Der Letzte von Dornburg


Famlie von Hohenfelde
Diese alte Adelsfamilie hat zahlreiche Geistmagier und Nekromanten hervorgebracht. Das Familienleben ist gepr├Ągt von Intrigen. Morde, auch innerhalb der eigenen Reihen, und arrangierte Ehen zur Erweiterung der Macht sind an der Tagesordnung. Als Familienmitglied ben├Âtigt man starke Nerven und gleicherma├čen ein H├Ąndchen f├╝r B├╝ndnisse und Hinterhalte.
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Davard von Hohenfelde
Freiherr
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Volk: Naridische Almanen

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Der Letzte von Dornburg

#1

Beitragvon Davard von Hohenfelde » Sa 11. Nov 2017, 19:24

Der Letzte von Dornburg

"Dein Frevel wurde von Volkward aufgedeckt. Du wirst f├╝r Deine Gr├Ąueltaten bezahlen Archibald. So jemanden wie Dich dulde ich weder als meinen Sohn noch in meiner Familie. Dein Bruder wird das Urteil vollstrecken. Und Dein Freund wird bei Deiner Hinrichtung zusehen und w├╝nschen, an Volkwards Stelle zu sein. Wei├č er von Deiner Spielzeugsammlung? Wei├č er davon dass Du wahnsinnig bist und Puppen sammelst?", fragte Undorich mit Grabesstimme.

Der alte Mann tippte seinem Sohn mit dessen Schwert unters Kinn. Eine lange gerade Klinge, versteckt in einer braunen Schwertscheide die mit floralem Muster verziert war. Woher Archibald auch immer dieses Schwert hatte, es war sch├Ąrfer als eine Rasierklinge und er liebte diese Waffe. Vermutlich hatte er sie von eine seiner Reisen mitgebracht. Dunwin kochte vor Wut, diese Waffe in den H├Ąnden eines anderen Mannes zu sehen. Das stand niemandem zu.

Aber anstatt vor Wut zu platzen oder in Angst zu verfallen lachte Archibald ├╝ber die Worte seines Vaters. Eine leise, dunkel und bedrohliche Lache - so wie seine ganze Erscheinung.

"Da kennst Du Dunwin schlecht", antwortete er ruhig.

Archibald hob den Kopf und grinste seinen Vater an. Innerhalb eines Sekundenbruchteils hatte Archibald die beiden Wachen von sich gesto├čen und ein Schwert einer der Wachen an sich gebracht. So schnell konnte Undorich nicht reagieren, wie Archibald seine Soldaten t├Âtete. Ein Kopf wurde von den Schultern geschlagen und ein Brustkorb aufgebrochen. Sie fielen um als w├Ąren sie das besagte Spielzeug.

Undorich starrte mit offenem Mund seinen Sohn an und sah dabei zu, wie Archibald das Schwert aus dem Brustkorb der letzten Wache riss. Eine fast t├Ąnzerische Halbdrehung und Archibald stand vor seinem Vater. Mit einer flie├čenden Bewegung riss er seine eigene Waffe an sich. Die eingravierten Runen flammten auf, als er das Schwert blankzog. Ganz ├Ąhnliche Runen die seinen gesamten K├Ârper schm├╝ckten in Form von T├Ątowierungen.

Undorich keuchte laut und verzweifelt auf. Es war das Letzte was Undorich in seinem Leben tat. Archibald schlug ihm mit einem einzigen ├Ąu├čerst brutalen Hieb den Sch├Ądel von den Schultern. Ohne eine Sekunde zu z├Âgern, ohne das geringste Anzeichen von Reue oder ├╝berhaupt dabei die Miene zu verziehen.

Undorichs Rest brach in sich zusammen, sein Sch├Ądel rollte ├╝ber den Fu├čboden in Dunwins Richtung und blieb dann genau vor dessen F├╝├če liegen.

Die schreckgeweiteten, toten Augen starrten Dun an. Dunwin hatte die Luft angehalten und stie├č sie nun vor Erleichterung wieder aus. Es war vorbei. Undorich war tot. Dun hob den Sch├Ądel an den Haaren hoch und grinste seinen Kumpel an. Archibald stand zwischen den Toten, wie die Ausgeburt der personifizierten Rache.

"Archi...
Dein Vater wollte Deinen Tod...
...weil Du Spielzeug sammelst?", hakte Dunwin nach.
"Scheinbar...", erkl├Ąrte Archi.

Dunwin nickte knapp und betroffen. Vermutlich war Archis Vater genauso ein Scheusal wie sein eigener.

"Tut mir leid f├╝r Dich Archi...
Nun ist es vorbei...
Undorich ist tot... und Du bist frei...", antwortete Dunwin mit belegter Stimme und wollte Archibald eine Hand auf die Schulter legen.

"Frei?", antwortete Archi mit steinerner Miene.

"Volkward lebt noch! Er durfte spielen, sich seine Huren halten, dazu sagte Vater nichts. Was ist mit mir? Volkward darf seinen Begierden freien Lauf lassen. Und ich soll mich verstecken? Vielleicht habe ich keine Lust mehr mir diese Diskriminierung anzusehen. Erz├Ąhl mir nichts von Freiheit Dunwin. Ich muss es beenden, dann bin ich frei - erst wenn der Letzte von Dornburg gefallen ist", fl├╝sterte Archibald mehr zu sich als zu Dunwin.

Archibalds Gesicht verh├Ąrtete sich, er ergriff sein seltsames Schwert fester. Dann schlug er die T├╝r krachend auf und rannte nach drau├čen.

"Archibald, warte! Ich bin doch auf Deiner Seite! Verdammter...", setzte Dunwin an, aber da h├Ârte er schon wie der Kampf in die Burg seines Freundes getragen wurde. Archi suchte seinen Bruder und er w├╝rde ihn finden. Dunwin z├╝ckte die eigene Klinge und rannte ihm hinterher.

Das blanke Entsetzen stand den meisten Diener ins Gesicht geschrieben, jene die auf den kalten Mamorfliesen lagen und jenen die Archibalds Klinge entkommen konnten.

Die Flure zwischen den einzelnen Zimmern waren mit Leichen ├╝bers├Ąt. ├ťberall Blut, abgetrennte Gliedma├čen und K├Âpfe. Eine Spur der Zerst├Ârung zog sich durch das Herrenhaus von Dornburg. Dunwin folgte der Spur und den Ger├Ąuschen des Kampfes.

Im gro├čen Saal hatte er fast seinen besten Freund eingeholt. Er k├Ąmpfte wie ein Wahnsinniger gegen die Hauswachen, und sah dabei aus als w├╝rde er einen bizarren Tanz auff├╝hren, pfl├╝gten sie durch die Reihen all derer, die Undorich gedient hatten und m├Ąhte sie nieder.

Sie hatten ihm nichts entgegen zu setzten. Es war ihr Beruf, aber es war von Archibald die Berufung. Er tat fast nichts anderes den ganzen Tag als mit der Klinge zu ├╝ben. Dunwin verstand ihn auf einer ganz anderen Ebene. Und dennoch k├Ąmpften die Wachen f├╝r einen Mann der tot war, gleichg├╝ltig wie aussichtslos ihre Lage war.

Mit der seltsamen, verzierten Klinge schien er alles Leben in diesem Haus ausl├Âschen zu wollen. Selbst die Hunde seines Vaters erschlug er mit dem Schwert.

Dunwin starrte aus dem Fenster hinunter in den Hof. Dort sammelten sich die restlichen verbliebenen Wachen des Hauses Dornburg zum Gegenschlag. Sie alle sahen mutlos und verzweifelt aus. Sie wussten wer ihr Gegner war. Dunwin folgte dem Leichenpfad in Richtung Archibald. Nicht weit entfernt gab es einen kleinen Platz, auf dem die Wachen fr├╝her K├Ąmpfen ├╝bten.

Nun war es ein Totenacker. Dunwin stieg ├╝ber die Toten. Er f├╝hlte kein Mitleid mit ihnen. Sie hatten sich alle gegen Archibald verb├╝ndet, folglich waren sie der Feind. Ein Vater der seinen Sohn verurteilte weil er Spielzeug sammelte, war genauso wahnsinnig, wie ein Vater der seinen Sohn hasste da er nicht ├╝ber Magie gebot. Alte M├Ąnner und deren Launen!

Volkward kam aus einem Versteck gerannt und w├Ąre fast in Dunwin hineingerannt. In seinen Augen stand das blanke Entsetzten.

"Baron von Hohenfelde Ihr m├╝sst mit meinem Bruder reden. Er ist wahnsinnig geworden! Ihr habt seinen Keller nicht gesehen! Bringt ihn zur Vernunft. Er muss sein Schwert niederlegen, er... er hat nicht verdient zu leben. T├Âtet ihn", flehte Volkward.

"Sehe ich so aus...
Meint Ihr... ich w├╝rde Archibald t├Âten...
Weil... er Spielzeug sammelt?
Ihr seid so l├Ącherlich... Volkward...", zischte Dunwin.

Dunwins Hand schloss sich um das Schwertheft. Im gleichen Moment spritzte ihm das Blut von Volkward ins Gesicht. Volkward war gek├Âpft. Archibald wurde sichtbar als die Reste seines Bruder mit einem groben Hieb zur Seite r├Ąumte.

"Sie sind tot, die Verwandten, die Wachen, alle", sagte Archi leise.

"Alle tot... mhm...
Was ein Massaker...
Herzlichen Gl├╝ckwunsch Archi...", grinste Dunwin.

Archibald stand schwer atmend da und musterte Dunwin. Das Katana war mit Blut ├╝berzogen. Ebenso Archibalds gesamter K├Ârper, er sah aus als h├Ątte er in Blut gebadet. Ein Bild des Grauens, aber in seinen Augen stand der Glanz absoluter Gl├╝cksseligkeit.

"Ich m├Âchte sie sehen Archi...", erkl├Ąrte Dunwin und schmunzelte seinen Freund an.
"Wen sie?", hakte Archibald nach. Er sch├╝ttelte das Katana, so dass das Blut von ihm abtropfte.
"Die Sammlung...", half Dunwin nach.

Archibald nickte und griff im gleichen Augenblick an. Er sprang auf Dunwin zu, die Klinge vor seinen K├Ârper gezogen und kam einen Schritt vor Dunwin auf. Dun hechtete im letzten Moment zur Seite und st├╝rzte in den Leichenberg.

Archibald warf sich zu Dunwin herum und drehte hastig den Kopf in dessen Richtung, da Dunwin ihm in Sachen Schwertkunst in nichts nachstand. Dun war mit einem Sprung wieder auf den Beinen und funkelte Archibald an. Dun ging zum Gegenangriff ├╝ber um sich Zeit und Platz zu verschaffen schlug er blindlings in einem weiten Bogen zu. Er erkannte, dass er Archibald verfehlt hatte.

Archibald st├╝rzte sich auf Dunwin. Dun wich ihm wie einem w├╝tenden Stier aus. Als Archi an ihm vorbei sprang, st├╝rzte sich seinerseits Dunwin von hinten auf Archi. Er umklammerte seinen Kumpel so fest er konnte und presste ihm die Arme an den K├Ârper.

Dun gab Archi noch einen Augenblick. Archibald strampelte, knurrte und hob die Klinge an, um Duwin abzuwehren.

"Reg Dich ab Arch...", befahl Dunwin ruhig, obwohl er M├╝he hatte seinen besten Freund festzuhalten.

Archibald lie├č das Katana fallen und sackte zusammen. Seine H├Ąnde samt den scharfen N├Ągeln krallten sich in Dunwins. Dun umarmte ihn ganz fest von hinten und legte seinen Kopf auf die Schulter von Archi. Er versuchte immer noch sich zu befreien, allerdings sehr halbherzig.

"Es ist leichter, ohne Gegenwehr Arch...", fl├╝sterte Dunwin.
"Du hast keine Ahnung", gab Archibald zur├╝ck.

"Habe ich nicht? Was haben wir schon alles geteilt mhm...
Und nun kommst Du mir so?", hakte Dunwin nach und Archi sp├╝rte mehr das Schmunzeln seines besten Freundes als dass er es sah.

Dunwin hielt Archibald gepackt, gleichg├╝ltig ob er sich wehrte oder ihm die N├Ągel in die H├Ąnde bohrte. Dun machte es nichts aus, er hatte bereits andere Dinge ertragen. Er hielt Archibald einfach fest. Er war bei ihm und hielt er ihn fest. Er war f├╝r Archibald da, er musste ihm nahe sein, denn sein Wahlbruder brauchte ihn.

Gleichg├╝ltig was Archibald gelernt hatte, er war kein Hohenfelde - f├╝r ihn war es kein Fest seine gesamte Verwandtschaft an einem einzigen Tag aus dem Weg ger├Ąumt zu haben. Dunwins eigene Ahnen w├Ąren vor Stolz geplatzt. Aus dem Grund ben├Âtigte Archibald seinen Beistand n├Âtiger als jemals zu vor.

"Ich h├Ątte Dich fast get├Âtet...", entschuldigte sich Archibald.
"Du ├╝bersch├Ątzt Deine F├Ąhigkeiten ma├člos Archi...", schmunzelte Dunwin.

Zwischen das ersch├Âpfte Seufzen mischte sich so etwas wie ein schnaubendes Lachen.

"F├╝r die anderen bin ich ein Monster", erkl├Ąrte Archi.

"Wer solche Kunst verkennt ist ein Idiot...
Liebe bekommst Du geschenkt, Angst musst Du Dir verdienen...
Und schau nur was Du geleistet hast...
Du bist der einzige Bruder Archi dem ich Zuneigung schenke...
Du bist neben Canan und Jesper mein Vertrauter...
Denk nach bevor Du handelst...
Was nun? Zeigst Du mir die Sammlung?", fragte Dunwin.

Der Junker f├╝hrte seinen besten Freund in sein Haus und offenbarte ihm seine Sammlung. Was Dunwin sah war kein Spielzeug...

Dunwin sah allerdings auch kein Monster...
Er sah eine Waffe... eine der grausamsten Waffen die er je erblickt hatte...
Er sah einen Seelenverwandten...
Anders... verdreht und dennoch auf gewissen Art gleich...

Ab dato verstand Dunwin...
Und Archibald folgte ihm absolut treu und loyal.
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