GeschÀrfte ZÀhne -- 175 n.d.A.


Famlie von Hohenfelde
Diese alte Adelsfamilie hat zahlreiche Geistmagier und Nekromanten hervorgebracht. Das Familienleben ist geprĂ€gt von Intrigen. Morde, auch innerhalb der eigenen Reihen, und arrangierte Ehen zur Erweiterung der Macht sind an der Tagesordnung. Als Familienmitglied benötigt man starke Nerven und gleichermaßen ein HĂ€ndchen fĂŒr BĂŒndnisse und Hinterhalte.
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Davard von Hohenfelde
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GeschÀrfte ZÀhne -- 175 n.d.A.

#1

Beitragvon Davard von Hohenfelde » So 12. Nov 2017, 14:30

GeschÀrfte ZÀhne

„Ich habe mich immer gefragt warum Du geschĂ€rfte ZĂ€hne hast und wie es sich anfĂŒhlt, die ZĂ€hne so schĂ€rfen zu lassen. Also wie fĂŒhlt es sich an?“, fragte Dunwin neugierig.

„Zuerst sieht man danach einige Tage ziemlich Scheiße aus, Deine ganze Fresse ist geschwollen“, antwortete Archibald.
„Aha. Wie schĂ€rft man die ZĂ€hne denn nun? Wie geht das?“, hakte Dunwin nach.

„Kurz und knapp erklĂ€rt, Du legst Dich auf den RĂŒcken mit dem Kopf in den Nacken auf die Behandlungspritsche. Hinter Dir steht entweder ein Bader oder jemand der sich auf Körperverzierungen versteht. Mit einem Messer und einem Hammer schĂ€rft er Dir die ZĂ€hne.

Das heißt, dass Messer wird an den Zahn gesetzt und mit dem Hammer vorsichtig draufgeschlagen, so dass ein StĂŒck Deines Zahns in der gewĂŒnschten Form abgeschlagen wird. Am Ende sind alle gewĂŒnschten ZĂ€hne messerscharf. Wenn Du das Pech hattest, auch unscharfe EckzĂ€hne zu haben, dann werden die natĂŒrlich auch scharf geschlagen. Am Ende der Behandlung, ich bezeichne es als Zeremonie, hast Du dann das LĂ€cheln eines erwachsenen Menschen und das Grinsen eines Raubtiers - kurzum ReißzĂ€hne.

Wie alles von Wert zahlt man auch das mit Schmerz und Blut. Sonst hĂ€tten uns die Ältesten einfach von Natur aus scharfe ZĂ€hne geschenkt. Frag mich nicht wer die Ältesten sind, es ist schwierig zu erklĂ€ren Du musst das Buch selbst lesen. Und dann entscheide ob es ein hĂŒbsch dĂŒsteres MĂ€rchen ist, eine dĂŒstere Legende, Spinnerei oder eventuell eine Wahrheit die niemand erfahren sollte.

Jedenfalls haben die Ältesten es bewusst unterlassen uns die ZĂ€hne eines Raubtiers zu schenken, obwohl einige von uns durchaus Raubtiere sind. Du musst Dir Deine scharfen ZĂ€hne verdienen, ebenso wie Deine Krallen. Und hast Du sie Dir verdient, musst Du den Schmerz ertragen und bluten um sie zu bekommen“, erklĂ€rte Archibald freundlich.

„Klingt extrem schmerzhaft. Wie schmerzhaft war es?“, erkundigte sich Dunwin.

„Welche Antwort möchtest Du hören? Die offizielle und meine als "Krieger" oder meine private? Bei mir gibt es immer zwei Seiten von allen Dingen, sprich das Menschliche-Tarn-Gehabe oder die ehrliche Antwort“, lachte Archibald.

„Beide“, grinste Dunwin.

„Offiziell – nicht der Rede wert. Steht man drĂŒber, fertig. Ist ja schnell vorbei.
Privat – ein Abgrund aus Schmerzen, Qual ohne Ende! Und man fĂŒhlt sich, als ob das eine Ewigkeit dauert. FĂŒr jeden Zahn braucht der Bader eine gefĂŒhlte Ewigkeit. Dir ist schlecht, Dir ist flau im Magen und Du betest, dass es endlich vorĂŒber ist.

Das war das einzige Mal in meinem ganzen Leben, dass ich in ErwĂ€gung zog einen NĂŒtzling anzugehen. Ich hab echt ĂŒberlegt aufzustehen und ihn zu wĂŒrgen oder umzubringen!
Dabei war er vorsichtig und hat sich bemĂŒht, mir so wenig Schmerzen wie möglich zu bereiten.

Wie sich das anfĂŒhlen muss, sollte er keine RĂŒcksicht nehmen, wollte ich mir gar nicht vorstellen. Laut des alten Folianten darf man wĂ€hrend der Zeremonie keinen einzigen Schmerzlaut von sich geben, sonst hat man versagt.

Gut der Bader kannte weder die Zeremonie, noch die Bedeutung weshalb ich mir diesen Körperschmuck wĂŒnschte. Aber ich durfte vor mir selbst nicht versagen. Immerhin brachte ich mein Opfer den Ältesten damit dar. Ich persönlich glaube, dass Ainuwar einen Teil der Ältesten verkörpert.

Nachdem ich die Scheiße ĂŒberstanden hatte, habe ich erst mal das ganze verschluckte Blut ausgekotzt als ich mich aufsetzte. Lecker. Nach der Behandlung hatte ich eine Woche bestialische Schmerzen. Ich konnte nicht mal mehr im Liegen schlafen, sondern ich musste im Sitzen schlafen, weil mein Gesicht so geschwollen war.

Ich konnte nichts essen, nur trinken und ich fĂŒhlte mich total zerschlagen. Mein ganzes Gesicht war angeschwollen und meine Schnauze war entzĂŒndet. Ich war den Ältesten dankbar, dass man das nur einmal im Leben ertragen muss. HĂ€tte ich das nochmal machen mĂŒssen, ich glaube ich hĂ€tte mich gedrĂŒckt“, antwortete Archibald ehrlich, was Dunwin loslachen ließ.

"Weißt Du was ich mal gehört habe? Das Krokodile und andere Tiere stĂ€ndig neue ZĂ€hne bekommen", grinste Dun.
"Glaube mir, dann hĂ€tte ich auf das Ritual verzichtet - einmal die Woche ZĂ€hne anfeilen und Du gehst am Stock oder nie wieder wo hin", grinste Archibald zurĂŒck.

"ErklĂ€re mir die Bedeutung dahinter, warum hast Du Dir die ZĂ€hne ĂŒberhaupt anschĂ€rfen lassen? ErzĂ€hl", bat Dunwin.

"Von mir aus, aber Du kannst es auch selbst nachlesen. Laut einer uralten Tradition eines unbekannten Volkes, musste jeder erwachsene Krieger seine ZĂ€hne gefeilt haben, wie ich einst in einem alten Folianten gelesen hatte.

Wenn es zu Lebzeiten versÀumt worden war, geschah dies spÀtestens am Leichnam kurz vor der Verbrennungszeremonie. Das Zahnfeilen hatte mit dem Glauben an Wiedergeburt zu tun.

Eine Seele wurde nur dann in einem Körper wiedergeboren, wenn am frĂŒheren Körper die Zahnfeilung stattgefunden hatte. Der Glaube an Tod und Wiedergeburt, persönlich herbeigefĂŒhrt durch die Teilnahme an diesem Ritual und das Ertragen solcher Schmerzen, faszinierte mich.

Es hieß, nur dann, kann eine Seele fĂŒr ihre erneute Wiedergeburt einen Krieger von den anderen Leibern unterscheiden. Das Thema „ZĂ€hne“ war bei diesem alten Volk ein sehr komplexes.

Nicht nur der Glaube an eine Wiedergeburt gehörte dazu, sondern auch das Bild des Kriegers mit seinen unterschiedlichen QualitÀten und Aufgaben, die er im Idealfall in den verschiedenen Lebensabschnitten durchlaufen hatte.

In Anlehnung an die Aufteilung des Kosmos in zwei sich ergÀnzende Prinzipien galt, dass ein Krieger, als spiegelbildliches Abbild des Kosmos aus zwei Körpern bestand. Er hatte einen physischen, weltlichen Körper und einem spirituellen Körper, sprich Körper und Seele.

Dies bedeutete, dass sich in den einzelnen Teilen des weltlichen Körpers auch alle spirituellen Wesen befinden, die in gleicher Weise den Makrokosmos fĂŒllen. Zentrum des Kosmos ist der Nabel.

Vier „geistige BrĂŒder“ begleiten jeden Krieger durch das Leben bis ĂŒber den Tod hinaus. Diese vier BrĂŒder unterstĂŒtzen den Krieger so lange, wie sie geehrt und mit Opfern bedacht werden.

Ansonsten können sie den sie vernachlĂ€ssigenden Krieger schĂ€digen oder ihn verlassen. Die verschiedenen Elemente des Kosmos sind miteinander verknĂŒpft und aufeinander abgestimmt.

Sie garantieren die KontinuitĂ€t der Lebensprozesse, solange der Zustand der Harmonie aufrechterhalten wird. Die Missachtung der hierarchischen, kosmischen Prinzipien fĂŒhrt zu Unordnung und Disharmonie, zum Auseinanderfallen sĂ€mtlicher Elemente des Kosmos, und das ist gleichbedeutend mit UnglĂŒck, Krankheit, Untergang und Tod, so teilten es die Ältesten laut diesem Folianten mit.

Der Beitrag zur Erhaltung des Gleichgewichts zwischen den KrÀften der Ordnung und des Chaos war eine alltÀgliche Verpflichtung, der jeder Krieger nachkommen musste.

Ich liefere meinen Teil des Chaos, des Unvorhersehbaren, ich dĂŒnne die Herde von den Schwachen und UnzulĂ€nglichen aus, so wie Du Dunwin.

Nach Überlieferung der Ältesten reinkarniert sich eine Seele in der vierten Generation seines Älteren. Mithilfe dieser Ritualzyklen wird die enge Verbindung zwischen beiden Dimensionen der Wirklichkeit, der sichtbaren und der nicht sichtbaren - der Welt der Krieger und der der Gottheiten, immer wieder bewusst gemacht.

Die zwei Dimensionen werden durch rituelle Handlungen erlebbar und mitgestaltbar.

Wichtige Erkennungszeichen beider Dimensionen von Wirklichkeit sind alle am natĂŒrlichen Körper gestaltbaren Teile wie vor allem die ZĂ€hne und die Haut.

Nicht nur Ziernarben und TĂ€towierungen, sondern auch die nicht natĂŒrliche Zahnstellung dienen als Zeichen der Unterscheidung zwischen Krieger, Raubtier, Beutegreifer - nenne es wie Du es möchtest und einfachen Menschen.

Haut und ZĂ€hnen verfĂŒgen ĂŒber besondere LebenskrĂ€fte.

Bei großflĂ€chigen Körperzeichnungen, TĂ€towierungen und extremen, geschĂ€rften ZĂ€hnen geht jeder Krieger von einem extrem harten Krieger auf der Matte und dem Schlachtfeld aus. Dieser Krieger wĂ€re ein perfekter Weg-GefĂ€hrte.

GroßflĂ€chige Zeichnungen, TĂ€towierungen, Narben und geschĂ€rfte ZĂ€hne sind somit Zeichen von besonderer spiritueller Kraft und Macht. FĂŒr mich jedenfalls.

Die natĂŒrliche Zahnfolge bei allen Lebewesen ist so angeordnet, dass die oberen EckzĂ€hne hinter den unteren stehen. Egal bei welchem Lebewesen, die SchneidezĂ€hne sind glatt und stumpf. GleichgĂŒltig ob sie wie beim Menschen groß, oder bei Raubtieren klein sind.

Kein Lebewesen hat von Natur aus eine Front aus ReißzĂ€hnen. Das heißt, die sechs VorderzĂ€hne egal ob groß oder klein sind glatt. Ausnahme bei Raubtieren die ReißzĂ€hne.

Die besondere Bedeutung von ZÀhnen spiegelt sich im Zahnfeil-Ritual wieder, das alle Krieger durchliefen. Das Ritual, in welchem die sechs unteren VorderzÀhne messerscharf gefeilt werden, diente dazu den Unterschied zwischen Krieger und nicht Krieger-Wesen hervorzuheben.

Die unteren sechs VorderzĂ€hne galten zudem als Sitz verschiedener Leidenschaften, wie Verlangen, Ärger, Gier, Dummheit, Trunkenheit und Neid.

Ziel der Zahnfeilung war das Markieren der Beherrschung dieser Leidenschaften. Gefeilte ZÀhne reprÀsentierten damit ein emotionales Leistungsvermögen, welches bewusst eingesetzt werden konnte.

Die Zahnfeilung dient nicht nur zur Markierung der Kontrolle von Leidenschaften. Gleichzeitig erlaubt die Zahnfeilung auch offen das Ausleben sÀmtlicher Leidenschaften.

Wie gesagt, Leidenschaften und deren Auslebung sind absolut werteneutral.
Wer sagt das meine Leidenschaft wertlos oder schlecht ist?
Vielleicht sind alle anderen wertlos?

Zur Anbetung der Ältesten wie sie im Folianten genannt wurden und deren Kult gehörte als fester Bestandteil das Zahnfeilen dazu.

In den gefeilten ZĂ€hnen wurde das Zusammentreffen von spiritueller und materieller Weltsicht am deutlichsten. Eine allgemeine Verantwortung fĂŒr den Clan, der Welt und dem Kosmos wurde auf diese Weise durch bewusste Körpergestaltung zum Ausdruck gebracht.

Ich habe dieses Ritual wie auch einige Teile Ihrer Weltanschauung ĂŒbernommen. Nichts was existiert, existiert grundlos. Weder Du noch ich Dunwin. Wir haben genauso unsere Daseinsberechtigung. Und da es nur wenige von uns gibt, sind wir keine AussĂ€tzigen, wie man uns gerne weiß machen möchte, sondern wir sind die Wölfe - wĂ€hrend die anderen die Schafherde reprĂ€sentieren.

Du frisst gerne Schafe, ich bevorzuge Lammfleisch. Darum geht es, Werden, Vergehen, Tod, Wiedergeburt und Dein ureigener Platz im Kosmos", erlÀuterte Archibald.

"Deshalb auch die TĂ€towierungen auf Deinem RĂŒcken, diese okkulten Symbole. Was bedeuten sie?", fragte Dunwin.
"Jedes einzelne hat eine andere Bedeutung. Einige sind Schutzsymbole, andere stehen fĂŒr Lautlosigkeit, andere fĂŒr Tarnung, eines steht dafĂŒr jederzeit zurĂŒck nach Hause zu finden oder nach Hause zurĂŒckzukehren, wiederum andere fĂŒr JagdglĂŒck - gemeinsam ergeben sie ein passendes Gesamtbild", antwortete Archibald und nippte von seinem Wein.

"Sie scheinen zu wirken", grinste Dun.
"Man sagt den Symbolen nach ihre Wirkung wĂ€re Ă€hnlich wie der Glaube an die Götter. Glaubt man an sie, betet man sie an - leben sie. Sie wirken. Glaubst Du nicht, wirken sie nicht. Ich glaube und ich bete sie an, ebenso wie die Dunkelheit und Ainuwar. Der Gott des Todes und der Zeit kann nur ein Teil der Ältesten sein und zwar jener, der die Dunkelheit und Leere darstellt. Das Dunkle, das Grauen hinter dem Schleier, die Faszination des anderen - manche wĂŒrden sagen des Bösen.

Dabei gibt es weder gut noch böse. Es gibt reine Interessenkonflikte, Du weißt dies besser als jeder andere. Du möchtest erben, Deine BrĂŒder möchten nicht sterben. Bedauerlicher Interessenkonflikt, fĂŒr Deine BrĂŒder", grinste Archi ĂŒber beide Ohren.

"Leihe mir mal diesen Folianten. Manches von diesem okkulten und arkanen Aberglauben ist mir suspekt, das gebe ich offen zu. Anderes wiederum klingt so logisch und plausibel, dass eigentlich gar kein Zweifel besteht", dachte Dunwin laut nach.
"Deshalb heißt es Glauben, sonst hieße es Wissen Dun. Oft liegt es daran, dass vieles nur noch BruchstĂŒckhaft vorhanden ist. Alle BĂŒcher wird man nie zusammen tragen können um sich ein Gesamtbild zu machen. Andere wiederum sind vermutlich sicher in manchen magischen FakultĂ€ten verwahrt. Manche meiner Folianten kann ich leider nicht lesen, da sie in einer unbekannten Sprache verfasst sind. Die Sprache der Magie. Dein Sohn Dave, könnten mir eines dieser BĂŒcher ĂŒbersetzen", schlug Archibald vor.

"Nur zu, er ist Magier und er liest dieses andere Zeug schließlich auch. Also kann er sich auch mal nĂŒtzlich machen...", antwortete Dunwin.
"Auf diese Art...", lachte Archi leise.

"Auf welche auch immer, leihe ihn Dir aus, wann immer Du möchtest, wofĂŒr immer Du möchtest. Das weißt Du doch", grinste Dunwin und trank ebenfalls einen Schluck vom Wein.
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