Das Labor


Famlie von Hohenfelde
Diese alte Adelsfamilie hat zahlreiche Geistmagier und Nekromanten hervorgebracht. Das Familienleben ist geprägt von Intrigen. Morde, auch innerhalb der eigenen Reihen, und arrangierte Ehen zur Erweiterung der Macht sind an der Tagesordnung. Als Familienmitglied benötigt man starke Nerven und gleichermaßen ein Händchen für Bündnisse und Hinterhalte.
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Dunwins Geist
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Das Labor

#1

Beitragvon Dunwins Geist » So 31. Dez 2017, 01:08

Das Labor


Zugang und Rondell

Die Gruppe blieb vor der gewaltigen SicherheitstĂĽr des Labors stehen. In Etappen flammte die Beleuchtung des Ganges auf und hinter ihnen bildete sich ein Gitternetz Flammenstrahlen.

„WARNUNG Autorisation erforderlich – geben Sie den erforderlichen Sicherheitscode ein.

20 Sekunden bis zur Auslöschung…

19, 18, 17, 16….“, zählte eine freundlich-neutrale synthetische Stimme der herunter. Genau jene Zeit die ihnen verbleiben würde, bis die Flammenstrahlen erreicht hätten und knusprig braun braten würde.

Archibald zog von einer seltsamen Apparatur einige Verkleidungen ab und machte sich dran, in dem "Ding" mit winzigem Werkzeug herum zu schrauben. Zeitgleich schien er etwas auszurechnen und murmelte irgendwelche Zahlenkolonnen in einer Art Sing-Sang vor sich hin.

„Archibald?“, fragte Harro vorsichtig nach.
„Moment“, sagte Arch hochkonzentriert.

„10, 9, 8…“, zählte die Stimme mit der freundlichen, gleichgültigen – geradezu desinteressierten Ruhe weiter, die nur eine Maschine oder ein von Hohenfelde besitzen konnte.

„Archibald könntest Du das Kreuzworträtsel für die Kaffeefahrt vielleicht auf den ein- oder anderen Tag verschieben? Hier ist gleich was warm“, zischte Harro Archibald zu.

Arch drĂĽckte nur noch einen Knopf und starrte dann gebannt auf sein Werk.

„5, 4,… 4… 4…
System muss neu geladen wer….“, erklärte die Stimme ehe diese im statischen Rauschen verstummte.

„Alle Sicherheitsmaßnahmen auf Stufe 0 zurückgesetzt“, sprach nun aus den gleichen Lautsprechern eine andere synthetischer Frauenstimme.

Plötzlich öffnete sich die Labortür zischend. Jesper und Damir postierten sich am Türrahmen, die Waffen feuerbereit im Anschlag. Guckten sich kurz an, nickten sich zu und stürmten ins Labor.

Beide sicherten den unmittelbaren Eingang mit ihren Waffen.

„Sicher!“, rief Jesper Archibald und den anderen zu.

„Nachrücken“, befahl Arch und folgte gemeinsam mit Harro seinen Männern mit der Repetierarmbrust im Anschlag. Die Nachhut bildeten Merna und Sunja.

Die Gruppe stand am Rand eines Abgrunds, der dem des Antriebes glich. Eine stählerne Brücke führte zu einem Rondell in der Mittel. Die Wände waren mit stählernen „Eiern“ verkleidet.

„Was beim Abgrund ist das?“, fragte Jesper und schaute Archibald fragend an.
„Ich weiß es nicht“, erklärte Arch.

„Ich… also ich erkenne das Leute“, sagte Damir.
„Du?“, fragte Jesper.

„Ja, glaub mir einfach. Das ist nicht nur ein Labor, sondern eine Fertigungsstätte. Aus früherer Zeit, als ich noch jung war, eben aus meinem alten Job. Das runde Ding, das Rondell ist ein Aufzug. Er muss ein Terminal haben. Mit dem können wir die Ebene bestimmen auf die wir wollen. Die Eier wie Du sie nennst beherbergen entweder Opfer – sprich Objekte die man benötigt für die Versuche, oder sie beherbergen fertige Ghule. Manche Nekros verwahren sie so. Rakshaner natürlich nicht“, erläuterte Damir.

Jesper schaute sich um und versuchte abzuschätzen wie viele Kammern es wohl waren.

„Meine Güte“, flüsterte er leise.
Damir stellte sich ganz dicht neben seinen Kameraden.

„Ja. Meine Güte. Und Du siehst nur eine Ebene. Und jedes Ei auf einer Ebene enthält eine Person, ein Schicksal, ein Wesen dass auf den Tod oder viel schlimmeres wartet, oder es schon hinter sich hat. Frostalben sind Menschen völlig gleichgültig, glaubt es mir“, sagte Damir leise.

"Drama Baby... Drrraaammmaaaa!", lachte Archibald.
"Danke Arch - kommt“, sagte Damir und rückte zum Rondell vor.

„Archibald komm in unsere Mitte“, befahl Jesper.
„Schon da“, sagte Arch und lief mit Jesper im Laufschritt Damir nach, dicht gefolgt von Harro und den Mädels.

„Das Terminal sieht aus wie eine überdimensionale Orgel“, kicherte Harro.
„Orgel ist nichts anderes als Flöte spielen auf mehreren Rohren“, kicherte Damir.

„Na dann ist das Dein Job Archibald“, lachte Harro.
„Ich wusste die Rache folgt auf dem Fuße. Danke, Ihr seid so gut zu mir“, antwortete Arch baff, machte sich allerdings direkt daran das Terminal zu untersuchen.

Sunja schaute ihm zu während Jesper und Damir neben ihm standen. Der eine sicherte mit der Waffe nach vorne der andere nach hinten. Die drei waren echt ein eingespieltes Team.

Sunja war erstaunt wie schnell Archibald arbeitete, nachrechnete und diese seltsamen Diagramme verstand wovon sie nicht mal die geringste Ahnung hatte was sie dort sah.

Merna legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter und nickte ihr aufmunternd zu.
"Lass ihn nur machen", flĂĽsterte sie leise.

„Wie tief sind wir im eigentlichen Labor oder der Einrichtung?“, fragte Dunwin.
„Nicht sehr tief, Eingangsbereich“, antwortete Archibald ihm sofort und schaltete den Aufzug ein.

Mit einem hydraulischen Entriegeln und Zischen setzte sich das Gefährt in Bewegung. Langsam sank er herab, sich ständig dabei um sich selbst drehend.

„Wozu rotiert das Ding?“, fragte Canan Archibald.
„Von hier aus kann man sich einzelne Objekte – also die Personen da reichen lassen. Vermutlich rotiert es, da man vor der Kammer stehenbleibt die man anwählte – sprich aussuchte Canan.

Diese Einrichtung hier ist extrem gut durchdacht und geplant. Müsste ich raten, hätte ich eh auf Goblins getippt.

Alles rein funktionell um größtmögliche Effektivität zu erreichen. Und Zeitverschwendung gehört nicht zu ihren Hobbys. Drum rotierte diese Scheibe“, erläuterte Archibald und las sich die Sektionen durch, die das Terminal ihm anzeigte.

„Die Hauptanlage befindet sich in der Mitte“, teilte Archibald Dunwin mit.
„Steuere die passende Ebene an Arch“, befahl Dunwin.
„Schon gemacht Boss!“, bestätigte Archibald.

„AUFPASSEN!“, schrie Canan gerade noch rechtzeitig, als eine schwarze Gestalt mit einem Salto auf das Rondell sprang und mit gezogener Waffe perfekt aufkam.

Canan und ging sofort zum Angriff über. Canan brach seitlich aus der Gruppe aus und schlug einen größeren Bogen um den Typen von der Truppe abzulenken und fernzuhalten. Als sie nahe genug an den Burschen herangekommen war, warf sie sich nach vorne und drehte sich dabei im Sprung um sich selbst.

Die Taktik schien den Kerl zu verwirren, kaum hatte er Kampfhaltung eingenommen, traf ihn auch schon ein knallharter Kick von der kampferfahrenen DĂĽsterlingsfrau vors Handgelenk und lieĂź seine Waffe im hohen Bogen davonfliegen.

Canan schlug einmal blitzartig zu und schickte gleich einen zweiten Hieb hinterher. Beide Angriffe wurden rasend schnell von dem Gegner mit bloßen Händen mühelos abgewehrt. Ihr Angreifer kontere mit einem Schlag nach vorne.

In letzter Sekunde riss sie den Unterarm hoch, um dessen Faust von ihrem Gesicht abzulenken.

Sie griff ihrerseits mit schnellen Tritten an, doch ihr Gegner hatte sich schnell genug wieder zurückgezogen um den Tritt abblocken zu können. Dennoch, unweigerlich musste er bei ihren Tritten, auch wenn keiner die Deckung bis jetzt durchbrach Schritt um Schritt zurückweichen und das Rondell war ein begrenzter Kampfplatz.

Der Bursche schien denselben Gedanken zu hegen, denn plötzlich sprang er mit einem übermenschlich gewaltigen Satz von ihr weg, machte eine Rolle in der Luft und landete zwischen der Gruppe am Terminal.

Die Truppe stob auseinander und jeder sprang in eine andere Richtung davon. Erstens um dem Feind zu entkommen und zweitens um sich selbst Bewegungsfreiheit zu verschaffen.

AuĂźer Dunwin der zum Gegenschlag ansetzte. Er riss seine Repetierarmbrust hoch um in dessen Gesicht zu feuern, verlor die Waffe allerdings gleich durch eine Messerattacke, welche Dunwin die Waffe entriss und wegschleuderte.

Einem weiteren Messer entging er nur um Haaresbreite weil er den RĂĽcken durchbog. Dennoch konnte er spĂĽren wie die Klinge sein Hemd aufschlitzte. WĂĽtend knurrend und mit Hass in den Augen zog er sich mit einem Satz zurĂĽck zu Damir.

Gemeinsam wichen sie noch weiter zurück um den Sicherheitsabstand zu vergrößern.

Der Bursche bauschte seinen Mantel auf, zog zwei Repetierarmbrüste und eröffnete sofort das Feuer. Die restliche Gruppe wich ebenso geschickt wie schnell den Schüssen aus. Dunwin wich mit einem Sprung und einer halben Drehung zur Seite dem Beschuss aus. Zeitgleich hatte er seinen Dolch gezogen.

Zwar war diesem Typen nicht viel anzuhaben so unnatĂĽrlich schnell wie sich der Kerl bewegte, aber irgendwann musste auch dieser Bursche mĂĽde werden und dann wĂĽrde er ihn abstechen.

Damir kannte Dunwin mittlerweile zu gut und er ahnte böses was Dunwin vorhatte. Ihm gefiel der Gedanke und er machte sich daran in den Rücken von dem Feind zu kommen um ihn mit seinem Boss in die Zange zu nehmen.

Dunwin warf sich nach vorne auf den Boden, rollte ĂĽber den Boden ein StĂĽck ab und kam genau vor dem Burschen unter seiner Deckung wieder hoch. Blitzartig stach er mit seiner Klinge nach dessen Gesicht und grub ihm gleichzeitig knallhart die Faust in die Magengrube.

Die Aktion hätte dem Kerl die Augen gekostet, aber die Klinge fand nicht ihr Ziel, sondern riss ihm nur die Schutzbrille von der Nase. Und Dunwin sah zum ersten Mal die äußerst seltsamen Augen des Burschen aus der Nähe.

Der Bursche grunzte schmerzerfĂĽllt auf und blinzelte irritiert. Er war es wohl nicht gewohnt mit so einer Vehemenz angegriffen zu werden, oder dass ihm ĂĽberhaupt ein dermaĂźen starker Gegenwind entgegen blies.

Der Kerl musterte Dunwin mit einer Mischung aus Respekt, Unglauben und Wut. Schien sogar zu zögern und zu überlegen ob er den Angriff fortsetzen sollte und überblickte kurz die ganze Truppe. Dann verzerrte sich sein Gesicht vor Schmerz.
Dunwin wusste was dies bedeutete. Der Angriff erfolgte so schnell, dass man ihn mit menschlichen Augen nicht kommen sah.

Damir hatte Dunwin zurĂĽckgerissen, gerade noch rechtzeitig bevor dieser von einer seltsamen Klinge aufgeschlitzt wurde wie ein alter Fisch.

Lauernd warteten sie erneut ab. Der Bursche hatte es ihnen gleichgetan. Mit einem Riesensatz war auch er nach hinten ausgewichen, hatte sich seine Brille gegrabscht und wieder aufgesetzt.

Mit leicht schräg gelegtem Kopf musterte er Archibald - ein Lächeln umspielte seine schmalen Lippen, dann fiel sein Blick erneut auf Dunwin.

„Tervei Hirvio“, sagte ihr Gegner mit äußerst starkem Akzent, behielt aber weiterhin vorsichtshalber Dunwin im Auge.

„Übersetzen! Sofort!!! Was hat der Kerl zu Dir gesagt Arch?“, befahl Dunwin leise.

„Er sagte... Grüße Menschenfresser....
Ein GruĂź unter...Menschenfressern...
Damit erbittet er meinen Kampfbeistand gegen Euch...“, übersetzte Arch.

Dunwins Blick wechselte von Archibald zu dem Feind – ein neues unkalkulierbares Risiko? Arch stand ihm so nahe, hätte er Dunwin verraten wollen hätte er bereits zig Möglichkeiten gehabt und gerade erst wieder hatte er sie alle gerettet.

Der Blick von Archibald war auf den Feind geheftet, reines Belauern. Nein er wĂĽrde weder ihm, noch Canan, noch Jesper oder Merna etwas antun. Zudem wĂĽrde Arch seinen Leuten nicht schaden.

Im Gegenteil, sie konnten sich aufeinander verlassen, standen für einander ein – waren vielleicht mehr Familie als seine wahre Familie jemals für ihn sein würde. Und Archibald vertraute und fügte sich seiner Führung, dass merkte man eindeutig.

„Netter Versuch wer… oder was auch immer Du bist. Aber einen Keil treibst Du nicht in meine Truppe. Egal welche Spielchen Du aufziehst. Sollte Dir bereits seit dem Tempel aufgefallen sein. Aber scheinbar ist das zu hoch für Dich „Bruder“, grinste Dunwin süffisant und grabschte dann blitzartig hinter sich, so als wollte er eine verborgene Waffe zücken.

Auch der Angreifer griff hinter sich und drehte sich ganz zu Dunwin um, um dem vermeintlichen Angriff zu begegnen. In dem Moment sprintete Archibald mit einer Geschwindigkeit los die sein menschliches Aussehen LĂĽge strafte.

Binnen eines Sekundenbruchteils war er bei dem Feind und kickte ihm mit voller Wucht in die Seite, so dass dieser von den Beinen gerissen wurde.

Mit einem Aufgrunzen kam der Feind wieder auf die Beine nur um sofort einen Tritt ins Kreuz von Canan zu kassieren. Er hatte zwar noch reflexartig die Arme vors Gesicht gerissen, aber da war Canans Fuß schon längst an seiner Deckung vorbei und ihm ins Gesicht gekracht und hatte ihm die Nase zerschmettert.
Erneut schlug er auf den Boden. Nun umzingelt von der Truppe.

Die Frau war hier eindeutig die größte Gefahr musste er nun verunsichert feststellen.
Gerade als er sich wieder aufrappelte, war Archibald ihm mit einem Sprung gefolgt. Er sprang den Kerl an, hakte den FuĂź hinter den Kopf seines Gegners und zwang sein Kinn in die Ăśberdehnung um ihm die Luft abzudrĂĽcken.

Während Arch ihn so fixierte, deckten Canan und Jesper den Feind mit harten Tritten ein.

Mit einem wĂĽtenden Aufschrei gelang es dem Burschen Arch abzuschĂĽtteln und sich mit einer ĂĽbermenschlichen Kraftanstrengung aus der Gefahrenzone zu katapultieren. Er kam auf, musste einen Moment verschnaufen und starrte auf die Truppe.

Arch schlug fast auf dem Boden auf, wurde aber von Jesper abgefangen – dabei feuerte Jesper sofort auf den Feind. Damir spannte die Muskeln an und sprang den Kerl direkt aus seiner Position an.

Mit einem Salto war er ĂĽber den Feind hinweg, stieĂź sich von der anderen Seite am Boden erneut ab und landete einen Griff mit der Beinschere. Damir schlang die Beine von hinten um den Hals des Feindes und drĂĽckte mit aller Kraft zu. Der Kerl krachte auf den Boden, nicht allein durch die Gewalteinwirkung allein schon das Eigengewicht von Damir schickte ihn auf die Bretter.

Der Feind drehte und wand sich wie ein Aal, und befreite sich aus Damirs Klammergriff.

„Ihr seid schon viel zu weit gekommen! Jetzt ist Schluss!!!“, brüllte er mit starkem Akzent, nässelte an einem Gerät herum und betätigte es.

„Spielt damit Menschenbrut!“, brüllte er wütend, raste in unglaublicher Geschwindigkeit auf den Rand der Plattform zu… und sprang über deren Rand!

Man hörte weder Aufschlag noch Aufprall. Die Truppenmitglieder traten langsam zusammen, lauschten und suchten Schutz in der Gruppe. Gemeinsam waren sie wirklich stark und hatten selbst so einen Gegner in die Flucht schlagen können. Canan ging zu ihrem Mann, untersuchte ihn und küsste ihn dann zärtlich. Auch sie lauschte angestrengt, konnte aber keinen Aufschlag hören.

„Er scheint sich irgendwie abgefangen zu haben. Oder es gibt hier eine Sicherheitsvorrichtung. Das wäre möglich, vielleicht für all jene die über den Rand stürzen können und nicht sollen. Wer weiß? Irgendetwas in der Art. Der Erbauer wird sicher auch nicht in den Tod stürzen wollen, sollte er mal gezwungen sein auszuweichen“, warf Alrun ein, was die anderen mit Kopfnicken bestätigten. Ihre Ausführung klang logisch.

Dann ein erstes Stampfen. Es klang als hämmere jemand einen gewaltigen Metallspieß auf den Boden. Das Rondell kam schlagartig zum stehen, das Terminal wurde gesperrt und zeigte nur noch einen roten Bildschirm.

„Oh oh“, sagte Chirag.
„Das gefällt mir ganz und gar nicht…“, warf Brijesh ein.

Ein Schrei, ein Kreischen als ob Kreide ĂĽber eine Tafel gezogen wurde hallte durch den gewaltigen Tunnelschacht und das Rondell wurde in seinen Standfesten erschĂĽttert. Etwas kletterte die Streben hoch. Es war laut, es musste riesig sein und es kletterte verflucht schnell.

Wieder einer dieser markerschĂĽtternden Schreie, dann kam schon der erste Arm der Kreatur in Sicht. Einem riesigen schwarz, roten Spinnenbein gleich schwang es sich auf das Rondell.

Lachend wandte sich ihr Feind an sie. Von oberhalb eines Aussichtsbalkons starrte er auf sie herab. Wie er dahin gekommen war – ein Rätsel.

„Meine Damen und Herren, begrüßen Sie U8 – wir haben keine Kosten und Mühen für Ihre Unterhaltung gescheut“, lachte der Fremde.

Er schaute noch einen Moment ob es das Wesen auf die Plattform schaffte, dann war er erneut mit einer rasend schnellen Bewegung verschwunden, ganz so als hätte man ihn sich gerade nur eingebildet.

„WAS BEIM ABGRUND IST DASS?“, brüllte Dunwin, während ihm Brijesh einen seiner Repetierarmbrüste in die Hand drückte und selbst das Feuer auf die Kreatur eröffnete.
„Na ein U8! Hat er doch gesagt!“, erklärte Chirag seinem Boss.

„Heilige Scheiße, ist das riesig!“, rief Merna und starrte auf das Monstrum.
„Riesig ist kein Ausdruck Baby!“, antwortete Arch und eröffnete ebenfalls das Feuer auf die Kreatur.

Das rĂĽttelte Merna wach und sie nahm es ebenfalls unter Beschuss.

„Sieht aus wie eine gepanzerte Spinne, der Beschuss prallt an dem Vieh ab verfluchte Kacke!“, brüllte Jesper der ebenfalls auf das Wesen feuerte.

„Das ist eine Maschine!“, brüllte Damir und warf eine Granate nach dem Wesen. Sie rollte unter den mächtigen Panzer, ging hoch und rüttelte das Ding gewaltig durch. Kreischend schlug mit den Panzerbeinen nach ihnen.

„Noch so eine Aktion Damir und wir sind Brei!“, brüllte Brijesh.
„Hups, vergriffen ich wollte ne Blendgranate werfen!“, motzte Damir zurück.
„Dann wirf die auch!“, brüllte Brijesh wütend.

„Chirag dass es ein U8 ist sagte schon die Zecke vorhin. Aber was ist ein U8 verdammte Scheiße? Damir wie kann man es töten?“, brüllte Dunwin und feuerte weiter.

„Ein U8 – guck da, Boss das Ding, ist ein U8“, erklärte Damir.
„DAMIR hör mal zu – ich will keinen U8 gezeigt bekommen, ich will ihn töten!“, erklärte Dunwin ganz langsam.
„Sag dass doch. Keine Ahnung Chef, ich weiß nur was der Feind sagte. Ich weiß nicht mehr als Du“, erklärte Damir und griff mehrere Blendgranaten.

„Damir Deine Nachricht beruhigt mich irgendwie… wie soll ich sagen… überhaupt nicht! Ich brauche eine Lösung aber zügig. Arch das Ding ist eine Maschine, wie knipst man sie aus?“, brüllte Dunwin.
"Ich überlege doch schon! Aber um es auszuschalten, müsste ich an das Vieh rankommen, bisschen gefährlich...", schnauzte Arch zurück.

„Wir werden alle sterben!“, brüllte Chirag.
„Nö“, sagte Jesper und feuerte weiter auf das Vieh. „Sehe ich überhaupt nicht ein mich von einem künstlichen Taschenkrebs umnieten zu lassen!“.

„Archibald Deine Überlegung dauert mir in dem Fall zu lang! Hopp! Rondell startklar machen und sieh zu dass die Brücke auf der anderen Seite von dem Vieh ausfährt“, befahl Dunwin schneidend.
„Schon unterwegs!“, antwortete Archibald und war mit mehreren Sätzen wieder beim Terminal.

Er tippte was das Zeug hielt, entschlĂĽsselte Diagramme die als Sicherheitsabfragen eingebaut waren und schaffte es binnen kĂĽrzester Zeit zurĂĽck ins HauptmenĂĽ.

„Warnung – Überbelastung der Tragfähigkeit auf Rondell 1… Warnung… Überbelastung… Maschina Ultimata 8 ist für das Rondell nicht zugangsberechtigt... Warnung...“, plärrte nun die synthetische Frauenstimme aus den Lautsprechern.

„Maschina Ultimata 8? Wo sind Maschina 1 - 7? Vergiss die Frage, falls es sie gibt, schick sie nicht her...
Ăśberbelastung ist klar, wir sagen Jesper zu ihm...
Leck mich doch am Arsch!“, knurrte Archibald und betätigte trotzdem die Auslösung und aktivierte wieder den Aufzug.

Jesper warf Arch einen giftigen Blick zu. Mit einem Ruck setzte sich das Gefährt wieder in Bewegung, allerdings mit schrecklicher Schieflage an der Seite wo der gewaltige U8 an ihm hing.

WĂĽtend ĂĽber diesen Vorgang peitschten die riesigen Panzerarme auf das gesamte Rondell ein. Schlugen wild und unkontrolliert um sich. Dort wo Archibald gerade noch gestanden hatte ging einer dieser Panzerarme runter und zertrĂĽmmerte mit spielerischer Leichtigkeit das Terminal.

Archibald war mit einem Satz bei Jesper und blinzelte ihn nervös an.

„Ziel erreicht - Ebene 12… Ziel erreicht – Ebene 12… Warnung – Sicherheitsabstand bitte einhalten - Brücke schwenkt aus. Warnung…“, tönte es nun aus den Lautsprechern.

Langsam kam das Rondell zum stehen und die Brücke schwenkte aus – ihr Weg in die Freiheit.

„Verfluchte Scheiße! Da fehlt die Hälfte Archibald!“, brüllte Harro.
„Ist mir auch aufgefallen!“, schnauzte dieser zurück.

„Das sind nur paar Meter! Drei oder vier vielleicht“, rief Damir.
„Wer kann die springen?“, fragte Harro angefressen.

„Springen von Euch keine Sau, aber ich kann Euch ohne Probs rüber werfen“, rief Damir.
„Du willst mich am Arsch packen und über eine Schlucht schleudern? Träum weiter Damir“, motzte Harro.

„Von wollen kann da keine Rede sein…“, lachte Damir.
„Mein schöner Körper! Ich bin nicht schwindelfrei, ich will nicht geworfen werden!“, motzte Chirag.

Dann hielt das Rondell komplett an und das zweite GegenstĂĽck krachte auf die erste BrĂĽcke.

Ihre einzige Chance auf Flucht und Überleben. Sofort warf Damir die Blendgranaten nach U8. Einige Sekunden später detonierten die Geschosse und tauchten die Welt um sie herum in grelles, gleißendes Licht.

Nun schrie Archibald anstatt des U8 auf und zwar vor Schmerzen.

"Ich muss kotzen, bei den Ältesten... ich töte die Drecksau! DAMIR!", brüllte Archibald stinksauer.
"Vorsicht Blendgranate - wollt ich noch sagen", schob Damir nach.

„Wer sagt es denn! Los raus hier! Jesper schnapp Dir Archi. Rest lauft lauft lauft!“, brüllte Dunwin, ergriff Canans Hand und rannte mit ihr wie besessen los, solange der mechanische Riesenkrebs noch außer Gefecht gesetzt war. Jesper warf sich den fluchenden Archibald über die Schulter und folgte sofort seinem Boss. Die Truppe folgte dicht auf dem Fuße.

Keine Sekunde zu spät sprangen sie auf die Brücke, denn U8 hatte das Rondell komplett erklommen und brüllte nun ohrenbetäubend seine Enttäuschung hinaus. Unter lautem Ächzen gab das Stahlgerüst unter seinem enormen Gewicht nach. Wie in Zeitlupe sahen sie das Geschöpf fallen. Einen Moment schien es mit der Konstruktion noch in der Luft zu hängen, dann brachen die Träger in sich zusammen und stürzten mit der Wesenheit in den bodenlosen Abgrund.

„Das war knapp“, schnaufte Brijesh.
„Knapp ist gar kein Ausdruck Bri“, sagte Harro und legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Wo lang nun?“, fragte Merna.
„Tja wie es aussieht haben wir nur eine Möglichkeit, erst mal einfach den Gang lang runter. Lasst uns genug Abstand zwischen uns und dem Aufzugschacht bringen“, warf Jesper ein, worauf die anderen zustimmend nickten.

Archibald stand blinzelnd, mit tränenden Augen und Damir angiftend neben Jesper, der sich krampfhaft jedes Lachen verkniff, während er Arch eingehakt festhielt.

„Dann los, haltet Marschformation. Arch und Jesper an meine Seite. Canan Du bleibst hinter mir Schatz. Merna und Sunja werden in die Mitte der Gruppe genommen. Sunja bereite Dich auf einen Einsatz vor. Du wirst vermutlich schneller wen verarzten müssen als uns lieb ist.

Also äußerste Vorsicht Leute. Fasst nichts an, betätigt nichts bevor wir es nicht eingehend untersucht haben. Abrücken“, befahl Dunwin und gab mit Archibald und Jesper die Vorhut.

Sie marschierten eine geraume Zeit durch einen engen Flur, nicht wissend, dass jeder ihrer Schritte verfolgt wurden.

„Die Anlage scheint komplett linear aufgebaut zu sein. Immer gerade aus“, sagte Dunwin mit einem Grinsen.

„Scheint so. Wirkt vielleicht vorerst wie ein Nachteil, aber bei unserer Kampfkraft und Bewaffnung ist das Gegenteil der Fall. Wir haben nur zwei Fronten. Wir müssen nur vor und hinter uns sichern und könnten uns zur Not vielleicht sogar verbarrikadieren. Und bis jetzt kam noch keine Kreuzung oder Gabelung, was nur eine Front zu lässt. Was hinter uns war wissen wir – nichts war dort. Im Moment können wir nur von vorne überrascht werden Schatz“, erklärte Canan.

„Archibald lass hören, Du hast die Pläne eingesehen“, warf Dunwin ein.

„Ja vorerst nur linearer Verlauf, später mit Abzweigungen aber die führen dann in die einzelnen Labore der jeweiligen Objekte und Artefakten. Soweit ich das gesehen habe, sind das separate Räume die eben an den Hauptgang angrenzen. Entweder mit oder ohne Sicherheitsvorkehrungen. Wobei die Räume die ohne Sicherheitsvorkehrung gekennzeichnet waren, garantiert härter gesichert sind als alle anderen“, erklärte Archibald.

„Was die Sache nicht besser oder einfacher macht“, ergänzte Canan dazu.
"Niemand hat gesagt, dass es einfach werden wird", grinste Dunwin.


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Re: Das Labor

#2

Beitragvon Dunwins Geist » Di 2. Jan 2018, 12:59

Finsternis. Alles umfassende Finsternis. Ein Monitor flackerte auf. Er befand sich in einem Raum, den niemand auĂźer ihm und der Inspektor betreten konnte und durfte. Er setzte er sich auf den Stuhl, der vor dem Kontrollpult stand, stĂĽtzte einen Ellenbogen auf die Armlehne, nahm das Kinn in die Hand und schlug die FĂĽĂźe ĂĽber Kreuz. Auf dem Monitor erschien ein unbekanntes Logo. Nach kurzer Zeit wich diese Logo-Trilogie dem BefehlsmenĂĽ.

„Willkommen im Hive von Schwester 2 - Fallax Silentium, unter Leitung des ehrwürdigen Inspektors Camiglir Gletscherblut, User Malvyro.

Ihr Workflow weist auf Folgendes hin:

Notlagebericht auf Archiv 1 ist einzusehen.
Sicherheitsverletzungen auf sämtlichen Ebenen, einschließlich Labore.
Sicherheitsverletzungen nicht behoben!
Höchste Dringlichkeitsstufe.
Behebung umgehend erforderlich. Auftrags Erledigung steht aus.

Sie haben unverzĂĽglich zu handeln!
Wie gedenken Sie vorzugehen? Eliminationsvorschläge sind abrufbar.
Wählen Sie den gewünschten Dienst aus dem Menü aus“, verkündete das Schiff.

Er bediente das Kontrollpult. Verschiedenste Datenbilder liefen ĂĽber den Bildschirm. Zeitgleich behielt er ĂĽber einen anderen Monitor die Eindringlinge im Auge.
„Dann wollen wir mal“, schnarrte er.
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