meine Familie oder mein Mundwerk oder beides. Ich komme damit klar, dass man mich lieber von hinten sieht. Kümmere Dich nicht drum, sieh zu dass es hier nicht zu schlimm wird. Ich wollte Dir nicht in die Quere kommen, ich hatte nur gehofft meinen Vater zurückzubekommen, ich wollte keinen Verlobten verlieren. Wir sehen uns, falls nicht hier, nun dann woanders - die Welt ist groß hm? Pass auf Dich auf, es tut sonst keiner«, sagte Lin und küsste Greg zum Abschied, ehe er ging.

Ciel Felicien de Souvagne
Als Ciel mit Ferrau in seinem Badezimmer angelangt war, setzte er Ferrau auf einen Hocker und zog er ihm eigenhändig das Oberteil aus, um die Wunden zu begutachten. Erst jetzt bemerkte er, dass auch Ferraus Hose schmutzig geworden war. Das machte ihn noch wütender auf Gregoire. Am liebsten würde er den herzlosen Kerl zum Abgrund jagen! Er entkleidete Ferrau komplett und warf alle Sachen in eine Ecke. Besorgt betrachtete Ciel die Wunden. Ciel sah den Stich der Spitze des Schürhakens. Einige Zentimeter hatte sich das glühende Metall in die Schulter von Ferrau gegraben, aber es war zum Glück nicht tief. Der Strich in seinem Nacken war oberflächlich, die pure Hitze des Metalls hatte Ferrau die Haut versenkt. Darunter war zum Glück kein Gewebe verletzt.

Ferrau
Ferrau schaute dankbar zu seinem Herrn auf. »Ich habe nichts verraten, aber ich habe auch nicht gelogen«, flüsterte er. »Nie gelogen«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Es kann Gregoire völlig egal sein, ob du ihm gegenüber lügst oder nicht - du bist ihm nicht zum Gehorsam verpflichtet. Er hat dir gegenüber keinerlei Weisungsbefugnis. Du kannst ihm ins Gesicht lügen, wie du Lust hast. Ich könnte es dir ja befohlen haben.« Ciel betrachtete genau die Wunden. »Was hast du nicht gesagt? Was wollte er wissen?«


Ferrau
Ferrau nickte dankbar. »Er wollte alles über Euren Körper wissen, ob Ihr Narben habt, welche Magie Ihr beherrscht, ich habe nichts gesagt. Ich habe Euch nur so beschrieben wie Ihr als Mensch wirklich ausseht. Und ich habe gesagt, dass Ihr Narben von Schwertern oder Degen habt. Aber sonst nichts. Und das Ihr Bücher über den Krieg lest, den Rest wüsste ich nicht. Ich wollte mich nicht mit ihm streiten, ich möchte doch nur meine Arbeit machen«, flüsterte Ferrau verzweifelt.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel wickelte Ferrau in ein dunkles Handtuch und führte ihn so zum Sofa. Er ließ ihn kurz stehen, zog das Sofa aus, nahm Ferrau das Handtuch ab und breitete es aus. »Leg dich darauf, du kennst die Prozedur.« Er achtete darauf, dass Ferrau dem auch wirklich nachkam, ehe er sein Ritualmesser holte. Eigentlich sollte er nicht so oft hintereinander Blutopfer darbringen, aber sicher war sicher. Die Schulterwunde war nahe an den großen Venen und Arterien unter dem Schlüsselbein, es konnte gefährlich weden, wenn sie sich entzündete.

Ferrau
Ferrau gehorchte und legte sich gehorsam hin. »Ich hätte besser aufpassen müssen, dass mich niemand einfängt«, weinte er.

Ciel Felicien de Souvagne
»Pscht. Ruhe jetzt, ich muss mich konzentrieren. Du hast nichts falsch gemacht. Der Einzige, der etwas falsch gemacht hat, war Gregoire.« Ciel nahm ein Kissen und kniete sich vor Ferrau an das Sofa. Er betete das übliche Gebet und versank in Meditation, zwang sein Herz und seinen Geist zu absoluter Ruhe. Er spürte nach Ferraus Herzschlag. Ferrau spürte, wie sein jagender Puls sich beruhigte. Es fühlte sich gut an, als ihre Herzen wieder im selben Takt schlugen. In diesem Moment machte Ciel einen kurzen, tiefen Schnitt in seinem Unterarm. Das Blut schoss heraus. Er hatte in der Aufregung recht tief geschnitten, aber er erkannte, dass der Schnitt ungefährlich war. Er träufelte sein Blut auf Ferraus Wunden und legte dann seine Hände darauf. Wärme breitete sich aus und Ferraus Wunden schlossen sich vollständig.

Ferrau
Ferrau fühlte sich gut und sicher, warm und geborgen. Sein Herr hatte sich erneut verletzen müssen, weil ihn andere verletzten. Er war vermutlich der kümmerlichste Leibdiener aller Zeiten. Bewusst kämpfte er dagegen an, erneut zu weinen. Das geziemte sich auch nicht, ständig zu weinen und dem Herrn die letzten Nerven zu kosten .

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel war etwas schwindlig. Die Blutmenge entsprach nur einer kleinen Kaffeetasse, doch dass er recht oft in letzter Zeit sein Blut geopfert hatte, fühlte er nun deutlich. »Geh dich waschen und dann komm wieder her.«

Ferrau
Ferrau gehorchte, wusch sich am Waschtisch sauber und kehrte dann gehorsam zu Ciel zurück. »vielen Dank für Eure Hilfe Herr, Ihr seid immer für mich da. Was werdet Ihr nun tun? Was soll ich tun, wenn ich Eurem Bruder begegne?«, fragte er leise.

Ciel Felicien de Souvagne
Als Ferrau wieder da war, lag Ciel müde auf dem ausgezogenen Sofa. Das Handtuch hatte er weggeworfen. Er klopfte vor sich auf das Polster. »Du wirst ihm nicht begegnen, du bleibst erstmal hier drin und jemand anderes erledigt die Aufgaben draußen, bis ich noch einmal mit ihm gesprochen habe und alles geklärt ist.«

Ferrau
»Das ist gut, ich habe versucht vernünftig zu reden Herr«, erklärte Ferrau und legte sich hin.

Gregoire Verrill de Souvagne
Einen Moment später klopfte es an der Tür. »Mach auf ich weiß das Du da bist: Ich werde mich nicht streiten, ich möchte was klarstellen«, sagte Greg.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel schnaufte unwillig. Ihm fiel auf, dass Ferrau sich nicht angezogen hatte sondern nur dem Befehl nachgekommen war, sich zu waschen. Ciel stand auf, legte das Handtuch über seinen Leibdiener und ging selber zur Tür. Er überlegte einen Moment, ob es sicher war, die Tür zu öffnen, aber auch bei ihm standen vor der Tür stets zwei Gardisten. Also öffnete er und betrachtete ausdruckslos Gregoires Gesicht.

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg nickte knapp zum Gruß. »Linhard hat den Hof verlassen, ich denke das ist in Eurem Sinne. Ich werde es ebenso halten und unsere Verwandten in Neufville besuchen bis zu Vaters Rückkehr. Was Linhard sagte ist seine Sicht der Dinge, nicht meine. Er kann sich wünschen was er möchte, nachkommen muss ich nichts. Aber seine Gesellschaft bedeutet mir viel. Du blutest Ciel«, sagte Greg und deutete auf die Wunde. »Ich weiß nicht wie wir unser Verhältnis noch retten können, ich vermute gar nicht. Allerdings sollten darunter nicht unsere Untergebenen leiden und schon gar nicht das Ansehen der Krone. Falls Dreux mich aufgrund meines Verhaltens also des Amtes entheben möchte, akzeptiere ich die Strafe. Sie ist gerechtfertigt. Ich werde meine Hochzeit auf unbestimmte Zeit verschieben lassen. Ich hoffe das ist ausreichen Wiedergutmachung für Dich.«

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel schüttelte den Kopf und lutschte kurz an seiner Wunde, damit er nicht alles volltropfte. »Das ist keine Wiedergutmachung, das ist Blödsinn. Du machst alles noch mehr kaputt! Ich hatte mich auf die Doppelhochzeit gefreut ... wenn du nicht mehr heiraten willst, verschiebe ich meine Hochzeit ebenfalls, bis du wieder klar im Kopf bist. Es ist nicht mein Wunsch, dass du gehst oder deines Amtes enthoben wirst. Ich will keine ... Rache. Für wen oder was hältst du mich? Ich dachte, dass du vielleicht eine ehrliche Wiedergutmachung für Ferrau hättest und nicht nur das bezahlen seiner Arztrechnung. Der Kommentar ist schon ein ziemlicher Schlag in die Nieren gewesen. Versöhnung ... das hätte ich mir gewünscht.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Versöhnung hätte ich mir auch gewünscht. Ich weiß keine Wiedergutmachung für Ferrau, ich kenne ihn nicht. Zerbino würde ich zur Wiedergutmachung etwas schenken. Was heißt wieder klar im Kopf? Euch ging es doch darum... geschenkt, ich wollte nicht streiten. Ich möchte die Hochzeit nicht platzen lassen, ich möchte sehr wohl heiraten Ciel. Aber dass wird Dreux wohl nicht mehr erlauben. Falls doch, wunderbar heirate ich. Falls nicht, werde ich mit Vater über die Angelegenheit reden. Du warst gekränkt, mich hat auch einiges gekränkt. Vielleicht war es von Euch auch nicht gerade feinfühlig mich wie einen Dienstboten rauszuschicken, während Ihr Eurer Geheimnisse frönt. Behaltet sie, ich möchte mich darüber nicht mehr ärgern. Nur könnt Ihr sie dann besprechen, wenn ich eh nicht dabei bin. Denn ich sitzte ja lange genug in der Bibliothek, also habt Ihr ausreichend Zeit dafür. Das ich mich ebenso gefreut hatte, sah man meiner Meinung nach daran, was ich Olivie oder Dir gekauft habe. Es steckte Mühe dahinter und ich hatte mir Gedanken gemacht. Also gut, warten wir die Entscheidung von Dreux ab, was er dazu sagt«, schlug Greg vor.

Ciel Felicien de Souvagne
»Noch habe ich ihm nichts gesagt. Und wie du Ferrau eine Freude hättest machen können, kann man auch erfragen! Ich habe gerade das Gefühl, dass du gar nicht verstehen willst. Du willst nicht verstehen, warum wir dich hinausbaten. Du willst nicht verstehen, dass ich nicht gekränkt bin, sondern um das Leben meines Leibdieners gefürchtet habe, nachdem ich die zwei vorherigen kürzlich erst verlor! Das Haus hat damit überhaupt nichts zu tun. Ich freue mich, dass du dir solche Gedanken gemacht hast, aber mein Leibdiener ist mir wirklich wichtiger. Vielleicht ist Zerbino dir weniger wert als ein Haus.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Nun dann werde ich das übernehmen, wo ich schon unterwegs bin. Das stimmt, ich hätte Dich fragen können, aber Du hast einen Vorschlag von mir erwartet oder? So war es doch. Ich möchte sehr wohl verstehen und dass Du um Ferraus Leben gefürchtet hast glaube ich Dir. Natürlich bedeutet er Dir alles, wie jedem von uns sein Leibdiener. Wen haben wir sonst? Das Haus gehört dennoch Dir, Du kannst es veräußern und Deinem Leibdiener damit eine Freude machen. Die Summe die Dir damit zur Verfügung steht wird ausreichend sein, das kann ich Dir versichern. Nein Zerbino ist mir nicht weniger wert als Haus, aber vielleicht sollt ein Leibdiener nicht den Wert der eigenen Familie übersteigen. Ich werde Dreux bitten, Dich über seine Entscheidung zu informieren. Ein bereits überreichtes Geschenk, kann man weder zurückverlangen noch weiterverschenken, aber wie gesagt - sollte es Dir nicht liegen, reiche es an Ferrau weiter, ich bin nicht böse«, sagte Greg. »Ich weiß nicht was ich noch sagen soll, oder wie ich mich verhalten soll. Du hast zwar allen Grund mich auflaufen zu lassen und ich habe das meiste verbockt, aber ganz unschuldigt an der Sache bist du mit Dreux auch nicht. Und ehe Du fragst, ich reite nicht auf dem Nein rum. Darum geht es gar nicht, es geht um das wie. Darum ging es mir, also wie ich mich dabei gefühlt hatte. Ich habe weder gewusst noch gehört was Vater zum Abschied zu Euch sagte, aber die Aufteilung und Ernennung wird nicht grundlos erfolgt sein. Man kann die Aufteilung aber auch verschieden oder abändern. Ich weiß es nicht, soll sich Dreux darum Gedanken machen. Was mich auch ärgerte war, dass meine Arbeit mit keinem Wort erwähnt wurde, aber das nur am Rande, wo wir schon alles erwähnen. Ich habe Dich im Flur belogen, ich hatte es vorher nie, ich hatte es auch nicht vor - aber dort bereute ich da erstemal in meinem Leben ehrlich zu Dir gewesen zu sein und Dir davon erzählt zu haben, wie ich mich fühle. Ich habe mich schlichtweg von Euch ausgeschlossen und verarscht gefühlt. Und damit kehre ich dazu zurück, ehrlich zu Dir und Dreux zu sein«, erlärte Greg.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel hörte sich alles ruhig an. Dass er von Gregoire belogen worden war, traf ihn tief, auch wenn er versprach, fortan wieder ehrlich zu sein. »Ja, ich hätte mir gewünscht, dass du zeigst, dass es dir aufrichtig leid tut ... so machte es mehr den Eindruck, als würdest du nur irgendwas vorschlagen, damit ich die Klappe halte. Ich verstehe nicht, wie du darauf kommst, dass ich Ferrau über die Familie stellen würde. Du ziehst in letzter Zeit haarsträubende Schlussfolgerungen. Was ist bloß los mit dir, Greg? Ich KANN dir nicht sagen, was du zu hören wünschst, ich habe einen Eid geleistet! Darum musstest du gehen. Und darum hättest auch du einen Eid leisten müssen. Du wolltest nicht, was mir zeigt, dass du es weitererzählen wolltest. Sei es drum. Ich werde das Haus nicht verkaufen. Es ist ein Geschenk von dir. Du mutest mir eine Herzlosigkeit zu, damit und dass du glaubst, ich würde auf Rache sinnen, die mich sprachlos macht. Greg, du bist mein kleiner Bruder! Ich will keinen Streit mit dir. Aber ich bin, so wie du, auch Prince und wir haben Verantwortung. Es tut mir leid, wie es gelaufen ist. Ich wollte dich nicht verletzen.« Müde lehnte Ciel sich an den Türrahmen.

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg musterte Ciel und dachte über dessen Worte nach. Ihm lag genauso wenig an Rache. Eigentlich wollte er sich versöhnen. »Ich hatte Angst ihn zu verlieren, vielleicht daran mal gedacht? Dein kleiner Bruder, klingt gut - wie früher. Nein, der Vorschlag war nicht um Dir den Mund zu verbieten. Wie ich darauf komme das Dir Ferrau dermaßen wichtig ist? Du hast es doch eben gesagt! Oder ich habe es falsch verstanden, dass kann auch der Fall sein. Gut in der Deutlichkeit mit dem Eid habt Ihr mir beide das nicht gesagt. Ich möchte mich nicht streiten, ich hatte nie vor mit Euch zu streiten oder eine Fehde zu beginnen. Eigentlich haben wir stets zueinander gestanden und uns nicht gegenüber. Es tut mir ebenfalls leid, ich wollte weder Dich noch Dreux verletzten oder Deinem Diener dermaßen schaden. Ich wollte einfach alles versucht haben um Lin zu helfen, aber was ich tat hat er nicht verlangt. Dass sollst Du wissen. Es freut mich, dass Du das Haus behältst. Und was machen wir jetzt? Sehen wir das als Versöhnung oder als Abwarten an?«, hakte Greg verunsichert nach.

Ciel Felicien de Souvagne
»Eine Fehde?«, fragte Ciel erschrocken. »Greg, das war nur ein Streit. Nur ein Streit.« Er trat nach vorn und umarmte ihn fest, wobei er ihn versehentlich am Rücken mit Blut besudelte. Er lutschte rasch noch ein weiteres Mal an der Wunde, dann legte er den Kopf an den von Greg, während er ihn umarmt hielt. »Du hast Verlustangst, wie wir alle. Versöhnung, Greg. Bitte geh nicht weg aus Beaufort.«

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg umarmte seinen großen Bruder ebenfalls. »Ich möchte gar nicht gehen, ich möchte mich doch genauso versöhnen und Dich nicht verlieren. Ich habe mich nur nicht getraut, ich dachte Du stößt mich weg oder Schlimmeres. Versöhnung abgemacht, verzeih mir bitte«, flüsterte er leise.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ich verzeihe dir. Verzeihst du mir auch? Dich wegstoßen ... Du hast Ideen.« Ciel küsste Gregoire auf die Wange.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Ja wir haben alle überregagiert. Vielleicht musste es einfach mal zwischen uns knallen, damit wir sehen dass wir uns letztendlich doch aufeinander verlassen können, selbst wenn Vater nicht da ist«, antwortete Greg und küsste Ciel auf die Stirn. Er packte seinen blutenden Arm und schaute sich den Schnitt und die Narben an. »Sie vermuten es, ich werde schweigen. Und er wird dazu schweigen - ich schwöre es bei meinem Leben«, antwortete Gregoire liebevoll.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ich habe geahnt, dass sie es vermuten ... sie haben sehr hartnäckig gebohrt und immer wieder in die selbe Kerbe geschlagen. Mit ›er‹ meinst du Linhard, nehme ich an. Ich bete, dass er weiß, wie wichtig sein Schweigen ist - für uns wie für ihn. Wir sind eure Lebensversicherung, Greg. Aber unsere Macht hat sehr enge Grenzen. Wir bezahlen dafür mit unserem Blut und, wenn es hart auf hart kommt, auch mit dem eigenen Leben. Ich will mein Leben nicht verlieren, weil mich irgendwer erpresst, sondern aus freien Stücken für meine Familie geben, wenn der Tag gekommen ist. Auch für dich.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Darf ich ihm das genau so sagen? Dann wird er es verstehen, er war bereit sein Leben für jemand anderes zu geben. Wenn ich ihm das sagen darf, wird er verstehen und schweigen. Ich verstehe es doch nun auch. Dafür der ganze Streit, nur damit wir zur Not abgesichert sind? Ich hatte vermutet, das es genau das Gegenteil wäre. Dreux ja, ich nicht. Darum der Schwur. Das ich genau falsch lag schmerzt mich. Ich habe Euch ziemlichen Unfug unterstellt, dass hätte ich besser wissen müssen. Ich war... ziemlich angezickt auf Euch beide und da denke ich manchmal nicht sonderlich logisch. Ich bin wirklich nicht der Kopf von uns dreien, ich war ehr ein wütendes, kopfloses Huhn. Niemand wird Dich erpressen, ich passe auf Dich auf und er auch, wenn Du ihn nur lässt. Er ist kein Schlechter, er ist nur verletzt - gebt ihm eine Chance«, bat Gregoire.

Ciel Felicien de Souvagne
»Du bist der zweite in der Thronfolge und eine Wiedererweckung kann auch schief gehen. Im ungünstigsten Fall stirbt ein Bluthexer dafür, dass der Duc tot bleibt. Dann musst du seinen Platz einnehmen können. Wie viel du Linhard verrätst, kann ich dir nicht vorschreiben ... du hast dich ja geschickt um den Schwur drumherumgemogelt, indem du mich abgepasst hast, während ich Ferraus Verletzungen behandelte. Es sollten so wenige wissen wie möglich und die Strafe dafür, wenn das Wissen außerhalb der Familie gelangt, sind drakonisch. Derjenige wird nie wieder irgendwas ausplaudern können und seine Mitwisser ebenfalls nicht. Wenn du Linhard die Wahrheit sagst, gefährdest du gleichzeitig sein Leben. Überlege es dir gut. Linhard braucht von meiner Seite aus den Palast nicht verlassen, ich habe nichts gegen ihn. Es ist nur so, dass du dich so anders verhältst, seit er da ist. Du liebst ihn sehr, oder?«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Ich... ja ich liebe den Kerl abgöttisch und ich zähle die Stunden bis ich ihn... ehm... näher kommen darf. Ich bin so, ich liebe jemanden ganz oder gar nicht. Wir sind eine Familie der positiven Extreme, Klammeraffen wie Du es scon mal richtig genannt hast. Ich habe auf mein Leben geschworen und ich werde Wort halten. Ich werde es ihm sagen und ihm deutlich machen was es bedeutet. Er muss für uns beide schweigen, für uns alle. Zudem gilt sein Wort uns gegenüber ebenso. Er schwor dem Duc die Treue. Er selbst erinnerte mich daran. Ich benehme mich wie der letzte Rüpel, wenn ich denke irgendjemand will ihn mir wegnehmen. Das hat niemand gesagt, aber ständig vermute ich es und bekomme Panik. Ist das normal?«, fragte Greg und knuffte seinen Bruder. »Ich bin froh dass wir uns versöhnt haben, ganz ehrlich und dass wir wieder wie immer miteinander reden. Was Du lieber meidest, kann ich kaum noch abwarten. Dann wäre er richtig meiner, verstehst Du?«

Ciel Felicien de Souvagne
»Normal ist es auf jeden Fall für uns drei, wir sind alle so. Nur dass du alles scheinbar auf eine einzige Person fokussierst, während ich eine ganze Meute um mich herum brauche. Ich bin da mehr wie ein Hütehund und versuche, sie alle irgendwie beisammen zu halten. Darum schätze ich Leute, die nicht von allein weglaufen. Leute, die sonst keiner haben will.« Er hatte dies ganz leise gesagt, damit Ferrau sich nicht noch mehr verletzt fühlte. »Ich verstehe deine Gefühle sehr gut.«

Gregoire Verrill de Souvagne Heute, 01:50
»Was ist an ihm denn da anders? Da ticken wir beide scheinbar gleich, er ist verkorkst, auf gewisse Weise kaputt, verdreht und dennoch im Herzen unsagbar lieb und niedlich. Er kann vermutlich der Abgrund in Person sein, aber er kann auch anders und zu mir ist er anders. Seit dem er sich mir einmal offenbarte. Und Du kannst mir ihm rumblödeln, was ziemlich viel Spaß macht. Es tut mir doppelt leid, dass ich Dir Ferrau fast genommen hätte. Das wäre so, als hättest Du nicht Zerbino sondern Linhard angegriffen und niedergestochen. Dein Ferrau muss keine Angst vor mir haben, ich war der Lügner, ich habe bestimmt wieder nur die Hälfte verstanden und mir den Rest zusammengereimt. Du bist ein guter Hütehund, Du hast mich den Göttern sei Dank zurück zur Herde getrieben. Lass uns gemeinsam Essen gehen, Du und Oli, ich und Lin bitte«, bat Greg.

Gregoire Verrill de Souvagne
Ferrau schaute zur Tür und war froh, dass sich sein Herr wieder mit seinem Bruder versöhnt hatte. Mehr noch, er schien den kleinen Derwisch irgendwie beruhigt zu haben. Ferrau zog die Decke hoch und wartete ab.

Ciel Felicien de Souvagne
»Das machen wir so, Brüderchen.« Er drückte ihn noch einmal ganz fest. »Wir reden wegen einem Zeitpunkt, der für uns alle passt und dann essen wir was Leckeres. Jetzt sieh zu, dass du deinen Verlobten aufhältst, bevor er wirklich die Stadt verlässt.«

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg nickte zustimmend, drückte Ciel ebenfalls fest und gab dann ganz unroyal Fersengeld um seinen Verlobten einzuholen

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel kehrte zurück zu Ferrau. Er war unsagbar erschöpft von dem Stress und dem Blutverlust. Er schleppte sein Bettzeug aus seinem Bett herüber zum Sofa. Er zog die Decke über Ferrau. Das Kissen stopfte er unter Ferraus Kopf, indem er diesen kurz anhob. Dann legte er sich zu ihm unter die Decke. Er legte Ferrau den Arm um den Oberkörper, bettete seinen Kopf an dessen Hals und schloss die Augen. Es dauerte nicht lange, da schnarchte er leise.

Ferrau
Ferrau nahm seinen Herrn in beide Arme und hielt ihn dankbar, stolz und sehr glücklich fest.

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Brandur von Hohenfelde

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#14

Beitrag von Brandur von Hohenfelde » Sa 21. Apr 2018, 00:34

Gregoire Verrill de Souvagne
Gregoire hatte sich daran gemacht, Linhard samt seinem Gefolge davon abzuhalten den Hof zu verlassen. Er hatte sich mit seinem Bruder ausgesöhnt und genau das musste er jetzt seinem Verlobten und Schwiegervater in Spee erzählen. »Gut dass ich Euch noch erwischt habe. Bleibt, es hat sich wieder eingerenkt. Lasst uns zurück ins Quartier gehen und über alles reden. Bitte«, bat Greg außer Puste.

Brandur von Hohenfelde
Amüsiert änderte Brandur die Richtung, in die er schwebte. »Wie es scheint, führt Ihr ein turbulentes Familienleben. Einige Elemente des Streits kamen mir bekannt vor, nur die Versöhnung muss in unserer Familie traditionell warten, bis mindestens einer der Beteiligten verstorben ist.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Wollen wir hoffen, dass wir das nicht einführen - oder dass ich es dann nicht bin, der zur Versöhnung stirbt. Das wäre schade um mich«, lachte Greg, was auch Linhard losprusten ließ.

Brandur von Hohenfelde
»Auch der Humor kommt mir bekannt vor. Wie es scheint, hat Linhard einen in gewisser Weise Seelenverwandten gewählt und das meine ich selbstredend positiv. Ich war beeindruckt, wie Ihr den aufsässigen Diener gemaßregelt habt. Euer Bruder sah das offenbar anders.«

Linhard von Hohenfelde
»Dabei hatte ich gerade das Huhn satteln wollen, aber es freut mich dass Ihr Euch wieder versöhnt habt. Das meine ich ehrlich, zerstörte Familien gibt es genug. Aus Gemeinsamkeit erwächst eigentlich Macht und Stärke, wir versuchen es gerade - frag Paps. Ja wir verstanden uns von Anfang an ziemlich gut, wobei es von Greg ausging Paps, nicht von mir. Ich sagte doch ich mag seinen Humor - bissig«, grinste Lin.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Aber nur der Humor, nicht ich, nicht wahr?«, gab Greg mit einem Zwinkern zurück.

Linhard von Hohenfelde
»Ja das wäre auch grausam, lassen wir das. Gehen wir zurück oder gehen wir woanders hin ohne Ohren?«, hakte Lin nach und schaute Brandur an.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Wie schnell kannst Du schweben Brandur? So schnell wie ein Huhn fliegt oder ein Pferd rennt? Dann reiten wir in den Ort, nach Beaufort oder zum Meer, wie Ihr wollt«, gab Greg zurück.

Brandur von Hohenfelde
»Ich denke, das bekommen wir hin. Alternativ könnte Osmund mich in einen Gegenstand bannen, den Linhard bei sich führt, doch dann kann ich mich nicht mehr in Geistform manifestieren, bis er mich wieder herauslässt.«

Linhard von Hohenfelde
»ARGH! DASSSSSSS ist die Lösung!«, kreischte Lin, dass Greg erschocken zusammenzuckte wie ein geschlagener Hund.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Meine Güte! Lass uns an Deiner Weisheit haben, aber bitte in einem Ton wo ich nicht zusammenfahre vor Panik«, erklärte Greg verwirrt.

Brandur von Hohenfelde
»Die Lösung für was?«, wollte auch Brandur wissen.

Linhard von Hohenfelde
»Opa! Opa ist die Lösung Paps! Du musst wie Opa werden! Ich muss Osmund fragen, wir benötigen einen Spender«, stöhnte Lin.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Dein Vater soll Dein Opa werden und das ist die Lösung... Lin ich möchte Dir nichts, aber selbst bei der besten Inzucht, bekommt er das nicht hin...«, gibbelte Greg.

Linhard von Hohenfelde
»Witzig, nein er weiß was aus Opa wurde. Paps denk an Opa und wo er nun wohnt! Wo wohnt er? Erinnere Dich!«, flehte Lin.

Brandur von Hohenfelde
Brandur guckte etwas verdattert, doch dann brachte er erst ein Schmunzeln zu stande, das zu einem breiten Lächeln wurde. »Keine schlechte Idee ... doch du weißt, welche Konsequenzen dies für Osmund haben könnte? Aber vielleicht finden wir auch selbst eine Lösung. Dass ich darauf nicht gekommen bin ... du bist ein kluger Junge! Ich bin stolz auf dich!«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Vermutlich Naridien? Wobei nein er ist tot - Du hast gesagt Dein Opa Dunwin ist tot. Was ist das für ein Rätsel sprich offen ich bekomme noch Knoten in den Hirnstreben Lin bitte!«, warf Greg ein.

Linhard von Hohenfelde
»Ja weiß ich, Scheiß auf Osmund?«, grinste Linhard breit.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Ja scheißen wir auf Osmund - warum nicht. Gut was haben wir davon?«, grübelte Greg.

Brandur von Hohenfelde
»Er ist kein Hohenfelde«, überlegte Brandur. »Von daher wäre es wohl tragisch, aber zu verschmerzen. Auf ihn wären ab dem Tag der Ächtung ohnehin einige Probleme zugekommen. Du weißt, wie er sich am Leben erhält. Ich vermute, er hätte daher nicht hier wohnen bleiben können.«

Linhard von Hohenfelde
»Nur Spaß, Osmund ist ein netter Kerl, aber was sollte das für Osmund schon heißen, er ist gewaltig mächtig. Und er ist uralt, also er ist ja kein Baby wo ich sagen müsste. Gut wie hält er sich am Leben? Das weiß ich nicht Paps, ich kenne mich mit Nekromatie nicht wirklich aus und Ansgar hat mir nichts erklärt«, warf Lin ein.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Mir erklärt ja hier auch keiner was...«, hakte Greg ein.

Linhard von Hohenfelde
»Gleich Schatz, gleich - warte kurz«, bat Lin.

Brandur von Hohenfelde
»Nun, ich bin nicht sicher, ob ich dies hier aussprechen sollte. Ist dieser Raum ohne Ohren?«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Gehen wir in den Garten kommt, Gärten haben keine Wände folglich niemals Ohren«, antwortete Greg mit einem Zwinkern. »Danke für das Schatz - Schatz«, sagte er gut gelaunt zu Lin.

Brandur von Hohenfelde
»Was ist mit den Vögeln?«, fragte Brandur.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Dort sind keine, wir gehen in den Wintergarten kommt - Glas, darunter Pflanzen und man sieht wer anwesend ist. Ansonsten müssen wir uns außerhalb bewegen wie Ihr möchtet. Aber zuerst wollte ich Euch doch von der Versöhnung erzählen ja?«, bat Greg.

Brandur von Hohenfelde
»Darüber zu hören würde mich brennend interessieren, verrät es doch viel über Euch und Eure Familie und darüber, wie man miteinander umzugehen pflegt. Es kann nicht schaden, zu wissen, wie man sich verhalten sollte, um Streitigkeiten zu beenden, denn darin war ich leider nie sehr gut.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Ich war darin auch nicht sehr gut Brandur, denn normalerweise streiten wir nicht. Das klingt arrogant, aber ich meine es als reine Tatsache. Wir waren immer drei Brüder und gleichzeitig drei Freunde. Und genau wie Freunde hielten wir felsenfest zusammen, waren manchmal dennoch zeitgleich Konkurrenten. Aber wurde einer von uns bedroht, wie auch immer - dann standen wir felsenfest zusammen. Und als nun in meinen Augen Dreux und Ciel gegen mich zusammenstanden, wusste ich nicht warum sie mir das antaten und wie ich mich verhalten soll. Aber es war ein Missverständnis und wir beide redeten eine Zeit lang um den heißen Brei herum. Ciel war es der den Mumm hatte es auszusprechen. Er sagte er wünscht eine Versöhnung und hat mich umarmt. Ich hätte es selbst gerne als Erster gewagt, aber ich war zu verletzt und ich habe die beiden einfach nicht mehr einschätzen können. Das eine zu wünschen, das gleiche zu fürchten ist schon ein sehr seltsamer Gefühlsmix. Als er den ersten Schritt gemacht hat, ist eine Last von mir abgefallen. Er hat mir das Nein erläutert. Ich werde Euch das Nein erläutern - unter der Prämisse das Ihr schweigen müsst! Ihr müsst schweigen, rigoros. Ihr müsst dieses Geheimnis bewahren, denn es geht um Euer Leben. Du bist schon tot Brandur, aber falls Lin sich verplappert - ist er es auch. Also bitte, wenn ich es Euch anvertraue schweigt um Euer selbst willen. Oder sagt ehrlich, dass Ihr nicht schweigen könnt, dann schweige ich - für Euch, für Lin... aus Liebe«, erklärte Greg leise.

Brandur von Hohenfelde
»Nun, ist das Wissen denn für unsere Ohren bestimmt? Geht es nach dem Gespräch in Ordnung, dass wir davon erfahren? Ich möchte mich nicht zwischen Euch und Eure Brüder stellen, sollte es einen guten Grund haben, dass ich davon bislang nicht erfuhr. Ich bin Euer Schwiegervater, aber ich versuche, kein Drachen zu sein, wie man es Schwiegereltern bisweilen nachsagt.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Es geht um die Familie de Souvagne, die Krone, deren Sicherheit, die de Souvagne Hausgesetze - davon ein Teil der Verschlusssachen, die eigentlich dem Duc obliegen. Ebenso gibt es welche die nur den Erst- oder Zweitgeborenen betreffen. Mein Bruder sagte es mir, ich schwor bei meinem Leben. Wenn ich Euch das Nein erläutere, darf dieses Wissen die Familie nicht verlassen, da es unsere Familie gefährdet. Linhard wird ein de Souvagne sein. Angeheiratet ja - aber dennoch ein Mitglied der großherzoglichen Familie. Wenn er das Wissen leichtfertig weiterträgt, dann wird er sterben aufgrund Hochverrats, Verrat an der Krone. Schaut, ich habe gewaltig über die Stränge geschlagen um Euch zu helfen. Wieso? Weshalb? Weil ich ihn nicht verlieren möchte, weil ich ihn liebe, weil ich bis über beide Ohren in ihn verliebt bin. Aber ich bin trotzdem nicht auf den Kopf gefallen. Jedenfalls nicht ganz. Als mein Bruder mich an meine Verantwortung erinnerte, sah ich es ein. Ich verstand worum es geht. Manchmal geht es nicht um einen selbst, oder um den Liebsten, sondern um die kommende Generation danach und um die Sicherheit der gesamten Familie, um ihr Fortbestehen, um das Fortbestehen des Landes - denn wir sind Souvagne. Und deshalb, so lustig wir gerade dabei gealbert haben, dieses Thema ist wortwörtlich - TODERNST. Deshalb nocheinmal meine Frage, wem gebührt Deine Loyalität? Du hast mich am Meer selbst daran erinnert, ich habe mich gestern dank Ciel selbst noch einmal bewusst daran erinnert - falls es hart auf hart kommt, falls kein Notfallplan mehr greift, dann werde ich den Thron für Dreux besteigen MÜSSEN. Und das wird mir auch nicht verwehrt. Ich habe engstirnig und kindisch reagiert. Ich habe meinen Gelüsten freien Lauf gelassen, Vater wäre enttäuscht gewesen. Aber Vater musste auch schneller erwachsen werden als wir und gut, ich war 5 Minuten erneut ein Backfisch, da ich meinen Mann verteidigen wollte und mich - allerdings leider vor einer Gefahr die gar nicht bestand. Wie dem auch sei, wenn ich Euch in dieses Geheimnis einweihe, dann müsst Ihr schweigen. Versteht Ihr die Wichtigkeit?«, hakte Greg absolut ernst nach. Man sah ihm an, dass er gerade als de Souvagne mit ihnen redete und nicht als Greg. Er wollte sie informieren, aber er würde sie notfalls durch Schweigen auch vor sich selbst beschützen.

Brandur von Hohenfelde
»Du fürchtest, Linhard zu verlieren - weil er mir folgen könnte, sollte ich tot bleiben. Und mir ab dem fünften Mond dieses Jahres nicht einmal mehr die Existenz als Geist möglich sein wird. Aber Linhard WIRD mir nicht folgen. Noch nicht und nicht auf diese Weise! Ich kann nicht sterben, für mich sind Todesdrohungen irrelevant. Das sind sie jedoch ganz und gar nicht für meinen Sohn! Und daher, ja, ich werde schweigen. Und ich werde nicht auf den Erhalt dieser Information hin drängen. Freilich werde ich zuhören, wenn Ihr befindet, dass ich dies wissen sollte als der Vater Eures Verlobten.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Die Drohnung stammt nicht von mir Brandur, sie gilt für jeden, ich vermute sogar für Familienmitglieder die es nach außen tragen. Ja ich wünsche dass Ihr es hört und schweigt! Zum gegenseitigen Verständnis und Vertrauen. Dafür werdet Ihr mir ebenfalls etwas gleichwertiges anvertrauen und ich schweige darüber bei meinem Leben Brandur. Das ist nur fair. Ich selbst sprach die Konsequenz auch nicht als Drohung aus, sondern als Warnung, da ich Deinen Sohne ebenso nicht verlieren möchte. Wie sehr habe ich ja schon leidvoll bewiesen«, flüsterte Greg.

Brandur von Hohenfelde
»Das ist versändlich. Ich bin einverstanden. Linhard entscheidet, welche Art gleichwertiger Information Ihr zu hören bekommt. Mir würde ja auf Anhieb eine einfallen.«

Linhard von Hohenfelde
»Dann nehmen wir die Info die Dir einfällt Paps. Ich schwöre es Dir, dass ich schweigen werde. Paps kann unseren alten Familienwahlspruch bestätigten, einen von vielen - weshalb Du auch nicht alles über uns weißt Greg. Wir Hohenfelde lernen bereits zu Schweigen, wo andere erst das Sprechen erlernen. Wenn ich Dir mein Wort gebe zu Schweigen - dann Schweige ich. Ich habe mich Dir in einer persönlichen Sache anvertraut, aber ich habe keine Familieninterna ausgeplaudert. Einen Umstand habe ich angerissen, da diese Interna sich nun überschneiden. Sprich meine Familieninterna würden Deinen helfen- kurzum unsere leidvollen Erfahrungen sollten Alex beistehen oder helfen. Da habe ich etwas angedeutet, ausgesprochen oder komplett erzählt habe ich es nicht. Und das werde ich auch nicht. Und sogar selbst, wenn ich es wollte - ich könnte es sogar nicht, da mir selbst nicht alle Informationen vorliegen. Ich vermute in Deiner Familie ist es ähnlich, da Du gerade sagtest dies weiß nur der Duc, das nur ein anderer. Jeder von uns weiß, was er wissen soll. Und kommt es zu dem Tag, wo wir alle Infos benötigen, haben wir das Familienoberhaupt der Wigbergs. Er weiß vielleicht selbst nicht alles, kann die Infos aber binnen kürzester Zeit zusammentragen. Lange Rede, kurzer Sinn - sprich, wir hören zu und wir schweigen«, antwortete Linhard.

Brandur von Hohenfelde
Brandur neigte ein wenig das Haupt mit dem Dreispitz, um seine Zustimmung zu bekunden. Er war sehr gespannt darauf, was Gregoire ihnen offenbaren würde. Von einem Alex hatte er bislang nichts gehört, doch auch das würde sich früher oder später ändern, sollte der Mann von Bedeutung sein.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Ich erkläre es genau in den Worten meines Bruders, so wie ich es gestern erfahren habe. Ich bat ihn darum, es Euch sagen zu dürfen. Seine Worte waren - ...ich habe geahnt, dass sie es vermuten ... sie haben sehr hartnäckig gebohrt und immer wieder in die selbe Kerbe geschlagen. Ich bete, dass er weiß, wie wichtig sein Schweigen ist - für uns wie für ihn. Wir sind eure Lebensversicherung, Greg. Aber unsere Macht hat sehr enge Grenzen. Wir bezahlen dafür mit unserem Blut und, wenn es hart auf hart kommt, auch mit dem eigenen Leben. Ich will mein Leben nicht verlieren, weil mich irgendwer erpresst, sondern aus freien Stücken für meine Familie geben, wenn der Tag gekommen ist. Auch für Dich. Du bist der zweite in der Thronfolge und eine Wiedererweckung kann auch schief gehen. Im ungünstigsten Fall stirbt ein Bluthexer dafür, dass der Duc tot bleibt. Dann musst Du seinen Platz einnehmen können. Wie viel Du Linhard verrätst, kann ich Dir nicht vorschreiben ... Du hast Dich ja geschickt um den Schwur drumherumgemogelt, indem Du mich abgepasst hast, während ich Ferraus Verletzungen behandelte. Es sollten so wenige wissen wie möglich und die Strafe dafür, wenn das Wissen außerhalb der Familie gelangt, sind drakonisch. Derjenige wird nie wieder irgendwas ausplaudern können und seine Mitwisser ebenfalls nicht. Wenn Du Linhard die Wahrheit sagst, gefährdest Du gleichzeitig sein Leben. Überlege es Dir gut. Linhard braucht von meiner Seite aus den Palast nicht verlassen, ich habe nichts gegen ihn. Es ist nur so, dass Du Dich so anders verhältst, seit er da ist. Du liebst ihn sehr, oder?« ... das waren die Worte meines Bruder. Meine Antwort auf die letzte Frage ist kein Geheimnis - Ich... ja ich liebe den Kerl abgöttisch und ich zähle die Stunden bis ich ihn... ehm... näher kommen darf. Ich bin so, ich liebe jemanden ganz oder gar nicht. Wir sind eine Familie der positiven Extreme, Klammeraffen wie Du es scon mal richtig genannt hast. Ich habe auf mein Leben geschworen und ich werde Wort halten. Ich werde es ihm sagen und ihm deutlich machen was es bedeutet. Er muss für uns beide schweigen, für uns alle. Zudem gilt sein Wort uns gegenüber ebenso. Er schwor dem Duc die Treue. Er selbst erinnerte mich daran. Ich benehme mich wie der letzte Rüpel, wenn ich denke irgendjemand will ihn mir wegnehmen. Das hat niemand gesagt, aber ständig vermute ich es und bekomme Panik. Ist das normal?«, fragte Greg und knuffte seinen Bruder. »Ich bin froh dass wir uns versöhnt haben, ganz ehrlich und dass wir wieder wie immer miteinander reden. Was Du lieber meidest, kann ich kaum noch abwarten. Dann wäre er richtig meiner, verstehst Du?... Das darfst Du genauso wissen, denn ich erwarte Vertrauen, weil ich Dir vertraue Linhard. Ich erwarte also Vertrauen bezüglich Familieninterna, aber auch im Bett«, sagte Gregoire ernst.

Brandur von Hohenfelde
»Also befehligt Euer Bruder nicht nur die Blutnekromanten - sondern er ist selbst ein Blutnekromant?«, hakte Brandur nach.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Richtig, aber nicht von solcher Macht wie einige andere«, pflichtete Gregoire bei. »Schaut mal, Ihr habt gewaltiges magisches Potential in der Familie, wir verbinden uns durch eine Ehe, wir haben uns bereits verbunden durch den Treueschwur an den Duc, durch Eure Einbürgerung, die Nobilitierung - durch den Erwerb der Schollen. Wieso nicht auch über den Weg der Magie? Auch wenn Ihr dieses Geschenk nicht erhaltet, wie wäre es, wenn trotzdem einige fähige Magier von Euch an der Akademie unterrichten? Oder sogar einer von Euch genau jene Magieform erlernt? Was dazu nötig ist, weiß ich nicht. Ich habe von Magie keine Ahnung, aber damit würdet Ihr Euch gewaltig in Souvagne einbringen. Und Euer Wissen würde niemals verloren gehen, mehr noch es würde zu etwas Gutem beitragen. Ihr schützt und unterstützt damit dass Land, dass Ihr gewählt habt. Das Ihr hoffentlich liebt«, erklärte Gregoire.

Brandur von Hohenfelde
»Ich würde gern Unterricht geben«, antwortete Brandur. »Aber das setzt voraus, dass ich einen Körper habe, sonst könnte ich höchstens Theorie unterrichten und auch dies nur noch bis zum Inkrafttreten des Verbotes. Ich liebe die Magie, besonders natürlich meine eigene magische Disziplin. Diese hohe Kunst durch Unterricht oder durch die magische Verbindung unserer Familien weiterzugeben wäre in meinem Interesse. Wir haben noch andere, sehr fähige Magier in der Familie. Davard könnte ich mir gut als Dozent vorstellen, oder auch den Wahnsinnigen Wolfram, der den Namen nur darum trägt, weil er als Einziger in unserer Familie frei von Wahnsinn zu sein scheint.«

Linhard von Hohenfelde
»Wir können einige der Magier fragen, ob sie bereit sind eine Stelle als Lehrer anzunehmen. Paps würde gerne, mein Onkel Dave unterrichtet meinen Bruder und eine eigene Schülerin. Er könnte sicher auch an der Akademie arbeiten. Mein Erzeuger könnte auch in der Akademie arbeiten, wobei er im Moment froh ist, dass er einfach nur lebt. Maghilia könnte ebenfalls bei Euch in der Akademie arbeiten, aber die Schüler müssten starke Nerven haben. Und wie Paps schon sagt, hätte er einen Körper und sein Bruder ebenfalls hättet Ihr zwei weitere mächtige Nekros. Was benötigt man um ein Blutnekro zu werden? Du lebst und liebst Magie Paps ohne den Makel andere ohne magische Gabe auszugrenzen. Wolfram? Ja gut, er würde vermutlich einen sehr eigenwilligen Unterricht geben, aber vielleicht macht genau das Spaß«, sagte Lin gut gelaunt.

Brandur von Hohenfelde
»Das könnten sie«, sprach Brandur. »Ich könnte auch, aber nun ja. Werde wohl verhindert sein.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Wir werden sehen. Vielleicht ist es ja auch möglich eine Ausnahmegenehmigung der Nekromantie zu erwirken, so dass Du als Geist bleiben darfst«,schlug Greg vor. »Nun zu Deinem Geheimnis, was möchtest Du mir anvertrauen Brandur?«

Brandur von Hohenfelde
»Nun, ich bin mir sicher, dass Linhard es nicht gutheißen wird, welches Familiengeheimnis ich im Gegenzug für diese mehr als nur vertrauliche Information offenbaren werde«, sprach Brandur langsam. »Darum vorab meine Bitte an dich, mein Sohn - vertrau mir, so wie du mir immer vetraut hast, dass ich nichts als das Beste für dich und unsere Familie wünsche. Gregoire hat uns einen riesengroßen Gefallen erwiesen, das hätte er nicht tun müssen. Nun werden wir das Selbe tun. Verstehst du das, mein Junge?« Brandur sah Linhard ernst und auch besorgt an.

Linhard von Hohenfelde
Lin nickte ganz langsam in Zeitlupe, da er seinem Vater vertraute. Was er Gregoire allerdings offenbaren wollte, konnte sich Linhard nicht im Geringsten vorstellen.

Brandur von Hohenfelde
Über Brandurs Gesicht huschte für einen kurzen Moment der Schleier von Angst - Angst, sein eigener Sohn könnte ihn hernach nicht mehr lieben. Doch dieses Risiko musste er eingehen, um genau diesen Sohn zu schützen. »Derya Letnaux, die Mörderin. Der Name ihres Vaters lautet Archibald von Dornburg. Er gehört zum engsten Freundeskreis unserer Familie. Er schützt und unterrichtet Linhard als sein Schwertmeister, sein Palaisin, wenn Ihr so wollt. Er ist womöglich der vermummte Mann, der von der Krone selbst gesucht wird. Das Potenzial hätte er und auch Grund genug. Falls er es dennoch nicht gewesen sein sollte, ist es wahrscheinlich, dass er zumindest den Aufenthaltsort seiner Tochter kennt oder den Kontakt zu ihr herstellen kann.«

Gregoire Verrill de Souvagne
Gregoire wie auch Linhard starrten Brandur an. Gregoire starrte total fassungslos und Linhard schaute mehr baff als perplex. »Wie gefährlich ist dieser Mann?«, flüsterte Gregoire. »Das ein Palaisin keine Person ist, die andere mit Samthandschuhen anfasst ist mir bewusst, aber wie gefährlich ist dieser Mann? Und wer von Eurem Gefolge ist es? Und hat er eine ähnliche... Neigung wie seine Tochter? Das man sein Kind rettet - falls er es war - gleichgültig wie wahnsinnig dieses ist, verstehe ich. Aber ich muss wissen, ob von ihm eine Gefahr für alle ausgeht. Seid Ihr mit dieser Frau verbandelt? Falls ja, sollten wir dafür sorgen, dass sie ebenfalls wegkommt, aber so dass niemand davon erfährt. Dann beauftrage ich eine Säuberungsaktion im Namen der Krone. Falls sie nicht mit Euch verbandelt ist, streicht die 2.000 Taler ein«, flüsterte Gregoire.

Linhard von Hohenfelde
»Sie wäre meine Wahl gewesen für mein erstes Kind...«, flüsterte Linhard zurück.

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg starrte Linhard an und zwar so, wie man es von dem Duc höchstpersönlich nicht besser erwartet hätte. »Nein!«, war Verrills einziger Kommentar dazu.

Linhard von Hohenfelde
»Greg, sie ist ja nicht nur so... vermute ich... Sie«, setzte Linhard an und schaute Brandur hilfesuchend an.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Nein Linhard, NEIN! Möchtest Du Nummer 47 werden? NEIN!«, beharrte Greg vehement.

Brandur von Hohenfelde
»Dieser Mann ist sehr gefährlich. Ja, er hat auch eine andere Seite, doch meiner Meinung nach macht dies das Dunkel in ihm nicht geringer, sondern lässt es nur noch finsterer erscheinen. Worum ich bitte und warum ich dieses Geheimnis auswählte: Lasst Archibald an Linhards Seite als Pfand für unser gemeinsames Geheimnis bezüglich der Blutnekromanten. Damit hättet Ihr ein gutes Druckmittel für uns und wir ein gutes Druckmittel für Archibald, damit er sich daran erinnert, seine neue Diät in Souvagne auch wie versprochen einzuhalten. Er beging in Naridien die schrecklichsten Verbrechen, ganz ähnlich denen seiner Tochter. Kürzlich wurde er zu einem Vampir, daher hat sein Hunger sich verlagert. Seit er in Souvagne ist, beschränkt er sich auf das Trinken von Spender- und Instantblut. Er gab uns sein Wort, dass dies so bleiben soll. Gebt ihm eine Chance. Doch seine Brut möchte ich auf dem Schafott sehen, noch bevor sie erfährt, dass Papa ihr ein ganz besonderes Leckerchen in Gestalt meines Sohnes ausgesucht hat.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Wie bekommen wir das aus ihm heraus? Wir können schlecht Linhard als Köder nehmen. Wird er den Aufenthalt seiner Tochter verraten? Kann man ihn aufs Glatteis führen, so dass er es versehentlich verrät? Eine wichtige Frage, ist er an Euch gebunden? Ist er an Linhard gebunden durch einen Schwur? Fühlt er sich gebunden? Ich muss wissen, ob dieser Mann ein treuer Gefolgsmann von Linhard ist, oder ob er alleine loszieht und unschuldige Leute abschlachten würde. Ähnliche Verbrechen wie seine Tochter? Erzähle mir bitte welche. Was tat er? Ein Vampir trinkt Blut, dabei tötet er doch auch die Personen oder? Soweit ich weiß, saugen sie Leute aus. Manchmal sterben sie, manchmal werden es auch Vampire. Sollte er ein treuer Gefolgsmann sein, sollte er nur Spenden und Kunstblut trinken Vertrauen gegen Vertrauen. Behaltet ihn, ich schweige. Was er in Naridien tat, ist uninteressant. Er ist hier so lange ein unbescholtener Bürger, bis er sich hier etwas zu Schulden kommen ließ. Sollte er Linhard schützen wie ein Palaisin ist seine Gefährlichkeit in guten Händen. Aber genau das möchte ich wissen. Danke für das Vertrauen. Ich habe nichts gegen einen brutalen Leibwächter, der sich aber an Regeln hält. Aber ich habe etwas gegen eine Männerfressende Leihmutter«, gab Greg zurück.

Brandur von Hohenfelde
»Ihr wart dabei, als Alastair zu uns sprach. Archibald, den er Erchan nannte, ist, wie alle aus unserer Linie, mit einem scharfen Verstand gesegnet, der durch das persönliche Dunkel getrübt wird. Auch das ist uns allen zu eigen. Er ist loyal, doch aufgrund seines Wahnsinns nie zu hundert Prozent zuverlässig. Selbst Dunwin, den er als Bruder betrachtete, war er nur darum treu ergeben, weil Dunwin ihm körperlich Paroli bieten konnte. Linhard kann das noch nicht. Ohne Zweifel ist Archibald ein extrem fähiger Schwertmeister. Auch erkenne ich an, dass er sich in letzter Zeit tatsächlich zu mühen scheint, die gute Seite in sich mehr herauszukehren und das Dunkel zu unterdrücken. So lange er bei klarem Verstand ist, kann Linhard sich keinen effektiveren Schwertmeister wünschen. Er schwor Linhard die Treue und genau so meinte er es auch, da bin ich sicher. Doch genau bei der genannten Einschränkung liegt das Problem - ich bin noch im Zweifel, ob er in der Lage sein wird, sein Versprechen bezüglich seiner Ernährung halten zu können. Ja, ein Vampir kann von Spenderblut leben. Mein ehemaliger Leibdiener Kasimir tat dies. Einem Vampir genügt ein Liter pro Woche an frischem, lebenden Blut. Auch hatte ich begonnen, ein Instantblut für Vampire zu entwickeln, damit sie nicht darauf angewiesen sind. Leider wurde meine Forschung durch mein Ableben unterbrochen. Wie wir die Information von ihm erhalten, wo seine Tochter ist, ohne Linhard als Köder zu verwenden, kann ich Euch nicht beantworten - es wäre Linhards Aufgabe, genau das herauszufinden. Sie stehen sich nahe, ich hingegen kenne ihn kaum. In Naridien missbrauchte und fraß er lebende Kinder.«

Gregoire Verrill de Souvagne
Gregoire musste bei der Information schlucken und sich kurz an Linhard festhalten. »Er missbraucht und frisst Kinder und er lebt noch? Bei Ainuwar... gut, langsam, durchatmen, nachdenken...«, sagte Greg mehr zu sich selbst, als zu Lin oder Brandur. »Er bemüht sich, hier hat er noch niemanden gebissen. Beißt er auch nur Kinder? Falls er sich wirklich bemüht, ist und durch dieses Blut ohne diesen Wahnsinn leben kann, müssen wir an diesem Blut weiter forschen lassen. Jetzt mal diesen Mann außen vor. Jeder Vampir könnte als normale, anerkannte Person leben. Nicht als Gefahr sondern als Person die eine unheilbare Krankheit hat, aber ihre Ernährung wäre sicher gestellt. Dies wäre doch ein Grund, für eine Ausnahmegenehmigung zu sorgen. Also es kann doch auch jemand wider Willen Vampir werden. Ich vermute dass ist sogar in den meisten Fällen der Fall. Und diese Menschen müssten dann nicht zu mordenden Kriminellen werden sie könnten in Frieden leben mit ihren Mitmenschen. Findet Ihr nicht?«, hakte Gregoire nach. »Klug und gerissen ist er also, wie jedes Raubtier. Wieviele Kinder hat er? Und sind die alle so wie er? Ich möchte ihn kennenlernen, aber bitte nicht allein. Ich möchte wissen, um wen es sich handelt. Würde es etwas ändern, wenn Ihr ihm von Eurer Verwandtschaft erzählt? Würde er Euch oder seine Brüder über sein Kind stellen?«, fragte Greg.

Linhard von Hohenfelde
»Das Kunstblut war dafür gedacht, dass die Vampire als normale Leute leben können. So hat es mir Kasimir erklärt und er lebt gut davon. Er hat noch nie wen gebissen, bis auf Archibald und er hat es sich gewünscht. Also Kasimir hat noch nie wen angefallen oder überfallen um ihm zu schaden«, warf Lin ein.

Brandur von Hohenfelde
Brandur nickte. Ganz stimmte das nicht, was Linhard sagte, doch man musste ja nicht alle Informationen auf einmal preisgeben. Alles zu seiner Zeit und momentan entwickelten sich die Dinge in eine Richtung, die Brandur gefiel. »Archibald hat noch einen Sohn, einen gewissen Arbogast, der sich momentan nicht in Souvagne befindet. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass Archibald uns einen Bonus gibt, nur weil wir blutsverwandt sind - er zögerte ja auch nicht, seine Mutter abzuschlachten und alle sonstigen Mitglieder der Familie von Dornburg. Er quälte damals nur Kinder, um seinen Hunger zu befriedigen, doch er tötete, wie gesagt, auch ohne zu zögern Erwachsene.«

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg schaute verwirrter als zuvor. »Mal eine Frage, wen oder was tötet er nicht? Einen Sohn? Gut der Mann ist nicht hier, dass ist eine gute Nachricht. Ich hatte gehofft, da er Euch mag, dass es ihm dann etwas bedeuten würde. Gibt es jemanden, der ihm etwas bedeutet?«, fragte Gregoire.

Linhard von Hohenfelde
»Nun falls er sich gezwungen sieht, tötet er wohl jeden, egal wie alt, wie groß oder klein, er ist da sehr rigoros. Mein Opa hatte ihm etwas bedeutet, sie waren beste Freunde«, sagte Lin und schaute Brandur an.

Brandur von Hohenfelde
»Jesper van Verling«, sagte Brandur scharf und warf Linhard einen stechenden Blick zu. Er konnte keinen Substanzfaden bilden, den Gregoire nicht sehen würde, dafür standen sie zu weit auseinander. »Jesper lebt und ist eine Art Lebensgefährte von ihm.«

Linhard von Hohenfelde
Linhard musste bei der Beschreibung loswiehern vor Lachen und benötigte einige Momente um sich wieder einzubekommen.

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg musterte seinen Verlobten, zog fragend eine Augenbraue hoch und musterte dann Brandur. »Wo ist da der Witz? Lebt er nicht mehr lange oder wie?«, gibbelte Greg.

Linhard von Hohenfelde
»Doch doch, die Beschreibung von Paps war nur so lustig. Eine Art LEBENSgefährte der lebt. Wäre es sonst ein TOTENgefährte wäre er tot?«, hakte Lin nach und musste wieder losgackern.

Brandur von Hohenfelde
»Ich bezog mich darauf, dass Gregoire vermutlich nach einer LEBENDEN Person fragte, die ihm etwas bedeutet. Wie wir alle wissen, ist dein Opa, mein lieber Bruder Duwnin, tot.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Dann wäre er wohl einfach nur eine Leiche. Und die hätte er wohl nicht aufgehoben, jedenfalls nicht lang vermute ich. Kann man ihn mal kennenlernen? Oder geht das nicht?«, fragte Greg.

Linhard von Hohenfelde
»Das stimmt«, sagte Lin und machte ein bekümmertes Gesicht, wie es verlangt wurde.

Brandur von Hohenfelde
»Das geht sicher. Aber warum möchtet Ihr ihn kennenlernen? Jesper ist für meine Begriffe ein sehr angenehmer und anständiger Mann, viel zu gut für diesen Widerling. Leider zu weichherzig, um ihm ein Ende zu bereiten, obwohl er es könnte.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Nun ja das war mir klar, erstens hast Du mir davon erzählt Lin und zweitens würde Brandur ihn nicht wiederbeleben wollen, würde er leben«, gab Greg zu bedenken. »Kann ich die anderen Magier mal kennenlernen und ihnen das Angebot der Akademie unterbreiten? Vielleicht mit meinem Bruder Ciel zusammen?«, fragte Greg neugierig.

Brandur von Hohenfelde
»Ja, natürlich«, sprach Brandur freundlich.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Nein ich möchte diesen Erchan kennenlernen um erstens zu wissen wer das ist und zweiten um mir ein Bild von ihm zu machen. Dabei möchte ich aber Ciel mitnehmen und ich möchte wie gesagt gerne die anderen Magier kennenlernen und ihnen dieses Angebot unterbreiten. Ich hoffe Ciel stimmt dem zu und Deine Verwandten auch. Das wäre sehr schön«, sagte Greg gut gelaunt.

Brandur von Hohenfelde
»Das lässt sich arrangieren.« Brandur lächelte breit.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Gut, dann hole ich meinen Bruder ab in Ordnung? Und Du alberne Nudel reiß Dich bitte zusammen«, bat Greg seinen Verlobten schmunzelnd.

Linhard von Hohenfelde
»Natürlich, dass war nur wegen dem Wortspiel, dass hat nichts mit der Sache an sich zu tun gehabt. Kasimir bedeutet Archibald viel! Sehr viel! Fällt mir gerade ein«, erklärte Lin leise.

Brandur von Hohenfelde
»Wir warten«, erwiderte Brandur. »Kasimir?«, wunderte er sich und schüttelte gleich darauf missbilligend den Kopf. »So ein Blödsinn fällt auch nur Archibald ein«, grummelte er leise.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Gut bis gleich«, sagte Gregoire und machte sich umgehend auf den Weg zu seinem Bruder Ciel.

Linhard von Hohenfelde
Linhard wartete ab bis Greg außer Hörweite war, ehe er sich an seinen Paps wandte. »Möchtest Du mir was sagen Paps?«, hakte Linhard nach und musterte ihn aus dem Augenwinkel.

Brandur von Hohenfelde
»Meinst du bezogen auf Osmund? Nun, er ist nicht auf natürlichem Wege so alt geworden. Er ist ein Lich, so wie Maghilia. Sie zapfen die Engergie von Lebenden ab, ganz ähnlich wie Vampire, nur auf einer anderen Ebene. Sie sind Energievampire. Eine sehr schmutzige Art der Nekromantie. Was geschieht, wenn man ihnen die Kunst verbietet, kannst du dir denken.«

Linhard von Hohenfelde
»Aha, Danke für die Info. Dass habe ich wirklich nicht gewusst und klingt irgendwie... heftig. Aber ich meinte jetzt gerade ehr wegen Derya und Deiner Offenbarung Paps... Ich denke, dass hast Du schon verstanden, Du bist ein Hohenfelde und ein sehr alter und weiser dazu... nun?«, hakte Lin nach und musterte ihn.

Brandur von Hohenfelde
»Ja, ich habe verstanden und du hast sicher verstanden, warum ich absichtlich nicht darauf einging. Du erwartest sicher eine Entschuldigung. Mein lieber Junge, du bist sauer auf mich und auch dies verstehe ich. Wisse - ich will nicht erleben, dass sie dir antut, was sie den anderen antat. Dass sie Männer derart behandelt, hat Archibald mir verschwiegen! Sie missbraucht sie und frisst sie auf. Was er mit Kindern tat, tut sie mit ihren Bettgefährten. Was glaubst du, wie gut Archibald sich während seines Hungers im Griff hat? Was glaubst du, wie gut SIE sich im Griff hat, wenn du nackt unter ihr liegst? Linhard, das ist es nicht wert! Und zweitens - wenn sie stirbt durch die Gerechtigkeit Souvagnes, dann endet Alastairs liebste Linie bei Archibald in einer Sackgasse. Nur nach Arbogast müsste man dann noch suchen.«

Linhard von Hohenfelde
»Ich dachte die Antwort wäre kürzer - ich hätte einfach ein KEKS erwartet. Aber so genau erklärt zu bekommen dass Du Dich sorgst und mich liebst hat was, Danke. Ich bin nicht sauer, ich war einen Moment baff, aber ich weiß warum Du es getan hast. Aus dem gleichen Grund warum Greg es verbot. Ich soll nicht nur 47 werden. Keine Ahnung wie sehr Archibald sich im Griff hat beim Essen, ich habe ihn noch nie etwas essen sehen. Was er aß finde ich schlimmer als wie Paps. Ich liebe Dich auch. Alastair hat gewusst was er da tat oder war er vor Liebe einfach blind?«, fragte Lin leise.

Brandur von Hohenfelde
»Ich bin mir sicher, dass er sehr genau wusste, was er tat. Blind vor Liebe zu sein - diesen Fehler hat bisher kein einziger von Hohenfelde begangen. Keks, mein Linhard ... riesengroßer Keks. Nimm es deinem alten Herrn nicht krumm. Wir finden eine andere Braut für dich, eine Bessere.«

Linhard von Hohenfelde
»Ich hoffe es, nun behalten hätte ich sie nicht als Frau, ich denke das ist unmöglich. Man kann Archibald ja auch nicht als Babysitter einsetzen. Mit so einer Frau kann niemand zusammen sein. Wir schauen uns um. Ich meinte mit der Opa Lösung, dass Du einen neuen Körper benötigst. Und den könntest Du dann doch wie Mag oder Ossi am Leben erhalten«, schlug Lin vor.

Brandur von Hohenfelde
»Ich glaube nicht, das ich das könnte - ich befürchte, ich würde mit dem Besetzen eines Körpers meine magische Gabe verlieren. Es sei denn, diese Person ist ebenfalls geistmagisch begabt. Vieles spricht dafür, dass die Gabe eine körperliche Besonderheit ist und keine geistige - andernfalls könnte ich ja auch als Geist Nekromantie wirken, nicht wahr? Wenn, dann müsste ich also jemanden besetzen, der eine der drei geistmagischen Disziplinen beherrscht - Geistmagie, Nekromantie, Blutnekromantie. Um Dunwins Geist fest mit dem Körper von Aimeric zu verbinden, habe ich mein eigenes Leben verloren. Ich weiß nicht, ob dies auch geschehen würde, wäre ich unverletzt gewesen. Dieser Bereich der Nekromantie ist bislang nahezu unerforscht. Aber sollte es gelingen und ich einen neuen Körper haben - dann brauche ich kein Lich zu werden. Es genügt, wenn ich den Wirtskörper ganz normal ernähre.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Je nachdem wie alt er ist, vielleicht doch. Die Frage ist, wie bekommen wir Dich in den Körper hinein? Das müsste ein Nekromant erledigen oder? Nun vielleicht ist es eine Mischung? Das Du es als Seele kannst, aber Lebensenergie benötigst? Was benutzt ihr denn wenn Ihr Magie nutzt? Was benutzt Ihr dazu? Worauf greift Ihr zu? Ich kann das nicht erklären. Also wenn ich kämpfe greife ich zum Schwert oder zum Degen. Was greifst Du? Woraus besteht das Etwas?«, fragte Lin.

Brandur von Hohenfelde
»Das ›Etwas‹ hat viele Namen. Essenz des Seins sagen viele dazu ...«

Gregoire Verrill de Souvagne
Während Lin und Brandur sich draußen weiter unterhielten, begab sich Gregoire zurück zum Quartier seines Bruders

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Ciel Felicien de Souvagne

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Die Planung des Gesprächs unter Magiern

#15

Beitrag von Ciel Felicien de Souvagne » Sa 21. Apr 2018, 01:16

Gregoire Verrill de Souvagne
Während Lin und Brandur sich draußen weiter unterhielten, begab sich Gregoire zurück zum Quartier seines Bruders.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel schlief, fest an Ferrau geschmiegt. Es dauerte eine ganze Weile, ehe er das Rufen bemerkte und davon munter wurde. Er öffnete die Augen und sah entsetzlich blass und zerknittert aus, das Haar stand ihm zu Berge. Er quälte sich schwerfällig hoch, zog die Bettdecke über Ferrau und tapste steifbeinig zur Tür. Er taumelte zwischendurch, bekam die Klinke zu fassen und stützte sich mit der anderen Hand am Rahmen. Er zog die Tür auf. »Hm?«, murmelte er.

Gregoire Verrill de Souvagne
Gregoire musterte Ciel und strich ihm die Haare aus dem Gesicht. »Ich habe einen guten Vorschlag und ich möchte dass Du ihn Dir anhörst und die passenden Leute gemeinsam mit mir kennenlernst. Bist Du dazu in der Lage?«, fragte Greg freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ist es wichtig?«, fragte Ciel zurück.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Ja das wäre es, für Deine Akademie Ciel. Ich mache es kurz und erkläre Dir den Vorschlag, das Treffen können wir immer noch vereinbaren. Linhards Familie hat einige mächtige Magier, darunter Meister und ich dachte genau jene Meister könntest Du in der Akademie einstellen. Wir wären verbunden durch den Schwur an den Duc, durch die Scholle, durch unsere Ehe und auch durch die Akademie. Und wie es scheint, haben sie alle Freude daran zu unterrichten. Das wäre eine sehr gute Möglichkeit das sie ihre Fähigkeiten für Gutes einsetzen und wir haben was davon. Zudem hatte Brandur an Kunstblut gearbeitet, wovon Vampire leben können ohne Lebenden zu schaden. Ich bin der Meinung wir sollten daran weiter forschen lassen, damit sie keine Gefahr mehr darstellen. Was sagst Du dazu?«

Ciel Felicien de Souvagne
»Kunstblut?«, fragte Ciel skeptisch. »Wenn diese Behauptung von ihm stimmt, dann wäre es interessant, sich mit ihm näher darüber zu unterhalten, bevor seine Erscheinung sich wieder verflüchtigt. Und mit Alexandre müsste ich das auch besprechen, er findet das sicher ebenso spannend. Wenn wir Lehrkräfte für die Akademie gewinnen könnten, obendrein mit uns verwandt, wäre das durchaus gut.« Er blickte nach hinten zu Ferrau. »Wie geht es dir?«

Ferrau
Ferrau musterte Greg mit nicht zu deutendem Blick. »Gut Herr, mir geht es sehr gut. Ich werde nicht mit ihm mitgehen«, weigerte sich Ferrau.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Das musst Du auch nicht, es sei denn mein Bruder möchte Dich mitnehmen. Ich werde nie wieder Hand an Dich legen Ferrau«, antwortete Greg.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel lächelte seinen Bruder an. »Du hast ihn gehört. Mein Diener will mich nicht zu dir begleiten. Und in diesem Zustand möchte ich nicht ohne Hilfe aus der Stube gehen. Wir werden das Treffen verschieben müssen, so interessant ich das Thema auch finde.«

Ferrau
»Ich habe auch nicht gelogen. Da könnt Ihr ruhig meinen Herrn fragen. Ich lüge nicht und ich habe nichts falsch gemacht. Ich habe Euch nichts getan, warum Ihr dermaßen gemein und grausam wart, weiß ich nicht. Ihr solltet Euch schämen. Das möchte ich sagen, jawohl, schämen. Ihr habt auch meinen Herrn damit verletzt - Euren Bruder«, sagte Ferrau.

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg musterte Ferrau und nickte knapp. »Was wohl stimmt, womit wird das Handtuch gewaschen sag mal?«, fragte Verrill mit einem Schmunzeln.

Ferrau
»Ich war nicht unhöflich, ich war nur ehrlich«, murrte Ferrau und deckte sich komplett zu.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Womit Du sogar Recht hast«, pflichtete Greg leise bei.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel nickte ernst. »Wie wäre es mit morgen oder in ein paar Tagen? Ich merke das letzte Blutopfer ziemlich. Ich habe etwas zu tief geschnitten wegen dem ganzen Stress und mehr Blut verloren, als beabsichtigt.«

Ferrau
Ferrau zog das Handtuch weg. »Das war nur wegen Euch erforderlich!«, merkte er an und deckte sich wieder zu.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Ehm ja, wohl wahr. Wann immer Du möchtest ich muss ja auch Lin noch drum bitten, genau jene Magier zusammenzutrommeln. Als da wären eine Maghilia, Osmund - den kenne ich bereits der ist ganz nett, Dave und Wolfram der wohl ein klein wenig gaga sein soll«, grinste Greg.

Ciel Felicien de Souvagne
»Hm, soll ich Alexandre mitnehmen oder besser nicht?«, überlegte Ciel, mehr an sich selbst gewandt. »Nein, er hatte genügend Ärger mit der Außenwelt in letzter Zeit. Das wird zu viel für ihn.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Also ich an Deiner Stelle würde ihn mitnehmen, es geht doch um Fachgespräche. Er wäre unter Kollegen, dass freut ihn sicher und die beiden die ihn auf der Hochzeit begleiten sollten sind auch dabei«, schlug Greg vor.

Ciel Felicien de Souvagne
»Aber das sind zu viele Menschen auf einmal für ihn. Wenn er dabei ist, sollten es für ihn nicht mehr fremde als vertraute Personen sein, mit denen er reden muss. Und dir traut er nicht mehr über den Weg seit deinem Block-Witz. Besser wäre, zunächst mit einem Vertreter der Magier dieser Sippe zu sprechen und dann schaue ich sie mir einzeln an - oder ich lasse Alex lieber daheim.« Ciel sah sehr besorgt aus.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Dann sprich mit Osmund oder diesem Wolfram. Osmund ist absolut umgänglich, das ist so ein dicker, alter Opi von der Optik her. Bis auf die Nägel, aber die spielen ja keine Rolle. Er ist wirklich freundlich. So hätte Alex eine Vertrauensperson. Naja mich hat er wohl nun gefressen wie Schmierseife, tut mir leid Ciel«, entschuldigte sich Gregoire.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ich würde als Gesprächspartner für Alexandre am ehesten Wolfram oder diesen Davard bevorzugen, nach dem, was Linhard über diese beiden Personen sagte. Er empfahl die beiden explizit zu diesem Zweck und Alexandre sollte sie ohnehin vor der Hochzeit kennenlernen. Wenn sie auch noch Magier sind, umso besser.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Gut, dann richte ich es Linhard so aus. Mit ihnen kann er genauso über das Thema sprechen. Ich hoffe dann ist er etwas umgänglicher und fühlt sich nicht ganz so... einsam«, antwortete Greg und knuffte seinen Bruder. »Benötigst Du etwas außer Schlaf und ein deftiges Essen?«

Ciel Felicien de Souvagne
»Hm, weniger komplizierte Brüder?«, antwortete er und grinste, was sehr zerknautscht aussah.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Abgemacht, was mich betrifft«, grinste Greg verlegen. »Ich habe es ihm gesagt, er schweigt Ciel«.

»Hoffen wir es. Und hoffentlich bin ich nicht der Erste, auf den sie losgehen, jetzt, wo sie es wissen.« Er blickte über seine Schulter. »Ich glaube, ich verschlafe den Rest des Tages einfach.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Das werden sie nicht, von Brandur stammt das Kunstblut. Schlaf Dich aus und danach gehen wir gemeinsam essen mit unseren Lieben. Danach lernt Alex Dave und Wolfram kennen gemeinsam mit Dir. Falls ich nicht dabei sein soll, sage es ruhig. Ich verstehe es«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Nun, da ich Ferrau mitzunehmen gedenke und Alexandre ... beide gedenke ich bei mir zu haben während des Gesprächs und mit beiden hast du es dir zielsicher derart verscherzt, dass sie sich bei deinem Erscheinen in die Hosen machen. Besser ist es, du bist vorerst nicht dabei. Aber das macht von der Sache her nichts. Es geht ja um meine Akademie. Ich werde mit den Magiern allein darüber sprechen. Mach dir mit Linhard zu dieser Zeit einen schönen Tag. Und sei mir nicht wieder böse.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Nein ich habe es doch selbst angeboten, wir hätten vorher miteinander reden sollen. Wir haben wegen Olivie geredet, ich hätte meinen Mund bezüglich Lin selbst mal aufmachen müssen und wie es mir mit ihm geht«, antwortete Greg ehrlich.

Ciel Felicien de Souvagne
»Was habt ihr wegen Olivie geredet?«, wollte Ciel wissen.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Nein Ciel wir beide, wir haben doch wegen Oli geredet, warum Du sie liebst und wie und warum Du sie heiraten möchtest. Das hätte ich auch tun sollen, sprich über meine Gefühle reden. Statt dessen hatte ich sie und sie haben mich ganz verrückt gemacht«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Jetzt haben wir darüber gesprochen. Und du weißt nun auch, was mir meine Leute bedeuten ... du, Dreaux, Papa, Olivie, Nathan, Alex, Khawa ... und Ferrau. Stell sie dir als eine Gruppe von Linhards vor, bevor du sie das nächste Mal ärgerst.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Ich stelle mir lieber vor er steht dabei und alle sind gleich, dann passt es besser«, sagte Greg und drückte Ciel an sich.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel drückte seinen Bruder zurück. Er hatte eiskalte Hände. »Ich hab dich lieb, Kleiner ... hab nicht immer so viel Angst. Für jedes Problem gibt es eine Lösung und wenn es keine gibt, finden wir eine Neue. Ich brauch ein wenig Ruhe. Spreng in der Zwischenzeit nicht wieder halb den Palast.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Ich würde ja sagen Du kennst mich doch, aber das ist keine Beruhigung oder?«, antwortete Greg mit schiefen Grinsen. »Hast Recht Großer, zukünftig komm ich zu Euch angekrochen, dafür sind große Brüder ja da«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Richtig«, sagte Ciel und grinste zurück.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Na dann werde ich Euch mal überraschen indem ich nichts anstelle. Außer vielleicht etwas lesen oder so«, schlug er vor.

Ciel Felicien de Souvagne
»Das wäre ein Anfang«, antwortete Ciel und blinzelte ihm freundlich zu. »Oder schick die beiden unfähigen Gardisten wahlweise zu Benito oder Domi, falls du es noch nicht getan hast und die immer noch vor deiner Tür rumliegen.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Ich war noch nicht wieder zurück, ich hatte Linhard abgefangen und mit ihm gesprochen Ciel. Das war mir wichtiger als die Gardisten. Nun muss ich ihn zurückbringen. Was muss man im Umgang mit Vampiren beachten, außer nicht gebissen zu werden?«

Ciel Felicien de Souvagne
»Im Umgang mit Vampiren? Nimm einen Blutnekro mit! Willst du dich mit einem treffen? Warte, ich habe etwas für dich. Meine Adeptenarbeit, der praktische Teil - einer davon.« Er tapste in den Raum, wühlte in einer Schublade und brachte Gregoire eine Halskette. »Mach sie um und frage nicht, wozu sie da ist. Trage sie einfach.« Er legte sie Gregoire um den Hals.

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg nahm die Halskette entgegen und legte sie sich um. »Dankeschön, ja ich möchte mich mit einem treffen und sie wegen dem Kunstblut befragen. Aber ein mulmiges Gefühl hatte ich doch. Ich werde Dir ganz genau davon Berichten. Danke Großer«, freute sich Verrill.

Ciel Felicien de Souvagne
»Halte mich auf dem Laufenden! Jetzt schmeiß ich dich raus. Bis später.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Bin schon weg«, antwortete Greg und machte sich wieder auf den Weg.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel schloss die Tür. Er kroch zurück zu Ferrau unter die Decke, umklammerte dessen Oberkörper und kuschelte sich wieder bei ihm ein, um weiterzuschlafen. »Du wirst heute nicht arbeiten«, murmelte Ciel, »sondern hier liegen und dich erholen.«

Ferrau
»Ja Herr, wir beide. Euer Bruder ist wirklich komisch, wie ein tollwütiges Baby«, schmunzelte Ferrau.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ich brauche mich nicht zu erholen, mir geht es blendend. Ich passe hier nur auf dich auf«, sagte Ciel schmunzelnd.
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Herrschaftliche Zornesausbrüche

#16

Beitrag von Nathan » So 22. Apr 2018, 19:22

Nathan
Etwas unsicher wartete Nathan auf dem Korridor. Er hatte die Zeit abgepasst, zu der Zerbino sich meistens in die Gesindeküche begab, um dort sein Mittagessen einzunehmen. Nathan wartete und hoffte, dass der Leibdiener von Prince Gregoire sich ein paar Minuten Zeit für ihn nehmen würde.

Zerbino
Der Leibdiener von Prince Gregoire ging wie immer pünktlich zu Mittagstisch, da er genauso pünktlich zurück bei seinem Herrn sein wollte. Wie jeden Tag war er um 12:00 Uhr in der Gesindeküche. Man konnte nach ihm die Uhr stellen, sofern man eine hatte.

Nathan
Doch bevor er die Küche betreten konnte, piepste ihn jemand von der Seite an. »Ha-hallo Zerbino, hast du einen, einen Augenblick Zeit?«

Zerbino
Zerbino blieb stehen und musterte Nathan. »Ja natürlich, was ist passiert?«, fragte Zerbino und hatte schon die schlimmsten Vorstellungen davon was Nathen Duc Dreux versehentlich angetan haben konnte. So wie er dort stand, hatte er ihm vermutlich einen grauenvollen Kurzhaarschnitt verpasst.

Nathan
»Das, das weiß ich eben nicht.« Nathan schaute sich um, ob ihnen jemand zuhörte. Die Geräusche aus der Küche waren sehr laut, so dass man sie nicht verstehen dürfte, wenn sie gedämpft sprachen. Nathan ging ein paar Schritte zurück, so dass sie nicht mehr direkt vor dem Eingang standen, sondern ein wenig in einer Ecke. »Also es ist, ich mache mir Sorgen. Und zwar stimmt irgendwas nicht mit Prince Ciel oder Ferrau. Das sage ich nicht, weil ich wieder aufdringlich sein will, ich habe inzwischen verstanden, dass mein Ex-Herr nicht mit mir zu reden wünscht. Aber ich kenne ihn sehr lange und seit kurzem ist er anders. Ferrau weicht nicht mehr von seiner Seite. Alle Arbeiten, wo er sonst rumläuft, machen andere Diener. Fabs sagt, er hat eine Vermutung, die er aber für sich behält, aber ich hab keine. Hast du eine?«

Zerbino
Zerbino schüttelte in Zeitlupe den Kopf. »Ich weiß sogar direkt worum es geht, aber dies geht nur meinen Herrn und seinen Bruder etwas an. Nur soviel, mein Herr ist manchmal zu gewissen Zeiten nicht er selbst. Und Ferrau nun... Ferrau hätte ihn nicht verärgern dürfen. Ich vermute Ferraus Herr hat jetzt ein besonderes Auge auf ihn. Den Göttern sei dank ist mein Herr zu mir immer lammfromm«, lächelte Zerbino.

Nathan
Nathan bekam große Augen. »Du meinst, er hat ihn geschlagen? Was hatte Ferrau den gemacht? Ich hab jetzt Angst vor deinem Herrn ... bitte sag mir, was ich nicht machen darf, damit er mich in Ruhe lässt! Wird Ferrau jetzt nie wieder allein rumlaufen können?«

Zerbino
Zerbino zog eine Augenbraue hoch. »Ganz einfach Du darfst nicht lügen. Und falls sich mein Herr etwas falsch gemerkt haben sollte und Dir unterstellt, entschuldige Dich. Es wird der Moment kommen, wo Du ihm sagen kannst, dass er sich versehentlich etwas falsch merkte. Wenn Du ihn aber in aller Öffentlichkeit korrigierst... korrigiert er Dich. Du musst ihn nicht fürchten, Du hast ihm schließlich nicht zu dienen und Ferrau hat es übertrieben. Mit seiner Rumschleicherei macht er Land und Leute verrückt und er hätte vielleicht mal bei einer Variante bleiben sollen, wer oder was seine Vorfahren nun waren. Scheinbar gab es da jeden Tag eine andere Version und das hat meinem Herrn nicht geschmeckt. Was vorab gelaufen ist, weiß ich nicht. Jedenfalls war der Verlobte meines Herrn anwesend als Ferraus Märchenstunde begann und da mein Herr sehr vernarrt in seinen Verlobten ist, hat es ihn doppelt wütend gemacht, dass ihm von Ferrau dann schamlos ins Gesicht gelogen wurde. Auf der anderen Seite muss man der Wahrheit geschuldet sagen, hätte mein Herr nicht Hand an ihn legen dürfen. Er hätte es seinem Bruder melden müssen,damit Ferrau bestraft oder gezüchtigt wird. Aber wie ich bereits sagte, war mein Herr leider nicht Herr seiner Sinne in diesem Moment. Ferrau hätte einfach seinen Mann stehen sollen, ihm aufrecht in die Augen blicken sollen und sagen sollen - Herr es tut mir leid, aber ich spreche die Wahrheit. Nein er stammelte herum, erleichterte sich sogar auf den Teppich meines Herrn und es war ein Graus«, erklärte Zerbino.

Nathan
»Aber, aber, aber dann muss er große Angst gehabt haben«, stammelte Nathan verunsichert. »Das hat er bestimmt nicht mit Absicht gemacht oder weil er respektlos sein sollte! Danke auf jeden Fall für den Hinweis. Ich werde es mir merken, ich möchte nicht geschlagen werden. Ciel würde Ferrau nichts antun, selbst wenn man ihm meldet, was der alles falsch macht. Das macht er nicht, das tut er nicht.« Nathan hatte große Angst und dachte daran, was Dreaux ihm offenbart hatte. »Ich weiß nicht, was ihr immer mit euren Herrn macht, dass die so wütend werden. Irgendwas macht ihr falsch. Ihr müsst euch besser um sie kümmern. Ciel hat nie jemanden geschlagen und Dreaux macht das auch nicht mehr, seit ich für ihn da bin. Ich weiß nicht, was ihr anders macht, aber irgendwas davon macht ihr nicht richtig. Eure Herren dürfen sich nicht so ärgern, das kann sie krank machen!«

Zerbino
Zerbino starrte Nathan an. »Ich mache gar nichts falsch Rotznase! Ist Dir vielleicht nicht mal aufgefallen, dass es ständig nur Ferrau ist der gezüchtigt wird? Wieso sollte es an meinem Herrn liegen? Das ist ganz schön frech und vorlaut von Dir«, beschwerte sich Zerbino.

Nathan
Nathan nahm sich ein Taschentuch und putzte gründlich seine Nase ab. Er hatte nicht das Gefühl, dass sie sonderlich schmutzig gewesen wäre, aber sicher war sicher. Er würde dann auch noch mal im Spiegel nachschauen. »Aber wenn Ferrau so ein schlechter Diener ist, dann braucht Ciel einen neuen.«

Zerbino
Zerbino schaute Nathan entgeistert an und machte dann eine wegwerfende Handbewegung. »Wieso? Ferrau ist kein schlechter Leibdiener. Er sollte nur aufhören zu lügen, zu stammeln und zu schleichen. Das macht die Leute verrückt. Und er sollte die anderen Herren ebenso mit Respekt behandeln. Mein Herr hat ihn nicht geschlagen, dass möchte ich anmerken. Er sprach nur sehr erbost mit ihm. Es gab keinen Grund sich auf dem Teppich zu erleichtern«, erklärte Zerbino gekränkt. Einen Dämon würde er tun und Nathan die äußerst unangenehme Wahrheit über den Ausraster seines Herrn verraten. Es hatte keine Absicht in Prince Gregoires Verhalten gegeben, es sei denn man wertete Rolligkeit als Absicht.

Nathan
Nathan betrachtete Zerbino nachdenklich. Dann böse, sofern man die kaum sichtbare Andeutung zusammengezogener Brauen als böse bezeichnen wollte. »Ferrau kann ich nicht so gut einschätzen, da er kaum mit mir redet. Aber meinst du, ich kenne Ciel nicht? Irgendwas stimmt nicht, sonst würde er Ferrau nicht so eng bei sich haben. Ciel meint es immer gut. Er macht so was nicht, wenn er nicht sicher wäre, dass er es muss. Und er ist sehr klug, er irrt sich nie. Du willst es mir bloß nicht sagen, was los ist, obwohl du es genau weißt. Fabs hat gesagt, ich soll mit dir reden, aber du willst ja gar nicht mit mir reden.« Enttäuschung mischte sich in Nathans Empfinden.

Zerbino
Zerbino schaute Nathan an und legte ihm eine Hand auf die Schulter. »Du dienst dem Duc, wenn er es erfährt bekommt mein Herr gewaltigen Ärger. Schweigst Du, dann sage ich es Dir«, flüsterte Zerbino.

Nathan
»Oh je, es ist etwas Schlimmes«, jammerte Nathan. »Ich tratsche eigentlich keine wichtigen Dinge rum. Das mache ich nicht. Und wenn du auch schweigst, dann ist es sicher nichts, was der Duc erfahren muss, sondern nur uns was angeht, oder? Bitte sage es mir, damit ich mich nicht mehr Sorgen muss, was mit Ciel los ist.«

Zerbino
Zerbino nickte. »Mit Ciel ist nichts, er hat Ferrau die Haut gerettet. Mein Herr wollte mit Ferrau sprechen, aber dieser antwortete nicht zu dessen Zufriedenheit. Da nach er sich den Schürhaken aus dem Ofen und züchtigte ihn damit. Kurz davor nässte sich Ferrau ein. Als mein Herr vor unkontrollierter Wut Ferrau züchtigte kam dessen Herr und stellte den meinen. Kurzum er hielt ihn fest. Der Verlobte meines Herrn sagte zu Prince Gregoire er solle aufhören und Prince Ciel den Schürhaken geben. Was dieser auch tat, nach reichlich Gerangel. Nathan... so erwachsen unsere Herrn manchmal auch sind und beizeiten auch sein mögen, ab und an sind sich doch nichts weiter als übergroße Kindsköpfe. Jungs die dank ihrer Ausbildung und Erziehung recht gefährlich werden können. Später werden sie ihre Fähigkeiten zum Schutze ihrer Untertanen einsetzen, aber momentan haben sie ab und an noch interne Machtkämpfe im Kopf, die jeder junge Mann im Kopf hat, wenn es zwischen den Beinen nach einer Nummer juckt. Sie müssen sich noch ihre Hörner abstoßen. Ciel ist der Einzige von ihnen, der sie sich tatsächlich abgestoßen hat. Er war im Krieg, er sah Schlachten, er sah Gefallene, er sah das - was unser alter Duc Maximilien sah und wovor er das ganze Land und vor allem seine Kinder abschirmen will. Aber manchmal muss sich ein Jugendlicher eine blutige Nase holen um zu wissen, wann er sie in andere Angelegenheiten stecken darf und wann nicht. Sie müssen lernen wo ihre Grenzen sind, sie müssen lernen wozu sie ihre Macht und Kräft einsetzen dürfen. Theorie ist äußerst wichtig, aber die Praxis ist wesentlich wichtiger. Ein Buch ist wundervoll, mein Herr liebt Bücher. Aber kein Buch der Welt gibt den Gestank von Blut, Fäkalien, verfaulenden Gedärmen und die Schreie der Sterbenden wieder die einem im Krieg erwarten. Und kein Buch der Welt gibt wieder wie die See donnert, das Meer riecht und sich Wind auf der Haut anfühlt. Deshalb sind die beiden anderen Herrn und besonders der meine oft sehr unausgeglichen. Er weiß mit seinen Energien manchmal nicht wohin und nun kam noch hinzu, dass er seinen Verlobten beeindrucken und verteidigen wollte. Es war ein Trauerspiel. Keine Viertelstunde später, als Prince Ciel gegangen war, da fiel es Prince Greg wie Schuppen aus den Augen, was er da getan hatte. Nun gut, dass es so war. Wer von uns kennt es nicht? Jeder Mann kennt es, wenn einen die Wut packt - oder fast jeder. Er wusste was er angerichtet hatte, er ging seinem Bruder nach. Was dort geschah weiß ich nicht, aber sie haben sich wohl versöhnt. Was Greg wirklich gut tun würde, eine Aufgabe wo er mal in Schwitzen kommt und sich schmutzig macht und zwar draußen. Das braucht er, aber das sieht er nicht ein. Glaub mir, ich schwöre Dir, er hätte sogar Spaß daran. Letztens war er mit seinem Verlobten am Meer und erzählte Stunden später noch davon. Was soll ich ihm da sagen? Hört Euch selbst zu Herr, Ihr kennt die Antwort? So ist es doch. Das steckt dahinter Nathan. Nicht das Ferrau Ärger macht, er hat nur leider so eine linkische Art, die dann den Ärger anzieht wie ein Magnet«.

Nathan
Als Zerbino das erzählte, kullerten Nathan ein paar Tränen aus den Augen. Er wischte sie sich mit Handrücken ab. Er musste ein paar mal schlucken, denn wenn er jetzt gleich gesprochen hätte, wäre unverständliches Kauderwelsch herausgekommen. »Und da-da-darum und da-darum hat, hat, hat...« Er schniefte und räusperte sich und versuchte, sich zusammenzureißen. »... darum hat Ciel immer gesagt, dass, dass, dass er keine, keine, keine also dass er sich ganz vergeistigen will und ich, ich, ich hab, hab, hab ...« Er ließ Zerbino einen Moment stehen, ging in die Küche, ohne mit irgendjemandem zu sprechen und holte sich ein Glas Wasser, das er in kleinen Schlucken trank. »Also wenn Ciel das Gefühl hat, dass er sich wegen irgendwas nicht mehr beherrschen kann, dann badet er immer eiskalt. Ihm hat das gut geholfen«, erklärte er nun ruhiger, obwohl er exrteme Angst hatte. »Vielleicht ist das was für deinen Herrn? Ich glaube, ich verstehe ihn jetzt, warum er mir verbot, warum er ... ich glaube, er will nicht, dass ich auch so werde. Und darum hat er mich nun abgegeben. Der arme Ferrau, was machen wir jetzt? Einfach so tun, als ist nichts?«

Zerbino
Zerbino zuckte einmal kurz die Schultern. »Die Bestrafung eines Prince liegt entweder in der Hand eines anderen Princen oder in der Hand des Duc. Was sie lernen müssen ist ihre Wut in geordnete Bahnen zu lenken, oder niederzukämpfen bevor sie entsteht. Und was ein jeder von ihnen lernen muss, dass was Fabiens Herr früh absolut unfreiwillig lernen musste, ist Demut. Es gibt sogar für solche Menschen Mächte die sich nicht ihrer Macht beugen. Maximilien musste mit 17 Jahren erwachsen werden, so etwas hätte er sich nicht leisten können. Er hatte schlagartig von heute auf Morgen ein Land zu regieren. Und beide Personen die ihm hätten beistehen können waren tot. Das er deshalb seine Söhne behütet wie Augäpfel ist doch selbstverständlich. Aber und nun rede ich rein privat und frei für alle - ein Vater muss auch einmal streng sein. Wobei ich glaube, wüsste er davon, wäre er tatsächlich sehr streng zu ihnen. Er achtet die Dienstboten, er achtet die Henker, er weiß was sie leisten, wofür sie stehen. Solch eine Person zu strafen, unangebracht zu strafen, heißt er niemals gut. Prince Gregoire - mein Herr könnte sich vermutlich einiges anhören oder müsste sogar einen Zwangsdienst antreten. Der ihm vielleicht sogar gut zu Gesicht stünde. Nicht das ich ihn bestraft sehen möchte, er ist ein lieber und anhänglicher Herr zu mir, aber er benötigt eventuell genau jene Reife um der Mann zu werden, der er ab und an von alleine ist. Ein Mann mit Geduld und Weitsicht. Er ist sehr klug und absolut belesen, aber seine Unausgeglichenheit manchmal verwandelt ihn in wen, der er selbst nicht sein möchte und der Katzenjammer folgt darauf. Es tut ihm von Herzen leid. Was Du Dir damit selbst versagen willst ist Unsinn Nathan. Erwachsen wird jeder, von einem Jungen wirst auch Du zum Manne und ein jeder Mann hat Bedürfnisse. Du versuchst die Zeit aufzuhalten, Du bist nicht Ainuwar. Der Mensch ist ein Gruppengeschöpf wie mein Herr so schön sagte. Wir haben einen Rudelanführer und dieser muss nunmal die unteren Ränge in den Hintern beißen, damit sie sich benehmen. Die Jungen lernen von den Alten. Drum müssen die Alten auch mal eine Grenze ziehen. Wenn Dich ein 6 Jähriger mit dem Stock haut ist der vielleicht noch frech und witzig dieser kleine Giftpilz. Das wirkt vielleicht sogar noch niedlich. Kinder halt. Wenn dieses Kind so groß ist wie Du und schnell wie eine Viper und Dir eines mit einem Stock, Stift oder Lineal verpasst, dann ist das kein Spaß mehr. Für ihn schon - es war doch immer witzig. Warum ist das jetzt verboten? Weil ihm vorher niemand Grenzen gesetzt hat. Es hätte verboten sein müssen. Das meine ich. Ich denke, sobald Maximilien zurückkehrt wird Ciel mit seinem Vater reden und Greg wird ihm Rede und Antwort stehen müssen. Hoffen wir das dies nach der Hochzeit geschieht, sonst sieht mein Herr rot und wir alle schwarz«.

Nathan
»Du siehst das aber sehr locker ... was, wenn der Prince dich das nächste Mal mit dem Schürhaken schlägt? Mit dem Schürhaken! Der arme Ferrau! Er hätte, er hätte ... ich, ich wünschte, ich wünschte ...« Nathan musste sich schon wieder die Tränen wegwischen. »Ciel hatte Recht damit, dass Menschen böse sind. Ich wollte das immer nicht glauben. Ich muss mich bei Ciel für alles entschuldigen gehen. Ich wollte nie erwachsen werden und er auch nicht. Und von einem Tag auf den anderen sagte er, dass wir jetzt erwachsen sind. Er wollte es nie und ich habe das nicht verstanden, obwohl er es mir hundert Mal erklärte. Irgenwann sagte er mir, ich wäre zu dumm und sollte einfach nur gehorchen, was ich ja auch tat. Jetzt aber verstehe ich alles. Findest du das gar nicht schlimm, was passiert ist?«

Zerbino
Zerbino schaute Nathan an. »Würde ich es nicht schlimm finden, meinst Du ich hätte mir dann solche Gedanken gemacht, was meinem Herrn mal gut tun würde? Natürlich ist schlimm und es hätte weitaus schlimmer ausgehen können. Er hätte Ferrau mit diesem verdammten Schürhaken den Schädel einschlagen können. Darum muss er was gegen seine Unausgeglichenheit tun. Ich hoffe das sein Verlobter dieses DAS ist. Menschen sind nicht nur böse Nathan, ebensowenig sind sie nur gut und Ciel wird genauso kein Heiliger auf dem Schlachtfeld gewesen sein. Aber im Gegensatz zu Gregoire am besagten Tag, weiß Ciel wo seine Aggression hingehört - aufs Schlachtfeld. Als Gregoire für seine Brüder den Thron hütete, wusste er auch was zu tun ist und vermutlich ruhiger und sicherer als Duc Dreux. Das ist der Preis des Mittleren - der Erste bekommt den Thron, der Letzte ist das Nesthäkchen. Und jener in der Mitte? Er benötigt eine gute Aufgabe und falls er keine überreicht bekommt, muss er sich selbst eine suchen. Er kann nicht erwarten, dass ihm das Leben alles so serviert wie ein guter Leibdiener. Es ist vielleicht nicht das was er erwartet, es ist vielleicht nicht das was er verdient - aber es ist das was er bekommt. Das nennt man Leben! Und er ist kein schlechter Mensch, ich diene ihm schon sehr lange. Oder ist jeder Mensch der in die Pubertät gerät schlecht? Nein es sind quasi Leute auf deren Köpfen stehen könnte vorsicht Umbauarbeiten. Und Jungs sind später dran, dass weiß jeder. Sie verhalten sich zudem anders als Mädels. Aber jene Aggression die man heute ablehnt, wird an anderer Stelle wieder von ihnen gefordert. Von daher, darf er sie auch nicht verlieren, er sollte sich wieder seinem Training widmen. Müde vom Training kommt man nicht auf solche Ideen. Oder er sollte... nun sagen wir es mal, den Akt vollziehen notfalls allein und sich seinen Verlobten denken, damit er nicht so biestig reagiert. Du kennst ihn doch sonst, er ist ein lieber, herzlicher und guter Mensch. Nur er hat eben seine 5 Minuten manchmal. Oder meinst Du seine Brüder würden ihn so nennen, wenn er immer wie ein Berserker herumlaufen würden?«

Nathan
»Wie nennen sie ihn denn? Auf dem Schlachtfeld war Ciel nicht aggressiv. Ich war nicht dabei, aber danach, danach kam er ja wieder ins Zelt und da war er völlig durcheinander. Er hat tausend Fragen gestellt und ich war leider nicht in der Lage, sie ihm zu beantworten, weil ich nicht so sehr klug bin. Und er hat Khawa angeschleppt. Ich glaube nicht, dass er da blindlings mit dem Schwert um sich geschlagen oder so was blind befohlen hat. Wenn Ciel wütend ist, macht er andere Dinge. Er kann auch sehr wütend werden, ja. Aber er schlägt dann niemanden. Er tut einem anders weh. Er wollte nach dem Krieg in einen Tempel ziehen, er wollte nichts mehr mit der Welt zu tun haben. Aber dann ist er doch wieder in den Krieg gegangen und hat den Wall gebaut und die nördliche Grenze verteidigt. Das tut ihm nicht gut, vielleicht sollten sie tauschen und Gregoire das machen, wenn er gern Leute schlägt? Das meine ich nicht böse, vielleicht wäre er ein guter Feldherr. Dann könnte Ciel nämlich in den Tempel ziehen, so, wie er es wünscht. Du kannst ihm aber, bis er gelernt hat, sich zu beherrschen, wirklich ein kaltes Bad anbieten. Das tut Ciel immer sehr gut.«

Zerbino
»Nun vielleicht solange bis er die Hochzeitsnacht verbringen darf, dass wäre dann schon eine Möglichkeit. Ich denke auch Dein Herr war dort nicht Handzahm. Sie nennen Ciel den Kopf der Drei und meinen Herrn das Herz. Das ist er sonst auch, er schlägt auch nicht gerne Leute. Eigentlich hockt er am liebsten vor seinen Büchern, aber genau das Gegenteil scheint er seinem Verlobten beweisen zu wollen. Der Hafer hat ihn gestochen, wie man umgangssprachlich sagt. In den Tempel ziehen? Das sollte seine Zukünftige mal nicht hören. Was wäre das für ein Leben für sie? Geheiratet und dennoch auf ewig Jungfrau? Er ist einer der Prinzen. Vielleicht sollte der Duc mit all dem warten und hoffen, dass ihm seine Dritte Frau einen tatsächlichen Sohn schenkt. Sie alle drei scheinen ihre Marotten zu haben«.

Nathan
»Wenn Gregoire das Herz ist und Ciel der Kopf, was ist dann Dreaux? Also ich weiß nicht, was Ciel sich dabei gedacht hat, aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass seine Braut nach der Hochzeitsnacht keine Jungfrau mehr wäre. Er ist so nicht. Ich verstehe auch überhaupt nicht, warum er nun doch um ihre Hand angehalten hat, obwohl er eigentlich ja gar nicht heiraten wollte. Na ja, mich wollte er mal heiraten, aber das zählt nicht, da waren wir Kinder. Wieso glaubst du, dass die Hochzeitnacht es ändern wird? Vielleicht macht sie es noch schlimmer! Und warum sollte Dreaux kein guter Duc sein? Er gibt sich extrem viel Mühe und macht sich viele Gedanken, zu viele, finde ich sogar. Er ist sehr gestresst und schläft kaum.«

Zerbino
»Dreux ist das was beide verbindet, der Körper würde ich sagen, dort sitzt der Sonar Plexus. Nein dass meinte ich nicht. Dreux ist ein guter Duc, er ist nur immer so angespannt dabei. Gut Du hast es mir gerade erklärt, er muss etwas lockerer werden. Er ist so verbissen, das hat er doch gar nicht nötig. Er macht seine Aufgabe gut. Aber Greg hat diese Aufgabe ebenfalls gut gemeistert. Nun das kann auch sein, je mehr man bekommt, je mehr möchte man. Aber dann liegt es an seinem Verlobten einzuschreiten. Ich weiß es nicht, aber ich dachte er wollte in den Tempel gehen um dort keusch zu leben. Ach Nathan, wen wir schon als Kinder alles heiraten wollten«, lachte Zerbino.

Nathan
»Wen wolltest du denn heiraten?«, fragte Nathan neugierig. »Ja, er wollte da seine Ruhe haben und keusch sein dürfen, ohne dass irgendwer daran Anstoß nimmt. Er wollte aber auch seine Ruhe haben vor der Welt. Er wollte sich, glaube ich, da verstecken. Ich werde Dreaux eine Nackenmassage anbieten«, überlegte er. »Vielleicht hilft ihm das, sich zu entspannen. Ich glaube dir, dass Gregoire ein guter Herrscher war. Aber trotzdem darf er niemanden einfach so dermaßen schlagen!«

Zerbino
»Unsere Nachbarin, meine Mutter, die Köchin unten in der Küche damals, meine Güte irgendwie jede Frau die ich mochte. Letztendlich habe ich keine geheiratet. So ist der Lauf der Dinge Nathan. Ich weiß, vielleicht sollte ich dies auch einmal versuchen, oder ihm etwas zur Beruhigung geben. Dein Herr mag Dich sehr, dass ist wichtig. Und meiner mag mich ebenso. vielleicht versuchen wir es mal im Duo?«

Nathan
»Und wie sollen wir das machen?«, fragte er unsicher. »Du meinst, jeder versucht es auf seine Weise?«

Zerbino
»Wir sprechen uns ab und teilen unsere Ideen und versuchen es so mit unseren Herrn. Sprich wir denken uns gemeinsam etwas aus. Was meinst Du dazu?«, fragte Zerbino

Nathan
»Also ich finde die Idee gut. So machen wir das. Ich finde das auch wichtig. Ein was musst du noch wissen. Wenn Gregoire Ferrau verletzt, verletzt er damit auch Ciel. Ciel sogar noch mehr als Ferrau. Es geht ihm danach wirklich sehr schlecht und damit meine ich wirklich sehr! Er wird davon krank! So krank, dass ihm auch ein Heiler nicht helfen kann. Darum mache ich mir solche Sorgen, wenn Gregoire so wütend wird. Ich will nicht, dass Ferrau was passiert, aber noch weniger will ich, dass Ciel krank wird. Drum hab ich dir vorhin vorgeworfen, dass du dich nicht so gut um Gregoire kümmerst. Aber wir machen das nun besser, ja?«

Zerbino
»Ja versprochen, wir machen es gemeinsam besser. Das verstehe ich, man sorgt sich oft mehr um seine Lieben als um sich selbst. Fabien wird auch krank, falls Max krank ist und ungekehrt. Oder wenn Gregoire krank war, habe ich mich auch so gesorgt, dass ich nicht essen konnte. Sie sind unsere Familie, machen wir uns nichts vor und wir die ihre Blutsverwandtschaft hin oder her. Und nachdem was Du erzählst hätte Greg Ciel gleich selbst schlagen können«.

Nathan
»Ja«, flüsterte Nathan und bei der Vorstellung wurde ihm Angst und Bange. »Ferrau war stark verletzt, oder? Ich sehe es. Ciel ist noch viel blasser als sonst.«

Zerbino
»Nein ich vermute nicht, es war wohl mehr der Schock. Greg hat ihn mit der Spitze gestochen und ihm dann das Eisen in den Nacken gehalten, um ihn zu brandmarken wie eine Kuh. Wie wenn man Lügner öffentlich brandmarkt, die sehr schlimm gelogen haben, so das jemand umkam oder so. Und Ferrau hat gekreischt. Nun ich glaube das hätte mein Herr auch, hätte er den Haken am anderen Ende anfassen müssen. Ciel beschützt seinen Leibdiener Nathan«.

Nathan
Nathan zitterten die Finger bei der Beschreibung. So wie er Ciel kannte, würde der auch bei kleineren Verletzungen seines Leibdieners sein eigenes Blut geben, um diese zu kurieren. Das hatte er sogar getan, wenn Nathan sich beim Rasieren geschnitten oder sich den Finger umgeknickt hatte. »Ich hoffe, Khawa ist bald wieder da. Ciel braucht selber Schutz. Ich konnte ihn nicht beschützen und Ferrau auch nicht. Es ist nicht richtig, dass er so leiden muss nur wegen uns. Es sollte wenn schon dann andersrum sein. Danke jedenfalls. Das war es, was ich mit dir bereden wollte.«

Zerbino
»Ich werde mir ein Herz nehmen und mit meinem Herrn darüber in einer stillen Stunde reden. Meist ist er dann recht zugänglich und oft sogar ein Häufchen Elend. Vielleicht sollten wir einmal Ferrau besuchen und ihm etwas zur Genesung kaufen? Und wir sollten ihm einen besseren Ruf bescheren. Er ist vielleicht gar nicht so linkisch, sondern hat einfach nur Angst«.

Nathan
»Ja, der Arme tut mir leid. Vielleicht freut er sich, wenn wir uns um ihn kümmern und ihm was schenken. Aber das setzt voraus, dass Ciel uns mit ihm reden lässt. Momentan versteckt er ihn ja vor allen und ich hab gesehen, dass er jetzt vier Wachen vor seiner Tür hat anstatt zwei.«

Zerbino
»Ich könnte Prince Ciel darum bitten und ihm mitteilen, dass wir Ferrau helfen wollen. Generell und auch dabei seinen Ruf zu verbessern. Ich selbst habe ja zum Gegenteil beigetragen, wenn ich einfach wiederhole was andere sagten. Sprich er wäre faul, verlogen und linkisch. Bei diesem Vorfall lag es nicht an Ferrau«.

Nathan
»Dann hast du mich ja auch angeschwindelt«, sagte Nathan verzweifelt. »Vorhin hast du gesagt, Ferrau wäre selber Schuld. Was stimmt denn nun? Es wäre gut, wenn du Ciel bitten würdest, da er immer noch schmollt mit mir. Sonst würde ich ihn ja selber fragen. Aber er mag nicht.«

Zerbino
»Ich habe für meinen Herrn gelogen Nathan, da ich nicht wollte, dass er Ärger bekommt oder wie ein Monster dasteht. Das ist er nicht. Es stimmt dass Ferrau unschuldig ist und mein Herr vor Wut die Nerven verlor. Das ist die Wahrheit. Und es ist die Wahrheit dass er, nachdem er sich beruhigt hatte, seine Tat bereute und sich mit seinem Bruder versöhnte. Ich werde zu ihm gehen.«

Nathan
»Alle schwindeln dauernd«, beklagte sich Nathan. »Man weiß gar nicht, wem man überhaupt noch glauben kann. Das nächste Mal schwindelst du wieder, weil du deinen Herrn schützen willst. Ich hab noch nie geschwindelt. Ciel schwindelt auch nicht.« Nathan merkte erneut, wie sehr er ihn vermisste. Er durfte nicht wieder anfangen rumzujammern. Schon gar nicht vor dem zwielichtigen Zerbino. Er wurde traurig bei dem Gedanken, dass Zerbino nun mit Ciel reden konnte, während er selbst niemanden mehr hatte. Zerbino würde wohl eher nicht zu seinem Freund werden. »Dann lasse ich dich mal deine Mittagspause machen. Ich will dich nicht länger stören.«

Zerbino
»Wie Du meinst, ich sage Dir was er sagte. Ich hole mir nur schnell etwas aus der Küche, dann bin ich wieder im Dienst, falls Du mich noch einmal suchen solltest. Ich hätte auch schweigen können Nathan... und hätte es auch sollen«, antwortete Zerbino, nickte ihm zu und verschwand in der Küche.

Nathan
»Der letzte Satz war gemein!«, rief Nathan ihm hinterher. Dann kehrte er von seiner eigenen Mittagspause zurück, ohne etwas gegessen zu haben und machte sich wieder an die Arbeit.

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Ciel Felicien de Souvagne

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Die Beichte

#17

Beitrag von Ciel Felicien de Souvagne » Fr 27. Apr 2018, 17:02

»Revelatio und Flagellatio. Ich bin gekommen, um zu gestehen und hernach zu sühnen, Meister.« Ciel stand mit gesenktem Haupt vor dem Schreibtisch im Arbeitszimmer des Erzhexers Alexandre de la Grange. Ciel trug seine schlichte, dunkelgraue Adeptenrobe und war barfuß. »Ich bitte darum, mich unter Eurer Aufsicht kasteien zu dürfen.«
Alexandre lehnte sich in seinem Stuhl zurück und sah ihn sehr ernst an. Wenn ein Schüler mit dieser Bitte an ihn herantrat, war etwas Schwerwiegendes vorgefallen. Der Meister ließ das Traktat eines Novizen, das er gerade gelesen hatte, liegen und erhob sich. Er war einen halben Kopf größer als der Prince und warf einen Schatten auf ihn.
»Wie du es wünschst, Ciel. Wir gehen in den Opferraum. Ich werde dein Geständnis entgegennehmen und darüber wachen, dass du korrekt sühnst.«

Inhalt der Beichte: Im Kleiderschrank (ü18) >>

Eine halbe Stunde später kniete Ciel mit nacktem Oberkörper in der Mitte des Opferraumes. Er hatte die Robe von seinen Schultern gezogen, so dass sie umgeschlagen von seiner Hüfte hing wie ein langer Rock. In der Mitte wurde sie vom Gürtel gehalten. Die Roben waren so geschnitten, dass das Befreien des Oberkörpers zu Opferzwecken mit einem einzigen Handgriff möglich war. Der Stoff war nach dieser halben Stunde nicht mehr grau, er war rot und nass, so wie Ciels Rücken. Vor ihm ragte im Schneidersitz Statue Ainuwars bis zum Deckengewölbe, eine mehrere Meter hohe, geschlechtsneutrale Kapuzengestalt. Im Schoße Ainuwars saß, wie ein fleischgewordenes Abbild des Gottes, Alexandre. Ebenso geschlechtslos, das Gesicht im Schatten seiner Kapuze verborgen. Er trug nicht länger seine lumpenartigen Überwürfe, sondern die dunkelrote Robe des Erzmagiers, um die rituelle Kasteiung zu leiten. Seine Ausstrahlung war nun anders. Er war das Oberhaupt seines Ordens. Er war der mächtigste Blutnekromant, der je auf Asamura gewandelt war. Er war Ciels Meister. Der Prince fühlte extremen Respekt vor diesem Mann. Er kniete in tiefer Demut vor ihm auf dem blanken Stein. Die blutige Geißel, mit der er die Selbstflagellation unter Alexandres Blicken durchgeführt hatte, lag vor seinen Knien. Der Boden war im Umkreis mehrerer Meter rot gesprenkelt.
»Ich habe dein Geständnis und deine Kasteiung zur Kenntnis genommen«, sprach Alexandre laut und deutlich. Seine Stimme hallte in dem Gewölbe. »Du hast mir deine gestrige Verfehlung im Detail dargelegt und körperlich gesühnt. Von der Aufrichtigkeit deiner Reue bin ich nun überzeugt. Die Kasteiung erfüllt ihren Zweck jedoch erst vollständig mit dem Begreifen, mit dem Lernen aus seinen Fehlern. Widmen wir uns der Fehleranalyse. Was hast du während des Ereignisses falsch gemacht?«
Ciel leckte sich über die trockenen Lippen. Der Blutverlust machte ihn durstig und ihm war schwindlig. Es war nicht Sinn und Zweck der Kasteiung, sich dabei gut zu fühlen. Seine Stimme war heiser, als er sprach.
»Ich habe zugelassen, dass mein Handeln von meinen Gefühlen beeinflusst wird. Ich habe dem Sehnen meines Fleisches nachgegeben. Und infolgedessen mein Gelübde der Keuschheit gebrochen. Ich habe zugelassen, dass mich eine andere Person unsittlich berührt.«
Alexandres Gesicht blieb ernst. »Worin lagen die Ursachen für diesen unwürdigen Kontrollverlust?«
»Meister, ich hatte starke Schmerzen. Und ich war zu jenem Zeitpunkt eingesperrt, ich hatte somit keine Möglichkeit, die üblichen Techniken anzuwenden, die Ihr mir beigebracht habt, um abzukühlen.«
»Du gibst den äußeren Einflüssen also die Schuld. Das ist keine Fehleranalyse, sondern eine Rechtfertigung. Ich erwarte mehr Rückgrat. Fünf weitere Hiebe für den Versuch, die Schuld woanders zu suchen.«
Erneut nahm Ciel die kurze, vielschwänzige Geißel zur Hand. Er zog sie sich abwechselnd von oben und von unten um den Rücken. Vor Schmerzen war ihm schlecht, aber er gab keinen Ton von sich. Nach dem Vollzug der Strafe legte er die Geißel wieder vor sich ab. Sein Blut war bis zu dem erhöht sitzenden Meister gespritzt.
Alexandre wiederholte seine Frage. »Was hast du falsch gemacht, dass es zu diesem unwürdigen Kontrollverlust kommen konnte?«
Ciel überlegte sich seine nächsten Worte genau. »Ich habe mich freiwillig in eine ausweglose Situation begeben. Ich habe zugelassen, dass Gregoire mich dort einsperrt. Das war der Fehler. So konnte ich mich der Situation nicht entziehen und war in ihr gefangen.«
»Wie kam es zu dieser fahrlässigen Fehlentscheidung?«
»Es lag an meiner Unsicherheit. Ich habe Angst vor der Hochzeitsnacht. Ich weiß noch immer nicht, wie und was genau ich in diesem Augenblick tun soll, auch wenn mir die Theorie bekannt ist. Darum nahm ich das Angebot an, bei Gregoire von diesem Schrank aus zuzuschauen. Ich wollte von ihm lernen.«
»Ich fasse das Gesagte mit dem Unausgesprochenen zusammen: Es war eine Mischung aus durchaus löblichem Lernwillen und profaner Triebhaftigkeit. Letzteres hast du nicht ausgesprochen, aber ich nehme an, dass es mit reinspielte. Ist dem so?«
»Ja, Meister.«
»Zwei weitere Hiebe für das Verschweigen.«
Ciel gehorchte.
Alexandre fuhr ungerührt fort.
»Wie kannst du solch schwierige Situationen in Zukunft kontrollierbar halten?«
»Ich hatte zuvor mit Gregoire geschmust und war dadurch nicht zu hundert Prozent Herr meines Verstandes. Ich sollte nur mit Personen schmusen, die meinen Wunsch nach Keuschheit akzeptieren und mich darin unterstützen, anstatt gezielt entgegenzuwirken. Es war rückblickend völlig idiotisch, sich freiwillig von ihm dort einschließen zu lassen. Ich hätte darum bitten sollen, offen zuschauen zu dürfen, so dass ich notfalls gehen kann.«
Alexandre sah mit steinerner Miene auf ihn herab, ohne etwas zu sagen. Ciel schmatzte mit seinem ausgetrockneten Mund. Seine Zunge fühlte sich an wie mit Stoff überzogen. Als hätte er ein trockenes Stück Stoff im Mund. Er war sehr durstig.
»Ich habe eine Frage, Meister. Sollte ich meiner Lust vielleicht gelegentlich kontrolliert Raum geben, bevor sie unkontrollierbar wird?«
Alexandres Gesicht blieb ausdruckslos.
»Das ist der einfache Weg. Der Weg eines schwachen Geistes. Der Weg, den ich jenen Novizen empfehle, bei denen ich nur geringes Potenzial sehe. Jene, aus denen ohnehin nie ein Hexenmeister werden wird, geschweige denn mehr. Aber ja, es ist eine Möglichkeit. Dieser Weg steht dir freilich offen. Zu beachten ist dabei, dass du die Entscheidung, wann und wie oft es geschehen soll, aus dem Kopf heraus triffst und nicht darum nachgibst, weil dein Körper gerade danach verlangt. Dein Wille muss immer Herr deines Handelns sein. Sonst wirst du zum Sklaven deines Körpers. Aber ehrlich gesagt hatte ich größere Hoffnungen in dich gesetzt, Ciel.«
Ciel wagte nicht, aufzusehen und blickte auf die Geißel zu Alexandres Füßen.
»Ihr habt keine Ahnung, wie sehr ich mich dafür schäme, was passiert ist. Und vor allem dafür, wie es abgelaufen ist. Verzeiht Ihr mir?«
Alexandres Stimme verriet keine Emotionen, als er antwortete.
»Ich werde dich wie gehabt unterrichten und du sollst in deiner Ausbildung keine Nachteile erfahren. Du bist ein Adept in der Mitte seiner Ausbildung, Fehler sind im Rahmen eines Lernprozesses unvermeidlich. Es ist kein Meister vom Himmel gefallen, sagt ein altbekanntes Sprichwort. Dein Mentor, Marquis Alexandre de la Grange, verzeiht dir. Dein Freund, Alex, verzeiht dir diesen Fehltritt nicht.«
Ciel hob nun doch entgeistert den Blick. »Bitte habt die Güte, mir dies zu erklären. Habe ich Euch verletzt?«
»Du kannst dir die Antwort selbst herleiten, das traue ich deinem Verstand durchaus zu. Spar dir also die Frage. Deine entblößenden Frage-Antwort-Spielchen zu meinem Innenleben werde ich nicht länger mitspielen. Ich weiß inzwischen, dass du es genießt, wenn Menschen einen Seelenstrip vor dir vollziehen. Wenn sie dir ihr nacktes Selbst zeigen, wie ein Hund, der sich vertrauensvoll auf den Rücken dreht und seinem Herrn die Kehle anbietet. Von der Sache her ist dieses Empfinden nicht einmal verkehrt. Wo andere nackte Körper sehen wollen, erregen dich nackte, bloßliegende Seelen. Das war es, was du wirklich wolltest, als du mich zu dir riefst. Meine Seele. Als wir in deinem Zimmer auf dem Sofa lagen. Das Küssen und Streicheln waren nur Lockmittel, um mich zu ködern, damit ich mich dir öffne. Ich wollte Zuneigung. Was du wolltest, war meine Verletzlichkeit.«
»Das stimmt nur teilweise«, verteidigte sich Ciel kleinlaut. »Erstens habt Ihr angefangen mit dem Küssen. Ich bin nur darauf eingestiegen. Und zweitens hat es mir tatsächlich gefallen. Ich küsse Euch gern. Es war nicht, um Euch anzulocken. Nicht ausschließlich. Ich wollte Eure Nähe wirklich - die körperliche und die seelische Nähe. Mit dieser Unterstellung tut Ihr mir Unrecht.«
»Deine Tat wäre in Ordnung gewesen, wenn du mich damit nicht behandelt hättest wie Wegwerfware. Meine Nähe hast du durch eine dahergelaufene Bekanntschaft ersetzt. Es ist demütigend, so ersetzlich zu sein. Nachdem ich dir meine wunde Seele zeigte, meine Sehnsucht offenbarte, mein Verlangen - kurzum: Mein Herz - wusstest du, was du tun musstest, um mich mit einem einzigen Stich zu verwunden. Und du hast nicht gezögert, zuzustechen, ob nun in der Absicht, mich zu verletzen, oder ob du diesen Umstand einfach in Kauf genommen hast. Wie dem auch sei, ich kann dazu nur sagen: Bravo, gut beobachtet, Ciel. Du hast dein Spielzeug gut analyisiert und dessen Schwächen meisterhaft gegen es verwendet.«
»Sagt nicht 'Spielzeug' zu Euch«, sagte Ciel leise. »Ihr spricht damit in der neutralen Form von Euch.«
»Nun, das bin ich doch, nicht wahr? Ein Neutrum. Ein komisches Zwischending. Geschlechtslos. Defekt.«
»Das stimmt nicht«, protestierte Ciel. »Das ist nicht, wie ich dich sehe! Du bist für mich eindeutig ein Mann.«
»Deine Lügen sind erbärmlich«, zischte Alexandre. »Wäre es so, hättest du dir wohl keinen eindeutig männlichen Ersatz gesucht, nicht wahr? Von der Sache her könnte man deine Gabe, Menschen bis auf die Seele auszuziehen und dann ihr Inneres genüsslich zu sezieren, bewundern. Als Prince, Furisto und Feldherr ist dies sicher eine nützliche Gabe. Auf dem Schlachtfeld scheinst du sie dann wohl auch gelernt zu haben. Ich habe es nicht einmal gemerkt, dass ich ein weiteres Objekt deiner Sammlung bin.«
»Das ...« Ciel kaute auf seiner Zunge. »Das stimmt auch nur zur Hälfte. Lasst es mich wenigstens versuchen, es richtigzustellen, bitte brecht das Gespräch jetzt nicht ab.« Ciel hob entwaffnend die Hände. »Ich gebe zu, dass ich Eure Persönlichkeitsstruktur interessant finde. Ja, ihr seid faszinierend für mich. Ich sage Euch das ehrlich und rede mich nicht heraus, das müsst Ihr mir zugutehalten. Ihr habt etwas erlebt, was Euch heute einzigartig macht. Es gibt tausende Menschen, die sich kaum voneinander unterscheiden. Eine langweilige graue Masse, einer wie der andere, austauschbar und leicht zu führen. Aber es gibt nur einen wie Euch - nur einen Alexandre de la Grange. Nur einen Alex.«
»Du sprichst die Beleidigung aus, als sei sie ein Kompliment«, giftete Alexandre von oben herab. »Nur einen wie mich - eine bessere Formulierung für Missgeburt. Es ist mein Makel, der mich interessant für dich macht, das Fehlen! Nicht, was ich vollbracht habe, nicht, wer ich ansonsten wäre! Der Alex, den du gerade in den höchsten Tönen lobst - genau der interessiert dich eben nicht.«
Ciel wählte seine Worte mit Bedacht.
»Der Alex interessiert mich sehr wohl. Darf ich ihn nicht zeitgleich als normalen Menschen mögen und als jemanden mit einem interessanten Innenleben? Die Frage, die bei letzterer Betrachtung von Interesse ist, ist auch nicht so gefühlskalt, wie Ihr vielleicht meint. Sie lautet: Wärt Ihr vielleicht sogar genau so, ohne das Fehlen? Oder wärt Ihr am Ende ein schlechterer Mensch geworden, wenn es Euch nicht widerfahren wäre? Und macht Euch dieser sogenannte Makel nicht am Ende - zu einem vollkommen Wesen? Ainuwar ist geschlechtslos, sagt man. Darum ist seine Schöpfung so vollkommen. Er kann sich rein auf seinen Geist konzentrieren. Ihr seid keine Missgeburt, Alex. Ihr seid die nächsthöhere Stufe des Menschen. Und das ist es, was mich an Euch so fasziniert. Eure Vollkommenheit. Bitte habt ein wenig Nachsicht mit einem Schüler, der Euch bewundert.«
Alexandre war sprachlos. Lange Zeit saß er einfach nur da, im Gesicht die Blutspritzer von Ciel.
»Nun ja ... ich denke, wir verstehen einander nun etwas besser«, sagte der Meister schließlich langsam.
Ciel fiel ein Stein vom Herzen. Einen missgestimmten Alexandre weichzuklopfen war jedes Mal ein Kraftakt. »Bleibe wir Freunde, Alex?«, wisperte Ciel.
Der Meister erhob sich und schritt zum Regal. Wenn er nicht seine Lumpen trug, strahlte er mit seiner hochgewachsenen Gestalt und hier in seiner vertrauten Umgebung Würde aus. Er war eins mit seinem Gemäuer, wie ein Hummer mit seinem Panzer. Hier unten ging und sprach völlig anders, als wenn man ihn hinauf ins Licht zerrte, in eine Welt, die sein Feind war.
Er goss hochprozentigen Alkohol in eine Schale und legte einen Lappen hinein. Er trat an Ciel heran und widmete sich dessen malträtierten Rücken. Seine Art, die Frage zu beantworten. Er konnte scheinbar einfach nichts Nettes sagen. Als der alkoholgetränkte Lappen über die Peitschenstriemen fuhr, konnte Ciel ein Wimmern nicht unterdrücken. Als sein Rücken saubergewischt und desinfiziert war, war Ciels Gesicht nass von Rotz und Tränen.
»Lass die Wunden noch einige Minuten trocknen, dann kannst du deine Kleidung anlegen und hinaufgehen.«
Ohne ein weiteres Wort verließ Alexandre den Opferraum.
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Ciel Felicien de Souvagne

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Ein Leben für ein Leben

#18

Beitrag von Ciel Felicien de Souvagne » Sa 28. Apr 2018, 02:48

Ciel Felicien de Souvagne
Am nächsten Tag war Ciel lange weg. Er hatte Ferrau und Zerbino verboten, seinen Flügel zu verlassen. Innerhalb des Flügels jedoch durften sie sich frei bewegen. Einige Gardisten aus Unitè B hatte er damit beauftragt, darauf zu achten, dass die beiden Leibdiener blieben, wo sie sein sollten. Es war nur zu ihrem Besten, nach dem, was in der letzten Zeit vorgefallen war. Ciel traute seinem Bruder nicht mehr über den Weg und ließ seine Leibdiener ungern allein, doch er hatte etwas mit Alexandre zu klären. Erst nach mehreren Stunden öffnete sich langsam die Tür seines Gemachs und er trat ein, sehr weiß im Gesicht und durstig. »Wasser mit Salz, Ferrau«, sagte er mit kratziger Stimme.

Ferrau Du Trieux
Ferrau eilte sofort herbei und schüttete seinem Herrn ein Glas Wasser mit etwas Salz ein. Er drückte es ihm n die Hand und musterte ihn hochbesorgt. »Möchtet Ihr vielleicht ein Glas Brühe zur Stärkung? Das würde Euch gewiss besser munden Herr«, schlug er vor.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel trank das Glas in einem Zug leer. »Mehr. Nur Wasser und Salz, danke. Danach hilf mir, neue Sachen anzuziehen, ich habe ein Gespräch mit den Magiern aus Linhards Familie vereinbart und diese Sachen sind schmutzig geworden.«

Ferrau Du Trieux
»Ja Herr sofort«, antwortete Ferrau dienstbeflissen und eilte sofort davon um neues Wasser zu holen, dass er mit Salz anreicherte. »Wozu trinkt Ihr dies Herr? Macht Ihr eine dieser Fastenkuren? Dafür benötigt Ihr auch Gemüsesäfte, nicht nur Wasser. Hier bitte«, sagte Ferrau und reichte Ciel ein neues Glas, während er ihn noch besorgter musterte.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel trank auch dieses Glas in einem Zug leer. »Nein, ich habe nur viel Flüssigkeit verloren und muss sie entsprechend wieder aufnehmen. Ich faste nicht und meine Dauerdiät kennst du ja.« Er stellte sich so hin dass Ferrau ihn umkleiden konnte. Er biss die Zähne zusammen, da seine Sachen teilweise festklebten.

Ferrau Du Trieux
Ferrau schaute sich die Sachen genau an, versuchte sie so behutsam wie möglich zu lösen, aber durch die Verkrustungen war dies nicht möglich. Langsam schüttelte er den Kopf. »Herr so bekommen wir Eure Kleidung nicht herunter. Folgt mir bitte ins Bad und setzt Euch so wie Ihr seid in den Zuber. Ich werde Euch samt Kleider waschen. Diesmal bewusst. Sobald Ihr etwas aufgeweicht seid, werde ich vorsichtig Eure Kleider entfernen und Ihr werdet nicht so große Schmerzen haben. Kommt bitte mit«, sagte Ferrau und gab den Weg vor. Er ging umgehend zum Zuber und begang etwas Wasser hineinzupumpen, damit sich Ciel nicht die den leeren Zuber setzen musste. »Kommt Herr«, bat er freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel folgte ihm. Es würde nun wieder schmerzhaft werden, doch das geschah ihm ganz Recht. Er setzte sich samt sachen in den Zuber, allerdings nicht langsam, sondern rasch und tauchte sich sofort vollständig unter, ehe er wieder auftauchte. Das Wasser verfärbte sich rosa.

Ferrau Du Trieux
Ferrau schloss hinter ihnen die Tür und wusch Ciel so behutsam wie möglich über die Kleidung mit dem Schwamm. Er schäumte den Schwamm ein und drückte ihn vorsichtig auf der Kleidung aus, so dass sich das geronnene Blut löste und mit dem Wasser auflöste. »Es wird ein klein wenig dauern Herrn, aber Euch so die Kleidung abzuziehen hieße Euch erneut zu verwunden. Wie bei allen Göttern konnte das nur geschehen? Wer hat Euch so zugerichtet?«, fragte Ferrau besorgt. Er wollte seinem Herrn gerade beruhigend eine Hand auf die Schulter legen, zog sie dann aber doch wieder zurück aus Angst ihn zu verletzten. Er hatte schließlich noch gar nicht gesehen, wie weit die Verletzungen reichten. »Geht es Euch gut? Ich meine fühlt Ihr Euch gut? Kann ich etwas kälteres Wasser einlaufen lassen? Das wäre besser für Euren Kreislauf. Es ist nur weniger angenehm beim Entfernen der Kleidung. Aber Ihr werdet dafür danach nichtso sehr leiden«, sagte Ferrau.

Ciel Felicien de Souvagne
»Mach nur«, sagte Ciel. »Ich war es selbst mit einer eigens dafür angefertigten Geißel. Keine Sorge, ich war dabei unter Überwachung, es konnte nichts geschehen. Ich habe meine wohlverdiente Strafe erhalten für alles, was ich gestern getan habe. Nichtsdestoweniger wirst du eine Entschädigung erhalten, einen Ausgleich.«

Ferrau Du Trieux
Ferrau wusch Ciel so vorsichtig und behutsam wie nur möglich, aber ganz ließ es sich nicht vermeiden, dass die Entkleidung an einigen Stellen doch schmerzhafter war, als es Ferrau beabsichtigte. Er zog Ciel dennoch langsam aus, um die Wunden nicht neu aufzureißen. Der Rücken seines Herrn sah grauenhaft aus. Warum er sich dermaßen bestraft hatte, nur da er sich Erleichterung verschafft hatte, verstand Ferrau nicht. War es ihm dermaßen zuwider? Dann durfte er sich so etwas nicht anschauen, wenn das die grausame Konsequenz dessen war. »Herr warum habt Ihr dies nur getan?«, flüsterte Ferrau betroffen. Er stellte Ciel hin und spülte seinen Körper mit kaltem, klaren Wasser ab und ihn vom restlichen Blut zu reinigen und seinen Kreislauf anzuregen. Er half ihm danach aus dem Zuber und tupfte ihn mit einem weichen Handtuch trocken. Nun begann der schwierige Teil. Er musste luftige Kleidung heraussuchen, die sich nicht oder kaum auf der Haut niederlegte.

Ciel Felicien de Souvagne
»Warum? Weil ich mein Fleisch habe über mich herrschen lassen. Weil ich mich verhalten habe wie ein Tier. Weil ich ... dich benutzt habe. Ich habe meine Macht über dich zum eigenen Vorteil ausgenutzt. Dieses Verhalten ist einem Prince de Souvagne unwürdig gewesen und ebenso einem Mitglied meines Ordens. Wer sollte mich in meine Schranken weisen, wenn nicht ich selbst? Der Duc? Der hat Wichtigeres zu tun. Nein, mir selbst obliegt die Verantwortung für mein Verhalten, ebenso die Verantwortung dafür, es zu ändern.« Ciel ertrug das Umkleiden fast ohne zu zucken, auch wenn es hier und da erneut zu bluten begann, doch er verkrampfte sich ziemlich.

Ferrau Du Trieux
»Das sind sehr weise Worte Herr, Euren Brüdern ständen sie besser zu Gesicht als Euch. Ihr seid zwar öfter sehr jähzornig, aber Ihr habt mich noch nie angegriffen. Ihr habt Selbsteinsicht, dass ist gut. Ja Ihr habt Recht, wer sollte Euch zügeln, wenn nicht Ihr selbst? Aber gilt das nicht für alle Menschen Herr? Wenn wir uns alle nicht etwas zügeln und unser Benehmen hinterfragen, dann wären wir alle nur Tiere. Oder wir wären eine Gesellschaft voller Egoisten. So eine Gesellschaft kann nicht bestehen. Wir alle haben doch unseren Platz und müssen ihn ausfüllen. Aber dass muss man uns auch tun lassen. Ich wünschte Ihr hättet Euch nicht geschlagen. Ihr hättet mit mir sprechen können. Was nützt es Euch denn, Euch so zu verletzten? Anstatt das ein Unrecht geschah, sind nun zwei geschehen und besser wird es Euch dadurch doch nicht gehen. Ich sorge mich um Euch Herr«, gestand Ferrau.

Ciel Felicien de Souvagne
»Das hast du richtig erkannt, Ferrau. Und je größer die Verantwortung, umso wichtiger ist es, das eigene Handeln zu reflektieren. Aber dafür bin ich der Kopf unserer Triade, ich bewahre für uns alle drei einen klaren Verstand, zumindest gebe ich mein Bestes. Die anderen beiden kümmern sich um die Dinge, in denen sie am besten sind. Ich hätte gern mit dir gesprochen, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass du es schätzt, wenn ich dich dauernd zu so persönlichen Themen befrage. Was ich bedaure, da du allgegenwärtig bist und somit mein wichtigster Gesprächspartner. Oder gibt es etwas, das du mir sagen möchtest? Du kannst offen sprechen. Das kannst du stets, wenn niemand anwesend ist, falls ich dir das noch nicht gesagt habe.«

Ferrau Du Trieux
»Ja Herr das gibt es. Es tut mir leid, dass Ihr denkt, Ihr könnt nicht immer mit mir sprechen. Dazu möchte ich gerne noch etwas sagen. Das im Schrank Herr, das war eine Ausnahmesituation. Ich habe Euch enttäuscht, aber wie hätte ich Euch nicht enttäuschen können? Bitte denkt einmal in Ruhe darüber nach ohne mir zu zürnen. Ich habe Euch die Wahrheit gesagt, dass ich nicht viel Erfahrung habe. Aber Ihr wolltet von mir einen Erfahrungsbericht. Wie denn Herr, wie? Hätte ich ihn Euch geben können, dann hättet Ihr Euch den Liebesakt nicht anschauen müssen. Wir haben ihn uns angeschaut. Und ja Herr, ich habe das Zuschauen genossen. Nein Herr, ich begehre Euren Bruder als Person nicht. Er ist mir zu sprunghaft. Er kann herzensgut sein, aber er kann sich auch schnell in Rage reden und dass ist nicht gut. Was mich erregt hat, waren zwei Körper die derart heiß und zärtlich mit sich umgingen, dass mein eigener Körper darauf reagierte. Es ist doch keine Schande, sich eben solch eine Nähe zu wünschen, oder darauf positiv zu reagieren. Aber das heißt nicht, dass ich Euren Bruder oder seinen Verlobten persönlich begehre. Jeder hätte dort liegen können, und jeder hätte dies bei dem gleichen Akt ausgelöst. Es heißt auch nicht, dass ich mir eine Liebesbeziehung wünsche, oder mir einen Partner suche. Es hat einfach etwas in dem Moment in mir angesprochen, etwas Urtümliches und mein Körper hat ganz von alleine darauf reagiert. Als wären meine Augen und mein Schwanz allein verbunden, der Rest war nicht mehr da. Und dann sollte ich Euch erklären was ich da sah. Wie? Ich hätte nichts dazu sagen können, außer dass es mich unheimlich erregte. Und ob sich Euer Bruder korrekt verhielt, ich weiß es nicht Herr. Aber nach meinem Dafürhalten sah es ganz so aus. Er hat sich wohl gefühlt und sein Verlobter hat sich wohlgefühlt. Wo Ihr fragtet ob er ihm wehgetan hat, also Linhard Eurem Bruder - ich vermute ja. So wie er geschaut hat, hat er ihm wehgetan. Aber es war eine Provokation, es gehörte zum Spiel sonst wäre es beendet worden. Davon gehe ich aus. Euer Bruder kann sich sehr gut wehren, dass habe ich am eigenen Leib erfahren. Er mag schlank und manchmal scheu sein, aber zimperlich ist er nicht Herr. Und wenn Ihr nun dermaßen Schwierigkeiten habt, das Gesehene zu verarbeiten, was soll ich denn nun denken? Ich sorge mich um Euch, ich möchte dass es Euch gut geht. Ihr sollt keine Angst vor dem Ersten Mal mit Eurer Frau haben. Ich kann Euch keinen Rat geben, aber ich würde sagen, hört auf Euer Herz. Dafür kann ich Euch anderes unterstützen. Ich mache das Drumherum so schön, dass selbst wenn nichts weiter geschehen sollte, als dass Ihr im Bett liegt - Ihr Euch dennoch denkt, alles wurde mit Liebe herrgerichtet, hier schlafen wir gern. Ist das nicht auch etwas wert?«, fragte Ferrau.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel hörte ihm zu, ohne ihn zu unterbrechen und ließ die Worte einige Zeit auf sich wirken. Erst dann antwortete er betont ruhig. »Offenbar harmonieren wir doch recht gut. Ich habe es nicht ausgesprochen, aber ja, ich hatte Sorge, dass du nun eine Beziehung oder zumindest Affäre mit einem der beiden wünschst oder mit jemand anderem. Auch darum war ich etwas ungehalten. Ich habe dir gleich zu Anfang gesagt, dass ich dich nicht teilen werde. Jetzt noch weniger als zuvor. Schläge hättest du nicht zu erwarten oder Schlimmeres, sondern das Selbe wie Nathan. Ich würde dich aus meinem Dienst entlassen. Besser wäre es in so einem Fall, du würdest mir Bescheid geben, anstatt dass ich es hintenrum erfahre. Ich danke dir für deine detailierte Erklärung. Ich denke, ich verstehe nun dein Empfinden, auch wenn ich es nicht nachfühlen kann. Es war tatsächlich Gregoire, der mich erregte und anschließend du. Das hätte niemand anders sein können, der exakt das selbe tut, dann hätte es nicht diesen Effekt gehabt. Ja, ich habe Schwierigkeiten, das Gesehene und Erlebte einzuordnen. Ich bin froh, dass ich mit Alexandre sprechen konnte, ich sehe die Dinge nun wieder klar. Ich danke dir dafür, dass du dich so umsichtig um das Drumherum der Hochzeitsnacht kümmern wirst. Ich fühle mich bei dir in guten Händen.« Ciel bekam einen rosigen Schimmer auf den Wangen. »Unglückliche Formulierung. Ich finde, du kümmerst dich gut um alles.«

Ferrau Du Trieux
»Das habt Ihr sehr schön gesagt Herr. Nein, ich wünsche garantiert keine Beziehung zu Eurem Bruder, selbst wenn ich seiner würdig und seines Standes wäre. Ich möchte höchstens eine gute Dienstboten und Herr Beziehung zu ihm, da er Euer Bruder ist und da er ein Prince ist. Aber eine andere Form von Beziehung würde nicht in Betracht kommen, selbst wenn ich es dürfte und er wollte. Und selbst wenn ich ihm das mit dem Schürhaken verzeihen würde. Er ist eine durchaus attraktive Person, er ist klug und gebildet, aber zu einer Beziehung würde Liebe gehören - ich liebe ihn nicht. Es war wie eine herrliche Theateraufführung mit einem sehr selten gezeigten Thema. Und diese Aufführung hat mich mitgerissen. Bei anderen Aufführungen weinen die Leute, weil es genau jenen Punkt anspricht. Ihr hingegen, Ihr liebt Euren Bruder. Ihr habt mit Eurem Meister gesprochen. Aber vergesst nicht, auch mit Eurem Bruder zu sprechen. Eure Liebe zu ihm, ist immer ein Magnet zu ihm. Sagt ihm, dass Ihr ihn liebt. Aber sagt ihm auch, dass Ihr ihm nicht auf diese Weise gehört, dass Ihr Olivie gehört oder Eurem Glauben und Eurer Magie. Ihr dürft gerne mit ihm über solche Themen reden, dafür hat man Vertraute Herr. Aber Ihr dürft Euch nicht mehr dazu verleiten lassen, eine seiner Vorstellungen zu besuchen. Auch wenn er es gut meinte und Euch helfen wollte. Er hat für alles Bücher Herr, darüber gibt es sicher ebensolche. Glaubt Ihr nicht auch? Ich werde Euch nicht verlassen, dass mache ich nicht. Dann müsste Ihr mich wegschleifen lassen. Ich freue mich, dass Euch meine Dekorationen gefallen haben. Seht Ihr, da könnt Ihr mich fragen, davon habe ich Ahnung. Bei mir seit ihr in guten Händen, so oder so«, grinste Ferrau.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel war nicht danach zumute, zurückzulächeln. »Ich werde kein weiteres Mal bei ihm zuschauen und nicht zulassen, dass er ein weiteres Mal in mein Bett steigt, um mit mir zu schmusen. Ich war zu ihm gegangen, um ihn für die Sache mit Zerbino zur Rechenschaft zu ziehen. Was geschieht? Wir kuscheln und küssen und ich lasse mich von ihm zu so einer hirnrissigen Aktion verleiten! Womit habe ich gedacht? Sicher nicht mit dem Gehirn. Das darf kein zweites Mal geschehen. Und das wird es nicht. Ich habe etwas beschlossen. Ich werde zwei Mal den Akt vollziehen. Einmal während der Hochzeitsnacht mit Olivie und danach noch einmal mit einem Mann, um zu wissen, wie es sich anfühlt. Danach werde ich nie wieder etwas derartiges empfinden und dich nicht mehr mit meiner aufgestauten Lust belästigen.«

Ferrau Du Trieux
»Herr dann solltet Ihr gut überlegen. Ihr wählt Olivie als Frau, dann wählt Euren Bruder als Mann. Damit bleibt es in der Familie. Man sagt dies oft aus Spaß, aber Ihr habt dann genau mit den beiden Personen Eure Lust befriedigt, die Ihr liebt und begehrt. Das Ihr Euch nach Nähe gesehent habt, ist nicht schlecht. Das er in Eurem Bett lag auch nicht. Dies kann einfach ein Vertrauensverhältnis sein, wie viele gemeinsam im Gras liegen und lachen. Nur der Schrank Herr, der hätte nicht sein müssen. Manche gucken bewusst zu und nicht versteckt. Und wie gesagt, wenn Ihr es je rein nach Lehrmethode einmal doch genau wissen wollt, soll Euch Euer Bruder ein Buch darüber aushändigen. Ansonsten empfehle ich Euch für Euer Gefühl liebt einmal Eure Frau und einmal den Mann - der fast der Eure geworden wäre. Beide scheinen ebenfalls für Euch etwas zu empfinden. Aber macht dies nicht mit einem fremden Mann oder einer fremden Frau. Ich glaube, Ihr würdet Euch dann noch mehr kasteien und verabscheuen«, warf Ferrau ein.

Ciel Felicien de Souvagne
»Danke für deinen Rat, aber Nein. Es wird nicht Gregoire sein. Er hat eine zu große Macht über mich. Ich weiß nicht, wie er das macht, aber es gelingt ihm, mich zu beeinflussen. Er wickelt mich um den Finger. Ich werde ihm nicht die Gelegenheit geben, das ein zweites Mal zu tun. Eine fremde Person wird es auch nicht sein. Sondern jemand, der mir sehr nahesteht. Findest du was Passendes im schrank?« Ciel stand noch immer nackt mitten im Raum.

Ferrau Du Trieux
»Im Schrank? Ich gehe nicht zurück in diesen Schrank, oder meint Ihr etwa ... mich?«, fragte Ferrau.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel beobachtete sein Gesicht. »Was würdest du sagen, wenn ich Ja antworten würde? Ich meinte, ob du passende Kleider für mich im Schrank findest, da ich offensichtlich noch immer unbekleidet bin und dann ein Gespräch habe, bei dem ich gern im angezogenen Zustand erscheinen würde, wenn es dir nichts ausmacht.«

Ferrau Du Trieux
»Ich würde darüber dann gerne nachdenken, aber ich würde es niemals in diesem Schrank tun. Da könnt Ihr sicher sein. Natürlich werde ich Euch anziehen. Aber mir gefällt Euer Rücken nicht. Und ich möchte nicht, dass andere Kleidung wieder einnässt und Euch erneut verletzt. Ich überlege die ganze Zeit Herr wie ich Euch helfen kann, ich lasse Euch nicht absichtlich warten. Eine Bandage vielleicht? Aus dem Verbandskasten. Ich werde es versuchen. Oder möchtet Ihr ein Leibchen aus Leinen tragen? Das würde Euch gut tun und Eurer Haut. Unter Eurer Kleidung. Moment«, sagte Ferrau. Er holte den Verbandskasten, verband Ciels wunden und zog ihm darüber behutsam das Leibchen. Danach kleidete er seinen Herrn ganz vorsichtig an und fasst ganz leicht mit der flachen Hand auf dessen Rücken. »Geht es so? Falls nicht, dürft Ihr Euch beim Sitzen nicht anlehnen«, erklärte Ferrau besorgt.

Ciel Felicien de Souvagne
»Dann denke bitte über die Antwort nach. Ich habe diese Frage nicht gestellt. Ich hatte jemand anderen im Sinne. Aber wenn du sie selbst schon einmal heraushörst, dann möchte ich gern die Antwort erfahren.« Er ließ sich verbinden und das Leibchen überziehen. »Körperlicher Schmerz schreckt mich nicht, Ferrau. Mach dir darüber keine Gedanken. Es ist gut so, wie es ist.«

Ferrau Du Trieux
»Nein Herr das ist es nicht, denn was wenn Eure Wunden sich entzünden? Das darf nicht geschehen. Darf ich erfahren wer? Ich bin neugierig wen Ihr wählen würdet. Ich werde Eure Wunden im Auge behalten und falls nötig desinfizieren. Aber dies schmerzt sehr. Wer wäre Eure Wahl?«, fragte Ferrau und kämmte Ciel zurecht.

Ciel Felicien de Souvagne
»Das ist leicht zu erraten. Versuche, es herauszufinden. Entzündete Wunden schrecken mich ebenfalls nicht, Ferrau. Es ist nur Fleisch.«

Ferrau Du Trieux
»Das ist gar nicht leicht, Zerbino? Der alte Drosselbart? Nein das ist nicht nur Fleisch, denn das seid Ihr. Es ist Euer Körper und dafür bin ich zuständig und da werde ich mal meine Ungeduld mit Euch zeigen, wenn Ihr so stur seid. Ihr sagt, ich darf nicht starköpfig sein. Da habt Ihr Recht. Warum wollt Ihr meine Arbeit dann nicht mir überlassen? Ich sage nein, zu entzündeten Wunden. Ihr bedeutet mir sehr viel Herr und zu Euch gehört auch Euer Körper. Leib Diener von Leib - Körper. Das ist mein Bereich. Da kann ich nicht zusehen, wie Ihr krank werdet«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Doch, das ist leicht. Zerbino? Das ist ein ulkiger Gedanke. Aber gar nicht so abwegig, er ist alt und erfahren, obendrein ein Unsympath und man muss nicht fürchten, sich versehentlich in ihn zu verlieben. Leider gehen bei mir körperliches Begehren und seelisches Begehren untrennbar Hand in Hand. Darum kommt Zerbino nicht in Frage. Nein, ich würde Dreaux fragen, ob er mir Nathan für diese eine Nacht ausborgt.« Ciel ließ sich fertig ankleiden und die Haare zurechtmachen. »Du hast Recht, ich werde dir einfach die Sorge um meinen Körper überlassen, so muss ich mich nicht darum kümmern und kann mich auf meinen Geist konzentrieren.«

Ferrau Du Trieux
»Nathan? Mein lieber Herr - Nathan hat Euch mehr im Griff als es Euer Bruder Greg jemals hätte. Ihr trauert ihm also immer noch nach«, sagte Ferrau mit unterdrückter Wut und kämmte Ciel etwas fester als beabsichtigt.

Ciel Felicien de Souvagne
»Nathan? Mich im Griff? Du schätzt ihn falsch ein. Nathan liegt nichts daran, irgendjemanden um den Finger zu wickeln. Er ist einfach nur da und ist lieb. Ja, ich vermisse ihn sehr und das werde ich wohl auch für den Rest meines Lebens.« Er merkte, dass Ferrau ihn ziemlich harsch kämmte. »Stört dich dieser Umstand?«

Ferrau Du Trieux
»Ja das stört mich gewaltig, denn gleichgültig was ich tun werde, es wird nie gut genug sein. Ich werde immer hinter Nathan stehen. Ich werde in seinem Schatten wandeln. Wie die Frau im Schatten der Mutter des Mannes. Oder die neue Frau im Schatten der alten Geliebten. Ein unerreichbares Ideal. Nur weil er Euch nicht um den Finger wickeln will, heißt das nicht, dass ich Euch nicht selbst drum wickelt. Ihr vermisst ihn, Ihr trauert ihm nach, Ihr fühlt Euch noch hingezogen und verbunden. Dann hättet Ihr ihn nicht verschenken dürfen, sondern ihm verzeihen sollen. Aber das ist meine persönliche Meinung Herr. Ihr trauert ihm mehr nach, als Ihr vermutlich je Eurer Frau nachtrauern werdet. Ihr habt ihn abgegeben. Ihr habt ihn von Euch gestoßen. Das wart Ihr. Und Ihr fühlt Euch immer noch dermaßen zu ihm hingezogen, dass Ihr sogar das in Erwägung zieht. Nur zu - aber damit schmiedet Ihr die Kette noch fester und enger um Euer Bein. Dann wählt lieber eine männliche Dirne. Es geht Euch schließlich rein um die Erfahrung. So wie Ihr einmal Euer Gelübde vergessen habt, könnt Ihr dann auch einmal Eure Prinzipien der Liebe vergessen. Zudem weiß diese Person was sie tut, Nathan wohl kaum«, sagte Ferrau und frisierte Ciel zuende. »Ihr seht gut aus, Ihr könnt los«.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel sah Ferrau lange an. »Du vergleichst Äpfel mit Birnen. Ihr seid zwei Personen und ich kann euch durchaus voneinander unterscheiden. Du machst deine Arbeit sehr gut und gestern auch weit über das Maß hinaus, was ein Leibdiener eigentlich leisten muss. Ich bin sehr zufrieden mit dir, als Leibdiener und auch als Gesellschafter. Und ich möchte gern, dass wir Freunde werden. Ich hoffe, ich habe gestern nichts kaputt gemacht. Von Nathan wünschte ich mir ... sehr viel mehr. Er war vor Olivie die erste Person, die ich wirklich heiraten wollte und damit meine ich wirklich. Aber selbst wenn man es trotz aller Standesunterschiede verwirklicht hätte, wäre er dann nicht mehr mein Leibdiener gewesen. Hätte sogar einen eigenen Leibdiener bekommen. Aus zweien wären vier geworden. Das wollte ich nicht. Du hast mir hingegen deutlich gesagt und gezeigt, dass du nicht auf die Weise an mir interessiert bist, hast meine Hand weggeschoben. Ich akzeptiere das und ich sagte dir eine Wiedergutmachung dafür zu, dass ich eine Grenze überschritt. Auch darum ist ein direkter Vergleich von dir und Nathan Unfug.« Er funkelte ihn etwas an. »Ich will keine Dirne. Das sagte ich doch bereits ausdrücklich. Und Nein, wir können nicht los - wir werden abgeholt.«

Ferrau Du Trieux
»Standesunterschiede? Heiratet Olivie, sie ist Eures Standes. Schon habt Ihr Eure Schuldigkeit getan und könnt nun eine Herzensangelegenheit heiraten. Folglich könntet Ihr Nathan ehelichen. Natürlich wäre er nicht mehr Euer Diener. Aber Ihr könntet mit der Tradition des getrennten Wohnens brechen. Wolltet Ihr dies nicht auch mit Olivie? So könnte er bei Euch leben. Er ist ein Mann, Ihr könntet Euch einen Leibdiener teilen. Nun gut es war nur ein Vorschlag und ich wollte nur kundtun dass ich eifersüchtig bin. Dann warten wir auf unsere Abholung«, sagte Ferrau freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel betrachtete ihn milde, als er seine Eifersucht gestand. »Deine Eifersucht freut mich«, sagte er. »Nein, ich werde Nathan nicht heiraten. Dreaux braucht ihn und Nathan ist für mich nicht mehr vertrauenswürdig seit der Sache mit Fabien, die hinter meinem Rücken lief. Und nein, ich wollte nicht mit Olivie zusammenwohnen! Wir wollten es ersteinmal versuchen, dass sie bei mir übernachtet, aber dauernd kommt etwas dazwischen.« Es klopfte.

Ferrau Du Trieux
Ferrau nickte und eilte dann zur Tür. Er öffnete sie und schaute hinaus. »Ja bitte?«.

Ciel Felicien de Souvagne
Noch bevor er sah, wer da stand, roch er es. Alexandre stand vor der Tür. In dem Moment, als Ferrau öffnete, verabschiedete sich sein Schüler, der ihn herbegleitet hatte. Ciel erhob sich. »Wir können gehen. Wo treffen wir uns mit den Magiern?«

»In einem der kleineren Speisesäle«, antwortete Alexandre.

Ferrau Du Trieux
Ferrau eilte schnell zurück, holte ein Taschentuch und parfümierte es für unterwegs. Dann begleitete er seinen Herrn und dessen Meister.

Ciel Felicien de Souvagne
Die drei Gäste saßen schon am Tisch. Ciel wartete darauf, dass sie sich bei ihrem Erscheinen erhoben, damit man sich vernünftig begrüßen konnte.

Davard von Hohenfelde
Entsprechend des Ranges Ihres Gastgebers erhoben sich die drei Anwesenden und verbeugten sich. Prince Ciel war nicht nur ein Sohn des Duc oder des vorherigen Ducs, er war auch ihr Lehnsherr als Furisto und somit ihr direkter Herr und Vorgesetzter. Und als Mitglied der Krone, hatten sie eh jede Form des Respekts ihm gegenüber zu wahren. »Wir grüßen Euch Hoheit«, sprach Dave für sie alle.

Ciel Felicien de Souvagne Heute, 22:27
»Ich grüße Euch ebenfalls«, gab Ciel höflich zurück und nahm Platz. Er wartete, bis sich alle gesetzt haben. »Ich bin Prince Ciel Felicien de Souvagne, Furisto von Neu-Souvagne. Das ist Marquis Alexandre de la Grange, der führende Vertreter unser höfischen Magier. Und das ist Ferrau Du Trieux, mein Leibdiener.«

Davard von Hohenfelde
Die Gäste nickten einem nach dem anderen den Vorgestellten zu. »Dies ist mein Neffe Marquis Anwolf von Hohenfelde, mein Cousin zweiten Grades Marquis Wolfram von Wigberg und ich bin Marquis Davard von Hohenfelde - einer jener neuen Marquis der Ihnen persönlich untersteht. Ferner bin ich der Ausbilder meines Neffen. Wir freuen uns über Eure Einladung Hoheit. Soweit uns bekannt ist, handelt es sich um eine Angelegenheit der Magie - um welche genau wurde uns nicht gesagt. Wir alle drei hier sind Geistmagier«, erläuterte Dave freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
»Wir werden offen miteinander sprechen, wenn Sie mit der Bedingung einverstanden sind, dass Ihr Gedächtnis nach Abschluss des Gesprächs gegebenenfalls von Ihnen allen oder von einzelnen Personen durch einen alchemistischen Trank gelöscht wird. Sie dürfen das auch ablehnen. Es würde das Gespräch allerdings etwas umständlicher machen, da es um sehr sensible Themen geht.«

Davard von Hohenfelde
»Eine Versicherung von Treu und Glauben unsererseits, bezogen auf unseren hiesigen Titel würde Ihnen dazu nicht ausreichen?«, hakte Dave höflich nach.

Ciel Felicien de Souvagne
»Da ich selbst per Eid an die absolute Geheimhaltung bestimmter Inhalte gebunden bin - Nein. Ich verstehe, dass Ihnen das unangenehm ist. Beginnen wir einfach zunächst mit unverfänglichen Themen und sollte sich das Gespräch in eine entsprechende Richtung bewegen, wird Alexandre gegebenenfalls einen oder mehrere von Ihnen mit sich in einen Nebenraum bitten. Sollte diese Person ihn begleiten, erklärt sie sich damit zu dieser Bedingung einverstanden. Sollte sie ihm nicht folgen wollen, ist das in Ordnung und wir belassen es bei dem, was wir hier am Tisch gemeinsam besprochen haben. Kommt Ihnen das mehr entgegen?«

Davard von Hohenfelde
»Es war nur eine Frage des Verständnisses Hoheit. Ich bin mit den Bedingungen der Informationsentfernung einverstanden. Meine frühere Arbeit verlangte ganz ähnliche Praktiken. Folglich werde weder ich noch einer meiner beiden Begleiter Euch unnötig Mühe bereiten oder in Erläuterungsnot bringen, wo Ihr offen wesentlich effektiver sprechen könnt. Seht Ihr eine Notwendigkeit das Gesagte zu löschen, ist das Gesagte dermaßen brisant, dass es der Löschung bedarf. Dies ist mir Information genug. Vor nicht allzulanger Zeit hatte ich ein sehr ausführliches Gespräch mit seiner Majestät - Eurem Bruder. Ihr wisst welches Amt ich nun zusätzlich bekleide. Auch ich werde in meiner Funktion sicher auf diese Möglichkeit zurückgreifen müssen. Von daher müht Euch nicht, sondern sprecht so offen, wie Ihr es für nötig erachtet. Wir sind mit dem Trunk einverstanden. Das Ihr uns nicht schaden wollt, ist gewiss. Ihr hättet ganz andere Möglichkeiten, als drei Magier zu einem Gespräch zu bitten und Euch selbst in Gefahr zu bringen. Wir schworen alle Treue und Loyalität gegen Schutz und Schirm. Wir sind hier und zwar absolut loyal. Was Ihr schützen müsst um uns alle zu schützen wird diese Handlung rechtfertigen. Wir vertrauen Eurem Urteil, wie Ihr dem unseren vertrauen werdet, sollte es erforderlich sein Hoheit«, sagte Dave freundlich.

Wolfram von Wigberg
»Wir unterstellen Euch keine bösen oder leichtsinnigen Absichten Majestät. Wir sind hier und wir sind zu einem offenen Gespräch bereit. Von daher, sprecht. Bei einer Umschreibung vermuten beide Seiten oft das, was sie selbst gerne verstehen würden. Wir sollten also ohne Schnörkel reden«, sagte Wolfram ebenso freundlich wie respektvoll.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel fand, dass die beiden älteren Marquis sich gut zu benehmen wussten und sie machten einen angenehmen Eindruck. »Gut, es freut mich, dass wir uns auf das unkomplizierte Verfahren einigen konnten. Sie sind alle drei Geistmagier. Das kommt meinem Ansinnen entgegen und war einer der Gründe, warum ich Sie zu diesem Gespräch einlud. Auch möchte ich mir gern ein persönliches Bild von meinen neuen Marquis machen. Sicher ist Ihnen schon zu Ohren gekommen, dass in Bälde die Nekromantie aus Souvagne verbannt sein wird. Souvagne wird einen neuen magischen Weg einschlagen, weg von den alten Praktiken hin zu zeitgemäßeren Formen der Magie. Namentlich: Bluthexerei. Vor sich haben Sie zwei Bluthexer sitzen. Mein Wunsch ist es zum einen, eine magische Akademie ins Leben zu rufen, derer es noch Lehrkräfte bedarf. Vielleicht hat jemand von Ihnen oder aus Ihrer Familie Interesse daran? Zum anderen ist mir sehr daran gelegen, den sehr überschaubaren Orden der Bluthexer zu erweitern.«

Wolfram von Wigberg
»Interesse daran als Lehrkraft zu arbeiten hätten wir vermutlich beide, also Dave - Davard und ich. Allerdings bekleide ich nur den 3. Rang der Geistmagie, wie jeder Kampfmagier. Wäre dies damit möglich oder nicht Hoheit? Kurzum ich habe keinen Meister, da ich Magie und Waffe führe. Allerdings setzte ich beides im Kampf nur ein, wenn kein vernünftiges Wort mehr zur hilft. Persönlich strebe ich friedliche Wege und Lösungen an. Dennoch schadet es nicht, sich selbst oder auch andere Personen zur Not verteidigen zu können. Meine Frage ist, könnte ich also bei Ihnen ein Lehramt bekleiden oder nicht?«, fragte Wolfram interessiert.

Davard von Hohenfelde
»Ich stimme, ich wäre ebenfalls daran interessiert. Zur Zeit bilde ich drei Schüler aus, ich vergaß meine Mutter. Anwolf, Melisande - meine Mutter und Marcella. Dies sind meine drei Schüler. Meine Mutter war leider aus gesundheitlichen Gründen erst sehr spät in der Lage sich dem Studium der Magie zu widmen«, erläuterte Dave.

Anwolf von Hohenfelde
Anwolf musterte kurz Dave und dann Wolfram, ehe er sich selbst an den Prince wandte. »Mich würde interessieren warum die Nekromantie verbannt wird. Und ich möchte gerne erfahren, was Blutmagie ist. Was kann man damit bewirken? Handelt es sich dabei um magischen Vampirismus Hoheit?«, fragte Wolfi neugierig.

Ciel Felicien de Souvagne
»Auch Kampfmagier werden gesucht«, erklärte Ciel. »Ihre Einstellung ist löblich und kommt souvagnischen Idealen entgegen. Wir sind keine offensive Nation, aber in der Defensive unerbittlich. Wie verbinden Sie Ihre Kampffertigkeiten und Ihre Magie, Wolfram? Sie, Darard, welchen Rang haben Sie inne und haben Sie als reiner Magier ein Spezialgebiet?« Er freute sich, dass Anwolf nun von sich aus das Wort ergriff. Er war der Jüngste, er war derjenige, für den sich Alexandre am meisten interessierte. Für Ciel hingegen waren alle drei Magier von Bedeutung, da ihm nicht nur die Obhut über die Bluthexer oblag, sondern über alle dem Staate dienenden Magier. »Erkläre du es ihm, Alexandre.«

Alexandre de la Grange
»Nekromantie ist eine selbstsüchtige und offensive Form der Magie. Sie hat nichts mit dem Ideal zu tun, welches wir für den souvagnischen Magier anstreben. Sie ist obendrein moralisch verwerflich, stört sie doch die Totenruhe. Nicht zuletzt aber ist sie eine ernstzunehmende Gefahr für die Lebenden, sollte es zur willentlichen oder versehentlichen Erschaffung von Ghulen kommen. Die Bluthexerei ist das Gegenteil dieser Magieform. Sie dient der Abwehr der Untoten anstatt ihrer Erschaffung. Der Katalysator zur Aktivierung der magischen Energie ist das Blut des praktizierenden Magiers. Es hat sich als besonders Wirksam im Kamfp gegen die Untoten erwiesen. Es ist eine selbstlose Magieform, von welcher der Magier wenig mehr hat als Schmerzen und doch ist es die edelste Art der Magie, die wir kennen.«

Wolfram von Wigberg
»Das ist eigentlich ganz einfach, ich versuche den Gegner mittels Magie zu manipulieren, sprich ich versuche den Kampf zu beenden, bevor er begann. Sollte er sich nicht zur Friedfertigkeit bewegen lassen, sollte er sich nicht zur Aufgabe überzeugen lassen, dann würde ich ihn versuchen mental außer Gefecht zu setzen. Reicht dies als Mindestmaß nicht aus, würde ich ihn magisch tatsächlich angreifen und zur Not als letztes Mittel per Waffengewalt, also mit dem Schwert. Ich wähle gerne Beispiele aus der Natur, da ich diese liebe. Die friedlichsten und größten Pflanzenfresser sind meist die wehrhaftesten Wesen, aber auch am wenigsten aggressiv. Ähnlich könnte man einen Kampfmagier definieren. Er weiß was er kann, er muss niemandem grundlos schaden«, antwortete Wolfram freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel hörte aufmerksam zu und wartete, bis sie alle drei gesprochen hatten. Alexandre verhielt sich zurückhaltend, schien sich jedoch nicht unwohler zu fühlen als üblich. Er wirkte sogar für seine Verhältnisse aufgeschlossen. Niemand hatte ihn schief angeschaut und Anwolf hatte ihm sogar gleich zu Anfang eine Frage zur Magietheorie gestellt, womit man bei Alexandre meistens gut fuhr.

Davard von Hohenfelde
»Ich habe den Meistertitel inne und ich habe mich voll und ganz auf die Geistmagie spezialisiert. Nun wenn man diese zusätzlich spezifizieren würde, dann könnte man sagen, habe ich mich auf das magische Fährtenlesen spezialisiert. Es ist keine Magieform an sich innerhalb der Sparte Geistmagie. Es ist vielmehr ein Zusammenspiel sämtlicher Möglichkeiten und Fähigkeiten die sich mir bieten um eine Person innerhalb kürzester Zeit im Nexus und somit auch in der Physis aufzuspüren. Ferner ist der zweite Zweig meiner Spezialisierung Informationsbeschaffung. Ich lese andere Personen aus um an Informationen zu kommen die für uns von essentieller Bedeutung waren. In meiner neuen Position werde ich beide Fähigkeiten ebenso anwenden, selbstverständlich für andere Zwecke. Die Tätigkeit bleibt jedoch die gleiche. Ob ein Auftraggeber eine Person gefunden haben möchte, oder ob wir einen Schwerverbrecher finden müssen - ich werde alles daran setzen, dass ich die Person finde. Und meist schaffe ich dies auch«, schmunzelte Dave. »Bezogen auf die Nekromantie habe ich noch eine Frage für Anwolfs Vater - meinem Bruder. Er ist Nekromant des vierten Ranges - also Meister. Zur Zeit ist er sehr krank, ob er je wieder Magie wirken wird ist ungewiss. Er sieht das Übel in der Magie selbst. Für mich ist Magie ein Werkzeug, wie ebenso ein Teil meiner Seele und meine Leidenschaft. Seine war es ebenso. Vielleicht, falls Ihr möchtet Hoheit, könntet Ihr ihm ebenso ein Lehramt anbieten. Diese Aussicht könnte zu seiner Heilung und zu seiner seelischen Gesundung beitragen. Ich spreche offen. Sein Leben war genau wie das meine bis vor einiger Zeit nicht dass, was Ihr Euch vorstellen könntet oder wolltet. Sein Leben glich bis zu einem gewissen Alter eine Folter - ab einem gewissen Alter reiner Obdacht dieser Folter zu entgehen. Er hat auf seine Art versucht, das Beste für sich und seine Kinder zu erreichen. Er ist gescheiert, ebenso wie ich. Aber wir beide haben unseren ureigenen Weg gefunden. Und sein Weg führte ihn als Ersten nach Souvagne, dank unserer Verwandten hier. Die Magie wurde bei uns stets als heilig empfunden und als Lösung für alles. Andere wieder verdammen sie als Pestilenz für alles. Sie ist alles und nichts davon, sie ist genau das, was der Magier der sie beherrscht aus ihr macht. Und Ansgar hat nicht verdient, dass er einen Teil von sich selbst aufgibt, er hat schon genug von sich verloren«, erklärte Dave leise.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ich wünsche Ihnen, dass Sie hier ein Leben finden, welches dieser Bezeichnung würdig ist. Sie selbst können dazu beitragen, Souvagne zu einem Ort zu machen, wo dergleichen möglichst selten vorkommt. Man kann aus Menschen leider keine Heiligen machen, aber man kann dazu beitragen, dass sie ausreichend Anreiz haben, sich an die Gesetzeslage zu halten. Trauen Sie sich zu, ein Lehramt parallel zu Ihrer sonstigen Tätigkeit aufzunehmen? Schaffen Sie das von Ihren Kapazitäten her? Wo befindet sich Ihr Bruder derzeit? Wir haben fähige Heiler vor Ort. Bringen Sie ihn her.«

Anwolf von Hohenfelde
»Das stimmt. Mein Vater mag ist vielleicht nicht der beste Mensch gewesen oder der beste Vater, wenn man einige andere fragt. Aber immerhin war er ein Vater. Er hat uns beschützt, er hat mich beschützt und er wäre für mich freiwillig gestorben nur um mir beizustehen. Was soll ein Vater denn mehr für seine Kinder tun? Ich würde Euch den Brief lesen lassen, den er mir einst gab, aber ich habe ihn nicht dabei. Ich schließe mich meinem Onkel an. Es würde meinen Vater sicher gefallen unterrichten zu dürfen. Er war früher sehr cholerisch, dass ist er aber aufgrund seiner Krankheit nicht mehr. Er könnte sicherlich von Nekromantie auf Geistmagie umschulen oder? Ich meine das würde ihm sogar gefallen. Die Nekromantie war das Steckenpferd unserer Familie. Rein Geistmagier zu bleiben war schon so, als verzichtete man auf etwas erhabenes. Wenn etwas schuld war, dann die Anbetung dieser Magie. Sie hat alles durchdrungen, die Gedanken, die Geister, die Seelen, das Haus - alles. Und einst sogar fast mich, als ich nicht weiter wusste und diesen Weg einschlagen wollte. Aber genau als ich dies tun wollte, keine Ahnung weshalb - kehrte ich nach Hause zu meinem Onkel zurück. Drum es würde meinem Vater sicher gefallen und mir würde es viel bedeuten, wenn er wieder richtig gesund werden würde. Es ist mein Paps, ich liebe ihn. Das ist kein Geheimnis«, erklärte Anwolf. »Nun das Nekromantie egoistisch ist, ist nicht abzustreiten. Denn es gibt kaum etwas, was man damit für andere tun kann. Es sei denn jemand freut sich über einen Ghul oder ein Skelett. Aber das ist ehr selten der Fall und man muss das Geschöpf ja auch irgendwie am Leben erhalten. Und wer es nicht weiß - dazu benötigt man Leichen. Nicht nur der Ghul wird aus einer Leiche hergestellt - er frisst Leichen. Unmengen Tote benötigt man, wenn man eine Horde Ghule hält. Dessen ist sich jeder Nekromant bewusst. Das heißt, selbst wenn er nur ein Ghul schafft, benötigt er weiterhin Tote - die er zur Not selbst herstellt um seine Schöpfung durchzubringen. Ich bin kein Nekromant, ich werde keiner. Aber Ihr habt mir nicht verraten, was man mit dem Blut tun kann. Untote töten? Meintet Ihr das?«, hakte Wolfi neugierig nach.

Davard von Hohenfelde
»Ja das traue ich mir durchaus zu. Allerdings zu einigen Bedingungen. Erstens - würde ich nicht permanent unterrichten, sondern für bestimmte Dinge einspringen, oder Vorlesungen halten. Oder noch einfacher, falls ich dauerhaft unterrichten soll, schaffen wir eine Außenstelle in meinem Bereich. Unser Haus ist groß, eine Klasse ließe sich einrichten. Diese sollte allerdings nicht zu groß und gut durchgemischt sein. So dass sich Schüler auch untereinander unterstützen können. Ältere wie auch jüngere dürfen sich dabei nicht ausgeschlossen fühlen. Das werde ich hier nicht nur versuchen, glauben Sie mir das. Meine Scholle wird »Bestienfreier Boden«. Sie werden die Bedeutung nicht verstehen, aber für mich bedeutet dies alles. Meine Tochter wird auf einer Scholle und in einem Land geboren, wo ihr niemand etwas anhaben wird. Und falls dies doch trotz aller Schutzmaßnahmen passieren sollte, falls doch so ein Untier ein Kind holt, dann wird es dermaßen hingerichtet, dass jedes andere Scheusal zweimal überlegt ob es seine Zähne in ein Opfer schlägt oder sich lieber zusammenreißt und auswandert«, erklärte Dave freundlich.

Alexandre de la Grange
Alexandre warf Ciel eine kurzen Blick zu, dieser nickte zum Zeichen, dass er ruhig sprechen konnte. »Mit dem Blut hält der Bluthexer Untote fern oder er vernichtet sie vollständig. Dies gilt für alle Arten von Untoten, welche über Blut verfügen. Desweiteren ist der Bluthexer auch in der Lage, Wunden zu kurieren. Krankheiten nicht - aber Wunden, auch schwere, so lange sie frisch sind.« Er musterte den Jungen. »Als Bluthexer hat man bereits nach wenigen Jahren intensiver Übung mehr Macht inne, als manch andrer Magier erst nach Jahrzehnten. Eine Macht, die man in den Dienst des Gemeinwohls steckt anstatt in den eigenen Nutzen. Mit keiner anderen Magieform kann man dem Land und den Menschen, die man liebt, mehr dienen als mit Bluthexerei.«

Ciel Felicien de Souvagne
»Ihre Bedingungen hören sich durchdacht und realistisch an. Ich bin damit einverstanden. Wenn Sie wünschen, können Sie noch eine Nacht darüber schlafen und dann anfangen, ein Konzept auszuarbeiten. Oh, bitte denken Sie daran, sich entsprechende Notizen anzufertigen, damit Sie morgen noch wissen, was Sie wollten, auch wenn Ihr Gedächnis bereinigt wurde.«

Anwolf von Hohenfelde
»Das heißt, wenn sich einer meiner Familie oder ein Untertan verletzt könnte ich ihn heilen, so als ob ich über grüne Magie gebiete? Untote fernhalten oder vernichten? Also Vampire? Das hätten wir vorher benötigt. Wir hatten mal einen im Haus wie eine bösartige Maus die sich einquartiert hat. Er fiel die Bewohner an und saugte sie nachts aus. Niemand traute sich mehr zu schlafen«, stöhnte Anwolf bei der Erinnerung.

Alexandre de la Grange
»Das ist richtig«, sagte Alexandre und nickte bedeutungsschwer. »All dies würde dir bereits nach wenigen Jahren möglich sein, einfachere, aber bereits sehr wirksame Zauber sogar schon nach wenigen Wochen.«

Davard von Hohenfelde
»Damit haben Sie Recht. Ich Danke Ihnen für Ihre Zusage Hoheit«, erklärte Dave, zückte sein Notizbuch und schrieb fein säuberlich auf, was er sich vorgenommen hatte und welches zusätzliche Amt er bekleiden wollte. Davor schrieb er Gedächtnislöschung vorgenommen - deshalb Notiz. Er reichte Ciel das Buch, damit dieser sehen konnte, dass er nichts ungebührliches geschrieben hatte.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel überflog kurz die Notizen und nickte. »Danke, Sie werden vielleicht noch mehr aufzuschreiben wünschen für Ihre beiden Verwandten. Es genügt, wenn Sie mir die Aufzeichnungen am Ende insgesamt zeigen. Bitte lassen Sie alle Informationen zur Blutnekromantie außen vor. Sie ist das sensible Thema, von dem ich sprach.«

Anwolf von Hohenfelde
»Glauben Sie mir, hätten Sie erlebt, was wir erlebt haben, Sie hätten nicht eine Nacht warten wollen. Hätten wir von dieser Magie gewusst, hätten wir sofort einen eingestellt. Rinelda eine gute Frau, in der Mitte durchgeschlagen und blutleer getrunken. Tsounai ein stets fröhlicher und herzlicher Mann, Rakshaner - am anderen Morgen weiß wie ein Laken - völlig blutleer. Fast schlimmer als die Opfer waren die ständige Angst, wo sich das Biest versteckt haben könnte. So eine Fledermaus kann überall lauern. Wir haben das Haus auf den Kopf gestellt, Brandur hat uns Ratschläge gegeben. Aber er konnte uns nicht mehr retten, er starb vorher«, sinnierte Wolfi.

Davard von Hohenfelde
Dave nickte zustimmend. »Ich werde die Magie mit keiner Silbe erwähnen Majestät«, bestätigte Dave.

Brandur von Hohenfelde
In diesem Moment tauchte der grüne, mit Dreispitz versehene Geist durch eine Wand auf. »Guten Abend. Oh, Verzeihung, Ihr sprecht im privaten Kreise. Ich dachte, jemand hätte meinen Namen genannt.« Brandur verneigte sich vor Ciel und dem Magier, der neben ihm saß. »Hoheit, Herr Kapellan.« Er lächelte Alexandre an, der sich von Kopf bis Fuß versteifte.

Wolfram von Wigberg
Wolfram schmunzelte Brandur an. »Brandur, ich hätte nicht gedacht Dich noch mal wieder zu sehen. Und dann noch in dieser herrlich erfrischenden Farbe. Hast Du Dir meine Abschiedsworte zu Herzen genommen und bist Blattgrün geworden?«, lachte Wolfram gut gelaunt.

Anwolf von Hohenfelde
»Das ist besagter Brandur der versuchte uns vor dem Vampir zu retten. Aber er konnte uns auch nicht helfen. Er ist mächtig, aber der Vampir war mächtiger und verschlagener. Einst als Mensch war er es der meinen Vater und meinen Onkel misshandelte, missbrauchte, anfiel und anfraß. Was weiß ich noch alles. Aber niemand hielt ihn je auf. Vielleicht sollte ich das übernehmen... das wäre doch was«, grinste Wolfi.

Brandur von Hohenfelde
»Zehn Tage habe ich noch, um zu spuken. Danach muss ich diese Sphäre verlassen. Bis dahin genieße ich meine Zeit und schaue ich mir alles in Ruhe an, vom Dach bis zu den beiden Kelleretagen. Es ist wirklich ein schönes Anwesen.«

Davard von Hohenfelde
»Nur zu leg das Schwein um, meinen Segen hast Du«, freute sich Dave.

Wolfram von Wigberg
»Was möchtest Du denn im Keller? Genieße die freie Natur, den Rosengarten, die Kräutergärten, zurück in Deine Gruft kommst Du noch früh genug Brandur«, antwortete Wolfram.

Ciel Felicien de Souvagne Heute, 23:52
»Bis zu den beiden Kelleretagen?«, rief Alexandre. »Wer ist verantwortlich für diesen Geist! Er soll ihn sofort bannen!«

Brandur von Hohenfelde
»Alchemistische Gedächtnislöscher helfen bei Geistern leider nicht, ebenso wenig wie Blutnekromantie, nicht war, Erzhexer Alexandre de la Grange? Wie gut wäre es doch, nun einen eigenen, vertrauenswürdigen Hofnekromanten zu haben.« Brandurs Gesicht war ausgesprochen freundlich.

Wolfram von Wigberg
»Das weiß ich nicht, vermutlich unser Nekromant Osmund, Osmund von Wigberg«, antwortete Wolfram.

Davard von Hohenfelde
»Ein guter Tipp und was befindet sich dort im Keller?«, hakte Dave neugierig nach.

Brandur von Hohenfelde
Brandur lächelte Davard an. »Ich bin sicher, es liegt im Interesse dieser freundlichen Herren, dass diese Information unter Verschluss bleibt.« Brandur blickte unverändert freundlich drein. »Ich bin natürlich ein Mann beziehungsweise Geist von Ehre. Ich werde nichts dergleichen hinaus in die Welt tragen. Doch man denke nur daran, was geschehen könnte, wäre dem nicht so.«

Ciel Felicien de Souvagne
»Setzen Sie sich dazu«, befahl Ciel dem Geist. »Ferrau, rücke ihm einen Stuhl zurecht.« Er war im Moment machtlos gegen das Gespenst und das ärgerte ihn. Vor allem ärgerte ihn, dass dieser Geist ihm sehr effektiv eine Sicherheitslücke im Palast offenbarte.

Davard von Hohenfelde
»Nun da wir ohne dieses Wissen diese Räume verlassen, kann es uns vorher ruhig gesagt werden«, warf Dave ein.

Ferrau Du Trieux
Ferrau starrte den Geist an und holte ihm einen Stuhl. »Ich weiß wer ihn beschworen hat, das ist der Geist von Linhard von Hohenfelde! Der Verlobte Eures Bruder ist ein Nekromant!«, bezichtige Ferrau Linhard.

Ciel Felicien de Souvagne
»Es muss nicht alles offenbart werden«, bestimmte Ciel an Davard gewandt. Er würde Alexandres sicheren Rückzugsort mit keiner Silbe erwähnen. »Wir waren bei der Bluthexereistehengeblieben. Darf ich davon ausgehen, dass Sie, Anwolf, Interesse an dieser Art der Magie hegen?« Perplex sah er Ferrau an, dann Davard. »Stimmt es, dass Linhard über die Gabe verfügt und Nekromantie praktiziert?«

Anwolf von Hohenfelde
»Linhard ist alles, nur kein Magier oder gar ein Nekromant. Linhard ist ein Purie und genau das war scheinbar immer das Problem zwischen ihm und unserem Vater. Aber es sollte nie eines zwischen uns sein. Also mein Bruder hat Brandur ganz sicher nicht beschworen. Brandur hat ihn aufgenommen nach einer Fehde und Linhard wurde sein Sohn - so wie ich der von Ansgar blieb. Letztendlich kämpften beide bis zum Tode um ihre Söhne zu schützen. Sie kämpften für alles und nichts - denn beide wollten doch das gleiche. Für die Erkenntnis starb Brandur, und meiner Vater ist auch mehr tot als lebendig. Aber mein Bruder ist lebendig, bleibt das auch und hat keinerlei Geister beschworen! Er kann es nicht!«, widersprach Wolfi vehement.

Brandur von Hohenfelde
Der Geist nahm würdevoll auf dem Stuhl Platz. »Sehr zuvorkommend. Mein Beschwörer ist Osmund von Wigberg. Mein Sohn verfügt nicht über magische Fertigkeiten und er benötigt auch keine. Er hat andere Gaben.«

Anwolf von Hohenfelde
»NEIN!«, sagten Anwolf, Wolfram und Dave wie aus einem Mund.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel zwinkerte, als ihm der Chor entgegenschlug. Seine Haare wehten etwas von dem entstandenen Luftzug. »Danke. Das wollte ich wissen.«

Ferrau Du Trieux Heute, 00:05
»Nein, Linhard verfügt über keine Gabe - jedenfalls keiner magischen. Er ist ein hochtallentierter Schwertkämpfer, alles andere wäre untertrieben. Er setzt sich für seine Sippe ein, er ist unser Sippenoberhaupt. Aber er ist kein Magier, dass versichere ich Euch«, sagte Dave respektvoll.

Anwolf von Hohenfelde
»Ja habe ich. Aber ich möchte noch einige Dinge erklärt haben, wobei das vermutlich schon in die Ausbildung fällt. Ich möchte wissen inwieweit sich das mit der Nekromantie beißt. Es ist doch nicht einfach nur eine Gegenbewegung, oder es ist doch nicht nur eine Form der Vampirjägerei oder?«, fragte Wolfi.

Ciel Felicien de Souvagne Heute, 00:11
Alexandre, sichtlich nervös ob der Anwesenheit des Geistes, der inzwischen scheinbar jeden noch so geheimen Winkel des Tempels kannte, zwang sich, seine Aufmerksamkeit dem potenziellen Schüler zu widmen. »Präzisiert Eure Frage.« Auf Ciels Blick fügte er an: »Bitte.«

Anwolf von Hohenfelde
»Gerne. Was genau ist Blutmagie? Beschreibt sie mal bitte mit einigen Eckdaten. Ein Beispiel - Geistmagie ist die Magie die sich ausschließlich auf den Geist lebender Personen und dessen Formung und Manipulation beschränkt. Erläutert mir, wie man das Blut dafür einsetzt. Nutzt man es ähnlich einer mentalen Schwingung oder seinen mentalen Gedankenfäden? Zupft man daran, ruft man seine darin verborgene Macht an, wie man auch seine mentale Energie das Atman anruft und nutzt? Wie weit erschöpft es einen? Geistmagie erschöpft einen mental. Natürlich, aber noch mehr als jede andere Form der Magie, da sie dem Geiste entspringt, in den Geist eindringt und diesen Geist versucht fremdzuformen. Folglich sollte man davor und danach sehr viel Nervennahrung zu sich nehmen. Nervennahrung in Form reiner Energie für das Gehirn, also Zucker. Wie verhält es sich bei dieser Form der Magie? Dann möchte ich wissen, welche besonderen Zauber gewirkt werden können. Ein besonderer Beispielzauber der mich bei der Geistmagie fasziniert ist reine Telepathie - sowohl mit Puries und mit Magiern. Dann möchte ich wissen, ob man mit dieser Form der Magie auch anderes Blut erspürt, wie ich einen anderen Geist erspüre. Und zu guter Letzt möchte ich eine generelle Frage gerne beantwortet haben, welcher Magie wird sie zugeordnet? Geistmagie? Elementarmagie? Worum handelt es sich genau? Stellt mir die Magie einmal bitte so vor als wäre es eine Person und ich muss sie kennenlernen«, bat Wolfi.

Alexandre de la Grange
Alexandre legte auf dem Tisch die Fingerspitzen aufeinander. »Die Antwort auf diese Fragen füllt ganze Regale und wäre damit immer noch nicht abschließend gegeben. Ich werde mich um eine Kurzfassung bemühen, auch wenn ich kein Freud dessen bin, da eine Zusammenfassung stets mit Ungenauigkeit und Verzerrung einhergeht. Bluthexerei ist eine Form der Geistmagie. Während die reine Geistmagie die Lebenden manipuliert und die Nekromantie die Toten, manipuliert Bluthexerei die Untoten. Sie greift auf die Lebensessenz selbst zu - das Blut. Als Katalysator und Waffe. Untote, die über Blut verfügen, können durch eine einzige Opferung demontiert werden, heißt, die Verankerung zwischen Seele und untotem Leib wird zerstört. Des weiteren ist die effektive Bannung von Untoten mittels Bannsymbolen bereits für Novizen möglich. Drittens ist ein Bluthexer in der Lage, auch schwere Wunden zu verschließen. Nicht ganz so effektiv wie Heilmagier, dafür sind diese nun einmal Hochspezialisten, doch mehr als ausreichend genug. Viertens - die Gerüchte sind wahr. Bluthexerei ist in der Lage, Verstorbene zu wahrem Leben wiederzuerwecken.« Er beobachtete Anwolfs Reaktionen auf diese Aufzählung. Bevor er ihm den Preis nennen würde, wollte er sichergehen, dass er den Köder geschluckt hatte, auch wenn dies keine Garantie für seine Zustimmung sein würde.

Anwolf von Hohenfelde
»Das heißt, wenn jemand stirbt, tatsächlich stirbt... und richtig tot gewesen ist, könnte ich ihn zurückholen? Nur anstatt das die Person ein Untoter wird, wie wenn es mein Vater früher getan hätte, wäre die Person dann wieder lebendig und knüpft da an wo sie aufhörte? Das hat einen Preis oder? Ist die Person noch sie selbst? Oder ist sie verzerrt in etwas anderes? Ein Halbling zwischen Nexus und Physis? Das es Geistmagie ist freut mich zu hören«, schmunzelte Anwolf.

Alexandre de la Grange
»Er oder sie ist hernach wieder eine ganz normale, voll lebensfähige Person«, widersprach Alexandre. »Bluthexerei ist in der Lage, den Tod zu kurieren. Und gewisse Praktiken erlauben sogar eine Wiedererweckung im verjüngten Zustand. Theoretisch könnte man durch diese Kunst wahre Unsterblichkeit erlangen.«

Anwolf von Hohenfelde
Anwolf schaute verdutzt. »Man kann sich selbst wiederbeleben? Wie? Benötigt man dazu einen Anker, ein Bindeglied in die Physis? Können sich Nekromanten wiedererwecken?«, fragte Anwolf.

Wolfram von Wigberg
»Nein wiedererwecken in dem Sinne nicht, aber sich dauerhaft am Leben erhalten durch Lebensraub. Quasi pervertieren sie die Form des Lebensentzugs den man anderen zuleiten sollte - entschuldige Brandur, aber das ist doch so«, antwortete Wolfram.

Alexandre de la Grange
Alexandre glotzte ihn an. »Natürlich erweckt der Bluthexer nicht sich selbst. Wie soll das funktionieren? Seit wann haben Tote oder Untote derartige Kräfte, hm? Und sagte ich nicht, dass es sich um eine vollkommen selbstlose Art der Magie handelt? Man stellt sie voll und ganz in den Dienst der Krone. Wir sind die Lebensversicherung des Duc de Souvagne - und jener Menschen, deren Wiedererweckung er anordnet.«

Davard von Hohenfelde
»Ja das ist so, aber ich denke auch jeder Purie würde unsere Form der Gedankenmanipulation als pervertierte Gedankenverdrehung sehen. Von daher sehe ich nicht die Gefahr bei einem Lich, sondern ehr bei einer Armee von Ghule. Jene die ihre Schuldigkeit getan haben, da sind, keinen Sinn mehr ergeben, aber Herrchen sich nicht trennen mag. Denn je mehr man hat, je mehr Statussymbol sind sie auch«, gab Dave zu bedenken.

Anwolf von Hohenfelde
»Achso, ich dachte da schließt einen ein, deshalb war ich so erstaunt. Ich könnte mit der Fähigkeit jeden wieder zum Leben erwecken? Aber ich darf nur jene Personen erwecken die der Duc befiehlt? Ja gut, verständlich, wer möchte einen gerade geköpften Schwerverbrecher wieder auferstehen lassen. Keiner, dass ist klar. Das ist eine gewaltige Macht«, sagte Wolfi nachdenklich.

Alexandre de la Grange
»Es hat einen Grund, warum wir nur auf den Befehl des Ducs jemanden wiedererwecken. Die Wiedererweckung setzt den Bluthexer für ungefähr ein Jahr lang magisch und körperlich weitestgehend außer Gefecht. Das bedeutet, die Gabe muss rationiert werden. Auch darum wäre es wünschenswert, gäbe es mehr von uns.«

Anwolf von Hohenfelde
»Ihr seid so etwas wie die Leibwächter des Duc, wenn die wahren Leibwächter längst versagt haben. Ist es nicht so?«, fragte Wolfi.

Alexandre de la Grange
Alexandre nickte. »So könnte man es nennen.«

Anwolf von Hohenfelde
»Darf ich es einmal sehen, oder gibt es eine Möglichkeit es sich einmal anzuschauen? Nicht eine Wiedererweckung, sondern die Lehre?«, fragte Wolfi.

Alexandre de la Grange
»Probeunterricht?«, frage Alexandre zweifelnd. »Nein. Das Risiko, dass Informationen in dieser Zeit nach außen sickern, ist zu groß. Du kannst mich jetzt fragen, was du wissen möchtest.«

Anwolf von Hohenfelde
»Ihr habt mich falsch verstanden. Ich möchte nichts fragen, ich möchte einmal bei einem Unterricht als stiller Beobachter zuschauen. Aber das ginge dann auch nicht oder?«, fragte er hoffnungsvoll.

Alexandre de la Grange
»Nein, das ginge nicht. Was genau interessiert dich? Frag mich, was du wissen möchtest.« Ciel gab Alexandre unter dem Tisch einen leichten Stupser mit dem Fuß. »Fragen Sie mich bitte alles, was Sie in Erfahrung zu bringen wünschen für Ihre Entscheidung«, korrigierte Alexandre sich. Er hatte nicht gemerkt, dass er mit Anwolf schon wie mit einem seiner Novizen sprach.

Anwolf von Hohenfelde
»Das kann ich nicht sagen, es ist das Gefühl dass aufkommt, ob ich mich dort aufgehoben fühle. Ob ich fühle, das ist meine Form der Magie. Oder es kann sie werden, ich möchte diese Form der Magie praktizieren, ich identifiziere mich damit. Wenn ich jetzt gehe, löschen Sie mein Gedächtnis und ich bin wieder bei Null. Wie wäre es, wenn ich nicht gehe, Sie begleite, an Ihrer Seite bleibe und so ja auch nichts verraten kann? Ich bin ja bei Ihnen. Dann zeigen Sie mir alles, einen Unterricht, Ihre Art zu unterrichten und zu lehren. Alles was Sie den Tag so tun und ich komme mit und störe nicht. Ich belästige Sie auch nicht. Ist es was für mich, machen wir einen Lehrvertrag fertig. Falls nicht, trinke ich den Trank«, schlug Wolfi vor.

Alexandre de la Grange
»Wie der Unterricht abläuft ist sehr leicht vor Ort zu demonstrieren. Aber ich fürchte, so aus dem Kontext gerissen wird es die Entscheidung womöglich zu Unrecht in Richtung einer Ablehnung drücken. Wohl im Sinne von heimelig werden Sie sich nicht fühlen. Ich kann ihnen keine Geborgenheit bieten. Was ich biete, ist nichts - es muss von innen kommen. Sie müssen es wollen, der Krone völlig ohne Gegenleistung zu dienen, sonst kann man Sie nicht zu einem Bluthexer machen. Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Ich zeige ihnen, was der Preis für die Macht über Leben und Tod bedeutet. Womöglich können Sie dann vor Ort entscheiden, ob Sie bereit sind, ihn zu bezahlen oder ob Sie mental zu schwach dafür sind. Bluthexerei ist eine Kunst der Starken. Körperliche und mentale Schwäche führen unweigerlich zur Aussonderung. Ihre Stärke können wir vor Ort prüfen.« Alexandre musterte Anwolf gespannt.

Anwolf von Hohenfelde
»Das ist eine faire Lösung für uns beide. Prüfen Sie mich«, stimmte Anwolf zu. Der junge von Hohenfelde griff auf seine Gabe zu und sammelte seine magische Macht um der Prüfung gewachsen zu sein. Er konzentrierte sich vollkommen auf seinen Lehrer und dessen Geist um, falls nötig eine Verbindung herstellen zu können.

Alexandre de la Grange
Alexandre erhob sich. Im Vertrauen auf die baldige Gedächnislöschung der Anwesenden empfand er keine Angst. Im Gegenteil - er genoss die gebannte Aufmerksamkeit. Sie waren wissbegierig, sie waren für den Moment fast so etwas wie seine Novizen. Alexandre trug noch immer die dunkelrote Robe, die er für Ciels Kasteiung getragen hatte, den er war hier in seiner Funktion als Erzhexer der Blutnekromantie. Und der Erzhexer fürchtete sich nicht. Er ließ die Robe von seinen Schultern gleiten, so dass sie an seiner Hüfte umgeschlagen zum Hängen kam und er mit nacktem Oberkörper vor ihnen stand. »Sie sehen einen Erzhexer des Blutes, den fünften Magiergrad. Zwei erfolgreiche Wiedererweckungen und endlos viele Demontagen, Abwehrzauber, Untotenbänne und Heilzauber.« Alexandre lächelte und präsentierte stolz die extremen Narben auf seinem Leib. Er drehte sich einmal um seine Achse. Vorn waren die furchtbaren Bisskrater von Derya zu sehen, die ihm die Brustwarzen abgebissen hatte, doch das wusste niemand der Anwesenden. Dort, wo keine Bisse waren, lagen dicke, in gleichmäßigen Mustern angeordnete Schnittnarben, die aus Alexandres Sicht etwas Ästhetisches an sich hatten. Die Arme sahen aus, als lägen lauter helle Armbänder darum, doch auch dies waren Narben. Der Rücken war übersät von verheilten Peitschenhieben. »Das ist der Preis«, erklärte Alexandre und fühlte sich ausgesprochen gut dabei.

Davard von Hohenfelde
Dave stand auf und ging auf Alex zu. Er musterte seinen Körper akribisch. »Darf ich Euch berühren?«, fragte er leise.

Alexandre de la Grange
»Nur zu«, sagte Alexandre. Als Erzhexer war er ungeheuer stolz auf seine Narben, bewiesen sie doch, was zu ertragen er imstande war. Hier war er nicht Alex, den die Vergangenheit jagte. Hier war er der Meister, der über Leben und Tod herrschte. Er breitete ein wenig die Arme aus.

Anwolf von Hohenfelde
Anwolf gesellte sich zu ihm und stellte sich ganz dicht neben Dave. Er hatte mit einer ganz anderen Prüfung gerechnet, mit einer der mentalen Stärke. So dass dieser Meister seine Fähigkeiten abschätzen konnte. Ungefragt wollte er den Mann auch nicht berühren, so etwas gehörte sich nicht. Er erkannte die Wunden woher sie waren. Schnittwunden, jeder Hohenfelde erkannte eine Schnittwunde, sie alle trugen Dolche und jeder von ihnen hatte schon eine Familienfeier erlebt, ergo mindestens einmal im Leben ein Messer gesehen oder sogar zu spüren bekommen.

Davard von Hohenfelde
Dave strich nicht über die Messernarben, sondern über die an der Brust. Er löste die Gürtel seiner eigenen Robe und zog sie sich über die rechte Schulter. Er drehte Alex die Bissnarbe zu. »Nur eine Frage - woher hast Du das?«, fragte Dave tonlos und tastete erneut die Narbe ab um das Echo darin zu lesen. Er wollte und würde nicht Alex Geist auslesen. Nicht einmal mit Erlaubnis, denn vermutlich barg dieser Geist ein ganz ähnliches Wissen wie seiner. Dave schaute sich kurz nach dem Trunk um. »Wo ist der Trunk um das Gedächtnis zu löschen?«, fragte er Ciel freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel wies auf ein Tablett, welches auf dem Nachbartisch stand. Der Trank befand sich in einer Weinkaraffe, sah aus wie Wein und auch die Trinkgläser waren Weinkelche. »Ich habe es durch die Bediensteten bereits alles vorbereiten lassen.«

Wolfram von Wigberg
Wolfram stand auf, schob Dave und Anwolf behutsam beiseite und schaute Alex genau in die Augen. »Ich verstehe«, sagte er schlicht und umarmte Alex. »Ihr seid Brüder im Geiste«, flüsterte er beiden zu und stupste sie mental an. »Er hat sie Euch aus einem anderen Grund gezeigt«, erklärte Wolfram und ließ Alex sachte wieder los um ihm die Robe über die Schultern zu ziehen. »Die Schnitte sind Dein Werk, das andere ist das Werk ... etwas unvorstellbarem. Wir verstehen«, erklärte Wolfram.

Davard von Hohenfelde
»Ich werde auch davon trinken, sollte Anwolf zusagen, wenn das in Ordnung geht«, bat Dave.

Alexandre de la Grange
Alexandre ließ die Berührungen zu. »Ein Liebesspiel«, antwortete er. Dann entdeckte er das Spiegelbild seiner Narben auf der Schulter. Stand Nummer 47 vor ihm? Ein ... Seelenverwandter? Alexandre musterte ihn irritiert. Er spürte plötzlich das selbe, was vermutlich einigen durch den Kopf ging, die von seinem Schicksal erfuhren - er wollte wissen, ob Dave auch die andere Narbe mit ihm teilte. Er wiegte leicht den Kopf, ohne es fragen zu können. Warum wollte er es überhaupt wissen? Es spielte keine Rolle. Und doch ließ es ihn nicht los. Es war die Suche nach jemandem, der verstand. Wolfram umarmte ihn ungefragt. Alexandre war völlig perplex. Er hatte mit anderen Reaktionen gerechnet. Betretenem wegschauen, Ekel, Mitleid oder auch Faszination. Aber nicht damit. »Welchen Grund?«, wollte Alexandre wissen, während Wolfram ihn wieder anzog. Er verstand überhaupt nichts mehr.

Wolfram von Wigberg
»Du bist stolz auf Deine daraus resultierende Stärke. Du hast die Bisse kassiert, Du hast sie überlebt und Du hast diese Magieform gewählt um Dein Überleben zu feiern. Er wählte den Weg der Geistmagie um anderen Dreck zu stellen und zu töten. Das ist sein Grund zu töten, er tötet jene die so etwas anderen antun. Oder auch auf andere Weise andere zeichnen. Du hast den Weg gewählt all jene sogar den Klauen des Todes zu entreißen. Für den Preis Dich fast selbst zu verlieren. Er gab sich fast auf und lebte nur für jene die ihn noch vermisst hätten und für die Jagd. Du lebst für die Wiedererweckung. Ihr seid selbstloser als ihr es zugeben mögt, Ihr betrachtet die Narben als Ehrenmale. Gebissen heißt geschändet, auf immer gezeichnet als Eigentum und Spielzeug von ihm. Ich weiß nicht wie Anwolf die Sache sieht, ich bin der Auffassung er sollte so nicht dienen. Das passt nicht zu seiner Seele. Es passt auch nicht zu Daves Seele, da er Frieden und Geborgenheit bei seinem Mann fand. Aber es passt zu mir. Ich habe auch einen Partner, aber im Gegensatz zu Dave oder jedem anderen hier, bin ich nur ein Gefährte - ein Begleiter, den man anfassen darf, der nichts zurückgeben kann - fast nichts. Ich würde es lernen wollen«, sagte Wolfram freundschaftlich.

Alexandre de la Grange
Alexandre fühlte sich ob der Worte geschmeichelt. Er fand, dass Wolfram eine Einleitung für das Werk schreiben sollte, an dem er gerade arbeitete, ein schönes Vorwort. Nur an einer Stelle stutzte er. »Es war kein Er, es war eine Sie. Derya Littneaux. Sie fügte mir diese Narben zu. Wenn Sie das wünschen, werde ich Sie gern unterrichten.« Er betrachtete Wolfram aufmerksam. Als dieser auf sein Liebesleben zu sprechen kam, nickte Alexandre kam merklich. »Ich verstehe.« Und sein Blick sagte Wolfram, dass dies keine Floskel war, sondern er wirklich verstand.

Davard von Hohenfelde
»Und wissen Sie auch wer Derya ist? Die Tochter des Peinigers der mich... auffrass. Wie das Schaf so das Lamm, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm«, antwortete Dave leise.

Alexandre de la Grange
»Die Wege Ainuwars sind nicht immer leicht zu verstehen, doch sie führen stets zum Ziel. In dem Falle indem sich unsere Wege kreuzen. Nehmen wir es als ein gutes Zeichen.«

Wolfram von Wigberg
Wolfram nickte dankbar auf Alex Worte. »Ich werde Euch meinen Mann vorstellen, ebenfalls ein Kampfmagier. Geistmagier ersten Grades, aber dafür sehr gut mit dem Schwert. Über die Magie verlieren wir kein Wort. Nur sollt Ihr sehen, dass trotz allem das einem fehlen kann, dennoch Zuneigung möglich ist. Aber dies bedarf schon einer sehr besonderen Person. Und das ist er. Damit möchte ich Euch zeigen, dass immer Hoffnung besteht. Gleichgültig wie finster die Dunkelheit auch sein mag in der man gerade wandelt - sie wird nicht ewig andauern. Dies trug ich im Herzen und wartete. Jener Mann, vertrieb die Dunkelheit«, erklärte Wolfram und deutete auf Brandur. »Mein Mann vertrieb meine persönliche Finsternis. Das wünsche ich Euch auch. Und ich wünsche von Euch diese Form der Magie zu erlernen. Ich strebe nicht an die größte Macht zu erreichen und mit rühmen zu können Leben zu schaffen. Ich strebe das an, was ich immer anstrebe - anderen beistehen die es in meinen Augen verdient haben. Sei es nun mit etwas zu Essen, Unterschlupf, einem guten Wort, meinem Beistand oder Magie«, sagte Wolfram.


»Das sind seine Wege fürwahr, Ihr wisst das sie noch lebt? Sie lebt weit weg von hier in Naridien. Ich sage Euch dies, damit Ihr ohne Angst leben könnt. Damit Ihr wisst, wieviel Land zwischen Euch und Ihr ist. Vielleicht lässt Euch dies ein bisschen besser schlafen. Habt Ihr einen Hund? Falls nicht, schafft Euch einen an. Es gibt nichts besseres für die Seele, glaubt mir. Vergleichbares fürs Herz schon, meinen Mann und meine Beste Freunde. Aber mein Hund war es, der mich als erster hier hielt. Das gestehe ich. Mehr kann auch ich nicht sagen, ohne wiederum anderen zu schaden. Wobei ich vielleicht doch eines Tages spreche oder Euch einen Brief schreiben werde Marquis«, sagte Dave.

Alexandre de la Grange
Alexandre war hocherfreut. »Das sind die besten Voraussetzungen«, sagte er freundlich. Ciel zog auf seinem Stuhl ein leicht ungläubiges Gesicht. Wie freundlich Alexandre doch sein konnte, wenn er es ausnahmsweise einmal wollte! Alexandre schien von Wolfram regelrecht hin und weg zu sein. »Wie alt sind Sie?«, wollte er wissen. Er wandte sich wieder an Davard. »Ich schätze Hunde, aber ich habe weder die Zeit noch die Möglichkeit, mich um einen zu kümmern. Meine Familie hält Windhunde. Derya ist in Naridien? Dann haben Sie bald Ihre erste Aufgabe, vermute ich. Die Krone erließ einen erneuten Befehl, sie festnehmen zu lassen, inklusive Belohnung, sollten ihnen Taler etwas bedeuten. Ich kann für Sie den Kontakt zu einem Büttel herstellen, der sich mit dem Fall befasst hat. Wenn Sie mir einen Brief schreiben möchten, denken Sie daran, sich Notizen zu machen.«


»Ich bin 47 Jahre alt und mein Mann ist 9 Jahre jünger als ich. Ich hoffe das ist nicht zu alt zum Umschulen, aber wie Dave vorhin bereits sagte, lernt sogar seine Mutter jetzt bei ihm. Also ich bin lernwillig wie man so schön sagt«, grinste Wolfram. Er freute sich das erste Mal in seinem Leben eine Person gefunden zu haben, die ihn verstand und nicht umgekehrt. Meist brachte er für alles und jeden Verständnis auf, aber ihn verstand niemand wirklich komplett. Bei Alex war dies anders.

Alexandre de la Grange
»Das ist nicht zu halt«, sagte Alexandre zuversichtlich. »Sie sind gut in Form, also ist es genau das richtige Alter.«

»Dann haben wir eine Vereinbarung oder?«, fragte Wolfram gut gelaunt.

Alexandre de la Grange
»Haben wir«, sagte Alexandre. »Mit dem Schwur vor dem Duc wird es verbindlich. Diesen sollten Sie so schnell wie möglich absolvieren. Vorher kann ich Sie mit Ihrem Wissen nicht unbeaufsichtigt irgendwo hin gehen lassen. Danach erfolgt eine genaue Einweisung durch mich.«

»Könntet Ihr bei Eurem Bruder einen Termin vereinbaren? Ich bleibe derweil bei Alex, damit es zu keinen Missverständnissen kommt«, bat Wolfram Ciel.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel ergriff wieder das Wort. »Ich denke, wegen Brandur sollten wir noch einmal mit dem Duc sprechen, Alexandre«, sagte er. »Ferrau, bitte bring seinen Beschwörer Osmund von Wigberg her, er soll vor der Tür warten.« Ciel spürte Angst, bei dem Gedanken, was eine positive Entscheidung bedeuten konnte. Doch der Geist war momentan in einer ausgesprochen guten Verhandlungsposition und machte von der Sache her keinen schlechten Eindruck. Sie sollten zumindest darüber sprechen, das konnte so nicht im Raum stehen bleiben. Er war ein Mitwisser und momentan damit ausgesprochen gefährlich.

Davard von Hohenfelde
»Ich benötige keine Büttel. Ich weiß wer sie ist, wo sie ist, ich weiß alles über sie. Aber ich benötige sie lebend - 4 - 5 Jahre sollte diese Frau noch leben. Eigentlich müsste das Miststück, verzeihen Sie meine Wortwahl, genau noch 16 Jahre leben. Dann ist meine Tochter für das andere Monstrum nicht mehr interessant. Aber von 0 - 16 Jahren fällt sie in sein Beuteschema wie jedes andere Kind. Und so lange Derya lebt, habe ich eine Möglichkeit ihm Einhalt zu gebieten. Er liebt sie, er schützt sie, er vergöttert sie. Aber er hält sich stets von ihr fern. Außer sie treffen sich weil sie es müssen«, erklärte Dave.

Ferrau Du Trieaux
Ferrau nickte so, als hätte ihm jemand den Kopf abgeschlagen und er wäre nach vorne gefallen. Dann eilte er mit klopfendem Herzen los. Ausgerechnet er musste den Nekromanten holen. Er fühlte wie seine Knie schon jetzt anfingen zu wabbeln.

Ciel Felicien de Souvagne
»Sie wissen wo Sie ist, diese Person, die Alexandre und mindestens 45 anderen Männern dies angetan hat - und wollen uns das Wissen vorenhalten?«, fragte Ciel und seine Stimme klang gereizt. »Darüber sollten Sie mit meinem Bruder noch einmal reden. Sie sind nun Souvagner. Marquis. Es geht hier um die Sicherheit Ihrer Untertanen, sollte diese Person zurückkehren!«

Ferrau
Es dauerte eine Weile, dann kam Ferrau zurück. »Herr der Nekromant wartet vor der Tür«, teilte er schwitzend mit.

Ciel Felicien de Souvagne
»Danke, Ferrau. Bitte lauf und vereinbare bei meinem Bruder einen zeitnahen Termin für Wolfram von Wigberg.«

Davard von Hohenfelde
»Es geht nicht gegen Euch, mein Land oder gar die Krone. Ich habe keine andere Möglichkeit ihm beizukommen außer Erpressung. Er ist sehr mächtig. Versprecht Ihr mir, gleichgültig was geschieht mir beizustehen und meine ungeborene Tochter zu schützen? Nur darum geht es mir, dass mein Kind aufwächst ohne Angst, jedes Kind auf meiner Scholle und in Eurem Land. Helft mir und ich helfe Euch. Ich verrate Euch wo sie ist«, sagte Dave ehrlich.

Ciel Felicien de Souvagne
»Wir reden darüber noch einmal in Ruhe. Monsieur von Hohenfelde, es ist meine Aufgabe, für Ihre Sicherheit zu Sorgen und die eines jeden anderen Souvagners! So wie dies auch Ihre Aufgabe ist. Darum muss diese Person gefasst werden und darum werde ich alles dafür tun, dass Ihrer Tochter nichts gechieht. Aber als Marquis können Sie selbst auch gut dazu beitragen.« Er drehte sich zur Tür. »Anwolf, bitte holen Sie Monsieur von Wigberg hinein.«

Anwolf von Hohenfelde
Anwolf ging nach draußen und zog Osmund in den Raum. »Dein Typ wird verlangt«, sagte er freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ich muss Sie in Ermangelung eines eigenen Nekromanten bitten, diesen Geist in ein beliebiges, leicht zu transportierendes Gefäß zu bannen und ihn mir auszuhändigen. Er weiß Dinge, die er nicht wissen sollte. Die Alternative wäre, ihn auf der Stelle zu vernichten. Hätten Sie bitte die Güte?« Er wandte sich an Brandur. »Ich werde bei meinem Bruder ein gutes Wort für Sie einlegen. Aber ich kann nichts versprechen.«

Davard von Hohenfelde
Dave schrieb etwas in sein Notizbuch. Derya Littneaux, Alter: 37 Jahre,Geb. am: 166 n.d.A.
Größe: 167 cm, Gewicht: 55 kg,Haarfarbe: dunkelbraun, Augenfarbe: blau, Statur: schlank und drahtig, wohnhaft in Naridien, Ort: Obenza, Hafenviertel, Hütte genau am Meer gegenüber dem alten Alfons, mit Blick auf die große Eisenbrücke. Nachts unterwegs, schläft Tagsüber. Kontaktpersonen - Ring der Menschenfresser. Dave schob Ciel den Zettel rüber. »Danke«, sagte er schlicht.

Osmund von Wigberg
»Wie Ihr wünscht, ich tue das für Deinen Kurzen Brandur. Nimm es mir nicht übel«, antwortete Osmund. Er zückte eine Phiole, leerte diese auf einen Zug und bannte dann Brandurs Geist darin. »Seid vorsichtig mit ihm, er bedeutet unserem Sippenoberhaupt alles«, sagte Osmund.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel betrachtete den Zettel mit einer Mischung aus Freude und abgrundtiefem Hass. »Ich danke ebenso«, murmelte er, während er las, um sich sofort alles einzuprägen. Er blickte wieder hinüber zu Alexandre, der sich noch immer mit Wolfram unterhielt und so gut gelaunt wirkte wie selten. Er steckte den Zettel ein, er würde Alexandre nicht damit konfrontieren. Dann nahm er von Osmund den Flaschengeist entgegen. »Das werde ich. Ich danke Euch. Bitte informiert Linhard, damit er seinen Vater nicht vermisst.«

Osmund von Wigberg
»Das werde ich«, sagte Osmund. »Ich werde ihn begleiten«, bot Anwolf an.

Ciel Felicien de Souvagne
»Bitte das Trinken nicht vergessen.« Ciel wies auf das Tablett. »Ein volles Glas.«

Davard von Hohenfelde
»Sollen wir sie holen?«, hakte Dave nach. »Mir reicht Euer Wort als Befehl und ich hole sie her. Sagt mir nach dem Trunk, dass Ihr meine Tochter schützt, ich muss es hören, versteht es bitte. Ich danke Euch aus tiefstem Herzen für Euren Schutz. Erteilt mir den Befehl das Miststück zu holen. Ich liefere Sie Euch - lebendig, wenn Ihr das wünscht«, sagte Dave freundlich. Er nahm sich einen Becher des Weins und trank ihn ohne zu zögern aus. Anwolf nahm sich ebenfalls einen Becher, schnupperte kurz dran und leerte ihn auf Ex.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel gesellte sich zu Davard und Anwolf, die nun etwas verwirrt dreinschauten, wie ein Schlafwandler, der in einer fremden Umgebung erwacht. »Davard und Anwolf von Hohenfelde, ich bin Prince Ciel Felicien de Souvagne. Wir hatten gerade ein vertrauliches Gespräch. Ihr Gedächtnis wurde hernach durch einen alchemistischen Trank gelöscht.« Ciel sah Davard Ernst an. »Wir hatten vereinbart, dass ich Sie daran erinnere, Derya Littneaux hierher zu bringen. Ob lebend oder tot ist mir völlig gleich. Ich werde Ihre Tochter beschützen.«

Davard von Hohenfelde
Dave verbeugte sich vor Ciel. »Wie Ihr wünscht, wir liefern sie Euch«, sagte er ergeben und glücklich.

Anwolf von Hohenfelde
Anwolf kratzte sich am Kopf und musterte Ciel erstaunt. »Hoheit«, grüßte er ihn, da er nicht wusste ob er ihn nun schon gegrüßt hatte. Aber doppelt hielt besser. Osmund musterte die Gruppe und wandte sich dann an Ciel. »Ich werde Linhard über Brandurs Verbleib unterrichten, ich kümmere mich darum. Darf ich mich verabschieden?«, fragte er freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
»Sie dürfen gehen, danke. Anwolf wollte Sie begleiten. Das hat er natürlich ebenfalls vergessen.« Ciel nahm sich Davard noch einmal kurz vor, nachdem die beiden fort waren. Er trat dicht an ihn heran. »Der Mann da drüben in der Robe ist Alexandre de la Grange. Sie hatten sich gut miteinander verstanden.« Er tippte sich an die Schulter, als sei er Davards Spiegelbild, und berührte die Stelle, wo Davards Narbe lag. Dann ging er wieder einen Schritt zurück.

Davard von Hohenfelde
Anwolf und Osmund verließen den Raum und machten sich auf den Weg zu Linhard. Dave schaute ihnen kurz nach, als Ciel ihn zur Seite zog und ihm offenbarte, wer der Mann dort hinten war und was sie verband. »Ich verstehe, dass wird auch so bleiben. Er wird sich über die Gefangene freuen«, schmunzelte Dave.

Ciel Felicien de Souvagne
»Da bin ich sicher. Notfalls bringen Sie die Frau in Einzelteilen hier her. Es schert mich nicht, ob sie dabei noch lebt oder nicht. Wichtig ist nur, dass sie niemanden mehr verletzen kann und dass dem Volk gezeigt wird, dass man für es da ist und kein Verbrechen ungesühnt bleibt.«

Davard von Hohenfelde
»Das sehe ich genauso. Meine Scholle soll frei sein von solchen Bestien. Das mag utopisch sein, aber alles fängt mit einem Traum an. Und das ist meiner. Sie werden den Bausatz bekommen, dass schwöre ich Ihnen«, sagte Dave leise.

Ciel Felicien de Souvagne
»Wenn Ihnen das gelingt - dann gebe ich ihnen mein Wort, dass Ihr Onkel nicht länger als Geist wandeln wird. Wir haben hier einige sehr fähige Nekromanten. Man wird ihn kaum von einem Lebenden unterscheiden können.« Ciel blinzelte freundlich.

Davard von Hohenfelde
»Das ist ein Wort Hoheit. Aber sagen Sie dies Ihrem Schwager, es wird ihn freuen und ihn sehr umgänglich und zugänglich machen. Ich für meinen Teil, erledige diese Frau auch so. Sie boten mir etwas an, das kaum je einer tat - Schutz. Ich benötige keinen mehr, mein Kind schon. Sie soll es besser haben als ich. Das wünscht sich jeder geistig gesunde Vater. Betrachten Sie mich schon als unterwegs«, grinste Dave.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ich wünsche Ihnen und uns allen viel Erfolg auf Ihrer Mission. Ich werde es Linhard ausrichten. ich muss Sie nun bitten, zu gehen. Wir haben noch einige Dinge mit Wolfram zu besprechen.«

Davard von Hohenfelde
»Vielen Dank und Ihnen ebenso alles Gute. Wir hören voneinander«, sagte Dave und verließ den Raum um sich auf den Weg nach Naridien zu machen. Er hatte einiges zu klären, Puschel einzupacken und ein Monster zu köpfen. Wobei er würde sie dingfest machen, Puschel war der Henker und er war sehr gut.
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Ciel Felicien de Souvagne

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Die Offenbarung Verrills

#19

Beitrag von Ciel Felicien de Souvagne » So 29. Apr 2018, 01:27

Ciel Felicien de Souvagne
Nach dem Gespräch mit den Magiern der Sippe Hohenfelde suchte Ciel noch einmal seinen Bruder auf. Das ganze hatte zwei Gründe. Den einen trug er in einer Glasflasche in seiner Kleidung verborgen bei sich. Den anderen als kompliziertes Gedankenkonstrukt in seinem Kopf, das es möglichst prägnant und wenig verletzend Gregoire offenbaren würde. Er klopfte an. Ferrau hatte er nicht bei sich, denn diese Sache wollte er mit seinem Bruder allein besprechen.

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg saß gerade auf seinem Sofa und tat das, was er den Tag sonst über immer tat, er las ein Buch und aß Kekse. Als es klopfte verzog er kurz das Gesicht, verfluchte innerlich den fehlenden Zerbino und stand auf. Er klopfte sich die Krümel von der Hose und öffnete die Tür. Als er Ciel erblickte grinste er über beide Ohren und umarmte seinen Bruder. »Ciel, schön Dich zu sehen. Du musst mir beistehen«, flötete er gut gelaunt und zog seinen Bruder in sein Quartier. »Ich benötige einen neuen vertrauenswürdigen Leibdiener«, erklärte er und deutete aufs Sofa wie auf die Kekse.

Ciel Felicien de Souvagne
»Also ich werde nicht die Schuld daran tragen, dass ein weiterer Mann in seinen Untergang geschickt wird. Such dir mal schön selbst einen aus. Bitte einen, der es auch verdient.« Ciel drückte seinen Bruder zurück, etwas kürzer und härter als sie es sich die letzten Male angewöhnt hatten, und setzte sich zu ihm aufs Sofa. »Wir müssen reden.«

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg musterte ihn kurz erstaunt, setzte sich aber dann zu Ciel dazu und stellte die Keksschale zwischen sie beide. »Nur zu ich, worüber möchtest Du reden? Was für ein Problem hast Du? Nun ich meinte das mit dem Diener aber tatsächlich ernst. Aber Du zuerst, Du bist immerhin zu mir gekommen. Also worum geht es?«, fragte Greg liebevoll und aß einen Keks.

Ciel Felicien de Souvagne
»Es geht um uns beide. Wir haben uns einen zärtlichen Umgang miteinander gegönnt. Ich habe das genossen, aber ich bin noch einmal in mich gegangen. Die Sache mit dem Schrank, da hätte so nicht geschehen sollen, es war ein Fehler. Es war ein großer Schritt zu weit, vielleicht auch zwei. Jeder von uns ist mit jemandem verlobt. Wir sollten nicht auf diese Weise miteinander umgehen, wie es in den letzten Tagen geschehen ist. Es hat mir gefallen und ich mag dich sehr und ich bleibe bei meiner früheren Aussage, dass ich um deine Hand angehalten hätte, wäre es nicht anders gekommen. Dennoch war es nicht richtig.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Ich verstehe, aber was heißt das genau? Das wir uns jetzt voneinander völlig fernhalten? Das mit dem Schrank war vielleicht eine Spur zu pikant, aber wie hätte ich es Dir sonst beibringen sollen? Sind wir ehrlich, Du hättest den Vorschlag auch ablehnen können. Du ist darauf eingegangen und ich habe ihn unterbreitet. Die Schuld daran tragen wir dann beide. Aber ich habe es nicht getan um Dir zu schaden oder Dich bloßzustellen. Wie kannst Du sowas von mir denken? Du bedeutest mir sehr viel und es würde mir ehrlich gesagt wehtun, wenn wir von nun an getrennte Leute sind. Ich weiß nicht was in letzter Zeit los ist, aber wir standen schon zweimal davor, absolut getrennter Wege zu gehen. Einmal wir drei - Du und Dreux auf der einen Seite ich auf der anderen. Und nun wir beide. Ich weiß nicht wo Dein Problem wirklich liegt oder das von Euch beiden. Ich verstehe warum Ihr beiden Euch auch besser versteht, Ihr seid Euch näher, Ihr habt ähnliche Interessen, Gedanken und Ihr handelt auch ähnlich. Aber dennoch hatten wir uns gut verstanden, als wir gemeinsam über die Aufnahme der neuen Marquis verhandelt haben. Eigentlich haben wir uns immer gut verstanden, auch wenn wir nicht aufeinander geklebt haben. Möglicherweise ist auch das die Lösung, wir verstehen uns nur mit einem gewissen Abstand. Meine Nähe scheint manche zu verwirren scheint mir. Und wie ich sagte, ich hätte den Antrag angenommen. Du hättest ihn aber nicht grundlos gestellt. Von daher, ich möchte weder Dir noch Dreux etwas. Falls Ihr eine klare Grenze wünscht, ziehen wir sie. Aber sie sollte dennoch so gehalten sein, dass wir beide gemeinsam arbeiten können als Furisto und auch so, dass ich mit Dreux arbeiten kann. Falls Ihr das nicht für möglich haltet, solltet Ihr mir das endlich einmal offen sagen. Es ist ja nicht so, dass ich mich darum geschlagen hätte. Es wurde überreicht, aber nicht um Euch damit zu ärgern, sondern damit niemand von uns benachteiligt wird«, antwortete Greg.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ganz langsam, Greg. Lassen wir die Regierungsgeschäfte bitte außen vor, du solltest wissen, dass man mit mir immer vernünftig reden kann, was diese Dinge angeht. Auch im größten Streit wirst du mit mir organisatorische Dinge normal und sachlich besprechen können. Getrennte Wege habe ich nicht vorgeschlagen und schon gar keine ... absolut getrennten Wege! Wir sollten nur eine Grenze ziehen zwischen brüderlichem Umgang und dem intimen Umgang, wie wir sie mit unseren Eheleuten pflegen werden. Und mit Dreaux hat das nichts zu tun. Es geht nur um uns beide. Und zwar als Privatpersonen. Die Frage ist - wo ziehen wir diese Grenzen? Darüber müssen wir reden.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Gut, dass beruhigt mich zu hören. Ich hatte nicht vor einen von Euch zu verlieren, aber es stände auch nicht in meiner Macht es zu verhindern. Das ist Amtsgeschäfte nicht betroffen sind, ist angenehm zu hören. Von Freude kann keine Rede sein, sollten wir uns dermaßen verstreiten, dass wir nur noch so kommunizieren und zwar dienstlich. Also als Privatperson... wir waren uns sehr nahe, aber wir waren nicht intim. Wir waren etwas daszwischen würde ich sagen. Ich hatte gehofft, dass wir uns wie gute Freunde auch in Neu-Souvagne beistehen - Brüder und Freunde schließt sich nicht aus. Deine Frau bleibt Deine Frau, wie mein Mann mein Mann bleibt Ciel. Benenne Du mir Deine Wunschgrenze, ich sage Dir was ich davon halte. Freundlich selbstverständlich. Aber ich sage Dir auch, dass mich das Gespräch gerade ziemlich verunsichert und ich Angst habe«, gestand Greg.

Ciel Felicien de Souvagne
»Wovor hast du Angst? Vor dem selben, wie ich - dass wir uns verlieren? Das werden wir nicht, Greg. Das werde ich nicht zulassen. Wir haben nicht miteinander intim gehandelt, aber du hast dich mir intim gezeigt, indem du mich hast zuschauen lassen. Und ich habe den Fehler gemacht, das Angebot anzunehmen. Woraufhin ich intim für dich zu empfinden begann. Sehr ... intim. Ich habe deswegen mein Gelübde gebrochen. Ich habe mich zu wenig im Griff bei dir. Ich weiß nicht, wo wir die Grenze ziehen sollten. Weil mein Herz sich nach körperlicher Nähe zu dir sehnt. Mein Verstand sagt, dass nicht mehr als eine Umarmung drin sein sollte oder vielleicht Seite an Seite liegen. Vielleicht ist das aber auch schon zu viel.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Nun da wir beide uns nicht verlieren wollen und davor Angst haben, sollten wir genau das Verhindern als es planen findest Du nicht? Überlege ganz genau was Du an mir attraktiv findest. Überlege und sprich es aus, dann helfe ich Dir zu verstehen«, sagte Greg und nahm Ciels Hand. Er strich mit dessen Hand über sein eigenes Gesicht. »Schau mir so genau an wie nur mögich und sag mir was Du siehst... sag es mir...«, bat Greg flüsternd.

Ciel Felicien de Souvagne
»Dass immer alle denken, es wäre das Aussehen«, sagte Ciel, legte seine Hand an Gregoires Wange und streichelte sie mit dem Daumen. »Ich habe euch hundert Mal schon erklärt, dass ich anders bin. Man könnte sagen, es läge an deinem schönen Gesicht, an deinen geschmeidigen Bewegungen. Aber das ist es nicht, auch wenn ich diese Schönheit durchaus sehe. Sie ist nicht das, was mich so anzieht. Es ist, glaube ich, deine Art. Du bist wie ein Sonnentau, der süßen Nektar verspricht und dann bleibt man kleben und wird verdaut. Je näher ich dir bin, umso intensiver spüre ich es. Vielleicht ist es auch das Haarwasser, was Zerbino für dich benutzt hat, vielleicht ist ein pflanzliches Aphrodisiakum drin. Es gibt viele Pflanzen, die diese Wirkung haben.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Es ist viel einfacher als das, und gleichzeitig so kompliziert dass Du ein Stück selbst drauf kommen sollst. Fange ich anders an. Zuerst danke für das Kompliment dass Du mich attraktiv findet. Beschreibe mich. Was für eine Person sitzt vor Dir. Dann wirst Du es ehr verstehen. Ich verdaue Dich nicht Ciel, garantiert nicht«, sagte Greg sanft und drückte seine Hand.

Ciel Felicien de Souvagne
»Doch, du verdaust mich. Vielleicht nicht mit Absicht. Aber ich spüre, wie mir die Kontrolle entgleitet, wenn wir uns nahe sind. Gut, ich werde versuchen, dich zu beschreiben. Ich sehe vor mir einen jungen Menschen. Gepflegt und in seiner Art sehr wandelbar. Von einer süßen Lockfalle kannst du eiskalt werden, ohne Übergang. Und wieder zurück. Du wirkst zerbrechlich wie Porzellan und wenn es zu springen droht, gehst du auf Abwehr. Ja, eine Porzellanpuppe. Ich möchte dich gern beschützen und behüten, auch wenn du gut auf dich selbst aufpassen kannst. Dein Aussehen und deine zeitweise Unsicherheit lassen anderes vermuten, sie sprechen den Beschützer in mir an. Den inneren Hütehund, von dem wir einst sprachen. Als ich über unsere mögliche Hochzeitsnacht nachdachte, stellte ich mir die Rollenverteilung entsprechend vor. Ich möchte gern stark für dich sein und für dich sorgen. Dir die Sicherheit bieten, die dir fehlt. Das ist, was ich in dir sehe.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Das berührt mich tief was Du sagst, denn ich kann nur bis zu einem gewissen Grad auf mich selbst aufpassen da ich stets genau abwägen muss, wem ich tatsächlich zu 100 Prozent vertrauen kann. Ich möchte Dir 100 prozentig vertrauen. Du hättest jene Wahl getroffen, die ich auch getroffen hätte und ich habe nichts dagegen von Dir behütet zu werden. Oder auch korrigiert zu werden. Meine Unsicherheit ist Angst. Ich werde niemals so stark sein wie Du, Dreux oder gar Lin. Und gleichgültig was ich tue, mir wird immer etwas fehlen und dennoch verfüge ich über mehr. Du siehst absolut klar Ciel, aber begreifst nicht was Du siehst. Du siehst einen jungen Menschen... richtig. Die Wortwahl gefällt mir... Du siehst also keinen jungen Mann...?«, fragte Greg mit einem liebevollen Schmunzeln.

Ciel Felicien de Souvagne
»Nein. Einen Menschen. Das ist, was ich stets zuerst sehe, bei allen und dann erst überprüfe, ob eine Zuordnung angebracht ist. Das ist nicht immer einfach und auch nicht jedes Mal sinnvoll. Ich kenne genügend Menschen, welche die geläufigen Definitionen sprengen. Bei dir würde ich keine Zuordnung treffen wollen und warum sollte ich das auch. Du bist du, völlig egal, was du zwischen den Beinen hast. Ich nenne dich meinen Bruder, weil du selbst dich so nennst. Und würdest du ab morgen Kleider tragen und darauf bestehen, dass ich Schwester zu dir sage, dann wäre das so. Nathan hatte mal so eine Phase, wo er so was ausprobiert hat. Ehrlich gesagt fand ich es sogar ganz interessant.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Du kannst beides zu mir sagen, wenn Du möchtest. Beides trifft zu - ich bin so gesehen ein vollkommener Mensch«, lachte Greg leise. »Und dennoch wissen es nur wenige. Du nun eingeschlossen. Vater, Benito, Zerbino und Linhard. Und nun Du. Verstehst Du nun warum ich so unsäglich auf Zerbinos lose Zunge reagierte?«, fragte Greg leise. »Es ist das was Dich anspricht, dass was Du nicht bewusst wahrgenommen aber unterschwellig gefühlt hast - die andere Seite von mir, die Frau«.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel legte etwas den Kopf zur Seite und betrachtete Gregoires Gesicht intensiver als je zuvor. Es war so androgyn, wie ein Gesicht nur sein konnte. Er versuchte, ihn sich mit anderer Frisur und einem Kleid vorzustellen. Die zarte Statur, sie wirkte nun in einem anderen Licht auf ihn. »Du bist zweigeschlechtlich? Dann bist du wahrlich vollkommen. Die Götter lieben dich. Und ich liebe dich auch.« Ciel küsste Gregoire und er küsste ihn nun nicht mehr, wie er seinen Bruder küssen würde, sondern wie er Olivie geküsst hatte. Sanfter und langsamer. Dabei sog er mit der Nase den süßen Duft ein, der Gregoire umwehte und der kein Haarwasser war. Als er ihre Lippen wieder löste, zog er Gregoire in seinen Arm und drückte ihn großflächig an sich. »Wie soll ich dich nennen? Hast du auch einen Frauennamen? Was ist dir lieber?«

Gregoire Verrill de Souvagne
Greg erwiderte den Kuss ebenso leidenschaftlich wie sanft. Er drückte sich in Ciels Arm und genoss die Umarmung die seiner kompletten Seele galt, nicht nur einem Bruchstück davon. »Ja, dass bin ich. Neutral aussehend, ehr männlich neutral, keine Busen, keine ausgeprägte Hüfte, wie sagte Lin? Wie eine Viper? Aber trotzdem komplett männlich und komplett weiblich. Nichts davon ist missgestaltet. Möchtest Du »mich« sehen? Verrill wenn Du mich komplett meinst. Verrill ist neutral. Vater hat drei Söhne und zwei Töchter und Du hättest beide heiraten wollen«, flüsterte Verrill Ciel liebevoll ins Ohr. »Dein Schutz nehme ich gerne an Hirtenhund. Es ist ein sehr großes Kompliment von zwei Personen so geachtet und geliebt zu werden. Deine Reaktion darauf freut mich sehr, sie ist ungewöhnlich wie von ihm. Seltsam, ich scheine von ziemlich guten Seelen umgeben zu sein. Dass muss so sein, schließlich genoss ich immer Vaters und Euren Schutz. Also möchtest Du mich sehen?«, fragte Verrill und schmiegte sich an Ciel.

Ciel Felicien de Souvagne
»Wenn ich darf ... sehr gern. Du wirst fortan Verrill für mich sein, bis du mir einen anderen Wunsch nennst. So ungewöhnlich ist meine Reaktion doch wohl nicht, oder hast du Ablehnung erfahren? Ainuwar selbst ist weder männlich noch weiblich noch zwittrig noch anderes. Das hat seinen Grund. Er gibt keinem Geschlecht den Vorzug. Wir alle sind, was wir sind und alles hat seine Richtigkeit. Nur Dummköpfe glauben daran, dass es nur schwarz und weiß gibt. Unsere Welt ist bunt und zwischen Tag und Nacht liegt in den herrlichsten Farben die Dämmerung. Ich werde dein Vertrauen nicht enttäuschen, Verrill. Und ich werde dich schützen mit allem, was mir zur Verfügung steht.«
Gregoire Verrill de Souvagne
»Nein aber Vater sagte, Menschen töten meist das, was sie nicht verstehen oder fürchten. Und nur wenige sind weitsichtig genug, einen zweiten Blick auf etwas zu werfen. Vater erklärte mir als Kind, dass sich die Natur niemals irrt, sie ist alles. Ainuwar selbst ist die Natur, nur der Mensch muss Dingen einen Namen geben und sie in eine Schublade stecken können. Und dies nur damit er etwas begreift. Die Welt sagt es gibt Männer und Frauen. Die Natur sagt etwas anderes. Du kannst die Existenz von Wesen wie mir leugnen, aber dennoch sind wir da. Du könntest dann auch die Existenz des Meeres leugnen, es war schon immer da und wird noch nach uns sein. Von Angebinn bis zum Ende der Zeit. Vater sagte, die Menschen suchen stehts den fehlenden Teil. Der Mann die Frau, die Frau denn Mann und manche suchen sich einen gleichen Part - jeder sucht sich das fehlende Seelenstück. Ich habe keinen Zwang zu suchen, denn Ainuwar erschuf mich vollkommen - als geschlossener Kreis. Ich sehe beide Seiten, ich agiere als beide Seiten. Manche finden es anziehend, manche finden mein Verhalten manchmal abschreckend. Ich verstehe Dinge die andere nicht verstehen und verstehe manches nicht, was ihr versteht. Und aus diesem Grund schweige ich. Andere könnten Angst empfinden, oder Neid, vielleicht auch Abscheu oder Ekel. Aber ich bin so real wie Du und genauso ein Mensch wie Du - denn das bin ich - ein Mensch. Vater sagt, es sind nur zwei Dinge für ihn wichtig, ich bin gesund, ich bin sein Kind - der Rest ist wie er ist und er liebt mich genau so wie ich bin. Und er sagte es hätte einen Grund warum Ainwuar so wählte. Ich sollte für Dreux und Dich ein Blick auf das Ganze werfen, irgendwann - nun vielleicht ist jetzt irgendwann. Aber Du darfst zuerst einen Blick auf mich werfen. Ich nehme Dein Geschenk des Schutzes an, dafür schenke ich Dir meine Weitsicht«, erklärte Verrill und zog sich komplett aus. »Schau mich an, dass bin ich«.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel betrachtete Verrill vom Gesicht angefangen. Er ließ sich Zeit, seinen Blick ruhen zu lassen, ehe er ihn langsam Stückweit senkte. Er betrachtete Verrills Schultern, die entweder die eines zierlichen Mannes oder einer kräftigen Frau sein könnten, oder eben die dieses vollkommenen Wesens. Er schaute sich die schlanken, aber drahtigen Arme an, nahm eine Hand und strich über die Finger, legte ihre Handflächen aneinander und Verglich ihre Hände. Verrills waren schlanker und etwas kleiner, aber nicht so zierlich wie die von Olivie. Ciel besah sich die flache Brust. »Darf ich deine Brust anfassen?«, fragte er leise.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Ja darfst Du, ich besitze keinen weiblichen Busen. Nur zu, fass mich an und lerne mich neu kennen, wenn Du so möchtest«, lud Verrill Ciel ein.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel strich über die weiche, haarlose Haut und über die rosigen Brustwarzen. Sie waren vielleicht etwas größer als die bei einem Mann. Ciel berührte ihn nur erkundend, nicht liebkosend, doch er war dabei sanft. Er spürte die Brustmuskeln, jetzt weich und entspannt, darunter die Rippen. Er löste seine Hände wieder und besah sich Verrills Bauch und die schmalen Hüften. Dann kniete er langsam vor ihm nieder, um sich seine Geschlechtsorgane zu betrachten. Auf den ersten Blick sah Verrill zwischen den Beinen aus wie ein Mann, der eher kleine Hoden hatte. »Darf ich den weiblichen Teil sehen?«, fragte Ciel. Dieser Teil war vermutlich unter dem Penis verborgen.

Gregoire Verrill de Souvagne
Verrill ließ sich widerstandslos von Ciel erkunden. Er hatte ihn dazu eingeladen, aber auch so hätte er sich nicht gesträubt, da Ciel unsagbar liebevoll und respektvoll mit ihm umging. Es lag kein Begehren in der Berührung, sondern behutsame Neugier die Verrill keine Angst machte, sondern ihm gut tat. Es schmeichelte ihm, wie vorsichtig Ciel war. Er war nicht nur körperlich zerbrechlich, sondern dieses Geheimnis zu offenbaren, bedeutete seine seelische Zerbrechlichkeit in Ciels Hände zu legen. Prozelan war ein guter Vergleich von seinem Bruder. Er hätte es zerschlagen können. Aber Ciel packte es vorsichtig in Watte wie zu einer weiten Reise, damit nichts beschädigt wurde. Verrill legte ihm eine Hand auf den Kopf und strich Ciel über die Haare. »Ja das darfst Du Ciel«, sagte er schlicht. Das was er tatsächlich sagen wollte, dieses unaussprechliche Danke, dies lag in der liebevollen Berührung.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel hatte erwartet, dass Verrill selbst den Penis zur Seite nehmen würde, doch er machte keine Anstalten. Also strich Ciel ihn beiseite. Er spürte eine leichte Feuchte, da er dabei über die Öffnung gefahren war, die sich ihm nun zeigte. Ciel besah sich, wie perfekt alles ineinander überging. Wer hierin keine göttliche Absicht sah, sondern eine Missgestaltung, war blind. Dies war das größtmögliche Maß an Vollkommenheit. Die Schamlippen waren zu Hoden verdickt und anstelle der Klitoris befand sich der Penis. Dazwischen lag, sicher eingebettet, die Öffnung. Ciel begab sich wieder auf Kopfhöhe. Er konnte nicht anders, als Verrill noch einmal zu küssen. »Du siehst wunderschön aus. Danke, dass ich dich betrachten durfte und dass du mir meine verborgene Schwester gezeigt hast, Verill. Weißt du, ob du ein Kind bekommen kannst?«

Gregoire Verrill de Souvagne
Verrill erwiderte den Kuss und umarmte Ciel um den Hals. »Ich kann, aber das würde mich in Lebensgefahr bringen, ich bin ziemlich schmal gebaut und es müsste schließlich auch hinaus kommen können. Vermutlich, sollte ich jemals ein Kind austragen, müsste es geholt werden. Aber um Deine Frage zu beantworten, ja ich kann Kinder zeugen und empfangen. Benito hat es uns gesagt, er hat mich eingehend untersucht. Sogar per Magie und er kam stets zu diesem Ergebnis. Also bei manchen Spielchen muss ich deshalb schon aufpassen, damit nicht passiert was nicht passieren soll«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Geholt werden? Du meinst, durch die Bauchdecke? Das kann dich töten! Benito ist sehr gut, aber ich weiß nicht, ob er so gut ist. Bitte passt auf dich auf. Ich muss dich noch etwas fragen. Wir haben immer als Er von dir gesprochen. Möchtest du das im privaten Umfeld beibehalten? In der Öffentlichkeit vermutlich ja, dort trittst du ja als Mann auf. Aber wie möchtest du es hören, wenn wir unter uns sind und nur Menschen anwesend sind, die davon wissen, wer du wirklich bist und wir untereinander von dir sprechen? Er, sie, oder es? Wobei ich nicht weiß, ob du Letzteres als abwertend empfinden würdest.« Er musste an Alexandre denken.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Ich bin immer ein Er - Er - der Mensch oder auch Er - der Zwitter wenn Du es so bezeichnen möchtest. Er ist für mich keine Geschlechtsbezeichnung, sondern es bezeichnet mich. Ansonten bin ich einfach ich. Die eine Seite erlaubt es mir zu kämpfen. Die andere Seite, so seltsam das klingt, schenkt mir manchmal absolute Gnadenlosigkeit. Vielleicht weil sie nur mit Schnelligkeit und eben jener Gnadenlosigkeit die fehlende Kraft wett machen kann. Aber wir leben ja nicht nur ausschließlich für die Wehrhaftigkeit oder den Kampf. Sondern vor allem für die Zuneigung und Liebe. Ich liebe Personen auf sehr tiefe Art und Weise und von jenen von denen ich mich beschützt fühle, fühle ich mich besonders angezogen. Für mich hat Geborgenheit eine doppelte Bedeutung. Drum verstehe ich mich mit Dir oder mit Lin. Verstehst Du es nun was uns verband ohne dass Du es wusstest?«, fragte Verrill. »Ja so meinte er es. Man würde es aus meinem Körper schneiden und mich dann heilen müssen. Falls ich es überstehe. Ich möchte Dich etwas wegen Zerbino fragen, aber bitte verstehe das nicht falsch. Wirst Du mir sein Schweigen versichern? Verstehst Du nun, warum Lin ihn so zum Schweigen bringen wollte? Er hatte Angst um mich. Also wirst Du ihn - wie auch immer, davon abhalten zu sprechen?«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ja, ich verstehe nun. Ich vermute, es ist nicht einmal nur die weibliche Seite, nicht einmal vorrangig. Es ist die Tatsache, dass du beides verbindest. Du bist ein göttliches Wesen, Verrill, so wie Nathan, nur auf andere Weise. Du bist die Vollkommenheit. Er ist die Unschuld und die Reinheit. Ainuwar hat Euch nicht umsonst zu mir gesandt. Wir werden, ich muss ... vieles. Zuerst werde ich Nathan meine Vergebung aussprechen. Wir sollten nicht getrennt sein, nicht auf diese Weise. Räumlich - vielleicht. Aber nicht seelisch. Er muss wieder seine Wirksamkeit entfalten können. So wie du deine Wirksamkeit als Vermittler wahrnimmst zwischen Dreaux, Olivie und mir. Ich werde ... alles zu seiner Zeit. Nacheinander. Ich bin dagegen, dass du dich versteckst. Warum? Wozu? Es gibt andere wie dich. Sie sollen kein Leben im Verborgenen führen oder Angst um ihr Leben haben müssen. Wir werden es offiziell machen, wer und was du bist und euch den Status zuerkennen, der euch zusteht - Boten Ainuwars. Seine Diplomaten, gesandt, die Kluft zwischen den Geschlechtern zu überwinden. Wer euch beleidigt, ist der Gotteslästerung schuldig. Wer Euch etwas antut, wird künftig nicht nur für Körperverletzung bestraft, sondern auch für die Schändung von Sakramenten. Die Strafen werden doppelt und dreifach so brachial ausfallen und das zu Recht.«

Gregoire Verrill de Souvagne
»Von dieser Seite aus habe ich es nie gesehen, dass ich es öffentlich sagen sollte. Einerseits ist der Gedanke schön, befreiend und gleichzeitig gewaltig beängstigend. Tja würde man uns als Phanteon sehen, dann ist Nathan tatsächlich die Unschuld und ich bin die Vollkommenheit. Ich habe nie ein anderes Wesen wie mich getroffen, dass hätte ich schon gerne. Ich weiß dass es sie gibt, Benito sagte es. Aber er sagte Wesen die tatsächlich so sind wie ich, also in dieser Ausprägung wären extrem selten. Darum halten die meisten sie für Mythen. In einigen alten Kulturen hat man sie verehrt, in anderen hat man sie erschlagen aus Angst. Ähnlich wie einem Albino. Sie haben auch etwas erhabenes an sich und zeitgleich fürchtet sich jeder vor ihnen. Früher als Kind hatte ich mir vorgenommen im Tempel des Ainuwar zu dienen, in der Hoffnung er sagt mir warum ich so wurde wie ich bin. Vater sagte, dass ich bin - das ist schon die Antwort. Das hat mich beruhigt. Du sagst was ähnliches und das freut mich. Nun wie ich Dir sagte, Du solltest Nathan vergeben. Vergib ihm dafür dass er liebt und zwar in absoluter Unschuld und so ehrlich wie nur er es kann. Und wir werden gemeinsam dafür sorgen, dass Souvagne das Land bleibt was wir lieben und zeitgleich noch mehr das wird, was wir uns wünschen. Das ist kein Paradoxon - würde Paps jetzt sagen«, grinste Verrill und zog sich wieder an. »Vielleicht sollten wir uns nur einen Namen für das überlegen was ich bin. Denn die Bezeichnung klingt widerwärtig«, überlegte Verrill.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel hatte sich ganz fest bei Verrill eingeschmiegt. Verrill konnte spüren, dass er weinte. Es war keine Trauer, sondern tiefste Ergriffenheit. Es war die größte Offenbarung Ainuwars für ihn, seit er Nathan und Alexandre getroffen hatte. »Der dritte Schleier ist gefallen«, sagte Ciel erstickt und lächelte, während er weinte. »Es wird weh tun. Aber nun sehe ich endlich den Weg. Ich habe so lange gebetet und geblutet. Ich werde noch viel mehr bluten. Ich weiß nun, wofür. Danke. Danke, dass du bist! Ja, wir brauchen einen Namen, der deiner würdig ist. Doch nicht jetzt. Lassen wir ihn in Ruhe erwachsen. Du hast keine Vorstellung, wie ich mich gerade fühle. Endlich sehe ich klar, endlich verstehe ich. Du hättest dich viel eher schon offenbaren sollen! Niemand wird euch mehr erschlagen. Niemand wird es mehr wagen und niemand wird es mehr wollen. Dafür sorge ich, ob du dich nun selbst als einer von euch zu erkennen geben wirst oder nicht.«

Gregoire Verrill de Souvagne
Verrill drückte Ciel an sich und hielt ihn. Er hielt ihn wie eine behütende Mutter, eine liebende Schwester und ein verteidigender Bruder. »Was ist der dritte Schleier Ciel?«, fragte er innig und küsste Ciel auf den Kopf. »Es gibt Legenden - uralt, von Portalen ebenso alt und vergessen - die nur zeitgleich von einem Mann und einer Frau geöffnet werden können. In absoluter Harmonie und Symbiose - so zeitgleich das es keinem sterblichen Paar jemals gelungen sein soll, jenes Portal zu öffnen. Beim Lesen der Legende musste ich schmunzeln - ich hätte es allein tun können, ich hätte es geöffnet. Nur was dahinter liegt, dass stand dort leider nicht. Aber darum ging es mir auch nicht, ich hätte es vielleicht auch nicht getan, würde ich es jemals finden. Allein dass ich es gekonnt hätte, wenn ich gewollt hätte - hat mich mit großer Freude erfüllt. Verrate mir die Bedeutung des dritten Schleiers und die Bedeutung Ainuwars für Dich Ciel«, flüsterte Verrill.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel erwiderte die Umarmung und er konnte eine Weile nicht antworten, weil er in Trance geraten war. Es dauerte bestimmt eine halbe Stunde, ehe der Rausch so weit abgeklungen war, dass er wieder Worte formulieren konnte. Dieser Rausch war unbeschreiblich. Tiefe Wärme und Verbundenheit erfüllten Ciel und das Gefühl, eins mit Asamura, Ainuwar und dem Abgrund zu sein, der nun keinerlei Schrecken mehr in sich barg. »Ja, solche Portale gibt es. Man sagt, sie sind oft getarnt als Burgen. Manchmal bewacht durch Hüter. Ich werde Alexandre darauf ansprechen. Er weiß sicher Rat!« Ciel setzte sich auf und sein Gesicht glühte wie von Fieber, seine Augen waren glasig. »Die Schleier liegen auf dem Weg zur Wahrheit. Ich weiß nicht, wie viele es sind. Doch man sagt, am Ende steht die Göttlichkeit. Bisher hat erst ein Mensch es geschafft, alle Schleier zu lüften und dieser Mensch ist Rakshor, der sich den Weg gewaltsam und durch Lug und Betrug erstritt. Er wird gefürchtet, doch ich würde mich zu gern einmal mit ihm unterhalten und sehen, wie göttlich er wirklich ist. Und ob man nicht von ihm lernen kann. Was Ainuwar für mich ist? Ainuwar ist alles und nichts. Er ist das Leben, er ist der Tod - er ist das Sein. Alles ist Ainuwar - sogar wir. Ainuwar kann sich in Gestalt manifestieren, sagt man, damit wir ihn verstehen - doch er ist nicht darauf angewiesen. Er ist der Ursprung und das Ende. Und unsere Aufgabe ist es, in unserem Leben möglichst viele Schleier zu lüften, um ihn möglichst nahe zu kommen. Ich weiß nun, wie ich den vierten Lüfte! Aber wie gehabt - alles zu seiner Zeit. Es ist zu früh. Als erstes werde ich mich mit Nathan versöhnen. Und danach sehr viele Menschen vor den Kopf stoßen gehen.«
Gregoire Verrill de Souvagne Heute, 01:04
»Das stimmt so steht es geschrieben, er kann die Form einer Person annehmen, meist in dunkler Robe gehüllt. Vielleicht solltest Du einmal zu Rakshor beten. Ein Gebet ist nicht anders als ein einseitiges Gespräch. Vielleicht antwortet er Dir doch. Falls Du Hilfe benötigst, ich bin für Dich ja, jederzeit. Und im Leute vor dem Kopf stoßen, habe ich gute Erfahrungen gemacht. Ich hoffe mein Geständnis hat Dich nicht zu sehr aus der Bahn geworfen. Ich wünsche Dir und Nathan alles Gute Ciel. Er hat stets nur Dein Bestes gewollt. Und in seiner Liebe lag kein Betrug zu Dir. Es war vermutlich einfach die Sehnsucht nach Leben, mit all seiner Geborgenheit und Liebe die dazugehört. Sieh es einmal von der Seite. Er hätte Dir niemals wissentlich geschadet. So ist Nathan nicht. Er hat einen hochanständigen Charakter. Dass musst Du ihm zugestehen, denn so ist es. Charakter Ciel hat man, oder man hat ihn nicht. Wissen kann man sich aneignen, aber Charakter leider nicht. Darum freut es mich, dass Du Dich mit Nathan versöhnst. Und einen solchen Nathan suche ich auch für mich. Kurzum eine Vertrauensperson. Vielleicht sollte ich mal eine Zofe testen«, lachte Greg leise.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ich werde mit Alexandre über alles sprechen. Man kann ihn fragen, was man will, er weiß alles. Er ist der klügste Mensch, den ich kenne. Aus der Bahn geworfen? Du hast dafür gesorgt, dass ich SEHE, Verrill!« Ciel küsste ihn auf die Stirn. »Danke, Schwesterchen. Danke für alles. Du hast heil gemacht, was fast zerbrochen wäre. Probiere ruhig eine Zofe aus, wenn du dich damit gut fühlst, aber dann solltest du nicht zögern, die Wahrheit zu offenbaren. Als Mann macht man sich mit einer Zofe ziemlich lächerlich.« Er stand auf und taumelte kurz.

Gregoire Verrill de Souvagne
Verrill packte Ciel am Arm und hielt ihn fest. »Ich könnte behaupten es wäre die Zofe meines Mannes. Ein kleiner Scherz. Soll ich Dich nach Hause begleiten? Es freut mich dass ich Dir den Weg zeigen konnte. Ich hätte wie gesagt nicht ertragen Dich zu verlieren. Keinen von Euch. Komm ich bringe Dich Heim. Nun ein alter gediegener Leibdiener wäre auch nicht schlecht. Ich hake Dich unter. Oder möchtest Du zu Benito?«, fragte Verrill besorgt und führte Ciel aus seinem Quartier.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel musste einen Moment überlegen, wohin er überhaupt wollte. Dieser Umstand gab ihm zu denken. »Ich sollte erstmal nach Hause, nach Ferrau und dem Unsympathen sehen.« In Wahrheit würde er sich erstmal hinlegen. »Du verlierst mich nicht, Verrill. Souvagnischer Klammeradler - schon vergessen?« Er knuffte ihn und das Knuffen war diesmal brüderlich.

Gregoire Verrill de Souvagne
»Das freut mich zu hören und Du weißt auch warum ich Dir ein Nest geschenkt habe. Für Dich und Olvie, keine Panik. Der Unsympath, erkläre ihm dass er schweigen muss. Klammeradler sind die Besten, dann komm, ab nach Hause mit Dir«, antwortete Greg und knuffte Ciel zurück. »Das Abendessen zwischen uns steht noch aus. Ich bin gespannt was Olivie zu berichten hat«, grinste Greg.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel lächelte und sein Lächeln war etwas schmerzlich. »Das werden wir sehen.« Er küsste Verrill zum Abschied. Ihm fiel auf, dass er eigentlich gekommen war, um eine klare Grenze zu ziehen - stattdessen waren sie inniger verbunden als je zuvor. Und es fühlte sich richtig und gut an. Ciel ging allein den Flur entlang zu seinem Flügel. Aller paar Schritte taumelte er, ehe er um eine Ecke bog und aus Verrills Blickfeld verschwand.

Gregoire Verrill de Souvagne
Verrill schaute seinem Bruder hinterher. Er würde sich nachher erkundigen, dass er auch gut und sicher angekommen war. Er war froh dass er sich ihm anvertraut hatte - völlig anvertraut, sein Geheimnis wie sich selbst.
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Ciel Felicien de Souvagne

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Zerbino

#20

Beitrag von Ciel Felicien de Souvagne » So 29. Apr 2018, 21:07

Ciel Felicien de Souvagne
Beschwingt riss Ciel die Tür auf und betrat sein Wohnzimmer. »Wo ist Zerbino?«, verlangte er zu wissen und knallte die Tür etwas zu schwungvoll zu.

Ferrau
»Herr er ist in meiner Kammer und schläft. Er war sehr geschafft und sagte er würde die Welt nicht mehr verstehen«, erklärte Ferrau und musterte Ciel. »Ihr seht gut aus Herr, erholt«, fügte er an.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ich fühle mich auch gut! Zwischen Verrill und mir ist alles geklärt. Nun muss ich noch einige andere Dinge klarstellen und dann meinem Schwager beichten, dass ich seinen Vater in eine Flasche habe sperren lassen. Ferrau, du wartest hier draußen, ich muss zuerst was mit Zerbino besprechen.« Er klopfte so laut an der Kammer, in der die beiden Diener wohnten, dass Zerbino aufwachen würde und trat ein, ohne auf die Aufforderung zu warten. Hinter sich schloss er die Tür.

Ferrau
Ferrau nickte gehorsam und machte sich in der Wohnung seines Herrn an seine tägliche Arbeit.

Zerbino
Zerbino schreckte hoch, stand auf und verbeugte sich vor seinem neuen Herrn. »Verzeiht, ich habe nicht mit Euch gerechnet. Wie kann ich Euch helfen?«, fragte er höflich.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel betrachtete seinen neuen Leibdiener. Zerbino sah grauenhaft aus, zerknittert und fertig mit der Welt. Etliche Jahre treuer Dienst waren ihm mit einem Rauswurf gedankt worden, den er nur knapp überlebt hatte. »Heute ist der Tag, nach dem ich dich fragte - der Tag, an dem du plantest, ganz normal deinen Dienst zu verrichten. Wie fühlst du dich?«

Zerbino
»Grauenhaft - um es mit einem Wort zu beschreiben Herr. Dies liegt aber nicht an Euch, sondern daran, weil mir niemand sagt was geschehen ist. Ich weiß nicht, weshalb mein Herr mich verbannt hat, warum er mich herausgeworfen hat. Er hätte mir seinen Unmut ruhig sagen können. Versteht mich nicht falsch, er muss es nicht. Aber wie soll man einen Fehler nicht wiederholen, wenn einem niemand etwas sagt?«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Das dachte ich mir schon. Ich will es dir erklären. Mein Bruder hat erfahren, dass du mit Nathan über ihn gesprochen hast. Mein Bruder fürchtete, du würdest womöglich auch andere Dinge breittragen, von denen er nicht will, dass sie publik werden. Kurzum - er wollte dafür sorgen, dass du nie wieder plaudern kannst. Du hast unwahrscheinliches Glück gehabt, dass auch ich im selben Moment auf die Idee gekommen war, dich bestrafen zu lassen, um meinem Bruder zu zeigen, wie man sich fühlt, wenn der eigene Leibdiener von anderen zweckentfremdet und misshandelt wird. Der gute Bellamy hatte nun das Problem, dass er von zwei Prinzen zwei unterschiedliche Befehle zu deiner Person erhalten hat - so erfuhr ich, was für dich angedacht war und ließ dich zu deiner eigenen Sicherheit hier festsetzen. Ich ging zu meinem Bruder, um mit ihm über die Sache zu sprechen und konnte ihn mit Hängen und Würgen davon überzeugen, dich mir zu schenken, anstatt dich verschwinden zu lassen. Er stellte jedoch eine Bedingung - ich muss gewährleisten, dass du über jene Dinge schweigst, um deren Geheimhaltung er sich so dringend sorgt.«

Zerbino
Zerbino nickte kreidebleich. »Herr ich habe Nathan nie etwas von Vertraulichkeit verraten. Ich schwöre es Euch und Eurem Bruder. Ich habe geschworen über etwas Stillschweigen zu bewahren und diesen Schwur habe ich 17 Jahre Herr Siebzehn lange Jahre nicht eine Sekunde lang gebrochen. Wie kann er so etwas nur von mir denken? Es ist wahr, ich habe mit Nathan gesprochen Herr. Aber dieses Thema war dort nicht Gesprächsthema. Die Züchtigung Eures Leibdieners war Gesprächsthema, sonst nichts«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ich glaube dir«, sagte Ciel. »Und selbst falls du diese Informationen an Nathan weitergegeben haben solltest, wäre sie dort sicher. Nathan ist keine Plaudertasche, er versteckt sich und redet am liebsten mit überhaupt niemandem als seinem Herrn und ein oder zwei anderen Personen. Und er ist sehr diskret. Ich gehe aber davon aus, dass du die Wahrheit sagst. Dennoch möchte mein Bruder dich nicht mehr als Leibdiener haben, sei es nun gerechtfertigt oder nicht. Das Ende vom Lied ist, ich habe dich an der Backe, obwohl wir beide uns nicht mögen und eigentlich Ferrau mein Leibdiener ist, was dich theoretisch mehr oder minder überflüssig macht. Was gedenkst du aus dieser Situation zu machen? Hast du mit Ferrau schon dazu sprechen können?«

Zerbino
»Warum könnt Ihr mich nicht ausstehen Herr? Könntet Ihr nicht noch einmal mit Eurem Bruder sprechen, so dass er mir noch eine Chance gibt und mir sagt, was los war? Nimmt er nur wieder an, dass jemand - in dem Fall ich, etwas erzählt hat? Wer hat ihm diesen Unfug denn erzählt? Er könnte Nathan fragen, was ich gesagt habe, er kann meine Unschuld bezeugen! Nun falls Ihr mich ebenfalls nicht haben möchtet Herr, dann werde ich in die Hausdienerschar wechseln. Dort diene ich Euch und Eurer Familie, nur niemandem persönlich. Dies wäre auch möglich«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ja, das nimmt er an. Er hat bereits mit Nathan gesprochen, in meinem Beisein. Nathan bestätigte, was du auch sagst, dass keine brisanten Informationen ausgetauscht wurden und du eigentlich überhaupt nicht reden wolltest. Darüber hinaus weigerte er sich, noch etwas dazu zu sagen. Ich kann dich nicht ausstehen, weil ich dir sehr übelnehme, dass du tatenlos zugeschaut hast, wie mit Ferrau umgegangen wurde. Dass dies ein großes Unrecht war, sollte dir bewusst gewesen sein. Mein Bruder hat kein Recht, Ferrau zu züchtigen oder auch nur zu berühren. Daran hättest du ihn erinnern können, selbst wenn du nicht wagst, körperlich einzuschreiten! Dies auf die Treue zu deinem Herrn zu schieben, ist eine schwache Leistung. Denn eben jener Herr hat deswegen seither gewaltigen Stress mit mir auszustehen. Vermutlich war also vielmehr Feigneit der Grund. Nein, ich gebe dich nicht ab, du gehörst nun mir. Ich habe dein Leben gerettet und nun liegt es in meiner Hand, das ist nur fair, oder? Ich möchte wissen, wie du dich damit zu arrangieren gedenkst.«

Zerbino
»Ich verstehe Herr. Nun dann werde ich für Euch all jene Aufgaben erledigen, die sonst die Dienerschaft erledigt. Kurzum die Arbeiten, ohne persönlichen Kontakt. Ich werde Eure Sachen in die Wäscherei bringen, sie auslüften. Änderungsarbeiten in Auftrag geben, Botengänge erledigen, Schriftstücke erledigen - die Ferrau mir übergeben kann, Eure Wohnung sauber halten. Ich bin Euer Leibdiener ohne Euren Leib zu berühren«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ferrau gab mir zu verstehen, dass er nicht schätzt, wenn andere Diener sich in seine Arbeit einmischen. Er steht dir vor und darf dir Aufgaben übertragen. Du wirst ihn jedoch in vollem Umfang vertreten, wenn er krank ist. So wenig kann ich dich nun auch wieder nicht leiden und mein Bruder versicherte mir, dass du behutsam und umsichtig bist. Wäre das eine Lösung, mit der du Leben könntest? Im Prinzip wärt du eher ein Anhängsel als ein richtiger Leibdiener, der mit seinem Herrn eine enge Symbiose eingeht. Wie würdest du dich mit einer solchen Umgewöhnung fühlen? Beantworte diese Frage ehrlich und ausführlich.«

Zerbino
»Herr das kann ich noch nicht sagen, da ich noch nie in so einer Situation war, aber ich kann es abschätzen. Ich schätze mich glücklich und bin froh, dass Ihr mein Leben gerettet habt. Ob Ihr mich leiden könnt, scheint Euch gleich zu sein. Ihr seid gerecht zu mir. Folglich werde ich Euch dienen so gut ich kann. Und möglicherweise ändert Ihr irgendwann doch noch Eure Meinung über mich, auch wenn ich mich an dem Tag feige verhalten habe. Es mag feige sein zuzuschauen, aber niemand stellt sich einem wütenden Mann mit einem glühenden Schürhaken entgegen. Niemand - außer Ihr. Ich werde meine Arbeit gut verrichten und ich werde mich so gut es geht einfügen. Ich werde weder Euch noch Ferrau zur Last fallen. Immerhin habt Ihr mich aufgenommen, wo mich sonst der Block erwartet hätte. Zuerst fühle ich also Dankbarkeit Euch und Eurer Gnade gegenüber. Ich werde dennoch meinen alten Herrn und die Arbeit dort vermissen. Siebzehn Jahre kann ich nicht von heute auf Morgen vergessen. Aber ich kann mich umstellen und manchmal, muss man dies. Man kann sich nicht immer alles im Leben aussuchen Herr. Aber man kann versuchen das Beste daraus zu machen und das werde ich. Das verspreche ich Euch«.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel nickte und blickte etwas freundlicher drein. »Ich möchte dir ein Angebot machen. Ein guter Freund von mir braucht Hilfe von jemandem wie dir. Indem du ihm hilfst, würdest du deine Mitschuld an der Misshandlung von Ferrau sühnen. Die Arbeit wäre hart, aber von meiner Seite aus wäre deine Schuld damit vollumfänglich beglichen. Wäre das etwas, an dem du prinzipiell Interesse hast?«

Zerbino
»Das klingt nach einer guten Möglichkeit mich zu beweisen. Was soll ich denn für den Mann tun?«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Der Mann ist Marquis Alexandre de la Grange. Man sieht ihn nur selten im Palast, doch jeder kennt ihn. Ich bin mir sicher, dass auch du weißt, von wem ich spreche. Dass er die Hilfe eines guten Leibdieners bräuchte, ist offensichtlich, auch wenn er selbst es bestreitet. Er ist verwahrlost und charakterlich schwierig. Würdest du dir zutrauen, dich um ihn zu kümmern, wenn dein Dienst hier es erlaubt?«

Zerbino
»Ich antworte offen, schwieriger als Euer Bruder kann er nicht sein, vermute ich. Er ist eine gute und liebe Person, aber manchmal etwas eigen. Ich werde mich gut um den Marquis kümmern, ich versichere es Euch«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Der Marquis liegt mir sehr am Herzen. Wenn er einen Leibdiener hätte, dem er und ich vertrauen kann, würde mir das viel bedeuten. Es hat einen Grund, warum ich ausgerechnet dich darum bitte. Alexandre hat eine Besonderheit des Urogenitaltraktes. Du bist dergleichen gewohnt, du hast keine Berührungsängste deswegen. Und ich vertraue deiner Versicherung, dass du über Verrill bis zum heutigen Tag geschwiegen hast und dies auch bei Alexandre tun würdest. Der Marquis hat sonst keine Diener, keinen einzigen. Das wäre für dich eine Möglichkeit, einen Herrn zu haben, für den du allein verantwortlich bist und der sich auf niemand anderen als dich verlässt. Du wärst weitaus mehr als nur das Anhängsel von mir und Ferrau - du wärst für Alexandre die wichtigste Person.«

Zerbino
»Ich werde mich sehr gut um den Marquis kümmern, auf den Rest kann ich Ihnen nicht antworten Herr, ich schweige auch nachdem ich meinen Herrn verloren habe. Mein Schwur ist bindend. Wenn Euch Euer Bruder etwas zu sagen hat, dann sagt er es Euch. Ich habe keine Berührungsängste was den Marquis angeht. Er wird bei mir in guten und sicheren Händen sein. Was immer sein Schicksal war, ich werde darüber kein Wort verlieren«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Es ist nicht nötig, mit mir über Verrill zu sprechen, wenn ich etwas wissen möchte, frage ich die betreffende Person selbst. So wie ich dich gerade ausquetsche. Daran wirst du dich gewöhnen müssen, ich werde künftig noch weitere Fragen an dich stellen. Du wirst in meinem Besitz verbleiben und nicht in den des Marquis übergehen, dies zu deiner Information. Für den weiteren Tagesverlauf bestehen nun zwei Möglichkeiten und beide sind mir Recht. Zum einen habe ich noch etwas mit meinem Schwager zu besprechen. Wenn du dich noch etwas ausruhen möchtest, begebe ich mich ersteinmal zu diesem. Ich könnte aber auch ersteinmal Alexandre herholen, damit ihr beide euch kennenlernt und gehe danach zu Linhard. Das hängt von deiner Verfassung ab, ich möchte dich nicht völlig übermüdet mit jemandem konfrontieren, für den du volle Konzentration benötigst. Wie ist es dir lieber?«

Zerbino
»Wenn ich dürfte Herr, würde ich gerne noch eine Stunde schlafen und mich dann auf den Marquis vorbereiten. Dürfte ich Euch vorher über ihn ausfragen?«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Du kannst mich gern zu ihm befragen - oder aber unvoreingenommen auf ihn zugehen und ihn für sich selbst sprechen lassen. Überleg dir das in Ruhe. Leg dich noch ein Weilchen hin, du hast für heute keine Verpflichtungen. Ruh dich einfach aus. Ferrau wird heut Nacht auf dem Sofa schlafen, also mach dir keine Sorgen, wo du bleiben sollst, wenn er sich ausruhen möchte.«

Zerbino
»Vielen Dank Herr«, sagte Zerbino und verneigte sich vor Ciel.

Ferrau

Ciel ließ Zerbino wieder allein und schloss behutsam die Tür. »So, die Aufgabenteilung zwischen euch wurde besprochen, Ferrau.«

Ferrau
Ferrau eilte zurück zu seinem Herrn. »Habe ich etwas neues zu beachten?«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ja. Du hast nun einen Kollegen an Zerbino. Er bleibt als Leibdiener in meinem Besitz und ihr teilt euch in die Aufgaben rein.«

Ferrau
Ferrau nickte zustimmend. »Aber ich bin Euer erster Leibdiener oder?«, hakte er nach.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel musterte ihn. »Keine Widerworte?«

Ferrau
Ferrau schüttelte den Kopf.

Ciel Felicien de Souvagne
»Hatten wir nicht vereinbart, dass wir offen miteinander sprechen, wenn wir unter uns sind?«

Ferrau
Ferrau nickte zustimmend. »Das hatten wir Herr, was möchtet Ihr mir anvertrauen?«, grinste Ferrau.

Ciel Felicien de Souvagne
»So einiges, aber nicht jetzt. Ich dachte, ich kann dir eine Freude machen, indem ich dir mitteile, dass Zerbino zwar als Leibdiener in meinem Besitz bleibt, dir jedoch nicht ins Handwerk pfuschen wird. Du bist allein für meinen Leib zuständig, er übernimmt dies nur dann, wenn du krank bist. Er konzentriert sich auf andere Arbeiten und du bist ihm gegenüber befugt, Arbeitsanweisungen zu erteilen. Du bist mein erster Diener und er hat sich dir zu fügen. Des weiteren wirst du auf meinem Sofa schlafen und er in deinem Bett.«

Ferrau
»Ja Herr und wo erwartet Ihr denn da Widerworte? Es ist doch alles gut. Für uns drei ist alles gut Herr, für Euch, mich und für den alten Zerbino«, freute sich Ferrau.

Ciel Felicien de Souvagne
»Nun ich dachte, wenn ich dir zuerst allgemein mitteile, dass ihr euch in die Arbeit reinteilen werdet, würdest du protetieren. Aber offenbar betrifft deine Eifersucht nur Nathan«, überlegte Ciel.

Ferrau
»So ist es. Ihr könnt Zerbino nicht ausstehen und das sagt mir alles, wir bleiben ein Team, ein Duo gleichgültig was er hier arbeitet. Er wird sich nicht zwischen uns drängen Herr«, stimmte Ferrau Ciel zu.

Ciel Felicien de Souvagne
»Dann habe ich soeben wieder etwas über dich gelernt. Gut. Zu deiner Information, Zerbino wird sich außer um mich auch um meinen Freund Alexandre kümmern. Das teile ich dir mit, damit du dich nicht wunderst. Ich habe nun noch ein Gespräch mit meinem Schwager. Ich werde allein gehen. Zerbino schläft, lass ihm seine Ruhe und such dir hier draußen etwas zu tun.«

Ferrau
»Ihr wisst doch wie ich zu Euch stehe Herr, ich habe es Euch doch bereits verraten. Ich werde mich wieder meiner Arbeit widmen. Ich werde Zerbino in Ruhe schlafen lassen«, sagte Ferrau freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
»Du verrätst alles und nichts, Ferrau. Du hattest mir gesagt, dass du mich mögen würdest. Mich mag auch ein Botenjunge, dessen Namen ich nicht einmal kenne, dem ich aber ein Trinkgeld zustecke. Wie dem auch sei. Ich freue mich, dass du mit der Vereinbarung gut leben kannst.«

Ferrau
Ferrau grinste Ciel an. »Der mag Euch sicher nicht so sehr wie ich. Da könnt Ihr sicher sein. Ja das kann ich und ich freue mich, dass Ihr so über uns beide nachgedacht habt Herr«, freute sich Ferrau aufrichtig.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel erwiderte das Grinsen mit einem kaum wahrnehmbaren Lächeln. Dann ging er.
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