Der Vampir und die Bestie


Famlie von Hohenfelde
Diese alte Adelsfamilie hat zahlreiche Geistmagier und Nekromanten hervorgebracht. Das Familienleben ist gepr√§gt von Intrigen. Morde, auch innerhalb der eigenen Reihen, und arrangierte Ehen zur Erweiterung der Macht sind an der Tagesordnung. Als Familienmitglied ben√∂tigt man starke Nerven und gleicherma√üen ein H√§ndchen f√ľr B√ľndnisse und Hinterhalte.
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Archibald von Dornburg
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Re: Der Vampir und die Bestie

#31

Beitragvon Archibald von Dornburg » Fr 2. Feb 2018, 09:31

Archibald schluckte und bellte "SIMON". Im gleichen Moment sprang er auch schon auf und rannte zu Kasimir. Simon kam aus dem Garten auf allen vieren angeflitzt und folgte Archibald so schnell er konnte. Jesper folgte ihnen mit etwas Abstand, weder war er so schnell noch war er so flink.

Arch riss die T√ľr zur Vorratsh√∂hle auf und war direkt an Kasimirs Seite. Ohne lange gro√ü zu fragen untersuchte er dessen Platzwunde. So brutal wie der Schwertmeister sonst auch vorgehen konnte, so behutsam ging er nun vor.

"Wer war das Meister?", fragte er Kasimir und schaute ihm genau in die Augen.
"Ich werde die Wunde n√§hen", f√ľgte Archibald an und hockte sich vor Kasimir hin. Er kramte sein kleinen Notfalls√§ckchen hervor, entnahm eine Nadel, einen scheinbar d√ľnnen Faden, der in Wahrheit ein Katzendarm war und einen winzigen Flachmann.

"Bereit wenn Du es bist", erkl√§rte Arch f√ľrsorglich.

Simon schlich um die beiden herum und warf immer wieder einen Blick auf Kasimirs Wunde. Ab und an hockte er sich auf den Hintern, presste seine Hände an seine Schläfen und wimmerte "Nai nai nai", ehe er wieder seinen schleichenden Rundgang aufnahm.

Archibald warf ihm einen mahnenden Blick zu, in dem Moment kam Jesper herein und setzte sich neben Arch und Kasi.

"Kann ich irgendwie helfen?",
fragte er die Beiden.
"Nimm den Flachmann, desinfiziere Kasimirs Wunde und dann Nadel und Faden samt meiner H√§nde. Ich muss die Wunde n√§hen. Du k√∂nntest Kasi festhalten, w√§hrend ich ihn zusammenflicke. Dann ist es f√ľr ihn leichter Jesper", bat Archibald.

"Mache ich, alles klar. Wir bekommen das hin", munterte van Verling Kasimir auf und sch√ľttete ihm vorsichtig etwas von dem Alkohol √ľber die Platzwunde, ehe er einiges davon √ľber Archibalds H√§nde, samt der Nadel und den Faden goss.

"Gut?", hakte Jesper besorgt nach.
"Gut, ich bin soweit, halt ihn fest Jesper", erklärte von Dornburg.

Jesper setzte sich hinter Kasimir und umarmte ihn so, dass dieser nicht mehr zappeln konnte, während Archibald so vorsichtig wie möglich dessen Platzwunde nähte. Als er fertig war betrachtete er zufrieden sein Werk.

"Saubere Arbeit Arch, gut gemacht",
freute sich Jesper f√ľr Kasimir. Simon schlich vorsichtig n√§her und schaute sich die verschlossene Wunde an.
"Dank Dir Jes. So sieht das schon besser aus und so heilt es auch besser. Bleib mit den Fingern von der Wunde weg Simon. Wie f√ľhlst Du Dich Kasi?", hakte Archibald besorgt nach, w√§hrend er die Nadel und den kleinen Flachmann wieder im Beutel verstaute.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#32

Beitragvon Kasimir » Fr 2. Feb 2018, 16:16

"Ich habe mich lediglich an etwas gesto√üen", erwiderte Kasimir, w√§hrend er die Behandlung √ľber sich ergehen lie√ü. Das Pieksen der Nadel merkte er kaum, da ihm der Kopf noch von dem Schlag dr√∂hnte, doch er jammerte nicht. Er freute sich, dass sein Sch√ľtzling sich an seiner Hilfsbereitschaft ein Beispiel nahm, auch wenn er nicht fand, dass die Wunde behandelt werden musste. Jesper, der ihn fixierte, hatte sehr viel Kraft und war riesig, doch er musste diese nicht zum Einsatz bringen. Kasimir hielt die ganze Zeit still und zuckte nicht einmal mit der Wimper. Der arme Simon jedoch schien sehr verst√∂rt zu sein. Kasimir l√§chelte und blinzelte ihm freundlich zu, um ihm zu zeigen, dass alles halb so wild war.

"Mir geht es sehr gut, Archibald, danke der Nachfrage.

Herr Wolfram scheint nicht ernstzunehmen, dass ich ihn bat deinen rakshanischen Begleiter zu ermahnen, der ein allzu offenkundiges Interesse an seiner Dienstmagd hegt"
, erkl√§rte Kasmir, der sich um die guten Sitten des Hauses sorgte. "Als Hausherr sollte er sein Personal vor derlei Zudringlichkeiten sch√ľtzen."

Er beobachtete beim Sprechen Simon. Der √Ąrmste sah nach wie vor todkrank aus, auch wenn er lebhaft herumwuselte, weil er sich so √ľber seine neu erlangte Freiheit freute. Doch lange w√ľrde er sie nicht genie√üen k√∂nnen, wenn sie nicht eingriffen, er konnte einfach beim Toben umfallen und es war aus. Es wurde Zeit.

"Archibald, ich w√ľrde mich gern mit dir um Simon k√ľmmern, bevor es vielleicht zu sp√§t ist. Er erscheint mir sehr, sehr krank." Besorgt runzelte Kasimir die Stirn, nachdem man ihn fertig gen√§ht hatte, w√§hrend er den misshandelten Mann beim Herumkriechen beobachtete. Dann warf er einen ebenso besorgten Seitenblick auf Jesper.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#33

Beitragvon Archibald von Dornburg » Fr 2. Feb 2018, 17:37

Archibald schnalzte kurz mit der Zunge.

"Das wollen wir beide erst gar nicht anfangen Kasimir, dass hast Du auch gar nicht nötig. Es muss Dir nicht peinlich sein. Jeder hat schon mal einen Kampf verloren und jeder Mann musste schon mal eine Tracht einstecken. Und Du vergisst mit wem Du sprichst, ich weiß wie stumpfe Gewalteinwirkungen aussehen... ich weiß wie verdammt viele Gewaltwirkungen aussehen...

Drum l√ľge mich nicht an Meister. Dir hat jemand eins √ľbergezogen und das ist eine Tatsache. Du m√∂chtest nicht dar√ľber reden, dann reden wir nicht dar√ľber. Das ist legitim, aber l√ľge nicht. Das hast Du mir gegen√ľber nicht n√∂tig, merke Dir das einfach",
antwortete Archibald freundlich.

"Nun ich glaube was die gute Margot betrifft, da verstehst Du etwas falsch. Es ist nicht ausschließlich Damir, der Margot hinterher läuft. Sie läuft ihm ebenso hinterher, wie Damir ihr. Ich glaube das Interesse ist auf beiden Seiten ziemlich stark. Aber ich kann ja einmal mit Damir sprechen zu Deiner Beruhigung", bot Arch an.

Kasimir beobachtete Simon und kam auf die vereinbarte Hilfe zu sprechen. Zeitgleich warf Kasimir einen Seitenblick auf Jesper. Archibald schaute Kasimir ernst an.

"Wir k√ľmmern uns gemeinsam um Simon, ganz so wie ich es Dir versprochen habe. Ich werde versuchen wieder gut zu machen, was ich ihm angetan habe. Wegen Jesper musst Du Dich nicht sorgen. Er w√ľrde Dich eher verstehen als ich Kasimir.

Jesper weiß was ich bin, dass wusste er schon immer...
Er ist mein Vertrauter... ich liebe ihn... ich habe ihm von Deinem Geschenk erzählt...
Ich habe ihm offenbart dass Du mich gesegnet hast...
Und dass ich mich bem√ľhe... nach Deinen Vorgaben Meister...

Erlaube ihm anwesend zu sein. Wir planen nichts Schlechtes, sondern wir werden Simon helfen, so wie Du es gefordert hast. So dass er noch etwas vom Leben hat. Und zur Not kann Jesper mich von ihm trennen, falls ich nicht aufhören kann zu trinken. Er hat einmal in den Abgrund geblickt, als er mich sah wie ich dem Hunger nachgab. Er soll auch einmal etwas Gutes von mir zu Gesicht bekommen",
antwortete Archibald.

"Beide Seiten habe ich √∂fter gesehen als Du glaubst Archi. Wir m√ľssen nachher mal alleine miteinander reden und zwar privat. Kasimir Arch sagt die Wahrheit, er hat mir gestanden dass er ein Vampir ist und von Dir ern√§hrt wird. Falls Ihr Simon tats√§chlich helfen m√∂chtet, unterst√ľtzte ich Euch", sagte Jesper.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#34

Beitragvon Kasimir » Sa 3. Feb 2018, 07:53

Kasimir senkte beschämt die Lider.

"Was du sagst ist richtig, Archibald", sagte er traurig. "Ich h√§tte dich nicht bel√ľgen d√ľrfen. Es war die Sorge, jemandem √Ąrger zu bereiten, der es doch gut mit mir meint. Sei gewiss, dass ich den Schlag verdient habe, so wie ich auch jetzt eine Strafe verdiene f√ľr meine L√ľge. Mein Verstand ist noch nicht scharf genug, um gegen alle malgorischen Einfl√ľsse immun zu sein. Ich muss h√§rter an mir arbeiten und h√§ufiger beten, um Oril in mein Herz zu lassen. Dunkel wird es manchmal darin in letzter Zeit.

Ob Fr√§ulein Margot wirklich gleicherma√üen f√ľr Damir ein Interesse hegt, muss unter der Pr√§misse betrachtet werden, dass sie v√∂llig allein als junge, unerfahrene Frau unter einer Gruppe √§lterer M√§nner leben muss, denen sie weder k√∂rperlich, noch geistig, noch vom Stande her etwas entgegensetzen kann. Nat√ľrlich wird sie sich einen davon als Bezugsperson heraussuchen, um das Gef√ľhl des Ausgeliefertseins zu lindern, einen Besch√ľtzer. Diese uralten malgorische Mechanismen waren v√∂llig vorhersehbar. Das Selbe wird sich in jeder Gruppe dieser Konstellation abspielen. Von Freiwilligkeit ist in solch einem Falle jedoch nicht auszugehen, es sind innere Zw√§nge, welche sie dazu treiben.

Wenn du davon sprichst, dass du Herrn Jesper vertraust, Archibald, dann tue ich das auch. Wer w√§re ich, an deinem Einsch√§tzungsverm√∂gen Zweifel zu hegen, nachdem ihr beide euch l√§nger kennt als ich euch? Simon wird es dank Archibald gleich besser gehen, Herr Jesper. Archibald wird von vielen Menschen kritisiert, doch er ist ein guter Mann, der B√∂ses tat. Er wird wieder gut machen, was er an Simon einst verbrach und ihm das Leben zur√ľck schenken, das er ihm nahm."
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Re: Der Vampir und die Bestie

#35

Beitragvon Archibald von Dornburg » Sa 3. Feb 2018, 22:46

Archibald machte eine wegwerfende Handbewegung.

"Geschenkt Kasimir, ich habe Dich lediglich aufgekl√§rt und nicht belehrt Meister. Falls Du Sorge um das Wohl einer Person hast, sagst Du mir dies. Solltest Du eine Bestrafung f√ľr jene Person w√ľnschen, die Dich verletzt hat, reicht ein einziges Wort und ich k√ľmmere mich darum. Bist Du der Auffassung Du hast die Strafe von dieser Person verdient oder m√∂chtest aus einem anderen Grund nicht, dass ihr ein Leid zugef√ľgt wird, akzeptiere ich diese Entscheidung ebenso. Kurzum ich h√§nge mich in Deine Entscheidungen nicht rein Meister und ich werde sie nicht umgehen. Ich werde Dir h√∂chstens ab und an ehrlich sagen, ob ich diese Entscheidung gut hei√üe oder nicht. Du w√ľnscht keine Bestrafung f√ľr jenen der Dich verletzte... verstanden Meister.


Drum Du kannst mir immer die Wahrheit sagen, gleichg√ľltig worum es sich handelt. Es gibt nichts womit Du mich schockieren k√∂nntest oder womit Du mich vertreiben k√∂nntest Kasimir. Und falls Du einmal sehr gro√üen Mist baust, werde ich eine M√∂glichkeit der Bereinigung finden. Bis jetzt habe ich immer eine gefunden. Aber falls ich je eine Grundreinigung f√ľr Dich durchf√ľhren muss, kurzum wenn ich f√ľr Dich alles auf Stand Null herunter schrauben muss, wirst Du mir freie Hand lassen. Ich werde alles bereinigen so als w√§re Dein Ungl√ľck nie geschehen, niemand wird je davon wissen oder sich erinnern. Je nachdem wie weit dieser Fauxpas vorgeschritten war. Und danach werden wir nie wieder dar√ľber sprechen. Keine Fragen Kasimir.

Aber immer die offene und schonungslose Wahrheit in der Familie und Du bist nun ein Familienmitglied f√ľr mich.

Zum Thema Margot. Nun Deine Ausf√ľhrungen sind logisch, aber sie beinhalten doch zeitgleich die Antwort. Sie hat sich ihren Besch√ľtzer selbst gesucht, da sie schwach ist. Damit ist doch alles in Butter. Nebenbei scheint sie daran genauso viel Spa√ü zu haben wie ihr Besch√ľtzer Damir. Eine Gewinnsituation f√ľr beide Seiten. Ich sehe da ehrlich gesagt keinen Handlungsbedarf.

Vielleicht solltest Du mal zu den √Ąltesten beten, statt zu Oril? Ich kann Dir meine B√ľcher leihen, aber ich kann sie Dir nicht √ľberlassen. Leider kann ich sie nicht komplett lesen. Vielleicht kannst Du es ja √ľbersetzen.

Zu Simon, ich habe begriffen was ich da getan habe...
Hätte ich meine Finger von ihm gelassen... nun dann hätte er jetzt keine Heilung nötig...
Drum bin ich sie ihm schuldig, richtig? Richtig... genau... so ist dass...",
gr√ľbelte Arch.

Jesper musterte Arch und Kasi und nickte bedächtig.

"Genauso ist es Arch, Du hast es ihm unrechtm√§√üig weggenommen und nun gibst Du es ihm zur√ľck. Es geht doch", freute sich Jesper.
"Ein Fall von 3.976 Fällen, aber irgendwann fängt man an. Was wolltest Du mit mir privat besprechen Jes?", hakte Arch nach und gab Simon ein Zeichen, sich zu ihnen zu gesellen.

Simon hockte sich vor Arch und schaute ihn an.

"Bitte was?", fragte Jesper geschockt.
"Das war nur eine Beispielzahl, ganz ruhig", grinste Archi.

"Ich habe zwei schöne Häuschen in Daijan gefunden. Wir könnten uns eines gönnen und vielleicht haben Damir und Holzi auch Interesse. Wäre doch schön so zu wohnen", schlug Jesper vorsichtig vor.
"Als Wohngemeinschaft? Ich bin dabei, Brandur hat mir eh das Heimatgef√ľhl in meinem alten H√§uschen geraubt. Ich f√ľhle mich da nicht mehr sicher und wohl auch nicht.
Er war in meiner Vorratskammer...
er war im Keller...
er war da! Das reicht schon!
Und bestohlen hat er mich, dieser... ruhig bleiben...

Ehm also zur√ľck zur Wohngemeinschaft. Wir beide in einem Haus korrekt? Du hast von zwei H√§usern gesprochen, ich gehe davon aus, dass Du mit mir zusammenwohnen m√∂chtest und Damir sich ein Haus mit Holzi teilen soll. Du und ich Jesper... fast wie in alten Zeiten hm? Nur ohne Merna...

Klingt gut... klingt verdammt gut. Möchtest Du das tatsächlich? Ich meine wir haben nie dauerhaft zusammengewohnt, sprich nicht permanent ohne Ausweichmöglichkeit.

Und den Keller ben√∂tige ich diesmal nicht nur f√ľr mein Hobby, sondern zum √úberleben. Mit Hobby meine ich meine Spielzeugsammlung und nichts anderes Jes. Du musst mir komplett den Keller √ľberlassen, tags√ľber werde ich dort leben. Nachts teilen wir uns das Haus. Ich werde mir dann dort meine Wohnung einrichten. Simon wird dort ebenso leben, aber unter v√∂llig anderen Bedingungen diesmal. So wie ich es Kasimir versprochen habe. Wie steht es mit Dir Kasi? Begleitest Du uns? Dann k√∂nnen wir uns gemeinsam um Simon k√ľmmern",
antwortete Arch.

"Das Haus ist zweist√∂ckig, Du h√§ttest bei uns Platz Kasimir. So war es gedacht von mir und sicher m√∂chte ich das Archi, sonst h√§tte ich Dich doch nicht gefragt. Die beiden w√ľrden im roten H√§uschen gegen√ľber wohnen und wir im wei√üen Haus, direkt wenn man die Treppe hochgeht. Ich zeige es Dir Arch, es wird Dir gefallen", freute sich Jesper.
"Also √ľberlege es Dir Kasmir ob Du zu uns ziehen m√∂chtest. Lass uns beginnen Simon zu behandeln. Fang an, oder sag mir was ich mit Simon tun soll", bat Archibald.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#36

Beitragvon Kasimir » Do 8. Feb 2018, 08:08

Kasimir blickte Archibald ernst an.

"Mein Platz ist bei Herrn Brandur, Archibald. Er ist alt und krank und unter diesen Umständen noch einmal Vater geworden. Ich muss ihm zur Seite stehen. Ich kann nicht einfach umziehen. Dennoch weiß ich das Angebot und das Vertrauen in mich zu schätzen. Ich kann dich besuchen, so oft es meine Arbeit zulässt."

Da Archibald sagte, dass Jesper vertrauensw√ľrdig sei, machte Kasimir sich keine weiteren Sorgen. Er sp√ľrte bereits, wie sein Speichelfluss einsetzte und zwar in einem Ma√üe, dass er M√ľhe hatte, es nicht aus dem Mund laufen zu lassen beim Sprechen.

"Simon soll keine Angst haben. Wird er umklammert, wird er sich f√ľrchten. Er sollte sich auf den R√ľcken legen, damit er nicht st√ľrzen kann und dann trinken wir. Du zuerst, damit es deine Rettung ist, dann schlie√üe ich mich an, damit er unser gemeinsamer Bisssohn wird. Du vermagst ihn zu beruhigen. Er soll sich nicht f√ľrchten, nicht mehr als n√∂tig."

Er erschrak vor sich selber, welche Gier er versp√ľrte, als er die arme, geschundene und v√∂llig wehrlose Kreatur dort hocken sah wie auf dem Silbertablett. Aber es war wichtig, dass er mittrank. Es war vielleicht Simons Lebensversicherung, wenn auch ein St√ľck von Kasimir in ihm wohnte. Es w√ľrde ihn f√ľr Archibald unantastbar machen, so lange sie Freunde waren.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#37

Beitragvon Archibald von Dornburg » Fr 9. Feb 2018, 00:23

Archibald legte den Kopf schräg, dabei hörte er seinem Meister aufmerksam zu.

"Es ist Deine Entscheidung Kasimir. Mein Haus steht Dir jederzeit offen, gleichg√ľltig wann oder unter welchen Bedingungen Du einen Unterschlupf ben√∂tigst, ich bin immer f√ľr Dich da. Deine Treue und Loyalit√§t mag Brandur gelten, ob er sie wert ist oder sie Dir zur√ľckzahlt, kann ich nicht beantworten. Ich kenne seine Familie √ľber vier Jahrzehnte, Verrat, Intrige und auch Mord flie√üt durch ihre Adern wie ihr blaues Blut.

Nun vielleicht erstaunt es Dich, dass ausgerechnet ich Dir das sage. Meine Familie war auf andere Art und Weise den Hohenfeldes nicht un√§hnlich. Unterschieden haben sich nur die Formen der Grausamkeit und die Ziele wof√ľr sie derma√üen grausam waren. Aber das liegt lange zur√ľck und ich habe das Buch dieser Familie samt ihren Untaten geschlossen.

Aber nicht ich bin hier das Thema, oder Brandur, sondern Du Kasimir.
Es geht mir ausschließlich darum Dich zu warnen und Dein Wohlergehen zu sichern. Ich habe es nicht oft im Leben gesagt, denn ich hatte nicht oft einen Grund dazu. Und wenn ich es sage, klingt es aus meinem Mund wie Hohn - dennoch sind die Worte aufrichtig. Ich liebe Dich wie einen Vater den ich nie hatte.

Du hast mir ein neues Leben geschenkt, Du hast mich gesegnet. Du hast mir beigestanden und f√ľr mich Partei ergriffen. Dabei ging es Dir um nichts anderes als um mich. Danke daf√ľr. Ich wei√ü dieses Geschenk zu sch√§tzen.

Bleibe von mir aus so lange bei Brandur wie Du m√∂chtest, aber eines Tages kommt der Tag, da wird er Dich vor die T√ľr setzen, weil Du Deinen Nutzen f√ľr ihn verloren hast. Du siehst es nicht, aber er nutzt Dich aus. Du kettest Dich an diesen Mann durch Deinen Gro√ümut Kasimir. Du m√∂chtest frei von Mord leben, Du m√∂chtest f√ľr Dein Blut nicht t√∂ten. Und genau damit hat er Dich am Haken Kasimir. Der Preis f√ľr die Ern√§hrung ohne Mord durch Brandur ist Sklaverei.

Die ungeschminkte Wahrheit ist, Du bist Brandurs Simon. Du bist von ihm abhängig, dass weiß er und aus diesem Grund kann er mit Dir umspringen wie er möchte. Er war es der Dich geschlagen und verletzt hat. Wer sonst trägt hier noch einen Spazierstock? Leugnen zwecklos Kasimir.

Du musst nicht mal auf Deine Prinzipien verzichten, ich habe Dir einen Ausweg genannt. Du ben√∂tigst dieses Instantblut von Brandur nicht. Streif das verdammte Joch ab, dass Du Dir mir Freude selbst um den Hals gelegt hast. Du ben√∂tigst diesen Nekromanten nicht. Alles was Du ben√∂tigst, ist eine Spritze, Kenntnisse wie man Blut abnimmt und Jagderfahrung. Alles was Du ben√∂tigst, w√ľrde ich Dir mit Freude beibringen. Zudem wie bereits einmal erl√§utert, wei√ü ich wo man speisen kann, ohne das Du morden musst. Du bekommst das Essen, sprich das Blut einfach serviert. Dort ist es ein Abfallprodukt, die meisten wissen damit nichts anzufangen. Und selten kommt ein Gesegneter wie Du oder nun auch ich vorbei um es zu erbitten.

Wie gesagt, Du bist bei mir, oder besser gesagt bei uns, jederzeit willkommen. Gleichg√ľltig wo Du bist oder was geschieht, solltest Du jemals in Schwierigkeiten geraten, bin ich f√ľr Dich da. Lass Dir meine Worte durch den Kopf gehen und denk in Ruhe dar√ľber nach wer und was Du bist. Dann w√§hle Joch oder Freiheit. Ich selbst diene Dunwin von Hohenfelde seit 46 Jahren Kasimir, ich wei√ü also wovon ich spreche. Nur im Gegensatz zu Brandur, hat er mich nicht versklavt oder benutzt, an Dunwins Seite war ich frei",
erklärte Archibald freundlich.

Mit einem Fingerzeig befahl er Simon zu sich. Der schm√§chtige Mann kam sofort herbei geeilt und hockte sich erwartungsvoll aber auch √§ngstlich vor Archibald. Arch strich Sklave √ľber den kahlen, gelben Sch√§del.

"Brav gemacht, braver Sklave. Sitzen bleiben", befahl Arch und Sklave verharrte wo er war.

Von Dornburg hockte sich hinter Simon und legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter. Mit der anderen dr√ľckte er behutsam Simons Kopf zur Seite. Arch schnupperte kurz an dessen Halsbeuge. In dem Moment wo er mit der Schnelligkeit einer Viper zubiss, packte er Simons Schulter und fixierte ihn. Seine messerscharfen Eckz√§hne gruben sich tief in Simons Hals, w√§hrend sich seine Rei√üz√§hne in dessen Haut gruben. Blut flo√ü Simons Hals hinab w√§hrend Archibald genussvoll trank.

Es war ein berauschendes Gef√ľhl, besser noch als die Befriedigung des alten Hungers. Es war ein Rausch, ein Fest, pure, fl√ľssige Sinnesfreunden. Arch packte sich Simon mit beiden H√§nden und zog ihn in seine Klauenbewehrte Umarmung. Er biss fester zu, trank gieriger, leckte Simon das austretende Blut vom Hals, ehe er erneut schnappartig zubiss und seine gewaltigen Eckz√§hne in dem d√ľnnen, gelben Hals versenkte.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#38

Beitragvon Kasimir » Fr 9. Feb 2018, 08:15

"Danke f√ľr deine Worte, Archibald", sagte Kasimir ger√ľrt. Dass dieser ihn einen Vater nannte, bewegte ihn sehr, auch wenn er es etwas befremdlich fand. Nun war er, obwohl er M√∂nch war, Vater geworden und hatte sich daf√ľr nicht einmal der k√∂rperlichen Begierde hingegeben. Andererseits ... doch, das hatte er. Wennauch auf anderem Wege.

"W√§re ein jeder hier so ein teuer Freund und einsichtig im Hinblick auf sein Verhalten wie du, w√§re die Welt ein besserer Ort. Das Buch deiner Vergangenheit wurde geschlossen, so wie das deiner Familie und du hast ein neues begonnen zu schreiben. Ich f√ľr meinen Teil bin stolz auf dich. Das Buch der √Ąltesten kannst du mir gern bei Gelegenheit zeigen. Schon aus akademischem Interesse w√ľrde ich gern einen Blick hineinwerfen."

Simon gehorchte dem Befehl, still sitzen zu bleiben. Archibald begann zu trinken und Kasimirs Augen verdunkelten sich, als er das Blut von der d√ľrren, gelblichen Brust Simons hinabrinnen sah. "Bez√ľglich Brandur", fuhr er mit belegter Stimme fort, "werde ich ..." Mitten im Satz brach er ab und kniete sich zu Archibald, der Simon von hinten umklammert hielt und leidenschaftlich trank. Wenn man nicht wusste, was er da tat, h√§tte man es auch anders deuten k√∂nnen.

Kasimir kniete sich so, dass er an Simons Halsschlagader auf der anderen Seite herankam. Einen Augenblick sp√§ter hing auch er in Simons Hals und genoss das hei√üe Blut, dass in seinen leichenkalten Mund str√∂mte. Er sp√ľrte die bei ihm mit jedem Biss einhergehende Erregung einsetzen, doch er beherrschte sich. Er ber√ľhrte Simon mit nichts als seinem Mund und trank nur wenige, aber sehr langsame und genussvolle Schlucke. Zeitiger als sonst lie√ü Kasimir von ihm ab. Zu zeitig, wenn es nach seinem K√∂rper ginge, doch um den ging es hier nicht, es ging um die Erl√∂sung Simons von der Qual, die sein Leben war. Kasimir verschloss die Bisswunde so gut es ging mit den Lippen und ignorierte, wie es ihm selber gerade ging. Ja, er konnte Archibalds fr√ľheren Hunger nachvollziehen, das schier unertr√§gliche und anderen gegen√ľber r√ľcksichtslose Sehnen, das vor sich selbst immer neue Rechtfertigungen fand, es zuzulassen.

"Lebe, Simon", sagte er und strich ihm mit dem Handr√ľcken √ľber die hagere Wange, ohne ihm noch l√§nger auf die Blutreste um die Wunder herum zu starren. Simon hatte wei√üe Lippen bekommen. Kasimir tippte Archibald, der ganz im Rausch versunken war, mit den Fingerspitzen an.
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Jesper van Verling
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Re: Der Vampir und die Bestie

#39

Beitragvon Jesper van Verling » Fr 9. Feb 2018, 09:30

Jesper lauschte dem Gespr√§ch zwischen Archibald und Kasimir. Das Arch Kasimir vor Brandur warnte, war nicht nur ein reiner Liebes- oder Freundschaftsdienst, wie van Verling nur zu gut wusste. Nat√ľrlich sorgte sich Archibald um Kasimir. Aber so rein und positiv wie von Dornburg es darstellte, waren seine Beweggr√ľnde nicht. Daf√ľr kannte Jesper seinen Freund schon zu lange und zu gut um den K√∂der noch zu schlucken.

Jesper glaubte Archibald, dass er Kasimir besch√ľtzen wollte. Aber nicht nur, damit es Kasimir gut ging und dieser nicht mehr zu leiden hatte. Arch war besitzergreifend, er war eifers√ľchtig und Brandur war eine Konkurrenz die er nicht dulden w√ľrde. Also versuchte er die Konkurrenz um die Zuneigung von Kasimir zuerst am schw√§cheren Ende zu kappen. Er versuchte Kasimir davon zu √ľberzeugen, dass Brandur f√ľr ihn nicht nur eine Last, sondern auch gef√§hrlich war.

Archibald h√§tte eine Zusage von Kasimir alleine nicht ausgereicht. Die Warnung bez√ľglich Brandur w√§re nur sp√§ter erfolgt. Nicht sofort, denn dies w√§re nach einer Zusage viel zu offensichtlich gewesen. Nein Arch beabsichtigte einen Keil zwischen Kasimir und Brandur treiben, so wie er auch einen Keil zwischen Linhard und Brandur treiben wollte.

Kasimir sollte sich Arch nicht nur zuwenden, er sollte sich auch von der Konkurrenz abwenden. Und da diese Konkurrenz ein Verseuchter war, ein Magier, sogar ein Nekromant sollte Kasimir lernen ihn zu verabscheuen, ihn zu hassen. Ginge es nach Archibalds pers√∂nlichen Empfinden w√ľrde Kasimir die Beziehung zu Brandur auf die Art beenden, wie Arch selbst die Bande zu seiner Familie gekappt hatte und zwar durch Mord.

Nur ein toter Feind war ein guter Feind. Ein uralter Spruch den Archibald einmal rezitiert hatte und der Jesper nie aus dem Kopf gegangen war, lautete - ehre einen guten Feind, aber vergewissere Dich vorher, dass er auch tatsächlich tot ist.

Besser konnte von Dornburg seine Weltsicht nicht auf den Punkt bringen. Seine gesamte Wahrnehmung war ein Zerrbild, eine Mischung aus Verständnis, Unverständnis, brillanter Logik und absolutem Nichtbegreifen.

Jesper kannte wie kein anderer das Paradoxon dass in Archibalds Kopf stattfand. Ab und an gestand von Dornburg seine Ambivalenz sogar offen ein. Nicht bewusst, denn ihm selbst war der Umstand nicht bekannt oder er konnte ihn aufgrund seiner Krankheit geistig nicht erfassen.

Das beste Beispiel war der Schutz Deryas, seiner eigenen Tochter. Archibald behauptete einzusehen, dass er krank war, dass er anders war und dass er eine Gefahr f√ľr seine Tochter darstellte. Die Erkenntnis war absolut richtig. Nur Jahre sp√§ter erkl√§rte er im gleichen Atemzug, dass von ihm f√ľr Derya keine Gefahr mehr ausgehen w√ľrde, sie w√§re alt genug.

Archibald begriff nicht, dass er f√ľr alle Kinder eine Gefahr darstellte. Das es nicht nur Derya und sein Sohn waren, auf die er R√ľcksicht zu nehmen hatte. Man h√§tte von Dornburg unterstellen k√∂nnen, dass er nur seine eigenen Kinder als sch√ľtzenswert wahrnahm und die anderen nicht als wertvoll erachtete.

Aber dem war nicht so, denn dann h√§tte es hinter dem Raubs√ľchtigen eine Selektion, eine Logik geben m√ľssen und die gab es nicht. Die Bestie unterschied nicht Freund und Feind, denn in ihrer Welt gab es so etwas nicht. Die Welt der Bestie unterteilte sich nur in essbar und nicht essbar.

Jesper hatte einst in die Augen der Bestie geschaut.
Die Bestie kannte in ihrem Fressrausch weder Freund noch Feind, sie fraß was sie in den Klauen hielt, sie hätte ebenso ihre eigenen Kinder verschlungen.

Nur der Mann in dem die Bestie schlummerte, konnte vorab selektieren, jedenfalls bis zu einem gewissen Punkt. Aus dem Grund hatte er seine eigenen Kinder gebrandmarkt um sie in seinem anderen Zustand zwar nicht erkennen, aber noch verschonen zu k√∂nnen. Denn scheinbar beugte sich sogar die Bestie in ihm den √Ąltesten. Was immer diese eingebildeten Kreaturen auch darstellten.

Jesper hatte eine Vermutung was sie waren. Manche Personen schufen sich aus Einsamkeit unsichtbare Freunde, von Dornburg hatte sich unsichtbare, √ľberm√§chtige Eltern geschaffen. Jene die genauso herzlos, widerw√§rtig und eiskalt waren wie seine eigenen - aber die man mit dem richtigen Verhalten und dem einhalten von Dogmen und Opfern milde stimmen konnte. Denen man durch Gehorsam Aufmerksamkeit abringen konnte. Und gleichg√ľltig was positiv im Leben von Archibald geschah, er rechnete es diesen Wesenheiten zu. Er nahm sogar an, dass einige der G√∂tter in Wahrheit √Ąlteste waren.

Van Verling wusste es besser. Die √Ąltesten waren die Ausgeburt eines zerst√∂rten und vereinsamten Verstandes um nicht ganz zu zerbrechen.

Und genau aus diesem Umstand ergab sich ein weiteres Problem, von dem Kasimir bis jetzt noch nicht die geringste Ahnung hatte. So freundlich das Angebot von Archibald auch klang, sich jederzeit bei ihm einfinden zu können, so gefährlich war es, dem Angebot nachzukommen, wenn man die Spielregeln nicht kannte.

Jesper kannte Archibald seit 46 Jahren, er hatte ausreichend Zeit gehabt diesen Mann in und auswendig kennenzulernen. Er liebte Archibald und er wusste, dass Arch ihn ebenfalls liebte. Vielleicht nicht auf die √ľbliche Art, aber er tat es. Dennoch war es extrem gef√§hrlich, Archibald eine Zeit lang nicht zu sehen und dann bei ihm ungefragt aufzuschlagen.

Von Dornburg kannte kein Urvertrauen. Jedes Vertrauen dass er anderen Personen entgegenbrachte stand auf spr√∂den, t√∂nernen F√ľ√üen. Musste man Archibald f√ľr einige Zeit allein lassen, aus welchen Gr√ľnden auch immer, fremdelte er sobald er die Zeit f√ľr zu lang empfand. Arch unterstellte einem ihn verlassen zu haben oder schlimmer sogar noch Verrat. Ab dato hatte man sich sein Vertrauen neu zu erarbeiten.

Jesper hatte es oft genug erlebt. Letztmalig als er Archibald bei einer Jagd gestellt hatte. Ein falsches Wort, ein zu √§ngstlicher Blick und statt des Burschen den er mit der Armbrust niedergem√§ht hatte, w√§re er selbst niedergemacht worden. Und weshalb? Einfach aus Archibalds Bauchgef√ľhl heraus, ihm nicht mehr vertrauen zu k√∂nnen.

Kasimir war scheinbar nicht im Mindesten bewusst, mit wem er sich dort eingelassen hatte und welche gigantische Aufgabe eine Person wie Archibald war. Er selbst hatte, wenn er ehrlich war, dauerversagt. Eine Person wie Archibald geh√∂rte gut verwahrt in einen der Tempel, die sich solcher Kranken annahmen. Dort dienten sie wie andere Br√ľder, waren unter sich und schadeten niemanden. Und wurde ihr Verlangen zu gro√ü, hatten sie passende Ansprechpartner, suchten Halt im Gebet oder wurden schlimmstenfalls mit Medikamenten oder vielleicht auch mit Magie ruhig gestellt. Aber sie liefen nicht mehr drau√üen frei herum und schadeten ihren Mitmenschen.

Wobei im Tempel vermutlich nur jene aufgenommen wurden, die noch keine Verbrechen begangen hatten. Wie die Verurteilung von Archibald aussehen w√ľrde, sollte man all seine Verbrechen zusammentragen, war Jesper durchaus bewusst.

Und van Verling war ebenso bewusst, dass er einen gro√üen Teil dazu beigetragen hatte, dass Archibald sie √ľberhaupt begehen konnte. Es war schon ausreichend daf√ľr zu sorgen, dass Arch sorglos durch die Nacht schlendern konnte.

Jesper schaute von Simon zu Kasimir. Nun eines musste er zugeben, seit dem Kasimir Archibald "gesegnet" hatte, hatte sich dessen Verhalten gewandelt. Er versuchte scheinbar tats√§chlich dem Weg seines Meisters zu folgen. Jesper betete inst√§ndig darum, dass Arch den Weg annehmen w√ľrde, den Kasimir bot. Zeitgleich war er dankbar, dass Kasimir es gewesen war, der Arch gebissen hatte. Wer wusste, was ein anderer "Meister" Archibald beigebracht h√§tte?

F√ľr die entsprechende Anleitung und F√ľhrung tat Archibald alles, er kannte keine Limits, keine Tabus, Dunwin konnte seinerzeit alles von ihm verlangen und er f√ľhrte es mit Freuden aus.

Auch hier schien Kasimir nicht zu begreifen, welche Waffe ihm Archibald an die Hand gegeben hatte - sich selbst. Ein einziges Wort von dem Lichtalbischen Vampir und Archibald h√§tte Brandur in einer Form bestraft, dass sich der alte Mann seinen Tod herbeiw√ľnschen w√ľrde. Denn wenn er ehrlich war, wen gab es denn noch, der Arch hier aufhalten konnte?

Dunwin war ein blaues Lichtlein, Linhard war gut - dennoch nur ein gro√üer Junge, Damir und Holzi waren auf Archibalds Seite, Wolfram und Marlo hatten nur Augen f√ľr sich und konnten es vermutlich nicht mit den F√§higkeiten von Dornburg aufnehmen, er selbst konnte Arch zwar aufhalten - aber er tat es nie aus Angst ihn zu verletzen, es blieb also nur Kasimir!

Alles stand und fiel von nun an durch das Wort dieses Vampirs und der Kerl wusste nicht einmal etwas davon!

Jesper war so in seinen Gedanken versunken, dass er zuerst gar nicht mitbekam, wie die beiden begonnen hatten, Simon auszusaugen. Archibald hatte Simon umklammert und trank aus dessen Hals, während Kasimir sich an Simons andere Halsseite heftete und ebenfalls zu saugen anfing. Wie eine medizinische Behandlung sah das Ganze nicht aus. Im Gegenteil, Simon wurde blass und Kasimir ließ von ihm ab.

Archibald hingegen war in einem ganz √§hnlichen Fressrausch wie fr√ľher. Er hielt sein Opfer felsenfest gepackt und trank mit woll√ľstiger, animalischer Gier. Simon wurde kreidebleich in Archibalds Krallen. Seine Augen wurden stumpf und er √∂ffnete den Mund zu einem lautlosen Schrei absoluten Grauens, w√§hrend sich nun nicht mehr allein die Z√§hne von Archibald in sein Fleisch gruben, sondern auch dessen scharfe Klauen.

"Verdammte Scheiße!", keuchte Jesper.

Er war hier um aufzupassen und zur Not einzugreifen. Van Verling schloss seine gro√üe Pranke um die Kehle von Archibald, mit der anderen Hand packte er ihn am Kiefer und dr√ľckte ihm den Mund gewaltsam auf. Allein die langen Eckz√§hne von Arch waren gewaltige, messerscharfe Waffen, aber der Rest des Gebisses war nicht weniger gef√§hrlich. Das hatte Jesper einst am eigenen Leib erfahren.

So behutsam wie m√∂glich, aber so stark wie n√∂tig zerrte er Archibald von seinem Opfer weg. Jesper sch√ľttelte seinen Kumpel durch, hielt ihn aber weiter an der Kehle gepackt. Nicht dass dieser noch auf die Idee kam, ihn aus lauter Dankbarkeit f√ľr die Unterbrechung zu bei√üen. Irgendwie f√ľhlte sich Jesper, als hielt er eine gro√üe, menschliche schwarze Mamba in den H√§nden. Die vampirischen Fangz√§hne unterstrichen den Eindruck noch.

"Beruhige Dich Arch!", befahl Jesper unmissverständlich.

Er warf einen r√ľckversichernden Blick auf Simon. Der d√ľnne Kerl war wei√ü wie eine Wand und hatte zwei Bisswunden im Hals. Eine davon sehr tief und ausgefranst.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#40

Beitragvon Kasimir » Fr 9. Feb 2018, 10:19

Kasimir war selbst noch nicht wieder ganz bei Sinnen und beobachtete mit einer Mischung aus Erstaunen und Amusement, wie Jesper sich mit dem vor Gier √ľbersch√§umenden Archibald abm√ľhte, ohne dass Kasimir eingriff, um ihm zu helfen. Der ehemalige M√∂nch l√§chelte breiter, als es √ľblich f√ľr ihn war, aber fiel auch nicht erneut √ľber Simon her. Kasimir hatte sein Leben in Askese, Meditation und Gebet verbracht, so dass er auch als Vampir sehr viel beherrschter war als andere seinesgleichen, so lange er nicht ausgehungert war. Und das war er nicht, er war pappesatt noch von Archibalds Blut und h√§tte diese Mahlzeit nicht unbedingt ben√∂tigt.

W√§hrend Jesper noch immer den tobenden Archibald b√§ndigte, k√ľmmerte Kasimir sich um Simon. Der Mann w√ľrde bald sterben. Eine Weile k√§mpfte Simon noch und Kasimir tat nichts als zu warten, bis dessen Muskeln schlaff zu werden begannen. Er legte ihm eine Decke um die Schultern und half ihm, sich langsam hinzulegen, als die Kr√§fte ihn verlie√üen. Das Entsetzen war noch immer in Simons Gesicht gebrannt. "Gute Nacht Simon", sagte Kasimir sanft. "Wenn du aufwachst, wirst du endlich Mensch sein d√ľrfen." Er blieb bei ihm, bis es zu Ende war. Dann zog er ihm die Decke √ľber das Gesicht und kniete in Gebetshaltung bei ihm.

"So wie der Mond voll wird am Himmel, m√∂ge sich auch dein Herz mit Licht f√ľllen.
So wie die Sterne die Finsternis mit Diamanten schm√ľcken,
so möge das Dunkel deiner Seele erhellt werden von Funken aus Licht.

Der Silberbl√ľtige wache √ľber deinen Astralleib
so wie ich √ľber deinen physischen K√∂rper wachen werde,
bis du erneut ins Leben trittst.

Schlafe wohl, Simon.
Und kehre wohlbehalten zu uns zur√ľck."


Kasimir wischte sich die Tränen ab, die ihm aus seinen Augen perlten.
Der Blutrausch klang ab und Begreifen breitete sich aus in seinem Geist.
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"Herr, wer euch dient f√ľr Gut und Geld und nur gehorcht zum Schein,
packt ein, sobald ein Regen fällt, läßt euch im Sturm allein." - William Shakespeare