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Re: Das verborgene Tal

Verfasst: Mo 23. Okt 2017, 19:37
von Wolfram von Wigberg
Das verborgene Tal - Wolframs Zuflucht

...Mein Haus liegt in einem verborgenen Tal und es ist für mich eine wunderbare Behausung, falls nicht das schönste Haus auf ganz Asamura.

Das abgelegenen Tal ist ein Ort der Ruhe und Entspannung. Man findet dort Wasserfälle, Bäche und eine vielfältige Blumenpracht für die ich verantwortlich bin. Ebenso findet man Dank der Blumen wo Schmetterlinge und Insekten. Und dank letzteren jede Menge kleine Singvögel.

Eingebettet in diesem idyllischen Tal steht mein kleines Haus.

Auf manche mag es zwar beengend wirken, jedoch ist es dafür umso gemütlicher. Und es ist liebevoll eingerichtet. Zudem ist alles vorhanden, was ich benötige.

Das Tal befindet sich südlich des von Daijan. Wenn wir dort angekommen sind, wirst Du im Gebirge eine Art Höhle entdecken. Es handelt sich dabei aber nicht um eine Höhle sondern es ist der Eingang zu meinem abgeschlossenen Tal.

Die Höhle ist der Durchgang zum verborgenen Tal. Einfach absteigen, die Pferde durchführen und so kann es betreten werden. Mein Haus ist also nur durch diese Höhle zu erreichen, oder per Luftweg. Den hat allerdings bis zum heutigen Tage nur eine Person eingeschlagen. Vermutlich wäre anderen Familienmitgliedern diese Art zu leben zu beengt, ich genieße den massiven, steilen Felsen um mein Haus samt Garten.

Kurzum ich sehe den Felsen als Schutz meines Zuhauses, wir leben quasi eingebettet im Felsen mitten im Grünen...

***

Re: Das verborgene Tal

Verfasst: Mo 23. Okt 2017, 20:00
von Wolfram von Wigberg
Wolfram von Wigberg

Wolfram schaute Kasimir streng an und warf dann Marlo einen ebenso strengen Blick zu. Der Bursche hatte ihn fast umgerannt und dann hinter sich gerissen, aber allem Anschein nach um ihn zu beschützen.

Das sich Marlo über die Situation amüsierte war für Wolfram nichts ungewöhnliches. Er war von seiner Sippe so ein Verhalten gewöhnt. Eine Leiche im Keller zu haben, meinten die meisten von Wigberg, Eibenbergs oder Hohenfelde wortwörtlich und nicht im übertragenen Sinne.

Marlo bildete keine Ausnahme, er hatte den gleichen düsteren, schwarzen und makaberen Humor wie Wolframs Familie. Allerdings konnte sich Wolf ebenfalls ein Schmunzeln nicht verkneifen, als Marlo Kasimirs Gier ansprach.

Der Junker bat ihn auf ein Gespräch nach draußen und ging vor. Wolfram wartete noch einen Augenblick ab und wandte sich noch einmal an Kasimir.

"Was immer Dich dazu veranlasst hat Kasimir, schaff die Leiche aus dem Haus und vergrab sie im Garten bevor die gute Margot aufwacht und den Schreck ihres Lebens bekommt. Zudem wisch Dir das Blut aus dem Gesicht und schaue nach, ob Du hier irgendwo Blut verschmiert hast. Wir beide sprechen uns noch.

Und bei Ardemia zieh Dir was über! Du kannst doch nicht splitterfasernackt durch die Gegend rennen, wo hier eine Dame anwesend ist. Hast Du kein Benimm? Stell Dir vor Margot sieht Dich hier so herum laufen! Sie mag zwar eine Dienerin sein, aber dennoch ist sie eine Frau.

Und eines stelle ich gleich klar, Du wirst sie nicht anrühren!
Ich werde Dich ebenso wenig anrühren, denn ich habe Deinem Herrn versprochen, dass Du hier bei mir in Sicherheit bist Kasimir! Brandur verlässt sich auf mich und ich dachte wir hätten eine Vereinbarung. Ich hätte Dir doch von meinem Blut abgegeben. Sieh zu, dass Du hier aufräumst und nimm Dir etwas von meinen Sachen Kasimir.

Über den Vorfall schweigen wir...
Du bist ohne jeden Zweifel ein tatsächlicher Diener eines Hohenfelde!
Das Dich Brandur vermisst, verstehe ich nun besser denn je Kasimir, Du glaubst mir nicht wie gut ich ihn verstehe. Wie dem auch sei, nach der Aufräumaktion wirst Du mir Kaffee aufsetzen, Du hast ja auch dafür gesorgt, dass ihn mir niemand mehr kocht. Bis später, Marlo erwartet mich im Garten", erklärte Wolfram und folgte Marlo nach draußen.

Der Kampfmagier setzte sich Marlo gegenüber und musterte ihn einen Augenblick lang, ehe er sich im Sitz herunter rutschen ließ.

"Hier bin ich Marlo. Worüber möchtest Du mit mir reden?
Warum hast Du Dich zu mir ins Bett gequetscht?
Wie ich die Sache sehe, habe ich Dir doch erläutert.
Also warum?

Ich habe über Deine Worte nachgedacht, aber ich bleibe bei meiner Meinung, ich werde nicht das Spielzeug oder den Pausenclown für Dich geben Marlo. Und in meiner Überlegung kam ich erneut zu dem Schluss, Du hast jede erdenkliche Wahl Marlo, während ich keine habe. Falls Du mich tatsächlich auf diese Art gerne hast, dann erbitte nicht solch einen Gefallen der mich dermaßen verletzen würde Marlo.

Ich mag unwissend und unbedarft sein in solchen Dingen. Das ist doch wohl selbstverständlich in meiner Situation, wer möchte schon einen kaputten Kerl?
Aus dem Grund verzichte ich ganz.

Würde ich diesem zeitweiligen Vergnügen zustimmen, müsste ich mit der Sehnsucht leben, die sich danach nie wieder erfüllt. Wie heißt es so schön? Unerwiderte Liebe ist die mächtigste - denn sie vergeht nie.

Falls ich mich mit meiner Antwort zu weit aus dem Fenster gelehnt habe und Du gar nicht aus diesem Grund in meinem Bett geschlafen hast, dann vergiss meine Erläuterung. Ich möchte Dir nicht zu nahe treten und ich bin gewiss nicht dermaßen von mir selbst eingenommen, dass ich mich für unwiderstehlich halte - im Gegenteil, mir können sehr gut alle widerstehen.

Worüber möchtest Du nun reden?", sagte Wolfram freundlich.

Re: Das verborgene Tal

Verfasst: Mo 23. Okt 2017, 20:01
von JEELEN
Marlo von Falkenberg

rutsche ganz nah zu Wolfram auf und lehnte sich zu ihm nach vorne.

"Tritt mir zu nahe, wenn du willst. Es gefällt mir, dass du über meine Worte nachgedacht hast und es geht genau um das Thema. Ich hab ebenso nachgedacht. Nicht nur über deine Worte Wolf, sondern genauso über die von Kasimir. Wobei mir deine Worte wehtaten, für dich. Ich gebs zu, ich hab nicht so weit gedacht. Ich dachte wir könnten uns ein bisschen vergnügen wo wir hier zusammenleben. Aber Kasimir und du, ihr beide habt Recht. Und mich versteckt zu vergnügen hatte ich lange genug. Ich hatte vor später eine Frau zu heiraten, Kinder zu bekommen und meine Linie fortzuführen. Vergnügt hätte ich mich nebenbei, mit dem der mir was bedeutet. Aber gehört das nicht in die Ehe, so wie Kasi sagt? Und wenn Dave dass darf, darf ich das nicht? Oder du?
Kaputt bist du nicht Wolf, du bist krank. Wenn jemand ein Ohr fehlt, würdest du nicht sagen er ist kaputt. Blöder Vergleich, aber du verstehst was ich meine. Ich hab mich zu dir ins Bett gelegt, weil ich will dass du mich in deine Nähe duldest. Dass du deine Angst verlierst und dass du mir eine Chance gibst. Das wäre eine für uns beide, kapierst du das? Ich hab dir was versprochen, als du gepennt hast Wölfchen. Ich hab dir versprochen, dass ich dir beweisen werde, dass es für immer halten kann. Ich würde mich nicht mit dir vergnügen wollen, wenn du mir nicht gefällst. Die Frau wäre das Alibi, nicht du. Ich will keins mehr, lass es uns versuchen. Ich denke du hast nie eine Person so in dein Leben gelassen. Empfindest du überhaupt so, ich meine kannst du Zuneigung auf diese Art empfinden? Oder besser gefragt, hast du jemals für jemanden so empfunden, dich aber ferngehalten aus Angst?
Vor dem körperlichen musst du keine Angst haben. Es ist schön, es ist angenehm, es heiss, befriedigend und es wird dir gefallen. Wenn du es möchtest. Das hier ist deine Welt Wolf. Keiner kann uns hier stören, dir blöde kommen oder uns verurteilen. Wenn es hier mit uns klappt, dann klappt es genauso draussen Wolf. Ich kann kämpfen, ich bin da um dich oder deine Sippe zu beschützen. Bist du mein Kerl, beschütze ich dich aus anderen Gründen und mit einen anderen Gefühl. Ich wollte dir nicht wieder mit dem Thema kommen, aber das hat mir keine Ruhe gelassen. Wärst du bereit es mit mir zu versuchen?."

Marlo knetete nervös seine Finger.

Re: Das verborgene Tal

Verfasst: Mo 23. Okt 2017, 20:01
von Wolfram von Wigberg
Wolfram von Wigberg

Wolfram zog mit Marlo gleich und beugte sich zu ihm nach vorne, dabei stützte er sich mit den Unterarmen auf seinen Oberschenkeln ab. So war er Marlo zwar sehr nah zugewandt, fühlte sich dennoch nicht völlig ausgeliefert.

Marlo sprach unverblümt aus, was er sich wünschte und was er sich vorher erhofft hatte. Eigentlich waren Beziehungen und alles was damit zusammenhing nichts was Wolfram gerne besprach. Er hatte nie eine Beziehung geführt, für ihn waren Beziehungen etwas das andere führten und er bestenfalls durch Beobachtung oder Hörensagen miterlebte.

Inwieweit es Marlo mit seinem Angebot ernst meinte, entzog sich Wolframs Kenntnis. Allerdings war er ein Geistmagier und nichts war leichter als mental den Wahrheitsgehalt von Marlos Worten zu überprüfen. Allein schon die Bitte darum, sich mit ihm verbinden zu dürfen, würde ihm Gewissheit schenken. Sollte Marlo ablehnen, war die Sache sofort klar. Mental war eine Lüge nicht möglich, es gab folglich nur einen Grund diese Bitte abzuschlagen – er log.

Wolfram beschloss vorerst offen und ehrlich mit Marlo zu reden. Nach der Unterhaltung würde er die Worte von Marlo überprüfen. Wolfram dachte lange über die Antwort nach.

„Wie ich empfinde… nun ich war nie im Leben mit einer Person zusammen. Ich hatte nie eine Beziehung. Ich sehne mich nach Zuneigung und Nähe… also… das mir jemand nahesteht, dass vermisse ich häufig, sobald ich andere sehe die sich nahe sind. Ich freue mich für sie, aber ich vermisse es selbst. Ich hätte gerne eine oder einen Vertrauten.

In meinem ganzen Leben war ich nie in eine Person verliebt und ich habe niemals eine Person begehrt, ich weiß nicht wie sich beides anfühlt. Mir ist das Gefühl unbekannt, für jemanden so leidenschaftlich zu empfinden oder eine körperliche Vereinigung anzustreben. Ich begehre weder Frauen noch Männer, ich war niemals auf irgendwen heiß – wenn Du es so ausdrücken möchtest.
Ich weiß nur wie es sich anfühlt, jemanden sehr zu mögen, jemandem nahe zu stehen und diese Person dann zu vermissen.

Optisch gesehen fehlt mir kein Körperteil, es ist alles da, es funktioniert nur nicht. Es hat auch nie eine Zeit gegeben, wo es funktioniert hätte. Als Kind war ich oft krank und die Krankheiten schlugen sich darauf nieder, ich kann weder den Akt vollziehen noch kann ich Kinder zeugen. Folglich ist in dem Bereich kaputt schon der korrekte Ausdruck. Intim war ich mit niemanden in meinem ganzen Leben. Ich habe weder jemals eine Person geküsst, noch gestreichelt oder mich ihr hingegeben.

Natürlich kann ich eine Person lieben Marlo, aber das ist eine andere Form von Liebe. Es ist reine Zuneigung um Deiner selbst Willen, es ist keine Sinnlichkeit, keine Leidenschaft und keine Lust. Reicht Dir das aus?

Deine Nähe ist angenehm, ich würde es sehr gerne mit Dir versuchen. Ich stelle es mir sehr schön vor, einen Gefährten an meiner Seite zu haben. Das heißt, falls es Dir ausreicht was ich Dir geben kann. Falls nicht, sei einfach ehrlich. Und noch eine Bitte – antworte mir mental…“, antwortete Wolfram flüsternd.

Schweigend wartete Wolfram ab, wie Marlo auf seine letzte Bitte reagieren würde.

Re: Das verborgene Tal

Verfasst: Mo 23. Okt 2017, 20:02
von JEELEN
Marlo von Falkenberg

umarmte Wolfram und küsste ihn. Er küsste ihn nicht verlangend, sondern lange und liebevoll.

`Dein erster Kuss Wölfchen. Es reicht mir nicht und dir reicht es genauso wenig. Wir fangen klein an und du lernst alles was du noch nicht kennst von mir. Wir werden uns so lange nah sein, bis du dich mehr traust. Ich werde dich küssen, streicheln und dich umarmen, ich zeige dir wie schön das ist. Den nächsten Schritt musst du wollen, denn du musst mich in dich einladen. Es kann sein, dass du dabei doch was empfindest, denn dazu brauchst du nicht deinen Schwanz Wolf. Aber das ist noch weit weg, mach dir jetzt keine Gedanken drum. Wenn du es willst, wirst du es wissen und mir sagen.
Gut dann bist du ab jetzt meiner.´

Marlo war glücklich. Trotzdem empfand er Mitleid für Wolfram. Besonders weil er sein Zustand so sachlich und neutral beschrieben hatte. Er hatte sich mit sein Schicksal abgefunden und jetzt traute er sich doch ein Versuch mit Marlo zu wagen.

„Ich sollte Kasimir für sein Geschwätz danken und für seinen Durst. Der Blutsauger hat was gut bei mir für seine Fressorgie. Folg mir in die Küche Wölfchen, ich mach uns Kaffee. Wie trinkst du deinen Kaffee? Und stimmt es dass du nur Gemüse isst? Oder haben die Verwandten Unsinn geschwatzt? Ich glaub damit haben die recht, weil du hier keine Schlachttiere wie Hühner oder Kaninchen hast. Das muss ich wissen, oder haben wir Hühner?
Wegen Kasimirs Hüngerchen, falls der das nicht gebacken bekommt mit der Entsorgung, ich kann das machen, du kennst meine Aufgabe in der Familie. Kasi sieht nicht so aus, als hat der darin Erfahrung. Wir sollten deiner Dienerin nichts erzählen. Benoise ist einfach verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Wir wissen von nichts. Komm ich mach uns Frühstück.“

Marlo hievte Wolfram auf die Füsse und lief mit ihn zurück ins Haus, dabei legt er einen Arm um ihn.

Re: Das verborgene Tal

Verfasst: Mo 23. Okt 2017, 20:02
von JEELEN
Kasimir

Als die Tür so brutal aufgerissen wurde, fuhr Kasimir im Bett hoch. Es splitterte und krachte, denn er hatte die Tür zugeschlossen gehabt und der Herr riss sie trotzdem auf, so dass Zarge, Türblatt und Schloss zersplitterten. Der Vampir riss entsetzt die Augen auf und gleichzeitig die Bettdecke hoch bis unters Kinn, so dass nur noch sein Kopf zu sehen war. Ihm war etwas schwummrig und ihm spannte der Bauch. Als der Herr Wolfram ihn rügte, zwinkerte Kasmimir mehrmals und sein Verstand wurde wieder klar. Ihm wurde bewusst, was er angerichtet hatte und ihm stiegen die Tränen in die Augen, als er den Diener leblos auf dem Boden liegen sah. Beaunois hieß er, erinnerte er sich.

"Es tut mir so leid Herr, mich quälte solcher Hunger und ich habe meinen Verstand und meine Manieren verloren!"

Er schämte sich für das, was er getan hatte. Nun sprach ihn auch noch Marlo auf seine Gier an und schien das Ganze lustig zu finden. Kasimir hingegen war völlig verzweifelt.

"Ja, ihr habt Recht, Herr von Falkenberg! Ich selbst bin das beste Beispiel dafür, was geschieht, wenn das Fleisch Herr über den Geist ist und nicht umgekehrt. Seht anhand des armen Beaunois, was geschieht, wenn man sich seinen niederen Trieben hingibt. Seht und lernt! Oril sei seiner Seele gnädig! Es tut mir so leid!" Er weinte.

Herr Wolfram war jedoch äußerst milde zu ihm, er bot ihm Kleidung und obendrein schien er von einer Bestrafung abzusehen. Er ermahnte ihn lediglich, sich nicht auch noch an der Dienerin zu vergehen und wies ihn an, Beaunois zu beerdigen und ihm selbst einen Kaffee zu machen. Obendrein lobte er ihn auch noch, wobei Kasimir die Art des Lobes nicht verstand. Er hatte aus lauter Gier seinen Diener umgebracht! Wie konnte Wolfram davon sprechen, wie sehr er Brandur verstehen konnte, dass er Kasimir als Diener schätzte? Selbst Brandur sperrte ihn manchmal weg.

Kasmimir verneigte sich im Bett samt Bettdecke und als er wieder aufblickte, waren die beiden verschwunden. Kasmir blinzelte in Richtung Fenster. Noch war es dunkel. Oder schon wieder? Wie lange hatte er geschlafen? Er machte sich eine Waschschüssel zurecht, reinigte sich von Kopf bis Fuß und putzte seine Zähne, rasierte sich Gesicht und Haupt, wusch sich noch einmal, benutzte den Nachttopf und brachte ihn sogleich fort und wusch sich anschließend ein drittes Mal. Auch die Fingernägel bürstete er sauber und schnitt sie so kurz es ging, damit kein Blut mehr darunter kleben konnte. Eingehüllt in die Decke besorgte er sich Kleidung von Herrn Wolfram. Er nahm jene, die ganz unten im Schrank war und schon etwas abgetragen wirkte.

Jetzt konnte er sich an die Aufgaben machen. Er wickelte den Leichnahm in ein weißes Tuch und sprach dabei das erste Gebet. Dann machte er Herrn Wolfram und seinem Gast einen Kaffee, brachte ihnen beides nach draußen und hub ein Grab für den Verstorbenen aus. Er benötigte dafür lange. Als es geschafft war, bettete er den Toten hinein und beerdigte ihn. Am Ende erinnerte nur noch ein Hügel lockerer Erde, auf die Kasimir lauter Blumen gepflanzt hatte, die er von verschiedenen Stellen dem Garten entnommen hatte, an den unglücklichen Beaunois.

Er stellte sich an das Grab und hielt allein eine kleine Rede.

"Wir sind unsagbar traurig. Nichts wird sein wie früher, immer wird eine Lücke bleiben, die Beaunois bisher ausfüllte. Wir weinen um ihn und werden unsere Wege weitergehen. Er ist nicht mehr da und ist doch ganz nah bei uns. In unseren Herzen hat er auf ewig einen Platz. Nie werden wir ihn vergessen, für immer sind wir dankbar, dass wir ihn bei uns hatten. Zwischen dieser und der anderen Welt ist eine Brücke, die Liebe heißt. Ruhe in Frieden, Beaunois. Möge Oril deinen Geist zu sich nehmen an den Ort ewigen Lichtes und mögest du dort genügend Glück finden, um deinem Mörder vergeben zu können."

Erneut weinte Kasimir. Dann wandte er sich an Oril selbst, indem er zum Mond sprach.

"Ich habe gesündigt und Unrecht getan! Du, Herr, bist gerecht, ich aber muss mich heute schämen!"

Er zog sein Oberteil aus und wickelte es sich um Kopf, Hals und Gesicht. Dann nahm er die Geißel zur Hand, die er sich notdürftig gebaut hatte. Er schritt betend im Kreis um das Grab und geißelte seinen Rücken, um Buße zu tun und sich von seiner schweren Sünde zu reinigen und Orils Vergebung zu erlangen.

"Sieh in meinen Geist, Herr! Sieh, dass ich aufrichtig bereue!"

Er geißelte sich und betete, bis sein Rücken rot war von Blut.

Re: Das verborgene Tal

Verfasst: Mo 23. Okt 2017, 20:03
von Wolfram von Wigberg
Wolfram von Wigberg

Wolfram genoss den Kaffee von Kasimir und nickte diesem dankbar zu. Er sah wie sich der Vampir damit abmühte Beaunois unter die Erde zu bekommen. Normalerweise wäre Wolfram dem armen Kasimir zur Hand gegangen. Aber etwas Strafe für dieses Fehlverhalten musste sein. Gleichgültig wie grausam oder stark der Hunger von ihm als Vampir war.

Nur so konnte er lernen in Gesellschaft zu leben. Wie sollten sie sonst mit ihm umgehen, wenn sie sich nicht sicher sein konnten, ob er sie nachts anfallen und aussaugen würde?

Dass Kasimir Beaunois nicht bewusst ermordet hatte, war Wolfram klar. Dafür kannte dieser Beaunois viel zu wenig um ein Motiv für einen Mord zu besitzen. Dennoch oder gerade deshalb, durfte er Kasimir nicht so ohne weiteres davon kommen lassen. Etwas Buße tat Not.

Aber Kasimir selbst dermaßen zu bestrafen oder zu ermorden, brachte ihnen Beaunois nicht wieder zurück. So sah es jedenfalls Wolfram. Weder hatte Kasimir aus Bösartigkeit noch aus Mordlust gehandelt.

Der ehemalige Alb haderte mit sich und seinem Schicksal und beweinte sogar sein Opfer. Das war mehr, als man den meisten nekromantischen Mitgliedern seiner Familie nachsagen konnte.

Wolf folgte Marlo ins Haus und ließ sich nur zu bereitwillig von ihm mit Frühstück und Kaffee versorgen. Er frühstückte in Ruhe, zog sich danach an und machte sich für den Tag fertig.

"Dein Frühstück hat mir gut geschmeckt, Danke Marlo. Ich gehe mal draußen nach Kasimir schauen. Ich glaube er ist mit sich selbst gestraft genug. Einerseits verfolgt er so strenge Prinzipien, auf der anderen Seite kann er sie aufgrund seiner Raubtiernatur die in ihm als Vampir schlummert selbst nicht mehr einhalten. Ich werde versuchen mit ihm zu reden, bis gleich", erklärte Wolf und drückte Marlo etwas unbeholfen einen Kuss auf die Wange, ehe er das Haus verließ.

Wolfram gesellte sich zu Kasimir und nahm ihm die Geißel ab. Mahnend schaute er Kasimir an und schüttelte ganz langsam den Kopf.

"Kasimir Du hast getan was ich verlangt habe und damit ist Deine Strafe beendet. Du hast einen gewaltigen Fehler begangen, aber indem Du Dich selbst verletzt, holst Du Beaunois nicht zurück ins Leben.

Ich weiß welche hohen Anforderungen Du an Dich selbst stellst. Aber kannst Du Deine eigenen Anforderungen überhaupt noch erfüllen? Vielleicht musst Du Dir einfach eingestehen, dass Du nun ein Vampir bist und kein Priester mehr.

Der Zwiespalt stürzt Dich und andere ins Verderben.
Sobald Du Hunger hast Kasimir, stehe dazu und sage mir Bescheid!
Schwäche eingestehen, bedeutet Stärke, dass solltest Du wissen!
Ich kann Dir nur helfen, indem Du mich informierst.

Beaunois war ein guter Mann, so einen Tod hat er nicht verdient.
Allerdings hast Du den Tod auch nicht verdient, denn Du bist kein Mörder, sondern ein Opfer Deiner Umstände. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Du Dir Deine Vampirwerdung gewünscht hast.

Du bist in meinen Augen ein Raubtier, dass seiner Natur gefolgt ist. Nur musst Du lernen, mir Deine Natur oder Deine Bedürfnisse mitzuteilen, bevor Du unschuldige Beute reißt! Ich werde einen Weg finden, Dich zu füttern. Nun gehe Dich bitte erneut waschen und komm ins Haus, ehe der Tag anbricht. Ich möchte nicht zwei Leute an einem Tag verlieren, die mir wichtig sind", erklärte Wolf und drückte Kasimir kurz.

"Ab ins Haus mit Dir und zwar zügig", befahl Wolfram freundlich, ehe er sich selbst wieder ins Haus begab und zu Marlo gesellte.

"Wir beide müssen ein Auge auf Kasimir haben, bis er gelernt hat mit sich selbst umzugehen und mit seinem Zustand klar zu kommen Marlo. Eine Idee wie wir das ohne weitere Opfer hinbekommen?", fragte Wolfram leise.

Re: Das verborgene Tal

Verfasst: Mo 23. Okt 2017, 20:04
von JEELEN
Marlo von Falkenberg

freute es, dass es Wolf schmeckte. Als er ihn einen Kuss auf die Wange drückte, war er platt. Auf die Wange? Was dachte sich Wolf? Vermutlich gar nichts, er musste beim allerersten Schritt mit ihm anfangen. Das musste sich Marlo merken. Er wollte Wolfram schnappen und ihn auf den Mund küssen, aber da war er schon aus dem Haus.
Stutzig schaute Marlo ihm nach, dann musste er blöde grinsen, weil er sich so freute. Marlo trank seinen Kaffee und wartete geduldig. Wolfram wollte mit Kasimir sprechen. Das war völlig unnötig, denn er war ein Blutsauger und das blieb er. Wolfram hatte da eine falsche Vorstellung, er sah nicht ein, das Kasimir gefährlich war.
Als er später zurück kehrte schwatzte er davon, dass er Kasimir helfen musste. Marlo nahm die Hand von Wolfram und hielt sie fest. Er spielte mit den Fingern von ihm.

"Er ist ein Vampir Wolfram, das kann er nicht ablegen. Du sagst es, es ist seine Natur. Wie die vom Skorpion oder deine Verwandten. Er kann das nicht unterdrücken, er ist ein Blutsauger. Er braucht Blut, sonst stirbt er. Oder stirbt ganz, Vampire sind schon tot oder halbtot. Er kann nicht ab morgen Pflanzensaft nuckeln Wölfchen. Der Kasimir braucht Opfer, er braucht Blut sonst gibt er den Löffel ab. Das was er sich abgewöhnen muss ist die Flennerei und die Doppelmoral. Er hat doch gut und gekonnt getötet. Er sollte stolz sein. Andere wären froh, wenn die seine Fähigkeiten hätten.
Genug von Kasimir, jetzt zu uns. Wenn du mich zum Abschied küsst, dann auf den Mund und nicht auf die Wange Wolf. Und wenn du gehst, wartest du, bis ich mich verabschiedet hab. Wollen wir in den Garten, oder wollen wir heute faul sein? Wir können uns vor dem Kamin entspannen. Das wird gut."

Re: Das verborgene Tal

Verfasst: Di 24. Okt 2017, 10:26
von Wolfram von Wigberg
Als Wolfram zurückkehrte nahm er sich seine Kaffeetasse und setzte sich Marlo gegenüber. Kaum waren sie zusammen, bekam er schon einige Minuten nach seinem ersten Kuss im Leben prompt gleich die erste Ansage serviert. Auf der anderen Seite störte Wolfram die Ansage nicht, da es eine nette Botschaft war.
Wolf musterte Marlo über den Rand seiner Kaffeetasse, ehe er antwortete.

"Das war keine böse Absicht Marlo, zukünftig küsse ich Dich auf den Mund und warte bis Du Dich ausreichend verabschiedet hast. Es sei denn, das dauert mir zu lange, dann kannst Du mich ja spektakulär begrüßen", grinste Wolfram.

"Einen Tag die Seele baumeln lassen, klingt sehr gut. Wir sind lange gereist und haben uns die Pause redlich verdient. Mein Garten kann auch bis morgen warten. Einverstanden, legen wir einen gemütlichen Kuscheltag vor dem Kamin ein.
Wir können uns aber auch nachher nach draußen in den Garten setzen. Eingewickelt in einer Decke mit ausreichend Kaffee oder Tee ist das auch ziemlich gemütlich"
, entgegnete Wolfram.

Der Magier nahm seinen Stuhl, setzte sich vor den Küchenkamin und machte es sich dort gemütlich. Wolf machte eine einladende Geste um Marlo neben sich zu bitten.

"Keine Ahnung ob man Kasimir einfach so auf seine Instinkte als Vampir reduzieren kann. Jedes Lebewesen hat sie, aber wir sind ja nicht nur Fleisch und Instinkte, wir sind alle wesentlich mehr. Und man kann auch gegen eigene Gelüste ankämpfen. Jeder von uns wird in einem Kampf oder einer Schlacht schon mal Hunger gelitten haben. Jeder hat seine eigenen, besonderen oder speziellen Bedürfnisse und unterdrückt diese mehr oder minder.

Das gleiche können wir doch auch von Kasimir verlangen. Besonders hier, wo er doch unter uns lebt. Sollte er weiterhin bei uns leben wollen, dann wäre es sehr unlogisch, uns alle auszusaugen.

Zudem ist er ein vernunftbegabter und gebildeter Mann. Irgendwas muss mit ihm los gewesen sein, dass er dermaßen die Beherrschung verlor und es ihn so aus der Bahn geworfen hat. Was anderes möchte und kann ich nicht glauben Marlo",
erklärte Wolfram und trank einen Schluck Kaffee.

Re: Das verborgene Tal

Verfasst: Mi 25. Okt 2017, 08:36
von Marlo von Falkenberg
Marlo

schnappte sich seinen Stuhl und setzte sich ganz dicht neben Wolfram. Er rutschte vorsichtig auf um Wolf nicht die Finger zu klemmen und nahm ihn in den Arm. Der Kamin in der Küche war klein und der Gang schmal wo sie sassen. Aber das störte Marlo nicht. Links neben ihnen war das Schlafzimmer, hinter ihnen die kleine Essecke und die Treppe. Das Haus war für eine Person gebaut und zeigte wie alleine er war. Wolfram hatte nicht mal daran gedacht, dass er hier jemals mit einem anderen leben würde. Ein Tisch für eine Person, ein Bett genauso und eine winzige Küche mit einen kleinen Kamin. Das Haus war wunderschön, aber wenn Marlo genau hinguckte sah er überall das Wolfram sonst einsam war. Das musste er irgendwie ändern in diesem Zwergenhaus. Marlo begrabbelte Wolfram die Seite mit den Fingerspitzen. Er strich Wolf übers Stoppelkinn und fasste sich dann selber ans Kinn.

"Wir müssen uns rasieren, wir sind voll die Stachelbeeren. Kannst du das selber oder soll ich es tun? Oder hat dich sonst Bordelaise rasiert? Kasimir würde ich nicht fragen, der macht aus uns sonst einen Springbrunnen. Wir sollten Margot im Auge behalten, nicht dass er sie sich als Nachtisch reinpfeift. Wo ist die überhaupt?."

Marlo stand nochmal auf, drückte Wolf einen Kuss auf den Hals und auf die Schulter und nahm für jeden ein Kuchen aus dem Regal. Einen Kuchen gab er Wolfram. Er hockte sich wieder ganz dicht neben ihn und mampfte den Kuchen schmatzend.

"Süsskram für die Nerven. Wolf du willst nicht begreifen, dass Kasimir gefährlich ist. Entweder der Blutsauger bekommt was zu futtern oder er wird gefährlich. Das ist so, versuch das nicht wegzudiskutieren. Ich mag deine friedliche Einstellung Wolf, aber beim Blutsauger ist die gefährlich. Solange er satt ist, ist er ein guter Diener. Gefährlich wirds, wenn ihn der Hunger treibt. Das hat Bordelaise ja zu spüren bekommen. Wobei der sonst scheinbar schmerzlos war. Der hat nicht mal geschrien. Ein absolut sauberer Job von Kasimir. Kann er Tierblut trinken? Dann kaufen wir ein paar Hühner und er trinkt jeden Tag ein frisches Huhn. Keine Ahnung wieviel Blut in so einen Huhn drin ist, ich hab nie eins ausgequetscht. Das Pferd, dass du geklaut hast, würde ich nicht zurück geben, dass Tier ist viel zu schön. Die alte Stute die du im Garten stehen hast, kann mit dem Tier nicht mithalten. Muss sie nicht, aber du brauchst ein ordentliches Pferd Wolf. Und mit deinen Mädel wären wir immer noch unterwegs. Behalt das Pferd.
Kuschel dich an mich an, wenn du magst, dann kraul ich dich. Wir müssen mal zusammen überlegen, wie wir dein Haus ein bisschen umstellen. Wenn Brandur noch nachkommt, braucht der Platz. Wobei er kann das freie Bett von Bordelaise haben. Hörmal vielleicht war das gar kein Unfall, sondern Kasimir hat seinem Herrchen nur das Bett gemacht. Brandur kann nicht auf dem Boden pennen und da hat er ein Bett geräumt."

Marlo versteckte sein Grinsen hinter einer Hand.