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Archibalds Tagebuch

Verfasst: Di 19. Dez 2017, 10:50
von Archibald von Dornburg
Archibalds Tagebuch


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Die einen nennen mich Archibald, die anderen Bestie...
Weder der eine noch der andere Name wird mir gerecht...

Ich bin ein Sammler...

Meine Welt besteht aus einem Sammelsurium aus Kuriositäten...
Spielzeuge... mechanisch... oder organisch...

Der Letzte von Dornburg

Verfasst: Di 19. Dez 2017, 10:51
von Archibald von Dornburg
Der Letzte von Dornburg

"Dein Frevel wurde von Volkward aufgedeckt. Du wirst für Deine Gräueltaten bezahlen Archibald. So jemanden wie Dich dulde ich weder als meinen Sohn noch in meiner Familie. Dein Bruder wird das Urteil vollstrecken. Und Dein Freund wird bei Deiner Hinrichtung zusehen und wünschen, an Volkwards Stelle zu sein. Weiß er von Deiner Spielzeugsammlung? Weiß er davon dass Du wahnsinnig bist und Puppen sammelst?", fragte Undorich mit Grabesstimme.

Der alte Mann tippte seinem Sohn mit dessen Schwert unters Kinn. Eine lange gerade Klinge, versteckt in einer braunen Schwertscheide die mit floralem Muster verziert war. Woher Archibald auch immer dieses Schwert hatte, es war schärfer als eine Rasierklinge und er liebte diese Waffe. Vermutlich hatte er sie von eine seiner Reisen mitgebracht. Dunwin kochte vor Wut, diese Waffe in den Händen eines anderen Mannes zu sehen. Das stand niemandem zu.

Aber anstatt vor Wut zu platzen oder in Angst zu verfallen lachte Archibald über die Worte seines Vaters. Eine leise, dunkel und bedrohliche Lache - so wie seine ganze Erscheinung.

"Da kennst Du Dunwin schlecht", antwortete er ruhig.

Archibald hob den Kopf und grinste seinen Vater an. Innerhalb eines Sekundenbruchteils hatte Archibald die beiden Wachen von sich gestoßen und ein Schwert einer der Wachen an sich gebracht. So schnell konnte Undorich nicht reagieren, wie Archibald seine Soldaten tötete. Ein Kopf wurde von den Schultern geschlagen und ein Brustkorb aufgebrochen. Sie fielen um als wären sie das besagte Spielzeug.

Undorich starrte mit offenem Mund seinen Sohn an und sah dabei zu, wie Archibald das Schwert aus dem Brustkorb der letzten Wache riss. Eine fast tänzerische Halbdrehung und Archibald stand vor seinem Vater. Mit einer fließenden Bewegung riss er seine eigene Waffe an sich. Die eingravierten Runen flammten auf, als er das Schwert blankzog. Ganz ähnliche Runen die seinen gesamten Körper schmückten in Form von Tätowierungen.

Undorich keuchte laut und verzweifelt auf. Es war das Letzte was Undorich in seinem Leben tat. Archibald schlug ihm mit einem einzigen äußerst brutalen Hieb den Schädel von den Schultern. Ohne eine Sekunde zu zögern, ohne das geringste Anzeichen von Reue oder überhaupt dabei die Miene zu verziehen.

Undorichs Rest brach in sich zusammen, sein Schädel rollte über den Fußboden in Dunwins Richtung und blieb dann genau vor dessen Füße liegen.

Die schreckgeweiteten, toten Augen starrten Dun an. Dunwin hatte die Luft angehalten und stieß sie nun vor Erleichterung wieder aus. Es war vorbei. Undorich war tot. Dun hob den Schädel an den Haaren hoch und grinste seinen Kumpel an. Archibald stand zwischen den Toten, wie die Ausgeburt der personifizierten Rache.

"Archi...
Dein Vater wollte Deinen Tod...
...weil Du Spielzeug sammelst?", hakte Dunwin nach.
"Scheinbar...", erklärte Archi.

Dunwin nickte knapp und betroffen. Vermutlich war Archis Vater genauso ein Scheusal wie sein eigener.

"Tut mir leid für Dich Archi...
Nun ist es vorbei...
Undorich ist tot... und Du bist frei...", antwortete Dunwin mit belegter Stimme und wollte Archibald eine Hand auf die Schulter legen.

"Frei?", antwortete Archi mit steinerner Miene.

"Volkward lebt noch! Er durfte spielen, sich seine Huren halten, dazu sagte Vater nichts. Was ist mit mir? Volkward darf seinen Begierden freien Lauf lassen. Und ich soll mich verstecken? Vielleicht habe ich keine Lust mehr mir diese Diskriminierung anzusehen. Erzähl mir nichts von Freiheit Dunwin. Ich muss es beenden, dann bin ich frei - erst wenn der Letzte von Dornburg gefallen ist", flüsterte Archibald mehr zu sich als zu Dunwin.

Archibalds Gesicht verhärtete sich, er ergriff sein seltsames Schwert fester. Dann schlug er die Tür krachend auf und rannte nach draußen.

"Archibald, warte! Ich bin doch auf Deiner Seite! Verdammter...", setzte Dunwin an, aber da hörte er schon wie der Kampf in die Burg seines Freundes getragen wurde. Archi suchte seinen Bruder und er würde ihn finden. Dunwin zückte die eigene Klinge und rannte ihm hinterher.

Das blanke Entsetzen stand den meisten Diener ins Gesicht geschrieben, jene die auf den kalten Mamorfliesen lagen und jenen die Archibalds Klinge entkommen konnten.

Die Flure zwischen den einzelnen Zimmern waren mit Leichen übersät. Überall Blut, abgetrennte Gliedmaßen und Köpfe. Eine Spur der Zerstörung zog sich durch das Herrenhaus von Dornburg. Dunwin folgte der Spur und den Geräuschen des Kampfes.

Im großen Saal hatte er fast seinen besten Freund eingeholt. Er kämpfte wie ein Wahnsinniger gegen die Hauswachen, und sah dabei aus als würde er einen bizarren Tanz aufführen, pflügten sie durch die Reihen all derer, die Undorich gedient hatten und mähte sie nieder.

Sie hatten ihm nichts entgegen zu setzten. Es war ihr Beruf, aber es war von Archibald die Berufung. Er tat fast nichts anderes den ganzen Tag als mit der Klinge zu üben. Dunwin verstand ihn auf einer ganz anderen Ebene. Und dennoch kämpften die Wachen für einen Mann der tot war, gleichgültig wie aussichtslos ihre Lage war.

Mit der seltsamen, verzierten Klinge schien er alles Leben in diesem Haus auslöschen zu wollen. Selbst die Hunde seines Vaters erschlug er mit dem Schwert.

Dunwin starrte aus dem Fenster hinunter in den Hof. Dort sammelten sich die restlichen verbliebenen Wachen des Hauses Dornburg zum Gegenschlag. Sie alle sahen mutlos und verzweifelt aus. Sie wussten wer ihr Gegner war. Dunwin folgte dem Leichenpfad in Richtung Archibald. Nicht weit entfernt gab es einen kleinen Platz, auf dem die Wachen früher Kämpfen übten.

Nun war es ein Totenacker. Dunwin stieg über die Toten. Er fühlte kein Mitleid mit ihnen. Sie hatten sich alle gegen Archibald verbündet, folglich waren sie der Feind. Ein Vater der seinen Sohn verurteilte weil er Spielzeug sammelte, war genauso wahnsinnig, wie ein Vater der seinen Sohn hasste da er nicht über Magie gebot. Alte Männer und deren Launen!

Volkward kam aus einem Versteck gerannt und wäre fast in Dunwin hineingerannt. In seinen Augen stand das blanke Entsetzten.

"Baron von Hohenfelde Ihr müsst mit meinem Bruder reden. Er ist wahnsinnig geworden! Ihr habt seinen Keller nicht gesehen! Bringt ihn zur Vernunft. Er muss sein Schwert niederlegen, er... er hat nicht verdient zu leben. Tötet ihn", flehte Volkward.

"Sehe ich so aus...
Meint Ihr... ich würde Archibald töten...
Weil... er Spielzeug sammelt?
Ihr seid so lächerlich... Volkward...", zischte Dunwin.

Dunwins Hand schloss sich um das Schwertheft. Im gleichen Moment spritzte ihm das Blut von Volkward ins Gesicht. Volkward war geköpft. Archibald wurde sichtbar als die Reste seines Bruder mit einem groben Hieb zur Seite räumte.

"Sie sind tot, die Verwandten, die Wachen, alle", sagte Archi leise.

"Alle tot... mhm...
Was ein Massaker...
Herzlichen Glückwunsch Archi...", grinste Dunwin.

Archibald stand schwer atmend da und musterte Dunwin. Das Katana war mit Blut überzogen. Ebenso Archibalds gesamter Körper, er sah aus als hätte er in Blut gebadet. Ein Bild des Grauens, aber in seinen Augen stand der Glanz absoluter Glücksseligkeit.

"Ich möchte sie sehen Archi...", erklärte Dunwin und schmunzelte seinen Freund an.
"Wen sie?", hakte Archibald nach. Er schüttelte das Katana, so dass das Blut von ihm abtropfte.
"Die Sammlung...", half Dunwin nach.

Archibald nickte und griff im gleichen Augenblick an. Er sprang auf Dunwin zu, die Klinge vor seinen Körper gezogen und kam einen Schritt vor Dunwin auf. Dun hechtete im letzten Moment zur Seite und stürzte in den Leichenberg.

Archibald warf sich zu Dunwin herum und drehte hastig den Kopf in dessen Richtung, da Dunwin ihm in Sachen Schwertkunst in nichts nachstand. Dun war mit einem Sprung wieder auf den Beinen und funkelte Archibald an. Dun ging zum Gegenangriff über um sich Zeit und Platz zu verschaffen schlug er blindlings in einem weiten Bogen zu. Er erkannte, dass er Archibald verfehlt hatte.

Archibald stürzte sich auf Dunwin. Dun wich ihm wie einem wütenden Stier aus. Als Archi an ihm vorbei sprang, stürzte sich seinerseits Dunwin von hinten auf Archi. Er umklammerte seinen Kumpel so fest er konnte und presste ihm die Arme an den Körper.

Dun gab Archi noch einen Augenblick. Archibald strampelte, knurrte und hob die Klinge an, um Duwin abzuwehren.

"Reg Dich ab Arch...", befahl Dunwin ruhig, obwohl er Mühe hatte seinen besten Freund festzuhalten.

Archibald ließ das Katana fallen und sackte zusammen. Seine Hände samt den scharfen Nägeln krallten sich in Dunwins. Dun umarmte ihn ganz fest von hinten und legte seinen Kopf auf die Schulter von Archi. Er versuchte immer noch sich zu befreien, allerdings sehr halbherzig.

"Es ist leichter, ohne Gegenwehr Arch...", flüsterte Dunwin.
"Du hast keine Ahnung", gab Archibald zurück.

"Habe ich nicht? Was haben wir schon alles geteilt mhm...
Und nun kommst Du mir so?", hakte Dunwin nach und Archi spürte mehr das Schmunzeln seines besten Freundes als dass er es sah.

Dunwin hielt Archibald gepackt, gleichgültig ob er sich wehrte oder ihm die Nägel in die Hände bohrte. Dun machte es nichts aus, er hatte bereits andere Dinge ertragen. Er hielt Archibald einfach fest. Er war bei ihm und hielt er ihn fest. Er war für Archibald da, er musste ihm nahe sein, denn sein Wahlbruder brauchte ihn.

Gleichgültig was Archibald gelernt hatte, er war kein Hohenfelde - für ihn war es kein Fest seine gesamte Verwandtschaft an einem einzigen Tag aus dem Weg geräumt zu haben. Dunwins eigene Ahnen wären vor Stolz geplatzt. Aus dem Grund benötigte Archibald seinen Beistand nötiger als jemals zu vor.

"Ich hätte Dich fast getötet...", entschuldigte sich Archibald.
"Du überschätzt Deine Fähigkeiten maßlos Archi...", schmunzelte Dunwin.

Zwischen das erschöpfte Seufzen mischte sich so etwas wie ein schnaubendes Lachen.

"Für die anderen bin ich ein Monster", erklärte Archi.

"Wer solche Kunst verkennt ist ein Idiot...
Liebe bekommst Du geschenkt, Angst musst Du Dir verdienen...
Und schau nur was Du geleistet hast...
Du bist der einzige Bruder Archi dem ich Zuneigung schenke...
Du bist neben Canan und Jesper mein Vertrauter...
Denk nach bevor Du handelst...
Was nun? Zeigst Du mir die Sammlung?", fragte Dunwin.

Der Junker führte seinen besten Freund in sein Haus und offenbarte ihm seine Sammlung. Was Dunwin sah war kein Spielzeug...

Dunwin sah allerdings auch kein Monster...
Er sah eine Waffe... eine der grausamsten Waffen die er je erblickt hatte...
Er sah einen Seelenverwandten...
Anders... verdreht und dennoch auf gewissen Art gleich...

Ab dato verstand Dunwin...
Und Archibald folgte ihm absolut treu und loyal.

Geschärfte Zähne -- 175 n.d.A.

Verfasst: Di 19. Dez 2017, 10:52
von Archibald von Dornburg
Geschärfte Zähne -- 175 n.d.A.

„Ich habe mich immer gefragt warum Du geschärfte Zähne hast und wie es sich anfühlt, die Zähne so schärfen zu lassen. Also wie fühlt es sich an?“, fragte Dunwin neugierig.

„Zuerst sieht man danach einige Tage ziemlich Scheiße aus, Deine ganze Fresse ist geschwollen“, antwortete Archibald.
„Aha. Wie schärft man die Zähne denn nun? Wie geht das?“, hakte Dunwin nach.

„Kurz und knapp erklärt, Du legst Dich auf den Rücken mit dem Kopf in den Nacken auf die Behandlungspritsche. Hinter Dir steht entweder ein Bader oder jemand der sich auf Körperverzierungen versteht. Mit einem Messer und einem Hammer schärft er Dir die Zähne.

Das heißt, dass Messer wird an den Zahn gesetzt und mit dem Hammer vorsichtig draufgeschlagen, so dass ein Stück Deines Zahns in der gewünschten Form abgeschlagen wird. Am Ende sind alle gewünschten Zähne messerscharf. Wenn Du das Pech hattest, auch unscharfe Eckzähne zu haben, dann werden die natürlich auch scharf geschlagen. Am Ende der Behandlung, ich bezeichne es als Zeremonie, hast Du dann das Lächeln eines erwachsenen Menschen und das Grinsen eines Raubtiers - kurzum Reißzähne.

Wie alles von Wert zahlt man auch das mit Schmerz und Blut. Sonst hätten uns die Ältesten einfach von Natur aus scharfe Zähne geschenkt. Frag mich nicht wer die Ältesten sind, es ist schwierig zu erklären Du musst das Buch selbst lesen. Und dann entscheide ob es ein hübsch düsteres Märchen ist, eine düstere Legende, Spinnerei oder eventuell eine Wahrheit die niemand erfahren sollte.

Jedenfalls haben die Ältesten es bewusst unterlassen uns die Zähne eines Raubtiers zu schenken, obwohl einige von uns durchaus Raubtiere sind. Du musst Dir Deine scharfen Zähne verdienen, ebenso wie Deine Krallen. Und hast Du sie Dir verdient, musst Du den Schmerz ertragen und bluten um sie zu bekommen“, erklärte Archibald freundlich.

„Klingt extrem schmerzhaft. Wie schmerzhaft war es?“, erkundigte sich Dunwin.

„Welche Antwort möchtest Du hören? Die offizielle und meine als "Krieger" oder meine private? Bei mir gibt es immer zwei Seiten von allen Dingen, sprich das Menschliche-Tarn-Gehabe oder die ehrliche Antwort“, lachte Archibald.

„Beide“, grinste Dunwin.

„Offiziell – nicht der Rede wert. Steht man drüber, fertig. Ist ja schnell vorbei.
Privat – ein Abgrund aus Schmerzen, Qual ohne Ende! Und man fühlt sich, als ob das eine Ewigkeit dauert. Für jeden Zahn braucht der Bader eine gefühlte Ewigkeit. Dir ist schlecht, Dir ist flau im Magen und Du betest, dass es endlich vorüber ist.

Das war das einzige Mal in meinem ganzen Leben, dass ich in Erwägung zog einen Nützling anzugehen. Ich hab echt überlegt aufzustehen und ihn zu würgen oder umzubringen!
Dabei war er vorsichtig und hat sich bemüht, mir so wenig Schmerzen wie möglich zu bereiten.

Wie sich das anfühlen muss, sollte er keine Rücksicht nehmen, wollte ich mir gar nicht vorstellen. Laut des alten Folianten darf man während der Zeremonie keinen einzigen Schmerzlaut von sich geben, sonst hat man versagt.

Gut der Bader kannte weder die Zeremonie, noch die Bedeutung weshalb ich mir diesen Körperschmuck wünschte. Aber ich durfte vor mir selbst nicht versagen. Immerhin brachte ich mein Opfer den Ältesten damit dar. Ich persönlich glaube, dass Ainuwar einen Teil der Ältesten verkörpert.

Nachdem ich die Scheiße überstanden hatte, habe ich erst mal das ganze verschluckte Blut ausgekotzt als ich mich aufsetzte. Lecker. Nach der Behandlung hatte ich eine Woche bestialische Schmerzen. Ich konnte nicht mal mehr im Liegen schlafen, sondern ich musste im Sitzen schlafen, weil mein Gesicht so geschwollen war.

Ich konnte nichts essen, nur trinken und ich fühlte mich total zerschlagen. Mein ganzes Gesicht war angeschwollen und meine Schnauze war entzündet. Ich war den Ältesten dankbar, dass man das nur einmal im Leben ertragen muss. Hätte ich das nochmal machen müssen, ich glaube ich hätte mich gedrückt“, antwortete Archibald ehrlich, was Dunwin loslachen ließ.

"Weißt Du was ich mal gehört habe? Das Krokodile und andere Tiere ständig neue Zähne bekommen", grinste Dun.
"Glaube mir, dann hätte ich auf das Ritual verzichtet - einmal die Woche Zähne anfeilen und Du gehst am Stock oder nie wieder wo hin", grinste Archibald zurück.

"Erkläre mir die Bedeutung dahinter, warum hast Du Dir die Zähne überhaupt anschärfen lassen? Erzähl", bat Dunwin.

"Von mir aus, aber Du kannst es auch selbst nachlesen. Laut einer uralten Tradition eines unbekannten Volkes, musste jeder erwachsene Krieger seine Zähne gefeilt haben, wie ich einst in einem alten Folianten gelesen hatte.

Wenn es zu Lebzeiten versäumt worden war, geschah dies spätestens am Leichnam kurz vor der Verbrennungszeremonie. Das Zahnfeilen hatte mit dem Glauben an Wiedergeburt zu tun.

Eine Seele wurde nur dann in einem Körper wiedergeboren, wenn am früheren Körper die Zahnfeilung stattgefunden hatte. Der Glaube an Tod und Wiedergeburt, persönlich herbeigeführt durch die Teilnahme an diesem Ritual und das Ertragen solcher Schmerzen, faszinierte mich.

Es hieß, nur dann, kann eine Seele für ihre erneute Wiedergeburt einen Krieger von den anderen Leibern unterscheiden. Das Thema „Zähne“ war bei diesem alten Volk ein sehr komplexes.

Nicht nur der Glaube an eine Wiedergeburt gehörte dazu, sondern auch das Bild des Kriegers mit seinen unterschiedlichen Qualitäten und Aufgaben, die er im Idealfall in den verschiedenen Lebensabschnitten durchlaufen hatte.

In Anlehnung an die Aufteilung des Kosmos in zwei sich ergänzende Prinzipien galt, dass ein Krieger, als spiegelbildliches Abbild des Kosmos aus zwei Körpern bestand. Er hatte einen physischen, weltlichen Körper und einem spirituellen Körper, sprich Körper und Seele.

Dies bedeutete, dass sich in den einzelnen Teilen des weltlichen Körpers auch alle spirituellen Wesen befinden, die in gleicher Weise den Makrokosmos füllen. Zentrum des Kosmos ist der Nabel.

Vier „geistige Brüder“ begleiten jeden Krieger durch das Leben bis über den Tod hinaus. Diese vier Brüder unterstützen den Krieger so lange, wie sie geehrt und mit Opfern bedacht werden.

Ansonsten können sie den sie vernachlässigenden Krieger schädigen oder ihn verlassen. Die verschiedenen Elemente des Kosmos sind miteinander verknüpft und aufeinander abgestimmt.

Sie garantieren die Kontinuität der Lebensprozesse, solange der Zustand der Harmonie aufrechterhalten wird. Die Missachtung der hierarchischen, kosmischen Prinzipien führt zu Unordnung und Disharmonie, zum Auseinanderfallen sämtlicher Elemente des Kosmos, und das ist gleichbedeutend mit Unglück, Krankheit, Untergang und Tod, so teilten es die Ältesten laut diesem Folianten mit.

Der Beitrag zur Erhaltung des Gleichgewichts zwischen den Kräften der Ordnung und des Chaos war eine alltägliche Verpflichtung, der jeder Krieger nachkommen musste.

Ich liefere meinen Teil des Chaos, des Unvorhersehbaren, ich dünne die Herde von den Schwachen und Unzulänglichen aus, so wie Du Dunwin.

Nach Überlieferung der Ältesten reinkarniert sich eine Seele in der vierten Generation seines Älteren. Mithilfe dieser Ritualzyklen wird die enge Verbindung zwischen beiden Dimensionen der Wirklichkeit, der sichtbaren und der nicht sichtbaren - der Welt der Krieger und der der Gottheiten, immer wieder bewusst gemacht.

Die zwei Dimensionen werden durch rituelle Handlungen erlebbar und mitgestaltbar.

Wichtige Erkennungszeichen beider Dimensionen von Wirklichkeit sind alle am natürlichen Körper gestaltbaren Teile wie vor allem die Zähne und die Haut.

Nicht nur Ziernarben und Tätowierungen, sondern auch die nicht natürliche Zahnstellung dienen als Zeichen der Unterscheidung zwischen Krieger, Raubtier, Beutegreifer - nenne es wie Du es möchtest und einfachen Menschen.

Haut und Zähnen verfügen über besondere Lebenskräfte.

Bei großflächigen Körperzeichnungen, Tätowierungen und extremen, geschärften Zähnen geht jeder Krieger von einem extrem harten Krieger auf der Matte und dem Schlachtfeld aus. Dieser Krieger wäre ein perfekter Weg-Gefährte.

Großflächige Zeichnungen, Tätowierungen, Narben und geschärfte Zähne sind somit Zeichen von besonderer spiritueller Kraft und Macht. Für mich jedenfalls.

Die natürliche Zahnfolge bei allen Lebewesen ist so angeordnet, dass die oberen Eckzähne hinter den unteren stehen. Egal bei welchem Lebewesen, die Schneidezähne sind glatt und stumpf. Gleichgültig ob sie wie beim Menschen groß, oder bei Raubtieren klein sind.

Kein Lebewesen hat von Natur aus eine Front aus Reißzähnen. Das heißt, die sechs Vorderzähne egal ob groß oder klein sind glatt. Ausnahme bei Raubtieren die Reißzähne.

Die besondere Bedeutung von Zähnen spiegelt sich im Zahnfeil-Ritual wieder, das alle Krieger durchliefen. Das Ritual, in welchem die sechs unteren Vorderzähne messerscharf gefeilt werden, diente dazu den Unterschied zwischen Krieger und nicht Krieger-Wesen hervorzuheben.

Die unteren sechs Vorderzähne galten zudem als Sitz verschiedener Leidenschaften, wie Verlangen, Ärger, Gier, Dummheit, Trunkenheit und Neid.

Ziel der Zahnfeilung war das Markieren der Beherrschung dieser Leidenschaften. Gefeilte Zähne repräsentierten damit ein emotionales Leistungsvermögen, welches bewusst eingesetzt werden konnte.

Die Zahnfeilung dient nicht nur zur Markierung der Kontrolle von Leidenschaften. Gleichzeitig erlaubt die Zahnfeilung auch offen das Ausleben sämtlicher Leidenschaften.

Wie gesagt, Leidenschaften und deren Auslebung sind absolut werteneutral.
Wer sagt das meine Leidenschaft wertlos oder schlecht ist?
Vielleicht sind alle anderen wertlos?

Zur Anbetung der Ältesten wie sie im Folianten genannt wurden und deren Kult gehörte als fester Bestandteil das Zahnfeilen dazu.

In den gefeilten Zähnen wurde das Zusammentreffen von spiritueller und materieller Weltsicht am deutlichsten. Eine allgemeine Verantwortung für den Clan, der Welt und dem Kosmos wurde auf diese Weise durch bewusste Körpergestaltung zum Ausdruck gebracht.

Ich habe dieses Ritual wie auch einige Teile Ihrer Weltanschauung übernommen. Nichts was existiert, existiert grundlos. Weder Du noch ich Dunwin. Wir haben genauso unsere Daseinsberechtigung. Und da es nur wenige von uns gibt, sind wir keine Aussätzigen, wie man uns gerne weiß machen möchte, sondern wir sind die Wölfe - während die anderen die Schafherde repräsentieren.

Du frisst gerne Schafe, ich bevorzuge Lammfleisch. Darum geht es, Werden, Vergehen, Tod, Wiedergeburt und Dein ureigener Platz im Kosmos", erläuterte Archibald.

"Deshalb auch die Tätowierungen auf Deinem Rücken, diese okkulten Symbole. Was bedeuten sie?", fragte Dunwin.
"Jedes einzelne hat eine andere Bedeutung. Einige sind Schutzsymbole, andere stehen für Lautlosigkeit, andere für Tarnung, eines steht dafür jederzeit zurück nach Hause zu finden oder nach Hause zurückzukehren, wiederum andere für Jagdglück - gemeinsam ergeben sie ein passendes Gesamtbild", antwortete Archibald und nippte von seinem Wein.

"Sie scheinen zu wirken", grinste Dun.
"Man sagt den Symbolen nach ihre Wirkung wäre ähnlich wie der Glaube an die Götter. Glaubt man an sie, betet man sie an - leben sie. Sie wirken. Glaubst Du nicht, wirken sie nicht. Ich glaube und ich bete sie an, ebenso wie die Dunkelheit und Ainuwar. Der Gott des Todes und der Zeit kann nur ein Teil der Ältesten sein und zwar jener, der die Dunkelheit und Leere darstellt. Das Dunkle, das Grauen hinter dem Schleier, die Faszination des anderen - manche würden sagen des Bösen.

Dabei gibt es weder gut noch böse. Es gibt reine Interessenkonflikte, Du weißt dies besser als jeder andere. Du möchtest erben, Deine Brüder möchten nicht sterben. Bedauerlicher Interessenkonflikt, für Deine Brüder", grinste Archi über beide Ohren.

"Leihe mir mal diesen Folianten. Manches von diesem okkulten und arkanen Aberglauben ist mir suspekt, das gebe ich offen zu. Anderes wiederum klingt so logisch und plausibel, dass eigentlich gar kein Zweifel besteht", dachte Dunwin laut nach.
"Deshalb heißt es Glauben, sonst hieße es Wissen Dun. Oft liegt es daran, dass vieles nur noch Bruchstückhaft vorhanden ist. Alle Bücher wird man nie zusammen tragen können um sich ein Gesamtbild zu machen. Andere wiederum sind vermutlich sicher in manchen magischen Fakultäten verwahrt. Manche meiner Folianten kann ich leider nicht lesen, da sie in einer unbekannten Sprache verfasst sind. Die Sprache der Magie. Dein Sohn Dave, könnten mir eines dieser Bücher übersetzen", schlug Archibald vor.

"Nur zu, er ist Magier und er liest dieses andere Zeug schließlich auch. Also kann er sich auch mal nützlich machen...", antwortete Dunwin.
"Auf diese Art...", lachte Archi leise.

"Auf welche auch immer, leihe ihn Dir aus, wann immer Du möchtest, wofür immer Du möchtest. Das weißt Du doch", grinste Dunwin und trank ebenfalls einen Schluck vom Wein.

Todesengel -- 176 n.d.A.

Verfasst: Di 19. Dez 2017, 10:53
von Archibald von Dornburg
Todesengel -- 176 n.d.A.

Noch bevor Dunwin zur Seite springen konnte, zischen eine Klinge knapp an seinen Augen vorbei. Dun duckte sich unter dem Hieb weg um nicht geblendet zu werden.

Archibald bewegte sich minimal rückwärts, neigte die Klinge in einem anderen Grad und schon schnellte sie erneut vor. Fast wie eine Peitsche wurde sie über Dunwins Kreuz gezogen und hinterließen einen blutigen Cut auf Dunwins Rücken und ein Zähnefletschen in seinem Gesicht.

Bei der Aktion erkannte Dunwin erneut die Gefährlichkeit seines besten Freundes. Dunwin ließ blitzartig den Blick durch den Raum gleiten und setzte sich in Bewegung. Seine Schwerthand zuckte schützend nach vorn. Mit einem Satz war er über dem Tisch gesprungen und drehte sich blitzartig um.

Archibald setzte Dun sofort nach. Dunwin trat mit voller Wucht seine Seite des Tisches nach unten.

Die andere Kantenseite des Tisches knallte heftig krachend unter das Kinn von Archi und schickte ihn gefällt zu Boden. Arch schlug mit dem Schädel auf und blieb benommen liegen. Es dauerte einige Minuten, bis er sich gequält wieder aufrichtete.

Als er stand schlug er sofort mit dem Schwert nach Dunwin. Der Schlag war so brutal, dass die Waffe regelrecht durch die Luft zischte.

Dun zog eine Augenbraue hoch und sprang mit einer schraubenden Bewegung nach oben. Er schien kurz wie in der Luft zu stehen und trat mit unglaublicher Geschwindigkeit zu.

Archibald krachte in das Mobiliar, dass unter seinem Gewicht barst. Einen Moment lang schien die Zeit wie eingefroren, völlig reglos hielten die beiden inne, und Archibald starrte zu Dunwin hoch.

„Du sollst krepie…“, setzte er an, in dem Moment kassierte er einen Fausthieb mitten ins Gesicht.

Von Dornburg reagierte nicht. Keuchend starrte er nur Dunwin an, einen Atemzug lang… zwei, drei, dann bewegten sich beide gleichzeitig. Mit einem Satz war er wieder auf den Beinen und ging zum Angriff über.

Dunwin versuchte sein Schwert wieder in Position zu bringen um Arch die Waffe seitlich vor den Schädel zu schlagen. Arch zog sein Schwert schützend nach vorn um Dunwins Waffe abzuwehren. Er ging direkt daraus in eine Seitwärtsdrehung über und schlug aus der Abwehrhaltung direkt in einen Angriff übergehend zu.

Sein Schwert prallte gegen Dunwins Armschutz. Dunwin zuckte zur Seite und trat erneut zu. Vom Schwung des Treffers wurde Archibald rücklings über die Überreste der Einrichtung geschleudert und kam krachend in den Splittern auf.

Dabei wurde einer der Tanks, der an der Zimmerwand stand, ebenfalls mitgerissen und kippte mit lautem Krachen um. Entsetzt versuchte Arch noch den Tank abzufangen und sich herumzuwälzen – vergebens. Die Flüssigkeit die aus dem Tank schwappte, übergoss ihn.

Von Dornburg schrie gequält auf und stürzte komplett in das zertrümmerte Mobiliar. Geschwächt kroch er keuchend wie unter Zeitlupe aus der Flüssigkeit die sich als Pfütze ausbreitete.

Weit kam er nicht, ehe er zusammenklappte und liegen blieb. Er leckte sich über seine für einen Menschen viel zu scharfen Zähne, als Dunwin genau vor seinem Gesicht stehen blieb und ihm mit der flachen Seite des Schwertes gegen die Schläfe tippte.

"Du solltest lernen Deine Unberechenbarkeit zu pflegen Arch...
Kenne Deinen Feind... ich kenne Dich...
Du setzt sofort nach...

So bist Du mir in die Falle gelaufen...
Wärst Du zurückgewichen, anstatt nachzusetzen...
Dann hättest Du den Tisch nicht unterm Kinn gehabt...", grinste Dunwin und reichte Archibald eine Hand.

Erneut leckte sich Archibald über die Lippen und ein Schmunzeln umspielte sie nun. Ein bisschen Spielen als Wiedergutmachung für seine Niederlage konnte nachher nicht schaden. Arch ergriff die Hand von seinem besten Freund und ließ sich auf die Beine ziehen.

"Danke für die Lehrstunde Papa!", murrte Arch.
„Das war kein Angriff, sondern eine Erläuterung Archi…“, warf Dunwin ein.

"Leck mich", zischte Archibald.
"Was?", hakte Dun schneidend nach.

Einige Sekunden starrte Archibald Dunwin an, sah nichts als reine Entschlossenheit in dessen steinharten und kalten Blick. Kein Spiel… schoss es ihm durch den Kopf, für Dunwin war das kein Witz…

Mit ergebener Geste neigte Arch den Kopf und zog sich ein Stück zurück. Dunwin grabschte Archibald im gleichen Moment am Unterkiefer.

„Meinst Du vielleicht, dafür hätte ich Dich als meinen Vertrauten ausgesucht?“, schnauzte Dunwin Arch an und stieß ihn mit einer groben Geste demonstrativ von sich.

„Verzeih mir meine Worte. Das weißt Du doch. Ich folge Dir, das ist alles was ich mir wünsche. Zeig mir eine Möglichkeit, wie dass hier nicht mit meinem völlig bedeutungslosen Tod endet, und ich werde mich voller Freude daran machen, für Dich diese ganze gottverlassene Welt in Stücke zu reißen.

Wenn Du es wünscht... wenn Du es befiehlst, bin ich Dein ganz persönlicher Todesengel... wie immer“, erinnerte Archibald Dunwin und kratzte sich mit seinen Krallen gedankenverloren am Kopf.

Bei ihm wirkte diese Handlung grotesk, die nicht zu seinem Erscheinungsbild passte. Auf der einen Seite einfach zu bizarr und unheimlich, auf der anderen wiederum so fremdartig dass es lustig wirkte.

"Ich weiß noch etwas... mein Todesengel...", grinste Dunwin.
"Aha... was?", hakte Arch verunsichert nach.

"Du hast heute gegen mich sowas von verschissen", lachte Dunwin.

Hunger -- 165 n.d.A.

Verfasst: Di 19. Dez 2017, 10:54
von Archibald von Dornburg
Hunger -- 165 n.d.A.

Jesper strich sich seine struppigen, langen, roten Haare aus dem Gesicht. Arch hatte scheinbar mitten in der Nacht das Bett verlassen. Jesper tapste gähnend nach unten in den Keller um sich noch einen Snack zu holen und dort nach Arch Ausschau zu halten. Arch liebt es dunkel und bevorzugte Kellerräume als Wohnort, aufgrund seiner Migräne.

Als Jesper vor der Kellertür stand hörte er ein seltsames Wimmern, dass in einem Gurgeln unterging. Seine Hand verharrte über der Türklinke. Jesper schluckte und drückte lautlos die Klinke herunter. Ganz behutsam schob er die Tür auf, um keinen Laut zu verursachen.

Jesper erblickte eine Person mit einer kräftigen, drahtigen und dennoch muskulösen Figur, die von Narbengewebe, sonderbaren Tätowierungen und Jahrzehnten intensiver körperlicher Konditionierung gezeichnet war. Der Mann hielt den Kopf gesenkt. Archibald.

Er starrte auf Archibalds Rücken, der nackt auf seinen Fersen hockte und angespannt etwas in seinen Klauen hielt. Die seltsamen Tätowierungen auf seinem Rücken schienen im Zwielicht des Kellers zu einem Eigenleben erwacht zu sein. Sobald man sie nur aus den Augenwinkel sah, schienen sie sich wie Schlangen zu winden, starrte man sie genau an verharrten sie, als wollten sie einen verhöhnen.

Jesper sah die Anspannung in Archs Körper, er sah die Schulter- und Nackenmuskulatur unter Anstrengung arbeiten. Schlagartig dämmerte es Jesper, was Archibald dort gerade tat. Er fraß etwas mit animalischer Gier.

Die Szene wirkte surreal, das schummrige Licht, die Tätowierungen, die dämonische Körperhaltung von Arch und dies alles untermalt von leisen, reißenden, knackenden Geräuschen die Jesper einen Schauer über den Rücken jagten.

"Archi?", flüsterte Jesper.

Archibald wirbelte mit krank machender Geschwindigkeit herum und fixierte Jesper mit dunklen Augen. Seine Zähne, Lippen und sein ganzer Hals waren blutverschmiert. Blut- und gewebeverschmierter Geifer rann Arch träge in zähflüssigen Fäden die Lippen herab. In Archibalds Blick lag kein Wiedererkennen. Auf seinen Zügen spiegelte sich eine Mischung aus Gier, Trieb und Wahnsinn.

Sein Kopf fuhr für eine Sekunde herum, um einen Mundvoll Fleisch und Knorpel aus seinem Opfer heraus zu reißen. Archibalds Wangen sanken ein als er den großen Klumpen seine Kehle herab zwang und ihn herunter schluckte. Archibald richtete sich ruckartig halb auf, sein Blick brannte sich in den von Jesper und seine Lippen zogen sich zu einem Zähnefletschen zurück.

"Ruhig Arch, ganz ruhig", flüsterte Jesper beschwichtigend und ging ganz vorsichtig einen Schritt zurück.

Arch legte den Kopf schief, blinzelte und setzte sich wieder auf seine Fersen. Archibald wandte sich von Jesper ab. Erneut hörte Jesper wie sich die messerscharfen Zähne von Archibald in Fleisch und Knorpel gruben. Es folgte eine ruckartige Seitwärtsbewegung seines Schädels und das reißende Nachgeben von Fleisch. Gefolgt von schmatzenden Schluckgeräuschen und einen wollüstigen Stöhnen.

Ein Wimmern von etwas das gerade noch lebte. Eine nicht klar auszumachende Handbewegung von Arch. Ein Blutschwall samt Darmstränge klatschte zwischen seine nackten Füße auf den Boden. Arch hockte sich in Zeitlupe auf die Knie und umschlag das was er in den Armen hielt felsenfest. Die anschließenden Bewegungen waren sehr eindeutig und ließen keine Frage offen, was Arch dort tat.

Jesper presste sich die Hand auf den Mund. Er atmete tief durch, aber der Blutgestank raubte ihm fast den Atem und er hatte Mühe auf den Füßen zu bleiben. Er verließ rückwärts so schnell er konnte den Raum und schloss hinter sich die Tür.

Rettung

Verfasst: Di 19. Dez 2017, 10:55
von Archibald von Dornburg
Rettung

Der Henker las gerade den Passus der Urteilsverkündung aus der entrollten Schriftrolle in seinen Händen vor.

"...Aufgrund 46-fachen nachgewiesenen Mordes wird die Angeklagte...", weiter kam der Henker nicht.

Eine komplett schwarz vermummte Gestalt sprang mit einem gewaltigen Salto auf die Henkersplattform. Zum Salto nutzte sie ihr Schwert, dass sie waagerecht wie eine Stange fest in beiden Händen hielt.

Kaum dass die Gestalt katzenhaft aufkam, riss sie das schlanke Schwert aus der Scheide.

Der Kopf eines Büttels wurde im gleichen Augenblick von den Schultern geschlagen, als die Schwertscheide dem Kollegen in den Kehlkopf gerammt wurde.

Der Henker ließ sofort die Schriftrolle fallen und griff nach seinem gewaltigen Richtschwert. Die Gestalt richtete sich in einer schraubenden Bewegung auf, fast wie ein mörderischer Ballett-Tänzer und hielt damit die anderen Büttel auf Abstand.

Mit einem zornigen Aufbrüllen warf sich der Henker auf die schwarze Gestalt und stürmte mit seiner gewaltigen Waffe voran. Er riss das Richtschwert in die Höhe und riss die Klinge mit beiden Händen brutal nach unten, um den Angreifer an Ort und Stelle zu zerschmettern.

Der Angriff war schnell für einen Mann seiner Statur. Ein Werk wütender Brutalität, als wäre der Henker die Gerechtigkeit persönlich.

Dennoch war er zu langsam.

Zur Seite springend war die Gestalt herumgewirbelt und hatte mit dem dünnen Schwert die gewaltige Waffe pariert und sofort von sich abgelenkt. Zeitgleich drehte sich der Angreifer in den Wirkungsbereich des Henkers hinein, stach diesem blitzartig in den Bauch und riss sofort seine Waffe wieder zurück. Dabei flammten seltsame Symbole auf seiner Klinge auf.

Schmerzerfüllt stöhnte der Scharfrichter auf. Der Henker verpasste dem Angreifer einen Tritt und schwang erneut das gewaltige Schwert.

Während er sein Schwert im Zuge seines fegenden Schlages allein durch die Wucht schon vor sich ausgestreckt hielt, war der Angreifer bereits zurück und klebte ihm erneut an den Fersen.

Der Vermummte wehrte den Angriff erneut mit dem schmalen Schwert ab und stürzte sich direkt wieder auf den Henker, um ihn mit einer blitzartigen Abfolge von Schwertstößen, Schnitten und Schlägen einzudecken.

Der Angreifer drängte den Henker zurück, ohne selbst einen Millimeter Boden aufzugeben.
Der Scharfrichter war eigentlich ein ruhiger und besonnener Mann, aber der Vermummte schaffte es ihn in Panik zu versetzen. Die permanenten, blitzartigen, körpernahen Angriffe ließen dem Henker nicht eine Sekunde der Erholung und forderten auch geistig ihren Tribut.

Dreimal zischte das gewaltige Schwert am Gesicht des vermummten Angreifers vorbei. Der vierte Schwertschlag verfehlte ihn nur um Millimeter. Dies alles schien den Vermummten nicht aus der Ruhe zu bringen, denn er wich mit den Reflexen einer Viper aus und genauso schlug sein Schwert zu.

Die Klinge des Scharfrichters wurde schlagartig so umgelenkt, dass sich der Henker fast selbst den Kopf abrennte. So gerade noch konnte er die eigene Waffe herum reißen.

Dem Henker wurde eines klar - wofür auch immer dieser Vermummte stand, er kämpfte um zu töten.

Sollte es ihm nicht gelingen sich den Mann noch einige Augenblicke bis zum Eintreffen der Verstärkung vom Leib zu halten, würde er selbst als Leiche auf dem Platz zurückbleiben. Ein gerichteter Scharfrichter.

Einen Augenblick später zischte die schwere Klinge des Richtschwertes über den Kopf des Angreifers hinweg. Dieser ließ sich blitzartig in einen Spagat fallen.

Wie eine Schlangenzunge zückte urplötzlich dessen Klinge vor. Aber anstatt Fleisch, Sehnen und Knochen des Henkers zu durchtrennen, durchtrennte die Klinge die Fesseln der Frau die vor dem Richtblock kniete.

Wackelig kam sie auf die Beine, während der Scharfrichter wie ein wütender Stier zu der Frau und dem Vermummten herumwirbelte.

Der Angreifer bezog vor der Frau Stellung, griff sich auf den Rücken und drückte ihr ein Schwert in die Hand. Sie ergriff es wortlos und zückte sofort die Klinge. Der Henker blickte von dem Vermummten zu der Verurteilten.

Wie dieser Kampf für ihn enden würde, sollte er bleiben und weiterkämpfen, war klar. Der Tod schwebte über ihm wie ein Aasgeier und streckte bereits seine Krallen nach ihm aus.

Aus heiterem Himmel versuchte ein Büttel sein Glück und ging zum Angriff auf den Vermummten über. Er kassierte einen derart harten und schnellen Seitwärtstritt, der ihn nach hinten schleuderte und gegen die gegenüberliegende Wand knallte.

Auf den Gesichtern der Zuschauer spiegelte sich Verwirrung, Verzweiflung, Angst und schieres Grausen.

Die Befreite musterte ab und an verstohlen den Vermummten und wartete darauf, dass dieser eine Erklärung abgab. Irgendwie musste diese Rettungsaktion einen Sinn ergeben.

Ein Falke überflog die Szenerie und stieß einen hellen, lauten Schrei aus. Einen Moment später legte der Vermummte den Kopf schief. Er hörte das ferne Stampfen von Stiefeln, Verstärkung! Die Männer schlugen ihre Richtung ein.

Sie mussten schleunigst verschwinden. Sein Kampfstil war auf Geschwindigkeit, Geschicklichkeit und absolute Präzision ausgelegt, nicht auf grobe Kraft und Ausdauer. Aus diesem Grund entledigte er sich seiner Gegner meist mit exakten Schnitten und Stichen binnen weniger Augenblicke.

Sein Jahrzehnte langes, knallhartes Training hatte seine mörderischen Fähigkeiten auf ein Optimum angehoben. Jetzt bereitete er sich darauf vor, dass volle Ausmaß seiner Begabungen abzurufen, um lebend mit der befreiten Frau zu fliehen.

Er verharrte für einen Augenblick, dann ergriff er die Befreite am Oberarm und stürzte wie ein Besessener los.

Der Vermummte sprang wie ein Panther mitten in die Gruppe der restlichen Büttel hinein und der tödliche Tanz seines Schwertes begann erneut.

Dem ersten Mann trennte er knapp unter der Schulter den Waffenarm ab, noch während dieser kreischend zu Boden stürzte war der Vermummte weiter getänzelt und hatte dem nächsten Gegner die Klinge genau in die Drosselgrube gegraben. Erneute eine fließende Seitwärtsdrehung, diesmal mit genügend Wucht und dem nächsten Gegner wurde der Kopf von den Schultern geschlagen.

Die Befreite hinter ihm hieb einem der Büttel ihre Klinge genau zwischen die Augen und löste sie dann mit einem Fußtritt. Sie blieb genau im Schatten ihres vermummten Retters, dessen seltsame Klinge in einem unheimlichen, matten Glühen erstrahlte und Gliedmaßen von Körpern schlug, als raste die Waffe erhitzt durch Butter.

Die Büttel hielten weder diese Klinge noch diesen Mann auf.

Klinge und Kämpfer schienen fast wie eine organische Einheit, deren Hunger nach Blut und Tod nicht zu stillen war. Ein abgehackter, kurzer Doppelhieb und die Klinge fraß sich wieder durch zwei menschliche Hälse.

Die enthaupteten Leichen stürzten zu Boden, der Vermummte setzte leichtfüßig darüber hinweg. Der Vermummte ergriff die Befreite und sprintete dermaßen schnell los, dass die Frau Mühe hatte, überhaupt mit ihm Schritt zu halten.

Aus den Seitengassen erklang Lärm, es wurde Alarm geschlagen. Der Falke folgte ihnen am Himmel und schien ihre Verfolger zu lotsen.

Der Vermummte blieb kurz stehen, sah sich mit ruckartigen Bewegungen um und setzte die Flucht fort. Er bewegte sich mit unglaublicher Geschwindigkeit und Flinkheit durch die engen Gassen von Chateaub.

Ein Einschlag genau unterhalb des Schulterschutzes seiner rechten Schulter. Er stolperte, stürzte beinahe, aber er fing sich so schnell wie er gestrauchelt war. Seine Schulter wurde taub, aber er schüttelte das Gefühl mit einem Zähnefletschen ab.

Der Schmerz in seiner rechten Schulter war reißend, brannte hinab bis durch seinen Arm und seine Brust. Er biss die Zähne so fest aufeinander, dass sein Kiefer schmerzte. Mit der linken Hand schob er die Befreite vor sich und schon ging die Flucht weiter.

Der Vermummte dirigierte die Frau an der Schulter durch die Gassen und wählte nun jene die mit Markisen und ähnlichem überdacht waren.

Obwohl sie hier ihr ganzes Leben Zuhause gewesen war, hatte sie bald den Überblick verloren wo sie sich befanden.

Eine Tür tauchte vor ihnen auf, die er mit einem gezielten Tritt öffnete. Der Vermummte stieß sie hinein und warf die Tür hinter sich wieder zu. Er drehte sich einmal kurz um sich selbst, dann führte er die Frau tiefer in die Gewölbe des Hauses.

Der Vermummte blieb abrupt in einer dunklen Nische stehen.
Modrig nasser Geruch stieg der Frau in die Nase.
Die Kanalisation war nicht mehr weit entfernt.

Der Vermummte bewegte probeweise die Finger seiner rechten Hand. Er ergriff den linken Arm der Frau und schlitzte ihr den Ärmel des Galgenhemdes mit einem Dolch bis zum Ellenbogen auf.

Der Mann hielt ihren Arm fest und steckte seine Waffe weg. Mit den Fingern seiner freien Hand strich über behutsam über die Tätowierung, die auf dem linken Unterarm der Frau prangte.

"Derya... Derya de Littneaux, Tochter von Merna de Littneaux...", stellte er ruhig fest.
"Wer will das wissen?", gab sie verunsichert zurück.
"Archibald von Dornburg", antwortete der Mann.

Er nahm seine Vermummung ab und entblößte seinen eigenen linken Unterarm.
Zum Vorschein kam die gleiche Tätowierung wie sie die Frau trug.

Sie strich ebenfalls mit einem Finger darüber und schaute ihm dann mit großen Augen an.

"Vater...".

Zuber -- 165 n.d.A.

Verfasst: Do 21. Dez 2017, 11:05
von Archibald von Dornburg
Zuber -- 165 n.d.A.

Archibald lag im heißen, dampfenden Wasser des Zubers. Sein Kopf hing über dem Rand in absolut entspannter Pose, während der Rest seines Körpers im heißen Wasser entkrampfte. Seine Muskeln fühlten schon wesentlich besser an, die letzte Schlacht hatte ihren Tribut gefordert.

Leise Schritte näherten sich ihm von hinten. Arch schlug die Augen auf. Im Dämmerlicht erkannte er Merna de Littneaux, die sich ihm nackt näherte. Aus seiner Blickposition heraus, stand sie auf dem Kopf, was er irgendwie belustigend fand.

Merna blieb vor dem Zuber stehen und streichelte Archibald zärtlich über sein stoppeliges Kinn und seine Kehle. Er rührte sich nicht, sondern schaute sie einfach an. Merna ihrerseits starrte auf Archibald herab. Es war einfach bizarr, dass er keinerlei Regung im Blick hatte.

Er schaute einfach nur, kein Funken Begehren im Blick. Sie hätten beide splitternackt gemeinsam in dem Zuber sitzen können, oder voll bekleidet in der Fußgängerzone der Hauptstadt stehen können, sein Blick zeigte keinen Unterschied. Er sah nur Merna die Kameradin. Dies wiederum hatte eine extrem beruhigende allerdings auch enttäuschende Wirkung auf sie.

"Jesper hat mir verraten wo ich Dich finde, ich wollte mich für die Rettung bedanken Archi", flüsterte Merna und strich ihm durch seine schwarzen, nassen Haare.

Ein kaum merkliches Schmunzeln umspielte seine Lippen. Da er nicht antwortete, stieg sie kurzerhand mit in den Zuber und machte es sich gemütlich. Arch rutschte bereitwillig und machte ihr Platz.

"Wie soll der Dank denn aussehen?", fragte Arch grinsend und warf Merna den Badeschwamm zu.
"Das darfst Du Dir aussuchen Arch", gab Merna zurück und fing geschickt den Schwamm auf.
"Leiere Dunwin eine Flasche von seinem edelsten Roten aus den Rippen, dazu eine Tafel Schokolade", schlug Arch gut gelaunt vor.

Merna hielt mitten in der Bewegung inne. Dann kroch sie ganz langsam der Länge nach Archibalds Körper hoch, so dass sich ihre Nasen fast berührten. Arch musterte sie erstaunt, ließ sie aber gewähren.

"Würde ich es nicht besser wissen, würde ich glauben Du veralberst mich Archi", grinste sie ihn an.
"Nichts läge mir ferner...", säuselte er freundlich.

"Jesper hatte Recht was Dich betrifft Archi. Du bist ein wenig schwer von Begriff", kicherte Merna.
"Dann klär mich auf... Merna", griente Archibald gut gelaunt.

"Du hast mir das Leben gerettet. Wir mögen uns, wir feiern oft zusammen, wir tanzen, lachen, singen, saufen... da liegt ein besonderes Dankeschön doch nahe. Wir beide gönnen uns zu zweit etwas Spaß, oder wir gönnen uns den Spaß zu dritt mit Jesper. Dem Guten hast Du bereits Deine Gunst geschenkt. Worauf hast Du Appetit Arch?", säuselte Merna und küsste Archibald sanft auf den Mund.

Archibald erwiderte den Kuss und umarmte Merna.

"Die Rettung war selbstverständlich und ein reiner Freundschaftsdienst. Zudem feiere ich gerne mit Dir, ebenso mit Jesper. Wir spielen zu dritt", grinste Archibald vergnügt.

Nestwärme - Monster und Bestie

Verfasst: Mo 25. Dez 2017, 20:39
von Archibald von Dornburg
Nestwärme - Monster und Bestie

Archibald genoss noch einen Moment die Wärme, während er neben seinem besten Kumpel tief in Decken eingekuschelt im Bett lag, ehe er Dunwin knuffte.

„Arch?“, hakte Dunwin leise nach.
„Ja?“, gab dieser genauso leise zurück.

„Wegen Deinem Problem…“, setzte Dunwin an.
„Ich… ich kann kämpfen, gib mir noch ein paar Minuten… dann bin ich einsatzbereit“, flüsterte Archibald.

„Archi rede keinen Unfug, so war das nicht gemeint. Ich wollte sagen, wegen Deiner Kopfschmerzen musst Du wirklich dringend zum Heiler, sowas habe ich bei keinem erlebt. Du hast es zwar nicht oft, aber auch nicht selten… meine ich“, erklärte Dunwin.
„Kopfschmerzen?!?“, keuchte Arch tonlos und starrte Dunwin eisig an.

Dunwin quittiert den Blick mit einem Kuss auf die Stirn.

„Wie soll ich es sonst nennen? Es sind doch Kopfschmerzen oder nicht Archi? Nur mit solchen extremen Schmerzen verbunden, dass Du unter Krämpfe zusammenbrichst. Und ich weiß was Du für Schmerzen einstecken kannst. Also werden wir zum Heiler gehen. Keine Widerrede, ich kann mir das nicht mit länger ansehen. Warum meinst Du habe ich neben Dir gepennt? Weil Du mir am Arsch vorbei gehst? Ich war besorgt… ich hatte… nun ich hatte Angst um Dich Du Blödmann. Weißt Du woher es kommt? Hattest Du mal einen Unfall oder eine Verletzung? Was weißt Du darüber?“, hakte Dunwin nach.

„Danke Dun. So gesehen Kopfschmerzen. Sie sind angeboren, mein Großvater hatte es. Der Scheiß überspringt immer eine Generation. Es gibt keine Heilung, nur Vermeidung der Auslöser. Zu helles Licht, zu schräge, zu hohe, zu laute Geräusche. Manchmal wenn was im Anmarsch ist, kann ich es noch unterdrücken, indem ich mich in die Dunkelheit verziehe oder mir Rotwein und Schokolade reinziehe. Frag nicht warum, es hilft bis zu einem gewissen Grad. Aber ist der Grad überschritten, kann ich machen was ich will, ich werde einen Anfall bekommen. Das Schlimme ist nicht mal der Anfall, sondern dass Wissen was gleich passiert. Die absolute Hilflosigkeit in der Situation. Ich denke ich kann mit Recht behaupten ein ziemlich wehrhafter Gegner zu sein, aber in dem Zustand bin ich… weniger als nichts… Dreck…“, erklärte Archibald matt.

„Rede keinen Unsinn. Du bist krank, das ist eine tatsächliche Krankheit. Nicht so ein Pseudoscheiß wie ihn meine Alte hat. Die ist nicht krank, die hat nur keinen Bock sich irgendwie zu betätigen und schweift soweit mit ihren Gedanken ab das dusslige Luder, dass sie nicht mehr zurück findet. Dreck bist Du ganz sicher nicht, ich kenne Dreck, ich musste ihn heiraten. Die Alte verliert sich in ihrem geistigen Nirgendwo. Die hat weder Schmerzen, noch ist die Pflaume krank, die tickt einfach nicht ganz sauber. Jesper sagte Sex würde gegen einen Anfall helfen, stimmt das?“, lachte Dunwin leise.
„Es stimmt, aber den benötige ich davor und nicht danach. Sowas verschweigt Dir Jesper?“, gibbelte Archibald.

„Scheinbar, echt unerhört wo ich ihm eigentlich alles erzähle. Du hast ihm Deine Gunst geschenkt, sagte er. Was heißt das genau? Wer mit wem?“, fragte Dunwin neugierig und zündete eine Rauchstange an. Er schob sie Archibald in den Mundwinkel und zündete sich danach eine eigene an, „für Dich Archi.“
„Zuletzt ich mit ihm, aber ist auch schon anders herum vorgekommen“, schmunzelte Arch und rauchte genussvoll die Rauchstange.

„Eigentlich doch gar nicht Dein Beuteschema Archi. Du erstaunst mich. Und?“, hakte Dunwin nach und streckte sich lang neben Archibald aus.
„Und was?“, fragte Arch Retour.

„Und wie war es…“, grinste Dunwin.
„Hast Du es mit einer Alten schon mal von hinten getrieben?“, grinste Arch zurück.
„Ja klar“, antwortete Dun ehrlich.
„Ist genauso. Nur fassen sie sich eben anders an. Grober, derber, da ist nichts sanftes oder zartes, nichts weiches, anschmiegsames. Geht trotzdem, wie so oft – denk Dir einfach Deinen Teil. Das Beste daran ist die Rückenmassage“, gähnte Archibald.

„Wer sie? Die Frauen? Frauen fassen sich doch zart an“, grübelte Dunwin.
„Die Alten… geschlechtsunabhängig“, erklärte Arch und rollte sich auf den Rücken.

„Du kannst die Alte ausgeliehen haben, falls Du sie eine Eigenbehandlung benötigst“, lachte Dunwin.
„Ist das irgendwie ein schräges Angebot?“, gibbelte Arch.

„Ja“, prustete Dun.
„Nach der steht mir echt nicht der Sinn“, grinste Arch mit Raubtiergrinsen.

„Ein Gutes hat sie doch, sie rührt sich nicht und hält ihr dummes Maul. Was willst Du mehr?“, antwortete Dun und angelte den Aschenbecher vom Beistelltisch.
„Im Moment möchte ich gar nichts, außer im Bett liegen bleiben bis ich wieder klar sehen kann“, murmelte Archibald.

„Gut anderes Thema, man sagt das Fleisch schmeckt wie Hähnchen. Stimmt das? Und falls ja, warum kaufst Du Dir kann nicht einfach 2 Kilo Hähnchenfleisch“, fragte Dunwin neugierig.
„Probier es, dann weißt Du es“, lachte Archibald.

„Na los sag jetzt Archi“, gab Dunwin zurück und knuffte seinen besten Kumpel.
„Nein das schmeckt nicht wie Hähnchen. Man sagt auch Schlangen schmecken wie Hähnchen. Schlangen schmecken nach Schlangen und Hähnchen schmecken nach Hähnchen. Jedes Fleisch hat seinen Eigengeschmack. Und das Leckere daran ist nicht allein der Geschmack an sich, sondern es ist mehr. Die Belohnung für eine erfolgreiche Jagd. Ich hebe Dir mal ein Stück auf“, gab Archibald zurück und drückte die Rauchstange im Aschenbecher aus.

„Kann man das auch gebraten essen? Ich weiß nicht ob ich rohes Fleisch runter bekomme. Das wäre ja dann auch ungewürzt“, grübelte Dunwin.
„Man kann glaube ich alles in die Pfanne werfen oder? Naja ich vermute es jedenfalls. Solange Du es nicht anbrennen lässt, müsste es essbar bleiben. Wir gehen von völlig unterschiedlichen Empfindungen aus. Rindfleisch kann man auch roh essen und zwar hauchdünn geschnitten. Das hast Du schon gegessen und hat Dir geschmeckt. Man isst es allerdings nur so dünn, da man so mehr vom Eigengeschmack hat und die meisten nicht über eine passende Kauleiste verfügen ein größeres Stück zu verspeisen. Ich mag kein gewürztes Fleisch. Es muss pur schmecken, sonst taugt es nichts. Meiner Meinung nach, aber Meinungen sind verschieden, genau wie Geschmäcker“, sagte Archibald und stopfte sich das Kopfkissen zu Recht.

„Stimmt, Schabefleisch isst man ja auch roh auf Brot… mit Peffer und Zwiebel…“, antwortete Dunwin und stellte den Aschenbecher beiseite. Er deckte sich wieder gemeinsam mit Archibald zu. „Geht es Dir ein bisschen besser? Ich dachte mir Ablenkung hilft.“
„Tut es, Dankeschön. Lass uns noch eine Stunde schlafen oder zwei oder drei…“, schlug Archibald vor.

„Schlaf Dich gesund, ich bin da falls Du mich brauchst. Ich lese noch ein bisschen was“, erklärte Dunwin und schnappte sich sein Buch vom Beistelltisch. Archibald hob als Antwort nur den Daumen, mummelte sich in die Decke und schloss die Augen.

Befreit -- Jahr 155 n.d.A.

Verfasst: Mo 1. Jan 2018, 02:03
von Archibald von Dornburg
Befreit -- Jahr 155 n.d.A.

Ich schlich ihm nach versuchte dabei so friedlich und ungefährlich wie möglich auszusehen.
Irgendwas anderes war in meinem Bewusstsein auf einmal aktiv...
Uralte Instinkte übernahmen die Herrschaft...
`Gehorche... jage... greif ihn Dir....´, schrie es in meinen Gedanken.

Als ich mit ihm auf gleicher Höhe war schmunzelte ich zu ihm herunter und er schaute zu mir auf. In dem Moment schloss sich meine Hand von unten blitzartig um seine Kehle, sofort jeden Laut erstickend. Meine Krallen schossen seinen Hals hoch. Mein Mittelfinger und Daumen bohrten sich in seine Ohrgruben und seine Beine gaben unter ihm nach.

Aus der gleichen Bewegung heraus, riss ich ihn nach oben und nahm ihn auf den Arm, so als würde er schlafen.
Ich hatte ihn mir gegriffen... ich hatte ihn erbeutet...

Ich erinnere mich daran, dass ich mich fühlte als hätte ich mit dem Gehorchen etwas in meinen Verstand eingeladen, etwas das unterbewusst schon immer dort schlummerte. Ein Erbe von dem entweder niemand in der Familie wusste, oder wissen wollte.

Als ich meine Krallen um seinen Hals schloss, beschwor ich die Kraft der Bestie herauf...
Sie krachte wie eine gewaltige, schwarze Welle in meinen Verstand und verschlang ihn...
So reißend, dass ich ihr nicht widerstehen konnte... nicht widerstehen wollte...
Sie sang von Macht... Befriedigung... Dingen die ich nicht kannte...
Ich wusste damals nicht, was ich tatsächlich in meinen Verstand eingeladen hatte...

Lief ich weiter, blieb nur noch eine offene Richtung… die Kippe. Zu auffällig. An der nächsten Biegung drehte ich um und gab Fersengeld. Ich rannte bis ich die ersten Schiffswracks sah. Sprang über Kies und Geröll, fand einen großen Stein und ließ mich darauf nieder.

Ich packte mein "Futter" aus und sah mich sichernd um.
Niemand war da – jedenfalls nicht in unmittelbarer Nähe.

Meine Hände zitterten als ich das Fleisch auspackte, es roch unwiderstehlich...
Sollten mich jetzt die Büttel erwischen und mich abknallen, es wäre mir gleichgültig gewesen...

In diesem Moment zählte nur dass ich das Fleisch fressen wollte...
Die Zähne in dieses Stück Fleisch schlagen wollte...
Es mir einverleiben wollte... eins mit ihm werden wollte... es war warm... und weich...

Es leistete einen Moment Widerstand...
Ich hatte voller Verlangen vergessen, dass wir als Menschen Fleisch gar nicht roh fraßen.

Ich riss es über die hinteren und unteren Reißzähne – so ging es!
Mit großer Anstrengung drangen sie in das Fleisch ein und rissen einen großen Brocken heraus...

Meine Zähne schmerzten, sie waren für diese Nahrung noch nicht geschaffen...
Sie waren noch nicht angepasst... und sie waren diese Nahrung nicht nicht gewöhnt...

Ich war glücklich... kümmerte mich nicht darum, dass mir Sabber und Blut am Kinn hinab liefen und selbst die kleinen Gossen-Ratten Angst vor mir hatten...
Das mit der Kauerei wurde mir zu mühsam...

Heute habe ich nur noch oben die vier menschlichen Schneidezähne, der Rest meiner Zähne wurde angeschliffen zu messerscharfen Reißzähnen...
Damals musste ich mit dem auskommen, was Mutter Natur mir geschenkt hatte...

Kein Mensch würde auf die Idee kommen über 2 kg Fleisch am Stück zu fressen...
Aber irgendwas in meinem Inneren zwang mich dazu...
Es sagte mir dass es geht...
Dass es ganz normal so ist....

Also schlang ich einen großen Brocken des herausgerissenen Stücks mit urtümlicher animalischer Befriedigung herunter...
Und Tatsache es ging....

Dass Schlucken von dem saftigen Brocken Fleisch war ein purer Rausch...
Glück... Ekstase... Verzückung... es gibt kein Wort für dieses Gefühl...

Die Bestie veränderte mich... verwandelte mich...
Ich spürte sie als dunkle Welle der Linderung und Geborgenheit, die durch meinen ganzen Körper floss....
Befreit...

Rumhängen -- 180 n.d.A.

Verfasst: Di 2. Jan 2018, 02:22
von Archibald von Dornburg
Rumhängen -- 180 n.d.A.

Jesper betrat das Wohnzimmer am Morgen und stellte fest, dass Archibald im Lesesessel eingeschlafen war. Die Beine hatte er über die eine Lehne gehangen, während er selbst tief in den Sessel heruntergerutscht war. In seinen Krallen hielt er immer noch die Karte, die er am Abend für ihren Einsatz studiert hatte.

Jesper wollte sie ihm behutsam aus den Fingern ziehen, in dem Moment wurde Archibald wach. Verschlafen blinzelte er van Verling an.

"Morgen Arch, komm lass los. Du zerknitterst die Karte", erklärte Jesper freundlich.
"Morgn... Karte?", nuschelte Arch.
"Karte", bestätigte Jesper und nahm sie Archibald behutsam ab.
"Danke. Ich bin eingeschlafen", gähnte Arch und reichte Jesper eine Hand.
"Was ist los?", grinste Jesper.
"Ich komm mit dem Hintern nicht mehr hoch, ich bin eingerostet und meine Beine sind eingeschlafen. Hilf mir", schmunzelte Arch verlegen.
"Na komm her", lachte Jesper leise und hob Archibald aus dem Ohrensessel.

Er stellte seinen besten Kumpel auf die Füße und wartete geduldig ab. Arch schlang ihm die Arme um den Hals und hielt sich an Jesper fest.

"Ist das eine Scheiße. Du hast ja die Vorhänge zu gelassen, Dank Dir. Schmeißt Du mich aufs Bett uns massiert mir das Kreuz? Sonst bin ich nachher total verspannt, darfst Dir auch eine Belohnung nehmen. Nur bitte diesmal vorher die Massage", flüsterte Arch.
"Sicher gerne, mache ich auch ohne Belohnung. Beim nächsten Mal lasse ich Dich nicht so schlafen, ich wollte Dich nur nicht wecken. Na komm auf ins Schlafzimmer", grinste Jesper breit und warf sich Archibald über die Schulter.

"Nicht Deine Schuld, sondern meine eigene. Was setze ich mich auch immer so hin. Du hast auf alle Fälle was bei mir gut", gibbelte Arch.
"Alles klar", stimmte Jesper zu. Er pflückte Archibald von seiner Schulter und warf ihn bäuchlings aufs Bett.

"Mach es Dir gemütlich und streck Dich lang aus", befahl Jesper und hockte sich hinter Arch.
Archibald streckte sich gehorsam lang aus und Jesper schälte ihn aus seiner Kleidung. Für einen Moment legte er ihm seine große, flache Hand genau auf das Zeichen, das etwas unterhalb Archibalds Schulterblätter prangte, ehe er ihm den Rücken sanft herab strich.

"Warum machst Du das immer?", murmelte Archi.
"Ich glaube zwar nicht an das gleiche wie Du, aber Dir bedeutet es enorm viel, also zolle ich dem Respekt, was immer es ist. Mehr steckt nicht dahinter, mach Dir keine Gedanken", gab Jesper zurück und fing an Archibald zu massieren.

Arch schloss genussvoll die Augen.

"Bisschen Unfug quatschen?", bot Jesper an.
"Hirnfürze? Klar, ich bin dabei. Leg los Großer", freute sich Arch.

"Böse Frage, was würdest Du tun, wenn Du weiblich und schwanger wärst...", gibbelte Jesper.
"Echter Hirnfurz... mhm, austragen und Dir geben, wäre schließlich von Dir", lachte Arch.
"Wieso wäre das von mir?", hakte Jesper nach und massierte Archibald fester.
"Weil es nicht von Merna sein könnte, Du Scherzkeks", prustete Arch.
"Moment... Das heißt Du tust es nur mit Merna oder mir?", fragte Jesper baff.
"Ja Ihr seid die einzigen, denen ich meine Gunst schenke. Das andere Thema lassen wir ja?", bat Arch.

"Lassen wir, kein Problem. Das heißt, Du lässt niemanden ran, außer mich?", hakte Jesper nach und spürte wie er gewaltig geil wurde.
"Als Kerl stehst nur Du in meiner Gunst. Nur Du, kein anderer. Du bist der Einzige der sich das nehmen darf. Ich gewähre es Dir gerne. Dich befriedigt es, für mich ist es angenehm. Ist doch in Ordnung so", gab Arch zurück.

"Du bist mir treu...", flüsterte Jesper und küsste Archibald auf den Nacken.
"So gesehen ja. Dir und Merna", antwortete Arch.

"Könnte ich die Belohnung sofort haben?", fragte Jesper und packte Archibald fest in der Hüfte.
Arch musterte Jesper erstaunt über die Schulter.
"Wenn ich dabei so flach liegen bleiben kann, dann ja", antwortete Arch.

Jesper streichelte Archibalds Körper entlang nach oben und legte sich mit seinem ganzen Gewicht auf ihm ab und drückte ihn in die Matratze. Zeitgleich packte er ihn von unten an den Schultern und schob ihn nach unten. Er liebte ihn kurz und leidenschaftlich, ehe er einfach auf ihm liegenblieb und in Archibalds Haaren herumspielte.

"Was machst Du denn da?", lachte Arch leise.
"Dir ein paar Knoten in die Haare. Ich hab Dich lieb", flüsterte Jesper.