Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Der Hexenmeister

Famlie von Hohenfelde
Diese alte Adelsfamilie hat zahlreiche Geistmagier und Nekromanten hervorgebracht. Das Familienleben ist gepr├Ągt von Intrigen. Morde, auch innerhalb der eigenen Reihen, und arrangierte Ehen zur Erweiterung der Macht sind an der Tagesordnung. Als Familienmitglied ben├Âtigt man starke Nerven und gleicherma├čen ein H├Ąndchen f├╝r B├╝ndnisse und Hinterhalte. Unter der F├╝hrung des neuen Oberhauptes Linhard verlie├č die Familie Naridien und versucht nun in Souvagne ein neues Leben zu beginnen, fernab des dunklen Pfades.
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Brandur von Hohenfelde
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Re: Der Hexenmeister

#61

Beitrag von Brandur von Hohenfelde » Di 17. Okt 2017, 18:00

ÔÇ×Entenbraten ist nicht fettig, sondern nahrhaftÔÇť, belehrte Brandur, w├Ąhrend er etwas sehns├╝chtig die Stockenten betrachtete, die in dem Wasserbecken gr├╝ndelten. ÔÇ×Dosiert genossen ist Fleisch nicht gesundheitssch├Ądigend, sondern kr├Ąftigend.ÔÇť Brandur brachte das abgenagte Kerngeh├Ąuse, welches unter Rakshanern auch als 'Grieps' bekannt war, auf den Kompost, anstatt es irgendwo auf den Boden zu werfen und achtete darauf, dass auch Lin das tat. Schlie├člich war er ein alter Mann und musste bei Kr├Ąften bleiben. Erst nachdem er auch noch in Ruhe einige Beeren und N├╝sse verzehrt hatte, f├╝hrte Brandur seine beiden G├Ąste ins Innere der Burg. Er suchte sich zuerst seinen Ersatzgehstock, da ihm inzwischen der R├╝cken wieder weh tat von dem vielen Gelaufe.

Er begann bei den oberen, freundlichen Etagen, von wo aus er Linhard und Dunwin immer weiter in die Tiefe f├╝hrte bis zum Allerheiligsten. Oben gab es viel Licht, die Fenster und T├╝ren waren weitestgehend intakt und in den meisten R├Ąumen stand noch das verstaubte Mobiliar.

ÔÇ×Hier trinke ich gern Tee. Ich sch├Ątze die wohnliche und freundliche Atmosph├Ąre dieses Raums, auch wenn nach Kasimirs Meinung hier zu viele unterschiedliche Farben und Muster verwendet wurden. Auch gef├Ąllt mir die bemalte Tapete mit der Familie im Garten. Ich w├╝sste gern, ob dies die Familie des ehemaligen Burgherrn ist oder eine fiktive Familie. Ich stelle mir gern vor, dass sie hier einst lebten.ÔÇť

Im ersten Kellergeschoss zeigte er ihnen den Sezierkeller. Er war sauber und aufger├Ąumt, es lagen momentan keine Leichen oder Leichenteile hier. Die befanden sich im Lager oder waren bereits verbrannt worden.

ÔÇ×Mein ArbeitszimmerÔÇť, sagte er nur und wartete, damit sie sich in Ruhe umschauen konnten. Er zeigte ihnen auch alle anderen Orte, die mir seinen nekromantischen Praktiken verbunden waren. Die Feuerstelle, die er sein Krematorium nannte, die Knochengrube f├╝r jene ├ťberreste, die sich nicht verbrennen lie├čen, das Ger├╝st zum Trocknen von Fleisch, die Vorr├Ąte von Trockenblut f├╝r Kasimir.

ÔÇ×Einen Vampir zu ern├Ąhren in so einer abgeschiedenen Gegend ist schwierig. Dennoch m├Âchte ich auf Kasimirs Dienste nicht verzichten. Er kann nicht das Blut von Toten trinken, meine Probanden m├╝ssen noch leben, wenn sie zu mir kommen. Ich leite ihr Blut aus dem noch lebenden K├Ârper und dies ist gleichzeitig meine Art, sie zu t├Âten. Ich halte es f├╝r human, es ist nur ein kleiner Schnitt und sie werden immer m├╝der, vielleicht ist es, als w├╝rden sie einschlafen. Trotz allem bevorzuge ich eine ethische Art Nekromantie, auch wenn das paradox klingen mag. Das getrocknete Fleisch spare ich f├╝r Ghule auf, als Tauschobjekt f├╝r die Rakshaner.ÔÇť

Nachdem er ihnen alles gezeigt hatte, all die verwinkelten G├Ąnge und Nebenr├Ąume, blieb er vor dem einen der einzigen beiden R├Ąume stehen, welchen sie noch nicht gesehen hatten. Der eine war hier, der andere am anderen Ende des Kellers. Diesen w├╝rde er ihnen nicht zeigen, denn darin wartete Viola auf seine R├╝ckkehr.

Doch diesen hier ÔÇŽ

ÔÇ×Linhard. Nimm die Kette zur Hand. Der Anh├Ąnger ist ein Schl├╝ssel. Ich habe ihn und das Schloss dazu aus Knochenschmelz geformt, darum hat er diese ungew├Âhnliche Form und ist ohne Kenntnis kaum als Schl├╝ssel zu identifizieren. ├ľffne diese T├╝r. Zuvor darf ich euch beide um Diskretion bitten. Wer sich dazu nicht im Stande sieht, seinen Humor drau├čen zu lassen oder unangebrachte ├äu├čerungen zu verkneifen, sollte nun gehen.ÔÇť

Er sagte dies drohend, denn er war sehr nerv├Âs. Brandurs Herz klopfte ihm bis zum Halse. Dieser Raum war nie f├╝r andere Augen als die seinen bestimmt gewesen und lediglich Kasimir hatte sonst noch je von ihm wissen sollen.

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Linhard von Hohenfelde
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Re: Der Hexenmeister

#62

Beitrag von Linhard von Hohenfelde » Di 17. Okt 2017, 20:41

Linhard a├č wie ├╝blich sein Obst komplett auf, das einzige was er wegzuwerfen hatte, war der Stiel der Birne. W├Ąhrend sie durch die Nachtburg schritten, h├Ârte Linhard Brandur aufmerksam zu. Er widersprach seinem Gro├čonkel nicht zu der These, dass Entenfleisch kr├Ąftigend sei, er kannte es nur als Dickmacher, also mied er es.

Zwar hatte sein Vater seine Hand sch├╝tzend ├╝ber ihn gehalten, aber dennoch war Lin in eine Welt aufgewachsen, wo ein Gramm zu viel auf den Rippen den Tod bedeuten konnte.

Entweder, da er dann zu unbeweglich war unter all den anderen Meuchlern, oder da er zu schwerf├Ąllig war um die n├Âtige Flucht zu bewerkstelligen. Dass er ├╝ber eine gute Kondition verf├╝gte hatte er eindeutig bewiesen, ihm war es gelungen seinen Vater in Schach zu halten und sogar niederzuschlagen und die anschlie├čende Flucht war ihm ebenso gegl├╝ckt.

Ging es also nach Linhard, w├╝rden die Enten h├Âchstens an Altersschw├Ąche sterben, aber nicht als Braten auf seinem Teller landen.

Brandur f├╝hrte sie durch die Burg, f├╝hrte sie durch sonnengefluteten R├Ąumen in denen verstaubte M├Âbel standen. Der Staub tanzte in der Luft und kitzelte in der Nase. Brandur erkl├Ąrte ihnen, dass er hier gerne Tee trank und die bunten Farben ihn nicht st├Ârten. Lin sah es ebenso, etwas Farbe im meist tr├╝ben Alltag konnte nicht schaden. Sie hob die Stimmung.

Auf den Hinweis Brandurs hin, musterte Linhard die Familie im Garten, welche die Tapete schm├╝ckte. Sie sahen gl├╝cklich aus, vielleicht hatten sie hier einst gelebt, bevor der Krieg sie vertrieben oder ihnen das Leben genommen hatte.

Linhard hoffte, dass es die Familie tats├Ąchlich gab, so gl├╝cklich wie sie aussah und dass sie ohne in die Wirren des Krieges zu geraten hatten fliehen k├Ânnen. Lautlos w├╝nschte er ihnen wo immer sie waren unbekannterweise viel Gl├╝ck.

Sie blieben nicht lange in den oberen Etagen, sondern stiegen in der Burg hinab. Es war eine seltsame Marotte seiner Familie sich in dunkeln Gem├Ąuern niederzulassen. Vielleicht wurden Nekromanten von d├╝steren Orten angezogen, Lin wusste es nicht mit Gewissheit zu sagen, aber sein Vater und sein Gro├čonkel schienen genauso gerne in der Dunkelheit zu leben, wie der restliche Gro├čteil ihrer sehr seltsamen Familie.

Der vampirische Leibdiener war bei diesem Lebensstil schon fast eine Normalit├Ąt.

Ein gewaltiger Unterschied bestand allerdings zwischen Brandur und Ansgar, Brandurs Arbeitszimmer war sauber und aufger├Ąumt, w├Ąhrend das Arbeitszimmer von Linhards Vater aussah wie ein Schlachhof.

Brandur erkl├Ąrte wof├╝r die einzelnen Apparaturen n├Âtig waren, aber Linhard wusste damit nichts anzufangen. Dunwin schien es ├Ąhnlich zu ergehen, er musterte die meisten Dinge interessiert aber er schien keine Ahnung zu haben, worum es sich dabei handelte.

"Kann ein Vampir Blut von Tieren trinken? Dann solltet Ihr hier vielleicht Kaninchen z├╝chten, die Kasimir als Nahrung dienen k├Ânnten. Das Fleisch w├Ąre doch immer noch genie├čbar, dass vermute ich jedenfalls", erkl├Ąrte Lin freundlich.

Sie wanderten weiter, bis Brandur vor einem Raum stehen blieb und sie sehr gewichtig musterte. Lin schaute ebenso ernst zur├╝ck, denn Brandur w├╝rde nicht grundlos so eine ernste Miene aufsetzen. Sein Gro├čonkel bat ihn darum die T├╝r mit dem Knochenschl├╝ssel zu ├Âffnen.

"Wie Du w├╝nscht Brandur", sagte Lin und zog den Schl├╝ssel unter seinem Hemd hervor.

Doch bevor er aufschloss, wies Brandur sie darauf hin, dass bezogen auf den Inhalt dieses Raumes diskret sein sollten. Nun was immer es war, Linhard w├╝rde ganz gewiss nicht dar├╝ber lachen. Jeder hatte so seine kleinen Geheimnisse, er hatte diese ebenso wie Brandur oder wie sie Dunwin zu Lebzeiten ebenfalls gehabt hatte.

"Diskretion ist Dir gewiss Bruder... Wir wissen zu Schweigen Brandur...", antwortete Dunwin.
"Du hast unser Wort Brandur, wir lachen nicht, wir schweigen", stimmte Linhard Dunwin zu.

Der junge Naridier steckte den kn├Âchernen Schl├╝ssel ins T├╝rschloss, schloss den Raum auf und ├Âffnete die T├╝r.
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Brandur von Hohenfelde
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Re: Der Hexenmeister

#63

Beitrag von Brandur von Hohenfelde » Di 17. Okt 2017, 21:13

Brandurs sonst sehr neutraler Gesichtsausdruck hatte sich ge├Ąndert, als er das Ger├Ąusch des Schl├╝ssels vernahm. Er entfachte mehrere Kerzen, keine ├ľllampe, um eine and├Ąchtige Atmosph├Ąre zu schaffen. Danach verschr├Ąnkte er die H├Ąnde hinter dem R├╝cken, damit man keine eventuellen nerv├Âsen Bewegungen seiner Finger sah.

Dieser Raum war eingerichtet wie ein Wohnzimmer, sehr viel wohnlicher und ├╝ppiger ausgestattet, als man in diesem finsteren Keller erwartet h├Ątte. Das Bemerkenswerte waren jedoch die Gestalten, welche auf mehreren Sofas und Sesseln um einen Tisch sa├čen. Darauf stand ein Teeservice. Auch ein Stubenwagen mit Himmelchen war in dem Raum.

ÔÇ×Tretet einÔÇť, sagte Brandur mit belegter Stimme. "Es gibt keinen Anlass zu schweigen. Ich spreche hier sehr oft.ÔÇť

Es waren aus Knochen geformte Puppen, so lebensecht, wie es nur ging. Man sah, dass er sehr viel Zeit f├╝r ihre Gesichter genommen hatte. ÔÇ×Darf ich vorstellen, meine Familie. Meine Frau Magdalena. Aster, meine Geliebte. Meine Kinder. Das hier ist Gerwolf, lieber Linhard. Nun siehst du, wie ├Ąhnlich du ihm siehst. Solveig, mein liebes M├Ądchen. Und Ragnvald.ÔÇť Er nahm vorsichtig die Puppe eines kleinen Kindes aus dem Stubenwagen, hielt sie so im Arm, als w├Ąre sie lebendig und trug sie mit sich, w├Ąhrend er langsam durch den Raum schritt. ÔÇ×Ragnvalds Amme, damit er nicht so allein ist. Und hier dr├╝ben, das sind Kunwolf und du, Dunwin.ÔÇť

Die beiden Br├╝der sa├čen nebeneinander, beide hatten so offene und freundliche Gesichtsz├╝ge, wie keiner von ihnen sie je als Erwachsener zur Schau getragen hatte. Ansonsten waren sie ausgesprochen lebensnah dargestellt. Ein dritter Platz auf ihrem Sofa war leer.

Man sah Brandur an, dass er sehr um seine Beherrschung rang. In der N├Ąhe von Dunwin und Kunwolf waren ihre Ehefrauen, soweit bekannt auch die Geliebten, und auch ihre Kinder. Brandur stellte sie der Reihe nach vor. ÔÇ×Ansgar. Davard. Anwolf. Linhard.ÔÇť Anwolf und Linhard waren als Kinder dargestellt.

Jede der Puppen trug standesgem├Ą├če Kleidung und hatte bewegliche Gelenke bis hin zu den Fingern. Die K├Ârper waren weich und ausgestopft, nur die Gliedma├čen und freundlich l├Ąchelnden Gesichter aus wei├čem Knochenschmelz. Sie alle trugen Per├╝cken, die ihre nat├╝rlichen Haare imitierten.

Brandur setzte sich hin, mit Ragnvald auf dem Arm, auf den freien Platz neben Kunwolf und Dunwin.

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Re: Der Hexenmeister

#64

Beitrag von Linhard von Hohenfelde » Mi 18. Okt 2017, 09:06

Linhard betrat gemeinsam mit Dunwin den Raum. Zeitgleich hatte er das surreale Gef├╝hl ├╝berhaupt nicht einen Raum zu betreten, sondern ein Gem├Ąlde oder eine uralte Erinnerung.

Dabei handelte es sich nicht um die Spiegelung oder Wiedergabe einer tats├Ąchlichen Begebenheit, sondern dieses Stillleben zeigte ein Abbild dessen, wie es h├Ątte sein k├Ânnen... h├Ątte sein sollen.

Brandur sagte ihnen, dass sie hier durchaus sprechen durften, aber Lin hielt das im ersten Moment f├╝r unangemessen. Fast so, als k├Ânnte ein einziges falsches Wort die Szenerie zerst├Âren, die er sich selbst stets f├╝r seine Familie gew├╝nscht hatte.

Alle waren im Einklang beisammen und sie sahen so gl├╝cklich aus, wie er die meisten nie zu Lebzeiten gesehen hatte. Als sa├čen hier in diesem Raum jene Teile der Seele der Personen, die man ihnen geraubt oder stets vorenthalten hatte.

Linhard trat neben Brandur und lauschte den Namen und schaute sich jede einzelne Person ganz genau an. Er konnte sich an die meisten gar nicht erinnern, dabei musste er einige zu Lebzeiten gekannt haben, wenn auch als kleiner Junge.

Er unterdr├╝ckte den irrationalen Drang die Abbilder seiner Verwandten zu gr├╝├čen. Linhards Blick blieb an Gerwolf h├Ąngen.

Gerwolf sah ihm derma├čen ├Ąhnlich, dass sie gut als Br├╝der durchgegangen w├Ąren. Lin verstand warum Brandur seinen Sohn in ihm sah. Nun sie sahen sich alle recht ├Ąhnlich, aber dies war dem Umstand geschuldet, dass sich seine Familie stets in einem sehr eng begrenzten Personenkreis kreuzte.

Sie konnten dabei von Gl├╝ck sagen, dass weder in ihrer Familie noch Sippe anatomische oder optische Anomalien gab. Das Gegenteil war der Fall, ihre Angeh├Ârigen waren meist schlank und hochgewachsen. Man konnte die meisten durchaus als gutaussehend bezeichnen.

So wie man bei einigen Sippen sofort an bestimmten deformierten K├Ârpermerkmalen erkannte, welchem Adelsgeschlecht sie angeh├Ârten, so sah man dies ebenso bei den von Hohenfelde, von Wigbergs und von Eibenbergs. Sie ├Ąhnelten sich zu sehr, als dass dies einem Zufall h├Ątte entspringen k├Ânnen.

Die Anomalie ihrer Sippe war weitaus gravierender als jede optische Dysgenesie. Ihre Abnorm lauerte als t├Âdliche Gefahr in ihrem Blut und zeichnete krankhaft ihren Geist.

Lin fragte sich, wie diese Verwandten wirklich gewesen waren und ob sie diesen Zustand jemals w├╝rden erreichen k├Ânnen, den diese Puppenfamilie einem unerf├╝llten Traum gleich widerspiegelte.

Linhard hoffte es sehr.

Der Anblick dieser Familie, die die seine h├Ątte sein sollen, schmerzte ihn sehr.
Lin streckte die Hand nach dem Kleinen auf Brandurs Arm aus, hielt aber mitten in der Bewegung inne - dies war nicht sein Abbild oder sein Traum, die Ber├╝hrung stand ihm nicht zu.

Linhard musterte sie alle ganz genau und blieb einen Moment vor seinem Vater stehen. Er sp├╝rte einen Stich im Herzen, ihm hier gegen├╝ber zu stehen.

Es war eigentlich alles so einfach und dennoch war es so unsagbar schwer - wie sollten sie die Mauer aus Generationen von Schweigen, Hass und Morden durchbrechen?

Er schenkte dem Abbild seines Vaters ein kurzes Schmunzeln, ebenso dem von Dave. Sein Onkel hatte sich auf seine Art stets um ihn bem├╝ht, hatte sich letztendlich aber doch seinem Bruder gebeugt und ihn angegriffen.

Unbewusst fiel Linhards Blick erneut auf Ansgar und er ballte ohne es zu merken eine Faust in der Tasche, ganz so als h├Ątte er vor auch der Puppe einen Kinnhaken zu verpassen, der sie zu Boden schicken w├╝rde.

Lin sch├╝ttelte den Kopf und war damit wieder im Hier und Jetzt, obwohl dieser Ort v├Âllig aus der Zeit losgel├Âst zu sein schien.

Er stellte sich neben Dunwin der stumm und mit starrem Blick seinen ├Ąltesten Bruder musterte. Linhard konnte den Blick nicht deuten, er versuchte Dun eine Hand auf die Schulter zu legen, aber sie glitt einfach durch den Geist hindurch.

Dunwin wandte ihm das Gesicht zu, etwas Wehm├╝tiges lag in seinem Blick. Entschuldigend zuckte Lin die Achseln.

"So h├Ątte es sein k├Ânnen nicht wahr?", fl├╝sterte der Geist und machte eine allumfassende Geste.
"Ja. So h├Ątte es sein sollen", antwortete Linhard.

Dunwin nickte zustimmend, wandte sich von Kunwolf ab und wandte sich seinen Kindern, seiner Frau und seiner Geliebten zu. Er strich Ansgar und Dave ├╝ber die Wange und musterte Melisande eine Zeit lang.

"Ich war ungerecht zu ihr... schlimmer noch als ihr eigener Vater...", sagte er tonlos.
"Ich wei├č, sie f├╝rchtet Dich noch heute", gab Linhard zur├╝ck.

"Diese Melisande nicht... was mich seltsam ber├╝hrt...
Sie wurde von ihrem Vater genauso verkauft wie ich es wurde...
Sie tr├Ągt keine Schuld... sie trug meine Kinder aus...
Meine Kinder... ich nannte sie nie so...
Ich w├╝nschte sie h├Ątten die Gabe nicht besessen... es w├Ąre anders gekommen...
Seltsam... wo ich Euch als Kinder sehe... Anwolf war nie ein Enkel f├╝r mich...
Aber Du Lin... schon immer... das wei├čt Du... Du hast es gef├╝hlt... so wie ich...",
erkl├Ąrte Dunwin erstaunlich sachte.

"Irgendwann wird es so sein, zwar werden wir nicht als Vorbild f├╝r diese Abbilder dienen, aber wir haben ihnen den Weg bereitet, dann wird dass nicht ein Abbild oder ein Gem├Ąlde sein, sondern es wird Tatsache sein... die Wahrheit.
Wir k├Ânnen nur nach vorne schauen Dun, was bleibt uns anderes ├╝brig?

Keiner von uns w├╝nscht sich die Dunkelheit in der wir leben und dennoch leben wir in ihr und leben sie aus. Das ist nicht nur verr├╝ckt, dass ist paradox. So wie hier gezeigt kann es doch werden, wenn wir nur wollen",
antwortete Linhard und schaute sich Brandurs Familie an.

"Nun deshalb bist Du hier...
Damit es so wird und kein Traum bleibt...
Gleichg├╝ltig ob dieser Wunsch in Form von Statuen Gestalt annahm...
Oder von Zeichnungen... nicht wahr?",
schmunzelte der Geist.

"Richtig, aber die Zeichnungen sind verloren. Sie liegen Zuhau... bei Ansgar.
Er hat sie vermutlich ohne es zu wissen in den Kamin geworfen. Sie lagen zwischen meinen Trainingsaufzeichnungen. Er wird vermutlich alles verbrannt haben, was mir geh├Ârte, bis auf meine Pferde... Das hoffe ich f├╝r die Tiere. Es waren gute Wesen, treue Tiere. Sobald mein Geld f├╝r ein Pferd ausreicht, werde ich mir eines kaufen",
fl├╝sterte Linhard.

"Unsere Finanzen m├Âgen das nicht hergeben, aber die von Wolfram gewiss...
Ich werde ihn darum bitten... f├╝r Dich...
Ergeht es Dir auch so, dass Du Dich selbst nicht anschauen kannst? Irgendwie bin ich mir unheimlich... nicht zu fassen
", sagte Dun.

Linhard musste trotz der Situation lachen. Das Lachen tat gut und befreite ihn von seiner inneren Anspannung. Er grinste seinen gespenstischen Gro├čvater breit an.

"Ja das ist komisch, aber dann lass es doch und h├Âr auf Dich selbst anzustarren", gab Linhard gut gelaunt zur├╝ck und stellte sich neben Brandur, der mit dem Kleinen Platz genommen hatte.

"Danke f├╝r Dein Vertrauen, es ist wundersch├Ân...so h├Ątte es sein sollen", sagte Lin ergriffen.
"Ich schlie├če mich seiner Beurteilung an...", stimmte Dunwin zu.
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"Niemand wendet sich gegen die Familie, sonst wendet sich die Familie gegen Dich" - Linhard von Hohenfelde

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Wolfram von Wigberg
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Re: Der Hexenmeister

#65

Beitrag von Wolfram von Wigberg » Do 19. Okt 2017, 21:55

Wolfram a├č schweigend seinen Eintopf, w├Ąhrend Marlo seine Gedanken mit Kasimir und ihm teilte. Kasimir verabschiedete sich und machte sich auf den Weg in den Keller.

"Eine Liebesehe mag das Non-Plus-Ultra aller Beziehungen sein Marlo, aber ich werde mich dazu nicht ├Ąu├čern, geschweige denn mir Gedanken darum machen. Das ist ein Thema zu dem ich leider nichts dazu beitragen kann. Dir sei es von Herzen gew├╝nscht und geg├Ânnt.

Da wir morgen nichts zu erledigen haben, kannst Du gerne ausschlafen. Ich werde mich wie immer um meinen Garten k├╝mmern. Du kannst mir ja sp├Ąter dabei etwas Gesellschaft leisten, falls Du m├Âchtest. Ich w├╝nsche Dir eine angenehme Nachtruhe, bis morgen fr├╝h Marlo",
sagte Wolfram freundlich.

Wolf stand auf und begab sich an der kleinen K├╝che vorbei in sein angrenzendes Schlafzimmer. M├╝de und etwas verwirrt von dem Gespr├Ąch setzte er sich aufs Bett. Er hatte Kasimir versprochen seinem Herrn Bescheid zu geben, dass er sich in Sicherheit befand und diese Bitte w├╝rde Wolfram auch erf├╝llen.

Wolfram machte es sich in seinem Bett gem├╝tlich, mummelte sich in die Decken ein und lie├č sich in den Nexus fallen. Er suchte Brandurs Farben und nach einiger Zeit hatte er sie auch gefunden.

`Gr├╝├če Brandur, ich bin es Wolfram. Dein Leibdiener Kasimir befindet sich in meiner Obhut. Bei Deiner Flucht hast Du den guten Kasimir leider vergessen. Ich habe mich seiner angenommen und ihn gerettet, da er sich gerade an Ansgars Leibdiener g├╝tlich tat.

Wie dem auch sei, Kasimir ist bei mir in Sicherheit. Wir konnten gemeinsam fliehen, ich allerdings nur indem ich mir ein Pferd aus Ansgars Stall ausgeliehen habe. Keine Ahnung wem das Pferd geh├Ârte, aber es ist ein gutes Tier. Vielleicht vergesse ich meine gute Kinderstube und dass ich es mir geborgt habe und behalte es.

Marlo hat sich uns unterwegs angeschlossen. Wo Massimo abgeblieben ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Einladung steht noch immer, Du kannst uns also gerne besuchen kommen. Pass auf Dich auf. Gr├╝├če von Kasi, Marlo und mir┬┤,
├╝bermittelte Wolfram.

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Re: Der Hexenmeister

#66

Beitrag von Marlo von Falkenberg » Sa 21. Okt 2017, 19:48

Marlo

schlang seine Suppe herunter, aber nicht weil er so hungrig war, sondern um sich selber das Maul zu stopfen. Die Worte und Wahl von Wolfram waren aus einer Einsamkeit geboren, die sich Marlo nicht vorstellen konnte. Alles was er ihn jetzt sagen w├╝rde, w├╝rde die Sache entweder viel schlimmer machen, oder ihre Freundschaft zerst├Âren. Beides wollte Marlo nicht. Aber Marlo wusste, egal was er gleich tun w├╝rde, die Worte von Wolfram w├╝rden ihn verfolgen. Und wenn er sie zur Seite schob, dann sah er Wolf in den Zuber sitzen und fragte sich wie es sich anf├╝hlte ihn in die Laken zu dr├╝cken und ihm zu zeigen was er verpasst hatte. Aber genau dass war die L├╝ge. Er w├╝rde eine Frau heiraten und eine Familie gr├╝nden damit seine Linie erhalten blieb. Genau dass hatte er bis vor kurzen noch vorgehabt. Bis zu den Tag, wo er auf die Hochzeit eingeladen worden war.
Wolfram war die freundlichste Person die Marlo kannte. Er war friedlich, er war freundlich und er war alles andere als verr├╝ckt. Er war durch und durch ein guter Kerl, keinen den sich einer nebenbei halten sollte. Und das was Wolfram sagte, machte Marlo klar, dass Wolf das selber nicht dulden w├╝rde. Er entsagte lieber allen, anstatt sich mit Reste zufrieden zu geben, die ihm dann irgendwer noch wegnahm. Das war wahre W├╝rde und Marlo kam sich sch├Ąbig dabei vor ├╝berhaupt an sowas gedacht zu haben. Er sollte sich eine Scheibe von Wolframs Stolz abschneiden.
Marlo f├╝hlte sich von Wolframs Worte nicht abgeschreckt. Er f├╝hlte sich herausgefordert von Wolf. Einerseits selber v├Âllig zu sich zu stehen und andererseits diesen Mann zu erobern und zu behalten. Marlo lag ein Fluch den Lippen, f├╝r den ihn Wolfram vermutlich ├╝ber die Felsenabsperrung geworfen h├Ątte. Aber das war gleichg├╝ltig, er w├╝rde k├Ąmpfen. Und k├Ąmpfen konnte Marlo, er war hartn├Ąckig was das anging. Er musste es vorsichtig angehen wie bei einen scheuen Tier, da Wolfram vermutlich ├╝berhaupt nichts wusste. Zuerst musste er ihn dazu bringen seine N├Ąhe zu dulden.
Wenn das klappte, dann konnte Marlo weitersehen.
Marlo dachte gerade nach, da stand Wolfram auf und ging. Weit lief er nicht. Er drehte sich um, ging links an den K├╝chenkamin vorbei und schon stand er in seinen winzigen Schlafzimmer. Marlo wartete geduldig, mindestens eine Viertelstunde wartete er ab. Dann folgte er Wolfram ins Schlafzimmer. Der Magier hatte es sich im Bett bequem gemacht.
Da er sich mitten ins Bett gelegt hatte, schob Marlo Wolf einfach ein St├╝ck zur Wand und legte sich neben ihn. Vorsichtig kroch er mit unter die Decke und zog sie dann ├╝ber sie beide hoch. Wolfram r├╝hrte sich kein St├╝ck, er tat gar nichts. Vorsichtig strich Marlo ihm ├╝ber den Kopf und in dem Moment fing er an zu schnarchen. Super.
Marlo sprang aus dem Bett, kramte ein dicken ├ťberwurf aus seine Sachen, zog es an und schl├╝pfte wieder unter die Decke. Dann verbrachte er eine Ewigkeit damit, neben Wolfram zu liegen und an die Decke zu starren, ohne dass er einschlafen konnte. Seine W├Ąrme machte es Marlo nicht leicht einfach einzuschlafen.

"Ist nicht deine Schuld W├Âlfchen. Die Scheiss K├Ąlte vom Herbst und die lange Reise hat uns fertig gemacht. dazu sagt man wohl ungl├╝ckselige Verbindung. Ab Morgen wird alles besser f├╝r dich, du wirst es schon sehen. Es kann f├╝r immer halten. Versprochen. Schlaf sch├Ân."

Marlo w├Ąlzte sich herum. Es gelang ihm ein St├╝ckchen Platz im Bett zu finden, ohne an Wolfram gequetscht zu liegen, obwohl er dabei aus dem Bett herauszufallen drohte. Wolf sollte es bequem haben und sich nicht bedr├Ąngt f├╝hlen.
Wolf w├Ąlzte sich im Tiefschlaf herum, rammte Marlo dabei seinen Ellenbogen ins Brustbein und schmiegte sich dann sabbern an ihn. Marlo bracht der Schweiss aus. Er konnte es echt nicht glauben, nachdem er den gr├Âssten Teil vom Tag in Vorfreude auf so ein Augenblick gewartet hatte, passierte ihm sowas.
Marlo wechselte die Position und rieb sein Brustbein. Einst f├╝rchtete er Wolfram, bevor er ihn pers├Ânlich kennenlernte. Die Verwandten hatten viel Scheisse ├╝ber Wolfram geschwatzt. Aber jetzt nachdem er ihn so pers├Ânlich kennengelernt hatte, wollte er ihn gerne zum Gef├Ąhrten haben. Marlo war bereit f├╝r einen Kampf ohne Waffen nur mit ├ťberzeugung. Und er hoffte inst├Ąndig, dass Wolfram sich besiegen lassen w├╝rde und seinen Widerstand aufgab. Ein schmerzendes Brustbein war gar nicht so schlimm, wenn man an einen hei├čen dampfenden Zuber dachte.

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Re: Der Hexenmeister

#67

Beitrag von Wolfram von Wigberg » Sa 21. Okt 2017, 22:47

Wolfram wachte mitten in der Nacht auf. Ihm war viel zu warm und er hatte ├╝berhaupt keinen Platz in seinem eigenen Bett. Grantig w├Ąlzte er sich mit Schwung herum und knallte mit dem Gesicht vor Marlos Brustmuskeln.

Die erste Reaktion die ihm einfiel war, Marlo mit Schwung aus dem Bett zu sto├čen, so dass der dreiste Kerl sehr unsanft auf dem Arsch oder Kreuz landen w├╝rde. Allerdings war Wolfram niemand, der anderen bewusst schadete. Und da Marlo schlief, war er momentan nicht nur wehrlos, sondern auch v├Âllig arglos.

Er musterte seinen Zaungast, der es sich in seinem Bett gem├╝tlich gemacht hatte. Marlo hatte bewusst etwas Abstand zu ihm gelassen und lag so gerade noch auf der Bettkante. Zudem hatte er sich in einen ├ťberwurf geh├╝llt um ihm genug Decke zu lassen, oder sogar um ihn mitzuw├Ąrmen. Wolfram konnte nur spekulieren, aber gleichg├╝ltig zu welchem Ergebnis er kam, Marlo hatte f├╝r ihn mitgedacht und sich gek├╝mmert.

Wolframs ├ärger verflog bei dem Anblick des schlafenden Marlo. Er g├Ąhnte lautlos und presste sich eine Hand auf den Mund um Marlo nicht zu wecken. Die Gesellschaft von Marlo war nicht unangenehm, auf alle F├Ąlle fror er nicht.

Marlo hatte sich keine Dreistigkeit erlaubt, er war anst├Ąndig und f├╝rsorglich gewesen, es gab keinen Grund ihn aus dem Bett zu schmei├čen, dachte sich Wolfram. Im Gegenteil, es sprach nichts dagegen, dass er die W├Ąrme genoss. Wolfram g├Ąhnte erneut, schmatzte m├╝de und legte sich wieder hin. Dabei deckte er Marlo mit zu.

Er musterte noch einen Moment den anderen und fragte sich, weshalb dieser eine Hand auf sein Brustbein gepresst hielt. Einen weiteren Augenblick sp├Ąter war Wolfram wieder eingeschlafen.

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Re: Der Hexenmeister

#68

Beitrag von Kasimir » So 22. Okt 2017, 10:19

Kasimir, dem mit seinem Fledermausgeh├Âr selbstredend nichts entging, flatterte durch die G├Ąnge. Jemand hatte von au├čen das Schlafgemach des Herrn Wolfram ge├Âffnet, schleichend. Er musste sofort nach dem Rechten sehen! Noch bevor Marlo die T├╝r hinter sich schloss, flutschte die Fledermaus hochkant durch den Spalt und klemmte sich ├╝ber dem Schrank an die Zimmerdecke. Wenn Marlo den freundlichen Herrn bedrohte, w├╝rde er eingreifen! Marlo legte sich unversch├Ąmt in dessen Bett, aber er ber├╝hrte ihn nicht. Trotzdem blieb Kasimir da h├Ąngen und wachte.

Irgendwann ├Âffnete Wolfram von selbst die Augen, bemerkte Marlo und es schien f├╝r ihn in Ordnung zu sein, dass er da lag. Nun gut, Kasimir konnte ja nicht wissen, was sie besprochen hatten.

Waren die Vorh├Ąnge eigentlich zu? Das waren sie, aber sie waren nicht lichtdicht. Es war vohin schon sp├Ąt gewesen, er musste zur├╝ck in den Keller! Er flog zur T├╝r und h├Ąngte sich an die Klinke. Er war zu leicht, nichts passierte. Er flatterte auf die Oberseite und h├╝pfte auf der Klinke herum, doch nichts geschah.

Kasimir blieb nichts anderes ├╝brig, als sich unh├Âflicher Weise in einen unbekleideten Lichtalben zu verwandeln, die Klinke mit der Hand herunterzudr├╝cken, rasch aus der T├╝r zu treten und sie hinter sich wieder zu schlie├čen, um sich erneut in eine Fledermaus zu verwandeln und zur├╝ck in den Keller zu fliegen. Leider lagen seine Kleider noch in Shohiro und man hatte ihm bislang keine neuen angeboten, so dass er die ganze Zeit in dieser tierischen Gestalt verweilen musste.

Dem Diener von Wolfram jedenfalls w├╝rde er die R├╝ge seines Lebens erteilen, weil er nicht bemerkt hatte, dass jemand unbefugt ins Quartier seines Herrn eingedrungen war! Eigentlich geh├Ârte er gebissen und ausgesaugt!

Kasmir fiel fast zu Boden, als ihm bewusst wurde, wie schrecklich ihm seine Gedanken entglitten waren. Sein B├Ąuchlein knurrte. Aber es war zu sp├Ąt, um das Haus zu verlassen. Es w├╝rde bals d├Ąmmern. Er w├╝rde nicht weit kommen. Die Fledermaus bekam vor lauter Hunger schlechte Laune. Die Fledermaus flatterte noch einige Male im Kreis, dann raste sie zum Quartier des Dieners. Sie nahm die Gestalt des Lichtalben an, dem inzwischen vor lauter Appetit der Speichel aus dem Mund lief. Er dr├╝ckte leise die Klinke. Jeglicher Scham und Anstand waren verschwunden. Er sah nur noch den Diener dort liegen und friedlich schlummern. Kasimir schloss die T├╝r hinter sich, drehte den Schl├╝ssel herum und trat auf leisen Sohlen n├Ąher. Der Mann lag auf der Seite. Seinen Namen hatte Kasimir vergessen und er interessierte ihn auch nicht mehr. Er trat von hinten an ihn heran, strich Haar und Kleidung von seinem Hals und biss kraftvoll zu.

Seine Z├Ąhne fuhren wie zwei Dolche durch die Halsschlagader des Mannes, sofort schmeckte er Blut. Der Mann schrie auf und geb├Ąrdete sich, doch die Z├Ąhne hingen fest und der Vampir hatte mehr Kraft als er und sp├╝rte, au├čer was Sonnenlicht anbelangte, keine Schmerzen. Bald wurden die Bewegungen ruhiger. Kasimir saugte ihm das Leben bis auf den letzten Tropfen aus den Adern. Er w├╝rde keinen weiteren Vampir in seinem Jagdrevier dulden. Als der K├Ârper blutleer war, warf Kasimir ihn aus dem Bett. Er schloss die Fensterl├Ąden, so dass kein Licht hereinfallen w├╝rde und legte sich selber in die Schlafst├Ątte, die noch sch├Ân k├Ârperwarm war, wo er ruhte. Er hatte mehrere Liter Blut getrunken und war ├╝berfressen, sein Bauch verdickt und er tr├Ąge und noch immer im Jagdfieber und nicht klar bei Verstand. Alles, was momentan f├╝r ihn z├Ąhlte, war, dass er gejagt hatte und satt war. Ob Marlo bei Wolfram im Bett lag und sonstwas mit ihm anstellte, war v├Âllig gleichg├╝ltig, genau wie der bleiche Leichnam.

Zufrieden vor sich hinl├Ąchelnd starrte er an die Wand und wartete darauf, dass das heftige Druckgef├╝hl in seinem Magen sich aufl├Âsen und das Blut von seinem K├Ârper verdaut werden w├╝rde.
"Herr, wer euch dient f├╝r Gut und Geld und nur gehorcht zum Schein,
packt ein, sobald ein Regen f├Ąllt, l├Ą├čt euch im Sturm allein." - William Shakespeare

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Wolfram von Wigberg
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Re: Der Hexenmeister

#69

Beitrag von Wolfram von Wigberg » So 22. Okt 2017, 20:34

Wolfram wachte wie jeden Tag in aller Fr├╝he auf. Meist wurde er von Beaunois gegen 05:00 Uhr geweckt, trank eine Tasse Kaffee und ging bereits zu so fr├╝her Stunde in den Garten.

Heute allerdings wachte Wolfram von alleine auf. Beaunois schien verschlafen zu haben, oder hatte ihn schlichtweg vergessen. Beides konnte sich Wolfram eigentlich nicht vorstellen, denn Beaunois war ein zuverl├Ąssiger Diener.

M├╝de sch├Ąlte sich Wolf aus der Decke und warf einen Blick auf den schlafenden Marlo. Der Mann war wirklich dreist. Wolfram hatte ihm eindeutig gesagt, was er von einer Verbindung zwischen ihnen hielt. Aber scheinbar war er nicht deutlich genug geworden.

Marlo verstand nicht, dass er jede Wahl hatte, w├Ąhrend Wolf ├╝berhaupt keine besa├č. Oder vielleicht hatte Marlo ihn auch sehr gut verstanden und einfach nur nicht auf dem Boden schlafen wollen. Vielleicht bildete er sich im Moment mehr ein, als tats├Ąchlich los war.

Aber dar├╝ber konnte er sich sp├Ąter immer noch Gedanken machen, nun hatte er erst einmal mit Beaunois ein ernstes Wort zu reden.

Wolfram schmiss die Decke ├╝ber Marlo und deckte den dreisten Kerl wieder richtig zu. G├Ąhnend schlurfte er Richtung Beaunois Zimmer und trat ohne Anklopfen ein. Er hatte vor seinen Diener wider seiner sonstigen Art unsanft aus dem Schlaf zu rei├čen.

Bei Wolf gab es zwar kaum Regeln und nicht sehr viel Arbeit, aber die Regeln, die er aufgestellt hatte, auf die bestand er auch und dazu geh├Ârte seine Weckdienst. Als er das Zimmer von Beaunois betrat, lag allerdings nicht sein Diener im Bett, sondern ein vollgefressener Kasimir!

Wolfram blinzelte erstaunt in der Hoffnung, dass er immer noch schlafen w├╝rde. Aber er schlief nicht, sondern das Bild war grausamer Fakt!

Kasimir schlief in Beaunois Bett und so kugelrund wie sein Bauch war, konnte nur eins geschehen sein - Beaunois war Geschichte. Diesen Verdacht best├Ątigte auch der blutverschmierte Mund von Kasimir.

Die Augen von Wolfram verengten sich zu schmalen Schlitzen.

"Ich hoffe Du hast daf├╝r eine gute Erkl├Ąrung!", donnerte der Magier Kasimir an.

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Re: Der Hexenmeister

#70

Beitrag von Marlo von Falkenberg » So 22. Okt 2017, 21:10

Marlo

h├Ârte Wolfram br├╝llen. Er sprang aus dem Bett, verhedderte sich in der Scheissdecke und kam gerade so auf die F├╝sse ohne sich langzulegen. Er fluchte, schnappte sich direkt seine Repetierarmbrust und rannte zu Wolfram. Marlo bremste ab um Wolf nicht ├╝ber den Haufen zu rennen und riss ihn sch├╝tzend hinter sich.

"Was schreist du so rum W├Âlfchen? Was ist los?."

Dann sah Marlo den zum Bersten aufgedunsenen Kasimir. Wie ein Ball war sein Bauch gew├Âlbt, so als w├╝rde er jeden Moment laichen. Marlo musste loslachen. Er konnte es sich nicht verkneifen. Der edle Alb mit Hang zur Bevormundung hatte scheinbar den Diener von Wolfram das Licht ausgeknipst und sich einen Schluck zuviel geg├Ânnt.

"Sag mal Kasimir, was sagt das Buch denn ├╝ber Masslosigkeit und Gier?."

Marlo grinste wie eine fette Katze die gerade einen Fisch verputzt hatte und legte Wolfram einen Arm um die Schulter. 

"Sowas kommt von sowas sagte mir mal wer. Wir zwei m├╝ssen reden Wolf. Ich wollt eigentlich nicht mit dir in n├Ąchste Zeit ├╝ber das Thema reden, aber wenn ich dich sehe muss ich st├Ąndig dran denken. Lass uns reden gehen, w├Ąhrend Kasimir seinen Rausch ausschl├Ąft. Setzen wir uns draussen hin."

Marlo ging nach draussen und hockte sich auf einen Stuhl in der Sitzecke.

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