Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Brandurs Tod

Famlie von Hohenfelde
Diese alte Adelsfamilie hat zahlreiche Geistmagier und Nekromanten hervorgebracht. Das Familienleben ist geprägt von Intrigen. Morde, auch innerhalb der eigenen Reihen, und arrangierte Ehen zur Erweiterung der Macht sind an der Tagesordnung. Als Familienmitglied benötigt man starke Nerven und gleichermaßen ein Händchen für Bündnisse und Hinterhalte. Unter der Führung des neuen Oberhauptes Linhard verließ die Familie Naridien und versucht nun in Souvagne ein neues Leben zu beginnen, fernab des dunklen Pfades.
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Kasimir
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Re: Brandurs Tod

#11

Beitrag von Kasimir » Mo 5. Mär 2018, 17:23

Der eisige Nachtwind wehte um die schwarzen Zinnen der verlassenen Burg, die für Jahre Brandurs und Kasimirs zu Hause gewesen war. Ein passenderes Anwesen für den alten Hexenmeister hätte es kaum geben können. Der Himmel war sternenklar, beide Monde eine schmale Sichel. Die kahlen Baume raschelten und rauschten. Im Tal unter den Mauern lag die Ruinenstadt. Alles hier war tot.

Dicht bei Linhard stand Kasimir, ganz in weiß gewandet, wie es bei den Mondpriestern zu solchen Anlässen üblich war. Kasimirs Gesicht war ernst, die schwarzen Augen niedergeschlagen. Er hatte vergebens versucht, seinem jungen Herrn Linderung in seiner Trauer zu verschaffen. Für Linhard gab es keinen Trost, das hatte Kasimir bald feststellen müssen. Die Gebete und Versuche, ihm zu erklären, dass Brandur nun an einem besseren Ort sei, frei von der Pein seines geborstenen Körpers, kamen ihm inzwischen völlig fehl am Platz vor. Er hatte es gut gemeint, doch nun mutete es wie Ironie an. Er bereute, dass er auf diese Weise versucht hatte, Trost zu spenden, wo es keinen Trost geben konnte. Was der junge Mann gebraucht hätte, wäre sein Vater gewesen, der ihn in den Arm namen, doch genau jener lag nun leblos vor ihnen, aufgebart auf Holz und gebettet auf weiße Lilien.

Man sah all die Liebe, die Linhard in die letzte Reise seines Vaters fließen ließ. Brandurs Gesicht spiegelte die Illusion, diese Liebe zu genießen, er sah im Tode so glücklich aus, wie keinen einzigen Tag zu Lebzeiten - zumindest kein Tag, an dem Kasimir ihm gedient hatte. Kasimir hing schweigend seinen Gedanken nach, während er den Toten betrachtete. Sie hatten ein merkwürdiges Verhältnis gehabt. Der alte Mann war unwahrscheinlich stolz gewesen, zu stolz, um sich mehr als gerade nötig helfen zu lassen. Im Gegensatz zu anderen seines Standes hatte Brandur sich völlig allein um sich gekümmert, auch wenn er sich vor Schmerzen bisweilen kaum bewegen konnte und auf Hilfsangebote mit entschiedener Abwehr reagiert. Warum das so war, konnte Kasimir nur erahnen. Der Jungvampir war eher ein Handlanger und Hausmeister für den Hexenmeister gewesen als ein Leibdiener. Ihr Verhältnis war von Kühle und Distanziertheit geprägt und doch hatte Kasimir seinen Herrn geliebt. Er wusste, dass Brandur sich nicht anders verhalten konnte, selbst wenn er es gewollt hätte und dass es kein Zeichen von Undankbarkeit war, dass er sich so gab. Der Hexenmeister war sich seit jeher seine eigene Nachtburg gewesen, mit turmhohen Mauern, schwarz, abweisend und einem Keller voller Leichen. Und doch gab es zwischen den Steinen, oft verborgen hinter Winkeln, auch Gärten, die bunt blühten und süße Früchte trugen. Dafür musste man freilich suchen, denn freiwillig zeigte Brandur sie nicht. Kasimir war sicher, dass sein Herr ihn auf die bestmögliche Art, die er konnte, ebenfalls geliebt hatte. Anders war es nicht zu erklären, dass er seinen Diener dem wertvollsten Menschen, den er kannte, vererbt hatte. Für Kasimir hätte es keine größere Ehre und Anerkennung geben können, als dem Sohn des Hexenmeisters dienen zu dürfen, kein größeres Zeichen des Vertrauens und der Dankbarkeit für all die gemeinsamen Jahre. Und dienen würde er Linhard, so wahr er hier stand.

Kasimirs Gewand wehte weiß im Wind, während er innerlich von seinem alten Herrn Abschied nahm.
"Herr, wer euch dient für Gut und Geld und nur gehorcht zum Schein,
packt ein, sobald ein Regen fällt, läßt euch im Sturm allein." - William Shakespeare

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Linhard von Hohenfelde

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Re: Brandurs Tod

#12

Beitrag von Linhard von Hohenfelde » Di 6. Mär 2018, 11:30

Anrufung zum Abschied


Fackeln erhellten den Hof der Nachtburg und warfen lange, tanzende Schatten auf all jene die sich zu Brandurs Abschied eingefunden hatten. Der alte Nekromant hätte vermutlich nicht erwartet, dass so viele Leute zu seiner Verabschiedung erscheinen würden. Jedenfalls hätte er ganz gewiss nicht mit dem einen oder anderen Gast gerechnet, der nun hier stand um von ihm Abschied zu nehmen.

Der Feuerschein spiegelte sich warm auf Brandurs Gesicht, so dass er weniger denn je wie ein Toter aussah.

Linhard trat neben Osmund und sprach leise mit dem alten Mann. Osmund war neben Maghilia einer ihrer mächtigsten Nekromant aus ihrer Sippe, wenn die beiden zur Zeit nicht die mächtigsten Nekromanten in der Familie schlechthin waren. Beide waren weit über 100 Jahre alt und reich an Erfahrung. Lin hatte nicht vergessen, dass Osmund ihnen bei den Verhandlungen beigestanden hatte. Er war wie Brandur ebenfalls der alten Wege überdrüssig. Und sogar Maghilia hatte sich Brandur angeschlossen, wie der Rest der Familie.

Sie alle waren hier.
Brandurs Tod entzweite nicht, sondern vereinte die Familie auf ergreifende Art und Weise.

Osmund sollte Brandur zu seiner eigenen Feier herbeischwören. Das was jeder anwesende Gast, einschließlich Lin selbst seinem Paps zu sagen hatte, sollte man dessen Seele ins Gesicht sagen dürfen. Letzte liebende Worte, die besten Wünsche, oder einfach dass, was einem selbst noch auf der Seele brannte.

Die Zeit war gekommen.

Während die Anwesenden schweigend die Köpfe senken beschwor Osmund den Geist von Brandur herauf. Durch die Gabe großer Spuk rief er seinen verstorbenen Verwandten zu sich.

`Bandur, ich rufe Dich. Kehre zu Linhard und Deiner Familie zurück´, formten Osmunds Gedanken den Befehl, der den Geist Brandurs zurück aus dem Jeinseits in die Physis ziehen würde.
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Brandur von Hohenfelde

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Re: Brandurs Tod

#13

Beitrag von Brandur von Hohenfelde » Di 6. Mär 2018, 18:50

Brandur hatte sein Leben ausgehaucht.
Seine Substanz glich nun einer treibenden Nebelschwade. Körperlos trieb er durch den Nexus, den er als Nekromant benutzt, doch nie wirklich beherrscht hatte. Ein Werkzeug, mit dem selbst die Mächtigsten doch nur Aufschub erreichen konnten. Am Ende holte der Tod sie alle, da ließ sich auch durch Magie nicht dran rütteln, ob jetzt oder in einer Million Jahren. Nichts war für die Ewigkeit. Der wahre Herrscher war der Abgrund, das seelenlose Nichts. Die Lebenden muteten davor an wie Glühwürmchen, die für einen kurzen Augenblick erleuchteten um sogleich wieder zu erlöschen, nur ein Wimpernschlag im Lauf der Zeit.

Am Ende spielte es keine Rolle, wer man zu Lebzeiten gewesen war. Im Tod waren alle gleich. Es gab kein Gericht, das in Gut und Böse unterschied oder in reine und unreine Seelen trennte. Kein Licht am Ende, für niemanden. Wer Licht wollte, musste es sich zu Lebzeiten schaffen. Sie alle, ob Mönch oder Mörder, waren vereint in der selben Vergänglichkeit.

Gleich einem willenlosen Nebel, angezogen vom langsamen Strudel des Abgrunds, trieb Brandur auf seine Auslöschung zu. Dort, hinter den magischen Strukturen des Nexus und den monotonen Feldern der Trias, die er bald erreichen würde, war seine Familie. Ausgelöscht, annihiliert im endlosen Frieden. Aufgegangen im schweigenden Nichts und Niemand, das sie alle regierte und das manch einer Ainuwar nannte. Ainuwar war weit davon entfernt, einem gütigen Vater zu ähneln. Es war die gesichtslose Leere, die kalte Gleichgültigkeit des Alls. Kein Sterblicher würde je imstande sein, es auch nur annähernd zu begreifen. Doch ein Toter kam dem Verständnis sehr nahe. Und in jenem Moment, wenn der astrale Schatten, den manch einer Seele nannte, endgültig verging, begriff man wirklich, worum es während der kurzen Lebzeit gegangen war - und worum nicht.

Brandur für seinen Teil hatte die Sinnlosigkeit ihrer Machtspielchen begriffen, mit denen er und die Hohenfeldes die wertvolle Zeit vergeudet hatten, die ihnen gegeben war. Sein gesamtes Leben war eine einzige Verschwendung gewesen, von der kurzen Zeit abgesehen, in der er sein Dasein wirklich genossen hatte, den letzten Monaten vor seinem Tod. Erst am Ende hatte er wirklich gelebt, doch er hatte es genossen und darüber war er froh. Nun war es vorbei. Er kämpfte nicht gegen den langsamen, aber unerbittlichen Sog. Es war gut so, wie es war. Er ließ es geschehen. Aster war dort, Magdalena. Gerwolf, Solveig und Ragnvald. Kunwolf, der Große. Und sein Vater, Alastair, den man den Schrecklichen genannt hatte. Hier drüben hatte er jeden Schrecken für Brandur verloren und fast fragte er sich, wie er ihn je hatte fürchten können. Alastair war genau so bedeutungslos und unwichtig wie jeder andere, fast selbst ein Nichts. Brandur vergab ihm. Frieden.

Doch etwas störte.

Ein Zupfen ging mit einem Mal durch den Nexus und erreichte seine Substanz, wie eine unsichtbare Schnur, die sich plötzlich spannte. Eine astrale Störung, eine Fehlfunktion. Etwas, das nicht geschehen sollte! Er kam nicht mehr weiter. Das Zupfen wurde zu einem Ziehen, stärker, zog ihn in die falsche Richtung und schlussendlich erwuchs es zu einem Zerren. Nicht langsam und gleichmäßig, wie der Abgrund ihn zu sich rief, sondern brutal und schnell, als würde er einen Wasserfall hinabstürzen. Er erkannte das vertraute Treiben eines Nekromanten. Brandur wurde zurückgerissen, all den Weg durch den Nexus zurück. Der leere Raum um ihn verdichtete sich, wurde wieder spürbar. Unaufhaltsam raste er auf die Physis zu und plötzlich war er da. War wieder in der physischen Welt. Dem Ort der Lebenden. Und er, Brandur, war ein Totengeist.

Der körperlose, blaue Schemen nahm verwirrt seine Umgebung in Augenschein. Er kannte sie. Es waren jedoch nicht die Formen, die ihm den Ort seiner Beschwörung offenbarten, sondern die Energiefelder, die er wiedererkannte. Allen voran eines.
»Linhard«, hauchte der Geist fassungslos.
Und wie er den Namen seines geliebten Kindes sprach, kehrte das Bewusstsein, wer er einst in Naridien gewesen war, in ihn zurück. Unwillkürlich nahm er seine alte Gestalt an, wurde wieder Brandur, ein kahlköpfiger älterer Herr, gewandet in Mantel und Dreispitz, mit einem astralen Gehstock in der Hand, obwohl es geradezu lächerlich anmutete, als Geistwesen einen solchen zu tragen. Und doch behielt er ihn aus Gewohnheit in der Hand. Die Erscheinung flackerte einige Male, ehe das Bild sich schärfte. Ein perfektes Duplikat des Toten stand vor ihnen. Verwirrt, unsicher wie die Geister, die er früher selbst in seine Dienste gezwungen hatte. Sein Nekromant, da war er. Er kannte ihn, es war Osmund, eine Ausgeburt der Wigbergs.

»Du«, fauchte der Geist und sein Gesicht wurde wütend. »Wie kannst du dich erdreisten, derart meine Seele zu schänden! Man beschwört keine Kollegen, das ist ein ungeschriebenes Gesetz! Was willst du, das ich für dich tue? Jemanden in den Wahnsinn treiben? Informationen für deine niederträchtige Familie beschaffen? Eine Knochenskulptur bewegen? Dir als Handlanger zu Diensten sein? Das könnte dir so passen! Lass mich gehen und beschwöre einen anderen Geist für deine Zwecke! An einem Hohenfelde wirst du keine Freude haben, das verspreche ich dir!«

Der Geist glühte blau auf. Er zog sich in die Breite, wurde zu einer Schliere, raste wie ein Komet um die Anwesenden herum - ehe er seinen Körper entdeckte.
Der Geist hielt inne, eine schwebende Wolke. Zögerte, rang mit sich. Legte sich über die vertraute Hülle wie ein blaues Tuch. Sanft, leicht. Betrachtete sie, tastete, probierte. Das war er gewesen, Brandur. Der Hexenmeister. Gefürchtet, für tot erklärt und am Ende doch noch geliebt. Einen Freitod gewählt, der eines Hohenfeldes würdig war. Sein Körper war hervorragend konserviert, frei von jeglichen Verwesungsspuren, was sicher der kühlen Witterung zu verdanken war. Dieser Körper wäre ein hervorragendes Material gewesen. Doch er lag nicht auf einem Seziertisch. Er lag auf einem Bett aus weißen Blumen, mit gebügelter Kleidung und geputzten Schuhen. Liebevoll zurechtgemacht und niedergebettet. Er erkannte die Handschrift dieser Handlungen. Die blaue Substanz zog sich in einem Anfall seelischer Qual zusammen.
Der Geist ließ von seinem einstigen Gefäß ab und raste zu seinem Sohn. Ein weiteres Stück Menschlichkeit kehrte in ihn zurück, als er das geliebte, vom Leid verzogene Gesicht erblickte.

»Linhard«, wiederholte er sanft und nahm erneut seine vertraute Gestalt an.
Brandur legte die körperlosen Arme um seinen Sohn. Dort, wo er ihn berührte, spürte er es mit seiner Substanz, auch wenn es keinen Gegendruck gab. Wie ein elektrisches Vibrieren, vielleicht waren es Linhards Nervenimpulse, die er spürte. Unwichtig. Er fühlte seinen Jungen auch ohne Körper und sein Junge war hier. Brandur wurde von reinster Liebe erfüllt, die er so nicht hatte empfinden können, so lange er in seinem Körper gesteckt hatte. Sie glich der Liebe eines Neugeborenen zu seiner Mutter, frei jeglichen von Hintergedanken oder Zweifeln. Da war nur Liebe und sonst nichts. Das also hatte Dunwin mit seinen Worten gemeint, dass er die Welt nun klarer sähe. Ja, sie war eindeutig klarer. Das war sie, fürwahr.

Und Dunwin selbst ... sein kleiner Bruder ... Brandur fühlte, dass er ebenfalls hier sein musste. Er blickte sich um und entdeckte ihn in der Gestalt Aimerics. Fest verbunden mit dem neuen Körper, der nun ihm gehörte. Das Experiment war geglückt. Dunwin lebte erneut.

Nun endlich erkannte Brandur auch die anderen Anwesenden. Er ließ Linhard los. Aus eigener Erfahrung wusste er, wie kalt Geister sein konnten. Freunde und Familie standen im Burghof, sie alle waren den weiten Weg angereist und hatten sich versammelt, um ihn zu verabschieden. Und jetzt wurde Brandur auch bewusst, dass es nicht Osmunds Absicht gewesen war, ihn zu versklaven. Er hatte ihn zurückgerufen, um Abschied zu nehmen.

»Ich muss mich bei dir entschuldigen, Osmund«, erklärte Brandur. »Ich habe einen Augenblick benötigt, um gänzlich in der Physis anzukommen und zu begreifen. Wir sind auf der Nachtburg, nicht wahr?«
Er legte den Kopf zurück und blickte hinauf zu den beiden Monden, die hinter dem Bergfried schienen, der seinen langen schwarzen Schatten über die Ruinenstadt im Tal warf.
»Ja«, gab er sich selbst die Antwort. »Hier sind wir. Gemeinsam.«

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Linhard von Hohenfelde

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Re: Brandurs Tod

#14

Beitrag von Linhard von Hohenfelde » Di 6. Mär 2018, 19:37

Osmund nickte nur schmunzelnd und deutete auf Linhard. Um ihn ging es hier nicht. Er hatte einem einsamen Jungen und einem alten toten Mann einen Wunsch erfüllt. Einen Wunsch, den er nicht abschlagen konnte.

Lin musterte Brandur liebevoll. Osmund hatte es tatsächlich geschafft und die Seele seines Vaters zurück gebracht. Zuerst schien Brandur alles andere als erfreut darüber zu sein, dass man ihn aus dem Nexus zurückgerufen hatte. Lin konnte es ihm nicht verdenken.

Vermutlich gab es dort drüben genau dass, wofür sie hier kämpfen mussten - Frieden.

Linhard erwiderte die Umarmung von Brandur. In der Grabeskälte dieses Geistes lag mehr Wärme, als er je im Leben empfangen hatte. Lin störte sich nicht daran. Auch Dunwin hatte diese Kälte ausgestrahlt, obwohl dieser niemals kalt zu ihm gewesen war.

Die Herzenswärme die sein Paps trotz seiner Kälteaura ausstrahlte, überstieg alles, was Lin bis dato an positiven Gefühlen erlebt hatte. Nur widerwillig ließ er Brandur los. Aber es war unsinnig einen Geist festhalten zu wollen, ebenso hätte Lin versuchen können, den Wind einzufangen.

Linhard räusperte sich und machte eine allumfassende Geste.

"Von mir, für Dich. Wir beide haben uns alles gesagt, was wir uns zu sagen hatten Paps. Wenn nicht mit Worten, dann mit Gesten und Taten. Du wirst immer einen Platz in meinem Leben und in meinem Herzen haben Paps. Ich liebe Dich, Keks", erklärte Linhard leise. Dennoch hörte man seine Stimme auf dem gesamten Hof, so still war es. Das einzige Nebengeräusch verursachten die brennenden Fackeln.

"Von Dunwin soll ich Dir folgendes mit auf den Weg geben Paps - "Die Zeit als Toter an Deiner Seite Bruder, war eine der wenigen glücklichen Zeiten, wo ich tatsächlich gelebt habe. Mach es gut Brand, wir sehen uns auf der anderen Seite...".", rezitierte Lin und schwieg einen Moment.

"Als Dave und ich dies gemeinsam vorbereitet haben, habe ich unseren Wahlspruch für den heutigen Tag zum Besten gegeben. Dir zu Ehren Brandur und Deinem... unserem Traum entsprechend...

Hier endet heute der alte Weg und hier beginnt der neue - Bran-Dun-Lin…“,
flüsterte Lin seinem Vater zu.

„So sei es“, antwortete die Gesellschaft geschlossen.
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Ansgar von Hohenfelde
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Re: Brandurs Tod

#15

Beitrag von Ansgar von Hohenfelde » Di 6. Mär 2018, 19:57

Ansgar war gemeinsam mit seinem Leibdiener Janko angereist. Er hatte beschlossen sich von seinem Onkel zu verabschieden, da sie letztendlich doch noch zueinander gefunden hatten. Leider erst im Angesicht des Todes. Da erst hatten sie beide bemerkt, dass sie für das Gleiche eingestanden und gekämpft hatten.

Ans löste sich von seinem treuen Diener und ging schwer gestützt auf seinen Stab nach vorne. Dort blieb er in einigem Abstand zu Brandur stehen und musterte ihn einen Augenblick lang. In Ansgars Blick lag Bedauern. Bedauern über ihre verschwendete Zeit, es hätte alles ganz anders verlaufen können und sollen. Nun war es für sie beide dafür zu spät. Brandur war gefallen und Ansgar war ein Schatten seiner selbst.

"Mit einem Schrei erblickten wir das Licht der Welt...
Schreiend existierten wir...
Schreiend kämpften wir...
Gegangen wären wir Hand in Hand...

Gegangen bist Du allein, ganz leise und mit einem Lächeln...
Pass auf Dich auf Onkel Brand",
sagte Ansgar mit Wehmut in der Stimme.

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Archibald von Dornburg

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Re: Brandurs Tod

#16

Beitrag von Archibald von Dornburg » Di 6. Mär 2018, 20:35

Archibald trat nach vorne und musterte den Geist Brandurs, ehe er sich mit allem Respekt verneigte.

"Stärke bedeutet auch Fehler eingestehen zu können und Ihr habt dieses Eingeständnis von mir mehr als verdient.
Verzeiht mir Freiherr von Hohenfelde, ich entschuldige mich in aller Form bei Euch.
Mein ungebührliches Verhalten Ihnen gegenüber tut mir sehr leid.

Ich habe neben Euch agiert, ich habe sogar gegen Euch agiert.
Niemals zuvor lag ich mit der Einschätzung einer Person so falsch, wie bei Euch.

Ich habe das Offensichtliche über all die Jahre nicht erkannt. Nicht nur hier als Ihr mit Eurem Bruder wieder vereint wart, sondern auch damals nicht.

Wir teilten das gleiche Ziel, was ich zu meiner Schande nicht erkannt habe.
Hier hätten Verbündete sein können... sogar sollen oder müssen.
Dazu müssen wir keine Freunde sein, es reicht ein gemeinsames Ziel… mit ehrlichen Absichten.

Es war einzig und allein mein Fehler. Ich habe versagt, nicht nur in der Einschätzung Eurer Person, auch in anderen Dingen.
Dingen die ich durch Selbstbeherrschung eventuell nicht getan hätte... oder mit Mut zur Konsequenz.
Wer weiß das schon… den Mut habe ich schließlich nie aufgebracht…

Ich habe versagt Dunwin zu beschützen, der Stab hat versagt.

Ich ließ es zu, dass der Hass in Eurer Familie soweit schwelt, dass er Jahrzehnte später meinen besten Freund und Schutzbefohlenen tötete.
Der Tod in Form der Hand des eigenen Sohnes… dies ließ ich zu…
Schlimmer noch, ich habe den Hass den Weg geebnet… ich war ein Instrument dazu... und ich war es gern...

Das Versagen ist allein mir zuzurechnen.
Als ersten Mann des Stabes, als Freund… wie auch als… Bestie....

Umso bedeutsamer ist Euer Sieg für die Familie.

Ihr habt auf Eure Art für die Familie gekämpft, nicht gegen sie, wie ich fälschlicherweise annahm.
Und Ihr seid in dieser Schlacht für die Familie gefallen.

Letztendlich habt Ihr mir sogar meinen Bruder zurück gegeben und dies in Euren letzten Atemzügen…
Ihr habt bereinigt was ich in meiner Achtlosigkeit und Arroganz verbockt habe.

Hierfür Danke ich Euch in tiefster Demut, auch wenn es Euch nichts bedeutet...

Wie könnte es das auch nach meinen Worten und vor allem nach meinen Taten?
Dennoch stehen Euch diese Worte der Einsicht, Entschuldigung und Dankbarkeit von mir zu.
Ihr habt Sie Euch redlich verdient.

Mein Schwur an Euch…
Ich werde Euren Sohn Linhard mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln beschützen.
Von mir wird niemals eine Gefahr für Euren Sohn oder seine Kinder ausgehen, eher gehe ich",
sagte Archibald respektvoll.
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Marcella

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Re: Brandurs Tod

#17

Beitrag von Marcella » Di 6. Mär 2018, 23:29

Marcella
 
hatte Wolfi und ihren Meister Dave begleitet. Sie ging genauso nach vorne und schaute Brandur an. Marcella war nervös und ihre Hände schwitzten.
 
„Eine Familie soll zusammenhalten. Das stimmt Brandur. Was ich über dich gedacht und gesagt hab, war aus Angst um Wolfi und meinen Meister. Eure Familie ist sehr kompliziert und gefährlich. Ich denke ihr alle hattet Angst. Du hast Versöhnung gesucht und ihr habt euch ausgesprochen. Du hast dein Versprechen als Familienchef gehalten und uns gegen den abscheulichen Vampir beigestanden. Auch wenn wir nichts miteinander zu tun hatten und ich nur der Lehrling von Dave und Wolfis Freundin bin, wünsch ich dir alles gute Brandur. Ich werde dich in gute Erinnerung behalten. Unser Anfang war schlecht dann soll unser Abschied gut sein. Gute Reise.“
 
Sie lächelte ihn freundlich an und ging zurück zu Wolfi und Dave.

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Maghilia von Hohenfelde

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Re: Brandurs Tod

#18

Beitrag von Maghilia von Hohenfelde » Di 6. Mär 2018, 23:33

 
Maghilia
 
schaute Brandur lange an bevor sie was sagte.
 
„Du bist ein alter Narr und ein Dummkopf Brandur. So ein verrückter Idiot. Du hast ein Junge angenommen der nicht dein Sohn war. Ein Junge den niemand angenommen hätte, weil er ein nutzloser nichtmagischer Bastard ist. So sagen es die alten Wege. Sein Vater selber hätte ihn nicht behalten sollen. Das sagen die alten Wege um Wolfi zu schützen. Du hast ihn nicht nur behalten, du hast den Junge sogar adoptiert. Dein Bruder hast du als Geist an deine Seite gerufen. Dann hast du von Frieden, Versöhnung und Zusammenhalt geschwatzt. Du hast uns ganz schön viel Ärger gemacht, mit deiner Rumstreiterei.
Und wofür das alles Brandur? Damit eine uralte Frau wie ich lernt, dass sich kämpfen, lieben und über den Tellerrand gucken doch lohnen kann. Danke Brandur und alles liebe für dich.“
 
Maghilia lächelte ihn voller Wärme an, so wie sie es nur ganz selten im Leben getan hatte.

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Melisande von Hohenfelde

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Re: Brandurs Tod

#19

Beitrag von Melisande von Hohenfelde » Mi 7. Mär 2018, 10:05

Melisande schaute über die Gruppe der Anwesenden. Fast alle aus der Familie waren erschienen. Glücklicherweise fehlte nun ihr persönlicher Peiniger Dunwin, anwesend war hingegen sein Wahlbruder Archibald. Das Monster und die Bestie. Das Monster war erneut gestorben, als Geistwesen wieder von dieser Welt gegangen, was Melisande beruhigte. Aber letztendlich schien er sich gewandelt zu haben, nachdem was sie von Dave gehört hatte.

Das machte die alten Gräuel nicht ungeschehen, dies erteilte Dunwin keine Absolution, aber Brandur hatte ihm wie scheinbar auch der Bestie eine Lektion erteilt. Im Grunde ihnen allen, eine Lektion in Sachen Freundschaft, Zuneigung und Liebe.

Brandurs Ziele waren ehrbar in Melisandes Augen.

"Nichts muss so sein, nur weil es immer so gewesen ist, dass hast Du erkannt. Ich wünsche mir für uns alle Frieden, weil Hass tötet und jeder von uns doch nur das eine Leben hat. Du hast Deines für uns gegeben und noch vieles mehr. Ruhe in Frieden Brandur", sagte Melisande leise.

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Anwolf

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Re: Brandurs Tod

#20

Beitrag von Anwolf » Mi 7. Mär 2018, 10:59

Wolfi hatte sich umgehend zu Ansgar gesellt, als dieser auf der Trauerfeier erschienen war. Anwolf hatte gehofft, gebetet und gefleht, dass sein Vater noch leben würde. Sie hatten weder eine Information erhalten, ob er noch lebte, noch konnten sie ihn selbst aufspüren. Sogar Brandur wusste angeblich nicht, wo Ansgar zu finden war.

Scheinbar doch, denn es war zu einem finalen Kampf zwischen Brandur und Ansgar gekommen.
Die Frage stellte sich nur, seit wann Brandur Ansgars Aufenthalt bekannt gewesen war. Aber wie Wolfi es auch drehte und wendete, letztendlich hatten ihn beide Männer - ein Vater und sein Großonkel aus ihrem Krieg herausgehalten.

Mehr sogar noch, laut den Erzählungen von Ansgar, waren beide bereit gewesen für ihre Söhne zu sterben und hatten sich letztendlich versöhnt.

Anwolf war ehrlich, er war froh darum, dass sein Vater nicht gefallen war. Alles andere wäre ein Lüge gewesen, aber Ansgar war nicht mehr die Person, die er einst kannte. Er war geschwächt, stützte sich schwer auf seinen Stab und das obwohl in Wolfi stützte. Er war abgemagert, geradezu hager, sein Gesicht wirkte ausgezehrt. Aber vor allem wirkte er unendlich müde.

Selbst seine Art war eine andere geworden. Kannte Wolfi seinen Vater sonst nur als tobendes Energiebündel, war der Mann neben ihm scheinbar die Ruhe selbst. Stoisch, unerschütterlich, schweigsam - fast so als hätte er mit Dave die Rollen getauscht. Aber wenn man genau hinsah, dann sah man das Funkeln eines ungebrochenen Geistes in seinen dunklen, eingefallenen Augen.

Er hatte eine schwere Verletzung davon getragen und eine erneute tiefe Wunde in seiner Seele kassiert, dessen war sich Wolfi bewusst. Aber beides würde heilen, dafür würde er sorgen. Und falls sein Vater etwas von dieser Ruhe behielt, würde er vielleicht auch Daves Hilfe annehmen und sich mit Fin aussprechen, sie wenigstens anhören. Dies hoffte jedenfalls Anwolf.

Wolfi wusste, dass es Ansgar mit dem Frieden genauso ernst war wie Brandur. Ansonsten wäre er nicht auf dessen Beerdigung erschienen um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Dave erging es ebenso, er hatte den Frieden ausgehandelt und ihn ohne jeden weiteren Kommentar einfach aufgenommen. Natürlich war er sein Lehrling, aber er war nicht Daves Sohn. Sie hatten zusammengehalten als Onkel und Neffe, ohne jede Frage. Und was im Kleinen gelang, musste auch im Großen funktionieren.

Anwolf hoffte, dass Ansgar auch bei Dave und Fingard genauso reagieren würde wie bei Brandur. Das er erkannte, das er hier völlig über reagiert hatte. Wolfi folgte Ansgars Blick. Sein Paps beobachtete Dave, nicht bösartig oder mit Rachegedanken, sondern missend.

`Geh nachher zu ihm, er vermisst Dich auch´, übermittelte Anwolf.

Ansgar strich Wolfi über den Kopf und küsste ihn auf die Stirn. Eine verbale oder mentale Antwort blieb er seinem Sohn schuldig, aber er schmunzelte ihn kaum merklich an.

"Das ich Dich vermissen würde, wäre eine Lüge Brandur. Aber ebenso wäre es eine Lüge, würde ich behaupten, Dich gekannt zu haben. Alles was ich von Dir weiß ist, dass Du uns nichts angetan hast, obwohl Du es hättest tun können. Dass Du uns hättest aus der Familie verbannen können, es aber nicht getan hast. Dass Du Dich mit uns zur Verhandlung getroffen und den Frieden vereinbart hast. Dass Du zudem als es drauf ankam, Dein Wort gehalten und uns beigestanden hast.

Und letztendlich, dass Du mir meinen Vater gelassen hast... trotz allem, oder gerade deswegen.

Wer eine Maske trägt, kann nicht erwarten, dass man seine Tränen sieht. Die Masken habt Ihr beide zum Schluss fallen lassen und die Wahrheit gesehen, Ihr habt Euch selbst in den Augen des anderen gesehen. Vielleicht ist dies der beste Spiegel, den man sich wünschen kann. Man sagt den Augen schließlich nach Tor der Seele zu sein. Ich gebe Dir meinen Dank und meine besten Wünsche mit auf den Weg Brandur",
sagte Wolfi freundlich.

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