Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Der Vampir und die Bestie

Famlie von Hohenfelde
Diese alte Adelsfamilie hat zahlreiche Geistmagier und Nekromanten hervorgebracht. Das Familienleben ist gepr├Ągt von Intrigen. Morde, auch innerhalb der eigenen Reihen, und arrangierte Ehen zur Erweiterung der Macht sind an der Tagesordnung. Als Familienmitglied ben├Âtigt man starke Nerven und gleicherma├čen ein H├Ąndchen f├╝r B├╝ndnisse und Hinterhalte. Unter der F├╝hrung des neuen Oberhauptes Linhard verlie├č die Familie Naridien und versucht nun in Souvagne ein neues Leben zu beginnen, fernab des dunklen Pfades.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#31

Beitrag von Archibald von Dornburg » Fr 2. Feb 2018, 09:31

Archibald schluckte und bellte "SIMON". Im gleichen Moment sprang er auch schon auf und rannte zu Kasimir. Simon kam aus dem Garten auf allen vieren angeflitzt und folgte Archibald so schnell er konnte. Jesper folgte ihnen mit etwas Abstand, weder war er so schnell noch war er so flink.

Arch riss die T├╝r zur Vorratsh├Âhle auf und war direkt an Kasimirs Seite. Ohne lange gro├č zu fragen untersuchte er dessen Platzwunde. So brutal wie der Schwertmeister sonst auch vorgehen konnte, so behutsam ging er nun vor.

"Wer war das Meister?", fragte er Kasimir und schaute ihm genau in die Augen.
"Ich werde die Wunde n├Ąhen", f├╝gte Archibald an und hockte sich vor Kasimir hin. Er kramte sein kleinen Notfalls├Ąckchen hervor, entnahm eine Nadel, einen scheinbar d├╝nnen Faden, der in Wahrheit ein Katzendarm war und einen winzigen Flachmann.

"Bereit wenn Du es bist", erkl├Ąrte Arch f├╝rsorglich.

Simon schlich um die beiden herum und warf immer wieder einen Blick auf Kasimirs Wunde. Ab und an hockte er sich auf den Hintern, presste seine H├Ąnde an seine Schl├Ąfen und wimmerte "Nai nai nai", ehe er wieder seinen schleichenden Rundgang aufnahm.

Archibald warf ihm einen mahnenden Blick zu, in dem Moment kam Jesper herein und setzte sich neben Arch und Kasi.

"Kann ich irgendwie helfen?",
fragte er die Beiden.
"Nimm den Flachmann, desinfiziere Kasimirs Wunde und dann Nadel und Faden samt meiner H├Ąnde. Ich muss die Wunde n├Ąhen. Du k├Ânntest Kasi festhalten, w├Ąhrend ich ihn zusammenflicke. Dann ist es f├╝r ihn leichter Jesper", bat Archibald.

"Mache ich, alles klar. Wir bekommen das hin", munterte van Verling Kasimir auf und sch├╝ttete ihm vorsichtig etwas von dem Alkohol ├╝ber die Platzwunde, ehe er einiges davon ├╝ber Archibalds H├Ąnde, samt der Nadel und den Faden goss.

"Gut?", hakte Jesper besorgt nach.
"Gut, ich bin soweit, halt ihn fest Jesper", erkl├Ąrte von Dornburg.

Jesper setzte sich hinter Kasimir und umarmte ihn so, dass dieser nicht mehr zappeln konnte, w├Ąhrend Archibald so vorsichtig wie m├Âglich dessen Platzwunde n├Ąhte. Als er fertig war betrachtete er zufrieden sein Werk.

"Saubere Arbeit Arch, gut gemacht",
freute sich Jesper f├╝r Kasimir. Simon schlich vorsichtig n├Ąher und schaute sich die verschlossene Wunde an.
"Dank Dir Jes. So sieht das schon besser aus und so heilt es auch besser. Bleib mit den Fingern von der Wunde weg Simon. Wie f├╝hlst Du Dich Kasi?", hakte Archibald besorgt nach, w├Ąhrend er die Nadel und den kleinen Flachmann wieder im Beutel verstaute.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#32

Beitrag von Kasimir » Fr 2. Feb 2018, 16:16

"Ich habe mich lediglich an etwas gesto├čen", erwiderte Kasimir, w├Ąhrend er die Behandlung ├╝ber sich ergehen lie├č. Das Pieksen der Nadel merkte er kaum, da ihm der Kopf noch von dem Schlag dr├Âhnte, doch er jammerte nicht. Er freute sich, dass sein Sch├╝tzling sich an seiner Hilfsbereitschaft ein Beispiel nahm, auch wenn er nicht fand, dass die Wunde behandelt werden musste. Jesper, der ihn fixierte, hatte sehr viel Kraft und war riesig, doch er musste diese nicht zum Einsatz bringen. Kasimir hielt die ganze Zeit still und zuckte nicht einmal mit der Wimper. Der arme Simon jedoch schien sehr verst├Ârt zu sein. Kasimir l├Ąchelte und blinzelte ihm freundlich zu, um ihm zu zeigen, dass alles halb so wild war.

"Mir geht es sehr gut, Archibald, danke der Nachfrage.

Herr Wolfram scheint nicht ernstzunehmen, dass ich ihn bat deinen rakshanischen Begleiter zu ermahnen, der ein allzu offenkundiges Interesse an seiner Dienstmagd hegt"
, erkl├Ąrte Kasmir, der sich um die guten Sitten des Hauses sorgte. "Als Hausherr sollte er sein Personal vor derlei Zudringlichkeiten sch├╝tzen."

Er beobachtete beim Sprechen Simon. Der ├ärmste sah nach wie vor todkrank aus, auch wenn er lebhaft herumwuselte, weil er sich so ├╝ber seine neu erlangte Freiheit freute. Doch lange w├╝rde er sie nicht genie├čen k├Ânnen, wenn sie nicht eingriffen, er konnte einfach beim Toben umfallen und es war aus. Es wurde Zeit.

"Archibald, ich w├╝rde mich gern mit dir um Simon k├╝mmern, bevor es vielleicht zu sp├Ąt ist. Er erscheint mir sehr, sehr krank." Besorgt runzelte Kasimir die Stirn, nachdem man ihn fertig gen├Ąht hatte, w├Ąhrend er den misshandelten Mann beim Herumkriechen beobachtete. Dann warf er einen ebenso besorgten Seitenblick auf Jesper.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#33

Beitrag von Archibald von Dornburg » Fr 2. Feb 2018, 17:37

Archibald schnalzte kurz mit der Zunge.

"Das wollen wir beide erst gar nicht anfangen Kasimir, dass hast Du auch gar nicht n├Âtig. Es muss Dir nicht peinlich sein. Jeder hat schon mal einen Kampf verloren und jeder Mann musste schon mal eine Tracht einstecken. Und Du vergisst mit wem Du sprichst, ich wei├č wie stumpfe Gewalteinwirkungen aussehen... ich wei├č wie verdammt viele Gewaltwirkungen aussehen...

Drum l├╝ge mich nicht an Meister. Dir hat jemand eins ├╝bergezogen und das ist eine Tatsache. Du m├Âchtest nicht dar├╝ber reden, dann reden wir nicht dar├╝ber. Das ist legitim, aber l├╝ge nicht. Das hast Du mir gegen├╝ber nicht n├Âtig, merke Dir das einfach",
antwortete Archibald freundlich.

"Nun ich glaube was die gute Margot betrifft, da verstehst Du etwas falsch. Es ist nicht ausschlie├člich Damir, der Margot hinterher l├Ąuft. Sie l├Ąuft ihm ebenso hinterher, wie Damir ihr. Ich glaube das Interesse ist auf beiden Seiten ziemlich stark. Aber ich kann ja einmal mit Damir sprechen zu Deiner Beruhigung", bot Arch an.

Kasimir beobachtete Simon und kam auf die vereinbarte Hilfe zu sprechen. Zeitgleich warf Kasimir einen Seitenblick auf Jesper. Archibald schaute Kasimir ernst an.

"Wir k├╝mmern uns gemeinsam um Simon, ganz so wie ich es Dir versprochen habe. Ich werde versuchen wieder gut zu machen, was ich ihm angetan habe. Wegen Jesper musst Du Dich nicht sorgen. Er w├╝rde Dich eher verstehen als ich Kasimir.

Jesper wei├č was ich bin, dass wusste er schon immer...
Er ist mein Vertrauter... ich liebe ihn... ich habe ihm von Deinem Geschenk erz├Ąhlt...
Ich habe ihm offenbart dass Du mich gesegnet hast...
Und dass ich mich bem├╝he... nach Deinen Vorgaben Meister...

Erlaube ihm anwesend zu sein. Wir planen nichts Schlechtes, sondern wir werden Simon helfen, so wie Du es gefordert hast. So dass er noch etwas vom Leben hat. Und zur Not kann Jesper mich von ihm trennen, falls ich nicht aufh├Âren kann zu trinken. Er hat einmal in den Abgrund geblickt, als er mich sah wie ich dem Hunger nachgab. Er soll auch einmal etwas Gutes von mir zu Gesicht bekommen",
antwortete Archibald.

"Beide Seiten habe ich ├Âfter gesehen als Du glaubst Archi. Wir m├╝ssen nachher mal alleine miteinander reden und zwar privat. Kasimir Arch sagt die Wahrheit, er hat mir gestanden dass er ein Vampir ist und von Dir ern├Ąhrt wird. Falls Ihr Simon tats├Ąchlich helfen m├Âchtet, unterst├╝tzte ich Euch", sagte Jesper.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#34

Beitrag von Kasimir » Sa 3. Feb 2018, 07:53

Kasimir senkte besch├Ąmt die Lider.

"Was du sagst ist richtig, Archibald", sagte er traurig. "Ich h├Ątte dich nicht bel├╝gen d├╝rfen. Es war die Sorge, jemandem ├ärger zu bereiten, der es doch gut mit mir meint. Sei gewiss, dass ich den Schlag verdient habe, so wie ich auch jetzt eine Strafe verdiene f├╝r meine L├╝ge. Mein Verstand ist noch nicht scharf genug, um gegen alle malgorischen Einfl├╝sse immun zu sein. Ich muss h├Ąrter an mir arbeiten und h├Ąufiger beten, um Oril in mein Herz zu lassen. Dunkel wird es manchmal darin in letzter Zeit.

Ob Fr├Ąulein Margot wirklich gleicherma├čen f├╝r Damir ein Interesse hegt, muss unter der Pr├Ąmisse betrachtet werden, dass sie v├Âllig allein als junge, unerfahrene Frau unter einer Gruppe ├Ąlterer M├Ąnner leben muss, denen sie weder k├Ârperlich, noch geistig, noch vom Stande her etwas entgegensetzen kann. Nat├╝rlich wird sie sich einen davon als Bezugsperson heraussuchen, um das Gef├╝hl des Ausgeliefertseins zu lindern, einen Besch├╝tzer. Diese uralten malgorische Mechanismen waren v├Âllig vorhersehbar. Das Selbe wird sich in jeder Gruppe dieser Konstellation abspielen. Von Freiwilligkeit ist in solch einem Falle jedoch nicht auszugehen, es sind innere Zw├Ąnge, welche sie dazu treiben.

Wenn du davon sprichst, dass du Herrn Jesper vertraust, Archibald, dann tue ich das auch. Wer w├Ąre ich, an deinem Einsch├Ątzungsverm├Âgen Zweifel zu hegen, nachdem ihr beide euch l├Ąnger kennt als ich euch? Simon wird es dank Archibald gleich besser gehen, Herr Jesper. Archibald wird von vielen Menschen kritisiert, doch er ist ein guter Mann, der B├Âses tat. Er wird wieder gut machen, was er an Simon einst verbrach und ihm das Leben zur├╝ck schenken, das er ihm nahm."
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Re: Der Vampir und die Bestie

#35

Beitrag von Archibald von Dornburg » Sa 3. Feb 2018, 22:46

Archibald machte eine wegwerfende Handbewegung.

"Geschenkt Kasimir, ich habe Dich lediglich aufgekl├Ąrt und nicht belehrt Meister. Falls Du Sorge um das Wohl einer Person hast, sagst Du mir dies. Solltest Du eine Bestrafung f├╝r jene Person w├╝nschen, die Dich verletzt hat, reicht ein einziges Wort und ich k├╝mmere mich darum. Bist Du der Auffassung Du hast die Strafe von dieser Person verdient oder m├Âchtest aus einem anderen Grund nicht, dass ihr ein Leid zugef├╝gt wird, akzeptiere ich diese Entscheidung ebenso. Kurzum ich h├Ąnge mich in Deine Entscheidungen nicht rein Meister und ich werde sie nicht umgehen. Ich werde Dir h├Âchstens ab und an ehrlich sagen, ob ich diese Entscheidung gut hei├če oder nicht. Du w├╝nscht keine Bestrafung f├╝r jenen der Dich verletzte... verstanden Meister.


Drum Du kannst mir immer die Wahrheit sagen, gleichg├╝ltig worum es sich handelt. Es gibt nichts womit Du mich schockieren k├Ânntest oder womit Du mich vertreiben k├Ânntest Kasimir. Und falls Du einmal sehr gro├čen Mist baust, werde ich eine M├Âglichkeit der Bereinigung finden. Bis jetzt habe ich immer eine gefunden. Aber falls ich je eine Grundreinigung f├╝r Dich durchf├╝hren muss, kurzum wenn ich f├╝r Dich alles auf Stand Null herunter schrauben muss, wirst Du mir freie Hand lassen. Ich werde alles bereinigen so als w├Ąre Dein Ungl├╝ck nie geschehen, niemand wird je davon wissen oder sich erinnern. Je nachdem wie weit dieser Fauxpas vorgeschritten war. Und danach werden wir nie wieder dar├╝ber sprechen. Keine Fragen Kasimir.

Aber immer die offene und schonungslose Wahrheit in der Familie und Du bist nun ein Familienmitglied f├╝r mich.

Zum Thema Margot. Nun Deine Ausf├╝hrungen sind logisch, aber sie beinhalten doch zeitgleich die Antwort. Sie hat sich ihren Besch├╝tzer selbst gesucht, da sie schwach ist. Damit ist doch alles in Butter. Nebenbei scheint sie daran genauso viel Spa├č zu haben wie ihr Besch├╝tzer Damir. Eine Gewinnsituation f├╝r beide Seiten. Ich sehe da ehrlich gesagt keinen Handlungsbedarf.

Vielleicht solltest Du mal zu den Ältesten beten, statt zu Oril? Ich kann Dir meine Bücher leihen, aber ich kann sie Dir nicht überlassen. Leider kann ich sie nicht komplett lesen. Vielleicht kannst Du es ja übersetzen.

Zu Simon, ich habe begriffen was ich da getan habe...
H├Ątte ich meine Finger von ihm gelassen... nun dann h├Ątte er jetzt keine Heilung n├Âtig...
Drum bin ich sie ihm schuldig, richtig? Richtig... genau... so ist dass...",
gr├╝belte Arch.

Jesper musterte Arch und Kasi und nickte bed├Ąchtig.

"Genauso ist es Arch, Du hast es ihm unrechtm├Ą├čig weggenommen und nun gibst Du es ihm zur├╝ck. Es geht doch", freute sich Jesper.
"Ein Fall von 3.976 F├Ąllen, aber irgendwann f├Ąngt man an. Was wolltest Du mit mir privat besprechen Jes?", hakte Arch nach und gab Simon ein Zeichen, sich zu ihnen zu gesellen.

Simon hockte sich vor Arch und schaute ihn an.

"Bitte was?", fragte Jesper geschockt.
"Das war nur eine Beispielzahl, ganz ruhig", grinste Archi.

"Ich habe zwei sch├Âne H├Ąuschen in Daijan gefunden. Wir k├Ânnten uns eines g├Ânnen und vielleicht haben Damir und Holzi auch Interesse. W├Ąre doch sch├Ân so zu wohnen", schlug Jesper vorsichtig vor.
"Als Wohngemeinschaft? Ich bin dabei, Brandur hat mir eh das Heimatgef├╝hl in meinem alten H├Ąuschen geraubt. Ich f├╝hle mich da nicht mehr sicher und wohl auch nicht.
Er war in meiner Vorratskammer...
er war im Keller...
er war da! Das reicht schon!
Und bestohlen hat er mich, dieser... ruhig bleiben...

Ehm also zur├╝ck zur Wohngemeinschaft. Wir beide in einem Haus korrekt? Du hast von zwei H├Ąusern gesprochen, ich gehe davon aus, dass Du mit mir zusammenwohnen m├Âchtest und Damir sich ein Haus mit Holzi teilen soll. Du und ich Jesper... fast wie in alten Zeiten hm? Nur ohne Merna...

Klingt gut... klingt verdammt gut. M├Âchtest Du das tats├Ąchlich? Ich meine wir haben nie dauerhaft zusammengewohnt, sprich nicht permanent ohne Ausweichm├Âglichkeit.

Und den Keller ben├Âtige ich diesmal nicht nur f├╝r mein Hobby, sondern zum ├ťberleben. Mit Hobby meine ich meine Spielzeugsammlung und nichts anderes Jes. Du musst mir komplett den Keller ├╝berlassen, tags├╝ber werde ich dort leben. Nachts teilen wir uns das Haus. Ich werde mir dann dort meine Wohnung einrichten. Simon wird dort ebenso leben, aber unter v├Âllig anderen Bedingungen diesmal. So wie ich es Kasimir versprochen habe. Wie steht es mit Dir Kasi? Begleitest Du uns? Dann k├Ânnen wir uns gemeinsam um Simon k├╝mmern",
antwortete Arch.

"Das Haus ist zweist├Âckig, Du h├Ąttest bei uns Platz Kasimir. So war es gedacht von mir und sicher m├Âchte ich das Archi, sonst h├Ątte ich Dich doch nicht gefragt. Die beiden w├╝rden im roten H├Ąuschen gegen├╝ber wohnen und wir im wei├čen Haus, direkt wenn man die Treppe hochgeht. Ich zeige es Dir Arch, es wird Dir gefallen", freute sich Jesper.
"Also ├╝berlege es Dir Kasmir ob Du zu uns ziehen m├Âchtest. Lass uns beginnen Simon zu behandeln. Fang an, oder sag mir was ich mit Simon tun soll", bat Archibald.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#36

Beitrag von Kasimir » Do 8. Feb 2018, 08:08

Kasimir blickte Archibald ernst an.

"Mein Platz ist bei Herrn Brandur, Archibald. Er ist alt und krank und unter diesen Umst├Ąnden noch einmal Vater geworden. Ich muss ihm zur Seite stehen. Ich kann nicht einfach umziehen. Dennoch wei├č ich das Angebot und das Vertrauen in mich zu sch├Ątzen. Ich kann dich besuchen, so oft es meine Arbeit zul├Ąsst."

Da Archibald sagte, dass Jesper vertrauensw├╝rdig sei, machte Kasimir sich keine weiteren Sorgen. Er sp├╝rte bereits, wie sein Speichelfluss einsetzte und zwar in einem Ma├če, dass er M├╝he hatte, es nicht aus dem Mund laufen zu lassen beim Sprechen.

"Simon soll keine Angst haben. Wird er umklammert, wird er sich f├╝rchten. Er sollte sich auf den R├╝cken legen, damit er nicht st├╝rzen kann und dann trinken wir. Du zuerst, damit es deine Rettung ist, dann schlie├če ich mich an, damit er unser gemeinsamer Bisssohn wird. Du vermagst ihn zu beruhigen. Er soll sich nicht f├╝rchten, nicht mehr als n├Âtig."

Er erschrak vor sich selber, welche Gier er versp├╝rte, als er die arme, geschundene und v├Âllig wehrlose Kreatur dort hocken sah wie auf dem Silbertablett. Aber es war wichtig, dass er mittrank. Es war vielleicht Simons Lebensversicherung, wenn auch ein St├╝ck von Kasimir in ihm wohnte. Es w├╝rde ihn f├╝r Archibald unantastbar machen, so lange sie Freunde waren.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#37

Beitrag von Archibald von Dornburg » Fr 9. Feb 2018, 00:23

Archibald legte den Kopf schr├Ąg, dabei h├Ârte er seinem Meister aufmerksam zu.

"Es ist Deine Entscheidung Kasimir. Mein Haus steht Dir jederzeit offen, gleichg├╝ltig wann oder unter welchen Bedingungen Du einen Unterschlupf ben├Âtigst, ich bin immer f├╝r Dich da. Deine Treue und Loyalit├Ąt mag Brandur gelten, ob er sie wert ist oder sie Dir zur├╝ckzahlt, kann ich nicht beantworten. Ich kenne seine Familie ├╝ber vier Jahrzehnte, Verrat, Intrige und auch Mord flie├čt durch ihre Adern wie ihr blaues Blut.

Nun vielleicht erstaunt es Dich, dass ausgerechnet ich Dir das sage. Meine Familie war auf andere Art und Weise den Hohenfeldes nicht un├Ąhnlich. Unterschieden haben sich nur die Formen der Grausamkeit und die Ziele wof├╝r sie derma├čen grausam waren. Aber das liegt lange zur├╝ck und ich habe das Buch dieser Familie samt ihren Untaten geschlossen.

Aber nicht ich bin hier das Thema, oder Brandur, sondern Du Kasimir.
Es geht mir ausschlie├člich darum Dich zu warnen und Dein Wohlergehen zu sichern. Ich habe es nicht oft im Leben gesagt, denn ich hatte nicht oft einen Grund dazu. Und wenn ich es sage, klingt es aus meinem Mund wie Hohn - dennoch sind die Worte aufrichtig. Ich liebe Dich wie einen Vater den ich nie hatte.

Du hast mir ein neues Leben geschenkt, Du hast mich gesegnet. Du hast mir beigestanden und f├╝r mich Partei ergriffen. Dabei ging es Dir um nichts anderes als um mich. Danke daf├╝r. Ich wei├č dieses Geschenk zu sch├Ątzen.

Bleibe von mir aus so lange bei Brandur wie Du m├Âchtest, aber eines Tages kommt der Tag, da wird er Dich vor die T├╝r setzen, weil Du Deinen Nutzen f├╝r ihn verloren hast. Du siehst es nicht, aber er nutzt Dich aus. Du kettest Dich an diesen Mann durch Deinen Gro├čmut Kasimir. Du m├Âchtest frei von Mord leben, Du m├Âchtest f├╝r Dein Blut nicht t├Âten. Und genau damit hat er Dich am Haken Kasimir. Der Preis f├╝r die Ern├Ąhrung ohne Mord durch Brandur ist Sklaverei.

Die ungeschminkte Wahrheit ist, Du bist Brandurs Simon. Du bist von ihm abh├Ąngig, dass wei├č er und aus diesem Grund kann er mit Dir umspringen wie er m├Âchte. Er war es der Dich geschlagen und verletzt hat. Wer sonst tr├Ągt hier noch einen Spazierstock? Leugnen zwecklos Kasimir.

Du musst nicht mal auf Deine Prinzipien verzichten, ich habe Dir einen Ausweg genannt. Du ben├Âtigst dieses Instantblut von Brandur nicht. Streif das verdammte Joch ab, dass Du Dir mir Freude selbst um den Hals gelegt hast. Du ben├Âtigst diesen Nekromanten nicht. Alles was Du ben├Âtigst, ist eine Spritze, Kenntnisse wie man Blut abnimmt und Jagderfahrung. Alles was Du ben├Âtigst, w├╝rde ich Dir mit Freude beibringen. Zudem wie bereits einmal erl├Ąutert, wei├č ich wo man speisen kann, ohne das Du morden musst. Du bekommst das Essen, sprich das Blut einfach serviert. Dort ist es ein Abfallprodukt, die meisten wissen damit nichts anzufangen. Und selten kommt ein Gesegneter wie Du oder nun auch ich vorbei um es zu erbitten.

Wie gesagt, Du bist bei mir, oder besser gesagt bei uns, jederzeit willkommen. Gleichg├╝ltig wo Du bist oder was geschieht, solltest Du jemals in Schwierigkeiten geraten, bin ich f├╝r Dich da. Lass Dir meine Worte durch den Kopf gehen und denk in Ruhe dar├╝ber nach wer und was Du bist. Dann w├Ąhle Joch oder Freiheit. Ich selbst diene Dunwin von Hohenfelde seit 46 Jahren Kasimir, ich wei├č also wovon ich spreche. Nur im Gegensatz zu Brandur, hat er mich nicht versklavt oder benutzt, an Dunwins Seite war ich frei",
erkl├Ąrte Archibald freundlich.

Mit einem Fingerzeig befahl er Simon zu sich. Der schm├Ąchtige Mann kam sofort herbei geeilt und hockte sich erwartungsvoll aber auch ├Ąngstlich vor Archibald. Arch strich Sklave ├╝ber den kahlen, gelben Sch├Ądel.

"Brav gemacht, braver Sklave. Sitzen bleiben", befahl Arch und Sklave verharrte wo er war.

Von Dornburg hockte sich hinter Simon und legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter. Mit der anderen dr├╝ckte er behutsam Simons Kopf zur Seite. Arch schnupperte kurz an dessen Halsbeuge. In dem Moment wo er mit der Schnelligkeit einer Viper zubiss, packte er Simons Schulter und fixierte ihn. Seine messerscharfen Eckz├Ąhne gruben sich tief in Simons Hals, w├Ąhrend sich seine Rei├čz├Ąhne in dessen Haut gruben. Blut flo├č Simons Hals hinab w├Ąhrend Archibald genussvoll trank.

Es war ein berauschendes Gef├╝hl, besser noch als die Befriedigung des alten Hungers. Es war ein Rausch, ein Fest, pure, fl├╝ssige Sinnesfreunden. Arch packte sich Simon mit beiden H├Ąnden und zog ihn in seine Klauenbewehrte Umarmung. Er biss fester zu, trank gieriger, leckte Simon das austretende Blut vom Hals, ehe er erneut schnappartig zubiss und seine gewaltigen Eckz├Ąhne in dem d├╝nnen, gelben Hals versenkte.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#38

Beitrag von Kasimir » Fr 9. Feb 2018, 08:15

"Danke f├╝r deine Worte, Archibald", sagte Kasimir ger├╝rt. Dass dieser ihn einen Vater nannte, bewegte ihn sehr, auch wenn er es etwas befremdlich fand. Nun war er, obwohl er M├Ânch war, Vater geworden und hatte sich daf├╝r nicht einmal der k├Ârperlichen Begierde hingegeben. Andererseits ... doch, das hatte er. Wennauch auf anderem Wege.

"W├Ąre ein jeder hier so ein teuer Freund und einsichtig im Hinblick auf sein Verhalten wie du, w├Ąre die Welt ein besserer Ort. Das Buch deiner Vergangenheit wurde geschlossen, so wie das deiner Familie und du hast ein neues begonnen zu schreiben. Ich f├╝r meinen Teil bin stolz auf dich. Das Buch der ├ältesten kannst du mir gern bei Gelegenheit zeigen. Schon aus akademischem Interesse w├╝rde ich gern einen Blick hineinwerfen."

Simon gehorchte dem Befehl, still sitzen zu bleiben. Archibald begann zu trinken und Kasimirs Augen verdunkelten sich, als er das Blut von der d├╝rren, gelblichen Brust Simons hinabrinnen sah. "Bez├╝glich Brandur", fuhr er mit belegter Stimme fort, "werde ich ..." Mitten im Satz brach er ab und kniete sich zu Archibald, der Simon von hinten umklammert hielt und leidenschaftlich trank. Wenn man nicht wusste, was er da tat, h├Ątte man es auch anders deuten k├Ânnen.

Kasimir kniete sich so, dass er an Simons Halsschlagader auf der anderen Seite herankam. Einen Augenblick sp├Ąter hing auch er in Simons Hals und genoss das hei├če Blut, dass in seinen leichenkalten Mund str├Âmte. Er sp├╝rte die bei ihm mit jedem Biss einhergehende Erregung einsetzen, doch er beherrschte sich. Er ber├╝hrte Simon mit nichts als seinem Mund und trank nur wenige, aber sehr langsame und genussvolle Schlucke. Zeitiger als sonst lie├č Kasimir von ihm ab. Zu zeitig, wenn es nach seinem K├Ârper ginge, doch um den ging es hier nicht, es ging um die Erl├Âsung Simons von der Qual, die sein Leben war. Kasimir verschloss die Bisswunde so gut es ging mit den Lippen und ignorierte, wie es ihm selber gerade ging. Ja, er konnte Archibalds fr├╝heren Hunger nachvollziehen, das schier unertr├Ągliche und anderen gegen├╝ber r├╝cksichtslose Sehnen, das vor sich selbst immer neue Rechtfertigungen fand, es zuzulassen.

"Lebe, Simon", sagte er und strich ihm mit dem Handr├╝cken ├╝ber die hagere Wange, ohne ihm noch l├Ąnger auf die Blutreste um die Wunder herum zu starren. Simon hatte wei├če Lippen bekommen. Kasimir tippte Archibald, der ganz im Rausch versunken war, mit den Fingerspitzen an.
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Re: Der Vampir und die Bestie

#39

Beitrag von Jesper van Verling » Fr 9. Feb 2018, 09:30

Jesper lauschte dem Gespr├Ąch zwischen Archibald und Kasimir. Das Arch Kasimir vor Brandur warnte, war nicht nur ein reiner Liebes- oder Freundschaftsdienst, wie van Verling nur zu gut wusste. Nat├╝rlich sorgte sich Archibald um Kasimir. Aber so rein und positiv wie von Dornburg es darstellte, waren seine Beweggr├╝nde nicht. Daf├╝r kannte Jesper seinen Freund schon zu lange und zu gut um den K├Âder noch zu schlucken.

Jesper glaubte Archibald, dass er Kasimir besch├╝tzen wollte. Aber nicht nur, damit es Kasimir gut ging und dieser nicht mehr zu leiden hatte. Arch war besitzergreifend, er war eifers├╝chtig und Brandur war eine Konkurrenz die er nicht dulden w├╝rde. Also versuchte er die Konkurrenz um die Zuneigung von Kasimir zuerst am schw├Ącheren Ende zu kappen. Er versuchte Kasimir davon zu ├╝berzeugen, dass Brandur f├╝r ihn nicht nur eine Last, sondern auch gef├Ąhrlich war.

Archibald h├Ątte eine Zusage von Kasimir alleine nicht ausgereicht. Die Warnung bez├╝glich Brandur w├Ąre nur sp├Ąter erfolgt. Nicht sofort, denn dies w├Ąre nach einer Zusage viel zu offensichtlich gewesen. Nein Arch beabsichtigte einen Keil zwischen Kasimir und Brandur treiben, so wie er auch einen Keil zwischen Linhard und Brandur treiben wollte.

Kasimir sollte sich Arch nicht nur zuwenden, er sollte sich auch von der Konkurrenz abwenden. Und da diese Konkurrenz ein Verseuchter war, ein Magier, sogar ein Nekromant sollte Kasimir lernen ihn zu verabscheuen, ihn zu hassen. Ginge es nach Archibalds pers├Ânlichen Empfinden w├╝rde Kasimir die Beziehung zu Brandur auf die Art beenden, wie Arch selbst die Bande zu seiner Familie gekappt hatte und zwar durch Mord.

Nur ein toter Feind war ein guter Feind. Ein uralter Spruch den Archibald einmal rezitiert hatte und der Jesper nie aus dem Kopf gegangen war, lautete - ehre einen guten Feind, aber vergewissere Dich vorher, dass er auch tats├Ąchlich tot ist.

Besser konnte von Dornburg seine Weltsicht nicht auf den Punkt bringen. Seine gesamte Wahrnehmung war ein Zerrbild, eine Mischung aus Verst├Ąndnis, Unverst├Ąndnis, brillanter Logik und absolutem Nichtbegreifen.

Jesper kannte wie kein anderer das Paradoxon dass in Archibalds Kopf stattfand. Ab und an gestand von Dornburg seine Ambivalenz sogar offen ein. Nicht bewusst, denn ihm selbst war der Umstand nicht bekannt oder er konnte ihn aufgrund seiner Krankheit geistig nicht erfassen.

Das beste Beispiel war der Schutz Deryas, seiner eigenen Tochter. Archibald behauptete einzusehen, dass er krank war, dass er anders war und dass er eine Gefahr f├╝r seine Tochter darstellte. Die Erkenntnis war absolut richtig. Nur Jahre sp├Ąter erkl├Ąrte er im gleichen Atemzug, dass von ihm f├╝r Derya keine Gefahr mehr ausgehen w├╝rde, sie w├Ąre alt genug.

Archibald begriff nicht, dass er f├╝r alle Kinder eine Gefahr darstellte. Das es nicht nur Derya und sein Sohn waren, auf die er R├╝cksicht zu nehmen hatte. Man h├Ątte von Dornburg unterstellen k├Ânnen, dass er nur seine eigenen Kinder als sch├╝tzenswert wahrnahm und die anderen nicht als wertvoll erachtete.

Aber dem war nicht so, denn dann h├Ątte es hinter dem Raubs├╝chtigen eine Selektion, eine Logik geben m├╝ssen und die gab es nicht. Die Bestie unterschied nicht Freund und Feind, denn in ihrer Welt gab es so etwas nicht. Die Welt der Bestie unterteilte sich nur in essbar und nicht essbar.

Jesper hatte einst in die Augen der Bestie geschaut.
Die Bestie kannte in ihrem Fressrausch weder Freund noch Feind, sie fra├č was sie in den Klauen hielt, sie h├Ątte ebenso ihre eigenen Kinder verschlungen.

Nur der Mann in dem die Bestie schlummerte, konnte vorab selektieren, jedenfalls bis zu einem gewissen Punkt. Aus dem Grund hatte er seine eigenen Kinder gebrandmarkt um sie in seinem anderen Zustand zwar nicht erkennen, aber noch verschonen zu k├Ânnen. Denn scheinbar beugte sich sogar die Bestie in ihm den ├ältesten. Was immer diese eingebildeten Kreaturen auch darstellten.

Jesper hatte eine Vermutung was sie waren. Manche Personen schufen sich aus Einsamkeit unsichtbare Freunde, von Dornburg hatte sich unsichtbare, ├╝berm├Ąchtige Eltern geschaffen. Jene die genauso herzlos, widerw├Ąrtig und eiskalt waren wie seine eigenen - aber die man mit dem richtigen Verhalten und dem einhalten von Dogmen und Opfern milde stimmen konnte. Denen man durch Gehorsam Aufmerksamkeit abringen konnte. Und gleichg├╝ltig was positiv im Leben von Archibald geschah, er rechnete es diesen Wesenheiten zu. Er nahm sogar an, dass einige der G├Âtter in Wahrheit ├älteste waren.

Van Verling wusste es besser. Die ├ältesten waren die Ausgeburt eines zerst├Ârten und vereinsamten Verstandes um nicht ganz zu zerbrechen.

Und genau aus diesem Umstand ergab sich ein weiteres Problem, von dem Kasimir bis jetzt noch nicht die geringste Ahnung hatte. So freundlich das Angebot von Archibald auch klang, sich jederzeit bei ihm einfinden zu k├Ânnen, so gef├Ąhrlich war es, dem Angebot nachzukommen, wenn man die Spielregeln nicht kannte.

Jesper kannte Archibald seit 46 Jahren, er hatte ausreichend Zeit gehabt diesen Mann in und auswendig kennenzulernen. Er liebte Archibald und er wusste, dass Arch ihn ebenfalls liebte. Vielleicht nicht auf die ├╝bliche Art, aber er tat es. Dennoch war es extrem gef├Ąhrlich, Archibald eine Zeit lang nicht zu sehen und dann bei ihm ungefragt aufzuschlagen.

Von Dornburg kannte kein Urvertrauen. Jedes Vertrauen dass er anderen Personen entgegenbrachte stand auf spr├Âden, t├Ânernen F├╝├čen. Musste man Archibald f├╝r einige Zeit allein lassen, aus welchen Gr├╝nden auch immer, fremdelte er sobald er die Zeit f├╝r zu lang empfand. Arch unterstellte einem ihn verlassen zu haben oder schlimmer sogar noch Verrat. Ab dato hatte man sich sein Vertrauen neu zu erarbeiten.

Jesper hatte es oft genug erlebt. Letztmalig als er Archibald bei einer Jagd gestellt hatte. Ein falsches Wort, ein zu ├Ąngstlicher Blick und statt des Burschen den er mit der Armbrust niedergem├Ąht hatte, w├Ąre er selbst niedergemacht worden. Und weshalb? Einfach aus Archibalds Bauchgef├╝hl heraus, ihm nicht mehr vertrauen zu k├Ânnen.

Kasimir war scheinbar nicht im Mindesten bewusst, mit wem er sich dort eingelassen hatte und welche gigantische Aufgabe eine Person wie Archibald war. Er selbst hatte, wenn er ehrlich war, dauerversagt. Eine Person wie Archibald geh├Ârte gut verwahrt in einen der Tempel, die sich solcher Kranken annahmen. Dort dienten sie wie andere Br├╝der, waren unter sich und schadeten niemanden. Und wurde ihr Verlangen zu gro├č, hatten sie passende Ansprechpartner, suchten Halt im Gebet oder wurden schlimmstenfalls mit Medikamenten oder vielleicht auch mit Magie ruhig gestellt. Aber sie liefen nicht mehr drau├čen frei herum und schadeten ihren Mitmenschen.

Wobei im Tempel vermutlich nur jene aufgenommen wurden, die noch keine Verbrechen begangen hatten. Wie die Verurteilung von Archibald aussehen w├╝rde, sollte man all seine Verbrechen zusammentragen, war Jesper durchaus bewusst.

Und van Verling war ebenso bewusst, dass er einen gro├čen Teil dazu beigetragen hatte, dass Archibald sie ├╝berhaupt begehen konnte. Es war schon ausreichend daf├╝r zu sorgen, dass Arch sorglos durch die Nacht schlendern konnte.

Jesper schaute von Simon zu Kasimir. Nun eines musste er zugeben, seit dem Kasimir Archibald "gesegnet" hatte, hatte sich dessen Verhalten gewandelt. Er versuchte scheinbar tats├Ąchlich dem Weg seines Meisters zu folgen. Jesper betete inst├Ąndig darum, dass Arch den Weg annehmen w├╝rde, den Kasimir bot. Zeitgleich war er dankbar, dass Kasimir es gewesen war, der Arch gebissen hatte. Wer wusste, was ein anderer "Meister" Archibald beigebracht h├Ątte?

F├╝r die entsprechende Anleitung und F├╝hrung tat Archibald alles, er kannte keine Limits, keine Tabus, Dunwin konnte seinerzeit alles von ihm verlangen und er f├╝hrte es mit Freuden aus.

Auch hier schien Kasimir nicht zu begreifen, welche Waffe ihm Archibald an die Hand gegeben hatte - sich selbst. Ein einziges Wort von dem Lichtalbischen Vampir und Archibald h├Ątte Brandur in einer Form bestraft, dass sich der alte Mann seinen Tod herbeiw├╝nschen w├╝rde. Denn wenn er ehrlich war, wen gab es denn noch, der Arch hier aufhalten konnte?

Dunwin war ein blaues Lichtlein, Linhard war gut - dennoch nur ein gro├čer Junge, Damir und Holzi waren auf Archibalds Seite, Wolfram und Marlo hatten nur Augen f├╝r sich und konnten es vermutlich nicht mit den F├Ąhigkeiten von Dornburg aufnehmen, er selbst konnte Arch zwar aufhalten - aber er tat es nie aus Angst ihn zu verletzen, es blieb also nur Kasimir!

Alles stand und fiel von nun an durch das Wort dieses Vampirs und der Kerl wusste nicht einmal etwas davon!

Jesper war so in seinen Gedanken versunken, dass er zuerst gar nicht mitbekam, wie die beiden begonnen hatten, Simon auszusaugen. Archibald hatte Simon umklammert und trank aus dessen Hals, w├Ąhrend Kasimir sich an Simons andere Halsseite heftete und ebenfalls zu saugen anfing. Wie eine medizinische Behandlung sah das Ganze nicht aus. Im Gegenteil, Simon wurde blass und Kasimir lie├č von ihm ab.

Archibald hingegen war in einem ganz ├Ąhnlichen Fressrausch wie fr├╝her. Er hielt sein Opfer felsenfest gepackt und trank mit woll├╝stiger, animalischer Gier. Simon wurde kreidebleich in Archibalds Krallen. Seine Augen wurden stumpf und er ├Âffnete den Mund zu einem lautlosen Schrei absoluten Grauens, w├Ąhrend sich nun nicht mehr allein die Z├Ąhne von Archibald in sein Fleisch gruben, sondern auch dessen scharfe Klauen.

"Verdammte Schei├če!", keuchte Jesper.

Er war hier um aufzupassen und zur Not einzugreifen. Van Verling schloss seine gro├če Pranke um die Kehle von Archibald, mit der anderen Hand packte er ihn am Kiefer und dr├╝ckte ihm den Mund gewaltsam auf. Allein die langen Eckz├Ąhne von Arch waren gewaltige, messerscharfe Waffen, aber der Rest des Gebisses war nicht weniger gef├Ąhrlich. Das hatte Jesper einst am eigenen Leib erfahren.

So behutsam wie m├Âglich, aber so stark wie n├Âtig zerrte er Archibald von seinem Opfer weg. Jesper sch├╝ttelte seinen Kumpel durch, hielt ihn aber weiter an der Kehle gepackt. Nicht dass dieser noch auf die Idee kam, ihn aus lauter Dankbarkeit f├╝r die Unterbrechung zu bei├čen. Irgendwie f├╝hlte sich Jesper, als hielt er eine gro├če, menschliche schwarze Mamba in den H├Ąnden. Die vampirischen Fangz├Ąhne unterstrichen den Eindruck noch.

"Beruhige Dich Arch!", befahl Jesper unmissverst├Ąndlich.

Er warf einen r├╝ckversichernden Blick auf Simon. Der d├╝nne Kerl war wei├č wie eine Wand und hatte zwei Bisswunden im Hals. Eine davon sehr tief und ausgefranst.

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Re: Der Vampir und die Bestie

#40

Beitrag von Kasimir » Fr 9. Feb 2018, 10:19

Kasimir war selbst noch nicht wieder ganz bei Sinnen und beobachtete mit einer Mischung aus Erstaunen und Amusement, wie Jesper sich mit dem vor Gier ├╝bersch├Ąumenden Archibald abm├╝hte, ohne dass Kasimir eingriff, um ihm zu helfen. Der ehemalige M├Ânch l├Ąchelte breiter, als es ├╝blich f├╝r ihn war, aber fiel auch nicht erneut ├╝ber Simon her. Kasimir hatte sein Leben in Askese, Meditation und Gebet verbracht, so dass er auch als Vampir sehr viel beherrschter war als andere seinesgleichen, so lange er nicht ausgehungert war. Und das war er nicht, er war pappesatt noch von Archibalds Blut und h├Ątte diese Mahlzeit nicht unbedingt ben├Âtigt.

W├Ąhrend Jesper noch immer den tobenden Archibald b├Ąndigte, k├╝mmerte Kasimir sich um Simon. Der Mann w├╝rde bald sterben. Eine Weile k├Ąmpfte Simon noch und Kasimir tat nichts als zu warten, bis dessen Muskeln schlaff zu werden begannen. Er legte ihm eine Decke um die Schultern und half ihm, sich langsam hinzulegen, als die Kr├Ąfte ihn verlie├čen. Das Entsetzen war noch immer in Simons Gesicht gebrannt. "Gute Nacht Simon", sagte Kasimir sanft. "Wenn du aufwachst, wirst du endlich Mensch sein d├╝rfen." Er blieb bei ihm, bis es zu Ende war. Dann zog er ihm die Decke ├╝ber das Gesicht und kniete in Gebetshaltung bei ihm.

"So wie der Mond voll wird am Himmel, m├Âge sich auch dein Herz mit Licht f├╝llen.
So wie die Sterne die Finsternis mit Diamanten schm├╝cken,
so m├Âge das Dunkel deiner Seele erhellt werden von Funken aus Licht.

Der Silberbl├╝tige wache ├╝ber deinen Astralleib
so wie ich ├╝ber deinen physischen K├Ârper wachen werde,
bis du erneut ins Leben trittst.

Schlafe wohl, Simon.
Und kehre wohlbehalten zu uns zur├╝ck."


Kasimir wischte sich die Tr├Ąnen ab, die ihm aus seinen Augen perlten.
Der Blutrausch klang ab und Begreifen breitete sich aus in seinem Geist.
"Herr, wer euch dient f├╝r Gut und Geld und nur gehorcht zum Schein,
packt ein, sobald ein Regen f├Ąllt, l├Ą├čt euch im Sturm allein." - William Shakespeare

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