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Re: Von Blut, Sold und Liebe

Verfasst: Sa 6. Jan 2018, 13:57
von Farael Dornenwind
Zugegeben, ein wenig schaffte es Ana Faraels Gemüt zu erhellen. Auch wenn sie die Überbringerin schlechter Nachrichten war, so hatte sie dennoch etwas an sich, was Farael zum Schmunzeln brachte. Ob es ihre Art war oder aber wie sie mit dem Leben umging. Etwas sagte Farael, dass er ein Exemplar der ganz Besonderen Sorte vor sich stehen hatte. Zumindest im Vergleich mit den sonstigen Frauen in Obenza. Also entschied er sich, vorerst an der Seite der Norkara zu bleiben und entspannt neben ihr zu wandeln, um den Abend vielleicht doch noch entspannt ausklingen zu lassen.

„Das klingt nach 'nem Plan. Dafür kriegst du später mal einen ausgeschenkt, versprochen“, verkündete Farael seine Antwort und lief gemeinsam mit Ana durch die Straßen Obenzas, bis hin zum Markt. Auf dem Weg konnte er sich aber eines nicht ganz verkneifen: „So so, ein Zufall dass du frei hast, ja? Dieser völlige Zufall kann nicht zufälligerweise damit zusammenhängen, dass du dich in angenehmer und attraktiver Gesellschaft befindest?“ Ein verschmitztes Lächeln legte sich auf die Lippen Faraels, als er Ana anblickte. „Und natürlich hast du mich nicht das ein oder andere Mal genauer betrachtet“, feixte Farael.

Natürlich konnte Ana nicht wissen, dass Farael bluffte. Er hatte keinerlei Blicke von ihr gesehen noch wirklich Interesse ihrerseits verspürt, wenn man von der aktuellen Situation absah. Sein Blick wurde neugierig und er hoffte, Ana in Verlegenheit versetzen zu können. Er fand es äußerst lustig, wenn Frauen vor Scham erröteten oder sich ertappt fühlten. Dann wurden die Meisten immer mucksmäuschenstill, was Farael stets amüsierte.

„Ich meine na gut, ein ganz romantisches Treffen auf der Spitze des Leuchtturms, mit Wein und im Licht der untergehenden Sonne. Dagegen habe ich nichts. Hat einen gewissen Charme.“ Farael musste sich enorm zurückhalten, um nicht lauthals loszulachen. Die Situation war ein wenig seltsam. Er hatte sie auf der Straße als Köder für Banditen genutzt, diese vor ihren Augen abgeschlachtet und nun lud sie ihn zu einer Verabredung an einen Platz ein, an dem junge Hüpfer sich mit ihrer ersten großen Liebe verabredeten.

Persönlich hatte Farael gar nichts dagegen, im Gegenteil. Einige Geschichten und Dramen die er in seiner Freizeit gelesen hatte, und besser verschwieg er womit er die letzten Tage verbracht hatte, endeten meist mit einem äußerst romantischen Ende, nachdem sich die Ereignisse komplett überschlagen hatten. Nicht dass das Leben wie in einem Buch wäre. Doch genau in diesem Moment zeigte die Absurdität, der wohlgemerkt angenehm war, wie seltsam manchmal die Bahnen verlaufen und Ereignisse die seltsamsten Menschen zusammenbringen konnten.

Mittlerweile waren sie am Markt angekommen, an dem es für diese Zeit üblich noch einige Stände gab, an denen man sich bedienen konnte. Unter anderem auch Händler für edelste Weine und Biere.

Re: Von Blut, Sold und Liebe

Verfasst: Fr 12. Jan 2018, 13:31
von Schwarze Ana
„Attraktive Gesellschaft?“, fragte Ana und drehte den Kopf suchend zu allen Seiten. „Wo?“ Sie hielt ihren Ausdruck ernst und blickte Farael scheinbar neugierig an, erstarrte aber dann und zog misstrauisch die Augenbrauen zusammen. Hatte er ihre Blicke bemerkt? Selbstverständlich hatte sie ihn abgeschätzt und das nicht nur, um seine Ausrüstung zu prüfen. Dieser Alb war eine würdige Konkurrenz, so viel stand fest. Ihre Augen glitzerten, als sie ein beschwörendes Lächeln aufsetzte, um die Situation spielerisch zu lösen, doch Farael kam ihr zuvor, offensichtlich höchst amüsiert, was durch ihr aller Mühen zum Trotz nun vollkommen überrascht drein schauendes Gesicht noch verstärkt wurde. Sie hatte gar nicht darüber nachgedacht wie ihre Einladung klingen musste! Immerhin war Romantik für sie so überflüssig wie alkoholfreies Bier, da hatte sie nicht den winzigsten Gedanken an die Wahl des Ortes verschwendet. Was mochte Farael nun von ihr denken? Dass sie ein naives Prinzesschen war, das leicht bekleidet durch Obenza schlenderte und nach einem Prinzen für einen romantischen Sonnenuntergang Ausschau hielt? Der Gedanke ließ schließlich auch sie grinsen. Vielleicht war es ja gar nicht so schlecht, wenn er solch ein Bild von ihr hatte. „Ich bin ein unschuldiges Reh“, dachte sie sich belustigt und doch wurde sie das leichte Schamgefühl ob der merkwürdigen Situation nicht ganz los und war umso froher, als sie den Markt erreichten und sie die Gelegenheit nutzen konnte, das Thema zu wechseln.

Es herrschte noch reges Treiben auf dem großen Platz und sehnsüchtig blickte Ana zu den Händlern, die edle Tropfen aus ganz Asamura nach Obenza brachten. Sie hatte schon solche Weine und andere Köstlichkeiten gekostet, als ein reicher Kaufmann in ihre Fänge geraten war und sich am Ende mit wesentlich weniger Geld aber ohne ersehntes Glückserlebnis wieder gefunden hatte. Normalerweise war dies allerdings nicht ihre Liga und da sie heute selber zahlen musste, steuerte sie in eine andere Richtung. In den engeren, dunkleren und schmutzigeren Bereichen des Marktes tummelte sich das Gesindel und hier kaufte man nur, wenn man keine andere Wahl hatte oder wusste, was man tat. Für Ana galt meist sowohl als auch.

„Hey Ana“, knurrte ein knochiger alter Mann mit Pfeife, an dessen Stand sie vorbei kamen. „Alles gut?“ Er spuckte eine Ladung braunen Tabaksaft auf die Straße und hustete röchelnd. „Danke, Jon, alles bestens. Wir geht’s dir? Was macht die Frau?“ „Ach“, murrte Jon mit einer genervten Handbewegung, „noch immer nicht tot! Die Alte ist zäh wie ein Spelunkenschnitzel. Ich glaube, die muss einer erschlagen, damit sie endlich stirbt.“ Lauthals lachte er los und verfiel schließlich in einen heftigen Hustenanfall. Die Menge schob sie weiter und Ana winkte dem alten Jon zum Abschied. „Ein Stammgast im Durstigen Ochsen“, erklärte sie Farael. „Gibt mir immer gutes Trinkgeld.“

„So…“, die Norkara bliebt bei einem kleinen Marktstand stehen, der unter dem Gewicht staubiger Flaschen ächzte. „Den Wein hier kann man trinken. Bier gibt es auch. Worauf hast du Lust?“

Re: Von Blut, Sold und Liebe

Verfasst: Sa 13. Jan 2018, 13:15
von Farael Dornenwind
Frech wie Ana mit ihrer ersten Aussage war, beeindruckte sie Farael. Eine Eigenschaft die Farael an Frauen mochte. Sie war nicht spitzzüngig, aber konnte durchaus auf seine Worte reagieren und das auf eine Art, die weder verlogen noch unangenehm war. Allein daran konnte er erkennen, dass Ana etwas im Kopf haben musste und nicht nur an das Aufreißen von Männern dachte. Zumindest hoffte Farael es. Obgleich ihrer frechen Art, musste er darauf dennoch grinsen und genoss die Situation in vollen Zügen.

Dem tat es keinen Abbruch, als sich Ana offensichtlich ertappt fühlte. Trotz dessen dass Farael geraten und somit keine genaue Beobachtung vorgebracht hatte, erfreute es ihn umso mehr, dass er aus Zufall Recht gehabt hatte. Sie hatte ihn also tatsächlich über seine Ausrüstung hinweg gemustert. Natürlich hatte das Farael genau so bei ihr getan, doch er war ein Kerl und die Meisten erwarteten das. Nichts Ungewöhnliches zumindest, für einen Mann seines Schlages. Allein bei diesen Gedanken, eine Frau dabei erwischt zu haben und dann ausgerechnet das Ziel der Begierde zu sein, trieb Farael ein Grinsen ins Gesicht. Ana war weit entfernt davon, ein unschuldiges und reines Wesen zu sein, welches keiner Fliege etwas zu leide tun konnte.

Schließlich quetschten sie sich durch die Massen des Marktes und Farael beschlich das Gefühl, dass es keine gute Idee war, sich in dieser Masse zu bewegen. Im Gegenteil. Hier und da spürte ein paar gierige Hände, die nach seinem Gürtel, oder genauer seinem Geldsäckel, greifen wollten. Obenza war in diesen Belangen schlimm. Die Bettler stahlen um zu überleben, die ausgebildeten Diebe stahlen um ihren Reichtum zu mehren. Jedes Mal wenn Farael eine sich herannahende Hand erblickte, schaute er deren Besitzer mit einer bösem Blick an und deutete auf sein Schwert. Jeder zog sofort seine Hand zurück und verschwand in der Menge. Zu dieser Zeit hasste er den Marktplatz. Man war nie sicher vor Taschendieben.

Aus diesem Grund bekam Farael auch kaum etwas von dem Gespräch zwischen Ana und einem Standbesitzer mit. Nur die letzten Wortfetzen und ihre Verabschiedung bemerkte er, an sich fragte er sich aber auch nicht wer das war. Ana erklärte mit ihren nächsten Worten, wer dieser Mann war und woher sie ihn kannte. An sich etwas, was kaum interessant für ihn war, doch da es Ana war, die es ihm erzählte, versuchte sich Farael dafür zu interessieren. „Ah, okay“, nickte er bestätigend, als er seinen Kopf wandte und den Händler ein letztes Mal betrachtete, ehe er durch die Menge verdeckt wurde.

Plötzlich hielt Ana vor einem der Marktstände an, welche überladen mit den verschiedensten alkoholischen Getränken war. Die Auswahl war, für den Markt Obenzas und dem Pflaster in dem sie sich befanden, doch recht unüblich. Wein, Met und Bier lächelten Farael entgegen und sein Griff ging zu einer ihm bekannten Sorte. Aus dem Sortiment zog er eine Flasche Wein hervor. Sie stammte aus Souvagne, war ein halbtrockener Rotwein und hatte für die Qualität einen relativ niedrigen Preis. Farael musste aus offensichtlichen Gründen häufiger auf diesen Markt gehen und sich einer dieser Flaschen erstehen. Seine Bezugsquellen waren wesentlich teurer.

„Tatsächlich würde ich vorschlagen, wir nehmen den hier. Und zum Vorgeschmack zwei Flaschen Schwarzbier“, erklärte Farael und griff erneut in die Auswahl, als er zwei Flaschen des besagten Bieres. „Guter Preis für das, was es sonst kostet.“ Fragend blickte er Ana an und wartete auf ihre Antwort ab, als ihm noch etwas einfiel. „Ach ja, was den Leuchtturm betrifft, brauchst du kein Geld zücken. Der Leuchtturmwärter schuldet mir noch einen Gefallen.“ Zumindest etwas, was Farael zu diesem Treffen beitragen konnte.