Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Die Altlasten der Agenten der Autarkie

Souvagne ist politisch neutral und hat sich als einziges Großherzogtum nicht am Feldzug gegen das Chaos beteiligt. Die Souvagner sind bekannt für ihre Sturheit, vor allem aber für die Mauer, die ihr Land umschließt.
Großherzogtum Souvagne
Das almanische Großherzogtum Souvagne ist geprägt von sanfte Hügeln, auf denen Weinbau betrieben wird, fruchtbaren Feldern und weiten Obstplantagen. Souvagne hält sich aus Kriegen größtenteils heraus und hat sich als einziges Großherzogtum nicht am Feldzug gegen das Chaos beteiligt. Stattdessen setzt Duc Maximilien Rivenet de Souvagne auf politische Neutralität. Von allen Herrschern ist er der Gemäßigtste. Die Grenzen Souvagnes wurden inzwischen größtenteils durch eine Wallanlage gesichert. Nur erlesenen Personen ist die Einreise nach strengen Kriterien noch gestattet.
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Ciel Felicien de Souvagne

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Die Altlasten der Agenten der Autarkie

#1

Beitrag von Ciel Felicien de Souvagne » Fr 24. Aug 2018, 01:50

<< Reederei Chevrette

Ciel Felicien de Souvagne
»Vater?«, fragte Ciel, nachdem die Tür verschlossen wurde und sie unter sich waren.

Maximilien Rivenet de Souvagne
Maximilien deutete Ciel an, sich hinzusetzen. »Setz Dich Ciel, ich benötige Deinen Rat. Die Bitte des Chevalier de Mancini ist ein Pulverfass. Dir ist die Geschichte der Agenten der Autarkie bekannt? Sie planten einen Staatsstreich, ihre Macht reichte ihnen nicht aus, dabei hatten sie bereits dermaßen weitreichende Befugnisse, wie niemals ein Bund zuvor. Und genau das, ließ sie vermutlich einem Höhenkoller unterliegen. Letztendlich wurde der Staatsstreich, sprich der Verrat in Spee von den Himmelsaugen aufgedeckt, niedergeschlagen und die Agenten bis auf den letzten Mann vernichtet. Auf Verrat gibt es nur eine Antwort - Tod. Aber wir, sprich der damalige Duc, wie auch die Himmelsaugen sind nicht ohne Gnade. Die meisten Agenten hatten Familien. Vor ihrer vollständigen Vernichtung baten die Redelsführer um die Verschonung ihrer Kinder. Die Himmelsaugen kamen dem Wunsch nach. Die Agenten wurden ausgelöscht bis auf den letzten Mann Ciel. Ihren Kindern jedoch raubte man die Erinnerung, damit diese ein freies, neues, unbeschwertes Leben führen können. Dennoch stehen diese Kinder unter Beobachtung. Nicht alle unsere Entscheidungen sind bewusste Entscheidungen Ciel. Vieles ist uralt, man spricht auch von vererbbaren Erinnerungen. Und auch der Körper hat eine eigene Form der Erinnerung. Siehe dass ich Dich fast unbewusst auf die Stirn küsse, um Dir zu zeigen dass ich Dich liebe. Das tue ich bewusst, aber ich tue es auch völlig automatisch, da mein Körper es so möchte. Sohn zeigen, das man ihn gerne hat. Hier haben wir nun eine problematische Konstellation - Boldiszar Boucher ist der Sohn von Berzan Bovier, einem der Redelsführer der Agenten der Autarkie. Ebenso ist Bellamy einer seiner Söhne. Boldizar und Bellamy sind Brüder Ciel. Silvano de Mancini ist in Wahrheit der Sohn von Agent Mercer Desnoyer, dem anderen Redelsführer. Berzan und Mercer damals und heute Boldizar und Silvano? Du verstehst nun warum ich Silvano de Mancini Boldizar nicht einfach aushändigen kann? Wissen sie wer und was sie sind? Oder mehr noch, planen sie etwas im Hintergrund? Oder ist dies sein sehr verdächtiger Zufall? Was steckt dahinter?«, grübelte Max.

Ciel Felicien de Souvagne
»Von den Agenten wusste ich bisher nichts, nein. Ich nehme an, dass es eine vollständige Säuberung gab und ihre Existenz bewusst vergessen werden sollte. Dieser ... Zufall ist in der Tat verdächtig. War die Löschung des Gedächtnisses nicht vollständig? Es ist bekannt, dass manche Erinnerungen, besonders wenn sie traumatischer Natur sind, mitunter wiederkehren. Keine Gedächtnislöschung ist wirklich perfekt. Dass Boldiszàr und Bellamy Brüder sind, überrascht mich nicht. Sie sehen sich so ähnlich und verstehen sich sehr gut. Fast hat man Mitleid, dass sie nichts davon wissen, aber es ist besser so. Was machen wir nun bezüglich Chevalier de Mancini?«

Maximilien Rivenet de Souvagne
»Genau dass ist die Frage Ciel! Die Agenten der Autarkie waren ausschließlich dem Duc Rechenschaft schuldig. Damit standen sie über jeder sonstigen Exekutive innerhalb des Landes.
Zu einem Agenten der Autarkie wurden nur die fähigsten Kämpfer erhoben. Zudem gab es keine tatsächliche Ausbildung zu einem Agenten, denn die Agenten wurden aufgrund ihrer Befähigung oder besonderen Leistung im Büttel- oder Militärdienst auserwählt. Die Agenten waren Elitesoldaten, die zur Wahrung von Frieden und Stabilität innerhalb Souvagnes mit allen Rechten und Freiheiten ausgestattet waren. Sie arbeiteten allein oder in Gruppen von zwei bis drei Personen. Ihr einziges Ziel war es, den Frieden und die Freiheit Souvagnes mit allen Mitteln zu schützen. Einige von ihnen waren engagierte Kämpfer, andere versuchten Konflikte mit Diplomatie zu lösen. Wiederum andere waren gnadenlose Schlächter, die zur Problemlösung jedes störende Individuum skrupellos beseitigten. Der Einsatz eines Agent war bei Streitigkeiten zwischen Hochadligen wesentlich einfacher, als eine eventuell notwendige Militäraktion. Jedoch wies ihr Einsatz stets auf ein ernstes Problem hin. Da sie außerhalb des Rechtssystems standen und weder den Lehnsherren, noch dem Militär unterstellt waren, waren sie von den meisten rechtlichen Konsequenzen komplett ausgeschlossen. Diese Straffreiheit war besonders den Adligen ein Dorn im Auge. Vor allem da die Agenten zum Schutz der Krone wie auch zum Schutze Souvagnes auf jeder Scholle läutern, sprich töten durften, ohne dem Adelsstand anzugehören. Einst waren die Agenten eine angesehene Organisation, welche von vielen Bürger zeitgleich verehrt wie auch gefürchtet wurde. Als Duc Alain Etienne de Souvagne die Rechte der Agenten der Autarkie beschneiden und anpassen wollte, planten diese einen Staatsstreich. Verhindert wurde dieser durch die Himmelsaugen am 01.11.168. An diesem folgenschweren Tag wurden alle Agenten der Autarkie entweder von den Himmelsaugen persönlich gerichtet, oder landeten am gleichen Tag noch auf dem Richtblock. Keinem Agenten war es möglich, sich dem Zugriff der Geistmagier des Ordens der Himmelsaugen zu entziehen. Die beiden Köpfe des Verrates waren Agent Berzan Bovier und Agent Mercer Desnoyer. Sie kämpften Seite an Seite, fast wäre ich geneigt zu sagen wie es sich für Souvagner gehört, nur leider kämpften sie für den Verrat. Du weißt wie effektiv Boldi und Bellamy sind und wie knallhart. Ebenso hart ist Silvano auf hoher See. Sie sind die Söhne ihrer Väter, nur auf den guten Pfad gelenkt, geläutert durch Unwissenheit wenn Du so möchtest. Aber besteht diese Unwissenheit noch? Oder schwelt unterschwellig schon Verrat durch? Das Bellamy, Boldiszar und Silvano unter der Oberfläche Schlächter und Sadisten sind, ist mir bekannt. Jeder Mann in so einer Position muss dazu in der Lage sein, knallhart zu handeln und so eine Handlung selbst durchzuführen. Ein Schwert im Guten zu führen, aber als tödliche Waffe. Sind Boldiszar und Silvano noch unsere Waffen? Und wie kamen die beiden zusammen? Ich könnte den Chevalier sogar bestrafen lassen. Er hat sich nicht mit meinem Eigentum einzulassen«, warf Max ein.

Ciel Felicien de Souvagne
»Haben die beiden sich überhaupt schon miteinander eingelassen? Er sagte nur, dass sie einander zugetan sind. Wenn man vom bestmöglichen Fall ausgeht, sind die beiden sich einfach nur sympathisch aufgrund ihrer ähnlichen Art, die Dinge zu sehen und de Mancini wünscht darum, Boldiszàr zu erwerben. Im ungünstigsten Fall wissen die beiden, wer sie sind und, schlimmer, wer ihre Väter waren und was mit ihnen geschah. Was wiegt in dem Fall schwerer, ein Verdacht oder die Unschuldsvermutung?«

Maximilien Rivenet de Souvagne
Maximilien umarmte seinen Sohn und schüttelte leicht den Kopf. »Ciel Du bist ein ausgezeichneter Stratege, ein kluger Kopf, aber für menschliche Regungen bist Du leider blind. Pass auf, Du musst lernen genauer zuzuhören. Der Kapitän hat sich selbst verraten. Er sagte folgendes. ...Ich habe der Welt keine geheimen Botschaften in Sachen Getändel mitzuteilen. Das kleine, leise und heimliche Spiel der Koketterie ist nicht das meine. Es mag Personen meines Berufes und Standes geben, die in jedem Hafen eine andere Gespielin oder einen Gespielen ihr Eigen nennen, ich gehöre nicht dazu. In Herzensangelegenheiten bin ich ein Mann der offenen Worte.Deshalb hat ein Mouche auf meinem Gesicht nichts verloren. Ich bin ein glücklich vergebener und treuer Mann. Ich trage die gleichen Eigenschaften im Herzen wie die Choucas, die Dohle. Ich liebe die Geselligkeit, das Zusammengehörigkeitsgefühl mit Schiff und Mannschaft, aber eine Partnerschaft ist für mich eine monogame Angelegenheit. Am besten ewigwährend wie die See. Es gibt von meiner Seite aus also keinen Mitteilungsbedarf, nicht einmal ein ablehnender Mouche. Treue trägt man im Herzen, sonst nirgendwo Marquis.... ERGO er ist vergeben und hat einen festen Partner. Nun stelle Dir einmal vor Deine Vermutung stimmt. Zwischen ihm und seinem Mann würde der Abgrund losbrechen, wenn er sich einen Leibeigenen wie Boldiszar zulegt. Da würde jeder die Alarmglocken läuten hören. Er sagte er ist ihm zugetan, dass heißt Zuneigung. Sie sind verliebt oder lieben sich. Das ist der springende Punkt. Das heißt dann um auf Deine Frage zurückzukommen, es reicht aus, wenn einer von beiden weiß wer sie sind und einen Verrat plant, denn der andere wird mitziehen. Noch wiegt nichts Ciel. Ich muss in anderen Bahnen denken. Sollten sie einen Putsch oder einen Anschlag planen, werde ich sie hinrichten lassen. Wenn ich zwei Leute hinrichten muss um meine Familie zu schützen, werden sie sterben. Aber es könnte auch alles ein total verrückter Zufall sein. Manche Dinge sind so verrückt, das kann nur Zufall sein. Aber Spekulation nützt uns allen nichts, deshalb sollten sie überprüft und ausgelesen werden. Wir haben dahingehend etwas Luft, da Boldiszar gemeinsam mit unserem neuen Palaisin und Jules abgereist ist. Heißt wäre er der planende Kopf, hat er gleich seine Wächter und gegebenenfalls seine Henker im Schlepptau. Am einfachsten sieht man was Sache ist, wären die beiden beieinander, aber darin liegt auch die größte Gefahr. Wie würdest Du vorgehen? Ich vermute ehr Boldiszar als den führenden Part in ihrer Beziehung. Siehe Bellamy, er ist ebenso wie sein Bruder ein Macher. Im liegt es im Blut zu planen und zu organisieren und er steht seinen Leuten bei«, erklärte Max.

Ciel Felicien de Souvagne
»Vielleicht sind sie nur befreundet, das wäre mein Gedanke gewesen. Boldiszàr ist niemand, den ich mir als einen Partner vorstellen könnte oder als liebenswert ... den Chevalier schon eher. Aber er und Boldiszàr? Das passt doch überhaupt nicht. Vielleicht ist der Grund nur vorgeschoben. Linhard und ich werden bald abreisen in Richtung Gewitterfeste. Dort treffen wir uns mit Massimo, Jules und Unitè B unter der Führung von Boldiszàr. Soll ich irgendetwas tun, ihn von Jules auslesen lassen oder ihn vorerst beobachten? Und wie wirst du Chevalier de Mancini antworten? Er sollte vielleicht keinen Verdacht schöpfen - oder aber, im Gegenteil, wir ködern ihn und sprechen eine verschlüsselte Warnung aus. So könnten wir herausfinden, ob er oder sie beide Bescheid wissen, was ihre Väter betrifft. Ich kenne de Mancini nicht, aber wenn er eine Flotte führt, könnte auch er der treibende Part sein.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
»Er ist einer unserer Kriegsschiff Kapitäne und könnte auch eine Armada leiten, dass steht außer Frage. Aber soweit ich gehört habe ist er ein zweischneidiges Schwert. Privat ein Pantoffelheld, dienstlich ein Schlächter. Wobei er natürlich einen möglichen Verrat als Dienst sehen könnte und nichts als Freizeitbeschäftigung. Ciel... stille Wasser sind tief um einmal bei dem Kapitän zu bleiben. Meinst Du nur weil Boldi das Aussehen eines schroffen Felsens hat, kann sich darunter keine Glut befinden? Er wirkt nach außen hin unnahbar, kalt, eisern, aber das ist sein Beruf. Ich bin privat auch nicht der Duc, der auf dem Thron sitzt und überweltlich fürs weltliche entscheiden muss. Ebenso ergeht es Boldiszar. Er ist knallhart, weil er es sein muss. Seine Feinde sind hart, also ist er härter wie sein Bruder. Und gerade solche Personen können mit einer Inbrunst und Intensität lieben, die an Selbstaufgabe grenzt. Lass Dich da nicht täuschen. So einen Fall hatten wir noch nie, ich bin das erste Mal unschlüssig, weil von jeder möglichen Entscheidung gleich wieder hundert weitere Möglichkeiten abzweigen. Vorwarnen würde ich ihn nicht. Falls er nichts weiß, schnüffelt er vielleicht aufgrund der seltsamen Warnung herum. Ich werde einfach nicht auf Boldi verzichten können. Er kann ihn eventuell später erwerben. Ich überlege mir dies. Er versichert mit das Boldi wie immer arbeitet? Schön. Ich möchte das von Boldi selbst hören«, gab Max zurück.

Ciel Felicien de Souvagne
»Zugegeben, ich hatte mit Boldiszàr privat noch nichts zu tun. Mit Bellamy, also seinem Bruder, schon. Er ist als Freund zuverlässig und bisweilen überraschend einfühlsam - aber was Partnerschaften angeht, hat er eine sehr eindeutige Meinung. Eine, die dazu führt, dass jeder Interessent die Beine in die Hand nehmen würde, wüsste er davon. Der Chevalier de Mancini macht einen völlig anderen Eindruck. Umso mehr finde ich, dass du mit deinem Verdacht recht hast. Er und Boldiszàr passen eigentlich nicht zusammen, es riecht eher nach einem Vorwand. Gut, ich werde mich auf das Beobachten beschränken. Aber wohl ist mir nicht dabei ... er hat Unitè B unter seinem Kommando, die schon oft genug negativ aufgefallen ist. Und Robere Moreau, einer von ihnen, ist mit dem Schwerverbrecher Archibald von Dornburg durchgebrannt! Samt meinem Nathan!« Ciel wurde immer lauter und nervöser.

Maximilien Rivenet de Souvagne
Maximilien drückte Ciel beruhigend. »Dein Einwand ist absolut berechtigt, wer sagt uns denn nicht, dass die Unite B genau das Abbild von Boldi ist? Wir vermuten Archibald als Kopf. Aber stell Dir vor, Boldi war so clever sich den Kaptiän zu angeln, sich Archibald unter den Nagel zu reißen und Robere ist vor Ort sein Handlanger. Er hat von diesem Ältesten gehört, er hat die besten Kontakte. Folglich wird er ihn ebenso in sein Team aufnehmen. Stell Dir dann seine Truppe vor, mit den Menschenfressern, mit diesem Ur-Lich, mit dem Kapitän und seiner Unite und vielleicht seinem Bruder, dass ist eine Bedrohung!«, warnte Max.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel wurde schlecht. Er musste sich sammeln. »Papa, nimm es mir nicht übel ... aber ich werde die Zusammenkunft im Thronsaal verlassen, sobald wir beide hier alles besprochen haben. Ich setze mich nicht wieder dazu. Noch heute reise ich Unitè B mit Linhard hinterher. Boldiszàr wird, noch bevor er die Beißer erreicht, einen Unfall erleiden.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
»Nein das wird er nicht Ciel, das war nur eine von vielen Möglichkeiten. Denn es gibt auch jene, dass Archibald sich über andere an die Leute heranwanzt. Über Nathan an den Hof. Über Robere an Boldi und seine Truppe. Über Boldi später an dem Kapitän. Und wer lenkt Archibald? Der Älteste. Du siehst, man kann es blitzschnell umdrehen. Das sind die tausend Möglichkeiten die mich meine. Wenn Boldi ein guter treuer Mann ist, steht er unter meinem Schutz wie ich sonst unter seinem Ciel. Wir wissen nicht, wer hier die Natter im Nest ist, dass ist gerade unser Problem. Und gibt es überhaupt eine Natter im Nest? Falls nicht, haben wir die Feinde nur außerhalb und sie vom Nest abzuwehren. Diesen Ältesten, Archibald und seine Menschenfresserbrut. Und wer könnte das besser, als die Leibgarde und unsere Streiter? Das ist meine Zwickmühle. Du musst Boldi beobachten und schauen auf wessen Seite er steht. Steht er auf unserer? Ich hoffe es, denn er reiste mit dem Palaisin und Jules. Aber hoffen ist nicht wissen und damals hoffte auch ein anderer Duc mit den Agenten der Autarkie ein machtvolles Instrument in Händen zu halten, dass den Frieden sichert. Letztendlich ist es sogar möglich, dass der Älteste und Archibald die Feinde sind und Boldi und Silvano sind einfach nur zwei Personen die sich per purem Zufall kennen und lieben lernten und sich so lieben wie Du Ferrau. Das wäre die schönste aller Möglichkeiten. Der Älteste wird sterben, er hat Dich angegriffen und schwerst verwundet. Er muss sterben, etwas anderes akzeptiere ich nicht. Aber Robere, Nathan, Boldi, Bellamy oder Silvano stehen auf einem anderen Blatt«.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel dachte nach. Ihm gefiel nicht, wie sein Vater die Dinge sah. Er hatte Angst um ihn. Fieberhaft suchte er nach einer Möglichkeit, ihre beiden Vorstellungen, wie nun zu verfahren sei, unter einen Hut zu bekommen. »Papa, ich habe noch eine andere Idee«, sagte er schließlich. »Wir konfrontieren die beiden mit ihrer Herkunft. Silvano und Boldiszàr. Wir sagen ihnen: ›Wir wissen, wer eure Väter waren und was sie getan haben. Und ihr wisst, warum ihr als Waisen aufwachsen musstet.‹ Dann wissen sie, dass wir Bescheid wissen und doppelt so genau hinsehen. Sie werden sich gut überlegen, ob sie etwas planen, wenn sie wissen, wir sind gewarnt.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
»Das ist richtig, ein guter Gedanke. Was ist, wenn sie selbst ihre Herkunft nicht kennen? Würdest Du sie ihnen offenbaren als ultimativer Treuetest uns gegenüber?«, fragte Max offen.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel dachte nach. »Offen gestanden - ja. Schon aus purer Neugier heraus. Und wir umgehen damit das Problem, dass wir nicht wissen, von welchem Standpunkt sie ausgehen. Sind sie unwissend oder sinnen sie auf Rache für ihre Väter? Gut wäre, sie würden akzeptieren, dass ihre Väter Hochverräter waren und ihre Strafe verdienten - und dass ihre Existenz ein Zeichen unserer Gnade ist und der Dankbarkeit für die Dienste der Agenten, bevor die Gier sie übermannte.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
»Du möchtest sie an ihrer persönlichen Ehre und Dankbarkeit packen. Das gefällt mir, sie sollen ihren eigenen Mann stehen. Tun sie dass, müssen wir ihnen aber auch im Umkehrschluss ihre Partnerschaft gönnen. Sollte dem so sein, dass sie Treue und Loyalität wahren, wird Silvano Boldi nicht kaufen müssen. Sollten sie sich als Feinde herausstellen, ebensowenig aber aus einem anderen Grund. Du bist ein kluger Kopf. Raffinesse mit der Wahrheit als Waffe touche´Ciel«, schmunzelte Max anerkennend.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel nickte dankbar. Er freute sich sehr über das Lob. Dann stand er auf. »Ich werde sogleich damit beginnen, wenn du erlaubst. Mit Bellamy.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
»Natürlich erlaube ich es. Wie handhaben wir es mit den beiden? Gemeinsame Aufklärung?«, hakte Max nach.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ich werde Bellamy, je nachdem, wie er reagiert, mitnehmen - ich vermute, er wird es Boldiszàr nicht lange verheimlichen können. Aber Silvano und Bellamy sind vor Ort. Ich Belly und du Silvano? Ich würde es Bellamy gern persönlich mitteilen.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
»Nun Du wirst es Bellamy mitteilen und ihr gemeinsam Boldi. Wäre es nicht angebracht wenn Ihr drei es dann Silvano erzählt? Sozusagen weitertragt unter Deiner Aufsicht? So hört er es bestenfalls von zwei Personen die sein Schicksal teilen und hoffentlich wohlgesonnen sind«, schlug Max vor.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel nickte. »Mein Gedanke war, dass man so etwas Persönliches am Besten unter vier Augen bespricht. Eine emotionale Reaktion vor so vielen Zeugen? Aber wenn das dien Wunsch ist, dann werde ich es auf diesem Wege handhaben.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
»Rede keinen Unsinn Ciel, wir beide diskutieren, ich habe keinen Befehl erteilt. Wir sind immer noch privat Vater und Sohn die sich beraten. Du musst sowas genauso lernen wie ich es damals musste. Und umzudenken oder in anderen Bahnen zu denken, gedanklich nie starr zu verharren, lerne ich heute immer noch. Es ist ein ewiger Prozess, mein Bruder beherrschte ihn so. Ich verlasse mich gerne auf starre, feste, Sicherheit versprechende Dinge - ich sage nur Mauer. Gut, dann informierst Du Bellamy, er Boldi und Boldi Silvano? Wer überwacht die Gespräche? Die Himmelsaugen würde ich sagen, Jules und Parcival«, schlug Max vor.

Ciel Felicien de Souvagne
»Jules und Parcival«, bestätigte Ciel. »Ich werde Bellamy informieren. Er Boldiszàr, das wird sich ohnehin nicht vermeiden lassen und dieser kann es dem Chevalier de Mancini mitteilen. Darf ich gehen? Ich würde Bellamy sehr gern nun die Überraschung bereiten um zu sehen, wie er reagiert.«

Maximilien Rivenet de Souvagne
»Ja natürlich darfst Du dass, danke für die Beratung. Sprich mit Bellamy, ich weiß wie neugierig Du auf solche Reaktionen bist. Es sei Dir gegönnt, rede mit ihm. Sobald Boldiszar zurück ist, soll er mit ihm sprechen. Oder vor Ort, wenn Du mit Lin und Bellamy nachreist«, sagte Max und küsste Ciel auf die Stirn.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel erwiderte den Kuss auf die Stirn bei seinem Vater. »Ich danke dir auch für dein Vertrauen. Hab dich lieb, Papa. Bitte informiere Parcival, auf Bellamy zu achten, wenn ich mit ihm spreche.« Ciel verließ die Amtsstube und begab sich zu seinem Palaisin.

Maximilien Rivenet de Souvagne
Maximilien stellte sich vor Arlette und musterte den Vogel. Als sie ihm die volle Aufmerksamkeit schenkte, erläuerte er dem Verstand hinter dem des Vogels, dass dieser seinen Sohn Ciel zu behüten hatte. Die Antwort kam prompt mit einem Vogel untypischen Kopfnicken.
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Re: Die Altlasten der Agenten der Autarkie

#2

Beitrag von Ciel Felicien de Souvagne » Fr 24. Aug 2018, 01:56

Ciel Felicien de Souvagne
»Bellamy, auf ein Wort in meine Gemächer«, sagte Ciel freundlich.

Bellamy Bourgeois
Bellamy folgte seinem Herrn in dessen Gemächer. Was los war, wusste er nicht genau, aber er vermutete es ging um den Einsatz, den sein Herr mit Linhard geleistet hatte. »Hier bin ich«, sagte er freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
»Setzen Sie sich bitte«, sagte Ciel und setzte sich auch. Er betrachtete genau Bellamys Gesicht. Momentan konnte man nicht wirklich etwas darin lesen, nicht einmal Ciel, der gut darin war, Leute einzuschätzen, so lange es nicht um Beziehungsdinge ging. »Was würden Sie sagen, wenn ich Ihre Treue auf eine Probe stellen würde?«, begann er, wohlwissend, dass diese Worte einen provokanten Unterton mitklingen ließen, auch wenn er noch so freundlich dreinschaute. Sie klangen nach Zweifel und genau den enthielten sie schließlich auch. »Gäbe es eine Prüfung, welche Ihre Treue erschüttern könnte?«

Bellamy Bourgeois
Bellamy musterte Ciel ernst. »Herr was immer irgendwer Euch erzählt haben mag, ich habe Euch mein Wort gegeben und es gehalten. Ich weiß, dass Ihr mich gerettet habt und Ainuwar weiß, wo ich heute ohne Euch wäre. Stellt mich auf die Probe, wenn Ihr das für nötig haltet, aber ich habe Euch nicht hintergangen«, erklärte Bellamy mit felsenfester Überzeugung.

Ciel Felicien de Souvagne
»Keine Sorge. Ich weiß Ihre Dienste im Gegenteil sehr zu schätzen. Darum möchte ich Ihnen ein Geschenk machen. Es ist jedoch eines, das Geschenk und Bürde zugleich sein wird. Aber ich finde, Sie haben es sich verdient. Es ist ein Zeichen meines Vertrauens. Jedoch wird es für Sie auch eine Prüfung sein und ihren Willen womöglich sehr strapazieren. Möchten Sie es dennoch haben? Es betrifft Ihre Herkunft.«

Bellamy Bourgeois
Bellamy versuchte nun seinerseits in Ciels Gesicht zu lesen, aber er las dort nichts als Offenheit. Warum sollte ihn dieser Mann retten um ihn dann zu vernichten? Ein Wort genügte und er wäre einen Kopf kürzer. Zudem standen sie sich auch auf andere Art näher, hatten sich einander anvertraut. Das Gespräch nahm eine ganz andere Wendung, als Bellamy befürchtet hatte. Er lehnte sich etwas zurück und nickte dann langsam. »Ja ich möchte das Geschenk haben, ich möchte meine Wurzeln kennen, es ist wie ein blinder Fleck in meiner Erinnerung. Wer gab mich ab und warum? Diese Frage stellt man sich zwangsläufig als Kind und wenn man ehrlich ist, als Erwachsener auch noch oft genug. Lag es möglicherweise an einem selbst? War man zu laut? Zu unbequem? War die Mutter zu arm, der Vater zu betrunken? Oder starben sie sogar, durch einen Unfall? Habe ich andere Verwandte? Aber das kann nicht sein, dann wäre ich bei ihnen gelandet. Oder doch nicht? Wollten diese mich auch nicht? Oder gibt es einfach keine und ich hatte nur eine Mutter, die froh war, wenn das Essen für sie alleine reichte. Eine heimlich geschwängerte Magd, die froh war den Bastard loszuwerden, wenn es mit einem anderen gezeugt war und der Lehnsherr nichts davon wusste. Fragen die noch mehr Fragen aufwerfen und niemals eine Antwort liefern. Ja ich möchte wissen wer ich bin«, sagte Bellamy ungewöhnlich sanft und leise.
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Re: Die Altlasten der Agenten der Autarkie

#3

Beitrag von Ciel Felicien de Souvagne » Sa 25. Aug 2018, 09:10

Ciel Felicien de Souvagne
Bellamy hatte sehr offene Worte gewählt. Ein Krieger sprach Ciels Erfahrung nach nur selten von seinen Gefühlen. Entsprechende Fragen wurden abgewürgt oder mit allgemein gültigen Sätzen abgespeist. Wie geht es dir - gut. Auch wenn das Gegenteil der Fall war. Die meisten Krieger trugen zwei Rüstungen, eine um ihren Körper und eine zweite, unsichtbare, um ihre Seele. Diesen Panzer legten sie nur selten ab, manche im gemeinsamen Suff, um alles auf einmal herauszulassen, und manche nie. Am liebsten war es den meisten von ihnen, wenn ihr Gegenüber annahm, sie hätten schlichtweg keine Gefühle. Ciel, der seine Jugend unter Kriegern verbracht hatte und von Massimo dem Läuterer an der Front ausgebildet worden war, einem der härtesten und fähigsten Streiter Souvagnes überhaupt, wusste umso mehr zu schätzen, dass Bellamy ihm so weit vertraute, sich zu offenbaren. Gleichzeitig machte es ihm Angst, diesen Mann an seine Vergangenheit zu verlieren. Aber auch Ciel konnte Krieger sein, sonst hätte Massimo in seinem Auftrag versagt. Ciel hatte dieses Spiel begonnen und er würde es zu Ende bringen.
»Mit dem blinden Fleck liegen Sie gar nicht so falsch, Bellamy, denn Ihr Gedächtnis wurde von einem Geistmagier gelöscht. Es enthielt die Erinnerung an ein Verbrechen, von dem gewollt war, dass es für immer vergessen bleiben würde. Doch für dieses Verbrechen konnten weder Sie noch Ihr Bruder etwas und darum weilen Sie beide als einzige Mitglieder Ihrer Familie noch unter den Lebenden. Ich habe beschlossen, das Geheimnis ihrer Vergangenheit zu lüften, auf die Gefahr hin, Sie als meinen Schwertmeister zu verlieren.«

Bellamy Bourgeois
Bellamy überlegte fieberhaft, wieso Ciel ihn verlieren sollte. Gut einerseits konnte er fallen. Oder Ciel befürchtete selbst zu fallen. Aber dann hätte er nicht von einem Geschenk gesprochen und hätte sich gewiss nicht so freimütig mit ihm allein zurückgezogen. Bellamy war einst Palaisin, er wusste um die Macht hinter den Kullissen. Viele Beschützer und Behüter wussten nichts voneinander, aber sie waren da. Die Leibgarde, die Leibwächter, die Himmelsaugen, dass waren alles offizielle Ämter, die sich dem Schutz der Krone verschrieben hatten. Aber ebenso gab es jene die bewusst im verborgenen agierten, völlig versteckt, sonst wäre es ihnen nicht möglich ihre Aufgabe zu gewährleisten. Und der Duc war nicht dumm. Wenn es drei Geheime Bunde gab, würden sich genau die drei wie im Dreieck selbst im Auge behalten, oder es existierte wieder ein vierter. Oben an der Macht war es einsam und auch wenn das Volk einen liebte und die Adligen einen folgten, es reichte ein Verrückter der meinte Gott spräche zu ihm und er müsse den Duc töten. Selbst für diesen Wenn-Fall musste ein Herrscher gerüstet sein, gleich wie gut er sich mit seinen Untertanen verstand. Die offizielle letzte Instanz war das Schwert des Duc, der Palaisin. Die letzte inoffizielle Instanz kannte Bellamy nicht, aber er wusste dass es sie gab - weil es sie geben musste. Umso verwirrter ließ ihn Ciels Aussage zurück. Vielleicht war er all die Jahre gar nicht der Palaisin gewesen, vielleicht war er... ein Feind? Aber das ergab keinen Sinn, denn er erinnerte sich an seine Kindheit - jedenfalls ab einem bestimmten Alter, an seine Jugend, an seine Zeit als junger Mann. Aber Magie war zu vielem fähig, zu Einflüsterungen jenseits jeder Vorstellungskraft. Sie konnte Männer zu Bestie formen und Bestien zu Bettvorlegern. Er wusste nicht was er sagen sollte. Was war er? Oder wer war er? Und welchen Preis hatte das Wissen? Verbannung? Belly überlegte fieberhaft wie er antworten sollte. »Ich weiß nicht was ich sagen soll. Ich weiß nicht ob ich wissen möchte, ob ich ein völlig anderer bin. Das alles was ich kenne oder woran ich mich erinnere eine Lüge ist, eine geistmagische Illusion. Falls dem so ist... nein Danke«, antwortete er rau.

Ciel Felicien de Souvagne
»Eine Illusion? Nein. Nur Unwissenheit. Zu Ihrem Schutze und zum Schutze der Krone. Ich habe Rücksprache mit meinem Vater gehalten. Da ich der Meinung bin, dass ich Ihnen so weit vertrauen können sollte, dass Sie auch mit diesem Wissen bleiben, wer Sie sind. Ob Sie dann aber noch in meinem Dienst stehen wollen, steht auf einem anderen Blatt.«

Bellamy Bourgeois
Bellamy nickte in Zeitlupe, verstand aber überhaupt nichts mehr, da sich alle Informationen, Gedanken und Vermutungen in seinem Kopf zu einem Knäul verhedderten, das er kaum entwirren konnte. Auf der anderen Seite würde die Aufklärung alles entwirren. Soweit, dass sogar der blinde Fleck verschwinden würde. Keine Illusion hatte Prince Ciel gesagt. Zum Schutze von der Krone und ihm selbst? Das ergab doch keinen Sinn, warum sollte man ihn schützen müssen, wie die Krone? Neugier und die Angst vor dem Unbekannten wechselten sich ab und Bellamy wusste nicht, wem von beiden er den Vorzug gab. Er war kein Feigling, aber er stand gerade an einer Weggabelung und musste sich entscheiden ob er Bellamy blieb oder eine Person wurde die er gar nicht kannte. Vielleicht war ihm diese Person lieb und teuer... vielleicht hasste er sie auch abgrundtief... wobei er musste sie nicht annehmen, er konnte auch bewusst Bellamy wählen, sein ich, zu dem er selbst gefunden und sich aus eigener Kraft geschmiedet hatte. »Ich bin bereit zuzuhören«, sagte er fast heiser, da es ihn alle Kraft kostete.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel setzte sich bequemer hin.
»Die Geschichte von Berzan Bovier ist, wie so viele souvagnische Geschichten, eine traurige«, begann der Prince. »Und seine Geschichte ist die Geschichte Ihres Vaters. Leider ist es auch die Geschichte eines Verräters. Berzan Bovier war ein führender Kopf der Agenten der Autarkie, eine Elitetruppe mit weitrechenden Befugnissen. Warum die Agenten sich gegen die Krone wandten, kann man heute nur mutmaßen. Manche sagen, es war Gier, andere sagen, es war Größenwahn, wieder andere gehen von gekränktem Stolz aus, da eine Gesetzesänderung ihre allzu groß bemessenen Freiheiten beschneiden sollte. Fakt ist, dass sie einen Staatsstreich planten. Wären die Agenten mit ihrem Putschversuch erfolgreich gewesen, so wäre es heute nicht mein Vater, der auf dem Thron von Souvagne säße - sondern ein Nachfahre der Agenten. Vielleicht sogar einer der beiden Söhne Berzan Boviers. Es kam jedoch so, dass Berzan Bovier im Jahr 168 nach der Asche zusammen mit seiner gesamten Einheit fiel. Die Himmelsaugen waren es, welche den Staatsstreich mit Magie und Schwert vereitelten. Die Familien der Agenten wurden während der folgenden Säuberung ausgelöscht. Nur die minderjährigen Kinder verschonte man, ein letzter Akt der Gnade. Denn die Agenten der Autarkie waren nicht immer die Feinde der Krone gewesen.« In Ermangelung eines anwesenden Dieners goss Ciel seinem Schwertmeister ein Glas Wasser ein. »Benötigen Sie eine Pause, Bellamy?«

Bellamy Bourgeois
»Ihr meint ich bin einer von ihnen? Ihr meint... weil mein Vater ein Verräter war, wäre ich ebenfalls ein Verräter? Ich habe niemals jemanden Anlass zu der Vermutung gegeben. Und Verrat liegt mir nicht im Blu... nun doch es liegt mir im Blut... Ich verstehe Euren Vater nicht, wieso wählte er mich als seinen Palaisin, wenn er weiß wer ich bin? Ich verstehe es nicht, suchte er den Nervenkitzel? Oder suchte er sogar einen Grund zu vollenden, was die Himmelsaugen nicht taten? Oder zeigte er Gnade auf seine Art, wobei... im Jahre 168 war Euer Vater gar nicht Duc! Euer Vater bestieg den Thron 170 mit 17 Jahre, was erzählt Ihr da! Was ist das für ein Spiel?«, regte sich Bellamy auf.

Ciel Felicien de Souvagne
»Es war ja auch mein Großvater, Alain Etienne de Souvagne, unter dem dies alles geschah. Warum mein Vater Sie als Palaisin auswählte, kann ich Ihnen sagen - aufgrund Ihrer Fähigkeiten. Ob er damals überhaupt schon wusste, wessen Nachfahre Sie sind, steht auf einem anderen Blatt. Das fragen Sie ihn am besten selbst, denn ich kann Ihnen diese Frage nicht beantworten. Ich habe selbst erst heute davon erfahren. Und ich war der Meinung, man sollte es Ihnen nicht länger verheimlichen, sondern Ihnen sagen, wer Ihr Vater war und wer Ihr Bruder ist. In meiner eigenen Familie stehen wir alle uns sehr nahe und die Vorstellung, niemanden von ihnen zu haben, tut weh. Für Sie ist es kein Gedankenspiel, sondern Wirklichkeit. Wenn Ihnen das alles zu viel wird, können wir das Gespräch aber auch abbrechen. Von meiner Seite aus wird sich zwischen uns nichts ändern aufgrund der Information über Ihre Abstammung. Sie sind mein Palaisin und das bleiben Sie, wenn Sie es wünschen.«

Bellamy Bourgeois
Bellamy stützte seinen Kopf auf der Hand ab und seinen Arm auf seinem Knie. Aus dieser Position heraus, mit einem runden Rücken wie eine abwährende Katze musterte er Ciel aus seinen stechend blauen Augen. »Könnte ich einen Schnaps oder einen Kaffee bekommen? Oder besser noch beides in einem bitte?«, fragte er nach einigen Minuten die er wortlos hatte verstreichen lassen. »Ich versuche es mal zu entwirren für uns beide. Ihr seid nicht Euer Großvater, ich bin nicht mein Vater. Auch wenn man viel von seinen Vorfahren erbt, erbt man doch nicht die Seele oder? Man gehört zur Familie und dennoch steht jeder für sich selbst mit seinen Taten und seiner Einstellung. Ich habe Euch nie dafür verurteilt, was mir auf dem Marktplatz geschah. Ich war wütend auf Euren Vater, dass gebe ich zu - aber wenn ich ehrlich bin, war ich letztendlich doch nur wütend auf mich, dass ich so dumm war so einen Scheiß zuzulassen. Für was? Was dabei heraus kam habe ich ja gesehen. Euer Vater hat nur das getan, was ich hätte tun sollen, er beschützte jemanden, der sich nicht selbst beschützen konnte. War das für mich angenehm? Nein. Es war beschissen, es war der Abgrund und es war die Pest an Gesichtsverlust. Und wie fühlte Nathan? Vielleicht fühlte er das gleiche, oder er fühlte noch schlimmer. Und selbst wenn er gar nichts fühlte, ich habe meine Aufgabe vernachlässigt. Das war nicht die Schuld Eures Vaters, sondern meine. Ihm dann anzukreiden mich abzustrafen ist lächerlich... aber es ist bequem und es ist einfach und es tut gut sich mal den Frust von der Seele zu kotzen indem man über wen schimpft, den man eigentlich mag. Und dem man bis dato bedingungslos vertraute. Und wäre ich an der Stelle des Opfers gewesen, nun ich denke ich hätte mir auch gewünscht, dass mein Peiniger bestraft wird. Aber jeder sieht nun einmal zuerst sich. Aber was rede ich, ich möchte nicht ablenken, ich bin nur etwas durch den Wind. Der Bogen schließt sich dort, wo Ihr mir grundlos beigestanden habt. Ihr wart auch nicht Euer Vater. Ihr habt die Bestrafung durchbrochen. Ihr habt mir in der Strafe noch Gnade gezeigt durch das Schmerzmittel und das Ihr mich danach aufgenommen habt. Ihr habt mir Eure Dunkelheit gezeigt - Ihr habt mir gezeigt, dass Ihr auch einen Kern davon in Euch tragt. Vor allem in der Küche.... und ich habe gerne für Euch abgespült Ciel. Ich wollte Euch nicht anfahren und ich möchte Euch auch nicht verlassen. Denn weder Ihr noch ich können doch etwas für diesen Umstand. Auch Euer Vater kann nichts dafür, wenn es sein Vater war. Gibt es Aufzeichnungen über die Agenten? Nun vergesst es. Es gibt nur eine Antwort auf Verrat, so sagt es jeder Duc, so sagt es das Gesetz - Block. Verzeiht mir, ich schäme mich für die Taten meines Vaters und dennoch würde ich den Mann gerne einmal kennenlernen. Sprich verstehen wer er war oder einige Informationen über ihn erhalten. Einfach um zu wissen, wo meine Wurzeln sind. Das der alte Duc und die Himmelsaugen die Kinder verschont haben, zeigt Gnade. Ich möchte wissen, was mit den Ehefrauen und Männern geschah Herr«, bat Bellamy.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel hätte Bellamy sagen können, wo er Kaffee und Schnaps fand, aber er stand auf und mixte ihm selber etwas zurecht mit dem Kaffee, den Ferrau heute morgen zubereitet hatte. Er gab auch noch einen dicken Löffel Sahne obendrauf. Er wusste nicht, ob Bellamy Sahne mochte, aber er hatte das Bedürfnis, ihm welche zu geben. Sie war süß und süß tat gut.
»Ich sehe es ebenso wie Sie, Bellamy. Jeder ist nur er selbst. Und Sie waren es nicht, der Nathan quälte, Sie machten nur den Fehler, wegzusehen. Sie haben dafür bezahlt und für mich ist die Sache damit auch erledigt. Wenn es eine Bereinigung gab, dann gibt es keine Aufzeichnungen mehr. Eventuell vielleicht in den Geburtsregistern der Tempel ... aber wahrscheinlich wurde auch daran gedacht. Es gibt nur noch die Erinnerungen von denen, die daran beteiligt waren und es überlebten - die Ältesten der Himmelsaugen. Womöglich könnte Parcival Ihnen von Ihrem Vater erzählen. Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass niemand aus Ihrer Familie mehr lebt, der damals volljährig war.«

Bellamy Bourgeois
Bellamy nahm den Kaffee mit beiden Händen entgegen und hielt ihn einen Moment fest um sich daran zu wärmen. Er wusste die Geste von Ciel sehr zu schätzen, besonders den Klecks Leckerchen obendrauf. Er blinzelte mehrfach um nicht vor seinem Chef einige Tränen zu vergießen und ärgerte sich zeitgleich über die Schwäche. Er hatte weder seinen Vater noch seine Mutter gekannt und trotzdem ging im die Information nahe. Vielleicht war das der Lauf der Welt. »Mein Vater hat mich als Waisen zurückgelassen und meine Mutter war durch die Entscheidung meines Vaters gefallen. Vielleicht gibt es wirklich einen Gott, denn ich kann einer Partnerschaft nichts abgewinnen. Hätte ich diesen Fehler begangen, wäre ich allein gestorben. Wobei, auch hier scheint es eine höhere Macht zu geben, denn im Gegensatz zu meinem Vater bedeutet mir Kameradschaft und Treue genau wie Loyalität alles. Vielleicht ist gar nicht die Frage ob ich nach meinem Vater komme, vielleicht komme ich nach meiner Mutter. Sie war ebenso ein Opfer von ihm und seiner Entscheidung wie ich...«, flüsterte Bellamy. »Warum erzählt Ihr mir das Ciel?«, fragte Bell und trank langsam den Kaffee. »Danke für den Kaffee und die Sahne«.

Ciel Felicien de Souvagne
»Warum ich Ihnen das erzähle? Damit Sie sich nicht länger mit Fragen plagen. Sie waren als Kind nicht zu laut oder zu unbequem, Bellamy. Vermutlich wurden Sie von Ihren Eltern geliebt. Verrat an der Krone war es, was Ihre Familie zerstörte. Und es gibt einen zweiten Grund. Vielleicht haben Sie ihn absichtlich überhört oder einfach in der Aufregung verdrängt. Ich sagte, dass die Kinder verschont wurden. Weiterhin sagte ich, dass Berzan Bovier zwei Söhne hatte. Weinen Sie ruhig, Bellamy. Ich hatte in letzter Zeit auch viel Grund zum Weinen.« Er legte ihm ein frisches, zusammengelegtes Stofftaschentuch hin.

Bellamy Bourgeois
Bellamy wäre bei dem was Ciel nachschob fast der Kaffeebecher aus der Hand gefallen. Aber dank seiner Reflexe passierte nichts, weiter außer dass der Teppich einen großen Fleck Kaffee kassierte. »Verdammte Drecksschei... ich werde das nachher wieder in Ordnung bringen«, lächelte er gezwungen, ehe er wieder ernst wurde. »Ihr meint ich habe einen Bruder... ich verstehe... was hat er getan und wer ist es? Wenn ich ihn töten soll, muss ich wissen wer er ist. Aber es wäre mir einfach gefallen nicht zu wissen das er mit mir verwandt ist Herr. Das macht die Sache nicht leichter, glaubt mir das... vielleicht ist es auch besser Ihr sagt mir nicht welche Verfehlung er beging. Oder war es... Verrat?«, fragte Bellamy und stürzte den heißen Kaffee herunter. Danach liefen ihm allerdings nun doch die Tränen die Wangen herab, aber der Grund war ein anderer.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel ignorierte den beschmutzten Teppich, der spielte nun gerade wirklich keine Rolle. Teppiche waren ersetzlich, Menschen nicht. »Sie müssen mich für einen Sadisten halten. Wenn es darum ginge, Ihren Bruder zu töten, würde ich nicht wissentlich Sie beauftragen, das kann ich Ihnen versichern. Das wäre ein sehr bösartiger Humor, der absolut nicht der meine ist, oder ein effizienter Weg, jemanden bewusst innerlich zu zerstören. Warum sollte ich mir das für Sie wünschen? Sie sind mein Palaisin. Abgesehen davon besteht keinerlei Anlass, sich dahingehende Gedanken zu machen. Ihr Bruder hat sich keiner Verfehlung schuldig gemacht, außer der selben wie Sie - dass er gern wegsieht.«

Bellamy Bourgeois
»Wie heißt ein Sprichwort, es braucht ein Monster um ein Monster zu jagen. Und wer könnte vielleicht besser einen Mann jagen, als der eigene Bruder? Dass Ihr nicht so denkt ehrt Euch und zeigt, dass ich wohl in falschen Bahnen denke. Ich sehe Euch nicht nur als Herrn, sondern als Retter und Freund. Dass sollt Ihr wissen. Dann sagt mir, wo mein Bruder wegsah und verratet mir ob ich ihn kenne.Falls nicht, sagt mir trotzdem bitte seinen Namen«, bat Bellamy inständig.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel blinzelte etwas, da er gerührt war. Das Blinzeln stand bei ihm für alle möglichen Emotionen, es ersetzte auch ein Lachen, wo Lachen nicht angemessen war, oder wie jetzt, den Drang, Bellamy einfach in den Arm zu nehmen. Ciel war niemand, der es leicht ertragen konnte, wenn seine Schutzbefohlenen litten. »Ihr Bruder sah in der selben Sache weg wie Sie. Aber darum geht es heute nicht, all das wurde längst geklärt. Vielleicht muntert es Sie auf, wenn ich Ihnen sage, dass Sie beide sich kennen. Ihr Bruder arbeitet sogar ebenfalls hier im Palast. Ihr ähnliches Aussehen fiel ihnen vielleicht schon auf, doch sie mögen es für eine Laune der Natur gehalten haben. Ich spanne Sie nicht länger auf die Folter, Bellamy. Ihr Bruder ist Boldiszàr Boucher von Unitè B.«

Bellamy Bourgeois
»Boldi ist mein Bruder? Heilige Scheiße bei Ainuwars Eiern wieso hat er nie was gesa... er weiß es nicht oder? Er weiß es genauso wenig wie ich. Was hat er getan? Ich meine Ihr verratet mir das doch nicht grundlos Ciel, was ist mit ihm los? Er war bis dato nie mein Bruder, aber er war mein Kamerad und das bedeutete mir alles, wie jeder meiner Leute. Ihr versteht den Begriff. Steckt er in der Scheiße?«, fragte Bellamy besorgt.

Ciel Felicien de Souvagne
»Sie kaufen mir nicht ab, dass ich Ihnen das nur aus Nettigkeit heraus offenbare?« Nun schmunzelte Ciel etwas. »Er hat nichts getan, außer, dass er aus einem mir unbekannten Grunde mit einem weiteren Agentensohn anbändelte. Das gab meinem Vater Anlass zur Sorge. Ob Boldiszàr davon weiß, weiß ich allerdings nicht. Vielleicht ist es nur ein Zufall - vielleicht aber auch nicht. Aber es war in jedem Fall der Anlass dafür, Ihnen Ihre Herkunft mitzuteilen.«

Bellamy Bourgeois
»Nun ich meine warum solltet Ihr... auf der anderen Seite, warum solltet Ihr nicht? Ihr hättet mich nicht retten müssen. Ihr hättet mich nicht aufklären müssen. Wir reden aber über Boldiszar ja? Seid Ihr sicher, dass Ihr Boldi meint? Wer ist der andere Agentensohn? Oh... bei den Klöten von Ainuwar... es ist Robere! Ich habe es immer gewusst. Der Skorpion, es ist Robere, die beiden standen sich aber schon immer nahe Herr. Seid Ihr sicher, dass Ihr dort nicht Freundschaft und Partnerschaft verwechselt? Und wenn Ihr Recht habt, haben die beiden aber ganz schön lange benötigt. Wobei Robere... hm«, grübelte Belly.

Ciel Felicien de Souvagne
»Nicht Robere«, keifte Ciel. »Robere ist nicht einmal mehr im Palast, er ist desertiert, frisst Menschenfleisch und Boldiszàr hat sein Fernbleiben vom Dienst nicht einmal gemeldet! Die Person seines Interesses ist Chevalier Silvano de Mancini, womit er Geschmack beweist, den Kapitän eines Kriegsschiffes, der ebenfalls gerade hier im Palast weilt - und der so wie Sie und Boldiszàr der Sohn eines Agenten der Autarkie ist. Er bat darum, Boldiszàr erwerben zu dürfen.«

Bellamy Bourgeois
»Bitte wen? Ich kenne die Riege der Marine nicht, ich hätte ihnen zwar Befehle erteilen können im Notfall, aber ich hatte nie mit ihnen persönlich zu tun. Robere ist dessertiert und Boldi hat zugesehen? Seid Ihr sicher, dass Robere so etwas tut? Erzählt mir von meinem Bruder, erzählt mir von seinem Partner und erzählt mir von Robere. Bitte Herr«, bat Bellamy.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel beruhigte sich wieder und goss Bellamy Kaffee nach. Wie zuvor gab er einen ordentlichen Schuss Schnaps hinein und einen großen Löffel voll Sahne. »Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, ob er wirklich desertiert ist in dem Sinne, aber dass er seit längerer Zeit unerlaubt vom Dienst fortbleibt und sich mit Schwerverbrechern abgibt, ist ein unbestreitbarer Fakt. Allzu tief reicht mein Wissen über die beiden nicht. Mir ist bekannt, dass sie aus dem selben Waisenhaus stammen und einander als Brüder nennen. Ebenso ist mir bekannt, dass eindeutig Robere der Nutznießer dieser fragwürdigen Freundschaft ist, während Boldiszàr sein Fehlverhalten deckt. Ob Boldiszàr und de Mancini wirklich Partner sind, kann ich nicht beantworten. Es gibt einige Anzeichen, die dafür sprechen, aber vielleicht mögen sie einander auch auf andere Weise. Was möchten Sie noch wissen? Die besten Antworten würden Sie erhalten, wenn Sie Boldiszàr selbst befragen. Nur leider ist er schon abgereist.«

Bellamy Bourgeois
»Herr was ist, wenn Ihr Robere völlig falsch einschätzt? Folgendes, Robere mag hart sein, er mag unleidlich sein, er mag ein Kotzbrocken sein, aber er steht immer für seine Leute ein. Und mit immer, meine ich immer. Vielleicht hat er sich den Menschenfressern gar nicht angeschlossen. Vielleicht doch. Aber wer sagt Euch denn, dass er dies tat um Euch oder uns allen zu schaden? Denkt einmal bitte an die Büttel. Es gibt auch Büttel, die sich in Kartelle einschleusen um diese auffliegen zu lassen. Robere ist sich für nichts zu schade und erledigt jede Arbeit. Vielleicht sah er es als seine einzige Möglichkeit, sogar als seine Pflicht dieses Kartell auszuhorchen oder auf diese Weise sogar zu sprengen. Wenn Ihr darüber nichts wisst, dann könnt Ihr seine Beweggründe doch auch nicht gleich verdammen. Möglicherweise zahlt er einen sehr hohen Preis für uns, wissen wir das? Boldiszar reiste ab und ich schenkte ihm noch meinen Panzerbrecher... damit ihm nichts geschieht. Ich wollte einen Freund geschützt wissen und ich schützte meinen Bruder mit meiner besten und sichersten Waffe. Nennt es Vorhersehung, aber ich hoffe, falls es zu einem Kampf kommt, dass der Zachel ihn beschützt. Wisst Ihr wohin er abgereist ist? Und darf ich ihm folgen?«

Ciel Felicien de Souvagne
»Wir werden ihm gemeinsam folgen. Linhard und ich reisen noch heute ab und Sie als mein Palaisin werden mich begleiten. Wir treffen uns mit Unitè B und den anderen bei der Gewitterfeste der Duponts. Wir wissen, dass die Menschenfresser dorthin unterwegs sind und werden ihnen einen schönen Empfang bereiten. Vielleicht irre ich mich, was Robere anbelangt. Ich bete zu Ainuwar, dass dem so ist. Aber das werden wir herausfinden. Dass Sie Ihrem Bruder den Panzerbrecher überreichten, macht die Geste noch bedeutsamer. Interessant wäre zu erfahren, ob Boldiszàr die ganze Zeit Bescheid wusste oder ob er genau so unwissend war wie Sie. Und welche Rolle de Mancini in dem Ganzen spielt.«

Bellamy Bourgeois
»Ich kann mir Boldi nicht vergeben vorstellen, er ist ein Arbeitstier wie ich. Sein Dienst, seine Einheit, die Garde bedeutet ihm alles. Wie ist der Mann, den er sich aussuchte, falls es tatsächlich sein Partner ist? Ich werde Euch beschützten, Ihr könnt Euch wie immer auf mich verlassen. Ihr seid zwar nach außen hin ein feiner Pinkel, aber unter all der Maske seid Ihr aus Stahl. Ich weiß wem Ihr Euch gestellt habt, wenn der Flurfunk stimmt, habt Ihr einem Gott die Stirn geboten. Einem vergessenen, gewaltigen Gott«, sagte Bellamy.

Ciel Felicien de Souvagne
»Und darum braucht Ferrau nun früh doppelt so lange, um mich alltagstauglich zu schminken und zu kleiden. Ein Gott war es nicht, nur ein alter, besonders widerwärtiger Lich. Der Flurfunk kann aber auch gar nichts für sich behalten. Ich stimme Ihnen zu, Boldiszàr wirkt absolut nicht wie ein Beziehungsmensch. Das Gefrotzel, dass er mit Robere zusammen wäre, habe ich nie für voll genommen. Und ich nehme auch nicht für voll, dass er nun mit de Mancini eine Verbindung eingegangen haben soll, ganz abgesehen davon, dass Boldiszàr der Leibeigene meines Vaters ist und de Mancini sich damit strafbar machen würde. De Mancini kann ich Ihnen beschreiben. Wenn Sie meinen, ich sei ein feiner Pinkel, dann multiplizieren Sie das mit einer sehr hohen Zahl und dann haben sie den Chevalier vor sich. Allerdings ist er vermutlich alles andere als der Geck, der er zu sein scheint, denn keiner unserer Flottenkapitäne bekommt seinen Posten zum Spaß.«

Bellamy Bourgeois
»Ehm ja, jetzt kann ich mir vorstellen wie er aussieht, aber danach wird Boldi niemals gehen. Ob er nun eine Tonnenschwere Perücke trägt, die jeden Rakshanischen Turban das fürchten lehrt, ist völlig gleichgültig Herr. Die Optik ist oft nur Tarnung. Ich meine wie ist dieser Mann als Person? War Boldis Wahl eine gute, wenn er ihn wählte? Sprich war es eine gefährliche Wahl, falls Boldi... Ihr wisst schon, vielleicht anders dachte als ich? Mein Bruder ist kein Stümper, er wird nicht umsonst in die Schlacht gezogen sein und dort wo er eingesetzt wird, wächst kein Gras mehr. Er führt die beste, härteste Truppe und - er führt sie an! Also wen hat er sich da an die Seite genommen? Wohl kaum eine laufende Puderquaste«, grinste Belly und musterte Ciel. »Das seid Ihr doch auch nicht, Ihr seid ein Krieger im Hofrock und nicht umgekehrt ein Hofrock in der Rüstung«.

Ciel Felicien de Souvagne
Bei der bildhaften Beschreibung von Bellamy musste Ciel schmunzeln. »Wie ich soeben hörte, haben Sie Humor. Danke für das Kompliment. Ich kann über de Mancini leider nichts weiter berichten. Ich habe ihn heut selbst das erste Mal gesehen. Aber wenn Boldiszàr wirklich Übles im Schilde führen sollte ... dann hätte er sich meiner Einschätzung nach kaum eine geeignetere Person auswählen können. Mein Vater meint, der Chevalier wäre durchaus in der Lage, nicht nur ein Schiff, sondern eine ganze Armada zu führen und man darf der Einschätzung meines Vaters da durchaus vertrauen.«

Bellamy Bourgeois
»Zu Lande, zu Wasser und zur Luft - wer ist der Truppführer der den Himmel befehligt? Das wäre die Frage, sollten die beiden etwas in der Art planen. Aber ich will einfach nicht akzeptieren, dass Boldi so denkt. Er war aufgeregt, er kam zu mir um sich zu verabschieden, er hatte es eilig. Ich schenkte ihm meine Waffe. Wozu das alles, wenn er einen Verrat begehen würde? Dann hätte er alles daran gesetzt Euch zu schwächen und nicht Euch den Rücken freizuhalten. Nein Boldi ist unschuldig, er muss es sein. Wann reisen wir ab? Ex-Dupont ist Chouinard Herr die alte Feste steht nicht mehr. Was wollen unsere Feinde dort? Humor müssen wir uns immer bewahren, aber er darf durchaus schwarz sein«, schmunzelte Bellamy zurück.

Ciel Felicien de Souvagne
»Zur Luft? Ich kann es Ihnen nicht einmal sagen ... vermutlich die Himmelsaugen, also Parcival. Die alte Dupontfestung wurde geschleift, doch der Keller ist scheinbar noch intakt. Zumindest war das die Information, die Nathan den Beißern zukommen ließ, als diese sich wegen einem erneuten Unterschlupf berieten. Ja, Sie haben richtig gehört, Nathan ist auch mit von der Partie. Ich bin geneigt, an Boldiszàrs Unschuld zu glauben ... aber nicht an die von Robere. Doch ich bin durchaus bereit, mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Wir reisen noch heute ab - sobald wir mit dieser Unterredung fertig sind und Ferrau mich umgekleidet hat.«


Bellamy Bourgeois
»Herr wieso glaubt Ihr Robere hätte Euch verraten, wenn Nathan die Feinde durch unser Land führt, wie ein Fremdenführer? Verzeiht, wenn ich das sage, aber was ist mit dem Mann los? Er scheint den Ärger anzuziehen wie ein Magnet und ist seltsamerweise immer dort zu finden, wo der Ärger am dicksten ist. Wer spaziert freiwillig mit Menschenfressern durch die Gegend? Könntet Ihr dort ein Auge zutun? Da stimmt doch was nicht. Wollt Ihr Euch rüsten? Ich kann Euch rüsten, Ihr habt mir Kaffee gemacht«, schlug Belly vor.

Ciel Felicien de Souvagne
Einmal mehr blinzelte Ciel. Diesmal, weil er von dem Vorschlag überrascht war. Nach kurzem Nachdenken nickte er. »Dann pellen Sie mich bitte aus diesem Kostüm und ziehen mir meine richtigen Kleider an. Meine Rüstung, absolut korrekt. Die Leichte, ich bin geschwächt. Was ich bei Nathans Erziehung falsch gemacht habe, weiß ich nicht. Aus dem wilden Tarrik Khawa Steppensturm habe ich versehentlich einen souvagnischen Chevalier gemacht und aus dem einstmals liebenswerten Barden Nathan einen Handlanger der Menschenfresser ...« Ciel stand auf, damit sie keine unnötige Zeit verloren.

Bellamy Bourgeois
»Das glaube ich kaum Herr«, sagte Bellamy und stellte den Kaffeebecher beiseite. Sofort machte er sich daran Ciel auszuziehen und führte ihn ins Schlafzimmer. Wenn jemand einen gekonnt und schnell rüsten konnte, dann war dies Bellamy. Jeder Handgriff saß, denn er hatte den Großteil seines Lebens nichts anderes getan, als sich mit Rüstungen und Waffen zu beschäftigen. Er beschaute sich sein Werk, überprüfte den Sitz der Rüstung und nickte zufrieden. »Ihr seid abreise bereit Herr aber vorher noch etwas«, sagte Bellamy. Er musterte Ciel ernst, dann drückte er ihn felsenfest an sich. »Danke«, sagte er schlicht, ehe er seinen Herrn wieder freigab.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel erwiderte die Umarmung. »Schon gut, Bellamy. Ich bin froh, dass Sie mir erhalten bleiben. Das Rüsten ging fix«, freute sich Ciel. Der arme Ferrau hatte sich das letzte Mal ziemlich abgemüht, ihn zu rüsten. Er hatte dabei keinen Fehler gemacht, aber bei Bellamy merkte man einfach, dass dies seine Bestimmung war. »Bitte rüsten Sie auch noch meinen Ferrau, er muss mitkommen. Aber so leicht wie möglich, vielleicht mit einer Lederrüstung und ohne Helm, damit kommt er nicht zurecht. Er ist noch im Thronsaal«, bat Ciel. »Und sagen Sie bei der Gelegenheit meinem Schwager Linhard, ebenso auch Parcival, Ansgar und dem unsäglichen Brandur, dass wir uns draußen bei den Hühnern treffen. Nehme ich Remy mit?«, überlegte Ciel. »Nein, ich glaube, ihn würde es mehr ärgern, wenn er zurückbleiben muss.«

Bellamy Bourgeois
Bellamy starrte Ciel an und grinste dümmlich. »Ich soll ihren Verwandten sagen wir treffen uns bei den Hühnern? Also im Frauenflügel? Herr das ist vielleicht nicht die beste Idee jetzt... ganz wie Ihr wünscht. Kein Helm für Ferrau, nachher erstickt er uns!«, stöhnte Bell.

Ciel Felicien de Souvagne
»Bei den Drachenhühnern«, rief Ciel händeringend.

Bellamy Bourgeois
»Drachenhühner! Richtig! Drachen ... Herr, dass war doch nur ein Scherz«, grinste Bellamy verlegen und eilte sofort los, um Ferrau zu rüsten.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel ging derweil nach draußen und wartete an besagtem Ort. Er tat etwas, dass er nur selten tat - er rauchte. Er würde es nie zugeben, aber er hatte Angst, dem Lich erneut die Stirn zu bieten. Aber es musste sein. Diese Bedrohung konnte nicht unbehelligt durch Souvagne wandeln. Und er als Bluthexer hatte sich freiwillig dazu verpflichtet, in vorderster magischer Front gegen die Untoten zu kämpfen. Nervös ging er auf und ab.

Bellamy Bourgeois
Als Ciel auf und ab lief, fiel ein großer Schatten auf ihn und etwas pickte ihm sanft auf den Kopf. Aquilla musterte ihn und die Krallen an ihren Flügeln klackerten.

Ciel Felicien de Souvagne
Erschrocken wich Ciel ein paar Schritte zurück. Dieses Huhn hatte seine Kutsche demoliert und ihn fast zu Tode gepickt. Verstohlen hielt er nach Linhard Ausschau, in der Hoffnung, dass das Tier nicht unbeaufsichtigt frei herumlief. »Schwager?«

Bellamy Bourgeois
Bellamy beeilte sich Ferrau abzuholen und diesen zu rüsten. Den Leibdiener in eine Rüstung zu quetschen war wesentlich schwerer als Ciel. Erstens schien er etwas zugelegt zu haben und zweitens hielt der Kerl nicht still. Als es endlich geschafft war, schleifte Bellamy Ferrau hinter sich her und bat Linhard und Brandur sich bei den Ställen einzufinden, dann machte er sich selbst auf den Weg.

Brandur von Hohenfelde
Brandur erschien pünktlich, würdevoll und bestens gekleidet. Er nickte Ciel zu. Zu dessen Verärgerung hatte er Alexandre bei sich untergehakt, der nicht erfreut dreinblickte, das gemütliche Gespräch im Thronsaal verlassen zu müssen, aber immerhin froh zu sein schien, dass Linhard ihn nicht wieder trug. »Hoheit«, grüßten sie beide.

Bellamy Bourgeois
Bellamy erschien wenig später mit Ferrau. Der Leibdiener sah alles andere als glücklich aus, aber als er Ciel erblickte hellte sich seine Miene schlagartig auf. Nun konnte er sich allerdings denken, weshalb sie sich versammelt hatten. Er sah, wer seinen Schatz und Herrn begleitete und das ließ keinen anderen Rückschluß zu, als dass sie erneut in die Schlacht zogen. Ferrau eilte auf Ciel zu und umarmte ihn felsenfest. »Geht es zur Endschlacht?«, fragte er nervös.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel drückte ihn fest und gab ihm einen Kuss. »Du siehst durch den Wind aus. Hast du dich erschreckt? Ja, wir reisen ab, um den Lich zu stellen. Ich wollte damit noch warten, doch die Dinge haben sich geändert.«

Linhard von Hohenfelde
Linhard verabschiedete sich von Verrill und kraulte ihm kurz den Bauch,allerdings so, dass es keiner sehen konnte. »Wir werden die Sache heute beenden«, flüsterte er Greg zu und küsste ihn. Er drückte Verrill kurz, dann machte er sich umgehend auf den Weg zu den Ställen. »Hallo«, grüßte er freundlich in die Runde und knuffte Ciel zur Begrüßung. Seinen Paps umarmte er liebevoll, ehe er Aquilla einfing und sattelte.

Ciel Felicien de Souvagne
»Dein Huhn hat mich auf den Kopf gepickt«, beschwerte sich Ciel, als Linhard das Tier sattelte. »Wo bleibt Parcival? Kommt er nicht mit?«

Linhard von Hohenfelde
Lin streichelte Aquilla liebevoll, so dass sie die Federn aufplusterte. »Sie meint das lieb. Sie ist eine Schönheit nicht wahr? Nicht wahr Du bist hübsch!«, grinste Lin.

Ciel Felicien de Souvagne
»Sie ist ein Huhn«, stellte Ciel leidenschaftslos fest. »Ein Reittier, wie ein Pferd. Ein Transportmittel, wie Remys Kutsche. Und meine, die von irgendwem zerstört wurde.«

Ferrau Du Trieux
Ferrau versuchte das Drachenhuhn zur Seite zu schieben, damit es nicht wieder auf die Idee kam, seinen Schatz zu pieken. Danach gesellte er sich wieder zu Ciel und klammerte sich an ihm fest. »Ja oder wie ein Huhn, dass in die Suppe kommt, wenn es frech wird«, fügte Ferrau mutig an, klammerte sich aber fester und streichelte Ciels Hintern.

Parcival
Das alte Himmelsauge fand sich mit seinem Drachenhahn ebenfalls bei den Ställen ein und musterte Bellamy kopfschüttelnd. Sein Blick fiel auf Ciel und er nickte dem Princen freundlich zu. »Ich wäre bereit für den Aufbruch. Ich hoffe diesmal erledigen wir diese Kreatur«, sagte er vehement.

Linhard von Hohenfelde
Lin klopfte Aquilla auf den Hals und schwang sich auf sein Huhn. »Sie ist mehr, sie hat mir mein Leben gerettet, als ich von dem Vampir gebissen wurde. Und sie piekt nur auf Freundlichkeit. Paps hock Dich mit auf Aquilla, Ciel?«, fragte Linhard.

Ciel Felicien de Souvagne
»Aquila kommt in die Suppe, wenn ich nach der Schlacht keine neue Kutsche bekomme, die nicht mindestens so komfortabel ist wie die alte«, bestimmte Ciel und legte den Arm um Ferrau. Dabei musterte er ihn und freute sich über die Speckröllchen, die sich hier und da ihren Weg aus der Rüstung bahnten. Seine Betrachtung wurde von Parcivals Ankunft unterbrochen. »Sehr richtig! Wir erledigen diesen Lich, der sich als Gott ausgibt. Wo ist Ihr Huhn, Parcival?« Er blickte zu Linhard hinauf und schüttelte leicht den Kopf. »Die Sitzordnung für die Reise ist diesmal etwas anders, da wir bestimmte Dinge unterwegs besprechen müssen. Ich reise mit Parcival und Bellamy. Ferrau begleitet uns. Die anderen reisen mit Linhard. Auf dem Rückweg würde ich mir jedoch das Plätzchen hinter dir gern reservieren.« Er blinzelte seinem Schwager freundlich zu.

Linhard von Hohenfelde
»Das ist direkt unter ihm, er sitzt doch drauf!«, lachte sich Linhard schlapp. »Du bekommst Deine Kutsche, Aquilla kommt niemals in die Suppe. Alles klar, dann starten wir jetzt durch«, sagte Lin gut gelaunt.

Bellamy Bourgeois
Bellamy schwang sich hinter Parcival auf den großen Drachenhahn und reichte Ciel die Hand, damit dieser problemlos aufsteigen konnte. »Beeilt Euch, wer weiß was mit unseren Leuten geschieht, wenn sie die Menschenfresser stellen«, mahnte Bell.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel starrte kurz auf den Stummel seiner Rauchstange. Er schüttelte den Kopf. Er sollte sich das Rauchen ganz schnell wieder abgewöhnen. Er warf den Stummel zu Boden und trat ihn aus, ehe er ihn wieder auflas und vorbildlich in einen Mülleimer warf. Er ergriff Bellamys Hand und ließ sich von ihm auf das Huhn ziehen, ehe er Ferrau hinaufzerrte. »Schnall dich gut an«, ermahnte Ciel seinen Diener.

Ferrau Du Trieux
Die Augen von Ferrau quollen aus den Höhlen, als er hörte dass sie Menschenfresser jagten. Die letzte Jagd war schon schlimm genug gewesen, aber nun das? »Ciel was hießt dass?«, fragte er nervös und klammerte sich an ihm fest und machte sich so schwer wie möglich.

Ferrau Du Trieux
Parcival gab seinem Drachenhahn die Sporen und das große Tier, schoss mit seinen Reitern in den Himmel davon. »Richtung Chourinard wurde mir gesagt«, sagte das Himmelsauge und flog in die besagte Richtung.

Ciel Felicien de Souvagne
»Absolut richtig, Parcival. Chouinard, die Ruine der Gewitterfeste der Duponts! Derrau, das heißt, dass wir ihnen die Zähne ziehen werden, jedem Einzelnen. In Souvagne werden keine Menschen gegessen! Die Menschenfresser sind die Gruppe, die den Lich unterstützen. Auch er ist ein Menschenfresser und ich vermute, sie teilen sich ihre Opfer: Der Lich frisst die Seelen und seine Anhänger den Rest.« Er hoffte, dass der Gurt noch um Ferraus Hüfte passte. »Bist du angeschnallt, Schatz?«, fragte er besorgt.

Linhard von Hohenfelde
Aquilla folgte mit Linhard und Brandur den anderen. Knapp über ihre Köpfe schoss dass kleinere Drachenhuhn über sie hinweg und gab die Führung. Parcival musterte kurz grimmig Linhard, der bei der Flugeinlage seinen Spaß zu haben schien.

Ciel Felicien de Souvagne
»Schwager«, keifte Ciel ihm hinterher, aber dann musste er lachen.

Ferrau Du Trieux
Ferrau hatte die Gurte einfach um seinen Bauch zusammengeknotet. Irgendwie würden sie schon halten, das wusste er. »Ja es ist alles in Ordnung«, sagte Ferrau und wäre beinahe vom Drachenhahn gestürzt als Auqilla über sie hinweg fegte.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel bemerkte das Gefummel hinter sich, griff nach hinten und machte einen ordentlichen Knoten, der sich nicht von allein lösen würde. »So ist es besser. Parcival, sagen Sie, waren Sie damals eigentlich beim Fall der Agenten der Autarkie dabei?«

Parcival
Das alte Himmelsauge nickte. »Ja das war ich Herr, eine schreckliche Angelegenheit. Es wurde eine Bereinigung fällig, wir setzten alles auf Stand Null. Die Agenten bedrohten die innere Sicherheit massiv«, sagte der alte Mann ernst.

Ciel Felicien de Souvagne
»Kannten sie Berzan Bovier?«, wollte Ciel wissen. »Wenn ja, dann berichten Sie mir bitte von dem Mann.«

Parcival
`Ihr wisst wer in Eurer Begleitung ist, weiß er Bescheid?´, fragte Parcival mental zur Rücksicherung.

Ciel Felicien de Souvagne
›Er weiß Bescheid. Er bat mich um Informationen zu seinem Vater und seinem Bruder, aber weder das Eine noch das Andere konnte ich ihm geben. Von beiden weiß ich wenig mehr als den Namen und den Beruf. Vielleicht können Sie Bellamy helfen.‹

Parcival
Das alte Himmelsauge nickte. »Bevor man versteht, was der Verrat der Agenten der Autarkie bedeutet, muss man wissen, wer und was die Agenten waren. Ich fange von vorne an. Die Agenten der Autarkie waren ausschließlich dem Duc Rechenschaft schuldig. Damit standen sie über jeder sonstigen Exekutive innerhalb des Landes. Zu einem Agenten der Autarkie wurden nur die fähigsten Kämpfer erhoben. Zudem gab es keine tatsächliche Ausbildung zu einem Agenten, denn die Agenten wurden aufgrund ihrer Befähigung oder besonderen Leistung im Büttel- oder Militärdienst auserwählt. Die Agenten waren Elitesoldaten, die zur Wahrung von Frieden und Stabilität innerhalb Souvagnes mit allen Rechten und Freiheiten ausgestattet waren. Sie arbeiteten allein oder in Gruppen von zwei bis drei Personen. Ihr einziges Ziel war es, den Frieden und die Freiheit Souvagnes mit allen Mitteln zu schützen. Einige von ihnen waren engagierte Kämpfer, andere versuchten Konflikte mit Diplomatie zu lösen. Wiederum andere waren gnadenlose Schlächter, die zur Problemlösung jedes störende Individuum skrupellos beseitigten. Der Einsatz eines Agent war bei Streitigkeiten zwischen Hochadligen wesentlich einfacher, als eine eventuell notwendige Militäraktion. Jedoch wies ihr Einsatz stets auf ein ernstes Problem hin. Da sie außerhalb des Rechtssystems standen und weder den Lehnsherren, noch dem Militär unterstellt waren, waren sie von den meisten rechtlichen Konsequenzen komplett ausgeschlossen. Diese Straffreiheit war besonders den Adligen ein Dorn im Auge. Vor allem da die Agenten zum Schutz der Krone wie auch zum Schutze Souvagnes auf jeder Scholle läutern, sprich töten durften, ohne dem Adelsstand anzugehören. Einst waren die Agenten eine angesehene Organisation, welche von vielen Bürger zeitgleich verehrt wie auch gefürchtet wurde. Als Duc Alain Etienne de Souvagne die Rechte der Agenten der Autarkie beschneiden und anpassen wollte, planten diese einen Staatsstreich. Verhindert wurde dieser durch die Himmelsaugen am 01.11.168. An diesem folgenschweren Tag wurden alle Agenten der Autarkie entweder von den Himmelsaugen persönlich gerichtet, oder landeten am gleichen Tag noch auf dem Richtblock. Keinem Agenten war es möglich, sich dem Zugriff der Geistmagier des Ordens der Himmelsaugen zu entziehen. Die Redelsführer des Aufstandes der Agenten waren Mercer Desnoyer und Berzan Bovier. So wie sie gemeinsam kämpften, so sind sie auch gemeinsam gefallen. Mercer war der Kommandant und Freund von Bovier, man könnte sagen sie waren wie Brüder. Sie kämpften bis zum Schluss, also bestand nur eine Möglichkeit - da Mercer leider ein zu schlauer Kopf war. Wir benutzten ihn als Waffe gegen seine eigenen Leute. Er hat Verrat an der Krone verübt, wer würde ihm da nicht zutrauen auch seine Kameraden zu verraten? Er wurde von einem Himmelsauge mental übernommen und er tötete zig seiner Kollegen, als er sich gegen sie wandte. Für seinen Verrat ging er als Doppelverräter in den Tod. Er sühnte damit dass, was er angerichtet hatte. Die schmutzige Waffe wurde am Ende eine saubere durch unsere Nutzung. Seine Kameraden kannten keine Gnade, sie zerfetzten ihn regelrecht. Bovier hat versucht seinen Freund zu retten, aber für ihn kam jede Rettung zu spät, ebenso für alle anderen. Nicht erst dort, sondern schon da, wo sie den Verrat umsetzten. Sie hatten weitreichende Befugnisse, aber es reichte ihnen nicht aus. Ihre Möglichkeiten wurden für sie zum Selbstläufer. Jeder Mann und jede Frau die dort diente - ja es dienten auch Frauen - waren knallharte Kämpfer. Bovier versuchte gen Ende zu kapitulieren und aufzugeben. Aber wieviel ist das Wort eines Verräters noch wert? Und wann schlägt er wieder um? Dennoch wollten wir ihm glauben und erwiesen ihm einen letzten Akt der Gnade, wir schenkten ihren Kindern das Leben. Sie wurden mental bereinigt und auf die Heime verteilt. Und so endete ein Orden, der glorreich und mit den besten Vorsätzen anfing. Einst waren es Männer und Frauen voller Ehre und Stolz. Aber je weiter sie gingen, je mächtiger sie wurden, je mehr Schranken fielen um so größer wurde ihre Gier und je größer wurden auch ihre Ausuferungen. Der Duc sah nur eine Möglichkeit - Machtbeschneidung. Die Agenten sahen dies als persönliche Kriegserklärung und erklären nun ihrerseits den Duc für das Problem. Wohlwissend, dass dem nicht so war. Sie hatten ihre Grenzen missbraucht. Sie töteten nicht mehr im Namen der Krone, sie schlachteten, wenn ihnen danach war. Nun nicht alle, aber ein Großteil sehr wohl. Die wenigsten Agenten waren zum Ende noch friedlich. Aber auch die friedlichen hatten sich dem Widerstand angeschlossen. Ein Staatsstreich, Hochverrat duldet kein Duc und Etienne hat dies ebenfalls mit aller Härte unterbunden, er befahl ihre völlige Vernichtung und wir vernichteten die Feinde unserer Majestät und unseres Landes. Und dennoch schenkten wir ihren Kindern Gnade, denn die Kinder waren unschuldig. In Euch lebt das Erbe von Berzan weiter Bellamy«, sagte Parcival. »In einem anderen Mann lebt das Erbe von Mercer weiter. Und man sieht, die Fähigkeiten, die Euch Eure Väter vererbten zum Guten angewandt, sind ein Segen. Leider haben Eure Väter dies aus den Augen verloren. Sie verloren sind im Hass, in der Gier und vor allem in der Rachsucht. Mercer war am Ende nichts weiter als ein rachezerfressener, hasserfüllter Schlächter, der jeden seiner Feinde tot sehen wollte. Berzan hingegen versuchte noch im letzten Moment zu verhandeln, seine eigenen Leute zu schützen und nicht alle samt in den glorreichen Untergang mitzureißen wie es Mercer getan hätte. Er konnte seine Kameraden nicht schützen, dass musste Berzan verstehen, denn sie alle waren Verräter. Unentschuldbar. Aber mit seiner letzten guten Tat, rettete er alle Kinder der Agenten - sogar den Sohn Mercers. Er starb dennoch als aufrichtiger Mann, so möchte man meinen«.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel kuschelte sich von hinten an Bellamy an. Er legte seinen Kopf auf dem breiten Rücken ab. Für ihn selbst war es interessant zu hören, was Parcival berichtete, für Bellamy würde es harte Kost sein. Er merkte nicht viel von Bellamy durch ihre zwei Rüstungen und er wusste auch nicht, ob Bellamy das leiden mochte, aber wenn nicht, würde er schon irgendwie zeigen, dass er mehr Abstand brauchte. Im Gegenzug würde er jedoch nie einräumen, wenn er nach solch einer Botschaft Beistand benötigte. »Chevalier Silvano de Mancini ist der Sohn von Mercer Desnoyer«, ergänzte Ciel.

Parcival
»Ja das ist korrekt und er steht unter Überwachung, wie jedes Kind der Agenten. Zu unserem wie zu ihrem Schutz. Zwei seiner ständigen Begleiter sind seine Wächter unsere Augen Herr«, ergänzte Parcival um Ciel die mögliche Sorge zu nehmen.

Bellamy Bourgeois
Bellamy drückte sich gegen Ciel und umfasste mit seiner in einem Panzerhandschuh steckenden Hand die seines Freundes. »Danke für die offenen Worte Parcival und Danke Ciel, dass ich sie hören durfte. Ich denke wir alle sind einfach froh, eine Kindheit hinter uns gelassen zu haben, die keine war. Und auch wenn unser Vater ein Verräter war, hat er uns nicht verraten. Ich kann nicht beurteilen, was ihn oder seine Leute dazu bewogen hat so zu handeln, oder so zu entscheiden. Vielleicht fing es harmlos an... mit einem Wegschauen. Und irgendwann gab es kein Hinschauen mehr, sondern man gab sich dem Kampf völlig hin. Aber das ist nur eine Vermutung, denn auch in der Gruppe die scheinbar ein Feind ist, wie es die Agenten waren findet der Ausgestoßene Halt. Ein Agent der kein Verräter sein wollte hatte keine Chance. Entweder gehört er dazu oder nicht. So kann ich es mir nur vorstellen. Wer verrät seinen Kameraden? Er hat vielleicht versucht anders zu handeln, ich weiß es nicht. Vielleicht rede ich mir auch nur etwas schön. Aber eine gute Tat hat er vollbracht, er rettete die Kinder. Zu welchem Preis? Tja, dass steht auf einem anderen Blatt. Aber ohne diese Rettung hätte es gar keine mögliche Zukunft für uns gegeben«, sagte Bellamy und drückte Ciels Hand dankbar.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel erwiderte den Händedruck. »Ich denke, da haben Sie recht, Belly. So, wie Parcival ihn beschrieb, war Berzan auf seine Weise ein ehrbarer Mann. Wissen Sie etwas Persönliches von ihm zu berichten? Etwas, dass man als Sohn gern von seinem Vater im Gedächtnis behalten würde. Und wie sah er aus?«

Parcival
»An das was ich mich besonders erinnere sind seine nachtschwarzen Haare und seine himmelblauen Augen. Ein großer Kontrast, aber das gab ihm ein sehr markantes Aussehen. Er war ein kräftiger, bulliger Typ, er war ein Mann von enormer Kraft, seine Söhne haben genau diese Merkmale von ihm geerbt und ich denke dass ist nicht zu Eurem Nachteil. Ein Mann mit der Statur eines Kriegers, eines Kämpfers, eines Ritters wenn Ihr so möchtet. Und so handelte und agierte er auch. Einen Rest Ehre war ihm geblieben, hatte er niemals verloren. Und er kämpfte bis zum Schluss für seine Leute, mit Wort und Schwert, oder besser gesagt der Armbrust. Das ist etwas das mir in Erinnerung blieb und das ich achte. Auch wenn er für die falschen Ziele einstand. Das tragt Ihr in Euch und ebenso sein anderer Sohn, er vielleicht sogar noch mehr als Ihr, auch wenn Ihr dies sicher nicht gerne hört«, schmunzelte Paricval.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel freute sich, dass Parcival gute Worte über Berzan gefunden hatte. Er hoffte, dass dies dazu beitrug, dass Bellamy nicht in Hass an das Geschehen dachte, wenn er sah, dass man seinen Vater trotz aller Verfehlungen in gewisser Weise noch ehrte, anstatt auf sein Andenken zu spucken. »Ich bin sicher, Berzan wäre stolz auf seine Söhne«, sprach Ciel und er meinte es so, wie er es sagte. »Er hat am Schluss bereut, aber er konnte nicht mehr umkehren. Ab einem bestimmten Punkt ist das nicht mehr möglich. Seine Söhne gingen in ihrem Leben den Weg, den er sich wohl insgeheim auch für sich selbst gewünscht hätte und ganz sicher für seine Kinder. Möchten Sie es Boldiszàr selbst sagen, wenn wir ihm begegnen, Belly, oder soll ich das für Sie tun?«

Parcival
»Richtig Herr, der Punkt ohne Wiederkehr. Der Punkt ohne Wiederkehr von Berzan, wurde der mögliche Wende- und Rettungspunkt für seine Söhne und alle anderen Agentenkinder. Wobei wir überlegt haben, ob der Sohn Mercers überleben darf. Mercer war die Giftschlange, er war der Kommandant. Treu seinen Leuten gegenüber, aber vergiftete Gedanken bezogen auf den Rest der Welt. Hätten sie gewonnen, hätte es so einige von uns nach seinem Urteil nicht mehr gegeben. In dem Fall hätten wir nur auf Berzan hoffen können. Aber wir entschieden uns dafür das Opfer und den letzten Versuch zu ehren von Berzan und so überlebten alle. Wir standen zu unserem Wort«, sagte das Himmelsauge.

Bellamy Bourgeois
»Es würde mich freuen, wenn wir das gemeinsam tun könnten Ciel. Ich möchte es meinem Bruder persönlich sagen, ich möchte ihm sagen wer ich bin und wie ich für ihn empfinde. Ohne dass es jetzt lächerlich oder falsch klingt. Ich möchte ihm sagen, dass er nicht allein ist, dass wir nicht alleine sind, sondern das wir uns haben und schon immer hatten. Nur wenn mir die Stimme versagt oder ich was ins Auge bekomme, wäre schön wenn Du da wärst«, sagte Bellamy ohne zu merken, dass er den Prince geduzt hatte.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel guckte brüskiert. Das tat er immer, wenn jemand eine Grenze überschritt. Da er so jung und obendrein dünn und blass war, nahm ihn nicht jeder Untertan so ernst, wie er sich das wünschte. Doch dann entspannte er sich. Bellamy und er hatten im sportlichen Wettkampf die Klingen gekreuzt und sein Schwertmeister war sicher der Letzte, der ihn verkannte. »Ich werde da sein, Belly«, antwortete Ciel. »Und es ist in Ordnung, wenn du mich duzt, wenn wir unter uns sind. Nur bitte nicht in der Öffentlichkeit. Man nimmt mich auch so schon kaum für voll. Ich denke, dass Boldiszàr deine Worte genau so verstehen wird, wie sie gemeint sind. Und Mercers Sohn sollte erfahren, dass die Himmelsaugen ihm besondere Gnade erwiesen haben, wenn er den ersten Schock verdaut hat.«

Bellamy Bourgeois
Bellamy schaute Ciel über die Schulter an. »Das war keine Beleidigung ich war gedanklich, bei Euch als Kamerad. Ich werde natürlich die Form wahren in der Öffentlichkeit und dafür sorgen, dass man Euch den Respekt erweist, der Euch gebührt. Nur dort, seid bitte als Kumpel anwesend. Seid einfach da. Ich kenne den Mann nicht Herr, entweder müsst Ihr ihn aufklären oder Boldi. Ich denke nicht, dass mir das zusteht. Meinen Bruder hingegen möchte ich persönlich aufklären, er ist mein Bruder, was kann man einem Schöneres sagen, der allein ist? Mir konnte man nichts besseres sagen. Ihr habt erlebt wie wir denken, wie ich dachte. In so eine Richtung hätte ich doch nie gedacht. Leider«, sagte Bell.

Ciel Felicien de Souvagne
»»Es ist schon in Ordnung, Belly. Nehmen Sie mir mein gelegentliches Gezicke nicht krumm, ich habe viel durchgemacht, unter anderem die Leichen zweier von den Menschenfressern angefressenen Babys geborgen. Meine Nerven liegen blank und dann neige ich dazu, launisch zu werden. Ich werde froh sein, wenn der ganze Ärger vorbei ist. Welche Richtung meinen Sie, in die Sie nie gedacht hätten? Sie haben Recht, Boldiszàr sollte es dem Chevalier de Mancini selbst übermitteln, wenn die beiden sich wirklich so nahestehen, wie behauptet wird.«

Bellamy Bourgeois
»Ich weiß das Herr, ich wollte Euch damit nur sagen, egal wo und wie, ich bin für Euch da. Mit dem Ihr, Sie oder Du, wie Ihr es wünscht oder erlaubt. Nur dort benötige ich keinen Herrn, ich benötige einen Freund. Denn versteht mich bitte nicht falsch, meinem einzigen Garde Kumpel muss ich sagen dass er mein Bruder ist. Er kann mir also nicht beistehen und wen habe ich sonst noch? Euch. Das ist Euer Part mir das Händchen zu halten, ja ich gebe es zu ich benötige es, weil ich mich tierisch freue und zeitgleich soviel Angst habe keinen Ton herauszubekommen. Wie sagt man so etwas gewaltiges ohne dass einem die Stimme versagt, man lächerlich klingt oder piepsig wie ein Mädchen? Darf man ihn drücken, boxen oder knuffen? Oder ist das zu locker und wirkt deplaziert? Darf ich ihn umarmen und weinen? Oder wirke ich dann wie eine Memme? Was ist richtig? Was falsch, ich weiß es nicht und ich hoffe ich weiß es sobald ich ihm dabei ins Gesicht sehe. Damit ich weiß was ich tun darf. Ich möchte ihm einfach sagen wir gehören zusammen und ich bin immer für Dich da. Das soll er hören und sehen und spüren wenn er es zulässt. Wer das überlebt hat, was Ihr überlebt habt, Eure Kämpfe kämpfte und sich Eure Gedanken machen musste, soll mir beweisen dass er nicht launisch wäre. Wir klären dass Herr, wir lassen nicht zu dass diese Kreatur einen von uns bedroht, oder Euch schadet. Sie wird niemandem mehr schaden«, sagte Bellamy.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel drückte Bellamy. »Wir reden ja gerade privat. Sag du zu mir, bis es ans Eingemachte geht. Boldiszàr wird genau so wenig wissen, was er darf und ebenso keine Stimme haben. Aber er ist unkompliziert und du bist einfühlsamer, als du zugeben magst. Ihr werdet in diesem Augenblick wissen, was zu tun ist. Du solltest abends nicht so oft allein vor dem Palast sitzen und rauchen. Gesell dich zu den Kameraden, die Feierabend machen. Boldiszàr und Robere lassen den Abend oft draußen gemeinsam ausklingen und plaudern noch ein wenig oder gehen mit den Kameraden in die Stadt. Du kommst doch mit beiden gut aus. Oder ansonsten werden andere Gardisten deine Wellenlänge sein. Du bist aber auch bei mir willkommen, wenn meine Zeit und Ferrau es erlauben. Ein wenig Freizeit brauche sogar ich und die verbringe ich gern mit Leuten, die ich mag.«

Bellamy Bourgeois
»Danke, ich werde Dich gerne nach Feierabend besuchen und falls Du keine Zeit oder Lust hast, klincke ich mich an die anderen. Aber nach dem Verlust meines Postens musste ich einfach für mich sein und nachdenken. Vielleicht habe ich es damit übertrieben. Ich hoffe er sieht es genauso und freut sich«, grübelte Bell.

Ciel Felicien de Souvagne
»Oh, ich bin sicher, dass er das wird. Warum sollte er auch nicht? Er war genau so sein Leben lang allein, von seinem Ersatzbruder abgesehen. Siehst du, da hast du die Antwort. Er hat sich sogar einen Ersatzbruder gesucht. Er wird aus allen Wolken fallen, wenn ihm das Original seine Identität offenbart, aber im guten Sinne. Und ihr beide solltet überlegen, ob ihr eine Änderung des Nachnamens beantragt ... Bellamy Bovier und Boldiszàr Bovier.«
Souvagne zog unter ihnen hinweg und Linhard hatte seine Flugeinlagen eingestellt. Der restliche Flug verlief ruhig und sie sammelten ihre Kräfte und ihre Konzentration für den bevorstehenden Kampf.
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Silvano de Mancini

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Re: Die Altlasten der Agenten der Autarkie

#4

Beitrag von Silvano de Mancini » So 26. Aug 2018, 03:45

Ciel Felicien de Souvagne
Die Burgruine lag im dichten Nebel, der vom Moor heraufstieg. Es war ein warmer Abend und der weiße Dunstschleier verdeckte die Sicht auf das Tal, welches die Gewitterfeste umgab. Der felsige Berg in der Mitte war auf traurige Weise gekrönt von den übrig gebliebenen Wandstücken. Ein Eingang ins Gewölbe war unter dem Unkraut und den wild wachseneden Bäumen aus der Luft nicht zu erkennen. »Da unten sind sie«, rief Ciel. Durch den Nebel schob sich eine Reihe schwarz gerüsteter Gestalten auf schwarzen Pferden samt einiger Begleiter. Khawa schon vor längerer Zeit vorgegangen und hatten zu Fuß den Weg durch das Moor erkundet und in der Ruine ein Feuer vorbereitet, das nun den Reitern ebenso den Weg wies wie den Neuankömmlingen aus der Luft. »Gehen wir runter«, befahl Ciel. Die Cockatrices landeten etwas abseits, ebenso wie der Pferde außerhalb der Ruine grasen durften. Die Reiter aller Tiere hingegen trafen sich beim Feuer und es gab ein lautstarkes Begrüßungszeremon.

Bellamy Bourgeois
Bellamy sprang wie alle anderen ebenfalls von dem großen Drachenhahn. Die Burgruine war etwas Beklemmendes. Hier hatte eine Familie gelebt, geliebt und gelacht und übrig blieben davon nur eine alte Ruine, alte Steine die von vergangenen Zeiten sprechen konnten. Sein Gang kam der Ruine gleich, er hatte Boldiszar davon zu berichten, welche Steine sie beide in ihrer Familienruine waren. Aber im Gegensatz zu ihm, schien Boldi einen Stein wieder aufgehoben und auf einen anderen gestellt zu haben. Oder sogar mehr als einen, denn durch seine Freundschaft, Partnerschaft oder was auch immer er mit dem fremden Chevalier eingegangen war, war ein Stein ins Rollen gekommen, der eine uralte verschüttete Wahrheit wieder ans Tageslicht befördert hatte. Vielleicht würde dies eines Tages auch mit den Duponts geschehen, denn dass sie genau hier an dieser Ruine standen, war doch sicher kein Zufall. So wie der Name Dupont für Unglück stand, so hoffte Bellamy heute, würden ihm die Ahnen all jener die hier grundlos starben, den Rücken stärken und ihm beistehen. Ihr Leben waren vergangen und im Nebel der Zeit davongeweht, vielleicht aber auch schauten sie aus der seltsamen Nebelbank zu und wunderten sich, warum ihre tote Burg heute mehr Leben als in den letzten Jahren enthielt. Möglicherweise fragte sie sich sogar, was hier unten los war oder wussten es bereits. Bellamy schaute zu dem Nebel auf, aber was immer er hoffte dort zu finden, er sah es nicht. Wozu auch? Alles was er benötigte trug er im Hirn und im Herzen. Langsam ging er auf Boldiszar zu und schaute seinen alten Kameraden lange an. "Lange nicht gesehen und doch wiedererkannt Boldi. Auf eine Zigarette? Ich muss mit Dir dringend sprechen", bat Bellamy.

Boldiszàr
Boldiszàr, der sich gerade mit Etienne besprochen hatte, übergab dem rothaarigen Gardisten das Kommando und begleitete Bellamy. Sie stapften durch das feuchte Gras, bis sie in ausreichender Entfernung zu den anderen waren. »Was gibt`s?«, fragte Boldiszàr auf die ihm eigene pragmatische Art und Weise.

Bellamy Bourgeois
Bellamy schaute Boldiszar ernst an und wusste schlagartig nicht wie er anfangen sollte. Nun wenn man jemanden auf eine Zigarette einlud, war es am besten ihm auch eine anzubieten. Bellamy grinste schräg und hielt Boldi eine Rauchstange hin. "Wir haben zu reden, privat, es ist wichtig und ich tue mich echt schwer damit. Hör mir zu in Ordnung? Bitte", bat Bell.

Boldiszàr
»Noch sind die Beißer nicht da, wir haben also Zeit für einen Plausch.« Boldiszàr fragte sich, worum es Bellamy gehen mochte. »Wegen Vano?«, riet er. Er nahm die Rauchstange entgegen, klemmte sie zwischen seine Lippen und wartete, das Bellamy sie entzündete.

Bellamy Bourgeois
Bellamy zündete Boldiszars Rachstange an und dann die eigene, gleichzeitig erleichterte ihm Boldi den Einstieg, wofür Belly ihm dankbar war. "Unter anderem auch, denn genau dass führte zu der Offenbarung eines alten Geheimnisses. Erzähl mir von ihm. Seid Ihr Freunde oder seid Ihr mehr? Du wirst gleich verstehen, warum ich Dich das frage. Und Du wirst begreifen, dass mich das weit mehr angeht, als Du jetzt gerade glaubst. Aber aus einem guten Grund, aus einem schönen Grund Boldi. Ich weiß nur noch nicht Recht wie ich anfangen soll. Es sind sehr viele und tiefe Infos auf einmal. Und Du sollst nicht ohne das Wissen in die Schlacht ziehen. Drum hock Dich und erzähl mir von dem Mann, von dem scheinbar jeder die Maske kennt, aber nicht den Kerl dahinter. Freund oder Geliebter Boldi? Was ist er? Wer ist er?", fragte Belly und knuffte Boldi vor die Schulter. Es fühlte sich ganz anders an mit dem Wissen, über das er jetzt verfügte.

Boldiszàr
Boldiszàr grunzte, als Bellamy ihn mit der Faust knuffte. Nachdem er sich daran gewöhnt hatte, dass der kein Palaisin mehr war, fand er, dass sich die Kameradschaft zwischen ihnen zu einer Freundschaft entwickelt hatte. Sie hatten sich schon immer gut verstanden, aber seit das offizielle Ranggefälle weg war, konnten sie ungezwungener miteinander umgehen. So setzte er sich, wie Bellamy gemeint hatte, auf einen Mauerrest, der nun eine Bank bildete. »Du weißt, dass Silvano Ärger bekommt, wenn ich jetzt was Falsches sage. Drum muss ich dich bitten, zu schweigen. Du hast oft für mich geschwiegen und für meine Männer. Du hast dafür hart bezahlt. Wenn du es trotzdem noch einmal tun würdest, werde ich dir sagen, was du zu hören wünschst.«

Bellamy Bourgeois
Bellamy setzte sich direkt neben Boldi und nickte grinsend. "Ich schweige für Dich, aber glaube mir, was Du im Gegenzug von mir erfährst, ist nichts gegen das was Du mit Silvano getan haben könntest. Ein paar verstohlene Küsse in einem Seitenflur ist wirklich niedlich dagegen, was ich Dir offenbaren muss und werde. Ich möchte nur einen guten Einstieg finden, einen wo Du siehst, was mir wichtig ist, wer. Es geht um Dich. Aber auch um Silvano. Also ich schwöre Dir ich schweige. Allerdings wirst Du nicht schweigen und dass was ich Dir gleich erkläre Silvano erläutern müssen. Falls ich stocke, mal nicht weiterweiß oder so, denk nicht ich habe sie nicht mehr alle. Das fällt mir schwer. Drum probiere ich es etwas über die Flanke", grinste Bell und nahm einen tiefen Zug aus der Rauchstange. "Erzähl mir alles über Euch, ich schweige wofür Du oder er Ärger bekommen könnte. Ich möchte es aus einem guten Grund wissen".

Boldiszàr
Boldiszàr nahm einen tiefen Zug von seiner Rauchstange und pustete den Rauch langsam wieder aus. »Vano und ich sind zusammen. Nicht nur ein bisschen, sondern so richtig, mit Treuegelöbnis und Zukunftsplänen und allem Drum und Dran. Er hat mich damit ziemlich überfahren, aber dann fand ich`s geil. Inzwischen find ich es weitaus mehr, er ist nicht nur ein heißer Feger, sondern hat einen wirklich anständigen Charakter. Ich hätte nicht gedacht, dass ich solche Worte mal in den Mund nehmen würde, aber ich liebe den Typen. Hab mich voll in den verschossen. Er hat eine romantische Ader und wir waren nachts unterm Sternenhimmel im Meer baden. Meine Zeit bei der Leibgarde neigt sich dem Ende, Belly. Ich werde nicht jünger und nun weiß ich, wie es danach weitergehen wird. Das war eine Sache, die ich lange vor mir hergeschoben hatte und Vano hat mir die Lösung präsentiert. Sobald alles in Sack und Tüten ist, übergebe ich Unitè B in die Hände von Etienne und fang auf seinem Kriegsschiff an.«

Bellamy Bourgeois
Bellamy hörte Boldi zu und rauchte dabei genüsslich seine Rauchstange. Einerseits konnte er kaum glauben, was er da hörte. Boldi, verliebt? Verschossen? Zukunftpläne? Und das mit einer männlichen Modepuppe vom Hof? Auf der anderen Seite hatte Ciel zu Recht gesagt, Kapitän der Kriegsmarine wurde man sicher nicht weil man bei hohem Seegang noch zielsicher Lidschatten auftragen konnte. Und so anständig wie Boldi von ihm redete, musste es ein guter Kerl sein. Selbst wenn er die befürchtete Modepuppe wäre, dafür Boldi aber genau das Gefühl schenkte, einfach nur gut zu ihm war und ihn ebenso liebte, was wäre daran falsch? Nichts, überhaupt nichts, denn wann hatten sie diesen Umstand je? Es war ein Privileg geliebt zu werden und Bellamy freute sich dermaßen für seinen Bruder, dass er dafür keine Worte fand. Er grinste ihn blöde an und legte ihm einen Arm um die Schulter. Er fühlte das Glück mit, aber er fühlte auch einen Stich, dass er so etwas nicht empfinden konnte. Oder es zumindest glaubte. Aber das hatte hier nichts verloren. Es ging um die Beziehung von seinem Bruder. Das er keine haben würde, war sein Bier. Er hatte hier seinem Bruder den Hintern, die Zukunft und die Beziehung zu retten. Bellamy räusperte sich. "Also habe ich einen Schwager ja?", fragte er gerührt und lehnte seine Stirn gegen die von Boldi.

Boldiszàr
»Wenn man so will«, schmunzelte Boldiszàr. Er freute sich, dass Bellamy ihn als Wahlbruder betrachtete. Er hatte nichts dagegen. Vielleicht war Bellamy sogar ein bisschen wehmütig, weil sein Kamerad die Leibgarde verließ und auf ein Schiff zog. Wann und ob sie sich wiedersehen würden, stand danach in den Sternen. »Wir sollten einen trinken gehen, bevor ich abreise«, meinte Boldiszàr.

Bellamy Bourgeois
"Ich meine das nicht im Übertragenen Sinne Boldi, Du bist mein Bruder. Unser Vater war Berzan Bovier. Berzan Bovier war ein Agent der Autarkie. Sein bester Freund und Kommandant war ein Agent namens Mercer Desnoyer. Mercer Desnoyer und Berzan Bovier begingen mit den Agenten der Autarkie Hochverrat und wurden dafür vernichtet Boldi. Du bist der leibliche Sohn eines der Rädelsführer und zwar von Bovier. Dein Mann Silvano de Mancini ist der leibliche Sohn von Mercer Desnoyer. Ihr beiden, wir drei haben den gleichen Hintergrund. Aus dem Grund erst, wurde mir die Wahrheit offenbart. Du und Silvano, mit Euch beiden haben sich zwei Söhne zusammengetan, deren Väter die Köpfe einer Verschwörung waren. Ich erklärte Dir gleich wer die Agenten waren und was passierte, so wie man es mir erläuterte Boldi. Aber vorher möchte ich wissen, dass Du mir immer sehr nahe gestanden hast, dass ich mehr als bei jedem anderen ein Auge zudrückte und nicht wusste warum, nun weiß ich es Bruder", sagte Belly und drückte Boldi fest an sich.

Boldiszàr
Boldiszàr konnte als hauptberuflicher Kämpfer Informationen sehr schnell verarbeiten und darauf reagieren. Doch jetzt war es, als ob sein Gehirn kurz aussetzte. Einen Moment lang wusste er nicht, ob er das alles richtig verstanden oder nur geträumt hatte. Als Bellamy ihn felsenfest umarmte, wusste er, dass er sich weder verhört noch eingebildet hatte. Einen langen Moment hing er schweigend in Bellamys Umarmung, ehe er ihn vorsichtig zurück umarmte. Dann wich er zurück, wobei er ihn an den Schultern festhielt und ihm ins Gesicht starrte. Es war ein analytisches Starren, weil er nach Ähnlichkeiten suchte. Sie waren nicht zu verleugnen. Nicht nur, was das tiefschwarze Haar und die hellblauen Augen betraf, sondern auch ihre kräftige Kiefermuskulatur und die dichten Brauen ähnelten sich. Genau genommen war das Einzige, was sie optisch deutlich unterschied, die Nase. »Bei der Verteilung der Nasen hast du eindeutig als erstes Hier gerufen, so das für mich nur eine Kartoffel übrig geblieben ist, die obendrein nach oben zeigt. Das ist das Privileg der Erstgeborenen. Dann bist du ja mein großer Bruder! Ich ... bin von den Socken«, stammelte Boldiszàr. »Mann, Belly, das ist ja ... das ist ja fabelhaft! Wir zwei sind Brüder! Ist das geil?« Sein bis gerade eben vor Schreck noch starres Gesicht lockerte sich auf und er feixte. Das Feixen wurde zu einem Lachen.

Bellamy Bourgeois
Bellamy grinste Boldi genauso breit an und musste blöde lachen. "Unser Vater sah wohl ebenso aus. Schwarze Haare, blaue Augen und unsere Statur. Hör mir nun genau zu Boldi, denn Du musst Deinem Mann die Geschichte erzählen. Er hat es etwas ungünstiger getroffen als wir. Bevor man versteht, was der Verrat der Agenten der Autarkie bedeutet, muss man wissen, wer und was die Agenten waren. Ich fange von vorne an. Die Agenten der Autarkie waren ausschließlich dem Duc Rechenschaft schuldig. Damit standen sie über jeder sonstigen Exekutive innerhalb des Landes. Zu einem Agenten der Autarkie wurden nur die fähigsten Kämpfer erhoben. Zudem gab es keine tatsächliche Ausbildung zu einem Agenten, denn die Agenten wurden aufgrund ihrer Befähigung oder besonderen Leistung im Büttel- oder Militärdienst auserwählt. Die Agenten waren Elitesoldaten, die zur Wahrung von Frieden und Stabilität innerhalb Souvagnes mit allen Rechten und Freiheiten ausgestattet waren. Sie arbeiteten allein oder in Gruppen von zwei bis drei Personen. Ihr einziges Ziel war es, den Frieden und die Freiheit Souvagnes mit allen Mitteln zu schützen. Einige von ihnen waren engagierte Kämpfer, andere versuchten Konflikte mit Diplomatie zu lösen. Wiederum andere waren gnadenlose Schlächter, die zur Problemlösung jedes störende Individuum skrupellos beseitigten. Der Einsatz eines Agent war bei Streitigkeiten zwischen Hochadligen wesentlich einfacher, als eine eventuell notwendige Militäraktion. Jedoch wies ihr Einsatz stets auf ein ernstes Problem hin. Da sie außerhalb des Rechtssystems standen und weder den Lehnsherren, noch dem Militär unterstellt waren, waren sie von den meisten rechtlichen Konsequenzen komplett ausgeschlossen. Diese Straffreiheit war besonders den Adligen ein Dorn im Auge. Vor allem da die Agenten zum Schutz der Krone wie auch zum Schutze Souvagnes auf jeder Scholle läutern, sprich töten durften, ohne dem Adelsstand anzugehören. Einst waren die Agenten eine angesehene Organisation, welche von vielen Bürger zeitgleich verehrt wie auch gefürchtet wurde. Als Duc Alain Etienne de Souvagne die Rechte der Agenten der Autarkie beschneiden und anpassen wollte, planten diese einen Staatsstreich. Verhindert wurde dieser durch die Himmelsaugen am 01.11.168. An diesem folgenschweren Tag wurden alle Agenten der Autarkie entweder von den Himmelsaugen persönlich gerichtet, oder landeten am gleichen Tag noch auf dem Richtblock. Keinem Agenten war es möglich, sich dem Zugriff der Geistmagier des Ordens der Himmelsaugen zu entziehen.

Bellamy Bourgeois
Die Rädelsführer des Aufstandes der Agenten waren Mercer Desnoyer und Berzan Bovier. So wie sie gemeinsam kämpften, so sind sie auch gemeinsam gefallen. Mercer war der Kommandant und Freund von Bovier, man könnte sagen sie waren wie Brüder. Sie kämpften bis zum Schluss, also bestand nur eine Möglichkeit - da Mercer leider ein zu schlauer Kopf war. Wir benutzten ihn als Waffe gegen seine eigenen Leute. Er hat Verrat an der Krone verübt, wer würde ihm da nicht zutrauen auch seine Kameraden zu verraten? Er wurde von einem Himmelsauge mental übernommen und er tötete zig seiner Kollegen, als er sich gegen sie wandte. Für seinen Verrat ging er als Doppelverräter in den Tod. Er sühnte damit dass, was er angerichtet hatte. Die schmutzige Waffe wurde am Ende eine saubere durch unsere Nutzung. Seine Kameraden kannten keine Gnade, sie zerfetzten ihn regelrecht. Bovier hat versucht seinen Freund zu retten, aber für ihn kam jede Rettung zu spät, ebenso für alle anderen. Nicht erst dort, sondern schon da, wo sie den Verrat umsetzten. Sie hatten weitreichende Befugnisse, aber es reichte ihnen nicht aus. Ihre Möglichkeiten wurden für sie zum Selbstläufer. Jeder Mann und jede Frau die dort diente - ja es dienten auch Frauen - waren knallharte Kämpfer. Bovier versuchte gen Ende zu kapitulieren und aufzugeben. Aber wieviel ist das Wort eines Verräters noch wert? Und wann schlägt er wieder um? Dennoch wollten wir ihm glauben und erwiesen ihm einen letzten Akt der Gnade, wir schenkten ihren Kindern das Leben. Sie wurden mental bereinigt und auf die Heime verteilt.

Bellamy Bourgeois
Und so endete ein Orden, der glorreich und mit den besten Vorsätzen anfing. Einst waren es Männer und Frauen voller Ehre und Stolz. Aber je weiter sie gingen, je mächtiger sie wurden, je mehr Schranken fielen um so größer wurde ihre Gier und je größer wurden auch ihre Ausuferungen. Der Duc sah nur eine Möglichkeit - Machtbeschneidung. Die Agenten sahen dies als persönliche Kriegserklärung und erklären nun ihrerseits den Duc für das Problem. Wohlwissend, dass dem nicht so war. Sie hatten ihre Grenzen missbraucht. Sie töteten nicht mehr im Namen der Krone, sie schlachteten, wenn ihnen danach war. Nun nicht alle, aber ein Großteil sehr wohl. Die wenigsten Agenten waren zum Ende noch friedlich. Aber auch die friedlichen hatten sich dem Widerstand angeschlossen. Ein Staatsstreich, Hochverrat duldet kein Duc und Etienne hat dies ebenfalls mit aller Härte unterbunden, er befahl ihre völlige Vernichtung und wir vernichteten die Feinde unserer Majestät und unseres Landes. Und dennoch schenkten wir ihren Kindern Gnade, denn die Kinder waren unschuldig. In Euch lebt das Erbe von Berzan weiter Bellamy..... dass war es, was Parcival mir über unseren Vater und den Vater von Silvano erzählte. Aber es geht noch weiter.

Bellamy Bourgeois
In einem anderen Mann lebt das Erbe von Mercer weiter. Und man sieht, die Fähigkeiten, die Euch Eure Väter vererbten zum Guten angewandt, sind ein Segen. Leider haben Eure Väter dies aus den Augen verloren. Sie verloren sind im Hass, in der Gier und vor allem in der Rachsucht. Mercer war am Ende nichts weiter als ein rachezerfressener, hasserfüllter Schlächter, der jeden seiner Feinde tot sehen wollte. Berzan hingegen versuchte noch im letzten Moment zu verhandeln, seine eigenen Leute zu schützen und nicht alle samt in den glorreichen Untergang mitzureißen wie es Mercer getan hätte. Er konnte seine Kameraden nicht schützen, dass musste Berzan verstehen, denn sie alle waren Verräter. Unentschuldbar. Aber mit seiner letzten guten Tat, rettete er alle Kinder der Agenten - sogar den Sohn Mercers. Er starb dennoch als aufrichtiger Mann, so möchte man meinen. Damit endete die Erklärung von Parcival.

Bellamy Bourgeois
Du und Silvano bedeutet für die Krone und die Himmelsaugen die Auferstehung von Bovier und Desnoyer. Und deshalb wurden wir informiert, damit wir beweisen können, dass wir für uns selbst stehen und nicht die Spiegelbilder unserer Väter sind Boldi", sagte Bellamy und strich seinem Bruder über die struppigen Haare.

Boldiszàr
Boldiszàr fiel es schwer, wieder etwas Abstand zwischen sie zu bringen, damit sie vernünftig reden konnten. Die Kameraden oben auf der Burg guckten schon neugierig, was sie hier trieben. Zufällig mussten sie genau so laufen, dass sie Bellamy und Boldiszàr auf der Mauer sahen. Sie drehten nicht den Kopf in ihre Richtung, aber natürlich guckten sie trotzdem. Die Informationen, die sein Bruder ihm gab, waren heftig. »Scheiße gelaufen«, murrte er und warf einen Blick in Richtung Parcival und Jules. »Lass mich raten. Sie wollen uns auslesen, nicht wahr? Berzan Bovier ... Vater. Total seltsam, auf einmal seinen Namen zu kennen. Und Mercer, der Schlächter. Deswegen scheißt der Duc sich jetzt also ein?« Boldiszàr runzelte besorgt die Stirn. »Wieso haben die uns das nicht schon vorher gesagt, wenn sie wussten, dass wir Brüder sind? Das ist unfair, oder? Hätten wir das eher gewusst, hätten wir viel mehr Zeit miteinander verbracht.«

Bellamy Bourgeois
"Vermutlich hatten sie Angst, dass die Überlebenden Kinder einander suchen. Und natürlich hätten wir mehr Zeit miteinander verbracht. Was ist mit Robere? Ist er einer von uns? Lass das bloß keinen hören, nachher meinen die wirklich noch wir planen den Weltuntergang. Hast Du Dich anders im Bezug zu mir gefühlt als zu anderen, so wie ich? Ich fühlte mich bei Dir irgendwie immer... anders halt. Ich habe immer angenommen, es beruht auf unserer gemeinsamen Vergangenheit. Man es beruht sogar darauf! Nur hielt ich unsere gemeinsame Vergangenheit für das Gleichnis wir beide sind Heimkinder! Das wir tatsächlich eine gemeinsame Vergangenheit haben, dass habe ich nicht gewusst. Aber irgendwie warst Du mir vertraut und ich dachte eben, weil Du mich verstehst, weil Du das Gleiche durchgemacht hast. Was ist mit Robere? Ist er ein Agentenkind? Was meinst Du? Und was ist mit Silvano? Hast Du zu ihm einen guten Draht? Kannst Du ihm das sagen? Oder hast Du Bedenken, dass er abweisend reagiert? Tja wie sagt man sowas auch? Hallo Liebling, wusstest Du dass ausgerechnet unsere beiden Väter Hochverräter waren? Stell Dir dass mal vor! Unsere Familien arbeiteten schon immer zusammen. Und wie war Dein Tag? Viele Krabben gefangen? Oder was sagt man da?", grübelte Bell.

Boldiszàr
»Doch«, sagte Boldiszàr und nickte. Da ihm die Rauchstange heruntergefallen war, drehte er sich eine neue und brauchte dafür doppelt so lange wie sonst. »Doch, ich hab auch was gespürt. Aber ich hab das beiseitegeschoben, weil ich dachte, na ja, ich dachte, mein Hirn will sich in dich verknallen. Das konnte ich nicht gebrauchen und wusste ja, wie du tickst, drum bin ich etwas auf Abstand geblieben. Dabei war das Bruderliebe ... wir haben das unterbewusst gespürt! Hätte ich das gewusst! Man darf nicht trennen, was zusammengehört. Wir hätten so eine geile Zeit verbringen können. Stattdessen erfahre ich, was los ist, kurz bevor ich abreise. Ich könnt grad...! Ich hab ein total komisches Gemisch aus Freude und Wut in mir! Belly...!« Er umarmte ihn noch einmal fest. »Wieso haben Sie unsere Mutter getötet und die anderen? Vielleicht hatten wir noch Tanten und Onkel und Cousins und Cousinen! Was soll jetzt mit uns passieren? Ich bin grad bisschen durch den Wind. Was mit Robby ist, weiß ich nicht. Wir haben uns immer vorgestellt, dass wir wirklich Brüder sind, weil wir beide schwarzes Haar haben und uns sehr nahestehen. Wir sind miteinander umgegangen, als wären wir es wirklich. Aber das war nur Fantasterei. Stattdessen hatte ich meinen leiblichen Bruder die ganze Zeit vor der Nase! Über Robbys Eltern weiß ich nichts. Aber ich vermute, dass er einen Sohn hat, der bei Silvano auf dem Schiff dient. Zu Silvano habe ich einen sehr guten Draht und ja, ich werde es ihm einfach so sagen. Wozu um den heißen Brei herum reden?«

Bellamy Bourgeois
"Weil ich vermute, dass er deshalb Ärger am Hof hatte, ich weiß leider nichts genaues. Robby ist und bleibt Dein Wahlbruder Boldi, schmälere das nicht. Er war alles was Du hattest und Du warst alles für ihn. Warum sie alle getötet haben, kann ich Dir nicht sagen. Vermutlich um wie es Parcival sagte auf Stand Null zu setzten. Jeder der direkt und indirekt mit dem Verrat zu tun hatte ist tot. Ja ich fühle das gleiche wie Du. Freude dass wir uns nun haben, Verwirrung wegen den Informationen zu unserem Vater, Trauer um die verlorene Zeit. Wozu hat man uns denn getrennt? Das hätte man uns doch lassen können. Angst um die Zukunft, vor allem Angst um Dich, Angst um Silvano - um einen für mich Unbekannten! Angst Dich zu verlieren, dass Du nicht wieder zurückkommst. Dabei bin ich als erster gegangen da ich geflogen bin. Wer hat mich vom Richtplatz geholt und mir die weitere Schande erspart? Du Boldi. Und wem habe ich scheinbar einfach so meine effektivste Waffe geschenkt, für den Wenn-Fall? Dir Boldi. Ja sie werden uns auslesen, aber allen voran Dich und Silvano. Ihr habt nie etwas anderes besprochen, als Eure Zukunft ja? Ihr habt nie irgendein eine sagen wir mal Gemeinheit geplant die man übel auffassen könnte? Du kennst doch solche Abendspinnereien - was würde ich tun wenn ich Duc wäre? Nun das solltet Ihr nicht durchgesponnen haben, wobei das ja nur ein Witz wäre. Was würde ich tun, wäre ich ein Greif, wäre da wohl ein besserer Scherz. Also falls Du sowas gedacht hast, sag es mir", flüsterte Bell.

Boldiszàr
»Wir haben ... wir haben im Prinzip die Familie geschützt, die unsere Familie ausgelöscht hat. Wir haben sie mit unserem Leben beschützt! Ob das eine Art von Humor war? Dass sie uns die ganze Zeit beobachteten und auslachten? Gar nichts haben Vano und ich geplant, als unsere gemeinsame Zukunft - auf dem Meer und nicht im Palast! Wer will bitteschön freiwillig Duc sein? Ich nicht! Und Vater sicher auch nicht, er hätte diesem Mercer den Vortritt gelassen. Mercer ist derjenige, von dem die größte Gefahr ausging und darum haben sie nun Vano auf dem Kieker. Das ist nicht fair, Belly«, regte Boldiszàr sich auf. »Sie haben uns nur verschont, um unsere Väter noch Jahrzehnte später zu demütigen! Ich werde wieder zurückkommen, sofern sie uns nicht umbringen, weil wir nun wissen, wer wir sind. Eigentlich will ein Teil von mir jetzt überhaupt nicht mehr abreisen. Aber ich muss dir ganz ehrlich sagen: Ich weiß nicht, ob ich unter diesen Voraussetzungen dem Duc noch dienen will. Ich fühle mich verarscht.«

Bellamy Bourgeois
"Das verstehe ich, aber ich verstehe auch warum sie damals so handelten. Weil unsere Väter auf ihren Dienst spuckten, wie ich einmal und was kam dabei heraus? Und vergiss eines nicht, unsere Väter waren das. Der von uns, der von Silvano und der von Maximilien. Ich bin mal so frech und nenne ihn so. Weder kann Max was dafür, noch Du, noch ich noch Silvano! Wenn dann war es eine Sache zwischen Ettienne, Mercer und Berzan! Das ist es was mich ärgert. Sie alle drei haben uns allen den Scheiß vor die Füße gekotzt. Echt wie sollen wir damit umgehen? Keine Ahnung oder Silvano? Wird er nicht wissen, oder Maximilien? Entweder folgen wir unseren Vätern, was dumm wäre oder wir nutzen die Chance die wir dank unseres Vaters haben Boldi, wir ziehen einen Strich unter die Sache und beweisen allen, dass wir es besser können. Und damit meine ich nicht Max oder die aus unserer Generation, sondern diesem verteufelten alten Himmelsauge. Denn glaubst Du allen ernstes die Idee kam von Max Vater? Seit dem Tag sind die Himmelsaugen DASS war die Agenten waren. Und seltsamerweise starb Ettienne und sein erster Sohn. Der der mit allem nichts zu tun hatte, der der keine Thronvorbereitung hatte überlebte - Max. Und er kennt nur das was ihm die Himmelsaugen sagten. Soweit ich weiß, war sein einziger Vertrauter ein uralter Leibdiener und die Himmelsaugen. Ein 17 Jähriger der den Thron sein eigen nennt, für das Land sprechen muss und niemanden hat. Überleg doch mal Boldi, er war im Grunde wie wir - er verlor alles. Ein bisschen viel Zufall oder? WER wacht über die Wächter? Ja wer eigentlich? Wer liest die Himmelsaugen aus? Oder meinten gar nicht die Agenten der Duc ist das Problem, sondern meinten die Agenten die Himmelsaugen sind das Problem? Also kamen die Agenten weg und dann der Duc... ein Schelm der böses dabei denkt...", flüsterte Bellamy.

Boldiszàr
»Versteh mich nicht falsch, ich hege keine Rachegedanken oder will zu Ende bringen, was unser Vater plante. Gar nicht. Ich bin nur gerade so aufgebracht. Ich freue mich so, dass wir endlich wissen, wer wir sind, aber das Wissen ist auch ziemlich schwere Kost.« Er rieb sich über das Gesicht und lehnte sich an Bellamy an. »Du bist echt mein großer Bruder ... dafür hast du mich erstaunlich wenig geärgert. Ich werde nun immer, wenn ich Ärger habe, zu dir kommen, mich ausheulen und dann musst du den Übeltäter verprügeln. Du könntest mit Archibald von Dornburg anfangen, der Sau, die uns unseren kleinen Adoptivbruder Robby entführt hat. Das mit den Himmelsaugen ... so habe ich es noch nie gesehen. Ich sag dir, wer über sie wacht: Niemand! Weil niemand sie auslesen kann! Sie sind ein Kollektiv, ein Schwarm. Ein Geistmagier von außerhalb würde nicht durchkommen. Und wenn einer von innen gegen sie ist, bemerken sie es sofort und er erleidet einen tragischen Unfall. Wie Alain Etienne.«

Bellamy Bourgeois
"Nicht wahr? Sie sind ein Kollektiv, ein Schwarm, ein Superorganismus und das Hirn heißt Parcival. Und sie sind vehement dafür, dass sich jeder Geistmagier ihnen anschließt. Wieviele freie Geistmagier kennst Du? Mir ist nur Marquis Davard bekannt, aber er wuchs hier nicht auf und seine Lehrlinge. Wie lange glaubst Du sind sie noch frei? Selbst jene die unter den Adligen geboren werden, gehen in den Orden. Wer in Souvagne Geistmagier ist, wird Himmelsauge. Er wird Teil des Kollektivs. Was wäre denn wenn sagen wir mal ein Sohn des Duc die Gabe hätte? Ich glaube er wäre schlagartig Alleinerbe und natürlich Himmelsauge. Bevorzugt zuerst Himmelsauge und dann Duc. Du hast Recht, der mächtigste Magier kann nicht gegen den gesamten Orden bestehen und es werden nicht weniger sondern mehr. Das ist ihre Macht. Einer sieht was, alle wissen es. Hier siehtst Du einen Straftäter, am anderen Ende des Landes, wobei überall im Land weiß es jedes Himmelsauge. Jeder sucht Dich, jeder Vogel kann ein feindliches Auge sein. Sie werden Dich finden, es reicht dass Dich wer sieht oder Deine Gedanken aufschnappt. Also wovor fürchten sie sich eigentlich? Es gibt nur eines was Mächtige fürchten die Wahrheit Boldi. Mal den Duc beim Lügen erwischt? Also Maxi? Er ließ uns ja sogar das sagen. Vielleicht zum Test, vielleicht aus anderen Gründen, aber er handelt doch so, dass man sagen kann er ist edlemütig und ehrlich. Parcival auch? Was weißt Du über ihn oder ich? Wir sollten einmal mit Maximilien reden. Ich dachte auch zuerst, warum tat er es uns an? War das für ihn lustig? Aber weißt Du nach langer Überlegung denke ich war es dass ganz sicher nicht, denn guckt wie geht er mit seinen Leuten um? Wonach sehnt sich der Mann, wie hat er gelebt? Er war wie wir. Und mal ganz dunkel weitergedacht, vielleicht möchte ja jemand, dass wir Rachegedanken hegen gegen Maxi... der nie eine Entscheidung in der Sache traf, sondern es serviert bekam, wie wir. Denn Maxi hat seinen eigenen Kopf, den hatte er immer. Vielleicht bereut jemand die Wahl des Schicksal, wer auf dem Thron sitzt und hätte lieber Pom dort oben gehabt, den der für viele Ideen offen war. Komm Max mal mit einer Idee, ich war sein Pala. Er denkt darüber nach und denkt und denkt. Und zur Sicherheit fragt er Experten. Denkt über sein Gedachtes nach und ist er sich nicht sicher lautet die Antwort nein. Er startet keinen Versuch. Das kann schon nerven, wenn man was möchte und selbst gar nicht Duc ist, sondern nur der Oberguru von einem Geflügelclub", wisperte Bell.

Boldiszàr
»Warte mal ... Prince Ciel hängt viel mit Magiern rum. Mit diesem Alexandre, von dem keiner Weiß, was überhaupt seine wirkliche Aufgabe ist, aber auch mit anderen. Und er spricht in den höchsten Tönen von seinem Onkel Pomy! Wessen Idee war es, uns dieses Wissen zu servieren?«

Bellamy Bourgeois
"Ich glaube die des Duc oder von Ciel, wieso? Ohhhhhh verstehe... Du meinst Ciel ist es ebenso aufgefallen, das Parcival ein bisschen zuviel Macht hat und er möchte korrigieren? Ja so kenne ich meinen Ciel, er ist ein schlauer Fuchs und er möchte in den Hühnerstall...", grinste Belly.

Boldiszàr
»Ja, denk doch mal nach«, flüsterte Boldiszàr. »Es ist kein Zufall, dass er ausgerechnet dich zu seinem Schwertmeister gemacht hat. Einen Agentensohn! Und dass er Unitè B bevorzugt, die Einheit eines anderen Angentensohns. Er hat uns schalten und walten lassen. Ansonsten hat er uns scharf gehalten. An der Leine fängt der Hund keinen Hasen, sagt man doch. Erst als es Nathan ans Leder ging, hat er mal was gesagt. Hast du die Sache mit Remy mitgekriegt? Remy ist auch ein Himmelsauge und hat Ciels Frau geknallt. Das wird der ausschlaggebende Punkt gewesen sein, wo er entschied, zu handeln.«

Bellamy Bourgeois
"Remy "die Plaudertasche" de Muer? Man ich sollte sein Gesicht in die Butterpfanne drücken. Er hat die Frau von Ciel gevögelt? Wobei Boldi, bei Ainuwars Eiern... denk nach! Remy hat sich Olivie auf den Riemen gezogen und ein ganzer Orden erlebt hautnah in Gedanken mit wie er seinen Liebesdorn in der Spalte der Prinzessin versenkt. Er war sicher der Hengst des Monats! Und das schreit nach Rache. Aber das könnte er uns ehrlich sagen".

Boldiszàr
»Ich denke, Ciel wird schon lange die Himmelsaugen beobachten. Er weiß, dass sein Vater manchmal zögerlich ist mit Entscheidungen und sich dann von denen reinquatschen lässt. Den eigenen Vater als Marionette zu erleben, muss ihn ärgern. Sein Vater lässt sich von Parcival beraten, von Jules und von Massimo - alles drei Geistmagier. Und Remy, das Himmelsauge, das munter die Tochter seines Sohnes poppte - verheiratet er prompt mit ihr. Von wem lässt Ciel sich beraten? Ganz klar - von dir. Das spricht doch eine eindeutige Sprache.«

Bellamy Bourgeois
"Und Massimos Bruder ist Maurice. Der Bruder des Palaisin ist ein Himmelsauge. Ergo der neue Pala kann jederzeit mental sofort die Himmelsaugen kontaktieren. Er selbst oder über seinen Bruder. Ich glaube gar nicht, dass Max sich reinquatschen lässt, es ist viel schlimmer - er stellt es gar nicht mehr in Frage. Die Himmelsaugen waren immer für ihn da, sie sind die Rettung wenn was geschieht. Er ist damit aufgewachsen, dass sie die Nation, sein Land, sein Leben gerettet haben. Und sie sind immer für ihn da... war das auch so, als Leon noch lebte? Hatten sie da die gleiche Macht und die gleiche Stellung? Als dieser uralte Leibdiener seinen jungen Schützling an der Hand hielt und ihm den Rücken stärkte? Ich glaube nicht. Erst als Leon starb, war der Weg frei, dass sie die alleinigen Berater wurden. Weiß Fabien soviel wie Leon wusste? Ist Fabien vielleicht heimlich ein Himmelsauge dass alles beobachtet? Sie wissen doch sicher alles von Max, natürlich nur zum Schutz! Ist doch klar! So schleicht Fabien da herum, sieht alles, hört alles, überträgt alles direkt durch seine Augen in den Kopf von Penner Parciv... der Vogel... nicht Fabien... der Vogel!", keuchte Belly.

Boldiszàr
»Welcher Vogel denn?«, fragte Boldiszàr aufgebracht.

Bellamy Bourgeois
"Maximilien hat einen Adler, Arlette und sie ist immer da wo er ist. Und sie guckt verdammt schlau. Man kann sie hinterher schicken, man kann ihr Aufgaben geben und der Federball schnallt das alles. Denk doch mal nach, dass ist kein echter reiner Vogel. Das ist ein Team! Ein Team wie Jules und Gufo! Arlette und wer? Max schleppt seine Hunde nicht mal überall mit hin, aber Arlette ist sogar im Thronsaal, oder hockt im Büro. Sie ist überall!"

Boldiszàr
"Dann gehört sie einem Himmelsauge! Aber welchem? Und weiß Max das überhaupt? Was machen wir jetzt? Warnen wir ihn oder klären wir das mit Prince Ciel? Oder warten wir einfach ab? Sorgen über Sorgen", stöhnte Boldiszàr gestresst.

Bellamy Bourgeois
"Oh nein, wir spielen das Spiel erstmal mit und Du redest mit Silvano. Und berichte ihm von unserem Verdacht. Wenn er nur annähernd so tickt wie sein Vater, wird er den Sumpf strategisch aufdröseln können. Und warum wurde sein Vater als Waffe missbraucht? Warum durfte ausgerechnet er nicht überleben? Warum wurde er seinen Leuten zum Fraß vorgeworfen? Und warum sollte Vano sterben als Kind? WARUM? Was wusste er? Was hatte Papa ihm erzählt und wofür reichte dann die Löschung nicht? Wir erinnern uns schließlich auch nicht! Wir bekamen es erzählt. Wir benötigen einen Magier, der die Blockade oder was da immer in unseren Köpfen ist aufheben kann. Oder einen Heiler? Können Heiler so etwas? Oder besser noch! Wir benötigen einen Geistmagier, der uns ausliest, einen neutralen! Einen der jede Schranke knackt und dann haben wir ihn, wer immer dahinter steckt! Rede mit Deinem Mann und Boldi, falls es Fakt ist was wir befürchten, dann waren unsere Väter keine Verräter sondern Märtyrer. Sie starben weil sie zuviel wussten und mundtot gemacht werden mussten. Vielleicht verrennen wir uns auch in etwas. Aber eines ist Fakt - Parcival hat eindeutig zuviel Macht. Die Macht sollte allein beim Duc liegen. Der Duc sollte Oberhaupt des Ordens sein. Nicht wahr?", wisperte Bell.

Boldiszàr
»Absolut richtig.« Boldiszàr hatte ziemliche Kopfschmerzen. »Dann wurden unsere Väter nicht hingerichtet ... sondern ermordet. Und Vano ist in Gefahr, den behalten sie besonders im Auge. Ich will nicht, dass sie alles über ihn und mich wissen, vermutlich konnten wir nicht mal zusammen rummachen, ohne dass der gesamte Orden zugeschaut hat. Hat man eigentlich überhaupt irgendwo Privatsphäre? Wir drei sicherlich nicht als Agentensöhne. Wahrscheinlich ist auch in meiner eigenen Einheit irgendwer ein Himmelsauge. Ich werde Vano warnen. Irgendwo, wo keiner Zugriff hat. Die Himmelsaugen benötigen Blickkontakt, um Gedanken auslesen zu können. Wir müssen künftig auf jeden Fall Blickkontakt zu Parcival, Jules und ihren Vögeln vermeiden.«

Bellamy Bourgeois
"Augenkontakt? Sie starren einem dazu in die Augen? Hat Silvano einen Magier an Bord? Frag ihn danach! Auf alle Fälle, was ist mit Jules? Er ist auch einer von ihnen, wobei er eigentlich Dein Kumpel ist. Aber was er sieht, sehen auch die anderen. Was geschieht wenn er sich sagen wir mal aus diesem Konsenz löst?", fragte Bellamy und rieb sich die Schläfen vor Kopfschmerzen.

Boldiszàr
»Ja, Jules hat mir bisschen was erklärt, als wir nach Robby gesucht haben. Er hat es mit Geistmagie versucht und dabei aus dem Nähkästchen geplaudert. Jules scheint mir ein anständiger Kerl zu sein und ich glaube nicht, dass er uns was Böses will. Er hat auch stets für Robby gesprochen. Aber momentan hängt er in ihrem Schwarm drin. Das heißt, wenn wir ihn einweihen, dann weiß kurz darauf jeder von ihnen Bescheid. Aber hundertprozentig kann ich es dir nicht sagen. Frag das doch Ciel, der sich so viel mit Magiern abgibt, die keine Himmelsaugen sind. Er wird es wissen.«

Bellamy Bourgeois
"Ja ich habe Angst Ciel dann in Gefahr zu bringen, ich muss vorsichtig rumhorchen. Ganz vorsichtig wie mit geklemmten Eiern Mann Scheiße", stöhnte Belly.

Boldiszàr
"Wir sollten, wie du schon sagtest, am besten erstmal die Füße stillhalten. Zuerst beseitigen wir diesen Lich und retten Robby. Anschließend informiere ich Silvano. Und dann?"

Bellamy Bourgeois
"Du solltest ihn vorher informieren, denn wer weiß was Parcival nun denkt, wo die Katze aus dem Sack ist. Stell Dir vor er fällt über Bord und das Himmelsauge stand verstehentlich hinter ihm. Du bist doch nicht dabei! Der Lich ist doch gar nicht hier, ich glaube der ist nur eine Erfindung von Parcival. Oder Parcival ist der Lich, wer weiß das schon", murmelte Bellamy. "Wo war Silvano zum Schluss? Und wo habt Ihr Euch getroffen? Ich meine wo wohnt Dein Mann zur Zeit? Weiß sein Adoptivvater wer er ursprünglich war? Vermutlich nicht oder?", fragte Belly. "Noch etwas, kommt Dir die ganze Sache mit Robere auch nicht komisch vor? Sein Sohn auf Vanos Schiff. Robere ständig irgendwie ein Hochverräter. Und wenn man hinter all das schaut, was hat er gemacht? Nichts! Dafür hatte immer Nathan seine Finger im Spiel. Überall wo der Abgrund seinen Schlund aufreißt springt Nathan heraus! Die Duponts! Tot! Nathans Gesang! Robere die Kimme aufgestemmt! Nathans Beschuldigung und meinen Arsch haben auch gleich aufgebohrt. Und angeblich führt Nathan diese Gruppe hierher. Zu den Duponts, weil noch drei Steine stehen. Das kann nicht so stehen bleiben. Wer beim Abgrund ist Nathan? Sein Vater dient nur Dreux. Wer weiß, pass auf die kommenden Tage verliert der die Haare oder den ganzen Kopf".

Boldiszàr
»Vergiss nicht, dass zuvor Robbys Arm von Edoardo ausgekugelt wurde wegen Nathans Lügen. Nathan ist eine absolute Pest! So wie Robby das schilderte, war das zwischen ihnen einvernehmlich. Nathan hat sich ihm sogar aufgedrängt und ist ihm andauernd hinterhergelaufen. Was mit dem Kerl nicht stimmt, weiß ich nicht, aber der hat sie nicht mehr alle. Wenn er in diesem Spiel eine Rolle spielt, dann steht er nicht auf der Seite der Agentensöhne. So wie Parcival unser größter Gegner ist. Silvano ist momentan im Palast, wenn er nicht schon abgereist ist. Sein Schiff liegt hier in Cantillion vor Anker. Bis zur Küste ist es von hier aus gar nicht so weit.«

Bellamy Bourgeois
Bellamy schaute sich verstohlen um. Er konnte niemanden sehen, vermutlich hatten sie es Ciel zu verdanken, dass sie einige ruhige Minuten für sich hatten. "Wollen wir Deinem Mann einen Besuch abstatten? Ich meine falls er noch nicht zurück auf dem Schiff ist, ist er unterwegs dorthin. Entweder läufst Du ihm oder er Dir in die Arme. Nathan hat Robere absichtlich den Arm auskugeln lassen? Das ist doch die Höhe. Da stimmt was gewaltig nicht mit ihm. Aber Nathan muss warten, jetzt müssen wir Dich und Deinen Mann retten. Also sag was Boldi, ich bin dabei. Wir schleichen uns weg und wieder her. Erkennst Du sein Schiff?", fragte Belly leise.

Boldiszàr
»Die Choucas würde ich wiedererkennen, ja. Gut, abgemacht. Gehen wir zu Fuß oder nehmen wir die Pferde? Mann, ich mach mir gerade ziemliche Sorgen. Danke, dass du mir das alles gesagt hast, Großer.« Er strich ihm einmal mit gespreizten Fingern vom Nacken hinauf durchs Haar.

Bellamy Bourgeois
"Die Pferde fallen auf, wir rennen, wenn es nicht sehr weit ist. Dauerlauf. Erkennt Dich an Bord wer wieder? Der Sohn von Robere wird uns hoffentlich rein lassen. Komm Kleiner", flüsterte Bellamy und bei dem Wort Kleiner fühlte sich sein Herz unheimlich schwer und leicht zugleich an. Das war sein kleiner Bruder und verdammt nochmal, er würde dafür sorgen dass Boldi seinen Kerl behielt und wenn das Rakshor persönlich wäre. Was ging das andere überhaupt an? Diesen alten Tattergreis Parcival oder die anderen Spanner? Nichts! Boldi war durch die Scheiße seiner Kindheit geschwommen, hatte eine Verletzung überlebt, die kaum jemand überlebte! Und die er niemals erlitten hätte, wenn er nicht ins Heim gestopft worden wäre von den Himmelsaugen. Nein, so nicht, dachte sich Bellamy. Nicht erneut würden sie seinen kleinen Bruder bestehlen. Erst Mutter und Vater, dann seinen Bruder und nun auch noch den Mann? Wenn es das letzte war, war er sicherte, dann war es Boldis Leben und seine Liebe. Dann lebte er in der Erinnerung von seinem Bruder fort und er war ein letztes Mal ein Pala - für Boldi. Der wohl beste Job den man auf ganz Asamura haben konnte -großer Bruder. Belly boxte Boldi und schlich vor, führte ihn hinaus auf die offene Straße ohne dass man ihr Verschwinden bemerkte.

Boldiszàr
Boldiszàr folgte Bellamy durch das Moor. Zu Fuß war es wegen des ungewöhnlich langen und trockenen Sommers gut begehbar, nur für die Pferde hatten sie eine Weile nach einem ausreichend stabilen Weg suchen müssen. »Du kannst mich ruhig Kleiner nennen, auch wenn wir beide nicht gerade Riesen sind. Es fühlt sich richtig an.« Zur Küste waren es nur wenige Kilometer und die zwei gut trainierten Krieger waren bald da. Auch die Stadt mit dem Hafen war bald gefunden - und das Schiff war nicht zu übersehen. Boldiszàr krähte am Steg herum, bis jemand das Beiboot herunterließ und zu ihnen gerudert kam. Als das Beiboot sich näherte, stieß Boldiszàr Bellamy an. »Das ist er. Sacha, den ich für Robbys Sohn halte. Schau ihn dir an!« Sacha ruderte derweil bis an den Steg heran und machte das Boot fest. Er stand auf. »Steigt ein«, forderte er sie auf und bot ihnen Hilfe beim einsteigen an.

Bellamy Bourgeois
Bellamy schlich Boldi hinterher und musterte seinen Bruder mit anderen Augen. Ja selbst die Statur war ihnen auf den Leib geschrieben. Er hätte sich gerne mal gemeinsam mit Boldi neben seinen Vater gestellt. Sie mit den nachtschwarzen Haaren und den himmelblauen Augen. Als sie an dem Schiff ankamen staunte Belly nicht schlecht, wie riesig so ein Schiff war. Man hörte Schiff, aber er hatte noch nie vor einem gestanden. Wie auch oder wozu auch? Und dann kam ein junger Robere sie abholen. Boldi hätte nichts sagen müssen, er hätte genauso baff geschaut ohne Kommentar. "Das ist Robby in jung", flüsterte Bellamy. "Danke", sagte er zu dem jungen Mann und kletterte an Bord. Er knuffte Boldi zum Zeichen, dass er es genauso wie der Kleine sah.

Sacha Bonnet
Sacha ruderte die beiden Gäste an die Choucas heran. Steil ragte die jetzt am Abend dunkel wirkende Bordwand neben ihnen hinauf, hoch und massig wie ein überhängender Felsen. Das Beiboot wurde mit den drei Insassen hinaufgezogen, das Holz und die dicken Taue knarrten. Oben angelangt half er den beiden Passagieren über die Reling auf Deck. »Willkommen an Bord«, begrüßte er sie. »Einmal Boldiszàr und wen darf ich noch ankündigen?«

Bellamy Bourgeois
"Vielen Dank, seinen Bruder Bellamy", sagte Bell und schüttelte dem jungen Mann gut gelaunt die Hand. Staunend schaute er sich auf dem Schiff um, auch wenn er kaum etwas sah. Einige Laternen erhellten das Schiff, aber nur so eben die Konturen.

Sacha Bonnet
»Kommt mit, Bellamy und Boldiszàr«, sagte Sacha freundlich und brachte sie in die Kombüse. »Besuch vom Capitaine«, informierte er den Smut, damit dieser nicht anfing rumzugeizen. »Macht es euch gemütlich.« Er machte eine einladende Geste.

Bellamy Bourgeois
Smut: Der Schiffskoch guckte auf die Uhr und schaute was er gerade gutes zubereitet hatte. Er war gerade dabei den Mittelwächter vorzubereiten, eine warme Mahlzeit bestehend aus Kaffee und belegte Brötchen um Mitternacht um die Wächter bei Laune zu halten. Und er hoffte dass ihr Kapitän bald wieder an Bord sein würde. Er stellte Boldi und Belly einen großen Teller hin, dazu gab es reichlich Kaffee, aber vor der Sorte der die Farbe von Teer hatte und genauso stark duftete.

Sacha Bonnet
"Wenn ihr was braucht, entweder den Smut fragen oder mich, ich bin draußen." Sacha verschwand wieder aus der Kombüse, um seiner Arbeit nachzugehen.

Boldiszàr
Boldiszàr freute sich über den extrem starken Kaffee, auch wenn der kaum trinkbar war und über die Mahlzeit. "Verhungern muss man nicht, wenn man der Anhang vom Kapitän ist", freute er sich. "Sind alle nett zu mir, man muss nur Vano erwähnen. Merk dir den Trick."

Bellamy Bourgeois
Bellamy machte sich sofort über den Kaffee her und schlüfte das schwarze Gebräu mit einer wohligen Imbrunst, als draußen eine Person dermaßen laut brüllte, dass er auf seinem Stuhl zusammenzuckte als hätte ihm jemand eine Peitsche übers Kreuz gezogen. "Käptn zurück auf Schiff!", bellte einer in einer Lautstärke dass Belly Boldi anstarrte.

Boldiszàr
Bestens gelaunt schlürfte Boldiszàr seinen Kaffee herunter, stand auf und nickte Bellamy zu. "Komm, ich stell dich ihm vor." Er ging nach draußen, voller Vorfreude, seinen Mann wiederzusehen.

Bellamy Bourgeois
Leicht verunsichert mit seiner Kaffeetasse in der Hand folgte Bellamy seinen Bruder. Er hoffte der Mann würde an Bord nicht ebenso herumschreien, sonst hätten sie während des Kampfes einen Gehörsturz und würden nicht einen Befehl verstehen. Vermutlich waren sie danach taub wie Türknaufe.

Silvano de Mancini
Nachdem Sacha Silvano wieder an Bord gebracht hat, entspannte sich Mancini etwas. Landratten waren die Pest. Wenn er jedesmal Jahre für eine Entscheidung benötigen würde, wären sie schon längst gekentert und das zu Recht! Er schaute nach dem ersten Offizier und erteilte ihm knapp den Befehl die Glocke zur baldigen Abfahrt zu Leuten. Damit wusste die Mannschaft auf Landgang dass die Choucas nicht mehr lange im Hafen liegen würde. Müde lief Mancini Richtung Kajüte und blieb wie angewurzelt stehen als er Boldi entdeckte. "Ach nä...", grinste er über beide Ohren.

Boldiszàr
»Hast du mich vermisst?«, schnurrte Boldiszàr trat auf seinen Schatz zu, packte ihn und küsste ihn innig. Speichel lief an seinem Kinn hinab. »Ich für meinen Teil hab kaum an etwas anderes gedacht. Ich muss dir jemanden vorstellen, meinen Bruder Bellamy! Meinen großen Bruder«, stellte er heraus, weil es ihn derart freute, fortan einen solchen sein Eigen nennen zu können. »Silvano, das ist Bellamy oder Belly. Belly, das ist Chevalier Silvano de Mancini, mein Partner, mein Mann.«

Silvano de Mancini
Vano erwiderte die Umarmung von seinem Schatz und drückte ihn fest an sich. Er genoss den Kuss und wischte Boldi den Mund sauber. Er schmuste seinen Kopf an den von Boldi und musterte ihn müde. "Vermisst ist kein Ausdruck, aber ich habe es irgendwie geschafft den Duc zu vergrätzen mit meiner Frage. Frag mich nicht warum, ich weiß es nicht Boldi. Das erzähle ich Dir später. Dein Bruder? Ich dachte Du wärst allein... hattest Du das nicht gesagt?", fragte Vano verwirrt und legte Boldi einen Arm um die Hüfte, so wie er es gerne tat. "Willkommen", grüßte Vano Bellamy freundlich.

Bellamy Bourgeois
Bellamy schüttelte Vano gut gelaunt die Hand, die gar nicht so zart war, wie er vermutet hatte. Bell versuchte ihm nicht auf die Narbe im Gesicht zu starren, aber das war leichter gedacht als getan. Vermutlich war Vano das gewöhnt. "Nun wir wissen es auch erst seit heute Silvano. Rede mit Deinem Mann, bitte. Es ist wichtig und ich meine sehr wichtig. Vertrau uns", bat Belly und nahm einen großen Schluck Kaffee. Er knuffte beide. "Ich bin nicht unfreundlich, aber ich gehe zurück in die ehm... Küche? Und esse weiter, kurzum Ihr seid ungestört Ihr zwei. Bis später hoffe ich", grinste Bell.

Boldiszàr
»Bis später, Belly. Lass es dir schmecken. Robby würde jetzt vor lauter Freude noch sagen: Scheiße. In diesem Sinne, bis nachher. Wenn dir langweilig wird, plauder ein wenig mit Sacha.« Er legte den Arm um die Schultern von Silvano und grinste extrem breit, so dass seine Mundwinkel fast symmetrisch aussahen. Er zog ihn fest an sich heran und küsste ihn noch einmal, bevor er mit ihm in Richtung Kajüte zusteuerte. »Belly hat Recht, es ist sehr wichtig. Leg dich einfach gemütlich hin und hör mir zu, du siehst fertig aus.«

Silvano de Mancini
"Eben bis später. Aber der Blaue Peter ist gehisst. Ach ja für Euch Landr..gänger die Signalflagge zeigt an, dass das Schiff binnen 24 Stunden den Hafen verlassen wird, wir reisen ab. Ich hab die Schnauze voll, weshalb erkläre ich nach einem Schnaps. Allerdings nur Boldi", sagte Vano und zog Boldi hinter sich her in die Kajüte. Dort ließ er ihn los und küsste ihn so fest, dass er ihn damit gegen die Tür drückte. Boldi spürte der länge nach Silvanos ganzen Körper, ehe dieser sich mit einem Lächeln von ihm löste und sich daran machte sich auszuziehen. "Was ist denn los? Du zuerst Schatz. Und ich habe etwas für Dich, dass ich Dir geben werde", gähnte Mancini.

Boldiszàr
Boldiszàr wurde sichtlich nervös, als sein Mann begann, sich zu entkleiden. Dass der ihn an die Wand gedrückt hatte und so innig küsste, weckte die Erinnerung an die leidenschaftlichen Stunden, die sie miteinander verbracht hatten. »Gab es großen Ärger? Ich hab dir auch eine ... nun ja, durchwachsene Botschaft zu überbringen. Ein Teil davon wird dich vielleicht freuen, der andere wird dir viel Stoff zum Nachdenken bescheren.« Er wartete, bis Silvano sich ausgezogen hatte. »Setz oder leg dich bitte hin, Schnucki.«

Silvano de Mancini
"Gleich. Nun dann ich zuerst, es geht schnell und schmerzhaft. Der Duc war grundlos wütend auf mich. Er sagte nicht nein, er sagte er müsse es sich überlegen und teilt mir die Entscheidung mit, sobald er sie getrofffen hat", sagte Vano. Er goss Wasser in die Waschtischschale und wusch sich sauber, wusch sich die Haare und schminkte sich ab. So musterte er Boldi einen Moment, ehe er sich abtrocknete und die Hängematte ausrollte. Er band sich seine nassen Haare zusammen und kroch in die Hängematte. "Gut, besser, Zuhause. Erzähl, ich höre Dir zu. Nur zur Info, ich werde mir eine Lösung für uns überlegen oder einfach nochmal fragen. Wie kommst Du an Deinen Bruder Boldi? Komm her, lass Dich knuddeln".

Boldiszàr
Boldiszàr folgte Silvano und legte sich zu ihm in ihre herrlich breite Zwei-Mann-Hängematte. Er streichelte ihn, während er sprach. »Die Laune des Ducs hängt mit dem zusammen, was ich dir sagen muss. Ich habe heute nicht nur erfahren, dass Bellamy mein Bruder ist, sondern auch, wer unser Vater war - Berzan Bovier. Umgebracht, da er mit seiner Einheit einen Staatsstreich plante. Der Name seiner Einheit: Die Agenten der Autarkie. Der Name der Mörder: Die Himmelsaugen. Es geht aber noch weiter. Unser Vater war mit dem Anführer der Agenten befreundet. Und jetzt kommt`s. Der Anführer der Agenten war dein Vater und sein Name lautet Mercer Desnoyer.«

Silvano de Mancini
Silvano rollte sich auf die Seite, um sich nicht den Hals verrenken zu müssen und schaute Boldi total verwirrt an. "Mein Vater hieß Mercer Desnoyer? Woher weißt Du das? Dann waren unsere Väter Freunde? Freunde... und wir beide sind Partner... denen geht der Arsch auf Grundeis...", sagte Vano leise und rutschte so nah wie möglich zu Boldi auf. "Glaubst Du immer noch an einen Zufall?", fragte Mancini und schmiegte sich an Boldi.

Boldiszàr
»Unsere Väter waren nicht nur Freunde, sie starben Seite an Seite. Unser Treffen und alles andere, das kann kein Zufall sein! Genau so wenig, wie dass Robbys Sohn auf deinem Schiff ist. Ich bin mir sicher, dass er sein Sohn ist und Belly glaubt das auch. Es ist Bestimmung, dass wir uns trafen und es ist doch nicht normal, dass wir uns von Anfang an derart liebten. Wir haben uns vielleicht als Kinder schon gekannt, bevor sie unsere Väter umbrachten, uns alle auseinanderrissen und jeden in ein anderes Heim sperrte. Ich weiß das alles von Bellamy und der hat es von dem alten Himmelsauge Parcival erfahren. Der Kerl war dabei. Sie beobachten uns schon unser gesamtes Leben lang und wir fanden trotz Gedächtnislöschung alle drei zueinander. Ihnen schlottern die Knie, das kannst du wetten.«

Silvano de Mancini
"...beobachten uns schon unser gesamtes Leben lang...", echote Mancini. Er schüttelte sich kurz und war mit einem Satz aus der Hängematte. Nackt, ungeschminkt und ohne Augenklappe wie er war, schnappte er sich seinen Dolch und verließ die Kajütte. "Bin gleich zurück...", hörte Boldi ihn sagen und davon tapsen.

Boldiszàr
Boldiszàr sprang auf die Füße und war keinen Wimpernschlag später hinter ihm. Was auch immer er vorhatte - er würde bei ihm sein.

Silvano de Mancini
Silvano ging schnurstracks und lautlos in die Kajüte des Bordmagiers, ohne zu zögern schnitt er ihm die Kehle von einem Ohr zum anderen auf und presste dabei dessen Gesicht in die Hängematte. Er sagte kein einziges Wort, gab keinen Ton von sich und wartete bis der Mann aufgehört hatte zu zappeln. Danach wickelte er ihn wie eine Spinne in seine Hängematte ein, schnitt die Seile ab und schnürte sie damit zu. Er drehte sich zu Boldi um, immer noch wortlos und küsste ihn mit Zunge. Danach zog er ihn hinter sich her, teilte kurz dem ersten Offizier auf Wachgang mit, dass die Kajüte vom Magier gesperrt war. Der Mann nickte knapp und für einen winzigen Moment sah Boldi dessen Mundwinkel versteckt zucken, ehe er seinen Wachgang fortsetzte. Vano zog Boldi weiter und sie gingen zurück in die Kajüte. Mancini warf seinen Dolch in die Waschschale und kroch zurück in seine Hängematte. "Also sie beobachten hier nichts mehr. Erzähl weiter Schatz", bat er liebevoll. "Und guck in die erste Schublade meiner Kleiderkommode. Nimm die Uhr heraus, sie ist für Dich", sagte Vano.

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Boldiszàr
Boldiszàr folgte ihm zurück in die Kajüte. Er war nicht im Plaudermodus. Silvano hatte getötet, obendrein nackt, und Boldiszàr war erregt bis unter die Schädeldecke. In der Hängematte rückte er so dicht auf, wie es nur ging, packte Silvanos Hüfte und seinen Schritt an ihn. Er grunzte leise und sammelte sich eine Minute. Dann erst stand er auf und holte das Kästchen aus der Schublade. Er trug es mit in die Hängematte und legte ein Bein über Silvano, während er es öffnete und eine Taschenuhr zu Tage förderte. Boldiszàr hob sie an der Kette hoch und betrachtete sie. »Danke ... Vano. Man sieht ... das Uhrwerk. Entschuldige, ich ... ja, das hast du angerichtet.« Er rang nach Atem und riss sich zusammen. »Wir werden heute nicht viel schlafen oder ich schlaf auf dem Fußboden, damit du deine Ruhe hast. Sie sieht solide gearbeitet aus, mit diesem Eisenhenkel, an dem die Kette ist. Woher hast du sie?«

Silvano de Mancini
"Warum sollte ich schlafen, wenn Du Dich dermaßen freust mich zu sehen? Du schläfst nicht auf dem Boden, sondern liegst auf mir. Ich habe sie von Davet geschenkt bekommen, sie sollte mir Glück bringen, das besondere an ihr ist ihr rundes Glas, sie ist wasserfest gearbeitet. Er hat sie mir geschenkt, damit ich bald mein eigenes Schiff bekäme, damit ich sie zur Navigation benutze. In ein besseres Leben, ich habe mein Schiff und mein besseres Leben, sprich Dich. Jetzt wird sie Dir Glück bringen, aber ich schenke sie Dir nicht, ich leihe sie Dir, so wie sie mir Davet lieh, bis sie Glück gebracht hat. Denn man verschenkt keine Uhren, man verleiht sie. Ich leihe sie Dir auf Lebenszeit. Oder länger, wie Du magst Schatz. Mit Ihr wirst Du navigieren lernen", sagte Mancini und strich Boldi das Bein entlang hoch. "Weißt Du warum unsere Väter diese Meuterei planten? Und gegen wen meuterten sie? Gegen die Himmelsaugen oder gegen den Duc selbst? Ich habe den Zusammenhang nicht so ganz verstanden. Nimm es mir nicht übel, aber zu erfahren dass unsere Väter Maaten waren und wir Macker sind - meine Kameraden waren und wir Partner sind, war wir ein Hammerschlag vor den Schädel. Also wer aggierte da wirklich gegen wen? Ich muss Dir unseren Slang beibringen, dass ist besser glaube ich. Boldi häng da nicht so rum ja?", lachte Mancini leise.

Boldiszàr
»Ich hatte noch nie eine Uhr ... danke für die Leihgabe. Sie ist wirklich schön. Ich pass drauf auf und freu mich drauf, sie auszuprobieren. Also pass auf, wegen unseren Vätern ... Belly und ich haben da eine Vermutung. Die offizielle Version lautet: Die Agenten der Autarkie wollten den Duc stürzen. Wegen einer Gesetzesänderung, die ihre Rechte einschränken sollte. Ist das glaubwürdig? Nur mit viel Fantasie. Wir vermuten, dass es um etwas ganz anderes ging: Der Angriff galt in Wahrheit den Himmelsaugen. Sie sind die Macht im Hintergrund, sie sind immer da. Sie wissen alles. Duc Alain Etienne starb nur zwei Jahre nach dem Tod der Agenten, samt seinem Thronerben - an die Macht kam der erst 17 Jahre alte Max. Beraten von, ja, klingelt`s - den Himmelsaugen. Und auch heute hast du einen von dieser Pest an Bord gehabt. Ich wette, ich hab einen von denen in meiner Einheit! Doch sie bewachen uns nicht, weil sie eine Meuterei gegenüber dem Duc fürchten - sondern weil wir unterbewusst noch wissen, wer sie waren und was sie verbrachen! Unsere Väter waren keine Verräter, sondern sie starben den Märtyrertod.«

Silvano de Mancini
Vano kraulte Boldi während er über das Gehörte nachdachte. "Die Agenten hatten Sonderbefugnisse wie die Himmelsaugen? Gut, wer lässt sich schon gerne in die Suppe spucken. Vermutlich war es ein Machtkampf Agenten versus Himmelsaugen. Wer ist der mächtigere Bund im Land und dabei zogen unsere Väter den kürzeren. Aber wenn man mit seinem Schmutzfinger auf andere deutet zeigt einer gen Himmel und drei auf einen selbst zurück, so sagt man. Der Duc starb zwei Jahre nach der Beseitigung der Agenten. Zwei Jahre zuvor war Maximilien Rivenet de Souvagne noch 15 Jahre alt, also nicht volljährig. Ein Jahr später war er das, aber das wäre sehr auffällig. Also ließ man ihn 17 Jahre alt werden, alt genug um den Thron zu besteigen und volljährig. Kein nächster Verwandter als Mitregent der in seinem Namen mit entscheidet. Denn das wäre ja nicht die Mama gewesen, sondern ein männlicher Verwandter, ein Onkel oder dergleichen, der solange mitentscheidet. Wie praktisch einen völlig isolierten Jungen auf dem Thron zu haben, der niemals Thronerbe war. Entweder ist das ein grandioser Zufall, oder ein toter Fisch der zum Himmel stinkt. Zur Zeit als die Agenten starben war unser Duc 15 Jahre alt, Duc Ettienne de Souvagne war an der Macht. Und er lebte danach nur noch zwei Jahre. In Ordnung. Was geschah während dieser zwei Jahre noch, in der Duc Maximilien de Souvagne Zeit hatte volljährig zu werden. Wie alt war sein Bruder? Wieviele Jahre waren die beiden auseinander? Und was tat der Bruder, dass man ihn auch loswerden wollen würde als Himmelsauge? Das ist jetzt die Frage. Nach den offiziellen Angaben kamen sie bei einem Unfall ums Leben. Der war welcher Art?", fragte Mancini und kroch auf Boldi.

Boldiszàr
Boldiszàr legte seine Hände um Silvanos Flanken. »Ein Kutschenunfall, wenn ich mich recht entsinne ... was ansonsten geschah, weiß ich nicht. Prince Ciel und Prince Linhard sind nur wenige Kilometer von hier bei einer Burgruine. Dort hab ich eigentlich gerade Einsatz ... vielleicht wissen die mehr.«

Silvano de Mancini
Die Finger von Vano fuhren durch Boldis schwarze Haare und massierten ihm den Schädel und zwar so, dass er es zwischen den Beinen spürte. Mancini dachte lange Zeit nach, er hatte Prince Ciel de Souvagne nur kurz gesehen, aber er machte einen aufrichtigen Eindruck. Der Mann war kein Sesselfurzer oder Hofbeamter, er war ein Feldherr, er kannte sich in der Kriegsführung und in strategischen Fragen an Land aus, wie er sich zu Wasser. Aber konnte er ihm vertrauen? Die Frage war eigentlich unsinnig, denn er sollte ihm vertrauen. Einem Teil der Krone, dem Sohn des Duc. Nicht nur als Kapitän der Marine, nicht nur als Wächter der Küste oder als Chevalier, sondern auch als ganz normaler Zivilist. Und wenn es stimmte, was sie befürchteten, dann konnte sogar Prince Ciel in Gefahr sein, falls sich ein gewisses Himmelsauge auf den Schlips getreten fühlte. Oder es war falscher Alarm, was Silvano hoffte. Nicht für sich, sondern für Prince Ciel. Für ihn war der Alarm mehr als real, nur konnte er nichts für seine Abstammung. "Falls mein Vater davon erfährt, wird er mich enterben... ich kann die Enterbung schon förmlich riechen... Wie siehst Du die Sache? Was würde er tun, wüsste er wer ich bin? Darum nehmen sich viele keine Kinder aus dem Heim, wer weiß was unter der Oberfälche brodelt, oder wer sie wirklich sind, was sie erlebt haben. Ebenso ist es mit Heimtieren, nicht wahr? Was sagst Du dazu?", fragte Mancini hilfesuchend.

Boldiszàr
»Ich kenne deinen Vater nicht und kenne mich auch so nicht gut mit Vätern aus. Warum sollte er davon erfahren, wenn er bisher nichts davon wusste? Von wem denn? Vielleicht weiß er es sogar und ist einer von den Wächtern, die man uns auf den Hals hetzte. Vielleicht hat dein Vater dich aber auch einfach adoptiert, weil er dich mochte. Belly und ich haben beschlossen, die Sache ganz langsam angehen zu lassen. Wichtig: Schau keinem Himmelsauge in die Augen und auch keinem Vogel. Sonst haben sie Zugriff auf deine Gedanken. So lange kein Blickkontakt besteht, können sie nur belauschen, was wir sprechen. Wir vermuten, dass Prince Ciel ebenso die Himmelsaugen ein Dorn im Auge sind. Während sein Vater den Himmelsaugen hörig ist, lässt er sich von Bellamy beraten. Auch hat er Bellamy, nachdem dieser seine Stelle als Palaisin verlor, aufgenommen. Und meine Einheit ist jene, die er bevorzugt in seinem Flügel haben will, obwohl wir schon einiges ausgefressen haben. Alles Zufälle? Bei einem Strategen wie Ciel? Er war es auch, der Bellamy seine Identität mitteilte. Ich denke, er sammelt vielleicht eine Truppe.«

Silvano de Mancini
"Wie soll ich jemanden in die Augen schauen? Ich kann jemanden nur anschauen Boldi. Nein ich denke nicht dass es mein Vater weiß, er ist sehr konservativ aber ein guter Vater gewesen. Streng, sehr streng, aber stets gerecht und er hat niemals die Hand gegen mich erhoben. Er hat mich nie geschlagen, nicht mal geohrfeigt. Er hat auch nie geschrieen, er hat erklärt. Er mag einige Eigenschaften haben, die ich nicht gut heiße, aber im Großen und Ganzen war er ein guter Vater. Er sagte immer er wüsste wofür er es täte. Oh und da müssen wir nichts hinein denken, denn er erklärte auch was er meinte - er müsse aus mir einen Adligen formen und zwar so, dass ich tatsächlich zu einem werde. Damit ich das werden kann, was ich mir wünsche. Also vielleicht denke ich da falsch über ihn, weil ich immer eine Distanz zu ihm wahrte. So als letzten Selbstschutz, falls er es sich anders überlegt, verstehst Du? ...Schwachsinn, sicher verstehst Du es, wenn nicht Du, wer dann? Du verstehst mich... hast es direkt von Anfang an... belassen wir es dabei, dass er mich als Eliot zu sich nahm und einen Silvano aus mir machte. Ich mag den Namen... gut, reden wir mit Ciel. Vielleicht ist er wirklich dabei eine Truppe zu sammeln, dann sollten wir ihm beistehen. Möchtest Du das?", fragte Mancini liebevoll.

Boldiszàr
»Vielleicht weiß dein Vater es trotzdem ... er muss deswegen ja kein schlechter Vater gewesen sein. Vielleicht wollte er dich schützen, abkapseln von dem, der du vorher warst. Bevor dein leiblicher Vater fiel, zusammen mit meinem. Ein Geistmagier kann dich sicher auch mit einem Auge auslesen. Wenn man jemandem beistehen sollte, dann Ciel. Sein Vater ist ein guter und gerechter Mann, aber er ist von Himmelsaugen umringt. Sogar sein neuer Palaisin ist ein Geistmagier! Wir würden dem Duc helfen, indem wir ihn aus diesem Spinnennetz herausholen. Und Ciel ist die ersten Schritte schon gegangen. Wir würden das Werk unserer Väter, den Duc vor den Himmelsaugen zu schützen, beenden. Wenn du und Belly das wollt, dann bin auch ich dabei. Ansonsten verkrümel ich mich mit dir auf die Choucas und geh nie wieder an Land.«

Silvano de Mancini
Bei dem letzten Satz lachte Vano schallend auf. "Gefährliche Versuchung Boldi. Nun wenn unsere Väter ehrlich waren, führen wir ihr Werk zuende. Wenn unser Väter Verräter waren, waschen wir ihre Namen rein. So oder so, haben wir nichts zu verlieren... eigentlich. Verloren haben wir bereits alles, wobei wir uns ein neues Leben aufgebaut haben, mit dem was uns zur Verfügung stand... tja... Der neue Palaisin ist aber kein Himmelsauge, dass muss doch einen Grund haben. Den sollten wir herausbekommen. Du meinst wir sollen den Fisch aus dem Netz schneiden? Allein schon, dass sie uns beobachten stört mich. Ich habe nichts verbrochen außer das ich geboren wurde und werde ständig beobachtet, wieso? Weil sie Verrat vermuten? Gab ich je Veranlassung dazu, dass man mir das unterstellt? Hat mich jemand verpfiffen als ich die Krokos angriff oder was? Ich werde sie wieder angreifen, bis ich sie alle ausgelöscht habe. Wenn man das als Verrat wertet, sollte man sich vielleicht überlegen, ob man als Kroko gewertet werden möchte. Ich kann mir auch eine Augenklappe aus Parcivals Arschhaut nähen lassen", murrte Vano.

Boldiszàr
Boldiszàr küsste Silvano. Er packte und knetete ihn durch. »Es ist schwer, jetzt aufzuhören ... aber ich muss zurück zu meiner Unitè. Wir warten auf einen Lich und Robby ist in dessen Gefolgschaft. Ich muss meinen kleinen Adoptivbruder retten. Dieser letzte Einsatz muss noch unter Duc Max an Land erfolgen, dann steig ich zu dir an Bord und stehe fortan unter deinem Kommando. Dann bringen wir entweder die Himmelsaugen dazu, sich aus dem Dunstkreis des Ducs zurückzuziehen oder heizen diesen Reptos ein.« Mühsam zwang er sich, aufzustehen. Er war noch immer maßlos erregt. »Zieh dir was an. Du brauchst dich nicht zu schminken, die Augenklappe reicht, um die Wunde zu schützen. Da sind nur meine Männer und eine Handvoll Begleiter.«

Silvano de Mancini
Silvano kletterte ebenfalls aus der Hängematte und zog sich wieder an. "Manche Wesen gehören nicht in Gefangenschaft, sie ersticken elendig in Netzen - Belugas, Orcas, oder Narwale - Wale generell. Damit unser Duc nicht erstickt, werden wir das Netz zerschneiden, ich bin dabei. Dafür erbitte ich eine Anerkennung - Dich. Gehen wir Schatz", sagte Mancini liebevoll.
Ein Blutbad bleibt ein Blutbad - auch wenn man zu den Überlebenden gehört

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Ciel Felicien de Souvagne

Die fleißige Feder in Bronze Rote Laterne
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Re: Die Altlasten der Agenten der Autarkie

#5

Beitrag von Ciel Felicien de Souvagne » Mo 27. Aug 2018, 01:28

Ciel Felicien de Souvagne
Verärgert stapfte Ciel durch die Ruine, die Hände hinter dem Rücken verschränkt.

Etienne
»Sie werden nur mal kurz im Gebüsch verschwunden sein«, versuchte Etienne ihn zu beruhigen.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel blieb stehen. »Aber müssen sie genau jetzt ihre Gefühle füreinander entdecken?«, regte er sich auf. »Sind Sie sicher? Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen!« Insbesondere nicht, weil Boldiszàr ja - angeblich - auch mit dem guten Chevalier de Mancini zusammen war.

Etienne
»Ja, Herr«, bestätigte Etienne. »Sie waren sehr gut zueinander da unten auf der Mauer. Haben gekuschelt.«

Ciel Felicien de Souvagne
»Trotzdem haben sie deswegen nicht ihren Dienst zu vernachlässigen!«, echauffierte der Prince sich weiter. »Was, wenn die Beißer genau jetzt hier eintreffen würden? Wenn sie von da unten durch das Moor schleichen würden, um uns hinterrücks zu überfallen, was...« Er hielt inne. Von da unten näherten sich wirklich drei Gestalten.

Etienne
Etienne bemerkte sie ebenso. »BESUCH«, bellte er und sofort kam Bewegung in die Gardisten.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel fragte sich, ob ›Besuch‹ ein Kommando war, mit dem jeder eindeutig etwas anzufangen wusste, aber scheinbar war dem so. Er selbst zog seinen Säbel.

Bellamy Bourgeois
Bellamy hielt Boldi und Silvano kurz fest. »Also zur Begrüßung rufen ist sicher keine gute Idee, da wir sonst die Beißer ebenfalls warnen würden. Auf der anderen Seite wissen wir gar nicht ob die Gruppe nicht schon hier ist, oder ob sie überhaupt hierher unterwegs sich. Das personifizierte Chaos namens Nathan kann ja seine Meinung geändert haben«, sagte Bellamy zu seinen Begleitern und winkte Richtung Ciel.

Ciel Felicien de Souvagne
»Sie provozieren«, kreischte Ciel. »Etienne, einen Warnschuss!«

Etienne
Etienne ballerte eine Salve mit der Repetierarmbrust vor den drei Gestalten quer durch den Sumpf. Sie wurden von oben bis unten mit stinkendem Schlamm bespritzt.

Boldiszàr
»Geht`s noch«, brüllte Boldiszàr zur Burgruine hinauf.

Silvano de Mancini
»Bist Du blind Du schwachsinniger Idiot? Wer wird wohl winken, der Feind? Das sind Deine Kollegen Bellamy und Boldiszar, mach die Augen! Guckt Euch das an, den Göttern sei Dank dass wir nur Alltagskleidung tragen, man. Wer stellt solche Stümper ein?«, brüllte Vano stinksauer zu der Gruppe hoch, während sich Bellamy die Ohren rieb. Er hatte es gewusst!

Bellamy Bourgeois
Bellamy wischte sich in Zeitlupe den Schlamm aus den Augen und hoffte dass das Hämmern in seinem Schädel bald nachlassen würde. »Wer hat da geschossen? WER?«, verlangte er zu wissen und brüllte fast so laut wie Silvano, allerdings nur, da er seine eigene Stimme kaum noch hörte.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel zog scharf die Luft zwischen den Zähnen ein. »Chevalier de Mancini, bis gerade eben hielt ich hohe Stücke auf Sie!«, rief er kaum leiser herunter. »ICH habe Etienne den Befehl gegeben, zu schießen! Was schleichen Sie drei da unten durch den Sumpf? Kommen Sie rauf!«

Silvano de Mancini
Silvano blieb wie angewurzelt stehen, so dass Bellamy ihm fast ins Kreuz gelaufen wäre. Mit einer Seitwärtsdrehung wich er aus und glitt im hochgespritzen Schlamm aus und der Länge nach mit rudernden Armen hinein. Mancini musterte Bellamy wie ein treuer Hund mit schräg gelegtem Kopf. Nur der Blick sprach andere Bände. Er zerrte Bell wieder auf die Füße und versuchte zu erkennen, wer ihn da gerade zur Sau gemacht hatte. Die Stimme erkannte er nicht, aber irgendwer Höheres schien es zu sein. »Wers das?«, flüsterte er Boldi zu, »ich erkenne ihn nicht und die Stimme sagt mir nichts. Wer ist das?«

Boldiszàr
Boldiszàr half Bellamy gemeinsam mit Silvano wieder auf die Füße und fegte ihm den Schlamm von der Rüstung. »Prince Ciel de Souvagne ... der kleine Prince«, erklärte er.

Bellamy Bourgeois
»Herr verzeiht uns, aber wir haben von hier unten aus eine sehr schlechte Sicht und eigentlich wollte ich nicht brüllen um den Feind nicht auf uns aufmerksam zu machen! Wir wollten Euch nicht ängstigen oder in Panik versetzen!«, rief Belly und war dankbar über Boldis Hilfe.

Silvano de Mancini
»Verzeiht Herr ich habe Euch nicht erkannt, ich wollte Euch nicht beleidigen«, rief Mancini und ging gemeinsam mit Bellamy und Boldiszar nach oben. Er hoffte der Abriss würde nicht zu schlimm ausfallen.

Ciel Felicien de Souvagne
»Das wäre uns allen erspart geblieben, wenn Sie sich nicht zur Befriedigung Ihrer niederen Gelüste von unserem Lager davongestohlen hätten! Und jetzt kommen Sie alle drei herauf.«

Silvano de Mancini
»Wir haben nicht... nun wir kommen«, antwortete Vano umgänglich, da es kaum schicklich war quer übers Moor zu schreien was sie nicht getan hatten zu seinem Bedauern.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel erwartete sie mit finsterem Blick. »Wo kommen SIE überhaupt her, Chevalier?«

Bellamy Bourgeois
»Herr ich bin doch auch dabei, die beiden waren hochanständig und hatten sogar die Händen über der Bettdecke, also bildlich gesprochen. Es gab einiges zu klären, bitte seid nicht wütend. Ihr selbst habt mir doch dazu geraten alles zu klären!«, rief Belly.

Silvano de Mancini
»Herr ich wurde von Boldiszar abgeholt und dieser bat mich ihn zu begleiten, da es um eine wichtige Sache geht. Viel Zeit habe ich nicht, da wir den blauen Peter draußen hängen haben, also sollten wir uns sputen«, sagte Silvano freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel rieb sich die Ohren, da ihm nun auch noch Bellamy genau ins Gesicht gebrüllt hatte. »Wir alle sollten unsere Lautstärke mäßigen«, schlug er diplomatisch vor. »Dass Chevalier de Mancini hochanständig mit Boldiszàr umging, glaube ich gern. Ich habe nie daran geglaubt, dass sie einander auf diese Weise zugetan sind. Belly, es ist vollkommen in Ordnung, wenn Sie mit Boldiszàr ein Paar bilden.« Er wandte sich de Mancini zu. »Um welche Sache geht es?«

Bellamy Bourgeois
»Ja damit habt Ihr Recht, reden wir leiser und bitte allein«, sagte Bellamy und zog Ciel mit sich. Die anderen beiden folgten ihm. »Herr, Ihr habt doch selbst erlebt, dass er mein Bruder ist! Ich würde doch nie meinen Bruder bum... ehm zu nahe treten. Wir standen uns immer sehr nahe, aber nicht so. Es ist eine andere Nähe die wir nun ergründen konnten mit der Hintergrundinfo welcher Herkunft wir sind. Chevalier de Mancini und mein Bruder hingegen lieben sich tatsächlich, aber seid Ihnen deshalb nicht böse. Wir haben überlegt und sind zu einem Schluss gekommen. Aber wir haben auch Fragen, die ganze Sache der Agenten betreffend, würdet Ihr sie uns beantworten und uns zuhören?«, bat Belly.

Silvano de Mancini
»Richtig mäßigen wir unseren Ton, Bellamy hat Recht Herr. Boldi und ich sind uns zugetan, auf voller Linie. Aus diesem Grunde hatte ich vor, ihn von Eurem Vater zu erwerben, so dass er nach seiner Zeit bei der Garde bei mir arbeiten kann. Die Hintergründe für die Ablehnung Eures Vaters sehen nun anders aus. Wir haben uns Gedanken zu der gesamten Konstellation gemacht und einige Ungereimtheiten entdeckt. Möglicherweise könnt Ihr sie klären, oder Ihr seht es genauso wie wir«, sagte Silvano.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel guckte Bellamy schief an. »Was wäre so ungewöhnlich daran, seine Geschwister zu lieben? Bekanntlich war ich mit meiner Schwester liiert. Aber ich nehme es Ihnen nicht übel. Natürlich höre ich Ihnen zu, das tue ich doch immer.« Er wandte seine Aufmerksamkeit de Mancini zu - der ungeschminkt war! Neugierig schaute sich Ciel die lange Narbe auf dessen Wange an, die eine interessante Struktur aufwies und sich unter der Augenklappe vielversprechend weitete. Zu gern würde Ciel einmal nachschauen, wie es darunter aussah. »Fragen Sie, Silvano«, sagte er freundlich.

Silvano de Mancini
Silvano blickte etwas verunsichert zurück und bereute, dass er sich nicht geschminkt oder zumindest eine Maske aufgesetzt hatte. Nun Ciel war sein Herr, also durfte er starren, trotzdem machte es ihn nervös. Vano versuchte sich einzureden, dass ihn jemand aus der Mannschaft anschaute, so ging es. »Herr die Agenten starben alle, keiner blieb übrig. Die Himmelsaugen erwiesen ihren Kindern Gnade, aus diesem Grund leben wir noch. Aber wir wurden stets beobachtet. Weshalb? Sippenhaft ist nicht mehr möglich, da unsere Väter tot sind Herr. Mein Vater kann mich nicht indoktriniert haben, denn er zog mich nicht auf. Und mit Verlaub, Bellamy, Boldi oder ich gaben Euch sicher nie Grund zur Sorge, sonst hätten wir unsere Ämter nicht inne. Grund zur Sorge haben allerdings wir, bezogen auf Euren Vater und Euch. Schaut die Himmelsaugen vernichteten die Agenten vollständig, es ist niemand mehr da, der davon berichten könnte, mit Ausnahme einer Person - Parcival. Waren nicht mehr Himmelsaugen daran beteiligt? Wo sind sie geblieben? Zum Zeitpunkt des Todes aller Agenten, war Euer Vater 15 Jahre alt. Unmündig. Zwei Jahre später - ein Jahr nach Erreichen seiner Volljährigkeit stirbt sein Vater Duc Ettienne samt seinem ersten Sohn dem Thronerben Pomery. Zufall? Zufall dass nun ein junger Mann auf dem Thron sitzt, der nicht in gleicher Weise darauf vorbereitet wurde, wie sein älterer Bruder? Schaut, wir waren allein und isoliert. Aber Euer Vater war das ebenso. Das was den Agentenkindern geschah, geschah auch ihm. Er verlor jeden Rückhalt. Er stand nun vor der Aufgabe ein ganzes Land zu leiten und er war selbst im Grunde nicht mehr als ein Kind. Wir alle waren einst 17 Jahre alt, wir alle wissen wie »erwachsen« man dort wirklich ist. Er benötigte Berater und wer bot sich dort besser an, als jene, die bereits einmal das Land vor dem Verrat gerettet haben? Die damit seine Familie schützen, seinen Vater, seinen Bruder, ihn selbst? Er verließ sich auf die Himmelsaugen. Sie waren vielleicht so etwas wie entfernte Ersatzverwandte für ihn. Es gab niemals einen Grund sie anzuzweifeln. Ich zweifele nicht alle Himmelsaugen an, wie ich auch nicht alle Agenten angezweifelt hätte. Aber es scheint jemanden gestört zu haben, dass es einen weiteren Orden mit fast gleicher Macht gab, sprich mit gleichen Machtbefugnissen wie die Himmelsaugen. Was wenn die Agenten gar keinen Verrat am Duc planten, sondern selbst von einem Verrat innerhalb der Himmelsaugen wussten? Bekommt dann diese knallharte Vorgehensweise nicht einen ganz anderen Geschmack? Meine nächste Frage Herr, was weiß der Leibdiener des Duc? Sein jetztiger Leibdiener? Ich denke viel, aber nicht alles. Von meinem Vater weiß ich, dass der Duc seinerzeit als junger Mann einen Leibdiener bei sich hatte, der uralt war. Sehr alt, stets bewaffnet und auch mit Waffen umzugehen wusste. Dieser »Leibdiener« war permanent an der Seite Eures Vaters. Und wollte jemand mit dem Duc sprechen, schirmte er diesen ab oder erlaubte es, wenn die Person genehm war. Dieser Mann wusste alles. Wer war dieser Mann wirklich Herr? Leibdiener sind selten bewaffnet, vermute ich. Ich selbst besitze keinen deshalb die Vermutung. Wenn ich über alles nachdenke bleib ein sehr unschöner Verdacht übrig - der einzige Überlebende ist Parcival. Er ist das Oberhaupt der Himmelsaugen. Das Oberhaupt eines Ordens, dass wie ein Scharm denkt, wie ein Superorganismus handelt. Und jeder Geistmagier wird diesem Organismus eingepflegt. Warum ist der neue Palaisin trotz Magie kein Himmelsauge Herr? Und wieso wird Euer Vater permanent überwacht? Boldi berichtete, dass sie mit Vögeln arbeiten. Das ist Fakt, ich habe es gesehen. Was macht der Adler bei Euch in privater Runde? Ist das Tier tatsächlich das Tier Eures Vaters? Oder ist es eine Zecke, ein Spion, sind es die Augen von einer anderen Person? Möglicherweise eines gewissen Parcival? Schaut - waren unsere Väter wirklich Verräter, möchten wir ihre und unsere Namen reinwaschen. Waren sie aber einem Verrat auf der Spur, starben sie um Euch zu schützen. Die Waffe Eures Feindes war ein indoktrinierter Orden. Und jeden Mitwisser hat dieser Mann beseitigt. Wenn dies alles nicht den Tatsachen entspricht, scheint ein Gott einen sehr grausamen Geschmack von Zynismus zu haben. Wir erbitten Eure Sichtweise Herr«, erklärte Silvano leise und freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel hörte sich alles an. Dann schwieg er eine geraume Weile. Die Minuten verstrichen. Dann erhob er leise das Wort. »Sie müssen mir sehr vertrauen, wenn Sie mich in diesen Verdacht einweihen. Ihre Ausführungen erscheinen schlüssig. Sie drei haben sich viele Gedanken gemacht. Ich entnehme Ihren Worten Sorge. Ein trauriger Fakt ist, dass ich meinen Onkel und meinen Großvater nie kennenlernen durfte und die Umstände ihres Ablebens mir stets nur sehr vage beschrieben wurden. Weiterhin ist Fakt, dass Sie drei beaufsichtigt wurden und unter einem Generalverdacht stehen. Ebenso wie alle anderen Agentensöhne. Ich persönlich hätte das anders gehandhabt. Welchen Verrat genau vermuten Sie? Glauben Sie, die Himmelsaugen würden meinen Vater stürzen wollen? Oder dass sie ihn marionettengleich fremdsteuern?«

Silvano de Mancini
»Nicht die Himmelsaugen Herr, Parcival. Schaut, jene Himmelsaugen die damals dabei waren, sind fort vermutlich tot. Die heutigen Himmelsaugen folgen Parcival wie einer Bienenkönigin. Boldi erklärte es mir etwas, aber weder er noch ich verstehen etwas von Magie. Sie sind alle verbunden, was der eine sieht, hört oder wie auch immer wahrnimmt, wissen alle Himmelsaugen. Sie sind irgendwie geistig in einem großen Raum zusammen und jeder hört, fühlt, sieht, riecht mit. Wer etwas alleine tun möchte, muss den Raum verlassen - bewusst. Nun fragt sich aber jedes andere Auge, wo geht den Vano hin? Wenn ich ein Himmelsauge wäre. Der Zusammenhalt, die Gruppe, der Schutz, das Gemeinschaftsgefühl wird auf einmal verkehrt zur Kontrolle. Parivcal betritt den Raum, er darf kommen und gehen wie er mag, als Oberster wird er nicht in Frage gestellt. Als Berater des Duc nie. Nun erzählt man ihm, dass Vano heute für eine Stunde weg war. Was dann? Wie oft er selbst weg war, wird nicht kontrolliert, dass wäre ja Anmaßung. Wieso eigentlich? Wenn man doch alles teilt? Ich denke und seid mir da nicht böse, dass es nicht die Himmelsaugen gibt. Die gibt es nicht. Es gab auch nicht die Agenten, es gibt nicht die Krone, es gibt nicht die Marine. Aber es gibt Maximilien Rivenet de Souvagne, es gibt Ciel Felicien de Souvagne, es gibt Silvano und so weiter. Was ich Euch damit sagen möchte ist, jede Organisation besteht durch ihre einzelnen Mitglieder und die sind stets ein Durchschnitt durch die Gesellschaft. Nicht die Himmelsaugen begingen einen Fehler, sondern Parcival! Nicht die Agenten begingen Verrat - sondern wer bitteschön? Namen und Verurteilung der Schuldigen, kein Generalverdacht. Wenn Ihr einen Fehler begeht, wart Ihr dies Herr, aber doch nicht Eure ganze Familie. In tragischen Einzelfällen, mag es solche Familien geben. Sie wussten alles, sie ließen es zu, so trifft sie kollektiv die Schuld. Aber das gilt nur in Ausnahmefällen. Jede Person die in einer Organisation ist, trägt zu deren Erscheinungsbild bei. Begnet Ihr mir, habt Ihr ein anderes Bild von der Marine als wenn Ihr Kapitän Rene Lothair de Brisay begnet. Drum mache ich meine Urteile an einer Person fest, nie an einer Gruppe. Ich lasse nicht die ganze Mannschaft Kiel holen, wenn ein Matrose Scheiße gebaut hat. Euer Vater ebensowenig - nun bis auf diese eine Ausnahme, die wohl so ein Einzelfall des Gruppenirrsinns war. Ich glaube um es auf den Punkt zu bringen, dass Parcival die Konkurrenz auslöschte und es legalisierte indem er sie diskreditierte. Dann beseitige er die Zeugen in den eigenen Reihen. Danach die Zeugen in Euren Reihen - Euren Großvater und Onkel. Dann versuchte er über Euren Vater an mehr Macht zu kommen. Er war jung, aber so weit wie er kommen wollte kam er nicht, denn es gab eine letzte Mauer - einen Schutzwall und die persönliche Mauer von Duc Maximilien hieß LEON. Daran ist Parcival gescheitert. Was kann nun passieren, damit Leon fällt? Es gab nichts. Dieser Mann beging nie einen Verrat, nie eine Straftat, er tat nie etwas unrechtes. Seltsam oder? Ein Mann mit Paricvals Möglichkeiten hätte Leon doch einfach dazu manipulieren können seinen Schützling Max bei einer Verfehlung zu ohrfeigen, er wäre sofort seinen Posten losgeworden und wer wäre alleiniger Berater von Maximilien gewesen? Der gute alte stets zuverlässige Parcival. Aber Leon ging nicht. Leon blieb unbeweglich, unnachgiebig und stets schützend wie jede Burgmauer sein sollte. Ein Paradebeispiel einer menschlichen Mauer. Vater sagte, er sah sogar verwittert aus und meinte dies als Kompliment. Was war dieser Mann? Wer war dieser Mann? Ein Magier? Und nun kochte die alte Angst wieder auf, als Parcival sah, dass sich sein gemachtes Nest, mit dem er sich nun abgefunden hatte, in Schieflage gerät. Nun zweite Geige statt Machtzenit - aber immerhin sehr nahe an der Sonne. Und nun tun sich zwei aus längst vergangener Zeit zusammen, die einst seinen Thron zum wackeln brachten. Nicht die Väter, die sind tot - aber die Söhne. Weshalb so eine Angst vor zwei Personen wie uns? Wer sind wir schon, mal ehrlich gefragt? Wer bin ich, dass mich ein Orden wie die Himmelsaugen fürchten müsste? Ein niemand. Aber mich fürchten auch nicht die Himmelsaugen, sondern Parcival - er fürchtet meine Erinnerungen... richtig? Das wäre meine nächste Frage, wie komme ich daran?«, flüsterte Vano.

Ciel Felicien de Souvagne
»Sie sprechen sehr überlegt, Silvano, Sie differenzieren. Meine Frage war, zugegeben, bewusst provokant gestellt. Was Leon betrifft, kann ich mir vorstellen, dass er vielleicht Messing trug. Messing ist in der Lage, Magie abzuschirmen. In welchem Ausmaß, das weiß ich nicht, aber dies wäre eine Richtung, in die man denken könnte. Manche Leibdiener verstehen sich übrigens hervorragend auf Kampfkunst, das kommt ganz darauf an, wen man als Leibdiener erwählt. Prince Linhard hat sich beispielsweise einen Chevalier de Dupont geangelt. Einen Dupont!« Ciel schmunzelte, als ihm auffiel, dass sie auf der alten Dupontfeste standen. »Zum Glück ist er nicht dabei, um uns mit seinem Gejammer die Mission zu erschweren. Wie man an Parcivals Erinnerung kommt, das ist ganz einfach - man fragt ihn oder liest ihn aus. Er ist gut, aber nicht allmächtig und gegen eine Überzahl von Meistermagiern ist auch er machtlos. Und letztlich steht uns noch die gute alte Folter zur Verfügung. Suchen Sie sich etwas aus.«

Silvano de Mancini
»Danke Herr. Ihr missversteht mich, wie kommen wir an die alten Erinnerungen von Boldi, Belly und mir? Wenn es nichts zu erinnern gab, warum wurde es gelöscht? An die Erinnerungen von Parcival zu kommen wäre die Fundgrube schlechthin Herr. Aber er hat die Macht eines ganzen magischen Ordens auf seiner Seite. Und sollten wir ihn angreifen wäre er gewarnt. Hat er Vertraute? Das was er tun kann, können wir doch auch versuchen. Der Palaisin ist Geistmagier aber kein Himmelsauge. Er könnte Parcival versuchen auszulesen. Aber ich denke, wenn er das versucht taucht er in dem Gemeinschaftsraum auf und alle fragen sich was er im Himmelsaugenaufenthaltsraum möchte. Also so stelle ich mir das vor, wie es funktioniert. Er müsste sich einschleichen über wen und ich weiß auch über wen - seinen Bruder Maurice«, grinste Vano.

Ciel Felicien de Souvagne
»An Ihre alte Erinnerung ... vielleicht über einen Geistmagier. Wir haben einen dabei! Jules! Aber möchten Sie das wirklich? Es wird Sie womöglich sehr aufwühlen.«

Silvano de Mancini
»Nicht Jules,Herr! Er ist ein Himmelsauge, damit informieren wir Parcival. Wir haben bis jetzt keine andere Wahl. Sicher möchte ich das, aber nicht jetzt und nicht unvorbereitet und ganz sicher nicht von einem Untertanen Parcivals. Ich möchte es von einem freien Mann, nicht von einem Knecht. Und ich benötige danach Zeit, die Informationen zu verdauen, wenn es welche gibt. Dass kann ich nicht hier, also an Land. Das geht nicht. Meine Welt ist das Meer, ich bin sozusagen wie eine Robbe - ich ruhe hier nur gerade aus und verdaue das Futter. Ich lebe hier nicht, ich kann es nicht und möchte es nicht. Drum muss ich das anders planen, es mag für Euch verrückt klingen, aber Eure Welt engt mich ein, obwohl mein Schiff viel enger und begrenzter ist als ein ganzes Land. Aber sie ist ein Teil von mir und wir leben grenzenlos auf See. Dort möchte ich sein, wenn es geschieht und nicht wie ein Tier im Käfig. Es geht auch nicht darum, was mir genommen wurde, damit musste ich mich schon lange abfinden. Es geht darum an Informationen zu kommen, die Parcival versteckt halten will. Sprich Tatgründe oder Aufklärungsmaterial, möglicherweise auch über den Tod Eures Großvaters und Onkels. Wer weiß wann dies geplant wurde?«

Ciel Felicien de Souvagne
»Jules könnte sich abschirmen gegen Parcival, wenn ich ihm dies befehle. Notfalls auch dauerhaft, sofern Parcival sich nicht gewaltsam Zutritt verschaffen würde. Oder wie wäre es mit meinem lieben Schwager Remy? Dieser Mann ist Himmelsauge, aber Teil der Krone - was bedeutet, kein anderes Himmelsauge darf ihn mehr auslesen. Ansonsten hat die Familie Hohenfelde viele gute Geistmagier und mit Davard trifft man auf jeden Fall eine gute Wahl.«

Silvano de Mancini
»Die Entscheidung liegt bei Euch wer fähig ist. Wie ich hörte seid Ihr des öfteren mit Magiern zusammen. Ich habe keine Ahnung davon, wem ich mich anvertrauen kann und soll. Aber es muss jemand sein, der nicht ausgelesen werden darf. Vertraut Ihr diesem Remy?«, fragte Vano.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel gestattete sich ein kurzes, böses Lachen. Dieser Mann hatte hinter Ciels Rücken dessen Ehefrau vernascht. »Remy als Privatmensch vertrauen - nein. Er ist hochverschuldet gewesen vor der Hochzeit mit Olivie, ein Lügner und Angeber und nennt noch eine endlose Liste weiterer Verfehlungen sein eigen. Aber als Himmelsauge war er stets zuverlässig, so ehrlich muss man sein.«

Silvano de Mancini
Vano guckte als hätte er in eine Zitrone gebissen. »Ja Herr, was wenn er dann die ganzen Tatsachen verdreht? Nachher war mein Vater laut diesem Remy ein Monster, weil er drei Fliegen totschlug und daraus wurden dann schlagartig drei Himmelsaugen. Seemannsgarn, Ihr versteht schon. Habt Ihr keinen ehrlichen Magier? Oder könnt Ihr ihn zwingen ehrlich zu sein?«, fragte Vano.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ja, Jules ist ehrlich, wenn es schnell gehen soll. Ansonsten auch Davard von Hohenfelde. Massimo ist ebenso zuverlässig, aber er neigt zur Ungeduld und in diesem sensiblen Thema würde ich einen anderen Magier vorschlagen.«

Silvano de Mancini
Silvano schaute Bellamy und Boldi hilfesuchend an. »Sagt was, wen würdet Ihr nehmen? Ich kenne diese Personen alle nicht«, gestand Vano ehrlich.

Boldiszàr
»Jules«, sagte Boldiszàr überzeugt. »Der Mann hat Ehre und Verstand.«

Silvano de Mancini
»Dann Jules, so wie es Boldi vorschlägt«, stimmte Vano dankbar zu.

Ciel Felicien de Souvagne
»JULES«, rief Ciel durch die Nacht.

Jules de Mireault
Jules deutete Khawa an zu warten wo er war und hoffte dass dieser nicht mit irgendwelchen Dingen nach dem Palaisin in seiner Abwesenheit warf. Die beiden schenkten sich schließlich nichts. Er eilte zu seinem Herrn und verbeugte sich. »Wie kann ich behilflich sein Herr?«, fragte Jules.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel zeigte auf de Mancini. »Ihr Chevalierskollege benötigt die Rekonstruktion eines hoffentlich reversibel amnesierten Gedächtnises. Können Sie das?«

Silvano de Mancini
»Und bevor Sie beginnen, trennen Sie sich bitte von Ihrem Orden. Diese Informationen unterstehen der höchsten Geheimhaltung, sie sind somit auch nicht für Ihren Oberstens bestimmt, sondern ausschließlich für die Krone, da wir in deren Namen ermitteln. Sollten Sie nichts finden, habe ich keine Ahnung wie sie an meine Informationen kommen«.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel nickte langsam und sah Jules fest in die Augen. Er griff ihm an die Schulter und drückte etwas zu. »Allerhöchste Geheimhaltungsstufe. Können Sie gegebenenfalls brisantes Wissen dauerhaft von Ihrem Orden abschirmen, Jules?«

Jules de Mireault
Jules nickte zur Bestätigung und trennte sich von seinen Kollegen. »Ich habe verstanden, was ich lese bleibt bei mir. Darauf könnt Ihr Euch verlassen. Hoheit, macht Euch keine Sorgen um meinen Kollegen, ich werde zur Not seinen Verstand wieder herstellen. Möglich ist aber auch, dass es mit einer anderen Information überdeckt wurde. Ihr müsst keine Sorge haben Chevalier, sollte ich nichts lesen, dann ist dies erstmal so. Aber ich werde einfach andere Gedankengänge abgehen, nachverfolgen und schauen, ob ich so hinter die Blockade komme. Oder was Euch überhaupt blockiert. Oft ist es ein grauenvolles traumatisches Erlebnis. In dem Falle stehe ich Euch bei. Ihr müsst Euch jedoch kooperativ verhalten. Das heißt, wehrt Euch nicht gegen das Auslesen und versucht Euch zu entspannen. Am besten heißt mich willkommen und wir gehen gemeinsam die Erinnerungen ab, dass ist leichter für uns beide. Ihr werdet mich als fremde Präsenz in Eurem Bewusstsein spüren. Aber Ihr werdet spüren, dass ich dort bin um Euch zu helfen. Was Ihr denkt, erfahre ich und umgekehrt. Also auch wenn Ihr zufällig denkt, jetzt benötige ich einen Kaffee. Drum versucht Eure Gedanken auf das Ziel gerichtet zu halten, sonst haben wir einen langen Weg vor uns. Also wann immer Ihr bereit seid. Setzen wir uns«, bat Jules.

Boldiszàr
Boldiszàr setzte sich hinter Silvano und rutschte so nah wie möglich an ihn heran. »Du kannst dich an mich anlehnen, Vano. Ich bin da, falls es schwer wird.«

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel legte sich etwas unter und setzte sich neben Jules. Er legte ihm die Hand auf die Schulter. »Bitte lassen Sie es mich gleich mitlesen. Das erspart ihnen, die Dinge zu wiederholen, sollten diese sich tatsächlich als traumatisch entpuppen. Von meiner Seite aus kann es losgehen. Sind Sie bereit, Silvano?«

Silvano de Mancini
Silvano schlang sich die Arme von Boldi um den Bauch und lehnte sich fest an ihn an. Er atmete einmal durch und konzentrierte sich dann auf seine Kindheit. »Ja Herr, ich bin bereit«, bestätigte Silvano mit mulmigem Gefühl in der Magengrube. Seine Finger umklammerten halt- und schutzsuchend die von Boldi. Er war froh, dass er ihm den Rücken stärkte. Er konzentrierte sich auf das Gefühl, das was er mit Boldi verband - pure Liebe und das was sie verband. Er musste sich erinnern, für sie alle, für ihre Väter und für sich selbst. Das war er ihnen schuldig. »Beginnen wir«, bat er.
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Silvano de Mancini

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Re: Die Altlasten der Agenten der Autarkie

#6

Beitrag von Silvano de Mancini » Mo 27. Aug 2018, 19:16

Jules verband sich mental mit Silvano.
Der Chevalier leistete keinen Widerstand, im Gegenteil, er hieß Jules in seinen Gedanken willkommen.

Die meisten seelischen Umarmungen fühlten sich wie flüssiges Licht an, mal mehr oder minder schwach. Die Gedankenflut des Kapitäns bestand scheinbar aus seinem Element - Wasser. Und nicht irgendein Wasser, sondern dem Meer.

Das Himmelsauge fühlte sich wie einer dieser berühmten Felsenspringer. Sein Seelensturz fühlte sich an wie ein Sturz in die Brandung. Anstatt sich Schicht für Schicht vorzuarbeiten, rauschten sie hinab in die Tiefe, die Luft, das Licht, eine bloße Erinnerung...

Langsam stiegen sie wieder auf. Ihre Blicke den Luftblasen folgenden, die wie durch Geisterhand den Weg nach oben fanden...

Ein lachendes Gesicht, mit strahlend weißen Zähnen und braunen Haaren...
Geborgenheit... Schmerz... Verlust... Angst...

Schwarze Schuppen, Unheilverkündend und blutbesudelt....
Nicht genug... Gier... Hass... Wut...

Schwarze Haare, blaue Augen... blau wie die See...
Nestwärme... Liebe... Schutz...


~~~~


Delancy Desnoyer

Ein kleiner, vielleicht gerade einmal vierjähriger Junge spielte unten am Strand. Dick eingepackt in wetterfeste Sachen bastelt er an einem kleinen hölzernen Segelschiff mit weißen Segeln. Ein klirrendkalter Wintertag, der jedes Wort und den Atem von den Lippen reißt. Delancy machten die Elemente nichts aus. Der Wind gehört zur See und die See gehört zu seinem Leben. Im Frühling spült sie die leuchtenden Lichter an den Strand, im Sommer schenkt sie einem Nahrung in Hülle und Fülle, Badespaß und Krabbenfang. Im Herbst wird sie rau, tost und donnert ans Land und erinnerte alle mit ihrem eisigen Atem an ihre Macht. Im Winter hält sie es so wie alle anderen, sie schläft im Hafen unter dickem Eise und kommt zur Ruhe. Sie wartet auf den Frühling. Ein immerwährender Kreislauf von Werden und Vergehen. Die See ist für Delancy dass was für andere ein Kalender ist. Sie ist eine Weltenuhr, für all jene die bereit sind ihre oft raue Sprache zu verstehen.

Der kleine Junge versteht und liebt sie, liebt die leichten Sommerbriesen ebenso wie die tosenden Herbststürme. Die Sonne scheint trotz des eisigen Wintertages auf ihn herab und lässt seine blonden Haare wie Goldfäden im Sturm tanzen.
Seine Mutter winkt dem kleinen Jungen gut gelaunt von ihrer Kate aus zu. Er winkt zurück, ruft etwas und lacht glücklich. Die Worte wie das Lachen werden vom Sturm davongetragen. Seine Mutter wird sie niemals hören und dennoch strahlt ihr Gesicht genauso wie das Haar ihres Kindes.

Mit einem liebenden Lächeln, dass einem nur eine Mutter schenken kann, wandte sie sich ab und begann Wäsche aufzuhängen.
Wie Segel bauschten sich die Laken im Wind. Korb, Leine, Klammern und ein neues Segel flatterte im salzigen Wind.

Als sich die Mutter erneut mit einem Laken in den Händen aufrichtet, stockt sie. Etwas silbern glänzendes ragt aus dem Rücken seiner Mutter!
Sie stürzt zur Seite weg, zieht sich so das Schwert selbst aus ihrem Brustkorb und gibt den Blick auf einen Mann preis.

Delancy sah wie das Blut von der Klinge des Mannes tropfte.

Seine Mutter lag niedergestreckt mit aufgebrochenen Brustkorb im Gras. Ihr Körper zitterte spastisch, ihre Augen suchen seine. Für den Bruchteil einer Sekunde schaut sie ihn an. Ihre blass-blauen Lippen formen nur ein einziges Wort, ein Wort dass der Sturm ihr ebenso von den Lippen riss – LAUF.

Der Mann folgte dem Blick seiner Mutter. Einen Moment herrschte Ruhe, sogar der Sturm schien sich gelegt zu haben.
Die See hielt den Atem an.

Dann kam Bewegung in den Mann, seine Hand deutete verdammend auf den kleinen Jungen. Ein großer Raubvogel schoss wie aus dem Nichts vom Himmel herab, hielt genau auf den kleinen blonden Jungen zu. Messerscharfe Krallen griffen von oben nach dem Jungen. Eine Windböe von der See aus kommen, nahm dem gefiederten Angreifer das Tempo aus den Schwingen. Die kleinen Hände des Jungen rissen schützend das Spielzeugschiff nach oben. Ein gellender Vogelschrei zerriss die Luft und mischte sich mit dem ohrenbetäubenden Brüllen des Mannes.

Der Vogel war von den zwei Masten des Spielzeugschiffes durchbohrt und aufgespießt worden.

Mit einem Satz sprang der Mann über die sterbende Frau und jagte auf den Jungen mit gezücktem Schwert zu. Sein Gesicht eine wutverzerrte Fratze, seine Augen glühende Kohlen. Die Klinge raste über den Kopf des Jungen hinweg, der kleine Körper warf sich zur Seite, schlug einen Haken und rannte die Böschung hoch, während der Vogel von der Brandung davongespült wurde und in den eisigen Fluten des Herbstmeeres versank.

Delancy stürzte zu seiner Mutter, riss ihr den Dolch aus dem Gürtel und warf sich schützend über sie. Als das Schwert ausholte um ihn zu erschlagen, spritze dem Jungen das Blut seiner Mutter heiß ins Gesicht. Der Dolch in seinen winzigen, zitternden Händen würden die Klinge niemals aufhalten. Unbarmherzig zischte die Klinge herab. Kurz vor seiner Kehle wurde sie von einem anderen Schwert abgefangen und fortgeschlagen.

"Seid Ihr von Sinnen? Was treibt Ihr hier? Das ist ein kleiner Junge und dies ist meine Scholle! Wachen!", bellte ein Mann herrisch und außer sich vor rechtschaffener Wut.
"Das ist kein Kind, sondern die mörderische Brut eines Hochverräters Mancini! Ihr behindert die Krone", donnerte der Mann der die Mutter des Jungen getötet hatte und sein seltsamer Schnauzer sträubte sich wie der eines wütenden Walrosses.
„Chevalier de Mancini für Euch elender Lump! Ihr steht auf meinem Land! Ihr habt eine der meinen niedergestreckt und wollt Euch an einem unschuldigen Kind vergreifen? Ihr seid nicht die Krone, Ihr seid erbärmlich!“, donnerte der Chevalier und spie vor dem anderen aus und wich keinen Zollbreit.

Eine Gruppe angeführt von einem anderen, wesentlich älteren Mann trat hinzu. Flüsternd sprach der Alte auf den Chevalier ein und überreichte ihm einen Befehl. Der Wind trug seine Worte davon, aber nicht hinaus aufs Meer, sondern an Delancys Ohr.

"Es hat einen Vorfall gegeben Chevalier de Mancini, die Umstände sind für Euch nicht von Interesse und unterliegen der absoluten Geheimhaltung. Der Junge wird uns begleiten. Er ist eine Gefahr, aber wir gewähren ihm Gnade. Er wird bereinigt werden, aber er wird leben, Ihr habt mein Wort!“, flüsterte der Mann. Die Stimme ließ den kleinen Jungen, der nicht einmal bei tosenden Herbststürmen fror, frösteln.
„Bereinigt? Was redet Ihr da? Der Junge bleibt wo er…“, setzte der Chevalier an und schwieg, als der Mann ihn starr musterte.

„Wenn Ihr den Jungen schützen wollt Chevalier de Mancini, dann nach der Bereinigung. Er begleitet uns und bekommt die versprochene Chance. Der Junge geht in Euer Heim, wenn Ihr Interesse an der Made habt. Gebt den Jungen frei…", befahl der Mann.
„…den Jungen freigeben…“, sagte de Mancini und senkte sein Schwert.

Delancy sprang auf, zeitgleich wurde dem Kind brutal ein Schwertknauf vor die Schläfe gehämmert. Gefällt stürzte er neben seine sterbende Mutter.
Die eisigen Finger seiner Mutter strichen mit letzter Kraft über die Wange des blonden Jungen.
Dann riss ihn der Sturm der Dunkelheit davon.


~~~~


Eliot Lyon

Man sagte mir, meine Eltern hätten mich abgegeben. Aber mir fehlte jede Erinnerung an sie. Ihr Grund - Angst, Abscheu, sucht es Euch aus. Ich lebe im Kinderheim. Vorher habe ich frei gelebt, bei meinen Eltern. Wie sie aussahen oder wer sie waren, weiß ich nicht. Ich weiß fast gar nichts mehr.

Die See - Wasser und Strand, daran erinnere ich mich noch.
Es ist alles woran ich mich erinnere.
Wie sie klingt, wie sie schmeckt und riecht.
Niemand hat mich gefragt ob ich all das wollte, es ist einfach so gekommen.
Was? Auch das weiß ich nicht.

Sie nennen mit Eliot Lyon, das ist mein Name.
Er schmeckt falsch.

Eines Tages befand ich mich mit zwei Aufpassern hier. Woher ich kam? Ich weiß es nicht.
Ich weiß gar nichts.

Sie sagten, hier wäre nun mein Zuhause. Dann gingen sie fort. Sie drehten sich nicht um und sie kamen auch nie wieder zurück.

In der ersten Zeit habe ich jeden Abend vor der Tür gewartet. Ich weigerte mich, diese seltsame Kleidung zu tragen und behielt stur meine Kleidung an. Es waren doch bestimmt die Sachen, die mir meine Ma gegeben hatten. Irgendwann waren sie nur noch Lumpen, aber aus einem Grund den ich bis heute nicht nachvollziehen kann, haben sie mir die Sachen so lange wie möglich gelassen.

Wie jeden Abend, nach dem man mich abgeschoben hatte, wartete ich vor der Tür.

Irgendwann kam Kab vorbei. Er hat sich einfach neben mich gehockt und mich gefragt was ich da mache oder auf wen ich warte. Was ich für Kleidung trug, wollte er wissen. Ich habe ihm erzählt, dass ich auf meine Eltern warte.

Sobald sie sich erinnerten, kämen sie zu mir zurück.

Die Kleidung wäre ganz normale Kleidung, sie war nur "kaputt".
Wer will schon mit einem braunen Wollhemd von seinen Eltern abgeholt werden?
Keiner.

Aber das versuchte ich gar nicht erst zu erklären. Irgendwie waren die alten Lumpen eine Verbindung zu meinen Eltern. Das bildete ich mir ein. Auf die Erklärung, dass ich vor der Tür auf meine Eltern warte, hat Kabir mich gestupst und mir geantwortet – sie kommen nicht zurück.

Niemand kam je zurück, noch nie wurde jemand wieder abgeholt.
Wir sind Kinder ohne Erinnerung und ohne Namen.


~~~~


Silvano Giovanni de Mancini

Kabir irrte sich, denn als ich fünf Jahre alt war, erschien ein Mann und nahm mich mit. Brachte mich in sein Heim, in eine Burg und gab mir einen Namen - Silvano Giovanni de Mancini. Das bin ich, das werde ich sein.

Er deutete auf eine Tür und schob mich dann in ein Zimmer.

"Was soll ich hier tun?", fragte ich leise.
"Dich einrichten? Wäre jetzt mein Vorschlag", antwortete er freundlich.

Ich nickte knapp, legte meinen Beutel auf mein Bett und drehte mich wieder zu ihm um.
"Eingerichtet", lächelte ich zurück.

"Na dann, viel Spaß Kurzer. Schau Dich in der Burg um, ich bin unten. Heute Abend gehen wir zum Hafen, zu den Schiffen, wenn Du magst", sagte er freundlich, knuffte mich und ließ mich einfach stehen.

Mein Quartier war winzig. Es bestand aus einem Bett, einer Waschschüssel, einem Tisch, einem Waschbecken, einem Nachttopf und so einigem anderen Zeug. Neugierig schaute ich mich in meinem ersten eigenen Zimmer um. Es gehörte mir allein und ich war stolz darauf.

Sehnsüchtig starrte ich die Waschschüssel an. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal sauber gewesen war. Überhaupt konnte ich mich kaum an das Gefühl von Wasser auf der Haut erinnern. Von salzigem Wasser ganz zu schweigen...

Langsam zog ich mich aus und warf meine Sachen einfach auf den Boden. Gerade als ich mich abwaschen wollte, fiel mir etwas über dem Waschbecken auf.

Perplex blieb ich davor stehen und starrte mein Spiegelbild an - nicht begreifend, dass ich die Person war, die der Spiegel zeigte.

Der Bursche der mir entgegen starrte war fremd. Dürre war er, kahlköpfig, mit blasser grau-weißer Haut unter der sich die Adern deutlich abzeichneten. Seine Augen waren eingesunken und dunkel, genau wie die Ringe darunter. Irgendwie dämmerte mir, dass etwas nicht stimmte da seine und meine Bewegungen synchron verliefen.

Daran, dass ich wie am Spieß geschrien habe, erinnere ich mich nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass mein Vater in mein Quartier gestürmt kam.

"Ruhig! Ganz ruhig! Du bist in Sicherheit", sprach er beruhigend auf mich ein.
"Wer ist der Kerl?", brüllte ich meinen Vater panisch an und deutete auf den Spiegel.

"Du", flüsterte Mancini ganz leise.
"Das bin... ich? Ich?!?", stammelte ich.

"Ja das bist Du, das ist ein Spiegel, schau ich bin neben Dir. Vergleiche es doch Silvano", sagte er, drückte mich an sich und hielt mich fest. Ich erwiderte die Umarmung und versuchte zu begreifen, wie viel Zeit vergangen war.

"Magst Du Dich mal in Ruhe angucken? Komm versuch es mal", sagte Mancini und reichte mir seine Hand.

Vorsichtig nahm ich seine Hand und gemeinsam stellten wir uns vor den Spiegel.
Er drückte seine Wange gegen meine und gemeinsam starrten wir hinein - Vater und Sohn.


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Ein Blutbad bleibt ein Blutbad - auch wenn man zu den Überlebenden gehört

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Re: Die Altlasten der Agenten der Autarkie

#7

Beitrag von Silvano de Mancini » Di 28. Aug 2018, 00:11

Silvano de Mancini
Jules hatte ihn hinter den blinden Fleck hinter das Vergessen geführt. Wie? Das wusste Vano nicht und mittlerweile hasste er den Satz abgrundtief. Er hatte gesehen wo alles begann, er hatte sich als Kind am Meer gesehen, seine Mutter, ihren Mörder - Parcival. Er hatte seinen Adoptivvater gesehen wie dieser ihm das Leben rettete, wie hatte er nur für eine Sekunde daran glauben können dieser Mann würde ihn enterben? Weil glauben nicht wissen war. Nun wusste er es besser. Ein Nichts zu sein mit nichts als Erinnerung ließ einen farbloser zurück als jedes Gespenst und so hatte er auch im Spiegel ausgesehen. Aber den Umstand konnte man ändern, rot war eine Signalfarbe und damit wieder er sich streichen und zwar mit Parcivals Blut! Für seine Mutter, für seinen Vater, für Kabir und alle anderen namen- und erinnerungslosen Kinder wie Belly, Boldi, Kab und ihn. Silvano zuckte nach hinten und schnappte dabei nach Luft als wäre er tatsächlich am Ertrinken. Ruckartig hatte er sich damit aus der Verbindung von Jules gerissen. Schwindel und Übelkeit überfielen ihn, aber er schob sie beiseite, nichts was er nicht schon hundertmal auf See getan hatte bei zu hohem Wellengang. Aber dieser Wellengang erforderte ein Opfer. Er benötigte einen Moment um sich zu ortientieren, dann schnappte er sich seinen Haken und stand auf. Keine Sekunde später saß er wieder, denn Boldi hielt ihn immer noch fest umschlungen. Total irritiert musterte Vano seinen Freund und versuchte sich freizukämpfen.

Boldiszàr
Boldiszàr hielt ihn mit beiden Armen fest umschlungen. Er hatte viel Kraft, doch Silvano kämpfte mit der Macht der Verzweiflung. »Ruhig, Vano«, stieß er hervor und könnte sich selbst dafür ohrfeigen, dass es wie ein Befehl klang. »Ruhig, ich bin da«, versuchte er es noch einmal, in der Hoffnung, dass der Klang seiner Stimme irgendetwas bewirkte und er nun nicht selbst den Haken zu spüren kann. »Vano, ich bin`s, Boldi. Dein Mann. Du bist hier an Land, in der Ruine Dupont. Du bist hier in Sicherheit, wir sind alle für dich da.« Er hoffte, dass Silvano so die Orientierung wiederfand und es ihn irgendwie zurückholte aus dem, was er gerade durchmachte.

Silvano de Mancini
Was ihm nicht mit Kraft gelang, versuchte er mit der Gewandtheit eines Aals, aber das Vorhaben war genauso zum Scheitern verurteilt. Boldi ließ ihn nicht los und eigentlich wollte er auch gar nicht losgelassen werden. Von einer Sekunde zur anderen gab Vano seine Gegenwehr auf und drückte sich fest an Boldi. "Er hat... meine Mutter getötet... Parcival... ", keuchte Vano tonlos und verdreht sich so, dass er sich an Boldi anlehnen konnte. "Er hat mich vor ihm beschützt... und abgeholt... verstehst Du, ich frag Dich immer ob Du verstehst... Du verstehst es. Muss ich mir abgewöhnen... lass mich los", bat Silvano und machte sich klein in Boldis Armen.

Boldiszàr
»Ich lass dich gar nicht los, du bleibst jetzt hier und beruhigst dich. Du hast deine Eltern gesehen? Deine leiblichen Eltern? Und was ist mit Parcival? Es ist fünfunddreißig Jahre her, sie alle sind längst tot. Meine Eltern auch. Aber wir leben und wir sind jetzt hier, alle zusammen.«

Silvano de Mancini
Vano schaute Boldi an, blinzelte und nickte langsam. Er wollte sich gerade über die Kehle reiben, als er erschrocken feststellte, dass er noch den in der Hand hielt. Er legte die Waffe beiseite und ließ sie los. Vano umarmte Boldis Arme und hielt sich an ihm fest. "Ich bin total durcheinander. Ich habe gesehen wie er meine Mutter getötet hat. Meinen Vater habe ich nicht gesehen Boldi. Aber meinen Adoptivvater, Mancini. Er hat verhindert dass er mich erschlug wie einen Hund. Sein schäbiger Vogel, er sollte mich am Strand zerreißen und ich habe ihn aufgespießt. Versehentlich. Ich habe mich gesehen, wie ich aussah als ich aus dem Heim kam, ich sah... grauenvoll aus. Fast verhungert, keine Haare, blass grau und einfach nur erbärmlich. Mancini hat mit mir in den Spiegel geschaut... Ich muss mit ihm reden. Ich weiß nicht warum ich das vergessen habe, ausgerechnet DAS! Er war gut zu mir. Aber ich jammere Dir hier einen vor und Dir erging es keinen Deut besser. Ich habe nichts gesehen was uns hilft, ich habe nur gesehen dass ich dreimal wer anderes wurde. Wir sind zusammen ja, wir bleiben zusammen versprichs. Kabir, merk Dir den Namen - Kabir... er war einer von uns", antwortete Silvano und musterte Ciel. "Tut mir leid dass ich abgebrochen habe, verzeiht", bat er inständig.

Boldiszàr
»Ich verspreche es dir. Wir bleiben zusammen und ich liebe dich. Parcival war also leibhaftig dabei ... und er wollte dich erschlagen. Nachdem er deine Mutter umgebracht hatte. Kabir ist gut zu merken, vielleicht lässt er sich finden. Dein Adoptivvater hält vielleicht noch heute seine schützende Hand über dich. Vielleicht verhindert nur das, dass Parcival es beendet. Was sagst DU dazu eigentlich, Jules?« Boldiszàr betrachtete das Himmelsauge, während er Silvano fest hielt und streichelte.

Jules de Mireault
Jules setzte sich wieder aufrecht hin und schaute von Ciel zu Boldi und dann zu Silvano. "Es tut mir unendlich leid, was sie mit Euch gemacht haben. Beziehungsweise was Parcival in wessen Namen auch immer getan hat, im Namen des Duc oder des Ordens handelte er sicher nicht. Mental kann man nicht lügen. Und selbst wenn, kein Vierjähriger denkt sich so einen Angriff aus. Ich vermute das Chevalier de Mancini von dem anderen Himmelsauge beeinflusst wurde, damit er Dich heraus gibt. Ich bin so frei und sage einfach Du, da wir Deine Gedanken und Gefühle teilten. Ich sah keine Veranlassung dazu, Deine Mutter zu töten. Sie war eine einfache Frau und sie war eine gute Mutter. Eine liebende Mutter und ihr letzter Gedanke galt Dir. Wer die Personen am Anfang waren, die Du liebst kann ich nur spekulieren und ist Deine Privatsache, aber Boldi hat es Dir gestanden, so darfst Du das auch. Hinweise wieso es Euch erwischt hat, haben wir keine gefunden. Aber trotzdem ist das eine Bestätigung das etwas nicht stimmte. Und ich finde auch, dass Du mit Deinem Vater sprechen solltest. Wenn Du etwas Zeit hast, besuche ihn gemeinsam mit Boldi und Belly. Falls ihr ihn mitnehmen mögt. Nachdem wir den Lich zur Strecke gebracht haben und vielleicht etwas Dunkel in eine sehr dunkel Vergangenheit. Was sagt Ihr Herr?", sagte Jules zu Ciel, der ebenso alles direkt miterlebt hatte.

Ciel Felicien de Souvagne
Der Prince war noch bleicher als sonst und zitterte etwas. Er hatte de Mancinis Angst hautnah gespürt. Er selbst war jemand, der sehr an seinen Eltern hing, ja, klettete und er hatte nun gespürt, wie man sich fühlte, wenn sie einem entrissen wurden. »Was ich sage?«, wiederholte Ciel leise. »Ich sage etwas, dass ich nur sehr ungern sage. Sehr ungern! Aber wir werden ausnahmsweise die Dienste ... eines Nekromanten in Anspruch nehmen. Wir werden die Toten befragen. Und ich werde Waisen fortan mit anderen Augen sehen. Bei diesen grässlichen Waisenhäusern muss etwas geschehen, ich werde überprüfen lassen, ob die Zustände noch immer so grauenhaft sind und wenn ja, muss daran sofort gearbeitet werden!«

Bellamy Bourgeois
"Das habt Ihr sehr gut gesagt Herr und ich freue mich über Eure Worte. Waisenhäuser und Armenhäuser bitte. Denkt immer daran Kinder und Alte ohne Familie sie haben niemanden und sind niemandem etwas wert, wenn der Lehnsherr sich nicht kümmert. Ihr wollt einen Nekromanten befragen? Wen? Bitte nicht diesen Lich Herr, vor dieser Kreatur kann ich Euch nicht beschützen, niemand kann das. Wen habt Ihr im Sinn? Und Danke für Euer Mitgefühl, es ist selten. Als Kind ist man den meisten lästig. Ich hätte einen Vorschlag zu unterbreiten. Wieso sind Kinderheime sprich die Waisenhäuser in der Hand der jeweiligen Lehnsherren, warum nicht in der Hand der Krone? Wären dort fest angestellte Bedienstete, hätten die Kinder ein gutes Auskommen und die Mitarbeiter auch. Und sie könnten Schulbildung bekommen, etwas lernen. Es wäre eine Chance, nicht ein Aufbewahren", schlug Bellamy vor. Dass Parcival die Mutter von Vano erschlagen hatte, ging Bellamy nicht in den Kopf. Aber das musste es auch nicht. Sie würden herausfinden was geschehen war und ob er nun Palaisin war oder nicht, niemand ging so mit seinem Schwager um. Auf der anderen Seite fragte er sich gerade, was man mit Boldi und ihm angestellt hatte. Besser was Parcival angestellt hatte.

Ciel Felicien de Souvagne
»Wieso ist Ansgar nicht dabei?«, rief Ciel wütend und stand auf. »Jetzt muss ich Brandur fragen. LINHARD! Warum hast du nicht einmal mitgedacht? Kannst du Ansgar herholen?« Er wandte sich wieder Bellamy zu. Er atmete langsam durch, um seine aufsteigende Hysterie herunter zu kämpfen. »Ihren Vorschlag werde ich mit meinem Vater besprechen. Mein Bruder Gregoire hat momentan eine Schonzeit. Vielleicht hat er Freude daran, sich der Kinderheime anzunehmen, er mag Kinder. Die Armenhäuser wären auch so eine Baustelle ... aber all das muss in Ruhe geplant werden. Ich werde Sie einbeziehen mit Ihren Erfahrungen, Bellamy. Was ist nun mit ihnen? Möchten Sie und ihr Partner auch erfahren, was geschah?«

Linhard von Hohenfelde
Linhard gesellte sich zu Ciel und musterte ihn betrübt. "Aber Paps ist wirklich ein hervorragender Nekromant, wenn er nicht gerade erste Hilfe leistet und Transplantationen vornimmt. Ich hole Ansgar her Ciel, mach Dir keine Sorgen. Du musst Dich abregen Schwager, wir sind ein Team", sagte Lin und drückte ihn liebevoll. "Ansgar wohnt doch hier um die Ecke, wir sind auf seiner Scholle, alles ist gut", sagte Lin und küsste Ciel auf die Stirn. "Bin sofort wieder da", grinste er und machte sich auf den Weg.

Bellamy Bourgeois
"Ich danke Euch und ich denke auch das Euer Bruder Freude an der Tätigkeit hätte. Mit Verlaub, so wäre er auch etwas seelisch ausgelastet, denkt an Euren lieben Ferrau. Gregoire könnte dort sein Wissen anwenden, sehr nutzbringend sogar. Also ich würde es schon gerne wissen und Du Boldi? Geht das auch im Duett?", fragte Bellamy nervös.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel drückte Linhard zurück und gab ihm zum Abschied einen Kuss auf die Wange. "Nimm es mir nicht krumm, ich bin nur gerade aufgebracht. Bitte beeil dich, wir wissen nicht, wann die Beißer hier eintreffen." Er wandte seine Aufmerksamkeit Bellamy zu. "Doch, das geht. Wenn Sie noch Kraft haben, Jules, bitte walten Sie Ihres Amtes."

Jules de Mireault
"Eine Mitreise ja, aber wir können nicht zeitgleich eine Reise in zwei Richtungen antreten. Also einer nach dem anderen, und einer ist stets als Gast dabei", erläuterte Jules und verkniff sich ein Schmunzeln, wie Lin mit Ciel umging. Die beiden waren sich näher als sie zugaben.

Boldiszàr
"Ich möchte es auch erfahren. Darf ich zuerst, Belly? Wenn es zu heftig ist, kann ich dich warnen. Bitte halt mich fest."

Bellamy Bourgeois
Bellamy setzte sich so hinter Boldi, wie dieser hinter Silvano saß. Irgendwie hatte dies etwas total Schönes und beruhigendes, wäre der Anlass nicht so ein trauriger. Er beschloss mit seinem Bruder und seinem Schwager mehr Zeit zu verbringen und ihnen nach Feierabend öfter auf den Keks zu gehen, so lange beide anwesend waren. Ansonsten ging er zukünftig Ciel auf den Keks, dass hatte er ihm versprochen. "Ich halte Dich und bin für Dich da. Falls es zu schlimm wird, brich ab Boldi", sagte Bell.

Boldiszàr
Boldiszàr lehnte sich nach hinten, bis er ganz an seinem großen Bruder lehnte. Er ließ das Gefühl auf sich wirken und sog es in sich auf. Gleichzeitig ruhten seine Hände um Silvano. »Großer«, sagte er zufrieden und rieb seine struppigen Haare an Bellamys Wange. »Ich bin so weit, Jules.« Er blickte dem Himmelsauge in die Augen.

Jules de Mireault
Jules schaute Boldiszar tief in die Augen und schlagartig fühlte Boldi, dass er nicht mehr allein in seinen Gedanken war. Eine andere Präsenz war zugegen. Aber sie war ihm rein wohlgesonnen, er spürte, dass sie es gut mit ihm meinte, ihn führen wollte und an seiner Heilung mitwirken wollte. Dazu musste er sich erinnern. Jules reichte ihm mental die Hand, so dass sie ihre Gedanken völlig verweben konnten um hinab in das Gedankengeflecht zu steigen, dass Boldi von seiner Erinnerung abhielt.

Boldiszàr
Boldiszàr entspannte sich, so gut er konnte. Er war niemand, dem es leicht fiel, Leute nah an sich heranzulassen. Er gab sein Bestes, sich zu öffnen. Das fühlte sich falsch an, insbesondere weil es nicht Silvano war. Aber er wollte erfahren, was passiert war. "Bereit", murmelte er.

Jules de Mireault
`Keine Angst ich bin bei Dir um Dir zu helfen. Dein Mann hat sich ebenso entspannt. Möchtest Du wie er Dich einfach komplett in die Tiefe fallen lassen? Oder möchtest Du Stück für Stück in die Tiefe vordringen? Ich rate zu einzelnen Schritten, ein freier Fall ist nicht dass, was einem selbst gut tut. Aber Dein Mann ist eh anders, hart wenn es sein muss, aber einer seiner ersten Gedanken galt Dir. Das weißt Du jetzt heimlich ohne dass er es Dir sagte. Er liebt Dich. Also Boldi, wohin zuerst?´, übermittelte Jules und ließ sich langsam in die Tiefen von Boldiszars Erinnerungen treiben. Noch waren sie in den bekannten Regionen. Hier kannte Boldi sich aus, wusste wann er welche Erinnerung tatsächlich erlebt hatte. Die letzten Erinnerung waren besonders frisch und intensiv, mit dem Wissen das er zurückgeliebt wurde umso mehr.

Boldiszàr
Die momentanen Erinnerungen waren ein Feld voller Sorgen, vor allem was Robere und Patrice betraf, aber darauf tauchte, wie ein bunter Farbtupfer, die schöne Zeit mit Silvano auf. 'Äh .... bitte Stückchenweise. Und nicht die geheimen Sachen anschauen. Kann man die irgendwie umgehen?'

Jules de Mireault
`Aber sicher, Du erinnerst Dich einfach nicht daran, oder falls doch ziehen wir einfach vorrüber Boldi. Nebenbei ich habe ebenfalls solche Erinnerungen mit Khawa. Sie sind mein Halt, wenn es mir schlecht geht. Schäme Dich nicht dafür, sie sind Dein Seelenpolster. Ich schaue mir nicht an, was Du nicht möchtest. Ziehen wir weiter komm mein Freund´, übermittelte Jules und zog mit Boldi tiefer hinab. Nun war er wieder im Kinderheim. Mit Robere. Lag im Bett und seine Wunde wollte nicht heilen.

Boldiszàr
Boldiszàrs Körper spannte sich an und er begann heftig zu atmen. Sein Herz raste und er schüttelte wie wild den Kopf. Reflexartig fuhr er mit der Faust über seine Wange, als wolle er die Narbe abstreifen. Mental jedoch lag Boldiszàr mit Fieber im Bett und wachte gerade auf, als Robere seine Lippen auf seine legte und zerkautes Fleisch in seinen Mund füllte. Vor dem Eiter, der von Boldiszàrs Mundwinkel lief und darüber eine Kruste bildete, schien er sich nicht zu ekeln. Gierig schluckte Boldiszàr den Brei herunter. Es war die erste Mahlzeit seit ungezählten Tagen. Wortlos hob Robere die tote Katze an den Mund, um weiteres Fleisch herauszureißen. Er mühte sich und verlor dabei im Laufe der Malzeit fast alle noch verbliebenen Milchzähne. Jules spürte die extreme Dankbarkeit, die Boldiszàr empfand und die bis heute unvermindert anhielt. Gleichzeitig stellte Jules fest, dass Boldiszàr Massimo belogen hatte - er würde Robere nicht töten, sondern dafür sorgen, dass er entkam.

Jules de Mireault
Jules musterte die Szene stumm. Was immer Robere verbrochen hatte, oder warum er so tickte wie er tickte - hier lag der Anfang. Man konnte es mit dem Tod beenden, aber wie einst einmal ein weiser Mann sagte, man kann nichts töten, dass nie gelebt hat. Wobei Mann? Junge - Backfisch - Stirnküsser. Nein, er wusste was Robere dort für Boldi getan hatte. Er hatte getötet, damit Boldi leben konnte. Er hatte selbst kein Fleisch auf den Rippen und gab bereitwillig die Nahrung fort, schenkte sie seinem Bruder, damit dieser überlebte. Niemand der nicht ihre Not verspürt hatte, würde diesese Geschenk begreifen. Selbst er, der es mitempfand, konnte nur an der Tiefe der Liebe und Verzweiflung kratzen. Er verstand was Boldi für Robere empfand und warum er ihn verschonen wollte. Und Jules würde ihm dabei helfen. Und er verstand, was Boldi und Vano einander bedeuteten. Das winzige Gedicht, dass Boldi aufmuntern sollte, hatte mehr als ins Schwarze getroffen. Robere würde leben, das spürte Boldiszar. Langsam zogen sie weiter, in die Zeit davor, bevor er die Narbe erhalten hatte. Er war ein kleiner Junge, vielleicht fünf oder sechs Jahre und stand in diesem Heim, das alles gewesen war nur nie ein Zuhause.

Boldiszàr
Boldiszàrs Körper wurde wieder schlaff. In seinen Gedanken war er der Junge, der auf dem Bretterboden eines wildfremden Ortes stand. Wo war er? Wer war er? Und am wichtigsten - wo waren seine Eltern? Etwas in ihm wusste, dass er Eltern haben musste, eine Mutter und einen Vater! Hilflos drehte er sich und blickte sich um, überall nur dunkles, nicht lackiertes Holz und Steine. Ein Priester, riesengroß, starrte unter einer schwarzen Kapuze auf ihn herab. »Komm, Boldiszàr. Ich zeige dir dein Bett.« Boldiszàr hatte Angst vor dem viel zu riesigen fremden Mann, von dem er das Gesicht kaum erkennen konnte und fing schrecklich an zu weinen. Auch dem erwachsenen Boldiszàr liefen Tränen.

Silvano de Mancini
Silvano wischte Boldiszar die Tränen von den Wangen und schlang ihm einen Arm um den Hals, während Bellamy seinen kleinen Bruder fester an sich drückte. Seine große Hand strich ihm die stets struppig wirkenden Haare glatt und hielten ihn von hinten, währens sich Mancini von vorne an ihn drückte. So war Boldi eingeklemmt zwischen zwei Leuten die ihn liebten.

Boldiszàr
Boldiszàr wurde ein Stück wieder zurückgeholt, schlug kurz die Augen auf und stellte fest, dass alles in Ordnung war. Er beruhigte sich auf ein erträgliches Maß. Noch war nichts weiter geschehen, als dass er sich an die Dinge erinnerte, die er versuchte, zu vergessen. Er machte die Augen wieder zu. 'Weiter, Jules', bat er.

Silvano de Mancini
Jules nahm Boldi erneut bei der Hand und sie tauchten tiefer ein. Es wurde dunkler, finsterer, es war ein seltsamer Ort und er sah die eigene Hand vor Augen nicht mehr. Er wusste nicht was los war, oder ob etwas mit seinen Augen nicht stimmte. Dann wurde ihm die Dunkelheit vom Kopf gerissen und eine gepanzerte Hand schlug dem kleinen Jungen ins Gesicht. "Verräterische Made, hast wohl gedacht Du kannst Dich verstecken? Wir bekommen Euch alle", bellte ihn ein Kerl an, dessen Schnauzer sich vor ihm sträubte. Der Mann schaute ihm in die Augen und Boldis kleiner Kopf explodierte vor Schmerzen.

Boldiszàr
Der kleine Junge Boldiszàr riss reflexartig die Händchen hoch. Wie klein und weich diese Händchen waren und wie unbezwingbar die Hand in dem Panzerhandschuh! Wie er auch schrie und zappelte, weder kamen seine Eltern noch hörte der Mann auf.

Silvano de Mancini
Hinter all dem, hinter den grauen starrenden Augen, die im Grunde wie kalte, tote Kieselsteine wirken, lag die Unendlichkeit und Boldi wurde von der Schwärze verschlungen. Mit ihm seine Erinnerungen an all das, was vor der Zeit auf diesem Folterstuhl geschah. `Schaffst Du es weiter?´, fragte Jules vorsichtig und hielt ihn mental fest.

Boldiszàr
Boldsiszàr brauchte einen Moment. 'Ja', antwortete er mit brüchiger mentaler Stimme. 'Ich muss das wissen ... ich muss es einfach.'

Silvano de Mancini
Weiter führte ihn Jules hinab, vorbei an den Schmerzen, dem Gräul tiefer hinab als Boldi jemals allein steigen konnte. Licht, Luft, Freude und der Duft von frischem Sonntagsbraten erfüllte die Luft. Glücklich schmatzend saß er am Tisch, ihm gegenüber ein Bellamy der wesentlich jünger als er ihn in Erinnerung hatte. Boldi war vier Jahre alt, sein Bruder Bellamy war acht. Ihre Mutter stellte gerade eine hölzerne Schale auf den Tisch, die gefüllt war mit frischen Erbsen und Möhren, der Saft des Gemüses war mit Mehlschwitze angedickt, so wie es die Jungs gerne aßen. Neben dem Fleisch schaufelte ihre Mutter ihnen mit liebevollem Lächeln Kartoffeln auf den Teller und legte jedem ein knuspriges Stück Brot dazu. Es klopfte an der Tür. Sie strich ihren beiden Jungs liebevoll über die Haare, strich die Schürze glatt und ging zur Tür. Sie räusperte sich und öffnete. Mit einem ratschenden Geräusch durchdrang das Schwert den Brustkorb seiner Mutter. Hilflos versuchte die Frau sich zu befreien, die ihnen gerade noch liebevoll über den Kopf gestrichen hatte. Ihr Angreifer half nach und trat sie brachial in den Unterleib, so das sie von der Waffe gezogen wurde. Noch während seine Mutter stürzte war Bellamy auf den Beinen und griff den Fremden mit dem Brotmesser an. Ein knallharter Schlag ins Gesicht ließ den Achtjährigen wie eine Stoffpuppe zusammenklappen und bewusstlos auf dem Boden aufschlagen. Wie ein Kaninchen hob der Feind seinen Bruder hoch, musterte den Jungen und schmiss ihn durch die offene Tür nach draußen. Boldi schleuderte seinen Teller in die Richtung des Feindes und gab Fersengeld. Mit einem schmerzhaften Klong donnerte dem Angreifer der Metallteller vor die Stirn, während Boldi nach oben flüchtete. Wohin sollte er sonst? Der Feind stand unten. Er verkroch sich in der Kleiderkiste seiner Mutter. Hörte den Mann fluchen und suchen, schimpfen und grollen. Dann war es plötzlich totenstill. Boldi hielt den Atem an in der gleichen Sekunde wurde die Truhe aufgerissen und ein Hagel aus brutalen Faustschlägen ging auf den kleinen Jungen nieder, die ihn in die Schwärze prügelten.

Boldiszàr
Boldiszàr wand sich in Bellamys Umarmung, die zu einer Umklammerung wurde, um ihn festzuhalten. Angstschweiß lief von seinen Haaren und seinen Hals hinab. Aber diesmal konnte er nicht zurück, er versank zu tief in dieser Erinnerung. "Mama", kreischte Boldiszàr, ohne aufzuwachen, "Belly!!!"

Silvano de Mancini
Jules umklammerte Boldiszar mental und tauchte mit ihm gemeinsam aus der Erinnerung wieder auf. Er machte an besonders schönen Erinnerungen halt, damit sich Boldi daran festhalten und erfreuen konnte. Mit zugeschnürter Kehle stellte er fest, dass Boldi nicht gerade über viele solcher Anker verfügte. Jules hoffte dass sein Mann dazu in der Lage war sie ihm zu schenken. Ein Kapitän sollte über Anker verfügen, zumindest über Rettungsbojen. Jules zog Boldi immer weiter hoch, bis zu den letzten Erinnerungen wo ihm Bellamy offenbart hatte, wer sie wirklich waren und dass sie beide Brüder waren. Das ihre Liebe einen tieferen Grund als reine Freundschaft hatte. Und dass er genau in jener Zeit seine erste Liebe kennengelernt hatte. Dort verharrte Jules mit Boldis Seele, ließ sie zur Ruhe kommen, bevor er mit ihr wieder ins Bewusstsein auftauchte. Boldi spürte schlagartig die Pranken von Bellamy um sich herum wie Schraubzwingen und einen drahtigen Arm um seinen Hals, der seinem Mann gehörte. "Alles in Ordnung?", fragte Jules und hielt Boldi ebenfalls fest.

Boldiszàr
Boldiszàr stand vollkommen neben sich. Er setzte sich auf und blickte sich verwirrt um. Nach und nach setzten die Erinnerungsstücken sich zusammen wie ein Puzzle. Er küsste Silvano mit einem feuchten Kuss. Dann drehte er sich um. »Be-Belly«, stammelte er. Alle Erinnerungen waren wieder da. Er betrachtete seinen Bruder mit neuen Augen. Er erinnerte sich an alles, wie sie gemeinsam gespielt hatten, auch, wie sie sich stritten und gegenseitig ärgerten. Obwohl Bellamy sich oft genug über »den Kleinen« aufgeregt hatte, wenn er diesen irgendwo mit hinnehmen musste oder gezwungen war, auf ihn aufzupassen, so hatten sie einander dennoch lieb. Boldiszàr eiferte seinem großen Bruder in allem nach, natürlich bevorzugt bei den Untaten und als sie älter geworden waren, wurde er sein Komplize. Nachts war Boldiszàr heimlich zu seinem Bruder ins Bett gekrochen und sie hatten getobt, anstatt zu schlafen. Alles war wieder da. »Belly«, wiederholte Boldiszàr und umarmte ihn felsenfest. So schlimm die Erinnerung auch gewesen war - sie hatte ihm seinen Bruder vollends zurückgegeben.

Bellamy Bourgeois
Bellamy umarmte Boldiszar und hielt ihn fest an sich gedrückt. "Ich bin doch hier, wir beide sind hier. Du bist bei uns sicher, so sicher wie Du nur sein kannst. Versuch Dich zu beruhigen Kleiner, atme langsam ein und aus, halt Dich fest oder kuschel Dich an", sagte Bellamy sanft und legt seinen Kopf auf den von Boldi ab. Mit einem Arm zog er Vano mit heran, so das er beide drückte und beschützte. "Hab Dich lieb Boldi", flüsterte er ihm ins Ohr.

Boldiszàr
"Hab dich auch lieb, Belly ... wir haben uns damals schon Belly und Boldi genannt. Unsere Eltern hatten die Namen extra so ausgesucht, dass sie zusammen passen." Boldiszàr war niemand, der viel kuschelte. Eigentlich hatte er in seinem gesamten Leben, seit der Zeit des Waisenhauses, nie gekuschelt. Er hielt eher Abstand. Aber Belly und er waren sich nun seelisch so nah, wie man sich nur nah sein konnte, zumindest von Boldiszàrs Seite aus. Er kuschelte sich fest an seinen großen Bruder, wie damals, wenn er zu ihm unter die Bettdecke gekrabbelt war. "Du musst es auch machen", sagte er. "Du brauchst diese Erinnerung. Sie tut weh wie Sau. Aber es ist schön, sich wieder an unsere gemeinsame Zeit zu erinnern, unsere vier gemeinsamen Jahre." Er griff nach hinten und zog Silvanos Arme um sich. Irgendwo oben auf einem Mauerrest schüttelte Etienne verständnislos den Kopf.

Bellamy Bourgeois
Bellamy küsste Boldi auf den Kopf. "Kleiner ich habe alles gesehen, ich war bei Dir. Ich war zwar nicht so zu sehen wie Du, aber ich war wie ein Zuschauer dabei. So wie Ciel, er hat ebenfalls alles gesehen, damit Du es nicht noch einmal erzählen und durchleiden musst. Er war dabei so wie ich. Und ich könnte gerade schreien vor Wut, aber auf der anderen Seite, wo wir beide am Tisch saßen, wo unsere Mama uns Erbsen und Möhren brachte, erinnerst Du Dich? So dick wie Pamps, jetzt weiß ich woher ich das so gerne esse. Irgendwas ist immer noch da. Ich hab Dich beschützen wollen und hab es nicht geschafft Boldi", flüsterte Bell.

Boldiszàr
"Du warst so mutig ... schon damals warst du ein kleiner Palaisin. Ich hab dich angehimmelt, ich wollte immer sein wie du, sogar bei den Dingen, für die du Schimpfe bekommen hast. Und jetzt schau dir an ... ich bin fast geworden wie du. Du warst Palaisin, ich Coutilier. Sogar als Erwachsener habe ich dir noch nachgeeifert. Und Mama ... wie lieb sie aussah. Man müsste zeichnen können, dann könnte man sie aus dem Gedächtnis nachmalen. Aber Papa ... wir haben Papa nicht gesehen, Jules!"

Jules de Mireault
Jules schaute alle drei ernst an. "Weil Eure Väter zu dem Zeitpunkt bereits tot waren Boldi. Wir sind die Zeit angereist um zu schauen, was mit Euch geschah. Als sie Eure Mütter holten und auch jeden anderen erwachsenen Verwandten, wie Tanten und so weiter, waren Eure Väter schon längst tot. Oder glaubst Du, dass hätten sie zugelassen? Kein Vater hätte das", erklärte Jules ehrlich.

Boldiszàr
"Dann bitte tauche noch einmal mit uns zurück ... zu einer Zeit, als sie noch lebten. Unsere Väter hatten sich gekannt, Berzan und Mercer. Vielleicht haben Vano und wir uns gekannt, von einem Familientreff. Würdest du uns drei noch einmal in unsere Vergangenhei führen?"

Jules de Mireault
Jules schaute Boldiszar ernst an und nickte knapp. "Ja dass mache ich. Bellamy, Vano und Ciel reisen mit. Wir beide kehren zurück. Entspanne Dich Boldi", bat Jules und starrte seinem Kumpel erneut in die Augen. Diesmal kannte Boldiszar den Weg, er führte in Tiefen hinab die sie nun wesentlich schneller hinter sich ließen, da sie dort nicht verharren wollten. Weiter zurück, viel weiter, noch weiter als er je gereist war oder es ihm bewusst möglich war. "BOLDI Booo...lllldiii guck doch Schnell!", gurrte jemand. Als er mental die Augen aufschlug klatschte ihm eine Qualle ins Gesicht. Zwei Männer bekamen sich nicht mehr ein vor lachen, während Bellamy die Verfolgung von einem kleinen blonden Jungen aufnahm, während Boldi sich mit spitzen Fingern die Qualle vom Gesicht schälte.

Boldiszàr
Boldiszàr heulte, als er feststellte, dass seine Haut zu brennen begann. Es war eine Feuerqualle gewesen, sie war harmlos, aber weh tat es trotzdem, wenn man ihre Nesseln berührte. Irgendjemand erbarmte sich und wusch sein Gesicht ab, das sich anfühlte, als wäre er kopfüber in einen Ameisenhaufen gesprungen. Es war eine große Männerhand. Boldiszàr hörte auf zu heulen, als er umkümmert wurde - offenbar war er eine ziemliche Heulsuse gewesen, die gern um Hilfe plärrte - und versuchte, den Kopf nach oben zu drehen, um zu sehen, wer ihn gerettet hatte.

Jules de Mireault
Ein Mann mit schwarzen Haaren und stahlblauen Augen grinste ihn schräg an und wusch ihm vorsichtig mit einem Lappen das Gesicht sauber. "So schlimm war das doch gar nicht", sagte er liebevoll und strich Boldi die Haare aus dem Gesicht. "Hier nimm einen Schluck, das heilt jeden Quallenbrand!", sagte ein Mann hinter seinem Vater Berzan. Onkel Mercer reichte ihm einen Krug und Boldi nahm einen kräftigen Schluck. "Was gibst Du dem Jungen da?", fragte eine blonde Frau kopfschüttelnd und lachte. "Limonade!", rief Boldi bevor sein Onkel antworten konnte. Auch ihren Namen kannte Boldi, Tante Genevre, die Frau von Onkel Mercer. Die Mama von Del, mit ganzen Namen Delancy, sein bester Kumpel und hinterhältiger Quallenwerfer. Seine eigene Mama gesellte sich dazu und die Frauen beobachteten belustigt wie Berzan Boldi verarztete, während dieser Apfellimonade schlüpfte. Mariette so hieß ihre Mama. Sein Bruder hatte Del eingefangen und schliff den Übeltäter zu Boldi. Die Entschuldigung war ein breites Grinsen und Boldi reichte Del seinen Limonadenhumpen. "Ich trinke Bier! Wie alle Männer", verkündete er und nickte auffordernd, was die Gruppe loswiehern ließ.

Boldiszàr
Nur wenige Augenblicke später war der Streich vergessen. Kinder waren in diesem Alter nicht nachtragend, Streit und Versöhnung wechselten manchmal im Minutentankt, doch dann mussten die drei schon einen schlechten Tag haben. Wenn es hieß, dass sie die Desnoyers besuchen gingen, war das Grund zur Freude. Da Boldi und Del gleich alt waren, spielten sie wunderbar zusammen. Nachdem sie die Limo ausgetrunken hatten, bauten sie eine Sandburg, bis Bellamy mit einem selbstgebauten Katapult anrückte. Er bombardierte sie mit Kartoffeln, was dazu führte, dass Boldiszàr wieder heulte und so eine weitere Limonade abstaubte. Es steckten drei Strohhalme darin und alle drei Kinder schlürften gierig. Als es Abend wurde, wurden die zwei kleinen Müde und kuschelten sich auf dem Schoß ihrer Eltern ein, die noch beisammensaßen und redeten. Boldiszàr erinnerte sich daran, wie sein Papa ihn in eine Decke gewickelt zurück zur Kutsche trug. Als sie sich hineinsetzten, zeigte Bellamy ihm, dass er den Desnoyers die Strohhalme geklaut hatte, um die es in den nächsten Tagen einen regelrechten Kult unter ihnen gab. Vom gleichmäßigen Rumpeln der Kutschenräder und dem Trappeln des Ochsen schlief Boldiszàr ein. Gleichzeitig wachte er auf. Er grinste glücklich mit dem Mundwinkel, der das noch konnte.

Silvano de Mancini
Vano küsste Boldi liebevoll auf den Mund als sie wieder zu sich kamen. "Ich darf nicht heulen, sonst sehe ich nicht mehr so gut. Hat sich angefühlt, als würden wir uns uns schon immer kennen", sagte er liebevoll. "Die Qualle tut mir leid", lachte Vano leise und küsste Boldi erneut.

Boldiszàr
"Und wir schulden dir drei Strohhalme", lachte Boldiszàr. "Das erklärt, warum es bei uns mit dem Kennenlernen so schnell ging ... wir brauchten uns nicht kennenlernen. Wir kannten uns schon!" Er küsste ihn innig.

Silvano de Mancini
"So gesehen ja", freute sich Vano und schmiegte sich an. "Lasst uns Parcival umlegen ja?", sagte er gut gelaunt.

Boldiszàr
Boldiszàr guckte etwas verunsichert in Richtung von Prince Ciel und Jules, die noch daneben saßen.

Bellamy Bourgeois
"Er macht nur Spaß!", grinste Bellamy ein so falsches Grinsen, dass selbst Jules darüber lachen musste. "Aber verdient hätte er es, wir sollten ihm vorher die Haut abziehen und dann kannst Du ihn mit Feuerquallen einreiben", murrte er wütend. "Wir müssen herausfinden was da wirklich lief. Wo ist Linhard?", fragte Bellamy.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel guckte ausdruckslos. "Er holt uns einen Nekromanten her. Ansgar de Chouinard. Er wird uns helfen, Licht ins Dunkel zu bringen."

Bellamy Bourgeois
Bellamy musterte Ciel und knuffte ihn. "Danke", sagte er freundlich, dass war zwar nur ein schlichtes Wort, aber Ciel würde verstehen, was Bellamy alles damit meinte. Für das was er empfand, gab es kein Wort.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel blinzelte Bellamy zu, indem er kaum merklich beide Augen schmaler machte. Bellamy kannte Ciel inzwischen gut genug, dass er damit Gefühle symbolisierte, die er nicht zeigen durfte. Er konnte hier nicht mit Pauken und Trompeten einen spontanen Vernichtungsfeldzug gegen Parcival und im schlimmsten Fall die Himmelsaugen beginnen. Er würde nachdenken und alles genau überprüfen, bevor er handelte, aber er würde etwas tun, das war gewiss.

Silvano de Mancini
"Wir werden die Sache klug angehen, wir werden den Mann Scheibchen für Scheibchen demontieren und aus seiner Schale schälen. Damit jeder sieht, wer und was er tatsächlich ist. Erst dann können wir ihn angreifen. Denn erst dann sieht jeder, dass er ein Feind aller Souvagner ist einschließlich der Himmelsaugen. Im Moment würden ihn die anderen aus Loyalität beschützen. Wie jeder aus der Garde Boldi, oder meine Mannschaft mich. Wir werden ihm seine ganz eigene Erleuchtung bringen", flüsterte Vano.

Boldiszàr
»Er wird trotz allem nicht allein stehen. Dafür ist er zu klug, zu alt und zu erfahren. Er ist selber ein uralter grimmiger Kauz geworden, wie die Uhus der Himmelsaugen. Den muss man ebenso klug und grimmig fertigmachen. Das Kluge übernehmen Ciel und seine Magierfreunde und wir kümmern uns ums Grobe!« Boldiszàr grinste breit. Ihm wurde angenehm warm, als er sich vorstellte, wie Silvano Parcival zerfetzte. »Ich werd mir das aus der zweiten Reihe anschauen, sobald wir ihn so weit haben. Du weiß warum, Vano. Und ich kann dir nebenbei den Rücken decken. Anschließend holen wir zu dritt die Zeit nach, die man uns nahm. Wir werden die alten Erinnerungen hervorkramen, aber nicht nur die Schlimmen, sondern vor allem die Guten, wie die Besuche bei den Desnoyers und werden darüber philosophieren, wieso der ehemalige Palaisin, der eigentlich aufpassen soll, als Kind so gern almanische Burgen zerschoss.« Er knuffte mit der Faust die Faust seines Bruders. Und Silvano bekam einen weiteren Sabberkuss, diesmal mit Zunge.
Ein Blutbad bleibt ein Blutbad - auch wenn man zu den Überlebenden gehört

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Re: Die Altlasten der Agenten der Autarkie

#8

Beitrag von Osmund von Wigberg » Di 28. Aug 2018, 18:55

Jeder Magier, aber auch alle anderen Anwesenden spürten dass sich schlagartig etwas im Machtgefüge verändert hatte. Gedämpft, nicht in ihrer vollen Macht greifbar näherte sich eine Wesenheit.

Alt, mächtig, misstrauisch und kampfbereit.

Dieses Macht magische Wettergrollen im Nexus, dass sogar die Nichtmagier in der Physis spürten war eine Warnung. Eine winzige Kostprobe dessen, zu was dieses Wesen imstande war, sollte man die Dreistigkeit besitzen es anzugreifen. Sie durften die Nase für einen Moment in die Briese halten und einen Hauch von seiner dunklen Erhabenheit erschnuppern. Wer die Warnung in den Wind schlug, würde im Unwetter seiner finsteren Macht untergehen.

Unwillkürlich richteten sich die winzigen Härchen an den Armen und Beinen auf, ein Schauer rann den Umstehenden den Rücken herunter. Dann fühlten sie es. In der Erde unter ihren Füßen, regte sich das erste unheilige untote Leben. Die Wesenheit die sich näherte streckte ihre magischen Fühler aus und hatte die uralten Gebeine der Duponts entdeckt.

Die Gruppe rückte näher zusammen, ohne dass Ciel auch nur einen Befehl hätte erteilen müssen, standen alle mit blankgezogenem Stahl um ihn herum, bereit den Princen zu verteidigten.

Ein Mann erschien oben auf der Felskuppe. Alt, untersetzt, in einer dunklen, violetten Robe gehüllt. Er stützte sich auf einen Stab, der zu leben schien. Die Tentakeln die von seiner Spitze ausgingen peitschten durch die Luft. Die mit messerscharfen krallenbewehrte Hand des Mannes schloss sich fester um den Stab, mit stechendblauen Augen starrte er zu ihnen herab.

Hinter ihm stand ein junges Mädchen in einer schwarzen Robe gehüllt.

Die Augen der Gruppe wanderten zu Ciel, während man in der Luft die Spannung geradezu spüren konnte.
Der uralte Magier hingegen schien die Gruppe nach einem bekannten Gesicht abzusuchen.

„Wer seid Ihr? Was sucht Ihr hier?“, verlangte er zu wissen, während er seine freie Hand mit gespreizten Fingern gen Boden ausstreckte.

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Lichbesuch bei der Gewitterfeste

#9

Beitrag von Ciel Felicien de Souvagne » Mi 29. Aug 2018, 15:58

Chirag de Dupont
Chirag betrachtete den Magier, der sich über ihnen auf dem Felsen aufgebaut hatte. »Ich `abe es gewusst, dass wir scheitern würden. Jetzt werden wir alle sterben.« Besorgt stellte er das Beben des Erdbodens fest. »Das sind meine Altvorderen, nehme ich an ... ermordet von den eigenen Lieben und deren Dienstpersonal. Eine sehr unschöne Weise, um aus dem Leben zu treten, wenn ich das anmerken darf.« Chirag hatte Linhard als Vertrauter und Mitglied seines persönlichen Stabes begleitet. Unter anderem auch, weil er Archibald gut kannte und lange Jahre mit ihm zusammen gedient hatte. Doch wie es aussah, würde nun der Lich dem Vampir die Arbeit abnehmen.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ich bin Prince Ciel Felicien de Souvagne, Sohn des Ducs! Und ich darf Sie daran erinnern, dass Nekromantie seit dem 1. des fünften Mondes diesen Jahres einem landesweiten Verbot unterliegt«, rief Ciel und stellte sich dem Lich entgegen. Die Leibgardisten schützten ihn mit gezogenen Repetierarmbrüsten. »Also denken Sie gut nach, was Sie nun tun. Ich bin Ihnen über unser Sinnen und Trachten keine Rechenschaft schuldig. Sie aber mir! Ich verlange, Ihren Namen zu erfahren!«

Osmund von Wigberg
»Ahhh seit dem 01.05.... hochinteressant. Wigberg... VON Wigberg, Osmund. Und nun geh Deiner Wege Kind des Duc, ehe Du zwischen die Fronten gerätst. Wir erwarten einen mächtigen Feind, da können wir Kindergeschrei nicht gebrauchen«, sagte Osmund fast väterlich freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel musterte ihn feindselig. »Oh ... ich erinnere mich an Sie. Wir hatten im Palast bereits das Vergnügen. Sie sind einer der Verwandten Linhards. Und ein Lich! Sie hatten die Weisung, das Land zu verlassen. Unter Androhung der Todesstrafe. Offensichtlich sind Sie dem nicht nachgekommen. Bellamy, bitte walten Sie Ihres Amtes.«

Osmund von Wigberg
»Du drohst mir? Ich kenne Dich nicht, aber sei es drum!«, antwortete Osmund leichthin und griff auf seine Gabe zu. Um sie herum bohrten sich die ersten knöchernen und verfaulten Hände aus dem Boden.

Bellamy Bourgeois
Bellamy bezog neben Ciel Stellung, nickte knapp und schritt dann dem Lich entgegen, indem er die Leichenteile abhakte. Grimmig behielt er den alten Mann ins Auge gefasst, der scheinbar blendende Laune hatte. Er lächelte freundlich und schlagartig fühlte sich Bellamy als müsste er durch zähen Sirup waten. Er kämpfte sich weiter und fragte sich was das für eine grauenvolle Magie war, denn aus dem Sirup wurde Teer und aus Teer wurde gefühlt ein Sumpf. Das Schwert in seiner Hand wurde unglaublich schwer...

Ciel Felicien de Souvagne
»Parcival«, kreischte Ciel und schlug die Hände vor seinen Füßen mit dem Säbel ab. »Blockieren Sie dem Mann das Hirn! Brandur! Wirken Sie dieser Leichenschändung entgegen, so gut Sie können!«

Osmund von Wigberg
»Ich würde einen Zahn zulegen, wenn Du hier lebend ankommen möchtest«, lachte Osmund.

Boldiszàr
»Das wird so nichts!«, brüllte Boldiszàr. »Sichert mich.« Er rannte zu seinem Bruder, warf ihn sich über die Schultern und schleppte ihn zurück zur Truppe.

Osmund von Wigberg
Parcival: versuchte Bellamy vor dem Zugriff des Lich abzuschirmen, aber der alte Magier bediente sich eines der schrecklichsten Zauber. Zeitgleich versuchte er Bellamy etwas Essenz zu übertragen, aber damit würde er nur sich und letztendlich seinen Orden leerpumpen. Also versuchte Parcival mit der Macht des Ordens im Geiste, die mentale Mauer von dem Feind zu durchbrechen.

Brandur von Hohenfelde
Brandur versuchte, die Leichen, die sich ausgruben, aufzuhalten. Einem Lich war er nicht gewachsen, aber er konnte ihn stören und ablenken. »Was soll das, Osmund?«, zischte er. »Hatten wir diese Zeiten nicht hinter uns gelassen?«

Silvano de Mancini
Silvano sicherte Boldiszar und begleitete ihn zu Bellamy. Boldi schnappte sich seinen Bruder, wuchtete ihn über die Schulter und kehrte mit ihm zur Truppe zurück. Belly sah total fertig aus und so verschrumpelt, als wäre er drei Wochen auf hoher See getrieben. Vano sprach kein Wort, sondern starrte den Lich nur an, ehe sein Blick auf Parcival fiel.

Osmund von Wigberg
Osmund stellte seinen Angriff ein und nutzte seine Magie um sich zu schützen. »Brandur?!? Bei Ainuwar, wie siehst Du denn aus? So... gesund?!? Was machst Du bei Dunwolfs Schergen? Komm hierher!«, befahl Osmund seinem Verwandten.

Bellamy Bourgeois
Bellamy kämpfte um jeden Atemzug. Scheinbar schien ihn niemand zu beachten nur Boldi und Vano. »...ieso... ilft... mia kei...na?«, keuchte er völlig außer Atem und streckte hilfesuchend nach Boldiszar die Hand aus.

Boldiszàr
Boldiszàr schleppte seinen Bruder hinter eine Mauer und winkte Gaspard ran, einen der älteren und erfahreneren Gardisten. Er und Bellamy kannten sich. »Pardi, du bleibst bei ihm. JULES!«, brüllte er quer über die Ruine. »Hierher! Rasch!« Er hielt Boldiszàrs Hand fest. Das durfte doch nicht wahr sein, hatte er seinen Bruder gefunden, um ihn sogleich wieder zu verlieren? »Großer, durchhalten! Ich muss nach vorn, ich mach den Scheißkerl kalt!« Nervös blickte er sich nach dem Himmelsauge um. »JULES, ZUM HENKER!«

Brandur von Hohenfelde
»Dunwolfs Schergen? Wir sind hier, um den Fluch der Hohenfelde zu stellen«, erboste sich Brandur und rückte seinen Dreispitz zurecht. »Und was machst du, wenn man fragen darf?«

Jules de Mireault
Jules eilte an die Seite von Bellamy, Boldi und Silvano. Er musste schwer mit sich kämpfen, als er Bellamy so auszehrt dort auf dem Boden liegen sah. Sogar Gufo sträubte erschrocken das Gefieder. »Verdammt, er hat ihn angezapft, er hat ihm Lebenszeit gestohlen. Wir benötigen eine Spende, jemand muss ihm Lebensessenz spenden, sonst stirbt er. Er ist gerade wie ein hundertjähriger Mann! Scheiße, verdammte MERDE!«, keuchte Jules. »Ich kann es nicht, wir sind Kampfmagier, Parcival muss ihm helfen. Wo ist dieser... man wie hieß der Kerl? Dave! Dave genau, wo ist Dave? Er hat das drauf, er kann ihn retten!«, warf Jules ein, glücklich eine Lösung gefunden zu haben.

Boldiszàr
»Nimm meine Lebenszeit«, flehte Boldiszàr. »Davard ist nicht hier und Parcival muss den Lich aufhalten!«

Osmund von Wigberg
»Ich suche gemeinsam mit Marci nach Anwolf um ihn von Dunwin zu befreien. Ich meine von Dunwolf! Die Kleine hat mich um Hilfe gebeten und etwas hier gehorcht und da gebohrt und schon wusste ich wohin... nun ich bin ein Wigberg nicht wahr? Wo ist Anwolf?«, fragte Osmund umgänglich und die Bedrohung in der Luft löste sich schlagartig auf.

Bellamy Bourgeois
Bellamy starrte seinen Bruder an, dann schloss er die Augen. »Ich... ver...biete es«, keuchte er und nahm Boldis Hand. Boldiszar spürte wie schwach und unregelmäßig nur noch Bellamys Puls ging. Sein Leben neigte sich dem Ende zu. Er lächelte Boldi tapfer an. »Hei...rate... ih..n«, hustete Bellamy.

Ciel Felicien de Souvagne
»Parcival, helfen sie meinem Palaisin«, flehte Ciel, als er spürte, dass die Bedrohung gewichen war. Offenbar ging es nun ans Verhandeln. »Beeilen Sie sich!«

Boldiszàr
»Und ich verbiete, dass du stirbst«, befahl Boldiszàr und hielt Bellamys eiskalte Hand umklammert. »Reiß dich zusammen! Wir haben so viel nachzuholen, tu mir das nicht an, Großer!« Tränen stiegen in Boldiszàrs Augen.

Ansgar von Hohenfelde
Linhard und Ansgar landeten mit Aquilla. Ansgar starrte auf den am Boden liegenden Mann, der aussah wie eine lebende Trockenpflaume. Er musterte Osmund und schüttelte kaum merklich den Kopf und beugte sich zu Bellamy herab. Ansgar hielt dessen Seele fest, so wie er es intuitiv einst bei Dave und bei Brandur getan hatte. »Linhard starr nicht so rum, hol Dave oder einen der Heiler. Wer ist hier ein Geistmagier 4. Grades? WER? Der Mann stirbt, also wer immer, bewegt Deinen Arsch her!«, donnerte Ansgar.

Parcival
»Es ist zu spät, ich kann nichts mehr für ihn tun Herr, es tut mir leid«, sagte Parcival traurig.

Brandur von Hohenfelde
»Ansgar, den Göttern sei dank. Schau dir das an, Osmund hat uns angegriffen! Osmund! Was hörst du auf den Rat eines kleinen Mädchens, alter Mann, und greifst die Krone an, die Hand, die dich füttert! Der Fluch lastet auf der gesamten Sippe, nicht nur über den Hohenfeldes. Die Wigbergs und Ebenbergs liegen genauso darunter, denn der Lich besteht aus drei Komponenten - einer aus jeder Familie. Dunwolf ist nur der Hohenfelde und war der führende Kopf, aber er war nicht allein.«

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel richtete seinen Säbel auf Parcivals Brust. »Helfen Sie ihm«, wiederholte er eisig.

Jules de Mireault
Jules starrte wie vom Donner gerührt sein Ordensoberhaupt an. »Ich versuche es«, knurrte er und hockte sich neben Bellamy. Niemals zuvor hatte er versucht eine solche Macht an sich zu reizen und diese weiterzugeben. Er wusste theoretisch wie es geht, aber Theorie... Jules spürte nach dem eigenen Zugriff wie ihm sein eigenes Leben zwischen den Fingern zerrann, hektisch gab er es an Bellamy weiter und musste dann den Versuch abbrechen. Tränen der Wut stiegen ihm in die Augen. »Ich pack das nicht!«, knurrte er.

Alexandre de la Grange
Schweigend trat Alexandre aus dem Hintergrund, wo er sich verborgen gehalten hatte. In einem solchen Kampf hatte er nichts an vorderster Front verloren. Er schob Gaspard unwirsch beiseite und kniete sich neben Bellamy. Er legte ihm die Hand auf das Herz und Bellamy spürte, wie sein Herz wieder regelmäßig schlug. »Ich halte Sie hier, Bellamy. Linhard, holen Sie Davard, rasch.«

Parcival
Das alte Himmelsauge musterte Ciel und nickte ganz bedächtigt. »Ich versuche es Herr, aber Ihr müsst mir nicht drohen«, sagte Parcival ruhig und beugte sich zu Bellamy herab. Was immer er gerade dachte war nicht in seinem Gesicht zu erkennen oder gar abzulesen. Er verband sich mit Bellamy aber zeitgleich tat dies auch Jules um zu schauen, was Paricval dort trieb. Er stellte eine Verbindung her und spendete Bellamy tatsächlich einige Essenz, so dass er nach einigen Minuten wieder besser, frischer und lebendiger aussah. Seine Wangen waren nicht mehr so eingefallen und sein Gesicht nicht mehr so blass. Auch das Atmen ging wieder leichter. »Mehr geht nicht Herr, ich kann nicht andere oder gar mich für den Leichtsinn dieses Mannes gefährden«, sagte Parcival höflich.

Ciel Felicien de Souvagne
»Und Sie«, wandte sich Ciel feindselig an Osmund. »Verschwinden aus unserem Land. Jetzt. Es ist Ihre letzte Gelegenheit und ich gewähre Sie Ihnen nur aufgrund unseres Verwandschaftsverhältnisses. Betrachten Sie es als einen Gefallen für Linhard

Osmund von Wigberg
Osmund blickte auf die Gruppe herab. »Ich weiß die anderen beiden sind tot, ich habe nach ihnen gespürt. Nun da habe ich mich geirrt, sehr bedauerlich. Ich hatte nicht vor die Krone anzugreifen, ich hielt Euch für Dunwins Mitstreiter. Herje DUNWOLF! Brandur richte dem Prinzen aus, dass es mir leid tut und es nicht in meiner Absicht lag ihm zu schaden. Ich hatte vor Dun-WOLF zu töten um Anwolf zu retten. Für Marcella. Immerhin hat sie mir als einzige wohlgemerkt davon berichtet, dass Anwolf geraubt wurde und man sich seiner bemächtigt hatte!«, hielt Osmund verstört dagegen.

Brandur von Hohenfelde
»Der Prince hat gerade mit dir gesprochen«, entgegnete Brandur und gab sich keine Mühe, seine Schadenfreude zu verbergen.

Osmund von Wigberg
»Ja ich weiß, aber er ist kein Magier und ich fühle mich gerade recht verwirrt, dass muss ich zugegeben. Was hat es mit diesem Verbot auf sich? Meint er das ernst? Ich habe für die Krone gehandelt. Da will man mal helfen und dann das!«, murrte Ossi.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ob ich Magier bin oder nicht tut nichts zur Sache«, kreischte Ciel. »Gardisten, zeigen Sie diesem Lich den Weg in den Nexus, wenn er nicht in zehn Sekunden hier verschwunden ist! Eins, zwei, drei ...«

Silvano de Mancini
Silvano schlich sich seitlich aus der Gruppe und so langsam und unsichtbar wie möglich auf Osmund zu. Lautlos zückte er den Haken.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel machte nicht den Fehler, in die Richtung von Silvano zu schauen. Er hielt seinen Blick weiter auf Osmund gerichtet. »Vier, fünf, sechs...«

Jules de Mireault
Jules rempelte Boldi an. »Halt Deinen Kerl auf!«, zischte er leise und richtete sich auf. »Du beleidigst unseren Herrn, Du beleidigst die Krone, Du missachtest einen direkten Befehl von seiner Majestät. Geht oder Du hast nicht mal mehr die Chance auf den Block. Was Du gewollt hast interessiert hier niemanden!!«, knurrte Jules und wappnete sich für den Angriff.

Parcival
»Letzte Warnung, Du hast den Princen gehört, weiche oder stirb durch die Macht des Ordens!«, bellte das Ordensoberhaupt der Himmelsaugen.

Boldiszàr
»Soll er ihn kaltmachen«, entgegnete Boldiszàr. »Soll der Prince ihn doch aufhalten. Den stört`s nicht, siehst du? Ich bleib bei Belly.«

Ciel Felicien de Souvagne
»Sieben ... acht ...«

Osmund von Wigberg
»Ich gehe und beuge mich dem Befehl, freiwillig. Es ist ja nicht so, als dass ich von Eurer Gnade abhängig wäre... ich könnte Euch alle frühstücken, aber mittlerweile habe ich Euch satt. Ich gehe, ich habe mich entschuldigt und gehe«, sagte Osmund und tat genau das, er wandte sich ab und stolzierte davon.

Ansgar von Hohenfelde
Ansgar ließ Bellamy vorsichtig los, da er nun keinen magischen Anker mehr benötigte. Er schaute Osmund hinterher und warf dann einen Blick auf Ciel. »Wir haben nichts mit seiner Kurzsichtigkeit und Sturheit zu tun Herr. Euer Palaisin lebt«, sagte Ansgar ergeben und schaute Linhard an.

Ciel Felicien de Souvagne
Zufrieden beobachtete Ciel, wie Osmund sich umdrehte. Er ignorierte Ansgar. Ciel gab den Gardisten das Zeichen, zu feuern. Ein vielstimmiges Klacken ertönte. Die Salven von neun Repetierarmbrüsten rasten auf den Rücken des Nekromanten zu.

Linhard von Hohenfelde
Linhard drückte die Schulter von Ciel, Brandur und Ansgar ehe er sich neben Ciel stellte. »Nein aber Ihr seht was dabei rauskommt, wenn man immer noch die alten Wege im Kopf hat. Erst töten dann fragen, ist sehr uneffektiv, wenn man etwas wissen möchte. Und wie bei den Göttern hat er das gemacht. Was hat er mit ihm gemacht? Wir sollten zukünftig Dave mitnehmen. Ehrlich? Mir gefällt es besser wie er Leute rettet, als wie Dunwolf oder Osmund Leute aussaugen. Du hast die Leichen nicht gesehen Ans, wobei vielleicht doch«, sagte Lin.

Osmund von Wigberg
Osmund beschwor um sich eine physische Barriere, so dass ihm weder Waffen noch Geschosse etwas anhaben konnten. »Schau an... ein Hohenfelde im Kleid eines Souvagne... meine Hochachtung Prince...«, antwortete der alte Nekromant und setzte seinen Weg fort.
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Ciel Felicien de Souvagne

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Bellamys Rettung

#10

Beitrag von Ciel Felicien de Souvagne » Mi 29. Aug 2018, 16:04

Ciel Felicien de Souvagne
Wütend starrte Ciel dem Manne hinterher. Er steckte den Säbel in die Scheide und wandte sich seinerseits zum Gehen. »Brandur, behalten Sie die Toten hier im Auge. Etienne, Sie übernehmen das Kommando über die Leibgarde. Parcival, sie haben das Kommando über die Magier.« Er ging zu Bellamy und kniete bei ihm nieder, auch wenn da kaum noch Platz war. Boldiszàr tat etwas, das noch nie jemand bei ihm gesehen hatte, von Robere abgesehen - er weinte. »Wir bekommen Bellamy wieder hin, ich war kürzlich in einem ähnlichen Zustand. Er muss hier fort.« Er strich Bellamy, der unsagbar alt und regelrecht verfault aussah, durch das Haar. »Wir bringen Sie zu Benito.« Er winkte Gaspard und einen anderen kräftig aussehenden Gardisten herbei, damit sie Bellamy auf den Greif tragen konnten.

Jules de Mireault
Jules knuffte Boldi und gesellte sich zu Ciel. »Rück er tatsächlich ab, oder geht der Kerl einfach zurück nach Irminabourg? Wie viele von solchen Personen gibt es Herr? Ich meine unsere Macht ist groß, aber ich habe den Göttern sei Dank noch nie diese Macht in Anwendung gesehen. Von einer Minute auf die andere ist unser Kamerad vor unseren Augen gealtert und in sich zusammengefallen. Herr wir müssen uns was überlegen, damit Euch so etwas nicht geschehen kann. Und wie mächtig ist dieser Dunwolf zu dem Burschen da?«, fragte Jules besorgt um Ciel Sicherheit.

Ciel Felicien de Souvagne
»Sehr mächtig ... noch mächtiger«, sagte Ciel tonlos. »Ich weiß es nicht, Jules. Ich hatte bereits mit meinem Vater gesprochen, aber ihn interessiert das Problem nicht. Wie es aussieht, stehe ich wieder allein da.« Betrübt beobachtete er, wie die Gardisten Bellamy zum Greif trugen. Boldiszàr ging neben ihm her.

Bellamy Bourgeois
Bellamy schaute seinen Herrn dankbar an, auch wenn er ihn nur noch schemenhaft erkennen konnte und suchte die Hand von Boldi. »Es geht schon, sag pack ich das?«, fragte Bellamy der sich unsäglich schwach fühlte. »Versprich mir... versprich mir dass Ihr es packt... Du weißt schon... versprichs... sags...«, flehte Belly.

Jules de Mireault
Jules fielen fast die Augen aus dem Kopf. »Dass kann doch nicht sein! Und das dort alles, so eine magische Verletzung nur wegen einem Missverständnis? Gut ich habe gespürt was der andere angerichtet hätte, hätte er mich gepackt statt weggeschleudert. Wartet Herr ich kläre dass sofort!«, sagte Jules vehement und rief mental nach Remy. `Remy hörst Du mich? Eine Eilmeldung für den Duc! Bellamy wurde von einem Lich angegriffen und muss sofort magisch behandelt werden, wir benötigen die Hilfe von Benito und Dan, am besten auch Dave! Und bitte frag den Duc nach dem Vorgehen bezüglich der Lichs! Prince Ciel hat keine klare Order, wie er vorgehen soll. Ich glaube kaum, dass bei so einer Gefahr kein Interesse des Duc besteht. Es könnte um die Nationale Sicherheit gehen! Bitte erstattet umgehend - SOFORT Meldung Remy, hier brennt es!´, teilte Jules mit.

Boldiszàr
Als Bellamy auf den Greif geschnallt war, spürte er, wie Boldiszàr seine Hand festhielt. »Du packst das. Du hast gesehen, wie Ciel nach der letzten Lichattacke aussah und er kann auch schon wieder keifen. Ich verspreche es. Wir bringen ihn um«, flüsterte er. »Das Schwein wollte dich sterben lassen.« Er küsste die herabhängende Hand. »Soll ich dich begleiten oder dir einen anderen Gardisten mitgeben?«

Bellamy Bourgeois
»Jules passt auf mich auf und Du auf Deinen... Deinen Quallenwerfer... ich hätte Dich zum Altar geführt... versuchs immer noch... falls nicht... falls... ich bin mit Paps bei Dir... Boldi... Wird schon... muss... wie immer...«, presste Bellamy aus seiner geschundenen Kehle hervor.

Remy de Remuer
›Was?!`, keuchte Remy mental. `Moment, ich wiederhole. Ich hab nicht richtig zugehört, ich war grad in einer anderen Übertragung ... den Duc kontaktieren, Lichangriff, magische Behandlung für Bellamy erforderlich, Vorgehen wegen Lichs erfragen! Nationale Sicherheit in Gefahr! Bei Ainuwar, was für Zeiten`, ächzte Remy. Jules hörte noch, wie Remy rief: »Schwiegerpapa, Max! Bellamy, dein SOHN, LICH, schnell!« Seine Stimme überschlug sich vor lauter Panik. »Der LICH ist wieder da!«

Maximilien Rivenet de Souvagne
Maximilien musterte Remy und hielt ihn fest. »Ruhig!«, befahl er besonnen. »Richte Ciel aus, er hat absolute Befehlsgewalt und Handlungsbefugnis was die Lichsache betrifft. Ich vertraue meinem Sohn, gleich welche Entscheidung er trifft, es ist ebenso meine. Jedes Staatsorgan und jeder einzelne Landsmann hat ihm bei der Erfüllung seiner Aufgabe beizustehen. Ausrichten Remy!«, sagte Max.

Boldiszàr
Boldiszàr drückte Bellamys Hand fest gegen sein Gesicht. »Du wirst leben«, sprach er und es war gleichzeitig ein Gebet. »Du wirst leben, Bellamy!« Ihre Hände lösten sich, als das Tier sich in Bewegung setzte. Boldiszàr sah ihm nach, wie es sich mit Jules und seinem Bruder in die Luft erhob und immer kleiner wurde. Er wischte sich die Tränen weg und konzentrierte sich wieder auf seine Arbeit.

Remy de Remuer
›Ciel‹, rief Remy, kein bisschen beruhigter. ›Ich weiß, du hasst mich! Ich hasse dich auch! Aber wir müssen jetzt zusammenhalten! Also hör mir zu. Dein Vater überträgt dir absolute Befehlsgewalt. Ich wiederhole: Ich vertraue meinem Sohn, gleich welche Entscheidung er trifft, es ist ebenso meine. Jedes Staatsorgan und jeder einzelne Landsmann hat ihm bei der Erfüllung seiner Aufgabe beizustehen. Verstanden, Ciel? Mach den Scheißlich platt!‹

Silvano de Mancini
Silvano kehrte zur Gruppe zurück und musterte Boldi. Liebevoll legte er ihm einen Arm um die Schulter und küsste ihn auf die narbige Wange. Ihm war gleich was die Leute dachten, Hauptsache er konnte seinen Mann trösten. »Es tut mir leid. Wäre Francois hier gewesen, hätte er vielleicht helfen können, er ist ein guter Heiler, hat mich auch wieder zusammengeflickt. Ich hole ihn her und lasse ihn Bell untersuchen, sprich wir reisen ihm nach. Wir bekommen das wieder hin. Der Lich sitzt da oben auf einem Felsen und wartet... worauf keine Ahnung, aber er scheint geknickt zu sein. Er möchte mit Ciel reden. Ich bin gleich wieder da«, sagte Vano und ging zu Ciel hinüber. »Herr, der Lich wird abrücken, aber momentan sitzt er da oben noch auf einem Felsen. Er möchte mit Euch reden, friedlich merkte er an«, teilte Silvano mit.

Ciel Felicien de Souvagne
›Verstanden, Remy. Absolute Befehlsgewalt wird freudig in Empfang genommen und zur Gänze benutzt, um Souvagne vor der nekromantischen Bedrohung zu schützen! Sag meinem Vater ... sag ihm ... egal. Denkt an Bellamy, er wird bald eintreffen, ich erwarte, dass er überlebt und dulde kein Versagen!‹ Ciel wandte seine Aufmerksamkeit Silvano zu. »Der LICH tut WAS?!« Wütend blickte er nach oben, wo er die Gestalt sitzen sah. Er ballte eine Faust und schloss die Augen. Dann stieg er zu Osmund hinauf. »Mein Vater ist informiert, wenn Sie mich nun in eine Rosine verwandeln, werden Sie es bereuen. Ganz Souvagne wird wissen, wessen Schuld dies war.«

Osmund von Wigberg
Osmund zeigte Ciel kurz die offenen Handflächen, was bei seiner Krallenlänge ehr an die Klauen eines Greifvogels denken ließ. Aber die Bedeutung war keine Drohnung, sondern genau das Gegenteil, ein Zeichen friedlich zu bleiben. »Ich mag kein Dörrobst, setzt Euch. Ihr wisst wie sehr ich Euch schaden kann und ich weiß, dass Ihr mir schaden könnt... und gegebenenfalls sogar hinterhältig, feige, dreckig und niederträchtigt agiert... Ihr gehört zur Familie durch Linhard und deshalb möchte ich mich mit Euch aussprechen. Zuerst ich wollte Euch nicht schaden, ich hielt Euch für den Feind. Zweitens, berichtet mir bitte von dem Verbot, drittens... möchtet Ihr dass ich das Leben zurückgebe? Eine Offerte die unsereins einem Familiemitglied zubilligt«, sagte Osmund freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel atmete tief durch und blieb stehen. Ihm fiel es schwer, in Anbetracht dessen, was gerade geschehen war, ruhig zu bleiben. Besonders, wenn man seine mehr als angeschlagene Gesundheit berücksichtigte. »Ja«, sagte er so neutral, wie er konnte. »Geben Sie meinem Palaisin sein Leben zurück. Anschließend können wir sprechen.«

Osmund von Wigberg
Osmund gab die gestohlene Lebensenergie über den Nexus wieder frei, so dass Bellamy auf dem Rücken des Greifen zusehends wieder gesundete und augenscheinlich wieder der alte Belly war. Auch wenn er von dem Angriff immer noch stark geschwächt war. Jules starrte Bellamy an und übermittelte Ciel die Botschaft, allerdings nicht in Worten, da diese ihm im Halse stecken blieben, sondern schlicht und ergreifend, dass was er sah. Es war etwas verschwommen, da er sich die Tränen wegblinzeln musste. »Geschehen, wie versprochen«, sagte Osmund freundlich.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel schloss die Augen. »Nie wieder, Osmund«, sagte er und bat Jules, während dieser in seinem Geist war, die Botschaft umgehend an Ansgar weiterzuleiten, damit er Boldiszàr und Silvano informieren konnte. »Was möchten Sie besprechen?«

Osmund von Wigberg
»Das was ich Euch eben fragte, dann gehen wir getrennter Wege, friedfertig, Ihr wie ich. Was hat es mit dem Verbot auf sich? Wir sind Verwandte, Linhard unser Sippenoberhaupt schätzt Euch. Nun ich gebe zu, ich konnte mich nicht an Euch erinnern, geschweige denn wie Ihr ausseht, was mein Fehler war. Man sollte seine Familie kennen. Aber ich war hier um das zu tun, wozu scheinbar keiner im Stande ist, Dunwolf zu töten um Anwolf zu retten. Ich hatte nicht vor Euch anzugreifen, wozu sollte ich Ciel? Verratet mir wo Anwolf ist«, bat Osmund.

Ciel Felicien de Souvagne
»Die Nekromantie unterliegt einer landesweiten Ächtung, einem vollständigen Verbot. Nekromanten haben umzuschulen, wobei sie finanzielle Unterstützung erhalten oder ihre Arbeit vollständig einzustellen. Lichs und Ghule haben das Land mit sofortiger Wirkung zu verlassen, ohne Ausnahme. Nekrotische Wesenheiten, wie Geister und Zombies, sind ebenfalls sofort zu entlassen. Anwolf ist in Sicherheit, Dunwolf weilt nicht länger in seinem Fleisch.«

Ansgar von Hohenfelde
Ansgar erhielt ebenso die Nachricht des Himmelsauges, erleichtert atmete er auf. So fertig wie er war wohl noch niemand mit der Nekromantie gewesen. Ans packte Boldi bei den Schultern und schaute ihn ernst an. »Dein Bruder ist über dem Berg, er hat es geschafft. Osmund hat ihm seine Energie zurückgegeben. Er ist wieder der Alte, bis auf die seelische Verletzung. Er ist wieder gesund, oder fast. Er muss sich nur von dem Schock des Lebensraubes erholen. Hörst Du Boldiszar? Es tut mir leid was ihm wiederfahren ist, ein Grund mehr für mich, die Nekromantie an den Nagel zu hängen. Ich glaube ich werde meinem Bruder folgen, was die Wege der Magie angeht. Retten scheint doch befriedigender zu sein als vernichten. Das habe ich ebenso schmerzlich gelernt. Hätte ich Daves Fähigkeiten, statt meine... nun ich hätte Deinem Bruder helfen können. Zukünftig, werde ich es. Boldi Dein Bruder lebt, er ist in Sicherheit«, sagte Ansgar glücklich.

Boldiszàr
Boldiszàr drehte sich herum und umarmte Ansgar wortlos. Er drückte ihn lange und fest. Er kannte den Mann nicht, aber er war derjenige, der ihm gesagt hatte, dass sein Bruder leben würde - gesund. Dann trat er von ihm zurück und nickte knapp. »Verstanden.«

Osmund von Wigberg
Osmund strich sich übers Kinn und dachte einen Moment lang nach. »Nun ich bin weder in der Lage noch Willens umzuschulen. Ich habe vor langer Zeit einen Weg ohne Wiederkehr eingeschlagen. Der Nekromantie entsagen, heißt für mich sterben. Und ich wählte die Nekromantie um genau das zu verhindern. Es ist ein einsamer Weg, denn man ernährt sich ab einem gewissen Punkt ständig, permanent von der Umgebung, von seinen Mitmenschen, gut wie schlecht, verwandt oder fremd. Darum leben wir allein. Einige ertragen die Isoaltion nicht, sie wählten den falschen Weg, aber fürchten die Abwahl. Für mich hingegen war es der richtige Weg, ich war schon immer ein Eigenbrödler, ein Eremit... Ich sage Euch dies um Euch mitzuteilen, dass ich Euer Gesetz respektierte, da ich Euch respektiere. Ihr wart bereit alles zu tun um mich aufzuhalten, dass erkenne ich an. Folglich auch Eure Order. Ich werde Euer Land verlassen und nach Naridien zurückkehren. Damit denke ich können wir beide leben oder? Wie steht es mit Besuch? Dürfte ich meine Verwandten hier besuchen, oder haben diese mich zu besuchen?«, fragte Osmund.

Ansgar von Hohenfelde
Ansgar umarmte Boldiszar ebenso und hielt ihn fest. Nachdem was er gesehen hatte, benötigte der Mann einen körperlichen Halt. Die erlösende Nachricht musste erst einmal in Ruhe sein Herz erreichen. »Schön, eine bessere Nachricht konnte Jules nicht übermitteln. Geh zu Deinem Freund, er guckt die ganze Zeit schon etwas giftig«, grinste Ansgar und gab Boldi frei.

Ciel Felicien de Souvagne
»Sie dürfen das Land nicht mehr betreten, da Sie, wie Sie richtig sagen, die Energie der Lebenden aufnehmen. Das ist nicht vereinbar mit dem Schutzauftrag der Krone für die Bevölkerung. Ihre Familie darf Sie in Naridien besuchen kommen. Ich freue mich, dass Sie einsichtig sind.«

Boldiszàr
Damit Silvano gar nicht erst auf falsche Gedanken kam, trat Boldiszàr entschlossen auf ihn zu, packte ihn an den Eiern und zerrte ihn an sich heran. Er umarmte ihn und küsste ihn so tief mit der Zunge, dass Silvano einen Moment keine Luft bekam. »Belly ist wieder gesund«, erklärte Boldiszàr anschließend mit klatschnassem Mund. »Der Lich hat sein Leben zurückfließen lassen!«

Osmund von Wigberg
»Ich bin nur alt nicht blöde«, schmunzelte Osmund. »Wir beide haben unseren Standpunkt klar gemacht und hatten sogar den gleichen. Der Angriff beruhte auf einem Missverständnis. Sagt mir wo sich Anwolf befindet. Danach reise ich ab und werde Euch von meiner Heimat aus kontaktieren. Als Beweis meiner Aufrichtigkeit. Ihr seid Euch bewusst wem Ihr Euch stellt?«, fragte Osmund und die Frage klang ehrlich besorgt.

Silvano de Mancini
Silvano grunzte erschrocken auf, als Boldi ihm genau in die Juwelen griff und ihn daran zu sich zerrte, keine Sekunde später wurde er so geküsst, dass ihm tatsächlich die Luft wegblieb. Er schlang Boldi die Arme um den Hals, presste sich an ihn und küsste ihn voller inniger Leidenschaft mit. Dass was er zu erzählen hatte, krönte das Ganze. »Perfekt«, hauchte er ihm ins Ohr und wischte Boldi den Mund sauber.

Ciel Felicien de Souvagne
»Ich sagte doch, dass Anwolf in Sicherheit ist«, wiederholte Ciel. »Wir haben Dun-Haru-Mar bereits Auge in Auge gegenübergestanden und ihn gezwungen, zwei seiner Persönlichkeiten zu absorbieren. Es ist nurmehr bloß noch Dunwolf und den kriegen wir auch noch klein. Wir müssen!«

Osmund von Wigberg
»Ja dass müsst Ihr wahrhaftig, denn von den Dreien war er der mächtigste Magier. Sagt Marcella wo sich Anwolf befindet, sie ist seine Freundin und hatte große Sorge um ihn. Deal für meine Familie - ich stehe Euch gegen ihn bei, sprich gegen Dunwolf«, bot Osmund an.

Ciel Felicien de Souvagne
Ciel winkte ab. »Nein, es muss ohne Sie gehen. Sie werden uns weiter schwächen, allein durch Ihre Anwesenheit. Dennoch danke ich Ihnen für das Angebot. Ich werde weder Marcella noch Ihnen mitteilen, wo Anwolf sich befindet. Sie muss einfach akzeptieren, dass er auf dem Wege der Besserung ist. Er wird sich von sich aus zeitnah bei seiner Familie melden.«

Osmund von Wigberg
»Dem kann ich nicht widersprechen, aber ich hätte Euch auch anders unterstützt. Allerdings verstehe ich Eure Vorbehalte. Ich wünsche Euch viel Glück, denn glaubt mir Ihr werdet es benötigen. Dass was Dunwolf einigen meiner Sippe antat ist unverzeihlich. Ich mag kein unbeschriebenes Blatt sein, ebensowenig wie Ihr, aber dass war jenseits aller Vorstellungskraft. Glaubt es oder lasst es, mein Segen mit Euch, alles Gute für Euch«, sagte der alte Nekromant. Er stand auf, klopfte sich die Robe sauber, nickte Ciel noch einmal zu und machte sich auf den Weg.
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