Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Archibalds Tagebuch

Ein kleiner Trupp vom Ring der Menschenfresser hat Naridien verlassen, um nun in Souvagne zu jagen. Angeführt werden die Beißer von dem als Bestie bekannte Archibald von Dornburg. Ihr Ziel: nach der Niederlage nun einen neuen Fleischtempel für den Ältesten zu finden.
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Archibald von Dornburg

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Versorger -- 183 n.d.A.

#31

Beitrag von Archibald von Dornburg » Sa 17. Mär 2018, 20:06

Versorger -- 183 n.d.A.


Dunwin betrat Jespers Quartier und musterte Arch sowie van Verling.

"Arch wir müssen los", erklärte Dun.
"Geh ohne mich, Jesper ist verletzt", antwortete Archibald.

"Luitgard kümmert sich um ihn, falls er was benötigt. Komm", forderte Duwin.
"Du kennst ihn doch...", setzte Arch an.

"Du vertraust doch Luitgard oder nicht? Komm jetzt verdammt", murrte Dun.
"Ich vertraue jedem von Euch, aber Jesper braucht mich", sagte Archibald flehend.
"Lass ihn mich wenigstens zum Heiler begleiten Dun, dann gehört er Dir", warf Jesper ein.

Archibald und Dunwin starrten Jesper an.

"Was sagte ich? Du kennst ihn ja!", knurrte Arch.
"Stimmt. Gut bleibe bei ihm, kümmere Dich um die Trottel. Bis später", verabschiedete sich Dunwin.

Archibald half Jesper beim Aufstehen und zog ihm vorsichtig das blutige Hemd aus. Er untersuchte die große Schnittwunde genau, ehe er sein Versorgungsset holte.

"Stell Dich hin, lass die Arme locker an der Seite herabbaumeln. Einmal über die Rippen und nach oben weggezogen. Richtig? So wurdest Du verletzt. Du wolltest Dich aus dem Angriff herausdrehen. Dafür bist Du zu massig Jes, Du hast Dich selbst an fremder Klinge aufgeschlitzt. Quasi dem Feind die Arbeit abgenommen", sagte Arch besorgt, während er Nadel und Faden bereit machte.
"Habe ich danach auch gemerkt. Kann ich mich beim Nähen nicht hinsetzen? Falls mir schlecht wird", bat Jesper.

"Nein. In der Position wird die Naht gut und Dich kaum einschränken. Sitzend oder liegend genäht, verzieht sich die Naht, so dass es bei normaler Körperhaltung schmerzt oder reißt. Sag mir einfach Bescheid, falls Dir blümerant wird", schmunzelte Archibald ihn an.
"Mach ich", stöhnte Jesper.

"Keine Angst, es geht los", antwortete Arch und fing an die Wunde zu vernähen.

Jesper schloss die Augen und biss die Zähne zusammen. Mittendrin hielt Arch inne und lauschte an Jespers Brustkorb, ehe er vorsichtig weiter nähte.

"Was war los?", fragte van Verling.
"Das eine Stück hier ist sehr tief, ich hatte Bedenken, ob er Dich doch abgestochen hat, durch die Rippen. Deine Lunge klingt normal", sagte Archibald und nähte fertig.
"Nur geschnitten Kleiner, nicht gestochen", sagte Jesper.

"Schlimm genug. Nun setzt Dich besser und halt mit der anderen Hand Deine Kloten fest, denn das zieht rein. Drüber schütten oder lieber abtupfen?", fragte Archibald und zückte die Alkoholflasche zur Desinfektion.
"Schütt, dann ist es schnell vorbei", stöhnte Jesper und setzte sich auf die Bettkante.
Archibald nickte und goss einen Schwall des Alkohols über Jespers frisch vernähte Wunde. Van Verling wurde blass wie ein Laken und Arch hielt ihn an der Schulter fest.

"Ganz ruhig, ist schon vorbei hm? Kopf im Nacken und durchatmen, Du hast es überstanden. Kommt nur noch der Verband drum", beruhigte ihn Arch.

Jesper nickte knapp. Archibald räumte alles weg und nahm das Verbandszeug zur Hand. Er legte einige Wundtücher auf die vernähte Wunde, ehe er Jesper großzügig verband.

"Gleich bist Du eine Mumie", grinste Arch und gab Jesper einen Kuss auf den Kopf.
"Toll", grinste Jesper zurück.

"Ich lass den Verband was lockerer, dann schneidet er nicht ein und drückt nicht. Du musst nur ein bisschen mehr aufpassen. Du legst Dich gleich hin", befahl Archibald.

Nachdem er sein Werk beendet hatte, half er Jesper dabei sich hinzulegen. Archibald räumte auf, stellte etwas zu trinken auf den Nachttisch und legte Jesper zwei Bücher ins Bett. Danach zog er sich den großen Sessel heran und machte es sich darin bequem.

"Schlaf. Wenn was ist, sage mir sofort Bescheid", bat Arch.
"Du kannst wie immer neben mir liegen Archi", bot Jesper an.

"Nein, denn bewege ich mich oder stoß Dich an, hast Du Schmerzen. Und benötigst Du etwas und ich klettere aus dem Bett, hast Du auch Schmerzen durch die Gewichtsverlagerung. Ich schlaf hier ganz gemütlich", antwortete Arch und kraulte Jesper kurz den Schädel.
"Das ist lieb von Dir, Danke Archi", sagte Jesper und hielt Archibald Hand fest.

"Du sollst schlafen Jesper...", schmunzelte Arch liebevoll.
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Vater -- 171 n.d.A.

#32

Beitrag von Archibald von Dornburg » Mo 2. Apr 2018, 17:26

Vater -- 171 n.d.A.


Der Schwertmeister saß in der Kutsche, ihm gegenüber saß sein Untergebener, Kazrar kurz Kaz genannt. Archibald sagte kein Wort, sondern schlug seine Beine übereinander und faltete seinen krallenbewehrten Finger zusammen.

Die kleine Arashi die neben ihrem Herrn schweigend und fast unsichtbar abgewartet hatte, trat an seinen Platz heran und hielt ihm einen Teller mit rohen Fleischstreifen hin. Die Bestie nahm ihr den Teller ab und ließ es sich schmecken.

"Aziz", raunte er kurz, aß weiter und tippte mit einem seiner langen Finger auf die Karte.

Kazar wartete gehorsam ab.
"Gesundheit Archi", antwortete Kaz freundlich.

Der Schwertmeister schenkte seinem Untergebenen ein zähnefletschendes Grinsen.

"Ich danke Dir, allerdings habe ich nicht geniest", antwortete Archibald lächelnd und reinigte seine Finger von seiner Mahlzeit an einem Tuch, dass ihn seine Sklavin gereicht hatte.

"Aziz ist unser Ziel Kaz. Aziz lautet der Name des winzigen Ortes unserer Gastgeberin. Die Schmugglerin Jamai wurde hierfür angeheuert und Du wirst mir dabei zur Seite stehen. Sieh zu dass wir vor Morgengrauen ankommen, ich habe keine Lust bei Licht zu reisen“, befahl Archibald.

"Setz Dich Tarul", ordnete Arch an. Der Schwertmeister nahm eine gemütliche Haltung ein und deutete seiner Sklavin an, sich auf einen der weiteren freien Plätze zu setzen. Die Arashi folgte umgehend der Aufforderung ihres Herrn.

Kaz musterte seinen Vorgesetzten mit entschuldigendem Blick. Sein Blick wanderte zu Tarul. Er musterte die Arashi mit einem Seitenblick, ehe er sich der Karte zuwandte.

"Sofort Archibald", sagte Kazrar.

Der Untergebene gab alle nötigen Befehle an den Kutscher weiter und überprüfte danach seine Waffen.

"Beim nächsten Mal Kaz wirst Du vor dem Plausch mit dem Kutscher Deine Waffen überprüfen, wie üblich und nicht erst nachdem Du wir losgezogen sind. Merk Dir das, ein unachtsamer Moment, kann Dein letzter sein. Zuerst die Waffe, dann die Reise.
Eine Frage, ist irgendetwas nicht in Ordnung Kazrar? Missfällt Dir die Anwesenheit von Tarul?", hakte Arch nach und fixierte seinen Fußsoldaten mit stechendem Blick.

Der Untergebene nickte knapp und schüttelte danach leicht den Kopf.

"Ja Herr von Dornburg, Ihr habt Recht. Ich war unachtsam. Verzeiht meine Nachlässigkeit. Und nein Archibald, mir missfällt nichts an Taruls Anwesenheit. Ich habe nur geschaut, mehr nicht. Herr, was wisst Ihr von der Schmugglerin mit der wir uns treffen werden? Ist sie vertrauenswürdig?", fragte Kaz freundlich.

"Ich weiß genug, um nicht auf Deinen Ablenkungsversuch hereinzufallen. Vertrauenswürdig?
Du sprichst von Vertrauen?!?
Vertrauenswürdig ist niemand, keine einzige Person auf der Welt!
Was habe ich Dir beigebracht?", fragte der Schwertmeister scharf.

Seine Stimme klang wie in Watte gepackter, eiskalter Stahl, was Taruls Augen glänzen ließ. Diesmal war es Kazrar der die Krallen des Meisters zu spüren bekam.

"Du kannst nicht mal den Dingen trauen die Du siehst Du schwachsinniger Idiot!
Selbst Salz sieht aus wie Zucker!

Wie lange willst Du überleben?
Du hast mich um Anleitung und Ausbildung gebeten Kazrar!
Ich kam nicht zu Dir!

Ich habe es nicht nötig, meine Zeit mit einem zwei- oder drittklassigen Beißer zu verschwenden, dem die Büttel am Arsch kleben wie Fliegen auf einem Kuhfladen!

Nochmal! Wir nehmen bewusst die Informationen um uns herum wahr, achten auf noch so kleine Kleinigkeiten, achten auf Abweichungen von der Normalität um Gewissheit zu erlangen, für die andere blind sind.

Wir lesen in Gesichtern, wir manipulieren Personen, ihren Willen zu unserem Vorteil. Wir sind jene die zugreifen und sich nicht greifen lassen!

Ich kann nicht ständig meinen Privatproviant mit Dir teilen. Und so langsam habe ich auch keine Lust mehr dazu Dich ständig durchzufüttern, wenn Du Dich dermaßen dämlich anstellst.

Was faselst Du also von Vertrauen Kazrar?

Die Schmugglerin wird unserer Sache dienen, solange die Taler fließen. So ist das bei Schmugglern. Und jetzt konzentriere Dich auf den Auftrag. Und auf das Wesentliche", ermahnte Archibald seinen Untergebenen streng.

Kaz spürte wie ihm die Zornesröte ins Gesicht stieg. Sein Vorgesetzter hatte Recht, aber vor einer Sklavin zurechtgewiesen zu werden, ärgerte Karzar tief.

Archibald war nicht nur sein Vorgesetzter in Dunwins Truppe, er war auch sein Meister und Ausbilder, was den Ring der Menschenfresser anging. Sie beide hatten die selbe Vorliebe für Kinder, sie hatten sie zum Fressen gern.

Nur war Archibald ein außerordentlich guter und erfolgreicher Jäger, während Kaz in seinem Windschatten lief und von dem lebte, was die Bestie für ihn übrig ließ. Sie waren ein Duo aus Jäger und Aasfresser.
Natürlich wusste sein Meister, warum er geschaut hatte.
Einerseits war die Arashi attraktiv.
Sie war hübsch anzuschauen.

Aber sie war zeitgleich eine unliebsame Konkurrenz. Sie stand in der Gunst von Archibald, obwohl sie keine nennenswerten Fähigkeiten hatte, außer Essen zu servieren und ein Quartier sauber zu halten.

Das Archibald ihr solche Aufmerksamkeit schenkte, dass sie sogar in der Kutsche sitzen durfte, verstimmte Kazrar. Er verspürte einen Stich von Eifersucht. Das einzige was ihn daran hinderte die Arashi aus der Kutsche zu schmeißen, war die Angst vor Archi. Kaz wollte nicht den Unmut seines Vorgesetzten auf sich ziehen.

"Ich wollte nur hinterfragen, ob diese Frau als zuverlässig gilt. Meine Wortwahl war unbedacht. Und meine Überlegung. Wäre sie unzuverlässig, dann hättet Ihr sie nicht für unsere Mission ausgesucht. Ich wollte Euch nicht anzweifeln.

Ich habe nicht vergessen was Ihr mir beigebracht habt. Ich habe jedes Wort behalten, jede Weisheit die Ihr mich gelehrt habt. Ich werde nichts von alldem vergessen Archibald. Ihr seid wie ein Vater für mich", erklärte Kaz.

"Dein Vater?...
Wäre ich Dein Vater Kaz....
Wärst Du schon längst tot...", grinste Archibald zähnefletschend und legte einen Arm um Tarul.
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Creme --180 n.d.A.

#33

Beitrag von Archibald von Dornburg » Mo 2. Apr 2018, 17:38

Creme --180 n.d.A.

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Vermissen -- 203 n.d.A.

#34

Beitrag von Archibald von Dornburg » Mo 2. Apr 2018, 17:44

Vermissen--203 n.d.A.

Archibald schlenderte auf Jesper zu, umarmte ihn und schmiegte sich fest an ihn. Jesper schaute verdutzt auf Archi, nahm ihn aber auch in die Arme.

"Was ist los?", flüsterte van Verling.
"Ich wollte mich von Dir verabschieden Jesper. Wie lange wir unterwegs sein werden, kann ich Dir nicht sagen. Wir beide werden uns also eine ganze Zeit lang nicht sehen... Wir sollten nicht wiederholen was nach Dunwins Umzug geschah... drum verabschiede ich mich von Dir... ganz lieb... ", flüsterte Archibald zurück.

"Lieb? Also das gefällt mir - Mund zulassen", grinste Jesper und küsste Archibald liebevoll.
"Mach es mir nicht so schwer... ", antwortete Arch glücklich und drückte sich auffordernd gegen Jesper.

"Ich mache es Dir höchstens leicht, schwer machst Du es Dir nur selbst Arch. Das wird jetzt keine Grundsatzdiskussion, sondern ein Verwöhnen zum Abschied. Pass gut auf Dich und unsere Leute da draußen auf und baue keinen Mist in Souvagne. Ich möchte, dass Du Deinen Kopf auf den Schultern behältst Dornburg", sagte Jesper und strich Archibald durch die Haare.

Archi erwiderte die Geste und streichelte Jesper leise lachend über den Schädel.

"Was gibt´s da zu lachen?", gibbelte van Verling.
"Nicht über Dich Jes. Ich lache, weil ich meinen Kopf auch gerne auf den Schultern behalten möchte. Wir sind einer Meinung... wie so oft... Pass ebenfalls gut auf Dich auf... Ich vermisse Dich jetzt schon...", murmelte Arch.

"Was hast Du gesagt?", fragte Jesper und drückte Archibald ganz fest an sich.
"Ich vermisse Dich jetzt schon!", wiederholte Arch lauter und kraulte Jesper die Flanken.

"Das sollte ich mir ins Tagebuch eintragen", grinste Jesper breit.
"Das glaubt Dir eh keine Sau", lachte Archibald.
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Re: Archibalds Tagebuch

#35

Beitrag von Archibald von Dornburg » So 15. Apr 2018, 23:33

Im Netz der schwarzen Witwe

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Re: Archibalds Tagebuch

#36

Beitrag von Archibald von Dornburg » Mi 23. Mai 2018, 16:26

Lauschiges Plätzchen

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Ende der Schonfrist

#37

Beitrag von Jesper van Verling » Di 7. Aug 2018, 15:35

Ende der Schonfrist - 07.08.203 n.d.A.

Jesper van Verling war Ciel und Linhard nachgereist, er musst mit den beiden dringend reden. Und das was er zu sagen hatte, war keine leichte Kost. Er gehörte zum Stab von Linhard und dort fühlte er sich auch wohl. Gleichgültig was geschah, er würde treu an Linhards Seite bleiben. Brandur hatte ihn rekrutiert und ganz gewiss hätte kein anderer einen dermaßen alten und aus der Form gekommenen Schwertmeister eingestellt. Den einen oder anderen Trick hatte er noch drauf, aber das war auch schon alles. Er konnte sich im Schwertkampf nicht mehr mit den Jüngeren messen und ebenfalls nicht mit Leuten wie Archibald, die nichts anderes taten als trainieren.

Sein Stärke war sein Wissen, dies konnte er weitergeben und hoffte, dass Linhard es zu etwas Positivem verwandte. Bis jetzt hatten Brandur und er Wort gehalten. Wer wieder einmal nicht sein Wort gehalten hatte, war Archibald. Der Mann war wie vom Erdboden verschluckt und dies bedeutete niemals etwas Gutes. Archibald kochte wieder sein eigenes Süppchen und meist hatte dies einige Opfer zur Folge. Jesper hatte kontrolliert ob Aimeric noch anwesend war, oder ob die beiden gemeinsam losgezogen waren. Aimeric de la Cantillion weilte noch am Hof. Er wusste ebenfalls nicht, wo sich Archibald herumtrieb. Das war schon erstaunlich, denn Arch war seinem Wahlbruder gegenüber sonst offen. Jedenfalls dass, was für Archibald Offenheit bedeutete.

Als Dave am Hof erschien und urplötzlich Aufbruchstimmung herrschte, konnte sich Jesper denken, was Arch getan hatte. Vermutlich hatte er erneut die Geister angegriffen um rein vorsorglich jede Gefahr zu beseitigen. Jesper war es leid. Wo andere im Alter ruhiger wurden, sich sesshaft niederließen fing Archibald erst an aufzudrehen. Und dass er zu allen Überfluss auch noch ein Vampir geworden war, machte die Sache nicht einfacher. Im Gegenteil, sie verkomplizierte alles. Ein Geistmagier kam ihm nicht mehr bei, er lebte ewig, wenn er genug Blut trank und er würde Tag für Tag, Jahr für Jahr seine abnormen Fähigkeiten steigern bis zum Endpunkt. Falls es überhaupt ein Limit gab, dass Archibald erreichen konnte.

Vermutlich waren auch einem Vampir körperliche Grenzen gesetzt, aber geistige kannte Archibald keine. Jesper stellte sich mit einem Schaudern einen Jahrhunderte alten Archibald vor. Es hatten bereits 62 Lebensjahre ausgereicht um ihn zu einer gewaltigen Bedrohung heranreifen zu lassen. Wobei er bereits als Jugendlicher eine tödliche Bedrohung war. Die Gefahr lag nicht allein in Archibalds Kampffähigkeiten, die tatsächliche Gefahr lag in seinem Erfahrungsschatz im Verborgenen zu agieren und unsichtbar Beute zu schlagen. Und die Erfahrung würde wachsen. Weiter, unaufhörlich und es würde niemals enden. Er verspeiste seine Beute nicht mehr, er trank sie aus. Was machte das für einen Unterschied?

Hätte es für ihn einen Unterschied gemacht, ob er Arch damals im Keller voller geiler, wollüstiger Gier fressen oder trinken sah?

Es hätte nicht den geringsten Unterschied gemacht.

Als Archibald fast ertrunken war und Damir Mäusehirn ihn zurück ins Leben holen konnte, hatte Brandur ihm Ansgars Boten ausgehändigt. Nein, Fressen oder Trinken war kein Unterschied bei Arch. Er verleibte sich die Person lediglich in flüssiger Form ein, aber der Akt, die Handlung, die Gier – das alles blieb gleich.

Das war die eine Seite von Archibald. Die andere kannten nur sehr wenige. Er konnte liebevoll, besorgt und feinfühlig sein, aber meist tarnte er diese Emotionen hinter bösartigem Gefrotzele oder stichelnden Beleidigungen. Die Bestie hatte verdient, dass man ihr den Kopf abschlug, aber jener Archibald der einfach nur eine verlorene Seele war, hatte Rettung verdient. Rigmor – Archibalds Mutter hätte den Tod verdient, wäre sie nicht schon längst durch die Hand ihres eigenen Sohnes gefallen. Sie war das wahre Monstrum hinter all dem Grauen. Sie hatte die Bestie erschaffen. Sie brachte ein unschuldiges Baby auf die Welt und verdrehte es zu einer abnormen Kreatur. Einer Bestie die Nähe für Schwäche hielt, aber sich nach nichts sehnlicher sehnte als nach dieser Schwäche.

Aber die Bestie sprach nicht. Die Bestie fasste so gut wie nie in Worte, was sie sich wirklich wünschte. Nein sie frass es in sich hinein. Mit jedem Opfer, mit jedem Bissen stahl sie sich etwas Nähe die sie sonst niemals hätte erhalten können.

Nur war dem nicht wirklich so, sie bildete es sich lediglich in ihrem Wahn ein. Sie sah nicht, dass sie Nähe angeboten bekam, Zuneigung ja sogar Liebe. All das sah sie nicht, verstand sie nicht, konnte sie nicht begreifen da ihr Verstand dermaßen deformiert war. Nähe bedeutete die Zähne einsetzen und Herunterschlingen von Fleisch. Warmen Fleisch, einer warmen, inneren Umarmung gleich. Für jede andere Nähe war die Bestie blind.

Jesper wünschte sich, dass die Bestie nur ein einziges Mal sehen konnte, was er ihr angeboten hatte. Vielleicht hätte schon eine einzige sehende Minute ausgereicht um Archibald zu kurieren, um ihm aufzuzeigen wie falsch seine Wahl des Vampirismus war.

Und nun war er wieder unterwegs, mit unbekanntem Ziel und undeutbarer Aufgabe.

Jesper fürchtete sich, er hatte Angst um Brandur, Linhard und deren Familie, er hatte Angst um Dave und den Stab. Und er hatte auch Angst um sich. Die Zeit war gekommen, das alles zu beenden. Er hatte viel zu lange gewartet. Er wollte das die Bestie fiel, aber er wollte nicht das Archibald starb. So blieb nur eine Möglichkeit, sie mussten ihm eine Falle stellen und ihn für den Rest seines Lebens einsperren. Eigentlich gehörte er seit seiner ersten Erbeutung in die Hochsicherheitsabteilung eines Sanatoriums. Sicher verwahrt an einem Ort, wo er niemandem schaden konnte, wo ihm aber auch nicht mehr als nötig geschadet wurde. Arch hatte sich sein Schicksal nicht ausgesucht, seine Mutter hatte es ihm aufgezwungen.

Die Schonfrist für Archibald war vorbei, beschloss Jesper.

Er wollte Brandur und Linhard um diesen einen Gefallen bitten. Er wollte mit ihnen gemeinsam die Bestie aus dem Weg schaffen, aber so, dass Archibald überleben würde. Die Zukunft von Archibald sah Jesper in einer gesicherten Einrichtung, wo man sich gut um ihn kümmerte und wo er ihn besuchen konnte. Er wusste, dass Arch ihn dafür hassen würde. Aber Jesper wusste ebenso, dass er sich selbst wesentlich mehr hassen würde, sollte er jetzt keinen Schlussstrich unter dieses Grauen ziehen. Er hatte lange genug zugeschaut und auf eigener Faust versucht, Archibald zu retten. Er hatte versagt. Diesmal würde er nicht versagen, diesmal würde er es schaffen. Für die Hohenfeldes, für den Stab, für sich, für alle anderen Unschuldigen da draußen und letztendlich sogar für Archibald.

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