Wie das S├Âldnerlager niederbrannte [Oneshot]

Nirgendwo sonst liegen Gl├╝ck und Verderben n├Ąher beieinander. Am Grund der H├Ąuserschluchten Obenzas vegetiert ein Morast von Armut und Verbrechen, w├Ąhrend reiche Bandenbosse durch die bl├╝henden Dachg├Ąrten flanieren.

Freie Stadt Obenza
Nirgendwo sonst liegen Gl├╝ck und Verderben n├Ąher beieinander. Am Grund der H├Ąuserschluchten Obenzas vegetiert ein Morast von Armut und Verbrechen, w├Ąhrend reiche Bandenbosse durch die bl├╝henden Dachg├Ąrten flanieren.
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Sodo Mio
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Wie das S├Âldnerlager niederbrannte [Oneshot]

#1

Beitragvon Sodo Mio » Fr 5. Jan 2018, 08:16

Als Sodo aus seinem Rausch erwachte, roch die Luft anders, als sie es h├Ątte tun sollen. Er hatte die ├╝blichen Ger├╝che des S├Âldnerlagers erwartet, die Ausd├╝nstungen von zu vielen M├Ąnnern auf zu wenig Raum, den Mief der durchgelegenen und in unterschiedlichen Verwesungsstadien befindlichen Matratzen, Bohnerwachs, Stiefelfett, den vertrauten Kantinengeruch nach halb verbranntem Fleisch (┬╗Das muss gut durch sein, sonst holen wir uns die W├╝rmer!┬ź). Stattdessen vernahm er das schmerzhafte Bei├čen von Rauch in seinen Nasenl├Âchern, die sogleich missbilligend zuckten. Der Halbork ├Âffnete die Augen und hob den Kopf.

Er lag auf dem R├╝cken und sah seinen Rumpf, der in einer penibel gepflegten S├Âldnerr├╝stung steckte und darunter seine Panzerstiefel, die zu seiner gro├čen Erleichterung nicht vollgekotzt waren. Weniger erfreulich fand er den Umstand, dass er nicht innerhalb der Mannschaftsquartiere lag, wie es sein sollte, sondern drau├čen auf der Wiese, mit Blick auf das S├Âldnerlager, das lichterloh ihn Flammen stand.

┬╗Also jetzt ├╝bertreiben sie in der Kantine wirklich┬ź, stellte er fest.
┬╗Furchtbar witzig┬ź, entgegnete Cherax, der im Schneidersitz neben ihm sa├č und ein angebranntes W├╝rstchen verspeiste. Um sie herum lag ein Teil ihrer Habseligkeiten verstreut, Rucks├Ącke, Waffen und Klamotten. Die ├╝brige S├Âldnerkompanie veranstaltete viel L├Ąrm und Hektik, zu viel f├╝r Sodos verkaterten Kopf. M├╝hsam setzte er sich auf, griff nach dem W├╝rstchen in der Hand seines Kameraden, biss ein St├╝ck ab und reichte es ihm zur├╝ck. Im n├Ąchsten Augenblick kotzte er sich die Stiefel voll.
┬╗Schei├če┬ź, ├Ąchzte er und w├╝rgte das zerkaute W├╝rstchen wieder zu Tage. ┬╗Ich h├Ątte bei Limo bleiben sollen.┬ź
Die eine H├Ąlfte der M├Ąnner versuchte, der Flammen Herr zu werden, die andere H├Ąlfte fand den Anblick lustig. Nur Cherax mimte den Spielverderber, den es scheinbar immer irgendwo geben musste.
┬╗Das war`s dann┬ź, konstatierte er. ┬╗Arbeit: futsch. Dach ├╝ber dem Kopf: futsch. Bett und regelm├Ą├čige Mahlzeiten: ebenfalls futsch. Danke, Sodo. Du hast es wieder mal geschafft.┬ź
Sodo h├Ârte auf, seine schmutzigen Stiefel zu betrachten. ┬╗H├Ą? Wieso denn ich?┬ź
Der Blick des Trolls wurde nicht gl├╝cklicher. ┬╗Wei├čt du echt gar nix mehr? Wie besoffen muss man sein? Du hast in der Kantine den Ofen umgerissen! W├Ąhrend du den Koch mit einem Fleischklopfer gr├╝n und blau geschlagen hast! Wir anderen waren damit besch├Ąftigt, zu verhindern, dass du ihn umbringst. Und dann fiel auch noch ein Sack Mehl um.┬ź
Sodo lachte laut ├╝ber dieses profane Ende seines ruhmvollen S├╝ndenregisters, aber Cherax bedachte ihn mit einem giftigen Blick.
┬╗Der Sack Mehl ist nicht halb so witzig, wie du glaubst. Mehlstaubexplosion sagt dir nichts, oder?┬ź
┬╗Nee┬ź, entgegnete der Halbork, noch immer feixend. ┬╗Ist doch auch egal. Wir haben unseren letzten Sold erhalten, was will man mehr. Soll die Bude doch in Tr├╝mmern liegen. Die Leitung war eh schei├če. Von der K├╝che ganz zu schweigen.┬ź

Er stand etwas wacklig auf, klopfte seine R├╝ckseite sauber und schlurfte mit den Stiefeln durch das feuchte Gras, um sie zu reinigen. Im Hintergrund brannte das S├Âldnerlager lichterloh vor einem malerischen Sonnenuntergang. Sodo drehte sich im Gehen eine Rauchstange und pustete seine pers├Ânliche Erg├Ąnzung der monumentalen Rauchs├Ąule in den Himmel.

┬╗Tja, alter Troll. Sieht aus, als br├Ąuchten wir und die andern Jungs einen neuen Auftraggeber.┬ź
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