Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. WĂ€hrend die Urvölker auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. GeheimbĂŒnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Von Blut, Sold und Liebe

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Söldnerlager der Raubvögel
Ein wilder Haufen von arbeitslosen Söldnern schloss sich zusammen, um ein eigenes Söldnerlager aus dem Boden zu stampfen. Ihr Ziel: Geld zu verdienen und dabei noch Spaß zu haben. Jeder Haudegen, der sich an ein paar Regeln halten kann, ist hier willkommen.
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Farael Dornenwind
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Von Blut, Sold und Liebe

#1

Beitrag von Farael Dornenwind » So 24. Dez 2017, 18:58

Der Ast auf dem Farael saß, war wahrlich keine Freude fĂŒr seinen Hintern. Schon seit einer geschlagenen Stunde sitzt er ĂŒber den BĂŒschen am Straßenrand der Salzstraße. Sie fĂŒhrt nach SĂŒdwesten, einer Richtung, aus der auch gern Warenlieferungen ankamen oder Reisende in die Stadt kamen. Zumindest die, die blöd genug waren, in die ach so tolle Stadt Obenza zu kommen. Nur im nĂ€chsten Moment mit aufgeschlitzter Kehle in einer Seitengasse zu vermodern.

Wie dem auch sei. Farael hatte vor kurzem einen vielversprechenden Auftrag vom Brett des Söldnerlagers genommen, der eine großzĂŒgige Belohnung fĂŒr das Erlegen einer Banditengruppe versprach. Die paar Arschlöcher sollen wohl Reisende ĂŒberfallen und somit mittellose Menschen in die Stadt treiben. Weder die Obrigkeit kann noch mehr Bettler gebrauchen, noch wollen die HĂ€ndler auf ihre ĂŒber Land kommenden Waren verzichten.

Also hat sich Farael auf die Lauer gelegt und sitzt seit etwas mehr als einer Stunde auf diesem Baum. Es regte sich nichts. Langsam fragte er sich, ob es ĂŒberhaupt die MĂŒhe wert gewesen war, den Baum hinaufzuklettern. Nicht dass Farael nicht klettern konnte, doch mit seiner AusrĂŒstung war das doch dann ein wenig anstrengender gewesen. Und ein paar blaue Flecken waren dabei auch sicherlich entstanden. Das war aber Nebensache.

Plötzlich hörte er jedoch Schritte und ein paar Stimmen. Tief und dreckig lachen. Eindeutig MĂ€nner. Sein Blick ging nach unten. Da schritten sie durch's Unterholz. Drei Personen, mit nicht mehr bewaffnet als KnĂŒppeln und Messern. Das war zugegeben enttĂ€uschend. Farael hatte auf etwas wie einen Kampf gehofft, der nicht unnötig schnell vorbeigehen musste. Wie langweilig. Nun gut, dann sollte es relativ fix gehen. Es musste nur noch die nĂ€chste Person ĂŒber die Straße laufen und den unfreiwilligen Köder von Farael spielen.

Die MĂ€nner unter ihm hatten sich ins GebĂŒsch gehockt und unterhielten sich. Leise und kaum ein Wort war aufgrund ihrer Ausdrucksweise wirklich verstĂ€ndlich. Zudem stanken sie bis zum Himmel. Im wahrsten Sinne des Wortes. Farael saß ungefĂ€hr drei Meter ĂŒber ihnen und roch sie. Schweiß, Blut, Alkohol und ein wenig Pisse. Na ganz große Klasse. Mittlerweile wunderte sich Farael, wieso die Reisenden mit denen nicht fertig geworden waren. Die konnte man eine Meile gegen den Wind riechen.

Doch lang musste Farael nicht mehr warten und diesen Gestank ertragen. In der Ferne waren Schritte auf der Straße zu hören, die nĂ€her kamen. Sie schienen aus SĂŒdwesten zu kommen. Auch die Arschlöcher unter ihm bekamen das mit und verstummten augenblicklich. Farael zog einen Pfeil aus seinem Köcher und legte ihn in seinen Bogen ein. Danach blickte er in die Richtung der Schritte und konnte durch das Blattwerk ein paar Beine erkennen.Sie wirkten nicht wie die Beine eines Mannes und diese Vermutung bestĂ€tigte sich auch, als Farael schließlich den Rest der Person erblicken konnte.

Eine dunkle MĂ€hne fiel vom Haupt einer bildhĂŒbschen Frau. Eine Frau, die er bereits durch Zufall in einer der Tavernen in Obenza getroffen hatte. Wie hieß sie noch gleich? Anne? Anja? Ana? Farael konnte sich nicht mehr ganz erinnern, doch zeit dafĂŒr blieb auch nicht. Im nĂ€chsten Moment stiegen schon die Banditen aus den Busch, auf ihren Gesichtern ein dreckiges Grinsen. „Hallo du hĂŒbsches Ding“, sagte einer von ihnen, sein Messer in der rechten Hand.

„Wir bekommen alles was du dabei hast und ein paar nette StĂŒndchen mit dir, dann lassen wir dich am Leben.Wie klingt das, hm?“ Charmant. Die Frau schien sich im ersten Moment gar nicht beirren zu lassen, doch Farael tat gut daran einzugreifen. Er konnte nicht einschĂ€tzen, ob seine entfernte Bekannte auch kĂ€mpfen konnte. Deshalb spannte er den Bogen, legte an und atmete tief durch. Er verengte seine Augen und konzentrierte sich ganz auf den Redner der Gruppe. Dann ließ er die Sehne los. Der Pfeil surrte durch die Luft. Einen Augenblick spĂ€ter durchbohrte er den Kopf des Banditen. Zugegeben, es sah witzig aus, wie der Pfeil im Kopf steckte, ohne etwas aufgerissen zu haben. Der Typ kippte einfach tot zur Seite, seine Kumpanen standen vollkommen perplex daneben.

Damit schulterte Farael seinen Bogen, nahm zwei Finger und pfiff laut. „Hey ihr Wichser, so behandelt man ein Weib nicht!“, brĂŒllte Farael vom Baum herunter, die Blicke richteten sich auf die Baumkrone in der er saß. Nur musste er erst einmal vom Baum herunterkommen.

„Du Arschloch hast Bruno getötet!“, kam als Antwort gebrĂŒllt. „Nefir, kĂŒmmere dich um unsere Eroberung, ich mach den Scheißer fertig!“ Dann sah Farael auch schon einen von ihnen auf sich zukommen, der Andere versuchte der Frau auf die Pelle zu rĂŒcken. Es galt Eile! Mit eher ungelenkem Festhalten und Fallenlassen schaffte es Farael wieder auf den Boden, der Typ unter seinem Baum hatte ihn aber schon erwartet. Knapp entging Farael einen Hieb mit der Holzkeule, als er sich nach unten wegduckte. Dabei gab er dem Banditen einen Schlag in die Niere mit.

Dieser taumelte zurĂŒck, hielt sich die Stelle. Farael zog sein Schwert und griff es mit beiden HĂ€nden. Er verschaffte sich einen sicheren Stand und machte sich bereit zu parieren. „Du und dein Kumpel habt wirklich keine Manieren, hm?“, forderte Farael heraus. Erfolgreich. Sein GegenĂŒber stĂŒrzte sich mit hoch erhobener Keule auf ihn. Wirklich schlau schien er nicht zu sein. Ohne MĂŒhe lenkte er den von oben kommenden Schlag ab. Der Bandit rutschte zur Seite weg, seine Deckung war offen.

Farael preschte nach vorn und verpasste dem Kerl mit dem Ellenbogen eins in die Magengrube. Er wich zurĂŒck, schnappte nach Luft. Farael gönnte ihm die Pause. Sein GegenĂŒber schien plötzlich wieder siegessicher und hechtete nach vorn. Seine Keule kam seitwĂ€rts. Farael drehte sich nach links weg, die Keule ging ins Leere, als Farael rechts von dem Banditen stand. Farael machte jedoch kurzen Prozess, nutzte den Schwung aus seiner Drehbewegung und trennte dem Banditen in einem Streich den rechten Arm ab.

Ein gequĂ€ltes Schreien ertönte. Der Mann ging zu Boden. Farael gab ihm am Boden den Gnadenstoß. Der Schrei verstummte und wich einem schwachen Röcheln, ehe der Körper des Banditen ganz erschlaffte. Schließlich blickte Farael auf. Dieser Nefir war schon an die Frau herangekommen. Farael war zu weit weg, um seinen ersten Streich zu verhindern. Er hoffte, dass die Frau kĂ€mpfen konnte, als er zu ihr zu sprinten begann.

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#2

Beitrag von Schwarze Ana » Do 28. Dez 2017, 09:24

„Das war’s mit der frischen Luft!“, dachte Ana, als sie sich dem Stadtrand nĂ€herte. Es gab Tage, da konnte sie den Gestank von Obenzas Gassen nicht ertragen und wenn ihr auch der Hafen ĂŒberdrĂŒssig wurde, der salzige Wind ihr nicht lĂ€nger die Sinne zu klĂ€ren vermochte, musste sie die Metropole fĂŒr ein paar Stunden verlassen. Heute war einer dieser Tage gewesen und sie hatte das Weite gesucht. Die Schwere einer schlaflosen Nacht hatte auf ihren Lidern gelastet und ihr Blut heiß in den Ohren gerauscht, im Versuch, all den Rum aus dem Körper zu spĂŒlen. Die Salzstraße war nicht die beste Wahl, um unbehelligt aus der Stadt hinaus oder in die Stadt hinein zu gehen, doch sie war die schnellste und Anas Körper hatte sich nach Ruhe und einem Nickerchen in der Natur gesehnt.

Bei ihrer RĂŒckkehr war Ana guter Dinge. Ihr Kopf war frei und sie spĂŒrte das angenehme Gewicht des gefĂŒllten Lederbeutels an ihrem GĂŒrtel, ein Zustand, den nicht jeder Abend in einer Taverne hergab. Nun trug sie mindestens zwanzig MĂŒnzen bei sich, festzusammengebunden, damit sie nicht klirrten und Begehrlichkeiten erweckten. Ana wusste wie man sich einigermaßen sicher durch Obenza bewegte, sofern das ĂŒberhaupt möglich war.
Wie ein dunkles Ungeheuer baute sich die Gespaltene vor ihr auf, um sie von Neuem zu verschlingen, grĂŒndlich durchzukauen und am nĂ€chsten Tag wieder irgendwo auszuspucken, ein StĂŒck mehr gezeichnet vom Leben, ein StĂŒck mehr beschmutzt und doch auf eine ganz spezielle Art und Weise glĂŒcklich. Vielleicht wĂŒrde sie sich heute frei nehmen, ein schönes Gasthaus suchen, am besten sogar in der mittleren Ebene und ausnahmsweise auch dafĂŒr bezahlen. Ana lĂ€chelte in sich hinein. Heute ging es ihr gut und sie wusste, dass dies auch aus ihr herausstrahlte, in den Augen glitzerte, deren freudiges Leuchten schon so manchen Menschen verzaubert hatte. Womöglich mĂŒsste sie doch nicht bezahlen
 und auch nicht alleine schlafen.
„Hallo du hĂŒbsches Ding“, grollte eine Stimme in ihre Gedanken und Ana erstarrte. Drei Kerle... Sie war nicht aufmerksam genug gewesen! Mit dreien fertig zu werden wĂŒrde schwierig werden. Sie fuhr sich mit der Linken durchs Haar, wĂ€hrend sie die Rechte unauffĂ€llig zu den Griffen ihrer Dolche bewegte. Wenn sie beide warf und GlĂŒck hatte, dass sie ihr Ziel erreichten, blieb immer noch einer der stinkenden Bastarde ĂŒbrig und sie wĂ€re unbewaffnet. „Du hĂ€ttest einen anderen Weg zurĂŒck nehmen sollen!“, schalt sie sich in Gedanken, da fiel der Penner, der sie so blöd angequatscht hatte, wie von Geisterhand zu Boden, einen Pfeil im Kopf. Ana sah auf, komplett angespannt und bereit zu handeln. Die Tatsache, dass der Besitzer dieses Pfeils eingeschritten war, machte ihn noch lange nicht zu einem Freund. Womöglich teilte er seine Beute nur nicht gern. Sie ließ die Griffe der Dolche los. Bevor sie wusste, mit wem sie es zu tun hatte, konnten die beiden Kerle zwischen ihnen nicht schaden, die nun ebenfalls gebannt auf den Baum starrten, aus dem die Worte gedrungen waren. Der Situation zum Trotz musste Ana grinsen, als den wĂŒtenden Worten ihres Helfers mehrere Sekunden lang keine Taten folgten, ehe Bewegung in die Äste und Zweige des Baums kam. Ana kannten den Typen
 einen kurzen Augenblick befiel sie das unangenehme GefĂŒhl, wenn man jemanden erkennt, doch nicht zuordnen kann woher und befĂŒrchten muss, dass man ihn irgendwann einmal betrogen, beraubt oder beleidigt hat. Dann fiel es ihr ein. Vor ein paar Tagen hatte sie ein kurzes PlĂ€uschchen mit dem Waldalben gefĂŒhrt – Entwarnung.
Erst als der Kampf zwischen Farael und seinem Widersacher ausbrach, bemerkte Ana, dass der Kerl namens Nefir sich ihr ein paar Schritte genĂ€hert hatte. „Scheinbar ist dein Geist doch noch nicht so klar, Ana“, murrte sie in Gedanken. „Du hĂ€ttest ihm schon drei Mal den Dolch in den Hals werfen können!“ Nun war er zu nah fĂŒr einen kontrollierten Wurf. Der Mann hatte ein Messer gezĂŒckt und instinktiv wich Ana etwas zurĂŒck, worauf Nefir grinste und verfaulte ZĂ€hne entblĂ¶ĂŸte. „Du wirst mir schmecken, Kleine.“ Sein Blick tastete Anas Körper ab und verharrte lĂŒstern auf ihren BrĂŒsten. Er kam nĂ€her an sie heran. Angewidert zog Ana einen Mundwinkel nach oben, harrte aber aus und ließ ihn glotzen. Die KampfgerĂ€usche der anderen beiden MĂ€nner waren verstummt, doch Ana wagte nicht nachzusehen, wer gewonnen hatte. Als der Bandit in Reichweite war, zog die Norkara blitzschnell beide Dolche und ehe der Mann umrissen hatte, was passierte, ließ er klirrend sein Messer fallen, schrie auf und starrte auf die Waffe in seinem HandrĂŒcken. Ana richtete die Spitze des anderen Dolchs auf seinen Kehlkopf, sodass die Spitze gerade so die Haut berĂŒhrte. „Eine Bewegung oder ein falscher Blick auf meinen Körper und du bist tot“, sagte sie mit leiser aber fester Stimme. Hinter dem Mann sah sie Farael, der zu ihr geeilt war. Ein Söldner
 sie erinnerte sich an das kurze GesprĂ€ch in der Taverne. Ob er auch jetzt fĂŒr irgendwen arbeitete, obwohl das große Söldnerlager abgebrannt war? „Besser ist’s“, dachte sie. Seit es diesen Herd des Ungeziefers nicht mehr gab, waren ihre kleinen RaubzĂŒge so viel einfacher von der Hand gegangen, da nicht an jeder Ecke ein bezahlter HĂ€scher der Stadtwache lauerte.
Er war ein attraktiver Mann, das stellte sie erneut fest. Alben verstanden es immer, selbst in der wohl schmutzigsten Stadt Asamuras, gepflegt und sauber auszusehen, eine Eigenschaft, die Ana sehr schĂ€tzte. Trotzdem; nur weil er besser aussah, besser roch und bessere Manieren hatte, als die meisten anderen RĂŒpel, war er hier draußen dennoch eine Gefahr fĂŒr sie, solange sie nicht wusste, was er wollte. Starr hielt sie dem Kerl Nefir weiter den Dolch an die Kehle. Der Mann wimmerte ob seiner schmerzenden Hand, doch Ana dachte nicht daran, die Klinge herauszuziehen. Über seine Schulter fixierte sie den herannahenden Farael und versuchte ihn einzuschĂ€tzen. Ein bezahlter Söldner mit dem Ziel Banditen zu erlegen oder ein arbeitsloser Söldner mit dem Ziel Banditen zu erlegen? Ana fragte sich, was ihr lieber war und fand keines von beiden besonders toll. Der Alb verlangsamte sein Tempo, war aber schon so nahe, dass Ana seine Augen sehen konnte. Sie hatten ein warmes Braun; und sie drĂŒckten Sorge aus.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#3

Beitrag von Farael Dornenwind » Do 28. Dez 2017, 19:05

Bereits von Weitem konnte Farael beobachten, dass die Frau durchaus wehrhaft war. Er sah es und der Typ namens Nefir bekam es zu spĂŒren. Sein Schreien war unverkennbar und Farael musste etwas Grinsen, als er de Klinge eines Dolches in seiner Hand stecken sah. Makaber war es schon, aber diese MĂ€nner waren Abschaum, die schon wesentlich schlimmere Dinge angestellt hatten.

Kaum erkannte Farael, dass seine Bekanntschaft die Situation völlig unter Kontrolle hatte, verlangsamte er sein Tempo und begann zu den beiden zu schlendern. Seine Angst, sie vor Schaden nicht bewahren zu können und als TrophĂ€e dieser Banditen wiederzusehen, verblasste in diesem Augenblick. Sein Schwert behielt er aber vorsichtshalber in der Hand, weder wusste er, welche Tricks dieser Nefir auf dem Kasten hatte, noch ob VerstĂ€rkung anrĂŒckte.

Farael zog einen Mundwinkel nach oben und lĂ€chelte verschmitzt, ehe er eine Verbeugung andeutete. „Die Dame“, grĂŒĂŸte er sie. Noch immer wusste er ihren Namen nicht mehr! Mist. Schnell ablenken und auf ein anderes Thema bringen. Sein Blick glitt zu dem Banditen und seine Mimik wurde augenblicklich finster. „Scheißkerl“, grĂŒĂŸte er den wimmernden Banditen, der es scheinbar gar nicht wagte, den Mund zu öffnen.

Schließlich stellte sich Farael neben den Mann und betrachtete das Werk der SpaziergĂ€ngerin. „Nicht schlecht. Du hast ĂŒbrigens noch etwas von ihr, Arschloch.“ Farael rammte sein Schwert zwischen zwei Steinen in den Boden, packte die verletzte Hand Nefirs und zog ruckartig den Dolch hinaus. Der Mann schrie auf und begann zurĂŒck zu taumeln. Nebenbei reichte Farael wortlos den Dolch der Frau zurĂŒck, nahm sein Schwert und enthauptete den Banditen mit nur einem Streich. Dieser sah das Ende gar nicht kommen, wenn man das ĂŒberraschte Gesicht seines davonrollenden Kopfes betrachtete.

Mit einem Schwinger durch die Luft ließ Farael das ĂŒberschĂŒssige Blut von seiner Klinge auf den Dreck der Straße spritzen, so dass er sich die Schwertscheide nicht all zu sehr versaute. Die Waffe ordnungsgemĂ€ĂŸ verstaut, drehte er sich zu der Frau um. „Alles klar? Noch in einem StĂŒck?“ Sein Blick glitt ĂŒber ihren Körper und suchte diesen nach Verletzungen ab, wurde aber nicht fĂŒndig. „Offensichtlich. Und eine gute Figur hinlegen kannst du also auch, so wie du da stehst.“

Die rechte Hand auf seinem Schwertknauf abgelegt, deutete Farael mit der Linken auf die Dolche in den HĂ€nden der Frau. „Sicherer Stil und fĂŒr den Notfall sicherlich praktisch. Nichts fĂŒr richtige KĂ€mpfe. Du solltest ĂŒben“, erklĂ€rte er grinsend und zwinkerte ihr zu. „Auf alle FĂ€lle 'tschuldige erst Mal fĂŒr diese Unannehmlichkeiten. Du warst wohl aus Zufall mein Köder fĂŒr die Scheißkerle. Naja, bringen ein hĂŒbsches SĂŒmmchen ein. Kriegst auch etwas, wenn du das möchtest.“

Abermals glitt der Blick Faraels ĂŒber den Körper der Frau, doch dieses Mal um ihrer AusrĂŒstung zu ĂŒberprĂŒfen. „Bist nicht zum KĂ€mpfen oder weiten Reisen hier draußen. Was treibt dich allein hier herum?“, fragte er neugierig und blickte die toten Körper an. „Jedenfalls scheinst du nicht mit Banditen gerechnet zu haben. Wusstest du nicht, dass die hier draußen 'rumrennen und auf deren Köpfe Kopfgeld ausgesetzt ist. Machen schon seit Wochen HĂ€ndlern und Reisenden das Leben schwer. Raub, Mord, Vergewaltigung. Das Übliche bei diesem Abschaum.“

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#4

Beitrag von Schwarze Ana » Sa 30. Dez 2017, 12:13

Ana ließ den Dolch sinken und ging gerade so weit zurĂŒck, dass sie sich nicht in unmittelbarer Reichweite des Schwertes befand. Sicher ist sicher, sagte sie sich. Sie verlagerte das Gewicht auf ein Bein und hob das Kinn an, quittierte des Alben Gruß lediglich mit einem knappen Nicken, obwohl sein Auftreten ihr gefiel. UmstĂ€ndlich beugte sie sich nach vorne, um ihren Dolch entgegen zu nehmen, anstelle einfach einen Schritt auf ihn zu zu machen.
Mit zusammen gekniffenen Augen und einem gequÀlten Gesichtsausdruck drehte sie den Kopf zur Seite, als Nefirs Leben endete. Sie hatte schon viele Menschen sterben sehen, doch an das Köpfen hatte sie sich nie gewöhnt.
„Danke, alles Bestens“, gab sie zurĂŒck und stemmte eine Hand in die HĂŒfte. Mit der anderen hielt sie die Dolche und ließ sie zwischen den Fingern wechseln, ein Trick, den sie an langen Tagen auf dem Deck der Skua bis zur Perfektion geĂŒbt hatte. 
 also ein bezahlter Söldner. Dennoch sah er nicht aus, wie die meisten, denen Ana begegnet war. Seine Kleidung wirkte hochwertig und er legte wirklich wert auf sein Äußeres ohne dabei weniger fĂ€hig zu erscheinen. Unter all diesen Schichten Stoff, Metall und Leder verbarg sich mit Sicherheit ein gut trainierter Körper.
Ana dachte an ihren gefĂŒllten Lederbeutel. Es hĂ€tte Tage gegeben, da hĂ€tte sie solch ein Angebot sofort angenommen, doch heute war es nicht nötig und wer wusste, ob der Mann nicht etwas als Gegenleistung erwartete, wenn sie sein Geld nahm?
„Vielleicht bin ich ja selbst ein gefĂ€hrlicher Bandit?“ Ana versuchte sich aus dem Thema heraus zu winden. Der Alb hatte sofort bemerkt, dass sie leichtfertig unterwegs war. NatĂŒrlich hörte man in den Tavernen und sonstigen Löchern alles Mögliche ĂŒber Verbrechergruppen und anderen Abschaum, doch Ana hatte schon lange aufgehört zuzuhören. Stattdessen verließ sie sich auf ihr GefĂŒhl und ihre Instinkte, die sie heute zugegebenermaßen im Stich gelassen hatten. Weder war die Seidenstraße zu nehmen eine gute Idee, noch war sie aufmerksam genug gewesen. „Es kann nĂŒtzlich sein, wenn man unscheinbar wirkt“, fĂŒgte sie lĂ€chelnd an und steckte die Dolche wieder in den GĂŒrtel. „Andererseits
 du gehst nicht zufĂ€llig zurĂŒck in die Stadt? Manchmal schadet es nicht, eine fĂ€hige Begleitung zu haben.“ Sie legte den Kopf schief und sah den Alben mit großen Augen an. „Übrigens, ich bin Ana.“ Ob sie sich bei ihrer kurzen Begegnung in dieser Taverne vorgestellt hatte, wusste sie nicht mehr; von dem Abend allgemein nicht... wie so oft, seit sie in Obenza weilte.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#5

Beitrag von Farael Dornenwind » Sa 30. Dez 2017, 12:44

Mit einer Mischung aus AmĂŒsement und Neugierde zugleich, beobachtete Farael das Schauspiel, welches Ana vor ihm bot. Als sie schließlich provokativ fragte, dass sie selbst eine gefĂ€hrliche Banditin sein könne, konnte sich Farael werde Grinsen noch lachen verkneifen. Sie war keineswegs ausgerĂŒstet fĂŒr einen Raubzug oder Kampf. Farael hĂ€tte nicht einmal die toten MĂ€nner als Banditen eingestuft, so jĂ€mmerlich bewaffnet wie sie waren. NatĂŒrlich konnten ihre Dolche einen guten Schaden anrichten, wenn sie nahe genug an etwas Lebenswichtiges herankamen. Doch durch eine RĂŒstung wie sie Farael trug, hĂ€tten sie keine Möglichkeit des Durchdringens gehabt.

„Ich wusste doch, dass dein Name irgendwas mit A war. Ich hatte zuerst auf Anne getippt, aber Ana passt besser zu dir“, erklĂ€rte Farael grinsend und vollfĂŒhrte eine Handgeste, dass Ana ihm folgen sollte. „Ich habe keine Ahnung, ob du dich noch an mich erinnerst. Farael. Farael Dornenwind, stets den holden Maiden zu Diensten. Wie auch in dem Fall ich gern deine fĂ€hige Begleitung bin.“ Sein dĂŒmmliches Grinsen verschwand nicht aus seinem Gesicht. Möglichst unauffĂ€llig musterte er die Frau erneut, als er einige Schritte Richtung Obenza anstrebte. Sie war eine Schönheit, dass musste man ihr lassen.

Nach einigen Schritten befanden sie sich auf der selben Höhe. Farael musterte das Gesicht der jungen Frau und errechnete sich die Chance fĂŒr die einfachen Freuden des Lebens mit ihr. Zugleich fragte er sich, ob sie nicht zu schade wĂ€re, dass man mit ihr eine Bettgeschichte teilt und sie dann nie wieder sieht. Bis jetzt hatte Farael das mit Frauen getan, welche er in irgend einer Weise kennenlernte. Die Meisten waren auch nur auf sein gutes Aussehen und den Körper aus, aber nie auf das, worauf es wirklich ankam. Er verspĂŒrte keine wirkliche Lust, also vertrieb er die Gedanken. Eine nette Unterhaltung und Gesellschaft war nie verkehrt, auch wenn sie nicht in Sex endete.

„Also Ana, mich wĂŒrde es brennend interessieren wie du hier heraus kommst und dann noch so spĂ€rlich bekleidet. Nicht nur leichtsinnig sondern auch dumm, wenn man bedenkt was hier draußen alles keucht und fleucht.“ Auffordernd blickte Farael Ana an. „Es ist ja nicht so, dass jemand wie du hier draußen mal eben spazieren geht. Was treibt dich in das Umland Obenzas? Hier draußen ist es manchmal noch schlimmer als in der Stadt.“

Farael zog einen Flachmann aus seiner Tasche, öffnete ihn und nahm einen krÀftigen Schluck. Der Rum rann brennend seine Kehle hinab, nur um dann in seinem Magen ein Loch zu brennen. Das Seemannszeugs. Schwarz gebraut und verdammt stark. Darauf hielt er Ana die geöffnete Flasche hin, aus der es stark nach Alkohol roch.

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#6

Beitrag von Schwarze Ana » So 31. Dez 2017, 15:02

NatĂŒrlich glaubte ihr Farael kein Wort, doch kurz beschlich sie die Hoffnung, er wĂŒrde nicht weiter nachbohren. Der Alb hatte sie ebenfalls wieder erkannt, auch wenn er ihren Namen nicht mehr genau gewusst hatte. Kurz war sie enttĂ€uscht darĂŒber, ermahnte sich aber sogleich fĂŒr ihren Drang nach Aufmerksamkeit und Geltung. „Nicht jeder, der dich sieht, ist verzaubert und vergisst dich nie mehr“, schalt sie sich. Vermutlich gab es sowieso viele Frauen in Faraels Leben. Er sprach mit Charme und Manieren, was hĂ€ufig auf Zuspruch treffen musste.
Gemeinsam setzten sie sich in Bewegung, da griff er das Thema doch noch einmal auf und Ana seufzte. „Gerade Obenza ist es, was mich von Zeit zu Zeit hinaus treibt. Obenza und seine Wirkung auf mich“, sagte sie. „Bisher ist es noch immer gut gegangen.“
Kurz zögerte die Norkara, den Flachmann anzunehmen, doch schließlich griff sie zu. Sie roch daran und der beißende Geruch öffnete ihr die NasengĂ€nge. Das war echtes Zeug. Nicht die ĂŒbliche gestreckte Plörre, die man hĂ€ufig in Tavernen vorgesetzt bekam. Ana setzte an und nahm einen großen Schluck. Es erinnerte sie an die Zeit auf See. Kurz fĂŒhlte sie sich zurĂŒckgeworfen in jene Tage, als sie stundenlang an der Reling stand mit Wind und Gischt im Gesicht und dem angenehmen Knarzen sonnengewĂ€rmten Holzes im Ohr, als von dann auf wann ihr Bruder Terry neben sie trat und ihr den Arm um die schlanken Schultern legte und an die Abende, die sie sturzbetrunken in der KajĂŒte saßen, Karten spielten, Lieder sangen und einfach dem Leben frönten. Ein LĂ€cheln stahl sich auf ihr Gesicht und sie reichte Farael den Flachmann zurĂŒck. „Danke sehr“, sagte sie. „Gutes Zeug.“

„Bist du schon lange in Obenza?“, fragte sie, als sie die ersten AuslĂ€ufer der Stadt erreichten. „Ich vermute, du wirst nun erst einmal deinen Sold einstreichen wollen, oder?“
Ana spielte mit dem Gedanken den Alben nach einem Drink zu fragen. Zu dieser Zeit wĂŒrden die Tavernen noch relativ leer sein, sodass man sich in Ruhe unterhalten konnte. Mit etwas GlĂŒck wĂŒrde er sie sogar einladen und sie könnte ihren Verdienst von letzter Nacht aufsparen. Zuvor wollte sie aber ein wenig vorfĂŒhlen, in welchen Kreisen sich der Mann normalerweise bewegte. Es gab Orte und Menschen in der Stadt, die sie möglichst zu meiden versuchte. „Also“, sagte sie, als sie soweit in die Stadt vorgedrungen waren, dass sie sich entscheiden musste, ob sie erneut hinab stieg in die dĂŒsteren Schluchten von Obenzas Bodensatz oder ob sie nun, da sie Geld hatte, in der mittleren Ebene verweilen wollte. „Hier sind wir. Danke fĂŒrs Begleiten. Wo treibst du dich normalerweise rum in dieser traumhaften Metropole?“
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#7

Beitrag von Farael Dornenwind » So 31. Dez 2017, 15:49

Dankend nahm Farael den Flachmann von Ana zurĂŒck, verschloss ihn und steckte ihn sich zurĂŒck in seine Tasche. Inzwischen waren sie in ihrem Weg weit gekommen und bereits die ersten HĂ€user zieren links und rechts die Straße. Wobei heruntergekommene HĂŒtten eher der passende Begriff fĂŒr die Slums waren, durch die man stets zuerst schritt, wenn man ĂŒber die Salzstraße aus SĂŒdwesten kam. Ein furchtbarerer Anblick, was wohl ein hauptsĂ€chlicher Grund dafĂŒr war, dass ehrliche Leute diese Stadt mieden. Oder vielleicht lag es auch an Korruption und Verbrechen. Vermutlich ging beides Hand in Hand.

Kaum in den AnfĂ€ngen der Stadt, schlug bereits der Gestank des Armenviertels um sich, gewĂŒrzt mit den Priesen des Meeres, welche von Norden in die Stadt schlugen. Welch' passende Anmerkung und Frage Ana sogleich stellte. „Ja, Obenza ist das letzte Loch in dem ein halbwegs anstĂ€ndiger Mensch leben möchte. Dummerweise bin ich hier groß geworden und irgendwie haben meine Wege immer wieder zurĂŒck hierher gefunden. Dieses stinkende Scheißloch. Ironischerweise habe ich hier aber ein kleines Haus an der Grenze zwischen Slums und mittlerer Ebene. Nichts Besonders, es lebt sich aber gut, wenn man die Miete aufbringen kann. Doch manchmal meinen die Hurensöhne von Grundbesitzern einen Monat doppelte Miete zu verlangen oder sie dauerhaft zu erhöhen.“

Farael seufzte auf. Ungern erinnerte er sich daran, wie er sich den Arsch mit Arbeit hatte aufreißen mĂŒssen, weil seine Miete schlagartig einen Monat lang fast 200 Handelstaler betrug. Oder wenn die Herrschaften die Miete um ganze 50 Taler anhoben. In diese Zeiten mussten sehr viele Banditen sterben. Zum GlĂŒck gab es in und um Obenza genug davon. „Auf alle FĂ€lle, wie du schon sagtest, ist es echt keine schöne Stadt fĂŒr ein Leben, wenn man es ruhig haben will. Manchmal kotzt einen die Stadt wieder aus und man muss vor ihr fliehen. Zumindest eine Zeit lang“, stimmte Farael Ana zu und betrachtete seine Umgebung dabei.

Schließlich hielten sie inne. Sie standen inmitten der Grenzen zwischen Mittelebene und Slums, verschiedene Gestalten wechselten hier die Ebene und auch Faraels Haus war nicht weit von hier entfernt. „Vermutlich werde ich jetzt zum Söldnerlager gehen, von dem ich den Auftrag bekommen hatte. Die warten schon seit mehr als einer Woche auf die Erledigung des Auftrags. Ich will da nur mein Geld holen und vermutlich direkt nach der nĂ€chsten Arbeit fragen. Das Übliche eben, was man als Freiberufler so macht“, erklĂ€rte er Ana und musterte sie. Sie schien ĂŒber etwas nachzudenken, konnte aber nicht ganz ausmachen, was ihre Intention war.

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#8

Beitrag von Schwarze Ana » Do 4. Jan 2018, 12:48

Erstaunt horchte Ana auf und versuchte sich vorzustellen, sie hĂ€tte ihr ganzes Leben in Obenza verbracht. „Das hĂ€tte ich nicht ĂŒberlebt“, dachte sie. „Wenn ich nicht von irgendeinem Verbrecher umgebracht worden wĂ€re oder eine Droge mich hingerafft hĂ€tte, wĂ€re ich frĂŒher oder spĂ€ter vermutlich von einem Dach gesprungen.“ Laut sagte sie aber: „Du bist hier geboren? DafĂŒr hast du dich gut gehalten.“ Sie grinste den Alben an, im Versuch, ihre Bewunderung mit dem kleinen Scherz zu ĂŒberdecken. Überhaupt musste das Söldnerdasein ganz schön lukrativ sein, wenn er sich sogar ein kleines Haus leisten konnte. Ein fester Ort zum Schlafen
 es war schon einige Zeit her, dass sie so etwas gehabt hatte. Anfangs hatte sie in einem kleinen Zimmer zur Untermiete gewohnt, doch sie hatte so unregelmĂ€ĂŸig gezahlt, dass der Hausherr sie schließlich rausgeschmissen hatte und seither schlief Ana mal hier, mal dort, in verschiedenen Gasthöfen, manchmal, wenn der Wirt gnĂ€dig und mit ihrem Auftritt zufrieden war, sogar umsonst, aber auch bei Fremden, die sie sich zuvor angelacht hatte oder einfach an einer geschĂŒtzten Stelle am Hafen, wo sich nach und nach immer ein paar streunende Katzen zu ihr kuschelten, um sich an ihr zu wĂ€rmen. Wenigstens fand sie immer irgendwie die Möglichkeit sich zu waschen, denn wenn Ana eines wichtig war, dann war es ihr Ă€ußeres Erscheinungsbild.

Was? Ana zog fragend die Augenbrauen zusammen. Wusste er es denn nicht? Viel war die letzten Tage in den Tavernen und sonstigen SchankhĂ€usern ĂŒber das UnglĂŒck im Söldnerlager gesprochen worden, auch wenn die Geschichten, wie es passiert war, weit auseinander gingen. Manche meinten, es sei schlicht ein Unfall in einer KĂŒche gewesen, andere beharrten darauf, dass es ein Anschlag einer kriminellen Bande gewesen war, wieder andere waren ĂŒberzeugt davon, dass ein ehemaliger Söldner aus Liebesleiden das Feuer gelegt hatte, um sich an seiner Ehemaligen zu rĂ€chen, die ebenfalls dort weilte und die nĂ€chsten berichteten von einem betrunken Kerl, der den Niedergang des Lagers im Rausch zu verschulden hatte. Doch Farael hatte scheinbar nichts davon mitbekommen und die Leichtigkeit und Gewissheit, mit der er sein Vorhaben vortrug, verursachte fast schon Mitleid in Ana, wenn sie ihn gleich ĂŒber die Geschehnisse in Kenntnis setzten musste. „Äh
 Farael
 das könnte schwierig werden
“, setzte sie an. „Gibt es andere Orte, wo ihr euren Sold einstreichen könnt?“ Der Alb war selbstverstĂ€ndlich zunĂ€chst verwirrt und Ana wusste, dass sie deutlicher werden musste. „Das Söldnerlager
 es ist vor kurzem abgebrannt
 ich bin nicht sicher, ob noch irgendwas davon steht.“
Unglauben spiegelte sich in Farael Augen wieder.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#9

Beitrag von Farael Dornenwind » Fr 5. Jan 2018, 23:36

Ein wenig musste Farael schon schmunzeln, als Ana sagte, er habe sich gut gehalten. Es war ein niedliches Kompliment und die Blicke die sie ihm die ganze Zeit schenkte, waren durchaus amĂŒsant. Farael wusste um seine Wirkung auf so manche Frauen, wĂ€re er in Stimmung fĂŒr ein solches Spiel, hĂ€tte er sicherlich an diesem Spiel teilgenommen. Doch nicht in diesem Moment oder an diesem Tag.

Denn seine Laune wurde bereits im nĂ€chsten Moment verhagelt, als Ana ihm eine Hiobsbotschaft ĂŒberbrachte. „Wie, das Ding ist abgefackelt?“, hakte er noch einmal nach und wollte anfangs gar nicht glauben, was seine neue Bekanntschaft dort berichtete. „Du scherzt doch, oder?“ Doch die Miene Anas sprach gĂ€nzlich andere Worte. Nach diesem Moment des Unglaubens seufzte Farael etwas genervt auf und blickte in die Richtung der Stadt, in der das Lager stehen mĂŒsste.

Schließlich ließ er die Schultern etwas hĂ€ngen und dachte darĂŒber nach, wie er jetzt an sein Geld kommen wĂŒrde. Wie Ana angedeutet hatte, wĂŒrde es nun wesentlich schwieriger werden, an die Bezahlung des Auftrages zu gelangen. „Das ist scheiße“, sagte er schließlich knapp. „Dabei habe ich ĂŒberlegt, dass ich dich mit dem Lohn zu einem Schnaps in meiner Stammkneipe einlade. Das hat sich dann wohl erĂŒbrigt. Stattdessen werde ich wohl erst einmal meinem scheiß Geld hinterherrennen mĂŒssen. Ganz große Klasse. Ich wetter irgend einer der Vollidioten hat im Suff alles abgefackelt. Ich kenn' die Pisser. Liebenswerter Haufen, aber wehe die trinken nur einen Schluck Alkohol.“ Farael fluchte wie ein Rohrspatz und die Leute drehten sich bei seinem Ton verwirrt nach ihm um.

Nun da seine Stimmung dezent in Richtung Keller gegangen war, blieb ihm nichts Anderes mehr ĂŒbrig. „Gut, dann werde ich jede verfickte Spelunke in dieser Stadt absuchen und nach den Söldnern des Lagers Ausschau halten. Die mĂŒssen mir dann eben das Geld geben. Sollen die sehen wie sie es schaffen.“ Erneut seufzte Farael auf und blickte in Richtung des Himmels. Der Horizont begann sich bereits rötlich zu verfĂ€rben.

„Aber ich denke dafĂŒr ist morgen noch Zeit.“ Plötzlich gĂ€hnte Farael herzhaft und streckte sich mitten auf der Straße. Erst zu diesem Zeitpunkt bemerkte er, dass er mĂŒde war. So hatte er die letzten Tage meist damit zugebracht, außerhalb der Stadt zu jagen und nebenbei die Banditen ausfindig zu machen. Wirklich viel Schlaf hatte er nicht bekommen können. „Wie schaut's aus, was treibt dich in dieser Zeit noch umher?“, fragte Farael an Ana gerichtet. Vielleicht wusste sie eine Möglichkeit, noch etwas zu entspannen, ehe er sich fĂŒr den Tag zurĂŒck zog.

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#10

Beitrag von Schwarze Ana » Sa 6. Jan 2018, 10:22

Mit aufeinander gepressten Lippen nickte Ana. Er hatte es wirklich nicht gewusst
 Anas EnttĂ€uschung ĂŒber den verpassten Gratis-Schnaps wurde jĂ€h unterbrochen, als Farael begann sich in Rage zu reden. AmĂŒsiert zog sie eine Augenbraue hoch und schmunzelte ob seiner Schimpftirade. „Da hast du aber etwas vor“, sagte sie belustigt, wenn auch vorsichtig, „hier gibt es mehr Spelunken als anstĂ€ndige Menschen.“
Ihre FĂŒĂŸe hatten sie wie von selbst in Richtung Markt getragen und in der Ferne kam schon die große EisenbrĂŒcke in Sicht, der Koloss, der Ober- und Unterstadt miteinander verband, ja manchmal so wirkte, als wolle er sie krampfhaft zusammenhalten
 und als bereite dies große MĂŒhe. „Normalerweise suche ich mir abends eine Taverne, um zu spielen.“ Ana deutete auf den Lautenkasten auf ihrem RĂŒcken. „Doch wie es der Zufall will, habe ich heute frei.“ Sie lĂ€chelte. Was sollten sie mit diesem gebrauchten Tag anfangen? Der Himmel war recht klar, es wĂŒrde vermutlich einen schönen Sonnenuntergang geben, den man in den Schluchten der Stadt ĂŒberhaupt nicht wahrnehmen konnte. „Vielleicht werde ich zum Hafen gehen
 bis nach vorne zum Leuchtturm.“ Die Norkara blickte Farael an. „Hast du Lust? Wir könnten uns unterwegs eine Flasche Portwein oder Met kaufen, sofern am Markt noch etwas los ist, und einfach ein wenig auf das Meer hinaus blicken. Das zumindest wĂŒrde ich jetzt tun.“ Ana wusste nicht, warum sie den Alben einlud, ihr Gesellschaft zu leisten, oder vielleicht wusste sie es doch und hörte nur nicht hin. „Der Hafen ist auch nicht gerade das sicherste Pflaster“, sagte sie sich, „mĂ€nnliche Begleitung kann nicht schaden.“ Doch damit belog sie sich nur selbst. Wie viele Stunden und NĂ€chte hatte sie schon alleine an den Docks verbracht? Am Leuchtturm?
„FĂŒr die ein oder andere MĂŒnze lĂ€sst uns der WĂ€rter vielleicht sogar nach oben“, durchbrach sie ihre eigenen Gedanken. „Von der Spitze des Leuchtturms hat man einen wunderbaren Blick auf das Meer
 und zum GlĂŒck fĂŒr uns, da du ja pleite bist, habe ich gerade ein wenig Geld.“ „
 das ich mir eigentlich aufsparen wollte“, fĂŒgte sie im Stillen hinzu, doch andererseits besaß sie tatsĂ€chlich ein ĂŒppiges SĂŒmmchen und Geld auszugeben war in Obenza hĂ€ufig die beste Möglichkeit, wenn man etwas davon haben wollte. Zudem sagte ihr ihr GefĂŒhl, dass Farael nicht der Typ war, der so etwas auf sich sitzen lassen wĂŒrde. Und er konnte schon wissen, wann sie das nĂ€chste Mal knapp bei Kasse war?
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