Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. Während die Urvölker auf Altbewährtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimbünde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Das Labor

Dunwins Stab
Dunwin von Hohenfelde verfügte über einen Stab von effektiven Kämpfern, um seine Macht zu sichern. Doch auch sie konnten seine Ermordung nicht verhindern. Dunwin ist nurmehr ein beschworener Geist, aber einige seiner früheren Weggefährten weilen noch unter den Lebenden. Dass Dunwin tot ist, verhindert nicht, dass er sie erneut zusammenruft. Doch die Zeiten haben sich geändert.
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Re: Das Labor

#11

Beitrag von Dunwins Geist » Do 8. Feb 2018, 16:30

Daibos in Reinform

Die Gruppe folgte dem vorgegebenen Gang. Nach einem kurzen StĂĽck erreichten sie einen Teil mit von wo aus links und rechts zwei SeitenflĂĽgel abzweigten. Beide SeitenflĂĽgel hatten Tanks und am Ende einen Stuhl mit einer kleinen Laboreinheit. Der linke Stuhl war unbesetzt, auf dem rechten Stuhl saĂź ein Mann.

Jesper und Merna stĂĽrmten voran um die Lage zu sichern.

„Die Person ist an den Stuhl geschnallt. Sie wurde fixiert“, rief Merna nach hinten.
„Dann ist er einer der Versuchspersonen. Lasst uns vorsichtig näher gehen, vielleicht können wir ihm noch irgendwie helfen. Möglicherweise wurde er noch nicht behandelt und wir können ihn retten und in Sicherheit bringen. Er könnte Glück gehabt haben, vielleicht haben wir den Arzt oder was auch immer hier haust mit unserer Anwesenheit verscheucht“, sagte Alrun an alle gewandt und ging gemeinsam mit Jesper und Merna langsam auf den an den Stuhl fixierten Mann zu.

„Schwärmt aus und guckt Euch um, ob Ihr was Hilfreiches oder Interessantes findet“, befahl Dunwin leise. Alles konnte hier von Bedeutung sein.

Binnen kĂĽrzester Zeit hielt Damir einen Zettel hoch auf dem eine seltsame Formel zu sehen war.

„Was ist das?“, fragte Harro und nahm damit allen die Frage aus dem Mund.
„Keine Ahnung aber hinten drauf ist ein handgeschriebener Bericht und der wird uns vielleicht erklären worum es sich dabei handelt“, sagte Damir.

„Dann lies vor“, bat Merna.
„Schon dabei. Also hört her…“, bat Damir und begann den Text vorzulesen.

…Daibos in Reinform.

Nachdem Daibos in das Objekt injiziert wurde, beginnt binnen kürzester Zeit die Verwandlung. Erste Symptome sind ein brennendes Gefühl im Kopf. Nach ein paar Stunden verliert der Proband sämtliche Haare.
Die Augen färben sich komplett ein, während die Iris und die Pupille eine weißliche Farbe annehmen.

Die Objekte verändern sich auf Übernormalmaß. Sie nehmen an Größe zu während dieser Zeit. Ist die Inkubationszeit abgeschlossen und Daibos vollumfänglich aktiv, handelt das Objekt nur noch rudimentär.

Heißt die Objekte beginnen sehr primitiv zu handeln, sind geistig zurückgestuft auf rein animalische Triebe. Ihre Verständigung beruht nur noch auf Brüllen oder Knurren.

Eine besondere Form die Daibos hervorruft ist, dass aus dem Arm bei besonderer Wirksamkeit aus beiden Armen Klauen sprieĂźen. Besonders anzumerken fĂĽr den Feldeinsatz ist, Daibos-Verseuchte nach Ausbruch der Infektion alles angreifen und vernichten mit einziger Ausnahme anderer Infizierter.

Angeblich liegt die Intelligenz bei Infizierten höher als bei Ghulen, was bis jetzt noch nicht nachgewiesen werden konnte.

Warnhinweis in eigener Sache, sowie an das Sicherheits- und Pflegepersonal des Ordum Oculum:
Im Umgang mit Daibos und den Infizierten ist größtmögliche Vorsicht geboten!
Proben, Infizierte o.ä. die den Schutzbereich verlassen sind umgehend zu vernichten.
Neuinfizierte – auch Kollegen sind mit sofortiger Wirkung zu eliminieren.
Der kontaminierte Bereich ist sofort auszubrennen.
Das Fachsicherheitsreinigungspersonal ist umgehend ĂĽber die Freisetzung der Infektionsmasse in Kenntnis zu setzen.
Der Impfwirkstoff zur Gegenbehandlung einer erfolgten Infizierung ist noch nicht vollumfänglich wirksam!
Je nach Fortschritt der Infektion, ist eine Umkehr nicht mehr möglich.
Aus diesem Grunde vorgenannte Vorgehensweise.
Camiglir Ende.

„Gott wir müssen diese Daibos-Droge stoppen! Man verliert die Haare!“, kreischte Chirag.
"Und den Verstand...", fĂĽgte Merna an.
„Der Typ auf dem Stuhl… er hat ne Pläte Leute…“, sagte Damir.
„Was?“, fragte Brijesh.
„Eine Glatze hat der Bursche!“, sagte Holzi und starrte ihn an.
„EIN INFIZIERTER, es greift um sich! Gehen mir die Haare schon aus?“, schrie Chirag panisch.
„Ja Büschelweise“, sagte Archibald.
"Ich wusste es", stöhnte Chirag, "zuerst der Arm und dann die Haare".

„Keine Sorge er ist fixiert, wir sind sicher“, sagte Jesper während Alrun gerade dabei war den Mann zu befreien.
„Öhm… eher weniger…“, sagte Holzi und deutete auf den Typen der langsam aufstand und sie hasserfüllt musterte.
„Alrun mach dass Du da wegkommst“, sagte Damir und zielte mit seiner Repetierarmbrust auf den Burschen der langsam aber sicher auf sie zuwankte.

Alrun flitzte im groĂźen Bogen um den Typen herum und gesellte sich zu Canan und Dunwin. Jesper und zielte ebenfalls auf den Kerl. Der Rest der Gruppe tat es den beiden gleich.

„Vielleicht kann man ihm noch helfen“, versuchte es Alrun erneut.
„Nicht auf die Art die Dir vorschwebt...“, antwortete Archibald.

Der Verseuchte schoss auf Jesper zu, es war sehr knapp. Der Verseuchte täuschte nach links an, es waren nur das Zucken eines Muskels in seinem Gesicht und eine kaum merkliche Bewegung, doch es reichte aus um Jesper zurückschrecken zu lassen.

Dann sprang der Infizierte nach rechts, die Hände zu Klauen geformt. Bevor die Krallen Jesper erreichen konnten, wurde der Infizierte brutal von Archibald ins Kreuz getreten und zur Seite geschleudert.

Jesper folgte seiner Bewegung und feuerte zwei Mal genau auf den Verseuchten. Der Infizierte wurde durch die Treffer nach hinten geschleudert und prallte auf den Boden auf. Dort lag er, starrte die Gruppe aus gebrochen, schwarzen Augen an, die Brust durch zwei Treffer weit aufgerissen.

"Bist Du in Ordnung?", fragte Arch, anstatt Bissigkeit Besorgnis in der Stimme.
"Alles noch dran", schmunzelte Jesper und Arch grinste zurĂĽck.
„Guter Schuss“, lobte Alrun.

Auch wenn ihr der Kerl leid tat, der sie angegriffen hatte, Mitleid empfand sie nur fĂĽr die Person die er einst gewesen war. Dieses Wesen, das sie angegriffen hatte, war nicht mehr der Mann der einst hilfloses Opfer war.

Er war Werkzeug fĂĽr den oder die Inhaber dieses Laborkomplexes und mit dem Menschen der er in der Vergangenheit auch gewesen sein mochte, hatte diese Kreatur nichts mehr gemeinsam.

„Lasst uns lieber zusehen, dass wir schnell weiter kommen“, warf Canan ein und setzte ihre Worte gleich in die Tat um. Sie lief zurück zum Hauptgang, wartete auf ihren Mann und die Gruppe und gemeinsam folgten sie der vorgegebenen Marschrichtung. Einen anderen Weg konnte man hier eh nicht einschlagen.

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Re: Das Labor

#12

Beitrag von Dunwins Geist » Mi 25. Apr 2018, 13:20

Ruhestörung

Sie waren in einem kleinen Raum angekommen der den Anschein einer Schreibstube hatte, allerdings war hier die komplette Einrichtung aus Edelstahl. Es konnte sich genauso gut um einen Verhör- oder Sezierraum handeln. Neugierig, etwas ratlos und mit höchster Vorsicht schauten sie sich um. Hier gab es scheinbar nichts, was ihnen gefährlich werden konnte.

Einige Tropfen einer seltsamen schleimigen Flüssigkeit tropfe von der Decke und fiel zähflüssig zu Boden. Die Gruppe folgte dem Anblick. An der Decke über ihrem Kopf hing ein Knäul grau weißer Flechten, oder schmutzigweißer Lianen.

Die Gebilde sonderten an einigen Stellen den seltsamen Saft ab, was ihnen im Halbdunkel des Raumes etwas sehr unheimliches verlieh.

Höchst irritiert zog Dunwin eine Augenbraue hoch.

„Was ist das? Sieht aus wie eine Form von Kletter- oder Schlingpflanzen“, sagte Dunwin an alle gewandt.

In die vorher reglosen Lianen an der Decke kam schlagartig Bewegung. Sie ballten sich in der Mitte zusammen. Auf einmal hörten sie ein seltsam zischendes und dann gackerndes Geräusch im Raum. Ein Gähnen gefolgt von einem Lachen? Es klang fast metallisch, merkwürdig seltsam fast wie statisches Rauschen.

Im selben Moment lösten sich die ersten Stränge von der Decke. Sobald sie den Boden berührten folgte ihnen der Rest. Knäulte sich vor ihrer Augen zu einer gewaltigen Säule zusammen, wurde immer feiner und dichter fast wie ein grau-weißer Schatten und verschwand hinter einem der Einrichtungsgegenstände.

„Was beim Abgrund ist das?“, fragte Harro beunruhigt.
„Er schon wieder!“, stöhnte Alrun.
"Wer... er?", fragte Holzi.

In derselben Sekunde richtete sich ihr Gegner bei ihnen im Raum auf.
„Jetzt sehe ich es auch. Der Typ sieht aus wie ein Dämon“, knurrte Harro.

„Hallo… wen haben wir denn hier?“, schnurrte er in seinem seltsamen Akzent.
„Ich helf Deiner Erinnerung gerne auf die Sprünge“, knurrte Damir und feuerte eine Salve Sperrfeuer aus seiner Repetierarmbrust auf den Kerl.

Eine unmittelbare Antwort auf seine Aktion erhielt er nicht, sondern der Typ wich geschickt aus, gackerte nur wieder sein seltsam unmenschliches Lachen und landete mit einem Satz direkt vor Damir.

Einer seiner schweren Stiefel krachte schmerzhaft gegen Damirs Waffenhand und die Armbrust flog im hohen Bogen davon. Aus irgendeinem Grund war der Schwung nicht heftig genug um sie zu brechen, dennoch heftig genug um ihn schmerzhaft auf grunzen zu lassen.

Die Wucht des Kicks zog seinen Arm hoch und Damir quittierte den Treffer mit einem Rotzen in Richtung des Feindes.

Der Blondschopf legte den Kopf schief und schaute sie wissend an. Sein Blick wanderte kurz von ihrem Gesicht runter zu ihrem Bauch und zurück, ehe er sie geradezu lieblich anlächelte. Damir wartete keine Reaktion ab, sondern riss Sunja hinter sich.

„Wer sich wie der Feind verhält und mit ihm paktiert muss sich nicht wundern wie ein Feind behandelt zu werden! Ihr begreift nicht worum es hier geht. Was hier geschieht. Das hier, dass ganze Schiff – das Projekt dient der Selektion und der Evolution. Es überleben nur die Besten, es wird neues, besseres Leben geschaffen.

Euer lächerlicher und kindischer Versuch uns aufzuhalten wird scheitern. Wenn nicht an mir, dann irgendwo anders. Warum Ihr überhaupt versucht uns aufzuhalten – viele von Euch gäbe es doch gar nicht, wenn Magier, Forscher und Heiler nicht ihre Grenzen erweitern würden?

Wer von Euch würde heute noch eine magische Behandlung ablehnen? Wer spricht denn heute noch von Gott ins Handwerk pfuschen? Keiner! Nützt es der eigenen Person oder rettet den eigenen Arsch oder nur die Bequemlichkeit ist auf einmal alles wofür man einstand vergessen…

Menschen sind so berechenbar.

Wenn magische Manipulationen so widernatürlich sind, sollte man solche Leute auch verkrüppelt lassen, dass wäre nur fair – sie könnten ab dato doch ganz „natürlich“ kriechen!

Aber nein, kaum heute noch ein Wesen ohne das sich nicht der Magie bedient… wogegen ihr Euch heute noch wehrt, ist morgen schon Alltag.

Morgen werden alle aus ewigem Fleisch geschaffen sein und den glorreichen Frostalben dienen! Ihr könnt uns nicht aufhalten. Wir sind haben unseren Status mit Blut und Schmerz bezahlt, was maßt Ihr Euch an über uns zu urteilen?

Aus Euch spricht nur die Angst vor dem Fremden und Eure eigene Feigheit dieselben Schritte zu wagen wie es unsere Herren einst taten um die reine natĂĽrliche Existenz hinter sich zu lassen und mehr zu werden.

Aber in den Reihen meines Herrn Camiglir ist kein Platz für Versager und Hasenfüße!“, knurrte der Blondschopf.

"Wenn Glamivier das sagt...", murmelte Archibald.
"Camiglir!", brĂĽllte der Blonde.

„Brav rezitiert – fein gemacht. Mach schön sitz, dann hab ich auch einen Schmacko für Dich. Aus uns mag die Angst sprechen Blondie, aber aus Dir spricht Herrchen Camiglir – oder wer immer Dein Herrchen ist“, knurrte Harro.

„Da Ihr scheinbar kein Einsehen habt, bin ich gezwungen Euch zu vernichten“, erklärte Blondie in einer Tonlage als spräche er mit einer Gruppe unartiger Kinder.

Er wartete einen Moment ob jemand etwas erwidern wollte, dann starrte er Archibald an.

"Dann vernichte Du mal", sagte Holzi trocken.
„Dich eingeschlossen Bruder, Du hattest Deine Chance Spitzzahn, die richtige Seite zu wählen auf dem Rondel. Chance vertan“, zischte der Kerl wütend.

"Ksssss Archi", flĂĽsterte Damir.
"WAS?", knurrte Arch.
"Mit Spitzzahn meint der Dich", half Damir aus.

Blondies Haut platzte an den Armen auf, und gab den Blick auf ein LeichenweiĂźes schlangenartiges Gewimmel frei. Mit den Fasern eines Armes schlug er nach der Gruppe, mit dem anderen Arm schlug er nach Archibald.

Noch bevor dieser zur Seite springen konnte, hatte Damir Arch rettend in die Seite getreten, so dass die harten, biegsamen Fasern knapp an seinen Augen vorbeizischten.

Arch duckte sich unter dem Hieb weg um nicht geblendet zu werden. Der Blondschopf bewegte sich minimal rückwärts, neigte die Fasern in einem anderen Grad und schon schnellten sie erneut vor. Wie Peitschenstränge wurden sie über Archibalds Kreuz gezogen und hinterließen tiefe blutige Striemen auf seinem Rücken und ein Zähnefletschen in seinem Gesicht.

Bei der Aktion erkannte jeder sofort die Gefährlichkeit dieser Waffe. Ein enormer Vorteil für den Feind, denn mit dieser Waffe ließen sich wunderbar Ziele treffen die weit genug vom Körper weg waren. Und diese Fasern hielten Gegner auch gut auf Abstand.

Canan lieĂź blitzartig den Blick durch den Raum gleiten und setzte sich in Bewegung. Eine Hand zuckte zu ihrer Waffe und riss sie heraus. Die Faser-Hand verschwand in einer Wolke aus Gewebefetzen, die den anderen ins Gesicht peitschten und in den Augen brannten. Blondie reagierte nicht.

Keuchend starrte er nur Canan an, einen Atemzug lang… zwei, drei, dann bewegten sie sich gleichzeitig.

Mit einem Satz war er wieder auf den Beinen und ging zum Angriff über. Canan versuchte die Armbrust wieder in Position zu bringen um dem Typen den Schädel wegzublasen, Blondie schlug mit seinem Armstumpf um sie abzuwehren, während die Fasern langsam aber unaufhörlich wieder in die Länge wuchsen.

"Der Trick wäre doch was für Chirag...", lachte Harro.

Die Fasern prallten gegen Canans Arm. Sie zuckte zur Seite und drückte erneut ab. Eine Sekunde später klaffte ein ausgefranstes Loch in Blondies Hals.

„Ich mach Dich fertig!“, geiferte er wütend und wehrlos.
„Kein Benehmen der Kerl, redet man so mit einer Dame? Beherrschung hat der Sack auch keine“, grummelte Chirag und linste mit bösem Blick über die Deckung, allerdings so, dass nur seine Augen zu sehen waren.

„Kommt Leute, helft mir mal den hier neu zu gestalten. Wir haben noch was anderes zu tun!“, rief sie mit bösem Grinsen.

Hinter ihr drängte sich jetzt die Gruppe in den Raum und Blondie in passende handliche Fasern zu kürzen.

„Was machen wir jetzt mit dem Ding?“, fragte Jesper.
„Wir schneiden ihm zur Sicherheit die Arme und Beine ab. Dann nehmen wir unseren anhänglichen Freund hier mit – als Reiseführer“, säuselte Archibald und lächelte Blondie an.

„Was???!!!???“, kreischte der Kerl und sein Tonfall war schlagartig alles andere als überheblich.

„Der wird ordentlich Aufmerksamkeit auf uns lenken“, warf Damir ein.
„Was das angeht sind wir doch sowieso schon im Arsch. Machen wir uns an die Arbeit“, sagte Archibald und zückte sein Kampfmesser.

„Richtig und dann wird uns Blondie hier den Schiffsplan erläutern, so können wir überall ungehindert hinein- und hinaus spazieren, wie man so schön sagt“, grinste Canan.

„Das wagt Ihr nicht!“, brüllte der Kerl.

„Damir?“, fragte Canan.
„Ja?“, antwortete Damir.

„Was ist mit Dir los? Komm aus den Puschen, schneid dem Kerl endlich Beine und Arme ab wir haben nicht den ganzen Tag Zeit. Dann schultere Mr. Torso damit wir los können“, wies Canan Damir an.

Damirs Gesichtsausdruck verriet pure EntrĂĽstung.

„Schnapp Dir den Kerl“, wiederholte Canan.
„Ich???“, fragte Damir total entgeistert.

„Natürlich Du!“, sagte Canan.
„Das war Archibalds Idee, ich bin kein Packesel. Ich werde nicht dafür bezahlt schwere Lasten zu tragen“, motzte Damir.

„Mach hin und maule nicht immer DAMIR verdammt! Du kannst einen echt auf Trab halten“, knurrte Canan.
„Ach Scheiße, mach ich´s halt! Warum ich immer alles schleppen soll ist mir ein Rätsel! Voll der Stress hier“, keifte Damir zurück was Canan breit grinsen ließ.

Blondie zog seine Fasern ein, sie wickelten sich immer enger um ihn, beruhigten sich und legten sich glatt an. Er hatte wieder das Aussehen eines einfachen Menschen. Gehetzt schaute er sich im Raum um, er war noch nie gepattet und festgesetzt worden.

Eine neue und äußerst unangenehme Erfahrung für ihn. Er spürte ein Gefühl, dass er fast vergessen hatte. Malvyro hatte Angst und Dunwin erkannte die Veränderung die in dem Burschen vorging.

„Wartet“, sagte Dunwin und ging auf ihn zu.
"Worauf?", hakte Archibald nach.

„Ich rede mit unserem Gefangenen Arch. Hör zu und halt die Klappe Blondie“, riet er ihm „sonst schneide ich Dir persönlich Deine Fresse in Streifen. Ich hab Dir einen Deal anzubieten“, sagte Dunwin und wartete ab, dabei zog er dem Kerl die Brille von der Nase. Einen Moment erzitterte der Bursche dabei und Dunwin brauchte einen Moment um zu begreifen, dass ihm wohl das Licht in den Augen dermaßen schmerzte. Dunwin beugte sich zu Blondie runter, ergriff dessen Kiefer stahlhart und drehte dessen Kopf so, dass er ihm in die Augen schauen musste.

`Seine Haut fühlt sich seltsam kalt und glatt an, ekelhaft kalt wie ein... Ghul´, dachte Dun. Dunwin kämpfte dagegen an nicht zurückzuzucken vor Ekel.

„Mein Angebot sieht folgendermaßen aus, hilf mir und ich biete Dir das Gleiche an – meine Hilfe. Es kann kaum Deine Bestimmung sein, das Horrorkabinett von Camiglir zu bewachen und selbst ein Exponat zu sein oder?

Komm mir weiter in die Quere und ich schleppe Dich den Rest meines Lebens mit mir herum als lustiges Torso-Gimmik und Deine Existenz wird der Abgrund“, erklärte Dunwin so ruhig und gelassen dass darin mehr Drohung lag als in jedem grausamen Ton.

Dunwin beugte sich noch näher über den Schädel des Typen.

"Ich bin dafĂĽr dass Du ihm wenigstens eine Kostprobe gibst, schneide ihm einen Arm ab", warf Archibald ein, was Canan leise loslachen lieĂź.

„Und wenn ich je sterben sollte, dann vererbe ich Dich jemanden, der genau damit weitermacht. So jemanden wie Chirag oder Damir – Leute die richtig Spaß verstehen, und die später genauso weiter machen und Dich vererben. Es wird nie enden, denn Du bist sowas wie ein Ghul nicht wahr? Du lebst ewig, solange Dich niemand zerstört. Na was sagst Du dazu?“, fragte Dunwin freundlich und strich dem Burschen in einer väterlichen Geste die Haare aus dem Gesicht, hielt mit der anderen Hand aber immer noch dessen Schädel fest und starrte ihm in die Augen.

Blondie leckte sich sichtlich nervös über die Lippen und zitterte.

„Ich… ich kann nicht“, flüsterte er und legte Dunwin eine eiskalte Hand auf den Arm.
„Auch wenn ich wollte… in meinem Kopf…“, er stockte und riss sich augenfällig zusammen.

"Gut dass wir das geklärt haben, töten wir ihn", zischte Arch.
"Arch, ich möchte hören was er zu sagen hat. Töten können wir ihn jederzeit", grollte Dunwin.

"Scheinbar nicht, er lebt ja noch!", fauchte Arch.
"Er lebt nicht!", giftete Dunwin.

"NatĂĽrlich lebt er, guck ihn Dir doch an... oh warte... Sekunde... lass mich das machen und vergleiche dann das Vorher- und Nachherbild", bot Archibald grinsend an, was die Gruppe losgackern lieĂź.

„Er sucht bereits nach mir“, sagte der Kerl und schien auf einmal einer unsichtbaren Stimme zu lauschen. Als er sich wieder an Dunwin wandte kostete es ihn außerordentlich viel Kraft.

"Hochinteressant! Hat da einer nach gefragt?", konterte Damir.
"Ich nicht", antwortete Holzi sofort und schaute Archibald an.

„Ich muss gehorchen… ich kann nicht… ich kann… mich nicht… ich kann mich nicht… widersetzen… ich… Bbbittttte“, sagte der Typ erstickt und bleckte dann schmerzerfüllt die Zähne.

"Der macht vielleicht ein Wind, die widerwärtige Made...", knurrte Archibald.
„Wie heißt Du?“, fragte Dunwin mit fester, beruhigender Stimme.

„Malvyro“, antwortete der Kerl schlicht, leise und ehrlich.
"Mal...vy...ro... Malvy...ro.... Malvyro...", grĂĽbelte Arch.
"Du kennst ihn?", fragte Dunwin baff.

"Nö, nie von ihm gehört ", lachte Arch und Dunwin rollte genervt mit den Augen.
„Reiß Dich zusammen Malv... yro! Konzentrier Dich auf einen Punkt!“, befahl Dunwin.

Zum ersten Mal sah Dun Malvyro Gesicht im hellen Licht der Beleuchtung aus aller nächster Nähe. Und Dunwin erkannte, dass diese Form keine bloße nekromantische Veränderung war, sondern weit darüber hinaus ging.

Dunwin sah das der Kerl kein Mensch mehr war. Nicht mehr Malvyro war, wie es ihn wohl einst gegeben hatte. Es war etwas, das wie ein Mensch aussah, sich wie ein Mensch bewegte und – fast – wie sie sprach, aber es bestand nicht mehr aus Fleisch und Blut, sondern aus einer weißlichen, pulsierenden Masse, die sich bei genauerem Hinsehen jedoch als eine Zusammenballung von Milliarden und Milliarden haardünner, glänzender Fasern erwies.

„Du bist kein Mensch mehr“, sagte Dunwin leise. Es war eine reichlich überflüssige Feststellung, aber er musste es einfach laut aussprechen. Malvyro rührte sich nicht, sondern wartete einfach ab.

"Das lieĂźe sich sofort herausfinden", grinste Damir breit.
"Wie? Oh jetzt kommt es", stöhnte Dunwin.
"Archibald nimmt eine Kostprobe", lachte Damir.

"Verdammtes Mäusehirn!", zischte Arch, was Dunwin grinsen ließ.
„Also? Nimmst Du das Angebot an? Wir helfen Dir freizukommen. Ich helfe Dir. Aber dafür musst Du uns helfen!“, raunte Dunwin.

Der Typ starrte ihn erstaunt an. Innerhalb kĂĽrzester Zeit wechselten die Emotionen die man auf seinem Gesicht sah. Erstaunen, Argwohn, Hoffnung, Unglauben.

Schlagartig platzte seine Haut komplett auf, immer mehr schlangenartige Fortsätze bildeten sich bis der Mann nur noch aus einem Gewimmel von schwarzen Schlangen zu bestehen schien die kein Mensch mehr festhalten konnte. Sie schossen an, um und über Dunwin vorbei, so dass diesem ganz schwindlig wurde. Dunwin konnte nicht einmal mehr sagen, wo überall diese eiskalten Schlangen über seine Haut hinweg gestrichen waren. Für einen Augenblick verharrte das Wesen und die Schlangen formten erneut sein menschliches Antlitz.

„Deal“, raunte es freundlich mit einer Stimme die kein menschliches Wesen hervorbringen konnte.

Noch einmal blickte es Dunwin an, und ein ganz kurzes, unendlich erleichtertes Lächeln glomm in seinen Augen auf. Dann erlosch der Blick. Das Geschöpf dröselte sich komplett auf, schoss der Länge nach in die Höhe und verschwand als Schlangengewusel in den Schlitzen des Belüftungsschachtes.

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Re: Das Labor

#13

Beitrag von Dunwins Geist » So 6. Mai 2018, 12:35

Ein wieder gefundenes Gewissen und andere Unannehmlichkeiten

Malvyro hatte andauernd irgendwelche Gerüchte gehört. Zig Leute waren beim Stürmen ums Leben gekommen. Die meisten für ihn unwichtige Mieslinge, die ihn einen Scheiß gekümmert hatten. Menschen, einfache zu ersetzende Menschen. Welches Volk davon, spielte für ihn keine Rolle.

Aber die Gefangennahme der Gruppe würde bedeuteten, das er sich auf eine satte Belohnung freuen konnte, oder vielleicht sogar mehr noch, dass sein Herr endlich das Versprechen einlöste und ihn befreite. Er hatte es versprochen – all die Zeit…

Ging es nach ihm, konnte Camiglir die Typen in riesige Golems verwandeln, ihm war es gleich. Camiglir hatte schon weitaus Schlimmeres geschaffen… wobei hier belog er sich selbst. Er streckte sich ausgiebig und grübelte. Er hatte zehn Tage gehabt, um seinen Trupp vorzubereiten. Auf sein Team war Verlass. Jeder war erstklassig auf seinem Gebiet.

Die Gruppe die hier eingedrungen war, waren nichts als StĂĽmper im Vergleich zu ihnen. Ein zusammengewĂĽrfelter Haufen, der allerdings mehr Unruhe und Chaos stiftete als er in den letzten 5 Jahren erlebt hatte. Und dass gefiel ihm ganz und gar nicht.

Sein Herr hasste Dinge die er nicht kontrollieren konnte. Und wenn sein Herr etwas hasste was mit dem Labor in Verbindung stand, war es nicht mehr weit, bis er dafĂĽr bestraft wurde. So oder so, er musste die Lage unter Kontrolle bekommen. Vor allem fĂĽr sich selbst.

Die Truppe war hier herein gelatscht wie eine Naturgewalt, unberechenbar und gnadenlos.

Soweit er feststellen konnte war alles betroffen. Das Gefängnis, die Labore, die Trainingsanlagen, wenn er es richtig mitbekommen hatte war das Hauptlabor, Camiglirs Privatbereich und die Daibos-Reihe bis jetzt verschont geblieben. Darauf wetten dass dies so blieb wollte er lieber nicht. Allerdings musste er es irgendwie schaffen genau das zu gewährleisten.

Das Einschleichen und Zerstören einzelner Labortrakte war schon schlimm genug gewesen. Aber die entriegelten Hochsicherheitslabore waren das wirkliche Problem.

Ein halbes Dutzend der Formfleischghule und Virusträger war befreit worden. Ein Infizierter verstarb binnen Stunden und nutzte man sein Fleisch nicht, verwandelten Menschen sich in hirnlose Kannibalen – eine für ihn lustige wie kuriose Nebenwirkung.

Die Viren konnten ihm nichts anhaben, er war ein Frostalb und die Kannibalen erkannten ihn nicht als Beute, denn er war schon lange tot. Aber das Virus war ausschlieĂźlich nicht fĂĽr den Menschen erschaffen worden, sondern fĂĽr jedes Volk - auĂźer die Frostalben.

Dank der Möglichkeiten die uralte Magie und Wissenschaft boten, waren die meisten der neuen Forschungsobjekte keine Lebenden. Ihre Umformung verwandelte sie in wahre Mördermaschinen. Er war selber eine, allerdings zwangsimportiert - ein Ghul wider Willen.

Chaos war ausgebrochen.

Aber sein Boss, dieser unheimliche Irre namens Camiglir hatte keinen Finger gerĂĽhrt oder gar GegenmaĂźnahmen organisiert.

Gut die Gefangenen waren nutzlos, aber es hatte genügend Grünschnäbel unter der Belegschaft gegeben – vielleicht wäre ein Gegenschlag zur passenden Stunde erfolgreich verlaufen. Nun war er allein. Seine Jungs und Mädels waren auf der Verteidigungs-Mission ebenso gefallen wie die anderen untoten Wesenheiten die hier geschaffen worden waren.

Aber es gab immer noch genĂĽgend nutzbares Material. GenĂĽgend Leichen waren hier an Bord um dass Schiff in einen lebenden oder besser gesagt untoten Alptraum zu verwandeln.

Nicht alle hatten einen menschlichen Hintergrund wie seine Elite, nicht alle waren frei im Geist – aber er machte sich selbst etwas vor. Auch er war nicht frei. Ein Zauber zwang ihn zu bedingungslosen Gehorsam seinem Herrn gegenüber. So gesehen war er nicht annähernd so frei wie die Kreaturen an der Kette.

Als er wieder auf sein altes, leidiges Thema zurückkam, fletschte er die Zähne und für Sekunden ließ er aufgewühlt die schlangenartigen Form-Fleisch-Fasern spielen aus denen er im Grunde nur noch bestand.

Formfleisch.
Die Erfindung seines Herrn. Warum nur Knochen in gewĂĽnschte Formen bringen?
Warum nur Fleischbrocken aneinander nähen und mit einem Geist wiederbeleben?
Warum nicht das Fleisch in feinste Bestandteile auflösen, um damit Kreaturen zu formen, die die Welt noch nicht gesehen hatte?

Eine neue Klasse von Ghule, Golem, von Untoten schlechthin.
Wahrlich eine Meisterleistung der Nekromantie.

Ganz ähnlich wie ein Künstler Ton formte und ihm jede beliebige Gestalt verlieh, so verlieh Camiglir seinen Schöpfungen eine neue nie dagewesene Daseinsform. Er war ein Künstler, der mit Materialen arbeitete, vor denen vermutlich sogar andere Nekromanten zurückschrecken.

Auflösung zur Auferstehung, so hatte es sein Meister genannt.

Eines Tages wäre er wieder frei, so hatte es ihm sein Meister versprochen. Gedanklich rief er sich selbst zur Ruhe. Der Preis für den Frostalbischen Traum von einer besseren Welt ohne andere minderwertige Völker forderte nun mal ihren Preis. Am Ende würde nichts bleiben außer das Frostalbenreich, die Frostalben und davon würde auch noch die Spreu vom Weizen getrennt.

Magier mussten es sein. Erhaben sollten sie sein, mächtig und perfekt. Aber was war schon von Natur aus perfekt? Perfektion steckte im Detail und kostete Schweiß, Blut, Schmerz und Nerven. Er war auf sonderbare Weise an Camiglir gelangt. Er hatte geschlafen, sehr lange sogar. Vielleicht war er auch tot gewesen. Diese Umformung war kein Geschenk, es war ein Pakt mit dem Abgrund wie er in seinem sturen Hoheitswahn zu spät bemerkt hatte. Vor ewig langer Zeit abgeschlossen.

Sein Traum war es gewesen Asamura den Frostalben unterzuordnen. Den Schmutz zu vernichten. Eine Elite zu schaffen, die regierte, schĂĽtze und strafte. Aber was als Traum anfing endete in einem Alptraum und zwar an Camiglirs Seite. Als er damals aufwachte starrte er in fiel zu helle Lichter fĂĽr seine ĂĽberempfindlichen Augen.

Wer immer ihn so dreist aus seinem Schlaf gerissen hatte, würde dafür einen hohen Preis bezahlen. Er wusste noch wie heute wie Camiglir mit einer lässigen Bewegung auf ein kleines Gerät drückte. Sekunden später brüllte sein Körper vor unerträglicher Qual auf. Schmerzen die er nie im Leben für möglich gehalten hatte, ließen ihn vor Camiglir zusammenbrechen und sich in hemmungsloser Qual vor dessen Füßen hilflos winden.

Er hatte ihm einen Stiefel ins Genick gesetzt, seine Qual ausgekostet und eindeutig die Fronten geklärt. Ihm in aller Deutlichkeit erklärt, wem er nun gehörte. Wenn es Camiglir danach gelüstete und der Nekromant die richtigen Knöpfe drückte, konnte er ihn genauso über diese seltsame Technik zwingen Dinge zu tun die er nicht wollte wie jeden hirnlosen Affen da draußen.

Er war kein Deut besser als jeder Ghul, der wie fremdgesteuert durch Magie diesen Saftladen hier verteidigte.

Noch… 5 Jahre bedingungsloser Gehorsam oder Glanzleistung im Dienst und er würde ihn vielleicht freilassen, hatte er gesagt. Vielleicht würde er ihn befreien wenn er das Schiff wieder unter Kontrolle brachte.Er leckte sich über seine für einen Frostalben viel zu scharfen Zähne, zog seine Fasern zusammen und nahm wieder richtig frostalbische Gestalt an.

All das Training dass er in letzter Zeit mit ihnen absolviert hatte – die Daibos-1er Reihe würden die Sache schon meistern. Es waren ganz besonders abscheuliche, höchst aggressive und außerordentlich starke Ghule. Seine Gedanken schweiften ab, der Schmerz den er verspürte wenn er an den Verlust seiner Freiheit dachte reichte tief in ihn hinein.

Eigentlich wollte er sich ausruhen, doch die Begegnung mit Dunwin konnte er nicht vergessen.

Erneut leckte er sich über die Lippen und ein Schmunzeln umspielte sie nun. Ein kleines bisschen Trotz und Freiheit würde er sich gönnen. Ein bisschen mit den Besuchern spielen konnte nicht schaden. Er würde ihnen einen Tipp geben.

Sollte Dunwin das Beste draus machen. Clever genug war er wie man sah.

Vielleicht würde er sogar einen Schritt weitergehen. Der Mensch hatte ihn immerhin verschont. An seinen Händen klebte Blut, genau wie an dem Rest seiner Truppe, aber warum Dunwin hier tötend durch das Schiff marschierte, wusste Malvyro nicht.

Der Kerl hatte scheinbar nicht aus Habgier und Machtgeilheit getötet wie Camiglir, hatte nicht sein Gewissen all die Jahre lang ausgeschaltet, seine Seele verkauft wie er… oder doch?

Gnade war ihm gewährt worden. Einfach so, warum?
Er wusste es nicht, aber tief in seinem Innersten spĂĽrte er das Dunwin es ehrlich meinte. FĂĽhlte dass dieser aufrichtig mit ihm war, aber wieder keimte die Frage nach dem Warum in ihm auf.

Das konnte er sich nicht erklären und doch wusste er es auf eine Art.
Diese Art der GĂĽte stand fĂĽr eine Ăśberzeugung ein.

Er erinnerte sich einmal mehr daran woher er einst kam, wofĂĽr er einst einstand. Jetzt war er Ă„onen davon entfernt, von dem was er einst war und sein wollte.

Nachdem er Zeuge geworden war, wie seine Elitetruppe von den hauseigenen Ghulen und Gästen massakriert wurde, nachdem er den Nachmittag damit verbracht hatte, um sein Leben zu kämpfen, war ihm klar geworden, dass der Versuch den Dunwin hier unternahm, nämlich Camiglir aufzuhalten, genau das war, was er hätte tun sollen.

DafĂĽr hatte sich der Mensch etwas verdient und wenn es nur das Privileg war, nicht allein und in Finsternis sterben zu mĂĽssen. Und wie es das Schicksal so wollte, hatte der oberste Sicherheitschef von dem Trakt einen SchlĂĽssel fĂĽr den gesamten Distrikt.

Es war Zeit die Dinge selbst wieder in die Hand zu nehmen.
Es war Zeit eine Seite zu wählen.
Nicht der fremde Kerl - er hatte auf dem Rondell falsch gewählt, erkannte er schlagartig.

Er biss die Zähne zusammen und kämpfte sich auf die Beine. Ihm war durchaus bewusst, das Dunwin und seine Mannen wahrscheinlich keine zehn Minuten überleben würden, wenn sie auf sich allein gestellt und ohne jegliche Ahnung in den Daibos-1er-Trakt traten.

Und weil er das wusste, wollte er ihnen eine Chance geben. Das war das Mindeste was er tun konnte… nein verbesserte er sich. Wenn noch ein Hauch von dem Kerl in ihm steckte der er einst war, war es schlicht und ergreifend das Einzige.

Malvyro ging zur Waffenkammer, deckte sich mit allem ein was man seiner Meinung nach brauchte und machte sich auf den Weg.

Er wĂĽrde die Truppe schon finden.

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Re: Das Labor

#14

Beitrag von Dunwins Geist » So 6. Mai 2018, 15:27

DAIBOS-Objekte

Die Gruppe war in eine weitere Sektion im höchsten Sicherheitsbereich vorgedrungen. Über der Tür prangte in eingravierten Lettern –Projekt DAIBOS - Objekt 045.

Was es damit auf sich hatte, konnte sich allerdings keiner vorstellen. Zudem keiner wusste, wer oder was Objekt DAIBOS 045 war. Eine bis dato unsichtbare Seitentür öffnete sich und eine Frostalbin in Kampfanzug sprang ihnen in den Weg.

„Bis hierher und nicht weiter“, zischte sie hasserfüllt und ging in Kampfposition. Mit der Faust hämmerte sie auf einen roten Notschalter und die Sicherheitstür hinter ihnen verschloss sich donnernd und riegelte ab. Die Gruppe ging ebenfalls in Kampfposition. Canan schob sich nach ganz vorne da sie auf engem Raum am effektivsten kämpfen konnte.

„Eine erste Freiwillige…, schau einer an“, lachte die Albin gehässig.
„Warnung – Kube Objekt DAIBOS 045 entriegelt, Warnung – Kube Objekt DAIBOS 045 …“, dröhnte es aus den Lautsprechern.

„Warnung! Abriegelung der Sektion in 20 Sekunden. Die Sektion wird ausgeklinkt und in den Verbrennungstrakt gestürzt. Warnung.... 19… 18… 17… 16…“, warnte die synthetische Stimme und zählte unerbittlich den Countdown runter.

„Was???!!!???“, total entgeistert und mit Panik in den Augen schoss die Albin herum.

Sie schien zu wissen welches Grauen hier lauerte. Sie schien es sogar zu gut zu wissen, wie man ihrem verstörten, gehetzten Blick entnahm. So schnell wie sie auch war, das Wesen das urplötzlich aus dem entriegelten Kube schoss war schneller. Es bewegte sich so geschickt, geschmeidig, schnell und tödlich als habe die Schwerkraft nicht die geringste Bedeutung für diese Kreatur.

In einem Sekundenbruchteil war das hellgraue Wesen bei der Frau und grabschte nach ihr. Sie duckte sich gerade noch rechtzeitig und tief, da bekam sie von Canan einen Tritt ins Kreuz der sie in die Reichweite des untoten Wesens schleuderte. Sofort ergriff es die Albin an der Kehle. Sie versuchte sich noch zu befreien, trat nach dem Geschöpf, vergebens.

In einer wahnwitzigen Geschwindigkeit wehrte die Kreatur den Kick ab, stach wie besessen auf die Frostalbin ein, schlitzte die Frau mit seinen rasiermesserscharfen Krallen auf und brach ihr das Genick. Es zerlegte seine Beute geradezu im Blutrausch.

„10… 9…. 8…“, hörte die Gruppe an dem Dröhnen ihres eigenen Herzschlages vorbei das Schiff weiter herunter zählen.

Canan ergriff beherzt Dunwins Hand und rannte los was ihre Beine hergaben. Sofort kam Bewegung in die ganze Truppe und sie stoben den beiden hinterher. Die nächste Tür kam in Sicht und zu ihrem Erstaunen hob sich die rote Verriegelung auf, zischend öffnete sich die Tür. Kaum dass die Gruppe passierte hatte schlug sie hinter ihnen wieder mit einem Donnern zu.

Die Gruppe wagte nicht sich umzugucken und rannte weiter. Man hörte ein gewaltiges dröhnendes „Klong“, sie blieben stehen und drehten sich um. Was sie sahen ließ ihren Atmen stocken. Der Raum aus dem sie gerade geflohen waren, der Raum in dem die Albin von dem hellgrauen Wesen abgeschlachtet worden war, stürzte rauschend in die Tiefe während sich über ihm ein Schott schloss.

Mit dem Donnern des Zuschlagens des Sicherheitsschotts, donnerte auch der Raum in die Verbrennung. Kurz schlugen vereinzelte Flammenzungen aus dem Schott, dann blickte die Gruppe zurĂĽck in einen leeren Gang, der mit der restlichen Sektion verbunden war.

Einzig und allein das Terminal vor dem Raum stand noch und setzte sich unter statischem Rauschen in Betrieb. Der Bildschirm flackerte unscharf auf und es erschien ein mittlerweile mehr als bekanntes Gesicht.

Einen Moment starrten sich beide Parteien an. Der Blondschopf starrte auf die Gruppe, diese starrte zurück. Dann verneigte er sich in Zeitlupe und zeigte seine Handflächen. Sekunden später war der Bildschirm wieder schwarz.

„Er hat die Tür entriegelt und uns den Arsch gerettet“, raunte Damir.
Merna hakte sich bei ihm ein. „Ja das hat er“.

„Vorerst hat er uns gerettet. Er sieht er uns als seine persönliche Beute, eine Herausforderung die er selbst meistern will“, knurrte Chirag.
„Genau, so wird’s sein!“, bestätigte Arch.

„Das wären Eure Gedanken“, sagte Dunwin und klopfte Chirag auf die Schulter, „vielleicht hat er auch andere Beweggründe. Vielleicht hat er wirklich den Deal angenommen – warten wir es einfach ab“.
"NatĂĽrlich hat er das Dunwin... und morgen scheint die Sonne rosa... und jeder scheiĂźt seine Lieblingseiscremesorte...", lachte Archibald.

Die Gruppe setzte sich vorsichtiger denn je in Bewegung und hielt auf die nächste Sektion zu. Eine Sicherheitstür kam in Sicht. Archibald wollte gerade drauf zugehen, als die Tür in den Gang hinein krachte. Das Türblatt schlitterte funkensprühend über den Boden und blieb keinen halben Meter vor Arch liegen.

Durch Rauch und Staub schritt Malvyro wie ein allmächtiger Herrscher.

Wie immer war er in schwarz gekleidet, aber an seinen Gürtelschlaufen hingen Waffen als wollte er in einen Krieg ziehen. Er blickte sich um, und ein Lächeln umspielte seine Lippen.

„Hallo“, sagte er freundlich.

Die Gruppe rĂĽckte sofort dicht zusammen, alle Waffen waren auf Blondie gerichtet.

„Ich will ganz ehrlich zu Ihnen sein… ich weiß nicht wie ich mich verhalten soll“, sagte der Frostalb und zog eine gewaltige Waffe mit nur zwei Fingern um zu zeigen dass er sie nicht nutzen würde. Dennoch waren alle Mitglieder der Gruppe nervös und wachsam was den Burschen betraf.

„Eine Blitzwaffe. Eine äußerst effektive und tödliche Waffe“, erklärte er und neigte den Kopf zur Seite.
"Aha", sagte Dun misstrauisch.
„Ihre Waffe, Mr. Dunwin“, sagte Blondie.

Er formte seine Finger zu Kluster um, umschlang die Waffe und reichte sie Dunwin mit unterwĂĽrfiger Geste.

„Ich komme in Frieden, als Zeichen meiner Aufrichtigkeit überreiche ich Ihnen diese Waffe, die es Ihnen ermöglicht mich zu töten. Ich bin hergekommen um Ihnen zwei Waffen anzubieten. Die Blitzwaffe – und mich… wenn Sie den Deal noch wollen“, erklärte Malvyro.

Dunwin schaute irritiert von Malvyro zu Canan. Malv legte ihm vorsichtig die dargebotene Waffe in die Hand.

"Nimm sie Schatz. So ein Angebot kommt nie wieder", anwortete Canan.
"Wenn Dir jemand im Kampf eine Waffe reicht, beschwer Dich nicht, falls sie schmutzig ist. Nimm das Ding", forderte Arch.

Dunwin nickte knapp, ergriff die Waffe und hängte sie sich um.

„Danke Malvyro. Der Deal gilt. Ich stehe zu meinem Wort. Du hilfst uns und wir helfen Dir. Lasst uns abrücken. Und Du an meine Seite Malvyro. Führe uns zu der Sektion, wo wir Dich befreien können. Danach führst Du uns zu Camiglir und wenn nötig in Freiheit“, befahl Dunwin. Die Gruppe setzte sich wieder in Bewegung diesmal mit ihrem ehemaligen Feind als „Fremdenführer“.

Canan war froh dass sich der Bursche für, statt gegen sie entschieden hatte. Zwar hatte er oben zugestimmt, aber dies musste bei so einem seltsamen Wesen nichts heißen. Dennoch Dunwin hatte erneut Recht gehabt und Blondie absolut richtig eingeschätzt.

Die erste Zeit wurde er mehr als nur einmal von den anderen genauesten beobachtet, aber nach einiger längerer Zeit des Marsches, hatte sich die erste Aufregung gelegt und sie marschierten in Ruhe als eine Einheit im Tross.

In der Ferne war eine Explosion zu hören, dann Schüsse und Schreie. Die Gruppe hielt nicht inne. Sie waren so nah dran, so verdammt nah. Sie wollten nicht so weit gekommen sein und dann doch noch scheitern. Dunwin wollte sich hier nicht besiegen lassen. Das Letzte was er auf dieser Welt garantiert nicht hören wollte, war das irre Lachen eines weiteren irren Nekromanten.

„Weiter geradeaus Mr. Dunwin“, rief Malvyro.
„Wir sind jetzt ganz nah. Hier herrscht überall völliges Chaos, wenn ich es richtig interpretiere. Überall gibt es immense Aktivität“, erklärte Frostalb.

Sie befanden sich in einem Gang, der immer weiter in die Tiefe fĂĽhrte, und die KĂĽhle die ihnen in den oberen Bereichen des Komplexes aufgefallen war, wich hier einer schweren, schwĂĽlen Hitze. Sie gingen einige Schritte weiter.

„Meine Hand schmerzt schon“, warf Chirag ein.
„Wovon frag ich besser nicht“, grinste Harro.
„Vom verkrampften Halten der Waffe… echt!“, antwortete Chirag mit grimmigem Blick, was die anderen auflachen ließ.

„Erst links, dann rechts, dann geradeaus bis zur nächsten Tür“, gab Malvyro den Weg vor. Kaum dort angekommen gebot ihnen Dunwin stehen zu bleiben.

Sie starten die Tür an der sie sich näherten. Die Wände bestanden aus einförmigem grauen Stahl. Mit Präzision fügten sie sich in den Boden und die Decke ein. Die Tür war genau wie alle anderen, die sie bislang durchquert hatten, matter Stahl, ohne Griffe oder andere deutlich erkennbare Möglichkeit, sie zu öffnen. Die Gruppe hatte sich weiter vom Radau entfernt.

Dunwin mahlte mit den Zähnen um nicht vor Frustration laut aufzuschreien. Er musste Ruhe bewahren. Hier fühlte er sich allerdings wie eingesperrt. Über ihnen lagen Tonnen von Metall, rings um sie herum gab es Hunderte oder Tausende mordlüsterne, hungrige Ghule. Von jedem aus der Gruppe waren die Muskeln und Nerven bis zum Zerreißen angespannt.

„Irgendetwas geht hinter dieser Tür vor!“, warf Luitgard mahnend ein.
Dunwins Blick suchte direkt den Blick von Damir.
„Sie hat Recht Boss“, bestätigte Damir.

„Dies ist der Zugang zum Allerheiligsten. Das Heiligtum, in dem jeder Fleischgeformte seine Befehle erhält. Die Steuerzentrale“, schnarrte Malvyro in seinem extremen Akzent dass Dunwin genau hinhören musste.

"Der Typ bekommt von mir eine Anmeldung in einer Sprachschule spendiert, sobald wir hier lebend raus sind", knurrte Dunwin teilweise ernst und teilweise belustigt.
"Ich glaube damit tust Du nicht nur Dir, sondern auch ihm und Deiner Truppe einen sehr groĂźen Gefallen", lachte Canan.

„Öffne sie Malvyro!“, befahl Dunwin und deutete auf die Tür.
„Ich kann sie nicht öffnen“, fuhr Malvyro fort. „Nur Camiglir oder autorisiertes Personal kann diese Tür öffnen“.

„Du bist der Sicherheitschef von dem ganzen Laborkomplex. Du hast Zugang in alle Laborbereich einschließlich der Hotzone-Labor-Bereiche, aber Du kannst diese verdammte beschissene Tür nicht öffnen?“, hakte Archibald nach.

„Nein – die Steuereinheit darin sichert auch mich. Oder meinen Gehorsam, wenn Camiglir dies verlangt oder mich dazu zwingt. Warum sollte er mir den Schlüssel zu meinen Fesseln geben? Ich kann es nicht öffnen. Und Du auch nicht. Keiner kann es öffnen“, sagte Malvyro und lachte sein statisch klingendes Lachen.

Archibald zog fragend eine Augenbraue hoch und musterte Dunwin.

„Tja schon seltsam. Jetzt in diesem Augenblick, nähern sich uns ungefähr 50 DAIBOS Einheiten. Wir sind gefangen wie… wage ich es auszusprechen? Wie Laborratten“, kicherte Malvyro.

Dunwin drehte sich zu Malvyro um und musterte ihn mit absolut strengem, tadelndem Ausdruck.

„Verzeihung“, krächzte Malvyro.

Dunwin nickte einmal knapp, und schaute zu Archibald hinĂĽber, der den Blick offen erwiderte.
„Arch – bitte… kannst Du diese Tür nicht irgendwie aufkriegen?“, fragte Dunwin.

Archibald drehte sich zur Seite und betrachtete die TĂĽr. Dann zuckte er mit den Schultern.
„Vielleicht. Ich muss ein paar Kabel nachverfolgen. Vielleicht brauch ich auch ein paar Ersatzteile. Es ist genauso gut möglich, dass hier alles zusammenschmilzt, so dass nach dem Einbruchsversuch hinterher noch alles fester verschlossen ist“, erklärte er sachlich.
„Irgendein Scheiß ist doch immer! Ich fass es nicht. Wir sind so weit gekommen und scheitern an einer verfluchten Tür? Damir Dein Part spreng sie auf!“, befahl Dun.

„Dein Vertrauen ehrt mich Boss, aber ich habe nichts bei womit ich eine Panzertür aufsprengen könnte… so gerne ich würde“, antwortete ihm Damir freundlich.
„Was war mit den Stickstoff-Flaschen? Die müssten wirken“, schlug Jesper vor.
„Wenn wir ausreichend flüssigen Stickstoff über die Tür kippen, die molekulare Bewegung dadurch stoppt könnten wir die Tür sogar so spielend einschlagen wie Glas. Aber ehe ihr jetzt jubelt, das können wir nicht umsetzen. Wir müssten an der Horde von fünfzig DAIBOS-Typen vorbei und dass zweimal. Raus die Pullen holen und hier wieder rein. Das schaffen wir nicht. Raus ginge vielleicht noch Jesper, da könnten wir uns den Weg freikämpfen, aber zurück mit geschulterten Flaschen wo jede Minimum 70kg wiegt? Das ist nicht drin. Wir brauchen für so eine Tür mindestens 5 – 10 Flaschen. Das bekommen wir nicht hin. Unsere Chance ist Archibald. Er muss die Elektronik von der Sicherheitstür knacken“, erklärte Chirag wissenschaftlich.

Die Schreie und das Gefauche kamen näher.

„Was zum…“, bevor Dunwin den Satz beenden konnte, kam ein DAIBOS plötzlich um die Ecke. Nur Sekunden später tauchte ein zweites Exemplar auf. Malvyro rannte so schnell er konnte auf die beiden Wesen zu. Sein Haar war zerzaust, sein Mantel zerrissen, und auch sonst sah er total struppig aus. Obwohl er so wüst aussah, war er kein bisschen außer Atem, warf seelenruhig die gebrauchten Magazine der Repetierarmbrust aus und lud nach.

„Mr. Dunwin“, schnarrte er „ich denke Sie sind auf ein Ablenkungsmanöver angewiesen“, und kam schlitternd vor den Wesen zum stehen.

„Verdammt Malvyro zurück!“, fluchte Dunwin.
„Wir haben keine Zeit…“, wollte er gerade seinen Verbündeten anbrüllen als Canan mit einem gewaltigen Doppelsprung bei Malvyro landete. Als hätten sie das jahrelang geübt, ging Canan vor Malvyro auf die Knie, und dann eröffneten sie gleichzeitig das Feuer auf die beiden Daibos-Ghule die um die Ecke gekommen waren.

Die Daibos-Ghule gingen zu Boden. Erst einer, zwei, ein plötzlich auftauender dritter – immer ein sauberer Kopfschuss von Malvyro oder Canan. Beide bewegten ihre Waffen mit der Präzision eines Chirurgen. Unwillkürlich bewunderte Dunwin seine Frau. Wie sie dort stand, fast wie eine Düsterlings-Rachegöttin.

Einen Moment herrschte völlige Stille. Zwei weitere Daibos-Ghule huschten über die Gang-Kreuzung hinweg, fast wie Insekten. Canan und Malvyro zielten und feuerten auf sie, doch diesmal waren die Kreaturen gewarnt, wichen geschickt aus und verschwanden auf der anderen Seite des Gangs.

„Sie haben uns durchschaut. Sie haben einige als Vorhut geopfert um uns auf Schwachstellen zu testen. Sie werden versuchen uns einzukreisen oder aus einer anderen Perspektive anzugreifen. Wir müssen hier weg “, warnte Alrun.

Damir und Brijesh schauten zeitgleich sichernd zur Decke hoch.

„In was für einen Alptraum sind wir hier nur rein geraten?“, fragte Luitgard traurig.
„Willkommen auf Dunwins-Trrrraumrrrreise!“, spöttelte Archibald.

Dunwin wirbelte zu Arch herum und packte ihn am Schlafittchen.

„Mach jetzt endlich diese Scheiß-Tür auf!“, brüllte Dunwin ihn an.
„Wahrscheinlich kann ich das sogar tun, aber…“, setzte er an.
„MACH SCHON!!! Sonst werden wir hier alle in diesem Scheiß-Gang sterben“, fauchte Dunwin.

Arch nickte und drĂĽckte wie verrĂĽckt auf dem kleinen Bildschirm an der TĂĽr herum.

„Mr. Dunwin!“, schnarrte Malvyro „das ist egal“.
„Was beim Abgrund Du hirnloser Affe, soll das denn wieder heißen?“, brüllte Dunwin ohne sich zu dem Frostalben umzudrehen.

Weitere Daibos erschienen am anderen Ende des Gangs. Eine gemeinsame Salve von Canan und Malvyro und zwei von ihnen sackten in sich zusammen.

„ARCHIBALD! Tür auf?“, hakte Dunwin nach.

Arch war immer noch mit der Elektronik beschäftigt und wirkte seltsamer weise fast fröhlich dabei. Er zog eine kleine Instrumententasche aus seiner Tasche und ein Lächeln umspielte seine Lippen. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper als eine weitere Welle Daibos-Ghule anrückte und Canan und Malvyro zu einer weiteren Salve animierte.

„Noch zwei Striche für mich!“, gackerte Malvyro. Auch er klang beinahe fröhlich, wie auf einer Jagd zum Betriebsausflug. Dunwin schüttelte den Kopf.

„Ich bin von Wahnsinnigen umgeben, die ich selbst ausgewählt hab“, flüstere er.
„Das stimmt. Aber das merkst Du erst jetzt?“, lachte Chirag, verpasste Damir und Holzi einen Stoß.
„Los los los wir beteiligen uns an der Schießbudenpartie“, grunzte Holzi vergnügt.

„Hm“, hörte man Archibald leise sagen.

Plötzlich drang aus der Tür ein lautes, hohles Hämmern. Sofort sprang Archibald auf und Jesper und Damir drehten sich gleichzeitig zu ihm um. Dunwin hatte bereits seine Waffe gezogen und hinter der Gruppe waren weitere Schüsse zu hören.

Malvyro stieß einen Fluch nach dem anderen aus. Dunwin spähte durch das Visier seiner Waffe. Krachend kam ihnen die Tür entgegen, als hätte eine lautlose Explosion sie aus der Halterung gerissen und wurde in den Gang Richtung Canan und Malvyro geschleudert. Geschickt wichen beide mit einem Sprung aus.

Die Gestalt im Türrahmen sah man nur einen Sekundenbruchteil, denn genau in diesem Moment schwenkte Dunwin die Mündung seiner Waffe eine Winzigkeit nach links, riss zweimal hintereinander den Abzug durch – und verwandelte das Gesicht jener Gestalt in eine formlose blutige Masse.

Einen Augenblick lang stand die seltsame Frostalbin noch reglos da, während sie alle anstarrten, dann stürzte sie zu Boden. Erst geschah nichts. Dann war wieder dieses entsetzliche, unmenschliche Lachen von Malvyro zu hören. Als ob dies das Startzeichen gewesen wäre, stürmte die Gruppe in den Raum. Sprinteten auf zwei gewaltigen Terminals zu und hatten so die zweite Sicherheitsschleuse passiert. Archibald rannte gemeinsam mit Damir und Jesper direkt auf eines der Terminal zu, und machte sich an die Arbeit die Schleuse zu aktivieren.

Die Nachhut bildeten Malvyro und Canan, die in einem großen Abstand rückwärts Schritt für Schritt der Gruppe folgten um deren Rückzug in den Sicherheitsbereich zu decken.

„Mr. Dunwin… sie kommen!“, übertönte Malvyro den allgemeinen Lärm.
Canan wütender Kampfschrei übertönte alles was die Gruppe hörte und hallte in ihrem Köpfen und im Raum nach.

Dann eine kaum merkliche Bewegung, Arme mit rasiermesserscharfen Krallen schossen um die Ecke hervor. Harros Mantel glitt nur um Millimeter weiter, alte, unauslöschlich eingebrannte Instinkte bestimmten sein Handeln, ließen ihn einfach alles andere vergessen, sämtliche anderen höheren Funktionen seines Verstandes. Bevor er bewusst begriffen hatte, dass das Wesen ihn zerfetzen würde, bewegte er sich schon. Rücklings sprang Harro zu Seite, riss Brijesh schützend zu Boden der mit ihm auf gleicher Höhe stand und feuerte.

Mitten in der Luft hörte er weitere Schüsse krachen. Als er unsanft auf den Boden prallte und auf Brijesh liegen blieb.

„Danke… aber jetzt… runter von mir!“, zischte Bri mit erstickter Stimme.
„Uuuhh-la-la“, kommentierte Damir die Szene.
„Harro, oh Scheiße“, grunzte Bri „ich glaub Du hast mir ein paar Rippen gebrochen“.

Dunwin wartete nicht ab ob noch mehr Angriffe erfolgen wĂĽrden, sondern sprintete weiter in den Raum. Der Trick bestand darin in Bewegung zu bleiben. Ein sich bewegendes Ziel war schwerer zu treffen. Hielt man lange genug inne um nach Luft zu schnappen, fing man sich leicht einen Schuss oder einen anderen Treffer ein.

Dunwin stieĂź sich von einer Seitenstrebe im Raum ab, nahm all seine Kraft zusammen und sprang ĂĽber die RĂĽckwand eines Terminals hinweg, landete aufrecht auf der anderen Seite und spĂĽrte irgendetwas in seinem RĂĽcken reiĂźen, Schmerz durchzuckte beide Beine wie ein elektrischer Schlag.

„Sehr hübscher Sprung Mr. Dunwin… Sie sind verletzt“, schnarrte Malvyro hinter Dunwin.

Blitzartig schossen Fleischfasern aus seiner ausgestreckten Hand hervor und fingen den Daibos im Sprung ab bevor dieser Dunwin niederreiĂźen konnte. Sekunden vorher hatte das Wesen noch lauernd am Terminal gehockt und Dunwin die Krallen ĂĽber den RĂĽcken gezogen.

Malvyro riss das Wesen mehrere Meter in die Höhe und strangulierten es langsam und genüsslich. Die Fasern wickelten sich immer fester und enger um die Kreatur, bis man die Knochen selbst aus einigen Metern Entfernung brechen hörte.

Malvyro schleuderte das Wesen mit einer lässigen Bewegung von sich und setzte sich selbst blitzartig in Bewegung. Dunwin spürte den Kerl plötzlich keine zwei Zentimeter hinter sich. Während sich einer der Fasern geradezu mit ekelhaft sanfter und lasziver Lässigkeit um seinen Hals wickelte, brachte Malvyro seinen Mund ganz nah an das Ohr von Dunwin.

„Mr. Dunwin…, Sie sind ganz und gar nicht derjenige, an dessen Seite zu sterben ich mir ausgesucht hätte… Sie sprachen von Hilfe, Sie sprachen von Rettung…“, erinnerte der untote Frostalb.
„Den Tentakel da weg Malvyro und zurück!!!“, donnerte Archibald.

„Mrs. Dunwin, das ist kein Angriff, sondern eine Erinnerung…“, warf Malvyro ein.
„Leck mich!!! Den Griffel weg - SOFORT!!! Oder Du bereust es“, brüllte Arch ihn an und zielte auf das Wesen.

Malvyro schaute über die Schulter Archibald an, sein Blick wandere kurz zurück zu Dunwin. Mit einem Klicken lud Arch die Armbrust durch, was Malvyro erneut veranlasste ihn zu mustern. Einige Sekunden starrte er ihn an, sah nichts als reine Entschlossenheit in seinem steinharten und kalten Blick. Kein Spiel… schoss es ihm durch den Kopf, für den Kerl war das kein Witz oder Spiel…

Mit ergebener Geste neigte er den Kopf und zog den Strang der um Dunwins Hals lag zurĂĽck. Dunwin drehte sich im selben Moment um und grabschte Malvyro am Unterkiefer.

„Meinst Du vielleicht, dafür hätte ich Dich ausgesucht? Ich weiß nicht einmal, was oder wer Du wirklich bist!“, schnauzte Dunwin Malvyro an und stieß ihn mit einer groben Geste demonstrativ von sich.

„Ach Mr. Dunwin“, seufzte der Frostalb.
„Das wissen Sie doch, verzeihen Sie mir. Malvyro. Ich hatte das Privileg, vor einem Jahr die Zusammenarbeit mit Sire Camiglir beginnen zu „dürfen“. Ich werde Sie und Ihre Truppe nicht verraten. Ich versprach Ihnen zu helfen. Was die Bezahlung angeht – lassen Sie mich frei.

Das ist alles was ich wünsche. Wenn Sie mich freilassen, werde ich Ihnen folgen. Aber vorher… vorher muss ich frei sein. Ich frage mich ob Sie Ihren Teil der Abmachung einhalten werden. Sie gaben mir Ihr Wort…“, erinnerte Malvyro und kratzte sich gedankenverloren am Kopf.

„Malvyro…“, setzte Dunwin gerade beruhigend an, als ihm Damir ins Wort brüllte.
„Und das hat er auch nie gebrochen! Wo stehen wir denn hier verdammte Scheiße? Wir sind doch nur in diesen Trakt um Deine Rübe von dem Ding zu befreien, dass Dir das Hirn quirlt. Also bleib mal was geschmeidig. Immer locker durch die Hose atmen ja?“, stutzte Damir Malvyro zurecht.

Arch beobachtete mit Argusaugen den Alben, aber dieser blieb friedlich und grübelte. Scheinbar versuchte er Damirs Erläuterung zu übersetzen, gab es dann aber auf und trottete ein Stück abseits von der Gruppe.

„Wie lange braucht die Tür noch?“, rief Dunwin Archibald zu.
„Fast fertig“, rief dieser zurück.

Eine Explosion von draußen mahnte alle zur Eile und blies einen Haufen Trümmerteile in ihren Raum. Einige Sekunden lang schien es Eissplitter und Rasierklingen zu regnen, dann war es vorbei. Ein Schatten erschien im Türrahmen und sofort eröffnete die Gruppe das Feuer. Ein Huschen, und die Wächterin stand nicht mehr im Eingang.

Canan ging in die Hocke, legte sich flach auf den Boden und spähte unter einige Trümmerteile hinweg. Sie sah Malvyro, er stand verkrampft mit dem Rücken zur Wand und die schmale Frau stand genau vor ihm. Die Körperhaltung war Canan sofort vertraut. Sie hatte schon genug Leute hingerichtet, und sie hatte schon oft genug dabei gestanden wenn jemand vom Clan hingerichtet wurde um diese Körperhaltung augenblicklich wiederzuerkennen.

Eine Sekunde erstarrte sie – Malvyro seinem Schicksal überlassen?

Es wäre so leicht… aber Dunwin hatte sein Wort gegeben. Sie vertraute ihm mehr als jeder anderen Person. Sie legte die Waffe an und feuerte vier Schüsse auf die Stiefel der Frau ab. Einschusslöcher erschienen, und die Schüsse rissen alles im Inneren der Stiefel in Stücke. Die Frau stürzte schreiend zu Boden.

Canan ließ sich nicht ablenken. Mit einem gekonnten Kurzsprint einigen Sprüngen und einem Salto war die Düsterlingsfrau über die Trümmerteile hinweg und ebenfalls aus dem Sichtfeld der restlichen Gruppe verschwunden. Einige Sekunden später hörte man einen lauten Knall. Die Frau zuckte noch einmal, dann regte sie sich nicht mehr. Canan starrte kurz auf sie herab, spürte eine Hand die sie packte und nach unten riss.

„Runter!“, schrie Malvyro.

Canan ließ ihn kurz gewähren, drückte ihn dann zur Seite und sprang erneut los, direkt auf einem Trümmerteil balancierend. Vorsichtig und wie eine Katze auf der Kante stehend schaute sie sich um. Hinter sich hörte sie weitere Flüche und Schüsse, unter ihr stöhne Malvyro vor Schmerzen und umklammerte seinen Schädel.

Dann sah sie den Daibos perfekt in einen dunklen Schatten geschmiegt. Ihr Blick engte sich ein, sie sah nur noch dieses Wesen. Ohne zu zögern, stürzte sie sich auf ihn, mit aller Kraft die ihr ihr Schwung und die Schwerkraft zubilligten. Sie fühlte sich als würden ihre Knochen hin und her gewirbelt, vor ihren Augen verschwamm alles, als sie ihr Ziel traf und es aus Gleichgewicht brachte.

Gemeinsam krachten sie gegen die Wand, unmittelbar neben der immer noch offen stehenden TĂĽr und der Daibos stĂĽrzte genau auf sie. Das Vieh war schwerer als es aussah. Canan konnte nicht atmen und sein seltsam rundes Gesicht berĂĽhrte fast dass ihre.

„Ihr Handeln wird nicht geduldet werden… Ihr Handeln… wird zu Chaos führen…, Ausschreitungen, Gesetzlosigkeit… Sachschäden…“, rezitierte Malvyro in absoluter Sinnlosigkeit.

Seine Worte waren völlig bedeutungslos, waren für ihn selbst lediglich Geräusche die er unbewusst unter Qual von sich gab. Er kämpfte gegen die Kontrolle des Bannzaubers an, versuchte die geistige Kontrolle über sich selbst zu behalten und brüllte ohrenbetäubend unter Schmerzen auf.

Die Puppenspielerin versuchte ihn unter Kontrolle zu bringen, notfalls mit aller härtester Gewalt.

Canan schaute kurz zu ihm rüber. Ein verkrümmtes, sich windendes Häufchen Elende, dass um seine körperliche und geistige Kontrolle kämpfte und auf besten Wege war sie vollständig zu verlieren. Eine dunkle Lache breitete sich langsam aber sicher unter ihm aus. Blut? Sie wusste es nicht. Vermutlich war dem so.

Sie verspürte keine Verärgerung mehr über ihn, keinen Schmerz mehr im Rücken nur entsetzliche, eisige Wut. Ein gutturales, wildes Knurren entrang sich ihrer Kehle und sie stieß mit aller Gewalt zu, rollte den Daibos von sich herunter, blieb dabei dicht bei dem Wesen, so dass sie jetzt auf der Kreatur saß. Rittlings klammerte sie sich an ihm fest und rammte ihm ihre Waffe in den Mund. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie die Krallen des Daibos vorschossen. Sie zog den Abzug durch. Wieder und immer wieder. Ihr Gesicht war schlagartig nass. Sie ließ sich zurücksinken und keuchte schwer. Irgendwo in ganz in der Nähe hörte sie immer noch Malvyros Schreie unterbrochen von Stöhnen.

„Archibald“, brüllte wer aus der Gruppe „die Tür!“
„Funzt doch schon!“, rief Arch zurück.

Ganz langsam drehte Canan den Kopf zur Seite. Die Tür schloss sich. Sie schien sich so träge zu bewegen wie in einem Traum. Canan hatte das Gefühl als könnte sie noch Milliarden Dinge erledigen bis die Tür sich wirklich geschlossen hätte. Dann krachte das Türblatt auf sein Gegenstück und schloss sie ein.

Stille. Canan schaute sich um während die plötzliche Ruhe in ihren Kopf dröhnte. Sie rollte sich auf die Beine und ging zu Malvyro rüber der in einer dunklen Pfütze lag. Dunwin und die anderen kletterten über die Trümmer und waren an ihrer Seite.

Malvyro sah genauso aus wie vorher. Blass, skelettartig, die Augen hinter den dunklen Gläsern seiner Brille verborgen. Einzig allein dass Rinnsal schwarzer-gelber Flüssigkeit die aus seinen Mundwinkeln sickerte zeigte an, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Wäre er jetzt aufgestanden und hätte sich das Blut vom Mund und dem Kinn gewischt, hätte das niemanden aus der Gruppe überrascht.

Canan schaute ĂĽber die TrĂĽmmer hinweg. Zig Daibos lagen dort. Ihre Truppe hatte gute Arbeit geleistet. Sie mussten jedes einzelne dieser Mistviecher erledigt haben, ging es ihr durch den Kopf. Der Atmen der meisten ging keuchend und sie sahen alle total zerrissen und zerzaust aus.

Jeder andere wäre beeindruckt gewesen von der schieren Masse erledigter hochgefährlicher Gegner, doch in Canans Innerem gab es im Moment nicht mehr außer Müdigkeit und einem unglaublichem Bedauern, über den gefällten Kerl vor ihr. Wie viel von seinen Handlungen war von ihm Feindschaft gewesen, wie viel magisch-gesteuerter Zwang?

Kurz nickten die anderen Archibald, Jesper und Damir zu. Auch die Drei kamen herĂĽber und starrten auf Malvyro. Die Gruppe umstand den Kerl der einst ihr Feind war und sich dann zu einem VerbĂĽndeten gemausert hatte. Dunwin stellte sich neben Arch und knuffte ihn freundschaftlich.

„Gut gemacht Arch“, sagte er freundlich und deutete auf die Tür.
„Dito, kann ich nur zurückgeben“, sagte Archibald grinsend und nickte Richtung Leichenberg.

„SssDunwinrrr…“, war plötzlich Malvyros schnarrende Stimme zu hören, wie Säure quoll sie mit einem Schwall Blut aus seinem Mund und tropfte zu Boden.

Dunwin drehte sich mit Schwung zu dem Frostalben um, ging auf ihn zu und blickte auf ihn hinunter. Seine Hände wurden gefühllos wie Steine, er zitterte nur noch als er die sich windenden weißen und schwarzen Fasern im schwarz-gelben Schleim sah zu denen sich der untote Frostalb teilweise aufgelöst hatte.

Höhnisch grinsend hob Malvyro den Kopf und richtete sich teilweise auf.

„Es gibt Dutzende von Despoten, Tyrannen und Irren… DUTZENDE!!!“, grollte er drohend.
„Bislang hast Du nur Glück gehabt… Sie kommen… sie kommen hier…her… sie…“, er stockte und fing hemmungslos an zu zittern.
„Hilf… hilf… mir“, kotzte Malvyro die letzten Worte flehentlich mit einem weiteren Schwall Blut aus und stürzte bewusstlos zurück in die Pfütze.

Ohne darĂĽber nachzudenken, hob Dunwin die Waffe und zielte auf Malvyro Gesicht.
Jesper packte ĂĽber die Waffe und drĂĽckte sie zu Boden.

„Nein – ich weiß, warum Du abdrücken willst. Du willst ihn erlösen, aber warte. Du weißt nicht wo Du ihn treffen musst, dass er wirklich tot ist. Keiner weiß das. Und selbst wenn - tue das nicht. Du hast ihm Dein Wort gegeben. Du hast ihm einmal Gnade gewährt Dunwin, also gib dem Kerl seine Chance. Ob er sie verdient hat wird sich zeigen. Wird er zum Verräter richte ihn hin. Aber nicht jetzt und nicht so, in Ordnung?

Das kannst Du immer noch für ihn tun. Komm. Sunja bleibt mit Damir bei ihm. Sunja versuch ihm zu helfen, Damir wird Dich beschützen, falls der Typ wieder geistig umschlägt. Wir suchen diese Frau in der Schaltzentrale und schalten sie aus. Dafür sind wir hier abgebogen. Wir halten unsere Versprechen und wir bringen den Job hier zu Ende. Auf geht’s“, sagte Jesper und ging vor.

Archibald lächelte seinen Mann beeindruckt an, war sofort an seiner Seite und begleitete ihn. Dunwin folgte ihm auf dem Fuße und schmunzelte erleichtert auf. Er legte Jesper kurz eine Hand auf die Schulter. Jesper hatte Recht. Sein vernünftiger und sachlicher Einwand hatte seine Nerven beruhigt. Die Gruppe folgte Jesper, der mit raschem Schritt durch die weitere Schleuse zwischen den gewaltigen Terminals trat. Der Raum den sie betraten lag fast im Dunklen.

„Hallo“, wisperte eine Stimme.

Lampen flammten plötzlich auf, grell und blendend. Sie schauten sich um und blinzelten – und dann erstarrten sie.

„Dunwin, Canan, Archibald, Jesper, Damir, Chirag, Merna, Luitgard, Alrun, Merna, Brijesh, Harro…”, sprach das Wesen “Darf ich mich vorstellen? Lisra - genannt die Puppenspielerin“, hauchte sie.

Keiner der Gruppe wusste genau wie er verarbeiten sollte, was er dort sah. In diesem Raum herrschte völlige Stille. Es war ein großer, weitläufig geschnittener Raum mit hoher Decke. Auf einem riesigen stählernen Thron saß Lisra. Sie schien gänzlich gleichgültig zu sein, hockte fast zusammengesunken in den weichen Polstern. Dicke schwarze Kabel führten von ihrem Hinterkopf in eine Öffnung in der Mitte des Tisches der vor dem Thron stand.

Sie standen ihr gegenĂĽber und fast erfasste sie Schwindel bei ihrem Anblick.

„Ein Homunkulus? Eine Mensch-Maschine?“, fragte Archibald Dunwin baff.
„Natur, Magie und Technik vereint. Faszinierend, ein kluger Kopf“, bemerkte Lisra gedehnt.
„Erzähl mir was Neues – Lisra“, schnauzte Archibald.

„Mir ist bewusst was Ihr vor habt, aber bedenkt – tötet ihr mich, werden schlagartig alle gesicherten Objekte wahnsinnig. Sie werden nicht mehr von einer höheren Instanz gelenkt – mir. Sie werden in Raserei verfallen. Es wäre unlogisch mich zu töten. Niemand richtet sich hier gegen Euch“, erklärte sie sanft.

"Kam mir anders vor", hielt Arch dagegen.
„Gebt auf, die nächste Einheit Daibos steht vor der Tür, es ist nur eine Frage der Zeit bis ich sie einlassen kann – egal wie gut verschlüsselt der Code ist, ich werde ihn deaktivieren und mich verteidigen, dessen seid Euch bewusst“, fügte sie an, um die Gruppe zum Aufgeben zu bewegen. Einen Moment blickte sie alle der Reihe nach an und genoss scheinbar den Effekt den sie auf die einzelnen Leute ausübte.

"Bis jetzt haben wir uns verteidigt", gab Archibald zu bedenken.
„Verstehe. Ihr seid hier eingedrungen Menschen, keiner hat Euch eingeladen. Wie lange die Einheit Sunja wohl überlebt im Nahkampf gegen einen Daibos? Ein Versuch brächte Klärung“, warf Lisra lauernd ein.

Sie hatte kaum ausgesprochen, da hatte Damir seine Waffe hochgerissen. Mehrere Schüsse krachten genau in das Gesicht von Lisra. Die Schüsse zerfetzten Drähte, Metalllegierungen wurden durchschlagen und geätzte Schaltungen barsten. Umgeben von einer weißen Wolke aus Kühlflüssigkeit stürzte sie vornüber und krachte vor dem Thron zu Boden.

Damir starrte auf die Waffe in seiner Hand und dann auf Dunwin, der ebenfalls mit gezogener Waffe vor dem Wesen stand… die Mündung dessen Repetierarmbrust rauchte und Damir wusste, dass er selbst noch gar nicht den Abzug gezogen hatte. Damir steckte die Waffe weg, ging rüber zu Dunwin und drückte ihn freundschaftlich.

„Damir, niemand bedroht einen meiner Leute, oder Freunde von mir. Merk Dir das endlich mal. Du hast ein Gedächtnis wie ein Sieb. Dieses Miststück bedrohte Sunja und sie fällte Malvyro“, grinste Dunwin freundlich.

„Ja Boss“, antwortete Damir fast verlegen und respektvoll.
„Na bitte, geht doch“, sagte Dunwin mit einem Zwinkern.
„Wir müssen machen dass wir hier rauskommen. Ihre Daibos sind frei“, mahnte Damir fast gut gelaunt.

Das Gehämmer an der Tür füllte jetzt den ganzen Raum und die Schwingungen des Lärm schienen Staub von den Schutt-Teilen aufzuwirbeln. Die Augen fingen an zu brennen, während sie zurück in den Vorraum liefen.

„Dein Verhandlungsgeschick war großartig Archibald!“, lobte Damir.
„Vor allem dass Du so ruhig geblieben bist. Erste Sahne, keine Spur von Aggression oder Unmut. Hätte ich Dir gar nicht zugetraut“, lachte Holzi.

„Tja der eine hats – der andere nicht“, lachte Arch und knuffte Holzi zurück.
„Und die hats faustdick bekommen – zwar nicht hinter die Ohren, aber mitten in die Fresse rein“, grinste Harro.

„Es war Dunwin eben ein innerliches Bedürfnis Ihr Lieben“, sagte Damir geradezu friedlich, was die anderen losprusten ließ.
„Und ob es das war Damir“, lachte Dunwin.

Kaum bei Sunja angekommen, sahen sie wie sich Malvyro mit ihrer Hilfe mĂĽhevoll aufrichtete.

„Sie ist tot“, schnarrte er und wischte sich so gut es ging mit einem Verband sauber den ihm Sunjas reichte.
„Sie ist tot Malvyro, und wie tot sie ist“, sagte Dunwin mit breitem Grinsen.
„Mausetot!“, bestätigte Chirag mit Nachdruck.

„Richtig. Sie musste mit einem meiner Leute diskutieren. Als sie frech wurde, habe ich ihr paar Argumente geliefert die ihr richtig durch den Kopf gingen…“, erklärte Dunwin fröhlich.

Was immer dieses Wesen Lisra auch gewesen war, es hatte ihn und seine Leute hier mehr als bedroht. Mehr noch, es hatte hunderten, wenn nicht gar tausenden Lebewesen das Leben zum Abgrund gemacht und Hand in Hand mit Camiglir diesen Abgrund regiert.

Malvyro lächelte und verneigte sich vor Dunwin.

„Danke“, schwor Malvyro. „Ein Leben für ein Leben!“.
„So ist dass“, sagte Sunja mit fester Überzeugung.
„So und nicht anders…“, sagte Jesper mit einem Zwinkern.

„Möglich“, antwortete Damir mit gespielter Gleichgültigkeit.
„Och hör doch auf! Du Sturkopf“, warf Chirag ein, drückte Damir feste und dieser drückte ihn zurück.

Es war die scheue Luitgard die wieder das sagte was man dachte, aber keiner sonst aussprach.

„Malvyro man steht bei seinen Leuten, weißt Du – nicht abseits. Das macht keinen guten Eindruck“, schalt sie ihn gespielt tadelnd.
„Nun…“, setzte er verlegen an.
„Nix nun! Du bist neu in der Truppe, also hör drauf wenn eine Vorgesetzte mit Dir spricht!“, grinste Damir und Merna nickte bestätigend.

„Sicher“, grinste er Luitgard dankbar an und tippte ihr mit einem Klusterfaden als neckende Geste auf die Nase. Seltsamer und erstaunlicher Weise spürte Luitgard bei ihm keinerlei Argwohn oder Bedrohung. Es war als hätte sie etwas völlig Fremdartiges berührt und so war es letztendlich auch.

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Re: Das Labor

#15

Beitrag von Dunwins Geist » Fr 18. Mai 2018, 21:41

Raus hier

Zunächst waren ein kurzes Krachen und Knistern und der Geruch nach Ozon das Einzige was sie wahrnahmen und so standen sie wie betäubt da. Abrupt hörte das Gehämmere an der Tür hinter ihnen auf. Gleichzeitig verloschen sämtliche Lampen, und sie spürten wie jeglicher Luftzug in diesem Raum verschwand, die Belüftung war ebenfalls ausgefallen. Sie befanden sich in völliger Stille und absoluter Finsternis.

„Und?“, war das einzige Wort, dass Harro flüsterte.

So bedeutungsschwanger, als wäre das die wichtigste Frage, die er jemals gestellt hatte. Dann zog jemand scharf die Luft ein.

„Ach Du heilige Scheiße, die Magie hat aufgehört zu wirken oder?“, fragte Brijesh.
„Ja ich glaube die Magiefesseln sind wirkungslos geworden“, bestätigte Damir.

„Oh ja“, schnurrte Malvyro schnarrend, da er selbst nun auch frei war.
„Ich gratuliere, Mr. Dunwin und danke Ihnen aus tiefster Seele. Bedauerlicherweise war das erst der einfache Teil“, erklärte Malvyro.

Dunwin brüllte los vor Lachen. Er verlor völlig die Kontrolle und brach in schallendes Gelächter aus, schnappte keuchend nach Luft, seine Rippen schmerzten und seine Augen tränten.

„Verfluchte Verseuchte, soll sie der Abgrund holen!!!“, brachte er heraus, den Kopf zwischen den Knien.
„Wie sieht denn dann der SCHWIERIGE Teil aus?“, gackerte Dunwin.

„Malvyros Stimme verriet selbst in der Dunkelheit Belustigung.
„Wir müssen wieder rauskommen“.

Diesmal war es an Damir in schallendes, wahnsinniges Gelächter auszubrechen. Sunja presste ihm die Hand vor die Stirn um ihn zu beruhigen.

„Wir müssen an ein paar hundert Ghulen sämtlicher Sorten vorbei, die alle wahnsinnig sind“, prustete er lauthals.

Als die Gruppe die Tragweite seiner Worte begriff, wurde die völlige Stille im Raum von ohrenbetäubendem Lärm zerrissen:

Hunderte von Ghule im Schiff wurden absolut gleichzeitig völlig wahnsinnig.

Der Lärm war wirklich erschreckend. Er hüllte sie in der Dunkelheit von allen Seiten ein, zugleich weit entfernt und doch nicht weit genug entfernt. Es klang als würden Hunderte von Menschen gleichzeitig aus Leibeskräften brüllen, immer wieder hörten sie Armbrustfeuer.

Schmerzhaft grell flammte ein Licht auf und die anderen Gruppenmitglieder verdeckten instinktiv ihre Augen. Merna stand dort, hielt eine Blitzlampe hoch ĂĽber den Kopf und tauchte so den ganzen Raum in ein sonderbares, fahles Gelb. Brijesh, Damir, Chirag und Jesper kauerten in Abwehrhaltung auf dem Boden, die Waffen auf die TĂĽr gerichtet.

Dunwin ließ die eigene Waffe sinken und versuchte sich zu entspannen. Es gelang ihm nicht. Sein ganzer Körper war wie elektrisiert.

„Statusbericht über die Lage Damir“, hakte Archibald nach.

Damir tigerte hin und her, eine Hand gegen den Schädel gepresst.

„Damir hör auf damit…“, setzte Luitgard an und wollte ihm beruhigend eine Hand auf den Arm legen, traute sich dann aber doch nicht.
„Jetzt wo diese Zwangsmagie weg ist, gibt es nichts mehr, dass bei den Dingern da draußen auch nur annähernd das Verhalten kontrolliert. An Malvyro konnte uns der fehlende Sicherheitsschutz nicht auffallen, er beherrscht sich selbst. Er hat einfach seinen freien Willen wieder. Diese Kreaturen da draußen haben nichts. Kurzum da draußen herrscht blankes CHAOS, das ist gut“, sagte Damir.
„Endlich mal ein Grund zur… PANIK!“, rief Jesper, was alle trotz der angespannten Situation auflachen ließ.

„Wie kommen wir denn jetzt hier raus?!“, schrie Chirag.
„Durch die Tür“, antwortete Archibald trocken.

„Na ja Mr. Dunwin, ich dachte Sie hätten in dieser Hinsicht vielleicht schon einen Plan“, sagte Malvyro seelenruhig.

Dunwin fluchte. Seine aufgestaute Frustration entlud sich in einer äußerst obszönen Schimpfkanonade, die ohne Pause mehrere Minuten dauerte.

„Was ich auch immer für den Rückzug geplant haben mochte Malvyro…, basierte darauf, dass es hier NICHT Tausende von durchgeknallten Ghule gibt, die wild um sich beißen, schlagen, schießen und anderes“, knurrte Dunwin und Canan nahm ihn beruhigend in den Arm.
„Ist nicht mein Problem Mr. Dunwin. Wenn ich wollte könnte ich einfach durch den Belüftungsschacht verschwinden, aber ich halte meinen Schwur und bleibe an ihrer Seite“, gurrte er.

„Wenn das kein Grund zur Freude ist…“, kommentierte Archibald.

„Sachstandslage und Lagesondierung aber zügig von Dir Malvyro. Erklär was hier los ist. Damir kann nur vermuten. Aber Du musst es WISSEN. Also spuck es aus, damit wir einen Plan entwerfen können um zu entkommen. Wir alle nicht nur Du. Denn dass gehört auch zu Deinem Schwur. Oder willst Du Dunwin hier den Tod überlassen?“, schnauzte Harro schneidend.

Malvyro nickte, nickte noch einmal und hörte dann überhaupt nicht mehr auf, als hätte er ganz vergessen, was er gerade tat, bis Dunwin ihn mit einem Griff an den Kopf stoppte.

„Hör auf mit der Scheiße“, sagte dieser.
„Was hier unten gerade geschieht Mr. Dunwin, geschieht gleichzeitig überall – auf allen Ebenen. Auf allen Decks. Das Rondel“, er machte eine alles umfassende Handbewegung.

„Die Waffen die ich mit mir führe und mein persönliches Dasein verkörpert sämtliche Ressourcen die ich zur Sicherung Ihres Überlebens bereitzustellen gewillt bin Mr. Dunwin“, erklärte Malvyro.

Dunwin schaute den blonden Kerl fragend und verständnislos an und nickte dann einfach.

„Eh ja… Danke Malvyro“, war Dunwins Antwort.
„Er beschützt Dich!“, übersetzte Archibald grinsend.
„Meine Worte“, bestätigte Malvyro.

„Na das ist doch großartig“, sagte Dunwin fröhlich und klopfte Malvyro auf die Schulter.
„Archibald wenn Du freundlicherweise die Tür öffnen würdest? Dann werden wir uns schon einen Weg hier heraus bahnen“, knurrte Dunwin zuversichtlich.
„Natürlich werden wir das. Wir töten einfach alles was nicht zu unserer Gruppe gehört. Und wir töten so lange bis es nichts mehr zu töten gibt. Mein Plan… So werden wir uns den Weg freimachen!“, sagte Arch felsenfest überzeugt.

„Genau das!“, bestätigte Jesper und Archibald nickte.
„Merna wenn ich Dich bitten darf, halt die Lampe an die Türelektronik“, sagte Archibald freundlich.

„Ja sicher, schon da Arch“, bestätigte sie.
Archibald zog währenddessen schon sein Werkzeug aus der Tasche.

„Das wird nicht lange dauern“, warf er ein.
Er kniete sich vor das Türblatt und befestigte daran mehrere kleine Magnetclips. Brijesh und Dunwin gingen gleichzeitig hinter Archibald in Position, so dass ihre Schusslinien sich kreuzen mussten – genau oberhalb von Archibalds Kopf.

„Du bist beim arbeiten gesichert Archibald, aber nicht einfach aufstehen“, warnte ihn Dunwin.
„Schon klar“, grinste Archibald. Nach 30 weiteren Sekunden war ein Klicken zu hören und die Tür öffnete sich zischend einen winzigen Spalt.

„Nur entriegelt, wir müssen aufschieben. Ich habe es so gelassen damit uns nicht anspringt“, erklärte Arch freundlich.
„Gute Arbeit“, lobte Dunwin.

Während Arch seine Werkzeuge wieder einsammelte, versuchte jemand die Tür einzutreten. Ein geisterhaft blasser Mensch stand in der Tür.

„Das ist so nicht richtig!“, brüllte der Kerl und schoss unkontrolliert zwei Mal in den Raum hinein. Dunwin und Brijesh feuerten zeitgleich genau eine Salve in das Gesicht des Typen. In einer Gischt von rotem Blut ging der Mann zu Boden.

Jetzt wo die Tür offenstand, war der Lärm ohrenbetäubend und kam aus allen Richtungen gleichzeitig. Aus der Nähe, aus der Ferne, ein Missklang aus Entsetzen, Zorn und nacktem Wahnsinn.

Brijesh schaute auf den erschossenen Typen.

„Ob wir da gerade einen unschuldigen Menschen getötet haben? Gequält und dem Wahnsinn anheimgefallen? Falls jaaaa.... Das fühlt sich gut an Leute“, sagte Bri.
„Nicht wahr? Es ging um unser nacktes Überleben“, sagte Archibald mit felsenfester Überzeugung.

„Luitgard und Sunja Ihr bildet die Nachhut“, wies Dunwin die beiden an, „nach Dir Malvyro, Du hast hier Hausrecht“.

Malvyro blinzelte ihm zu und huschte mit geradezu verstörender Geschwindigkeit auf den Korridor hinaus, rollte sich zur gegenüberliegenden Wand und richtete sich sofort wieder gewandt auf, die Waffe fest in der Hand, sicherte er rasch in beide Richtungen. Dann blickte er wieder zu Dunwin herüber und nickte.

"Was für ein Aufschneider...", stöhnte Archibald.

Dunwin eilte an ihm vorbei, ging zur anderen Wand und blieb so aus seiner Schusslinie. Die Gruppe folgte. Sunja und Luitgard waren kalkweiß und wirkten ernstlich besorgt. Keine von den beiden jungen Frauen kannte Feldeinsätze, geschweige denn offenen Kampf.

Malvyro stürmte erneut los und gab die Richtung vor. Nach der ersten Biegung des Gangs umgab die Gruppe der reine Wahnsinn. Die Wesen kamen aus allen Richtungen – hinter ihnen, vor ihnen, sie stürmten aus bislang verborgenen Türen, eines ließ sich sogar von der Decke auf sie herabfallen.

So verschieden sie waren, so unkoordiniert gingen sie auch vor. Wahnsinnige Ghule feuerten aufs Geratewohl um sich und schrien alles Mögliche in verschiedenen Sprachen, manche schienen sie gar nicht zu bemerken. Stahlsplitter brannten in den Augen, Armbrustbolzen und andere Dinge sausten heulend unmittelbar an ihren Ohren vorbei. Dennoch blieb dieses sonderbare Hochgefühl, dass sie erfasst hatte.

Zunächst war alles noch recht einfach, weil die durchgeknallten Ghule einfach überall im Komplex Chaos anrichteten. Die meisten liefen ihnen geradewegs vor die Waffen oder rannten an ihnen vorbei, ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen. Selbst die wenigen, die sie tatsächlich bemerkten und versuchten ihren Schmerz ein wenig mit ihnen zu teilen, waren durcheinander und desorientiert.

Irgendwann erreichte die Gruppe eine Ecke des Gangs und sofort grabschten zahllose Hände nach ihnen. Alrun wurde in die Luft gerissen und die Gruppe brüllte. Instinktiv hob sie die Waffe und legte die Mündung direkt unter das Kinn des Ghuls.

„Mach, dass es aufhört“, schrie das Wesen sie an mit dennoch seltsam sanfter Stimme.
„Mach doch dass es aufhört“, schrie er erneut.

Das Wesen versuchte nicht einmal sie zu verletzen oder sich selbst zu schützen. Es wäre so einfach gewesen die geschundene Kreatur jetzt zu töten, aber Alrun konnte es nicht. Das waren einst Menschen – nur dass sie kein Glück im Leben gehabt hatten, sondern sich ihr Lebensweg mit dem von Camiglir gekreuzt hatte, schoss es der jungen Frau durch den Kopf.

Damir sah die Sache etwas anders und verpasste dem Ghul einen Armbrustbolzen genau zwischen die Augen. Schwarzes Blut spritzte Alrun ins Gesicht und sie stürzte als sich der Griff des toten Ghuls löste.

Sie kamen nur langsam voran. Nach zwanzig Minuten entsetzlichen, unendlich anstrengenden Kampfes erreichten sie eine Kreuzung. Malvyro und Dunwin standen RĂĽcken an RĂĽcken. Die Waffen fĂĽhlten sich glĂĽhend heiĂź an von der Ăśberbelastung.

Archibald kontrollierte die Funktionstüchtigkeit seiner Waffe zum millionsten Mal und blickte kurz bestätigend zu Dunwin rüber. Dunwin blickte zu Malvyro auf.

„Gibt es irgendwelche Abkürzungen?“, schrie Dunwin über den Lärm hinweg.
Er hörte hinter sich Jesper fluchen, dann dröhnte schon wieder eine Waffe.

„Passt ein bisschen mit Eurer Munition auf. Wir können unmöglich jeden Ghul im ganzen Schiff abknallen“, rief Jesper.

Malvyro schĂĽttelte den Kopf.
„Für Sie hier und die Gruppe nein. Dieser Bereich ist die einzige Schwachstelle gewesen. Glauben Sie mir, wir sind schon für unsere Verhältnisse extrem weit gekommen“, sagte Malvyro entschuldigend.

„Scheiße“, antwortete Dunwin fröhlich und ließ einen Ghul der quer durch sein Blickfeld huschte entkommen.
„Wir legen es nur noch darauf an, all jene Ghule zu töten, die tatsächliche eine Bedrohung darstellen“, befahl er.

„Alle bis auf Malvyro oder Damir, die lassen wir nochmal durchgehen“, lachte Harro.
„Du Hundsfott!“, lachte Damir knurrend auf.

„Dunwin“, sagte Brijesh leise, „so schaffen wir das nie. Klar ist das wie in einer Schießbude, aber hier wird so heftig auf uns gefeuert, dass es uns irgendwann erwischen muss und die Munition geht uns bald aus“.

„Aber wer sagt denn, dass er das schaffen will?“, lachte Damir.
„Wenn Du dass so siehst, sag es gleich, dann verpasse ich Dir einen Bolzen – einfach nur um Deine abzustauben. Also was ist los? Heute noch nicht genug Leute umgebracht?“, fragte Jesper bedrohlich.

„Miau…“, schnurrte Damir.

„Archibald, Damir hat schon wieder... ach vergiss es Archibald“, grinste Merna.
„Schon vergessen Merna“, lachte Arch.

Jesper blickte zu Luitgard rüber die ihre Waffe sehr ungeschickt hielt und sie bei jedem einzelnen Schuss tatsächlich ein wenig nach vorne stieß – normalerweise feuerte sie immer drei Sekunden, nachdem der betreffende Ghul schon vorbeigelaufen war.

`Das Gegenteil von Damir – sie ist ein Pazifist´, kam es Jesper in den Sinn und machte die Kleine direkt noch eine Nummer sympathischer.

Trotzdem war sie wirklich ein hoffnungsloser Fall, und war offensichtlich verängstigt. Ihre Nasenflügel bebten wie die Schwingen eines Kolibris, so hatte sie sich das Abenteuer sicher nicht vorgestellt. Ihr ging es einfach um eine Entdeckungsmission. Dennoch war sie den anderen nicht von der Seite gewichen – Loyalität. Jesper schirmte gemeinsam mit Damir die beiden Frauen ab.

„Scheiße, wirkliche riesige, gewaltige Scheiße. Malvyro, hast Du irgendeine Möglichkeit mit Camiglir zu verhandeln oder erstmal in Kontakt zu treten?“, fragte Dunwin hoffnungsvoll. Malvyro überlegte einen Moment.
„Nein Mr. Dunwin“, antwortete der Alb und reichte es Dunwin. „Machen Sie sich keine großen Hoffnungen. Sire Camiglir ist nicht gerade von der zuträglichen Sorte. Er wird Sie weder anhören noch auf Sie hören“, warf Malvyro ein, während er mit einem Tentakel einen heranstürmenden Ghul wegpeitschte, dass dieser gegen die gegenüberliegende Wand schmetterte und verrenkt am Boden liegen blieb.

„Warte mal Malvyro“, sagte Dunwin, „sagtest Du gerade keine Möglichkeit für uns?“, fragte Dunwin.
„Das sagte ich“, bestätigte der Alb, und schoss knapp über Dunwins Kopf auf eine weitere sehr kleine Kreatur, die auf seltsamen durchsichtigen Schwingen heran gesegelt war. Dunwin schielte nach oben und starrte ob seine Stirn ein Loch hatte.

Archibald hob grinsend den Daumen, als Zeichen dafĂĽr das alles in Ordnung war.

„Welche Möglichkeiten gäbe es denn, die uns normal Sterblichen nicht zu Verfügung stehen aber für Wesen wie Dich?“, hakte Dunwin nach.
„Die Belüftungsschächte Mr. Dunwin. Es ist wie ein eigenes Wegesystem. Sie führen überall hin. Wobei… “, grübelte Malvyro und schaute nach oben.
„Wobei was?“, fragte Dunwin nach.

Malvyro antwortete ihm nicht, sondern dröselte sich binnen Sekunden auf, schoss in die Höhe und verschwand im besagten Belüftungsschacht.

„Da kraucht er dahin. Du hast ihn auf die Idee gebracht die Beine in die Hand zu nehmen, wobei er als Bandwurm keine Beine hat“, sagte Archibald und starrte Malvyro hinterher.

Keine Minuten später tauchte der angebliche Flüchtling aber wieder auf und ließ sich durch den Luftschacht zurück zu Dunwin sinken ehe er seine menschliche Form wieder annahm.

„Da ist unser Würmli wieder“, grinste Harro.

„Passt. Wir haben doch einen Fluchtweg. Die Luftschächte, da passen Sie durch. Ich hab es getestet und oben menschliche Gestalt angenommen“, sagte Malvyro freundlich und deutete nach oben.

„Kriechen wir bis zu Camiglir oder welchen Fluchtweg hast Du geplant?“, fragte Dunwin.
„Nein bis zur Brutkammer. Die Brutkammer ist ein sicherer Bereich. Wollen wir?“, fragte Malvyro höflich und machte eine einladende Geste.

„Haben wir eine andere Wahl?“, fragte Dunwin und reichte ihm die Hand.

Malvyro grinste ihn breit an. Der Alb dröselte sich auf und verschwand in dem Belüftungsschacht. Als er oben im Schacht Position bezogen hatte, grabschte er Dunwin mit einem Tentakel um die Hüfte und zerrte ihn als ersten hoch in den Schacht. Mit hängenden Armen und Beinen wurde Dunwin in die Höhe gehievt. Sein Blick sprach Bände.
Besonders gefallen schien ihm die Prozedur nicht. Die Gruppe konnte nicht anders als bei dem Anblick los zu prusten.

„Der Chef hängt nur rum!“, beschwerte sich Chirag gespielt empört.
„Dunwin hat gerade einen Durchhänger“, lachte Alrun und winkte ihm zu.

„Quatsch“, sagte Canan und warf ihm Küsschen zu, sprang in die Höhe und klammerte sich an Dunwin fest.
„Hallo Liebling“, schnurrte sie.

Dunwin machte den SpaĂź mit und winkte zurĂĽck, bevor er gemeinsam mit Canan im Schacht verschwand.

„Sagt was ihr wollt, aber das hat was extrem Unheimliches“, erklärte Merna und musste ebenfalls auf einen herannahenden Feind feuern, als sich ein Tentakel fest um ihre Hüfte schlang, sie umwickelt und in die Höhe gerissen wurde.

„OH MEIN GOTT!“, brüllte sie erschrocken auf, „hat der Kerl schon mal was von vorwarnen oder fragen gehört?“, beschwerte sie sich in der Luft baumelnd.
„Entspann Dich…“, schnarrte und lachte Malvyro mit einer seltsam verzerrten Stimme.
„Hör auf ich bekomm ein Schleudertrauma! Lass mich los Du Miststück“, brüllte Merna wütend.

Der Tentakel löste sich und Merna stürzte einige Meter in die Tiefe, ehe er sie abfing.

„Nun… ich denke ich soll doch nicht loslassen“, kicherte er und zog sie in den Schacht.

Minuten später waren alle oben im Belüftungsschacht.

„Mir nach“, schnarrte Malvyro und schoss davon.
„Super von allen Würmern müssen wir einen Raketenwurm abbekommen. Das das klar war, war logisch oder? Wir werden ihm nie folgen können und elendig im Schacht umkommen“, warf Chirag in die Runde.
„Sei froh dass es kein Raketenwurm ist, die hatten Furz-Antrieb“, lachte Merna.

„So wie Chirag“, lachte Damir.
„Erstickt im Belüftungsschacht – hat irgendwie was ironisches“, prustete Archibald vor Lachen.
„Ja das wäre sowas von klar, dass es uns trifft. Aber ich hab ein viel schlimmeres Problem“, jammerte Jesper.

„Bist Du verletzt?“, fragte Luitgard besorgt nach.
"Nein er ist ein fettes Schwein - er könnte stecken bleiben", antwortete Arch lachend.

„Danke Archibald! Nein, aber ich muss entscheiden ob Archibald vor mir kriechen soll, damit ich ihm im Auge habe – dann guckt er aber auf das Heck von wem anderes, oder hinter mir. Dann sieht er mein Heck aber ich ihn nicht. Wie soll man sowas bitteschön entscheiden? Taktische Heckansichten im Belüftungsschacht hatten wir nicht im Fach Strategie und anderen Schwachsinn“, grummelte Jesper.

„Meine Güte! Das sind Probleme und ich dachte wir hätten hier ein Problem mit tausenden wildgewordenen Bestien. Aber nein! Wie konnte ich nur davon ausgehen. Das Problem heißt wo packen wir den Arsch von Jesper hin, vor oder hinter seinen Liebsten. Wir brauchen eine Lagesondierung“, kicherte Brijesh.

Archibald knuffte Jesper und schickte ihn vor.

„Wisst Ihr woran er mich erinnert?“, fragte Harro.
„Wer der Hintern von Jesper? Nein lass hören“, lachte Damir.

„Blondie! Ich rede von Blondie! Er erinnert mich an einem Dämon“, erklärte Harro. An einer Biegung wartete ihr Führer, schwarz, eine gewaltige Schlange voller Tentakel.
„Dämon?“, fragte Harro herausfordernd.

„Wenn Du mich beleidigen willst, spar es Dir. Hier geht’s runter“, sagte das Wesen und zeigte mit einem Tentakel auf ein Gitter.
„Ich geh vor Ihr kommt nach. Sekunde“, sagte er – ließ sich durch die Gitter gleiten und bezog unten kurz Position. Nachdem er die Lage gesichert hatte, umschlang er mit mehreren Tentakeln das Gitter und riss es aus der Verankerung.

„Sicher!“, rief er nach oben und postierte sich Richtung Tür. Die Gruppe sprang einer nach dem anderen in den Raum herunter. Die Mädels wurden von den Jungs aufgefangen und abgesetzt.

„Das hast Du sehr gut gemacht Malvyro – Danke“, sagte Dunwin und klopfte ihm kurz auf die Schulter. Blondie starrte ihn kurz irritiert an und guckte dann verlegen weg.
„Und wie geht es weiter?“, hakte Cananira nach und lehnte sich zärtlich an ihren Mann an.

„Der Verlauf ist von hier aus auch weiter einfach linear. Von hier aus einfach geradeaus kommen wir in einen Aqua-Bereich – Wasserwesen vermute ich mal wie der Name schon sagt. Ich hoffe in schönen Aquarien und weit weg von uns. Danach kommt bereits dass Haupt- oder Kernlabor. Dann sind wir da. Klingt vermutlich wesentlich einfacher als es ist, denn wer weiß was Camigilr sich in seinen Laboren hält Canan“, antwortete Dunwin.

Chirag ging an einen der Tanks heran, drückte das Gesicht dagegen und schirmte die Augen mit den Händen ab. „Leute die Wesen sehen extrem eklig aus“, teilte er allen mit.
„Das ist nur Dein Gesicht, dass sich im Glas spiegelt Chirag“, sagte Damir und stellte sich genauso daneben und guckte mit.

„Der Anblick reicht mir schon von hier aus – vielen Dank!“, sagte Merna und schüttelte nur den Kopf.
„Zwei Türen die wir gut bewachen können, wollen wir hier nicht eine Pause einlegen, bevor es ans Eingemachte geht?“, fragte Canan.

„Das ist eine sehr gute Idee. Ich kann eine Verschnaufpause gebrauchen. Und wenn wir ehrlich sind, unsere Waffen genauso. Wir sollten unsere Bewaffnung checken und auch unsere Munition.

„Genau – Pause. Setzt Euch in den Mittelgang ich will alle im Sichtfeld haben. Chirag Du sicherst die forderte Tür mit Merna, Damir Du mit Holzi die hintere. Hockt Euch auch, aber Waffen einsatzbereit in diese Richtung Leute“, befahl Dunwin.

Von den meisten war erleichtertes Seufzen zu hören. Die Paare setzten sich nebeneinander. Luitgard wartete ab bis Malvyro sich ebenfalls gesetzt hatte und setzte sich dann mit Alrun zu ihm. Die anderen hocken sich ebenfalls dazu, so dass er mit in der Gruppe saß – ob er nun wollte oder nicht. Es schien ihn zu freuen und gleichzeitig zu verunsichern. Canan schmiegte sich wieder an ihren Mann und legte müde den Kopf auf Dunwins Schulter ab. Liebevoll legte er ihr einen Arm um die Schulter und kraulte sie.

Merna lehnte sich mit der Schulter an Archibald an, schaute kurz rĂĽber und hauchte ihm einen Kuss auf. Ihre Armbrust lag einsatzbereit vor ihr. Arch hatte seine Waffe ebenfalls griffbereit. Kopf an Kopf warteten sie so ab, wachend und pausierend zugleich.

„Wer kuschelt mit mir?“, beschwerte sich Brijesh gespielt.
„Ich würde mich anbieten, aber dann ist hier die Hölle los“, lachte Archibald.

„Das kannst Du glauben. Dann zieh ich da so einen Schnoddrigen aus dem Tank und stopf Dich da rein“, grinste Jesper.
„Sowas würdest Du tun?“, fragte Archibald mit Hundeblick.

„Bei Rumkraulerei schon, Du weißt ja…“, grinste Jesper.
„Nichts was ein Blowjob nicht wieder gut machen würde?“, beendete Archibald den Satz was Jesper und die anderen brüllend auflachen ließ.
„Den Satz meinte ich eigentlich nicht, viel zu gefährlich bei Deiner Kauleiste“, grinste Jesper Archibald breit an.

„Eben“, prustete Chirag.

Sunja rollte sich auf dem Schoss von Damir zusammen und machte es sich gemĂĽtlich.

„Also Harro ich hoffe Malvyro sieht einem Dämon nur ähnlich, weil mir wird gerade sehr sehr unheimlich. Malvyro sag Du bist kein Dämon“, warf Sunja ein.
„Er ist kein Dämon. Und ich denke die meisten Dämonen haben einen realen Hintergrund, so wie Archibald“, sagte Damir und stubste sie zärtlich an.

"Bidde?", fragte Arch total baff.
„Ich bin kein Dämon“, grinste Malvyro.

„Gut dass wir die Sache so schnell klären konnten, danke Herr Malvyro“, lachte Brijesh.
„Sag uns dass Du nicht lügst“, verlangte Damir.

„Ich lüge nicht“, prustete Malvyro. Er zog die Knie an, schlang die Arme um seine Beine und legte den Kopf auf den Knien ab.
„Also wenn Du dabei lachst Malvyro, ist das nicht sehr glaubhaft“, tadelte Alrun feixend.

„Nun sieht meine Person aus wie ein menschenfressendes Monster?“, fragte er unschuldig.
„JA!“, antworteten alle wie aus einem Mund.

„Vorurteile nichts weiter“, sagte Malvyro und machte eine wegwerfende Handbewegung.
„Du hast ein Lagerhaus voller Menschen gegessen!“, sagte Luitgard.

„Du wolltest uns fressen!“, rief Merna rüber.
„Das bildest Du Dir nur ein Merna. Ich musste nur zufällig in die gleiche Richtung“, kicherte Blondie.

„Dann war das nur ein gewaltiges Missverständnis", freute sich Damir.

„Nun wir haben Frieden geschlossen, ich finde da sollte man alte Fehden ruhen lassen. Wir wollen uns doch nun nicht streiten, wer eventuell wen getötet haben könnte – nicht wahr?“, schnarrte Malvyro liebenswürdig.
„Ich habe auch niemanden getötet und gegessen“, sagte Merna.

„Sprach sie und aß ein Schnitzel“, kicherte Malvyro.
„Das ist kein Argument, oder sind Menschen für Dich Schnitzel? Dann bist Du ein Kannibale“, hakte Merna nach um Malvyro aus der Reserve zu locken.

„Nein. Ich bevorzuge den Ausdruck Menschenfresser. Ein Vegetarier muss sich nicht rechtfertigen, also werde ich das als bekennender Karnivore auch nicht“, grinste Malvyro.
"Dem schlieĂźe ich mich an", grinste Arch.

„Menschenfresser… das klingt gruselig. Man sagt Menschen schmecken wie Hähnchen. Stimmt das?“, fragte Sunja.
"Fängt die Diskussion schon wieder an, nein es stimmt nicht!", schnauzte Archibald.

„Weiß nicht, ich habe noch nie ein Hähnchen gegessen“, grinste Malvyro.
"Der war gut", lachte Archibald, was Malvyro noch breiter grinsen lieĂź.

„Grauenvoll“, sagte Merna.
„Nicht für die Hähnchen“, antwortete Malvyro.

„Lasst uns das Thema wechseln ehe es noch zu Streit kommt. Wir haben einen Pakt und müssen zusammenhalten“, bat Sunja. Als sie darüber nachdachte, dass sie sich alle eines Tages als undefinierbares Etwas gegenüberstehen könnten wie Malvyro in seiner zweiten Form, schossen ihr die Tränen in die Augen und ihr wurde schlecht. Sunja stand ruckartig auf und wollte sich verdrücken, wurde aber sofort von Damir gepackt, wieder nach unten gezogen und fest in die Arme genommen.

„Weine nicht Maus, reg Dich nicht auf“, raunte er ihr leise ins Ohr.
„Ich glaub das sind nur meine angespannten Nerven“, sagte Sunja.

„Meine sind auch nicht besser“, munterte Luitgard sie auf und knuffte die kleine Frau.

Mittlerweile verstanden sich die beiden super. Sie beide waren die Küken, Nesthäkchen und Nichtkämpfer der Truppe, sie kamen auch so einfach unglaublich gut klar. Dass es Sunja im Moment nicht gut ging, auch gefühlsmäßig war auch klar. Sie alle waren in einer lebensbedrohlichen Situation und hatten Angst. Und sie war zudem noch schwanger.

Der Raum in dem sie sich zur Zeit aufhielten war trotz der ekligen Tankinhalte wahres Gold wert. Die Pause ebenso. Hier konnten sie endlich etwas Kraft und Ruhe tanken, bevor es sicher in kürzester Zeit wieder auf in den Kampf ging. Sunja wusste die liebe Geste sehr zu schätzen und hatte sich wieder beruhigt.

Langsam kehrte Ruhe in die Gruppe ein und jeder machte es sich so gemütlich wie möglich. Da es die ganze Zeit absolut ruhig und leise in dem Raum blieb, hob Dunwin die Wacheinteilung teilweise auf. Jeder der wollte und konnte, sollte es sich in einer dunklen Ecke gemütlich machen um etwas zu schlafen bevor es weiter ging.

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Re: Das Labor

#16

Beitrag von Dunwins Geist » Sa 19. Mai 2018, 14:23

Lauschiges Plätzchen

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Re: Das Labor

#17

Beitrag von Dunwins Geist » Mi 23. Mai 2018, 16:27

Blockade

Malvyro stand auf, lauschte, witterte und machte sich dann abmarschbereit.

„Wir gehen – jetzt!“, schnarrte er und deutete unmissverständlich zur Tür.
„Wie könnten wir da nein sagen Malvyro, wenn Du uns so lieb bittest“, säuselte Alrun.
„Ich weiß, mir nach“, sagte er und übernahm die Führung.

Ob man ihm folgte oder nicht, schien er nicht zu ĂĽberprĂĽfen. Die Gruppe machte dass sie schleunigst hinterher kam, denn der untote Frostalb war ihr FĂĽhrer und diesen wollten sie nicht gerade verlieren.

„Er scheint wirklich Schwierigkeiten mit unserer Sprache zu haben. So einige Wörter sind ihm total fremd, warten zum Beispiel. Ah und ich wollte noch anmerken, es gibt hier nur einen einzigen wahren Dämon... MICH“, sagte Canan zu Dunwin und ließ ihre haarlosen Augenbrauen hüpfen.

Malvyro blieb stehen, drehte sich abrupt um und richtete sich zur vollen Größe drohend auf, so dass Canan in Kampfhaltung ging. Dann allerdings hörte sie es auch, etwas rannte mit enormer Geschwindigkeit den Gang hinter ihnen entlang.

„Scheiße!“, knurrte Malvyro, „LAUFT!“
„Was hat er gesagt?“, fragte Harro und bezog neben Blondie Posten.

„Scheiße“, antwortete Damir und stellte sich neben Malvyro, „wer oder was?“, fragte er nach.
„Bararchin – ein Kollege“, erklärte Blondie gerade noch, als ein Frostalb um die Ecke schoss, der die Körperform eines Bullterriers besaß.

„Scheiße die zweite“, fluchte Malvyro sprang in die Luft und warf sich herum, während "der Kollege" zeitgleich in der Luft einen Salto vollführte und mit einem Donnern auf dem Stahlboden aufsetzte.

Er bezog Kampfhaltung und musterte sie kurz. Zur gleichen Zeit schleuderte Blondie seine Kluster nach den Gruppenmitgliedern und riss diese einzeln binnen Sekunden hinter sich und lieĂź sie unsanft auf den Boden scheppern, da er jeden einzelnen packen musste und keine Zeit verschwenden wollte.

„Was soll das? Ich bin hier höchster Sicherheitschef, gib umgehend den Weg frei!“, fauchte Malvyro.

Der fremde Frostalb starrte ihn nur aus flammenden Augen an, während sich hinter ihm eine Tür öffnete und einen Pulk Soldaten in den Flur einmarschierten.

Bararchin ließ die Soldaten nach vorne passieren, ehe er wieder den Weg blockierte. Keiner reagierte, weder der fremde Alb noch die Soldaten. Malvyro wartete einen Moment vergebens darauf, dass irgendetwas geschah, während seine Finger nervös zuckten. Dann trat er einen Schritt zurück und zog seine Armbrust.

„Letzte Warnung! Den Weg frei!“, befahl er.

Die Reaktion auf seine Worte fiel anders aus, als er erhofft hatte. Die Menge vor ihnen rückte geschlossen einen Schritt vor, dann löste sich eine einzelne Gestalt aus dem Mob und deutete auf Malvyro selber.

„Wir wollen ihn haben. Wir haben keinen Streit mit Euch. Geht. Wir wollen nur diesen Verräter. Und die beiden Rudelführer aus Eurer Gruppe - Archibald und Dunwin.

Malvyro war einen Augenblick genau wie Dunwin und Archibald ehrlich verblĂĽfft. Dann machte sich Zorn auf seinen ZĂĽgen breit. Mit einem Ruck hob er die Waffe und zielte auf das Gesicht des Burschen vor sich.

„Du bist wahnsinnig oder?“, brüllte er.
„Was glaubst Du wo wir hier sind? Und wen Du vor Dir hast? Gib den Weg frei, oder ich schieße Dich über den Haufen“, schnarrte Malvyro mit schwerem Akzent, da er sich aufregte.

Der Bursche seufzte, schüttelte fast bedauernd den Kopf und machte einen weiteren Schritt auf Malvyro zu. Malvyro drückte sofort ab… und nichts geschah.
Blondie starrte die Armbrust in seiner Hand fassungslos an und drĂĽckte noch einmal ab und noch einmal. Der Bursche vor ihm gab ihm ausreichend Zeit, seiner VerblĂĽffung Herr zu werden. Dann stĂĽrzten sie sich wie auf ein geheimes Kommando auf sie.

Zwei warfen sich auf Dunwin, vier auf Malvyro und jeweils zwei auf Damir und Harro, während der Rest gekonnt damit beschäftigt war sich im engen Flur selbst zu behindern.

Dass die Angreifer die beiden „Normalos“ unterschätzten, war ein Fehler, den zumindest zwei von ihnen sofort bitter bereuten. Damir riss sein Nahkampfmesser heraus. Er empfing den ersten mit einem Stoß des Ellenbogens, der ihn die Hälfte seiner Zähne kostete und ihn mit einem gurgelnden Schrei zurücktaumeln ließ.

In der gleichen Bewegung wirbelte die Hand herum und schlug einem zweiten Kerl die Armbrust brutal aus den Händen. Damir sprang nach vorn, fegte einem dritten Angreifer die Beine unter dem Körper weg und versuchte die Kehle des Mannes zu treffen, als er stolperte.

Sein Hieb ging ins Leere. Er strauchelte, vom Schwung seiner eigenen Bewegung mitgerissen und versuchte mit einem raschen Schritt das Gleichgewicht wiederzufinden. Er wäre vermutlich trotzdem gestürzt, wäre nicht einer der Angreifer so dumm gewesen, nach seinem Messer zu grabschen, um ihm die Waffe aus der Hand zu reißen.

Sein Fehler kostete ihn drei Finger, und der plötzliche Ruck half Damir, seine Balance wiederzuerlangen. Mit einem Tritt schleuderte er den Mann zu Boden, schmetterte einem anderen die Handkante ins Gesicht und hatte sich für einen Moment Luft verschafft. Es sah nicht gut aus.

Schon nach kurzer Zeit ähnelte der Gang einem Schlachtfeld. Ein halbes Dutzend Männer lagen verwundet oder sterbend am Boden, aber die Übermacht war einfach erdrückend.

Harro hatte seine beiden Gegner niedergeschlagen und stand mit gespreizten Beinen und leicht vorgebeugtem Oberkörper da. Malvyro hatte endlich eingesehen, dass seine Armbrust nicht funktionierte und zog sie dem Sprecher mit brachialer Gewalt über den Schädel.

An jedem seiner Arme hingen jetzt gleich drei der Burschen und versuchten ihn zu Boden zu zerren, zwei weitere stießen mit Blitzstäben nach ihm. Malvyros wild austeilende Tentakel hielten sie noch auf Distanz. Aber früher oder später würde einer von ihnen einfach Glück haben und ihm eins mit dem Blitzstab verpassen.

Die nächste Attacke trugen die Angreifer sowohl entschlossener als auch klüger vor. Gleich zwei Burschen mit langen Blitzstäben drangen auf Harro ein. Mit einer blitzschnellen Hieb- und Stichkombination seines Messers trieb Harro die beiden auf Distanz zurück, traf sie aber nicht. Dafür musste er selbst einen Treffer des Blitzstabes in Kauf nehmen. Die Wucht ließ ihn aufstöhnen. Mit einem Konterschlag kappte er die Waffe am Heft und zerstörte so den Stab.

Die beiden Kerle griffen erneut an. Harro sprang zur Seite, spĂĽrte instinktiv die Gefahr hinter sich und lieĂź sich mit einer halben Drehung auf das linke Knie fallen. Ein halber Meter Stahl zischte so dicht ĂĽber seinen Kopf hinweg, dass er den Luftzug spĂĽren konnte, aber fast im gleichen Augenblick traf sein Messer auch das Schienbein des Mannes, der ihn angegriffen hatte.

Der Bursche brach mit einem gellenden Schrei zusammen. Harro warf sich zur Seite, als der Mann ihn unter sich zu begraben drohte, kam mit einer Rolle wieder auf die FĂĽĂźe und riss gleichzeitig dessen Armbrust an sich.

„Malvyro!“, schrie Harro und warf.

Malvyro stieß einen Mann von sich, der mit einem dreizinkigen Blitzstab nach dessen Gesicht stoßen wollte, riss einen Kluster hoch, griff nach der Armbrust die ihm Harro herüber geworfen hatte. Er fing sie auf, musste aber im gleichen Augenblick einen Messertreffer hinnehmen und der Boden unter ihm färbte sich mit einigen Kleksen seines schwarzen Blutes.

Der Angreifer fand nicht viel Zeit, sich an seinem Erfolg zu freuen denn Malvyro rammte ihm die Armbrust brutal in die Fresse und zog den Abzug. Malvyro hatte den Kerl fast im gleichen Moment getötet, wo er die Armbrust umgriffen hatte. Harro wandte seine Aufmerksamkeit wieder seinen eigenen Gegnern zu.

Die Burschen begannen allmählich, eine gewisse Taktik zu entwickeln, die Harro nicht besonders gut gefiel. Immer zwei von ihnen griffen absolut gleichzeitig an, während der dritte ein wenig später nachsetzte, so dass Harro immer mindestens ein Treffer einstecken musste. Noch war er nicht schwer verletzt, aber es gab keinen Muskel seines Körpers, der nicht schmerzte.

Malvyro war bereits verwundet. Erneut wurde auch Damir in die Mangel genommen. Als die beiden Männer das nächste Mal heranstürmten, schlug Damir nicht nach ihren Messern, sondern sprang in die Höhe, drehte sich um die eigene Achse und trat mit aller Gewalt zu.

Sein FuĂź zerschmetterte den Unterkiefer des einen Kerls, gleichzeitig kam er wieder auf die FĂĽĂźe und stach mit der Messerhand zu und streckte den zweiten Angreifer nieder. Der dritte zog sich hastig aus dem Bereich von Damir zurĂĽck. Wieder hatte sich Damir eine Atempause verschafft.

Die Situation wurde immer brenzliger.

Die Tür hinter Bararchin öffnete sich erneut. Obwohl Malvyro, Harro und Damir etliche Gegner ausgeschaltet und umgebracht hatten, wuchs jetzt die Zahl der Angreifer noch. Die Männer hatten Verstärkung bekommen.

Einen Sicherheitschef, der zum Sicherheitsproblem wurde, lieĂźen Camiglir und seine Riege sicher nicht lebend entkommen, schoss es jetzt Dunwin durch den Kopf.

Harro, Damir und Malvyro schirmten ihre Gruppe perfekt ab. Nur vereinzelt gelang einem schwerverletzten Angreifer überhaupt hinter sie zu kommen, aber diese Burschen waren dann schon längst keine ernstzunehmende Bedrohung mehr.

Alrun hatte sich der Aufgabe angenommen diese kurz und schmerzlos einfach abzuknallen. Der Feind wollte es so, der Feind bekam es so – richtig mit der groben Kelle.

Mit raschem Blick ĂĽberzeugte sich Dunwin, dass Malvyro weiterhin allein zurecht kam und sprang an die Seite von Harro. Harro blutete aus einem Dutzend kleinerer Wunden. Er wankte. Sein Atem ging schnell und stoĂźweise. Er schlug heftig mit dem Messer um sich, ohne allerdings zu treffen.

Malvyro schaffte ihm zwei seiner Gegner vom Hals indem er sie mit Klustern grabschte und erdrosselte. Er musste sich allerdings dann mit einem hastigen Sprung selbst in Sicherheit bringen, denn Harro drosch blindlings auf alles ein, was sich bewegte.

Damir schleuderte einen dritten Mann durch einen Tritt zu Boden und zerrte Harro ein StĂĽck mit sich auf Blondie zu.
Damir beschloss das Risiko einzugehen und Harro einen Moment allein zu lassen. Er eilte zu Malvyro und stieß einen der Burschen, die einen Tentakel hielten, seinen Klingenarm in den Rücken. Der andere Bursche drehte sich zu Damir mit wütendem Knurren um und beging den tödlichen Fehler, Malvyro loszulassen.

Aber die verbliebene Übermacht war immer noch erdrückend. Damir kämpfte wie besessen. Je mehr er abstach und aufschlitze, je mehr schienen es zu werden. Mittlerweile ebenfalls keuchend sah er sich um. Der Flur glich einem Schlachthaus. Zahlreiche Männer langen tot auf dem Boden.

„Offizier in Not! Wir brauchen Hilfe. Offizier in Not! Wir erbitten Hilfe im Zugangsbereich des Hotzone-Labors 1, Sicherheitsteam?“, plärrte einer der Soldaten in ein Gerät in der Flurwand.

„Verdammt noch mal hältst Du wohl das Maul?“, geiferte Damir und stach den Kerl mit seinem Messer ab, wehrte sich gleichzeitig gegen einen weiteren Angriff und sah sich erneut wild um.

"Wir brauchen einen Fluchtweg“, rief er Malvyro zu.
„Geradeaus“, sagte die Schlangenkreatur und zeigte mit einem Tentakel in die Richtung.

Die Geste sah mehr als komisch aus, so dass Damir trotz der Umstände lachen musste. Malvyro kicherte ebenso auf, als er auf seinen Tentakel guckte.

„Da steht aber Bararchin!“, wandte Harro ein.
„Sag bloß“, warf Damir ein.
„Warum er da wohl steht was?“, schnarrte Malvyro.

Der Angriff der Gegner verlor an Schwung. Noch immer zuckten Waffen nach ihnen, aber die Angreifer beschränkten sich jetzt darauf, sie in Atem zu halten. Keiner kam ihnen nahe genug um sie zu treffen oder zu verletzen.

„Sie haben endlich genug“, keuchte Harro und lehnte sich an Malvyro an.

Malvyro lehnte sich gegen ihn und legte ihm freundschaftlich einen Tentakel um die Schulter, so dass nun Dunwin losbrĂĽllen musste vor Lachen bei dem Bild das sich ihm bot.

„Nein, da stimmt etwas nicht“, entgegnete Damir schweratmend.

Er hatte Recht. Als wäre seine Bemerkung ein Stichwort gewesen, zogen sich die Angreifer plötzlich ein gutes Stück zurück und gaben eine Gasse frei. Vor Harro, Damir und Malvyro stand ein seltsames Wesen. Fast 3 Meter hoch und mit gewaltigen, stählernen Klauen starrten sie den Fleischbrocken an. Damir erstarrte für einen Moment. Er hatte von diesen Wesen gehört, aber gesehen hatte er sie nie persönlich. Geschweige denn gegen eines von ihnen gekämpft.

„Wo in aller Welt haben die einen Golem her?“, fragte Damir blass und dass für einen Rakshaner, was Harro noch blasser werden ließ. Damir war niemand der sonst blass wurde.
„Du hast vielleicht Sorgen, frag die doch. Mir selbst unbekannt dass wir einen besitzen“, schnarrte Malvyro besorgt.

Harro wurde noch stiller. Dieses Wesen besorgt zu sehen – wie immer Malvyro es auch schaffte in der Form eines Mega-Bandwurms sorgenvoll zu schauen – ließ Harro frösteln. Er hörte kaum mehr hin, was die beiden besprachen.

Merna stand genau hinter den drei Kerlen. Ihr war etwas aufgefallen, von dem sie nicht einmal wusste, ob es etwas bedeutete. Einer der Männer hatte sich jetzt zu dem Golem umgedreht und starrte das Ding an. Seine linke Hand lag auf einem kleinen Kästchen an seinem Gürtel. Es sah aus… ja es sah wirklich so aus, als spräche er mit der Kreatur, dachte Merna verstört.

Aber das war nicht möglich, die Chips war erloschen, oder wie kontrollierte man einen Golem?

„Passt auf seine Krallen auf. Wenn wir alle zusammenhalten und gleichzeitig angreifen, haben einige von uns eine Überlebenschance“, sagte Damir und ging in Kampfpose.
„Was???“, rief Sunja von hinten total aufgelöst.
„NEIN!!! Vergiss es! Wir müssen versuchen seine Beine zu erwischen. Wenn wir ihm die Beine abreißen ist es harmlos“, befahl Malvyro.

„Hört auf den Mann… Egel… Wurm… Frostalb... Ghul... was auch immer...“, rief Luitgard.

Malvyro drehte sich in Zeitlupe zu ihr um, legte den Kopf schief – schaute sie einen Moment kopfschüttelnd an und wandte sich wieder den Feinden zu. Soweit die Theorie. Die Praxis sah komplett anders aus.

Damir stieß einen markerschütternden Schrei aus, rannte die vor ihm stehenden Männer einfach über den Haufen und stürzte sich mit erhobenem Messer auf den Golem.

Es dröhnte, als würde ein Hammer auf Metall geschlagen, als sein Messer auf den Schädel des Golems krachte. Der Hieb hätte ausgereicht um einen erwachsenen Ochsen in zwei Hälften zu spalten und auf der Stelle zu töten. Der Golem schien den Schlag nicht mal zu spüren. Seine fürchterlichen Fingerklingen schnappten zusammen und aus Damirs Kampfgebrüll wurde ein erschreckendes Kreischen. Blitzartig zog er Beine und Kopf ein, um so wenig Angriffsfläche wie möglich zu biete. Leider hatte Damir davon aber immer noch viel zu viel.

Der Golem bewegte zornig die Krallen hin und her und Harro hörte wie die Rippen von Damir Mäusehirn zu knirschen begannen.

„Wir müssen ihm helfen!“, schrie Alrun und drängte sich nach vorne zu Harro und Malvyro.
„Nimm die andere Gestalt an, sonst haben wir keinen Platz Malv“, sagte Merna mit schiefen Kampfgrinsen.

Der Frostalb nickte und verwandelte sich sofort in seine albische Kampfform mit Klusterfaden. Er grinste zurĂĽck und nickte Merna zustimmend zu.

„Los“, brüllte Malvyro.

Nebeneinander stürmten sie los, aber sie erreichten den Golem nicht, denn in dem Moment griffen die Soldaten wieder an. Obwohl Damirs Ausfall sie schwächte, trieben sie die Soldaten mit Mernas Hilfe im allerersten Moment zurück.

Allerdings nicht für sehr lange. Sie hatten zu nachdrücklich bewiesen, wie gut sie in der Lage waren, sich ihrer Haut zu wehren, so dass niemand mehr versuchte sie wirklich zu treffen. Die Burschen beschränkten sich darauf, die beiden Menschen und den untoten Frostalb, der einst ihr Kollege war, aufzuhalten. Im Übrigen bauten sie darauf, dass ihr Golem den Hauptteil der Arbeit für sie erledigen würde und die drei Feinde abschlachtete. Allen voran Malvyro, ihren ehemaligen Sicherheitschef.

Alrun brachte inmitten eines wüsten Hagels von Schlägen das Kunststück fertig, einen Blick auf Damir und den Golem zu werfen. Was sie sah, sah nicht gut aus und ließ sie zusammenzucken. Der Golem hielt Damir noch immer im Zangengriff gepackt und schüttelte ihn wild. Scheinbar legte er alle Kraft in die Hände um Damir zu zerquetschen.

Merna wusste was für ein harter Brocken Damir war. Sie wusste was er schon auf ihrer Reise eingesteckt hatte, und was er sonst wohl mitgemacht haben musste. Aber die Kräfte des Golems mussten gewaltig und unvorstellbar sein. Damir war nur damit beschäftigt sich festzukrallen und den Körper anzuspannen, aber Blut lief ihm aus dem Mund und Alrun versuchte seinen Blick zu suchen. Es ging nicht.

In ein paar Augenblicken würde der Golem Damir getötet haben.
Das lieĂź sie nicht zu.

„So nicht!“, donnerte sie. Merna verschaffte sich mit einem wütenden Hieb Luft und sprang mit einem Salto über den Kopf eines verblüfften Soldaten hinweg. Dann fuhr sie herum und sah sich drei weiteren Gegnern gegenüber – und dem Mann den sie gesucht hatte.Schlagartig wurden die Hälse von den Burschen von Klusterfasern umwickelt und Malvyro zog sie strangulierend zu.

„Zurück Malvyrony!!! Mitte MEINER – frag nicht!“, brüllte sie ihrem Kampfgefährten zu und Blondie ließ den benannten Typen sofort los, während er die anderen tötete.

„Malvyrony? Oha, darf sie das?“, fragte Harro.
„Freunde dürfen. Guck nach vorne“, schnarrte Malvyro belustigt.
„Zu Befehl… Malvyrony“, grinste Harro und Blondie grinste zurück.

Merna machte eine Bewegung aus dem Handgelenk und schlug einen Mann nieder, fast ohne es zu bemerken und starrte dabei immer noch ihre „Zielperson“ an.

„Nur Du und ich?“, bot sie an.

Im allerersten Moment schien ihr Gegenüber ehrlich verblüfft zu sein, aber dann reagierte der Mann genauso sie Merna gehofft hatte. In seinen Augen flammte es spöttisch auf. Mit einer Handbewegung scheuchte er die anderen Männer zurück und hob gleichzeitig seine Waffe.

„Du weißt nicht worauf Du Dich einlässt“, lachte er. Merna zuckte nicht einmal mit der Wimper. Irritiert versuchte er es erneut.
„Aber bitte, ganz wie Du es willst Mädchen“, prahlte er und griff an.

Schon die allerersten Bewegungen verrieten Merna dass er ein ebenbürtiger Gegner war. Ein ganzer Hagel von Hieben und Stichen prasselte auf sie ein und ließ sie ein Stück zurücktaumeln. Er hätte sie mit dem zweiten oder dritten Hieb erledigen können, hätte er es gewollt. Aber er wollte nicht. Stattdessen gefiel er sich darin, Katz und Maus mit ihr zu spielen. Sich als großer Krieger von den Kollegen zu brüsten. Blitzartig hatte er ihr zwei blutige Schnitte auf beiden Handrücken zugefügt.

Merna sprang mit einem Keuchen zurück und betrachtete verblüfft ihre Hände. Sie hatte nicht einmal gespürt, dass er sie getroffen hatte.

"Merna?!?", fragte Arch.
"Bleib weg", rief sie nach hinten.

Der Bursche grinste und wechselte spielerisch das Messer von der rechten in die linke Hand.

„Ohhhhhh Kleines… überrascht? Dabei hab ich noch gar nicht richtig angefangen“, feixte er und machte einen Ausfall, dem Merna mit Mühe und Not entging. Dabei lachte er überheblich.

`Also doch – Fehleinschätzung von dem Kerl´, dachte Merna. Dummerweise nützte ihr diese Erkenntnis nun auch nichts mehr.

Ein Schatten flog ĂĽber sie hinweg, kam wie eine Katze auf, trat im gleichen Augenblick knochenbrechend zu und schleuderte den Feind mit einer einzigen Bewegung ĂĽber den ganzen Gang gegen die gegenĂĽberliegende Wand. Krachend schlug der Kerl eine Delle in die Stahlverkleidung und blieb inmitten eines Hagels aus niederstĂĽrzenden DeckentrĂĽmmern und Staub liegen. Er regte sich nicht mehr.

Archibald richtete sich in Zeitlupe auf, ging einige Schritte zurĂĽck und musterte Merna grimmig.

„Katz und Maus ist unser Spiel. Ich bin da was eigen meine Partner zu teilen“, zischte er belustigt.
„Entschuldige Arch, ich pass besser auf. Zukünftig weiß ich Bescheid, wenn mich einer abmurksen darf - dann nur Du“, knurrte Merna.
„Geht doch“, grinste Archibald zähnefletschend.
„Ja Danke, aber ich brauchte das Kästchen an seinem Gürtel! Hol es Deiner Frau“, befahl Merna grinsend.

„Wenn Du mich so lieb bittest“, gibbelte Arch und duckte sich unter dem Hieb eines Angreifers weg.

Er tat so, als wolle er nach links ausweichen, und machte dann einen blitzschnellen Schritt in die entgegengesetzte Richtung. Der Gegner fiel drauf herein, und Arch kontere mit seinem Gegenschlag, der die Deckung des Soldaten fast mĂĽhelos durchbrach und ihn von der HĂĽfte bis zur Achsel aufschlitzte. Merna glitt in einer Blutlache aus und fiel auf den RĂĽcken.

"Verfluchte ScheiĂźe, Arch!", keuchte sie.

Sofort war ein Soldat über ihr und setzte ihr eine Messerklinge an die Kehle. Sie versuchte vergeblich, den Kopf zurückzubiegen, um der rasiermesserscharfen Klinge auszuweichen. Einen winzigen Augenblick später spürte sie einen Luftzug und Blut lief warm und klebrigen über ihren Hals. Der kopflose Torso des Soldaten stürzte neben sie.

"Steh auf!", befahl Archibald und zerrte sie auf die FĂĽĂźe.

Kaum das Merna stand sah sie, dass es Damir gelungen war sich aus dem Griff des Golems zu entwinden und das Mäusehirn Fersengeld gab. Der Golem setzte sich mit staksigen, mühsam aussehenden Schritten in Bewegung um Damir nachzusetzen.

Eine Sekunde später ritzte eine Klinge Archibalds Kehle, Arch roch das eigene Blut auf der Klinge des Soldaten und knurrte hasserfüllt auf. Weder konnte er den Kerl totschlagen, dass würde ihm die Klinge in den Hals treiben, noch konnte er sich herumreißen, dass würde ihm die Klinge über die Kehle ziehen.

Hilflos leckte er sich über die scharfen Zähne.
Der Mann trat einen Schritt zurĂĽck und machte eine auffordernde Bewegung mit der freien Hand.

„Keine falsche Bewegung“, ranzte er Archibald an.

Die Kameradschaft die in der Truppe vorherrschte und sogar den Neuling ihren alten Boss einschloss wollte er gegen die Gruppe verwenden und sie zur Aufgabe erpressen. Das würde ihm eine satte Belohnung eintragen. Archibald betete zu allen ihm bekannten Ältesten – die Unbekannten schloss er vorsichtshalber gleich mit in sein Stoßgebet ein – dass jede seiner Bewegungen jetzt richtig ablaufen würde.

Die Klingenspitze an seinem Hals folgte ihm und der Druck ließ keinen Moment nach während er sich ganz aufrichtete.

„Vielleicht lasse ich ihn am Leben, wenn Ihr kapituliert“, sagte der Bursche.
„Das wäre nett“, antwortete Archibald zuckersüß, lächelte und ließ sich in die Messerklinge fallen.

Damit hatte der Kerl überhaupt nicht gerechnet. Im allerletzten Moment drehte Arch Kopf und Oberkörper zur Seite. Das Messer schnitt fingertief in seinen Hals, ohne jedoch eine lebenswichtige Ader zu treffen, rutschte ab und durchbohrte seine Schulter unter dem Schlüsselbein.

Arch knurrte vor Schmerz auf, als die Klinge in seinem RĂĽcken wieder austrat, aber gleichzeitig packte er den Arm des Angreifers und brach ihm mit einem einzigen Doppelhieb das Handgelenk und den Ellenbogen.

Der Kerl brüllte auf und mit einem Satz war Jesper bei ihm. Jesper rammte ihm das Knie zwischen die Beine, versetzte ihm einen brutalen Hieb zwischen die Schulterblätter und riss das Knie zum zweiten Mal mit noch brachialerer Gewalt in die Höhe, als wollte er ihm die Eier in den Hals kicken.

Archibald und der Feind brachen gleichzeitig zusammen. Arch sank auf die Knie, klammerte sich hilfesuchend an Jesper fest und kämpfte mit aller Macht darum nicht das Bewusstsein zu verlieren. Van Verling umschlang ihn sofort mit beiden Armen und hielt ihn so fest.

Arch schaute ihn verwundert an. Einen Moment blickte er überall hin, nur nicht in Jespers Augen. Er hatte Angst davor, was er darin finden konnte. Dann schaute er doch auf. Da war etwas dass er sonst nicht sehen wollte... Vertrauen… Freundschaft... Liebe. In dem Moment war Arch Jesper sehr dankbar dafür.

Archibald hob die Hand zum Messer, das immer noch in seiner Schulter steckte. Ihr war ĂĽbel, er hatte entsetzliche Angst, aber er wollte es tun solange er noch die Kraft dazu hatte.

Der Schmerz, mit dem die Klinge seine Schulter durchbohrt hatte, war grauenhaft.
Der Schmerz, mit dem er die Klinge wieder herauszog, war unvorstellbar.

Er musste für einen Moment das Bewusstsein verloren haben, denn das nächste was er sah war Jespers besorgtes Gesicht auf sich herab starren. Dann blickte er in Sunjas Augen. Er rollte irgendwie zur Seite – er erinnerte sich schon nicht mehr warum. Arch sah eine rasch größer werdende Lache seines eigenen Blutes.

Es konnten doch nur ganz wenige Augenblicke vergangen sein. Rings um ihn herum tobte der Kampf mit unverminderter Heftigkeit weiter. Seinen Platz hatte Brijesh eingenommen. Ausgeruht und kampferfahren dezimierte er die Gegner brutal.

Arch lag zitternd am Boden, als kaum eine Handbreit neben ihm ein Feind auf den Boden gedonnert wurde. Es war das Gesicht des Mannes, der ihn niedergestreckt hatte. Um seinen Hals gewickelt einer von Malvyros Tentakeln. Wie eine WĂĽrgeschlange zog sich dieser zu. Die Augen des Kerls wurden trĂĽbe vor Schmerzen, aber er war nach wie vor bei Bewusstsein.

„Das war nicht besonders fair von Dir“, murmelte er aus gequetschter Kehle.

Er setzte erneut an etwas zu sagen, aber der Klusterfaden zog sich noch strammer zu. Blut lief dem Kerl aus seinem Mund, seiner Nase, seinen Ohren und sogar aus den Augen als die feinen Gefäße darin durch die knallharte Strangulation platzten.

„Wer hat je behauptet, dass wir fair sind Du Idiot?“, keuchte Archibald leise.
Malvyro brach dem Kerl mit einem wĂĽtenden Zucken des Tentakels das Genick.

„Das Kästchen… da, gib es Arch“, zeigte Merna auf den Gürtel des Kerl. Er hatte es wohl aufgehoben und sich angesteckt. Sunja schaute sie an.

„Dass dort?“, fragte die kleine Frau und zog es dem Toten vom Gürtel.
„Was ist das?“, fragte Sunja nach und hielt es Archibald hin.

Arch nahm es entgegen und schaute es blinzelnd an.
„Der Mann… redet mit Golem… über… Kästchen… ma… mach… es kap…“, stöhnte Arch mit letzter Kraft und sank dann in Ohnmacht.

„Zerstör es“, sagte die Gruppe wie aus einem Mund.

Dunwin packte es mit beiden Händen und zerschmetterte es. Einen Augenblick später wuchtete er sich Archibald auf die Schulter. Im selben Moment brach in dem Flur die Hölle los, und die Gruppe durchbrach durch glückliche Fügung Bararchin Blockade.

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Re: Das Labor

#18

Beitrag von Dunwins Geist » So 17. Jun 2018, 14:30

Danach

Ihr Kopf pendelte zur Seite und sie blickte auf einen gewaltigen, veralgten Wassertank in dem eine riesige Kreatur seine Bahnen zog. Der Raum war kreisrund, glich einer Höhle und hatte nur eine Zugangstür. Die Tür fest im Blick saß die Gruppe in dem Raum und hatte sich hier verbarrikadiert. Gepflegt musste die künstliche Höhle samt Aquarium ein Hingucker sein.

Welche Sektion dies auch immer war, wohin Malvyro sie auf der Flucht auch immer geführt haben mochte, erneut zeigte er seine Loyalität dadurch, dass sie hier wirklich ungestört pausieren konnten soweit dass auf einem Schiff im Ausnahmezustand möglich war.

„Na endlich wieder wach?“, hakte Luitgard nach.
„Wie lange waren wir weg? Oder wie lange sind wir hier?“, fragte Merna.

„Fast 12 Stunden. Ihr habt den Heilschlaf gebraucht. Ihr habt wirklich wie die Löwen für uns alle gekämpft. Dieser Bereich liegt scheinbar so abseits, dass wir nicht mal Kampflärm hören. Sobald ihr fit seid, geht es weiter, aber der Ausgang wird Euch nicht gefallen“, erklärte Luitgard.

„Das ist wahr, der Ausgang wird eine nasse Angelegenheit“, stimmte Sunja zu und kontrollierte die Verbände ihrer Kameraden, ehe sie sich neben Damir legte.
„Wir müssen schwimmen?“, fragte Merna ungläubig.

Malvyro schlenderte auf sie zu und hockte sich neben sie.

„Alles gut?“, fragte er freundlich nach.
„Für den Kampf, für die Unterstützung – Danke Malvy“, sagte Merna aufrichtig und knuffte ihn freundschaftlich.

„Bitte. Ja dass mit dem Schwimmen stimmt. Wir nehmen den Versorgungsschacht des Beckens. Niemand wird vermuten, dass wir diesen Weg nehmen. Denn dahinter beginnt das weiße Viertel wie wir es nennen. Camiglirs persönliche Labore.

Ist eine Ecke zu schwimmen, aber unsere einzige Chance lebend in den Bereich zu gelangen. Auf normalem Flurweg ist das nicht mehr drin. Erhol Dich. Auch wenn Dich einer durchs Wasser zieht, musst Du die Luft anhalten können – und ob Du für nur eine Minute die Luft anhalten kannst – nun ich wag es zu bezweifeln“, lachte Malvyro.

„Hau bloß ab Du Wurmschädel“, lachte Merna und drohte ihm gespielt mit der Faust.
„Bin schon weg“, kicherte Malvyro und machte sich davon.

Dunwin saĂź mit seiner Frau zusammengekuschelt dem Bassin gegenĂĽber, so dass er genau auf die Wasserkreatur blicken konnte. Canan hatte sich ganz an ihn gekuschelt und den Kopf auf seine Schulter gebettet.

„Malvyro komm mal für einen Moment her“, bat Dunwin.
„Sicher Mr. Dunwin“, antwortete Malvyro und nahm neben Dunwin Platz.

Dunwin packte seine letzten Fruchtriegel aus, reichte Canan einen, nahm sich selbst einen und reichte Malvyro ebenfalls einen. Blondie lehnte mit dankbarem Nicken ab.

„Ich vertrage kein Obst, ich benötige Fleisch“, erklärte er.

„Was wirst Du machen, wenn die Sache hier vorbei ist?“, fragte Dunwin offen heraus.
„Früher wollte ich immer zurück nach Hause. Aber ich weiß nicht ob ich über 70 Jahre schlief oder das nur ein Witz war, also bevor Camiglir mich dann fand. Oder ob meine Einheit noch existiert. Vielleicht tut sie das – ich weiß es nicht. Dann würde ich dahin zurückkehren. Ansonsten habe ich keine Ahnung und mir auch keine Gedanken darüber gemacht“, gestand der Alb.

„Die 70 Jahre war eine Verarsche“, warf Damir ein.
„Du hast mir ein Leben für ein Leben geschworen. Wo endet die Loyalität?“, fragte Dunwin.

„Keine Sorge – ich verrate Sie nicht. Ich halte mein Wort, genau wie Sie“, sagte Malvyro.
„Nein, Du hast mich falsch verstanden. Wenn die Sache hier vorbei ist, wärst Du mir dann auch noch loyal gegenüber, wenn ich Dich in meinen Stab aufnehmen würde und dies Deine neue Einheit werden würde?

Ich hätte Dich gerne in meinem Team und als Freund an meiner Seite. Auf Dich ist genauso Verlass wie auf Damir, Bri, Chirag – wie auf alle eben. Du hast an unserer Seite gekämpft selbst nachdem Du zigmal die Chance hattest uns zu verraten. Du hast zu Deinem Wort gestanden.

Also? Was meinst Du? Möchtest Du uns als Deine neue Einheit? Es wäre ein Privileg, ich stelle nur Freunde ein. Mit einigen kommst Du ja bereits gut klar“, grinste Dunwin und Canan verpasste ihm eine gespielte Kopfnuss.

„Nun wie könnte ich da nein sagen. Ich nehme das Angebot sehr gerne an Mr. Dunwin. Ihr Angebot ist schmeichelhaft. Es macht mich aber auch etwas verlegen, dass Sie mich so sehen. Unser Start war nicht gerade der Beste“, antwortete Malvyro gut gelaunt.

„Als Feinde nicht, aber unser Anfang mit dem Pakt war ein guter Anfang für uns beide. Ich sehe das als unseren Anfang“, sagte Dunwin und lehnte sich glücklich und zufrieden an seine Frau.

„Sie sind der Boss – Sie sehen es so, dann sehe ich es auch so“, sagte Malvyro freundlich und machte es sich neben Dunwin bequem.

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Re: Das Labor

#19

Beitrag von Dunwins Geist » So 17. Jun 2018, 19:17

Wasserwelten

Luitgard stellte sich unter Malvyro und schaute etwas hilflos nach oben auf.

„Malvyro? Ich müsste nochmal mit Dir reden? Hallo?“, rief sie etwas verunsichert.

Sie wusste nicht so recht wie sie mit einer Person reden sollte, die kein Gesicht hatte in diesem Zustand. Er dröselte sich von der Decke und nahm menschliche Gestalt an.

„Nur zu“, sagte er freundlich und setzte sich vor Luitgard hin.
„Nun guck mal, solche großen Becken werden normalerweise doch auch gepflegt und gewartet. Aber doch nicht nur innen. Es müsste doch auch ein Boot geben, mit denen man über die Bassins fahren kann. So würde es vielleicht reichen wenn ich schwimme und das Boot hole. Die anderen könnten dann damit auf die andere Seite gelangen. Was hältst Du von der Idee und gibt es überhaupt so ein Boot?“, erkundige sich Soraya.

„Deine Idee ist sehr gut. So ein Futterzieher gibt es. Ähnlich einer Fähre. Er schwimmt oberhalb des Beckens. Weißt Du wie die Dinger funktionieren?“, hakte Malvyro nach.

„Fähren sind übliche Verkehrsmittel. Wie komme ich in das Becken? Zeig mir bitte den Weg“, bat Luitgard freundlich. Malvyro nickte zustimmend. Er zog die seitliche Verkleidung ab um Luitgard den Weg frei zu räumen.

„Sag doch was, wir helfen Dir“, sagte Chirag freundlich und gemeinsam machten sie sich daran die Außendeko vom Becken zu schälen.
„Demontieren tut er gerne“, grinste Damir.

„So kommst Du rein. Schwimm gerade durch. Nach der Passage muss die Fähre mit Ausrüstung kommen. Zur Beckenpflege von dem Ding hier. Halt still, ich lass Dich ins Wasser“, sagte er freundlich und umwickelte Luitgard um die Taille mit einem Klusterfaden.
„Warte eine Sekunde – bitte“, sagte die junge Frau.

Merna beobachtete angespannt die Szene. Sie kannte die Angst von Luitgard, obwohl diese bereits einmal keine Furcht vor Malvyro verspĂĽrt hatte, aber in einem Schlinggriff befand man sich auch nicht alle Tage.

„Sei ja vorsichtig mit ihr!“, mahnte Alrun.
„Halt Dich einfach an mir fest, ich lass Dich nicht fallen keine Sorge“, sagte Malvyro beruhigend und hob

Luitgard ĂĽber den Beckenrand an der Beleuchtung vorbei. Luitgard hielt sich ihrerseits an dem Tentakel fest und schlĂĽpfte dann ins Wasser.

„Pass auf Dich auf darin! Sei vorsichtig Luitgard!“, warnte Canan.
„Keine Angst, das Wesen ist ein Fischfresser. Es hat nur einen kleinen Kopf. Bis gleich haltet Euch bereit!“, antwortete sie, tauchte unter und schwamm der Beckenlänge nach davon. Sie hielt sich an der Wasseroberfläche, bis sie zum besagten Versorgungsschacht kam. Diesen durchschwamm sie im Tauchgang.

Kaum drauĂźen angekommen, tauchte Luitgard auf und entdeckte das kleine Boot. Die Gruppe wĂĽrde es vermutlich tragen. Zur Not mussten die Besten eben schwimmen, aber Platz schien es ausreichend zu bieten.

Luitgard schaute sich die Bedienung genauestens an. Auch die Waffen, welche im Boot lagen, ließ sie nicht links liegen, sondern rüstete sich damit aus. Kaum wieder zurück im Wasser, erhielt sie gleich die Bestätigung für ihre Handlung.

Ein viel zu neugieriger Hai schoss auf die junge Frau zu, schien sich Luitgard genau anschauen zu wollen und rĂĽckte ihr bedenklich nah auf die Pelle. Luitgard feuerte auf den Fisch, allein schon um dem Burschen eine Lektion zu erteilen. Ihre Kollegen mussten gleich ein StĂĽck schwimmen, da konnten sie keinen Hai am Heck gebrauchen.

Ein zwei gut gezielte SchĂĽsse, und der Bursche hatte wirklich die Schnauze voll von ihr. Hastig schwamm Luitgard zurĂĽck zum Eingangsbassin und guckte oben ĂĽber den Beckenrand.

„Die Fähre ist da. Damit werden wir ein großes Stück der Versorgungswege schaffen hoffe ich. Ihr müsst ins Wasser kommen und ein kleines Stück durch einen Schacht schwimmen. Keine Angst, es ist nicht weit. Wenn ich eine Idee unterbreiten darf die Dich betrifft Malvyro, dann hätte ich einen guten Vorschlag“, sagte Luitgard freundlich. Malvyro stimmte direkt mit einem Nicken zu.

„Also alle klettern ins Wasser. Du schwimmst mit mir rüber, nimmst da Deine andere Form an und ziehst die Leute dann zu uns durch den Tunnel. Ginge das?“, fragte Luitgard.

„Das ist mal eine gute Idee. Wer nicht gut schwimmen oder tauchen kann, hat dann keine Probleme. Und nicht jeder kann unter Wasser die Orientierung behalten. Also kannst Du das Malvyro? Ich meine dass musst Du hinbekommen. Rüber schwimmen, umwandeln und uns rüber angeln“, grinste Damir freundlich.

„Kann ich und mach ich“, grinste Malvyro zurück, „wenn Luitgard mich rüber schwimmt“.
„Du kannst nicht schwimmen?“, fragte Damir baff.

„Irgendwie schon. Sagen wir es mal so, ich ersaufe nicht. Aber ich weiß nicht wo ich lang muss. Ich sehe nichts und nach Gehör ist sicher noch niemand geschwommen“, warf Blondie ein.
„Irgendwie schon, ist eine sehr vage Beschreibung. Ich gehe mal davon aus, dass Du kein Seepferdchen hast“, sagte Luitgard grinsend.

„Woher soll ich jetzt ein Seepferdchen haben? Und was soll mir das Vieh nützen?“, grübelte Malvyro laut, was alle losprusten ließ.
„Komm einfach ins Wasser, ich führe Dich rüber. Los Leute kommt keine Zeit zu verlieren“, sagte Luitgard freundlich.

Malvyro hob einen nach dem anderen ins Wasser mit seinen Tentakeln ehe er selber in das riesige Becken kletterte. Er wickelte Luitgard erneut einen Kluster um die Taille und schaute sie auffordernd an.

„Los“, war sein einziger Kommentar.

Luitgard schwamm gemeinsam mit Malvyro zum Boot rĂĽber. Kaum dort angekommen, wurde die Gruppe von Malvyro mit Tentakel gepackt und nachgeholt.

„Super gemacht Ihr beiden“, lobte Canan und drückte Luitgard .
„Also auf ins Boot. Verteilt Euch so, dass alle Platz haben“, befahl Cananira.

Sie schwammen behutsam zum schwankenden Bootsrumpf. Damir und Holzi hielten es fest.

„Das ist Wahnsinn“, keuchte Sunja, „das Boot wird solche Lasten nicht aushalten“.
„Es wird sie aushalten müssen, rein mit Dir – keine Widerrede“, sagte Damir.

Canan beobachtete die Gruppe. Alle waren brav ins Boot geklettert. Sie wartete bis auch Damir und Holzi an Bord geklettert waren, dann zwängte sie sich selbst auf den letzten verbliebenen Platz, direkt neben ihrem Mann.

„Los jetzt“, befahl Dunwin.
„Es wird kentern ich bin mir ganz sicher“, maulte Sunja aufgelöst.
„Mach schon, wir werden es schaffen, ich spüre es“, sagte Canan zuversichtlich.

Luitgard drehte sich um und griff nach einem von drei unterschiedlich großen Hebeln, die vor ihr aus der Bootswand ragten. Ein harter Schlag ging durch das Boot. Dicht unter der Wasseroberfläche zerriss ein Tau mit solcher Wucht, das sein zerfetztes Ende wie eine Schlange aus dem Wasser schoss und in ihre Richtung hieb. Jesper hieb es mehr aus Reflex, denn bewusster Handlung mit dem Kampfmesser zur Seite und rettete ihre Hälse. Zeitgleich schoss das Boot wie ein Pfeil los.

Drinnen in seiner Boots-Verankerung war das Wasser fast still gewesen, die Umrandung hatte die größte Wucht der künstlichen Strömung gebrochen. Hier draußen aber war das winzige Boot den tobenden Gewalten gigantischer Strömungs- und Pumpanlagen hilflos ausgeliefert.

Eine Reihe harter, unglaublich heftiger Schläge traf seinen Rumpf und schüttelte seine Insassen durch. Gischt spritzte meterhoch und überschüttete alle mit eisiger Kälte. Hastig ließen sie die Waffen sinken und klammerten sich an dem dünnen Rumpfmetall fest. Trotzdem hatten sie das Gefühl, jeden Moment im hohen Bogen ins Wasser katapultiert zu werden.

Die Wasserfläche war zudem viel riesiger als angenommen und schien mehrere gewaltige Becken zu verbinden.

Das Schiff bockte und stampfte darüber hinweg wie ein durchgehendes Pferd. Ein tiefes, beinahe schmerzhaft klingendes Ächzen drang aus dem unter Wasser liegenden Teil des Schiffes. Sunja begann zu weinen, Harro begann zu schreien, Chirag und Damir grölten vor Vergnügen, Canan war fast blind. Himmel und Wasser verschwanden hinter einer Mauer aus sprühender weißer Gischt, trotzdem erkannten sie noch, dass es sich mit geradezu phantastischer Geschwindigkeit vom alten Becken entfernte und ins Nichts der anderen Becken zuschoss.

„Ruder, wo sind die Paddel oder Ruder?“, schrie Chirag.
„Der will noch an Geschwindigkeit zulegen?“, fragte Jesper total irritiert.
"Dieser irre Souvagner", murrte Archibald.
„Überhaupt nicht! Ich will das Ding lenken!“, schrie Chirag zurück.

„Halt Dich fest und bete einfach dass die Sicherheitstore offen sind“, warf Malvyro ruhig ein.

Alle Köpfe flogen mit einem Ruck zu ihm herum, alle Augen waren auf Malvyro gerichtet.
„Sicherheitstore?“, brüllte Dunwin und versuchte durch den Schleier aus sprühender Gischt hindurchzusehen.

„Sicherheitstore!“, bestätigte Blondie.

Das Boot bockte und schaukelte immer mehr. Sie konnten die dünnen Spanten unter ihren Körpern ächzen hören. Noch drei, vier dieser entsetzlichen Erschütterungen dachte Dunwin, und dass Schiff würde wirklich zerbrechen. Das Knirschen des überlasteten Rumpfes hörte sich an wie Schmerzensschreie.

Dann fiel ihm auf, dass sie sich nicht mehr in gerader Linie bewegten, sondern eine sehr langgezogene Spirale begonnen hatten. Und er begriff beinahe zu spät, was diese Kursänderung bedeutete…

Das Boot jagte mit der Geschwindigkeit eines Pfeiles in den Strudel hinein, tauchte für eine endlose, schreckliche Sekunde vollends unter und brach schäumend wieder aus dem Wasser hervor.

Für einen ganz kurzen Moment hatte Alrun den Eindruck, zwei gigantische weiße oder graue Dinge zu sehe, die zu beiden Seiten des Rumpfes aus dem Wasser geragt hatten, aber sie hatte die Augen voller Wasser und war viel zu sehr damit beschäftigt, nach Atem zu ringen um richtig hinsehen zu können.

Im nächsten Moment klatschte das Schiff mit einem ungeheuerlichen Schlag ins Wasser zurück, dass sie mit dem Kopf gegen die Bordwand prallte und sekundenlang benommen hocken blieb.

„Die Tore…“, kreischte Chirag.
„Bei den Ältesten!“, fluchte Archibald.
„Sind offen – welch ein Glück!!!“, donnerte Chirag und Archibald starrte ihn mit mörderischem Blick an.
„Ainuwar sei Dank!“, rief Merna.

Der Rand des Beckens lag vor ihnen. Schatten bewegten sich im Wasser auf und ab. Einer Barriere gleich, die zwischen ihnen und ihrer Freiheit lag. Aber das Boot war fĂĽr die Tiere im Wasser zu schnell, und gewann immer noch an Geschwindigkeit.

Jetzt war es an Merna aufzuschreien. Vor ihnen gähnte ein gewaltiges Loch, hoch aufschießend und mit gischtendem Wasser gefüllt. Dahinter lag eine Glocke aus sprühendem Nebel und Donner. Wie paralysiert starrte Dunwin auf die Sicherheitstore. Immer weiter stieg ihre Geschwindigkeit. Die Tore jagten auf sie zu, wuchsen zu einem klaffenden Maul heran und nahm dann scheinbar für Sekunden ihre ganze Welt ein.

Dann waren sie hindurch, und vor ihnen lag nichts mehr als eine halbe Meile Gang gefĂĽllt mit Wasser das so ruhig dalag wie Glas. Dahinter eine Mauer. Gischt und Donner blieben hinter ihnen zurĂĽck.

„BOOT AN SCHLEUSE FESTHALTEN MALVYRO - SOFORT!“, brüllte Dunwin Blondie an, ehe sie an der gegenüberliegenden Wand zerschmettert würden.

Malvyro gehorchte direkt. Seine Haut brach auf, zig Tentakel schlang er um das Boot, die anderen schleuderte er in das geöffnete Schleusentor und bremste sie so mit einem gewaltigen Ruck ab. Immer weiter spannte er die Muskeln an um den Schwung des Bootes abfangen zu können und fletschte vor Anstrengung die Zähne.

„PACK ZU!!! LOS!
GRABSCH ZU WIE DU NOCH NIE ZUGEGRIFFEN HAST!
F E S T H A L T E N!
SONST GEHEN WIR DRAUF MALVYRO!
MACH - DU SCHAFFST DASS GROSSER LOS“, bellte Dunwin donnernd auf Malvyro ein, knallte eine Hand ebenfalls in die Boots-Reling und schlang seinen anderen Arm um einen von Malvyro Tentakel um ihn so zu unterstützen.

Sie sahen winzige, glitzernde Wassertropfen, sahen ein gigantisches WeiĂź vor sich aufragen, auf das sich feuchtem Staub gleich die winzigen Tropfen senkten, ehe der Bug mit einem leichten Klong vor die Mauer stieĂź und das Boot zum Stehen kam.

„Super gemacht, Du hast uns erneut den Arsch gerettet“, sagte Brijesh und klopfte Blondie dankbar auf den Rücken.

Der Rest der Gruppe folgte seinem Beispiel und Malvyro wurde durch getätschelt, geknuddelt und dann von allen gedrückt. Einen Moment verharrten noch alle in ihrer Position. Dann kam Leben in die Truppe und sie stiegen mit wackeligen Beinen und weichen Knien aus dem Boot. Malvyro wartete noch einen Moment um zu verschnaufen, dann schloss er sich Dunwin an.

„Danke. Na kommt, mir nach“, sagte Malvyro geschafft und übernahm wieder die Führung.

Er führte sie auf den Gang hinaus, aber auch hier waren bereits Blutspuren. Er witterte kurz, was Dunwin verstörte. Das hatte etwas extrem animalisches, auch wenn er wusste warum Malvyro es tat. Malvyro legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter, er missverstand vermutlich den Blick und deutete ihn als Sorge wegen der Blutlache.

„Keine Gefahr kommt weiter“, sagte Blondie und führte sie immer weiter in den Schiffsabschnitt hinein, bis sie in einer Art Zwischenlager waren. Dieses war so schlicht und spärlich eingerichtet, dass man direkt sah, hier wurden keine Laborutensilien gelagert. Auch schien es generell nicht oft besucht zu sein.

„Hier können wir einen Moment rasten. Wenn Sie einverstanden sind Mr. Dunwin, gehe ich nachher ein Stück alleine vor und sichere. Dann hole ich Sie und die Gruppe nach“, schlug er vor.

„Ich bin NICHT einverstanden. Du gehst nirgendwo ALLEINE hin“, befahl Dunwin.
„Ich werde Sie nicht verraten und ich werde nicht weglaufen“, stellte Malvyro klar.

„Rede keinen Stuss! Zweifelst Du meine Entscheidung an? Du gehst nicht allein, da es zu gefährlich ist. Bei Möglichkeit würden Dich Deine ehemaligen Kollegen sofort töten. Kapiert?“, stellte Dunwin klar, und Canan musste bei dem forschen Befehlston in dem ihr Mann etwas sehr Liebes verpackte schmunzeln.

Malvyro musterte Dunwin kurz, dann grinste er ihn an.

„Danke Boss – verstanden“, antwortete er freundlich.
„Ich werde Dich begleiten. Sicher ist Sicher“, fügte Alrun an.
„Ja gerne“, bestätigte Malvyro und suchte sich einen gemütlichen Platz der nicht einsehbar war.

Die Gruppe tat es ihm gleich und gesellte sich dazu.

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Re: Das Labor

#20

Beitrag von Dunwins Geist » So 17. Jun 2018, 19:49

Tarnung ist alles

„Wir sollten los Malvyro“, sagte Alrun.

Beide brachen auf und machten sich auf den Weg. Malvyro hatte die Vorhut gegeben und war aus ihrem Blickfeld verschwunden. Sie hörte ein klatschendes Geräusch, dann einen Aufprall. Hastig folgte Alrun Malvyro, die rechte Hand auf ihrer Waffe. Aber er brauchte keine Hilfe. Er stand über eine reglose Gestalt am Boden gebeugt, die eine schwarzblaue Rüstung trug. Der winzige Raum war mit verwirrenden Apparaturen und Gerätschaften vollgestopft.

Malvyro zog dem Burschen den Helm von Kopf und streifte ihn sich selbst über. Sein Gesicht verschwand hinter getöntem Glas, worauf eine unheimliche Veränderung mit ihm vonstattenging. Er schien plötzlich wieder einer von ihnen zu sein. Merna starrte ihn an.

„Was?“, schnarrte er in seinem extremen Akzent.
„Nichts Malvyro – was immer Du tust, beeil Dich gefälligst“, antwortete Alrun patzig.

Es war verrückt, für einen winzigen Augenblick war sie davon überzeugt gewesen, dass er einer von ihnen war. Alrun rief sich ins Gedächtnis, dass dies bis vor kurzem wirklich noch Tatsache gewesen war. Malvyro war Sicherheitschef des Laborkomplexes gewesen, töricht erstaunt darüber zu sein, dass er sich also mit der Sicherheitstechnik des Komplexes und Schiffes auskannte. Nur aus diesem Grund standen sie beide hier, lebten noch, bildeten die Vorhut.Sie trat näher an ihn heran und schaute zu ihm auf.

„Es ist nichts“, sagte Alrun noch einmal, aber dieses Mal im freundlichen Ton.
„Ich war nur erschrocken, entschuldige bitte. Du siehst unheimlich aus mit dem Ding. Was machst Du da überhaupt?“, fragte sie nach.

„Lesen, ich lese die Alarmierungspläne. Im Helm ist ein Interaktives Gesichtsfeld, ich zeig´s Dir gleich warte. Alles klar – hier“, sagte er nahm den Helm ab und setzte ihn Alrun auf.
„He!“, motze sie, ehe sie auf das Visier guckte dass nicht nur die Augen abschirmte, sondern Buchstaben und Zahlenkolonnen zeigte und Bilder einspielte.

„Ich weiß – Deine schöne Frisur“, kicherte Malvyro.
„Das ist… faszinierend. Was bedeuten die Zahlen und Buchstaben?“, fragte Alrun und hielt den Helm mit beiden Händen fest.

„Er hält allein, was soll man mit einem Helm, den man die ganze Zeit festhalten muss? Einsatzcodierungen. Du müsstest es von Deiner Arbeit kennen. Warte…“, sagte er und zog ihr den Helm vom Kopf um ihn erneut aufzusetzen.

„D 17/20 hat einen Code 1. Heißt – unser Mitarbeiter hier“, er tippte auf den Helm „war von der Dora-Tour. Mann 17 von 20 Mann der Einheit. Code 1 heißt sie streiften umher, weil die höchste Alarmstufe ausgerufen wurde. Einzelne Codierungen sind nicht mehr erforderlich bei Code 1 – Ausnahmezustand.

Da muss man nicht mehr sagen wir haben einen Code: 23-17-12 – auf Ebene 3, sprich Virenkontamination. Es herrscht Ausnahmezustand, eben jener Code 1. Das bedeutet für uns, dass die Sicherheitstruppen jederzeit ohne Rückfrage an die Vorgesetzen von der Schusswaffe Gebrauch machen dürfen und auch werden.

Sicherheitspersonal dem wir begegnen ist ein Todfeind. Wir nehmen den Helm mit, auf der unteren Karte sieht man das Bewegungsmuster der Kollegen. So wissen wir wo wer ist, wenn sie sich außerhalb meiner Wahrnehmung befinden“, erklärte er freundlich.

„Ich habe eine viel bessere Idee. Tarnung. Ich ziehe das Ding an, wir bräuchten ein zweites für Dich und wir hätten ein Problem weniger oder?“, fragte Alrun.
„Tarnung? TARNUNG? Du bist gut“, lachte Malvyro schnarrend.

„Der Witz erschließt sich mir nicht Malvyro…“, sagte Alrun kühl, da sie davon ausging dass Blondie sich gerade über sie lustig machte.
„Guck“, sagte er nahm den Helm ab und drückte ihn ihr in den Arm.

„Alrun ja?“, fragte er belustigt.
„Immer noch…“, antwortete sie und starrte dann entsetzt auf Malvyro als er sich auflöste und eine perfekte Kopie von ihr formte.

„Tarnung perfekt Alrun?“, fragte die zweite Alrun das Original lachend.
„Bist Du verrückt? Lass das!“, motzte Alrun.

„Oh ich könnte viel Schlimmeres… Dich blamieren...“, lachte die Kopie das Original an.
„ARGH… wag es Dich Malvyro!!! Verwandele Dich sofort zurück“, schnauzte sie.

„Mir ist nicht danach“, lachte Malvyro.
„Wenn Du nicht als Wurmköder am Haken enden willst, verwandele Dich sofort zurück“, fauchte Alrun.

„Du bist so… ungehalten meine Liebe. Du solltest was gegen Deine Aggression tun. Vielleicht Yoga, oder Meditation, oder mal ausschlafen… ich biete Dir gerne Unterschlupf“, prustete Malvyro und Alrun würge ihr Ebenbild.

Malvyro befreite sich vorsichtig von ihr und verwandelte sich zurĂĽck.

„War nur Spaß, verzeih“, sagte er wohlwollend und tätschelte ihren Schädel, „aber wir haben keine Zeit für Albernheiten. Komm“.

Er sah sich einen Moment suchend um, dann lief er los. Alrun verdrehte die Augen und seufzte, musste dann aber zusehen hinterher zu kommen, da Malvyro einen ziemlichen Schritt drauf hatte.

„Ich denke ich kümmere mich erst einmal um den Burschen auf dem Turm. Ich habe gern den Rücken frei. Du wartest hier!“, sagte er.

Ehe Alrun etwas erwidern konnte, schlüpfte er in den Belüftungsschacht und war verschwunden. Alrun hatte gewartet und sich umgeschaut. Malvyro kam zwischen den Kabelsträngen hervor, nahm albische Gestalt an und schaute sie auf eine sonderbare Art und Weise an.

„Wie lange stehst Du schon da?“, fragte sie ohne Vorwurf in der Stimme.
„Eine ganze Weile“, antwortete Malvyro schnarrend.
„Warum hast Du nichts gesagt oder gerufen?“, fragte Alrun verwundert.
„Nun ich wollte Dich nicht stören. Du hast… zufrieden und entspannt ausgesehen. Fast glücklich“, antwortete er ehrlich.

Die Worte machten Alrun verlegen. Sie trat auf Malvyro zu und legte ihm eine Hand auf den Arm. Die Haut des Ghuls war ungewohnt rau und eiskalt. Sie fĂĽhlte sich unnatĂĽrlich an. Sie wusste nicht was wirklich in Malvyros Gedanken vor sich ging.

Warum er ausgerechnet zu ihr so nett war, ohne ersichtlichen Grund. Sie hatte ihn bekämpft und er hatte genauso dagegen gehalten. Aber hier waren sie Kampfgefährten. Vielleicht machte er sich nur einen Spaß daraus, die in seinen Augen dummen und zerbrechlichen Menschen zu verarschen.

Mit ihnen zu spielen und sie im Glauben zu lassen sie wären seine Verbündeten.

Ohne Verletzung und in anderer Gestalt konnte er so ungeheuer groß sein, dass er einen Menschen mit einer beiläufigen Bewegung zerschmettern konnte, ohne sich auch nur anstrengen zu müssen. Seine Beweggründe waren ihr unerklärlich. Wahrscheinlich waren alle Ergebnisse zu denen sie kommen würde eh falsch. Niemand außer ihm selbst wusste wirklich was in seinem Kopf vor sich ging.

Alrun glaubte auch, dass es Rätsel gab, die besser ungelöst blieben. Trotz ehemals Frostalb, war er auf die eine oder andere Art unberechenbar.

Es gab Geschichten, wo sich ein Ghul nachdem sein Meister gestorben war, absichtlich, bewusst und freiwillig in den Tod stürzte.Es gab Geschichten, wo sich ein Ghul scheinbar ohne irgendeinen Grund gegen seinen Meister und die Truppe wandte und sie einfach getötet hatte.

Seltsam, früher hätte Alrun dieser Gedanke beunruhigt,die Nähe von Malvyro hätte sie beunruhigt. Nein schalt sie sich selbst in Gedanken, sie hatte sich verändert und Malvyro auch. Aus einem Feind war ein gutmütiger Verbündeter und Freund geworden. Vielleicht gab es gar kein Geheimnis – oder das Geheimnis hieß einfach Freundschaft.

„Na komm – genug gegrübelt“, riss sie Malvyro aus ihren Gedanken und ging langsam vor.

Alrun war schlagartig irgendwie traurig. Vielleicht war diese halbe Stunde, die Malvyro schweigend im Schatten abgewartet hatte ein Geschenk an sie gewesen.

Eine allerletzte halbe Stunde, in der sie einfach sie selbst sein konnte und über sich und ihr Leben nachdenken durfte ohne die Truppe und ohne Störung. Sie drehte sich schleunigst um und folgte ihm.

Die Realität und Malvyro warteten.

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