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Der Vampir und die Bestie

Verfasst: Mo 4. Dez 2017, 21:08
von Archibald von Dornburg
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Der Vampir und die Bestie

Der Vampir nahm die dargebotene Hand an und ließ sich von Archibald stützen. Seine Hand war trocken und fühlte sich nicht wie die Hand einer Leiche an. Dieses klamme, wächserne Gefühl, dass Archs Finger sonst bei der Berührung einer Leiche fühlten, fehlte.

Kasimir LaVaney war ein Vampir, ein Untoter, keine Leiche.
Er war ein Geschöpf der Nacht und mit Unsterblichkeit gesegnet.

Der Griff von Dornburg war fest, so dass Kasimir trotz seiner Verfassung nicht stürzen konnte. Der Vampir war äußerst zuvorkommend. Arch konnte sich zuerst keinen Reim darauf machen, wieso eine Person zu ihm grundlos freundlich sein sollte. Vor allem, da diese Person Brandur von Hohenfelde angehörte, und damit die Schauermärchen über ihn kennen musste. Auf der anderen Seite, weshalb sollte Brandur mit seiner Unfähigkeit hausieren gehen und den Prahlhans geben?

Möglicherweise hatte der Vampir eine andere Wahrnehmung.
Sie beide mussten das Licht meiden, es war ihr Feind, aus völlig unterschiedlichen Gründen.

Archibald mochte Kasimir, er bekam von dem Junker sozusagen Vorschußlorbeeren, allerdings nicht aufgrund seiner charmanten Art, sondern schlichtweg auf die Tatsache hin, dass er ein Vampir und somit in dessen Augen ein Dämon war. Ein Diener der Ältesten, jene die Tod und Chaos unter den Unwürdigen verbreiteten. Und Vampire trugen einen Großteil dazu bei.

"Kasimir La Vaney also... mein Name ist Archibald von Dornburg, der letzte meiner Art. Die Ehre ist ganz meinerseits Kasimir", grinste Arch.

Von Dornburg überlegte einen Moment und dachte über die Worte von Kasimir nach.

"Sklave, oder besser gesagt Simon, ist ebenfalls so etwas wie mein Leibdiener. Aber nicht nur, wie sein Spitzname schon verrät. Er ist mein persönliches Eigentum. Du musst mich weder Ihrzen noch Siezen, ich biete Dir das Du an. Du kannst Dir Sklave gerne einmal ansehen. Mit Deiner Einschätzung hast Du Recht, er ist krank. Laut letzter Angabe eines Medicus leidet er an... jetzt habe ich das schon wieder vergessen. Irgendetwas mit der Leber war es, deshalb ist er gelb wie eine Quitte. Schau ihn Dir ruhig an, vielleicht kannst Du ihm ja helfen", erklärte Arch Kasimir freundlich.

Als Kasimir Archibald in die Speisekammer von Wolfram führte, schaute sich der Junker gut gelaunt um. Die Speisekammer war eine Höhle hinter dem Haus, die zu einer Speisekammer umfunktioniert worden war. Schritt man weit genug in die Höhle hinein, gab es kein störendes Tageslicht mehr.

"Genauso hatte ich mir das vorgestellt... Danke", freute sich Arch.

Sklave machte es sich auf der Decke gemütlich und drehte sich vorher mehrmals um die eigene Achse, bevor er richtig lag, so wie man es von Katzen oder auch Hunden kannte. Er schloss die Augen und presste seine dürren Hände dabei auf sein Gesicht.

Von Dornburg machte es sich auf der Sitzgelegenheit gemütlich, zog sich tief die Kaputze seines Mantels übers Gesicht und verschränkte die Arme vor der Brust. Aus dem Schatten der Kaputze musterte er Kasimir.

"Bezog sich Deine Frage auf rein weltliche Bedürfnisse? Dann wäre eine Flasche Wein nicht schlecht. Rotwein, stark, falls möglich und etwas Fleisch.

Was Du tatsächlich für mich tun könntest? Eine Menge... Kasimir...
Du bist ein Gesegneter, ich bin so frei und falle mit der Tür ins Haus...
Was würde mich eine Segnung Deinerseits kosten?
Was wäre der Preis dafür Deinen Segen zu empfangen?",
hakte Archibald nach.

Re: Der Vampir und die Bestie

Verfasst: Di 5. Dez 2017, 18:02
von Kasimir
Kasimir griff sich vor lauter Rührung an die Brust, als der Herr von Dornburg ihm unvermittelt das Du anbot. Archibald musste ein sehr freundlicher Mann sein. So war Kasimir sich auch nicht zu Schade, ihm sofort ein Menü aus der Speisekammer des mindestens genau so freundlichen Herrn Wolfram zusammenzustellen. Der Vampir war sicher, dass dieser nichts dagegen hatte, wenn er seinen Gast fürstlich bewirtete. Kasimir bereitete ihm in Windeseile eine kalte Platte mit unterschiedlichsten Fleischspezialitäten und dazu frisches Schwarzbrot. Natürlich öffnete er ihm auch eine Flasche schweren Rotweins, der laut Etikett ganz vorzüglich zum Menü passen würde.

"Bittesehr, Archibald, ich hoffe, es ist ganz nach deinem Geschmack."

Für Simon bereitete er einen Obstsalat mit süßem, fettarmen Joghurt. Kasimir hockte sich zu ihm hin, als er ihm die Schüssel fertig bereitet hatte und lächelte ihn an. Der Arme wurde sicher nicht oft freundlich angesehen. "Lass es dir schmecken, Simon." Er stellte ihm das Essen hin und sagte: "Bitte", um zu testen, ob Simon daraufhin danke sagen oder anderweitig reagieren würde. Das Kerlchen sah sehr ausgehungert aus. Wer so krank war, musste essen, aber das richtige. Wenn die Leber betroffen war, durfte er kein oder nur sehr wenig Fett essen.

Kasimir erhob sich wieder und setzte sich schräg von Archibald gegenüber.

"Ich lasse ihn ersteinmal in Ruhe essen, bevor ich ihn untersuche. Simon hatte sich vorhin recht erschrocken. Das Essen wird ihn vielleicht etwas beruhigen. Meinen Segen gibt es selbsverständlich für dich kostenlos, Archibald! So wie für jeden anderen auch. Wo wären wir denn, wenn der Segen des Oril käuflich wäre. Hat Herr von Hohenfelde dir gegenüber erwähnt, dass ich Mönch bin?"

Re: Der Vampir und die Bestie

Verfasst: Di 5. Dez 2017, 19:03
von Archibald von Dornburg
Archi grinste vergnügt, als er sah was Kasimir für Köstlichkeiten auffuhr. Das Schwarzbrot legte er in Sklaves Schüssel, ehe er sich zuerst einen Schluck Wein gönnte und sich dann über das Fleisch hermachte. Sklave schaute mit hungrigem Blick von seinem Meister zu Kasimir und wieder zurück.

"Danke, das ist genau mein Geschmack bis auf das Brot. Aber das konntest Du nicht wissen. Sklave freut sich über das Brot. Nur zu, iss. Lass es Dir schmecken Sklave", befahl Archibald gut gelaunt.

Das ließ sich Sklave nicht zweimal sagen. Er patschte als Dank auf Kasimirs Hand und schlang in Windeseile den Jogurt samt Obstsalat herunter und aß zeitgleich das Brot dazu. Er leckte sogar die Schüssel aus und drückte sie dann an sich.

"Ja Sklave fürchtet Schläge. Er hat schon viele Schläge einstecken müssen. Meine Vermutung ist, er empfand für Dich Mitleid, als Dich Brandur schlug. Du kannst ihn ruhig untersuchen, er hält still, sobald ich ihm dies befehle", antwortete Arch.

Als Kasimir davon sprach, dass es den Segen kostenlos gab, ohne jede Gegenleistung grinste Arch zuerst von einem Ohr zum anderen, ehe er hörte, von welcher Gottheit der Segen stammen sollte. Das Lächeln gefror auf Archibalds Gesicht. Er versuchte in Kasimirs Gesicht zu lesen, ob dieser gerade scherzte, ihn auf den Arm nahm oder ob er tatsächlich um Orils Segen bitten wollte.

Archibald entschied sich dafür, dass dies ein Scherz sein musste. Welcher Vampir würde um den Segen einer Lichtgestalt bitten? Der Junker schenkte Kasimir ein breites Grinsen.

"Der war gut. Nein ich wusste nicht dass Du ein Mönch bist, aber ich persönlich bin ebenfalls eine sehr gläubige Person. Ich möchte allerdings nicht den Segen von Oril empfangen Du Scherzkeks, sondern Deinen wahrhaften Segen, Deine dunkle Gabe. Ich wünsche mir Dein Geschenk, ich bitte Dich um Deinen Biss...

Oril... Oril ist Licht Kasimir und das Licht war seit jeher mein Feind.
Grelles Licht ertrage ich nicht, Aufgrund meiner Augen. Ich leide unter Migräne - Retinale Migräne. Das ist eine Erbkrankheit in unserer Familie. Oder besser gesagt, es war eine familiäre Erbkrankheit der von Dornburgs, nun sind sie ausgestorben.

Kennzeichnend für eine retinale Migräne sind einseitige auraähnliche visuelle Phänomene wie Skotome, Flimmern oder Blindheit, die sich auf die Zeit der Migräneattacke beschränken.

Während dieser Sehstörungen oder bis zu einer Stunde danach setzt die Migränekopfschmerzphase ein.

Kurzum es ist eine Migräne die so gesteigert ist, dass ich kaum noch etwas sehe oder schlimmstenfalls gar nichts mehr sehe, für die Zeit der Attacke.

Ebenso schlägt mir unabgebauter Stress auf die Augen. Stress muss von mir bewusst bekämpft werden. Ein Übungskampf, selbst ein Schattenkampf bei dem ich mich völlig verausgabe verhindert dann eine Migräneattacke, wenn ich Glück habe.

Brutalität ist somit von mir nicht immer ein gewollter, sadistischer Akt auch wenn ich sie größtenteils durchaus genieße. Brutalität ist oft bei mir Mittel zum Zweck. Der Zweck heißt Selbsterhaltung. Ein Selbstläufer mit enormen Nebenwirkungen.

Aber setzte ich den Stress nicht in entsprechende körperliche Arbeit um, erleide ich eben auf die mir eigene Art die schmerzliche Konsequenz. Ich kann dann für gewisse Zeit nichts mehr sehen, bis der Anfall vorbei ist und ich habe Kopfschmerzen in einem Ausmaß, dass ich das Gefühl habe mir platzt der Schädel.

Aus dem Grunde meide ich Licht. Folglich ist der Gott des Lichts, wohl die letzte Gottheit die ich verehren oder anbeten würde.

Ich bin ein Geschöpf der Dunkelheit und Stille, wenn Du so möchtest.
Da ich Dich und die Deinen wertschätze, offenbare ich Dir diese Schwäche, als Zeichen meines Vertrauens Kasimir.

Genug von dem düsteren Thema. Erzähl etwas von Dir",
plauderte Archibald freundlich.

Re: Der Vampir und die Bestie

Verfasst: Do 7. Dez 2017, 12:27
von Kasimir
Interessiert beobachtete Kasimir Simon. Er mochte das Kerlchen und freute sich schon darauf, sich um es kümmern zu dürfen und Gutes zu bewirken. Liebevoll betrachtete Kasimir das geschundene Geschöpf und sein Beschützerinstinkt und sein Helferkomplex schlugen freudige Purzelbäume in seinem Kopf bei so einem lohnenswerten Ziel. Archibalds Sklave hatte Hilfe bitter nötig und Kasimir würde sie ihm geben.

"Es ist sehr großherzig von dir, dass du solch einen kranken Sklaven bei dir aufgenommen hast, Archibald. Am Ende hast du sogar noch viel Geld für ihn bezahlt. Sein vorheriger Besitzer hätte ihn vermutlich einfach sterben lassen, so wie er ihn hat verkommen lassen und wenn er ihn, wie du meinst, so sehr geschlagen hat. Aber lass das nur meine Sorge sein. Ich bekomme Simon schon wieder hin."

Kasimir strich Simon mit dem Handrücken über den dünnen Oberarm, um zu schauen, ob er panisch auf fremde Berührungen reagierte. Das Wissen benötigte er für die spätere Untersuchung. Nach dem Essen hatte der Sklave einen extrem dicken Bauch, der unter seinem dürren Brustkorb hervorragte. Vermutlich hatte er sich schon zuvor etwas zu Essen bekommen und jetzt trotzdem alles in sich hineingestopft. Wer konnte dem armen Kerlchen das verdenken?

Als Archibald das Wort an ihn richtete, setzte Kasimir sich wieder aufrecht hin und widmete ihm seine volle Aufmerksamkeit. Er nickte in regelmäßigen Abständen verständnisvoll oder äußerte ein betrübtes "Ach", als sein Gegenüber von der schlimmen Migräne erzählte und davon, dass er seine gesamte Familie verloren hatte.

"Manchmal ist es schwierig, immer an den guten Willen der Götter zu glauben", sagte er müde. "Und manchmal fragt man sich, ob sie nicht einen eigenwilligen Humor haben. Aber deine Geschichte beweist doch auch, dass aus dem schlimmsten Leid oft die reinsten Herzen erstehen. Es tut mir leid, dass du deine Familie verloren hast und ich finde es umso bewundernswerter, dass du dich, wo du doch selbst so schwere Sorgen hast, noch des armen Simons angenommen hast. Was meinst du mit Brutalität? Macht der Schmerz deiner Migräne dich so rasend? Das kenne ich von Herrn Brandur. Auch er ist manchmal ungerecht im Schmerz, obwohl er doch so ein gutes Herz hat. Aber nie hätte ich jemandem wie ihm oder dir deshalb Sadismus unterstellt."

Kasimirs freundliches Gesicht nahm jedoch einen entsetzten Ausdruck an, als Archibald ihn bat, ihn zu beißen. Ja, der ehemalige Mönch wirkte völlig entgeistert und sogar sein Mund stand offen. Kasmir rückte ein Stück näher heran, schloss den Mund, räusperte sich und senkte die Stimme.

"Was geschah, kaum dass Herr Brandur mich für ein paar Tage alleine ließ, ist bekannt. Und du hättest niemanden wie ihn, der sich deiner Not und deines quälenden Hungers annähme, Archibald. Genügend Sterbende zu finden, die ohnehin dem Tode geweiht sind, ist nur an der Front möglich, aber nicht inmitten von Naridien." Kasimirs Gesicht wurde sehr Ernst. " Mein Biss würde bedeuten, dass ich dich zu einem Mörder machte."

Re: Der Vampir und die Bestie

Verfasst: Do 7. Dez 2017, 18:51
von Archibald von Dornburg
Sklave fasste verwundert an die Stelle, wo Kasimir ihn berührt hatte.

"Murgaha mussa rumapha da. Ham ham da, da", brabbelte Sklave, zeigte auf seinen Arm und dann auf Kasimir. Zeitgleich versuchte er die Essenschüssel dabei festzuhalten.

Arch schüttelte nur belustigt den Kopf. Von Dornburg wandte sich mit ernster aber freundlicher Miene Kasimir zu.

"Du würdest mich nicht zu einem Mörder machen, sondern mir ewiges Leben schenken Kasimir. Und genau diese Gabe erbitte ich von Dir.

Hunger...

Oh ich kenne Hunger jenseits der Vorstellungskraft der meisten Menschen. Und ich muss meinen Hunger genauso zügeln wie Du Kasimir. Mein Hunger ist ebenso verpönt wie Dein Blutdurst. Wir beide können unseren Hunger nicht in der Öffentlichkeit stillen, er würde die schlimmste Bestrafung nach sich ziehen.

Aber ich habe gelernt mich zu beherrschen, jedenfalls bis zu einem gewissen Grad.
Es ist ein Balanceakt zwischen Vernunft und Trieb, zwischen Selbstbeherrschung und Haltlosigkeit.
Du verstehst nicht warum ich Dich um diese Gabe bitte...

Das wir uns begegneten ist ein Zeichen. Ich habe nicht ewig Zeit, ich würde es vor anderen nicht zugeben, aber ich spüre wie dieser Körper schwächer wird. Wie es mich permanent mehr Mühe und mehr Arbeit kostet, ihn in Form zu halten. Wie ich täglich darum kämpfen muss, dass ich noch kämpfen kann. Es verlangt eiserne Disziplin um auf dem Leistungsniveau zu bleiben auf dem ich bin. Nicht dass es mir das nicht wert wäre... oh nein.

Aber irgendwann werde ich den Verlust nicht mehr auffangen können, gleichgültig dessen wie hart und unnachgiebig ich trainiere oder was ich mir versage.

Und um es mal knallhart auf den Punkt zu bringen... ich möchte nicht sterben.
Du könntest mir ewiges Leben schenken.

Scheinbar siehst Du Deine Gabe nicht als Geschenk, sondern als Fluch.
Wie wäre es mit einem Deal?
Einem Pakt?

Ich überlasse Dir Simon, er sei Deiner. Man könnte sagen, ich habe Simon von der Straße aufgelesen. Und ich übergebe ihn in Deine treuen Hände.

Zudem werde ich Dir zeigen, wo man sammeln gehen kann, ganz ohne Angst haben zu müssen, für seinen Hunger bestraft zu werden. Es gibt einen Ort... Kasimir. Es gibt sogar mehrere Orte... man muss sie nur aufspüren. Dazu braucht es immer etwas Vorarbeit und Zeit. Aber ich weiß wie es funktioniert und ich werde Dich gerne an meinem Wissen teilhaben lassen. Was sagst Du dazu? Segnest Du mich?",
fragte Archibald leise.

Re: Der Vampir und die Bestie

Verfasst: Fr 8. Dez 2017, 08:41
von Kasimir
"Was meinst du damit? Natürlich würde ich dich damit zum Mörder machen. Es sei denn, du hast vor, Asamura mit meinesgleichen zu fluten, indem du deine Opfer nur zur Hälfte aussaugst. Damit würdest du selbst jedoch ein großes Problem haben, denn je mehr Vampire, umso auffälliger ist es, wenn immer wieder scheinbar gesunde Personen sterben. Das kann die Büttel, die Lichtreiter oder andere entsprechende Organisationen auf den Plan rufen. Man überlegt sich als Vampir die Zeugung eines weiteren Konkurrenten sehr gründlich. Und ich habe nicht vor, ein weiteres Monster zu erschaffen.

Ich verstehe die Gründe, die du benennst. Die meisten von uns haben Angst vor dem Altern und dem Tod. Aber der Tod ist nichts, was man zu fürchten braucht. Im Tod liegt ein tiefer Frieden. Der Kreis schließt sich, wir kehren zu dem zurück, aus dem wir erstanden sind. Die Prüfung von uns allen ist die Akzeptanz dessen, was nicht zu ändern ist. Du kannst den Verfall nicht aufhalten, Archibald, ebenso wenig den Tod und auch ich bin nur theoretisch unsterblich. Aber du kannst ihm aufrecht entgegengehen. Schonung wird es nicht geben, auf lange Sicht für keinen von uns. Die lichtalbischen Astronomen haben berechnet, dass der Planet irgendwann in die Sonne stürzen muss und somit alles Leben in Licht aufgeht.

Simon geht es doch sehr gut bei dir, Archibald. Warum sollte ich ihn aus seiner vertrauten Umgebung reißen?"


Kasimir hatte das Gestammel des Sklaven nicht verstanden, aber er schien keine Angst vor ihm zu haben. Er hatte weder panisch noch aggressiv auf die Berührung reagiert. Kasimir nahm einen an einem Haken hängenden Strick, knotete ihn zu einem Püppchen, wobei die ausgefransten Enden zwei Haarbüschel wie Zöpfe bildeten, und reichte es Simon. Dann blickte er wieder zu Archibald auf.

"Von welchem Hunger sprichst du? Möchtest du darüber reden? Ich bin, wie gesagt, Mönch des Oril, sein Lichtreiter, und alles, was wir an persönlichen Dingen besprechen, unterliegt der Schweigepflicht."

Als Archibald ihm in Aussicht stelle, nie wieder Hunger leiden und gefahrlos "sammeln" zu können, spürte Kasimir, wie sich ein extremer Speichelfluss in seinem Mund einstellte. Rasch schickte er ein gedankliches Kurzgebet hinauf ins Licht.

"Herr Brandur versorgt mich mit allem, was ich brauche", erklärte er, zog ein Stofftaschentuch hervor und tupfte sich die nass glänzenden Lippen trocken. Bitte unterbreitet mir nicht solche unmoralischen Angebote. Es ist auch so schon schwierig genug, mit dieser malgorischen Gier geprüft zu werden."

Re: Der Vampir und die Bestie

Verfasst: Fr 8. Dez 2017, 10:46
von Archibald von Dornburg
Archibald musterte Kasimir und dachte einen Moment nach.

"Du kannst mich nicht zu einem Mörder machen Kasimir… da ich bereits einer bin.
Ich bin ein Sammler, andere würden Jäger sagen, wieder andere nennen es Babybeißer, Menschenfresser… es gibt auch weitaus weniger schmeichelhafte Bezeichnungen für Personen wie mich, die jenen Hunger verspüren, der mich quält.

Hunger…
Wie soll ich Dir jenen Hunger beschreiben…

Es war das schönste Geschöpf, dass ich bis dato jemals gesehen habe. Weiße, blasse Haut, Augen blau wie die See und schwarze Haare. Er war starrend vor Dreck und er wühlte im Abfall nach Essen.
Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich verliebt hatte.

Aus diesem Grund wurde er meiner. Ich lockte ihn an, ich fing ihn ein. Ich war 14 und er war 4...
Ich weiß heute noch wo wer liegt... das heißt was...",
erläuterte Arch versonnen.

„Sklave hat es nicht gut bei mir. Ich besitze ihn bereits 27 Jahre, ich fing ihn ein, da war er 4 Jahre alt. Meist dient er nur dazu, meine Launen zu ertragen. Er dient mir, er gehorcht aufs Wort und er fürchtet nichts mehr als mich und meine Misshandlungen.

Schau ihn Dir ruhig in aller Ruhe an. Seine Narben, selbst seine angeschärften Zähne sind mein Werk. Nicht persönlicher Natur, aber er war das Versuchsobjekt, bevor ich mir meine anschärfen ließ. Mir ist bewusst, dass ich ihm gegenüber oft sehr unfair bin.

Ich hätte ihn gehen lassen sollen, so wie alle anderen auch, als er seinen Dienst abgeleistet hatte. Sprich als er alt genug war. Aber sogar Personen wie ich vermissen Gesellschaft, auch wenn man uns das gerne abspricht. Aus dem Grund habe ich ihn behalten.

Er ist mein Leibdiener, mein Haustier und meine Mahnung, dass man nicht alles behalten sollte. Das bekommt er nun leider schon seit über einem Jahrzehnt zu spüren. Du kannst dem Tausch zustimmen, oder den Tag abwarten wo ich ihn freilassen werde. Es liegt bei Dir“,
erklärte Arch.

Sklave musterte die seltsame Puppe und wich vor ihr zurück. Archibald nahm sie entgegen und drehte sie zwischen seinen Krallenfingern.

„Hübsch. Lumpenpuppe...“, grinste er zähnefletschend.

„Sklave fasst keine Puppen, Teddybären oder Spielzeuge an, weil er weiß was ihm sonst blüht. Ich sammele Spielzeuge, vorwiegend von den… Spendern. Es ist niemandem gestattet etwas aus meiner Sammlung anzufassen oder zu berühren. Schau“, erklärte Archibald und legte die Puppe genau vor Sklave ab, so dass er kaum noch Platz hatte, aus dem Weg zu gehen.

Sklave machte sich so klein wie möglich und verdrehte sich wie ein Schlangenmensch, damit er die Puppe bloß nicht berührte. Er schlang ganz fest die Arme um sich und wimmerte leise, während er die Puppe betrachtete, als wäre sie hochgiftig.

„Die Puppe! Gib!“, befahl Archibald schneidend.
„Nai nai…“, wimmerte Sklave und machte sich noch kleiner, dass man noch deutlicher seine Rippen hervortreten sah.

„Die… PUPPE SKLAVE!“, fauchte Archibald und hielt die Hand auf.
„N..ai…“, wimmerte er ganz leise. Sklave ballte seine Hände zu Fäusten und drückte sie sich auf die Augen.

„Braver Sklave, ganz brav“, grinste Archibald, nahm die Puppe weg und steckte sie ein.

Sklave musterte mit stumpfen, geröteten Augen Kasimir, ehe er sein Gesicht wieder hinter seinen Händen versteckte.
Archibald musterte seinerseits Kasimir nachdenklich und strich sich über das Kinn.

„Momentan fühle ich mich allein… und hungrig.
Dein lieber Brandur hat meine Sammlung von 12 Objekten aufgelöst. Nun dies soll kein Vorwürf an Dich sein. Du warst weder zugegen, noch kannst Du etwas dafür. Aber ich fühle mich um meine Sammlung geprellt. Dass muss ich gestehen.

Dabei habe ich mich selbstlos bereit erklärt Brandur zu unterstützen, da mich sein Bruder Dunwin darum bat. Einst waren wir Freunde. Mehr noch, wir waren wie Brüder. Nun ist alles anders.

Du kannst leicht davon sprechen, dass andere den Tod akzeptieren müssen, Du spürst nicht wie Dein Körper Dich im Stich lässt und Stück für Stück altert und verfällt. Du wirst ewiglich existieren, solange Du keinen Fehler begehst. Du bist einer der wenigen Auserwählten der Ältesten und dennoch missachtest Du ihr Geschenk.

Unter uns beiden Kasimir, sollte Dir dieses Geschenk dermaßen zuwider sein und Du den Tod akzeptieren, warum stellst Du Dich morgen früh nicht der aufgehenden Sonne entgegen?

Ganz einfach Kasimir, weil Du das Leben liebst. Weil Du ebenfalls diese Existenz liebst. Was Du hast Kasimir weißt Du, was Dich auf der anderen Seite erwartet, dass weißt Du nicht.

Ich habe Dir auch kein unmoralisches Angebot unterbreitet, sondern ein ehrliches. Wir würden gemeinsam auf Sammeltour gehen. Wie verhält es sich mit Tierblut?

Du denkst in falschen Bahnen Kasimir. Was ist Dir lieber? Eine unschuldige Person wie den Leibdiener Wolframs zu töten oder mir Deine Gabe zu überreichen? Möchtest Du da lieber nicht meinem Wunsch nachkommen? In dem Fall würdest Du mich beißen. Eine Person die Dich explizit darum bat. Du würdest trinken, aber Du würdest nicht töten.

Du würdest mich von all meinem weltlichen Leid heilen.
Von dem Hunger, von der Migräne, von den Anfällen...
von allem!

Es sei denn natürlich, ich hätte ein falsches Bild von Dir gewonnen und der Tod ist ebenso Dein Ziel wie die Stillung Deines Hungers. Aber ich gehe doch Recht in der Annahme, dass dem nicht so ist oder?“,
fragte Archibald freundlich.

Re: Der Vampir und die Bestie

Verfasst: Sa 9. Dez 2017, 20:28
von Kasimir
Kasimir begriff rasch, wovon Archibald sprach, nachdem er es endlich in konkretere Worte fasste und den Bereich des Abstrakten hinter sich ließ. Er war nicht der Erste von jenen Geplagten, die bei ihm beichteten. Aber der Erste, bei dem der Hunger Blüten von solch grausigem Ausmaß geschlagen hatte.

Kasimirs freundlicher Gesichtsausdruck wich einer Maske aus kühler Professionalität. Seine Körperhaltung blieb vollkommen entspannt und sein Blick offen. Das Letzte, was irgendetwas bringen würde, wären Vorwürfe, Maßregelungen oder sich nun angewidert abzuwenden. Archibald hatte ihm seinen Abgrund geöffnet und ließ ihn bis zum Grund hinab blicken. Das hieß, dass er gerade prüfte, inwieweit er Kasimir vertrauen konnte. Man konnte nur helfen, wenn man diesem Vertrauen gerecht wurde, selbst und besonders dann, wenn es von so einem kranken Manne stammte wie jenem, als der Archibald sich offenbart hatte. Er brauchte mehr Hilfe als die meisten anderen.

"Danke für dein Vertrauen", sagte Kasimir aufrichtig. "Es hat dich sicher Überwindung gekostet, mir das alles zu offenbaren. Wie bereits gesagt werden diese Dinge unter uns bleiben. Ich würde dir gern helfen, dass du den Hunger leichter ertragen kannst. Dass er dich nicht zwingt, Dinge zu tun, die du tief im Inneren vielleicht gar nicht tun möchtest, wenn du diese Kinder wirklich liebst."

Traurig betrachtete Kasimir den armen Simon.

"Auch ich möchte nicht sterben. Ich nenne meinen Zustand oft einen Fluch, aber ich denke eher, er ist eine Prüfung. Darum halte ich durch. Oril hat seinen Grund, es geht um ein höheres Wohl, dem ich diene und dafür nehme ich diese Bürde auf mich. Tierblut kann ich nicht trinken, Archibald ich bekomme Verdauungsbeschwerden. Es muss ... das Blut höherer Wesen sein. Menschenblut und Albenblut sind am besten."

Er schloss die Augen und betete erneut, um den intensiven Appetit niederzukämpfen, den er trotz seiner Sattheit verspürte. Die Wahl, vor die Archibald ihn stellte, schien ihn innerlich schier zu zerreißen. Gern wollte er dem armen Simon helfen ... doch zu welchem Preis?

Re: Der Vampir und die Bestie

Verfasst: Sa 9. Dez 2017, 21:02
von Archibald von Dornburg
Archi machte eine wegwerfende Handbewegung.

"Vertrauen gegen Vertrauen Kasimir. Es ist nicht heilbar. Jedenfalls nicht so, dass ich danach ein normales Leben führen könnte. Vor langer Zeit... sehr langer Zeit, war ich einst mit Jesper in einem Tempel. Das ist ein alter Kumpel von mir. Er sagte sie könnten den Hunger heilen.

Sie können es heilen...
Nur nehmen sie Dir etwas dafür...
Du wirst einem Eingriff unterzogen...

Nun dann könnte ich meine Kopfschmerzen auch heilen, indem ich mir den Kopf abhacke...",
erklärte Archibald langsam und rieb sich über das Gesicht.

"Ich war zu lange bei Tag draußen, das ist nicht gut. Hier ist es zu hell drin...
Hast Du Schokolade? Kannst Du Schokolade besorgen?",
fragte von Dornburg Kasimir.

Arch verspürte zuerst einen leichten Augendruck, dann kam erst der Schmerz. Es folgte ein brennendes Gefühl, dass ihm die Augen tränten. Es war, als stünde sein Körper in Flammen, obwohl ihm unsäglich kalt war und er zitterte.

Er merkte wie sich das Gefühl von den Augen in Richtung seines Nackens verschob und dann in seinen Schädel hinein sickerte. Dann wanderte der Schmerz weiter nach oben.

Die matten Lichter im Raum wurden blendend hell und Kasimir verwandelte sich in ein gespenstiges Schemen.

"Ich wusste es", stöhnte Arch durch zusammen gebissene Zähne.

Archibald spürte kaum noch etwas anderes als den Schmerz in seinem Schädel, denn inzwischen erfüllte der Schmerz seinen ganzen Kopf. Er hatte das Bedürfnis seinen Kopf zwischen die Hände oder die Knie zu pressen.

Doch dieser Gedanke verging im greller werdenden Licht, dass sich von einem einfachen Feuer zu einer weißen Glut entwickelt hatte. Zu spät sich den Kopf einzuklemmen. Dann verlosch die Helligkeit schlagartig.

Arch wusste was nun folgte.

Obwohl er saß, stürzte er zu Boden und verkrampfte sich schlagartig. Panisch starrte Sklave auf Archibald herab, der unkontrolliert zuckte. Das Gesicht zu einer dämonischen Fratze verzerrt, die Augen nach hinten verdreht, sodass nur noch das Weiße zu sehen war. Durch die messerscharfen Zähne sabberte er Schaum und Blut.

Sklave kniete sich neben Arch und hielt ihm so fest er konnte den Mund zu, damit er sich nicht mit seinen Zähnen verletzte oder die Zunge abbiss.

Archs Körper war so angespannt, dass man jeden einzelnen Muskelstrang erkennen konnte. Sein Rückgrat verbog sich so weit nach hinten, das Sklave sicher war, sein Herr würde sich das Kreuz brechen. Es war eine Bewegung, zu der keine menschliche Wirbelsäule in der Lage war, wäre diese nicht so abnorm trainiert.

Mit einem Aufkreischen schmiss sich Sklave neben Arch und versuchte ihn festzuhalten, damit er sich nicht verletzte. Er umklammerte den Schädel von Archibald und streichelte ihn. Dabei brabbelte er auf ihn ein und sabberte ihn voll.

Die sporadischen Hitzeexplosionen in Archibalds Schädel verebbten.

Arch wollte etwas zu Kasimir sagen, aber es war ihm irgendwie nicht möglich sich zu artikulieren. Er bekam die Zähne nicht auseinander, so sehr war sein Kiefer verkrampft.

Selbst das Denken fiel ihm mittlerweile schwer. Dennoch dachte er an Kasimir und das dunkle Geschenk. Er musste durchhalten, er musste kämpfen...

Schwärze. Er lag lang ausgestreckt auf Simons Schlafplatz. Vorsichtig und tollpatschig zugleich streichelte ihm jemand den Kopf. Archibald schlug die Augen auf und starrte Sklave ins Gesicht.

Simon machte einen erschrockenen Satz nach hinten und kauerte sich zusammen, während Archibald sich zur Seite wälzte.

„Alles gut, keine Angst“, keuchte von Dornburg mit Blut verschmierten Zähnen, er tastete nach einem der Körbe. Sklave wusste dass sein Meister nichts mehr sehen konnte. Er riss einen Korb vom Boden hoch, schüttete den Inhalt aus und drückte ihn Arch in die Hände.

"Licht hä?", zischte er durch zusammengebissenen Zähnen hervor.
"Da... da...", erklärte Sklave und drückte Archibalds Kopf in die richtige Richtung.

Arch tastete die Öffnung ab, steckte den Kopf in den Korb und kotzte sich die Seele aus dem Leib.

Re: Der Vampir und die Bestie

Verfasst: Mo 11. Dez 2017, 21:30
von Kasimir
Kasimir musste sich abwenden. Es war weder Ekel noch Angst, die ihn dazu brachten, sich umzudrehen, die Augen zu schließen, sich die Nase zuzuhalten und zu beten, diesmal laut.

"Nur wenige werden wirklich satt.
Ich lebe von einer Speise, die ihr nicht kennt.
Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat
Lasset uns beten für alle, die sich vergeblich mühen, ihren Lebensdurst zu stillen;
dass sie Zufriedenheit und Erfüllung finden."


Er wiederholte immer wieder das Gebet und war froh, dass er erst gestern eine üppige Mahlzeit gehabt hatte, anderenfalls wäre es ihm nicht möglich gewesen, diese Prüfung zu bestehen. Erst, als er Archibald ein paar Worte sagen hörte, drehte er sich vorsichtig wieder herum. Er konnte nicht anders, als ihm auf den Mund zu starren, wo Blut und Schaum klebten. Kasimir nahm beide Hände hinter den Rücken und verschränkte sie da fest ineinander. Er würde nicht einen Handgriff tun, um Archibald zu helfen, sicher war sicher. Das malgorische Übel in ihm wünschte sich, einen Blick auf Archibalds aufgebissene Zunge werfen zu können, wenn der sprach.

"Ich ... verstehe nun", sagte Kasimir mit belegter Stimme. Er räusperte sich. Sein Gesicht war noch immer wie aus Gips gegossen. Nur die hinter seinem Rücken verschränkten Hände und sein Blick, der magnetisch von Archibalds Mund angezogen wurde verrieten, dass er gerade einen inneren Kampf ausfocht, nicht zu fragen, ob er mal naschen dürfe, wenn Archibald doch ohnehin gerade blutete. Ohne ihn zu beiße, verstünde sich.

"Oril muss uns aus einem bestimmten Grund zusammengeführt haben", sagte er stattdessen. "Wir beide leiden unerträglichen Hunger. Uns beide versengt das Licht der Sonne. Aber dafür haben wir Mond und Sterne, Archibald. Oril muss einen Grund haben, uns diese Prüfung aufzuerlegen. Da muss ein Sinn sein. Aber wo? Warum? Wofür? Was sollen wir tun? Die Antwort zu finden, ist unsere Aufgabe. Ich ... ich glaube, ich soll jenen helfen, an die niemand sonst denkt. Jene, die selbst von den Priestern verachtet werden und die man jagt. Die Verlorenen, die Aufgegebenen, die Verstoßenen. Du bist das Zeichen, auf das ich gewartet habe. Ich verstehe meine Aufgabe nun."

Kasimir zwinkerte und seine Augenbrauen zuckten kurz.

"Ich kann deinen Hunger lindern, Archibald. Ich werde ihn lindern. Aber nicht umsonst. Wenn ich dich zu einem Vampir mache, könntest du gefährlicher sein, als je zuvor, wenn du diese Gabe missbrauchst.

Du wirst für den Rest deiner Existenz kein Kind mehr berühren, weder auf die eine noch auf die andere Weise. Das musst du mir schwören. Als Pfand wünsche ich Simon, der ohnehin keinen Wert mehr für dich hat. Du wirst versuchen, Blut nur von freiwilligen Spendern zu trinken oder schlimmstenfalls von Sterbenden.

Und zum Schluss:

Du wirst weder Brandur noch Linhard jemals anrühren. Das musst du mir bei allem, was dir heilig ist, schwören!

Wenn du dazu bereit bist, sollst du den Segen erhalten. Du wirst keine Migräne mehr leiden, du wirst keine Anfälle mehr erleiden. Dein Fleischeshunger wird von einem anderen Hunger verdrängt werden, wenngleich er nie ganz erlischt.

Das ist, was ich dir anbieten kann."


Kasimirs Gesicht war wieder offenherzig und freundlich geworden, er nahm die Hände nach vorn und legte sie locker auf seinen Beinen verschränkt ab.

"Oh und Schokolade ist da drüben, sofern du noch Appetit hast."