Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. WĂ€hrend die Urvölker auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. GeheimbĂŒnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Kapitel 17 - Zerrissenheit

Ein kleiner Trupp vom Ring der Menschenfresser hat Naridien verlassen, um nun in Souvagne zu jagen. AngefĂŒhrt werden die Beißer von dem als Bestie bekannte Archibald von Dornburg. Ihr Ziel: nach der Niederlage nun einen neuen Fleischtempel fĂŒr den Ältesten zu finden.
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Patrice Vertcuis
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Kapitel 17 - Zerrissenheit

#1

Beitrag von Patrice Vertcuis » Sa 15. Sep 2018, 16:39

Patrice betrachtete hilflos das Durcheinander an Armen und Beinen, bei dem nicht auf Anhieb ersichtlich war, was zu wem gehörte. Anstatt die HĂ€ngematten zu beziehen, die Sacha fĂŒr sie vorbereitet hatte, schliefen die Beißer als KnĂ€uel auf dem Boden. Kazrar musste als Kopfkissen fĂŒr Robere herhalten, wĂ€hrend Nori Robere als SeitenschlĂ€ferrolle benutzte. Der dĂŒrre Arbogast verschwand fast vollstĂ€ndig unter Roberes Beinen, die er besitzergreifend ĂŒber ihn gelegt hatte. Patrice musterte die vier Schlafenden. Es war schwierig, an Robere heranzukommen, seit dieser sein zu Hause bei den Beißern gefunden hatte. Er fragte sich, ob es ĂŒberhaupt noch Sinn machte, nĂ€heren Kontakt zu ihm herzustellen. So, wie Patrice die Lage einschĂ€tzte, war sein Auftrag gescheitert. Robere hatte sich fĂŒr die Beißer entschieden anstatt fĂŒr die Leibgarde und fĂŒr Patrice gab es nicht einmal einen Schlafplatz in seiner NĂ€he.

Patrice ging an Deck und setzte sich zu einer Ecke mit vertĂ€uten Kisten, wo auch zusammengeschnĂŒrte TĂŒcher gestapelt waren, so dass es sich da bequem sitzen ließ. Er legte den Kopf zurĂŒck, schloss die Augen und döste, wĂ€hrend um ihn herum die GerĂ€usche des Schiffes, des Meeres und der Mannschaft vorbei plĂ€tscherten. Es war Nacht und doch war es nicht still. Rufen, das Knarren von Holz und von den Tauen, Schritte, die ĂŒber das Deck polterten. Der Wind, der auf dem Meer viel schĂ€rfer wehte als an Land, wo er sich an Bergen, BĂ€umen und HĂ€usern brauch.

»Und wer bist du?«, fragte ihn jemand neugierig. Patrice öffnete die Augen.
»Patrice.« Die LĂŒge kam leicht von seinen Lippen.
»Bist du der Freund von Robere?«, erkundigte Sacha sich und setzte sich neben ihn.
Patrice lÀchelte nicht. »Tu ihm und dir einen Gefallen und nenne ihn nicht so«, bat er. »Er hasst diesen Namen, den sie ihm im Waisenhaus gegeben haben. Nenne ihn Robby oder Tekuro. Das machen alle. Vielleicht kannst du ihn jetzt sogar mit Vater oder so ansprechen.«
»Was hat er gegen seinen Namen? Meinen habe ich auch aus dem Waisenhaus. Aber ich finde ihn gar nicht schlecht.«
»Er klingt ja auch schön und passt zu dir«, fand Patrice. »Aber frag deinen Vater doch mal , wie er dich genannt hÀtte, wenn er eher davon gewusst hÀtte, dass es dich gibt. Dann findest du vielleicht plötzlich, dass Sacha auch nicht mehr zu dir passt.«
»Gute Idee«, freute sich Sacha. »Aber Tekuro macht mir ein bisschen Angst, er schaut grimmig. Ich will warten, bis er mal freundlicher dreinblickt.«
»Da kannst du lange warten. Als Gardist muss man grimmig schauen«, erklĂ€rte Patrice. »Man muss eine bedrohliche Wirkung ausstrahlen. Irgendwann geht einem das in Fleisch und Blut ĂŒber.«
»Du schaust auch freundlich, obwohl du auch Gardist bist.«
»Ich bin ja auch zehn Jahre weniger dabei. Irgendwann bin ich auch alt und grimmig wie ein alter Panther.«
»Eigentlich schade.«
Patrice zuckte die Schultern. »So ist das Leben.«
»Findest du? Ich finde ja, man sollte das Leben nicht zu ernst nehmen. Davon, dass man TrĂŒbsal blĂ€st oder rummuffelt wird es auch nicht besser. Wenn ich mir vorstelle, dass hier an Bord alle so ernst und finster wie ein Chor von Ainuwarmönchen dreinblicken wĂŒrden oder wie Tekuro, ist das keine schöne Vorstellung. Bist du nun der Freund von ihm?«, wollte Sacha wissen.
Patrice schĂŒttelte den Kopf. »Nur ein Kamerad unter vielen.«
Sacha betrachtete ihn von der Seite. »Du siehst bisschen traurig aus.«
»Ja? Das tÀuscht. Ich habe nur nachgedacht.«
»Und worĂŒber?«

Patrice starrte zu den Wolken hinauf. Er war von der KĂ€lte seiner Familie geflohen und suchte Halt. Den fand er in dem herrisch auftretenden Robere, dem er mit Freuden seine Kampfstiefel gekĂŒsst hĂ€tte, wenn er ihn nur ließe.

Pascal war da völlig anderer Meinung.

Pascal war keineswegs das zurĂŒckhaltende Dummchen, dass er als Patrice zu sein vorgab. Er war eine Giftspinne, die ihr gutes Aussehen zum eigenen Vorteil nutzte. Wie die Lotosspinne, die sĂŒĂŸen Nektar versprach und nur den Tod brachte. Pascal trug gewaltige Wut in seinem Bauch.

WĂ€hrend Patrice Liebeskummer schob, freute Pascal sich, dass der Auftrag nun gescheitert und vorbei war. Er war alles andere als damit einverstanden, seinen Körper Robere anzubieten wie eine Hure auf dem Straßenstrich von Obenza. Pascal hatte, bevor Sacha ihn unterbrach, darĂŒber nachgedacht, dass Patrice mit seinen devoten Neigungen fĂŒr ihn eine schwierig aufrechtzuerhaltende Persona war, die ihn an seine psychischen Grenzen brachte.


Und ĂŒber das verstörendende GefĂŒhl vor dem Einschlafen, dass Patrice von einem böswilligen Geist namens Pascal besessen war, der sich seiner bemĂ€chtigen wollte und ihm einredete, dies sei sein Körper. Und Patrice wĂ€re nicht real, nur eine Erfindung. Dass es ihn gar nicht gab. Patrice bekam stechende Kopfschmerzen, krallte die Finger in sein Haar und rollte sich ein.

Sacha verschwand und kurz darauf zerrte jemand Patrice auf die FĂŒĂŸe. Ein vertrautes wie zerbeultes Gesicht, in dessen Mund PiranhazĂ€hne standen. Dieser Mann war nicht mehr Robere. Er war spĂ€testens mit den ZĂ€hnen vollends Tekuro geworden. Patrice wĂ€re ihm am liebsten um den Hals gefallen, wĂ€hrend Pascal den Drang verspĂŒrte, ihm seine Eier zu Brei zu treten.

»HÀng hier nicht rum«, befahl Tekuro und schliff ihn mit sich in ihre Koje im Bugraum.

Das KnĂ€uel lag nun lockerer da und Tekuro nahm Patrice mit in die Mitte. Patrice machte sich steif wie ein Brett. Körperkontakt zur Nachtruhe mit vier Leuten gleichzeitig war er nicht gewohnt. Erst recht nicht, wenn einer davon Tekuro war. Pascal wollte irgendetwas Gemeines denken, doch Patrice stampfte ihn zurĂŒck in sein Unterbewusstsein. Wenn hier jemand ein Hirngespinst war, dann Pascal. Er schloss die Augen, entspannte sich und drehte den Kopf in Tekuros Richtung.
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Robere Tekuro Chud-Moreau
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Re: Kapitel 17 - Zerrissenheit

#2

Beitrag von Robere Tekuro Chud-Moreau » Mi 26. Sep 2018, 07:59

Patti patten (ĂŒ18)
"Not all those who wander are lost."
J.R.R. Tolkien

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