Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. Während die Urvölker auf Altbewährtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimbünde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Das Labor

Dunwins Stab
Dunwin von Hohenfelde verfügte über einen Stab von effektiven Kämpfern, um seine Macht zu sichern. Doch auch sie konnten seine Ermordung nicht verhindern. Dunwin ist nurmehr ein beschworener Geist, aber einige seiner früheren Weggefährten weilen noch unter den Lebenden. Dass Dunwin tot ist, verhindert nicht, dass er sie erneut zusammenruft. Doch die Zeiten haben sich geändert.
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Dunwins Geist
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Das Labor

#1

Beitrag von Dunwins Geist » So 31. Dez 2017, 01:08

Das Labor


Zugang und Rondell

Die Gruppe blieb vor der gewaltigen SicherheitstĂĽr des Labors stehen. In Etappen flammte die Beleuchtung des Ganges auf und hinter ihnen bildete sich ein Gitternetz Flammenstrahlen.

„WARNUNG Autorisation erforderlich – geben Sie den erforderlichen Sicherheitscode ein.

20 Sekunden bis zur Auslöschung…

19, 18, 17, 16….“, zählte eine freundlich-neutrale synthetische Stimme der herunter. Genau jene Zeit die ihnen verbleiben würde, bis die Flammenstrahlen erreicht hätten und knusprig braun braten würde.

Archibald zog von einer seltsamen Apparatur einige Verkleidungen ab und machte sich dran, in dem "Ding" mit winzigem Werkzeug herum zu schrauben. Zeitgleich schien er etwas auszurechnen und murmelte irgendwelche Zahlenkolonnen in einer Art Sing-Sang vor sich hin.

„Archibald?“, fragte Harro vorsichtig nach.
„Moment“, sagte Arch hochkonzentriert.

„10, 9, 8…“, zählte die Stimme mit der freundlichen, gleichgültigen – geradezu desinteressierten Ruhe weiter, die nur eine Maschine oder ein von Hohenfelde besitzen konnte.

„Archibald könntest Du das Kreuzworträtsel für die Kaffeefahrt vielleicht auf den ein- oder anderen Tag verschieben? Hier ist gleich was warm“, zischte Harro Archibald zu.

Arch drĂĽckte nur noch einen Knopf und starrte dann gebannt auf sein Werk.

„5, 4,… 4… 4…
System muss neu geladen wer….“, erklärte die Stimme ehe diese im statischen Rauschen verstummte.

„Alle Sicherheitsmaßnahmen auf Stufe 0 zurückgesetzt“, sprach nun aus den gleichen Lautsprechern eine andere synthetischer Frauenstimme.

Plötzlich öffnete sich die Labortür zischend. Jesper und Damir postierten sich am Türrahmen, die Waffen feuerbereit im Anschlag. Guckten sich kurz an, nickten sich zu und stürmten ins Labor.

Beide sicherten den unmittelbaren Eingang mit ihren Waffen.

„Sicher!“, rief Jesper Archibald und den anderen zu.

„Nachrücken“, befahl Arch und folgte gemeinsam mit Harro seinen Männern mit der Repetierarmbrust im Anschlag. Die Nachhut bildeten Merna und Sunja.

Die Gruppe stand am Rand eines Abgrunds, der dem des Antriebes glich. Eine stählerne Brücke führte zu einem Rondell in der Mittel. Die Wände waren mit stählernen „Eiern“ verkleidet.

„Was beim Abgrund ist das?“, fragte Jesper und schaute Archibald fragend an.
„Ich weiß es nicht“, erklärte Arch.

„Ich… also ich erkenne das Leute“, sagte Damir.
„Du?“, fragte Jesper.

„Ja, glaub mir einfach. Das ist nicht nur ein Labor, sondern eine Fertigungsstätte. Aus früherer Zeit, als ich noch jung war, eben aus meinem alten Job. Das runde Ding, das Rondell ist ein Aufzug. Er muss ein Terminal haben. Mit dem können wir die Ebene bestimmen auf die wir wollen. Die Eier wie Du sie nennst beherbergen entweder Opfer – sprich Objekte die man benötigt für die Versuche, oder sie beherbergen fertige Ghule. Manche Nekros verwahren sie so. Rakshaner natürlich nicht“, erläuterte Damir.

Jesper schaute sich um und versuchte abzuschätzen wie viele Kammern es wohl waren.

„Meine Güte“, flüsterte er leise.
Damir stellte sich ganz dicht neben seinen Kameraden.

„Ja. Meine Güte. Und Du siehst nur eine Ebene. Und jedes Ei auf einer Ebene enthält eine Person, ein Schicksal, ein Wesen dass auf den Tod oder viel schlimmeres wartet, oder es schon hinter sich hat. Frostalben sind Menschen völlig gleichgültig, glaubt es mir“, sagte Damir leise.

"Drama Baby... Drrraaammmaaaa!", lachte Archibald.
"Danke Arch - kommt“, sagte Damir und rückte zum Rondell vor.

„Archibald komm in unsere Mitte“, befahl Jesper.
„Schon da“, sagte Arch und lief mit Jesper im Laufschritt Damir nach, dicht gefolgt von Harro und den Mädels.

„Das Terminal sieht aus wie eine überdimensionale Orgel“, kicherte Harro.
„Orgel ist nichts anderes als Flöte spielen auf mehreren Rohren“, kicherte Damir.

„Na dann ist das Dein Job Archibald“, lachte Harro.
„Ich wusste die Rache folgt auf dem Fuße. Danke, Ihr seid so gut zu mir“, antwortete Arch baff, machte sich allerdings direkt daran das Terminal zu untersuchen.

Sunja schaute ihm zu während Jesper und Damir neben ihm standen. Der eine sicherte mit der Waffe nach vorne der andere nach hinten. Die drei waren echt ein eingespieltes Team.

Sunja war erstaunt wie schnell Archibald arbeitete, nachrechnete und diese seltsamen Diagramme verstand wovon sie nicht mal die geringste Ahnung hatte was sie dort sah.

Merna legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter und nickte ihr aufmunternd zu.
"Lass ihn nur machen", flĂĽsterte sie leise.

„Wie tief sind wir im eigentlichen Labor oder der Einrichtung?“, fragte Dunwin.
„Nicht sehr tief, Eingangsbereich“, antwortete Archibald ihm sofort und schaltete den Aufzug ein.

Mit einem hydraulischen Entriegeln und Zischen setzte sich das Gefährt in Bewegung. Langsam sank er herab, sich ständig dabei um sich selbst drehend.

„Wozu rotiert das Ding?“, fragte Canan Archibald.
„Von hier aus kann man sich einzelne Objekte – also die Personen da reichen lassen. Vermutlich rotiert es, da man vor der Kammer stehenbleibt die man anwählte – sprich aussuchte Canan.

Diese Einrichtung hier ist extrem gut durchdacht und geplant. Müsste ich raten, hätte ich eh auf Goblins getippt.

Alles rein funktionell um größtmögliche Effektivität zu erreichen. Und Zeitverschwendung gehört nicht zu ihren Hobbys. Drum rotierte diese Scheibe“, erläuterte Archibald und las sich die Sektionen durch, die das Terminal ihm anzeigte.

„Die Hauptanlage befindet sich in der Mitte“, teilte Archibald Dunwin mit.
„Steuere die passende Ebene an Arch“, befahl Dunwin.
„Schon gemacht Boss!“, bestätigte Archibald.

„AUFPASSEN!“, schrie Canan gerade noch rechtzeitig, als eine schwarze Gestalt mit einem Salto auf das Rondell sprang und mit gezogener Waffe perfekt aufkam.

Canan und ging sofort zum Angriff über. Canan brach seitlich aus der Gruppe aus und schlug einen größeren Bogen um den Typen von der Truppe abzulenken und fernzuhalten. Als sie nahe genug an den Burschen herangekommen war, warf sie sich nach vorne und drehte sich dabei im Sprung um sich selbst.

Die Taktik schien den Kerl zu verwirren, kaum hatte er Kampfhaltung eingenommen, traf ihn auch schon ein knallharter Kick von der kampferfahrenen DĂĽsterlingsfrau vors Handgelenk und lieĂź seine Waffe im hohen Bogen davonfliegen.

Canan schlug einmal blitzartig zu und schickte gleich einen zweiten Hieb hinterher. Beide Angriffe wurden rasend schnell von dem Gegner mit bloßen Händen mühelos abgewehrt. Ihr Angreifer kontere mit einem Schlag nach vorne.

In letzter Sekunde riss sie den Unterarm hoch, um dessen Faust von ihrem Gesicht abzulenken.

Sie griff ihrerseits mit schnellen Tritten an, doch ihr Gegner hatte sich schnell genug wieder zurückgezogen um den Tritt abblocken zu können. Dennoch, unweigerlich musste er bei ihren Tritten, auch wenn keiner die Deckung bis jetzt durchbrach Schritt um Schritt zurückweichen und das Rondell war ein begrenzter Kampfplatz.

Der Bursche schien denselben Gedanken zu hegen, denn plötzlich sprang er mit einem übermenschlich gewaltigen Satz von ihr weg, machte eine Rolle in der Luft und landete zwischen der Gruppe am Terminal.

Die Truppe stob auseinander und jeder sprang in eine andere Richtung davon. Erstens um dem Feind zu entkommen und zweitens um sich selbst Bewegungsfreiheit zu verschaffen.

AuĂźer Dunwin der zum Gegenschlag ansetzte. Er riss seine Repetierarmbrust hoch um in dessen Gesicht zu feuern, verlor die Waffe allerdings gleich durch eine Messerattacke, welche Dunwin die Waffe entriss und wegschleuderte.

Einem weiteren Messer entging er nur um Haaresbreite weil er den RĂĽcken durchbog. Dennoch konnte er spĂĽren wie die Klinge sein Hemd aufschlitzte. WĂĽtend knurrend und mit Hass in den Augen zog er sich mit einem Satz zurĂĽck zu Damir.

Gemeinsam wichen sie noch weiter zurück um den Sicherheitsabstand zu vergrößern.

Der Bursche bauschte seinen Mantel auf, zog zwei Repetierarmbrüste und eröffnete sofort das Feuer. Die restliche Gruppe wich ebenso geschickt wie schnell den Schüssen aus. Dunwin wich mit einem Sprung und einer halben Drehung zur Seite dem Beschuss aus. Zeitgleich hatte er seinen Dolch gezogen.

Zwar war diesem Typen nicht viel anzuhaben so unnatĂĽrlich schnell wie sich der Kerl bewegte, aber irgendwann musste auch dieser Bursche mĂĽde werden und dann wĂĽrde er ihn abstechen.

Damir kannte Dunwin mittlerweile zu gut und er ahnte böses was Dunwin vorhatte. Ihm gefiel der Gedanke und er machte sich daran in den Rücken von dem Feind zu kommen um ihn mit seinem Boss in die Zange zu nehmen.

Dunwin warf sich nach vorne auf den Boden, rollte ĂĽber den Boden ein StĂĽck ab und kam genau vor dem Burschen unter seiner Deckung wieder hoch. Blitzartig stach er mit seiner Klinge nach dessen Gesicht und grub ihm gleichzeitig knallhart die Faust in die Magengrube.

Die Aktion hätte dem Kerl die Augen gekostet, aber die Klinge fand nicht ihr Ziel, sondern riss ihm nur die Schutzbrille von der Nase. Und Dunwin sah zum ersten Mal die äußerst seltsamen Augen des Burschen aus der Nähe.

Der Bursche grunzte schmerzerfĂĽllt auf und blinzelte irritiert. Er war es wohl nicht gewohnt mit so einer Vehemenz angegriffen zu werden, oder dass ihm ĂĽberhaupt ein dermaĂźen starker Gegenwind entgegen blies.

Der Kerl musterte Dunwin mit einer Mischung aus Respekt, Unglauben und Wut. Schien sogar zu zögern und zu überlegen ob er den Angriff fortsetzen sollte und überblickte kurz die ganze Truppe. Dann verzerrte sich sein Gesicht vor Schmerz.
Dunwin wusste was dies bedeutete. Der Angriff erfolgte so schnell, dass man ihn mit menschlichen Augen nicht kommen sah.

Damir hatte Dunwin zurĂĽckgerissen, gerade noch rechtzeitig bevor dieser von einer seltsamen Klinge aufgeschlitzt wurde wie ein alter Fisch.

Lauernd warteten sie erneut ab. Der Bursche hatte es ihnen gleichgetan. Mit einem Riesensatz war auch er nach hinten ausgewichen, hatte sich seine Brille gegrabscht und wieder aufgesetzt.

Mit leicht schräg gelegtem Kopf musterte er Archibald - ein Lächeln umspielte seine schmalen Lippen, dann fiel sein Blick erneut auf Dunwin.

„Tervei Hirvio“, sagte ihr Gegner mit äußerst starkem Akzent, behielt aber weiterhin vorsichtshalber Dunwin im Auge.

„Übersetzen! Sofort!!! Was hat der Kerl zu Dir gesagt Arch?“, befahl Dunwin leise.

„Er sagte... Grüße Menschenfresser....
Ein GruĂź unter...Menschenfressern...
Damit erbittet er meinen Kampfbeistand gegen Euch...“, übersetzte Arch.

Dunwins Blick wechselte von Archibald zu dem Feind – ein neues unkalkulierbares Risiko? Arch stand ihm so nahe, hätte er Dunwin verraten wollen hätte er bereits zig Möglichkeiten gehabt und gerade erst wieder hatte er sie alle gerettet.

Der Blick von Archibald war auf den Feind geheftet, reines Belauern. Nein er wĂĽrde weder ihm, noch Canan, noch Jesper oder Merna etwas antun. Zudem wĂĽrde Arch seinen Leuten nicht schaden.

Im Gegenteil, sie konnten sich aufeinander verlassen, standen für einander ein – waren vielleicht mehr Familie als seine wahre Familie jemals für ihn sein würde. Und Archibald vertraute und fügte sich seiner Führung, dass merkte man eindeutig.

„Netter Versuch wer… oder was auch immer Du bist. Aber einen Keil treibst Du nicht in meine Truppe. Egal welche Spielchen Du aufziehst. Sollte Dir bereits seit dem Tempel aufgefallen sein. Aber scheinbar ist das zu hoch für Dich „Bruder“, grinste Dunwin süffisant und grabschte dann blitzartig hinter sich, so als wollte er eine verborgene Waffe zücken.

Auch der Angreifer griff hinter sich und drehte sich ganz zu Dunwin um, um dem vermeintlichen Angriff zu begegnen. In dem Moment sprintete Archibald mit einer Geschwindigkeit los die sein menschliches Aussehen LĂĽge strafte.

Binnen eines Sekundenbruchteils war er bei dem Feind und kickte ihm mit voller Wucht in die Seite, so dass dieser von den Beinen gerissen wurde.

Mit einem Aufgrunzen kam der Feind wieder auf die Beine nur um sofort einen Tritt ins Kreuz von Canan zu kassieren. Er hatte zwar noch reflexartig die Arme vors Gesicht gerissen, aber da war Canans Fuß schon längst an seiner Deckung vorbei und ihm ins Gesicht gekracht und hatte ihm die Nase zerschmettert.
Erneut schlug er auf den Boden. Nun umzingelt von der Truppe.

Die Frau war hier eindeutig die größte Gefahr musste er nun verunsichert feststellen.
Gerade als er sich wieder aufrappelte, war Archibald ihm mit einem Sprung gefolgt. Er sprang den Kerl an, hakte den FuĂź hinter den Kopf seines Gegners und zwang sein Kinn in die Ăśberdehnung um ihm die Luft abzudrĂĽcken.

Während Arch ihn so fixierte, deckten Canan und Jesper den Feind mit harten Tritten ein.

Mit einem wĂĽtenden Aufschrei gelang es dem Burschen Arch abzuschĂĽtteln und sich mit einer ĂĽbermenschlichen Kraftanstrengung aus der Gefahrenzone zu katapultieren. Er kam auf, musste einen Moment verschnaufen und starrte auf die Truppe.

Arch schlug fast auf dem Boden auf, wurde aber von Jesper abgefangen – dabei feuerte Jesper sofort auf den Feind. Damir spannte die Muskeln an und sprang den Kerl direkt aus seiner Position an.

Mit einem Salto war er ĂĽber den Feind hinweg, stieĂź sich von der anderen Seite am Boden erneut ab und landete einen Griff mit der Beinschere. Damir schlang die Beine von hinten um den Hals des Feindes und drĂĽckte mit aller Kraft zu. Der Kerl krachte auf den Boden, nicht allein durch die Gewalteinwirkung allein schon das Eigengewicht von Damir schickte ihn auf die Bretter.

Der Feind drehte und wand sich wie ein Aal, und befreite sich aus Damirs Klammergriff.

„Ihr seid schon viel zu weit gekommen! Jetzt ist Schluss!!!“, brüllte er mit starkem Akzent, nässelte an einem Gerät herum und betätigte es.

„Spielt damit Menschenbrut!“, brüllte er wütend, raste in unglaublicher Geschwindigkeit auf den Rand der Plattform zu… und sprang über deren Rand!

Man hörte weder Aufschlag noch Aufprall. Die Truppenmitglieder traten langsam zusammen, lauschten und suchten Schutz in der Gruppe. Gemeinsam waren sie wirklich stark und hatten selbst so einen Gegner in die Flucht schlagen können. Canan ging zu ihrem Mann, untersuchte ihn und küsste ihn dann zärtlich. Auch sie lauschte angestrengt, konnte aber keinen Aufschlag hören.

„Er scheint sich irgendwie abgefangen zu haben. Oder es gibt hier eine Sicherheitsvorrichtung. Das wäre möglich, vielleicht für all jene die über den Rand stürzen können und nicht sollen. Wer weiß? Irgendetwas in der Art. Der Erbauer wird sicher auch nicht in den Tod stürzen wollen, sollte er mal gezwungen sein auszuweichen“, warf Alrun ein, was die anderen mit Kopfnicken bestätigten. Ihre Ausführung klang logisch.

Dann ein erstes Stampfen. Es klang als hämmere jemand einen gewaltigen Metallspieß auf den Boden. Das Rondell kam schlagartig zum stehen, das Terminal wurde gesperrt und zeigte nur noch einen roten Bildschirm.

„Oh oh“, sagte Chirag.
„Das gefällt mir ganz und gar nicht…“, warf Brijesh ein.

Ein Schrei, ein Kreischen als ob Kreide ĂĽber eine Tafel gezogen wurde hallte durch den gewaltigen Tunnelschacht und das Rondell wurde in seinen Standfesten erschĂĽttert. Etwas kletterte die Streben hoch. Es war laut, es musste riesig sein und es kletterte verflucht schnell.

Wieder einer dieser markerschĂĽtternden Schreie, dann kam schon der erste Arm der Kreatur in Sicht. Einem riesigen schwarz, roten Spinnenbein gleich schwang es sich auf das Rondell.

Lachend wandte sich ihr Feind an sie. Von oberhalb eines Aussichtsbalkons starrte er auf sie herab. Wie er dahin gekommen war – ein Rätsel.

„Meine Damen und Herren, begrüßen Sie U8 – wir haben keine Kosten und Mühen für Ihre Unterhaltung gescheut“, lachte der Fremde.

Er schaute noch einen Moment ob es das Wesen auf die Plattform schaffte, dann war er erneut mit einer rasend schnellen Bewegung verschwunden, ganz so als hätte man ihn sich gerade nur eingebildet.

„WAS BEIM ABGRUND IST DASS?“, brüllte Dunwin, während ihm Brijesh einen seiner Repetierarmbrüste in die Hand drückte und selbst das Feuer auf die Kreatur eröffnete.
„Na ein U8! Hat er doch gesagt!“, erklärte Chirag seinem Boss.

„Heilige Scheiße, ist das riesig!“, rief Merna und starrte auf das Monstrum.
„Riesig ist kein Ausdruck Baby!“, antwortete Arch und eröffnete ebenfalls das Feuer auf die Kreatur.

Das rĂĽttelte Merna wach und sie nahm es ebenfalls unter Beschuss.

„Sieht aus wie eine gepanzerte Spinne, der Beschuss prallt an dem Vieh ab verfluchte Kacke!“, brüllte Jesper der ebenfalls auf das Wesen feuerte.

„Das ist eine Maschine!“, brüllte Damir und warf eine Granate nach dem Wesen. Sie rollte unter den mächtigen Panzer, ging hoch und rüttelte das Ding gewaltig durch. Kreischend schlug mit den Panzerbeinen nach ihnen.

„Noch so eine Aktion Damir und wir sind Brei!“, brüllte Brijesh.
„Hups, vergriffen ich wollte ne Blendgranate werfen!“, motzte Damir zurück.
„Dann wirf die auch!“, brüllte Brijesh wütend.

„Chirag dass es ein U8 ist sagte schon die Zecke vorhin. Aber was ist ein U8 verdammte Scheiße? Damir wie kann man es töten?“, brüllte Dunwin und feuerte weiter.

„Ein U8 – guck da, Boss das Ding, ist ein U8“, erklärte Damir.
„DAMIR hör mal zu – ich will keinen U8 gezeigt bekommen, ich will ihn töten!“, erklärte Dunwin ganz langsam.
„Sag dass doch. Keine Ahnung Chef, ich weiß nur was der Feind sagte. Ich weiß nicht mehr als Du“, erklärte Damir und griff mehrere Blendgranaten.

„Damir Deine Nachricht beruhigt mich irgendwie… wie soll ich sagen… überhaupt nicht! Ich brauche eine Lösung aber zügig. Arch das Ding ist eine Maschine, wie knipst man sie aus?“, brüllte Dunwin.
"Ich überlege doch schon! Aber um es auszuschalten, müsste ich an das Vieh rankommen, bisschen gefährlich...", schnauzte Arch zurück.

„Wir werden alle sterben!“, brüllte Chirag.
„Nö“, sagte Jesper und feuerte weiter auf das Vieh. „Sehe ich überhaupt nicht ein mich von einem künstlichen Taschenkrebs umnieten zu lassen!“.

„Archibald Deine Überlegung dauert mir in dem Fall zu lang! Hopp! Rondell startklar machen und sieh zu dass die Brücke auf der anderen Seite von dem Vieh ausfährt“, befahl Dunwin schneidend.
„Schon unterwegs!“, antwortete Archibald und war mit mehreren Sätzen wieder beim Terminal.

Er tippte was das Zeug hielt, entschlĂĽsselte Diagramme die als Sicherheitsabfragen eingebaut waren und schaffte es binnen kĂĽrzester Zeit zurĂĽck ins HauptmenĂĽ.

„Warnung – Überbelastung der Tragfähigkeit auf Rondell 1… Warnung… Überbelastung… Maschina Ultimata 8 ist für das Rondell nicht zugangsberechtigt... Warnung...“, plärrte nun die synthetische Frauenstimme aus den Lautsprechern.

„Maschina Ultimata 8? Wo sind Maschina 1 - 7? Vergiss die Frage, falls es sie gibt, schick sie nicht her...
Ăśberbelastung ist klar, wir sagen Jesper zu ihm...
Leck mich doch am Arsch!“, knurrte Archibald und betätigte trotzdem die Auslösung und aktivierte wieder den Aufzug.

Jesper warf Arch einen giftigen Blick zu. Mit einem Ruck setzte sich das Gefährt wieder in Bewegung, allerdings mit schrecklicher Schieflage an der Seite wo der gewaltige U8 an ihm hing.

WĂĽtend ĂĽber diesen Vorgang peitschten die riesigen Panzerarme auf das gesamte Rondell ein. Schlugen wild und unkontrolliert um sich. Dort wo Archibald gerade noch gestanden hatte ging einer dieser Panzerarme runter und zertrĂĽmmerte mit spielerischer Leichtigkeit das Terminal.

Archibald war mit einem Satz bei Jesper und blinzelte ihn nervös an.

„Ziel erreicht - Ebene 12… Ziel erreicht – Ebene 12… Warnung – Sicherheitsabstand bitte einhalten - Brücke schwenkt aus. Warnung…“, tönte es nun aus den Lautsprechern.

Langsam kam das Rondell zum stehen und die Brücke schwenkte aus – ihr Weg in die Freiheit.

„Verfluchte Scheiße! Da fehlt die Hälfte Archibald!“, brüllte Harro.
„Ist mir auch aufgefallen!“, schnauzte dieser zurück.

„Das sind nur paar Meter! Drei oder vier vielleicht“, rief Damir.
„Wer kann die springen?“, fragte Harro angefressen.

„Springen von Euch keine Sau, aber ich kann Euch ohne Probs rüber werfen“, rief Damir.
„Du willst mich am Arsch packen und über eine Schlucht schleudern? Träum weiter Damir“, motzte Harro.

„Von wollen kann da keine Rede sein…“, lachte Damir.
„Mein schöner Körper! Ich bin nicht schwindelfrei, ich will nicht geworfen werden!“, motzte Chirag.

Dann hielt das Rondell komplett an und das zweite GegenstĂĽck krachte auf die erste BrĂĽcke.

Ihre einzige Chance auf Flucht und Überleben. Sofort warf Damir die Blendgranaten nach U8. Einige Sekunden später detonierten die Geschosse und tauchten die Welt um sie herum in grelles, gleißendes Licht.

Nun schrie Archibald anstatt des U8 auf und zwar vor Schmerzen.

"Ich muss kotzen, bei den Ältesten... ich töte die Drecksau! DAMIR!", brüllte Archibald stinksauer.
"Vorsicht Blendgranate - wollt ich noch sagen", schob Damir nach.

„Wer sagt es denn! Los raus hier! Jesper schnapp Dir Archi. Rest lauft lauft lauft!“, brüllte Dunwin, ergriff Canans Hand und rannte mit ihr wie besessen los, solange der mechanische Riesenkrebs noch außer Gefecht gesetzt war. Jesper warf sich den fluchenden Archibald über die Schulter und folgte sofort seinem Boss. Die Truppe folgte dicht auf dem Fuße.

Keine Sekunde zu spät sprangen sie auf die Brücke, denn U8 hatte das Rondell komplett erklommen und brüllte nun ohrenbetäubend seine Enttäuschung hinaus. Unter lautem Ächzen gab das Stahlgerüst unter seinem enormen Gewicht nach. Wie in Zeitlupe sahen sie das Geschöpf fallen. Einen Moment schien es mit der Konstruktion noch in der Luft zu hängen, dann brachen die Träger in sich zusammen und stürzten mit der Wesenheit in den bodenlosen Abgrund.

„Das war knapp“, schnaufte Brijesh.
„Knapp ist gar kein Ausdruck Bri“, sagte Harro und legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Wo lang nun?“, fragte Merna.
„Tja wie es aussieht haben wir nur eine Möglichkeit, erst mal einfach den Gang lang runter. Lasst uns genug Abstand zwischen uns und dem Aufzugschacht bringen“, warf Jesper ein, worauf die anderen zustimmend nickten.

Archibald stand blinzelnd, mit tränenden Augen und Damir angiftend neben Jesper, der sich krampfhaft jedes Lachen verkniff, während er Arch eingehakt festhielt.

„Dann los, haltet Marschformation. Arch und Jesper an meine Seite. Canan Du bleibst hinter mir Schatz. Merna und Sunja werden in die Mitte der Gruppe genommen. Sunja bereite Dich auf einen Einsatz vor. Du wirst vermutlich schneller wen verarzten müssen als uns lieb ist.

Also äußerste Vorsicht Leute. Fasst nichts an, betätigt nichts bevor wir es nicht eingehend untersucht haben. Abrücken“, befahl Dunwin und gab mit Archibald und Jesper die Vorhut.

Sie marschierten eine geraume Zeit durch einen engen Flur, nicht wissend, dass jeder ihrer Schritte verfolgt wurden.

„Die Anlage scheint komplett linear aufgebaut zu sein. Immer gerade aus“, sagte Dunwin mit einem Grinsen.

„Scheint so. Wirkt vielleicht vorerst wie ein Nachteil, aber bei unserer Kampfkraft und Bewaffnung ist das Gegenteil der Fall. Wir haben nur zwei Fronten. Wir müssen nur vor und hinter uns sichern und könnten uns zur Not vielleicht sogar verbarrikadieren. Und bis jetzt kam noch keine Kreuzung oder Gabelung, was nur eine Front zu lässt. Was hinter uns war wissen wir – nichts war dort. Im Moment können wir nur von vorne überrascht werden Schatz“, erklärte Canan.

„Archibald lass hören, Du hast die Pläne eingesehen“, warf Dunwin ein.

„Ja vorerst nur linearer Verlauf, später mit Abzweigungen aber die führen dann in die einzelnen Labore der jeweiligen Objekte und Artefakten. Soweit ich das gesehen habe, sind das separate Räume die eben an den Hauptgang angrenzen. Entweder mit oder ohne Sicherheitsvorkehrungen. Wobei die Räume die ohne Sicherheitsvorkehrung gekennzeichnet waren, garantiert härter gesichert sind als alle anderen“, erklärte Archibald.

„Was die Sache nicht besser oder einfacher macht“, ergänzte Canan dazu.
"Niemand hat gesagt, dass es einfach werden wird", grinste Dunwin.


***

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Re: Das Labor

#2

Beitrag von Dunwins Geist » Di 2. Jan 2018, 12:59

Finsternis. Alles umfassende Finsternis. Ein Monitor flackerte auf. Er befand sich in einem Raum, den niemand auĂźer ihm und der Inspektor betreten konnte und durfte. Er setzte er sich auf den Stuhl, der vor dem Kontrollpult stand, stĂĽtzte einen Ellenbogen auf die Armlehne, nahm das Kinn in die Hand und schlug die FĂĽĂźe ĂĽber Kreuz. Auf dem Monitor erschien ein unbekanntes Logo. Nach kurzer Zeit wich diese Logo-Trilogie dem BefehlsmenĂĽ.

„Willkommen im Hive von Schwester 2 - Fallax Silentium, unter Leitung des ehrwürdigen Inspektors Camiglir Gletscherblut, User Malvyro.

Ihr Workflow weist auf Folgendes hin:

Notlagebericht auf Archiv 1 ist einzusehen.
Sicherheitsverletzungen auf sämtlichen Ebenen, einschließlich Labore.
Sicherheitsverletzungen nicht behoben!
Höchste Dringlichkeitsstufe.
Behebung umgehend erforderlich. Auftrags Erledigung steht aus.

Sie haben unverzĂĽglich zu handeln!
Wie gedenken Sie vorzugehen? Eliminationsvorschläge sind abrufbar.
Wählen Sie den gewünschten Dienst aus dem Menü aus“, verkündete das Schiff.

Er bediente das Kontrollpult. Verschiedenste Datenbilder liefen ĂĽber den Bildschirm. Zeitgleich behielt er ĂĽber einen anderen Monitor die Eindringlinge im Auge.
„Dann wollen wir mal“, schnarrte er.

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Re: Das Labor

#3

Beitrag von Dunwins Geist » Mo 5. Feb 2018, 19:38

Daibos

Sie standen vor einem Glascontainer und ein ungeheurer fetter, riesiger, grau-grĂĽner Kerl war dahinter zu sehen. Vielmehr starrten sie zuerst nur auf seinen gewaltigen schwabbligen Bauch.

Archibald starrte hinein und aktivierte das Terminal vor der Glasfront. Der Bildschirm flammte auf, man sah zuerst nichts, dann sah man einen OP-Tisch, einen Frostalben und gewaltige Kolonne an Zahlen- und Bildern, die Arch aufmerksam mit schräggelegtem Kopf studierte.

„Kapierst Du das kryptische Zeug dort Arch?“, fragte Harro, starrte mit auf den Schirm und legte ihm einen Arm um die Schulter.

„Sieht aus als hätte da wer Maltag gehabt“, grinste Harro.
„Verstehen wäre zu viel behauptet. Besser gesagt, ich erkenne was es darstellt. Das ist ein Bauplan, aber von was? Von dem Wesen da drin? Warte“, sagte Arch und rief den Statusbericht ab.

„Hört hin“, sagte Archibald, während sich Sunja und Merna neben ihn stellten. Jesper schaute bleich auf den Monitor, Harro musste genau wie Jesper seinen Brechreiz herunter schlucken.

„Zu-Forschung-Objekt Daibos – mögliche Aufwertungen für Arakasia – Testobjekt Alpha. Statusbericht.

Mein Kollegialer Dank und meine GrĂĽĂźe richten sich an erneut an Galanthanth Yal, der uns seine Arbeit zur VerfĂĽgung stellte.

100 Objekte Menschenmaterial – meist araschischer und naridischer Herkunft haben wir mit der neuen Droge infiziert. Es hat sich herausgestellt, dass fertige Ghule als Objekte ungeeignet sind.
Aus dem vorgenannten Grund wurde auf Menschliches Material zurĂĽckgegriffen.

Ein weiterer seltsamer Umstand ist, dass es bei Strafgefangenen Subjekten ausschlaggebend ist, ob diese von ihrer Unschuld überzeugt sind. Diese vermeintlichen Unschuldigen entwickeln in Sonderfällen aufgrund ihrer Psychologie eine Resistenz gegen die Droge. Dazu später mehr.

Studien im Feldversuch waren vielversprechend, 98% Trefferquote der Auslöschung.
Tod trat binnen 8 Stunden vollumfänglich ein.

Daibos als Weiterentwicklung brachte den Hirntot der Probanden innerhalb von 3 Stunden Karenzzeit mit sich.

Eine äußerste Steigerung der Effektivität, die von mir bis dato nicht unterboten werden konnte. Wir verzeichnen immer noch 2 % Resistenzbildung die von mir bis dato nicht akzeptiert werden konnten.

Ein Schwesternprojekt wurde als Vergleichsstudie geschaffen und zeigte vor genannte Abnormität. Alben verstarb binnen 3 – 8 Stunden Zyklus vollumfänglich. Resistenzbildung negativ – Vollständige Vernichtung – Erfolgsrate bei 100%.

2 % Resistenzbildung bei freiaufgewachsenem Menschenmaterial.
Unschuldige Objekte waren unerklärlicherweise resistent gegen die aggressive Droge.

Das Krankheitsbild verlief bis zum Stadium der Raserei, wurde dann aber abgeschwächt und der Körper blieb mit einem seltsam verfärbten Hautbild zurück. Die Droge wurde somit von mir erfolgreich an Probanden getestet.

Von 1879 Testobjekten war es mir möglich 100 resistente Objekte zu sichern.
Nach der ersten Behandlung, Forschungsgruppe Daibos verstarben in der ersten Phase bereits 80 Objekte. Diese wurden zur Sicherung der sofortigen Vernichtung zugefĂĽhrt.

20 Objekte ĂĽberlebten die Behandlung Daibos die ersten 14 Tage.
16 Objekte ĂĽberlebten die Karenzzeit nach 14 Tagen von Daibos nicht.
Abnorme ungewünschte Veränderungen traten auf.
Die Objekte wurden von mir ebenfalls zur sofortigen Vernichtung freigegeben.

Von Insgesamt 1879 Testobjekten hatten wir als Grundbasis nun nur noch 4 die die letzte Phase von Daibos erreicht hatten.

Dabei wurde festgestellt, dass alle 4 ĂĽberlebenden Objekte jung, vital und unschuldig waren. Um erfolgreich Kampfmittel zu schaffen, werden wir keine Objekte ĂĽber 30 aus Naridien exportieren.

Von den 4 Objekten die die Endphase erreicht haben existiert nur noch Objekt Alpha und Objekt Beta. Objekt drei begann nach Genesungsphase selbstständige Entscheidungen zu treffen.

Eine Lenkung seiner Handlung in gewünschte Bahnen war nicht möglich. O3 ist es gelungen, aus seinem Fixator zu entkommen. Ich habe das Objekt in der Sicherheitsschleuse des Hochbrenners stellen können. Immer noch trotz mehrfachen vergeblichen Versuchs ließ sich das Objekt nicht wieder gebrauchsfähig machen.

Es schien als habe sich die fehlerhafte Grundeinstellung zu sehr in die Hirnregionen eingebrannt. O3 musste der Verbrennung zugefĂĽhrt werden. Ein freier Wille minderen Soldatenmaterials ist nicht akzeptabel.

O4 zeigte nach 3 Monaten ebenfalls leichte Anzeichen von, wie Kollege Imiliar es deutete, Mitleid und Gewissen bei Einsatzversuchen. Mehrfaches Zögern von O4 bei befohlenen Hinrichtungen sind dokumentiert. Um die Sicherheit und Stabilität der Versuchsreihe aufrecht zu erhalten wurde nach Beendigung des Feldeinsatzes O4 sofort der vollständigen Vernichtung zugeführt.

Grundbasis fĂĽr unsere weiteren Forschungen blieben somit nur noch Alpha und Beta.

Da in absehbarer Zeit ĂĽber neues Material verfĂĽgt werden wird, beschlossen wir Alpha eine Spezialmodifikation zu unterziehen.

Vielmehr war dies der Vorschlag von Kollege Imiliar.
Im besonderen Hinblick auf die Leistungsfähigkeit von Nachteinsätzen, oder zu bewachenden Gegenständen in völliger Finsternis sollte ein entsprechendes Wesen zu schaffen sein.

Ich stimmte diesem Vorschlag vollumfänglich zu.

Zwecks Reizung der Aggression wurde Alpha zuerst in den Fixator gespannt und ich hämmerte ihm zwei Stahlstäbe in die Stirnlappen. Dies löste eine Reihe äußerst aggressiver Angriffsversuche aus, die das Adrenalin in sehr schöne hohe Bahnen trieben.

So vorbereitet entfernte ich unserem Testobjekt ohne Verabreichung von Narkotika die Augen. Wir wollten damit testen, in wie weit die anderen Sinne nun entsprechend den verlorenen ausgleichen würden. Tag 4 nahm ich ihm die Fähigkeit zu riechen um sein Gehör weiter zu verschärfen.

Alpha litt nun ab dato unter postneutralem Stress-Syndrom und magerte leicht ab.
5 % Verlust der Körpermasse war zu verzeichnen. Um diesem für uns äußerst ungünstigen Umstand entgegenzuwirken verabreichte ich dem Testobjekt Gardya.

Der Massezugewinn nach Gardya-Verabreichung war dermaßen erfolgreich, dass ich die Dosis auf 150% über Normalnull hochfuhr. Das Wesen erreichte eine unglaubliche Körperkraft und Schnelligkeit.

Fast zog ich den Gardya-Einsatz auch fĂĽr mein Eliteprojekt Arakasia in Betracht, wartete aber die Sicherheitsphase ab.
Die Sicherheitsphase war mein Glück, so dass ich kein Objekt der Arakasia Reihe gefährdet hatte.

Bei 220 % ĂĽber Normalnull brach der komplette Vitabolismus des Objekts zusammen. Der Kreislauf konnte die verabreichte Menge nicht mehr verarbeiten und sackte weg. So musste die Gabe bei 180 % ĂĽber Normalnull eingependelt werden.

Der Organismus schlug um. Die Masse vermehrte sich zusehends, allerdings in Übergewicht. Ein weiterer Gebrauch ist nur noch als Spende- oder Basismodell vorgesehen. Zwecks leichterer Entnahme von hochinfektiösen Gewebeproben habe ich dem Objekt Alpha bereits die Schädeldecke entfernt so dass das Hirn offen liegt.
Die Kopfhaut habe ich als dĂĽnne Schutzschicht drĂĽber geklappt. Mit wie vielen Basisobjekten aus Obenza gerechnet werden kann um die angepasste Kampfdroge Daibos verabreicht zu bekommen ist noch nicht ermittelt worden.

Statusbericht Daibos, Forschung, Ordum Oculum - Inspektor Camiglir – Alpha Ende“, erklärten die Aufzeichnungen.

Alrun stand kreidebleich, zitternd und lautlos weinend vor der Scheibe.

„Das…“, stammelte sie und zeigte auf das Wesen „das war mal ein Mann? Ein Mensch wie wir alle hier? Ein unschuldiger, Naridier?“, fragte sie in die Runde, guckte einem nach den anderen an, ehe ihr Blick bei Damir haften blieb. Er ging zu ihr rüber nahm sie in die Arme und drückte sie tröstend.

„Ja das war er“, flüsterte Damir ihr zu und legte Alrun beruhigend eine Hand auf die Schulter.
„Das kann nicht sein. Das darf nicht sein Damir“, flüstere sie ihm zu.
„Ja Schatz, ich weiß“, sagte Damir tröstend.

„Töte ihn Damir“, hauchte Alrun kaum hörbar.
„Sie hat Recht!“, flüstere Canan und alle nickten.

Damir nickte knapp und lud die Armbrust durch.

„Öffne die Kammer Archibald“, bat er. Ehe Archibald etwas erwidern konnte, meldete sich schon Alrun zu Wort und ergriff Damir felsenfest am Arm.
„Nicht ihn – CAMIGLIR!“, rief Alrun, was Damir erstaunt innehalten ließ.

„Er ist ein Dämon. Sowas darf niemand er ist… mach es weg Damir!“, knurrte sie und starrte ihren Freund an, während ihr Tränen die Wangen runter rannen.
Erneut ein knappes Nicken von Damir, dann kĂĽsste er seine Freundin auf die Stirn.

„Alrun glaub es mir, Camiglir zu töten wird dem Wesen hier auch nicht mehr helfen. Es ändert doch nichts mehr für dieses Geschöpf. Was geht das uns an... das geht uns gar nichts an...“, sagte Archibald beruhigend.

„Und? Deshalb nimmst Du ihn in Schutz? Ihn zu beseitigen rettet Hunderte, Tausende oder mehr! Guck Dich doch um! Was für ein Wissen, was für eine Macht und was für einen Aufwand er geleistet hat. Stell Dir nur vor er hätte es für die Menschen oder Frostalben genutzt, statt gegen die sie. Camiglir ist wahnsinnig!

Und nur weil Daibos nicht mehr geholfen werden kann, gibt das niemanden das Recht so etwas einem anderen anzutun. Sprich sich ein neues Opfer zu suchen.

Melde Du Dich doch freiwillig für die nächste Runde – Camiglir macht Dir sicher ein Plätzchen frei, so unter Freunden“, antwortete sie dermaßen wütend und störrisch, dass Damir schmunzeln musste.

Allerdings kannte Damir auch Archibald und seine aufbrausende Art wenn man ihn zurechtstutzte, drum legte er demonstrativ seinen Kopf auf Alruns Schulter und starrte an.

"Was glaubst Du interessiert einen Frostalben ein Mensch Alrun? Und was interessiert er uns? Aber von mir aus, legen wir ihn um. Was sollen wir beide uns für so ein Spitzohr streiten. Töten wir ihn damit Du Dich wieder ein bekommst", antwortete Arch.

Ganz entgegen seiner Art breitete Archibald die Hände aus und zeigte Alrun die Handflächen als Zeichen des Friedens. Jesper legte Arch einen Arm um die Hüfte und drückte ihn kurz.

"Da ist gerade noch wer stolz auf seinen Partner und ich bin es irgendwie auch. Bei Dir weiĂź man nie wo man dran ist Dornburg. Vom eingefleischten Arschloch zum besten Freund innerhalb von Sekunden", grinste Dunwin.

"Du weißt wie Archi ist, seine Art wird ihm ein Leben lang genug Probleme bereiten. Und mit Jesper sollte er es sich nicht verscherzen. Kaum ein anderer hätte das mitgemacht und wäre an seiner Seite geblieben. Solche Kerle wie Dich oder Jesper gibt es kaum. Und ich bin froh dass ich auch einen abbekommen habe. Nach all der Zeit des Wartens und Sehnens, habe ich eine Premiumausgabe bekommen", grinste Canan glücklich und küsste Dunwin leidenschaftlich.

"Ich will so einen Schwachsinn nicht hören", knurrte Arch.
"Aber ich", grinste Dunwin.

„Tut mir leid Archibald, ich wollte Dich nicht angiften“, sagte Alrun aufgewühlt.
„Ja ja hochinteressant Alrun, Danke. Zu Daibos Leute. Ich muss auf Folgendes hinweisen. Wir können ihn nicht erschießen – dass wollte ich gerade einwenden. Wenn er uns verletzt, infiziert er uns. Wenn wir ihn verletzten, zum Beispiel anschießen und Blut oder andere Tröpfchen einatmen infizieren wir uns. Er ist hochinfektiös, wenn er uns mit seiner Seuche ansteckt, diesem Daibos-Scheiß, sterben wir unweigerlich innerhalb von 3 – 8 Stunden, ohne Chance auf Heilung. Das sagte die Kalkfresse im Bericht. Wir können ihn nicht erschießen... also erlösen... bedauerlich aber wahr....“, sagte Arch.

"Ich habe es von der ersten Sekunde an gewusst, dass wir alle sterben werden", warf Chirag mit Grabesstimme ein.
"Ja das ist Fakt, wir sterben alle", erklärte Merna.

"Was?!?", fragte Chirag gequält.
"Nun vielleicht nicht hier, nicht heute, nicht an Bord von diesem Ding, aber irgendwann sterben wir...", lachte Merna, was auch Archibald losprusten lieĂź bei dem Gesicht das Chriag zog.

„Sekunde, lass uns nochmal den Plunder hier durchgehen“, sagte Jesper und durchwühlte die Unterlagen am Terminal, während Holzi und Damir gekonnt die Umgebung sicherten.

„Du hast Recht, irgendwo wird vermerkt sein wie man ihn aufhalten oder vernichten kann. Warte ich helfe Dir“, sagte Merna und machte sich mit dran, die Unterlagen zu durchforsten.

„Und was gefunden?“, fragte Damir nach und sprach damit aus, was die ganze Gruppe dachte.
„Ja sein Datenblatt, warte einen Moment“, sagte Jesper und überflog es gemeinsam mit Merna.

„Was steht denn da genau?“, wollte Alrun wissen.
"Lass ihn lesen, dann erfahren wir es!", warf Archibald ein.

„Seine Personalien. Daten zu Daibos-Objekt – Alpha.
Ausgangsmaterial – Arend Voggenreiter, Alter – 27 Jahre, Geschlecht – männlich, Herkunft – Obenza… er hat einen Naridier umgebracht… “, las Jesper vor und starrte Archibald an.

"Ja er, nicht ich, was glotzt Du mich so an?", fragte Arch baff.

„Überempfindlichkeit – Schall. Man kann ihn mit lauten Geräuschen töten“, erklärte Merna.
„Gut wer geht rein und brüllt ihn an? Wie wäre es mit Dir Damir? Du hast doch eine unheimlich große Fresse.... oh nein.... warte... WARTE... spiel ihm doch ein Lied....“, lachte sich Archibald schlapp.
„Das kann ich bestätigten“, lachte Merna.
„Oh bitte, Eure ist kaum kleiner, ich lass Euch den Vortritt“, grinste Damir zuckersüß zurück.

„ICH“, sagte die sonst so stille Luitgard.
„Was?“, fragten Dunwin und Archibald wie aus einem Mund.
„Ich gehe hinein und werde es erlösen“, sagte Luitgard mit etwas Verunsicherung in der Stimme.

"Es?", fragte Jesper.
"Ihn!", korrigierte Harro.
„Bist Du Dir ganz sicher?“, fragte Alrun nach.

Sie kannte ihre Freundin nur zu gut. Eine Mörderin war sie ganz und gar nicht. Aber hier ging es auch nicht darum jemanden zu ermorden, sondern zu erlösen.

„In Ordnung. Sei bloß vorsichtig Luitgard “, mahnte Archibald, begab sich zurück zum Terminal und wollte die Sicherheit knacken – als eine bekannte Stimme aus den Lautsprechern mit extremen Akzent schnarrte, dass zweimal hinhören musste.

„Meinen Glückwunsch. Ich weiß nicht ob ich Euch als Plage sehen soll, oder als Herausforderung. Meinen Respekt habt Ihr jedenfalls. Und da bin ich heute mal nicht so, ihr möchtet Daibos ein Ständchen bringen – nur zu“, lachte er krächzend.

Dunwin und Archibald schauten sich fragend an und im selben Moment entriegelte die Sicherheitstür die sie von Daibos trennte. Das gewaltige, fette Wesen fuhr so blitzschnell herum, dass man es kaum für möglich hielt. Schon war es an der Geräuschquelle und lauschte an der Tür, die sich nun zischend öffnete.

„DAIBOS MEIN FREUND, SAG HALLO ZU DEN GÄSTEN!“, lachte es aus den Lautsprechern.
Das Wesen heulte auf, stĂĽrmte in den Raum der Truppe und schlug mit einem gewaltigen brachialen Hieb in den Lautsprecher der funkensprĂĽhend verstummte. Irritiert blieb es einen Moment stehen und legte den Kopf schief. Lauschte und drehte sich nach allen Seiten um.

Jeder beobachtete es mit äußerstem Misstrauen. Langsam aber sicher wankte die unförmige Kreatur auf Arch zu, der lautlos seine Repetierarmbrust zückte und wieder aller Vernunft in Kampfposition ging.

Feuern durfte er nicht, damit würde er sie alle zum Tode verdammen. Aber die Waffe in der Hand gab ihm einfach ein beruhigendes Gefühl. Mehr als nur bewusst, nämlich unter größter Willensanstrengung musste er den Finger vom Abzug nehmen.

Merna schaute zu Damir rĂĽber und trat dabei leise von einem FuĂź auf den anderen. In der Sekunde warf sich Alpha schon herum und stĂĽrzte auf sie zu.

Geistesgegenwärtig ging sie in die Hocke und blieb mucks Mäuschen still hocken. Wieder horchte Alpha, dann zog er sich langsam in die Mitte des Raumes zurück, wobei er bei jedem Schritt leise aufstöhnte.

Canan drückte Dunwins Hand fester. Dunwin drückte Canans Hand noch fester und schaute zu Damir. Damir zuckte lautlos mit den gewaltigen Schultern. Er wusste keinen Rat wie er ein Wesen töten sollte, ohne es zu verletzten.

„WAS SCHNÜFFELST DU DA RUM FETTSACK???
DEINE AUFGABE IST NICHT ERLEDIGT!“, gackerte es nun aus einem anderen Lautsprecher.

Das Wesen presste sich aufheulend die Hände auf die Ohren. Der Laut klang als würde es weinen, aber ihm fehlten die Augen dazu. Dann wütete es durch den Raum und walzte bedrohlich auf die Gruppe zu.

Ganz leise und schĂĽchtern wie es ihre Art war trat Luitgard vor. Scheu und dennoch im Moment mutiger als jeder andere in der Gruppe.

„Arend“, sagte die Frau sanft.
Mitten in seinem Wutausbruch und seinem Vandalismus hielt Alpha inne und drehte sich zu ihr um.
„Arend Voggenreiter“, sagte Luitgard lauter.

Alpha legte den Kopf schief und ging langsam auf Luitgard zu.
„Wer?“ fragte das Wesen nuschelnd geradezu vorsichtig, näherte sich Luitgard und blieb dann abwartend stehen.

Glasklar und in einer Lautstärke die man ihrer schmächtigen Gestalt nicht zugetraut hätte erhob Luitgard ihre Stimme und setzte zum Gesang an. Sie sang glasklar, mit Herzblut und einer Lautstärke um die sie jede Opernsängerin beneidet hätte.

Sie sang mit ihrem Leib und ihrer Seele – sang für diese Seele dort, die zerschunden, misshandelt und nun missgebildet vor ihr stand.

Sie sang so, wie sie noch nie in ihrem Leben gesungen hatte.

Sang ihren eigenen Schmerz, dass Grauen und das Schlechte was sie erlebte hatte hinaus in die Welt. Sang sich die Brutalität und die Angst aus dem Herzen – sang von Hoffnung und Erbarmen. Sie sang von Frieden und Erlösung. All diese Gefühle legte sie in die Töne, aber auch der Text war mehr als eine bloße Wortwahl – Luitgard sang voller Leidenschaft und Andacht die Hymne Naridiens. Fast jeder der Gruppe war ergriffen, Merna und Sunja weinten lautlos – sich nicht ihrer Tränen schämend.

Luitgard hatte die Augen geschlossen und sang die letzte Passage. Als der letzte Ton im Raum verklungen war hörte man selbst kurz am Lautsprecher ein leises Schlucken bevor dieser abgeschaltet wurde.

Die junge Frau öffnete langsam die Augen. Die Truppe schaute ebenfalls wieder hoch. Vor Luitgard lag Arend Voggenreiter - Alpha, er war tot, aber ein Lächeln umspiele seine entstellten, halb verwesten Lippen. Luitgard schaut weiter auf ihn hinab, bis jemand ihr einen Greifschwanz um die Schulter legte und sie sanft wegzog.

„Komm meine Kleine“, flüsterte Canan aufmunternd und führte Luitgard und die Gruppe hinaus in den Gang.

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Re: Das Labor

#4

Beitrag von Dunwins Geist » Mo 5. Feb 2018, 20:20

Allergisch auf Schocks

Harro trat als erster an die Tür, blickte über die Schulter zurück in die ersten Gesichter der Gruppe und nickte knapp. Die Truppe nickte ebenfalls. Das Türslot zeigte grünes Licht – Passierbar. Harro drückte mit beiden Händen gegen die Tür um die diese lautlos zu öffnen, versteift sich für Sekunden wie ein Brett und fing dann hemmungslos an zu zappeln wie ein Spastiker ohne die Tür wieder loszulassen.

„Oh wirklich witzig Harro! Falls Du einen meiner Anfälle nachäffst setzt es was“, zischte Archibald.

„Hi-hi-hihi… lf..lf..lf… tä-tä-tätätätä…tü-tü-tü… tütütüt…“, stammelte Harro mit klappernden Zähnen.
„Jaja!!! Hihi tätärääää… tüt tüt – Wir haben keine Zeit für den Scheiß! Hör auf!!!“, motzte Damir und drohte Harro mit geballter Faust.

„Das der ausgerechnet jetzt rumalbern muss! Ich fass es nicht! MÄNNER!“, fauchte Alrun, während Harros Haare in einem seltsamen Rhythmus zu Berge standen und sich wieder flach anlegten.

„Was beim Abgrund macht der da?“, fragte Damir.
„Guck mal die Haare“, lachte sich Brijesh schlapp.

„Der hat eine Haar-Erektion – eindeutig!“, sagte Chirag so trocken, dass alle zeitgleich losprusten mussten.

„Hhhll… hhlll… Llllf-lf-lfe…Äääääääääääääääää“, kreischte Harro während Rauchwölken aus seinem Haar aufstiegen und legte mit den Füßen einen Paddeltanz hin, dass jeder Alb neidisch geworden wäre.

„Der sieht er aus als hätte er eine Ganzkörpererektion, der ist steif wie ein Brett, wenn er nicht gerade tanzt“, lachte Archibald.
"Ganzkörpererektion?", prustete Jesper.

Luitgard schnupperte geräuschvoll.

"Riecht seltsam", erklärte sie nachdenklich.
"Hat der sich eingeschissen?", fragte Dunwin argwöhnisch.
„Nein Boss, er riecht ein bisschen verbrannt, er sieht unheimlich aus…“, sagte sie leise, während Harro schon mit der Zunge schlug und sabberte.

„Hörst Du jetzt die Scheiße auf???!!!??? Du machst den Weibern Angst!“, brüllte Holzi dermaßen drohend und geifernd, dass selbst Bri kurz zusammenzuckte.
„Hossa – ruhig Holzi, gaaaaanz ruhig“, sagte Brijesh und klopfte Holzi wie ein Pferd auf den Hals, dass beide vor Lachen losprusten mussten.

„Wid-wid-wid-wid…wi-d, wi-d….wiii..iiiieee… WIE DENN?????“, kreischte Harro und seine Augen rollten unkontrolliert in den Höhlen hin und her.

„Mir wird schwindlig wenn ich in seine Augen guck!“, sagte Sunja und rieb sich die Klüsen.
„Dann lass es doch! Keiner zwingt Dich Augenkontakt zu halten“, kommentierte Jesper, was Archibald erneut loswiehern ließ vor Lachen.

„Meine Güte, helft doch mal dem Kerl!!!“, knurrte Merna, schritt forsch auf Harro zu, packte ihn an der Schulter und fing ebenfalls an unkontrolliert zu zittern, zu tanzen und zu sabbern.
„Nä, also echt! Merna von Dir hätte ich das als letztes erwartet! Soll denn der Scheiß jetzt von Dir?“, motzte Jesper genervt.

Holzi stellte sich im ausreichenden Sicherheitsabstand dazu, schaute kurz auf den vermeintlichen Takt der beiden und tanzte dann mit. Holzi tanzte zu Damir rüber und tanzte prustend Damir an – er wusste sein Kumpel war genauso schräg drauf wie er.

Damir fiel lachend mit in den Tanz ein. So hatten Merna und Harro zwar keine Backroundsänger aber Tänzer. Zappelten die zwei Opfer nach oben gingen die Kerle runter und umgekehrt, dabei wieherten sie vor Lachen.

„Ich muss sagen Eure Chorographie hat was. Ein klares DAFÜR! Ihr seid eine Runde weiter“, lachte Arch und genoss grinsend die Show vom tanzenden Holzi und Damir, aber nur so lange bis sich Jesper neben ihn stellte und sich räusperte.

Urplötzlich waren für Archibald seine Fingernägel hochinteressant.

„Leute ich glaube die Tür steht unter einem Schutzzauber!!!“, warf Alrun ein, was Harro und Merna sofort mit groteskem Nicken bestätigten.

Ein kollektives, erstauntes „Ohhh“, war von der Gruppe zu hören, während es Harro und Merna trotz ihres Martyriums gelang wütend rüber zu funkeln.

„Einer Schutzzauber-Opfer-Erfahrung?“, fragte Damir lachend, was Holzi donnernd losprusten ließ.
„Da haben sich zwei gefunden“, raunte Jesper Archibald zu, konnte sich aber auch ein breites Grinsen nicht verkneifen.

„Wir müssen sie mit etwas umwickeln und dann dort wegzerren. Ein Seil. Oder sie mit einem Schrubber-Stil wegschlagen, damit könnten wir sie auch von der Tür wegdrücken“, warf Sunjas ein.
„Weder einen Lassoschwinger noch die Putzfrau von dem Saftladen ist dabei und nun?“, fragte Holzi der nun dazu übergegangen war mit Damir Mambo zu tanzen.

„Dann muss sich einer trauen die beiden von der Tür weg zu kicken. Wenn er schnell genug kickt, wird er keinen Schock bekommen“, sagte Sunja und schaute Damir an. Damir schaute sofort hinter sich wen sie wohl gemeint haben könnte.

„Damir?“, fragte Sunja dann um die Sache eindeutiger zu machen.
„Oh nein. Nein nein nein! Das vergiss mal ganz schnell wieder Herzchen! Nicht ich. Ich bin allergisch auf Schocks“, sagte Damir mit einem Ton dass Brijesh losprusten musste.

„Eh Alter – wer nicht?“, lachte Brijesh und die ganze Gruppe prustete wieder los.
„Wir sollten schneller denken, die beiden sind schon Medium“, lachte Archibald.
„Wer Freunde wie uns hat braucht keine Feinde“, lachte Dunwin.

Luitgard ging zu einem verkleideten Kasten, riss ihn auf und drĂĽckte alle Sicherungen nach unten. Schlagartig war der Strom fĂĽr die TĂĽr abgestellt, Harro und Merna sackten zu Boden.

„Luitgard … wer hätte Dir das zugetraut? Niemand“, staunte Chirag.

„Was? Dass ich lesen zu kann?“, fragte die kleine Frau verschmitzt nach.
„Danke Süße“, sagte Merna und rappelte sich unter Schmerzen wieder auf, strich sich die Haare glatt und zog dann Harro hoch.

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Re: Das Labor

#5

Beitrag von Dunwins Geist » Mi 7. Feb 2018, 17:09

Blumen zum Muttertag

Die Gruppe marschierte vorsichtig weiter. Dass dies bereits alles an Gegenwehr gewesen sein sollte, was hier vermutlich aufgeboten wurde, konnte keiner glauben. Ihr Weg fĂĽhrte sie an Tanks mit seltsamen Blumen vorbei.

Warum diese Blumen dermaßen hinter „Schloss und Riegel“ waren war unbekannt. Aber eine Gefahr musste von ihnen ausgehen, sonst wären sie nicht auf diese Weise gesichert worden.

„Die Blumen haben irgendwie was Schönes. Ob sie organisch sind? Also ich meinte, natürlich sind sie organisch, aber eben wie Tiere nicht wie Pflanzen. Was meint Ihr?“, fragte Merna neugierig und starrte in einen der Behälter.
„Vielleicht sind sie hochgiftig. Mir ist diese Pflanzenart nicht bekannt. In Naridien gibt es sehr viele Pflanzen. Nicht nur einheimische Sorten, sondern auch die exotischsten Sorten aus ganz Asamura. Wir legen viel Wert auf schöne blühende Landschaften, aber diese Pflanzen haben wirklich etwas Sonderbares“, erklärte Luitgard.

„Bei uns hatte Oma Almamordius eine Schlangenpflanze. Sie war groß, sah aus wie eine Ranke und war über und über mit Dornen versehen. Also die Pflanze... nicht meine Oma.

Die Pflanze wog sich ständig hin und her als ob Wind sie bewegen würde, aber sie selbst bewegte sich ohne äußeren Einfluss. Ähnlich wie ein Meerestier. Wer dem Ding zu nahe kam und dabei nach Angst stank starb. Darum stand sie bei Oma im Flur. Von uns hat keiner das Ding groß beachtet. Gut sind wir ehrlich, wer beachtet schon eine Pflanze, ob die nun Mambo tanzt im Topf oder nicht?

Bis zu dem Tag des geschredderten Kläffers, hielt ich das Ding für strunzdämlich und langweilig. Sobald ein Feind das Haus betreten würde, sollten sie zuschlagen. Das hatte ihr wohl vorher keiner gesagt. Da sie voller rasiermesserscharfer Dornen war, wäre man nach so einer Umschlingung schon schwerst verletzt. Das war ja Sinn der Sache. Aber es geht noch weiter. Die Pflanze schlingt und zieht so fest zu, bis ihre Dornen das Fleisch bis auf den Knochen durchtrennt haben. Man wird quasi wie in lebenden Stacheldraht eingewickelt.

Ihr Opfer behält sie in der Umklammerung und frisst es dann auf. So ernährt sie sich, wie Sonnentau. Giftig soll sie angeblich auch gewesen sein. Die Bougie-Wougie-Pflanze war schon ein Klopper. Sie packte sich eines Tages einen von Omas Wadenbeißern.

Der Köter wurde geschnappt, eingewickelt und regelrecht geschreddert. Der sah aus, als wäre er in einen Hexler gestürzt. Ab dato habe ich sie geliebt und verlangte einen Ableger. Aber nein unsere weichgespülte Oma hat ab dato verboten, dass sich irgendwer eine Schlangenpflanze hält und hat die alte Pflanze auch noch vernichtet.

Mein Vater bat um einen Ableger und durfte einen behalten. Der Ableger stand leider in einem gesonderten Raum und war gesichert. Man konnte sie dort aus der Entfernung angucken. Heute steht sie woanders. Aber wer sie sah wusste, dass sie die Gefährlichkeit eines Skorpions besaß. Drum weiß ich eines, Leute die Pflanzen für harmlos halten, irren sich gewaltig.

Und wie mein Oma mir einmal einst sagte, existieren Pflanzen schon viel länger als das was wir höheres Leben nennen. Pflanzen haben mehr Verteidigungsmechanismen als wir uns träumen lassen. Und sie kommunizieren auch miteinander, zum Beispiel über Duftstoffe um sich vor Fressfeinden zu waren. Wird ein Baum angefressen sondert er einen Duft ab, Warnung Fressfeind und die anderen ziehen Gifte in ihre Blätter. All sowas ist Pflanzen möglich. Sie sind so verschieden wie sie tödlich sind.

Jedenfalls lange Rede kurzer Sinn Leute, ich denke diese Pflanzen dort drinnen sind genauso gefährlich wie der U8 den wir hinter uns gelassen haben. Nur sieht man ihnen ihre Gefahr nicht an. Wir sollten auf alle Fälle die Finger von ihnen lassen“, mahnte Archibald.

„Dann sind die Blumen garantiert nicht für die Liebste gedacht oder als Muttertagsgeschenk geeignet“, lachte Holzi.
"Oh doch, meiner Mutter hätte ich sie ohne zu zögern geschenkt", grinste Arch.
„Du bist zu gut für diese Welt Archibald von Dornburg, Dein Großmut kennt keine Grenzen“, antwortete Jesper grinsend.

„Eher für die Schwiegermutter, wenn die ein Drache ist“, lachte Brijesh.
„Nana! Das ist dann meine Mutter!“, motzte Jesper.

„Sie wäre nur Deine Schwiegermutter, wenn wir verheiratet wären Jesper“, sagte Arch.
„Jungs – ich ging von meiner Mutter aus“, erklärte Brijesh.

„Wer weiß was die Blume bewirkt, nachher wird sie schlank, schlau und schön, dann hast Du Dir ein Ei gelegt Bell“, grinste Damir.
"Guck ihn Dir an, woher soll das kommen?", lachte Holzi, was auch Arch loswiehern lieĂź.

„Ja es war auch nur so ein Einwurf, ich wollte kein Blümlein mitnehmen zwecks Praxistest“, grinste Bri.
„Hört lieber das Rumalbern auf, wir müssen auf alles gefasst sein. Das Schlimmste erwarten und das Beste hoffen oder wie das so schön heißt“, sagte Sunja und Luitgard nickte zustimmend.

Die Gruppe kam an eine weitere TĂĽr. Beide Zugangslichter zeigten erneut grĂĽn, die Gruppe war gewarnt, dass grĂĽn nicht gleich sofort passierbar bedeuten musste. Merna drĂĽckte den Ă–ffner aber die TĂĽr reagierte nicht.

„Zwei Lichter, zwei Schalter Merna – wir müssen die Dinger zeitgleich drücken“, sagte Jesper. Merna nickte zustimmend.

„Bereit?“, fragte sie und legte ihre Hand auf den Drücker.
„Bereit“, antwortete Jesper und tat es ihr gleich.

„Jetzt“, sagte sie und beide drückten zeitgleich den Türdrücker. Mit hydraulischem Zischen öffnete sich die Tür und gab den Weg frei. Dahinter wieder ein Flur, ein Gang ausgekleidet mit reinem Stahl. So wie das ganze Labor einfach eine Stahl-Beton-Einrichtung zu sein schien.

Jesper und Merna gaben hier die Vorhut und sicherten den Bereich mit den Waffen im Anschlag fĂĽr die Kollegen.

„Sicher!“, rief Merna nach hinten und die Gruppe rückte geschlossen nach. Weiterhin gab sie gemeinsam mit Jesper die Vorhut und liefen im leichten Trab den Gang entlang hinunter.

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Re: Das Labor

#6

Beitrag von Dunwins Geist » Mi 7. Feb 2018, 17:10

Er ging die MenĂĽpunkte einzeln durch und starrte zeitgleich auf die Gruppe. Sie hatten gerade die Symbionten passiert. Die Blumen waren ideale Hersteller der Droge ohne Schaden zu nehmen. Anders sah dass bei tierischen Wirten aus. Die Gruppe bewegte sich genau auf den Trakt der Infizierten zu.

Nun die Sache würde sich sicher binnen Minuten geklärt haben. Die Infizieren waren nur noch Irre mit animalischen Trieben – der vorherrschende Trieb war Hunger auf Fleisch.

Bei dem Gedanken an menschliches Frischfleisch verspĂĽrte er ebenfalls Hunger.
Er leckte sich über seine messerscharfen Zähne.

Viel zu lange hatte er nichts mehr gegessen. Ein letzter Blick auf den Monitor der die Truppe zeigte, dann schwang er sich aus dem Bürodrehstuhl und machte sich auf den Weg sich selbst einen Snack zu gönnen. Einen Snack nach seinem Geschmack…

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Re: Das Labor

#7

Beitrag von Dunwins Geist » Mi 7. Feb 2018, 17:34

Der Gletscherwurm - wenn der kleine Hunger kommt

Die Gruppe marschierte unaufhaltsam weiter. Immer tiefer in den Bauch des Schiffes und des unheimlichen Laborkomplexes hinein. Welche Ausmaße diese Institution hatte konnte man nicht abschätzen. Hatten sie am Anfang noch vermutet, dass es sich dabei um einige Labore und vielleicht ein oder zwei Kernlabore handelte, wurden sie schnell eines Besseren belehrt.

Sie hielten engste Formation. Sie liefen so eng dass sie sich fast berĂĽhrten, die Bewaffnung nach auĂźen getragen, dass sie aussahen wie ein laufender Igel oder ein Stachelschwein. Je nach Bedarf wechselte die Vorhut um den Rest der Gruppe zu sichern.

Bis jetzt führte sie der Gang nur belanglos in die Tiefe. Keine abzweigenden Labore oder Zellenblöcke waren zu sehen. Nach einer weiteren Biegung verbreiterte sich der Gang in eine Art Vorraum, eine Gittertür sicherte den Zugang zum nächsten Bereich.

„Das ist dann wohl mein Part, obwohl die Tür nicht gesichert aussieht“, sagte Archibald und machte sich daran die Tür zu untersuchen. Hier hatten sie oft genug erlebt wo überall unerwartet die Gefahr lauern konnte. Arch schaute auf den Verschluss der Tür, es war ein einfaches Schieberiegelschloss. Er trat so nah wie möglich an die Tür um durch das Gitter hindurch zu spähen.

„Sieht in Ordnung aus“, sagte er, griff nach dem Riegel und fing an zu kreischen.

Die Gruppe brüllte ebenfalls auf und Jesper war trotz allem sofort an seiner Seite und riss ihn von der Tür. Schlagartig wurde aus Archibalds Gekreische schallendes Gelächter. Er lachte dermaßen über die Gruppe dass er sich kaum wieder ein bekam.

„Oh man! Ihr hättet Eure Gesichter sehen sollen“, prustete Arch.

Kaum ausgesprochen bekam er eine schallende Ohrfeige von Jesper verpasst die Arch fast zu Boden schickte. Kurz danach grabschte er sich Archibald, drĂĽckte ihn an seine Brust und kĂĽsste ihn innig.

„Bist Du wahnsinnig mich so zu erschrecken? Mach das nie wieder, kapiert?“, knurrte Jesper.
„Das gebe ich gerne zurück! Das war ein Scherz“, fauchte Arch.

Er hatte eigentlich keinen Grund wütend zu sein, im Gegenteil – Jesper hatte ihm nur eine gelangt weil er sich extrem um ihn gesorgt hatte. Und dass musste Archibald sich eingestehen war sogar für ihn ein gewaltiges Kompliment. Wobei Jesper sich immer um ihn sorgte, ihn verwöhnte wo er konnte und ihm meist sogar regelrecht den Arsch nachtrug. Erneut schaute er zu dem Kerl hoch und küsste ihn nochmal auf den Mund.

„Entschuldige, war echt eine blöde und kindische Idee. Also dahinter habe ich nichts gesehen. Es scheint ein Platz zu sein, oder eine Halle. So genau kann ich das leider nicht erkennen, aber die Tür ist auf. Ohne irgendwelche Sicherungen“, erklärte Archibald der Gruppe.

„Ob das so einfach ist wie es aussieht? Das scheint mir zu einfach“, warf Luitgard ein.

„So einfach dass es nach Falle stinkt“, stimmte Merna zu.
„Oder wir sind in einen total belanglosen Trakt abgebogen. Vielleicht irgendwelche Vorratshaltung oder dergleichen“, warf Harro ein.

„Das wäre möglich Harro“, stimmte Brijesh zu, „aber erinnere Dich an die Lagerhaltung der Kammern. Da gab es auch Wächter. Was immer hier eingelagert wird, benötigt man in den Laboren und muss irgendwie wichtig sein. Ungeschützt würden die ihren Plunder nicht rumliegen lassen“.

„Oder das Gegenteil ist der Fall. Wer erwartet denn schon, dass ein Eindringling oder eine ganze Gruppe bis hierher vordringt? Jeder andere, sind wir ehrlich, wäre schon bei U8 auf dem Rondell gestorben. Wir können von Glück sagen. Und U8 haben wir nur passiert, weil Damir wusste wie wir am Killer-Krebs vorbei kommen können. Von daher, kann diese Tür wirklich unbewacht sein. Niemand geht davon aus, mitten im Laborkomplex noch die Lager schützen zu müssen“, warf Canan ein.

"Einen Scheiß wusste der Kaffee-Säufer, der hat mich geblendet! Mich!", zischte Archibald stinksauer.

„Da ist auch was dran, aber ich kann damit leben“, stimmte Alrun zu.
"Alrun möchte Arch oder Damir sterben sehen", grinste Canan.

„Canan das sehe ich auch so, aber dennoch werden wir Vorsicht walten lassen. Kommt weiter geht’s, aber wie bisher auf Katzenfüßchen“, sagte Dunwin freundlich.

Merna und Jesper gaben erneut die Vorhut. Archibald schloss sich wieder dem Pulk der Gruppe an. Die beiden passierten die Tür und liefen ein Stück in die Lagerhalle hinein. Riesige Container säumten links und rechts ihren Weg und gaben den Blick auf einen gewaltigen Leichenberg frei.

„Was beim Abgrund ist das?“, stöhnte Merna fassungslos auf.
„Leichenberg auf 12Uhr – volle Front. Anzahl der Toten nicht abschätzbar. Vermutung um die hundert Tote oder mehr“, brüllte Jesper nach hinten.

Archibald zuckte zurĂĽck, schĂĽttelte kurz den Kopf und blinzelte in Zeitlupe.

"Du hirnverbrannter Fettsack, schrei mir doch nicht so in die Augen", stöhnte Arch und rieb sich seinen schmerzenden Schädel.
"Entschuldige", flĂĽsterte Jesper zerknirscht.
"Wenn ich wegen Dir Migräne bekomme bist Du sowas von...", setzte Arch an, stockte und starrte den Leichenberg vor ihnen an.

Die Gruppe rĂĽckte vorsichtig nach.

„Meine Fresse guckt Euch dass an“, raunte Damir den anderen zu.
„Wer macht denn sowas? Die ganzen Menschen wie auf einen Müllberg geworfen. Dass ist doch total krank. Das ganze Schiff ist ein Irrsinn“, flüsterte Sunja wütend und geschockt zugleich.

"Ehrlich, die sind noch frisch", erklärte Archibald. Von Dornburg trat auf eine der Leichen, fixierte sie mit seinem schweren Stiefel, schnappte sich einen Arm und drehte ihn entgegengesetzt des Gelenks, so das man es knirschen hörte. Mit seinem Kampfmesser schnitt ihn direkt unterhalb der Schulter ab.

"Leg das sofort wieder hin!", befahl Jesper.
"In Ordnung", stimmte Archibald zu und biss herzhaft hinein.

Harro verdrehte die Augen als wollte er sich seine hintere Schädeldecke von innen angucken und übergab sich geräuschvoll.

„Wer oder was dafür verantwortlich ist weiß ich nicht. Aber wer immer es ist, lässt es zu oder hat selber die Hände mit im Spiel. Und dass kann man ihm nicht durchgehen lassen. Er nennt Menschen die er infiziert, verstümmelt und auf bestialische Weise tötet Objekte. Wie rechtfertigt er das vor sich selbst? Wie kann er das tun und sich selbst noch im Spiegel angucken?“, knurrte Sunja.
„Das geht, keine Sorge. Oder er hat keinen Spiegel. Keiner sagte dass das Schiff hier einem behandelnden Chiropraktiker gehört“, sagte Archibald fressend.

„Wenn doch möchte ich von dem keine Akupunktur bekommen“, warf Damir ein.
„Er hat Daibos eine Akupunktur verpasst, erinnere Dich – direkt in die Frontallappen des Hirns“, sagte Archibald schmatzend.

Einen Moment lang hörte man nur das angespannte Atmen der Gruppe und Archibalds Fressgeräusche, ansonsten herrschte eine seltsame Stille. Die Gruppe schaute sich um. Gerade als sie sich wieder in Bewegung setzten wollte, hörte man zuerst ein leises Schaben über dem Boden, dass immer lauter und schneller wurde.

Plötzlich kam die Ursache dieses Geräusches um die Ecke geschossen. Eine schneeweiße, riesige Schlange schoss um die Ecke und hielt genau auf den Leichenberg zu, dabei sonderten sie eine Art schwarzes Sekret ab.

Die Schlange schoss auf den Leichenberg zu. Die Toten, die in einiger Entfernung außerhalb des grauenvollen Haufens lagen, wurden von einzelnen Tentakeln gepackt, die aus der Seite der Schlange wuchsen und in die Höhe gehievt.

Tentakel um Tentakel umschlang einen Toten nach dem anderen bis keine der Leichen mehr ohne diese grauenvolle Umarmung in der Lagerhalle war. Dann begann die Kreatur zu fressen.

Dabei richtete sie sich langsam in die Höhe auf, riss einen Toten nach dem anderen in die Höhe und zerrte sie mit seltsam schmatzendem Geräusch in ihr Reißzahnstarrendes, rundes Maul. Schwarzes Sekret, Sabber oder Geifer gleich klatschte Literweise auf den Boden des Lagers und verwandelte ihn in eine Rutschpartie.

Je mehr Opfer das Wesen verschlang je größer, kräftiger, agiler und flinker wurde es. Ein Angriff auf sie war bis jetzt nicht erfolgt. Hatte es sie nicht wahrgenommen? Scheinbar war dem so schoss es Dunwin durch den Kopf.

Die Kreatur schien geradezu ausgehungert zu sein und tat sich nun gütlich an einem Mahl dass jede normale Dimension sprengte. Mit einem Geräusch das scheinbar reines Wohlbefinden ausdrückte, richtete es sich nachdem der „letzte Bissen“ verspeist war zur vollen Höhe auf.

„Guck Dir an wie riesig das Biest ist Jesper. Guck es Dir nur an“, sagte Merna und starrte ungläubig nach oben.

Jesper folgte ihrem Blick und musste unwillkürlich schlucken. Das Ding war wirklich gewaltig und beweglich wie ein Wurm. Beweglicher als jede Schlange wäre.

„Riesig ist es vielleicht gar nicht Merna nur elastisch wie ein Gummiband oder sowas. Wir sollten machen, dass wir hier wegkommen und zwar schleunigst“, warf Jesper ein.
„Du hast Recht, vielleicht ist es nicht satt oder hat Appetit auf einen Nachtisch. Wer weiß das schon“, antwortete Merna und das vordere Ende des Wesens zuckte ein Stück herab.

Das Riesengeschöpf nahm eine S-Kurve an, wie eine Schlange die zum zustoßen bereit war. Es brüllte ohrenbetäubend auf, dass die Wände von der Lautstärke vibrierten.

„Oh…oh“, kommentierte Jesper.

Das Wesen lehnte sich weiter zurück um dann mit dem anderen Ende brutal zuzuschlagen. Krachend schlug dass „Schwanzende“ der schlangenartigen Kreatur auf den Boden und verfehlte Merna und Jesper nur Millimeter.

„LAUFT!!!“, brüllte Archibald donnernd, warf den angefressenen Arm nach der Kreatur und übertönte sogar noch das mächtige Gebrüll des Wesens, dass Dunwin neben ihm erstaunt zusammenzuckte.

Damit erreichte Arch dass das Wesen sich nun der Gruppe schlagartig zuwandte. Allerdings nur fĂĽr einen Augenblick.
Kaum gaben Merna und Jesper Fersengeld, schoss es erneut herum, ließ sich einfach der Länge nach fallen, dass der Boden unter ihm erzitterte und nahm dann mit erstaunlicher Geschwindigkeit die Verfolgung der Beiden auf.

Jesper und Merna rannten was ihre Beine hergaben. Während sie versuchten jedem Hindernis so gut es ging auszuweichen oder es zu überwinden, walzte die Kreatur einfach alles nieder was ihr im Weg stand oder schleuderte es mit einem der Tentakel zur Seite.

„Es holt auf!“, brüllte Merna und versuchte noch schneller zu rennen.
„Ich höre es!“, brüllte Jesper zurück, umgriff Mernas Handgelenk um sie mit seinem Sprint mit zu zerren, damit Merna nicht zurückfiel und von dem Ding geschnappt wurde.

Die beiden rannten um ihr Leben und sprinteten um die gewaltigen gestapelten Container. Jesper versuchte so gut es ging sich dabei den Weg zu merken. Er wollte nicht den Fehler begehen und zweimal gleich abbiegen, sonst brauchte das Vieh sie nicht weiter verfolgen, sondern sie wĂĽrden direkt in die Kreatur hineinlaufen.

Keine zwei Abbiegungen weiter, kam eine Treppe in Sicht die scheinbar aus dem Lagerhallenkomplex herausführte. Jesper stürmte mit Merna gemeinsam die Treppe hoch, dass Wesen klebte ihnen immer noch an den Fersen. Mit einem Rums blieb die Schlange in der Einengung vom Geländer stecken.

„Drüber weg – los!“, brüllte Damir, grabschte sich Sunja und sprang der Kreatur auf den Rücken. Er rannte ihren Leib der Länge nach runter und sprang am „Kopf“ ab und sprintete Jesper und Merna hinterher.

Die anderen folgten seinem Beispiel.

„Geile Aktion!“, lachte Canan während sie Seite an Seite mit Dunwin über die Schlangenkreatur lief. Genau wie Damir und Sunja folgte der Rest der Gruppe Merna und Jesper.

Sie rannten in einen anderen Abschnitt und schlugen die gewaltige Tür hinter sich zu. Einen Moment verschnauften sie dort. Schauten sich erst einmal orientierend um und überprüften ihre Waffen. Fenster auf einer Flurseite ermöglichten allerdings noch ein Stück weit, einen Blick auf das Lager zu werfen.

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Re: Das Labor

#8

Beitrag von Dunwins Geist » Mi 7. Feb 2018, 22:41

Feindliche Freundlichkeiten

Merna blieb stehen und beobachtete die Kreatur wie sie sich langsam aus der Einengung des Treppengeländers löste. Gerade zu behäbig richtete sie sich auf. Ganz so als hätte sie den Blick bemerkt, wandte sich das Geschöpf Merna zu. Mit einer schwungvollen Bewegung vom unteren Ende herab zog es sich wie ein Gummiband in die Länge. Seine glatte Oberfläche schlug Wellen, pulsierte und nahm ein schmales Äußeres an. Schon schoss es los und war mit innerhalb eines Wimpernschlags genau vor dem Fenster, aus dem Merna es beobachtete.

Die Kreatur neigte den seltsamen, knochenlosen Schädel und urplötzlich stand ein Kerl neben ihr. Woher er gekommen war, konnte Merna aus dem Fenster nicht ausfindig machen.

Der Kerl strich sich ĂĽber den Bauch als Zeichen dafĂĽr, dass er gut gegessen hatte und schaute ihr genau in die Augen.

Merna konnte die Augen ihres GegenĂĽbers nicht erkennen, da er eine Schutzbrille trug. Aber dass musste sie auch nicht. Er war eine mittlerweile wohl bekannte Person. Merna schaute ihn an, er schaute zurĂĽck.

Mit einer geradezu ekelhaften Geste leckte er sich über die Lippen und grinste. Dabei entblößte er ein ganz ähnliches Gebiss wie Archibald es trug. Nur hatte dieser Kerl sämtliche Zähne scharf geschliffen. Merna verzog keine Miene obwohl ihr bei der Geste total anders wurde.

`Begierde oder Hunger? ´, dachte sie schaudernd und starrte Blondie weiter an.

Sie war eine Kämpferin, sie hatte gelernt ihre Emotionen unter Kontrolle zu halten und nicht zur Schau zu stellen.

Nichts was einen Feind mehr verunsicherte als wenn man ruhig blieb. Und sie hatte sogar Archibald gezähmt, nun etwas jedenfalls.

Blondie hingegen schien auch das zu ahnen oder zu wissen. Er verschränkte die Arme auf den Rücken und schaute kurz nach unten und dann wieder zu Merna auf, wie ein kleiner Schuljunge den man bei etwas Bösem erwischt hatte.

„Merna hör auf zu flirten!“, rief Harro.
„Falscher Typ... Der hat Hunger... aber nicht auf Sex... sondern auf Fleisch... kurzum auf Dich...“, warnte Archibald.

Merna drehte sich zu den Jungs um und warf beiden einen grimmigen Blick zu. Typisch welche Einwand Harro bringen musste. Sie drehte sich wieder zur Scheibe um.

Im gleichen Augenblick starrte sie in Blondies Augen und seine Hand klatschte vor die Scheibe.

Erschrocken fuhr Merna zusammen und der Kerl gackerte auf. Er deutete mit einem Finger auf sie, zwinkerte ihr zu und war mit einem gewaltigen Sprung aus ihrem Sichtfeld verschwunden.

„Jetzt hast Du was an der Hacke. Der mag Dich sicher“, sagte Chirag mit Grabesstimme.

„Einen Menschenfresser mit Monsterbandwurm und einer Schwäche für Blondinen“, lachte Harro.
„Er wird sie fangen und auffressen, ich spüre es...“, fügte Chirag an.

„Merna zieht Männer an mit seltsamen Essgewohnheiten", lachte Damir.
"Ganz sicher sogar...", zischte Arch.

„Aber Merna, wenn was aus Euch was werden sollte - Du musst ihm nix kochen. Denk negativ...“, warf Chirag ein.
„Ja er ist Selbstversorger“, lachte Harro.

„Das Candle-Light-Dinner wird grausig, Rotwein und Leichen“, schüttelte sich Chirag.

"Also so wie immer", fĂĽgte Damir grinsend an.
„Geht’s noch ja?“, motzte Jesper.

„Das frag ich mich auch gerade!“, fauchte Luitgard.
„Ehrlich unmöglich“, murmelte Sunja und drückte Luitgard und Alrun.

„Mach Dich nur lustig Damir... sobald ich hier ein Glas Senf finde... bist Du fällig...", säuselte Archibald.
"Senf?", fragte Damir perplex.

"Ja, mit Senf bekommt er alles runter", warf Jesper grinsend ein, was die anderen schallend loslachen lieĂź.

„Leute jetzt ist es aber gut. Was immer der Typ wollte, er sah eher aus als wollte er sie aufs Toastbrot und zwischen die Zähne klemmen als zwischen die Schenkel. Und egal was von beiden er wollte, ich schneide ihm zur Not jede Nudel ab“, sagte Canan mit felsenfester Überzeugung.

„Danke Canan“, sagte Merna und drückte Canan dankbar und strubbelte dann Jesper kurz durch die Haare.

„War nur Spaß. Sei wieder gut mit uns“, sagte Harro.
„Warte nur ab bis Dir der Menschenfresser zulächelt... Arch lächele mal Harro an“, befahl Merna grinsend.

„Kommt Leute, ein bisschen Spaß in Ehren, und auch verständlich bei so einer angespannten Situation, aber jetzt müssen wir weiter. Wir können nicht ewig hierbleiben auch wenn wir eine Pause gebrauchen könnten. Der Kerl weiß leider wo wir sind und ich denke nicht nur weil er einen auf Grinsekatze machte, dass damit die Feindschaft begraben ist. Abrücken“, befahl Dunwin.

„Ihr habt´s gehört – vorwärts“, fügte Archibald an und übernahm die Führung mit Dunwin und Canan.

Hier im Inneren dieser Bereiche war es hochwahrscheinlich, dass er die eine oder andere Tür wieder knacken musste. Seine Vermutung sollte nicht enttäuscht werden.

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Re: Das Labor

#9

Beitrag von Dunwins Geist » Do 8. Feb 2018, 15:02

Der Scherz mit der Blondine hatte ihn amüsiert. Sie war ein zähes, kleines Biest. Sie war taff, dass musste er ihr lassen. Aber ihre Angst konnte sie nicht vor ihm verbergen, dennoch, ihr Gesicht war eine ausdruckslose Maske geblieben.

`Ganz Profi´, dachte er amüsiert.

Dass die Gruppe ein ganz anderes Kaliber als die „üblichen Verdächtigen“ war musste er selbst schon schmerzvoll auf dem Rondell lernen. Aber hier war sein Gebiet und er hatte andere Mittel zur Verfügung. Er würde sie auf die Probe stellen.

Er schlenderte zum nächsten Verhörzimmer und ignorierte geflissentlich den Ruf des Schiffes. Zwar war er mit ihr verbunden, aber in seiner Funktion war es ihm bis zu einem gewissen Grad möglich sie zu ignorieren. Einzige Ausnahme – Strafaktionen, dann hatte er wie jede andere ihrer Marionetten zu leiden. Abgekämpft, müde und vollgefressen streckte er sich und schaute zur Deckenbeleuchtung auf.

`Nervig´, schoss es ihm durch den Kopf.

Er hatte einen Heilschlaf nötig. Mit einer lässigen Bewegung schlug er den Lichtschalter aus und legte sich schlafen… auf seine ganz besondere Weise…

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Re: Das Labor

#10

Beitrag von Dunwins Geist » Do 8. Feb 2018, 15:32

HĂĽpf und Spring

Erneut ein linearer Gang wie sie ihn bereits kilometerweise zuvor langgetrottet waren, nur endete dieser an einer Doppelstahltür die sich mit hydraulischem Zischen öffnete. Der Blick ins Innere gab einen glatt verkleideten Stahlflur preis. Zu glatt, zu perfekt und zu harmlos aussehend. Am hinteren Ende sah man eine weitere Tür.

„Zwei Türen und ein Flur, wir haben eine Schleuse“, sagte Archibald und betrat den Flur. Kaum einen Fuß in den Gang gesetzt flammten seltsame Strahlen auf, die den Weg blockierten.
„In Ordnung“, raunte Arch leise und überprüfte den Gang erneut.

„Fünf Sektionen – also fünf Abschnitte? Oder Abschnittübergreifend?“, sprach er mehr zu sich selbst, als das er die Frage an die Gruppe gerichtet hätte.

Kaum dass er das erste Gitter-Blech überschritten hatte, schossen die ersten Strahlen auf ihn zu. Mit zwei, drei gewaltigen Schritten lief er auf die Strahlen zu, stieß sich mit aller Kraft ab und sprang. Archibald machte einen Hechtsprung über die Strahlen, vollführte dabei in der Luft eine Seitwärtsdrehung um nicht kopfüber sondern bäuchlings zu landen. Genau unter einem der nachfolgenden Strahlen tauchte er hinweg und landete auf dem Bauch. Er knurrte kurz vor Schmerz auf, trotzdem presste sich fest auf den Boden und schloss für Sekunden die Augen.

Als die Strahlen über ihn hinweg gezischt waren, atmete er noch einmal tief ein, stieß sich vom Boden ab, sprang auf die Beine und hechtete aus der Gefahrenzone. Ein kurzer Sprint und er stand vor der nächsten Sicherheitstür.
Sobald diese deaktiviert war, wĂĽrde auch das Sicherheitssystem abgeschaltet. So funktionierte jede Schleuse. Es machte auch wenig Sinn, wenn der Zugangsberechtigte ebenso wie jeder Eindringling zerstĂĽckelten wurde.

„Dein Mann ist gut, muss man ihm lassen Jesper“, lobte Alrun.
"Ja aber er ist nicht mein Ehemann Alrun", grinste Jesper.
„Ja hat er super gemacht, ich hätte mich das nicht getraut“, fügte Luitgard an.

Mit Jesper konnte sie fast ohne Angst umgehen. Eine Restangst blieb bei jedem Mann. Aber sie wusste dass sich Jesper ihr gegenĂĽber immer nett und fair verhielt. Irgendwie hatte er ein GemĂĽt wie Dunwin oder Archi. Er beschĂĽtzte seine Leute, er tat ihr nichts. Was die drei anderen antaten, dass interessierte Luitgard wiederum nicht.
Damit war Jesper schon die dritte männliche Person der sie auch alleine etwas vertraute, ohne die schützende Anwesenheit einer anderen Frau.

"Kann ja noch werden", flĂĽsterte Alrun ihm ganz leise zu.
„Nein, darauf lässt er sich nicht ein. Trotzdem danke Ihr zwei, ich sehe das als Kompliment. Nur kann ich nichts dafür“, scherzte Jesper.

„Wer weiß?“, grinste Luitgard.
„Genau Training ist alles – körperliche Ertüchtigung und so“, lachte Alrun und piekte Jesper in den Bizeps.

„Ertüchtigung hat nichts mit einer Ehe zu tun. Mädels Ihr bringt mich in Verlegenheit. Dazu kann ich nichts sagen. Kein Kommentar sonst bekomm ich noch Schläge“, grinste Jesper.

„An dem Türschloss ist kein Eingabefeld was nun?“, rief Archibald nach hinten.
„Da sind doch zwei Knöpfe. Einer rot und einer grün oder?“, fragte Dunwin.
„Ja genau!“, bestätigte Arch.
„Drück mal den grünen Knopf zum Öffnen“, lachte Dunwin und die ganze Gruppe grölte vor Lachen los bei dem Vorschlag.
„Scheiße“, prustete Archibald und setzte den Vorschlag gleich in die Tat um. Die Tür entriegelte und ging zischend auf.

„Nein – bei den Ältesten was peinlich“, lachte sich Arch schlapp, „nebenbei SICHER!“.

Der Rest der Gruppe rĂĽckte geschlossen nach. Dunwin ging zu Archibald rĂĽber und knuffte ihn freundschaftlich vor die Schulter.

„Das hätte jedem passieren können. Bei dem ganzen technischen Gelumpe hier und dem Sicherheitsstandard rechnet keiner mehr damit, einfach nur einen Schalter betätigen zu müssen. Aber lustig war die Sache trotzdem“, lachte Dunwin.
„Da sagst Du was. Nach der Sporteinlage habe ich doch nicht gedacht, dass ich dann nur noch ein Knöpfchen drücken muss. Ich hab schon befürchtet Polka zum Takt von irgendwelchen Formeln tanzen und zeitgleich dabei alle Elemente aufsagen zu müssen. Irgendetwas halt, was einen an den Rand der Verzweiflung treiben könnte...“, prustete Archibald.

„Genau – bitte geben Sie das Passwort ein. Gut mach mich das mal – tipp …DAS PASSWORT… und stellst fest, dass funktioniert!“, kugelte sich Dunwin.
„Ja aber hallo, Sicherheit wird hier großgeschrieben – wobei man schreibt es ja immer so“, lachte Archibald.

Der Raum hinter der Tür war nicht größer als eine Abstellkammer. In der Mitte befand sich eine Plattform mit einem kleinen Geländer.

„Was ist das?“, fragte Jesper nach.
„Ein Aufzug für eine Person, maximal zwei. Der Kontakter ist am Boden. Die haben hier ein Nadelöhr geschaffen wir man so sagt. Wie der Eingang in meine Wohnung. Es kann nur eine Person den Raum betreten. Wenn eine Gruppe hinein- oder hinaus will, geht das hier eben auch nur als Einzelperson. Ich denke aber sie haben einen Ausbruchschutz geschaffen, keinen Einbruchschutz. Wir sollten zu Zweierteams herunterfahren, das ist sicherer. Wer kommt mit?“, fragte Archibald.

„Na ich direkt“, antwortete Jesper und stellte sich mit ihm gemeinsam auf die Plattform. Archibald rutschte ganz nah an ihn heran und trat auf den Bodenkontakt. Langsam aber sicher sank der Aufzug hinab.

Nach kurzer Zeit erschien er wieder oben und war bereit das nächste Paar nach unten zu befördern.

„Na komm, lass uns direkt als nächstes den Aufzug benutzen“, schlug Canan vor und zog Dunwin mit auf die Plattform. Dort schlang sie die Arme um ihn, küsste ihn innig und schmiegte sich an seine Brust.
„Oha“, grinste er glücklich.

„Das muss so sein. Du siehst doch hier ist überhaupt kein Platz Liebling“, grinste Canan und trat auf den Kontakter, so dass sie beide ebenfalls nach unten fuhren.

Während der Fahrt drückte sie sich noch enger an ihren Mann so dass er ihren ganzen Körper spürte und sie seinen. Sie waren hier in einer hochgefährlichen Umgebung und auch wenn sie alles andere als wehrlos war, so beruhigte sie es trotzdem ihren Mann bei sich zu wissen und körperlich zu fühlen.

Trotz dem Grauens, des Wahnsinns und des Alptraumes durch den sie sich gerade kämpften hatte die Berührung von ihrem Liebsten etwas Tröstliches für Canan. Als Düsterling fühlte sie sich nur im Pulk wohl. Unten angekommen warteten die beiden neben Jesper und Archibald, die sich ebenso eng aneinander drückten.

Ja es war wirklich so, dachte sich Dunwin. Wenn man sich liebte, dann gab man sich in schlimmen Zeit Halt. Canan legte ihm liebevoll einen Arm um die HĂĽfte und legte ihren Kopf auf seiner Schulter ab. Die anderen Gruppenmitglieder folgten in einigem Abstand.

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