Von Blut, Sold und Liebe

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Söldnerlager der Raubvögel
Ein wilder Haufen von arbeitslosen Söldnern schloss sich zusammen, um ein eigenes Söldnerlager aus dem Boden zu stampfen. Ihr Ziel: Geld zu verdienen und dabei noch Spaß zu haben. Jeder Haudegen, der sich an ein paar Regeln halten kann, ist hier willkommen.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#11

Beitragvon Farael Dornenwind » Sa 6. Jan 2018, 13:57

Zugegeben, ein wenig schaffte es Ana Faraels GemĂŒt zu erhellen. Auch wenn sie die Überbringerin schlechter Nachrichten war, so hatte sie dennoch etwas an sich, was Farael zum Schmunzeln brachte. Ob es ihre Art war oder aber wie sie mit dem Leben umging. Etwas sagte Farael, dass er ein Exemplar der ganz Besonderen Sorte vor sich stehen hatte. Zumindest im Vergleich mit den sonstigen Frauen in Obenza. Also entschied er sich, vorerst an der Seite der Norkara zu bleiben und entspannt neben ihr zu wandeln, um den Abend vielleicht doch noch entspannt ausklingen zu lassen.

„Das klingt nach 'nem Plan. DafĂŒr kriegst du spĂ€ter mal einen ausgeschenkt, versprochen“, verkĂŒndete Farael seine Antwort und lief gemeinsam mit Ana durch die Straßen Obenzas, bis hin zum Markt. Auf dem Weg konnte er sich aber eines nicht ganz verkneifen: „So so, ein Zufall dass du frei hast, ja? Dieser völlige Zufall kann nicht zufĂ€lligerweise damit zusammenhĂ€ngen, dass du dich in angenehmer und attraktiver Gesellschaft befindest?“ Ein verschmitztes LĂ€cheln legte sich auf die Lippen Faraels, als er Ana anblickte. „Und natĂŒrlich hast du mich nicht das ein oder andere Mal genauer betrachtet“, feixte Farael.

NatĂŒrlich konnte Ana nicht wissen, dass Farael bluffte. Er hatte keinerlei Blicke von ihr gesehen noch wirklich Interesse ihrerseits verspĂŒrt, wenn man von der aktuellen Situation absah. Sein Blick wurde neugierig und er hoffte, Ana in Verlegenheit versetzen zu können. Er fand es Ă€ußerst lustig, wenn Frauen vor Scham erröteten oder sich ertappt fĂŒhlten. Dann wurden die Meisten immer mucksmĂ€uschenstill, was Farael stets amĂŒsierte.

„Ich meine na gut, ein ganz romantisches Treffen auf der Spitze des Leuchtturms, mit Wein und im Licht der untergehenden Sonne. Dagegen habe ich nichts. Hat einen gewissen Charme.“ Farael musste sich enorm zurĂŒckhalten, um nicht lauthals loszulachen. Die Situation war ein wenig seltsam. Er hatte sie auf der Straße als Köder fĂŒr Banditen genutzt, diese vor ihren Augen abgeschlachtet und nun lud sie ihn zu einer Verabredung an einen Platz ein, an dem junge HĂŒpfer sich mit ihrer ersten großen Liebe verabredeten.

Persönlich hatte Farael gar nichts dagegen, im Gegenteil. Einige Geschichten und Dramen die er in seiner Freizeit gelesen hatte, und besser verschwieg er womit er die letzten Tage verbracht hatte, endeten meist mit einem Ă€ußerst romantischen Ende, nachdem sich die Ereignisse komplett ĂŒberschlagen hatten. Nicht dass das Leben wie in einem Buch wĂ€re. Doch genau in diesem Moment zeigte die AbsurditĂ€t, der wohlgemerkt angenehm war, wie seltsam manchmal die Bahnen verlaufen und Ereignisse die seltsamsten Menschen zusammenbringen konnten.

Mittlerweile waren sie am Markt angekommen, an dem es fĂŒr diese Zeit ĂŒblich noch einige StĂ€nde gab, an denen man sich bedienen konnte. Unter anderem auch HĂ€ndler fĂŒr edelste Weine und Biere.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#12

Beitragvon Schwarze Ana » Fr 12. Jan 2018, 13:31

„Attraktive Gesellschaft?“, fragte Ana und drehte den Kopf suchend zu allen Seiten. „Wo?“ Sie hielt ihren Ausdruck ernst und blickte Farael scheinbar neugierig an, erstarrte aber dann und zog misstrauisch die Augenbrauen zusammen. Hatte er ihre Blicke bemerkt? SelbstverstĂ€ndlich hatte sie ihn abgeschĂ€tzt und das nicht nur, um seine AusrĂŒstung zu prĂŒfen. Dieser Alb war eine wĂŒrdige Konkurrenz, so viel stand fest. Ihre Augen glitzerten, als sie ein beschwörendes LĂ€cheln aufsetzte, um die Situation spielerisch zu lösen, doch Farael kam ihr zuvor, offensichtlich höchst amĂŒsiert, was durch ihr aller MĂŒhen zum Trotz nun vollkommen ĂŒberrascht drein schauendes Gesicht noch verstĂ€rkt wurde. Sie hatte gar nicht darĂŒber nachgedacht wie ihre Einladung klingen musste! Immerhin war Romantik fĂŒr sie so ĂŒberflĂŒssig wie alkoholfreies Bier, da hatte sie nicht den winzigsten Gedanken an die Wahl des Ortes verschwendet. Was mochte Farael nun von ihr denken? Dass sie ein naives Prinzesschen war, das leicht bekleidet durch Obenza schlenderte und nach einem Prinzen fĂŒr einen romantischen Sonnenuntergang Ausschau hielt? Der Gedanke ließ schließlich auch sie grinsen. Vielleicht war es ja gar nicht so schlecht, wenn er solch ein Bild von ihr hatte. „Ich bin ein unschuldiges Reh“, dachte sie sich belustigt und doch wurde sie das leichte SchamgefĂŒhl ob der merkwĂŒrdigen Situation nicht ganz los und war umso froher, als sie den Markt erreichten und sie die Gelegenheit nutzen konnte, das Thema zu wechseln.

Es herrschte noch reges Treiben auf dem großen Platz und sehnsĂŒchtig blickte Ana zu den HĂ€ndlern, die edle Tropfen aus ganz Asamura nach Obenza brachten. Sie hatte schon solche Weine und andere Köstlichkeiten gekostet, als ein reicher Kaufmann in ihre FĂ€nge geraten war und sich am Ende mit wesentlich weniger Geld aber ohne ersehntes GlĂŒckserlebnis wieder gefunden hatte. Normalerweise war dies allerdings nicht ihre Liga und da sie heute selber zahlen musste, steuerte sie in eine andere Richtung. In den engeren, dunkleren und schmutzigeren Bereichen des Marktes tummelte sich das Gesindel und hier kaufte man nur, wenn man keine andere Wahl hatte oder wusste, was man tat. FĂŒr Ana galt meist sowohl als auch.

„Hey Ana“, knurrte ein knochiger alter Mann mit Pfeife, an dessen Stand sie vorbei kamen. „Alles gut?“ Er spuckte eine Ladung braunen Tabaksaft auf die Straße und hustete röchelnd. „Danke, Jon, alles bestens. Wir geht’s dir? Was macht die Frau?“ „Ach“, murrte Jon mit einer genervten Handbewegung, „noch immer nicht tot! Die Alte ist zĂ€h wie ein Spelunkenschnitzel. Ich glaube, die muss einer erschlagen, damit sie endlich stirbt.“ Lauthals lachte er los und verfiel schließlich in einen heftigen Hustenanfall. Die Menge schob sie weiter und Ana winkte dem alten Jon zum Abschied. „Ein Stammgast im Durstigen Ochsen“, erklĂ€rte sie Farael. „Gibt mir immer gutes Trinkgeld.“

„So
“, die Norkara bliebt bei einem kleinen Marktstand stehen, der unter dem Gewicht staubiger Flaschen Ă€chzte. „Den Wein hier kann man trinken. Bier gibt es auch. Worauf hast du Lust?“
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#13

Beitragvon Farael Dornenwind » Sa 13. Jan 2018, 13:15

Frech wie Ana mit ihrer ersten Aussage war, beeindruckte sie Farael. Eine Eigenschaft die Farael an Frauen mochte. Sie war nicht spitzzĂŒngig, aber konnte durchaus auf seine Worte reagieren und das auf eine Art, die weder verlogen noch unangenehm war. Allein daran konnte er erkennen, dass Ana etwas im Kopf haben musste und nicht nur an das Aufreißen von MĂ€nnern dachte. Zumindest hoffte Farael es. Obgleich ihrer frechen Art, musste er darauf dennoch grinsen und genoss die Situation in vollen ZĂŒgen.

Dem tat es keinen Abbruch, als sich Ana offensichtlich ertappt fĂŒhlte. Trotz dessen dass Farael geraten und somit keine genaue Beobachtung vorgebracht hatte, erfreute es ihn umso mehr, dass er aus Zufall Recht gehabt hatte. Sie hatte ihn also tatsĂ€chlich ĂŒber seine AusrĂŒstung hinweg gemustert. NatĂŒrlich hatte das Farael genau so bei ihr getan, doch er war ein Kerl und die Meisten erwarteten das. Nichts Ungewöhnliches zumindest, fĂŒr einen Mann seines Schlages. Allein bei diesen Gedanken, eine Frau dabei erwischt zu haben und dann ausgerechnet das Ziel der Begierde zu sein, trieb Farael ein Grinsen ins Gesicht. Ana war weit entfernt davon, ein unschuldiges und reines Wesen zu sein, welches keiner Fliege etwas zu leide tun konnte.

Schließlich quetschten sie sich durch die Massen des Marktes und Farael beschlich das GefĂŒhl, dass es keine gute Idee war, sich in dieser Masse zu bewegen. Im Gegenteil. Hier und da spĂŒrte ein paar gierige HĂ€nde, die nach seinem GĂŒrtel, oder genauer seinem GeldsĂ€ckel, greifen wollten. Obenza war in diesen Belangen schlimm. Die Bettler stahlen um zu ĂŒberleben, die ausgebildeten Diebe stahlen um ihren Reichtum zu mehren. Jedes Mal wenn Farael eine sich herannahende Hand erblickte, schaute er deren Besitzer mit einer bösem Blick an und deutete auf sein Schwert. Jeder zog sofort seine Hand zurĂŒck und verschwand in der Menge. Zu dieser Zeit hasste er den Marktplatz. Man war nie sicher vor Taschendieben.

Aus diesem Grund bekam Farael auch kaum etwas von dem GesprĂ€ch zwischen Ana und einem Standbesitzer mit. Nur die letzten Wortfetzen und ihre Verabschiedung bemerkte er, an sich fragte er sich aber auch nicht wer das war. Ana erklĂ€rte mit ihren nĂ€chsten Worten, wer dieser Mann war und woher sie ihn kannte. An sich etwas, was kaum interessant fĂŒr ihn war, doch da es Ana war, die es ihm erzĂ€hlte, versuchte sich Farael dafĂŒr zu interessieren. „Ah, okay“, nickte er bestĂ€tigend, als er seinen Kopf wandte und den HĂ€ndler ein letztes Mal betrachtete, ehe er durch die Menge verdeckt wurde.

Plötzlich hielt Ana vor einem der MarktstĂ€nde an, welche ĂŒberladen mit den verschiedensten alkoholischen GetrĂ€nken war. Die Auswahl war, fĂŒr den Markt Obenzas und dem Pflaster in dem sie sich befanden, doch recht unĂŒblich. Wein, Met und Bier lĂ€chelten Farael entgegen und sein Griff ging zu einer ihm bekannten Sorte. Aus dem Sortiment zog er eine Flasche Wein hervor. Sie stammte aus Souvagne, war ein halbtrockener Rotwein und hatte fĂŒr die QualitĂ€t einen relativ niedrigen Preis. Farael musste aus offensichtlichen GrĂŒnden hĂ€ufiger auf diesen Markt gehen und sich einer dieser Flaschen erstehen. Seine Bezugsquellen waren wesentlich teurer.

„TatsĂ€chlich wĂŒrde ich vorschlagen, wir nehmen den hier. Und zum Vorgeschmack zwei Flaschen Schwarzbier“, erklĂ€rte Farael und griff erneut in die Auswahl, als er zwei Flaschen des besagten Bieres. „Guter Preis fĂŒr das, was es sonst kostet.“ Fragend blickte er Ana an und wartete auf ihre Antwort ab, als ihm noch etwas einfiel. „Ach ja, was den Leuchtturm betrifft, brauchst du kein Geld zĂŒcken. Der LeuchtturmwĂ€rter schuldet mir noch einen Gefallen.“ Zumindest etwas, was Farael zu diesem Treffen beitragen konnte.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#14

Beitragvon Schwarze Ana » So 21. Jan 2018, 11:27

Der Rotwein, den Farael wĂ€hlte, war relativ teuer. Ana willigte dennoch ein, denn sie wollte nicht durchscheinen lassen, dass sie normalerweise ganz anderen Rotz in sich hinein kippte. Und warum auch nicht? Ab und zu etwas zu trinken, das auch schmeckte, war keine schlechte Sache. Auch das Schwarzbier erhielt Anas Zustimmung. Somit konnte sie sich schon mal das Abendbrot sparen. „Alles klar, die nehmen wir“, sagte sie halb zu Farael, halb zu dem HĂ€ndler. Sie öffnete ihren kleinen Beutel gerade so weit, dass sie ein paar MĂŒnzen herausfischen konnte, darauf bedacht, dass der Rest danach wieder fest verschnĂŒrt war und reichte das Geld ĂŒber den Ladentisch hinweg.

Neugierig drehte sie den Kopf zu Farael hinĂŒber. Er kannte den LeuchtturmwĂ€rter? War er möglicherweise öfter am Hafen? Konnte es gar sein, dass er sie schon ab und zu dort gesehen hatte und ihr Zusammentreffen heute gar kein Zufall war? „Er ist ein Söldner“, sagte sie sich. „Vermutlich hat er nur einen Auftrag fĂŒr den Mann erledigt.“ Trotzdem konnte sie das Misstrauen nicht ganz aus ihrem Ausdruck wischen. Sie spielte gerne Spiele mit anderen, doch war ungern selbst der Spielball. Die ganze kurze Zeit, die sie nun in Faraels Gesellschaft verbracht hatte, hatte sie das Ruder nicht so recht an sich reißen können. Es glitt ihr immer wieder durch die Finger, so sehr sie sich auch danach reckte und diese Schwebe, diese kleine Unsicherheit, löste ein ambivalentes GefĂŒhl in ihr aus. Es war ihr unwohl, vielleicht fĂŒrchtete sie sich gar ein wenig, war zumindest wachsam und angespannt, doch zeitgleich reizte es sie ungemein, spornte sie an, das Spiel weiter zu treiben, aufgeregt und voller Vorfreude, was noch passieren wĂŒrde. Sie wollte es sich noch nicht so recht eingestehen, doch dieser Alb hatte wahres Interesse in ihr geweckt, nicht das ĂŒbliche Vorgegaukel, das sie sich selbst in den letzten Jahren zum Schild gemacht hatte.

Mit den GetrĂ€nken im GepĂ€ck bahnten sie sich den Weg durch den restlichen Marktbereich. Auch an den Docks herrschte noch reges Treiben. Schiffe wurden be- und entladen, gebrĂŒllte Befehle flogen durch die Luft und das schmutzige Wasser gurgelte in den Hafenbecken. Westlich tat sich der Rotlichtbezirk auf, mit der verruchten Eleganz einer gepuderten Dirne und gleichzeitig nicht weniger dreckig und gefĂ€hrlich als der Rest von Obenza. Weiter außen war das Meer sauberer und Ana nahm einen tiefen Atemzug der salzigen Brise. Auf der anderen Seite der Tangobucht baute sich die Oberstadt auf und Farael blickte in die Richtung, in der einst das Söldnerlager gestanden hatte. Möglicherweise konnten sie von der Spitze des Leuchtturms etwas davon erkennen. Wesentlich grĂ¶ĂŸer als der alte, streckte der Turm sich stolz in den Himmel und Ana freute sich richtig darauf, nach oben zu gehen und hinaus auf die ewige Weite des Meeres zu blicken, ihr eigentliches Zuhause.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#15

Beitragvon Farael Dornenwind » Di 23. Jan 2018, 10:37

AuffĂ€llig ruhig verhielt sich Ana, wĂ€hrend sie sich am Marktstand ihre GetrĂ€nke kauften und schließlich weiter zum Hafenbezirk Obenzas aufmachten Farael wunderte sich bereits, was aus der frechen und dreisten Art der jungen Frau geworden war. Sie gab keinen Ton mehr von sich und wanderte neben ihm her, als ob sie entweder nachdachte, oder aber etwas ausheckte. Letzteres fĂŒr ihn schien unwahrscheinlich, was sollte sie schon tun? Außer ihm vielleicht ein Messer in den RĂŒcken rammen oder die GetrĂ€nke vergiften. Farael musste etwas grinsen und die Gedanken aus seinem Kopf schĂŒtteln. Zu sehr hatte er gerade an die Vergangenheit denken mĂŒssen, in der diese Gefahren jeden Tag RealitĂ€t waren. Doch Ana war weder sichtbar eine feindliche Söldnerin, noch war Farael lĂ€nger aktiv. Zumindest nicht als AnfĂŒhrer eines ganzen Lagers.

So schlenderten sie durch das schmutzige Hafenviertel Obenzas. Möwen kreischten ĂŒber ihren Köpfen und das Rauschen des Meeres gegen die Piere der Stadt waren zwei bestĂ€ndige GerĂ€usche, die stets zu hören waren. FĂŒr die DĂ€mmerung ĂŒblich, arbeiteten noch immer diverse Schiffsmanschaften, die meisten davon Schmuggler. Sie löschten gerade angebrachte Ware oder machten sich bereit, um den Anker zu lichten. Es war nicht verwunderlich, dass viele im Schutz der Dunkelheit in See stachen, um besser den Patrouillen der grĂ¶ĂŸeren Fraktionen entgehen zu können. Zumindest hatte das sein Vater immer erzĂ€hlt und irgendwo klang dies auch logisch. Die großen Fraktionen, wie zum Beispiel die Ordnung, hatten etwas gegen die GeschĂ€fte der Schmuggler.

Nach einiger Zeit des entspannten Spazierganges, schritten Ana und Farael auf den Leuchtturm zu, dessen Feuer bereits entzĂŒndet worden war. Denkmal und Leitstrahl zugleich, hatte er eine gewisse Anziehungskraft auf Gesindel und Schiffe gleichermaßen. Nicht selten sah man Bettler und Hunde, auch Hundewandler, in der NĂ€he des Leuchtturms. Der LeuchtturmwĂ€rter hingegen versuchte alles ordentlich zu halten, was auch das Fernhalten von den Personen beinhaltete. Zum aktuellen Zeitpunkt war es rund um den Leuchtturm ruhig, wofĂŒr Farael mehr als dankbar war.

Gemeinsam schritten Ana und Farael die Treppen hinauf zum Leuchtturm, worauf sie schon bald vor einer schweren HolztĂŒr standen. In diesem Moment hielt Farael allerdings inne und blickte nachdenklich Ana an. "Eine Warnung vorweg: Lass dich nicht durch die Worte der WĂ€rters Ă€rgern. Und unterschĂ€tze weder seine Abstammung noch sein Aussehen. Glaube mir, er ist mehr als das, was er zu sein scheint", erklĂ€rte er und klopfte schließlich drei Mal laut an der TĂŒr. Von innen heraus war das Schieben eines MöbelstĂŒcks zu hören, gefolgt von Schritten die sich der TĂŒr nĂ€herten. Darauf folgte mehrmals ein metallisches Klicken, ehe sich die TĂŒr nach innen zu öffnen begann.

In der TĂŒr stand ein Ă€lterer Waldalb, dessen Erscheinungsbild mehr an einen Greis erinnerte. Seine GesichtszĂŒge waren mit tiefen Furchen durchzogen, eine Narbe zog sich von seiner Stirn ĂŒber das linke Auge. "Ah, Farael!", grĂŒĂŸte ihn der Ă€ltere Mann mit einem LĂ€cheln, ehe er seine Arme zu einer Umarmung ausbreitete, welche Farael auch erwiderte. "Lang nicht mehr gesehen, du verdammter Herumtreiber. Und wie ich sehe hast du sogar ĂŒberaus hĂŒbsche Begleitung mitgebracht. Respekt, sie kann sich sehen lassen." Mit einem Grinsen ĂŒber beide Ohren musterte der Mann Ana ausgiebig von Kopf bis Fuß.

"Hallo Vater", erwiderte Farael schließlich und blickte schließlich ermahnend, als er den Kommentar Manhirs bezĂŒglich Ana hörte. Mit einer Handbewegung lud Faraels Vater die Beiden in den Leuchtturm ein, worauf er hinter ihnen die TĂŒr schloss. Das innere des Leuchtturms, war hingegen jeder Erwartung, gut eingerichtet. In diesem Stockwerk standen Tisch, Kochstelle und Schreibtisch versammelt und angepasst an die runde Form des Turms.

"Verzeihung, ich vergaß meine Manieren", ergĂ€nzte Manhir schließlich, verbeugte sich vor Ana und nahm deren Hand, um einen Handkuss anzudeuten. "Manhir Dornenwind, Vater von dem guten Farael und LeuchtturmwĂ€rter dieser heimeligen Unterkunft." Farael rollte darauf mit den Augen und verschrĂ€nkte die Arme vor der Brust. Mit Manieren hatte dies wohl kaum etwas zu tun, sein Vater neigte dazu, jede Frau so zu behandeln. Obgleich er verheiratet war oder nicht. Wie seine Mutter es mit ihm aushielt, war Farael immer ein RĂ€tsel, doch sie war nicht unbedingt von einem anderen Schlag. Trotz dessen wusste Farael, dass sein Vater immer treu war und niemals seine Mutter betrĂŒgen wĂŒrde. "Was kann ich fĂŒr euch liebreizendes PĂ€rchen denn tun, hm?"

"Wir wĂŒrden gern nur nach oben gehen, auf die Spitze des Leuchtturms und die Aussicht genießen. WĂ€re das möglich?", stellte Farael schließlich seine Frage an Manhir.

Einen kurzen Moment meinte Farael EnttĂ€uschung in den Augen seines Vaters sehen zu können, doch der Augenblick war schnell vorĂŒber und das Grinsen seines Vaters am strahlen. "NatĂŒrlich, natĂŒrlich. Passt aber bitte bloß auf, dass ihr euch am Feuer nicht verbrennt. Und wenn ihr es unbedingt miteinander treiben mĂŒsst, dann macht es im Liegen, damit der Lichtschein des Leuchtturms nicht unterbrochen wird und euch die halbe Stadt sieht." Farael schlug sich die Hand gegen die Stirn, ließ das Gesagte aber unkommentiert. Sein Vater grinste hingegen nur verwegen.

"Danke dir", antwortete Farael und deutete Ana an, ihm zu folgen. Auf halben Weg auf der Treppe blickte Farael hingegen noch einmal nach unten und schaute seinen Vater an. "Wie geht es Mutter?", fragte er.

"Sie steckt noch in den Verhandlungen. Es wird wohl noch dauern, bis eine Einigung stattfindet."

Wissend nickte Farael und ging darauf weiter die Stufen hinauf. Was die Worte seines Vaters bedeuteten, musste nur er in diesem Moment wissen, doch sie betrĂŒbten ihn auch etwas. Schließlich war seine Mutter in Gefangenschaft geraten und sie bezahlten gemeinsam jeden Monat Geld an die Stadtwache, damit sie ihn nichts antaten. Noch liefen die Verhandlungen darĂŒber, welche Summe fĂŒr ihre Freilassung von Nöten war. Dies geschah, wenn man die falsche Person in Obenza bestahl.

Nach einer endlosen Anzahl an Stufen, kamen Farael und Ana oben an der Spitze des Leuchtturms an. Die Sonne versank bereits zur HĂ€lfte im Horizont und tauchte den Himmel in ein wunderschönes Abendrot. Solch ein Anblick machte es Farael ohne Probleme möglich, die Sorgen und die anstehenden Aufgaben fĂŒr einen Moment zu vergessen und sich nur auf das Sein zu konzentrieren. Auch der bestĂ€tigende Anblick der noch immer rauchenden Ruinen des obenzischen Söldnerlagers störten ihn in diesem Moment kaum.

Stattdessen löste er die Schwertscheide von seinem GĂŒrtel und lehnte diese samt Schwert an einer der SĂ€ulen. Köcher und Bogen folgten darauf, so dass Farael bequem sitzen konnte. Er machte es sich im Schneidersitz vor der Feuerschale gemĂŒtlich, wobei die Flammen seinen RĂŒcken wĂ€rmten. Auffordernd klopfte er auf den Platz neben sich, um Ana zum Sitzen einzuladen. "Schöne Aussicht, nicht wahr?", meinte er darauf, ohne den Blick vom Horizont zu nehmen. "Fast so, als ob die Welt in Frieden leben und ganz ohne Waffen auskommen wĂŒrde."

Im nĂ€chsten Augenblick kam ihm die Begegnung mit seinem Vater wieder in den Sinn. Lautstark seufzte er und sein Blick ging zu Ana. „Tut mir leid wegen meines Vaters. Er ist manchmal 
 sehr speziell. Man gewöhnt sich dran. Er ist an sich aber eine treue und gute Seele“, erklĂ€rte er und lĂ€chelte etwas verlegen, offensichtlich beschĂ€mt aufgrund seines Vaters.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#16

Beitragvon Schwarze Ana » Fr 26. Jan 2018, 10:40

Faraels Zögern und seine Worte irritierten Ana. Einen Gefallen sollte der WĂ€rter ihm schulden? Es wirkte eher so, als kenne Farael den Mann ziemlich gut. Das ganze Prozedere hindurch, das es brauchte, bis die TĂŒr endlich aufschwang, spannte die Norkara sich innerlich an, neugierig und misstrauisch zugleich. Ein alter Mann öffnete, was Ana nicht weiter verwunderte. Irgendwie schien es ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass ein LeuchtturmwĂ€rter bejahrt sein musste. Dass es sich um einen Alben handelte, erstaunte Ana allerdings schon und seine Art zu sprechen kam ihr unterschwellig bekannt vor, auch wenn sie nicht ganz greifen konnte, an wen sie sich erinnert fĂŒhlte. Farael? Nein
 das konnte nicht sein, immerhin kannte sie ihn ja kaum. Bestimmt lag es nur daran, dass er ebenfalls ein Alb war... Angestrengt ĂŒberlegte sie noch, wer es sonst sein konnte, als Farael den Mann grĂŒĂŸte. Ana klappte die Kinnlade hinunter. Vater??? Der LeuchtturmwĂ€rter war Faraels Vater??? Wie irrsinnig musste es ihm vorgekommen sein, dass sie ausgerechnet diesen Ort ausgewĂ€hlt hatte? Und wieso hatte er nichts gesagt? Mit Sicherheit bereitete es ihm großen Spaß, sie so zu ĂŒberraschen. Ana musste sich eingestehen, dass sie es ebenso genossen hĂ€tte. Sie versuchte ihr Erstaunen hinunter zu schlucken und zwang ihre GesichtszĂŒge zurĂŒck in Normalzustand, sagte erst einmal nichts und nahm stattdessen den Raum in Augenschein. Sofort fĂŒhlte sie sich wohl. Die Enge und die runde Form, gepaart mit der Einrichtung, die sich perfekt an die WĂ€nde des Turms schmiegte, verursachten eine wohnliche, heimelige AtmosphĂ€re.

„Freut mich“, entgegnete Ana und musste grinsen. Jetzt, da sie um Faraels und Manhirs Verbindung wusste, war die Ähnlichkeit in Gestik und Mimik unverkennbar. Umso mehr amĂŒsierte sie, dass Farael sich ĂŒber seines Vaters Verhalten brĂŒskierte. „Ich bin Ana“, fĂŒgte sie an und war versucht, ihn bezĂŒglich des Beziehungsstandes von Farael und sich selbst zu berichtigen, beließ es dann aber dabei. Der alte Alb schien ohnehin eine ganz eigene Vorstellung von ihren PlĂ€nen fĂŒr den Abend zu haben und Ana fragte sich, ob dies etwas war, was Farael normalerweise zu tun pflegte. Sie musste sich eingestehen, dass sie ĂŒber diese Möglichkeit selbst schon nachgedacht hatte. Immerhin war der Alb ein schneidiger Kerl und unter seiner RĂŒstung verbarg sich mit Sicherheit Einiges, das Frauenherzen höher schlagen ließ. Doch irgendwie hatte sich dieser Gedanke nicht richtig angefĂŒhlt. Etwas in ihr wollte Farael besser kennenlernen, anders kennenlernen. Er sollte sich nicht in die Liste der kurzweiligen Freuden einreihen, die man nie wieder sah und auch nicht sehen wollte. So dachte zumindest ein Teil von ihr.

Eines lernte sie jetzt schon ĂŒber den Alben: Seine Mutter steckte in Schwierigkeiten. Es war jedoch kaum möglich zu sagen, wie er darĂŒber dachte, welche GefĂŒhle dies in ihm weckte und in welchem VerhĂ€ltnis er zu ihr stand. Zudem wirkte es nicht so, als wĂŒrde er gerne mit ihr darĂŒber debattieren. Ana nahm sich vor, ihn trotzdem spĂ€ter danach zu fragen, vielleicht nachdem der Wein ihre Zungen ein wenig gelockert hatte.

Der Ausblick von der Spitze des Leuchtturms ĂŒbertraf alles, das Ana sich ausgemalt hatte. Der Zeitpunkt war ideal und es bot sich ein Traum von einem Abendhimmel. Die Norkara blickte eine kurze Weile einfach nur hinaus auf das Meer, folgte dann Faraels Einladung, sich zu ihm zu setzen. Vorsichtig stellte sie ihren Lautenkasten neben Faraels Waffen ab. „Ja, wunderschön“, hauchte sie. Mit einem lauten Plopp entkorkten sie die Bierflaschen und stießen an. „Ach“, schmunzelte Ana, „ich glaube, ich mag deinen Vater.“ Und sie meinte es auch so. „Was dein GlĂŒck ist, denn ich finde, du bist ihm recht Ă€hnlich“, fĂŒgte sie spitzbĂŒbisch an. „Lebt er schon lange hier?“
Sie nahm einen großen Schluck und merkte, dass sie schon lange kein Bier mehr getrunken hatte. Nun war es umso köstlicher. Ana liebte die weiche Cremigkeit des Schwarzbieres gepaart mit einer leichten Bitternote, wie von starkem Kaffee. Das rauschende Feuer des Leuchtturms machte ihre leichte Kleidung wett und sie war froh, heute einmal fern von stickigen und klebrigen Tavernen zu sein, wo MĂ€nner und Frauen grölten und rauften, wo es stank und beengt war. Hier oben machte die frische Brise vergessen, dass die Großstadt nicht weit war und Farael hatte Recht: fast konnte man das wahre Gesicht dieser Welt vergessen, wenn man hinaus blickte.
„Ich habe auf See gelebt“, sagte Ana nach einiger Zeit gedankenverloren. „Da gab es fast jeden Abend einen Anblick wie diesen.“ Sie zog die Knie an und umfasst sie mit den Armen. „Warst du schon einmal auf einem Schiff?“
Sie leerte ihr Bier und blickte sehnsĂŒchtig zu der Flasche Wein, die Farael daraufhin packte und geschickt öffnete.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

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Beitragvon Farael Dornenwind » Mo 29. Jan 2018, 22:51

Farael:
Seit Langem war es das erste Bier, welches Farael getrunken hatte. Noch nie konnte er Bier wirklich leiden oder dessen Geschmack genießen, auch wenn er es gern als 'FrĂŒhstĂŒck' vor den hĂ€rteren GetrĂ€nken zu sich nahm. Das stimmte den Körper wunderbar auf das Kommende ein und wenn man dann den Geschmack eines edlen Tropfens danach genoss, baute sich eine einzigartige Geschmacksmischung auf, welche ihre ganz eigene Note entfaltete.

Das Bier machte es auch sogleich einfacher, Anas freche Bemerkungen und den Unterton den sie inne hatte entspannter zu sehen. Nur ungern ließ sich Farael mit seinem Vater vergleichen. "Ja, tatsĂ€chlich lebt er schon lĂ€nger hier. Zu lang wenn du mich fragst. Er ist hier aber auch nicht herauszubekommen. Im Gegenteil", antwortete Farael wahrheitsgemĂ€ĂŸ und zuckte mit den Schultern. Wenn er nur an die Diskussionen zurĂŒckdachte, die er mit seinem Vater gefĂŒhrt hatte. Furchtbar. "Auf jeden Fall bin ich besser als er, also wird es ein leichtes, dass du mich sehr schnell mögen wirst." Das unverkennbare Grinsen Faraels legte sich auf seine Lippen, welches er nur zu gern zur Schau stellte. Sie genossen ihr Bier und es war auch schnell leer, doch der wahre Genuss wĂŒrde der Rotwein sein.

"Ob ich auf See war?", fragte Farael, wĂ€hrend er die Flasche entkorkte und zwei GlĂ€ser mit dem Inhalt befĂŒllte. "Nein, noch nie. Im Gegenteil. Ich bin eher jemand, der festen Boden unter seinen FĂŒĂŸen bevorzugt. Mein Vater hat mich mal mit auf ein Boot genommen. Der Typ der das Deck schrubben musste, kam gar nicht hinterher, so oft wie ich das Schiff vollgekotzt habe." Farael erhob sein Weinglas und prostete Ana zu, ehe er am Wein nippte und schließlich seinen Blick auf die See richtete. "Eine Norkara wie du kommt nicht einfach mal nach Obenza, der berĂŒhmt-berĂŒchtigten Drecksloch. Was treib dich hierher?"

Ana:
Ana sah Farael von der Seite an, als er ĂŒber seinen Vater sprach. Da war es wieder, das charmante Grinsen. Wenngleich sie wusste, das eben diesem mit Sicherheit schon viele Frauen zum Opfer gefallen waren, konnte sie nicht umhin, den Anblick zu genießen. Er war ein gut aussehender Mann! Die warmen GefĂŒhle, die sich des Anblicks wegen in ihr breit gemacht hatten, verschwanden allerdings so schnell wie sie gekommen waren, als Farael von seiner Seeerfahrung berichtete. In Anas Volk galt auf einem Schiff zu brechen als ein Zeichen von SchwĂ€che. Wenn ein Norkara nicht zur See fahren konnte, war er nicht mehr als ein KrĂŒppel ohne Beine. So zumindest der Wortlaut ihres Stammes. NatĂŒrlich wusste Ana, dass Farael kein SchwĂ€chling war. Trotzdem war das Bild, das sie von ihm hatte, nun ein wenig befleckt. "Dann werde ich dich am besten nie zu einer Exkursion aufs Meer hinaus einladen", sagte sie und schwor sich ebendies im Stillen. Sie wollte den Waldalben nicht zusammen gekrĂŒmmt und zitternd ĂŒber einem Eimer sehen. Ana erwiderte den Prost. Der Wein war wirklich außerordentlich gut. "Ach", seufzte Ana, "das ist eine lange Geschichte." Sie wollte hier enden, doch Farael schien wirklich interessiert, sodass sie zögerlich fortfuhr. "Lange Zeit hatten wir ein glĂŒckliches und sorgenfreies Leben als falsche, unmoralische und rĂŒcksichtslose Piraten... dann verstarb unser KapitĂ€n in einem Gefecht und da wir keine Nachfolge fanden, gingen wir hier vor Anker. Warum eigentlich Obenza?" Sie grĂŒbelte ein wenig, trank einen weiteren Schluck. "Wir waren nicht weit weg und es wimmelt hier von Seeleuten. Wir dachten, wir könnten bald wieder in See stechen. Doch es kam anders. Wir sind versackt und die Crew hat sich in der Stadt verteilt." Sie sah Farael mit ihren braunen Augen an. "Wenn der Ruf zurĂŒck ins Meer ertönt, werde ich ohne Wehmut sofort aufbrechen. So lange wie du hier schon lebst... das könnte ich nicht. Wie schaffst du das, ohne verrĂŒckt zu werden, oder... naja, du weißt schon, komplett zu verwahrlosen?"

Farael:
Piraten also. NatĂŒrlich hatte Ana zuvor schon etwas in diese Richtung angedeutet, jedoch hatte Farael nicht gĂ€nzlich darauf geachtet. Piraten waren hĂ€ufig fĂŒr blutige Massaker auf See verantwortlich. In Sagen und Geschichten waren sie die Schrecken der Meere. Eine Pest die es auszurotten galt. Und doch saß Farael mit einer Piratin zusammen, genoss einen vorzĂŒglichen Wein und, auch wenn er es wohl kaum offen zugegeben hĂ€tte, auch Anas Gesellschaft. "Piratin also, hm? Seltsam. So wie du da sitzt, unschuldig und deinen Wein genießend, wĂ€re das erste Wort welches mir in den Sinn gekommen wĂ€re, definitiv nicht Pirat gewesen. Doch wie heißt es so schön? Der Schein trĂŒgt gern." Weiterhin grinste Farael breit und lehnte sich ein StĂŒck zurĂŒck. Die Sonne war nur noch zu einem Drittel zu sehen und das rötliche Licht der DĂ€mmerung spiegelte sich wunderschön im Wasser des Meeres. "Aber um das festzuhalten, du steckst hier fest? Wenn ich unsere Situation so betrachte, ist es nicht unbedingt zu deinem Nachteil, oder? Vielleicht sĂ€he es anders aus, wenn du schon so lang hier leben wĂŒrdest, wie ich es bereits tue. Doch man gewöhnt sich an die Dinge. Anfangs wollte ich auch nichts akzeptieren, was hier passierte. Meldete mich bei der Stadtwache und dachte, ich könnte etwas verĂ€ndern. Nö, keine Chance. Die sind genau so korrupt unterwegs. Die Kunst hier nicht zu verwahrlosen ist wohl die, dass man selbst keine Skrupel haben darf, um in dieser Stadt zu ĂŒberleben. Wenn du ein moralisch korrekter Mensch bist, kannst du dein Leben hier vergessen. Sieh' uns beide an. Wir passen gut hierher." Dabei deutet Farael mit seiner Hand auf seine Waffen, aber auch auf Anas Gewandung und Bewaffnung. "So wie du dich kleidest, bewegst und verhĂ€ltst, vermutlich noch talentiert in anderen Dingen, hast du sicherlich keinerlei Probleme hier zu ĂŒberleben." Einmal mehr musterte Farael Ana und machte auch keinen Hehl daraus. Er spĂŒrte den Alkohol in seinem Körper und die WĂ€rme die davon ausging. Somit sparte er auch nicht damit offen zu zeigen, dass Ana sein Interesse geweckt hatte. "Die Gewandung einer Piratin steht dir aber ziemlich gut. Das muss man dir einfach lassen", fĂŒgte er noch keck an und zwinkerte seiner Begleitung zu.

Ana:
Ob Anas... nun ja: Beruf nun eine positive oder negative Überraschung fĂŒr Farael war, vermochte die Norkara nicht zu sagen. Ganz abstoßend fand er es aber wohl nicht, denn weiterhin feixte er und schien sich sicher zu sein, dass Ana den Moment mit ihm genoss. Das Ă€rgerte sie ein wenig, doch was nutzte es, zu tun, als tĂ€te sie das nicht? Ana musste lachen. Oh ja, wie Recht er hatte. Eigentlich gibt es keinen Ort, an den ich besser passen wĂŒrde, dachte sie zynisch. SĂŒnde pochte durch Obenzas Adern ebenso wie durch ihre eigenen. Doch war es nicht genau das, dem sie versucht hatte zu entkommen? Und war dieses Vorhaben ĂŒberhaupt möglich? NatĂŒrlich entging Ana die zweideutige Bemerkung des Alben nicht. Sie hatte andere Talente. Das dies aber so einfach zu erkennen war, hatte sie nicht erwartet. Andererseits... Faraels Blick rief ihr die FreizĂŒgigkeit ihrer Bluse in Erinnerung. Viele Frauen liefen so wahrscheinlich eher nicht durch eine Stadt voller wollĂŒstiger Kriminelle, es sei denn, ihr Beruf verlangte es. "Da hast du wohl Recht", sagte sie und nahm die HĂ€nde ĂŒber den Kopf, lehnte sich daran an. "Die VerhĂ€ltnisse hier sind wohl öfter zu meinem Vorteil als umgekehrt." Farael schenkte ihr zuvorkommend Wein nach. "Allerdings hatte ich bislang gedacht, mit einem ehrlichen Verfechter des Rechts unterwegs zu sein. Ich fĂŒrchtete schon, du könntest mich ebenfalls ĂŒberfĂŒhren oder niederstrecken. Denn eigentlich bin ich nicht viel mehr als ein rĂ€udiger Bandit." Ana wusste, dass sie flirtete. Widerwillen. Sich dagegen zu wehren war ihr aber noch nie leicht gefallen, vor allem nicht, wenn der Blick eines anderen sie derart herausforderte. Sie trank von dem frisch aufgefĂŒllten Kelch und blickte den Alben ĂŒber den Rand hinweg an. "Bald sitzen wir auf dem Trockenen... oder mĂŒssen die VorrĂ€te deines Vaters plĂŒndern."

Farael:
TatsĂ€chlich forderte Ana Farael ebenfalls heraus. Ob es dem Alkohol oder einfach nur ihrer Bekanntschaft geschuldet war, vermochte er nicht zu sagen. Im Gegenteil. DarĂŒber tappte er im Dunkeln. Doch was brachte es ihm, darĂŒber zu sinnieren und genaustens zu analysieren, wenn er es einfach genießen konnte. Allerdings weckte Ana in ihm eine Seite, die er vor vielen verbarg, besonders vor anderen Söldnern. Sie forderte ihn auf eine angenehme Art und Weise, welche er sehr begrĂŒĂŸte. "Wir brauchen nicht mehr Alkohol oder Wein. Beim meinem Vater wirst du auch nicht fĂŒndig, er trinkt nicht. Im Gegenteil. Er lehnt es streng ab." Mit Unschuldmiene und schiefem Grinsen entschuldigte sich Farael, ehe er die letzten tropfen aus der Flasche quetschte und gerecht aufteilte. Dies nur zur ErklĂ€rung. Faraels Augenmerk lag jedoch klar auf Ana. Doch nicht um sie auszuziehen und es mit ihr zu treiben, wie schön es sein Vater ausgesprochen hatte. "Keine Angst, mit Recht und Ordnung wird dir hier keiner kommen. Eher wird Ungerechtigkeit und Vorteil belohnt." Farael erhob das Glas und prostete erneut zu. "Zudem bist du mehr als eine rĂ€udige Banditin. Schau' dich an. Ich meine, ich bin nicht die hellste Leuchte, doch man merkt sofort, dass in dir mehr steckt als das. Und bevor du mich falsch verstehst: Das ist kein leeres Geschwafel. Hast du ĂŒberhaupt jemanden, der dein wahres Potential erkennt und zu schĂ€tzen weiß?"

Ana:
Ein Teil von Ana war enttĂ€uscht, ja, vielleicht gar nervös und hibbelig, bei dem Gedanken, dass es bald nichts mehr zu trinken gĂ€be. Ein anderer Teil schalt ihn dafĂŒr. Wollte sie ihre Zunge lĂ€hmen, nun, da sie jemanden kennen gelernt hatte, mit dem eine Unterhaltung interessant war und Spaß machte? Ein gemĂ€ĂŸigter, ja fast abstinenter Abend konnte ihr nun wirklich nicht schaden. Fortan wĂŒrde sie einfach langsam trinken. "Wahrscheinlich ist er damit wesentlich besser dran als wir", seufzte Ana, auch wenn sie sich nicht ausmalen konnte, nur einen Tag ohne einen Drink zu verbringen. Da wĂŒsste sie ja morgens schon, dass der Tag nicht mehr besser werden wĂŒrde. Ana schluckte. Unwissend hatte Farael ein empfindliches Thema angesprochen. "Ich ziehe es vor, die NĂ€he zu anderen zu meiden, also nein. Mit Ausnahme meines Bruders kennt mich wohl niemand hier genauer." Sie blickte auf das Meer hinaus. "Die Jahre haben mich gelehrt, dass ich damit viel besser dran bin." Seit ihrer Jugendliebe, die - auch wenn sie daran ungern dachte - spĂ€ter auch fĂŒr kurze Zeit ihr Ehemann gewesen war, hatte sie niemanden außer der eigenen Familie wieder an sich heran gelassen. So etwas konnte doch gar nicht gut ausgehen. "Was denkst du denn, das in mir steckt?", fragte sie zum einen, weil sie gerne das Thema wechseln wollte und zum anderen, weil sie das wirklich interessierte und sie selbst bis auf die musikalischen und diebischen Fertigkeiten wenig in sich sah.

Farael:
Farael richtete sich in den Schneidersitz auf und setzte sich zu Ana gewandt. Sein Blick schweifte abermals ĂŒber sie. Doch musterte er nicht ihren Körper an sich, sondern was sie ausstrahlte und wie sie an sich wirkte. Ihre Frage war verstĂ€ndlich, schließlich hatte sie mit ihrer Aussage mehr als deutlich gemacht, wie sie zu Anderen stand. "Ich kann dich verstehen. Zumindest etwas. In meinem Leben wurde ich auch schon mehrmals hintergangen und musste den Preis dafĂŒr bezahlen. Viele Dinge die andere interessanter machen könnten, werden als SchwĂ€che gesehen. Zudem ist Vertrauen eine Sache, die schnell in Verderben und Niederlage mĂŒnzen kann, wenn man sie nicht dem Richtigen schenkt." Sein Blick entfernte sich schließlich von ihr und lenkte auf die Stadt. Die Bewohner streiften durch die Straßen. Hier und dort erkannte man sich prĂŒgelnde Leute, an anderen Stellen wurden Waren feilgeboten und an wieder anderen erhaschten Huren die Aufmerksamkeit ihrer Freier. Schließlich hob Farael einen Arm und deutete auf alles Andere innerhalb der Straßen Obenzas. "Sieh dich um Ana. Das, was da unten keucht und fleucht ist nichts, was es mit dir aufnehmen kann. TatsĂ€chlich kann ich dir nicht sagen, was ich in die sehe. Doch es ist mehr, als du zu vorgeben scheinst. Und das ist gut. Normalerweise bin ich auch nicht der Kerl, der so hier mit dir sitzen wĂŒrde. Zumindest wĂŒrden das die Meisten denken." Farael nahm seine HĂ€nde und faltete sie in seinem Schoß zusammen. Dabei ging sein Blick wieder auf Ana und sein Grinsen wurde zu einem warmen LĂ€cheln. "Wie gesagt, ich mag nicht die hellste oder aufmerksamste Person sein. Doch in dir erkenne ich, dass du viel erreichen wĂŒrdest und dich nach etwas sehnst, was ĂŒber pure Lust oder bloßer Habgier hinaus geht. Was es jedoch ist, dass kann ich dir nicht beantworten. Diese Antwort musst du dir selbst geben." Mit aller Ruhe versuchte Farael mit Ana zu sprechen. Auch wenn er aufrecht saß und sie neugierig musterte, war er entspannter denn je. Einerseits war er auf dem Leuchtturm maßgeblich sicher vor den meisten Gefahren, andererseits wusste er, dass Ana ihm nichts tun oder gar sich ihm abwenden wĂŒrde. Er hatte das Interesse in ihren Augen gesehen und er musste sich eingestehen, dieses Interesse zu genießen.
Ana:
Ein bitteres LĂ€cheln stahl sich in Anas Gesicht. Oh sie wĂŒnschte, es wĂ€re auch bei ihr so gewesen! Sie wĂŒnschte, es wĂ€re nicht sie gewesen, in die man falsches Vertrauen gesetzt hatte, die Menschen, die sie geliebt hatten, hintergangen und verletzt hatte. Ana brachte es nicht ĂŒbers Herz ihm das zu sagen. "Vermutlich wĂ€re es das Beste, wenn du gehst", sagte sie sich kalt. "Bevor er der nĂ€chste ist, den du benutzt." Doch Ana wollte nicht gehen. Und ebenso wenig wollte sie, dass Farael sich in diese Sammlung einreihte. Obwohl sie fĂŒrchtete wohin es fĂŒhren könnte, wollte sie die Geschichte mit dem Alben weiter schreiben. Er war anders. Vielleicht konnte sie das auch sein. "Eigentlich halte ich dich fĂŒr Ă€ußerst clever", sagte Ana leise, doch fĂŒgte schnell im Scherz an: "Aber vielleicht kenne ich dich nur noch nicht gut genug." Ja, nach was sehnte sie sich? Eigentlich war sie, wenn sie ehrlich war, die meiste Zeit vor sich selbst auf der Flucht gewesen. Vielleicht sehnte sich sich nach jemandem, der ihr lernte, mit sich selbst zurecht zu kommen? "Ich vermisse das Meer", sagte sie stattdessen. "Irgendwann werde ich wieder hinaus segeln. Dort habe ich mich frei gefĂŒhlt." Sie blickte Farael in die Augen, sah sein freundliches LĂ€cheln und konnte nicht anders, als es zu erwidern. "Allerdings muss ich sagen, deine Gesellschaft ist auch nicht schlecht", zwinkerte sie. Es stimmte. Allein, wie die Zeit verflog, seit sie zusammen waren, bestĂ€tigte dies. "Was ist mit dir? Hast du auch Ziele und WĂŒnsche, die du gerne erreichen möchtest?"

Farael:
Ein Moment der KĂ€lte und Unsicherheit war in Anas ZĂŒgen zu sehen. Sie waren nur kurz und oberflĂ€chlich unbedeutend. Farael wunderte sich im Inneren, was in ihrem Kopf wohl vorging. In ihr schien es zu brodeln, die Gedanken zu rasen und doch fĂŒr die Außenwelt völlig verborgen. FĂŒr einen Moment behagte es Farael nicht, was er in ihren Augen sah. Es war jedoch so schnell flĂŒchtig geworden, wie es gekommen war. Eine Frau voller Geheimnisse und Gedanken, die sie aber doch lieber fĂŒr sich behielt. Vielleicht war es doch besser, in ihrer NĂ€he auf sich aufzupassen? "Nein, das ist Irrsinn. Sie scheint mit sich zu kĂ€mpfen. Beruhige dich und rede mit ihr", dachte er sich und blieb entsprechend ruhig. "Danke dir", bedachte er ihres Kompliments bezĂŒglich seiner Intelligenz, auch wenn das spitzbĂŒbische Wort schnell wieder in ihre Sprache zurĂŒckkehrte. Darauf lachte er jedoch auf und kratzte sich am Kopf. Manchmal war er wirklich ein Idiot. Das wĂŒrde sie noch schnell genug merken. Doch ihre nĂ€chste Nachfrage verlangte von ihm mehr, als purem Idiotismus. Sie fragte nach Zielen und WĂŒnschen. Etwas, worĂŒber sich Farael nicht viele Gedanken gemacht hatte. Stattdessen hatte er in den Tag hinein gelebt und sich nur um sich gekĂŒmmert. Doch ihre Frage rĂŒttelte in ihm etwas wach und setzte etwas in Gang. "Wonach ich mich sehne?", wiederholte er. Sein Blick richtete sich auf den Horizont und schließlich auf die qualmenden Ruinen des Söldnerlagers. "Es gibt da schon etwas, was ich mich in meiner beruflichen Laufbahn wĂŒnsche. Was ein Ziel wĂ€re." Seine persönlichen Ziele verschwieg er, so hatte er Angst direkt als weicher Typ dazustehen, dessen Persönlichkeit schwach und voller Narrheit ist. "Ich war einmal ein AnfĂŒhrer eines Söldnerlagers. Ein Ableger des Schutthaufens den du da siehst. Damals wurde ich ĂŒbermannt und Intrigen um mich gesponnen. Viele gute MĂ€nner und Frauen verloren ihr Leben aufgrund meiner Unachtsamkeit und der Finesse des Feindes. Am liebsten wĂŒrde ich es noch einmal versuchen. Dieses Mal richtig. MĂ€nner und Frauen einen, unter einer großen Sache stehen lassen und dennoch ihre Freiheit wahren. Söldner die fĂŒr ihr Leben kĂ€mpfen und arbeiten, doch völlig unabhĂ€ngig sind. Das wĂ€re mein Traum." Sein Blick haftete an dem Söldnerlager am Horizont, dessen Umrisse nichts mehr von seiner einstigen Pracht zeigten. Faraels schĂŒttelte etwas mit dem Kopf und richtete seinen Blick schließlich wieder auf Ana, auf deren Anblick sich wieder ein sanftes LĂ€cheln auf seine Lippen legte. "Vielleicht wird es irgendwann einmal wahr. Doch es ist heute nur Hirngespinst, ein Luftschloss. Meine Ziele sind aktuell kleiner. Überleben zum Beispiel." Mit einem Schulterzucken und Lachen kratzte sich Farael am Kopf, als sein Blick schließlich auf Anas Instrument fiel. "WĂŒrdest du etwas fĂŒr mich spielen?" Dabei deutete er auf ihre Laute.

Ana:
Faraels Antwort verblĂŒffte Ana. Nicht, dass er AnfĂŒhrer des Lagers gewesen war, obwohl sie auch dies natĂŒrlich nicht gewusst hatte, sondern seine Vision. Sie musste zugeben, dass sie noch nie viel von Söldnern gehalten hatte. In ihren Augen waren auch dies nur Kriminelle. Farael war ihr von Anfang an nicht wie der typische Söldner erschienen, oder das, was sie sich darunter vorstellte. Und nun ĂŒbertraf er diese EinschĂ€tzung bei weitem. "Das klingt fast wie...", sie ĂŒberlegte noch einmal kurz, wie sie es ausdrĂŒcken wollte, "wie eine Familie." Solch ein hohes, uneigennĂŒtziges und definiertes Ziel konnte sie nicht vorweisen. "Ich hoffe sehr, dass du dieses Ziel erreichst, wirklich. Man merkt, dass es... wahrhaftig ist." Sie lĂ€chelte und hob ihr Glas. Leer... Ana krĂ€uselte die Lippen. "Oh, Überleben wĂ€re ein Anfang", schmunzelte sie und folgte seinem Blick. "Gern", sagte sie und befreite ihre Laute aus dem Kasten. Das polierte Holz glĂ€nzte im schwachen Schein des letzten Tageslichts. "Ich habe sie selbst gebaut", sagte sie, obwohl sie gar nicht wusste warum und begann die Saiten zu stimmen. Eine nach der anderen zupfte sie, mal leer, mal gegriffen, mal einzeln, mal im Akkord und zog nach und nach die Wirbel an. "Wie wird man AnfĂŒhrer eines so großen Haufens Söldner? Ich dachte immer, es gibt nur eines, dem sie dienen: dem Geld", fragte sie, wĂ€hrend die Töne immer klarer wurden und schließlich einen sauberen Klang abgaben.

Farael:
Interessiert schaute Farael den Fingern Anas zu, wie sie das Instrument geschickt zu stimmen begann. Sie entlockte den Saiten schon beim Stimmen einen angenehmen Klang, auch wenn die Töne ungeordnet und willkĂŒrlich schienen. Schließlich war es aber auch kein Lied, sondern nur der Auftakt fĂŒr ein solches. Dabei hörte auch er ihr aufmerksam zu und schaute genaustens auf jeden Handgriff den Ana tĂ€tigte. Farael war völlig fasziniert von dem was sie tat. Schon immer hatte er Lauten als ein schönes Instrument empfunden. Sie hatten seiner Meinung nach etwas magisches an sich, auch wenn ihnen keine tatsĂ€chliche Magie inne wohnte. "Zugegeben, fĂŒr ein selbst gebautes Instrument hĂ€ltst du dort ein wirklich schönes Instrument in den HĂ€nden. Du scheinst allgemein in solchen Dingen begabt zu sein, oder?", hakte er noch einmal nach. "Doch um deine Frage und deine Worte zu beantworten. Geld ist das Bestreben eines jeden Söldners. Doch genauer gesehen, ist es das eines jeden zivilisierten Lebewesens, welches unter der PrĂ€misse lebt, Geld verdienen zu mĂŒssen, um zu ĂŒberleben. Letzten Endes sind wir alle auf Geld aus, um unser Überleben zu sichern. Kaum noch etwas ist umsonst. Noch weniger ohne Geld zugĂ€nglich. Jedenfalls bin ich AnfĂŒhrer geworden, weil ich vielleicht den ein oder anderen Einsatz unter meiner FĂŒhrung erfolgreich abgeschlossen habe. Es war nichts, was ich jemals aktiv wollte. Doch man bot es mir irgendwann an und ich wollte der Herausforderung entgegentreten. Leider bin ich hoffnungslos gescheitert. Ich wĂŒrde mein Bestes geben, dass das nicht noch einmal passiert und dem auch einen höheren Zweck dient. Danke dir, dass du mich an diesem Punkt verstehst." Mit einem entspannten Seufzen lehnte sich Farael zurĂŒck und betrachtete Ana mit voller Ruhe in ihrem Tun.

Ana:
Das Kompliment ließ Ana lĂ€cheln. TatsĂ€chlich war der Bau von Instrumenten und Schiffen, das einzige, wovon ihr Volk in Sachen Handwerk etwas verstand. Etwas beschĂ€mt nahm sie Faraels Worte ĂŒber das Geldverdienen auf. Er hatte natĂŒrlich Recht. Auch Ana tat, was sie tat, um genug Geld fĂŒr ein Dach ĂŒber dem Kopf und eine warme Mahlzeit zu haben. Farael schien wirklich ein realistisches und objektives Weltbild zu haben. Und CharakterstĂ€rke. Nicht wenige wĂ€ren nach einem solchen Fehlversuch davon gelaufen, doch er wollte es erneut versuchen; besser, richtig. "Ich denke, du hast eine zweite Chance verdient", sagte Ana und spielte die ersten Akkorde ihres Lieblingsliedes. Sie hatte es in der Nacht auf See komponiert, nachdem sie die Rabeninseln verlassen hatten und immer war es ihr Liebstes geblieben, obwohl so viele folgten. In den Tavernen war es stets eines der StĂŒcke, die von den Leuten allenfalls mit GleichgĂŒltigkeit gestraft wurden und doch spielte sie es hartnĂ€ckig jedes Mal. Sie war der festen Überzeugung, dass es etwas in den Leuten bewirken konnte, wenn sie nur empfĂ€nglich dafĂŒr wĂ€ren. Einzelne gezupfte Akkorde wurden von einer filigranen Melodie abgelöst und nachdem sie das Intro einmal zu Ende gespielt hatte, begann Ana leise dazu zu summen. Das Lied, so fand Ana, schaffte eine perfekte Verbindung von verspielter Leichtigkeit und schwerer Melancholie, eben jenen GefĂŒhlzustĂ€nden, deren Wechselspiel sie sich selbst so oft ausgesetzt sah. Es zu spielen erdete sie stets. HĂ€ufig war es ihr Anker in stĂŒrmischer See und auch jetzt, in einem Moment, in dem sie eigentlich so schon glĂŒcklich war, tat es ihr gut. Sie lĂ€chelte Farael an, als sie endete. Ihr gefiel wie aufmerksam er ihr lauschte und sie beim Spielen beobachtete.

Farael:
Wie ein Bach aus flĂŒssigem Honig verließen die Töne die Laute Anas. Ihre geschickten Finger schienen mit Leichtigkeit und FeingefĂŒhl ĂŒber die Seiten zu huschen. Jeden Ton traf sie perfekt und das Lied wog in den Wind hinaus auf das Meer. Passend zu dessen Grundton. Die Melodie wurde federleicht davongetragen und doch wog die Schwere einer Geschichte in diesem Lied. Es verbarg etwas und war mit viel GefĂŒhl geschrieben worden. Ana untermalte die KlĂ€nge mit dem sanften Summen ihrer Stimmen, welche eine nahezu passende ErgĂ€nzung zu dem Lied war. Farael war hinweg ĂŒber dieses Lied. Selten hörte man etwas auf diese Art, wie sie es Ana zu spielen vermochte. NatĂŒrlich gab es zahlreiche Barden, die Ă€hnliche Lieder spielten, doch keines gelangte an die Schönheit heran, welche in Anas Lied mitschwang. Nachdenklich blickte Farael zur See hinaus und ĂŒberlegte, ob er dieses Lied schon einmal gehört hatte. Doch nichts was ihm in die Erinnerung trat, kam an heran. Leider mussten die KlĂ€nge bald schon enden und Farael wurde herausgerissen. Beinahe mit Wehmut akzeptierte er das Ende dieses Liedes. „Es ist eigensinnig, melancholisch“, erklĂ€rte er nachdenklich, sein Blick noch immer in Richtung See gewandt. „Deine Finger entlocken der Laute mit diesem Lied ein wahres Kunstwerk, welches ich so noch nie gehört habe.“ Farael richtete seinen Blick auf Ana und lĂ€chelte sie an. „Es ist wirklich wunderschön. Woher stammt dieses Lied? Es hat eine persönliche Note, oder?

Ana:
PrĂŒfend sah Ana den Alben an, ĂŒberrascht und misstrauisch zugleich. Allerdings konnte sie kein Anzeichen von Vorgegaukel erkennen. Faraels Blick war in die Ferne entrĂŒckt und er schien nach den richtigen Worten zu suchen, fĂŒr das, was er beim Hören des StĂŒckes empfunden hatte. Ein leises LĂ€cheln umspielte Anas Mundwinkel. "Danke", hauchte sie gerĂŒhrt. Er sah sie nun an, sanft und weich. "Ich habe es selbst geschrieben", erwiderte sie. "Und ja... es enthĂ€lt wirklich eine Menge von mir oder zumindest meiner damaligen GefĂŒhlslage." Nun war es an Ana, den Blick in die Ferne zu richten. "Es holt mich stets zurĂŒck in das Hier und Jetzt, wenn ich es spiele. TatsĂ€chlich bist du der erste, den es anzusprechen scheint. Die meisten TavernengĂ€ste mögen eher so etwas." Ana griff das Instrument neu und begann eine schnelle, fröhliche Melodie zu spielen, die sie durch KlopgerĂ€usche mit ihrer Zupfhand rhythmisch begleitete. Es war eines der Lieder, die vorne weg dampften, wie eine schnelle Pferdekutsche und alle Leute mit sich zog, sie hin und her schwanken ließ und zum Klatschen, Stampfen und Singen verleitete. Der Text war typisch. Er handelte von Wein und Frauen und der ewigen Jugend und war eingĂ€ngig und einprĂ€gsam. "Mag ich auch ganz gern", sagte sie, nachdem sie geendet hatte. "Je nachdem, in welcher Stimmung ich gerade bin." Gedankenverloren klimperte sie leise vor sich hin, ohne ein wirkliches Lied zu spielen. "Hast du etwas, das du abseits deiner AuftrĂ€ge gerne tust? Außer trinken und hĂŒbsche Frauen ausfĂŒhren?" Sie zwinkerte freundlich.

Farael:
Zu gern hĂ€tte Farael Ana weiter ĂŒber ihr eigenes Lied ausgefragt, doch sie schien fĂŒr den Moment auf ein anderes Thema wechseln zu wollen. Es war auch völlig in Ordnung, denn das Lied welches sie selbst geschrieben und ihrer Beschreibung nach viel von ihr enthalten wĂŒrde, war vermutlich ein tiefer Ausdruck eines innere Kampfes, wenn nicht sogar Schmerzes. Farael musterte Ana genau, bevor er ihr antwortete, suchte in ihren Augen und GesichtszĂŒgen nach etwas, was ihm mehr ĂŒber diese Frau verriet. Doch er fand nichts, womit er hĂ€tte etwas anfangen können. Ein wenig enttĂ€uschend fĂŒr ihn, doch wollte Farael Ana nicht weiter treiben als es nötig war. Ihr Umschwung auf ein gĂ€ngiges und fröhliches Lied bestĂ€tigte schließlich seine Vermutung. "TatsĂ€chlich mag ich diese Art von Lied nicht so sehr. Es ist nicht besonders, so langweilig und wenig gehört. Zu wenig GefĂŒhl und zu wenige Gedanken. Musik sollte die Seele ansprechen und nicht die Lust", kommentierte er schließlich ruhig und lĂ€chelte dabei. Warum fĂŒhlte er sich so unglaublich wohl in Anas NĂ€he? "Abseits meiner AuftrĂ€ge?", fragte er sie und lenkte sich zeitgleich von der Frage in seinem Kopf ab. "Ich gehe noch jagen, fĂŒr Felle und Fleisch. Ansonsten nicht wirklich viel. Wie ich vorhin sagte, versuche ich eher zu ĂŒberleben. Wie steht es um dich? Es verbirgt sich mit Sicherheit noch viel hinter deinem Gesicht." Herausfordernd lĂ€chelte Farael Ana zu, ehe er ihr Zwinkern erwiderte.

Ana:
Farael erntete weitere Pluspunkte. Die wenigstens hatten ein wahres VerstĂ€ndnis und das richtige GefĂŒhl fĂŒr Musik. NatĂŒrlich freute sich Ana auch, wenn die Leute auf Basis ihrer fröhlichen Lieder feierten und ihr zujubelten, doch sie konnte dies von wirklichem Zuspruch unterscheiden. Musik sollte Geschichten erzĂ€hlen und die Fantasie anregen und zwar nicht auf [i]diese[i/] Art und Weise, da stimmte sie vollkommen mit Farael ĂŒberein. Der Nachteil war, dass man als Musiker dann hĂ€ufig alle HĂŒllen fallen ließ, zumindest, wenn jemand bereit war, genau genug hinzuhören. Vor dem richtigen Publikum wĂ€re Ana jederzeit dazu bereit gewesen.
"TatsĂ€chlich versuche auch ich hauptsĂ€chlich zu ĂŒberleben und dabei nicht versehentlich im Rum zu ertrinken." Sie lĂ€chelte schwach. "Aber das heißt doch nicht, dass man nicht ab und zu einer Leidenschaft nachgehen oder dem Leben frönen kann, oder? Ich lebe vornehmlich in den Tag hinein, weiß morgens meist nicht, wo ich abends schlafen werde... manchmal, so wie heute, verlasse ich die Stadt fĂŒr eine Weile... manchmal kĂŒsst mich die Muse und ich schreibe neue Lieder... doch ansonsten kann ich auch nicht allzu viel vorweisen." Langsam ließ sie die Finger auf und ab ĂŒber die Saiten streichen. "FrĂŒher hat mein Vater mir ab und zu erlaubt, mit den Jungen auf Jagd zu gehen... vielleicht nimmst du mich eines Tages mal mit?"

Farael:
Mittlerweile war die Sonne hinter dem Horizont verschwunden und nur das Feuer in ihrem RĂŒcken wĂ€rmte und erhellte sie zugleich. Aufmerksam lauschte Farael den weiteren Worten, die besorgniserregend und zugleich belustigend zugleich waren. Einerseits konnte er sich ein solch freies Leben kaum vorstellen, so war er froh ein Dach ĂŒber dem Kopf zu haben, andererseits reizte es auch auf eine gewisse Art und Weise. Schließlich genoss er es manchmal bis in die Nacht zu jagen und schließlich unter dem Sternenzelt zu ĂŒbernachten. "Du hast definitiv Besseres als dieses Drecksloch namens Obenza verdient Ana", antwortete Farael ernst. "Wie ich dir heute schon einmal sagte, du scheinst großes Potential zu besitzen. Es ist nur nicht der richtige Ort oder der richtige Umstand, der dich hier treibt. Zumindest denke ich das." Völlig entspannt lehnte Farael gegen einer der SĂ€ulen des Leuchtturms, ehe er ein langgezogenes GĂ€hnen von sich gab. Darauf blickte er Ana wieder mit einem sanften LĂ€cheln an. Ihr Gesicht wurde von den Flammen des Leuchtturms beleuchtet und setzten ihre ZĂŒge in einen schönen Kontrast zur Dunkelheit. Man konnte ihr ihre attraktive Natur nicht aberkennen. "NatĂŒrlich nehme ich dich gern mal mit jagen. Vorausgesetzt, du hĂ€ltst es mit mir lĂ€nger aus, als nur einen Tag. Wenn ich jagen gehe, dann fĂŒr ein paar Tage." Doch diese Frage Anas drĂ€ngte sich schnell wieder in Faraels Hinterkopf, als ihm etwas Anderes nicht gut aufstieß. "Wo schlĂ€fst du denn diese Nacht?"

Ana:
"Das ist sehr nett von dir, das zu sagen. Ich hoffe, du hast Recht." Ana legte den Kopf in den Nacken und blickte nun, da es dunkel war, nach oben an den Sternenhimmel. "Oh... wenn das so ist, dann komme ich besser nicht mit." Krampfhaft versuchte sie ernst zu bleiben, doch musste schließlich doch lachen. "Nein, Spaß beiseite. Ich glaube, ein paar Tage wĂŒrde ich mit dir schon aushalten, Farael." Sie stupste ihn mit dem Fuß am Bein an. Dann erstarb ihr LĂ€cheln. "Nun ja... ich wollte mir irgendeinen Gasthof suchen... doch daran habe ich jetzt gar nicht mehr gedacht." Überrascht stellte sie fest, dass sie wirklich nicht den geringsten Gedanken an eine nĂ€chtliche Bleibe verschwendet hatte, seit sie auf dem Markt gewesen waren. Langsam aber sicher wĂŒrde es schwer werden, ein Bett zu ergattern, zumindest in den sauberen und sicheren Tavernen. "Möglicherweise hat der Alfons noch ein PlĂ€tzchen fĂŒr mich, das wĂ€re zumindest nicht weit von hier." Der Drang, Farael zu fragen, ob er ihr Obdach gewĂ€hren wĂŒrde, oder, ob sie nicht einfach hier bleiben konnten, machte sich in ihrem Bauch breit. Doch sie traute sich nicht zu fragen. "Meinst du, dein Vater will bald zu Bett? Immerhin wird er nach uns abschließen wollen, oder?"

Farael:
Farael teilte Anas lachen auf ihren Kommentar hin. "Glaube mir, ich kann nerviger sein, als dir lieb ist!", feixte er schließlich noch und knuffte Ana in die Schulter, ehe er sich wieder zurĂŒck lehnte und die Gebahren Anas beobachtete. Offensichtlich hatte sie nicht darĂŒber nachgedacht, wo sie nun schlafen wollte und wann genau sie schlafen wollte. Insgeheim wunderte er sich, warum Ana nicht einfach Farael fragte, was auch ein wenig an seinem Stolz kratzte. Statt Ana weiter darĂŒber nachdenken zu lassen und ehe sie sich verzettelt oder unter der nĂ€chsten BrĂŒcke schlĂ€ft, musste er ihr offenbar ein Angebot machen: "Wie wĂ€re es, wenn du ganz einfach mit in mein Haus kommst. Ich habe zwar nur ein einzelenes Bett, aber du kannst gern das Sofa haben, welches ich gefĂŒhlt nie benutze. Sollte bequem und warm genug sein, dass du dort gemĂŒtlich schlafen kannst. Und jetzt wo du es ansprichst, sollten wir vielleicht wirklich den Leuchtturm rĂ€umen. Vater wird sicherlich schon unten warten und sich fragen, ob ich es geschafft habe dich zu schwĂ€ngern oder nicht." Mit einem breiten Grinsen erhob sich Farael und streckte sich einmal krĂ€ftig durch, ehe er seiner Begleitung die Hand zum Aufstehen reichte.

Ana:
Oh wie erleichtert sie war! Vermutlich konnte sie das auch nicht annĂ€hernd in ihrem Gesichtsausdruck verbergen. Am liebsten hĂ€tte sie Farael geherzt, dass er ihr die schwere Entscheidung abnahm. Vor allem, weil sie sich sicher war, dass es ein ehrlichen Angebot war und nichts damit zu tun hatte, dass er sie ins Bett hĂ€tte kriegen wollen. Sie musste sich schon sehr tĂ€uschen, wenn das doch sein Ziel war. Viel zu angenehm und natĂŒrlich war das GesprĂ€ch verlaufen, viel zu ehrlich waren seine Worte und seine Reaktionen gewesen. Nein; Farael wollte ihr wahrscheinlich wirklich nur helfen, vielleicht sorgte er sich gar ein wenig um sie oder konnte es nicht mit sich vereinbaren, eine einsame Frau allein auf die dunklen Straßen loszulassen. "Du bist mein Held", sagte sie. "Ich werde auch nichts mitgehen lassen, versprochen." Vorsichtig verstaute sie die Laute in ihrem Kasten. "Soll ich mein Haar ein wenig durcheinander bringen oder einen zweideutigen Kommentar loslassen, um ihm seine Fantasie zu belassen?", grinste Ana. Sie war aufgestanden und blickte noch einmal hinaus auf das schwarze Meer. "Weißt du, das war wirklich sehr schön hier zu sitzen. Ich habe mich schon ewig nicht mehr anstĂ€ndig mit jemandem unterhalten. Sogar der Mangel an Alkohol hat nicht gestört." Über die Schulter hinweg sah sie den Alben an, der sich kurz streckte und dann seine Waffen ergriff. Das weiche Haar fiel ihm vor das Gesicht, als er sich bĂŒckte. Ja... irgendwann wollte sie wissen, was sich unter all den Schichten Stoff, RĂŒstung und Leder verbarg, wie diese Lippen schmeckten, die so ĂŒberlegte und charmante Dinge sagten und wie sich die HĂ€nde anfĂŒhlten, die schlank und krĂ€ftig zugleich nach der AusrĂŒstung griffen. Doch nicht heute. Immerhin wagte sie zu hoffen, dass sie Farael noch öfter sehen wĂŒrde.

Farael:
Mit aller Ruhe griff Farael nach seinen Waffen und lĂ€chelte dabei mĂŒde vor sich her. Die Reaktion Anas war mehr als grandios und belustigend zugleich. Zudem fĂŒhlte er sich etwas besser, sie nicht auf der Straße zu wissen, wo sie vermutlich im letzten Loch schlafen wĂŒrde. "Keine Sorge, du wirst bei mir nichts klauen. Oder zumindest machst du es nur einmal", erwiderte er mehr spaßig, wĂ€hrend er ihr zuzwinkerte und die Zunge herausstreckte. Mit aller Ruhe griff er zu seinen Waffen und brachte sie an die ordnungsgemĂ€ĂŸen Stellen an seiner RĂŒstung. Die brauchte eine Minute, in der Ana mit ihrer Laute beschĂ€ftigt war und Farael sich einen Plan ausdachte, ihre Frage anderweitig zu beantworten. Als sie schließlich fertig war und ihre Sachen zusammen gepackt hatte, trat Farael unverhohlen an sie heran, ein charmantes Grinsen auf den Lippen. Sein Blick vertiefte sich in ihre Augen. Er legte seinen Kopf schief. Und plötzlich schoss er mit seiner Hand auf Anas Haupt und brachte ihr Haar völlig in Unordnung. Mit einem Ă€ußerst breiten Grinsen und Lachen beantwortete er ihre Frage wortlos. Erst als er mit seinem Werk fertig war, ließ er von Ana ab und betrachtete sie zufrieden. „So, sieht perfekt aus. Der Look steht dir. Schön durchtrieben und frech“, grinste Farael Ana an und deutete ihr den Vortritt nach unten an.

Ana:
Ana war noch tief in Schmachterei versunken, als Farael plötzlich auf sie zukam. Was passierte nun? Sie spĂŒrte wie ihr Herz wider Willen schneller schlug und ihr Mund öffnete sich ganz automatisch ein wenig, wĂ€hrend ihre Augen den seinen anhingen. WĂŒrde er sie nun doch kĂŒssen? Und wĂŒrde sie es zulassen? Und wieso klopfte ihr Herz ĂŒberhaupt so stark? Sie konnte sich nicht erinnern, wann das zuletzt der Fall gewesen war. Doch die GrĂŒbelei war umsonst. Vollkommen perplex und im ersten Moment sogar etwas wĂŒtend und beschĂ€mt darĂŒber, dass sie den Augenblick komplett missgedeutet hatte, stand Ana da wie paralysiert. Schließlich musste sie aber auch grinsen und tastete automatisch nach der zerstörten Frisur. "Okay... so war das nicht gedacht", lachte sie und boxte ihn spielerisch gegen die Brust. "Passt doch gar nicht zu mir, wo ich so artig und brav bin." Sie rettete, was zu retten ging und stieg langsam die Treppe hinab, um nicht zu stĂŒrzen.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#18

Beitragvon Farael Dornenwind » Sa 17. Feb 2018, 00:42

Farael:
„Artig und brav? Naja, das ist wohl ein Punkt ĂŒber dem man streiten könnte“, antwortete Farael grinsend und zwinkerte Ana zu. Wohlwollend ist ihm der Blick Anas auf seine AnnĂ€herung aufgefallen. Vermutlich hatte sie etwas gĂ€nzlich Anderes erwartet, als Farael ihr zuletzt gegeben hatte. Doch wie sie ihn angeschaut und betrachtet hatte. Sie hatte ihren Blick nicht ĂŒber seinen Körper fahren lassen, zumindest schien es fĂŒr Farael so, und in ihren Augen hatte keine Lust gelegen. Im Gegenteil. In ihr war etwas Anderes vorgegangen, doch Farael war nicht in der Lage, es richtig zu deuten. So ließ er auch vorerst von diesen Gedanken ab und folgte Ana die Treppe hinab, ehe sie schließlich wieder unten ankamen. Dort wartete bereits sein Vater auf sie, der ein unglaublich schelmisches Grinsen aufgesetzt hatte. „Du siehst ganz schön fertig aus MĂ€dchen. Was hast du denn mit ihr gemacht Farael? Sie sieht ja aus, wie deine Mutter nach unserer ersten Nacht!“, merkte Manhir lachend an und blickte auf Farael und Ana. NatĂŒrlich musste er irgend einen dummen Kommentar abgeben und wirklich wissen, wie das Sexleben seiner Eltern ist oder war, wollte Farael nun wirklich nicht. Farael seufzte und warf seinem Vater einem bösen blick zu, doch der grinste nur noch breiter und blickte Ana nun eindringlich an. „Bevor ihr geht, will ich wissen wie mein Sohn so beim Sex ist, junge Dame.“

Ana:
Ana ĂŒberlegte kurz, in welche Richtung sie ihre Antwort lenken wollte. Sie könnte das Ruder an sich reißen und sich als Nymphe und heimliche Sexgöttin ausgeben, sie könnte andererseits Manhirs Vorstellungen von seinem Sohn befeuern, in die eine, wie die andere Richtung oder aber schlicht die Wahrheit sagen, dass ĂŒberhaupt nichts gelaufen war. Letzters verbannte sie sofort wieder aus dem Kopf. Nicht nur, dass es den alten Alben vermutlich enttĂ€uschen wĂŒrde, es war auch alles andere als glaubwĂŒrdig und wahrscheinlich wĂŒrde sie allein deshalb schon erröten. "Gute Pferde brauchen gute Reiter", sagte sie schließlich zwinkernd. "Du kannst stolz auf deinen Sohn sein." Sie klopfte ihm mit der flachen Hand auf die Brust und grinste amĂŒsiert, als Farael die Augen verdrehte.

Farael:
Ganz zu Faraels Missgunst wurden die Augen seines Vaters wesentlich grĂ¶ĂŸer und sein LĂ€cheln zeigte den Stolz, welchen er gegenĂŒber seinem Sohn empfand. Farael, nicht ganz wissen ob er peinlich berĂŒhrt oder amĂŒsiert sein sollte, zwang sich ein LĂ€cheln ab und gab ein "Danke" von sich. Darauf musste er aber auch grinsen, als sein Blick auf Ana fiel, sie verwegen angrinste und ihr sanft gegen die Schulter schlug. "Du Teufelsweib", flĂŒsterte er Ana schließllich doch zu. "Gut, mehr wollte ich gar nicht wissen. Abflug mit euch Vögelchen!", forderte Manhir schließlich auf und als Farael und Ana an ihm vorbeikamen, klopfte dieser auf Faraels Schulter. "Danke Vater. Und gib Bescheid, wenn es etwas Neues von Mutter gibt." Faraels Vater nickte nur und geleitete Ana und Farael nach draußen, ehe die schwere TĂŒr ins Schloss fiel. "So, du magst ihn wirklich?", hinterfragte Farael bei Ana noch einmal und ging bereits die ersten Schritte in Richtung Stadt. Er selbst war sich nicht ganz sicher, ob Ana Zuneigung zu seinem Vater ein gutes oder schlechtes Zeichen war.

Ana:
"Ja", sagte Ana bestimmt. "Er hat freundliche Augen. Ich glaube, er ist ein guter... Alb." Beinahe hĂ€tte sie Mensch gesagt. "Da Ă€ndern auch seine derben SprĂŒche nichts daran", fuhr sie fort. "Im Gegenteil. Irgendwie macht ihn das nocht sympathischer." Einen Augenblick verstummte sie. "Du hast dieselben Augen, weißt du das?" fĂŒgte sie dann an und lĂ€chelte. "Nein, ich mag ihn wirklich. Vermisst er deine Mutter sehr?" Ganz beilĂ€ufig stellte sie die Frage, doch sie wusste, dass sie sich auf eine Gratwanderung begab und in Kauf nahm, dass die Stimmung kippte. Sie hatte nicht geplant gehabt, Faraels Vater als AufhĂ€nger fĂŒr das Thema zu nehmen und hoffte, er nahm es ihr nicht ĂŒbel. Im Gegenteil: eigentlich interessierte es sie wirklich, denn Manhir hatte irgendwie froh darĂŒber gewirkt, kurz Gesellschaft zu haben, ganz so, als fĂŒhle er sich ein wenig einsam.

Farael:
Farael lĂ€chelte anfangs dankbar bei den Worten, die ihm Ana schenkte. Er hatte noch nie gehört, dass er die Augen seines Vaters haben solle, aber auf einer gewissen Art fand er es angenehm dies gesagt zu bekommen. Manchmal hatte er die BefĂŒrchtung, die Wurzeln seiner Eltern seien in ihm verloren gegangen. Ganz so, als ob er ein eigenes Abkömmling wĂ€re. Doch die nĂ€chste Frage riss Farael aus diesen Gedanken heraus. Sie kam unverhofft und ein Unwohlsein breitete sich in Faraels Bauch aus. Er seufzte. "Ja, ich denke schon. Mutter ist schon seit fast vier Monaten fort. Mein Vater liebt sie sehr, dass weiß ich und kann ich auch immer spĂŒren, wenn ich in seiner NĂ€he bin. Es muss furchtbar sein, so lang von einem geliebten Menschen getrennt zu sein", erklĂ€rte Farael schließlich, wobei in seiner Stimme Unsicherheit. Er wusste nicht, ob es das Richtige war, Ana diese Dinge anzuvertrauen oder zu erzĂ€hlen. Doch er tat es einfach. Ana schien die richtige Person zu sein. NatĂŒrlich war sie das. Ansonsten wĂŒrde er wohl kaum mit ihr unter dem Mondlicht durch die ruhiger gewordenen Straßen Obenzas spazieren, durch welche der salzige Duft des Meeres vom Hafen in die Stadt strömte.

Ana:
Ana verspĂŒrte einen Stich in ihrem Innern. Es war ein merkwĂŒrdiges GefĂŒhl. Sie war gerĂŒhrt darĂŒber, dass Liebe so lange wĂ€hren konnte, dass eine Trennung besonders schmerzte und gleichzeitig war sie urplötzlich tieftraurig, dass sie selbst so etwas scheinbar nicht empfinden konnte. War sie nicht immer nach kĂŒrzester Zeit davon gelaufen? Hatte sie die Leute, die ihr nahe waren, nicht immer schnell satt? Fast war sie ein wenig neidisch auf Faraels Eltern, dass sie nach all der Zeit noch echte GefĂŒhle fĂŒr einander hatten. Ana schalt sich fĂŒr diese Gedanken. Stattdessen konzentrierte sie sich auf Farael. Sie sollte sich eher geehrt fĂŒhlen, dass er dies mit ihr teilte und dankbar, dass er ihr die persönliche Frage nicht ĂŒbel genommen hatte. "Aber es ist auch schön, oder? Zu wissen, dass es jemanden gibt, mit dem mal so etwas teilt?", versuchte sie. "Wisst ihr denn, wann sie zurĂŒck kommen wird?"

Farael:
Erneut lĂ€chelte Farael auf die Worte Anas. Sie hatte etwas an sich, was er nicht beschreiben konnte, aber auf alle FĂ€lle war es das Talent, wie sie mit ihm redete. Sie schien von Moment zu Moment symphatischer, obwohl sie faktisch gar nichts tat. Zwar erinnerten ihre Worte an das Dilemma in dem seine Mutter derzeit steckte, jedoch schaffte sie es auch, ihn zeitgleich zu beruhigen und die Möglichkeit, sich zu öffnen. Etwas, was Farael angenehm und ein wenig unheimlich zu gleich war. "Manchmal sind die Menschen mit denen man solche Dinge teilen könnte, nĂ€her als man in einem Moment vermuten kann. Sie könnten einem direkt vor der Nase stehen, doch ihre wahre Bedeutung entfaltet sich immer erst spĂ€ter", antwortete Farael lĂ€chelnd auf Anas erste Frage. Sein Blick ging in Richtung des Himmels, in dem die Sterne deutlich zu sehen waren. "Leider wissen wir aber nicht, wann sie zurĂŒckkehren wird. Sie steckt in ... schwierigen UmstĂ€nden." Das seine Mutter im GefĂ€ngnis steckte, weil sie den Falschen bestohlen hatte, verschwieg Farael lieber. Er wollte nicht, dass Ana etwas Falsches ĂŒber ihn oder seine Familie denken konnte. "Wir hoffen Beide, dass sie bald wieder zurĂŒckkehrt. In der Zeit halten wir uns mit unserer eigenen Arbeit ĂŒber Wasser. Hin und wieder besuche ich meinen Vater auch, damit er nicht ganz verkommt."

Ana:
Die Norkara dachte ĂŒber Faraels Worte nach. War das so? War sie womöglich oft zu ungeduldig im Umgang mit anderen oder waren es bislang schlicht die falschen gewesen? "Vielleicht hast du Recht", gab sie leise zurĂŒck. Ana entging sein kurzes Stocken nicht. Irgendetwas an der Lage seiner Mutter war ihm unangenehm. Dieses Mal war sie feinfĂŒhlig genug, nicht genauer nachzuhaken. "Dann hoffe ich es auch! Mich wĂŒrde schon sehr interessieren, welche Frau einen DraufgĂ€nger wie Manhir zĂ€hmen konnte." Sie zwinkerte. "Es ist sehr nett, dass du ihn regelmĂ€ĂŸig besuchst. Intakte Familien gibt es auch nicht mehr allzu hĂ€ufig." Ana wusste nicht, warum sie das sagte. Immerhin war ihre eigene Familie eigentlich auch in Ordnung, wenn man davon absah, dass beide Geschwister dem Alkohol erlegen und fern der Heimat waren. Sie kannte ganz andere Dramen auf der Welt...

Farael:
Mit seinem sanften Lachen dachte er ĂŒber Anas letzte Worte nach. Intakte Familien gibt es nicht hĂ€ufig. Aus Erfahrung konnte Farael tatsĂ€chlich nicht sprechen. "Ja, meine Familie sind die Einzigen die ich momentan noch habe. Zumindest momentan. Ich hoffe es Ă€ndert sich irgendwann einmal wieder." Der "Duft" der Stadt wurde zunehmend dichter und man konnte förmlich riechen, dass sie sich nahe der Slums befinden mussten. Je nĂ€her sie dem kamen, desto mehr betrunkene Gestalten schlenderten durch die Straßen und trĂŒbten die Ruhe des Abends. Aus unerfindlichem Grund fielen ihm aber wieder die Worte Anas ein, die sie an seinen Vater gerichtet hatte. Die BestĂ€tigung seiner Leistung. Ein Grinsen legte sich auf seine Lippen. Einerseits um die Stimmung ein wenig aufzulockern, andererseits um das Thema zu wechseln, fragte er: "Ein gutes Pferd braucht also einen guten Reiter, so so. Wer von uns beiden ist denn das Pferd und wer der Reiter? Wer muss gezĂ€hmt werden und wer die Oberhand gewinnen?" Sein Grinsen wurde nur noch breiter, als er Ana verspielt anschaute.

Ana:
Ana machte einen etwas grĂ¶ĂŸeren Schritt ĂŒber einen Haufen Erbrochenes. Aus einem geöffneten Tavernenfenster drangen die dumpfen GerĂ€usche einer SchlĂ€gerei, begleitet vom Klirren von GlĂ€sern und dem Johlen von Schaulustigen. "Hm", schmunzelte sie. "Darf ich es mir aussuchen?" Sie fuhr sich durch das noch immer etwas zerzauste Haar. "Dann bin ich der Reiter mit den ZĂŒgeln fest in der Hand. Und einem unartigen Pferd gebe ich schon mal die Sporen oder hole die Peitsche heraus", sie lachte. "Aber wenn es artig ist, lasse ich Milde walten und es gibt eine Belohnung... hinterher. Was hĂ€ttest du gewĂ€hlt?"

Farael:
Mit dieser Antwort hatte Farael gar nicht gerechnet. Doch sie sorgte dafĂŒr, dass seine Lippen sich weiter in die Breite zogen und er einmal herzhaft lachte. "Eine Frau mit Temparament. Ich muss zugeben, dass mag ich. Wenn du mich aber schon so fragst, hmm." FĂŒr einen Moment ĂŒberlegte Farael seine Antwort, wich dabei einer Schnapsleiche aus und malte sich gerade die Szenarien in seinem Kopf aus. "Ein wildes und ungestĂŒmes Pferd, was sich nicht gern zĂŒgeln lĂ€sst und gezĂ€hmt werden will. Das könnte mir durchaus stehen. Also, natĂŒrlich nur rein hypothetisch." Farael zwinkerte Ana zu und lachte wieder, ehe er sie in die Seite knufte. Gemeinsam schritten sie weiter, es war nicht mehr weit von seinem kleinen Haus entfernt. Sie befanden sich im Randgebiet zwischen Slums und der mittleren Ebene. Man spĂŒrte die EinflĂŒsse beider Schichten und in genau in diesem Grenzgebiet lag sein Haus. "Wie geht es dir eigentlich Ana? Ich meine ... wie fĂŒhlst du dich?"

Ana:
Ana stimmte in das Lachen ein. "Na dann sind wir uns rein hypothetisch ja sogar einig! Das hĂ€tte ich nun auf nicht erwartet." Die Luft wurde wieder etwas besser, auch wenn es natĂŒrlich kein Vergleich zu der Meeresbrise war, die sie nochvor kurzem hatten genießen können. Ana war schon Ă€ußerst gespannt auf Faraels Haus. Wie es eingerichtet war, wie groß die Zimmer waren und ob er viele oder wenige Dinge besaß. In ihrer Vorstellung war es recht spartanisch, eher pragmatisch, jedoch ordentlich und sauber. "Mir geht es sehr gut, danke", sagte Ana wahrheitsgemĂ€ĂŸ. TatsĂ€chlich hatte sie sich lange nicht mehr so klar im Kopf gefĂŒhlt und so wenig das BedĂŒrfnis verspĂŒrt, sich mit einigen weiteren GlĂ€schen zu betĂ€uben. "Ich freue mich sehr, ein sicheres Dach ĂŒber dem Kopf und die Gelegenheit fĂŒr gute GesprĂ€che zu haben." Sie schob ihre Daumen unter den GĂŒrtel. "Wie steht es mit dir? Bereust du schon, dass du dein Sofa an eine Wildfremde verkauft hast?"

Farael:
"An eine Wildfremde?", hinterfragte Farael, als er diese Worte hörte. Er wusste nicht genau, warum er dies so empfand, allerdings fĂŒhlte sich Ana nicht wie eine Wildfremde an. Und als sie schließlich vor einem kleinen Haus mit Kamin standen, kaum grĂ¶ĂŸer als ein Bauernhaus. Weiße Fassade aus Stein und ein Ziegeldach. "Um kurz auf deine Frage zurĂŒckzukommen: Mir geht's gut. WĂŒrde ich es bereuen, wĂŒrde ich dann Folgendes machen?" Ohne zu zögern und mit einer plötzlichen Bewegung, warf sich Farael Ana ĂŒber die Schulter. Ihr Kopf hing nach vorn gegen seine Brust, so dass sie auf den Weg vor ihnen blicken konnte. Galant hielt er sie mit seinem rechten Arm fest, wĂ€hrend er mit der Linken nach dem SchlĂŒssel suchte, der sich schnell anfand und die mithilfe dessen er die TĂŒr aufsperren konnte. Sie kamen in einen einzelnen Raum. Die WĂ€nde waren nicht geschmĂŒckt. Ein Sofa und ein Tisch samt einiger StĂŒhle standen im Raum auf der einen Seite. Auf der anderen Seite sein Bett und zwei Kommoden. Noch daneben ein RĂŒstungsstĂ€nder und Waffenhalter. Neben dem Kamin war ein kleiner Schrein mit Bildern und milden Opfergaben fĂŒr Ardemia aufgebaut. Ihm war es wichtig, dass alles seine Ordnung hatte und nichts schmutzig war. FĂŒr ihn stellte dies eine Grundlage fĂŒr ein gutes Leben dar. Unverfroren wie er natĂŒrlich war, ließ er Ana rĂŒcklings auf die Couch plumpsen und dabei schaute er sie frech an. "Na, wie gefĂ€llt's dir? Ich mache uns noch ein Feuer an, damit es warm fĂŒr die Nacht wird. Oder hast du noch ein paar andere PlĂ€ne?"

Ana:
"Na fĂŒr das Sofa bin ich doch eine Wildfremde", entgegnete sie, erfreut ĂŒber die Art und Weise, wie Farael das Wort betonte. Sie waren zum Stehen gekommen und neugierig betrachtete Ana das kleine Haus. Es hĂ€tte genauso gut irgendwo auf dem Land stehen können. Gerade wollte Ana dies Ă€ußern, da fand sie sich unvermittelt in der Luft wieder und ihr Blickfeld drehte sich einmal um 180°. "He!", rief sie, doch lachte dabei und sah die HaustĂŒre auf sich zu wackeln. Sie spĂŒrte Faraels Kraft in seinem Arm und sein Bizeps drĂŒckte sich fest an ihre Taille. So gut das möglich war, machte sie sich kopfĂŒber ein Bild von dem kleinen Raum. Ihre Vermutungen waren gar nicht so falsch gewesen. Es war einfach, doch wohnlich und vor allem sauber und aufgerĂ€umt. Einzig eine Art Altar ĂŒberraschte sie, doch dann fiel ihr ein, dass Farael ein Waldalb war und trotz seines stĂ€dtischen Lebens, typisch fĂŒr sein Volk, der Mutter huldigte. Das gefiel ihr, obwohl sie selbst nicht wirklich religiös war und nur Nyel ehrte. Ganz kurz verspĂŒrte Ana den Drang Farael am Kragen zu sich heran zu ziehen, nachdem er sie abgesetzt hatte, doch er verflog so schnell wie er gekommen war und sie grinste bloß zurĂŒck. "Oh, ein Feuer klingt wunderbar!", entgegnete sie. "Es gibt kaum etwas Schöneres, als die knisternde WĂ€rme eines Kamins. Und dann... wĂŒrde ich vielleicht zu einem kleinen Nachttrunk nicht nein sagen."

Farael:
Offensichtlich konnte Ana nicht die Finger von Alkohol lassen, was er nur mit einem KopfschĂŒtteln samt Grinsen quittierte. Bevor er jedoch Feuerholz holen ging, schritt er zur Kommode und holte aus ihre eine saubere Decke hervor, die er fĂŒr besonders kalte NĂ€chte aufbewahrte. Er liegte sie auf der Couch ab und stellte sich dann vor Ana. "So so. Nur das Trinken im Kopf, obwohl es gĂ€nzlich Andere Schönheiten in diesem Raum gibt", gab er schließlich zurĂŒck. "Leider habe ich keinen Alkohol hier, tut mir leid. Lass mich erst einmal aus meiner RĂŒstung schlĂŒpfen, dann können wir noch einmal drĂŒber reden." Damit machte sich Farael auch schon auf den Weg zu seinem Bett und den RĂŒstungsstĂ€nder. Seine Waffen wanderten auf den dafĂŒr vorgesehen WaffenstĂ€nder, worauf dann jedes RĂŒstungsstĂŒck an seinem Platz an dem RĂŒstungsstĂ€nder fand. Lediglich sein Leinenhemd, die Lederhose und die Stiefel blieben ĂŒbrig. "Ich geh' eben Holz holen, mache es dir schon einmal gemĂŒtlich." Mit diesen Worten schritt Farael hinaus in den Abend, um das Feuerholz hinter seinem Haus hervor zu holen.

Ana:
Beinahe war es ihr etwas peinlich. Sie hatte gedacht, es wĂ€re eine gute Idee und auch in Faraels Interesse, doch vermutlich war dies nur wieder eine Masche ihres Trinker-Ichs gewesen, den Wunsch zu rechtfertigen. Dankbar griff sie nach der Decke, setzte sich in den Schneidersitz und warf sich den warmen Stoff ĂŒber die Schultern. "Ich komme auch ohne zurecht", sagte sie und versuchte einen kleinen Scherz daraus zu machen. Neugierig beobachtete sie, wie Farael die RĂŒstung ablegte und akribisch jedes Teil an einen passenden Platz drapierte. Nun war schon deutlich mehr von dem zu erkennen, was sich darunter befand und ein kleines LĂ€cheln umspielte Anas Mundwinkel, dann nickte sie. "Danke." In die Decke eingewickelt stand sie noch einmal auf und ging im Raum umher. Sie sah sich den kleinen Schrein an, blickte hoch zur niedrigen Decke, strich mit der Hand ĂŒber den Tisch und die Kommoden und blieb dann vor dem Kamin stehen, der noch den angenehmen Duft verbrannten Holzes aussandte. "Bestimmt hĂ€lt er mich fĂŒr eine Trinkerin", dachte sie. "Eine Obdachlose Trinkerin." Sie seufzte, als hinter ihr die TĂŒre klickte. Farael kam mit einer Armladung voll Holz zurĂŒck. "Es ist nicht so, dass ich einen Drink brauche, um die Zeit mit dir genießen zu können", sagte Ana schnell, weil es sie wurmte. "Es ist eher die Gewohnheit vor dem Schlafengehen. Doch ich denke, wenn das Holz wohlig vor sich hin knackt und ich weiß, dass ich in guten HĂ€nden, kann ich auch so gut schlafen." Sie lĂ€chelte schĂŒchtern.

Farael:
Die kalte Luft trieb Farael dazu an, sich ein wenig mit dem Holz zu beeilen, auch der Umstand dass es draußen doch recht gefĂ€hrlich war, ohne eine Waffe umherzulaufen. Also lud er sich eifrig das Holz auf die Arme, machte eine Kehrtwende und ging zurĂŒck in das Innere seines Hauses. Dort angekommen erwartete ihn eine in einer Decke eingewickelte und mit einer reuevollen Stimme sprechende Ana. Behutsam ließ er das Holz vor dem Kamin sinken und tat als erstes einen Schritt auf Ana zu. Ein sanftes LĂ€cheln umspielte seine Lippen und er legte seine rechte Hand auf ihre Schulter. "Hey, es ist alles gut. Ich verurteile dich nicht und wĂŒrde es dir auch nicht ĂŒbel nehmen, wenn du einen Drink gebrauchen kannst. Du wirst aber sehen, dass es mit der richtigen AtmosphĂ€re und einer guten Gesellschaft genau so gut klappt, wenn nicht sogar besser." Behutsam klopfte Farael Ana auf die Schulter. Ein wenig tat sie ihm leid, er hatte das GefĂŒhl, dass er sie zu einer Rechtfertigung zwang, was aber keinesfalls seine Absicht war. Im Gegenteil. Sie sollte sein, wer sie war. Sofern sie keine Diebin oder Assassine ist, die ihm schaden wollte. Aber das glaubte er nicht. FĂŒr einen Moment widmete er sich dem Kamin, legte die Scheite zurecht und entfachte schließlich das Feuer. Darauf zog er sich nun auch die Stiefel aus und streckte sich einmal, in der WĂ€rme des Kamins rĂ€keln. "Es tut gut, wieder Zuhause zu sein. Dann noch mit guter Gesellschaft im Haus. Da habe ich dann wohl alles richtig gemacht.", sagte er lachend und setzte sich auf sein Bett. Von dort aus blickte er Ana an. "Ich hoffe es ist bequem fĂŒr dich hier. Brauchst du noch etwas?"

Ana:
Ana war froh, dass sie es noch angesprochen hatte und sah sichtlich erleichtert zu, wie Farael das Feuer entfachte. In die Flammen zu sehen, hatte etwas tief Beruhigendes und auch sie entledigte sich ihrer Stiefel und legte den GĂŒrtel mitsamt den Dolchen und ihren kleinen Beutel neben das Sofa ab. "Es ist wunderbar, danke", sagte sie leise und fuhr sich mit den Fingern durch das Haar. Sie lehnte sich zurĂŒck und sah Farael an, dessen GesichtszĂŒge im Feuerschein sanft erhellt wurden.

Farael:
Nur das Knacken und Knistern des Feuerholzes durchbrach die Stille des Raumes, die sich in Faraels Haus breitgemacht hatte. Ana war zufrieden und offensichtlich gut versorgt, sie wirkte auch so. Ihr Blick war aufrichtig und Farael erwiderte diesen auch nur zu gern. FĂŒr einen Moment musste er sich eingestehen, sich in ihrem kleinen Blickduell zu verlieren. Ein LĂ€cheln stahl sich auf seine Lippen, als er genau dies bemerkte und sich dabei erwischte, ihre GesichtszĂŒge im Schein des Feuers genauer zu betrachten. Der Glanz in ihren Augen barg auch etwas unheimlich Anziehendes, auch wenn es Farael niemals offen zugeben wĂŒrde. Schließlich war er ein harter Söldner, der nicht zu leicht zu beeinflussen sein sollte. Schließlich war es seine Stimme, die die Stille durchbrach: „Doch, ich denke es fehlt dir noch an etwas.“ Damit erhob er sich wieder und schritt auf den Kamin zu, ĂŒber dem auch zahlreiche KĂŒchengeschirre hingen. Von dort schnappte er sich einen Teekessel, den er mithilfe eines neben dem Kamins stehenden Kanister mit Wasser befĂŒllte. Diesen stellte er vorerst beiseite, zog eine Metallplatte neben dem Kamin hervor und legte sie ĂŒber das offene Feuer. Mehr eine provisorische Kochstelle, als wirklich ernstzunehmende KĂŒche, doch Farael war froh diese so nutzen zu können. Nachdem er die Platte in den Kamin geschoben und den Teekessel darauf gesetzt hatte, schnappte er sich noch einen kleinen Teebeutel aus einer Kommode. GefĂŒllt mit diversen, teilweise exotischen KrĂ€utern, hing er diesen schließlich in das Teewasser und ließ es aufkochen. “Glaube mir, nachdem du diesen KrĂ€utertee probiert hast, wirst du wirklich gut schlafen können und obendrein richtig gute TrĂ€ume haben! Manchmal, so heißt es, wĂŒrde einem diese KrĂ€utermischung sogar in den TrĂ€umen die Dinge zeigen, nach denen man sich am meisten sehnt. Und man kann sie dort erleben! Doch das ist alles nur Hirngespinst. Zumindest hatte ich noch nicht das GlĂŒck. Auf alle FĂ€lle schmeckt er mit einem Löffel Honig richtig gut“, erklĂ€rte Farael völlig freudig, obgleich er selbst von diesem Gemisch begeistert war. Auch wenn es nur geschmackliche Begeisterung war. Es dauerte nicht lang, da zischte es auch schon aus dem Kamin heraus. Sofort nahm Farael den Kessel hinab und sog tief den duftenden Dampf ein. Eine wahre Köstlichkeit, die sich in diesem BehĂ€lter befand. Behutsam stellte er den Kessel auf dem Tisch ab, holte Honig aus seinem Vorratsschrank und tat zwei große Löffel davon hinein. „Er wĂ€rmt wunderbar von innen und gibt einem das GefĂŒhl des Friedens. So wie auf dem Leuchtturm, nur dass dieser Frieden auch die TrĂ€ume durchsetzt.“ Farael zog zwei Becher hervor und fĂŒllte beide mit dem heißen Tee. Einen schob er zu Ana, wĂ€hrend er sich selbst einen Stuhl nahm und sich zu Ana setzte. „Ich wollte mich noch einmal bei dir bedanken, fĂŒr diesen Abend und den Wein. Das Bier natĂŒrlich nicht zu vergessen!“, sprach er zu Ana, mit einem LĂ€cheln auf den Lippen und in leisem Ton. „Ich hatte schon lang niemanden mehr, mit dem ich so reden konnte wie mit dir Ana. Du bist aus einem anderen Holz geschnitzt, als alle Anderen.“

Ana:
Schweigend beobachtete Ana Farael einen Weile. Sie spĂŒrte, wie ihr Körper in der sich ausbreitenden WĂ€rme des Feuers entspannte und mit den wohligen GerĂ€uschen aus den Flammen auch ihr Geist. Ein sanftes LĂ€cheln zog sich ĂŒber ihr Gesicht, als der Alb voller Begeisterung von dem Tee schwĂ€rmte. Es war schön, doch es hatte auch etwas WidersprĂŒchliches an sich, das sie schmunzeln ließ. Sie hatte sich Söldner immer als grobschlĂ€chtige Kerle vorgestellt, die billigen Rum und dickes Bier tranken und nun war sie in Gegenwart von einem, dem ein KrĂ€utertee die höchste Freude sein konnte. Ana gefiel das. Sie wurde gerne ĂŒberrascht, zumindest positiv. "Na da bin ich aber sehr gespannt, wo ich im Schlaf hinreisen werde", zwinkerte sie und nahm die Schale dankbar an. Sofort stieg ihr ein wundervoller Duft in die Nase und Bilder einer sommerlichen Waldlichtung formten sich vor ihrem inneren Auge. "Wundervoll", murmelte sie und trank ein paar vorsichtige SchlĂŒcke.
Es war nicht unbedingt was er sagte, eher die Art und Weise, wie er es tat, die Ana verlegen machte und sie spĂŒrte, dass sie sogar ein wenig rot wurde. Gott sei Dank wĂŒrde man das im Schein des Feuers nicht sehen können.
"Du musst dich nicht bedanken, Farael. Ich hatte auch schon lange keinen so schönen Abend mehr. Es hat gut getan, aus dem dĂŒsteren Alltagstrott auszubrechen." Ana fischte ihre Haare hinter dem RĂŒcken hervor und begann sie einzudrehen. "Damit hĂ€tte ich nach unserer Begegnung nicht unbedingt gerechnet", grinste sie, als sie sich zurĂŒck erinnerte. Viele Möglichkeiten waren ihr durch den Kopf gegangen, aber nichts glich dem, was wirklich passiert war. Bevor sie es sich anders ĂŒberlegte, stellte sie die Frage, die in ihr brannte, von der gemĂŒtlichen und warmen Stimmung angespornt: "Meinst du, wir können uns wiedersehen?"

Farael:
GenĂŒsslich nahm Farael einen Schluck des Tees zu sich, der warm in seiner Kehle hinunterfloss und dessen Hitze sich durch seinen gesamten Körper auszubreiten begann. In seinen Augen eines der schönsten und entspannendsten GefĂŒhle, die einem ein GetrĂ€nk nur geben konnte. Dabei betrachtet er mit Ruhe Ana, welche von dem Tee probierte und ihrer Miene nach es ihr auch schmeckte. Mit einem LĂ€cheln nahm Farael dies wohlwollend zur Kenntnis. Kaum jemand in Obenza versuchte sich an Tee. Die Meisten waren zu sehr versunken in Alkohol und Dhanga, so dass niemand die Kunst des Tees wertzuschĂ€tzen wusste. Nicht dass Farael groß davon Ahnung hatte, aber es war dem KrĂ€uterabsud unfair gegenĂŒber, ihn komplett zu vernachlĂ€ssigen. Die AtmosphĂ€re war wohlig im Raum. Ana schien sich wohlzufĂŒhlen und auch Farael konnte der Situation keinen einzigen negativen Punkt abringen. Es war perfekt, auch wenn ihm langsam die MĂŒdigkeit die Sinne vernebelte. Als Ana ihre Frage stellte, verschwand sein LĂ€cheln jedoch augenblicklich und ihm wich ein erster Gesichtsausdruck. Er versuchte Trockenheit und ein nĂŒchternes GefĂŒhl auszudrĂŒcken. Ein Blick, der einem Toten gehörte. Er ließ seinen Blick wirken. Die Ruhe hielt er aufrecht. „Die Frage ist nicht, ob wir uns wiedersehen Ana“, erklĂ€rte er trocken. Eine kurze, qualvolle Pause. „Sondern das Wann. Und das wird morgen frĂŒh sein. Danach zu jedem Zeitpunkt, an dem du es wĂŒnscht und ich nicht gerade allein beschĂ€ftigt sein muss.“ Seine Miene drĂŒckte nun wieder Freude und ein LĂ€cheln aus. „Außerdem – wenn du ein Dach ĂŒber dem Kopf brauchst, fĂŒr die Nacht, kannst du gern hierherkommen. Sofern du nichts klaust oder irgendwelche Leute mitbringst. Oder mir die Haare vom Kopf frisst“, erklĂ€rte Farael warm und nahm darauf einen Schluck von seinem Tee. „Wie ich dir bereits mehrmals sagte, bist du jemand Besonderes. Jemand wie du sollte nicht auf der Straße schlafen mĂŒssen und ich wĂŒrde dich gern genauer kennenlernen. Wenn du wilde Reiterin und Piratin es denn willst, versteht sich.“ Mit einem Augenzwinkern nahm Farael schließlich noch einen tiefen Schluck von seinem Tee.

Ana:
Sogleich bereute Ana ihre Frage. War sie zu weit gegangen? Hatte sie eine Linie ĂŒberschritten, die Farael strikt mied? Alles in seinem Ausdruck sprach dafĂŒr und der angenehme Geschmack des Tees verwandelte sich in Anas Mund in Bitterkeit. "Das hast du davon, wenn du dich jemandem öffnest!", schalt sie sich im Stillen und legte sich bereits abschwĂ€chende Worte zurecht, als Farael schließlich sprach und sie doch noch einmal innehielt. Was sie hörte, drang zunĂ€chst gar nicht in voller GĂ€nze zu ihr durch, so perplex war sie. Sie blinzelte ein, zwei Mal und schluckte hinunter, was sie hatte sagen wollen. Erstaunen wich Zuneigung, die sich dann wieder in ersteres wandelte, so fremd war ihr dieses warme GefĂŒhl ĂŒber die letzten Jahre geworden. LĂ€chelnd senkte sie den Blick. Dabei wusste sie gar nicht, Warum sie ihre Freude zu verbergen suchte. Das letzte Mal, als sie solch gute Worte gehört hatte, war... Ana stockte in ihren Gedanken und ihr LĂ€cheln verblasste. Nein! Das war Unsinn. Mit purer Willenskraft verdrĂ€ngte sie den anklagenden Gedanken aus ihrem Kopf. "Schade", scherzte sie stattdessen, "ich hatte mich schon auf eine köstliche Haarpastete gefreut. Albenhaar gilt auf den Rabeninseln als Delikatesse." Sie blickte Farael nun wieder direkt an. "Das ist ein ungewöhnliches Angebot", fuhr sie ernster fort. Einer umherstreunernden Piratin bedingungslos die eigene TĂŒr zu öffnen... das tat nur jemand, der töricht genug war. Doch Ana wusste, dass Farael nicht dumm war. Er sah wirklich mehr in ihr. Ebenso lag ihr mehr an seiner Bekanntschaft, als dass sie es durch einen kĂŒmmerlichen Diebstahl zunichte gemacht hĂ€tte. "Ich werde es nicht in den Dreck ziehen und mich ordentlich auffĂŒhren, wann immer ich es in Anspruch nehme. Und natĂŒrlich danke ich dir vielmals." Einen Augenblick schwiegen sie. "Ich möchte auch gern noch mehr von dir erfahren", gab sie schließlich zu. "Und zu gern möchte ich sehen, ob du in der Lage bist, ein wildes Pferd zu zĂ€hmen. Wir sind störrisch und launisch und brauchen viel Auslauf." Ein breites Grinsen hatte sich zurĂŒck in ihr Gesicht gekĂ€mpft und die inneren Zweifel und Sorgen endgĂŒltig verdrĂ€ngt.

Farael:
FĂŒr einen kurzen Moment hatte Farael das Bild eines Alben im Kopf, der fĂŒr seine Haare geschoren wurde, damit die Norkara diese als Pastete zubereiten konnten. Mit einer Mischung aus Faszination und Ekel tat sich vor ihm eine Pastete auf, aus der, wenn man in sie hineinbiss, zahlreiche Haare gesprungen kamen. Es schauderte Farael fĂŒr einen Moment, weswegen er den Gedanken kommentierte: „Pasteten aus Albenhaar ist wirklich widerlich. Noch widerlicher, wenn man es sich vorstellt. Oder ĂŒberhaupt Pastete mit HaarfĂŒllung. ĂœĂ€rgs.“ Immerhin hatte Ana Charme und eine gewisse KreativitĂ€t, die er ihr nicht verdenken konnte. Deshalb folgte von ihm auch ein beherztes Lachen, bevor er diesen teilweise verstörenden Gedanken bei Seite schob. Aufmerksam hörte Farael den weiteren Worten Anas zu, genoss aber auch die kurze Ruhe die in einer Pause ihres GesprĂ€ches entstand. Nicht immer war es notwendig, laut zu sein. Denn Stille konnte genau so viel ausdrĂŒcken, wie es ein Wort konnte. In diesem Falle war die Stille schön und angenehm zugleich. FĂŒr einen Moment schloss er die Augen und verspĂŒrte nicht mehr, als die Anwesenheit der Norkara in seinem Raum. Er vertraute ihr. Er zeigte es. Er bereute es nicht. Sie war anders, sie musste anders sein als sonst jeder in dieser intriganten Stadt. Ansonsten wĂŒrde er sich bitter tĂ€uschen und er wusste, dass man auf diese Weise sein Leben in Obenza verwirken konnte. Aus erster Hand wusste er es. Diese Gedanken wurden jedoch schnell verdrĂ€ngt, als Ana plötzlich das Wort erhob. Er zuckte zusammen, als er ihre Stimme hörte und hatte sich dabei erwischt, wie er fĂŒr einen Moment weggenickt war. Zu seinem GlĂŒck hatte er genug mitbekommen, dass er sofort ihr Grinsen erwidern konnte. „Ach so ist das? Waren wir nicht vorhin noch dabei, dass ich das Pferd und du die Reiterin bist? Oder denkst du wir werden hĂ€ufig genug diese Rollen tauschen?“ Mit einem lasziven Zwinkern stellte er provozierend die Frage. Um es mit einem stumpfen Wortwitz zu umschreiben: Farael hatte das GefĂŒhl es wĂŒrde zwischen ihnen Knistern und das lag nicht an dem Kaminfeuer. „Auf alle FĂ€lle bin ich mir sicher, dass ich dir genug Auslauf gewĂ€hren und dennoch dich mit den richtigen Mitteln zĂ€hmen kann. Warte nur ab.“, fĂŒgte er schließlich breit grinsend an. FĂŒr Farael stand fest, dass er Ana wiedersehen wollte. Je lĂ€nger er sie sah und sich mit ihr unterhielt, desto mehr hatte er das GefĂŒhl, dass er diese Entscheidung gar nicht bereuen konnte. Entweder das, oder seine Torheit erreichte neue HöhenflĂŒge. Mit einem letzten Schluck leerte er seinen Becher mit Tee und lehnte sich zurĂŒck, dabei herzhaft gĂ€hnen und sich einmal der LĂ€nge nach streckend.

Ana:
"Oh, du hast also wirklich zugehört", sagte Ana mit gespielt ĂŒberzogenem Erstaunen. "Ich dachte, bei euch geht alles, was wir sagen links rein und rechts wieder raus." Genau das hatte sie zumindest schon hĂ€ufig erlebt und sich selbst zum Vorteil gemacht. Bei Farael musste man allem Anschein nach vorsichtig sein, was man sagte. "Es klingt, als hĂ€ttest du Erfahrung." Ana setzte einen gewichtigen Blick auf, doch lĂ€chelte dabei. Sie sah, wie Farael sich streckte und spĂŒrte, dass auch ihr so langsam die MĂŒdigkeit in die Glieder kroch, dem interessanten GesprĂ€ch zum Trotz. Heute Nacht wĂŒrde sie gut schlafen, da war sie sich sicher. Irgendetwas sagte ihr, dass sie in diesen vier WĂ€nden nichts zu befĂŒrchten hatte.

Farael:
Mehrere Male blinzelte Farael Ana an, da er anfangs gar nicht verstand, woher dieses Klischee ihm gegenĂŒber plötzlich kam. NatĂŒrlich nahm er es gelassen und mit einem breiten Grinsen auf, auch wenn es ihn anfangs etwas verwirrt hatte. "Ich mag zwar manchmal mit meinem Schwanz denken, aber hĂ€ufig tue ich das nicht. Sonst wĂ€re ich heute nicht mehr am Leben", antwortet er frech mit einem noch breiterem Grinsen. "Sonst hĂ€tte ich dich wohl kaum vor diesen bösen Banditen retten können, wenn ich keine Erfahrung habe. Oder nicht zuhören wĂŒrde. Denn dann hĂ€tte ich sie nicht kommen hören." FĂŒr einen kurzen Moment erhob sich Farael von seinem Sessel und rĂ€umte das Geschirr ab, ehe er sich wieder zu Ana setzte. Seine Augenlider waren schon etwas schwer, doch er wollte dem trotzen, die Möglichkeit mit Ana zu reden und sie nĂ€her kennenzulernen war viel zu greifbar, als dass er sich diese Möglichkeit entgehen lassen wollte. "Wo kommt denn die plötzliche Kampfeslust her?", hakte er schließlich nach, das Grinsen nicht minder breit.

Ana:
"Ich dachte eher an Erfahrung mit wilden Pferden... oder deren Reiter. Dass du mit einfĂ€ltigen Banditen klar kommst, glaube ich dir sofort", neckte Ana weiter, als der Alb aufrĂ€umte. "Och", ĂŒberlegte sie, "es ist so schön einmal wieder ein richtiges GesprĂ€ch zu fĂŒhren, da bin ich wohl etwas ĂŒbermĂŒtig geworden. Der richtige GesprĂ€chspartner kann sehr herausfordernd wirken." Sie lĂ€chelte vielsagend. "Normalerweise benutze ich meine StimmbĂ€nder nur zum Verhandeln einer Gage oder um irgendeinen Trunkenbold davon zu ĂŒberzeugen, dass er zu tief ins Glas geschaut hat, um ĂŒberhaupt noch irgendetwas auf die Reihe zu kriegen... Das ist auf Dauer wenig zufriedenstellend." Ana zog die Beine an und legte ihre Arme darum. "Die meisten Leute, die man so trifft, bemerken kleine Neckereien ĂŒberhaupt nicht", fuhr sie fort. Eigentlich war das sehr schade, denn es komplettierte ihre VerfĂŒhrungskĂŒnste nach eigenem Ermessen wunderbar. Manchmal war es da gar frustrierend zu erkennen, dass ein Erfolg nur dem Körperlichen geschuldet war. Etwas ĂŒberrascht schĂŒttelte Ana den Gedanken ab. Wo war das hergekommen? War sie unbewusst schon wieder dabei, zu umgarnen? Sie musste sich am Riemen reißen! Zumindest, wenn sie herausfinden wollte, ob Farael ihr wirklich etwas bedeuten konnte.

Farael:
Mit sorgsamen Blick musterte Farael die Piratin genauer. Er wollte nicht forsch wirken, starrte aus diesem Grund nicht, jedoch versuchte er den stetigen Augenkontakt zu erhalten. Einer seiner Mundwinkel verzog sich nach oben, als er den ErzĂ€hlungen Anas lauschte und auch, was sie den lieben langen Tag tat. „So so. Also sind eher Trunkenbolde, Wirte und lĂŒsterne Kerle dein Klientel, mit dem du dich meist herumschlagen musst. Na gut, in dieser Stadt wundert das Niemanden. Ich bleibe dabei, dass du Besseres verdient hast. Ich seh's in deinen Augen.“ Mit einem entspannten Seufzen lehnte sich Farael nach vorn und stĂŒtzte sich mit seinen Ellenbogen auf seine Oberschenkel. „Weißt du, einige Frauen haben versucht die Reiterin zu sein. Doch letztendlich entpuppten sich sich nur als ungestĂŒme Pferde. Ich frage mich immer noch, zu wem du gehören wirst Ana“, antwortete er mit einem frechen Grinsen und zwinkerte ihr zu. Sie spielte mit ihm und er bekam es mit. Und Farael genoss diese Art des Spiels. Sie waren auf Augenhöhe, niemand konnte dem Anderen etwas absprechen, geschweige denn die Oberhand gewinnen. Es war wirklich schön, dass Ana nicht die gemeine Frau von der Straße Obenzas war. Sondern wesentlich mehr als das. „Eins gewöhne dir niemals ab: Hör' niemals auf ĂŒbermĂŒtig zu sein und nehme dir was dir zusteht. Du kannst Großes erreichen. Wonach sich dein Herz sehnt, solltest du auch greifen. Egal was es kostet. Zudem mag ich deinen Übermut, endlich mal eine Frau die einem nicht einfach nur stumpfe Dinge entgegenwirft um einen herumzukriegen. Man mag meinen, die MĂ€nner Obenzas seien schlimm, doch viele Frauen aus dieser Stadt stehen dem in Nichts nach.“

Ana:
War das eine Herausforderung? So oder so, Ana spĂŒrte, dass sie es zu gern herausfinden wĂŒrde - irgendwann zumindest und automatisch glitt ihr Blick ĂŒber Faraels Oberkörper. Sie wusste genau, welche Rolle sie normalerweise bevorzugte, doch wer wusste schon, ob der Alb sie nicht umstimmen konnte. Schließlich fanden ihre Augen wieder den Weg zu seinen. Sie seufzte. "Ich habe mir stets genommen, wonach mit das Herz stand. Das hat mich letztlich hier her gefĂŒhrt... Doch du hast Recht. Andernfalls hĂ€tte ich so vieles nie erlebt." Sie dachte an die Zeit auf See, an die glĂŒcklichen Momente mit der Crew, an das GefĂŒhl von Freiheit, hingehen zu können wo immer und wann immer sie wollte, an all die Lieder, zu denen sie der eigene Lebensweg inspiriert hatte und auch an Farael, den sie nie kennengelernt hĂ€tte, wenn sie damals anders entschieden hĂ€tte. "Danke, dass du das sagst", murmelte sie sanft, ohne zu wissen, ob er verstehen konnte, was sie meinte. "Und ich fĂŒrchte du hast Recht", fĂŒgte sie mit einem zustimmenden Nicken hinzu. "So manches Weib in dieser Stadt lĂ€sst den Teufel selbst als harmloses KĂ€tzchen erscheinen." Dass sie damit auch selbst Erfahrung hatte, verschwieg sie fĂŒr den Moment.

Farael:
Mit einem stummen Nicken bestĂ€tigte Farael die Worte Anas, ohne selbst etwas dazu zu sagen. Die wichtigsten Worte waren gesprochen. Schließlich gĂ€hnte er erneut und lehnte sich noch einmal zurĂŒck. Die WĂ€rme in dem Haus war wunderbar wohlig und sein Körper meldete nun den Höhepunkt seiner MĂŒdigkeit. „Gern geschehen Ana“, sagte er schließlich, ehe er sich erhob un im Stehen noch einmal streckte. „Wir sollten langsam schlafen gehen, es wird spĂ€t und ich bin langsam wirklich sehr mĂŒde.“ Daraufhin blickte Farael Ana fĂŒr einige Sekunden reglos an, mehrere Gedanken schossen durch seinen Kopf, doch seine Vernunft und die Angst eine zu schnelle Entscheidung zu tun, stoppten augenblicklich das, was in ihm hatte aufkommen wollen. Stattdessen griff er behutsam Anas Hand und drĂŒckte sie sanft. „Bereue niemals deine Entscheidungen. Denn nur diese Entscheidungen haben dich zu der Person gemacht, die du bist. Und ich sehe hier eine wunderschöne Persönlichkeit vor mir.“ Mit diesen abschließenden Worten ließ Farael die Hand Anas los und klopfte ihr auf die Schulter, ehe er zu seinem Bett ging. Dort entledigte er sich seines Hemdes und setzte sich auf sein Bett. „Kann ich dir noch etwas bringen?“, fragte er.

Ana:
Ana schluckte. Und schluckte noch einmal. Machte er das mit Absicht? Immerhin wusste sie nun, was sich unter dem Hemd befand und schloss, dass es viel zu schade war, um allzu hĂ€ufig versteckt zu werden. "Ich", setzte sie an. Noch immer spĂŒrte sie die WĂ€rme von Faraels Hand auf der ihren. "Nein, ich glaube, ich habe alles was ich brauche." Ihr Herz klopfte doller, als es sollte und hartnĂ€ckig drĂ€ngte sich eine Frage in ihr Bewusstsein. Darf ich mich zu dir legen? Was war nur los? Sie war doch lĂ€ngst aus dem Alter hinaus, in dem man hĂŒbschen Jungs nachschwĂ€rmte und in deren Gegenwart ganz wirr wurde. Vermutlich war sie zu nĂŒchtern, dachte sie und amĂŒsierte sich im Stillen ĂŒber den Gedanken. Dann war sie zurĂŒck bei der ursprĂŒnglichen Frage. Ob Farael das wollen wĂŒrde? Eigentlich wirkte er auf Ana wie jemand, der sich nahm, was er begehrte, doch seine Worte... ebenso gut konnte es sein, dass er einfach nur vorsichtig sein wollte. Das war wahrscheinlich auch das beste. Ana wusste zu gut, wohin es fĂŒhren wĂŒrde, wenn sie sich zu ihm legte. Allerdings konnte sie sich nicht lĂ€nger vormachen, dass sie das nicht wollen wĂŒrde. Erneut schluckte sie. "Doch. Es ist alles wunderbar und ich kann dir gar nicht genug danken." Ihrer Worte zum Trotz konnte Ana die EnttĂ€uschung in ihrem Innern nicht aufhalten.

Farael:
FĂŒr Farael war es mehr als eindeutig, dass etwas nicht stimmte. Ana schien eine Laus ĂŒber die Leber gelaufen zu sein und versuchte es mit aller Macht zu verbergen, doch ihre ganze Gestik verriet sie. Auch wie sie ihre Worte aussprach, tat nichts dazu bei, dass er ihr glauben konnte. Argwöhnisch beobachtete er das Spiel fĂŒr einen Moment, entschied sich aber schnell, dass er lieber nachfragte. „Nein, ist es nicht. Was ist los Ana?“, fragte er schließlich mit besorgter Miene.

Ana:
Die AnsĂ€tze eines Lachens entschlĂŒpften Ana, da sie so einfach ertappt worden war. Ja... was sagte sie nun? Sie entschied sich fĂŒr die Wahrheit. "Weißt du, Farael", begann sie, "normalerweise wĂŒrde ich mich nun zu dir dazu legen, sofern du mich ließest, und vermutlich wĂŒrden wir uns noch auf eine ganze andere Weise kennenlernen." Sie atmete noch einmal tief durch. "Und ich kann nicht leugnen, dass ich das möchte." Die Worte waren schwer wie Blei. "Aber zugleich fĂŒhle ich, dass es falsch wĂ€re... falsch mit dir zu verfahren wie mit so vielen zuvor, von denen ich aber keinen hĂ€tte wiedersehen wollen."

Farael:
Mit nachdenklichem Blick betraute Farael die Worte Anas. Sie hatte Recht und auch er wusste, dass dieser Schritt alles gefĂ€hrden könnte. Doch sie sehnte sich danach. Er sah es ihr an und auch ihre Worte sprachen davon. Allerdings schien sie nicht zu verstehen, dass NĂ€he nicht gleichbedeutend mit Sex sein musste. Im Gegenteil. "Dir sollte eines klar sein Ana. Ich wĂŒrde nicht mit dir schlafen wollen, weil es alles gefĂ€hrden wĂŒrde, was wir uns hier so vorsichtig aufbauen." Vorsichtig erhob sich Farael und schlenderte mit einem beruhigenden LĂ€cheln auf Ana zu. "Doch dass ich nicht mit dir schlafen möchte, ist nicht gleichbedeutend mit dem, dass ich nicht deine NĂ€he genießen wĂŒrde. Weder will ich dich herumkriegen, noch dich verfĂŒhren. Ich will, dass du dich wohlfĂŒhlst. Und menschliche NĂ€he ist ein elementares BedĂŒrfnis. In jedem von uns." Vorsichtig streckte Farael Ana seine Hand entgegen, bot ihr diese an. "Wenn du es möchtest, darfst du dich zu mir legen. Jedoch möchte ich kein Sex. Dieses Verlangen zu spĂŒren ist kein Grund, sich zu schĂ€men. Es ist natĂŒrlich."
Ana:
Sie spĂŒrte, wie sie knallrot anlief. Im selben Moment war sie gerĂŒhrt von Faraels Worten und brauchte einen Augenblick, bis sie sich sortiert hatte und reagieren konnte. TatsĂ€chlich konnte sie sich ĂŒberhaupt nicht erinnern, wann sie zuletzt einem Menschen nahe gewesen war, ohne den ganzen Weg zu gehen und mit ihm - oder ihr - zu schlafen. Hatte sie das womöglich verlernt? Langsam hob sie den Blick und sah Farael in die Augen, die im Schein der letzten Feuerzungen funkelten. Dann legte sie ihre Hand in seine. "Du musst ein schreckliches Bild von mir haben", murmelte sie. "Erst der Alkohol, nun Sex... ich weiß gar nicht, was ich sagen soll." Farael hatte sie mit seinen Worten wirklich ĂŒberrascht und berĂŒhrt. "Ich wĂŒrde sehr gerne bei dir liegen. Ich bin zuversichtlich, dass ich meine Triebe im Zaum halten kann", schloss sie mit einem Scherz, um wenigstens ein bisschen von der Peinlichkeit ablenken zu können.

Farael:
Ein gewaltiges Grinsen meißelte sich in das Gesicht Faraels, als er den knallroten Kopf Anas bemerkte. Ihr war diese Situation sichtlich unangenehm, wenn sie wohl auch sehr ĂŒberrascht wurde. Doch Farael hingegen war die Ruhe selbst. Er selbst hatte nichts dagegen, NĂ€he mit jemanden auszutauschen, der mehr war, als eine typisch-obenzische Frau. Es wĂ€re Vergeudung, Ana nicht diese Chance einzurĂ€umen und auch er selbst musste sich gestehen, nicht besser als sie zu sein. Zumindest meistens nicht, wenn er mit den zuvor genannten Frauen verkehrte. Behutsam legte er seine Hand um ihre und verschloss seine Finger mit den ihren. „Dir braucht es nicht unangenehm zu sein. Dein Bild ist ungetrĂŒbt, wie zuvor auch. Wie ich bereits sagte, es ist alles in unserer Natur.“ Langsam ging Farael mit Ana an seiner Hand zu seinem Bett, ehe er sich selbst setzte und Ana einlud, neben ihm Platz zu nehmen. „Ich bin nicht besser. Zumindest können dir das zahlreiche Frauen hier in Obenza bestĂ€tigen. Jedoch zeigt der Moment in dem man sich in angenehmer Gesellschaft befindet, was fĂŒr ein Mensch man wirklich ist.“

Ana:
Ihre Finger verschlossen sich und auf seltsamte Weise fĂŒhlte es sich so vertraut an, als kannten sie sich schon ewig. Genaus ĂŒberraschend kam der Stich der Eifersucht, als Farael aussprach, was sie ohnehin schon gewusst hatte. Und wo er sich keinen Deut von ihr unterschied. Nun, welcher Mensch bin ich dann wirklich?, dachte Ana bei sich, denn immerhin war es nicht sie gewesen, die die Situation gerettet hatte. Sie versuchte sich selbst Mut zuzusprechen. Tapfer hatte sie dem Drang widerstanden und Farael nahm ihr auch nichts krumm. Langsam ließ sie sich neben ihn sinken und legte ihren Kopf auf seiner Schulter ab. Alles fĂŒhlte sich so richtig an und doch ungewohnt und fremd.

Farael:
Ab diesem Zeitpunkt war sich Farael sicher, dass diese Situation keiner Worte mehr bedarf. Ana war ihm so nah, wie sie es anfangs gar nicht beabsichtigt hatten. Behutsam hielt er ihre Hand in seiner, als ob es der grĂ¶ĂŸte Schatz wĂ€re, den es zu erbeuten gab. Seine freie Hand strich ihr durch das Haar und er legte seine Wange auf ihren Kopf. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie sehr es ihm gefehlt hatte. Einem Menschen ohne Hintergedanken nahe sein zu können. Jemand, auf den man sich einlassen konnte, ohne dass dieser mit einem direkt Sex haben wollte. Es fĂŒhlte sich richtig an. Keiner seiner Gedanken wollte ihn verraten und sie doch zu einem Techtelmechtel verfĂŒhren. Das Einzige woran Farael in diesem Moment dachte, war die Zuneigung die er gegenĂŒber Ana verspĂŒrte. Jene Zuneigung, die weit ĂŒber Sex und wilde TrĂ€ume hinaus ging. FĂŒr einige Augenblicke verharrte er mit ihr in dieser Position, er schloss gar die Augen dabei und genoss den Moment. Jedoch begann ihn auch allmĂ€hlich die MĂŒdigkeit zu ĂŒbermannen. Aus diesem Grund löste er sich ein StĂŒck von Ana. Ohne ihre Hand loszulassen, kroch er unter die Bettdecke und legte sich auf den RĂŒcken, dabei bedacht Ana genug Paltz und Freiraum zu lassen, sich selbst eine angenehme Position zu suchen. Wie nervös er wirklich war, so wie er kaum mit dieser Situation gerechnet hatte, machte nur sein wild schlagendes Herz deutlich. Mit seiner Ruhe war es vorbei. Aufregung und NervositĂ€t waren in seiner GefĂŒhlswelt. Doch versuchte er nicht zu hinterfragen, sondern es einfach hinzunehmen – und zu genießen.

Ana:
Sie verharrten und die Zeit blieb stehen. Es konnten Sekunden sein und ebenso gut Stunden. Irgendwann löste Farael sich aus der Position und Ana folgte ihm, als wĂ€re es das NatĂŒrlichste der Welt, das, was sie jeden Abend tat. Sie lag mit dem RĂŒcken zu ihm und hatte die Augen weit geöffnet, obwohl sie eben noch totmĂŒde gewesen war. Das Feuer verkam langsam zur Glut und mit ihm schwand das Licht. Trotzdem blickte sie in den Raum, als brauchte sie die Augen, um den Moment abspeichern zu können, oder als fĂŒrchte sie nur, zu schnell einzuschlafen. Ganz deutlich spĂŒrte sie Faraels WĂ€rme und sie rutschte ein StĂŒck zurĂŒck, bis sie sich ganz leicht berĂŒhrten. Kurz meinte sie, seinen Herzschlag zu spĂŒren, doch ebenso gut konnte es ihr eigener sein. Sein Arm legte sich um sie und schließlich schloss Ana ihre Augen. Ihr Atme wurde ruhiger und ein wohliges LĂ€cheln umspielte ihre Mundwinkel. Sie ergriff seine Hand noch bevor sie einschlief.

Farael:
Farael spĂŒrte die zarte Hand, wie sie nach seiner tastete und schließlich seine eigene Hand umschloss. Er konnte nicht sehen, welchen Gesichtsausdruck Ana hatte, doch er spĂŒrte, wie sie sich sichtlich entspannte und sie ihm mit dem RĂŒcken nĂ€her. Er zögerte nicht, sich dicht an sie und seinen Körper schĂŒtzend um sie zu legen. Der Raum wurde getaucht in Dunkelheit, der Duft der von ihr strömte schien ihm so vertraut. "Gute Nacht Ana, schlaf gut", wĂŒnschte er ihr in seinen letzten wachen Momenten, ehe er selbst in das Reich der TrĂ€ume entglitt.

Ana:
Nachdem Ana seine Hand ergriffen hatte, zog Farael sie noch ein StĂŒck nĂ€her an sich heran, als hĂ€tte er nur diese BestĂ€tigung gebraucht. Geborgenheit... das drĂŒckte wohl am besten aus, was Ana in diesem Moment fĂŒhlte. "Du auch, Farael", flĂŒsterte sie, die Zunge schon schwer von MĂŒdigkeit und langsam schwand ihr Geist aus der wachen Welt. StĂŒck fĂŒr StĂŒck verblasste die Wirklichkeit um sie herum, bis zuletzt nur noch Farael ĂŒbrig war. Dann war Ana eingeschlafen.
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#19

Beitragvon Farael Dornenwind » So 18. Feb 2018, 14:10

Ein warmes GefĂŒhl bedeckte Faraels Körper, seine Sinne waren kaum im Stande Traum von Wirklichkeit zu unterscheiden. Das GefĂŒhl der Geborgenheit durchströmte jede Faser seines Seins. Die Methalle war ein Zeugnis der Verdienste seiner Kompanie. Nur durch ihre harte Arbeit und sein taktisches Zutun haben sie genĂŒgend Geld heranschaffen können, um den grĂ¶ĂŸten Traum seiner MĂ€nner erfĂŒllen zu können. Die lodernden Feuer der Kamine erfĂŒllte den Raum mit Licht und Hitze, wĂ€hrend in einem Singsang Frauen und MĂ€nner ihr Leben besangen!

Farael stand am Kopf der Tafel, hielt sein Horn voll Met in die Höhe und stimmte in das Lied ein. Die Stimmung war ausgelassen, es wurde gefeiert bis sich die Balken bogen. Hier und da prĂŒgelten sich ein paar MĂ€nner, wurden zur Unterhaltung einiger Schaulustiger. Viele vergingen sich auf gröbste Weise an dem servierten Essen und der Alkohol floss in Strömen. Nicht Faraels Art, aber seine MĂ€nner waren dadurch zufrieden zu stellen. Und wer wĂŒrde ihnen schon diesen Spaß verwehren, so lang sie keine Dummheiten anstellten?

Mit stolzem LĂ€cheln beobachtete er das Gelage, hob das Horn und nahm einen tiefen Schluck. Plötzlich verstummte das GelĂ€chter und die Lieder. Beißender Geruch von Feuer und Blut bohrte sich in Faraels Nase. Zögerlich senkte er das Horn. Roter Lebenssaft tropfte aus diesem. Sein Blick glitt ĂŒber ein Schlachtfeld sondergleichen. Die Methalle – in Ruinen. Über Tische und StĂŒhle Leichen von seinen Söldnern. Abgeschlachtet wie Schweine. In ihren erstarrten Gesichtern der Ausdruck des verzweifelten Überlebenskampfes. Augenblicklich erlosch jede Freude in Farael. Das Horn fiel zu Boden. Und sein Blick wurde schwarz.

Ein anderes GefĂŒhl der Sicherheit zeigte sich in Farael, als er die Augen aufschlug und gegen die Decke seines Hauses schaute. Es war wieder einer der AlbtrĂ€ume gewesen, die ihn mancher Nachts heimsuchten. Die schrecklichen Bilder wurden jedoch schnell vertrieben. Eine sanfte Bewegung auf seiner Brust zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Er blickte an sich hinab und sah einen wilden Haarschopf. Unter diesem befand sich Anas Kopf, auf seiner Brust ruhend. Sie hatte sich im Schlaf wohl an ihn angeschmiegt.

Aus Gewohnheit begann Farael sofort zu ĂŒberlegen, was am letzten Abend passiert war. Er war definitiv nicht betrunken gewesen. Zu gut erinnerte er sich an ihr abendliches GesprĂ€ch und auch wie sie gemeinsam zu Bett gingen. Er wollte nicht mit ihr schlafen. Argwöhnisch betrachtete er das HaarknĂ€uel auf seiner Brust. Behutsam schob er Anas Kopf beiseite und hob die Decke an. „Ardemia sei Dank“, flĂŒsterte er schließlich. Sie waren nicht nackt. Lieber ging er auf Nummer sicher, ehe er sich auf seine Erinnerungen verließ.

Vorsichtig begann sich Farael aus der Umarmung Anas zu lösen und aus dem Bett aufzustehen. Das war kein einfaches Unterfangen. Normalerweise schubste er die Frauen von seiner Bettkante und wies sie an zu gehen. Doch Ana war nicht irgend eine Frau. Auch wenn er schon im nÀchsten Moment diesen Gedanken hinterfragen musste.

WĂ€hrend er neben dem Bett stand, betrachtete er die nun wahrlich unschuldig wirkende Norkara. Was hatte er sich dabei nur gedacht? Sie war anders als alle Anderen zuvor, doch war dies ein Grund nachlĂ€ssig zu werden? Das Vertrauen in die falschen Menschen zu setzen hatte seinem damaligen Söldnerlager die Existenz gekostet. Dennoch lag eine eigentlich fremde Frau in seinem Bett, die schon mehr ĂŒber ihn wusste, als seine zwölf Liebschaften zuvor insgesamt. Dabei kannten sie sich nicht einmal einen Tag. Was war so besonders an ihr?

Fragen ĂŒber Fragen, die Farael nur seufzen ließen. Deren Antwort konnte er so oder so nicht zu diesem Zeitpunkt beantworten. Fest stand, dass er trotz der Bedenken es nicht ĂŒber's Herz bringen könnte, sie aus seinem Haus zu schmeißen oder sie gar erst zu vergessen. Stattdessen nahm er Stift und Papier zur Hand.

Ana,
wundere dich nicht, dass ich weg bin. Ich habe noch Dinge zu erledigen. Mein Angebot von gestern bleibt bestehen. Mein Zuhause ist auch gern dein Zuhause. Nimm dir etwas zu Essen, wenn du Hunger hast. Hinter dem Haus ist eine Wasserpumpe. Dort kannst du dich waschen. Du solltest aber vielleicht auf die Nachbarn achten. Die sehen nicht jeden Tag eine gut aussehende Frau hier. Ich hoffe wir sehen uns bald wieder.

Farael


Der Zettel wurde von Farael auf seinen Tisch gelegt, so dass ihn Ana ganz einfach finden und lesen wĂŒrde. Darauf griff er seine AusrĂŒstung, Waffen und seinen Geldbeutel, ehe er einen letzten Blick auf die noch immer schlafenden Ana warf. FĂŒr einen Augenblick ruhte sein Blick auf ihr, wie sich ihr Brustkorb sanft hob und senkte, sie sich im Schlaf bewegte und auch zuckte. Womöglich trĂ€umte sie, doch diese Bilder blieben nur ihr vorenthalten.

Damit schritt Farael aus seinem Haus und umkreiste es. Auf dem kleinen Hinterhof befanden sich ein paar WĂ€scheleinen, die Wasserpumpe als auch das Lager fĂŒr sein Feuerholz. FĂŒr ihn begann seine morgendliche Routine, aus ein paar LeibesĂŒbungen, der Reinigung seiner RĂŒstung und schließlich seines Körpers. Die KĂ€lte des Morgens kroch ĂŒber seinen Körper, besonders als er sich eingeseift und mit Wasser benetzt hatte. Nachdem er sich das kĂŒhle Nass abgetrocknet und sich schließlich seine RĂŒstung angezogen hatte, wĂ€rmte er sich schnell wieder auf. Er brachte seinen Waffen an die entsprechenden Positionen und war bereit fĂŒr den Tag.

Als erster Punkt stand das Finden von Söldner des ehemaligen Söldnerlagers. Das sollte sich als gar nicht so leicht herausstellen, wie er anfangs vermutetet. Letztendlich war die HĂ€lfte der obenzischen Bevölkerung wie ein Soldat oder Söldner gekleidet. Kaum jemand in der Stadt lebte von normalem Handwerk. Doch sein Augen fĂŒr MĂ€nner, die offensichtlich Erfahrung in einem Söldnerdasein hatten, enttĂ€uschte ihn nicht.

Nachdem Farael mehrere Tavernen abgesucht und nicht fĂŒndig geworden war, betrat er die Kneipe Shorty's. Ein Drecksloch, mitten in den Slums gelegen und kaum eine Gestalt an diesem Ort hatte keinen Dreck am Stecken. Hier endeten viele, die kein Geld fĂŒr eine anstĂ€ndiges Essen oder GetrĂ€nk hatten, geschweige denn fĂŒr ein Dach ĂŒber dem Kopf. Neben dem ĂŒblichen Gesocks und dem Gestank der Kneipe entdeckte Farael eine Gruppe von MĂ€nnern an einem Tisch sitzen.

Sie wirkten tatsĂ€chlich wie Söldner, doch einen in der Gruppe kannte er. Ein Überlebender des Massakers am Außenposten. Er saß mit vier anderen Gestalten am Tisch. Ungewöhnlicher wurde es, dass einer von ihnen nur eine Limonade trank. Limonade war vergleichsweise teuer hingegen zum Fusel, der sonst angeboten wurde. Bedacht und groß aufgebaut, ging zu dem Tisch herĂŒber und besah sich die MĂ€nner.

„Morgen MĂ€nner“, grĂŒĂŸte er in einem rauen Ton. Farael hatte die Arme vor der Brust verschrĂ€nkt und blickte die MĂ€nner vor sich an. „Ich bin auf der Suche nach ein paar Söldnern vom alten Söldnerlager. Besser gesagt vom MĂŒllhaufen, der davon ĂŒbrig geblieben ist. Ihr seid nicht zufĂ€lligerweise von dort?“ Sein Blick glitt zwischen den MĂ€nnern umher, untermalte aber mit seinem ernsten Ausdruck, dass er nicht fĂŒr SpĂ€ĂŸe aufgelegt war.
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Sodo Mio
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Re: Von Blut, Sold und Liebe

#20

Beitragvon Sodo Mio » So 18. Feb 2018, 21:26

"Leute, ich will langsam nach Hause", nörgelte Sodo, der mit dem Strohhalm seiner Limonade spielte.
"Wir haben kein zu Hause", erwiderte Cherax, der grauhĂ€utige Troll mit dem schwarzen Irokesen, der neben ihm saß und klang dabei ziemlich gelangweilt.
"Du weißt, wie ich das meine. Zu unserem Platz unter der EisenbrĂŒcke, ehe der wieder von irgendwelchen Pennern besetzt ist."
"Momentan sind wir selber Penner", grunzte Cherax.

Sie kamen nicht dazu, ihr tiefgrĂŒndiges GesprĂ€ch weiter fortzusetzen, denn ihr GrĂŒppchen wurde von einem trainiert aussehenden Albenverschnitt angesprochen. Der Mann fragte, ob sie zufĂ€llig vom Söldnerlager seien. Sodo und Cherax wechselten einen Blick. Womöglich war das einer von den BĂŒtteln. Jemand, der einen Verantwortlichen suchte.

"Ja klar sind wir von dort! Hast du Arbeit fĂŒr uns?", mischte Bolgur sich ein, ein Norkara, der die Flammen ebenso ĂŒberlebt hatte. Sodo verpasste ihm unter dem Tisch einen Tritt gegens Schienbein. "Auuuu, wofĂŒr war das?", motzte Bolgur, wofĂŒr Sodo ihm noch mal gegen das andere Schienbein trat. "Jetzt reichts aber", fauchte er und stieß Sodo gegen die gepanzerte Schulter.

Sodo ignorierte den Stoß und starrte ihn ungerĂŒhrt an. "Du bist besoffen", konstatierte er. "Niemand hier kommt aus dem abgefackelten Söldnerlager. Wir kommen aus einem Söldnerlager in SĂŒdnaridien und sind nur auf der Durchreise nach Norden."

"Ruhig Blut, MĂ€dels", brummte Cherax. "Bleibt friedlich." Dann wandte er sich an den Neuankömmling. "Wer bist du ĂŒberhaupt? Und warum interessiert dich das?"
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