Von Blut, Sold und Liebe

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Söldnerlager der Raubvögel
Ein wilder Haufen von arbeitslosen Söldnern schloss sich zusammen, um ein eigenes Söldnerlager aus dem Boden zu stampfen. Ihr Ziel: Geld zu verdienen und dabei noch Spaß zu haben. Jeder Haudegen, der sich an ein paar Regeln halten kann, ist hier willkommen.
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Farael Dornenwind
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#11

Beitragvon Farael Dornenwind » Sa 6. Jan 2018, 13:57

Zugegeben, ein wenig schaffte es Ana Faraels GemĂŒt zu erhellen. Auch wenn sie die Überbringerin schlechter Nachrichten war, so hatte sie dennoch etwas an sich, was Farael zum Schmunzeln brachte. Ob es ihre Art war oder aber wie sie mit dem Leben umging. Etwas sagte Farael, dass er ein Exemplar der ganz Besonderen Sorte vor sich stehen hatte. Zumindest im Vergleich mit den sonstigen Frauen in Obenza. Also entschied er sich, vorerst an der Seite der Norkara zu bleiben und entspannt neben ihr zu wandeln, um den Abend vielleicht doch noch entspannt ausklingen zu lassen.

„Das klingt nach 'nem Plan. DafĂŒr kriegst du spĂ€ter mal einen ausgeschenkt, versprochen“, verkĂŒndete Farael seine Antwort und lief gemeinsam mit Ana durch die Straßen Obenzas, bis hin zum Markt. Auf dem Weg konnte er sich aber eines nicht ganz verkneifen: „So so, ein Zufall dass du frei hast, ja? Dieser völlige Zufall kann nicht zufĂ€lligerweise damit zusammenhĂ€ngen, dass du dich in angenehmer und attraktiver Gesellschaft befindest?“ Ein verschmitztes LĂ€cheln legte sich auf die Lippen Faraels, als er Ana anblickte. „Und natĂŒrlich hast du mich nicht das ein oder andere Mal genauer betrachtet“, feixte Farael.

NatĂŒrlich konnte Ana nicht wissen, dass Farael bluffte. Er hatte keinerlei Blicke von ihr gesehen noch wirklich Interesse ihrerseits verspĂŒrt, wenn man von der aktuellen Situation absah. Sein Blick wurde neugierig und er hoffte, Ana in Verlegenheit versetzen zu können. Er fand es Ă€ußerst lustig, wenn Frauen vor Scham erröteten oder sich ertappt fĂŒhlten. Dann wurden die Meisten immer mucksmĂ€uschenstill, was Farael stets amĂŒsierte.

„Ich meine na gut, ein ganz romantisches Treffen auf der Spitze des Leuchtturms, mit Wein und im Licht der untergehenden Sonne. Dagegen habe ich nichts. Hat einen gewissen Charme.“ Farael musste sich enorm zurĂŒckhalten, um nicht lauthals loszulachen. Die Situation war ein wenig seltsam. Er hatte sie auf der Straße als Köder fĂŒr Banditen genutzt, diese vor ihren Augen abgeschlachtet und nun lud sie ihn zu einer Verabredung an einen Platz ein, an dem junge HĂŒpfer sich mit ihrer ersten großen Liebe verabredeten.

Persönlich hatte Farael gar nichts dagegen, im Gegenteil. Einige Geschichten und Dramen die er in seiner Freizeit gelesen hatte, und besser verschwieg er womit er die letzten Tage verbracht hatte, endeten meist mit einem Ă€ußerst romantischen Ende, nachdem sich die Ereignisse komplett ĂŒberschlagen hatten. Nicht dass das Leben wie in einem Buch wĂ€re. Doch genau in diesem Moment zeigte die AbsurditĂ€t, der wohlgemerkt angenehm war, wie seltsam manchmal die Bahnen verlaufen und Ereignisse die seltsamsten Menschen zusammenbringen konnten.

Mittlerweile waren sie am Markt angekommen, an dem es fĂŒr diese Zeit ĂŒblich noch einige StĂ€nde gab, an denen man sich bedienen konnte. Unter anderem auch HĂ€ndler fĂŒr edelste Weine und Biere.

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Schwarze Ana
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#12

Beitragvon Schwarze Ana » Fr 12. Jan 2018, 13:31

„Attraktive Gesellschaft?“, fragte Ana und drehte den Kopf suchend zu allen Seiten. „Wo?“ Sie hielt ihren Ausdruck ernst und blickte Farael scheinbar neugierig an, erstarrte aber dann und zog misstrauisch die Augenbrauen zusammen. Hatte er ihre Blicke bemerkt? SelbstverstĂ€ndlich hatte sie ihn abgeschĂ€tzt und das nicht nur, um seine AusrĂŒstung zu prĂŒfen. Dieser Alb war eine wĂŒrdige Konkurrenz, so viel stand fest. Ihre Augen glitzerten, als sie ein beschwörendes LĂ€cheln aufsetzte, um die Situation spielerisch zu lösen, doch Farael kam ihr zuvor, offensichtlich höchst amĂŒsiert, was durch ihr aller MĂŒhen zum Trotz nun vollkommen ĂŒberrascht drein schauendes Gesicht noch verstĂ€rkt wurde. Sie hatte gar nicht darĂŒber nachgedacht wie ihre Einladung klingen musste! Immerhin war Romantik fĂŒr sie so ĂŒberflĂŒssig wie alkoholfreies Bier, da hatte sie nicht den winzigsten Gedanken an die Wahl des Ortes verschwendet. Was mochte Farael nun von ihr denken? Dass sie ein naives Prinzesschen war, das leicht bekleidet durch Obenza schlenderte und nach einem Prinzen fĂŒr einen romantischen Sonnenuntergang Ausschau hielt? Der Gedanke ließ schließlich auch sie grinsen. Vielleicht war es ja gar nicht so schlecht, wenn er solch ein Bild von ihr hatte. „Ich bin ein unschuldiges Reh“, dachte sie sich belustigt und doch wurde sie das leichte SchamgefĂŒhl ob der merkwĂŒrdigen Situation nicht ganz los und war umso froher, als sie den Markt erreichten und sie die Gelegenheit nutzen konnte, das Thema zu wechseln.

Es herrschte noch reges Treiben auf dem großen Platz und sehnsĂŒchtig blickte Ana zu den HĂ€ndlern, die edle Tropfen aus ganz Asamura nach Obenza brachten. Sie hatte schon solche Weine und andere Köstlichkeiten gekostet, als ein reicher Kaufmann in ihre FĂ€nge geraten war und sich am Ende mit wesentlich weniger Geld aber ohne ersehntes GlĂŒckserlebnis wieder gefunden hatte. Normalerweise war dies allerdings nicht ihre Liga und da sie heute selber zahlen musste, steuerte sie in eine andere Richtung. In den engeren, dunkleren und schmutzigeren Bereichen des Marktes tummelte sich das Gesindel und hier kaufte man nur, wenn man keine andere Wahl hatte oder wusste, was man tat. FĂŒr Ana galt meist sowohl als auch.

„Hey Ana“, knurrte ein knochiger alter Mann mit Pfeife, an dessen Stand sie vorbei kamen. „Alles gut?“ Er spuckte eine Ladung braunen Tabaksaft auf die Straße und hustete röchelnd. „Danke, Jon, alles bestens. Wir geht’s dir? Was macht die Frau?“ „Ach“, murrte Jon mit einer genervten Handbewegung, „noch immer nicht tot! Die Alte ist zĂ€h wie ein Spelunkenschnitzel. Ich glaube, die muss einer erschlagen, damit sie endlich stirbt.“ Lauthals lachte er los und verfiel schließlich in einen heftigen Hustenanfall. Die Menge schob sie weiter und Ana winkte dem alten Jon zum Abschied. „Ein Stammgast im Durstigen Ochsen“, erklĂ€rte sie Farael. „Gibt mir immer gutes Trinkgeld.“

„So
“, die Norkara bliebt bei einem kleinen Marktstand stehen, der unter dem Gewicht staubiger Flaschen Ă€chzte. „Den Wein hier kann man trinken. Bier gibt es auch. Worauf hast du Lust?“
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#13

Beitragvon Farael Dornenwind » Sa 13. Jan 2018, 13:15

Frech wie Ana mit ihrer ersten Aussage war, beeindruckte sie Farael. Eine Eigenschaft die Farael an Frauen mochte. Sie war nicht spitzzĂŒngig, aber konnte durchaus auf seine Worte reagieren und das auf eine Art, die weder verlogen noch unangenehm war. Allein daran konnte er erkennen, dass Ana etwas im Kopf haben musste und nicht nur an das Aufreißen von MĂ€nnern dachte. Zumindest hoffte Farael es. Obgleich ihrer frechen Art, musste er darauf dennoch grinsen und genoss die Situation in vollen ZĂŒgen.

Dem tat es keinen Abbruch, als sich Ana offensichtlich ertappt fĂŒhlte. Trotz dessen dass Farael geraten und somit keine genaue Beobachtung vorgebracht hatte, erfreute es ihn umso mehr, dass er aus Zufall Recht gehabt hatte. Sie hatte ihn also tatsĂ€chlich ĂŒber seine AusrĂŒstung hinweg gemustert. NatĂŒrlich hatte das Farael genau so bei ihr getan, doch er war ein Kerl und die Meisten erwarteten das. Nichts Ungewöhnliches zumindest, fĂŒr einen Mann seines Schlages. Allein bei diesen Gedanken, eine Frau dabei erwischt zu haben und dann ausgerechnet das Ziel der Begierde zu sein, trieb Farael ein Grinsen ins Gesicht. Ana war weit entfernt davon, ein unschuldiges und reines Wesen zu sein, welches keiner Fliege etwas zu leide tun konnte.

Schließlich quetschten sie sich durch die Massen des Marktes und Farael beschlich das GefĂŒhl, dass es keine gute Idee war, sich in dieser Masse zu bewegen. Im Gegenteil. Hier und da spĂŒrte ein paar gierige HĂ€nde, die nach seinem GĂŒrtel, oder genauer seinem GeldsĂ€ckel, greifen wollten. Obenza war in diesen Belangen schlimm. Die Bettler stahlen um zu ĂŒberleben, die ausgebildeten Diebe stahlen um ihren Reichtum zu mehren. Jedes Mal wenn Farael eine sich herannahende Hand erblickte, schaute er deren Besitzer mit einer bösem Blick an und deutete auf sein Schwert. Jeder zog sofort seine Hand zurĂŒck und verschwand in der Menge. Zu dieser Zeit hasste er den Marktplatz. Man war nie sicher vor Taschendieben.

Aus diesem Grund bekam Farael auch kaum etwas von dem GesprĂ€ch zwischen Ana und einem Standbesitzer mit. Nur die letzten Wortfetzen und ihre Verabschiedung bemerkte er, an sich fragte er sich aber auch nicht wer das war. Ana erklĂ€rte mit ihren nĂ€chsten Worten, wer dieser Mann war und woher sie ihn kannte. An sich etwas, was kaum interessant fĂŒr ihn war, doch da es Ana war, die es ihm erzĂ€hlte, versuchte sich Farael dafĂŒr zu interessieren. „Ah, okay“, nickte er bestĂ€tigend, als er seinen Kopf wandte und den HĂ€ndler ein letztes Mal betrachtete, ehe er durch die Menge verdeckt wurde.

Plötzlich hielt Ana vor einem der MarktstĂ€nde an, welche ĂŒberladen mit den verschiedensten alkoholischen GetrĂ€nken war. Die Auswahl war, fĂŒr den Markt Obenzas und dem Pflaster in dem sie sich befanden, doch recht unĂŒblich. Wein, Met und Bier lĂ€chelten Farael entgegen und sein Griff ging zu einer ihm bekannten Sorte. Aus dem Sortiment zog er eine Flasche Wein hervor. Sie stammte aus Souvagne, war ein halbtrockener Rotwein und hatte fĂŒr die QualitĂ€t einen relativ niedrigen Preis. Farael musste aus offensichtlichen GrĂŒnden hĂ€ufiger auf diesen Markt gehen und sich einer dieser Flaschen erstehen. Seine Bezugsquellen waren wesentlich teurer.

„TatsĂ€chlich wĂŒrde ich vorschlagen, wir nehmen den hier. Und zum Vorgeschmack zwei Flaschen Schwarzbier“, erklĂ€rte Farael und griff erneut in die Auswahl, als er zwei Flaschen des besagten Bieres. „Guter Preis fĂŒr das, was es sonst kostet.“ Fragend blickte er Ana an und wartete auf ihre Antwort ab, als ihm noch etwas einfiel. „Ach ja, was den Leuchtturm betrifft, brauchst du kein Geld zĂŒcken. Der LeuchtturmwĂ€rter schuldet mir noch einen Gefallen.“ Zumindest etwas, was Farael zu diesem Treffen beitragen konnte.

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#14

Beitragvon Schwarze Ana » So 21. Jan 2018, 11:27

Der Rotwein, den Farael wĂ€hlte, war relativ teuer. Ana willigte dennoch ein, denn sie wollte nicht durchscheinen lassen, dass sie normalerweise ganz anderen Rotz in sich hinein kippte. Und warum auch nicht? Ab und zu etwas zu trinken, das auch schmeckte, war keine schlechte Sache. Auch das Schwarzbier erhielt Anas Zustimmung. Somit konnte sie sich schon mal das Abendbrot sparen. „Alles klar, die nehmen wir“, sagte sie halb zu Farael, halb zu dem HĂ€ndler. Sie öffnete ihren kleinen Beutel gerade so weit, dass sie ein paar MĂŒnzen herausfischen konnte, darauf bedacht, dass der Rest danach wieder fest verschnĂŒrt war und reichte das Geld ĂŒber den Ladentisch hinweg.

Neugierig drehte sie den Kopf zu Farael hinĂŒber. Er kannte den LeuchtturmwĂ€rter? War er möglicherweise öfter am Hafen? Konnte es gar sein, dass er sie schon ab und zu dort gesehen hatte und ihr Zusammentreffen heute gar kein Zufall war? „Er ist ein Söldner“, sagte sie sich. „Vermutlich hat er nur einen Auftrag fĂŒr den Mann erledigt.“ Trotzdem konnte sie das Misstrauen nicht ganz aus ihrem Ausdruck wischen. Sie spielte gerne Spiele mit anderen, doch war ungern selbst der Spielball. Die ganze kurze Zeit, die sie nun in Faraels Gesellschaft verbracht hatte, hatte sie das Ruder nicht so recht an sich reißen können. Es glitt ihr immer wieder durch die Finger, so sehr sie sich auch danach reckte und diese Schwebe, diese kleine Unsicherheit, löste ein ambivalentes GefĂŒhl in ihr aus. Es war ihr unwohl, vielleicht fĂŒrchtete sie sich gar ein wenig, war zumindest wachsam und angespannt, doch zeitgleich reizte es sie ungemein, spornte sie an, das Spiel weiter zu treiben, aufgeregt und voller Vorfreude, was noch passieren wĂŒrde. Sie wollte es sich noch nicht so recht eingestehen, doch dieser Alb hatte wahres Interesse in ihr geweckt, nicht das ĂŒbliche Vorgegaukel, das sie sich selbst in den letzten Jahren zum Schild gemacht hatte.

Mit den GetrĂ€nken im GepĂ€ck bahnten sie sich den Weg durch den restlichen Marktbereich. Auch an den Docks herrschte noch reges Treiben. Schiffe wurden be- und entladen, gebrĂŒllte Befehle flogen durch die Luft und das schmutzige Wasser gurgelte in den Hafenbecken. Westlich tat sich der Rotlichtbezirk auf, mit der verruchten Eleganz einer gepuderten Dirne und gleichzeitig nicht weniger dreckig und gefĂ€hrlich als der Rest von Obenza. Weiter außen war das Meer sauberer und Ana nahm einen tiefen Atemzug der salzigen Brise. Auf der anderen Seite der Tangobucht baute sich die Oberstadt auf und Farael blickte in die Richtung, in der einst das Söldnerlager gestanden hatte. Möglicherweise konnten sie von der Spitze des Leuchtturms etwas davon erkennen. Wesentlich grĂ¶ĂŸer als der alte, streckte der Turm sich stolz in den Himmel und Ana freute sich richtig darauf, nach oben zu gehen und hinaus auf die ewige Weite des Meeres zu blicken, ihr eigentliches Zuhause.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#15

Beitragvon Farael Dornenwind » Di 23. Jan 2018, 10:37

AuffĂ€llig ruhig verhielt sich Ana, wĂ€hrend sie sich am Marktstand ihre GetrĂ€nke kauften und schließlich weiter zum Hafenbezirk Obenzas aufmachten Farael wunderte sich bereits, was aus der frechen und dreisten Art der jungen Frau geworden war. Sie gab keinen Ton mehr von sich und wanderte neben ihm her, als ob sie entweder nachdachte, oder aber etwas ausheckte. Letzteres fĂŒr ihn schien unwahrscheinlich, was sollte sie schon tun? Außer ihm vielleicht ein Messer in den RĂŒcken rammen oder die GetrĂ€nke vergiften. Farael musste etwas grinsen und die Gedanken aus seinem Kopf schĂŒtteln. Zu sehr hatte er gerade an die Vergangenheit denken mĂŒssen, in der diese Gefahren jeden Tag RealitĂ€t waren. Doch Ana war weder sichtbar eine feindliche Söldnerin, noch war Farael lĂ€nger aktiv. Zumindest nicht als AnfĂŒhrer eines ganzen Lagers.

So schlenderten sie durch das schmutzige Hafenviertel Obenzas. Möwen kreischten ĂŒber ihren Köpfen und das Rauschen des Meeres gegen die Piere der Stadt waren zwei bestĂ€ndige GerĂ€usche, die stets zu hören waren. FĂŒr die DĂ€mmerung ĂŒblich, arbeiteten noch immer diverse Schiffsmanschaften, die meisten davon Schmuggler. Sie löschten gerade angebrachte Ware oder machten sich bereit, um den Anker zu lichten. Es war nicht verwunderlich, dass viele im Schutz der Dunkelheit in See stachen, um besser den Patrouillen der grĂ¶ĂŸeren Fraktionen entgehen zu können. Zumindest hatte das sein Vater immer erzĂ€hlt und irgendwo klang dies auch logisch. Die großen Fraktionen, wie zum Beispiel die Ordnung, hatten etwas gegen die GeschĂ€fte der Schmuggler.

Nach einiger Zeit des entspannten Spazierganges, schritten Ana und Farael auf den Leuchtturm zu, dessen Feuer bereits entzĂŒndet worden war. Denkmal und Leitstrahl zugleich, hatte er eine gewisse Anziehungskraft auf Gesindel und Schiffe gleichermaßen. Nicht selten sah man Bettler und Hunde, auch Hundewandler, in der NĂ€he des Leuchtturms. Der LeuchtturmwĂ€rter hingegen versuchte alles ordentlich zu halten, was auch das Fernhalten von den Personen beinhaltete. Zum aktuellen Zeitpunkt war es rund um den Leuchtturm ruhig, wofĂŒr Farael mehr als dankbar war.

Gemeinsam schritten Ana und Farael die Treppen hinauf zum Leuchtturm, worauf sie schon bald vor einer schweren HolztĂŒr standen. In diesem Moment hielt Farael allerdings inne und blickte nachdenklich Ana an. "Eine Warnung vorweg: Lass dich nicht durch die Worte der WĂ€rters Ă€rgern. Und unterschĂ€tze weder seine Abstammung noch sein Aussehen. Glaube mir, er ist mehr als das, was er zu sein scheint", erklĂ€rte er und klopfte schließlich drei Mal laut an der TĂŒr. Von innen heraus war das Schieben eines MöbelstĂŒcks zu hören, gefolgt von Schritten die sich der TĂŒr nĂ€herten. Darauf folgte mehrmals ein metallisches Klicken, ehe sich die TĂŒr nach innen zu öffnen begann.

In der TĂŒr stand ein Ă€lterer Waldalb, dessen Erscheinungsbild mehr an einen Greis erinnerte. Seine GesichtszĂŒge waren mit tiefen Furchen durchzogen, eine Narbe zog sich von seiner Stirn ĂŒber das linke Auge. "Ah, Farael!", grĂŒĂŸte ihn der Ă€ltere Mann mit einem LĂ€cheln, ehe er seine Arme zu einer Umarmung ausbreitete, welche Farael auch erwiderte. "Lang nicht mehr gesehen, du verdammter Herumtreiber. Und wie ich sehe hast du sogar ĂŒberaus hĂŒbsche Begleitung mitgebracht. Respekt, sie kann sich sehen lassen." Mit einem Grinsen ĂŒber beide Ohren musterte der Mann Ana ausgiebig von Kopf bis Fuß.

"Hallo Vater", erwiderte Farael schließlich und blickte schließlich ermahnend, als er den Kommentar Manhirs bezĂŒglich Ana hörte. Mit einer Handbewegung lud Faraels Vater die Beiden in den Leuchtturm ein, worauf er hinter ihnen die TĂŒr schloss. Das innere des Leuchtturms, war hingegen jeder Erwartung, gut eingerichtet. In diesem Stockwerk standen Tisch, Kochstelle und Schreibtisch versammelt und angepasst an die runde Form des Turms.

"Verzeihung, ich vergaß meine Manieren", ergĂ€nzte Manhir schließlich, verbeugte sich vor Ana und nahm deren Hand, um einen Handkuss anzudeuten. "Manhir Dornenwind, Vater von dem guten Farael und LeuchtturmwĂ€rter dieser heimeligen Unterkunft." Farael rollte darauf mit den Augen und verschrĂ€nkte die Arme vor der Brust. Mit Manieren hatte dies wohl kaum etwas zu tun, sein Vater neigte dazu, jede Frau so zu behandeln. Obgleich er verheiratet war oder nicht. Wie seine Mutter es mit ihm aushielt, war Farael immer ein RĂ€tsel, doch sie war nicht unbedingt von einem anderen Schlag. Trotz dessen wusste Farael, dass sein Vater immer treu war und niemals seine Mutter betrĂŒgen wĂŒrde. "Was kann ich fĂŒr euch liebreizendes PĂ€rchen denn tun, hm?"

"Wir wĂŒrden gern nur nach oben gehen, auf die Spitze des Leuchtturms und die Aussicht genießen. WĂ€re das möglich?", stellte Farael schließlich seine Frage an Manhir.

Einen kurzen Moment meinte Farael EnttĂ€uschung in den Augen seines Vaters sehen zu können, doch der Augenblick war schnell vorĂŒber und das Grinsen seines Vaters am strahlen. "NatĂŒrlich, natĂŒrlich. Passt aber bitte bloß auf, dass ihr euch am Feuer nicht verbrennt. Und wenn ihr es unbedingt miteinander treiben mĂŒsst, dann macht es im Liegen, damit der Lichtschein des Leuchtturms nicht unterbrochen wird und euch die halbe Stadt sieht." Farael schlug sich die Hand gegen die Stirn, ließ das Gesagte aber unkommentiert. Sein Vater grinste hingegen nur verwegen.

"Danke dir", antwortete Farael und deutete Ana an, ihm zu folgen. Auf halben Weg auf der Treppe blickte Farael hingegen noch einmal nach unten und schaute seinen Vater an. "Wie geht es Mutter?", fragte er.

"Sie steckt noch in den Verhandlungen. Es wird wohl noch dauern, bis eine Einigung stattfindet."

Wissend nickte Farael und ging darauf weiter die Stufen hinauf. Was die Worte seines Vaters bedeuteten, musste nur er in diesem Moment wissen, doch sie betrĂŒbten ihn auch etwas. Schließlich war seine Mutter in Gefangenschaft geraten und sie bezahlten gemeinsam jeden Monat Geld an die Stadtwache, damit sie ihn nichts antaten. Noch liefen die Verhandlungen darĂŒber, welche Summe fĂŒr ihre Freilassung von Nöten war. Dies geschah, wenn man die falsche Person in Obenza bestahl.

Nach einer endlosen Anzahl an Stufen, kamen Farael und Ana oben an der Spitze des Leuchtturms an. Die Sonne versank bereits zur HĂ€lfte im Horizont und tauchte den Himmel in ein wunderschönes Abendrot. Solch ein Anblick machte es Farael ohne Probleme möglich, die Sorgen und die anstehenden Aufgaben fĂŒr einen Moment zu vergessen und sich nur auf das Sein zu konzentrieren. Auch der bestĂ€tigende Anblick der noch immer rauchenden Ruinen des obenzischen Söldnerlagers störten ihn in diesem Moment kaum.

Stattdessen löste er die Schwertscheide von seinem GĂŒrtel und lehnte diese samt Schwert an einer der SĂ€ulen. Köcher und Bogen folgten darauf, so dass Farael bequem sitzen konnte. Er machte es sich im Schneidersitz vor der Feuerschale gemĂŒtlich, wobei die Flammen seinen RĂŒcken wĂ€rmten. Auffordernd klopfte er auf den Platz neben sich, um Ana zum Sitzen einzuladen. "Schöne Aussicht, nicht wahr?", meinte er darauf, ohne den Blick vom Horizont zu nehmen. "Fast so, als ob die Welt in Frieden leben und ganz ohne Waffen auskommen wĂŒrde."

Im nĂ€chsten Augenblick kam ihm die Begegnung mit seinem Vater wieder in den Sinn. Lautstark seufzte er und sein Blick ging zu Ana. „Tut mir leid wegen meines Vaters. Er ist manchmal 
 sehr speziell. Man gewöhnt sich dran. Er ist an sich aber eine treue und gute Seele“, erklĂ€rte er und lĂ€chelte etwas verlegen, offensichtlich beschĂ€mt aufgrund seines Vaters.