Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

PAVOS-HEILSTUBE

Das Geisterhaus
Die Geister sind eine erfolgreiche und wohlhabende Gilde von Auftragsm├Ârdern. Jedoch bietet das Leben im Geisterhaus mehr als nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch ein zu Hause f├╝r Verlorene. Wichtigste Aufnahmebedingungen sind absolute Loyalit├Ąt und Verschwiegenheit - sonst endet man rasch selbst auf der Todesliste.
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Das Chaos

Re: PAVOS-HEILSTUBE

#21

Beitrag von Enzian » Sa 1. Apr 2017, 11:19

W├Ąhrend Pavo in gro├čv├Ąterlicher Manier dem Jungspund die Leviten las, nickte Distel eifrig, w├Ąhrend Enzian in einer Mischung aus Genervtheit und Langeweile die W├Ąnde betrachtete. Der kleine Ponycentaur dr├Ąngelte sich auch sofort vor, als es ums Reiten ging, damit Enzian seinen schlechten Einfluss nicht weiter auf den Burschen aus├╝ben konnte. An dem stolzen Krieger blieb es hingegen h├Ąngen, den tattrigen Greis zu transportieren. Er f├╝gte sich in sein Schicksal, legte sich nieder wie ein Kamel, damit der Heiler aufsteigen konnte und erhob sich dann vorsichtig. Bei Leuten mit Gelenkproblemen oder starken Schmerzen durfte er nicht traben. So ging er in gleichm├Ą├čigen, flie├čenden Bewegungen, aber doch recht z├╝gig, um die anderen beiden einzuholen. Er sah gerade noch, wie Distel vergn├╝gt buckelnd mit Anwolf auf dem R├╝cken in Richtung Zentrum galoppierte, w├Ąhrend er ihm eine lange Nase zeigte. Er wollte ein Rennen. Sch├Ân, konnte er haben.

"Halt dich fest, Gro├čv├Ąterchen. Jetzt zeig ich dir, wie man in Rakshanistan reitet. Wenn dir irgendwas weh tut, sag Bescheid."

Damit startete er durch und preschte die Stra├če hinab. Den Schmerz in seinem Huf ignorierte er, als Krieger war er ganz anderes gewohnt. Bis auf sein Humpeln hatte er keine Probleme und war nur wenig langsamer als sonst. Das Gewicht des Goblins sp├╝rte er kaum. Sie bogen von der Seitengasse in die belebte Hauptstra├če ein, wo Enzian mit einem Kriegsschrei auf die Hinterbeine stieg, um sich einen ├ťberblick zu verschaffen und Distel und Anwolf in dem Get├╝mmel zu finden.

"TOD UND CHAOS!", br├╝llte er und schlug mit den Vorderbeinen in die Luft.

Die Zweibeiner wichen erschrocken zur├╝ck. Anwolf und Distel flitzten derweile rasch in die schmalste Gasse, die sie finden konnten. Ein paar H├╝hner stiegen Gackernd empor auf die Marktbuden und der Verk├Ąufer fluchte. Dank Enzians Kampfschrei hatten sie pl├Âtzlich sehr viel Platz und so konnten ohne fleischliche Hindernisse in ihrem Weg die Verfolgung aufnehmen.

Distel und Anwolf sprangen ├╝ber Kisten und K├Ârbe, an dem J├╝ngling blieb eine vollbeladene W├Ąscheleine h├Ąngen, die nun samt W├Ąsche meterweit hinter ihnen herschliff. Und doch waren sie zu langsam. Hinter sich h├Ârte Distel Enzians donnernde Hufe.

"Jetzt beschei├čen wir, pass auf!", meinte Distel verschmitzt und hopste leichtf├╝├čig auf ein M├Ąuerchen, trabte es entlang und sprang dann wie eine Ziege ├╝ber ein paar D├Ącher. Ein gr├Â├čerer Centaur als er konnte das niemals bewerkstelligen, so was schafften nur Ponycentauren. Auf der R├╝ckseite stieg er ├╝ber ein paar Kisten wieder hinab und preschte ├╝ber den Viehmarkt auf der anderen Seite der H├Ąuserzeile. Ein paar junge Pferde rissen sich los und folgten ihnen, zusammen mit den w├╝tenden Besitzern.

Enzian grunzte missmutig. "Das ist zu hoch f├╝r mich. Wir nehmen einen Umweg." Sie galoppierten um die H├Ąuser herum und sahen schlie├člich eine kleine Pferdeherde ├╝ber den Markt in Richtung Felder preschen. "Oha, nicht gut. Das wird teuer. Festhalten!" Enzian beschleunigte zum gestreckten Galopp und preschte wie der Leibhaftige ├╝ber den Markt. Es gelang ihm, die jungen Pferde zu ├╝berholen und in Richtung ihrer Besitzer zur├╝ckzutreiben. Bis dahin waren Distel und Anwolf nat├╝rlich ├╝ber alle Berge. Er ging noch einmal auf die Hinterbeine, doch er konnte sie nirgends mehr entdecken. Der Opa war sicher auch langsam ersch├Âpft. Also ging er im gem├╝tlichen Schrittempo noch eine Runde mit ihm spazieren, sie genossen den Ausblick auf den Feuerl├Âschteich, auf dem Seerosen bl├╝hten und ein Schwanenpaar seine Runden drehte, klaute ein paar ├äpfel von einem Baum, die er im Gehen verzehrte (Pavo bekam auch einen gereicht) und brachte den alten Heiler sicher wieder nach Hause. In der Ferne h├Ârte er, wie die B├╝ttel mit aufgeregten Rufen begr├╝├čt wurden. Nun, sie kamen zu sp├Ąt. Weder Distel noch Enzian befanden sich mit ihren Reitern noch auf dem Markt.

Distel war ersch├Âpft. Anwolf war zwar zierlich gebaut, wie die meisten jungen Menschenburschen, doch f├╝r den kleinen Ponycentauren war er dennoch sehr schwer. Langsam tat ihm der R├╝cken weh. So kehrte auch Distel mit seinem Reiter zum Geisterhaus zur├╝ck. Der ganze Innenhof stank penetrant nach Pferdeschwei├č und sogar Distel, der das gewohnt war, r├╝mpfte die Nase. Enzian war klatschnass geschwitzt und l├╝mmelte vor sich hinstinkend auf einer Wiese im Schatten herum, d├Âste und kaute Gras. Auch Distel selbst stank zum Himmel, wie er nach einer Geruchsprobe unter seinen Achseln feststellte. So w├Ąlzte er sich auf der Wiese, um den Schwei├č abzureiben und sich mit dem Duft von Gras und Erde zu parf├╝mieren. Jetzt sah er noch struppiger und schmutziger aus als vorher. Er legte sich neben Enzian ins Gras und speiste die saftigen Halme. Sein Kumpel rollte ihm noch einen Apfel her├╝ber, den Distel zufrieden schnurpste. Eigentlich war heute ein sch├Âner Tag. Etwas anstrengend, aber lustig.

"Und, wie war es?", fragte er grinsend an Anwolf und Pavo gewandt, w├Ąhrend er kaute und dann an Pavo gerichtet: "Hat der Gestreifte dich ordentlich behandelt oder hat er wieder gezankt?"
"Hab ihn zwei Mal abgeworfen und ihm nen Haufen auf den Kopf gesetzt", erwiderte Enzian.

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Re: PAVOS-HEILSTUBE

#22

Beitrag von Pavo » Sa 1. Apr 2017, 15:17

Pavo schaute dem kleinen Centauren und Anwolf hinterher. Dass der gro├če Zebracentaur den Spa├č mitmachte und ihn ebenfalls eine Runde um den Block spendierte, gefiel Pavo. Zudem war der Bursche sogar so freundlich, sich f├╝r ihn extra abzulegen, damit er besser aufsteigen konnte. Das rechnete der alte Goblin ihm hoch an.

Der Centaur trug ihm auf, sich festzuhalten, da er ihm zeigen wollte, wie man in Rakshanistan ritt. Pavo hoffte, dass es sich nicht um einen ├Ąhnlichen, wahnsinnigen Reit-Stil handelte mit dem Dave sonst durch die Gegend ritt, wenn er es eilig hatte.

"Ich melde mich, falls was ist", grinste Pavo.

Der Zebracentaur schaffte es Pavos Hoffnungen binnen eines Sekundenbruchteils zu zerst├Âren. Er donnerte ebenfalls die Stra├če entlang herunter mit einem Tempo, bei dem man sich an ihm festkrallen musste. Kaum in eine Seitenstra├če eingebogen, schrie der Centaur wie ein Wilder, stieg und schlug mit den Hufen aus.

Pavo h├Ątte sich am liebsten den Schwei├č von der Stirn gewischt, aber diesmal sa├č Dave nicht hinter ihm um ihn zus├Ątzlich festzuhalten. Der alte Goblin verfluchte seinen besten Freund und seine eigene Dummheit.

Ausgerechnet jetzt wo er ihn brauchte war Dave nicht da. Und wieso hatte er sich ├╝berhaupt einen Ausritt gew├╝nscht? Er fragte den Almanen schlie├člich auch nicht, ob er so freundlich w├Ąre ihn binnen k├╝rzester Zeit von A nach B zu reiten.

Wie das endete wusste Pavo schlie├člich.
Atemnot und Herzrasen!

Der Centaur war irgendwie eine grauenvolle Mischung aus Rulrots Beinen und F├Ąhigkeiten, Daves Reit- und Geschwindigkeitsliebe und dem Wahnsinn des Chaos! Der alte Heiler verzog den Mund zu einem Sprich.

Warum hatte er nicht gleich Rakshor um einen Rundflug gebeten? Wie bl├Âde konnte man nur sein? Scheinbar lernte er nie dazu.

Genau wie seinerzeit auf der Flucht mit Dave und Rulrot aus Daijan nach Alessa spritzten die Fu├čg├Ąnger, die H├╝hner und alles was sonst noch auf der Stra├če kreuchte und fleuchte regelrecht zur Seite bei dem Ger├Ąusch der donnernden Hufe.

Distel und Anwolf galoppierten wie zwei Wahnsinnige durch die Stra├čen und es schien ihnen ├╝berhaupt nicht in den Sinn zu kommen, wie gef├Ąhrlich ihr Treiben war.

"Das kranke Reitverhalten scheint bei seiner Familie im Blut zu liegen! Ich glaub das nicht. Wen dem was passiert werden mich Ansgar und Dave umbringen! Der verdammte Bengel! Hoffentlich brechen die sich nicht die Knochen, Ainuwar steh ihnen bei! Und wo ich schon dabei bin - mir bitte auch!", st├Âhnte Pavo auf Enzians R├╝cken.

Der alte Heiler sah wie Distel und Anwolf eine W├Ąscheleine mitnahmen und mitschleiften. Den Centauren schien dass nicht im Geringsten auszubremsen und Anwolf lachte nur, w├Ąhrend er sich versuchte mit den H├Ąnden zu befreien!

Der Bengel schien nicht zu begreifen, dass er durch seine Aktion zu Tode st├╝rzen konnte. Oder dass die W├Ąscheleine, sollte sie wo h├Ąngenbleiben ihn strangulieren w├╝rden!

Soviel zum Thema Erwachsen!

"Meine Fresse, halt Dich mit den H├Ąnden an dem Centauren fest! Wenigstens mit einer Pfote!", motzte Pavo, obwohl ihn Anwolf vermutlich gar nicht h├Âren konnte. Falls doch, stellte er seine Ohren auf Durchzug.

"Die holen auf! Schneller, schneller - los los", feuerte Anwolf den kleinen Centauren an.

Der kleine Centaur rief etwas von beschei├čen und schon hopste der mit seiner menschlichen Fracht leichtf├╝├čig wie eine Katze mit Hufen auf eine Mauer, trabte sie entlang wie eine eigens f├╝r ihn gedachte Stra├če und sprang dann ├╝ber ein paar D├Ącher, was Anwolf begeistert johlen lie├č.

Der alte Goblin konnte gar nicht hinsehen, wie die zwei Irren ├╝ber die D├Ącher der Stadt ritten. Stumm betete er erneut, dass es trocken blieb und es jetzt nur nicht anfing zu regnen.

Der trockene Dreck oben auf den D├Ąchern w├╝rde sich in Schmierseife verwandeln, der Sturz von einem der D├Ącher konnte f├╝r beide den Tod bedeuten, bestenfalls kamen sie mit Tr├╝mmerbr├╝chen davon.

Wenn Anwolf zuerst unten landete und der Centaur auf ihm, war der Bengel Brei. Auch wenn der kleine Centaur nicht das Gewicht eines gro├čen Pferdes hatte. Der alte Goblin schob bewusst seine Erinnerungen an Daves damaliger Verletzung beiseite, genauso wie seine Ausbildung als Heiler.

Das ihm st├Ąndig die passenden Verletzungen zu den Gefahrenquellen einfielen, machte das Zuschauen und den eigenen Ritt nicht leichter. Im Gegenteil, wenn er abstieg konnte er sich erst mal in den Badezuber schmei├čen, so durchgeschwitzt war er vor Angst um den almanischen Backfisch.

Pavo ├╝berlegte ob er beiden - dem Centaur und Anwolf synchron den Arsch versohlen sollte, falls er den Ritt ├╝berlebte.

Der gro├če Centaur teilte ihm mit, dass die Mauer f├╝r ihn zu hoch war und er einen Umweg nehmen w├╝rde. Still schickte Pavo ein Dankgebet an Ainuwar. Wenigstens ein bisschen hatte es was geholfen.

Allerdings revidierte Pavo seine Meinung sofort wieder, als der Zebracentaur durch eine Pferdeherde auf dem Marktplatz schoss, die vorher vermutlich der kleine Centaur gemeinsam mit Anwolf aufgescheucht hatte. Eindeutig, er w├╝rde sie ├╝bers Knie legen - alle beide!

"Damit hast Du Recht, es wird teuer wenn sie uns erwischen", antwortete der alte Heiler.

Als ihm bewusst wurde, was er da gesagt hatte, h├Ątte er am liebsten seine Worte zur├╝ckgenommen, denn der Centaur h├Ątte sie auch als schnelle Fluchtaufforderung verstehen k├Ânnen.

Der gro├če Centaur beschleunigte auf einen gestreckten Galopp und Pavo f├╝hlte sich einmal mehr an die Flucht auf Rulrot erinnert. Damals hatte er sich beschwert, dass das Pferd keine Bremse im Maul hatte. Jetzt hatte er nicht mal einen Sattel oder diese Lenkleinen! Er hatte nichts! Gar nichts! Warum war er eigentlich auf dieses H├Âllenwesen gestiegen?

"Guck nach vorne!", kreischte Pavo.

Sie ├╝berholten die anderen Pferde als liefen die in Zeitlupe, schossen regelrecht an ihnen vorbei und dennoch waren der kleine Centaur und Anwolf bereits ├╝ber alle Berge! Das durfte doch nicht wahr sein! Mit welcher Geschwindigkeit ritten die beiden?

Nur um ihn erneut zu qu├Ąlen, da war sich Pavo sicher, stieg dieser verfluchte Chaos-Centaur aus Malgorions Reich erneut auf die Hinterbeine, um dann endlich ein Einsehen zu haben und mit gem├Ąchlichen Schritten zur├╝ck zu ihrem Haus zu laufen. Dabei lie├č es sich der gro├če Bursche nicht nehmen, noch einige ├äpfel zu pfl├╝cken.

Er selbst bekam auch einen gereicht und Pavo hatte M├╝he sich dazu zu bewegen, eine Hand aus der Centaurenm├Ąhne zu befreien um nach dem Apfel zu greifen. Vermutlich war dies ein b├Âsartiger Trick, damit er den Halt verlor und zu Tode st├╝rzte! Immerhin w├Ąre er dann selber schuld! Was hatte er auch losgelassen?

In einiger Entfernung h├Ârte er das Geschrei der Leute und die Rufe der B├╝ttel.

Als sie endlich wieder in den Hof des Geisterhauses ritten, waren der kleine Centaur und Anwolf schon da. Der kleine lag im Gras und einige Minuten sp├Ąter gesellte sich auch der Zebracentaur zu ihm.

Anwolf ging megabreit grinsend auf Pavo zu und blieb in einigem Abstand vor dem alten Goblin stehen.

"GEWONNEN! Muhahaha!
Wir haben gewonnen! WIR!
Na na na, na na - na! Du hast verloren Pavo, sowas von verloren",
lachte sich Anwolf kringelig und f├╝hrte eine Art Siegestanz auf.

"Anwolf, eine Frage...", fl├╝sterte der Goblin.
"Was?", gab der Naridier grinsend zur├╝ck.
"BRENNT EUCH DER HELM???", fauchte der alte Goblin.

"Ich hab nicht mal einen", lachte Anwolf.
"Euch h├Ątte sonst was passieren k├Ânnen, aber nein, Ihr musstet ja reiten wie die Wahnsinnigen. Man kann sich nur sorgen!", schnauzte Pavo.

"Klar Pavo. Ist schon Recht. Du bist ein ganz sch├Ân schlechter Verlierer", prustete Anwolf, knuffte den alten Goblin und ging zur├╝ck Distel.
"Ich glaub das nicht", st├Âhnte der alte Goblin.
"Das Du verloren hast? Doch das ist Fakt", antwortete der junge Magier.

"Dass Du Dich in Gefahr gebracht hast auch Wolfi. Lass dass zuk├╝nftig. Dein Centauren-Kollege war anst├Ąndig zu mir. Nehmt es mir nicht krumm, ich brauche ein Bad und ein Bier f├╝r meine Nerven", verabschiedete sich Pavo.

"Wie es war? Genial! Sag mal k├Ânntest Du mich von hier nach Alessa bringen? Dann k├Ânnte ich mein eigenes Pferd von Zuhause abholen. Machst Du das? Und wie hei├čt Du ├╝berhaupt? Wie ich hei├če hast Du ja sicher schon mitbekommen. Trotzdem, ich bin Anwolf und dass ist Pavo", sagte der Almane freundlich und reichte Distel die Hand.

"Wenn Du magst reibe ich Dich trocken, mache ich bei Tempestas auch immer", erkl├Ąrte Anwolf.
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Re: PAVOS-HEILSTUBE

#23

Beitrag von Urako » Fr 7. Apr 2017, 18:43

Urako stand unschl├╝ssig in der T├╝r herum.
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Re: PAVOS-HEILSTUBE

#24

Beitrag von Pavo » Fr 7. Apr 2017, 20:13

Urako stand unschl├╝ssig in der T├╝r herum und Pavo schob ihn ein St├╝ckchen zur Seite, damit er eintreten konnte. Pavo betrat frisch gebadet und neu eingekleidet die Heilstube und trocknete sich noch seine Haare ab, so dass sie in alle Richtungen abstanden.

Sonst bekam man den alten Goblin selten ohne seine Kapuze zu sehen. Es war eine alte Angewohnheit seine Robe immer noch auf die Art der Priester zu tragen. So sah Urako allerdings nicht nur Pavos Sturmfrisur, er sah auch in aller Deutlichkeit die grauenvolle Wunde, des fehlenden Auges. Pavo selbst schien dieser Umstand nichts auszumachen.

"Was ist los mit Dir Urako? Alles in Ordnung?", fragte der alte Goblin freundlich.

Entgegen seiner sonstigen Art wackelte er kurz mit den Ohren, da er immer noch etwas aufgeregt war. Anwolf quetschte sich keine Minute sp├Ąter an Urako vorbei und musterte den Tiefling.

Pavo und Urako schlug der Pferdegestank von Distel entgegen, den Anwolf im ganzen Raum verstr├Âhmte, wie eine Stinkmorchel.

"Geh Dich waschen Wolfi, Du stinkst zum Himmel nach Gaul! So kannst Du nicht in der Heilstube aushelfen. Und die Schreibstube solltest Du auch nicht mit dem Pferdegeruch verpesten", sagte Pavo und legte das Handtuch beiseite.

"Jetzt doch nicht. Zudem stinken Pferde nicht!", hielt Anwolf dagegen und musterte Urako neugierig.
"Jetzt! Ehe wir hier alle umfallen", gab Pavo zur├╝ck und verkniff sich ein Grinsen.

"Ein rosaner Tiefling. Ich habe noch nie einen rosafarbenen Tiefling gesehen. Wer ist das? Ein Kunde?", fragte der junge Naridier neugierig.
"Nein das ist einer Deiner Zunftbr├╝der. Er ist selbst erst ganz frisch in unserer Familie aufgenommen worden. Urako dass in Anwolf, Anwolf dass ist Urako", stellte Pavo sie einander vor.
"Hallo", grinste Anwolf breit.

"Wolfi geh Dich waschen herrje! Und bitte, bleib danach sauber und sau Dich nicht wieder ein. Von mir aus, fang morgen mit den B├╝chern an. Du kannst gerne gleich noch was mit den Centauren Zeit verbringen, aber jetzt wartet der Zuber auf Dich. Dass hei├čt hier, Du schleppst Dein Wasser selbst. Geh", forderte Pavo und schob Anwolf aus der Heilstube.

"Ja doch! Keinen Schreibdienst heute? Ich nehme Dich beim Wort. Vielleicht bin ich nachher nochmal auf ein Bier weg", fl├Âtete Anwolf und machte dass er weg kam.

Vor Urako blieb der alte Goblin stehen und musterte ihn genau.

"Nun? Was ist mit Dir Gro├čer? Du bist doch nicht umsonst hergekommen? F├╝hlst Du Dich unwohl, bist Du krank, oder hast Du was auf dem Herzen?", hakte Pavo nach.

Er kramte einen Keksdose hervor, nahm sich einen Keks und hielt Urako die Dose auffordernd hin.

"Nimm, nur zu", sagte Pavo freundlich.
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Re: PAVOS-HEILSTUBE

#25

Beitrag von Urako » Sa 8. Apr 2017, 09:45

"Ein Zunftbruder?" Skeptisch musterte Urako das B├╝rschlein, das ihn seinerseits neugierig ansah. Wof├╝r brauchte man den? Als "Boten" ganz sicher nicht. Gedanklich stellte Urako ihn sich als M├Ądchen f├╝r alles vor, einen Praktikanten, einen Handlanger, der die Drecksarbeit erledigte, damit die Profis ungest├Ârt arbeiten konnten - eben das, wof├╝r man junge Kerle so einsetzte, die noch keinen Dunst davon hatten, wie der Hase lief. Auch die Art und Weise, wie der gute Pavo mit ihm redete, sprach daf├╝r.
Urako grinste den Burschen breit an.
"Angenehm", erwiderte er und reichte ihm die Pranke. Wahrscheinlich hatte das Kerlchen keinerlei Ahnung davon, dass er hier in einem Meuchlernest gelandet war und w├╝rde es auch nie erfahren. In Gedanken knallte er ihm schon einen Korb voller Schmutzw├Ąsche hin und scheuchte ihn in der K├╝che umher, w├Ąhrend er selber mit hochgelegten F├╝├čen mit den anderen beim Fr├╝hst├╝ck sa├č und sich mit frischem Tee und warmem Geb├Ąck bedienen lie├č.

"Wir werden uns sicher gut verstehen! Muss aber dann erstmal los. Bin eine Weile gesch├Ąftlich unterwegs." Das h├Ârte sich gut an. "Mit meinem Partner", erg├Ąnzte er, damit es noch eine Spur wichtiger klang.

Nachdem Anwolf verschwunden war, wischte Urako sich unh├Âflicher Weise die Hand an der Hose ab. Wolfi hatte doch ziemlich gestunken. Pavo widmete sich sogleich ihm und sah ihm an, dass er etwas auf dem Herzen hatte. Unschl├╝ssig wich Urako einen halben Schritt zur├╝ck. Den Impuls, dem er gefolgt war, fand er pl├Âtzlich ziemlich bl├Âd. Pavo hielt ihm eine Keksdose hin. Urako nahm sich mechanisch einen Keks, a├č ihn aber nicht, sondern glotzte nur weiterhin unschl├╝ssig vor sich hin. Ohne Kapuze sah man, wie mitgenommen Pavos K├Ârper war. Urako h├Ątte gern gefragt, wie er ├╝berhaupt sein Auge verloren hatte, fand den Zeitpunkt aber nicht angebracht. Pavo wackelte mit seinen Ohren und in Kombination mit seinen abstehenden Haaren, die aussahen, als w├Ąre ein Blitz in seinem Hintern eingeschlagen, wirkte der alte Herr in Urakos Augen irgendwie drollig.
"Ich m├Âchte mich hiermit von dir verabschieden", erkl├Ąrte Urako sachlich.

Der atemberaubende Pferdegestank schwebte immer noch im Raum. Er schien nicht nur von Anwolf auszugegangen zu sein, sondern auch von drau├čen hereinzustr├Âmen. Durch das Fenster h├Ârte man das Gel├Ąchter von zwei Kerlen, vermutlich Reiter, die ihre G├Ąule mitgebracht hatten. Pferde. Angewidert r├╝mpfte Urako die Nase.
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Re: PAVOS-HEILSTUBE

#26

Beitrag von Pavo » Sa 8. Apr 2017, 12:47

Pavo beobachtete Urako und Anwolf. Urako verhielt sich auffallend h├Âflich, was den alten Goblin freute. Vielleicht war der Tiefling endlich doch etwas aufgetaut. Nach den ganzen Infos die man ihm in k├╝rzester Zeit um die Ohren geschlagen hatte, war es nicht verwunderlich, dass er seine Gedanken erst einmal ordnen musste.

Als Anwolf endlich samt seines Gestanks abgezogen war, wandte sich Pavo an Urako.

"Gut gemacht, Du hast Dich dem Kurzen gegen├╝ber sehr gut benommen. Dankesch├Ân.

Ihr werdet Euch sicher gut verstehen. Anwolf hat einen sehr seltsamen Humor. Er ist im Moment f├╝r die Finanzen, die Auftragsverteilung und die magische Nachrichten├╝bermittlung zust├Ąndig.

Schadet Dir nicht Dich gut mit ihm zu stellen. Zudem der Neffe von Dave, hei├čt auch er wird Dein Verhalten anerkennen.

H├Âr zu, dass sage ich Dir jetzt unter der Hand. Vielleicht zahlt Wolfi Dir ja einen Bonus, wenn Du ihm ein Souvenir mitbringst. Er mag so ungew├Âhnlichen Plunder. Wie Z├Ąhne von Hy├Ąnen, bunte Steine und alles was es hier nicht gibt. Frag nicht warum, ist einfach so.

So kleine Nettigkeiten erkennt er an. Gasmi h├Ątte Dir das sicher auch noch gesagt. Er kennt Anwolf noch von fr├╝her, er hat schon einmal hier ausgeholfen vor zwei Jahren oder so",
sagte Pavo freundlich.

Erst nachdem Anwolf weg war, r├╝ckte Urako mit der Sprache raus.

"Ich m├Âchte mich hiermit von dir verabschieden", erkl├Ąrte Urako sachlich.

Pavo grabschte Urako und umarmte ihn fest um den Hals.

"Das ist lieb von Dir. Nicht so sch├╝chtern. Sieh zu dass Ihr beiden gesund und munter wieder kommt. Viel Spa├č und lass es Dir gut gehen. Das w├╝nsche ich Euch beiden.

Ob Du es glaubst oder nicht, niemand m├Âchte Dir hier etwas B├Âses. Vielleicht sind wir nicht die Familie die Du Dir gew├╝nscht hast, aber alle male besser als die, mit der die meisten von uns von Geburt an gestraft werden.

Bei Dir war es nicht anders, Du warst allein, Du warst einsam und verbittert. Leugnen ist zwecklos. Versuch es nicht so krampfhaft zu ├╝berspielen.

Ich hab Dich nicht gerettet damit Du Schauspieler wirst, sondern nur eins - gl├╝cklich. Jetzt verschwinde",
sagte Pavo und dr├╝ckte Urako kurz, ehe er ihn wieder los lie├č.
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Re: PAVOS-HEILSTUBE

#27

Beitrag von Urako » Do 11. Mai 2017, 21:01

Urako geh├Ârte nicht zu der Sorte, die verbl├╝fft oder erschrocken auf Umarmungen reagierten. Er geh├Ârte eher zur distanzlosen Sorte. Nein, er freute sich, dass Pavo ihn umarmte und erwiderte die Geste, wobei er darauf achtete, vorsichtig zu sein, da dem alten Goblin sicher die Knochen schmerzten.

Urako sp├╝rte den Drang, irgendetwas Schnulziges zu sagen, so was wie: Danke f├╝r alles. Oder: Du bist ein wahrer Freund. Aber die Erfahrung hatte ihn gelehrt, sehr, sehr sparsam mit Zuneigung umzugehen, da sie nur allzu oft entt├Ąuscht wurde. Er mochte Pavo sehr. Aber Pavo musste das nicht wissen. Damit w├╝rde er ihm eine m├Ąchtige Waffe in die Hand geben. So genoss er schweigend einige Sekunden die W├Ąrme, die von dem alten Goblinmann ausging, dem er sein Leben verdankte. Er w├╝nschte sich, er h├Ątte so einen f├╝rsorglichen und warmherzigen Vater gehabt. Aber den hatte er nunmal nicht. Seiner h├Ątte vielmehr ein Frostalb sein k├Ânnen. Vielleicht war auch irgendwo einer von denen unter seinen Vorfahren, irgendwer musste ja die wei├čen Haare in die Familie gebracht haben.

Pavo war es, der die Umarmung wieder l├Âste. Seine Haare sahen nun noch etwas zerzauster aus, als zuvor. Urako grinste breit, stopfte sich den Keks im ganzen in den Mund, hob zum Abschied die Hand, nuschelte "Machschgut!", drehte sich um und ging zur├╝ck zu Gasmi.

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