Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Brandurs Tod

Famlie von Hohenfelde
Diese alte Adelsfamilie hat zahlreiche Geistmagier und Nekromanten hervorgebracht. Das Familienleben ist gepr├Ągt von Intrigen. Morde, auch innerhalb der eigenen Reihen, und arrangierte Ehen zur Erweiterung der Macht sind an der Tagesordnung. Als Familienmitglied ben├Âtigt man starke Nerven und gleicherma├čen ein H├Ąndchen f├╝r B├╝ndnisse und Hinterhalte. Unter der F├╝hrung des neuen Oberhauptes Linhard verlie├č die Familie Naridien und versucht nun in Souvagne ein neues Leben zu beginnen, fernab des dunklen Pfades.
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Dunwins Geist
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Re: Brandurs Tod

#21

Beitrag von Dunwins Geist » Mi 7. M├Ąr 2018, 11:23

Aimeric de la Cantillion / Dunwin

Aimerics Blick schweifte ├╝ber die Runde, aber momentan schien niemand das Wort ergreifen zu wollen. Jeder war mit seinen Gedanken und seiner Art der Trauer besch├Ąftigt. Es r├╝hrte Aimeric aka Dunwin sehr, wie viele zu Brandurs Verabschiedung erschienen waren. Sie alle fanden passende, freundliche ja sogar liebevolle Worte.

Auf seiner eigenen Beerdigung, h├Ątte es sie gegeben, w├Ąren vermutlich ebenso viele Leute erschienen. Allerdings nur um sich per letzten Dolchsto├č zu versichern, dass er auch tats├Ąchlich tot war.

Dieser K├Ârper, dieses letzte Geschenk seines Bruder brachte eine zweite Chance mit sich. Genau genommen sogar seine dritte, denn schon als beschworener Geist hatte er seine zweite Chance erhalten. Die dritte Chance wollte er aktiv nutzen. Er wollte seinen Lieben beistehen und er ihren gemeinsamen Traum erf├╝llen.

Er w├╝rde als Freund, Kamerad und Verwandter an Linhards Seite bleiben und so ├╝ber diesen wachen und den Jungen besch├╝tzen. Und Dunwin hatte fest vor, sich ganz vorsichtig seinen beiden S├Âhnen zu n├Ąhern, um mit ihnen eine Freundschaft aufzubauen. Nicht um das Geschehene ungeschehen zu machen, dies war ein Ding der Unm├Âglichkeit. Aber er wollte ihnen etwas Gutes tun, und wenn es nur f├╝r f├╝nf Sekunden ein ehrliches L├Ącheln war, dass er ihnen als dieser ferner Verwandter schenken konnte.

Wenn er dann selbst eines Tages abtrat, w├╝rde er sich vorher offenbart haben. Dann ging er zwar als die Person die er war, gehasst und verachtet, aber nicht jede Erinnerung an ihn w├Ąre dann das Grauen, dass er auf so widerw├Ąrtige und verabscheuungsw├╝rdige Art und Weise in ihr Leben getragen hatte.

Als Geistwesen hatte er schlagartig gesehen was er gewesen war, nein mehr noch er hatte es mit jeder Faser seines Bewusstseins tats├Ąchlich begriffen. Und dieses Begreifen teilte nun sein Bruder Brandur mit ihm.

"Wir kannten uns nur fl├╝chtig Brandur, dennoch m├Âchte auch ich Dir alles gute auf Deinem Weg w├╝nschen. Gr├╝├če von Melville, Maurice und Massimo Magdalena auf der anderen Seite. Ich wei├č eigentlich bin ich ein Au├čenstehender, trotz unserer Verwandtschaft. Aber dies ├Ąndert sich ab dato, sonst w├Ąre ich nicht mit Euch hierher gereist.

Ich verspreche Dir gut auf Deinen Sohn aufzupassen und ihm ein loyaler Freund zu sein. Und sollten seine Heiratspl├Ąne noch stehen, so werde ich an Deiner Stelle mit meinem Vater verhandeln Brandur. Es w├╝rde uns freuen, wenn sich unsere Familie erneut binden, dieses mal im Guten. Ich selbst werde mich ebenfalls um eine Frau bem├╝hen, die Zeit daf├╝r ist reif und eine gemeinsame Suche ist eine leichtere Suche.

Wir haben Ansgar beigestanden, wir wollten Euch allen beistehen, damit Ihr Euch endlich von den dunklen Wegen abwendet. Das der finale Akt dazu auf unserer Scholle stattfinden w├╝rde, damit hat keiner gerechnet.

Stolz und Trauer mischen sich zeitgleich in meinem Herzen Brandur. Deine Familie wird immer eine zweite Heimat auf souvagnischem Boden haben, dass versichere ich Dir. Pass gut auf Dich da dr├╝ben auf",
erkl├Ąrte Aimeric herzlich.

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Davard von Hohenfelde
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Re: Brandurs Tod

#22

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Mi 7. M├Ąr 2018, 11:45

Dave ging gemeinsam mit Varmikan nach vorne um sich von seinem Onkel Brandur zu verabschieden. Kurz vor ihm blieben sie stehen, w├Ąhrend Varmikan Dave einen Arm um die H├╝fte legte.

"Bei uns ist es einmal im Jahr Brauch mit den geliebten Verstorbenen zu sprechen. So h├Ątten wir schon auf unserer Hochzeit zusammenstehen sollen. Aber man soll nicht ├╝ber versch├╝tteten Schnaps klagen, dass sagt Dave immer. Da ich nicht viel zu sagen wei├č, ein Spruch aus meiner Heimat f├╝r Dich Brandur - Die Glut des Herzens ist am besten in den Tagen voller Dunkelheit zu erkennen", sagte Varmikan freundlich.

"Du hast unsere Hochzeit ruiniert Brandur. Bei der Friedensverhandlung hast Du uns versprochen, dass Du Dir eine Wiedergutmachung einfallen lassen w├╝rdest. Frieden in der Familie, wo jeder ohne Angst als die Person aufwachsen kann, die sie ist - ist mehr als eine Wiedergutmachung. Sie ist der Traum den niemand zu tr├Ąumen wagte.

Durch Dunwins Anwesenheit erhielt ich letztendlich Antworten auf lange gestellte Fragen.
Ebenso durch die Anwesenheit der Bestie bei der Verhandlung.

Es waren keine Antworten die mir geschmeckt haben. Es sind schlie├člich auch keine Fragen, deren Frage-Berechtigung man seinem ├Ąrgsten Feind w├╝nscht. Dennoch habe ich die Antworten erhalten. Es macht nichts besser, ertr├Ąglicher oder ungeschehen aber es gibt dem Ganzen eine andere Form von Verst├Ąndnis.

Mehr noch es gab mir die M├Âglichkeit damit abzuschlie├čen, mich von ihnen loszusagen.
Ich war nicht der Schuldige, da ich mich nicht verteidigen konnte.
Sie waren die Schuldigen. Kein Kind, gleichg├╝ltig was er verbrochen hat, hat so etwas verdient.

Weise Worte die ich einst aus dem Munde eines ebenso geschundenen Mannes h├Ârte, einem Tiefling. Aber H├Âren, Verstehen und sich zu Herzen nehmen k├Ânnen sind dreierlei Dinge. Warum ich Dir das erz├Ąhle? Nun damit Du auf Deinem Weg wei├čt, dass ich ebenso mit dem Grauen abgeschlossen habe. Sollte Dein Sohn meine Hilfe ben├Âtigten, bin ich jederzeit f├╝r Linhard da. Wir sind jederzeit f├╝r Linhard da, ebenso sp├Ąter f├╝r seine eigene Familie. Das Grauen wird sich nicht wiederholen, dass verspreche ich Dir, unabh├Ąngig von anderen Beteuerungen werden wir ├╝ber die Einhaltung des Friedens wachen.

Ich gebe Dir ebenfalls etwas mit auf dem Weg, ein kleines Geschenk in Anerkennung Deiner Leistung. Unsere Tochter wird den Namen Irmina Ethelind Brenda von Hohenfelde-Eisseher tragen.

Und ja meine Worte waren damals aufrichtig gemeint, ich h├Ątte Dir mein Kind anvertraut, auch wenn Du es damals nicht geglaubt hast. Vielleicht tust Du es heute, nur wird sie an Deiner statt Linhard in den Armen halten. Mach es gut Brandur",
sagte Dave traurig.

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Re: Brandurs Tod

#23

Beitrag von Veyd von Eibenberg » Mi 7. M├Ąr 2018, 11:59

Veyd von Eibenberg war als Familienoberhaupt der von Eibenbergs zu Brandurs Verabschiedung erschienen. In seiner Begleitung befand sich Wolfgang von Wigberg, dass Familienoberhaupt der von Wigbergs. Somit waren die Oberh├Ąupter der Sippe Hohenfelde-Wigberg-Eibenberg vollst├Ąndig.

Beide, Veyd wie Wolfgang, wollten damit demonstrieren, dass sie sich ebenso wie alle anderen dem neuen Weg anschlossen. Auch Veyd und Wolfgang traten nach vorne. Veyd schenkte Brandur ein L├Ącheln. Ein ehrliches und aufrichtiges L├Ącheln, nicht eines seines Berufsstandes. Wolfgang schaute ernst, ja fast feierlich und dennoch traurig.

"Eine Bilanz ist das, was sich nach besten Wissen und Gewissen nicht mehr verstecken l├Ąsst.
Die Bilanz Deines Lebens Brandur - Du hast es verstanden, bessere Leute aus jenen die Dir folgten zu machen, als Du selbst einer warst.

Eine hohe Kunst, die Dir so schnell kaum jemand nachmacht. Oder auf den Punkt gebracht, gemeinsam sind wir mehr, als ein Einzelner jemals sein k├Ânnte. Ruhe in Frieden Brandur. Dass w├╝nschen wir beide Dir",
sagte Veyd freundlich.
"Ruhe in Frieden", stimmte Wolfgang leise mit seiner heiseren Stimme zu.

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Wolfram von Wigberg
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Re: Brandurs Tod

#24

Beitrag von Wolfram von Wigberg » Mi 7. M├Ąr 2018, 12:13

Wolfram gesellte sich zu seinem ├Ąlteren Bruder, dem Familienoberhaupt der von Wigbergs. Wolfgang begr├╝├čte ihn mit einem knappen Nicken und einem freundlichen L├Ącheln. Erstaunt wie gl├╝cklich dar├╝ber, erwiderte Wolfram den Gru├č.

Sie hatten sich lange nicht gesehen und sie hatten nicht gerade das beste Verh├Ąltnis. Genau genommen, hatten sie gar kein Verh├Ąltnis, da sich Wolfram vollst├Ąndig von seiner Familie zur├╝ckgezogen hatte. Sein Lebenswandel passte nicht zu dem seiner Familie. Nun vielleicht ab heute schon, sonst w├Ąre Wolfgang nicht zu Brandurs Verabschiedung erschienen.

"Es weht der Wind ein Blatt vom Baum,
von vielen Bl├Ąttern eines.

Das eine Blatt, man sieht es kaum,
denn eines ist ja keines.

Doch dieses eine Blatt allein,
bestimmte kurz mein Leben,

drum wird dies eine Blatt allein, mir immer wieder fehlen - gute Reise mein Freund",
sagte Wolfram zu Brandur.

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Re: Brandurs Tod

#25

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Mi 7. M├Ąr 2018, 12:24

Osmund von Wigberg

Osmund wandte sich ebenfalls Brandur zu. Der alte Nekromant hatte Brandur zu seiner eigenen Verabschiedungsfeier heraufbeschworen und auch er wollte es sich nicht nehmen lassen, ein paar letzte freundliche Worte an den Mann zu richten, der auf seine alten Tage noch zu einer Weisheit gefunden hatte, f├╝r die manche wahrscheinlich Jahrtausende alt werden mussten.

"Auch ich m├Âchte mich von Dir verabschieden Brandur.
Du brichst nun zu Deiner letzten Reise auf, jene Reise die Dich hinter den Schleier f├╝hrt.
Vielleicht eines der letzten gr├Â├čten Abenteuer, zu denen man aufbrechen kann.
Ein einmaliges Abenteuer, dass man wagen kann... nun Du wirst ihn wagen... den Blick hinter den Schleier",
sagte Osmund freundlich.

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Re: Brandurs Tod

#26

Beitrag von Marlo von Falkenberg » Mi 7. M├Ąr 2018, 15:47

Marlo

war erstaunt, wer alles gekommen war. Sogar Wolframs Bruder, sein Herr. Er war freundlich zu Wolfram. Zuerst hatte Marlo Angst, dass Wolfgang mit Wolfram auf Brandurs Beisetzung streiten wollte. Aber Wolfgang bem├╝hte sich und sein Mann freute sich. Das gefiel Marlo.

"Ich hab es dir schon im Haus gesagt, du h├Ąttest nicht nach Souvagne reisen sollen. Ich h├Ątte das verhindern m├╝ssen. Aber vielleicht musste alles zusammenbrechen, damit wir in deinen Namen neu aufbrechen. Da ihr Spr├╝che m├Âgt, ein von mein Vater. Die Lebenden schliessen den Toten die Augen. Die Toten ├Âffnen die Lebenden die Augen.
Mein Schwert f├╝r dein Sohn und deine Sache Brandur. Du hast mir viel bedeutet."

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Re: Brandurs Tod

#27

Beitrag von Linhard von Hohenfelde » Do 8. M├Ąr 2018, 07:20

Linhard wartete ab, ob noch jemand etwas sagen wollte. Niemand wollte noch etwas anf├╝gen, so wandte sich Lin selbst noch einmal an Brandur.

"Dein letzter Wunsch war es, in die Nachtburg zur├╝ckzukehren. Deinen K├Ârper wie auch einige pers├Ânliche Dinge, sollte ich nach Deinem... Ableben den Flammen ├╝bergeben. Ich bin bereit Dir diesen Wunsch zu erf├╝llen, wie jeden anderen ebenso Paps. Aber bevor ich Deinen K├Ârper den Flammen ├╝bergeben kann, bevor ich Deine leibliche H├╝lle verbrenne, bitte ich Dich darum diesen Wunsch zu wiederholen.

Also frage ich Dich hiermit Paps, m├Âchtest Du dass Dein K├Ârper den Flammen ├╝bergeben wird um in Rauch aufzugehen, oder m├Âchtest Du Deinen K├Ârper sicher verwahrt wissen? F├╝r den eventuellen Fall, dass Du ihn noch einmal ben├Âtigst.

Die Entscheidung liegt bei Dir Paps.
Wie lautet Deine Entscheidung?",
fragte Lin liebevoll und schaute Brandurs Geist abwartend an.
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"Niemand wendet sich gegen die Familie, sonst wendet sich die Familie gegen Dich" - Linhard von Hohenfelde

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Re: Brandurs Tod

#28

Beitrag von Brandur von Hohenfelde » Do 8. M├Ąr 2018, 12:46

Brandur war ergriffen. So viele Menschen waren angereist, um ihn zu verabschieden. Mehr als das, jeder Einzelne hatte sich lange seine Gedanken gemacht, welche Worte er ihm zum Geleit geben konnte, das h├Ârte er daran, wie wohl durchdacht sie klangen. Der neue Familiengru├č, den Linhard nannte, war die goldene Krone der W├╝nsche. Brandurs Substanz flimmerte. Er war nicht nur ergriffen, er war ersch├╝ttert. Fast war es ihm unm├Âglich, zu glauben, dass dies ├╝berhaupt seine eigene Familie war - jene Familie, die er sich stets gew├╝nscht hatte, nunmehr nicht in Form arrangierter Knochenpuppen, sondern leibhaftig, lebendig, aus Fleisch und Blut, so standen sie vor ihm und waren, was sie schon immer hatten sein sollen. Es war schmerzlich-sch├Ân zu wissen, dass sein eigener Opfertod das erm├Âglicht hatte, was sein gr├Â├čter Traum gewesen war - jenen Traum, f├╝r den er sich einst so sehr sch├Ąmte, dass er ihn im tiefsten Keller der Nachtburg versteckt gehalten hatte, wie ein finsteres Geheimnis. Es war schon seltsam, dass man sich in dieser Familie f├╝r seine Sehnsucht nach Liebe hatte sch├Ąmen m├╝ssen wie f├╝r ein sch├Ąndliches Verbrechen, w├Ąhrend man voll stolz davon sprach, welche Menschen man auf welch grausame Weise aus dem Weg ger├Ąumt hatte. Das alles war nun vorbei. Der Traum war zum Leben erwacht.

┬╗Ich m├Âchte mich bei euch allen aus tiefstem Herzen bedanken. Mit so viel Anteilnahme hatte ich nicht gerechnet, doch muss ich gestehen, dass ich sie mir gew├╝nscht hatte: Eine Beisetzung, bei der man meinen Leichnam nicht bespuckt und aus Angst, er k├Ânne wiederauferstehen, bis zur Unkenntlichkeit durchl├Âchern w├╝rde, sondern eine Beisetzung, w├Ąhrend der man meiner in Liebe gedenken kann. Den Gro├čteil meines Lebens habe ich damit vergeudet, den Hass zu n├Ąhren, dessen Saat man in mich s├Ąte, so wie in uns alle. Ein verbitterter alter Mann, der doch eigentlich etwas anders sein wollte. Die Schuldfrage ist m├╝├čig, ob ich sie nun anderen in die Schuhe schieben m├Âchte oder mir selbst. Egal, wie die Antwort ausfiele, sie w├╝rde nichts an der Vergangenheit ├Ąndern. Die Zukunft aber, liegt nun in eurer Hand. Ihr seid auf dem besten Weg, es richtig zu machen.┬ź

Brandur l├Ąchelte so freundlich, so wie er sonst bestenfalls f├╝r Linhard gel├Ąchelt hatte oder vor langer Zeit f├╝r Aster. Ein L├Ącheln, dass er nicht aus Scham, versehentlich Weichheit gezeigt zu haben, sofort wieder in eine kalte Maske verwandelte, sondern eines, das seinen ganzen Stolz zeigte, diese Menschen seine Familie und seine Freunde nennen zu d├╝rfen.

Er begann, jedem Einzelnen noch einmal pers├Ânlich zu danken. Das war das Mindeste. Er begann bei Marlo und Wolfram, denn diese beiden waren in mancher Hinsicht so viel kl├╝ger als die meisten anderen Menschen.

┬╗Ihr beide seid auf dem richtigen Weg gewesen, lange bevor ich nur daran dachte, ihn zu betreten┬ź, sprach er zu Marlo und Wolfram. ┬╗Sie beide haben verstanden, woran andere ihr ganzes Leben lang scheitern. Ich m├Âchte in Ermangelung besserer Worte meinen guten Kasimir zitieren: Liebe ist niemals falsch. Ihr beide macht alles richtig. Das habe ich nun begriffen. Lasst euch nie von irgendwem etwas anderes einreden.┬ź

Er dr├╝ckte die beiden nacheinander mit seinen eisigen Geisterarmen.

┬╗Marlo, bitte pass gut auf Wolfram auf. Du bist ihm wichtiger, als du selbst es glaubst. Ainuwar segne euch beide.

Und dir, Wolfram, danke ich f├╝r die grenzenlose und v├Âllig selbstlose Gastfreundschaft. Bitte gib auf Margot acht. Sie wird in Zukunft k├Ârperlicher Schonung bed├╝rfen. Wenn man vier Mal Vater werden durfte, wei├č man die Zeichen zu deuten. Lass sie den Haushalt nicht mehr allein f├╝hren, vor allem nicht schwer heben. Vielleicht k├Ânnen deine G├Ąste lernen, sich selbst n├╝tzlich zu machen und dir so etwas zur├╝ckzugeben, anstatt nur deine Vorratskammer zu pl├╝ndern.┬ź


Er schwebte die Runde weiter zu Osmund und Maghilia und dr├╝ckte auch die beiden ├Ąltesten Familienmitglieder zum Abschied.

┬╗Wir h├Ątten uns fr├╝her zusammensetzen und fachlich austauschen sollen┬ź, bedauerte er. ┬╗Auch euch beiden danke ich von Herzen, auch wenn wir nicht viel miteinander zu tun hatten, f├╝r eure einf├╝hlsamen Worte. Ihr seid der Beweis daf├╝r, dass unsere Zunft nicht nur Schrecken und Abscheulichkeiten gebiert, sondern dass auch in einem Nekromanten ein lebendiges Herz schl├Ągt. Deine Worte haben mich besonders ber├╝hrt, Maghilia. Man sollte sie einrahmen.

Und dir Osmund ein kleiner Einblick aus der Sicht eines Toten, da du davon sprachst. Hinter den letzten Schleier vermochte ich nicht zu blicken, ich wei├č daher noch nicht, was dahinter kommt, es ist ungewiss, auch wenn ich dort den Abgrund vermute, der, einem gezogenen St├Âpsel gleich, alles ansaugt und verschlingt. Ainuwar, das Nichts. Kasimir wird mir in dieser Hinsicht nat├╝rlich widersprechen und auf das Licht verweisen, was am Ende der Nacht kommt. Was ich von weitem, ganz aus der Ferne sah, waren die Grenzen der Nacht, auf denen die Sterne leuchteten. Ein einziges Wort mag alles beschreiben, was ich empfand: Frieden. Die Trias zeigt sich als scheinbar endlose, monotone Ein├Âde. Die Alben dort wirken in der Weite wie verlorene wei├če Wanderer, die Totengeister wie schwarze Schatten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es gesund ist, sich lange dort aufzuhalten, selbst f├╝r einen Alben. Der Nexus jedoch, welcher der Physis am n├Ąchsten liegt, ist, so seltsam das klingt, noch voller Leben. Es gleicht einem astralen Feuerwerk, was sich dort abspielt. Es ist ein sch├Âner Ort und man kann verstehen, wenn manch Geist sich weigert, von dort zu verschwinden und lieber als Spuk erhalten bleibt. Vielleicht n├╝tzen dir diese Informationen etwas f├╝r deine Arbeit oder trugen dazu bei, das wissenschaftliche Interesse zu befriedigen, das unseresgleichen f├╝r den Tod hegt.┬ź


Brandur ging zu Veyd und Wolfgang.

┬╗Dass ihr beide hier seid, freut mich besonders, wei├č ich die Geste doch zu deuten. Uns verband nicht viel, au├čer das Blut. Und doch sind dies vielleicht die st├Ąrksten Bande von allen und seien sie noch so d├╝nn.┬ź Er schmunzelte. ┬╗Dass du selbst im Angesicht des Todes noch eine Bilanz ziehst, Veyd, ist wenig verwunderlich, gleichwohl am├╝sant. Man kann nicht alles f├╝r Geld kaufen, wenn auch sehr viel und oft genug Ersatz f├╝r jene Dinge, die wir uns im tiefsten Inneren w├╝nschen. Die wichtigsten Dinge im Leben jedoch bekommt man geschenkt oder man bekommt sie ├╝berhaupt nicht. Vergiss das nicht, mein Lieber. Doppelte Buchf├╝hrung ist nicht alles im Leben. Oh und sei so gut und denke ├╝ber besondere Vertragskonditionen f├╝r Familienangeh├Ârige nach, auch wenn das dir am Geldbeutel zwackt - du wirst daf├╝r Dankbarkeit erhalten und vielleicht den einen oder anderen Gefallen, den man dir sonst nicht erwiesen h├Ątte bei deiner Knausrigkeit.┬ź

Obwohl sie nicht viel miteinander zu tun gehabt hatten, dr├╝ckte er auch diese beiden Menschen. Warum sollte er es nicht tun? Ihm war danach, sie waren seine Sippe und sie waren eigens f├╝r ihn den weiten Weg angereist.

┬╗Wolfgang, bitte gr├╝├če zu Hause den Tarnkappendupont von mir. Ja, ich wei├č von ihm. Ebenso wei├č ich, dass nicht gern dar├╝ber gesprochen wird, welchen Namen er einst trug. Auch die Hohenfeldes haben einen Dupont, wenngleich nicht in der Verwandtschaft, so doch in dem Stab, der die Familie sch├╝tzt. Die Duponts sind schwer gebeutelt und ich z├Ąhle unseren Dupont zu den engen Freunden der Familie. Euer Dupont ist ├╝ber die Heirat sogar mit uns verwandt. Vielleicht l├Ąsst sich in Zukunft arrangieren, ihrer Familie in Almanien auf die eine oder andere Art zu helfen. Die Duponts leben momentan in bitterer Armut. Pakete werden sie kaum erreichen in Anbetracht der politischen Lage. Aber vielleicht f├Ąllt den klugen Wigbergs etwas anderes ein. Ich bin sicher, im Gegenzug werdet ihr interessante Dinge erfahren f├╝r die Wissenssammlung eurer Familie.┬ź

Er schwebte weiter zu Chirag, der nicht hatte zu Wort kommen k├Ânnen.

┬╗Chirag, mein Freund, hat man Sie wieder ├╝bersehen!┬ź Chirag blickte anstelle einer Antwort nur betreten drein. Linhard hatte die Runde der pers├Ânlichen Ansprachen beendet, ohne dass der ehemalige Chevalier das, was ihm auf dem Herzen dr├╝ckte, noch hatte loswerden k├Ânnen. Brandur legte die eisigen Arme um ihn und Chirag versuchte, ihn mit seiner einen Hand zur├╝ck zu umarmen. Erst jetzt konnte der Almane sagen, was er noch hatte loswerden wollen.

┬╗Sie fehlen. Und ich bin traurig und w├╝tend auf Sie, da Sie uns `ier alleingelassen `aben. Wie ich in Anbetracht der Situation angemessener Weise explisit `ervorheben m├Âchte, vor allem mich. Es tut mir leid, aber ich kann dem im Gegensatz su anderen `ier nichts Positives abgewinnen. Ich stimme Monsieur von Falkenberg su. Sie `├Ątten nicht gehen sollen. Es war die falscheste Entscheidung Ihres ganzen Lebens, ein riesengro├čer, fataler und durch nichts wieder gut su machender Fehler. Sie `aben uns `ilflos sur├╝ckgelassen, nachdem Sie die F├╝hrung ├╝bernommen `atten und damit alles nur noch Schlimmer gemacht, als wenn es einfach so geblieben w├Ąre wie bis`er.┬ź

Er sprach von ihnen allen, doch er meinte seine eigene Gem├╝tslage. Naturgem├Ą├č war Chirags Trauer als bitterb├Âser Vorwurf verpackt. Daf├╝r war es nun einmal Chirag. Brandur betrachtete ihn mild.

┬╗Das verstehe ich┬ź, sagte er. Er verstand tats├Ąchlich. Wie so vieles, dass er erst im Angesicht des Todes hatte gelernt. ┬╗Auch Sie haben mir gefehlt, bereits zu Lebzeiten, ohne dass ich es wusste. Ich wusste es erst dann, als ich Sie wirklich kennenlernte und nicht nur sah. Einen guten Freund findet man nicht alle Tage und ich h├Ątte Sie gern fr├╝her an meiner Seite gewusst.┬ź

┬╗Die Nacht des Blutes ...┬ź, sprach Chirag erstickt. ┬╗Ich ... kann nicht ...┬ź

┬╗Sie waren das Schwert, nicht der Kopf. Sie taten, was ein Schwert tut. Ja, Ihre Mitschuld war schrecklich. Und nun ist es vorbei, lange Jahre her. Ich bitte Sie um eines: Machen Sie Ihren Frieden mit der Vergangenheit, Chirag. Sonst werden Sie davon verschlungen und werden im schlimmsten Fall selbst zu einem Verschlinger. Wenn Sie Rat brauchen, sprechen Sie mit Davard. Ich bin sicher, er kann vieles dazu sagen, mehr als ich und in besseren Worten. Mein Sohn braucht Sie an seiner Seite und er braucht Sie gesund und stark. Vergeben Sie sich selbst. Ich tat es l├Ąngst.┬ź

Er umarmte ihn noch einmal und schwebte zu Davard.

┬╗Dir m├Âchte ich meinen besonderen Dank f├╝r die offenen und sehr pers├Ânlichen Worte aussprechen, die du wagtest, im Beisein der Familie zu formulieren. Es war sicher nicht einfach f├╝r dich. Dein Geschenk ... ich f├╝hle mich zutiefst geehrt. M├Âge der Name eurer Tochter den Weg in eine gl├╝ckliche Zukunft weisen. Ich h├Ątte sie gern im Arm gehalten. Ich denke, ich muss nicht l├Ąnger verheimlichen, dass ich Kinder mag, ihre offene, manchmal nervt├Âtende und doch so unschuldig ehrliche Art. Meine eigenen Kinder zu brechen f├╝r diese Familie brach auch mir verdienterweise das Herz. Als ich meinen j├╝ngsten Sohn nach seiner Geburt in den Armen hielt, konnte ich es nicht ertragen, wusste ich doch, was mit ihm geschehen musste. Ich habe ihn sofort der Amme zur├╝ckgegeben und den Raum verlassen, wie so oft. Meine Frau warf mir Desinteresse vor, sogar Abscheu. Du bist vielleicht der Einzige, der mich damals wirklich verstanden h├Ątte. Es erf├╝llt mich mit einem Gef├╝hl tiefen Gl├╝cks, zu wissen, dass du nicht l├Ąnger fliehen musst, sondern dein Kind in Liebe an dich dr├╝cken kannst, ohne daran denken zu m├╝ssen, wie man es vor deinen Augen zerst├Âren wird und du nichts, aber auch gar nichts tun kannst, um es zu verhindern.┬ź

Er umarmte Dave.

┬╗Du wirst ein wunderbarer Vater sein, das wei├č ich. Du bist Linhard bereits ein guter Onkel. Ein Onkel, wie ich ihn selbst mir gew├╝nscht h├Ątte und wie ich es selbst nie war. Wenn du mir dein Wort gibst, ├╝ber den Familienfrieden zu wachen, erf├╝llt mich das mit Freude, vor allem aber mit Zuversicht. Ich bin sicher, dass ihr das gemeinsam schaffen werdet. Ihr seid ein gutes Team. Du selbst bist ein kluger Mann mit viel Lebenserfahrung und kannst Linhard sicher oft mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wenn du als angehender Vater einmal selbst nicht weiter wei├čt oder unsicher bist, scheue dich auch deinerseits nicht, dir Rat zu holen. Niemand kann alles wissen oder k├Ânnen. Damir ist Vater. Man kann ihm vieles vorwerfen und ich gebe zu, dass ich ihn in seiner Einfalt nicht ausstehen kann, aber ein schlechter Vater, das war er nie. Er hat die ersten S├Âckchen seiner Kinder aufgehoben, was f├╝r einen K├Ąmpfer seines Schlages sicher ungew├Âhnlich ist. Er hat die S├Âckchen seines ├Ąltesten Jungen von Rakshanistan bis nach Naridien mit sich geschleppt. Wo immer er wohnt, er hat die S├Âckchen seiner beiden Kinder dabei.┬ź

Er betrachtete Dave. ┬╗Ja, du wirst ein guter Vater sein. Du bist es schon. Dein Kind lebt bereits, auch wenn es noch nicht das Licht erblickt hat. Es ist bereits deines.┬ź Er l├Ąchelte gl├╝cklich, k├╝sste seinen Neffen auf die Stirn und schwebte zum N├Ąchsten, zu Davards Mann.

┬╗F├╝r einen Frostalben sind das sehr warme Worte. Dass ausgerechnet ein Frostalb so viel W├Ąrme in die Familie bringt, ist schon fast ironisch. Wie unterk├╝hlt muss unsere Familie gewesen sein? Danke auch dir, Varmikan.┬ź

Auch Varmikan wurde gedr├╝ckt, ehe Brandur weiterflog. Aimeric war der N├Ąchste, der Dunwins Geist in sicht trug.

Brandur musste sich sehr zusammennehmen, um den Anschein zu erwecken, Aimeric kaum zu kennen. Sein Bruder trug nun ein fremdes Gesicht, doch die Mimik, die K├Ârpersprache und die Energie, das alles war Dunwin.

┬╗Ich w├╝nsche dir viel Erfolg bei der Suche nach einer geeigneten Frau f├╝r dich und danke dir daf├╝r, dass du auch meinem Sohn bei der Suche helfen m├Âchtest. Doch bedr├Ąnge ihn nicht damit. Warte, bis er selbst auf das Thema zu sprechen kommt. Wir wurden lange genug verheiratet und verpaart wie Hunde, die man z├╝chten will. Mein Sohn soll selbst w├Ąhlen und entscheiden, ob er nach dem Kopf oder dem Herzen heiraten m├Âchte oder ├╝berhaupt nicht. Sch├Ân w├Ąre nat├╝rlich, w├╝rden Kopf und Herz sich einig sein, doch diesen Gl├╝cksfall hat man selten.┬ź

Er dr├╝ckte Aimeric.

ÔÇ║Danke f├╝r alles, Br├╝derchen ... ich hoffe, es geht dir gut da drin. Sonst bitte einen Nekromanten um Rat. Du machst deine Sache gut. Was du dir w├╝nschst, wird geschehen. So war es schon immer. Du wei├čt, wie du deine W├╝nsche wahr werden lassen kannst. Ein Hohenfelde begn├╝gt sich nicht damit, seine Tr├Ąume nur W├╝nsche bleiben zu lassen. Das ist vielleicht unsere gr├Â├čte St├Ąrke, der Wille zum Erfolg. Pass auf dich auf. Vielleicht kannst du in Souvagne auch f├╝r die armen Duponts etwas bewirken oder zumindest f├╝r Chirag. Ich hab dich lieb, mein Kleiner.ÔÇ╣

Brandur musste die Umarmung wieder l├Âsen, vornehm zum Abschied nicken und weiterfliegen, damit es nicht zu auff├Ąllig wurde. Leicht fiel ihm das nicht.

Anwolf und Ansgar waren an der Reihe. Brandur betrachtete sie gl├╝cklich. Ansgar sah todkrank aus, doch er lebte. Er war hier, zusammen mit seinen beiden Kindern.

┬╗Ihr seid zwei so wunderbare Menschen, dass es ein Jammer ist, dass auch ihr die Masken tragen musstet, von denen Anwolf sprach. Ich verstehe dich nun, Ansgar und ich verstehe dich, Wolfi. Ich w├╝nsche von Herzen, dass Ansgar wieder gesund wird und dass, wenn seine Zeit einst gekommen ist, er nicht wegen einem Hohenfelde gehen muss oder gar wegen mir. M├Âge dieser Zeitpunkt in sehr ferner Zukunft liegen. Dein Abschiedsgru├č ist reif f├╝r den Einband der Familienchronik, Ansgar. Du solltest eine Chronik verfassen, f├╝r die nachfolgenden Generationen. Sie sollen aus der Vergangenheit lernen, damit so etwas nie wieder geschieht. In Zeiten der Genesung mag dies vielleicht eine sinnvolle und erf├╝llende Besch├Ąftigung sein. Wer auch immer, aber jemand sollte das wirklich angehen. Lebt wohl, ihr beiden.┬ź

Er umarmte erst Wolfi und dann ganz vorsichtig Ansgar, damit ihn die K├Ąlte nicht schockte. Aufgrund der Ereignisse w├Ąhrend ihres Duells umarmte er Ansgar l├Ąnger als die anderen und dr├╝ckte noch einmal fest seine H├Ąnde, w├Ąhrend er ihm tief in die Augen sah, ehe er seine Runde weiterschwebte.

Die kleine Marcella stand dicht neben Anwolf.

┬╗Auch dir m├Âchte ich f├╝r deine W├╝nsche danken. Du wirst Anwolf eine gute Frau sein, auch wenn ich zun├Ąchst etwas skeptisch war, als ich erfuhr, dass du nicht von Stand bist. Ich habe viel Gelegenheit gehabt, meine alten Ansichten zu ├╝berdenken. Vielleicht ist es gut, dass jemand mit einer anderen Sicht auf die Dinge in die Familie kommt, um dabei zu helfen, den Kreis zu durchbrechen, in dem wir uns zu lange gedreht haben beim Tanz um uns selbst. Meine gro├če Liebe war eine Leibeigene, unsere G├Ąrtnerin. Sie liebte die Blumen und ich liebte sie. Ich beneide Anwolf um seinen Mut, seinem Herzen zu folgen, was ich in meinem alten Starrsinn nie wagte. Alles Gute f├╝r eure Zukunft. Solltet ihr einst heiraten wollen - meinen Segen habt ihr, auch wenn der nicht mehr relevant ist.┬ź

Er dr├╝ckte das kleine Fr├Ąulein und schwebte weiter.

Melisande stand da, verloren. Man sah ihr die Angst und Sorge an, die man ihr in Gegenwart Archibalds nicht verdenken konnte.

┬╗Nie wieder soll jemand Hand an dich legen, liebe Schw├Ągerin. Ich bitte dich um Vergebung. Ich h├Ątte nicht wegsehen d├╝rfen. Du bist eine wundervolle Frau. Vielleicht kannst du Davard als Mutter deinen Rat geben, wenn er sein eigenes Kind in den Armen h├Ąlt. Und vielleicht gibt die Rolle als Gro├čmutter dir etwas von der Liebe, die bislang in deinem Leben fehlte.┬ź

Er z├Âgerte, da er nicht wusste, ob sie umarmt werden wollte nach allem, was sie hatte mit M├Ąnnern erleben m├╝ssen, drum nahm er nur ihre Hand, so gut er sie als Geist nehmen konnte, dr├╝ckte diese sanft und wartete, ob sie eine abschlie├čende Umarmung w├╝nschte. Dann setzte er seinen Weg fort.

Neben Melisande stand Kasimir. Brandur war sicher, dass der Lichtalb sich absichtlich neben der geschundenen Frau positioniert hatte, denn auf der anderen Seite stand Archibald. Er wollte Melisande r├Ąumlich abschirmen vor der Bestie. Brandur dr├╝ckte auch ihn.

┬╗Ich bin dir zu tieferem Dank verpflichtet als sonst jemand in diesem Leben. Es tut mir leid, dass ich dich geschlagen habe. Nicht, dass du es nicht verdient h├Ąttest - aber es tut mir leid, dass es so weit kommen musste. Ich w├╝rde dich wieder schlagen, jederzeit. Und auch Linhard hat die ausdr├╝ckliche Anweisung, das zu tun, sollte es erforderlich werden. Lass es nicht wieder n├Âtig werden. Du bist so ein feiner Kerl. Lass nicht zu, dass die Dunkelheit nach dir greift.┬ź Er k├╝sste ihn mit eisigen Geisterlippen auf die Stirn und dr├╝ckte mit den H├Ąnden seine Schultern. Kasimir wischte sich die Tr├Ąnen weg und l├Ąchelte schmerzverzerrt.

Dann flog Brandur zu dem Mann, der auf seiner anderen Seite stand. Er betrachtete Archibald ernst.

┬╗Man nennt Sie die Bestie. Oder haben Sie selbst sich diesen Namen gegeben? Wer war es, der sie als Erster so nannte? Sind am Ende Sie es, welcher die Bestie erschaffen hat, um nicht etwas anderes sein zu m├╝ssen? Dunwin sagte einst zu mir, dass ich erstaunt w├Ąre, wenn ich den anderen Archibald kennen w├╝rde. Diesen anderen Archibald sehe ich soeben zum ersten Mal vor mir und mein Bruder behielt Recht - es erstaunt mich. Ich zweifle nicht an der Aufrichtigkeit Ihrer Worte. Jetzt m├╝ssen Sie nur zusehen, dass dieser Archibald, der soeben vor mir steht, jener ist, der die Oberhand behalten wird. Sie sind so ein intelligenter und f├Ąhiger Mann, Archibald. Es ist beinahe erstaunlich, dass sie nicht als Hohenfelde geboren wurden bei Ihrer Begabung. Sie haben nahezu unbegrenzt Zeit vor sich, wenn Sie es geschickt anstellen. Sie werden noch kl├╝ger und noch geschickter werden in allem, was Sie tun. Das Meistertum von jahrhundertelangem Drill, wenn sie das so wollen. Dies kann Fluch oder Segen werden, vielleicht auch beides, so wie es bisher bei Ihnen Hand in Hand ging. Genie und Wahnsinn. Selten sah man beides so vereint in ein und derselben Person. Doch da ist noch etwas Drittes in Ihnen. Freundschaft.┬ź

Er wandte sich geistig an Archibald. Diese Worte waren nur f├╝r ihn bestimmt.

ÔÇ║Formal sind es andere, die meinen Sohn anleiten sollen, bis er alt genug ist, doch wir beide wissen, dass Sie, Archibald, sehr einnehmend sein k├Ânnen. Sie sind momentan der wahre Kopf des Stabes, da mache ich mir keine Illusion. Sie haben mit ihrer bisweilen charmanten Art und dem Stab gro├če Macht ├╝ber meinen Sohn und somit ├╝ber die Familie von Hohenfelde, ja, die gesamte Sippe. Sie sind momenentan das wahre Familienoberhaupt. Lassen Sie den Archibald, der gerade vor mir steht, ruhig etwas ├Âfter zu Wort kommen. Er steht ihnen gut. Lassen Sie sich gesagt sein, dass Sie dadurch nicht schwach wirken. Die Bestie wirkt nur menschlicher.ÔÇ╣

Es geschah das Unfassbare - Brandur umarmte Archibald, indem er ihn bei den Oberarmen griff und ihn kurz an sich dr├╝ckte.

┬╗Sie irren sich, wenn Sie meinen, Ihre Worte w├╝rden mir nichts bedeuten. Ich nehme Ihren Schwur dankbar entgegen. Und ich vergebe Ihnen, Archibald von Dornburg. Zwischen Dornen k├Ânnen Bl├╝ten sprie├čen, ohne dass die Dornen deswegen an Sch├Ąrfe verlieren oder etwas an ihrer schrecklichen Pracht einb├╝├čen. Leben Sie wohl.┬ź

Am Ende trat der geisterhafte Brandur erneut zu Linhard und damit schloss sich der Kreis, den er geschwebt war. Er z├Âgerte nicht einen Wimpernschlag lang, seinen Sohn erneut in die Arme zu nehmen. Er hatte sein Leben lang damit gez├Âgert. Zu viel, zu lange, zu oft. Zu viel Zeit vergeudet.

┬╗Du wundervoller, du wunderbarer Mensch. Mein Linhard. So stark bist du zu so schwerer Stunde ... andere w├╝rden kein Wort zustande bringen. Und wie liebevoll du dich um meine abgestreifte H├╝lle gek├╝mmert hast. Ich sehe, dass du das warst. Und ich m├Âchte dir daf├╝r danken. Ein Leichnam hat zwar keine Gef├╝hle mehr, sein Besitzer jedoch schon. Du bist ein liebes Kind. Ich bin unwahrscheinlich stolz auf dich. Deine Worte ber├╝hren mich so tief, wie Worte jemanden nur ber├╝hren k├Ânnen. Danke auch f├╝r die Nachricht von meinem Bruder. Er wei├č, wie sehr ich ihn liebe. Und du wei├č auch, was du mir bedeutest, mein liebes Linchen. Dieser neue Weg ist nicht der meine, sondern dein Verdienst. Ich bin nur derjenige, der den alten Weg zu Ende brachte. Der neue Weg geht auf dich zur├╝ck, denn du bist es, der ihn als Erster beschritt.┬ź

Von unendlicher Liebe erf├╝llt betrachtete Brandur seinen Sohn.

┬╗Ein letztes Erbst├╝ck habe ich f├╝r dich. Du wei├čt ja, wie das bei mir ist. Ich verstecke gern Dinge in finsteren Kellern, von denen ich nicht will, dass sie bekannt werden. Ich wollte es dir eigentlich nicht zeigen. Ich wollte, dass es dort bleibt, bis der Planet in die Sonne st├╝rzt. Doch ich habe es mir anders ├╝berlegt. Den Ausschlag gaben die vielen lieben Worte von so wertvollen Menschen. Ich bin stolz darauf, Teil dieser Familie gewesen sein zu d├╝rfen. Bran-Dun-Lin. Bitte folge mir ein letztes Mal in die finsteren Gew├Âlbe, Linhard.┬ź

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Re: Brandurs Tod

#29

Beitrag von Linhard von Hohenfelde » Fr 9. M├Ąr 2018, 07:55

Linhard war stolz auf seinen Vater, dass er f├╝r jeden, der ihn verabschiedet hatte, letzte vers├Âhnliche Worte fand. Sogar f├╝r Archibald, wobei auch dessen Worte Linhard erstaunt hatten. Die vers├Âhnlichen Worte an Dunwin w├Ąhlte Brandur mit Bedacht, anders war ein Abschied nicht m├Âglich, ohne die wahre Identit├Ąt von Dunwin preiszugeben.

Letztendlich war ein Ende vielleicht doch ein Neuanfang und Linhard hoffte, dass jeder seine Worte aufrichtig gemeint hatte und nicht dem Moment der Trauer geschuldet waren. Aber im gleichen Augenblick beschloss Lin selbst daf├╝r zu sorgen, dass die Wort eingehalten wurden. Dies war nun seine Bestimmung, daf├╝r hatte er f├Ąhige M├Ąnner und Frauen an seiner Seite und es sollten noch mehr werden.

Einen Moment sch├Ąmte sich Lin, dass er einen der Trauerg├Ąste nicht hatte zu Wort kommen lassen. Leider traf es ausgerechnet wieder Chirag. Sein Paps verabschiedete sich dennoch in aller Form und Freundschaft von ihm, was Linhard sehr freute. Er nahm sich vor, Chirag bei seinen Problemen beizustehen. Irgendwann musste dessen Ungl├╝ck einmal enden.

Als sein Vater von einer weiteren ├ťberraschung sprach, musste Linhard trotz der traurigen Situation grinsen.

"Ich folge Dir wohin Du m├Âchtest Paps, ich bin gespannt was Du lieber in die Sonne st├╝rzen lassen wolltest, anstatt es mir zu zeigen", antwortete Lin liebevoll wie neugierig und folgte umgehend seinem Vater.
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Re: Brandurs Tod

#30

Beitrag von Brandur von Hohenfelde » Fr 9. M├Ąr 2018, 18:06

Brandurs Geist ging voran. Er humpelte aus Gewohnheit und st├╝tzte sich auf seinen geisterhaften Stock, obwohl er als Geist keinerlei k├Ârperliche Schmerzen mehr versp├╝rte. Es war ein seltsames Gef├╝hl. So gelangten sie in die tiefen, scheinbar endlosen Gew├Âlbe. Sie waren labyrinthartig und reichten mit ihren Treppen oftmals brunenntief hinab, als h├Ątte man ein mehrst├Âckiges Haus in den Berg gegraben und nur die letzte Spitze schaute hinaus, welche die Nachtburg darstellte, derart viele unterirdische Etagen gab es. Brandur erleuchtete ihnen mit seinem Seelenlicht den Weg.

"Hier unten habe ich mich mal derart verlaufen, dass ich zwei Tage ben├Âtigt habe, um wieder herauszufinden. Wenn du den Keller in Zukunft allein erkunden willst, so denk daran, dir eine rei├čfeste Schnur zu legen. Oder nimm Kasimir mit, er kennt sich hier aus." Brandur betrachtete einige Flederm├Ąuse, die wie schwarze Tropfsteine von der Decke hingen. Er zischte ver├Ąrgert. "Vampire im Winterschlaf. Kaum ist man mal ein paar Wochen nicht vor Ort, ist die Brut wieder da! Du solltest sie rauswerfen. In diesem Zustand kannst du sie einfach mit einer der Leitern hier abpfl├╝cken, in einen Korb legen und hochtragen. Ich habe sie dann immer enthauptet und verbrannt. Was du mit ihnen machst, ist dir ├╝berlassen."

Sie gingen weiter, bis in die tiefste Etage. Obwohl der Keller so weitr├Ąumig war, konnte man sehen, dass auch hier unten regelm├Ą├čig aufger├Ąumt und sauber gemacht worden war. Kasimir hatte sich zu besch├Ąftigen gewusst, wenn Brandur seiner ├╝berdr├╝ssig geworden war. Ein gro├čes Muster war auf dem Boden eingelassen zu sehen.

"Ein Siegel. Es ist mir nicht gelungen, es zu ├Âffnen. Was darunter ist, kann ich dir nicht sagen. Ich denke, es handelt sich um m├Ąchtige Artefaktmagie. Aber darum sind wir nicht hier. Dort in diesem Regal siehst du B├╝cher. Wertvolle Folianten. Die Wichtigsten habe ich bereits ins Verborgene Tal verbracht. Es sind B├╝cher dabei, die nahezu unersetzlich sind, extrem seltene und auch verbotene B├╝cher, die ich ├╝ber meine Kontakte zu den Schatten ergattern konnte. Eines davon ist jenes."

Der Geisterfinger tippte auf ein relativ kleines und d├╝nnes Buch, welches in rotes Leder eingeschlagen war. Fast sah es aus wie ein Taschenbuch. Doch die edle Aufmachung mit Eisenbeschl├Ągen an den Ecken und der Pr├Ągung eines magischen Symbols auf dem Einband lie├č erahnen, dass der Inhalt weitaus bedeutender war, als die geringe Gr├Â├če zuerst vermuten lie├č.

"Wie du wei├čt, bin ich entschieden dagegen, als Ghul reanimiert zu werden, als Vampir mein Dasein zu fristen oder dauerhaft als Geist zu wandeln. Es w├Ąre ein unw├╝rdiges Dasein, dem der Tod eindeutig vorzuziehen ist. Nein, ich w├Âllte nicht in der Haut eines meiner eigenen Fabrikate stecken wollen. Ich m├Âchte dich bitten, von Derartigem abzusehen, es sei denn, in absoluten Notf├Ąllen. Dann w├╝rde ich dir auch als Geist oder Ghul zur Seite stehen. Ansonsten sah mein Plan vor, einfach nur zu ruhen und den Frieden zu genie├čen und die Stille. Mir den Egoismus zu g├Ânnen, fortzugehen und euch alles weitere ├╝berlassen. Wie gesagt, so war der Plan.

Dieses Buch hier ist der Codo Sanguia. Der Kodex des Blutes. Sein Besitz ist streng verboten. Das Buch besitzen sonst nur sehr wenige auserw├Ąhlte K├Âpfe der Blutnekromanten. Blutnekromantie geht vom Staat Souvagne aus und alle Blutnekromanten unterstehen dem Duc pers├Ânlich. Die Sch├╝ler der Bluthexer d├╝rfenden Codo Sanguia in ihrem Beisein studieren, sich jedoch weder ausborgen noch Abschriften anfertigen. Das Buch ist zumeist mit Messing angekettet, hier siehst du noch die Befestigung. Den materiellen Wert dieses kleinen Folianten kannst du dir ausrechnen. Der wahre Wert besteht jedoch in den Informationen, die darin zu finden sind.

Ich zeige dir dieses Buch, damit du es dir in Ruhe zu Gem├╝te f├╝hrst. Vielleicht hast du nach der Lekt├╝re etwas Arbeit, vielleicht auch nicht. Es kommt darauf an, was du daraus machen willst. Bis dahin m├Âchte ich dich bitten, meinen K├Ârper bei jenem von Dunwin und unserem Vater niederzubetten. Auf Eis. Leg mich zu ihnen. Lass mich dort ruhen, bis der Tag gekommen ist. Und wenn er niemals kommt, dann sei es so."


Der Geist schwebte wieder in Richtung T├╝r und wartete, dass Linhard ihm folgte, damit er nicht verlorenging.

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