Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. WĂ€hrend die Urvölker auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. GeheimbĂŒnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Schuld

Moderator: Dimicus

Söldnerlager der Raubvögel
Ein wilder Haufen von arbeitslosen Söldnern schloss sich zusammen, um ein eigenes Söldnerlager aus dem Boden zu stampfen. Ihr Ziel: Geld zu verdienen und dabei noch Spaß zu haben. Jeder Haudegen, der sich an ein paar Regeln halten kann, ist hier willkommen.
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Farael Dornenwind
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Schuld

#1

Beitrag von Farael Dornenwind » Mi 3. Okt 2018, 18:14

Schuld


Es war mittlerweile ĂŒber zwei Wochen her, dass die Schwarze Kompanie das Lager der Raubvögel ĂŒberfallen und komplett ausgelöscht hatte. FĂŒr manche waren zwei Wochen ein Sprung, ein Klacks im Zahn der Zeit. Sie tummelten sich durch die Straßen, blickten einander an und unterhielten sich. Sie alle taten und wirkten, als gĂ€be es kein Übel auf der Welt. Das ausgerechnet in der Stadt der SĂŒnden. Obenza, regiert von Geld, Macht und Sex. Alle drei Dinge gingen Hand in Hand und niemand konnte dem Einhalt gebieten. Doch wessen Name ist verblieben, der sich dieser Dinge nicht bemĂ€chtigt hatte? Farael konnte keinen Einzigen nennen.
Von all diesen Dingen hatte er alles eingebĂŒĂŸt. Mit dem Fall des Lagers war seine Macht ausgelöscht, sein Reichtum zerstört und der Wunsch nach Sex erloschen. Alles was von ihm nun ĂŒbrig war, saß im Schluckspecht, wĂ€hrend er sich den billigen Fusel hinter die Binde kippte. Um ihn herum tanzten die Menschen. Sie aßen, lachten und hatten Spaß untereinander. Doch Farael, er hatte keinen Drang dazu. Vor seinen Augen spielten sich die immer gleichen Bilder ab, die er in der Nacht vor zwei Wochen hatte sehen mĂŒssen. Weder Alkohol, noch Prostituierte schafften es, ihm diese Dinge aus dem Kopf zu treiben. Trotzdem trank er und hatte schlechten Sex. Eine seltsame FĂŒgung, die ihn in eine merkwĂŒrdige Routine getrieben hatte. Vielleicht half es, sich dieser Dinge beizubehalten? Zumindest ĂŒberlebte er, nicht wie der Rest seiner Kameraden.
Bolgur war verschwunden. Einige Tage zuvor war er wie vom Erdboden verschluckt, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Svenja und Jorlaf sind ihren schweren Verletzungen noch auf dem Weg nach Obenza erlegen. Zwei namenlose GrĂ€ber zieren nun einen HĂŒgel in den WĂ€ldern um Obenza. Dann war dort Gerald, ein stĂ€mmiger Kerl, der jedoch dem Alkohol erlegen war und sich im Suff einen Schnitzer erlaubt hatte. Wie er herausfinden musste, ziemte es sich nicht, mit der Frau eines Verbrecherbosses zu schlafen, besonders wenn dieser sehr nachtragend war. Ende vom Lied war ein Kopf, zu Unkenntlichkeit verstĂŒmmelt, der ĂŒber einen Marktplatz rollte. Nichts Ungewöhnliches fĂŒr Obenza, doch kein schöner Anblick fĂŒr einen vertrauten Soldaten.
Was nun mit Farael geschehen war? Dieser hatte seinen Kopf im Nacken und die Augen geschlossen. Dumpf drang die Musik des Gasthauses an seine Ohren, verlangte nach seiner Aufmerksamkeit und doch schenkte er ihr kein Gehör. Seine Sinne taumelten bereits, war es doch das vierte Glas Whiskey, welches den Blick nach vorn schwierig gestaltete. Dabei hatte er sich am Anfang so gut gehalten. Zu seinem GlĂŒck im UnglĂŒck konnte er sich mit den letzten, seidenen Faden seines Verstandes aufrechterhalten.
Sein Atem ging schwer, als er sich mĂŒhselig auf der Bank aufrichtete. Mit einem beherzten Griff nach vorn, welchen er zuerst weniger elegant verfehlte, packte er das Glas vor sich. Die goldene FlĂŒssigkeit darin schwappte etwas ĂŒber den Rand, besudelte seinen Handschuh. Die Flecken kĂŒmmerten ihn herzlich wenig. Eher war er darauf bedacht, bei dem Versuch zu trinken, das Gesöff nicht neben sich zu kippen. Das er traf wurde ihm durch das Brennen bestĂ€tigt, welches seiner Kehle hinunterglitt. Es war nicht mehr so schlimm wie am Anfang. Trotzdem noch widerlich. Der Abend sollte auf zwei Wege ausgehen: Entweder kotzte er sich die Seele aus dem Leib und schlief in seinem Erbrochenen ein oder er schaffte es in ein Bett, um sich dort auszunĂŒchtern.
Ob er noch eine Frau abschleppen sollte? Faraels Blick glitt durch den mit Leben gefĂŒllten Raum. Hier waren Vertreter eines jeden Volkes. Seien es Elfen, Menschen, Zwerge oder gar ein paar Tieflinge. Allesamt zu einer großen, ĂŒbelriechenden Masse verschmolzen. Sein Blick fiel auf die weiblichen Vertreter der Spezies, wobei von vornherein Tieflinge augenblicklich ausschieden. Keine Sache des Rassismus, sondern des persönlichen Geschmacks. Als er einer der Zwerginnen betrachtete, verzichtete er dort ebenso. Sie trug einen lĂ€ngeren Bart als er und machte ihn in punkto MĂ€nnlichkeit Konkurrenz. Wenn man ihr nicht die weiblichen ZĂŒge hĂ€tte ansehen können, wĂ€re sie glatt als Mann durchgegangen.
An seinem Tisch vorbei schritten ein paar Frauen, allesamt Elfen, die sich angeregt miteinander unterhielten. Ihre Trachten verwoben sich in herrlichen Farben. Hohe Wangenknochen, weiche GesichtszĂŒge und lange Ohren. Dazu hochgewachsen und von schlanker Figur. Sie waren der feuchte Traum eines jeden Mannes, der einen Reiz fĂŒr anstĂ€ndige Frauen hatte. Sollte er es mit einer von ihnen probieren? „Nein, keine Lust. Die anderen bereiten sicherlich nur Ärger“, brummelte Farael vor sich hin, ehe er den letzten Rest seines Whiskeys austrank.
Weiter ließ er seinen Blick durch den Schankraum streifen, bis fĂŒr ihn aus der Masse heraus ein schwarzer Haarschopf hervorstach. Eine Frau, gekleidet in Hose und Bluse, buhlte unbewusst um seine Aufmerksamkeit. Sie hatte mehrere KrĂŒge Bier vor sich stehen, wirkte aber alles andere als beeindruckt. Die MĂ€nner, die es wagten, zu ihr zu gehen, wurden von ihr regelrecht zurechtgewiesen. Ihre braunen Augen konnten von einen auf den anderen Moment in KĂ€lte umschlagen. Doch hatte sie einen Anbeter abgeschĂŒttelt, erkannte Farael trotz seines wankenden Zustandes ein verschmitztes, gar schadenfrohes Grinsen. Der Typ Frau gefiel ihm und zu anderen Zeiten hĂ€tte er sicherlich auch sein GlĂŒck bei ihr versucht.
Da wollte er sich gerade weiter im Raum umschauen, spĂŒrte Farael plötzlich eine Hand auf seiner Schulter. Ein schmaler Busen drĂ€ngte sich in sein Sichtfeld, gefolgt von einem zarten Körper, der es sich auf seinem Schoß bequem machte. Völlig irritiert blickte er in das Gesicht einer der Elfen, die er zuvor an seinem Tisch hatte vorbeiziehen sehen. In ihren Augen spiegelte sich die Lust. Erst jetzt fiel Farael auf, wie sie ihn zuvor mit Blicken bedacht hatte. „Hallo du schönes Geschöpf“, zwitscherte eine melodische Stimme, die perfekt zu ihrem Aussehen passen wollte. „Was machst du denn so allein in der Ecke? Wie ist dein Name?“
Instinktiv tastete Farael die Elfe mit seinen Blicken ab, doch verspĂŒrte keinerlei Lustgewinn. Unweigerlich fĂŒhlte er sich an Ciriels Versuchen erinnert. Eine Erinnerung, die ihm Bilder in den Sinn riefen, die er zu vergessen versucht hatte. „Ist das wichtig?“, entgegnete Farael frustriert. Da wollte er seinen Abend einmal nur mit Alkohol verbringen.
GekĂŒnstelt zog die Frau auf seinem Schoß eine Schnute, legte beide Arme um Faraels Schultern und nĂ€herte sich ihm. Eine Ă€ußerst unangenehme Geste, mit der im Moment schlichtweg nichts anzufangen wusste. Allerdings duldete er sie. Noch. Auch wenn sich seine HĂ€nde in diesem Moment verkrampften.
„Komm schon, warum so störrisch? Ich tue dir doch nichts“, zwitscherte es ein weiteres Mal. Die Grundintention dieser Frau war bereits in ihrem Tonfall zu hören.
„Mag sein, aber ich habe keine Lust berĂŒhrt zu werden oder neue Bekanntschaften zu schließen. Also wenn du so freundlich wĂ€rst“, forderte Farael die Dame auf und hob dabei eine Hand in Richtung der TĂŒr.
Allerdings ließ die Elfe keineswegs locker. Im Gegenteil. Sie rutschte ein StĂŒck seinen Schoß hinauf, nĂ€herte ihre Lippen den seinen und ließ eine Hand in Faraels Schritt fahren. Doch er spĂŒrte nichts. Selbst als sich ihre Lippen berĂŒhrten und er den Kuss nicht erwiderte, ließ sie sich nicht abschrecken. Stattdessen rĂŒckte sie ein wenig auf und blickte ihn an, als ob er ihr zu FĂŒĂŸen liegen mĂŒsste. „Ich will doch nur ein wenig Entspannung, die ich gern mit dir teilen möchte. Wo ist das Problem?“
„MĂ€dchen, die Probleme liegen ĂŒberall, du musst nur deinen sexgeilen Trieb unter Kontrolle bekommen, wenn du sie sehen willst“, dachte sich Farael. Was er jedoch sagte war rabiater, von Frust durchfressen: „Wenn ich sage, dass ich keinen Bock habe zu vögeln, dann wird auch nicht gevögelt.“ Wut kochte in Farael hoch, die Augen der Elfe weiteten sich und in diesem Moment war es um Farael geschehen. Ungeniert warf er sie von seinem Schoß. Ihr Leib knallte auf die Bank, doch das reichte nicht. Mit festem Griff umschloss Farael das Handgelenk der Elfe. Sie brachte vor Schreck keinen Ton heraus. Die ersten Blicke legten sich auf Farael.
„Wenn ich sage Nein, dann heißt es Nein!“, brĂŒllte er, seine Hand klammerte sich im eisernen Griff um den Arm der Elfe. Diese begann zu wimmern, doch sein Blick hatte nur Bilder aus dem Lager im Kopf. Tod, Gemetzel, Ciriel. Blut, welches in jeden Winkel tropfte und die Leichen seiner gefallenen Kameraden umrahmte. Eine unĂŒberlegte Tat hatte all diese Bilder zurĂŒckgefĂŒhrt. Zuerst der Anmachversuch Ciriels, dann der Beginn der Schlacht und der Untergang seines ganzen Stolzes. Sein Blick ist vom eigenen Blut umrahmt.
Dann ein leises Knacken. Ein gedĂ€mpftes Schreien und Farael wurde zurĂŒck in die RealitĂ€t geholt. Die Elfe zerrte an seinem Griff, ohne eine Chance diesen lösen zu können. Einige GĂ€ste waren bereits aufgestanden. Sie hatten sich um Farael versammelt, trauten sich jedoch nicht einzugreifen. Sie kannten Farael. Sie wussten, wozu er im Stande war.
Schlagartig ließ Farael den Arm der Frau los. Ihr Gesicht war von TrĂ€nen gezeichnet. Ihr Handgelenk schneeweiß und kurz darauf rot. „Tut mir leid 
 ich 
 du solltest besser verschwinden“, stammelte er hervor. Dies ließ sie sich kein zweites Mal sagen, umklammerte ihren Arm und rannte davon. Auch wenn Farael mit dem RĂŒcken zum Schankraum stand, konnte er jeden einzelnen Blick in seinem RĂŒcken spĂŒren. Langsam senkte er sein Haupt. Farael spĂŒrte, wie das Blut in seine Wangen schoss. FĂŒr einen Augenblick verschloss er die Augen.
Dann verschwammen die Töne um ihn herum. Sein Atem fokussierte sich, wurde wieder ruhiger. Schließlich auch sein Geist. Was war bloß aus ihm geworden? Er hatte sich binnen von zwei Wochen in einen FrauenschlĂ€ger verwandelt. Alles wegen einer Scheiße, die ihm passiert war. Es war seine Schuld. Er hĂ€tte alle retten können. Wenn er doch nur achtsamer gewesen wĂ€re. Sofort verkrampften seine HĂ€nde ein weiteres Mal.
Mit MĂŒhe rang er sich die Entspannung ab, die es brauchte, um sich beruhigen zu können. Sein Instinkt sagte ihm, dass die Blicke von ihm gewichen waren. „Krieg‘ dich unter Kontrolle“, dachte er zu sich selbst. MĂŒde ließ er sich zurĂŒck auf die Bank sinken, griff ein weiteres Mal zum Glas und leerte den Rest in einem Zug. Es schĂŒttelte ihn abermals. Das Zeug brannte.
Darauf legte er den Kopf in den Nacken und schloss die Augen. Niemand wagte es, sich ihm zu nĂ€hern. Ganz zu schweigen davon, dass niemand seine Stimme erhob. Wenn es eines war, dass in dieser Stadt fĂŒr ihn spielte, war es sein Ruf als ehemalige Stadtwache und damit verbunden die Bekanntheit seiner FĂ€higkeiten. Offensichtlich gab es doch noch ein weiteres Element, was diese Stadt regierte: Angst.
Drum konnte er sich darauf verlassen, dass man ihn unbehelligt ließ. Mehr wollte Farael auch nicht. Es war schwer fĂŒr ihn genug, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Da brauchte er nicht noch mehr Störenfriede, die alte Erinnerungen in ihm hochkochen ließen und ihn zu dummen Dingen verleiteten. Nicht nur, dass ihn die Schuld dieser Nacht heimsuchte, nun fĂŒhlte er sich schmutzig, wenn er bedachte, wie er die Elfe behandelt hatte. NatĂŒrlich war es sein Recht sie wegzuschieben, wenn er sie nicht bei sich haben wollte, doch es war kein Grund ihr das Handgelenk zu brechen. Was war nur in ihn gefahren? Farael seufzte. Es war der Geruch der Schlachtbank, auf der er seine Kameraden hatte sterben sehen. Frage beantwortet, Fall geschlossen.
Doch mit der Ruhe war es schnell wieder vorbei. In seinem Magen spĂŒrte er das GefĂŒhl, beobachtet zu werden. Gerade wollte Farael ein Auge heben, um sich umzuschauen, da ertönte eine vertraute Stimme: „So behandelt man aber keine Frauen.“ Woher kannte er diese Stimme? Eine eindeutig weibliche Stimme. Sie schien Ă€lter. Spielte ihm der Suff einen Streich?
Schließlich entschloss er sich, seine Augen zu öffnen und aufzublicken, direkt in das Gesicht seiner eigenen Mutter. Ihre Falten hatten sich ein gutes StĂŒck tiefer in die Stirn gegraben, seitdem er sie das letzte Mal gesehen hatte. Wie lang war es her? FĂŒnf Jahre? „Was machst du hier, Mutter?“, entgegnete Farael. Sein Blick rutschte augenblicklich auf ihre rechte Hand herunter, an der nur zu gut das Zeichen eines fehlgeschlagenen Diebstahles prangte. Bis heute fand er den Anblick ihres fehlenden, kleinen Fingers verstörend und weiterhin verstand er den Grund dahinter nicht, so hatte er bereits schlimmere Dinge gesehen.
Ein mĂŒdes LĂ€cheln umspielte die Lippen seiner Mutter, die es sich ungefragt neben ihm auf der Bank gemĂŒtlich machte. Doch ihr LĂ€cheln verschwand so schnell, wie es gekommen war, als sie die leeren GlĂ€ser vor Farael erblickte. Dabei achtete dieser exakt auf jeder ihrer Bewegungen. „Ich bin hier, weil ich mich um dich sorge. Ich 
“, sie unterbrach fĂŒr einen Moment, schien nach Worten zu ringen, “ich habe gehört was passiert ist und was du durchmachen musstest.“
Sie wusste einen Scheißdreck. „Ach ja, woher willst du das wissen? Du bist ja nicht einmal dagewesen um mich diesen Weg beschreiten zu sehen.“ UnwillkĂŒrlich inspizierte Farael die AusrĂŒstung seiner Mutter. Eine schwarze LederrĂŒstung, mit eingearbeitetem Kapuzenmantel machten fast eindeutig, welchen zwielichtigen GeschĂ€ften sie nachging. „Stattdessen kraxelst du ĂŒber DĂ€cher, beklaust die Leute und lĂ€sst bettelarme Menschen zurĂŒck. Inklusive mir, weil du dich letzten Endes nie gekĂŒmmert hast. Eine sehr mitfĂŒhlende Mutter, wirklich. Ich bin wahrlich angetan.“
„So einfach ist das nicht Farael und das weißt du. Dein Vater und ich haben alles dafĂŒr gegeben, dass du gut aufgehoben warst und den Weg beschreiten konntest, den du beschritten hast. Auch wenn es bedeutete, dass wir Risiken eingehen musstest. Aber darum geht es nicht. Es geht mehr darum, was im Lager passierte.“ Unweigerlich ballte Farael seine HĂ€nde zusammen. Doch bevor er seine FingernĂ€gel in das Leder seine Handschuhe trieb, legten sich die HĂ€nde Gilnels auf die seinen. Die BerĂŒhrung fĂŒhlte sich kalt und zugleich vertraut an. Sie beruhigte ihn auf eine seltsame Weise. „Ich kann ahnen, wie es dir ergehen muss. Doch du musst damit aufhören, bevor es zu spĂ€t ist. Andernfalls kommst du gar nicht mehr aus dem Loch heraus.“ Sie blickte offen auf die GlĂ€ser und es war eindeutig, was seine Mutter zu bezwecken versuchte.
„Wenn du hier bist, um mich davor zu warnen, dann danke ich dir. Dann hast du deinen Auftrag entsprechend ausgefĂŒhrt und kannst stolz von dannen ziehen. Herzlichen GlĂŒckwunsch. Noch etwas?“ Farael gab sich keine MĂŒhe, seine Missgunst gegenĂŒber seiner Mutter auszudrĂŒcken.
Diese blickte ihn jedoch so eindringlich wie zuvor an. Ihre Lippen öffneten sich, als wolle sie etwas sagen. Jedoch folgten keine Worte, sondern ein Seufzen der EnttĂ€uschung. „Ich habe Fehler gemacht, in Ordnung?“, resignierte Gilnel. Darauf fielen ihre GesichtszĂŒge.
„Schön, dass du es einsiehst. Bin stets gern zu Diensten“, trat Farael nach, doch ohne sich einen Moment schlecht dafĂŒr zu fĂŒhlen. Im Gegenteil. Sie hatte ihn frĂŒher enttĂ€uscht, jetzt zahlte er mit gleicher MĂŒnze.
Langsam nahm Faraels Mutter ihre HĂ€nde zu sich, betrachtete ihre HandflĂ€chen darauf und blickte schließlich wieder nach oben, in den Schankraum herein. „Weißt du, dein Vater war auch einmal so“, begann sie zu erzĂ€hlen. Farael konnte nur mit den Augen rollen, wenn sie mit den ‚Wir waren auch einmal so‘-Geschichten anfing. „Kurz bevor wir uns kennengelernt hatten, hatte ein Fehler in seiner Arbeit ihm alles genommen. Jegliche BesitztĂŒmer, seine Familie und schlussendlich seine Heimat. Er landete hier. Bei Ardemia, er war ein Spaßvogel, der all das Ganze wunderbar hinter einer Fassade aus Unterhaltung und Alkohol versteckte. Er saß jeden Abend in einer Taverne, goss sich ordentlich etwas hinter die Binde, mit Geld, welches er durch Trickbetrug eingenommen hatte. Genau wie du, jetzt, in diesem Moment. Mit der Ausnahme, dass er dabei zumindest Spaß hatte.“
„Komm auf den Punkt, Mutter“, wĂŒrgte Farael Gilnel mitten in ihrer ErzĂ€hlung ab. Diese seufzte darauf.
„Nun gut, wenn du es willst.“ Gilnel drehte sich zu Farael und blickte ihn aufrichtig an, ihre HĂ€nde reichten an dessen Wangen und berĂŒhrten diese liebevoll. „Er hatte nie Probleme, sich ĂŒber Wasser zu halten, dafĂŒr war er zu talentiert. Das Einzige womit er kĂ€mpfte, war die Schuld. Er gab sich fĂŒr alles was geschehen war die Schuld und weißt du, was der Clou an der Sache ist?“ Farael schĂŒttelte mit dem Kopf. „Er hatte diesen Fehler nie begangen, sondern sich stets richtig verhalten. Das wusste er, konnte es aber nie akzeptieren. Das musste er erst lernen. Du bist am selben Punkt, an dem er sich befunden hatte, Farael. Lerne, die Schuld von dir abzustreifen. Denn du und ich wissen, dass dich keinerlei Schuld trifft. Und selbst wenn du die Schuld nicht von dir abwerfen kannst, versuche es wiedergutzumachen. Sich in ein Gasthaus zu setzen und billigen Fusel in die Kehle zu schĂŒtten hilft dabei nicht. Wenn du eine Frau findest, die dich aufrichtig liebt, dann wird sie die dafĂŒr dankbar sein. Glaube mir. Vor allem wirst du dir selbst dankbar sein. Du bist ein wundervolles Wesen, lass dich nicht von deiner Schuld kontrollieren, sondern unternimm etwas dagegen.“
Die Worte Gilnels wollten nicht ganz in den Verstand Faraels ankommen, doch irgendwo spĂŒrte er, dass er mit dem Trinken fĂŒr diesen Abend besser aufhörte, bevor es zu spĂ€t war. „Ich 
 weiß nicht 
“, stammelte er hervor, doch erhielt darauf nur ein warmes LĂ€cheln seiner Mutter, die sich darauf erhob.
„Du wirst deinen Weg finden Farael. Vertraue auf dich und auf Ardemias FĂŒhrung. Sie wird dir eines Tages den Weg weisen, wenn du es nicht tust.“ Darauf machte Gilnel den ersten Schritt in Richtung des Ausganges. Plötzlich hielt sie inne und senkte den Kopf. Bevor sie ganz in der Menge und somit aus Faraels Wahrnehmung verschwand, sprach sie Worte, die viele Fragen hinterließen: „Ciriel lebt ĂŒbrigens, doch ist es besser, wenn du dich ihr nicht nĂ€herst. Pass auf dich auf.“ Farael wollte sich erheben, sie fragen, was dies zu bedeuten hĂ€tte, aber es blieb keine Spur in der Menge von ihr ĂŒbrig. Sie war gegangen wie sie gekommen war. Still.

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