Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Fäden des Schicksals

An der mediterranen Küste des Dhunischen Ozeans gedeiht Naridien, das reiche und multikulturelle Handelsimperium. Doch die wuchernde Wirtschaft hat ihren Preis. Wer den Fortschritt mehr schätzt als die Tradition, ist hier willkommen.
Naridien
An der mediterranen Küste des Dhunischen Ozeans gedeiht Naridien, das reiche und multikulturelle Handelsimperium. Doch die wuchernde Wirtschaft hat ihren Preis. Wer den Fortschritt mehr schätzt als die Tradition, ist hier willkommen.
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Vanja von Wigberg
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Re: Fäden des Schicksals

#11

Beitrag von Vanja von Wigberg » Di 28. Mai 2019, 12:20

"Pater Syrell", stellte der Priester sich vor. "Dem Protokoll folgend anzusprechen mit Pater oder Hochwürden, gern auch als hochwürdiger Herr zu titulieren. Aber als Glaubensschwester weißt du dies natürlich, Leylin. Alter Mann ist jedenfalls nicht die geeignete Anrede für einen Priester." Er zwinkerte ihr zu.

Vanja stand vom Stuhl auf und zog sich den schwarzen, wollenen Kapuzenmantel aus, der vom Regen schwer geworden war wie ein Kettenhemd, seinen Träger darunter allerdings trocken gehalten hatte. Unter dem Mantel trug er einen schwarzen Talar, ebenfalls mit Kapuze, aber aus sehr viel leichterem Stoff und natürlich ebenfalls in tiefem Schwarz gehalten. Aufgrund der Schärpe um die Hüfte, die seine natürlichen Konturen unter dem Gewand verriet, sah Leylin nun, dass der Mann weit davon entfernt war, ein klappriger Greis zu sein. Er wirkte kerngesund, vielleicht sogar sportlich. Seine Bewegungen ohne den Pilgerstab schienen leichtfüßig, als er sich erhob. Er hängte den nassen Mantel so an einen freien Haken, dass er keine anderen Stoffe mit seiner Feuchtigkeit verdarb.

"Für das Dach sei dir mein Dank gewiss, ebenso werde ich dich für die Zeit unserer gegenseitigen Gesellschaft in meine Gebete an den Höchsten einschließen. Ob du dich vor mir fürchten solltest, kann ich dir nicht beantworten. Ein jeder Mensch sollte für sich betrachtet werden, weshalb ich mit Pauschalurteilen zurückhaltend bin. Ich habe schon Rakshanern die Beichte abgenommen und die letzte Ölung zuteil werden lassen. Hätte ich mich vor diesen frommen Männern aufgrund der Historie ihres Volkes fürchten sollen, obgleich sie selbst einen redlichen Lebenswandel vollzogen? Umgekehrt kenne ich Geistliche, die der Bezeichnung Priester nicht würdig sind und in ihrer Lasterhaftigkeit den einfachen Sünder noch übertreffen. Solche Menschen sind gefährlich wie Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, die dem arglosen Insekt klebende Verdauungssekrete als köstliche Nektartropfen feilbietet." Er nahm wieder Platz und sah sie neugierig an. "Was ich begehre ist eine interessante Frage. Ich kann sie nicht aus dem Stehgreif beantworten. Was begehrst du, Leylin?"

Leylin
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Re: Fäden des Schicksals

#12

Beitrag von Leylin » Mi 29. Mai 2019, 19:40


L
eylin ließ es sich nicht entgehen ob der Zurechtweisung des Priesters zu schmunzeln. Sie steckte die letzte Nadel fest und nickte zufrieden, dann erhob sie sich wieder und blickte ihren Gast an. „Hmm… Euer Hochwürden? Ich fürchte das mag mir nicht so leicht von der Zunge gehen.“, sagte die junge Frau, während sie den Priester beim Entkleiden beobachtete. Er selbst hatte schließlich seine Augen kaum von ihr lassen können, hatte sie förmlich mit seinen Blicken entkleidet und sie hatte ihm den Gefallen getan. Wer weiß wann der Priester das letzte Mal eine nackte Frau gesehen hatte? Aber nun war sie an der Reihe und musste erstaunt feststellen, dass Pater Syrell in einem besseren körperlichen Zustand war, als sie angenommen hatte. Leylin musterte den Priester unverhohlen und fragte sich, warum er wohl diese Maskerade aufführte. Hatte er etwas zu verbergen? In ihren großen, blauen Augen blitzte die Neugier auf. „Genau genommen lege ich wenig Wert auf Gebete, mein Glaube ist mir schon vor vielen Jahren abhanden gekommen. Demnach ist die Bezeichnung Glaubensschwester wohl auch nicht ganz gerechtfertigt. Muss ich nun Angst um mein Seelenheil haben, weil ich Euch alter Mann genannt habe?“, fragte die Vampirin und grinste den Pater schelmisch an. Er hatte nicht den Eindruck gemacht als hätte er sich ernsthaft daran gestört, vielleicht war er ja auch nicht gar so spießig, wie man es von einem Mann Gottes erwarten würde. Und wie hatte er selbst soeben erklärt? Es gab Priester, die in ihrer Lasterhaftigkeit den einfachen Sünder noch übertrafen. Vielleicht zählte er selbst ja zu eben jenen?

W
ar es denkbar, dass sie den Sünder in Pater Syrell wecken konnte? Bei dem Gedanken daran, was man alles Verbotenes mit einem Priester anstellen könnte, erwachten ihre zarten Knospen und richteten sich auf. Durch den dünnen Stoff des Nachthemdes waren die Konturen gut erkennbar und kaum zu verbergen. „Ihr wollt mir also nicht verraten, was Ihr begehrt, aber für meine geheimen Wünsche interessiert Ihr Euch?“, stellte Leylin nüchtern fest und schaute den Pater herausfordernd an. Sie legte den Kopf schief und dachte einige Momente nach. Die Wahrheit konnte sie dem Fremden ja wohl kaum auf die Nase binden, also musste sie der Frage geschickt ausweichen. „Ich fürchte, das was ich begehre ist nichts, was ich einem Priester anvertrauen würde. Wenn ich Euch dies erzählte, Ihr würdet mich gewiss übers Knie legen wollen, um mir die schmutzigen Gedanken auszutreiben.“, raunte sie leise und blickte ihm direkt in die Augen. Sie beobachtete ihn ganz genau, achtete auf jede Regung in seinem Gesicht, seine Gesten, seine Reaktion. Dann lachte sie leise und kommentierte: „Nur ein kleiner Scherz…“. Leylin zwinkerte dem Pater zu und wandte sich wieder dem Kleid auf der hölzernen Puppe zu. Beinahe schon zärtlich strich sie den teuren Stoff glatt. Ihr Werk war fast getan, es fehlten nur noch wenige Nähte und es wäre vollbracht. Hätte sie für diese Nacht ihre Pläne nicht bereits geändert, so wäre sie gewiss bis zum Morgengrauen fertig geworden. „Ihr müsst müde und erschöpft sein Pater. Vielleicht solltet Ihr Euch einfach zur Ruhe legen, ich habe ohnehin noch Einiges zu erledigen.“, bot Leylin an und deutete auf das große Himmelbett.

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Vanja von Wigberg
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Re: Fäden des Schicksals

#13

Beitrag von Vanja von Wigberg » Fr 7. Jun 2019, 17:37

Der Pater schaute auf das Bett. "Es ist eine Weile her, seit ich das letzte Mal in einer solch komfortablen Schlafstätte wie dieser die Nacht verbracht habe. Du musst wissen, liebes Kind, meine Kammer im Tempel bietet für die Nacht nur eine schmale und sehr harte Pritsche. Die Gottesdiener sollen es sich dort nicht allzu sehr gemütlich machen, sondern sie zum Schlafen benutzen und für sonst nichts. Ich möchte nicht jammern, die Notwendigkeit einer demütigen und bescheidenen Lebensweise habe ich als Priester natürlich vollumfänglich verinnerlich. Aber man wird nicht jünger und Schmerzen sind der regenerativen Wirkung des Schlafes abträglich. Ich gehöre zudem nicht zu der Sorte Priester, welche eine Kasteiung für notwendig erachtet. Stattdessen glaube ich, dass körperliches Wohlbefinden einhergeht mit der geistigen Leistung sowie der Fähigkeit zur Hingabe. Wie soll man Ainuwar dienen, wenn man am Ende nur damit beschäftigt ist, das eigene Dasein gerade so zu ertragen?" Vanja blickte theatralisch gen Zimmerdecke. "Soll denn jeder einfache Gottesmann das Märtyrertum anstreben? Ist dies nicht anmaßend tatsächlichen Märtyrern gegenüber die für uns litten, bluteten und starben?"

Vanja hörte auf, nach oben zu blicken und wandte den Blick wieder nach unten. Er zog die Stiefel aus und rümpfte die Nase. Nach einer so langen Reise bei Regenwetter erinnerte das aufsteigende Aroma aus seinem Schuhwerk an einen schlecht durchlüfteten Komposthaufen.

"Ich weiß das Angebot, dein Bett zu nutzen, zu würdigen und möchte es voll Dankbarkeit annehmen", sprach er, während er die Stiefel mit leicht angwiderter Miene beiseitestellte. "Wäre es denkbar, dass du mir einen Zuber zur Verfügung stellst, in welchem ich die Kruste der Strapazen und Entbehrungen von meiner Haut zu schrubben vermag? Ich fürchte, deine Matratze muss sonst nach der Benutzung beim Kaminfeuer vorsprechen. Und nein, natürlich musst du nicht um dein Seelenheil fürchten wegen einer kleinen Unhöflichkeit. Ich denke, dann müsste auch ich davon ausgehen, nach meinem Ableben im Abgrund zu landen."

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Re: Fäden des Schicksals

#14

Beitrag von Leylin » So 11. Aug 2019, 09:09


U
nd schon passierte es: Der Pater begann einen inneren Monolog zu führen, nur war dieser viel mehr laut ausgesprochen und die Vampirin langweilte sich bei den Worten beinahe zu Tode. Ihre einstige Erregung verlor sich in der Flut der Worte und hinterließ nur noch einen süßen, fast vergessenen Beigeschmack auf ihrer Zunge. Die Schwarzhaarige stach eine weitere zarte Nadel durch den teuren Stoff und fixierte gewissenhaft den Saum, als plötzlich ein unangenehmer Geruch in ihre empfindliche Nase stach. Sie drehte sich zu ihrem Gast um und rümpfte noch immer leicht die Nase. Dieser ältere Mann stank wie ein nasser Hund und sie musste ihm beipflichten, dass sie ihn so ganz gewiss nicht in ihre feinen Laken kriechen lassen konnte. Ein leises Seufzen kam über die vollen Lippen der Albe. „Die Treppe hinauf im Laden hinter der verzierten Trennwand befindet sich gewissermaßen ein Zuber, doch ist dieser selbstredend nicht gefüllt zu dieser unsäglichen Zeit.“, begann sie zu sprechen. „Unter normalen Umständen kümmern sich meine Angestellten um solcherlei Dinge und ihr müsst mir zugestehen, dass meine zarten Hände zu kostbar sind um damit Eimer für Eimer Wasser vom Brunnen bis hier herein zu schleppen.“, fügte sie hinzu und zuckte mit den schmalen Schultern. Anschließend erhob sie sich und trat einen mit Wasser gefüllten Krug, der nehmen ihrer Waschschale stand. Sie goss großzügig das kühle Nass in die Schale und deutete dann darauf. „Ich fürchte also, Ihr müsst euch mit meiner Waschschale begnügen Pater. Es ist vielleicht nicht dass, wonach es euch gelüstet im diesem Augenblick, aber ich versichere Euch, es ist immer noch viel besser als nichts.“

L
eylin stellte den beinahe leeren Krug wieder neben der Schale ab und blickte in die spiegelnde Wasseroberfläche. Ihr Gesicht war jung und tadellos, ihre letzte Mahlzeit nicht allzu lange Zeit her. Dann schaute sie zurück zu dem Priester. Was würde er nun wohl tun? Sollte er sich tatsächlich vor ihr entkleiden? Gewiss war dies nicht seine Absicht, doch sie würde sich nicht aus ihrem eigenen Gemach vertreiben lassen, so viel war klar. Nun, mit seinen Worten hatte er sie schon überrascht und auch ihre eigene Nacktheit schien ihm nicht gerade unwillkommen gewesen zu sein. Also wer vermochte es schon genau zu sagen? Spielerisch steckte sie einen Finger in das Wasser und ließ das kühle Nass über ihre blasse Haut gleiten. Wie eine kleine, glitzernde Perle rann der Tropfen über ihre Hand, bis sie in letzten Endes zwischen zwei Fingern verrieb. „Ich fürchte, das Wasser ich auch ziemlich kalt.“, sagte sie und schenkte dem Priester ein scheues Lächeln. Noch eine Tatsache, die sie nicht zu ändern vermochte, denn allein der Gedanke daran ein Feuer zu entfachen, schreckte sie ab. Der Priester konnte sich mit dem zufrieden stellen, was sie ihm bereitwillig zu geben bereit war oder er sollte zusehen und verschwinden. Er war gewiss nicht der letzte Mann, der sich in ihr Schlafgemach verirren sollte und nachdem sie die Dämpfe seiner stinkenden Füße wahrgenommen hatte, war auch ihr Appetit auf frisches Blut deutlich gezügelt. Ohne ein weiteres Wort widmete sich Leylin erneut dem teuren Kleid auf dem Holzgestell. Mit geschickten Fingern fädelte sie ein dünnes Garn in die Öse einer Nadel und begann mit geschmeidigen Bewegungen den Saum umzunähen.

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