Rettung


Famlie von Hohenfelde
Diese alte Adelsfamilie hat zahlreiche Geistmagier und Nekromanten hervorgebracht. Das Familienleben ist gepr├Ągt von Intrigen. Morde, auch innerhalb der eigenen Reihen, und arrangierte Ehen zur Erweiterung der Macht sind an der Tagesordnung. Als Familienmitglied ben├Âtigt man starke Nerven und gleicherma├čen ein H├Ąndchen f├╝r B├╝ndnisse und Hinterhalte.
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Archibald von Dornburg
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Rettung

#1

Beitragvon Archibald von Dornburg » Di 19. Dez 2017, 09:48

Rettung

Der Henker las gerade den Passus der Urteilsverk├╝ndung aus der entrollten Schriftrolle in seinen H├Ąnden vor.

"...Aufgrund 46-fachen nachgewiesenen Mordes wird die Angeklagte...", weiter kam der Henker nicht.

Eine komplett schwarz vermummte Gestalt sprang mit einem gewaltigen Salto auf die Henkersplattform. Zum Salto nutzte sie ihr Schwert, dass sie waagerecht wie eine Stange fest in beiden H├Ąnden hielt.

Kaum dass die Gestalt katzenhaft aufkam, riss sie das schlanke Schwert aus der Scheide.

Der Kopf eines B├╝ttels wurde im gleichen Augenblick von den Schultern geschlagen, als die Schwertscheide dem Kollegen in den Kehlkopf gerammt wurde.

Der Henker lie├č sofort die Schriftrolle fallen und griff nach seinem gewaltigen Richtschwert. Die Gestalt richtete sich in einer schraubenden Bewegung auf, fast wie ein m├Ârderischer Ballett-T├Ąnzer und hielt damit die anderen B├╝ttel auf Abstand.

Mit einem zornigen Aufbr├╝llen warf sich der Henker auf die schwarze Gestalt und st├╝rmte mit seiner gewaltigen Waffe voran. Er riss das Richtschwert in die H├Âhe und riss die Klinge mit beiden H├Ąnden brutal nach unten, um den Angreifer an Ort und Stelle zu zerschmettern.

Der Angriff war schnell f├╝r einen Mann seiner Statur. Ein Werk w├╝tender Brutalit├Ąt, als w├Ąre der Henker die Gerechtigkeit pers├Ânlich.

Dennoch war er zu langsam.

Zur Seite springend war die Gestalt herumgewirbelt und hatte mit dem d├╝nnen Schwert die gewaltige Waffe pariert und sofort von sich abgelenkt. Zeitgleich drehte sich der Angreifer in den Wirkungsbereich des Henkers hinein, stach diesem blitzartig in den Bauch und riss sofort seine Waffe wieder zur├╝ck. Dabei flammten seltsame Symbole auf seiner Klinge auf.

Schmerzerf├╝llt st├Âhnte der Scharfrichter auf. Der Henker verpasste dem Angreifer einen Tritt und schwang erneut das gewaltige Schwert.

W├Ąhrend er sein Schwert im Zuge seines fegenden Schlages allein durch die Wucht schon vor sich ausgestreckt hielt, war der Angreifer bereits zur├╝ck und klebte ihm erneut an den Fersen.

Der Vermummte wehrte den Angriff erneut mit dem schmalen Schwert ab und st├╝rzte sich direkt wieder auf den Henker, um ihn mit einer blitzartigen Abfolge von Schwertst├Â├čen, Schnitten und Schl├Ągen einzudecken.

Der Angreifer dr├Ąngte den Henker zur├╝ck, ohne selbst einen Millimeter Boden aufzugeben.
Der Scharfrichter war eigentlich ein ruhiger und besonnener Mann, aber der Vermummte schaffte es ihn in Panik zu versetzen. Die permanenten, blitzartigen, k├Ârpernahen Angriffe lie├čen dem Henker nicht eine Sekunde der Erholung und forderten auch geistig ihren Tribut.

Dreimal zischte das gewaltige Schwert am Gesicht des vermummten Angreifers vorbei. Der vierte Schwertschlag verfehlte ihn nur um Millimeter. Dies alles schien den Vermummten nicht aus der Ruhe zu bringen, denn er wich mit den Reflexen einer Viper aus und genauso schlug sein Schwert zu.

Die Klinge des Scharfrichters wurde schlagartig so umgelenkt, dass sich der Henker fast selbst den Kopf abrennte. So gerade noch konnte er die eigene Waffe herum rei├čen.

Dem Henker wurde eines klar - wof├╝r auch immer dieser Vermummte stand, er k├Ąmpfte um zu t├Âten.

Sollte es ihm nicht gelingen sich den Mann noch einige Augenblicke bis zum Eintreffen der Verst├Ąrkung vom Leib zu halten, w├╝rde er selbst als Leiche auf dem Platz zur├╝ckbleiben. Ein gerichteter Scharfrichter.

Einen Augenblick sp├Ąter zischte die schwere Klinge des Richtschwertes ├╝ber den Kopf des Angreifers hinweg. Dieser lie├č sich blitzartig in einen Spagat fallen.

Wie eine Schlangenzunge z├╝ckte urpl├Âtzlich dessen Klinge vor. Aber anstatt Fleisch, Sehnen und Knochen des Henkers zu durchtrennen, durchtrennte die Klinge die Fesseln der Frau die vor dem Richtblock kniete.

Wackelig kam sie auf die Beine, w├Ąhrend der Scharfrichter wie ein w├╝tender Stier zu der Frau und dem Vermummten herumwirbelte.

Der Angreifer bezog vor der Frau Stellung, griff sich auf den R├╝cken und dr├╝ckte ihr ein Schwert in die Hand. Sie ergriff es wortlos und z├╝ckte sofort die Klinge. Der Henker blickte von dem Vermummten zu der Verurteilten.

Wie dieser Kampf f├╝r ihn enden w├╝rde, sollte er bleiben und weiterk├Ąmpfen, war klar. Der Tod schwebte ├╝ber ihm wie ein Aasgeier und streckte bereits seine Krallen nach ihm aus.

Aus heiterem Himmel versuchte ein B├╝ttel sein Gl├╝ck und ging zum Angriff auf den Vermummten ├╝ber. Er kassierte einen derart harten und schnellen Seitw├Ąrtstritt, der ihn nach hinten schleuderte und gegen die gegen├╝berliegende Wand knallte.

Auf den Gesichtern der Zuschauer spiegelte sich Verwirrung, Verzweiflung, Angst und schieres Grausen.

Die Befreite musterte ab und an verstohlen den Vermummten und wartete darauf, dass dieser eine Erkl├Ąrung abgab. Irgendwie musste diese Rettungsaktion einen Sinn ergeben.

Ein Falke ├╝berflog die Szenerie und stie├č einen hellen, lauten Schrei aus. Einen Moment sp├Ąter legte der Vermummte den Kopf schief. Er h├Ârte das ferne Stampfen von Stiefeln, Verst├Ąrkung! Die M├Ąnner schlugen ihre Richtung ein.

Sie mussten schleunigst verschwinden. Sein Kampfstil war auf Geschwindigkeit, Geschicklichkeit und absolute Pr├Ązision ausgelegt, nicht auf grobe Kraft und Ausdauer. Aus diesem Grund entledigte er sich seiner Gegner meist mit exakten Schnitten und Stichen binnen weniger Augenblicke.

Sein Jahrzehnte langes, knallhartes Training hatte seine m├Ârderischen F├Ąhigkeiten auf ein Optimum angehoben. Jetzt bereitete er sich darauf vor, dass volle Ausma├č seiner Begabungen abzurufen, um lebend mit der befreiten Frau zu fliehen.

Er verharrte f├╝r einen Augenblick, dann ergriff er die Befreite am Oberarm und st├╝rzte wie ein Besessener los.

Der Vermummte sprang wie ein Panther mitten in die Gruppe der restlichen B├╝ttel hinein und der t├Âdliche Tanz seines Schwertes begann erneut.

Dem ersten Mann trennte er knapp unter der Schulter den Waffenarm ab, noch w├Ąhrend dieser kreischend zu Boden st├╝rzte war der Vermummte weiter get├Ąnzelt und hatte dem n├Ąchsten Gegner die Klinge genau in die Drosselgrube gegraben. Erneute eine flie├čende Seitw├Ąrtsdrehung, diesmal mit gen├╝gend Wucht und dem n├Ąchsten Gegner wurde der Kopf von den Schultern geschlagen.

Die Befreite hinter ihm hieb einem der B├╝ttel ihre Klinge genau zwischen die Augen und l├Âste sie dann mit einem Fu├čtritt. Sie blieb genau im Schatten ihres vermummten Retters, dessen seltsame Klinge in einem unheimlichen, matten Gl├╝hen erstrahlte und Gliedma├čen von K├Ârpern schlug, als raste die Waffe erhitzt durch Butter.

Die B├╝ttel hielten weder diese Klinge noch diesen Mann auf.

Klinge und K├Ąmpfer schienen fast wie eine organische Einheit, deren Hunger nach Blut und Tod nicht zu stillen war. Ein abgehackter, kurzer Doppelhieb und die Klinge fra├č sich wieder durch zwei menschliche H├Ąlse.

Die enthaupteten Leichen st├╝rzten zu Boden, der Vermummte setzte leichtf├╝├čig dar├╝ber hinweg. Der Vermummte ergriff die Befreite und sprintete derma├čen schnell los, dass die Frau M├╝he hatte, ├╝berhaupt mit ihm Schritt zu halten.

Aus den Seitengassen erklang L├Ąrm, es wurde Alarm geschlagen. Der Falke folgte ihnen am Himmel und schien ihre Verfolger zu lotsen.

Der Vermummte blieb kurz stehen, sah sich mit ruckartigen Bewegungen um und setzte die Flucht fort. Er bewegte sich mit unglaublicher Geschwindigkeit und Flinkheit durch die engen Gassen von Chateaub.

Ein Einschlag genau unterhalb des Schulterschutzes seiner rechten Schulter. Er stolperte, st├╝rzte beinahe, aber er fing sich so schnell wie er gestrauchelt war. Seine Schulter wurde taub, aber er sch├╝ttelte das Gef├╝hl mit einem Z├Ąhnefletschen ab.

Der Schmerz in seiner rechten Schulter war rei├čend, brannte hinab bis durch seinen Arm und seine Brust. Er biss die Z├Ąhne so fest aufeinander, dass sein Kiefer schmerzte. Mit der linken Hand schob er die Befreite vor sich und schon ging die Flucht weiter.

Der Vermummte dirigierte die Frau an der Schulter durch die Gassen und w├Ąhlte nun jene die mit Markisen und ├Ąhnlichem ├╝berdacht waren.

Obwohl sie hier ihr ganzes Leben Zuhause gewesen war, hatte sie bald den ├ťberblick verloren wo sie sich befanden.

Eine T├╝r tauchte vor ihnen auf, die er mit einem gezielten Tritt ├Âffnete. Der Vermummte stie├č sie hinein und warf die T├╝r hinter sich wieder zu. Er drehte sich einmal kurz um sich selbst, dann f├╝hrte er die Frau tiefer in die Gew├Âlbe des Hauses.

Der Vermummte blieb abrupt in einer dunklen Nische stehen.
Modrig nasser Geruch stieg der Frau in die Nase.
Die Kanalisation war nicht mehr weit entfernt.

Der Vermummte bewegte probeweise die Finger seiner rechten Hand. Er ergriff den linken Arm der Frau und schlitzte ihr den Ärmel des Galgenhemdes mit einem Dolch bis zum Ellenbogen auf.

Der Mann hielt ihren Arm fest und steckte seine Waffe weg. Mit den Fingern seiner freien Hand strich ├╝ber behutsam ├╝ber die T├Ątowierung, die auf dem linken Unterarm der Frau prangte.

"Derya... Derya de Littneaux, Tochter von Merna de Littneaux...", stellte er ruhig fest.
"Wer will das wissen?", gab sie verunsichert zur├╝ck.
"Archibald von Dornburg", antwortete der Mann.

Er nahm seine Vermummung ab und entbl├Â├čte seinen eigenen linken Unterarm.
Zum Vorschein kam die gleiche T├Ątowierung wie sie die Frau trug.

Sie strich ebenfalls mit einem Finger dar├╝ber und schaute ihm dann mit gro├čen Augen an.

"Vater...".
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