Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Von Blut, Sold und Liebe

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S├Âldnerlager der Raubv├Âgel
Ein wilder Haufen von arbeitslosen S├Âldnern schloss sich zusammen, um ein eigenes S├Âldnerlager aus dem Boden zu stampfen. Ihr Ziel: Geld zu verdienen und dabei noch Spa├č zu haben. Jeder Haudegen, der sich an ein paar Regeln halten kann, ist hier willkommen.
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Farael Dornenwind
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#11

Beitrag von Farael Dornenwind » Sa 6. Jan 2018, 13:57

Zugegeben, ein wenig schaffte es Ana Faraels Gem├╝t zu erhellen. Auch wenn sie die ├ťberbringerin schlechter Nachrichten war, so hatte sie dennoch etwas an sich, was Farael zum Schmunzeln brachte. Ob es ihre Art war oder aber wie sie mit dem Leben umging. Etwas sagte Farael, dass er ein Exemplar der ganz Besonderen Sorte vor sich stehen hatte. Zumindest im Vergleich mit den sonstigen Frauen in Obenza. Also entschied er sich, vorerst an der Seite der Norkara zu bleiben und entspannt neben ihr zu wandeln, um den Abend vielleicht doch noch entspannt ausklingen zu lassen.

ÔÇ×Das klingt nach 'nem Plan. Daf├╝r kriegst du sp├Ąter mal einen ausgeschenkt, versprochenÔÇť, verk├╝ndete Farael seine Antwort und lief gemeinsam mit Ana durch die Stra├čen Obenzas, bis hin zum Markt. Auf dem Weg konnte er sich aber eines nicht ganz verkneifen: ÔÇ×So so, ein Zufall dass du frei hast, ja? Dieser v├Âllige Zufall kann nicht zuf├Ąlligerweise damit zusammenh├Ąngen, dass du dich in angenehmer und attraktiver Gesellschaft befindest?ÔÇť Ein verschmitztes L├Ącheln legte sich auf die Lippen Faraels, als er Ana anblickte. ÔÇ×Und nat├╝rlich hast du mich nicht das ein oder andere Mal genauer betrachtetÔÇť, feixte Farael.

Nat├╝rlich konnte Ana nicht wissen, dass Farael bluffte. Er hatte keinerlei Blicke von ihr gesehen noch wirklich Interesse ihrerseits versp├╝rt, wenn man von der aktuellen Situation absah. Sein Blick wurde neugierig und er hoffte, Ana in Verlegenheit versetzen zu k├Ânnen. Er fand es ├Ąu├čerst lustig, wenn Frauen vor Scham err├Âteten oder sich ertappt f├╝hlten. Dann wurden die Meisten immer mucksm├Ąuschenstill, was Farael stets am├╝sierte.

ÔÇ×Ich meine na gut, ein ganz romantisches Treffen auf der Spitze des Leuchtturms, mit Wein und im Licht der untergehenden Sonne. Dagegen habe ich nichts. Hat einen gewissen Charme.ÔÇť Farael musste sich enorm zur├╝ckhalten, um nicht lauthals loszulachen. Die Situation war ein wenig seltsam. Er hatte sie auf der Stra├če als K├Âder f├╝r Banditen genutzt, diese vor ihren Augen abgeschlachtet und nun lud sie ihn zu einer Verabredung an einen Platz ein, an dem junge H├╝pfer sich mit ihrer ersten gro├čen Liebe verabredeten.

Pers├Ânlich hatte Farael gar nichts dagegen, im Gegenteil. Einige Geschichten und Dramen die er in seiner Freizeit gelesen hatte, und besser verschwieg er womit er die letzten Tage verbracht hatte, endeten meist mit einem ├Ąu├čerst romantischen Ende, nachdem sich die Ereignisse komplett ├╝berschlagen hatten. Nicht dass das Leben wie in einem Buch w├Ąre. Doch genau in diesem Moment zeigte die Absurdit├Ąt, der wohlgemerkt angenehm war, wie seltsam manchmal die Bahnen verlaufen und Ereignisse die seltsamsten Menschen zusammenbringen konnten.

Mittlerweile waren sie am Markt angekommen, an dem es f├╝r diese Zeit ├╝blich noch einige St├Ąnde gab, an denen man sich bedienen konnte. Unter anderem auch H├Ąndler f├╝r edelste Weine und Biere.

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#12

Beitrag von Schwarze Ana » Fr 12. Jan 2018, 13:31

ÔÇ×Attraktive Gesellschaft?ÔÇť, fragte Ana und drehte den Kopf suchend zu allen Seiten. ÔÇ×Wo?ÔÇť Sie hielt ihren Ausdruck ernst und blickte Farael scheinbar neugierig an, erstarrte aber dann und zog misstrauisch die Augenbrauen zusammen. Hatte er ihre Blicke bemerkt? Selbstverst├Ąndlich hatte sie ihn abgesch├Ątzt und das nicht nur, um seine Ausr├╝stung zu pr├╝fen. Dieser Alb war eine w├╝rdige Konkurrenz, so viel stand fest. Ihre Augen glitzerten, als sie ein beschw├Ârendes L├Ącheln aufsetzte, um die Situation spielerisch zu l├Âsen, doch Farael kam ihr zuvor, offensichtlich h├Âchst am├╝siert, was durch ihr aller M├╝hen zum Trotz nun vollkommen ├╝berrascht drein schauendes Gesicht noch verst├Ąrkt wurde. Sie hatte gar nicht dar├╝ber nachgedacht wie ihre Einladung klingen musste! Immerhin war Romantik f├╝r sie so ├╝berfl├╝ssig wie alkoholfreies Bier, da hatte sie nicht den winzigsten Gedanken an die Wahl des Ortes verschwendet. Was mochte Farael nun von ihr denken? Dass sie ein naives Prinzesschen war, das leicht bekleidet durch Obenza schlenderte und nach einem Prinzen f├╝r einen romantischen Sonnenuntergang Ausschau hielt? Der Gedanke lie├č schlie├člich auch sie grinsen. Vielleicht war es ja gar nicht so schlecht, wenn er solch ein Bild von ihr hatte. ÔÇ×Ich bin ein unschuldiges RehÔÇť, dachte sie sich belustigt und doch wurde sie das leichte Schamgef├╝hl ob der merkw├╝rdigen Situation nicht ganz los und war umso froher, als sie den Markt erreichten und sie die Gelegenheit nutzen konnte, das Thema zu wechseln.

Es herrschte noch reges Treiben auf dem gro├čen Platz und sehns├╝chtig blickte Ana zu den H├Ąndlern, die edle Tropfen aus ganz Asamura nach Obenza brachten. Sie hatte schon solche Weine und andere K├Âstlichkeiten gekostet, als ein reicher Kaufmann in ihre F├Ąnge geraten war und sich am Ende mit wesentlich weniger Geld aber ohne ersehntes Gl├╝ckserlebnis wieder gefunden hatte. Normalerweise war dies allerdings nicht ihre Liga und da sie heute selber zahlen musste, steuerte sie in eine andere Richtung. In den engeren, dunkleren und schmutzigeren Bereichen des Marktes tummelte sich das Gesindel und hier kaufte man nur, wenn man keine andere Wahl hatte oder wusste, was man tat. F├╝r Ana galt meist sowohl als auch.

ÔÇ×Hey AnaÔÇť, knurrte ein knochiger alter Mann mit Pfeife, an dessen Stand sie vorbei kamen. ÔÇ×Alles gut?ÔÇť Er spuckte eine Ladung braunen Tabaksaft auf die Stra├če und hustete r├Âchelnd. ÔÇ×Danke, Jon, alles bestens. Wir gehtÔÇÖs dir? Was macht die Frau?ÔÇť ÔÇ×AchÔÇť, murrte Jon mit einer genervten Handbewegung, ÔÇ×noch immer nicht tot! Die Alte ist z├Ąh wie ein Spelunkenschnitzel. Ich glaube, die muss einer erschlagen, damit sie endlich stirbt.ÔÇť Lauthals lachte er los und verfiel schlie├člich in einen heftigen Hustenanfall. Die Menge schob sie weiter und Ana winkte dem alten Jon zum Abschied. ÔÇ×Ein Stammgast im Durstigen OchsenÔÇť, erkl├Ąrte sie Farael. ÔÇ×Gibt mir immer gutes Trinkgeld.ÔÇť

ÔÇ×SoÔÇŽÔÇť, die Norkara bliebt bei einem kleinen Marktstand stehen, der unter dem Gewicht staubiger Flaschen ├Ąchzte. ÔÇ×Den Wein hier kann man trinken. Bier gibt es auch. Worauf hast du Lust?ÔÇť
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#13

Beitrag von Farael Dornenwind » Sa 13. Jan 2018, 13:15

Frech wie Ana mit ihrer ersten Aussage war, beeindruckte sie Farael. Eine Eigenschaft die Farael an Frauen mochte. Sie war nicht spitzz├╝ngig, aber konnte durchaus auf seine Worte reagieren und das auf eine Art, die weder verlogen noch unangenehm war. Allein daran konnte er erkennen, dass Ana etwas im Kopf haben musste und nicht nur an das Aufrei├čen von M├Ąnnern dachte. Zumindest hoffte Farael es. Obgleich ihrer frechen Art, musste er darauf dennoch grinsen und genoss die Situation in vollen Z├╝gen.

Dem tat es keinen Abbruch, als sich Ana offensichtlich ertappt f├╝hlte. Trotz dessen dass Farael geraten und somit keine genaue Beobachtung vorgebracht hatte, erfreute es ihn umso mehr, dass er aus Zufall Recht gehabt hatte. Sie hatte ihn also tats├Ąchlich ├╝ber seine Ausr├╝stung hinweg gemustert. Nat├╝rlich hatte das Farael genau so bei ihr getan, doch er war ein Kerl und die Meisten erwarteten das. Nichts Ungew├Âhnliches zumindest, f├╝r einen Mann seines Schlages. Allein bei diesen Gedanken, eine Frau dabei erwischt zu haben und dann ausgerechnet das Ziel der Begierde zu sein, trieb Farael ein Grinsen ins Gesicht. Ana war weit entfernt davon, ein unschuldiges und reines Wesen zu sein, welches keiner Fliege etwas zu leide tun konnte.

Schlie├člich quetschten sie sich durch die Massen des Marktes und Farael beschlich das Gef├╝hl, dass es keine gute Idee war, sich in dieser Masse zu bewegen. Im Gegenteil. Hier und da sp├╝rte ein paar gierige H├Ąnde, die nach seinem G├╝rtel, oder genauer seinem Gelds├Ąckel, greifen wollten. Obenza war in diesen Belangen schlimm. Die Bettler stahlen um zu ├╝berleben, die ausgebildeten Diebe stahlen um ihren Reichtum zu mehren. Jedes Mal wenn Farael eine sich herannahende Hand erblickte, schaute er deren Besitzer mit einer b├Âsem Blick an und deutete auf sein Schwert. Jeder zog sofort seine Hand zur├╝ck und verschwand in der Menge. Zu dieser Zeit hasste er den Marktplatz. Man war nie sicher vor Taschendieben.

Aus diesem Grund bekam Farael auch kaum etwas von dem Gespr├Ąch zwischen Ana und einem Standbesitzer mit. Nur die letzten Wortfetzen und ihre Verabschiedung bemerkte er, an sich fragte er sich aber auch nicht wer das war. Ana erkl├Ąrte mit ihren n├Ąchsten Worten, wer dieser Mann war und woher sie ihn kannte. An sich etwas, was kaum interessant f├╝r ihn war, doch da es Ana war, die es ihm erz├Ąhlte, versuchte sich Farael daf├╝r zu interessieren. ÔÇ×Ah, okayÔÇť, nickte er best├Ątigend, als er seinen Kopf wandte und den H├Ąndler ein letztes Mal betrachtete, ehe er durch die Menge verdeckt wurde.

Pl├Âtzlich hielt Ana vor einem der Marktst├Ąnde an, welche ├╝berladen mit den verschiedensten alkoholischen Getr├Ąnken war. Die Auswahl war, f├╝r den Markt Obenzas und dem Pflaster in dem sie sich befanden, doch recht un├╝blich. Wein, Met und Bier l├Ąchelten Farael entgegen und sein Griff ging zu einer ihm bekannten Sorte. Aus dem Sortiment zog er eine Flasche Wein hervor. Sie stammte aus Souvagne, war ein halbtrockener Rotwein und hatte f├╝r die Qualit├Ąt einen relativ niedrigen Preis. Farael musste aus offensichtlichen Gr├╝nden h├Ąufiger auf diesen Markt gehen und sich einer dieser Flaschen erstehen. Seine Bezugsquellen waren wesentlich teurer.

ÔÇ×Tats├Ąchlich w├╝rde ich vorschlagen, wir nehmen den hier. Und zum Vorgeschmack zwei Flaschen SchwarzbierÔÇť, erkl├Ąrte Farael und griff erneut in die Auswahl, als er zwei Flaschen des besagten Bieres. ÔÇ×Guter Preis f├╝r das, was es sonst kostet.ÔÇť Fragend blickte er Ana an und wartete auf ihre Antwort ab, als ihm noch etwas einfiel. ÔÇ×Ach ja, was den Leuchtturm betrifft, brauchst du kein Geld z├╝cken. Der Leuchtturmw├Ąrter schuldet mir noch einen Gefallen.ÔÇť Zumindest etwas, was Farael zu diesem Treffen beitragen konnte.

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#14

Beitrag von Schwarze Ana » So 21. Jan 2018, 11:27

Der Rotwein, den Farael w├Ąhlte, war relativ teuer. Ana willigte dennoch ein, denn sie wollte nicht durchscheinen lassen, dass sie normalerweise ganz anderen Rotz in sich hinein kippte. Und warum auch nicht? Ab und zu etwas zu trinken, das auch schmeckte, war keine schlechte Sache. Auch das Schwarzbier erhielt Anas Zustimmung. Somit konnte sie sich schon mal das Abendbrot sparen. ÔÇ×Alles klar, die nehmen wirÔÇť, sagte sie halb zu Farael, halb zu dem H├Ąndler. Sie ├Âffnete ihren kleinen Beutel gerade so weit, dass sie ein paar M├╝nzen herausfischen konnte, darauf bedacht, dass der Rest danach wieder fest verschn├╝rt war und reichte das Geld ├╝ber den Ladentisch hinweg.

Neugierig drehte sie den Kopf zu Farael hin├╝ber. Er kannte den Leuchtturmw├Ąrter? War er m├Âglicherweise ├Âfter am Hafen? Konnte es gar sein, dass er sie schon ab und zu dort gesehen hatte und ihr Zusammentreffen heute gar kein Zufall war? ÔÇ×Er ist ein S├ÂldnerÔÇť, sagte sie sich. ÔÇ×Vermutlich hat er nur einen Auftrag f├╝r den Mann erledigt.ÔÇť Trotzdem konnte sie das Misstrauen nicht ganz aus ihrem Ausdruck wischen. Sie spielte gerne Spiele mit anderen, doch war ungern selbst der Spielball. Die ganze kurze Zeit, die sie nun in Faraels Gesellschaft verbracht hatte, hatte sie das Ruder nicht so recht an sich rei├čen k├Ânnen. Es glitt ihr immer wieder durch die Finger, so sehr sie sich auch danach reckte und diese Schwebe, diese kleine Unsicherheit, l├Âste ein ambivalentes Gef├╝hl in ihr aus. Es war ihr unwohl, vielleicht f├╝rchtete sie sich gar ein wenig, war zumindest wachsam und angespannt, doch zeitgleich reizte es sie ungemein, spornte sie an, das Spiel weiter zu treiben, aufgeregt und voller Vorfreude, was noch passieren w├╝rde. Sie wollte es sich noch nicht so recht eingestehen, doch dieser Alb hatte wahres Interesse in ihr geweckt, nicht das ├╝bliche Vorgegaukel, das sie sich selbst in den letzten Jahren zum Schild gemacht hatte.

Mit den Getr├Ąnken im Gep├Ąck bahnten sie sich den Weg durch den restlichen Marktbereich. Auch an den Docks herrschte noch reges Treiben. Schiffe wurden be- und entladen, gebr├╝llte Befehle flogen durch die Luft und das schmutzige Wasser gurgelte in den Hafenbecken. Westlich tat sich der Rotlichtbezirk auf, mit der verruchten Eleganz einer gepuderten Dirne und gleichzeitig nicht weniger dreckig und gef├Ąhrlich als der Rest von Obenza. Weiter au├čen war das Meer sauberer und Ana nahm einen tiefen Atemzug der salzigen Brise. Auf der anderen Seite der Tangobucht baute sich die Oberstadt auf und Farael blickte in die Richtung, in der einst das S├Âldnerlager gestanden hatte. M├Âglicherweise konnten sie von der Spitze des Leuchtturms etwas davon erkennen. Wesentlich gr├Â├čer als der alte, streckte der Turm sich stolz in den Himmel und Ana freute sich richtig darauf, nach oben zu gehen und hinaus auf die ewige Weite des Meeres zu blicken, ihr eigentliches Zuhause.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#15

Beitrag von Farael Dornenwind » Di 23. Jan 2018, 10:37

Auff├Ąllig ruhig verhielt sich Ana, w├Ąhrend sie sich am Marktstand ihre Getr├Ąnke kauften und schlie├člich weiter zum Hafenbezirk Obenzas aufmachten Farael wunderte sich bereits, was aus der frechen und dreisten Art der jungen Frau geworden war. Sie gab keinen Ton mehr von sich und wanderte neben ihm her, als ob sie entweder nachdachte, oder aber etwas ausheckte. Letzteres f├╝r ihn schien unwahrscheinlich, was sollte sie schon tun? Au├čer ihm vielleicht ein Messer in den R├╝cken rammen oder die Getr├Ąnke vergiften. Farael musste etwas grinsen und die Gedanken aus seinem Kopf sch├╝tteln. Zu sehr hatte er gerade an die Vergangenheit denken m├╝ssen, in der diese Gefahren jeden Tag Realit├Ąt waren. Doch Ana war weder sichtbar eine feindliche S├Âldnerin, noch war Farael l├Ąnger aktiv. Zumindest nicht als Anf├╝hrer eines ganzen Lagers.

So schlenderten sie durch das schmutzige Hafenviertel Obenzas. M├Âwen kreischten ├╝ber ihren K├Âpfen und das Rauschen des Meeres gegen die Piere der Stadt waren zwei best├Ąndige Ger├Ąusche, die stets zu h├Âren waren. F├╝r die D├Ąmmerung ├╝blich, arbeiteten noch immer diverse Schiffsmanschaften, die meisten davon Schmuggler. Sie l├Âschten gerade angebrachte Ware oder machten sich bereit, um den Anker zu lichten. Es war nicht verwunderlich, dass viele im Schutz der Dunkelheit in See stachen, um besser den Patrouillen der gr├Â├čeren Fraktionen entgehen zu k├Ânnen. Zumindest hatte das sein Vater immer erz├Ąhlt und irgendwo klang dies auch logisch. Die gro├čen Fraktionen, wie zum Beispiel die Ordnung, hatten etwas gegen die Gesch├Ąfte der Schmuggler.

Nach einiger Zeit des entspannten Spazierganges, schritten Ana und Farael auf den Leuchtturm zu, dessen Feuer bereits entz├╝ndet worden war. Denkmal und Leitstrahl zugleich, hatte er eine gewisse Anziehungskraft auf Gesindel und Schiffe gleicherma├čen. Nicht selten sah man Bettler und Hunde, auch Hundewandler, in der N├Ąhe des Leuchtturms. Der Leuchtturmw├Ąrter hingegen versuchte alles ordentlich zu halten, was auch das Fernhalten von den Personen beinhaltete. Zum aktuellen Zeitpunkt war es rund um den Leuchtturm ruhig, wof├╝r Farael mehr als dankbar war.

Gemeinsam schritten Ana und Farael die Treppen hinauf zum Leuchtturm, worauf sie schon bald vor einer schweren Holzt├╝r standen. In diesem Moment hielt Farael allerdings inne und blickte nachdenklich Ana an. "Eine Warnung vorweg: Lass dich nicht durch die Worte der W├Ąrters ├Ąrgern. Und untersch├Ątze weder seine Abstammung noch sein Aussehen. Glaube mir, er ist mehr als das, was er zu sein scheint", erkl├Ąrte er und klopfte schlie├člich drei Mal laut an der T├╝r. Von innen heraus war das Schieben eines M├Âbelst├╝cks zu h├Âren, gefolgt von Schritten die sich der T├╝r n├Ąherten. Darauf folgte mehrmals ein metallisches Klicken, ehe sich die T├╝r nach innen zu ├Âffnen begann.

In der T├╝r stand ein ├Ąlterer Waldalb, dessen Erscheinungsbild mehr an einen Greis erinnerte. Seine Gesichtsz├╝ge waren mit tiefen Furchen durchzogen, eine Narbe zog sich von seiner Stirn ├╝ber das linke Auge. "Ah, Farael!", gr├╝├čte ihn der ├Ąltere Mann mit einem L├Ącheln, ehe er seine Arme zu einer Umarmung ausbreitete, welche Farael auch erwiderte. "Lang nicht mehr gesehen, du verdammter Herumtreiber. Und wie ich sehe hast du sogar ├╝beraus h├╝bsche Begleitung mitgebracht. Respekt, sie kann sich sehen lassen." Mit einem Grinsen ├╝ber beide Ohren musterte der Mann Ana ausgiebig von Kopf bis Fu├č.

"Hallo Vater", erwiderte Farael schlie├člich und blickte schlie├člich ermahnend, als er den Kommentar Manhirs bez├╝glich Ana h├Ârte. Mit einer Handbewegung lud Faraels Vater die Beiden in den Leuchtturm ein, worauf er hinter ihnen die T├╝r schloss. Das innere des Leuchtturms, war hingegen jeder Erwartung, gut eingerichtet. In diesem Stockwerk standen Tisch, Kochstelle und Schreibtisch versammelt und angepasst an die runde Form des Turms.

"Verzeihung, ich verga├č meine Manieren", erg├Ąnzte Manhir schlie├člich, verbeugte sich vor Ana und nahm deren Hand, um einen Handkuss anzudeuten. "Manhir Dornenwind, Vater von dem guten Farael und Leuchtturmw├Ąrter dieser heimeligen Unterkunft." Farael rollte darauf mit den Augen und verschr├Ąnkte die Arme vor der Brust. Mit Manieren hatte dies wohl kaum etwas zu tun, sein Vater neigte dazu, jede Frau so zu behandeln. Obgleich er verheiratet war oder nicht. Wie seine Mutter es mit ihm aushielt, war Farael immer ein R├Ątsel, doch sie war nicht unbedingt von einem anderen Schlag. Trotz dessen wusste Farael, dass sein Vater immer treu war und niemals seine Mutter betr├╝gen w├╝rde. "Was kann ich f├╝r euch liebreizendes P├Ąrchen denn tun, hm?"

"Wir w├╝rden gern nur nach oben gehen, auf die Spitze des Leuchtturms und die Aussicht genie├čen. W├Ąre das m├Âglich?", stellte Farael schlie├člich seine Frage an Manhir.

Einen kurzen Moment meinte Farael Entt├Ąuschung in den Augen seines Vaters sehen zu k├Ânnen, doch der Augenblick war schnell vor├╝ber und das Grinsen seines Vaters am strahlen. "Nat├╝rlich, nat├╝rlich. Passt aber bitte blo├č auf, dass ihr euch am Feuer nicht verbrennt. Und wenn ihr es unbedingt miteinander treiben m├╝sst, dann macht es im Liegen, damit der Lichtschein des Leuchtturms nicht unterbrochen wird und euch die halbe Stadt sieht." Farael schlug sich die Hand gegen die Stirn, lie├č das Gesagte aber unkommentiert. Sein Vater grinste hingegen nur verwegen.

"Danke dir", antwortete Farael und deutete Ana an, ihm zu folgen. Auf halben Weg auf der Treppe blickte Farael hingegen noch einmal nach unten und schaute seinen Vater an. "Wie geht es Mutter?", fragte er.

"Sie steckt noch in den Verhandlungen. Es wird wohl noch dauern, bis eine Einigung stattfindet."

Wissend nickte Farael und ging darauf weiter die Stufen hinauf. Was die Worte seines Vaters bedeuteten, musste nur er in diesem Moment wissen, doch sie betr├╝bten ihn auch etwas. Schlie├člich war seine Mutter in Gefangenschaft geraten und sie bezahlten gemeinsam jeden Monat Geld an die Stadtwache, damit sie ihn nichts antaten. Noch liefen die Verhandlungen dar├╝ber, welche Summe f├╝r ihre Freilassung von N├Âten war. Dies geschah, wenn man die falsche Person in Obenza bestahl.

Nach einer endlosen Anzahl an Stufen, kamen Farael und Ana oben an der Spitze des Leuchtturms an. Die Sonne versank bereits zur H├Ąlfte im Horizont und tauchte den Himmel in ein wundersch├Ânes Abendrot. Solch ein Anblick machte es Farael ohne Probleme m├Âglich, die Sorgen und die anstehenden Aufgaben f├╝r einen Moment zu vergessen und sich nur auf das Sein zu konzentrieren. Auch der best├Ątigende Anblick der noch immer rauchenden Ruinen des obenzischen S├Âldnerlagers st├Ârten ihn in diesem Moment kaum.

Stattdessen l├Âste er die Schwertscheide von seinem G├╝rtel und lehnte diese samt Schwert an einer der S├Ąulen. K├Âcher und Bogen folgten darauf, so dass Farael bequem sitzen konnte. Er machte es sich im Schneidersitz vor der Feuerschale gem├╝tlich, wobei die Flammen seinen R├╝cken w├Ąrmten. Auffordernd klopfte er auf den Platz neben sich, um Ana zum Sitzen einzuladen. "Sch├Âne Aussicht, nicht wahr?", meinte er darauf, ohne den Blick vom Horizont zu nehmen. "Fast so, als ob die Welt in Frieden leben und ganz ohne Waffen auskommen w├╝rde."

Im n├Ąchsten Augenblick kam ihm die Begegnung mit seinem Vater wieder in den Sinn. Lautstark seufzte er und sein Blick ging zu Ana. ÔÇ×Tut mir leid wegen meines Vaters. Er ist manchmal ÔÇŽ sehr speziell. Man gew├Âhnt sich dran. Er ist an sich aber eine treue und gute SeeleÔÇť, erkl├Ąrte er und l├Ąchelte etwas verlegen, offensichtlich besch├Ąmt aufgrund seines Vaters.

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#16

Beitrag von Schwarze Ana » Fr 26. Jan 2018, 10:40

Faraels Z├Âgern und seine Worte irritierten Ana. Einen Gefallen sollte der W├Ąrter ihm schulden? Es wirkte eher so, als kenne Farael den Mann ziemlich gut. Das ganze Prozedere hindurch, das es brauchte, bis die T├╝r endlich aufschwang, spannte die Norkara sich innerlich an, neugierig und misstrauisch zugleich. Ein alter Mann ├Âffnete, was Ana nicht weiter verwunderte. Irgendwie schien es ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass ein Leuchtturmw├Ąrter bejahrt sein musste. Dass es sich um einen Alben handelte, erstaunte Ana allerdings schon und seine Art zu sprechen kam ihr unterschwellig bekannt vor, auch wenn sie nicht ganz greifen konnte, an wen sie sich erinnert f├╝hlte. Farael? NeinÔÇŽ das konnte nicht sein, immerhin kannte sie ihn ja kaum. Bestimmt lag es nur daran, dass er ebenfalls ein Alb war... Angestrengt ├╝berlegte sie noch, wer es sonst sein konnte, als Farael den Mann gr├╝├čte. Ana klappte die Kinnlade hinunter. Vater??? Der Leuchtturmw├Ąrter war Faraels Vater??? Wie irrsinnig musste es ihm vorgekommen sein, dass sie ausgerechnet diesen Ort ausgew├Ąhlt hatte? Und wieso hatte er nichts gesagt? Mit Sicherheit bereitete es ihm gro├čen Spa├č, sie so zu ├╝berraschen. Ana musste sich eingestehen, dass sie es ebenso genossen h├Ątte. Sie versuchte ihr Erstaunen hinunter zu schlucken und zwang ihre Gesichtsz├╝ge zur├╝ck in Normalzustand, sagte erst einmal nichts und nahm stattdessen den Raum in Augenschein. Sofort f├╝hlte sie sich wohl. Die Enge und die runde Form, gepaart mit der Einrichtung, die sich perfekt an die W├Ąnde des Turms schmiegte, verursachten eine wohnliche, heimelige Atmosph├Ąre.

ÔÇ×Freut michÔÇť, entgegnete Ana und musste grinsen. Jetzt, da sie um Faraels und Manhirs Verbindung wusste, war die ├ähnlichkeit in Gestik und Mimik unverkennbar. Umso mehr am├╝sierte sie, dass Farael sich ├╝ber seines Vaters Verhalten br├╝skierte. ÔÇ×Ich bin AnaÔÇť, f├╝gte sie an und war versucht, ihn bez├╝glich des Beziehungsstandes von Farael und sich selbst zu berichtigen, belie├č es dann aber dabei. Der alte Alb schien ohnehin eine ganz eigene Vorstellung von ihren Pl├Ąnen f├╝r den Abend zu haben und Ana fragte sich, ob dies etwas war, was Farael normalerweise zu tun pflegte. Sie musste sich eingestehen, dass sie ├╝ber diese M├Âglichkeit selbst schon nachgedacht hatte. Immerhin war der Alb ein schneidiger Kerl und unter seiner R├╝stung verbarg sich mit Sicherheit Einiges, das Frauenherzen h├Âher schlagen lie├č. Doch irgendwie hatte sich dieser Gedanke nicht richtig angef├╝hlt. Etwas in ihr wollte Farael besser kennenlernen, anders kennenlernen. Er sollte sich nicht in die Liste der kurzweiligen Freuden einreihen, die man nie wieder sah und auch nicht sehen wollte. So dachte zumindest ein Teil von ihr.

Eines lernte sie jetzt schon ├╝ber den Alben: Seine Mutter steckte in Schwierigkeiten. Es war jedoch kaum m├Âglich zu sagen, wie er dar├╝ber dachte, welche Gef├╝hle dies in ihm weckte und in welchem Verh├Ąltnis er zu ihr stand. Zudem wirkte es nicht so, als w├╝rde er gerne mit ihr dar├╝ber debattieren. Ana nahm sich vor, ihn trotzdem sp├Ąter danach zu fragen, vielleicht nachdem der Wein ihre Zungen ein wenig gelockert hatte.

Der Ausblick von der Spitze des Leuchtturms ├╝bertraf alles, das Ana sich ausgemalt hatte. Der Zeitpunkt war ideal und es bot sich ein Traum von einem Abendhimmel. Die Norkara blickte eine kurze Weile einfach nur hinaus auf das Meer, folgte dann Faraels Einladung, sich zu ihm zu setzen. Vorsichtig stellte sie ihren Lautenkasten neben Faraels Waffen ab. ÔÇ×Ja, wundersch├ÂnÔÇť, hauchte sie. Mit einem lauten Plopp entkorkten sie die Bierflaschen und stie├čen an. ÔÇ×AchÔÇť, schmunzelte Ana, ÔÇ×ich glaube, ich mag deinen Vater.ÔÇť Und sie meinte es auch so. ÔÇ×Was dein Gl├╝ck ist, denn ich finde, du bist ihm recht ├ĄhnlichÔÇť, f├╝gte sie spitzb├╝bisch an. ÔÇ×Lebt er schon lange hier?ÔÇť
Sie nahm einen gro├čen Schluck und merkte, dass sie schon lange kein Bier mehr getrunken hatte. Nun war es umso k├Âstlicher. Ana liebte die weiche Cremigkeit des Schwarzbieres gepaart mit einer leichten Bitternote, wie von starkem Kaffee. Das rauschende Feuer des Leuchtturms machte ihre leichte Kleidung wett und sie war froh, heute einmal fern von stickigen und klebrigen Tavernen zu sein, wo M├Ąnner und Frauen gr├Âlten und rauften, wo es stank und beengt war. Hier oben machte die frische Brise vergessen, dass die Gro├čstadt nicht weit war und Farael hatte Recht: fast konnte man das wahre Gesicht dieser Welt vergessen, wenn man hinaus blickte.
ÔÇ×Ich habe auf See gelebtÔÇť, sagte Ana nach einiger Zeit gedankenverloren. ÔÇ×Da gab es fast jeden Abend einen Anblick wie diesen.ÔÇť Sie zog die Knie an und umfasst sie mit den Armen. ÔÇ×Warst du schon einmal auf einem Schiff?ÔÇť
Sie leerte ihr Bier und blickte sehns├╝chtig zu der Flasche Wein, die Farael daraufhin packte und geschickt ├Âffnete.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#17

Beitrag von Farael Dornenwind » Mo 29. Jan 2018, 22:51

Farael:
Seit Langem war es das erste Bier, welches Farael getrunken hatte. Noch nie konnte er Bier wirklich leiden oder dessen Geschmack genie├čen, auch wenn er es gern als 'Fr├╝hst├╝ck' vor den h├Ąrteren Getr├Ąnken zu sich nahm. Das stimmte den K├Ârper wunderbar auf das Kommende ein und wenn man dann den Geschmack eines edlen Tropfens danach genoss, baute sich eine einzigartige Geschmacksmischung auf, welche ihre ganz eigene Note entfaltete.

Das Bier machte es auch sogleich einfacher, Anas freche Bemerkungen und den Unterton den sie inne hatte entspannter zu sehen. Nur ungern lie├č sich Farael mit seinem Vater vergleichen. "Ja, tats├Ąchlich lebt er schon l├Ąnger hier. Zu lang wenn du mich fragst. Er ist hier aber auch nicht herauszubekommen. Im Gegenteil", antwortete Farael wahrheitsgem├Ą├č und zuckte mit den Schultern. Wenn er nur an die Diskussionen zur├╝ckdachte, die er mit seinem Vater gef├╝hrt hatte. Furchtbar. "Auf jeden Fall bin ich besser als er, also wird es ein leichtes, dass du mich sehr schnell m├Âgen wirst." Das unverkennbare Grinsen Faraels legte sich auf seine Lippen, welches er nur zu gern zur Schau stellte. Sie genossen ihr Bier und es war auch schnell leer, doch der wahre Genuss w├╝rde der Rotwein sein.

"Ob ich auf See war?", fragte Farael, w├Ąhrend er die Flasche entkorkte und zwei Gl├Ąser mit dem Inhalt bef├╝llte. "Nein, noch nie. Im Gegenteil. Ich bin eher jemand, der festen Boden unter seinen F├╝├čen bevorzugt. Mein Vater hat mich mal mit auf ein Boot genommen. Der Typ der das Deck schrubben musste, kam gar nicht hinterher, so oft wie ich das Schiff vollgekotzt habe." Farael erhob sein Weinglas und prostete Ana zu, ehe er am Wein nippte und schlie├člich seinen Blick auf die See richtete. "Eine Norkara wie du kommt nicht einfach mal nach Obenza, der ber├╝hmt-ber├╝chtigten Drecksloch. Was treib dich hierher?"

Ana:
Ana sah Farael von der Seite an, als er ├╝ber seinen Vater sprach. Da war es wieder, das charmante Grinsen. Wenngleich sie wusste, das eben diesem mit Sicherheit schon viele Frauen zum Opfer gefallen waren, konnte sie nicht umhin, den Anblick zu genie├čen. Er war ein gut aussehender Mann! Die warmen Gef├╝hle, die sich des Anblicks wegen in ihr breit gemacht hatten, verschwanden allerdings so schnell wie sie gekommen waren, als Farael von seiner Seeerfahrung berichtete. In Anas Volk galt auf einem Schiff zu brechen als ein Zeichen von Schw├Ąche. Wenn ein Norkara nicht zur See fahren konnte, war er nicht mehr als ein Kr├╝ppel ohne Beine. So zumindest der Wortlaut ihres Stammes. Nat├╝rlich wusste Ana, dass Farael kein Schw├Ąchling war. Trotzdem war das Bild, das sie von ihm hatte, nun ein wenig befleckt. "Dann werde ich dich am besten nie zu einer Exkursion aufs Meer hinaus einladen", sagte sie und schwor sich ebendies im Stillen. Sie wollte den Waldalben nicht zusammen gekr├╝mmt und zitternd ├╝ber einem Eimer sehen. Ana erwiderte den Prost. Der Wein war wirklich au├čerordentlich gut. "Ach", seufzte Ana, "das ist eine lange Geschichte." Sie wollte hier enden, doch Farael schien wirklich interessiert, sodass sie z├Âgerlich fortfuhr. "Lange Zeit hatten wir ein gl├╝ckliches und sorgenfreies Leben als falsche, unmoralische und r├╝cksichtslose Piraten... dann verstarb unser Kapit├Ąn in einem Gefecht und da wir keine Nachfolge fanden, gingen wir hier vor Anker. Warum eigentlich Obenza?" Sie gr├╝belte ein wenig, trank einen weiteren Schluck. "Wir waren nicht weit weg und es wimmelt hier von Seeleuten. Wir dachten, wir k├Ânnten bald wieder in See stechen. Doch es kam anders. Wir sind versackt und die Crew hat sich in der Stadt verteilt." Sie sah Farael mit ihren braunen Augen an. "Wenn der Ruf zur├╝ck ins Meer ert├Ânt, werde ich ohne Wehmut sofort aufbrechen. So lange wie du hier schon lebst... das k├Ânnte ich nicht. Wie schaffst du das, ohne verr├╝ckt zu werden, oder... naja, du wei├čt schon, komplett zu verwahrlosen?"

Farael:
Piraten also. Nat├╝rlich hatte Ana zuvor schon etwas in diese Richtung angedeutet, jedoch hatte Farael nicht g├Ąnzlich darauf geachtet. Piraten waren h├Ąufig f├╝r blutige Massaker auf See verantwortlich. In Sagen und Geschichten waren sie die Schrecken der Meere. Eine Pest die es auszurotten galt. Und doch sa├č Farael mit einer Piratin zusammen, genoss einen vorz├╝glichen Wein und, auch wenn er es wohl kaum offen zugegeben h├Ątte, auch Anas Gesellschaft. "Piratin also, hm? Seltsam. So wie du da sitzt, unschuldig und deinen Wein genie├čend, w├Ąre das erste Wort welches mir in den Sinn gekommen w├Ąre, definitiv nicht Pirat gewesen. Doch wie hei├čt es so sch├Ân? Der Schein tr├╝gt gern." Weiterhin grinste Farael breit und lehnte sich ein St├╝ck zur├╝ck. Die Sonne war nur noch zu einem Drittel zu sehen und das r├Âtliche Licht der D├Ąmmerung spiegelte sich wundersch├Ân im Wasser des Meeres. "Aber um das festzuhalten, du steckst hier fest? Wenn ich unsere Situation so betrachte, ist es nicht unbedingt zu deinem Nachteil, oder? Vielleicht s├Ąhe es anders aus, wenn du schon so lang hier leben w├╝rdest, wie ich es bereits tue. Doch man gew├Âhnt sich an die Dinge. Anfangs wollte ich auch nichts akzeptieren, was hier passierte. Meldete mich bei der Stadtwache und dachte, ich k├Ânnte etwas ver├Ąndern. N├Â, keine Chance. Die sind genau so korrupt unterwegs. Die Kunst hier nicht zu verwahrlosen ist wohl die, dass man selbst keine Skrupel haben darf, um in dieser Stadt zu ├╝berleben. Wenn du ein moralisch korrekter Mensch bist, kannst du dein Leben hier vergessen. Sieh' uns beide an. Wir passen gut hierher." Dabei deutet Farael mit seiner Hand auf seine Waffen, aber auch auf Anas Gewandung und Bewaffnung. "So wie du dich kleidest, bewegst und verh├Ąltst, vermutlich noch talentiert in anderen Dingen, hast du sicherlich keinerlei Probleme hier zu ├╝berleben." Einmal mehr musterte Farael Ana und machte auch keinen Hehl daraus. Er sp├╝rte den Alkohol in seinem K├Ârper und die W├Ąrme die davon ausging. Somit sparte er auch nicht damit offen zu zeigen, dass Ana sein Interesse geweckt hatte. "Die Gewandung einer Piratin steht dir aber ziemlich gut. Das muss man dir einfach lassen", f├╝gte er noch keck an und zwinkerte seiner Begleitung zu.

Ana:
Ob Anas... nun ja: Beruf nun eine positive oder negative ├ťberraschung f├╝r Farael war, vermochte die Norkara nicht zu sagen. Ganz absto├čend fand er es aber wohl nicht, denn weiterhin feixte er und schien sich sicher zu sein, dass Ana den Moment mit ihm genoss. Das ├Ąrgerte sie ein wenig, doch was nutzte es, zu tun, als t├Ąte sie das nicht? Ana musste lachen. Oh ja, wie Recht er hatte. Eigentlich gibt es keinen Ort, an den ich besser passen w├╝rde, dachte sie zynisch. S├╝nde pochte durch Obenzas Adern ebenso wie durch ihre eigenen. Doch war es nicht genau das, dem sie versucht hatte zu entkommen? Und war dieses Vorhaben ├╝berhaupt m├Âglich? Nat├╝rlich entging Ana die zweideutige Bemerkung des Alben nicht. Sie hatte andere Talente. Das dies aber so einfach zu erkennen war, hatte sie nicht erwartet. Andererseits... Faraels Blick rief ihr die Freiz├╝gigkeit ihrer Bluse in Erinnerung. Viele Frauen liefen so wahrscheinlich eher nicht durch eine Stadt voller woll├╝stiger Kriminelle, es sei denn, ihr Beruf verlangte es. "Da hast du wohl Recht", sagte sie und nahm die H├Ąnde ├╝ber den Kopf, lehnte sich daran an. "Die Verh├Ąltnisse hier sind wohl ├Âfter zu meinem Vorteil als umgekehrt." Farael schenkte ihr zuvorkommend Wein nach. "Allerdings hatte ich bislang gedacht, mit einem ehrlichen Verfechter des Rechts unterwegs zu sein. Ich f├╝rchtete schon, du k├Ânntest mich ebenfalls ├╝berf├╝hren oder niederstrecken. Denn eigentlich bin ich nicht viel mehr als ein r├Ąudiger Bandit." Ana wusste, dass sie flirtete. Widerwillen. Sich dagegen zu wehren war ihr aber noch nie leicht gefallen, vor allem nicht, wenn der Blick eines anderen sie derart herausforderte. Sie trank von dem frisch aufgef├╝llten Kelch und blickte den Alben ├╝ber den Rand hinweg an. "Bald sitzen wir auf dem Trockenen... oder m├╝ssen die Vorr├Ąte deines Vaters pl├╝ndern."

Farael:
Tats├Ąchlich forderte Ana Farael ebenfalls heraus. Ob es dem Alkohol oder einfach nur ihrer Bekanntschaft geschuldet war, vermochte er nicht zu sagen. Im Gegenteil. Dar├╝ber tappte er im Dunkeln. Doch was brachte es ihm, dar├╝ber zu sinnieren und genaustens zu analysieren, wenn er es einfach genie├čen konnte. Allerdings weckte Ana in ihm eine Seite, die er vor vielen verbarg, besonders vor anderen S├Âldnern. Sie forderte ihn auf eine angenehme Art und Weise, welche er sehr begr├╝├čte. "Wir brauchen nicht mehr Alkohol oder Wein. Beim meinem Vater wirst du auch nicht f├╝ndig, er trinkt nicht. Im Gegenteil. Er lehnt es streng ab." Mit Unschuldmiene und schiefem Grinsen entschuldigte sich Farael, ehe er die letzten tropfen aus der Flasche quetschte und gerecht aufteilte. Dies nur zur Erkl├Ąrung. Faraels Augenmerk lag jedoch klar auf Ana. Doch nicht um sie auszuziehen und es mit ihr zu treiben, wie sch├Ân es sein Vater ausgesprochen hatte. "Keine Angst, mit Recht und Ordnung wird dir hier keiner kommen. Eher wird Ungerechtigkeit und Vorteil belohnt." Farael erhob das Glas und prostete erneut zu. "Zudem bist du mehr als eine r├Ąudige Banditin. Schau' dich an. Ich meine, ich bin nicht die hellste Leuchte, doch man merkt sofort, dass in dir mehr steckt als das. Und bevor du mich falsch verstehst: Das ist kein leeres Geschwafel. Hast du ├╝berhaupt jemanden, der dein wahres Potential erkennt und zu sch├Ątzen wei├č?"

Ana:
Ein Teil von Ana war entt├Ąuscht, ja, vielleicht gar nerv├Âs und hibbelig, bei dem Gedanken, dass es bald nichts mehr zu trinken g├Ąbe. Ein anderer Teil schalt ihn daf├╝r. Wollte sie ihre Zunge l├Ąhmen, nun, da sie jemanden kennen gelernt hatte, mit dem eine Unterhaltung interessant war und Spa├č machte? Ein gem├Ą├čigter, ja fast abstinenter Abend konnte ihr nun wirklich nicht schaden. Fortan w├╝rde sie einfach langsam trinken. "Wahrscheinlich ist er damit wesentlich besser dran als wir", seufzte Ana, auch wenn sie sich nicht ausmalen konnte, nur einen Tag ohne einen Drink zu verbringen. Da w├╝sste sie ja morgens schon, dass der Tag nicht mehr besser werden w├╝rde. Ana schluckte. Unwissend hatte Farael ein empfindliches Thema angesprochen. "Ich ziehe es vor, die N├Ąhe zu anderen zu meiden, also nein. Mit Ausnahme meines Bruders kennt mich wohl niemand hier genauer." Sie blickte auf das Meer hinaus. "Die Jahre haben mich gelehrt, dass ich damit viel besser dran bin." Seit ihrer Jugendliebe, die - auch wenn sie daran ungern dachte - sp├Ąter auch f├╝r kurze Zeit ihr Ehemann gewesen war, hatte sie niemanden au├čer der eigenen Familie wieder an sich heran gelassen. So etwas konnte doch gar nicht gut ausgehen. "Was denkst du denn, das in mir steckt?", fragte sie zum einen, weil sie gerne das Thema wechseln wollte und zum anderen, weil sie das wirklich interessierte und sie selbst bis auf die musikalischen und diebischen Fertigkeiten wenig in sich sah.

Farael:
Farael richtete sich in den Schneidersitz auf und setzte sich zu Ana gewandt. Sein Blick schweifte abermals ├╝ber sie. Doch musterte er nicht ihren K├Ârper an sich, sondern was sie ausstrahlte und wie sie an sich wirkte. Ihre Frage war verst├Ąndlich, schlie├člich hatte sie mit ihrer Aussage mehr als deutlich gemacht, wie sie zu Anderen stand. "Ich kann dich verstehen. Zumindest etwas. In meinem Leben wurde ich auch schon mehrmals hintergangen und musste den Preis daf├╝r bezahlen. Viele Dinge die andere interessanter machen k├Ânnten, werden als Schw├Ąche gesehen. Zudem ist Vertrauen eine Sache, die schnell in Verderben und Niederlage m├╝nzen kann, wenn man sie nicht dem Richtigen schenkt." Sein Blick entfernte sich schlie├člich von ihr und lenkte auf die Stadt. Die Bewohner streiften durch die Stra├čen. Hier und dort erkannte man sich pr├╝gelnde Leute, an anderen Stellen wurden Waren feilgeboten und an wieder anderen erhaschten Huren die Aufmerksamkeit ihrer Freier. Schlie├člich hob Farael einen Arm und deutete auf alles Andere innerhalb der Stra├čen Obenzas. "Sieh dich um Ana. Das, was da unten keucht und fleucht ist nichts, was es mit dir aufnehmen kann. Tats├Ąchlich kann ich dir nicht sagen, was ich in die sehe. Doch es ist mehr, als du zu vorgeben scheinst. Und das ist gut. Normalerweise bin ich auch nicht der Kerl, der so hier mit dir sitzen w├╝rde. Zumindest w├╝rden das die Meisten denken." Farael nahm seine H├Ąnde und faltete sie in seinem Scho├č zusammen. Dabei ging sein Blick wieder auf Ana und sein Grinsen wurde zu einem warmen L├Ącheln. "Wie gesagt, ich mag nicht die hellste oder aufmerksamste Person sein. Doch in dir erkenne ich, dass du viel erreichen w├╝rdest und dich nach etwas sehnst, was ├╝ber pure Lust oder blo├čer Habgier hinaus geht. Was es jedoch ist, dass kann ich dir nicht beantworten. Diese Antwort musst du dir selbst geben." Mit aller Ruhe versuchte Farael mit Ana zu sprechen. Auch wenn er aufrecht sa├č und sie neugierig musterte, war er entspannter denn je. Einerseits war er auf dem Leuchtturm ma├čgeblich sicher vor den meisten Gefahren, andererseits wusste er, dass Ana ihm nichts tun oder gar sich ihm abwenden w├╝rde. Er hatte das Interesse in ihren Augen gesehen und er musste sich eingestehen, dieses Interesse zu genie├čen.
Ana:
Ein bitteres L├Ącheln stahl sich in Anas Gesicht. Oh sie w├╝nschte, es w├Ąre auch bei ihr so gewesen! Sie w├╝nschte, es w├Ąre nicht sie gewesen, in die man falsches Vertrauen gesetzt hatte, die Menschen, die sie geliebt hatten, hintergangen und verletzt hatte. Ana brachte es nicht ├╝bers Herz ihm das zu sagen. "Vermutlich w├Ąre es das Beste, wenn du gehst", sagte sie sich kalt. "Bevor er der n├Ąchste ist, den du benutzt." Doch Ana wollte nicht gehen. Und ebenso wenig wollte sie, dass Farael sich in diese Sammlung einreihte. Obwohl sie f├╝rchtete wohin es f├╝hren k├Ânnte, wollte sie die Geschichte mit dem Alben weiter schreiben. Er war anders. Vielleicht konnte sie das auch sein. "Eigentlich halte ich dich f├╝r ├Ąu├čerst clever", sagte Ana leise, doch f├╝gte schnell im Scherz an: "Aber vielleicht kenne ich dich nur noch nicht gut genug." Ja, nach was sehnte sie sich? Eigentlich war sie, wenn sie ehrlich war, die meiste Zeit vor sich selbst auf der Flucht gewesen. Vielleicht sehnte sich sich nach jemandem, der ihr lernte, mit sich selbst zurecht zu kommen? "Ich vermisse das Meer", sagte sie stattdessen. "Irgendwann werde ich wieder hinaus segeln. Dort habe ich mich frei gef├╝hlt." Sie blickte Farael in die Augen, sah sein freundliches L├Ącheln und konnte nicht anders, als es zu erwidern. "Allerdings muss ich sagen, deine Gesellschaft ist auch nicht schlecht", zwinkerte sie. Es stimmte. Allein, wie die Zeit verflog, seit sie zusammen waren, best├Ątigte dies. "Was ist mit dir? Hast du auch Ziele und W├╝nsche, die du gerne erreichen m├Âchtest?"

Farael:
Ein Moment der K├Ąlte und Unsicherheit war in Anas Z├╝gen zu sehen. Sie waren nur kurz und oberfl├Ąchlich unbedeutend. Farael wunderte sich im Inneren, was in ihrem Kopf wohl vorging. In ihr schien es zu brodeln, die Gedanken zu rasen und doch f├╝r die Au├čenwelt v├Âllig verborgen. F├╝r einen Moment behagte es Farael nicht, was er in ihren Augen sah. Es war jedoch so schnell fl├╝chtig geworden, wie es gekommen war. Eine Frau voller Geheimnisse und Gedanken, die sie aber doch lieber f├╝r sich behielt. Vielleicht war es doch besser, in ihrer N├Ąhe auf sich aufzupassen? "Nein, das ist Irrsinn. Sie scheint mit sich zu k├Ąmpfen. Beruhige dich und rede mit ihr", dachte er sich und blieb entsprechend ruhig. "Danke dir", bedachte er ihres Kompliments bez├╝glich seiner Intelligenz, auch wenn das spitzb├╝bische Wort schnell wieder in ihre Sprache zur├╝ckkehrte. Darauf lachte er jedoch auf und kratzte sich am Kopf. Manchmal war er wirklich ein Idiot. Das w├╝rde sie noch schnell genug merken. Doch ihre n├Ąchste Nachfrage verlangte von ihm mehr, als purem Idiotismus. Sie fragte nach Zielen und W├╝nschen. Etwas, wor├╝ber sich Farael nicht viele Gedanken gemacht hatte. Stattdessen hatte er in den Tag hinein gelebt und sich nur um sich gek├╝mmert. Doch ihre Frage r├╝ttelte in ihm etwas wach und setzte etwas in Gang. "Wonach ich mich sehne?", wiederholte er. Sein Blick richtete sich auf den Horizont und schlie├člich auf die qualmenden Ruinen des S├Âldnerlagers. "Es gibt da schon etwas, was ich mich in meiner beruflichen Laufbahn w├╝nsche. Was ein Ziel w├Ąre." Seine pers├Ânlichen Ziele verschwieg er, so hatte er Angst direkt als weicher Typ dazustehen, dessen Pers├Ânlichkeit schwach und voller Narrheit ist. "Ich war einmal ein Anf├╝hrer eines S├Âldnerlagers. Ein Ableger des Schutthaufens den du da siehst. Damals wurde ich ├╝bermannt und Intrigen um mich gesponnen. Viele gute M├Ąnner und Frauen verloren ihr Leben aufgrund meiner Unachtsamkeit und der Finesse des Feindes. Am liebsten w├╝rde ich es noch einmal versuchen. Dieses Mal richtig. M├Ąnner und Frauen einen, unter einer gro├čen Sache stehen lassen und dennoch ihre Freiheit wahren. S├Âldner die f├╝r ihr Leben k├Ąmpfen und arbeiten, doch v├Âllig unabh├Ąngig sind. Das w├Ąre mein Traum." Sein Blick haftete an dem S├Âldnerlager am Horizont, dessen Umrisse nichts mehr von seiner einstigen Pracht zeigten. Faraels sch├╝ttelte etwas mit dem Kopf und richtete seinen Blick schlie├člich wieder auf Ana, auf deren Anblick sich wieder ein sanftes L├Ącheln auf seine Lippen legte. "Vielleicht wird es irgendwann einmal wahr. Doch es ist heute nur Hirngespinst, ein Luftschloss. Meine Ziele sind aktuell kleiner. ├ťberleben zum Beispiel." Mit einem Schulterzucken und Lachen kratzte sich Farael am Kopf, als sein Blick schlie├člich auf Anas Instrument fiel. "W├╝rdest du etwas f├╝r mich spielen?" Dabei deutete er auf ihre Laute.

Ana:
Faraels Antwort verbl├╝ffte Ana. Nicht, dass er Anf├╝hrer des Lagers gewesen war, obwohl sie auch dies nat├╝rlich nicht gewusst hatte, sondern seine Vision. Sie musste zugeben, dass sie noch nie viel von S├Âldnern gehalten hatte. In ihren Augen waren auch dies nur Kriminelle. Farael war ihr von Anfang an nicht wie der typische S├Âldner erschienen, oder das, was sie sich darunter vorstellte. Und nun ├╝bertraf er diese Einsch├Ątzung bei weitem. "Das klingt fast wie...", sie ├╝berlegte noch einmal kurz, wie sie es ausdr├╝cken wollte, "wie eine Familie." Solch ein hohes, uneigenn├╝tziges und definiertes Ziel konnte sie nicht vorweisen. "Ich hoffe sehr, dass du dieses Ziel erreichst, wirklich. Man merkt, dass es... wahrhaftig ist." Sie l├Ąchelte und hob ihr Glas. Leer... Ana kr├Ąuselte die Lippen. "Oh, ├ťberleben w├Ąre ein Anfang", schmunzelte sie und folgte seinem Blick. "Gern", sagte sie und befreite ihre Laute aus dem Kasten. Das polierte Holz gl├Ąnzte im schwachen Schein des letzten Tageslichts. "Ich habe sie selbst gebaut", sagte sie, obwohl sie gar nicht wusste warum und begann die Saiten zu stimmen. Eine nach der anderen zupfte sie, mal leer, mal gegriffen, mal einzeln, mal im Akkord und zog nach und nach die Wirbel an. "Wie wird man Anf├╝hrer eines so gro├čen Haufens S├Âldner? Ich dachte immer, es gibt nur eines, dem sie dienen: dem Geld", fragte sie, w├Ąhrend die T├Âne immer klarer wurden und schlie├člich einen sauberen Klang abgaben.

Farael:
Interessiert schaute Farael den Fingern Anas zu, wie sie das Instrument geschickt zu stimmen begann. Sie entlockte den Saiten schon beim Stimmen einen angenehmen Klang, auch wenn die T├Âne ungeordnet und willk├╝rlich schienen. Schlie├člich war es aber auch kein Lied, sondern nur der Auftakt f├╝r ein solches. Dabei h├Ârte auch er ihr aufmerksam zu und schaute genaustens auf jeden Handgriff den Ana t├Ątigte. Farael war v├Âllig fasziniert von dem was sie tat. Schon immer hatte er Lauten als ein sch├Ânes Instrument empfunden. Sie hatten seiner Meinung nach etwas magisches an sich, auch wenn ihnen keine tats├Ąchliche Magie inne wohnte. "Zugegeben, f├╝r ein selbst gebautes Instrument h├Ąltst du dort ein wirklich sch├Ânes Instrument in den H├Ąnden. Du scheinst allgemein in solchen Dingen begabt zu sein, oder?", hakte er noch einmal nach. "Doch um deine Frage und deine Worte zu beantworten. Geld ist das Bestreben eines jeden S├Âldners. Doch genauer gesehen, ist es das eines jeden zivilisierten Lebewesens, welches unter der Pr├Ąmisse lebt, Geld verdienen zu m├╝ssen, um zu ├╝berleben. Letzten Endes sind wir alle auf Geld aus, um unser ├ťberleben zu sichern. Kaum noch etwas ist umsonst. Noch weniger ohne Geld zug├Ąnglich. Jedenfalls bin ich Anf├╝hrer geworden, weil ich vielleicht den ein oder anderen Einsatz unter meiner F├╝hrung erfolgreich abgeschlossen habe. Es war nichts, was ich jemals aktiv wollte. Doch man bot es mir irgendwann an und ich wollte der Herausforderung entgegentreten. Leider bin ich hoffnungslos gescheitert. Ich w├╝rde mein Bestes geben, dass das nicht noch einmal passiert und dem auch einen h├Âheren Zweck dient. Danke dir, dass du mich an diesem Punkt verstehst." Mit einem entspannten Seufzen lehnte sich Farael zur├╝ck und betrachtete Ana mit voller Ruhe in ihrem Tun.

Ana:
Das Kompliment lie├č Ana l├Ącheln. Tats├Ąchlich war der Bau von Instrumenten und Schiffen, das einzige, wovon ihr Volk in Sachen Handwerk etwas verstand. Etwas besch├Ąmt nahm sie Faraels Worte ├╝ber das Geldverdienen auf. Er hatte nat├╝rlich Recht. Auch Ana tat, was sie tat, um genug Geld f├╝r ein Dach ├╝ber dem Kopf und eine warme Mahlzeit zu haben. Farael schien wirklich ein realistisches und objektives Weltbild zu haben. Und Charakterst├Ąrke. Nicht wenige w├Ąren nach einem solchen Fehlversuch davon gelaufen, doch er wollte es erneut versuchen; besser, richtig. "Ich denke, du hast eine zweite Chance verdient", sagte Ana und spielte die ersten Akkorde ihres Lieblingsliedes. Sie hatte es in der Nacht auf See komponiert, nachdem sie die Rabeninseln verlassen hatten und immer war es ihr Liebstes geblieben, obwohl so viele folgten. In den Tavernen war es stets eines der St├╝cke, die von den Leuten allenfalls mit Gleichg├╝ltigkeit gestraft wurden und doch spielte sie es hartn├Ąckig jedes Mal. Sie war der festen ├ťberzeugung, dass es etwas in den Leuten bewirken konnte, wenn sie nur empf├Ąnglich daf├╝r w├Ąren. Einzelne gezupfte Akkorde wurden von einer filigranen Melodie abgel├Âst und nachdem sie das Intro einmal zu Ende gespielt hatte, begann Ana leise dazu zu summen. Das Lied, so fand Ana, schaffte eine perfekte Verbindung von verspielter Leichtigkeit und schwerer Melancholie, eben jenen Gef├╝hlzust├Ąnden, deren Wechselspiel sie sich selbst so oft ausgesetzt sah. Es zu spielen erdete sie stets. H├Ąufig war es ihr Anker in st├╝rmischer See und auch jetzt, in einem Moment, in dem sie eigentlich so schon gl├╝cklich war, tat es ihr gut. Sie l├Ąchelte Farael an, als sie endete. Ihr gefiel wie aufmerksam er ihr lauschte und sie beim Spielen beobachtete.

Farael:
Wie ein Bach aus fl├╝ssigem Honig verlie├čen die T├Âne die Laute Anas. Ihre geschickten Finger schienen mit Leichtigkeit und Feingef├╝hl ├╝ber die Seiten zu huschen. Jeden Ton traf sie perfekt und das Lied wog in den Wind hinaus auf das Meer. Passend zu dessen Grundton. Die Melodie wurde federleicht davongetragen und doch wog die Schwere einer Geschichte in diesem Lied. Es verbarg etwas und war mit viel Gef├╝hl geschrieben worden. Ana untermalte die Kl├Ąnge mit dem sanften Summen ihrer Stimmen, welche eine nahezu passende Erg├Ąnzung zu dem Lied war. Farael war hinweg ├╝ber dieses Lied. Selten h├Ârte man etwas auf diese Art, wie sie es Ana zu spielen vermochte. Nat├╝rlich gab es zahlreiche Barden, die ├Ąhnliche Lieder spielten, doch keines gelangte an die Sch├Ânheit heran, welche in Anas Lied mitschwang. Nachdenklich blickte Farael zur See hinaus und ├╝berlegte, ob er dieses Lied schon einmal geh├Ârt hatte. Doch nichts was ihm in die Erinnerung trat, kam an heran. Leider mussten die Kl├Ąnge bald schon enden und Farael wurde herausgerissen. Beinahe mit Wehmut akzeptierte er das Ende dieses Liedes. ÔÇ×Es ist eigensinnig, melancholischÔÇť, erkl├Ąrte er nachdenklich, sein Blick noch immer in Richtung See gewandt. ÔÇ×Deine Finger entlocken der Laute mit diesem Lied ein wahres Kunstwerk, welches ich so noch nie geh├Ârt habe.ÔÇť Farael richtete seinen Blick auf Ana und l├Ąchelte sie an. ÔÇ×Es ist wirklich wundersch├Ân. Woher stammt dieses Lied? Es hat eine pers├Ânliche Note, oder?

Ana:
Pr├╝fend sah Ana den Alben an, ├╝berrascht und misstrauisch zugleich. Allerdings konnte sie kein Anzeichen von Vorgegaukel erkennen. Faraels Blick war in die Ferne entr├╝ckt und er schien nach den richtigen Worten zu suchen, f├╝r das, was er beim H├Âren des St├╝ckes empfunden hatte. Ein leises L├Ącheln umspielte Anas Mundwinkel. "Danke", hauchte sie ger├╝hrt. Er sah sie nun an, sanft und weich. "Ich habe es selbst geschrieben", erwiderte sie. "Und ja... es enth├Ąlt wirklich eine Menge von mir oder zumindest meiner damaligen Gef├╝hlslage." Nun war es an Ana, den Blick in die Ferne zu richten. "Es holt mich stets zur├╝ck in das Hier und Jetzt, wenn ich es spiele. Tats├Ąchlich bist du der erste, den es anzusprechen scheint. Die meisten Taverneng├Ąste m├Âgen eher so etwas." Ana griff das Instrument neu und begann eine schnelle, fr├Âhliche Melodie zu spielen, die sie durch Klopger├Ąusche mit ihrer Zupfhand rhythmisch begleitete. Es war eines der Lieder, die vorne weg dampften, wie eine schnelle Pferdekutsche und alle Leute mit sich zog, sie hin und her schwanken lie├č und zum Klatschen, Stampfen und Singen verleitete. Der Text war typisch. Er handelte von Wein und Frauen und der ewigen Jugend und war eing├Ąngig und einpr├Ągsam. "Mag ich auch ganz gern", sagte sie, nachdem sie geendet hatte. "Je nachdem, in welcher Stimmung ich gerade bin." Gedankenverloren klimperte sie leise vor sich hin, ohne ein wirkliches Lied zu spielen. "Hast du etwas, das du abseits deiner Auftr├Ąge gerne tust? Au├čer trinken und h├╝bsche Frauen ausf├╝hren?" Sie zwinkerte freundlich.

Farael:
Zu gern h├Ątte Farael Ana weiter ├╝ber ihr eigenes Lied ausgefragt, doch sie schien f├╝r den Moment auf ein anderes Thema wechseln zu wollen. Es war auch v├Âllig in Ordnung, denn das Lied welches sie selbst geschrieben und ihrer Beschreibung nach viel von ihr enthalten w├╝rde, war vermutlich ein tiefer Ausdruck eines innere Kampfes, wenn nicht sogar Schmerzes. Farael musterte Ana genau, bevor er ihr antwortete, suchte in ihren Augen und Gesichtsz├╝gen nach etwas, was ihm mehr ├╝ber diese Frau verriet. Doch er fand nichts, womit er h├Ątte etwas anfangen k├Ânnen. Ein wenig entt├Ąuschend f├╝r ihn, doch wollte Farael Ana nicht weiter treiben als es n├Âtig war. Ihr Umschwung auf ein g├Ąngiges und fr├Âhliches Lied best├Ątigte schlie├člich seine Vermutung. "Tats├Ąchlich mag ich diese Art von Lied nicht so sehr. Es ist nicht besonders, so langweilig und wenig geh├Ârt. Zu wenig Gef├╝hl und zu wenige Gedanken. Musik sollte die Seele ansprechen und nicht die Lust", kommentierte er schlie├člich ruhig und l├Ąchelte dabei. Warum f├╝hlte er sich so unglaublich wohl in Anas N├Ąhe? "Abseits meiner Auftr├Ąge?", fragte er sie und lenkte sich zeitgleich von der Frage in seinem Kopf ab. "Ich gehe noch jagen, f├╝r Felle und Fleisch. Ansonsten nicht wirklich viel. Wie ich vorhin sagte, versuche ich eher zu ├╝berleben. Wie steht es um dich? Es verbirgt sich mit Sicherheit noch viel hinter deinem Gesicht." Herausfordernd l├Ąchelte Farael Ana zu, ehe er ihr Zwinkern erwiderte.

Ana:
Farael erntete weitere Pluspunkte. Die wenigstens hatten ein wahres Verst├Ąndnis und das richtige Gef├╝hl f├╝r Musik. Nat├╝rlich freute sich Ana auch, wenn die Leute auf Basis ihrer fr├Âhlichen Lieder feierten und ihr zujubelten, doch sie konnte dies von wirklichem Zuspruch unterscheiden. Musik sollte Geschichten erz├Ąhlen und die Fantasie anregen und zwar nicht auf diese[i/] Art und Weise, da stimmte sie vollkommen mit Farael ├╝berein. Der Nachteil war, dass man als Musiker dann h├Ąufig alle H├╝llen fallen lie├č, zumindest, wenn jemand bereit war, genau genug hinzuh├Âren. Vor dem richtigen Publikum w├Ąre Ana jederzeit dazu bereit gewesen.
"Tats├Ąchlich versuche auch ich haupts├Ąchlich zu ├╝berleben und dabei nicht versehentlich im Rum zu ertrinken." Sie l├Ąchelte schwach. "Aber das hei├čt doch nicht, dass man nicht ab und zu einer Leidenschaft nachgehen oder dem Leben fr├Ânen kann, oder? Ich lebe vornehmlich in den Tag hinein, wei├č morgens meist nicht, wo ich abends schlafen werde... manchmal, so wie heute, verlasse ich die Stadt f├╝r eine Weile... manchmal k├╝sst mich die Muse und ich schreibe neue Lieder... doch ansonsten kann ich auch nicht allzu viel vorweisen." Langsam lie├č sie die Finger auf und ab ├╝ber die Saiten streichen. "Fr├╝her hat mein Vater mir ab und zu erlaubt, mit den Jungen auf Jagd zu gehen... vielleicht nimmst du mich eines Tages mal mit?"

Farael:
Mittlerweile war die Sonne hinter dem Horizont verschwunden und nur das Feuer in ihrem R├╝cken w├Ąrmte und erhellte sie zugleich. Aufmerksam lauschte Farael den weiteren Worten, die besorgniserregend und zugleich belustigend zugleich waren. Einerseits konnte er sich ein solch freies Leben kaum vorstellen, so war er froh ein Dach ├╝ber dem Kopf zu haben, andererseits reizte es auch auf eine gewisse Art und Weise. Schlie├člich genoss er es manchmal bis in die Nacht zu jagen und schlie├člich unter dem Sternenzelt zu ├╝bernachten. "Du hast definitiv Besseres als dieses Drecksloch namens Obenza verdient Ana", antwortete Farael ernst. "Wie ich dir heute schon einmal sagte, du scheinst gro├čes Potential zu besitzen. Es ist nur nicht der richtige Ort oder der richtige Umstand, der dich hier treibt. Zumindest denke ich das." V├Âllig entspannt lehnte Farael gegen einer der S├Ąulen des Leuchtturms, ehe er ein langgezogenes G├Ąhnen von sich gab. Darauf blickte er Ana wieder mit einem sanften L├Ącheln an. Ihr Gesicht wurde von den Flammen des Leuchtturms beleuchtet und setzten ihre Z├╝ge in einen sch├Ânen Kontrast zur Dunkelheit. Man konnte ihr ihre attraktive Natur nicht aberkennen. "Nat├╝rlich nehme ich dich gern mal mit jagen. Vorausgesetzt, du h├Ąltst es mit mir l├Ąnger aus, als nur einen Tag. Wenn ich jagen gehe, dann f├╝r ein paar Tage." Doch diese Frage Anas dr├Ąngte sich schnell wieder in Faraels Hinterkopf, als ihm etwas Anderes nicht gut aufstie├č. "Wo schl├Ąfst du denn diese Nacht?"

Ana:
"Das ist sehr nett von dir, das zu sagen. Ich hoffe, du hast Recht." Ana legte den Kopf in den Nacken und blickte nun, da es dunkel war, nach oben an den Sternenhimmel. "Oh... wenn das so ist, dann komme ich besser nicht mit." Krampfhaft versuchte sie ernst zu bleiben, doch musste schlie├člich doch lachen. "Nein, Spa├č beiseite. Ich glaube, ein paar Tage w├╝rde ich mit dir schon aushalten, Farael." Sie stupste ihn mit dem Fu├č am Bein an. Dann erstarb ihr L├Ącheln. "Nun ja... ich wollte mir irgendeinen Gasthof suchen... doch daran habe ich jetzt gar nicht mehr gedacht." ├ťberrascht stellte sie fest, dass sie wirklich nicht den geringsten Gedanken an eine n├Ąchtliche Bleibe verschwendet hatte, seit sie auf dem Markt gewesen waren. Langsam aber sicher w├╝rde es schwer werden, ein Bett zu ergattern, zumindest in den sauberen und sicheren Tavernen. "M├Âglicherweise hat der Alfons noch ein Pl├Ątzchen f├╝r mich, das w├Ąre zumindest nicht weit von hier." Der Drang, Farael zu fragen, ob er ihr Obdach gew├Ąhren w├╝rde, oder, ob sie nicht einfach hier bleiben konnten, machte sich in ihrem Bauch breit. Doch sie traute sich nicht zu fragen. "Meinst du, dein Vater will bald zu Bett? Immerhin wird er nach uns abschlie├čen wollen, oder?"

Farael:
Farael teilte Anas lachen auf ihren Kommentar hin. "Glaube mir, ich kann nerviger sein, als dir lieb ist!", feixte er schlie├člich noch und knuffte Ana in die Schulter, ehe er sich wieder zur├╝ck lehnte und die Gebahren Anas beobachtete. Offensichtlich hatte sie nicht dar├╝ber nachgedacht, wo sie nun schlafen wollte und wann genau sie schlafen wollte. Insgeheim wunderte er sich, warum Ana nicht einfach Farael fragte, was auch ein wenig an seinem Stolz kratzte. Statt Ana weiter dar├╝ber nachdenken zu lassen und ehe sie sich verzettelt oder unter der n├Ąchsten Br├╝cke schl├Ąft, musste er ihr offenbar ein Angebot machen: "Wie w├Ąre es, wenn du ganz einfach mit in mein Haus kommst. Ich habe zwar nur ein einzelenes Bett, aber du kannst gern das Sofa haben, welches ich gef├╝hlt nie benutze. Sollte bequem und warm genug sein, dass du dort gem├╝tlich schlafen kannst. Und jetzt wo du es ansprichst, sollten wir vielleicht wirklich den Leuchtturm r├Ąumen. Vater wird sicherlich schon unten warten und sich fragen, ob ich es geschafft habe dich zu schw├Ąngern oder nicht." Mit einem breiten Grinsen erhob sich Farael und streckte sich einmal kr├Ąftig durch, ehe er seiner Begleitung die Hand zum Aufstehen reichte.

Ana:
Oh wie erleichtert sie war! Vermutlich konnte sie das auch nicht ann├Ąhernd in ihrem Gesichtsausdruck verbergen. Am liebsten h├Ątte sie Farael geherzt, dass er ihr die schwere Entscheidung abnahm. Vor allem, weil sie sich sicher war, dass es ein ehrlichen Angebot war und nichts damit zu tun hatte, dass er sie ins Bett h├Ątte kriegen wollen. Sie musste sich schon sehr t├Ąuschen, wenn das doch sein Ziel war. Viel zu angenehm und nat├╝rlich war das Gespr├Ąch verlaufen, viel zu ehrlich waren seine Worte und seine Reaktionen gewesen. Nein; Farael wollte ihr wahrscheinlich wirklich nur helfen, vielleicht sorgte er sich gar ein wenig um sie oder konnte es nicht mit sich vereinbaren, eine einsame Frau allein auf die dunklen Stra├čen loszulassen. "Du bist mein Held", sagte sie. "Ich werde auch nichts mitgehen lassen, versprochen." Vorsichtig verstaute sie die Laute in ihrem Kasten. "Soll ich mein Haar ein wenig durcheinander bringen oder einen zweideutigen Kommentar loslassen, um ihm seine Fantasie zu belassen?", grinste Ana. Sie war aufgestanden und blickte noch einmal hinaus auf das schwarze Meer. "Wei├čt du, das war wirklich sehr sch├Ân hier zu sitzen. Ich habe mich schon ewig nicht mehr anst├Ąndig mit jemandem unterhalten. Sogar der Mangel an Alkohol hat nicht gest├Ârt." ├ťber die Schulter hinweg sah sie den Alben an, der sich kurz streckte und dann seine Waffen ergriff. Das weiche Haar fiel ihm vor das Gesicht, als er sich b├╝ckte. Ja... irgendwann wollte sie wissen, was sich unter all den Schichten Stoff, R├╝stung und Leder verbarg, wie diese Lippen schmeckten, die so ├╝berlegte und charmante Dinge sagten und wie sich die H├Ąnde anf├╝hlten, die schlank und kr├Ąftig zugleich nach der Ausr├╝stung griffen. Doch nicht heute. Immerhin wagte sie zu hoffen, dass sie Farael noch ├Âfter sehen w├╝rde.

Farael:
Mit aller Ruhe griff Farael nach seinen Waffen und l├Ąchelte dabei m├╝de vor sich her. Die Reaktion Anas war mehr als grandios und belustigend zugleich. Zudem f├╝hlte er sich etwas besser, sie nicht auf der Stra├če zu wissen, wo sie vermutlich im letzten Loch schlafen w├╝rde. "Keine Sorge, du wirst bei mir nichts klauen. Oder zumindest machst du es nur einmal", erwiderte er mehr spa├čig, w├Ąhrend er ihr zuzwinkerte und die Zunge herausstreckte. Mit aller Ruhe griff er zu seinen Waffen und brachte sie an die ordnungsgem├Ą├čen Stellen an seiner R├╝stung. Die brauchte eine Minute, in der Ana mit ihrer Laute besch├Ąftigt war und Farael sich einen Plan ausdachte, ihre Frage anderweitig zu beantworten. Als sie schlie├člich fertig war und ihre Sachen zusammen gepackt hatte, trat Farael unverhohlen an sie heran, ein charmantes Grinsen auf den Lippen. Sein Blick vertiefte sich in ihre Augen. Er legte seinen Kopf schief. Und pl├Âtzlich schoss er mit seiner Hand auf Anas Haupt und brachte ihr Haar v├Âllig in Unordnung. Mit einem ├Ąu├čerst breiten Grinsen und Lachen beantwortete er ihre Frage wortlos. Erst als er mit seinem Werk fertig war, lie├č er von Ana ab und betrachtete sie zufrieden. ÔÇ×So, sieht perfekt aus. Der Look steht dir. Sch├Ân durchtrieben und frechÔÇť, grinste Farael Ana an und deutete ihr den Vortritt nach unten an.

Ana:
Ana war noch tief in Schmachterei versunken, als Farael pl├Âtzlich auf sie zukam. Was passierte nun? Sie sp├╝rte wie ihr Herz wider Willen schneller schlug und ihr Mund ├Âffnete sich ganz automatisch ein wenig, w├Ąhrend ihre Augen den seinen anhingen. W├╝rde er sie nun doch k├╝ssen? Und w├╝rde sie es zulassen? Und wieso klopfte ihr Herz ├╝berhaupt so stark? Sie konnte sich nicht erinnern, wann das zuletzt der Fall gewesen war. Doch die Gr├╝belei war umsonst. Vollkommen perplex und im ersten Moment sogar etwas w├╝tend und besch├Ąmt dar├╝ber, dass sie den Augenblick komplett missgedeutet hatte, stand Ana da wie paralysiert. Schlie├člich musste sie aber auch grinsen und tastete automatisch nach der zerst├Ârten Frisur. "Okay... so war das nicht gedacht", lachte sie und boxte ihn spielerisch gegen die Brust. "Passt doch gar nicht zu mir, wo ich so artig und brav bin." Sie rettete, was zu retten ging und stieg langsam die Treppe hinab, um nicht zu st├╝rzen.

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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#18

Beitrag von Farael Dornenwind » Sa 17. Feb 2018, 00:42

Farael:
ÔÇ×Artig und brav? Naja, das ist wohl ein Punkt ├╝ber dem man streiten k├ÂnnteÔÇť, antwortete Farael grinsend und zwinkerte Ana zu. Wohlwollend ist ihm der Blick Anas auf seine Ann├Ąherung aufgefallen. Vermutlich hatte sie etwas g├Ąnzlich Anderes erwartet, als Farael ihr zuletzt gegeben hatte. Doch wie sie ihn angeschaut und betrachtet hatte. Sie hatte ihren Blick nicht ├╝ber seinen K├Ârper fahren lassen, zumindest schien es f├╝r Farael so, und in ihren Augen hatte keine Lust gelegen. Im Gegenteil. In ihr war etwas Anderes vorgegangen, doch Farael war nicht in der Lage, es richtig zu deuten. So lie├č er auch vorerst von diesen Gedanken ab und folgte Ana die Treppe hinab, ehe sie schlie├člich wieder unten ankamen. Dort wartete bereits sein Vater auf sie, der ein unglaublich schelmisches Grinsen aufgesetzt hatte. ÔÇ×Du siehst ganz sch├Ân fertig aus M├Ądchen. Was hast du denn mit ihr gemacht Farael? Sie sieht ja aus, wie deine Mutter nach unserer ersten Nacht!ÔÇť, merkte Manhir lachend an und blickte auf Farael und Ana. Nat├╝rlich musste er irgend einen dummen Kommentar abgeben und wirklich wissen, wie das Sexleben seiner Eltern ist oder war, wollte Farael nun wirklich nicht. Farael seufzte und warf seinem Vater einem b├Âsen blick zu, doch der grinste nur noch breiter und blickte Ana nun eindringlich an. ÔÇ×Bevor ihr geht, will ich wissen wie mein Sohn so beim Sex ist, junge Dame.ÔÇť

Ana:
Ana ├╝berlegte kurz, in welche Richtung sie ihre Antwort lenken wollte. Sie k├Ânnte das Ruder an sich rei├čen und sich als Nymphe und heimliche Sexg├Âttin ausgeben, sie k├Ânnte andererseits Manhirs Vorstellungen von seinem Sohn befeuern, in die eine, wie die andere Richtung oder aber schlicht die Wahrheit sagen, dass ├╝berhaupt nichts gelaufen war. Letzters verbannte sie sofort wieder aus dem Kopf. Nicht nur, dass es den alten Alben vermutlich entt├Ąuschen w├╝rde, es war auch alles andere als glaubw├╝rdig und wahrscheinlich w├╝rde sie allein deshalb schon err├Âten. "Gute Pferde brauchen gute Reiter", sagte sie schlie├člich zwinkernd. "Du kannst stolz auf deinen Sohn sein." Sie klopfte ihm mit der flachen Hand auf die Brust und grinste am├╝siert, als Farael die Augen verdrehte.

Farael:
Ganz zu Faraels Missgunst wurden die Augen seines Vaters wesentlich gr├Â├čer und sein L├Ącheln zeigte den Stolz, welchen er gegen├╝ber seinem Sohn empfand. Farael, nicht ganz wissen ob er peinlich ber├╝hrt oder am├╝siert sein sollte, zwang sich ein L├Ącheln ab und gab ein "Danke" von sich. Darauf musste er aber auch grinsen, als sein Blick auf Ana fiel, sie verwegen angrinste und ihr sanft gegen die Schulter schlug. "Du Teufelsweib", fl├╝sterte er Ana schlie├čllich doch zu. "Gut, mehr wollte ich gar nicht wissen. Abflug mit euch V├Âgelchen!", forderte Manhir schlie├člich auf und als Farael und Ana an ihm vorbeikamen, klopfte dieser auf Faraels Schulter. "Danke Vater. Und gib Bescheid, wenn es etwas Neues von Mutter gibt." Faraels Vater nickte nur und geleitete Ana und Farael nach drau├čen, ehe die schwere T├╝r ins Schloss fiel. "So, du magst ihn wirklich?", hinterfragte Farael bei Ana noch einmal und ging bereits die ersten Schritte in Richtung Stadt. Er selbst war sich nicht ganz sicher, ob Ana Zuneigung zu seinem Vater ein gutes oder schlechtes Zeichen war.

Ana:
"Ja", sagte Ana bestimmt. "Er hat freundliche Augen. Ich glaube, er ist ein guter... Alb." Beinahe h├Ątte sie Mensch gesagt. "Da ├Ąndern auch seine derben Spr├╝che nichts daran", fuhr sie fort. "Im Gegenteil. Irgendwie macht ihn das nocht sympathischer." Einen Augenblick verstummte sie. "Du hast dieselben Augen, wei├čt du das?" f├╝gte sie dann an und l├Ąchelte. "Nein, ich mag ihn wirklich. Vermisst er deine Mutter sehr?" Ganz beil├Ąufig stellte sie die Frage, doch sie wusste, dass sie sich auf eine Gratwanderung begab und in Kauf nahm, dass die Stimmung kippte. Sie hatte nicht geplant gehabt, Faraels Vater als Aufh├Ąnger f├╝r das Thema zu nehmen und hoffte, er nahm es ihr nicht ├╝bel. Im Gegenteil: eigentlich interessierte es sie wirklich, denn Manhir hatte irgendwie froh dar├╝ber gewirkt, kurz Gesellschaft zu haben, ganz so, als f├╝hle er sich ein wenig einsam.

Farael:
Farael l├Ąchelte anfangs dankbar bei den Worten, die ihm Ana schenkte. Er hatte noch nie geh├Ârt, dass er die Augen seines Vaters haben solle, aber auf einer gewissen Art fand er es angenehm dies gesagt zu bekommen. Manchmal hatte er die Bef├╝rchtung, die Wurzeln seiner Eltern seien in ihm verloren gegangen. Ganz so, als ob er ein eigenes Abk├Âmmling w├Ąre. Doch die n├Ąchste Frage riss Farael aus diesen Gedanken heraus. Sie kam unverhofft und ein Unwohlsein breitete sich in Faraels Bauch aus. Er seufzte. "Ja, ich denke schon. Mutter ist schon seit fast vier Monaten fort. Mein Vater liebt sie sehr, dass wei├č ich und kann ich auch immer sp├╝ren, wenn ich in seiner N├Ąhe bin. Es muss furchtbar sein, so lang von einem geliebten Menschen getrennt zu sein", erkl├Ąrte Farael schlie├člich, wobei in seiner Stimme Unsicherheit. Er wusste nicht, ob es das Richtige war, Ana diese Dinge anzuvertrauen oder zu erz├Ąhlen. Doch er tat es einfach. Ana schien die richtige Person zu sein. Nat├╝rlich war sie das. Ansonsten w├╝rde er wohl kaum mit ihr unter dem Mondlicht durch die ruhiger gewordenen Stra├čen Obenzas spazieren, durch welche der salzige Duft des Meeres vom Hafen in die Stadt str├Âmte.

Ana:
Ana versp├╝rte einen Stich in ihrem Innern. Es war ein merkw├╝rdiges Gef├╝hl. Sie war ger├╝hrt dar├╝ber, dass Liebe so lange w├Ąhren konnte, dass eine Trennung besonders schmerzte und gleichzeitig war sie urpl├Âtzlich tieftraurig, dass sie selbst so etwas scheinbar nicht empfinden konnte. War sie nicht immer nach k├╝rzester Zeit davon gelaufen? Hatte sie die Leute, die ihr nahe waren, nicht immer schnell satt? Fast war sie ein wenig neidisch auf Faraels Eltern, dass sie nach all der Zeit noch echte Gef├╝hle f├╝r einander hatten. Ana schalt sich f├╝r diese Gedanken. Stattdessen konzentrierte sie sich auf Farael. Sie sollte sich eher geehrt f├╝hlen, dass er dies mit ihr teilte und dankbar, dass er ihr die pers├Ânliche Frage nicht ├╝bel genommen hatte. "Aber es ist auch sch├Ân, oder? Zu wissen, dass es jemanden gibt, mit dem mal so etwas teilt?", versuchte sie. "Wisst ihr denn, wann sie zur├╝ck kommen wird?"

Farael:
Erneut l├Ąchelte Farael auf die Worte Anas. Sie hatte etwas an sich, was er nicht beschreiben konnte, aber auf alle F├Ąlle war es das Talent, wie sie mit ihm redete. Sie schien von Moment zu Moment symphatischer, obwohl sie faktisch gar nichts tat. Zwar erinnerten ihre Worte an das Dilemma in dem seine Mutter derzeit steckte, jedoch schaffte sie es auch, ihn zeitgleich zu beruhigen und die M├Âglichkeit, sich zu ├Âffnen. Etwas, was Farael angenehm und ein wenig unheimlich zu gleich war. "Manchmal sind die Menschen mit denen man solche Dinge teilen k├Ânnte, n├Ąher als man in einem Moment vermuten kann. Sie k├Ânnten einem direkt vor der Nase stehen, doch ihre wahre Bedeutung entfaltet sich immer erst sp├Ąter", antwortete Farael l├Ąchelnd auf Anas erste Frage. Sein Blick ging in Richtung des Himmels, in dem die Sterne deutlich zu sehen waren. "Leider wissen wir aber nicht, wann sie zur├╝ckkehren wird. Sie steckt in ... schwierigen Umst├Ąnden." Das seine Mutter im Gef├Ąngnis steckte, weil sie den Falschen bestohlen hatte, verschwieg Farael lieber. Er wollte nicht, dass Ana etwas Falsches ├╝ber ihn oder seine Familie denken konnte. "Wir hoffen Beide, dass sie bald wieder zur├╝ckkehrt. In der Zeit halten wir uns mit unserer eigenen Arbeit ├╝ber Wasser. Hin und wieder besuche ich meinen Vater auch, damit er nicht ganz verkommt."

Ana:
Die Norkara dachte ├╝ber Faraels Worte nach. War das so? War sie wom├Âglich oft zu ungeduldig im Umgang mit anderen oder waren es bislang schlicht die falschen gewesen? "Vielleicht hast du Recht", gab sie leise zur├╝ck. Ana entging sein kurzes Stocken nicht. Irgendetwas an der Lage seiner Mutter war ihm unangenehm. Dieses Mal war sie feinf├╝hlig genug, nicht genauer nachzuhaken. "Dann hoffe ich es auch! Mich w├╝rde schon sehr interessieren, welche Frau einen Draufg├Ąnger wie Manhir z├Ąhmen konnte." Sie zwinkerte. "Es ist sehr nett, dass du ihn regelm├Ą├čig besuchst. Intakte Familien gibt es auch nicht mehr allzu h├Ąufig." Ana wusste nicht, warum sie das sagte. Immerhin war ihre eigene Familie eigentlich auch in Ordnung, wenn man davon absah, dass beide Geschwister dem Alkohol erlegen und fern der Heimat waren. Sie kannte ganz andere Dramen auf der Welt...

Farael:
Mit seinem sanften Lachen dachte er ├╝ber Anas letzte Worte nach. Intakte Familien gibt es nicht h├Ąufig. Aus Erfahrung konnte Farael tats├Ąchlich nicht sprechen. "Ja, meine Familie sind die Einzigen die ich momentan noch habe. Zumindest momentan. Ich hoffe es ├Ąndert sich irgendwann einmal wieder." Der "Duft" der Stadt wurde zunehmend dichter und man konnte f├Ârmlich riechen, dass sie sich nahe der Slums befinden mussten. Je n├Ąher sie dem kamen, desto mehr betrunkene Gestalten schlenderten durch die Stra├čen und tr├╝bten die Ruhe des Abends. Aus unerfindlichem Grund fielen ihm aber wieder die Worte Anas ein, die sie an seinen Vater gerichtet hatte. Die Best├Ątigung seiner Leistung. Ein Grinsen legte sich auf seine Lippen. Einerseits um die Stimmung ein wenig aufzulockern, andererseits um das Thema zu wechseln, fragte er: "Ein gutes Pferd braucht also einen guten Reiter, so so. Wer von uns beiden ist denn das Pferd und wer der Reiter? Wer muss gez├Ąhmt werden und wer die Oberhand gewinnen?" Sein Grinsen wurde nur noch breiter, als er Ana verspielt anschaute.

Ana:
Ana machte einen etwas gr├Â├čeren Schritt ├╝ber einen Haufen Erbrochenes. Aus einem ge├Âffneten Tavernenfenster drangen die dumpfen Ger├Ąusche einer Schl├Ągerei, begleitet vom Klirren von Gl├Ąsern und dem Johlen von Schaulustigen. "Hm", schmunzelte sie. "Darf ich es mir aussuchen?" Sie fuhr sich durch das noch immer etwas zerzauste Haar. "Dann bin ich der Reiter mit den Z├╝geln fest in der Hand. Und einem unartigen Pferd gebe ich schon mal die Sporen oder hole die Peitsche heraus", sie lachte. "Aber wenn es artig ist, lasse ich Milde walten und es gibt eine Belohnung... hinterher. Was h├Ąttest du gew├Ąhlt?"

Farael:
Mit dieser Antwort hatte Farael gar nicht gerechnet. Doch sie sorgte daf├╝r, dass seine Lippen sich weiter in die Breite zogen und er einmal herzhaft lachte. "Eine Frau mit Temparament. Ich muss zugeben, dass mag ich. Wenn du mich aber schon so fragst, hmm." F├╝r einen Moment ├╝berlegte Farael seine Antwort, wich dabei einer Schnapsleiche aus und malte sich gerade die Szenarien in seinem Kopf aus. "Ein wildes und ungest├╝mes Pferd, was sich nicht gern z├╝geln l├Ąsst und gez├Ąhmt werden will. Das k├Ânnte mir durchaus stehen. Also, nat├╝rlich nur rein hypothetisch." Farael zwinkerte Ana zu und lachte wieder, ehe er sie in die Seite knufte. Gemeinsam schritten sie weiter, es war nicht mehr weit von seinem kleinen Haus entfernt. Sie befanden sich im Randgebiet zwischen Slums und der mittleren Ebene. Man sp├╝rte die Einfl├╝sse beider Schichten und in genau in diesem Grenzgebiet lag sein Haus. "Wie geht es dir eigentlich Ana? Ich meine ... wie f├╝hlst du dich?"

Ana:
Ana stimmte in das Lachen ein. "Na dann sind wir uns rein hypothetisch ja sogar einig! Das h├Ątte ich nun auf nicht erwartet." Die Luft wurde wieder etwas besser, auch wenn es nat├╝rlich kein Vergleich zu der Meeresbrise war, die sie nochvor kurzem hatten genie├čen k├Ânnen. Ana war schon ├Ąu├čerst gespannt auf Faraels Haus. Wie es eingerichtet war, wie gro├č die Zimmer waren und ob er viele oder wenige Dinge besa├č. In ihrer Vorstellung war es recht spartanisch, eher pragmatisch, jedoch ordentlich und sauber. "Mir geht es sehr gut, danke", sagte Ana wahrheitsgem├Ą├č. Tats├Ąchlich hatte sie sich lange nicht mehr so klar im Kopf gef├╝hlt und so wenig das Bed├╝rfnis versp├╝rt, sich mit einigen weiteren Gl├Ąschen zu bet├Ąuben. "Ich freue mich sehr, ein sicheres Dach ├╝ber dem Kopf und die Gelegenheit f├╝r gute Gespr├Ąche zu haben." Sie schob ihre Daumen unter den G├╝rtel. "Wie steht es mit dir? Bereust du schon, dass du dein Sofa an eine Wildfremde verkauft hast?"

Farael:
"An eine Wildfremde?", hinterfragte Farael, als er diese Worte h├Ârte. Er wusste nicht genau, warum er dies so empfand, allerdings f├╝hlte sich Ana nicht wie eine Wildfremde an. Und als sie schlie├člich vor einem kleinen Haus mit Kamin standen, kaum gr├Â├čer als ein Bauernhaus. Wei├če Fassade aus Stein und ein Ziegeldach. "Um kurz auf deine Frage zur├╝ckzukommen: Mir geht's gut. W├╝rde ich es bereuen, w├╝rde ich dann Folgendes machen?" Ohne zu z├Âgern und mit einer pl├Âtzlichen Bewegung, warf sich Farael Ana ├╝ber die Schulter. Ihr Kopf hing nach vorn gegen seine Brust, so dass sie auf den Weg vor ihnen blicken konnte. Galant hielt er sie mit seinem rechten Arm fest, w├Ąhrend er mit der Linken nach dem Schl├╝ssel suchte, der sich schnell anfand und die mithilfe dessen er die T├╝r aufsperren konnte. Sie kamen in einen einzelnen Raum. Die W├Ąnde waren nicht geschm├╝ckt. Ein Sofa und ein Tisch samt einiger St├╝hle standen im Raum auf der einen Seite. Auf der anderen Seite sein Bett und zwei Kommoden. Noch daneben ein R├╝stungsst├Ąnder und Waffenhalter. Neben dem Kamin war ein kleiner Schrein mit Bildern und milden Opfergaben f├╝r Ardemia aufgebaut. Ihm war es wichtig, dass alles seine Ordnung hatte und nichts schmutzig war. F├╝r ihn stellte dies eine Grundlage f├╝r ein gutes Leben dar. Unverfroren wie er nat├╝rlich war, lie├č er Ana r├╝cklings auf die Couch plumpsen und dabei schaute er sie frech an. "Na, wie gef├Ąllt's dir? Ich mache uns noch ein Feuer an, damit es warm f├╝r die Nacht wird. Oder hast du noch ein paar andere Pl├Ąne?"

Ana:
"Na f├╝r das Sofa bin ich doch eine Wildfremde", entgegnete sie, erfreut ├╝ber die Art und Weise, wie Farael das Wort betonte. Sie waren zum Stehen gekommen und neugierig betrachtete Ana das kleine Haus. Es h├Ątte genauso gut irgendwo auf dem Land stehen k├Ânnen. Gerade wollte Ana dies ├Ąu├čern, da fand sie sich unvermittelt in der Luft wieder und ihr Blickfeld drehte sich einmal um 180┬░. "He!", rief sie, doch lachte dabei und sah die Haust├╝re auf sich zu wackeln. Sie sp├╝rte Faraels Kraft in seinem Arm und sein Bizeps dr├╝ckte sich fest an ihre Taille. So gut das m├Âglich war, machte sie sich kopf├╝ber ein Bild von dem kleinen Raum. Ihre Vermutungen waren gar nicht so falsch gewesen. Es war einfach, doch wohnlich und vor allem sauber und aufger├Ąumt. Einzig eine Art Altar ├╝berraschte sie, doch dann fiel ihr ein, dass Farael ein Waldalb war und trotz seines st├Ądtischen Lebens, typisch f├╝r sein Volk, der Mutter huldigte. Das gefiel ihr, obwohl sie selbst nicht wirklich religi├Âs war und nur Nyel ehrte. Ganz kurz versp├╝rte Ana den Drang Farael am Kragen zu sich heran zu ziehen, nachdem er sie abgesetzt hatte, doch er verflog so schnell wie er gekommen war und sie grinste blo├č zur├╝ck. "Oh, ein Feuer klingt wunderbar!", entgegnete sie. "Es gibt kaum etwas Sch├Âneres, als die knisternde W├Ąrme eines Kamins. Und dann... w├╝rde ich vielleicht zu einem kleinen Nachttrunk nicht nein sagen."

Farael:
Offensichtlich konnte Ana nicht die Finger von Alkohol lassen, was er nur mit einem Kopfsch├╝tteln samt Grinsen quittierte. Bevor er jedoch Feuerholz holen ging, schritt er zur Kommode und holte aus ihre eine saubere Decke hervor, die er f├╝r besonders kalte N├Ąchte aufbewahrte. Er liegte sie auf der Couch ab und stellte sich dann vor Ana. "So so. Nur das Trinken im Kopf, obwohl es g├Ąnzlich Andere Sch├Ânheiten in diesem Raum gibt", gab er schlie├člich zur├╝ck. "Leider habe ich keinen Alkohol hier, tut mir leid. Lass mich erst einmal aus meiner R├╝stung schl├╝pfen, dann k├Ânnen wir noch einmal dr├╝ber reden." Damit machte sich Farael auch schon auf den Weg zu seinem Bett und den R├╝stungsst├Ąnder. Seine Waffen wanderten auf den daf├╝r vorgesehen Waffenst├Ąnder, worauf dann jedes R├╝stungsst├╝ck an seinem Platz an dem R├╝stungsst├Ąnder fand. Lediglich sein Leinenhemd, die Lederhose und die Stiefel blieben ├╝brig. "Ich geh' eben Holz holen, mache es dir schon einmal gem├╝tlich." Mit diesen Worten schritt Farael hinaus in den Abend, um das Feuerholz hinter seinem Haus hervor zu holen.

Ana:
Beinahe war es ihr etwas peinlich. Sie hatte gedacht, es w├Ąre eine gute Idee und auch in Faraels Interesse, doch vermutlich war dies nur wieder eine Masche ihres Trinker-Ichs gewesen, den Wunsch zu rechtfertigen. Dankbar griff sie nach der Decke, setzte sich in den Schneidersitz und warf sich den warmen Stoff ├╝ber die Schultern. "Ich komme auch ohne zurecht", sagte sie und versuchte einen kleinen Scherz daraus zu machen. Neugierig beobachtete sie, wie Farael die R├╝stung ablegte und akribisch jedes Teil an einen passenden Platz drapierte. Nun war schon deutlich mehr von dem zu erkennen, was sich darunter befand und ein kleines L├Ącheln umspielte Anas Mundwinkel, dann nickte sie. "Danke." In die Decke eingewickelt stand sie noch einmal auf und ging im Raum umher. Sie sah sich den kleinen Schrein an, blickte hoch zur niedrigen Decke, strich mit der Hand ├╝ber den Tisch und die Kommoden und blieb dann vor dem Kamin stehen, der noch den angenehmen Duft verbrannten Holzes aussandte. "Bestimmt h├Ąlt er mich f├╝r eine Trinkerin", dachte sie. "Eine Obdachlose Trinkerin." Sie seufzte, als hinter ihr die T├╝re klickte. Farael kam mit einer Armladung voll Holz zur├╝ck. "Es ist nicht so, dass ich einen Drink brauche, um die Zeit mit dir genie├čen zu k├Ânnen", sagte Ana schnell, weil es sie wurmte. "Es ist eher die Gewohnheit vor dem Schlafengehen. Doch ich denke, wenn das Holz wohlig vor sich hin knackt und ich wei├č, dass ich in guten H├Ąnden, kann ich auch so gut schlafen." Sie l├Ąchelte sch├╝chtern.

Farael:
Die kalte Luft trieb Farael dazu an, sich ein wenig mit dem Holz zu beeilen, auch der Umstand dass es drau├čen doch recht gef├Ąhrlich war, ohne eine Waffe umherzulaufen. Also lud er sich eifrig das Holz auf die Arme, machte eine Kehrtwende und ging zur├╝ck in das Innere seines Hauses. Dort angekommen erwartete ihn eine in einer Decke eingewickelte und mit einer reuevollen Stimme sprechende Ana. Behutsam lie├č er das Holz vor dem Kamin sinken und tat als erstes einen Schritt auf Ana zu. Ein sanftes L├Ącheln umspielte seine Lippen und er legte seine rechte Hand auf ihre Schulter. "Hey, es ist alles gut. Ich verurteile dich nicht und w├╝rde es dir auch nicht ├╝bel nehmen, wenn du einen Drink gebrauchen kannst. Du wirst aber sehen, dass es mit der richtigen Atmosph├Ąre und einer guten Gesellschaft genau so gut klappt, wenn nicht sogar besser." Behutsam klopfte Farael Ana auf die Schulter. Ein wenig tat sie ihm leid, er hatte das Gef├╝hl, dass er sie zu einer Rechtfertigung zwang, was aber keinesfalls seine Absicht war. Im Gegenteil. Sie sollte sein, wer sie war. Sofern sie keine Diebin oder Assassine ist, die ihm schaden wollte. Aber das glaubte er nicht. F├╝r einen Moment widmete er sich dem Kamin, legte die Scheite zurecht und entfachte schlie├člich das Feuer. Darauf zog er sich nun auch die Stiefel aus und streckte sich einmal, in der W├Ąrme des Kamins r├Ąkeln. "Es tut gut, wieder Zuhause zu sein. Dann noch mit guter Gesellschaft im Haus. Da habe ich dann wohl alles richtig gemacht.", sagte er lachend und setzte sich auf sein Bett. Von dort aus blickte er Ana an. "Ich hoffe es ist bequem f├╝r dich hier. Brauchst du noch etwas?"

Ana:
Ana war froh, dass sie es noch angesprochen hatte und sah sichtlich erleichtert zu, wie Farael das Feuer entfachte. In die Flammen zu sehen, hatte etwas tief Beruhigendes und auch sie entledigte sich ihrer Stiefel und legte den G├╝rtel mitsamt den Dolchen und ihren kleinen Beutel neben das Sofa ab. "Es ist wunderbar, danke", sagte sie leise und fuhr sich mit den Fingern durch das Haar. Sie lehnte sich zur├╝ck und sah Farael an, dessen Gesichtsz├╝ge im Feuerschein sanft erhellt wurden.

Farael:
Nur das Knacken und Knistern des Feuerholzes durchbrach die Stille des Raumes, die sich in Faraels Haus breitgemacht hatte. Ana war zufrieden und offensichtlich gut versorgt, sie wirkte auch so. Ihr Blick war aufrichtig und Farael erwiderte diesen auch nur zu gern. F├╝r einen Moment musste er sich eingestehen, sich in ihrem kleinen Blickduell zu verlieren. Ein L├Ącheln stahl sich auf seine Lippen, als er genau dies bemerkte und sich dabei erwischte, ihre Gesichtsz├╝ge im Schein des Feuers genauer zu betrachten. Der Glanz in ihren Augen barg auch etwas unheimlich Anziehendes, auch wenn es Farael niemals offen zugeben w├╝rde. Schlie├člich war er ein harter S├Âldner, der nicht zu leicht zu beeinflussen sein sollte. Schlie├člich war es seine Stimme, die die Stille durchbrach: ÔÇ×Doch, ich denke es fehlt dir noch an etwas.ÔÇť Damit erhob er sich wieder und schritt auf den Kamin zu, ├╝ber dem auch zahlreiche K├╝chengeschirre hingen. Von dort schnappte er sich einen Teekessel, den er mithilfe eines neben dem Kamins stehenden Kanister mit Wasser bef├╝llte. Diesen stellte er vorerst beiseite, zog eine Metallplatte neben dem Kamin hervor und legte sie ├╝ber das offene Feuer. Mehr eine provisorische Kochstelle, als wirklich ernstzunehmende K├╝che, doch Farael war froh diese so nutzen zu k├Ânnen. Nachdem er die Platte in den Kamin geschoben und den Teekessel darauf gesetzt hatte, schnappte er sich noch einen kleinen Teebeutel aus einer Kommode. Gef├╝llt mit diversen, teilweise exotischen Kr├Ąutern, hing er diesen schlie├člich in das Teewasser und lie├č es aufkochen. ÔÇťGlaube mir, nachdem du diesen Kr├Ąutertee probiert hast, wirst du wirklich gut schlafen k├Ânnen und obendrein richtig gute Tr├Ąume haben! Manchmal, so hei├čt es, w├╝rde einem diese Kr├Ąutermischung sogar in den Tr├Ąumen die Dinge zeigen, nach denen man sich am meisten sehnt. Und man kann sie dort erleben! Doch das ist alles nur Hirngespinst. Zumindest hatte ich noch nicht das Gl├╝ck. Auf alle F├Ąlle schmeckt er mit einem L├Âffel Honig richtig gutÔÇť, erkl├Ąrte Farael v├Âllig freudig, obgleich er selbst von diesem Gemisch begeistert war. Auch wenn es nur geschmackliche Begeisterung war. Es dauerte nicht lang, da zischte es auch schon aus dem Kamin heraus. Sofort nahm Farael den Kessel hinab und sog tief den duftenden Dampf ein. Eine wahre K├Âstlichkeit, die sich in diesem Beh├Ąlter befand. Behutsam stellte er den Kessel auf dem Tisch ab, holte Honig aus seinem Vorratsschrank und tat zwei gro├če L├Âffel davon hinein. ÔÇ×Er w├Ąrmt wunderbar von innen und gibt einem das Gef├╝hl des Friedens. So wie auf dem Leuchtturm, nur dass dieser Frieden auch die Tr├Ąume durchsetzt.ÔÇť Farael zog zwei Becher hervor und f├╝llte beide mit dem hei├čen Tee. Einen schob er zu Ana, w├Ąhrend er sich selbst einen Stuhl nahm und sich zu Ana setzte. ÔÇ×Ich wollte mich noch einmal bei dir bedanken, f├╝r diesen Abend und den Wein. Das Bier nat├╝rlich nicht zu vergessen!ÔÇť, sprach er zu Ana, mit einem L├Ącheln auf den Lippen und in leisem Ton. ÔÇ×Ich hatte schon lang niemanden mehr, mit dem ich so reden konnte wie mit dir Ana. Du bist aus einem anderen Holz geschnitzt, als alle Anderen.ÔÇť

Ana:
Schweigend beobachtete Ana Farael einen Weile. Sie sp├╝rte, wie ihr K├Ârper in der sich ausbreitenden W├Ąrme des Feuers entspannte und mit den wohligen Ger├Ąuschen aus den Flammen auch ihr Geist. Ein sanftes L├Ącheln zog sich ├╝ber ihr Gesicht, als der Alb voller Begeisterung von dem Tee schw├Ąrmte. Es war sch├Ân, doch es hatte auch etwas Widerspr├╝chliches an sich, das sie schmunzeln lie├č. Sie hatte sich S├Âldner immer als grobschl├Ąchtige Kerle vorgestellt, die billigen Rum und dickes Bier tranken und nun war sie in Gegenwart von einem, dem ein Kr├Ąutertee die h├Âchste Freude sein konnte. Ana gefiel das. Sie wurde gerne ├╝berrascht, zumindest positiv. "Na da bin ich aber sehr gespannt, wo ich im Schlaf hinreisen werde", zwinkerte sie und nahm die Schale dankbar an. Sofort stieg ihr ein wundervoller Duft in die Nase und Bilder einer sommerlichen Waldlichtung formten sich vor ihrem inneren Auge. "Wundervoll", murmelte sie und trank ein paar vorsichtige Schl├╝cke.
Es war nicht unbedingt was er sagte, eher die Art und Weise, wie er es tat, die Ana verlegen machte und sie sp├╝rte, dass sie sogar ein wenig rot wurde. Gott sei Dank w├╝rde man das im Schein des Feuers nicht sehen k├Ânnen.
"Du musst dich nicht bedanken, Farael. Ich hatte auch schon lange keinen so sch├Ânen Abend mehr. Es hat gut getan, aus dem d├╝steren Alltagstrott auszubrechen." Ana fischte ihre Haare hinter dem R├╝cken hervor und begann sie einzudrehen. "Damit h├Ątte ich nach unserer Begegnung nicht unbedingt gerechnet", grinste sie, als sie sich zur├╝ck erinnerte. Viele M├Âglichkeiten waren ihr durch den Kopf gegangen, aber nichts glich dem, was wirklich passiert war. Bevor sie es sich anders ├╝berlegte, stellte sie die Frage, die in ihr brannte, von der gem├╝tlichen und warmen Stimmung angespornt: "Meinst du, wir k├Ânnen uns wiedersehen?"

Farael:
Gen├╝sslich nahm Farael einen Schluck des Tees zu sich, der warm in seiner Kehle hinunterfloss und dessen Hitze sich durch seinen gesamten K├Ârper auszubreiten begann. In seinen Augen eines der sch├Ânsten und entspannendsten Gef├╝hle, die einem ein Getr├Ąnk nur geben konnte. Dabei betrachtet er mit Ruhe Ana, welche von dem Tee probierte und ihrer Miene nach es ihr auch schmeckte. Mit einem L├Ącheln nahm Farael dies wohlwollend zur Kenntnis. Kaum jemand in Obenza versuchte sich an Tee. Die Meisten waren zu sehr versunken in Alkohol und Dhanga, so dass niemand die Kunst des Tees wertzusch├Ątzen wusste. Nicht dass Farael gro├č davon Ahnung hatte, aber es war dem Kr├Ąuterabsud unfair gegen├╝ber, ihn komplett zu vernachl├Ąssigen. Die Atmosph├Ąre war wohlig im Raum. Ana schien sich wohlzuf├╝hlen und auch Farael konnte der Situation keinen einzigen negativen Punkt abringen. Es war perfekt, auch wenn ihm langsam die M├╝digkeit die Sinne vernebelte. Als Ana ihre Frage stellte, verschwand sein L├Ącheln jedoch augenblicklich und ihm wich ein erster Gesichtsausdruck. Er versuchte Trockenheit und ein n├╝chternes Gef├╝hl auszudr├╝cken. Ein Blick, der einem Toten geh├Ârte. Er lie├č seinen Blick wirken. Die Ruhe hielt er aufrecht. ÔÇ×Die Frage ist nicht, ob wir uns wiedersehen AnaÔÇť, erkl├Ąrte er trocken. Eine kurze, qualvolle Pause. ÔÇ×Sondern das Wann. Und das wird morgen fr├╝h sein. Danach zu jedem Zeitpunkt, an dem du es w├╝nscht und ich nicht gerade allein besch├Ąftigt sein muss.ÔÇť Seine Miene dr├╝ckte nun wieder Freude und ein L├Ącheln aus. ÔÇ×Au├čerdem ÔÇô wenn du ein Dach ├╝ber dem Kopf brauchst, f├╝r die Nacht, kannst du gern hierherkommen. Sofern du nichts klaust oder irgendwelche Leute mitbringst. Oder mir die Haare vom Kopf frisstÔÇť, erkl├Ąrte Farael warm und nahm darauf einen Schluck von seinem Tee. ÔÇ×Wie ich dir bereits mehrmals sagte, bist du jemand Besonderes. Jemand wie du sollte nicht auf der Stra├če schlafen m├╝ssen und ich w├╝rde dich gern genauer kennenlernen. Wenn du wilde Reiterin und Piratin es denn willst, versteht sich.ÔÇť Mit einem Augenzwinkern nahm Farael schlie├člich noch einen tiefen Schluck von seinem Tee.

Ana:
Sogleich bereute Ana ihre Frage. War sie zu weit gegangen? Hatte sie eine Linie ├╝berschritten, die Farael strikt mied? Alles in seinem Ausdruck sprach daf├╝r und der angenehme Geschmack des Tees verwandelte sich in Anas Mund in Bitterkeit. "Das hast du davon, wenn du dich jemandem ├Âffnest!", schalt sie sich im Stillen und legte sich bereits abschw├Ąchende Worte zurecht, als Farael schlie├člich sprach und sie doch noch einmal innehielt. Was sie h├Ârte, drang zun├Ąchst gar nicht in voller G├Ąnze zu ihr durch, so perplex war sie. Sie blinzelte ein, zwei Mal und schluckte hinunter, was sie hatte sagen wollen. Erstaunen wich Zuneigung, die sich dann wieder in ersteres wandelte, so fremd war ihr dieses warme Gef├╝hl ├╝ber die letzten Jahre geworden. L├Ąchelnd senkte sie den Blick. Dabei wusste sie gar nicht, Warum sie ihre Freude zu verbergen suchte. Das letzte Mal, als sie solch gute Worte geh├Ârt hatte, war... Ana stockte in ihren Gedanken und ihr L├Ącheln verblasste. Nein! Das war Unsinn. Mit purer Willenskraft verdr├Ąngte sie den anklagenden Gedanken aus ihrem Kopf. "Schade", scherzte sie stattdessen, "ich hatte mich schon auf eine k├Âstliche Haarpastete gefreut. Albenhaar gilt auf den Rabeninseln als Delikatesse." Sie blickte Farael nun wieder direkt an. "Das ist ein ungew├Âhnliches Angebot", fuhr sie ernster fort. Einer umherstreunernden Piratin bedingungslos die eigene T├╝r zu ├Âffnen... das tat nur jemand, der t├Âricht genug war. Doch Ana wusste, dass Farael nicht dumm war. Er sah wirklich mehr in ihr. Ebenso lag ihr mehr an seiner Bekanntschaft, als dass sie es durch einen k├╝mmerlichen Diebstahl zunichte gemacht h├Ątte. "Ich werde es nicht in den Dreck ziehen und mich ordentlich auff├╝hren, wann immer ich es in Anspruch nehme. Und nat├╝rlich danke ich dir vielmals." Einen Augenblick schwiegen sie. "Ich m├Âchte auch gern noch mehr von dir erfahren", gab sie schlie├člich zu. "Und zu gern m├Âchte ich sehen, ob du in der Lage bist, ein wildes Pferd zu z├Ąhmen. Wir sind st├Ârrisch und launisch und brauchen viel Auslauf." Ein breites Grinsen hatte sich zur├╝ck in ihr Gesicht gek├Ąmpft und die inneren Zweifel und Sorgen endg├╝ltig verdr├Ąngt.

Farael:
F├╝r einen kurzen Moment hatte Farael das Bild eines Alben im Kopf, der f├╝r seine Haare geschoren wurde, damit die Norkara diese als Pastete zubereiten konnten. Mit einer Mischung aus Faszination und Ekel tat sich vor ihm eine Pastete auf, aus der, wenn man in sie hineinbiss, zahlreiche Haare gesprungen kamen. Es schauderte Farael f├╝r einen Moment, weswegen er den Gedanken kommentierte: ÔÇ×Pasteten aus Albenhaar ist wirklich widerlich. Noch widerlicher, wenn man es sich vorstellt. Oder ├╝berhaupt Pastete mit Haarf├╝llung. ├ť├Ąrgs.ÔÇť Immerhin hatte Ana Charme und eine gewisse Kreativit├Ąt, die er ihr nicht verdenken konnte. Deshalb folgte von ihm auch ein beherztes Lachen, bevor er diesen teilweise verst├Ârenden Gedanken bei Seite schob. Aufmerksam h├Ârte Farael den weiteren Worten Anas zu, genoss aber auch die kurze Ruhe die in einer Pause ihres Gespr├Ąches entstand. Nicht immer war es notwendig, laut zu sein. Denn Stille konnte genau so viel ausdr├╝cken, wie es ein Wort konnte. In diesem Falle war die Stille sch├Ân und angenehm zugleich. F├╝r einen Moment schloss er die Augen und versp├╝rte nicht mehr, als die Anwesenheit der Norkara in seinem Raum. Er vertraute ihr. Er zeigte es. Er bereute es nicht. Sie war anders, sie musste anders sein als sonst jeder in dieser intriganten Stadt. Ansonsten w├╝rde er sich bitter t├Ąuschen und er wusste, dass man auf diese Weise sein Leben in Obenza verwirken konnte. Aus erster Hand wusste er es. Diese Gedanken wurden jedoch schnell verdr├Ąngt, als Ana pl├Âtzlich das Wort erhob. Er zuckte zusammen, als er ihre Stimme h├Ârte und hatte sich dabei erwischt, wie er f├╝r einen Moment weggenickt war. Zu seinem Gl├╝ck hatte er genug mitbekommen, dass er sofort ihr Grinsen erwidern konnte. ÔÇ×Ach so ist das? Waren wir nicht vorhin noch dabei, dass ich das Pferd und du die Reiterin bist? Oder denkst du wir werden h├Ąufig genug diese Rollen tauschen?ÔÇť Mit einem lasziven Zwinkern stellte er provozierend die Frage. Um es mit einem stumpfen Wortwitz zu umschreiben: Farael hatte das Gef├╝hl es w├╝rde zwischen ihnen Knistern und das lag nicht an dem Kaminfeuer. ÔÇ×Auf alle F├Ąlle bin ich mir sicher, dass ich dir genug Auslauf gew├Ąhren und dennoch dich mit den richtigen Mitteln z├Ąhmen kann. Warte nur ab.ÔÇť, f├╝gte er schlie├člich breit grinsend an. F├╝r Farael stand fest, dass er Ana wiedersehen wollte. Je l├Ąnger er sie sah und sich mit ihr unterhielt, desto mehr hatte er das Gef├╝hl, dass er diese Entscheidung gar nicht bereuen konnte. Entweder das, oder seine Torheit erreichte neue H├Âhenfl├╝ge. Mit einem letzten Schluck leerte er seinen Becher mit Tee und lehnte sich zur├╝ck, dabei herzhaft g├Ąhnen und sich einmal der L├Ąnge nach streckend.

Ana:
"Oh, du hast also wirklich zugeh├Ârt", sagte Ana mit gespielt ├╝berzogenem Erstaunen. "Ich dachte, bei euch geht alles, was wir sagen links rein und rechts wieder raus." Genau das hatte sie zumindest schon h├Ąufig erlebt und sich selbst zum Vorteil gemacht. Bei Farael musste man allem Anschein nach vorsichtig sein, was man sagte. "Es klingt, als h├Ąttest du Erfahrung." Ana setzte einen gewichtigen Blick auf, doch l├Ąchelte dabei. Sie sah, wie Farael sich streckte und sp├╝rte, dass auch ihr so langsam die M├╝digkeit in die Glieder kroch, dem interessanten Gespr├Ąch zum Trotz. Heute Nacht w├╝rde sie gut schlafen, da war sie sich sicher. Irgendetwas sagte ihr, dass sie in diesen vier W├Ąnden nichts zu bef├╝rchten hatte.

Farael:
Mehrere Male blinzelte Farael Ana an, da er anfangs gar nicht verstand, woher dieses Klischee ihm gegen├╝ber pl├Âtzlich kam. Nat├╝rlich nahm er es gelassen und mit einem breiten Grinsen auf, auch wenn es ihn anfangs etwas verwirrt hatte. "Ich mag zwar manchmal mit meinem Schwanz denken, aber h├Ąufig tue ich das nicht. Sonst w├Ąre ich heute nicht mehr am Leben", antwortet er frech mit einem noch breiterem Grinsen. "Sonst h├Ątte ich dich wohl kaum vor diesen b├Âsen Banditen retten k├Ânnen, wenn ich keine Erfahrung habe. Oder nicht zuh├Âren w├╝rde. Denn dann h├Ątte ich sie nicht kommen h├Âren." F├╝r einen kurzen Moment erhob sich Farael von seinem Sessel und r├Ąumte das Geschirr ab, ehe er sich wieder zu Ana setzte. Seine Augenlider waren schon etwas schwer, doch er wollte dem trotzen, die M├Âglichkeit mit Ana zu reden und sie n├Ąher kennenzulernen war viel zu greifbar, als dass er sich diese M├Âglichkeit entgehen lassen wollte. "Wo kommt denn die pl├Âtzliche Kampfeslust her?", hakte er schlie├člich nach, das Grinsen nicht minder breit.

Ana:
"Ich dachte eher an Erfahrung mit wilden Pferden... oder deren Reiter. Dass du mit einf├Ąltigen Banditen klar kommst, glaube ich dir sofort", neckte Ana weiter, als der Alb aufr├Ąumte. "Och", ├╝berlegte sie, "es ist so sch├Ân einmal wieder ein richtiges Gespr├Ąch zu f├╝hren, da bin ich wohl etwas ├╝berm├╝tig geworden. Der richtige Gespr├Ąchspartner kann sehr herausfordernd wirken." Sie l├Ąchelte vielsagend. "Normalerweise benutze ich meine Stimmb├Ąnder nur zum Verhandeln einer Gage oder um irgendeinen Trunkenbold davon zu ├╝berzeugen, dass er zu tief ins Glas geschaut hat, um ├╝berhaupt noch irgendetwas auf die Reihe zu kriegen... Das ist auf Dauer wenig zufriedenstellend." Ana zog die Beine an und legte ihre Arme darum. "Die meisten Leute, die man so trifft, bemerken kleine Neckereien ├╝berhaupt nicht", fuhr sie fort. Eigentlich war das sehr schade, denn es komplettierte ihre Verf├╝hrungsk├╝nste nach eigenem Ermessen wunderbar. Manchmal war es da gar frustrierend zu erkennen, dass ein Erfolg nur dem K├Ârperlichen geschuldet war. Etwas ├╝berrascht sch├╝ttelte Ana den Gedanken ab. Wo war das hergekommen? War sie unbewusst schon wieder dabei, zu umgarnen? Sie musste sich am Riemen rei├čen! Zumindest, wenn sie herausfinden wollte, ob Farael ihr wirklich etwas bedeuten konnte.

Farael:
Mit sorgsamen Blick musterte Farael die Piratin genauer. Er wollte nicht forsch wirken, starrte aus diesem Grund nicht, jedoch versuchte er den stetigen Augenkontakt zu erhalten. Einer seiner Mundwinkel verzog sich nach oben, als er den Erz├Ąhlungen Anas lauschte und auch, was sie den lieben langen Tag tat. ÔÇ×So so. Also sind eher Trunkenbolde, Wirte und l├╝sterne Kerle dein Klientel, mit dem du dich meist herumschlagen musst. Na gut, in dieser Stadt wundert das Niemanden. Ich bleibe dabei, dass du Besseres verdient hast. Ich seh's in deinen Augen.ÔÇť Mit einem entspannten Seufzen lehnte sich Farael nach vorn und st├╝tzte sich mit seinen Ellenbogen auf seine Oberschenkel. ÔÇ×Wei├čt du, einige Frauen haben versucht die Reiterin zu sein. Doch letztendlich entpuppten sich sich nur als ungest├╝me Pferde. Ich frage mich immer noch, zu wem du geh├Âren wirst AnaÔÇť, antwortete er mit einem frechen Grinsen und zwinkerte ihr zu. Sie spielte mit ihm und er bekam es mit. Und Farael genoss diese Art des Spiels. Sie waren auf Augenh├Âhe, niemand konnte dem Anderen etwas absprechen, geschweige denn die Oberhand gewinnen. Es war wirklich sch├Ân, dass Ana nicht die gemeine Frau von der Stra├če Obenzas war. Sondern wesentlich mehr als das. ÔÇ×Eins gew├Âhne dir niemals ab: H├Âr' niemals auf ├╝berm├╝tig zu sein und nehme dir was dir zusteht. Du kannst Gro├čes erreichen. Wonach sich dein Herz sehnt, solltest du auch greifen. Egal was es kostet. Zudem mag ich deinen ├ťbermut, endlich mal eine Frau die einem nicht einfach nur stumpfe Dinge entgegenwirft um einen herumzukriegen. Man mag meinen, die M├Ąnner Obenzas seien schlimm, doch viele Frauen aus dieser Stadt stehen dem in Nichts nach.ÔÇť

Ana:
War das eine Herausforderung? So oder so, Ana sp├╝rte, dass sie es zu gern herausfinden w├╝rde - irgendwann zumindest und automatisch glitt ihr Blick ├╝ber Faraels Oberk├Ârper. Sie wusste genau, welche Rolle sie normalerweise bevorzugte, doch wer wusste schon, ob der Alb sie nicht umstimmen konnte. Schlie├člich fanden ihre Augen wieder den Weg zu seinen. Sie seufzte. "Ich habe mir stets genommen, wonach mit das Herz stand. Das hat mich letztlich hier her gef├╝hrt... Doch du hast Recht. Andernfalls h├Ątte ich so vieles nie erlebt." Sie dachte an die Zeit auf See, an die gl├╝cklichen Momente mit der Crew, an das Gef├╝hl von Freiheit, hingehen zu k├Ânnen wo immer und wann immer sie wollte, an all die Lieder, zu denen sie der eigene Lebensweg inspiriert hatte und auch an Farael, den sie nie kennengelernt h├Ątte, wenn sie damals anders entschieden h├Ątte. "Danke, dass du das sagst", murmelte sie sanft, ohne zu wissen, ob er verstehen konnte, was sie meinte. "Und ich f├╝rchte du hast Recht", f├╝gte sie mit einem zustimmenden Nicken hinzu. "So manches Weib in dieser Stadt l├Ąsst den Teufel selbst als harmloses K├Ątzchen erscheinen." Dass sie damit auch selbst Erfahrung hatte, verschwieg sie f├╝r den Moment.

Farael:
Mit einem stummen Nicken best├Ątigte Farael die Worte Anas, ohne selbst etwas dazu zu sagen. Die wichtigsten Worte waren gesprochen. Schlie├člich g├Ąhnte er erneut und lehnte sich noch einmal zur├╝ck. Die W├Ąrme in dem Haus war wunderbar wohlig und sein K├Ârper meldete nun den H├Âhepunkt seiner M├╝digkeit. ÔÇ×Gern geschehen AnaÔÇť, sagte er schlie├člich, ehe er sich erhob un im Stehen noch einmal streckte. ÔÇ×Wir sollten langsam schlafen gehen, es wird sp├Ąt und ich bin langsam wirklich sehr m├╝de.ÔÇť Daraufhin blickte Farael Ana f├╝r einige Sekunden reglos an, mehrere Gedanken schossen durch seinen Kopf, doch seine Vernunft und die Angst eine zu schnelle Entscheidung zu tun, stoppten augenblicklich das, was in ihm hatte aufkommen wollen. Stattdessen griff er behutsam Anas Hand und dr├╝ckte sie sanft. ÔÇ×Bereue niemals deine Entscheidungen. Denn nur diese Entscheidungen haben dich zu der Person gemacht, die du bist. Und ich sehe hier eine wundersch├Âne Pers├Ânlichkeit vor mir.ÔÇť Mit diesen abschlie├čenden Worten lie├č Farael die Hand Anas los und klopfte ihr auf die Schulter, ehe er zu seinem Bett ging. Dort entledigte er sich seines Hemdes und setzte sich auf sein Bett. ÔÇ×Kann ich dir noch etwas bringen?ÔÇť, fragte er.

Ana:
Ana schluckte. Und schluckte noch einmal. Machte er das mit Absicht? Immerhin wusste sie nun, was sich unter dem Hemd befand und schloss, dass es viel zu schade war, um allzu h├Ąufig versteckt zu werden. "Ich", setzte sie an. Noch immer sp├╝rte sie die W├Ąrme von Faraels Hand auf der ihren. "Nein, ich glaube, ich habe alles was ich brauche." Ihr Herz klopfte doller, als es sollte und hartn├Ąckig dr├Ąngte sich eine Frage in ihr Bewusstsein. Darf ich mich zu dir legen? Was war nur los? Sie war doch l├Ąngst aus dem Alter hinaus, in dem man h├╝bschen Jungs nachschw├Ąrmte und in deren Gegenwart ganz wirr wurde. Vermutlich war sie zu n├╝chtern, dachte sie und am├╝sierte sich im Stillen ├╝ber den Gedanken. Dann war sie zur├╝ck bei der urspr├╝nglichen Frage. Ob Farael das wollen w├╝rde? Eigentlich wirkte er auf Ana wie jemand, der sich nahm, was er begehrte, doch seine Worte... ebenso gut konnte es sein, dass er einfach nur vorsichtig sein wollte. Das war wahrscheinlich auch das beste. Ana wusste zu gut, wohin es f├╝hren w├╝rde, wenn sie sich zu ihm legte. Allerdings konnte sie sich nicht l├Ąnger vormachen, dass sie das nicht wollen w├╝rde. Erneut schluckte sie. "Doch. Es ist alles wunderbar und ich kann dir gar nicht genug danken." Ihrer Worte zum Trotz konnte Ana die Entt├Ąuschung in ihrem Innern nicht aufhalten.

Farael:
F├╝r Farael war es mehr als eindeutig, dass etwas nicht stimmte. Ana schien eine Laus ├╝ber die Leber gelaufen zu sein und versuchte es mit aller Macht zu verbergen, doch ihre ganze Gestik verriet sie. Auch wie sie ihre Worte aussprach, tat nichts dazu bei, dass er ihr glauben konnte. Argw├Âhnisch beobachtete er das Spiel f├╝r einen Moment, entschied sich aber schnell, dass er lieber nachfragte. ÔÇ×Nein, ist es nicht. Was ist los Ana?ÔÇť, fragte er schlie├člich mit besorgter Miene.

Ana:
Die Ans├Ątze eines Lachens entschl├╝pften Ana, da sie so einfach ertappt worden war. Ja... was sagte sie nun? Sie entschied sich f├╝r die Wahrheit. "Wei├čt du, Farael", begann sie, "normalerweise w├╝rde ich mich nun zu dir dazu legen, sofern du mich lie├čest, und vermutlich w├╝rden wir uns noch auf eine ganze andere Weise kennenlernen." Sie atmete noch einmal tief durch. "Und ich kann nicht leugnen, dass ich das m├Âchte." Die Worte waren schwer wie Blei. "Aber zugleich f├╝hle ich, dass es falsch w├Ąre... falsch mit dir zu verfahren wie mit so vielen zuvor, von denen ich aber keinen h├Ątte wiedersehen wollen."

Farael:
Mit nachdenklichem Blick betraute Farael die Worte Anas. Sie hatte Recht und auch er wusste, dass dieser Schritt alles gef├Ąhrden k├Ânnte. Doch sie sehnte sich danach. Er sah es ihr an und auch ihre Worte sprachen davon. Allerdings schien sie nicht zu verstehen, dass N├Ąhe nicht gleichbedeutend mit Sex sein musste. Im Gegenteil. "Dir sollte eines klar sein Ana. Ich w├╝rde nicht mit dir schlafen wollen, weil es alles gef├Ąhrden w├╝rde, was wir uns hier so vorsichtig aufbauen." Vorsichtig erhob sich Farael und schlenderte mit einem beruhigenden L├Ącheln auf Ana zu. "Doch dass ich nicht mit dir schlafen m├Âchte, ist nicht gleichbedeutend mit dem, dass ich nicht deine N├Ąhe genie├čen w├╝rde. Weder will ich dich herumkriegen, noch dich verf├╝hren. Ich will, dass du dich wohlf├╝hlst. Und menschliche N├Ąhe ist ein elementares Bed├╝rfnis. In jedem von uns." Vorsichtig streckte Farael Ana seine Hand entgegen, bot ihr diese an. "Wenn du es m├Âchtest, darfst du dich zu mir legen. Jedoch m├Âchte ich kein Sex. Dieses Verlangen zu sp├╝ren ist kein Grund, sich zu sch├Ąmen. Es ist nat├╝rlich."
Ana:
Sie sp├╝rte, wie sie knallrot anlief. Im selben Moment war sie ger├╝hrt von Faraels Worten und brauchte einen Augenblick, bis sie sich sortiert hatte und reagieren konnte. Tats├Ąchlich konnte sie sich ├╝berhaupt nicht erinnern, wann sie zuletzt einem Menschen nahe gewesen war, ohne den ganzen Weg zu gehen und mit ihm - oder ihr - zu schlafen. Hatte sie das wom├Âglich verlernt? Langsam hob sie den Blick und sah Farael in die Augen, die im Schein der letzten Feuerzungen funkelten. Dann legte sie ihre Hand in seine. "Du musst ein schreckliches Bild von mir haben", murmelte sie. "Erst der Alkohol, nun Sex... ich wei├č gar nicht, was ich sagen soll." Farael hatte sie mit seinen Worten wirklich ├╝berrascht und ber├╝hrt. "Ich w├╝rde sehr gerne bei dir liegen. Ich bin zuversichtlich, dass ich meine Triebe im Zaum halten kann", schloss sie mit einem Scherz, um wenigstens ein bisschen von der Peinlichkeit ablenken zu k├Ânnen.

Farael:
Ein gewaltiges Grinsen mei├čelte sich in das Gesicht Faraels, als er den knallroten Kopf Anas bemerkte. Ihr war diese Situation sichtlich unangenehm, wenn sie wohl auch sehr ├╝berrascht wurde. Doch Farael hingegen war die Ruhe selbst. Er selbst hatte nichts dagegen, N├Ąhe mit jemanden auszutauschen, der mehr war, als eine typisch-obenzische Frau. Es w├Ąre Vergeudung, Ana nicht diese Chance einzur├Ąumen und auch er selbst musste sich gestehen, nicht besser als sie zu sein. Zumindest meistens nicht, wenn er mit den zuvor genannten Frauen verkehrte. Behutsam legte er seine Hand um ihre und verschloss seine Finger mit den ihren. ÔÇ×Dir braucht es nicht unangenehm zu sein. Dein Bild ist ungetr├╝bt, wie zuvor auch. Wie ich bereits sagte, es ist alles in unserer Natur.ÔÇť Langsam ging Farael mit Ana an seiner Hand zu seinem Bett, ehe er sich selbst setzte und Ana einlud, neben ihm Platz zu nehmen. ÔÇ×Ich bin nicht besser. Zumindest k├Ânnen dir das zahlreiche Frauen hier in Obenza best├Ątigen. Jedoch zeigt der Moment in dem man sich in angenehmer Gesellschaft befindet, was f├╝r ein Mensch man wirklich ist.ÔÇť

Ana:
Ihre Finger verschlossen sich und auf seltsamte Weise f├╝hlte es sich so vertraut an, als kannten sie sich schon ewig. Genaus ├╝berraschend kam der Stich der Eifersucht, als Farael aussprach, was sie ohnehin schon gewusst hatte. Und wo er sich keinen Deut von ihr unterschied. Nun, welcher Mensch bin ich dann wirklich?, dachte Ana bei sich, denn immerhin war es nicht sie gewesen, die die Situation gerettet hatte. Sie versuchte sich selbst Mut zuzusprechen. Tapfer hatte sie dem Drang widerstanden und Farael nahm ihr auch nichts krumm. Langsam lie├č sie sich neben ihn sinken und legte ihren Kopf auf seiner Schulter ab. Alles f├╝hlte sich so richtig an und doch ungewohnt und fremd.

Farael:
Ab diesem Zeitpunkt war sich Farael sicher, dass diese Situation keiner Worte mehr bedarf. Ana war ihm so nah, wie sie es anfangs gar nicht beabsichtigt hatten. Behutsam hielt er ihre Hand in seiner, als ob es der gr├Â├čte Schatz w├Ąre, den es zu erbeuten gab. Seine freie Hand strich ihr durch das Haar und er legte seine Wange auf ihren Kopf. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie sehr es ihm gefehlt hatte. Einem Menschen ohne Hintergedanken nahe sein zu k├Ânnen. Jemand, auf den man sich einlassen konnte, ohne dass dieser mit einem direkt Sex haben wollte. Es f├╝hlte sich richtig an. Keiner seiner Gedanken wollte ihn verraten und sie doch zu einem Techtelmechtel verf├╝hren. Das Einzige woran Farael in diesem Moment dachte, war die Zuneigung die er gegen├╝ber Ana versp├╝rte. Jene Zuneigung, die weit ├╝ber Sex und wilde Tr├Ąume hinaus ging. F├╝r einige Augenblicke verharrte er mit ihr in dieser Position, er schloss gar die Augen dabei und genoss den Moment. Jedoch begann ihn auch allm├Ąhlich die M├╝digkeit zu ├╝bermannen. Aus diesem Grund l├Âste er sich ein St├╝ck von Ana. Ohne ihre Hand loszulassen, kroch er unter die Bettdecke und legte sich auf den R├╝cken, dabei bedacht Ana genug Paltz und Freiraum zu lassen, sich selbst eine angenehme Position zu suchen. Wie nerv├Âs er wirklich war, so wie er kaum mit dieser Situation gerechnet hatte, machte nur sein wild schlagendes Herz deutlich. Mit seiner Ruhe war es vorbei. Aufregung und Nervosit├Ąt waren in seiner Gef├╝hlswelt. Doch versuchte er nicht zu hinterfragen, sondern es einfach hinzunehmen ÔÇô und zu genie├čen.

Ana:
Sie verharrten und die Zeit blieb stehen. Es konnten Sekunden sein und ebenso gut Stunden. Irgendwann l├Âste Farael sich aus der Position und Ana folgte ihm, als w├Ąre es das Nat├╝rlichste der Welt, das, was sie jeden Abend tat. Sie lag mit dem R├╝cken zu ihm und hatte die Augen weit ge├Âffnet, obwohl sie eben noch totm├╝de gewesen war. Das Feuer verkam langsam zur Glut und mit ihm schwand das Licht. Trotzdem blickte sie in den Raum, als brauchte sie die Augen, um den Moment abspeichern zu k├Ânnen, oder als f├╝rchte sie nur, zu schnell einzuschlafen. Ganz deutlich sp├╝rte sie Faraels W├Ąrme und sie rutschte ein St├╝ck zur├╝ck, bis sie sich ganz leicht ber├╝hrten. Kurz meinte sie, seinen Herzschlag zu sp├╝ren, doch ebenso gut konnte es ihr eigener sein. Sein Arm legte sich um sie und schlie├člich schloss Ana ihre Augen. Ihr Atme wurde ruhiger und ein wohliges L├Ącheln umspielte ihre Mundwinkel. Sie ergriff seine Hand noch bevor sie einschlief.

Farael:
Farael sp├╝rte die zarte Hand, wie sie nach seiner tastete und schlie├člich seine eigene Hand umschloss. Er konnte nicht sehen, welchen Gesichtsausdruck Ana hatte, doch er sp├╝rte, wie sie sich sichtlich entspannte und sie ihm mit dem R├╝cken n├Ąher. Er z├Âgerte nicht, sich dicht an sie und seinen K├Ârper sch├╝tzend um sie zu legen. Der Raum wurde getaucht in Dunkelheit, der Duft der von ihr str├Âmte schien ihm so vertraut. "Gute Nacht Ana, schlaf gut", w├╝nschte er ihr in seinen letzten wachen Momenten, ehe er selbst in das Reich der Tr├Ąume entglitt.

Ana:
Nachdem Ana seine Hand ergriffen hatte, zog Farael sie noch ein St├╝ck n├Ąher an sich heran, als h├Ątte er nur diese Best├Ątigung gebraucht. Geborgenheit... das dr├╝ckte wohl am besten aus, was Ana in diesem Moment f├╝hlte. "Du auch, Farael", fl├╝sterte sie, die Zunge schon schwer von M├╝digkeit und langsam schwand ihr Geist aus der wachen Welt. St├╝ck f├╝r St├╝ck verblasste die Wirklichkeit um sie herum, bis zuletzt nur noch Farael ├╝brig war. Dann war Ana eingeschlafen.

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Farael Dornenwind
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#19

Beitrag von Farael Dornenwind » So 18. Feb 2018, 14:10

Ein warmes Gef├╝hl bedeckte Faraels K├Ârper, seine Sinne waren kaum im Stande Traum von Wirklichkeit zu unterscheiden. Das Gef├╝hl der Geborgenheit durchstr├Âmte jede Faser seines Seins. Die Methalle war ein Zeugnis der Verdienste seiner Kompanie. Nur durch ihre harte Arbeit und sein taktisches Zutun haben sie gen├╝gend Geld heranschaffen k├Ânnen, um den gr├Â├čten Traum seiner M├Ąnner erf├╝llen zu k├Ânnen. Die lodernden Feuer der Kamine erf├╝llte den Raum mit Licht und Hitze, w├Ąhrend in einem Singsang Frauen und M├Ąnner ihr Leben besangen!

Farael stand am Kopf der Tafel, hielt sein Horn voll Met in die H├Âhe und stimmte in das Lied ein. Die Stimmung war ausgelassen, es wurde gefeiert bis sich die Balken bogen. Hier und da pr├╝gelten sich ein paar M├Ąnner, wurden zur Unterhaltung einiger Schaulustiger. Viele vergingen sich auf gr├Âbste Weise an dem servierten Essen und der Alkohol floss in Str├Âmen. Nicht Faraels Art, aber seine M├Ąnner waren dadurch zufrieden zu stellen. Und wer w├╝rde ihnen schon diesen Spa├č verwehren, so lang sie keine Dummheiten anstellten?

Mit stolzem L├Ącheln beobachtete er das Gelage, hob das Horn und nahm einen tiefen Schluck. Pl├Âtzlich verstummte das Gel├Ąchter und die Lieder. Bei├čender Geruch von Feuer und Blut bohrte sich in Faraels Nase. Z├Âgerlich senkte er das Horn. Roter Lebenssaft tropfte aus diesem. Sein Blick glitt ├╝ber ein Schlachtfeld sondergleichen. Die Methalle ÔÇô in Ruinen. ├ťber Tische und St├╝hle Leichen von seinen S├Âldnern. Abgeschlachtet wie Schweine. In ihren erstarrten Gesichtern der Ausdruck des verzweifelten ├ťberlebenskampfes. Augenblicklich erlosch jede Freude in Farael. Das Horn fiel zu Boden. Und sein Blick wurde schwarz.

Ein anderes Gef├╝hl der Sicherheit zeigte sich in Farael, als er die Augen aufschlug und gegen die Decke seines Hauses schaute. Es war wieder einer der Albtr├Ąume gewesen, die ihn mancher Nachts heimsuchten. Die schrecklichen Bilder wurden jedoch schnell vertrieben. Eine sanfte Bewegung auf seiner Brust zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Er blickte an sich hinab und sah einen wilden Haarschopf. Unter diesem befand sich Anas Kopf, auf seiner Brust ruhend. Sie hatte sich im Schlaf wohl an ihn angeschmiegt.

Aus Gewohnheit begann Farael sofort zu ├╝berlegen, was am letzten Abend passiert war. Er war definitiv nicht betrunken gewesen. Zu gut erinnerte er sich an ihr abendliches Gespr├Ąch und auch wie sie gemeinsam zu Bett gingen. Er wollte nicht mit ihr schlafen. Argw├Âhnisch betrachtete er das Haarkn├Ąuel auf seiner Brust. Behutsam schob er Anas Kopf beiseite und hob die Decke an. ÔÇ×Ardemia sei DankÔÇť, fl├╝sterte er schlie├člich. Sie waren nicht nackt. Lieber ging er auf Nummer sicher, ehe er sich auf seine Erinnerungen verlie├č.

Vorsichtig begann sich Farael aus der Umarmung Anas zu l├Âsen und aus dem Bett aufzustehen. Das war kein einfaches Unterfangen. Normalerweise schubste er die Frauen von seiner Bettkante und wies sie an zu gehen. Doch Ana war nicht irgend eine Frau. Auch wenn er schon im n├Ąchsten Moment diesen Gedanken hinterfragen musste.

W├Ąhrend er neben dem Bett stand, betrachtete er die nun wahrlich unschuldig wirkende Norkara. Was hatte er sich dabei nur gedacht? Sie war anders als alle Anderen zuvor, doch war dies ein Grund nachl├Ąssig zu werden? Das Vertrauen in die falschen Menschen zu setzen hatte seinem damaligen S├Âldnerlager die Existenz gekostet. Dennoch lag eine eigentlich fremde Frau in seinem Bett, die schon mehr ├╝ber ihn wusste, als seine zw├Âlf Liebschaften zuvor insgesamt. Dabei kannten sie sich nicht einmal einen Tag. Was war so besonders an ihr?

Fragen ├╝ber Fragen, die Farael nur seufzen lie├čen. Deren Antwort konnte er so oder so nicht zu diesem Zeitpunkt beantworten. Fest stand, dass er trotz der Bedenken es nicht ├╝ber's Herz bringen k├Ânnte, sie aus seinem Haus zu schmei├čen oder sie gar erst zu vergessen. Stattdessen nahm er Stift und Papier zur Hand.

Ana,
wundere dich nicht, dass ich weg bin. Ich habe noch Dinge zu erledigen. Mein Angebot von gestern bleibt bestehen. Mein Zuhause ist auch gern dein Zuhause. Nimm dir etwas zu Essen, wenn du Hunger hast. Hinter dem Haus ist eine Wasserpumpe. Dort kannst du dich waschen. Du solltest aber vielleicht auf die Nachbarn achten. Die sehen nicht jeden Tag eine gut aussehende Frau hier. Ich hoffe wir sehen uns bald wieder.

Farael


Der Zettel wurde von Farael auf seinen Tisch gelegt, so dass ihn Ana ganz einfach finden und lesen w├╝rde. Darauf griff er seine Ausr├╝stung, Waffen und seinen Geldbeutel, ehe er einen letzten Blick auf die noch immer schlafenden Ana warf. F├╝r einen Augenblick ruhte sein Blick auf ihr, wie sich ihr Brustkorb sanft hob und senkte, sie sich im Schlaf bewegte und auch zuckte. Wom├Âglich tr├Ąumte sie, doch diese Bilder blieben nur ihr vorenthalten.

Damit schritt Farael aus seinem Haus und umkreiste es. Auf dem kleinen Hinterhof befanden sich ein paar W├Ąscheleinen, die Wasserpumpe als auch das Lager f├╝r sein Feuerholz. F├╝r ihn begann seine morgendliche Routine, aus ein paar Leibes├╝bungen, der Reinigung seiner R├╝stung und schlie├člich seines K├Ârpers. Die K├Ąlte des Morgens kroch ├╝ber seinen K├Ârper, besonders als er sich eingeseift und mit Wasser benetzt hatte. Nachdem er sich das k├╝hle Nass abgetrocknet und sich schlie├člich seine R├╝stung angezogen hatte, w├Ąrmte er sich schnell wieder auf. Er brachte seinen Waffen an die entsprechenden Positionen und war bereit f├╝r den Tag.

Als erster Punkt stand das Finden von S├Âldner des ehemaligen S├Âldnerlagers. Das sollte sich als gar nicht so leicht herausstellen, wie er anfangs vermutetet. Letztendlich war die H├Ąlfte der obenzischen Bev├Âlkerung wie ein Soldat oder S├Âldner gekleidet. Kaum jemand in der Stadt lebte von normalem Handwerk. Doch sein Augen f├╝r M├Ąnner, die offensichtlich Erfahrung in einem S├Âldnerdasein hatten, entt├Ąuschte ihn nicht.

Nachdem Farael mehrere Tavernen abgesucht und nicht f├╝ndig geworden war, betrat er die Kneipe Shorty's. Ein Drecksloch, mitten in den Slums gelegen und kaum eine Gestalt an diesem Ort hatte keinen Dreck am Stecken. Hier endeten viele, die kein Geld f├╝r eine anst├Ąndiges Essen oder Getr├Ąnk hatten, geschweige denn f├╝r ein Dach ├╝ber dem Kopf. Neben dem ├╝blichen Gesocks und dem Gestank der Kneipe entdeckte Farael eine Gruppe von M├Ąnnern an einem Tisch sitzen.

Sie wirkten tats├Ąchlich wie S├Âldner, doch einen in der Gruppe kannte er. Ein ├ťberlebender des Massakers am Au├čenposten. Er sa├č mit vier anderen Gestalten am Tisch. Ungew├Âhnlicher wurde es, dass einer von ihnen nur eine Limonade trank. Limonade war vergleichsweise teuer hingegen zum Fusel, der sonst angeboten wurde. Bedacht und gro├č aufgebaut, ging zu dem Tisch her├╝ber und besah sich die M├Ąnner.

ÔÇ×Morgen M├ĄnnerÔÇť, gr├╝├čte er in einem rauen Ton. Farael hatte die Arme vor der Brust verschr├Ąnkt und blickte die M├Ąnner vor sich an. ÔÇ×Ich bin auf der Suche nach ein paar S├Âldnern vom alten S├Âldnerlager. Besser gesagt vom M├╝llhaufen, der davon ├╝brig geblieben ist. Ihr seid nicht zuf├Ąlligerweise von dort?ÔÇť Sein Blick glitt zwischen den M├Ąnnern umher, untermalte aber mit seinem ernsten Ausdruck, dass er nicht f├╝r Sp├Ą├če aufgelegt war.

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Sodo Mio
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#20

Beitrag von Sodo Mio » So 18. Feb 2018, 21:26

"Leute, ich will langsam nach Hause", n├Ârgelte Sodo, der mit dem Strohhalm seiner Limonade spielte.
"Wir haben kein zu Hause", erwiderte Cherax, der grauh├Ąutige Troll mit dem schwarzen Irokesen, der neben ihm sa├č und klang dabei ziemlich gelangweilt.
"Du wei├čt, wie ich das meine. Zu unserem Platz unter der Eisenbr├╝cke, ehe der wieder von irgendwelchen Pennern besetzt ist."
"Momentan sind wir selber Penner", grunzte Cherax.

Sie kamen nicht dazu, ihr tiefgr├╝ndiges Gespr├Ąch weiter fortzusetzen, denn ihr Gr├╝ppchen wurde von einem trainiert aussehenden Albenverschnitt angesprochen. Der Mann fragte, ob sie zuf├Ąllig vom S├Âldnerlager seien. Sodo und Cherax wechselten einen Blick. Wom├Âglich war das einer von den B├╝tteln. Jemand, der einen Verantwortlichen suchte.

"Ja klar sind wir von dort! Hast du Arbeit f├╝r uns?", mischte Bolgur sich ein, ein Norkara, der die Flammen ebenso ├╝berlebt hatte. Sodo verpasste ihm unter dem Tisch einen Tritt gegens Schienbein. "Auuuu, wof├╝r war das?", motzte Bolgur, wof├╝r Sodo ihm noch mal gegen das andere Schienbein trat. "Jetzt reichts aber", fauchte er und stie├č Sodo gegen die gepanzerte Schulter.

Sodo ignorierte den Sto├č und starrte ihn unger├╝hrt an. "Du bist besoffen", konstatierte er. "Niemand hier kommt aus dem abgefackelten S├Âldnerlager. Wir kommen aus einem S├Âldnerlager in S├╝dnaridien und sind nur auf der Durchreise nach Norden."

"Ruhig Blut, M├Ądels", brummte Cherax. "Bleibt friedlich." Dann wandte er sich an den Neuank├Âmmling. "Wer bist du ├╝berhaupt? Und warum interessiert dich das?"

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